3 PPP — 2 2 8 E . AA 9 . 90 N 2 0 —r.——ñ—8 Lokales und Provinzielles. Gießen, Dienstag, den 13. Oktober 1896. Ausgabe ssche Landeszeikung Gießen. Redaktion: 5 Kreuzplatz Nr. 4. 5 Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Bspaltige Petitzeile. Expedition: Kreuzplatz Nr. 2 4. * Gießen, 11. Oktober. Im Auftrage des großherzoglichen Ministeriums der Fi⸗ nanzen, Abteilung für Steuerwesen, werden soeben alle hervorragenden Firmen und Geschäfts⸗ inhaber des Landes, angeblich zum Zweck einer Gesetzesvorlage, durch ein Rundschreiben ersucht, anzugeben, welchen Wert die in dem betreffenden Geschäfte angelegten Anlage- und Betriebskapitalien haben. Dem Rund⸗ schreiben ist die Bemerkung beigefügt, daß Nie⸗ mand zur Beantwortung dieser Fragen verpflichtet sei, die Regierung wolle nur eine möglichst sichere und zuverlässige Grundlage für die Ge⸗ sezesvorlage haben. Wir glauben kaum, daß die meisten Firmen gewillt sind, ihre intimsten eie auf diese Weise preiszu⸗ geben. Gießen, 12. Okt. Die dem Gesangverein „Harmonie“ zu dessen 50 jähr. Jubelfeier ge⸗ flfftete, künstlerisch ausgeführte Fahne, ist in der Schul zeschen Fahnenfabrik dahier angefertigt vorden. Gießen, 12. Okt. Das 4. Stiftungs⸗ fest des Kutschervereins im Café Leib war sehr gut besucht. Nach Abspielen des Kutscher⸗ marsches und zweier Konzertstücke hielt der Vor⸗ sitzende, Herr Stein müller, eine Ansprache. Ein Theaterstück wurde von Vereinsmitgliedern sehr gut gesplelt, und fanden die lebenden Bilder keichen Beifall. Gießen, 12. Oktober.(Stadttheater). Trotz des guten Wetters erfreute sich die gestrige Lindervorstellung eines zahlreichen Besuches. Das Kindermärchen sowohl, als die komische Zauberpantomime wurden vortrefflich wieder⸗ — und bewirkten, die Kleinen in heiterste Stimmun 12 versetzen.— Abends ging das dreiaktige Volksstück von L Arronge„Mein Leopold“ in Scene. Das Stück ist zu bekannt, um auf den Inhalt desselben näher einzugehen. Daß es stets gern gesehen wird, bewies der gute Besuch der gestrigen Vorstellung. Gespielt wurde wieder ganz vorzüglich. Herr Helm stellte während den drei ersten Bildern den Schuh⸗ machermeister Weigelt so drastisch als möglich dar. Er nahm den Löwenanteil des reichlich ge⸗ spendeten Beifalls in Anspruch, der Stadtrichter konnte keinen würdigeren Vertreter finden als Herrn Schaller, dasselbe gilt von Herrn Fritschler als Rudolf Starke und Herrn Nüger⸗Autony als Klavierlehrer Mehlmeyer. Von den Damen sind Fräulein Egger als Clara Weigelt und Fräulein Dell mar als Emma Zernickow besonders zu erwähnen; die Gesangseinlage der Letzteren dürfte ganz be⸗ sonders gefallen haben.— Heute Abend wird zum zweiten und letzten Male„Mauerblümchen“ gegeben.— Morgen gelangt die Novität„Gräfin Fritzi“ zur Aufführung. Gießen, 12. Okt. Für die Verlosung zu der am 13. bis 16. November in Stein's Ausstellun g. gelangen von heute ab Lose in im Inseratenteil noch näher bezeichneten Stellen zum Verkauf. Es werden, wie uns versichert wird, nur solche Pflanzen zur Verlosung ange⸗ kauft, die für das Publikum einen bleibenden Wert haben. Bei der geringen Anzahl von Losen sind eine bedeutende Anzahl von Gewinne vorgesehen. Für die ersten 10 Hauptgewinne sollen noch Gegenstände, außer Pflanzen, als Blumentische, Vasen ꝛc., angekauft werden. Dem Publikum ist Gelegenheit geboten, für den ge— ringen Preis der Lose einen schönen Gewinn zu erzielen. * Gießen, 12. Oktober. Die Ausstel⸗ 190 der Hunde hatte gestern ein zahlreiches Publikum nach der„Schönen Aussicht“ gelockt. Hier waren die Amis, Bellos, Philaxen und wie die großen und kleinen Hunde alle geheißen haben, zur Schau gestellt und bellten zum Stein⸗ erweichen. Nur wenige waren stolz darauf, si h sehen zu lassen und verhielten sich ruhig, darunter ein schwarzer Pudel, als einziger dieser Rasse. Im Ganzen waren 80 Hunde ausgestellt. Unter denselben waren 33 Jagdhunde, teils tadellos schöne Exemplare, 21 Dachshunde, worunter ebenfalls prächtige Tiere. Auch die so sehr in Mode gekommenen Foxterriers waren in 13 Exemplaren vertreten. Die Bernha u diner, dar⸗ unter ein durch seine Körpergröße auffallendes Tier, 3 rauhhaarige Pinscher, 2 King⸗Charles ꝛc. vervollständigten die Ausstellung, auf der die Familie der Spitze und Wachtelhunde gänzlich fehlten. Es ist nicht zu verkennen, daß das, was gestern an edlen Rassehunden auf Veranlassung des Vereins zur Züchtung reiner Hunderassen in Gießen öffentlich vorgeführt wurde, sich sehen lassen kann und den einzelnen Besitzern und Züchtern zur Ehre gereicht. Preise erhielten: J. Klasse: Schweißhunde, hirschrot(2 Be⸗ werber), 3. Preis: Sepp, Rüde(Besitzer H. Strater⸗Rheydt). 3. Klasse: Deutsche Vor⸗ stehhunde, kurzhaarig, braun, a) Rüden(10 Be⸗ werber), 1. Preis: Treff⸗Laubach(Besitzer und Züchter Gräfl. Leibjäger Becker⸗Laubach). 2. Preis: Treff(Besitzer Forstaufseher L. Wald⸗ mann⸗Hausen bei Butzbach). 3. Preis: Mentor, (Besttzer Dr. Adolf Schwan⸗Gießen). b) Hün⸗ dinnen, 1. Preis: Betty⸗Frischauf,(Besitzer und Züchter H. Strater⸗Rheydt). 3. Preis: Flora⸗ Pfalz(Besitzer cand. med. vet. Scherrer⸗Gießen). 4. Klasse: Deutsche Vorstehhunde kurzhaarig, braun, Tiger(14 Bewerber), 1. Preis: Mentor (Besitzer Rechtsanwalt Grünewald⸗Gießen), 2. Preis: Tell(Besitzer Fr. Brückmann⸗Hof⸗Birklar), 3. 1711 Hektor(Besitzer Ad. Bieler⸗Gießen). 6. Klasse. Deutsche Vorstehhunde, langhaarig, braun(2 Bewerber), 3. Preis: Hektor von der Lahn(Besitzer Reinhardt Buderus⸗Lollar). 7. Klasse: Deutsche Vorstehhunde, stichelhaarig (13 Bewerber), 3. Preis: asser( Brifen, förster Andre-Laubach). 8. Klasse: Griffons, drahthaarig(3 Bewerber), 1. Preis: Hexe⸗W (Besitzer und Züchter Ferd. Windecker⸗Gießen), 2. Preis: Senda(Besitzer Chr. Chromm⸗Ehrings⸗ hausen). 11. Klasse: Irisch Setter, einziges Exemplar, Tierz-⸗Haut(Besitzer A. Puckard⸗ Wetzlar). 13. Klasse: Dachshunde, schwarzrot 10 Bewerber), 1. Preis: Gret(Besitzer und üchter Förster Roggendorf-Oberbiel, 3. Preis: Grete(Besitzer Ferd. Schmidt⸗Gießen). 14. Klasse: Dachshunde, rot(6 Bewerber), 2. Preis: Schön⸗Grete(Besitzer Forstaufseher Weber⸗Straßebersbach, 3. Preis: Reinecke 0 e⸗ sitzer O. Manne⸗Großen⸗Buseck. 15. Klasse: Dachshunde, braun mit gelb(3 Bewerber), 1. Preis: Dally⸗W.᷑c(Besitzer und Züchter Ferd. Windecker⸗Gießen), 2. Preis: Waldmann⸗W(Be⸗ sitzer und Züchter derselbe. 20. Klasse: Foxterriers, a) Rüden(5 Bewerber), 1. Preis: Nox of Frankfurt(Besitzer Alb. Rauch Frank⸗ furk a. M., b) Hündinnen(7 Bewerber), 1. Preis: Gold⸗Hellen(Besitzer H. Sprengel-Rup⸗ pertenrod, 2. Preis: Blitzmädel(Besitzer J. Reif⸗Gießen, 3. Preis: Zilly(Besitzer Aug. Gab⸗ riel⸗Gießen). Von den Luxushunden, deren im Ganzen 13 vorhanden waren, erhielt der rauh⸗ haarige Pinscher Jolli(Besitzer Ant. Weigand⸗ Gießen) den 3. Preis. Außer den Preisen wurden noch 2 Prädikate, nämlich höchste lobende Erwäh⸗ nung und lobende Erwähnung verteilt. Für die besten Hunde erhielten außerdem deren Besitzer Ehrenpreise. * Gießen, 12. Okt. Die Besitzer von Tauben seien auf die heute im Inseratenteil veröffentlichte Bekanntmachung aufmerksam ge⸗ macht, nach welcher vom 15. ab bis Ende des Monats auf Grund des Feld- und Forstpolizei⸗ esetzes die Tauben in den Schlägen zu halten sind. * Gießen, 12. Okt. Einen guten Fang hat am gestrigen Sonntag Herr Kriminal⸗Schutz⸗ mann Weiß in dem bei Friedberg gelegenen Orte Heldenbergen gemacht. Dem genannten Herrn ist es nach 10 1 Bemühen endlich ge⸗ lungen, vier Wilddiebe zu verhaften, welche am 13. v. Mts. von dem Förster Diehl zu Ilbenstadt beim Wildern betroffen wurden. Einen derselben hatte der Förster auf frischer That festgenommen, mußte denselben jedoch, ohne ihn erkannt zu haben, wieder laufen lassen, da dessen Genossen die Gewehre auf ihn(den Förster) abfeuerten. Unter starker Bedeckung wurden die Verhafteten in das Amtsgerichtsgefängnis zu Friedberg eingeliefert; sie werden sich vor dem nächsten Schwurgericht also noch wegen Mord⸗ versuchs zu verantworten haben. * Vom westlichen Vogelsberg, 11. Okt. Mehr Notfutter den Bienen zu verabreichen wie in diesem Herbste, dürfte zu den selteneren Vorkommnissen in der Imkerei gehören. Selbst die stärksten Völker haben vielfach ihren nötigen Wintervorrat nicht einzuheimsen vermocht und bedürfen der Futterdarreichung. Das sehr schöne und milde Oktoberwetter läßt wohl noch eine Fütterung der Bienen zu, aber dennoch drängt die vorgerückte Zeit zur Eile, da durch zu späle flüssige Fütterung leicht die Ruhr bei den Bienen — Bienen das Futter in größeren Portionen, etwa ein Liter, zu verabreichen. * Aus der Wetterau, 8. Oktober. Nach Art. 11 des Gesetzes, betreffend die Entschä⸗ digung für an Milzbrand und Rausch⸗ brand gefallenen Tiere, vom 7. Juli 1896 kann der Kreistag beschließen, daß die vom Kreise zur hate zu tragenden Aufwen⸗ dungen in Ausführung des Gesetzes ganz oder zum Teil auf die Viehbesitzer ausgeschlagen werden können, und zwar nach Maßgabe der Zahl der von ihnen gehaltenen Tiere. In seiner letzten Sitzung hat der Kreistag des Kreises Friedberg auf Vorschlag des Kreis⸗ ausschusses beschlossen, die vom Kreise zu tragende Hälfte dieser Aufwendungen, sowie die durch Teilnahme der Polizeibeamten aus den in Artikel 6 und 8 genannten Gesetzes bezeichneten Funktionen erwachsenden Kosten ganz auf die Kreiskasse zu übernehmen. Dagegen beschloß der Kreistag, in den Fällen, in denen die Kreiskasse dem Unternehmer der im Kreise bestehenden Anstalt für Verarbeitung und Verwertung der Tierkadaver eine Entschä⸗ digung von 8&& zu zahlen hat, diese Gebühr vom Besitzer des gefallenen Tieres zurückzuer⸗ heben, wenn Entschädigung nach dem Gesetz vom 7. Juli geleistet wird. f * Darmstadt, 11. Oktober. Das Schwur⸗ gericht verurteilte heute Abend die Ehefrau Marie Hirschinger wegen Körperverletzung mit tötlichem Erfolg zu zwei Jahren Ge⸗ fängnis. Diese hatte am 28. Mai d. J. ihr jähriges Söhnchen, nachdem es bereits vom Vater wegen kindlicher Unge 1 Strafe er⸗ halten hakte, derart mißhandelt, daß das arme Kind eine Schädelzertrümmerung davon⸗ trug und zwei Tage später starb. Die Ge⸗ schworenen hatten der jähzornigen Frau mil⸗ dernde Umstände zugebilligt. * Mainz, 11. Oktober.(Die alte Ge⸗ schichte.) Vor dem Schwurgericht stand heute der 26jährige Postagent Wilhelm Schnell von Mettenheim bei Worms, angeklagt der Unterschlagung im Amte. Er hat vom November 1895 bis Mai 1896 Postanweisungs⸗ beträge im Betrage von zusammen über 1000 4 underline Später, als die Geschichte heraus⸗ gekommen, sind die Fehlbeträge gedeckt worden, sodaß die Postkasse keinen Schaden erlitt. Die Staatsanwaltschaft beantragte wegen Verbrechens im Amte 2 Jahre Gefängnis. Die 1 plaidierte auf mil dernde Umstände, wei der Angeklagte nur 450 Mark Jahresge⸗ halt gehabt und sich in Not befunden habe, Die Geschworenen bejahten die Schuldfrage, ließen jedoch mildernde Umstände zu, worauftzihn das Gericht zu 14 Monaten Gescagnis verur⸗ teilte, wovon 4 Monate Untersuchungshaft abge⸗ rechnet werden.— Herr Oberbürgermeister Dr. Gaßner wird im Laufe des nächsten Monats wegen Feier des im Jahre 1900 stattfindenden 500 jährigen Geburtstags Gutenbergs eine Besprechung abhalten.— Die Stadtverord⸗ Silen stattfindenden Lokal⸗ Gartenbau- entstehen kann. Auch empfiehlt es sich, den ——— —......———— Zwischen Liebe und Pfli Roman aus dem australischen Buschleben . von G. Löffel. Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Aus diesen ernsten Gedanken schreckte mich donnerndes Hufgetrappel, welches rasch näher kam. Ich sprang empor und faßte mechanisch nach meinem Revolver. f f Im Busch muß man sich immer auf feindliche Begegnungen gefaßt machen, zumal zur Nachtzeit und wenn man Polizist ist. 5 Ein Lauscher an der Hüttenwand hätte jedes Wort verstehen können, was drinnen gesprochen wurde, und vielleicht kam es schon hier zu einem Ueberfall und Kampf, um mich an der Ausführung meiner geheimen Misston zu hindern.. Nie wurde ich mehr und angenehmer euttäuscht. Es war eine schneivige und jugendlich schöne Reiterin, welche da in den Lichtkreis meines Feuers sprengte und mit Eleganz über einen gestürzten Baumstamm hinwegsetzte. l 1 Dann riß sie ihr Pferd zurück, daß es sich hoch aufbäumte und ritt langsam vorüber, meinen ehrer⸗ bietigen Gruß mit einem kaum merkbaren Neigen res schönen Kopfes erwidernd.. Bald war sie meinen bewundernden Blicken ent⸗ schwunden. Och kannte dieses stolze Geschöpf. i Ich war ihr wiederbolt auf meinen einsamen Ssgueifzuügen begegnet, ohne auch Gelegenheit zu 0 äherung gefunden zu haben. ar Mal hatte es mir geschienen, als cht. wennzauch sie mich wohlgefällig bemerkte, wenn ich dann aber bei unserer nächsten Begegnung Mut fassen und sie anreden wollte, sprengte sie wieder so fremd und stolz an mir vorüber, daß ich meinen, durch Eigenliebe erzeugten Irrtum wohl einsehen mußte, und beschämt zur Seite bog. 5 Wie hätte auch ein armer, berittener Polizist, mit fünf Mark Tageslöhnung und freier Station, auf eine vornehme und gewiß sehr reiche, junge Dame Eindruck machen können. Ohne Zweifel gehörte sie auf eine der großen Stationen der Umgegend. n Um so bemerkenswerter war ihre bewiesene Furchtlosigkeit, indem sie immer allein ritt. Mit den Kameraden hatte ich über diese ge— legentlichen Begegnungen, die freilich nur in größeren Zwischenräumen und ganz unerwartet stattfanden, nicht gesprochen, um nicht gehänselt zu werden. wozu sie, besonders dem„Deutschen“ gegenüber, stets eine große Neigung hatten. So war meine schöne Unbekannte mir immer unbekannt geblieben, und daß sie es auch ferner bleiben sollte, erpreßte mir jetzt einen leisen Seufzer. Aber was nützte das! 5 Ein Jeder muß sich nach der Decke strecken, auch in seinen Gefühlen. a 1 Ebensowohl hätte ich mich in eine Prinzessin verlieben können. 5 f Damit riß ich mich auch von dieser schmerzlich⸗ schönen Erinnerung los, um mich noch einmal ganz meinem ernsten Vorhaben zuzuwenden. g Kaum hatte der Mond mit seinen Silberstrahlen die Spitzen der Riesenbäume berührt, so wurde es lebendig in dem bis dahin stillen Wald. Opossums und wilde Katzen kamen aus den hohlen Baumstämmen hervor, wo sie tagsüber ge⸗ schlafen hatten. Mit heiserem Grunzen kündigten sie ihr Er⸗ wachen an. Dann begann eine wilde Jagd von Ast zu Ast und von Baum zu Baum. Vampyre und fliegende Hunde flatterten lautlos zwischen dem kahlen Geäst umher. Der Schein des Feuers lockte sie an. Meine Rast war zu Ende. Ich packte meinen Gram zusammen, sattelte und löschte das Feuer mit Sand aus der nahen Wüste. Der Rauchschleier war vom Himmel hinweg⸗ gehoben. In silberner Klarheit leuchtete der Mond durch die Wipfel. Als ich eben abritt, wurde noch der Schrei der großen einheimischen Eule laut und zwar aus so unmittelbarer Nähe, daß ich zusammenschrak und mein Pferd scheute. Wer diesen markerschütternden Klageschrei ein⸗ mal gehört hat in stiller Nacht aus dem düsteren Urwald, der wird ihn bis an sein Lebens-Ende nicht mehr vergessen. Mehrmals wiederholt und immer leiser werdend, erstirbt er in einem dumpfen Stöhnen und Aechzen. War das eine letzte Warnung aus der Welt der Lebenden? Gleichviel! Ich gab meinem Pferd die Sporen und sprengte hinein in die tote Staubwüste noch weit hinaus verfolgt von dem kläglichen Eulenruf. Ich wollte womöglich noch vor Mitternacht bei der toten Schlucht anlangen, um das gespenstische Treiben daselbst aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Die Scrub-Wildnis wurde nach Verlauf einer halben Stunde abgelöst durch eine mit Salzbusch bewachsene Haide. Hier traf ich auf Schafherden, denn für Schafe ist der Salzbusch das beste Futter. In der Ferne stand der Schäfer. Sein Gewehrlauf blinkte im Mondenschein. Ihm mochte die nächtliche Stille weiter nicht ungeheuerlich erscheinen. Seine Hunde stürmten auf mich los und umsprangen mein Pferd mit wütendem Bellen. Ich ließ sie gewähren. Er pfiff ihnen und sie kehrten zu ihm zurück. Er hätte mir wohl sagen können, ob ich mich noch auf dem rechten Weg befinde, aber aus den vorhin angeführten Gründen mußte ich es mir versagen, ihn zu befragen. Wenn ich nach einer Station gefragt, das hätte Sinn gehabt, aber nach der„toten Schlucht“,— das mußte Verdacht erwecken. Konnte er nicht ein Verbündeter spenstischen Goldgräbers sein? Auf die Salzbusch-Ebene folgte spärlich be⸗ schattetes Weideland mit einer reichen Grasnarbe. Hier stieß ich in weiten Abständen auf Rinder; herden von tausend Stück und mehr. Diese sind ohne Hirten. Als Kälber werden sie ausgesetzt, und sie er⸗ reichen mit der Zeit einen solchen Grad von Ver⸗ wilderung, daß sie selbst den berittenen Viehtreibern zu Leibe gehen. des ge⸗ (Fortsetzung folgt.) 2 S — — r —— r neten werden in den nächsten Sitzungen die Wahl eines Direktors der städtischen Kunstsammlungen vornehmen. Wie wir hören, ist hierzu der Konservator des römisch⸗ ermanischen Zentralmuseums, Herr Linden⸗ schmit, ausersehen. 5 * Mainz, 10. Oktober. Im April dieses Jahres, anläßlich des Bierbrauerstreiks in Speyer, erschien in der„Mainzer Volksztg.“ während der Dauer des Streiks an der Spitze des Blattes eine Notiz, worin die Mainzer Arbeiterschaft aufgefordert wurde, kein Speyerer Bier zu trinken, bis die Forderungen der Brauerei arbeiter erfüllt seien. Die Staatsanwaltschaft hat deshalb gegen den früheren verantwortlichen Redakteur der gen. Zeitung, Peter Tiefel, und gegen den Verleger Zudwig Jo st Anklage wegen verübten groben Unfugs erhoben. Die Anklage stützte sich in der heutigen Sitzung des Schöffengericht auf eine Entscheidung des Reichs⸗ gerichts, wonach der grobe Unfug nicht verübt u sein braucht, um strafbar zu erscheinen, son⸗ 200 es genüge, wenn die gegebenen Momente geeignet waren, eine Beunruhigung im allge⸗ meinen Publikum hervorzurufen. Die Staats⸗ anwaltschaft beantragte gegen beide Angeklagte auf Grund des§ 360 des R.⸗Str.⸗G. und 8 21 des Preßgesetzes eine Geldstrafe von je 50 4, die Verteidigung plaidierte auf Freisprechung mit dem Hinweis, daß das Oberlandesgericht in Darmstadt, das in diesem Falle letzte Instanz sei, auf anderem Standpunkte stehe als das Reichsgericht und wiederholt in Urteilen der Ansicht Ausdruck verliehen habe, daß der§ 360, der sogen. Kautschukparagraph, überhaupt auf die Presse keine Anwendung finden könne. Das Gericht verurteilte den Redakteur Tiefel wegen Verübung groben Unfugs zu 20 K. Geldstrafe, während der Verleger Jost freigesprochen wurde. Gegen das Urteil wird Berufung eingelegt. * Mainz, 11. Oktober. Im erein Mainzer Kaufleute fand unter dem Vorsitz des Herrn Ludwig Bucher die Beratung der von der Mainzer Handelskammer vorgeschlagenen Satzungen betreffend die Bildung eines kauf⸗ männischen Schiedsgerichts für den Be— irk der Handelskammer Mainz statt. Der ntwurf wurde im ganzen gutgeheißen. Die weitgehendste Anerkennung ist die, daß die Ver⸗ sammlung verlangte, Rechtsanwälte dürften weder als Bevollmächtigte noch als Vertreter von Parteien zugelassen werden. Der Entwurf der Handelskammer hatte beide Punkte vorgesehen. * Bingen, 11. Oktober. Zwei hiesige Familien wurden plötzlich in tiefe Trauer versetzt. Der 15jährige Buchbinderlehrling Se⸗ wig und der ang Realschüler Wolf leisteten sich heute Abend zwischen 5 und 6 Uhr in dem Laden des Buchbinders Luft in der Schmittgasse gegenseitig Gesellschaft. Während der Unterhal⸗ tung zeigte Wolf seinem Kameraden einen Re⸗ krachte ein Schuß und der junge Sewig fiel ge⸗ troffen zu Boden. Man brachte den Schwerver⸗ letzten in das Hospital, wo er alsbald starb. In der Aufregung wollte der jugendliche Thäter sich ein Leid anthun, was jedoch verhindert wurde. Wetzlar, 10. Okt. Herrn Direktor von Forell von der Portland⸗Cement⸗Fabrik Karls⸗ stadt a. Main vormals Ludwig Roth, ist von der Königlich Serbischen Regierung das Offizier⸗ Kreuz des Takova⸗Ordens verliehen worden. Die genannte Fabrik liefert seit 5 Jahren den gesamten Cementbedarf für fortifikatorische Bauten in Serbien und der Ausfall der Lieferungen hat das serbische Kriegsministerium veranlaßt, den genannten Herrn, welcher die bezüglichen Lie⸗ ferungsverhandlungen persönlich geleitet hat, in gedachter Weise auszuzeichnen. Sehwurgericht. W. Gießen, 12. Oktober. Heute Vormittag 9 Uhr begann die Verhandlung gegen den 61 jährigen Viehhändler Feist Sommer von Crainfeld wegen Betrug, Meineid und Untreue. Bei Bildung der Geschworenenbank werden zwei Ersatz⸗ geschworene ausgelost. Die übrigen Geschworenen werden entlassen. Die Anklage wird vom Staatsanwalt Koch vertreten. Am Verteidigertisch nehmen Platz die Rechts⸗ anwälte Katz und Dr. Jung. Im ganzen sind 36 Zeugen zu vernehmen. Der Thatbestand der Anklage ist der folgende: Sommer hatte erfahren, daß der Landwirt Kraft in Altenschlief beabsichtige, sich ein Pferd anzuschaffen. Er setzte sich daraufhin mit dem als Zeugen zu vernehmenden Jakob in Verbindung, welcher im Besitze eines Pferdes war. Nach der zwischen Sommer und Jakob getroffenen Vereinbarung ging das Tier zunächst für den Preis von 183“ an Sommer über, mit der Bedingung, daß der Mehrerlös für den Braunen zwischen dem Angeklagten und Jakob geteilt werden sollte. Nun begann der Pferde⸗ handel zwischen Sommer und Kraft. Der Erstere ver⸗ laugte für das„Prachtpferd“ 620 /, indem er die Güte desselben mit einem Schwall von Worten herausstrich. Nach vielem Handeln und Feilschen wurden die Parteien endlich mit 400/ handelseinig, jedoch will Kraft auf diesen Preis nur eingegangen sein aufgrund der Versiche⸗ rung, daß das Pferd fehlerfrei und nicht älter als 9 Jahre sei. Gar bald aber merkte Kraft, daß er betrogen sei, er ging der Herkunft des Pferdes nach und ermittelte, daß dasselbe über 20 Jahre alt war. Die Staatsbehörde erblickt in diesem Handel die Merkmale des Betruges.— Der als Zeuge zu hörende Landwirt Löffler stand mit dem Angeklagten seit mehreren Jahren in Geschäftsverbindung. Anfangs des Jahres 1892 hatte der Angeklagte von seinem Kunden ein größeres Guthaben zu fordern und übernahm für dasselbe im Februar 1892 Vieh im Gesamtwerte von 1020 4. Nun soll zwischen Sommer und Löffler am 14. Februar 1892 gegenseitig dahin abgerechnet sein, daß der Erstere an Löffler 320„ 40& herauszuzahlen hatte. Sommer leistete aber keine Zahlung, sodaß Löffler die Klage zuerst wegen der runden Summe von 300& anstrengte. Der Prozeß erledigte sich, indem der Verklagte zunächst ver⸗ Wegen des Restes wurden demselben zwei Eide auferlegt, die er aber nicht leistete, sondern durch Vergleich die Verpflichtung der Restzahlung, sowie die Tragung der ganzen Gerichtskosten übernahm. Zwei Tage nach Pro⸗ tokollierung dieses Vergleiches klagte Löffler gegen Sommer auf Grund der Abrechnung vom 14. Februar seine Rest⸗ forderung im Betrage von 20„ 40. ein. Auch in dieser Sache wurde dem Beklagten Sommer ein Eid auf⸗ erlegt, den dieser auch annahm und dahin leistete:„Es sei nicht wahr, daß er am 14. Februar 1892 mit Löffler abgerechnet habe und daß aus dieser Abrechnung zu Gunsten des Klägers ein Guthaben von 320„ 40 verblieben wäre.“ Dieser Eid, den der Angeklagte am 22. Juni 1892 geleistet hat, soll, wie die Anklage behauptet, wissentlich falsch geschworen sein. Die Untreue erblickt die Staatsbehörde in Folgendem: Anfang der neunziger Jahre wanderte die Ww. Benjamin Bär, die bis dahin in Crainfeld gewohnt hatte, nach Amerika aus. Behufs Ordnung ihrer Verhältnisse, Ein⸗ treibung von Geldern ꝛc., stellte die Frau dem Angeklagten Sommer eine Generals⸗Vollmacht aus. Es wurde jedoch zwischen der Vollmachtgeberin und dem Bevollmächtigten ausdrücklich vereinbart, daß eine Spareinlage, die im Sep⸗ tember 1894 mit zugeschriebenen Zinsen den Betrag von „ 2058 65 à ausmachte, und welche die Kosten bei der Vorschußkasse Crainfeld gut hatte, unter allen Umständen dort stehen bleiben sollte. Zu aller Vorsorge wurde diese Vereinbarung schriftlich gemacht und von der Bürger⸗ meisterei Crainfeld beglaubigt. In diesem Schriftstück ist klar und deutlich festgelegt, daß der Generalbevollmächtigte ohne vorherige schriftliche Ermächtigung der Ww. Bär die Spareinlage nicht antasten oder erheben durfte. Ent⸗ gegen dieser Bestimmung soll nun der Angeklagte im Sep⸗ tember 1894 das Geld doch erhoben und zu seinem Nutzen verwendet haben. Allerdings hat der Bürgermeister von Crainfeld, welchem das Treiben Sommers bekannt ge⸗ worden, vom Angeklagten nach vieler Mühe nach und nach das Geld zurückerhalten, doch hat die Witwe Bär infolge dieses Vorkommens die Generalvollmacht zurückge⸗ zogen. Sommer bestreitet entschieden, den ihm zur Last gelegten Betrug, ebenso, daß er im fraglichen Fall einen Meineid geleistet; er giebt aber die Entnahme der Bär'schen Spareinlage zu, indem er behauptet, er sei damals der Ansicht gewesen, daß er als Generalbevollmächtigter das Recht gehabt, über diese Einlage verfügen zu dürfen; auch will er die getroffene Vereinbarung mit der Witwe Bär betreffend dieser Spareinlage vergessen haben. Das be⸗ zügliche Schriftstück habe seine Unterschrift erhalten ohne daß er vom Inhalt vorher Kenntnis genommen. (Fortsetzung folgt.) Neueste Telegramme. Das Zarenpaae in Darmstadt. Hd. Darmstadt, 12. Oktober. Wie nicht anders zu erwarten war, brachte der gestrige Sonntag sehr bedeutenden Fremdenzufluß vom hessischen Lande, obwohl an offiziellen Veran⸗ staltungen nichts vorgesehen war, als die große Festvorstellung. Am Vormittag besuchte die Zarin mit der Großherzogin den Gottesdienst in der Schloßkirche. Mittags gegen 2½ Uhr unter⸗ nahm das großherzogliche Paar in Gemeinschaft mit dem Kaiserpaare einen Spaziergang, von welchem sie kurz nach 4 Uhr in offenem Zwei⸗ volver, der scharf geladen war. Plötzlich J urteilt wurde, einen Teil der 300„ zu bezahlen. spänner zurückkehrten. Schon vor 6 Uhr begann ———ͤ— r D== 3 2— Bekanntmachung.— 5 Senses Bear. Sie geg er diehmartr; 5 2 8 . BFF f 8————— Mit B das Ausschreib . ee de bg fo. auscher Mts., abgedruckt in Nr. 235 des Gießener Anzeigers, bringen wir hier⸗ u der 1195 51 es auf dem Theaterplatz lebhaft zu werden. Ez war ein ebenso zahlreiches als glänzendes Pub⸗ likum erschienen. Kurz nach 6 ½ Uhr erschienen die hohen Gäste in der Fürstenloge, der Zar zwischen der Zarin und Großherzogin, zur Rechten der Zarin der Großherzog. Außerdem befanden sich in der Loge Großfürst und Großfürstin Sergius, sowie Prinzessin Ludwig von Battenberg. Als die Herrschaften die Loge betreten et erhob sich das Publikum und Hoftheater⸗Direktor Werner brachte ein Hoch auf das Zarenpaar aus, in welches das Publikum einstimmte. Alsdann wurde die russische Nationalhymne stehend an⸗ gehört. Die Aufführung war eine wohlgelungene. Die Stadt war auch gestern Abend illuminiert. Hd. Budapest, 12. Oktober. Bei den gestern aufgestellten Listen für die sozialistischen Abgeord⸗ neten kam es zu argen Straßen⸗Excessen. Die sozialistischen Wähler zogen vor das Wahl⸗ lokal der liberalen Sieges⸗Kandidaten, beschimpften dort die Wähler und bewarfen sie mit Kot. Die Polizei mußte deshalb viele Verhaftungen vor⸗ nehmen. Hd. London, 12. Oktober. Gestern Vormittag fand im Hydepark eine Arbeiter⸗Kundgebung gegen die Metzeleien in Armenien statt. Hd. London, 12. Oktober. Der Morning Post zufolge ist in dem Abschieds⸗Telegramm des Zaren an das französtsche Volk ausdrücklich be⸗ tont, daß das französisch-russische Ein⸗ vernehmen gegen die agressiven Ab⸗ sichten des Dreibundes gerichtet ist. Hd. Konstantinopel, 12. Oktober. Die Arbeiter des Marinearsenals zogen vor die Admiralität, verlangten ihren rü ck stän digen Lohn und drohten den Ildiz⸗Kiosk zu stürmen. Privattelegramme der„Hessischen Landesztg.“ * Karlsruhe, 12. Oktober, 2 Uhr 30 Min. Nchm. In einem hiesigen Hotel er⸗ stach gestern Abend infolge eines Wort⸗ wechsels der Lieutenant von Dräsewitz den Mechaniker Siepmann aus Alten⸗ dorf bei Essen. Letzte Nachrichten. * Gießen, 12. Okt. Die Freisinnigen hielten am Sonnabend in Grünberg, gestern in Hungen und Lich je eine Wählerver⸗ sammlung ab. Alle drei Versammlungen waren gut besucht. Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Re⸗ dakteur: Wilhelm Sell, Druck von E. Ottmann, belde in Gießen. Hegulier-Tullofen (Reuter A. B.) billig zu verkaufen. 1069 1089 Kreuzplatz 1. durch zur öffentlichen Kenntnis, daß die Abhaltung der Viehmärkte zu Gießen am 27. und 28. dieses Monats unter den daselbst angegebenen Be⸗ dingungen gestattet ist. Gießen, den 10. Oktober 1896. Großh. Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. Bekanntmachung. Betr.: Das Einhalten der Tauben während der Saatzeit. Die Besitzer von Tauben werden unter Hin⸗ weis auf Art. 79 des Feldstrafgesetzes aufge⸗ fordert, ihre Tauben vom 15. b's Ende dieses Monats in den Schlägen einzuhalten. Ueber⸗ tretungen dieser Vorschrift müssen nach Maß⸗ 5 des Feldstrafgesetzes zur Anzeige und estrafung gebracht werden. Gießen, den 10. Oktober 1896 Großh. Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. Bekanntmachung. Auf Verfügung Großh. Kreisamtes bringen wir Nachstehendes zur allgemeinen Kenntnis: Der sogenannte en richtet an den Obstbäumen(insbesondere an Aepfel⸗, Kirschen⸗ und Mirabellenbäumen) den größten Schaden an. In der Zeit von Mitte Oktober bis Dezember entschlüpft der Frostnachtspanner seiner Puppe und klettert der weibliche Schmetter⸗ ling an den Stämmen der Obstbäume empor, um in die Knospen seine Eier abzulegen, welchen im nächsten Frühjahr kleine Räupchen entschlüpfen, die sofort an den Blüten zu fressen anfangen und alle Bemühungen zu ihrer Vernichtung zu Schanden machen. s ist deshalb von Wichtigkeit, den Schmet⸗ terlingen den Zutritt zu den Zweigen und Knospen zu verwehren, was am Gründlichsten durch Anlegung von sogenannten Kleberingen (Klebegürteln) erreicht wird. Zur Herstellung von Kleberingen ist Brumataleim oder auch solgende Masse geeignet: 5 kg Rüböl und 1 kg Schweinefett küchtig gekocht; 1 kg dicker Ter⸗ pentin und die gleiche Menge Kolophonium für sich zusammengeschmolzen und dann unter fleißigem Umrühren der ersten Mischung zu⸗ gesetzt. Diese so erhaltene sehr klebrige Masse wird auf 10 em breite Papierstreifen, welche sest um die Bäume zu binden sind, aufgetragen und muß, falls ste nach einigen Monaten zu zähe geworden ist, erneuert werden. Wir fordern hiermit die Baumbesitzer zur Vertilgung des Frostnachtspanners durch An⸗ legung von Kleberingen unter dem Anfügen auf, daß der Stadtgärtner und das Feldschutz⸗ personal zur Erteilung jeder gewünschten Aus- kunft angewiesen sind. Gießen, den 8. Oktober 1896. Großherzogl. Bürgermeisterei Gießen. Gnauth, Oberbürgermeister. am 13. bis 16. 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