Gießen, Donnerstag, den 12. März 1896. Ausgabe Gießen. andeszeikung. Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4. 8 — Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile. 8 Expedition: 4 Kreuzplatz Nr. 4. Topas, 1 fielen selschuf w wages tomime, D neu Lieferanten sih Lorch, irn te jen. sertung l ain ibergasse. b, 13 Kommenden, len, 194% 135 nd bill. 1 ö des Landwirthschaftlichen . 55 referirte sst, gegen feste Prämien versichern kann. wird der volle Wert des Tieres vergütet, sobald 55 Lokales und Provinzielles. Gießen, 11. März. General⸗Versammlung Bezirks⸗Vereins zu (Fortsetzung aus dem Hauptblat)). Dr. Liebe vom städtischen chlachthof über die Gießener Schlachtvieh— Versicherungsgesellschaft, welche haupt⸗ sächlich im Interesse der Landwirte zu wirken bestimmt sei. Nachdem die Bemühungen auf e des§ 4 der Statuten den Anschluß der Gießen. Gemeinden an die Gesellschaft zu veranlassen, von keinem Erfolg gewesen, hat man sich zu der Modifikation entschlossen, daß vom 15. März an jeder Landwirt das zur Schlachtung in Gießen bestimmte Vieh, sofern es nicht ersichtlich 0 58 der Befund es für nicht ladenrein erklärt. Für einzelne beanstandete Organe wird ein fester Tax⸗ wert bezahlt. Regierungsrat Dr. Wallau er⸗ klärt außerordentlich erfreut zu sein, über das zu Gunsten der Landwirte damit Erreichte und giebt der Hoffnung Ausdruck, daß der Vorstand der Gesellschaft nun auch einen Modus finden werde, der auch den Anschluß der anderen Metzger an die Gesellschaft ermögliche. Dr. Liebe erklärt, die Wünsche der Metzger nach dieser Richtung würden von der Gesellschaft wohlwollend geprüft werden. Gutsbesitzer Schlenke bemerkt, daß nach der Vereinbarung mit dem Vorstand der Schlachtvieh⸗Versicherungsgesellschaft nur Tiere der Landwirte, nicht solche von sogenannten Handelsleuten in Gießen versicherungsberechtigt seien, genau so handhabe man die Sache in Marburg und komme dabei bei minimalen Prämien sehr gut aus. Redner weist aber daraufhin, daß die auf dem Lande vorhandenen Ortsviehversicherungs— lassen ihre Statuten ändern sollen, damit nicht der Landwirt seine bei ihnen als Zuchtvieh höher versicherten Tiere wenn sie es nach Gießen zum Schlachten bringen, einfach bei der Schlachtvieh— versicherung unversichert ließen, um zu Hause im Fall der Beanstandung den weit höheren Verlust des Viehs als Zuchtmaterial herauszuschlagen, und so ein Interesse an der Beanstandung in Gießen gewönnen. Zuchtvieh, welches durch ge— wisse Umstände eben nur den Wert des Schlacht— viehes habe, sollte als solches auch nur vergütet werden. Obermeister der Fleischerinnung Pirr giebt die Erklärung ab: Nach der heute hier abgegebenen Erklärung des technischen Beiraths der Schlachtviehversicherungsgesellschaft, Dr. Liebe, wolle er es unterlassen, hier die Differenzen zur Sprache zu bringen, die ihn und seine Kollegen, die außerharb der Gesellschaft stehen, von dieser trennen. Er gebe sich nach dieser Erklärung der festen Hoffnung hin, daß man ihren Wünschen gerecht werden würde. Rechtsanwalt Jost be⸗ merkt hierzu, daß es sich allerdings hier in der Versammlung nur um die Verhandlung der landwirthschaftlichen Interessen handeln könne. Die Versicherungsnahme der Metzger direkt habe seine Schwierigkeit, indem diese ja schon die ge⸗ setzliche Haftung für Währschaftsfehler durch den Verkäufer habe. Redner giebt aber anheim, eventuell eine Kommission zu wählen, welche die Differenz zwischen den Mitgliedern der Gesell⸗ schaft und ihren Kollegen berathen soll. Provin⸗ ial⸗Direktor Freiherr von Gagern hält die ahl dieser Kommission nicht für opportun, da — die heutige Bersammlung nicht die geeignete sei, sich mit dieser Frage überhaupt zu beschäftigen. Gutsbesitzer Güngerich-Heibertshausen hält die geforderte Prämie von Mark 8,50 für Ochsen zu hoch. In Köln z. B. zahle man nur Mk. 6.—. Freiherr von Gag ern bemerkt hierzu, es könne dabei um 1 Mk. mehr oder weniger nicht ankommen. Das Wesentliche sei, wie der Landwirt bei der Gesellschaft be— handelt werde, und dann solle man doch bedenken, daß man in Hessen bei der strengen Fleischbeschau auch ein wesentlich höheres Risiko habe. Die Prämiensätze seien ein Internum der Gesellschaft, das müsse man derselben überlassen, dieselben so zu bemessen, daß das Bestehen der Sache auch dadurch gewährleistet werde. Seip-Birklar weist darauf hin, wie die Landwirte bei bean— standetem Vieh in den Schlachthäusern zu Höchst und Offenbach geschunden würden, daher ver— diene das Gießener Institut die volle Unter— stützung der Landwirte. Obermeister Pirr giebt seiner Ansicht dahin Ausdruck, daß die Be— stimmung der Statuten der Versicherungs-Gesell⸗ schaft, daß nur Rindsmetzger Mitglieder der— selben werden können, geändert werden muß, denn wer mitthatet, der soll auch mitraten, daher sei die vom Rechtsanwalt Jost vorgeschlagene Kommission ihm und seinen Kollegen sympathisch. Würde ihren Wünschen nicht entsprochen, so würde der schon bestehende Riß unter den Kollegen noch weiter. Man würde eine zweite Viehver— sicherungskasse hier gründen und sich gegenseitig hier Konkurrenz machen, so daß für beide Teile nichts Ersprießliches dabei herauskäme. Pro— vinzialdirektor Freiherr von Gagern präzisirt noch einmal seinen schon geäußerten Standpunkt in dieser Sache und giebt dem Vorredner anheim, vorerst die Vermittlung der städtischen Behörden anzurufen, und wäre er durchaus nicht abgeneigt, in seiner amtlichen Eigenschaft dann sich mit der, den Vorredner und dessen Kollegen inter— essirenden Frage zu beschäftigen. Gießen, 11. März. Der Verein„Gieße⸗ ner Volksbad“ hielt gestern Abend im Café Leib eine mäßig besuchte Versammlung ab. Rechtsanwalt Dr. Fuhr führt den Vorsitz. Er giebt eine Uebersicht über die Arbeiten, denen sich der s. Z. gewählte Ausschuß unterzogen hat. Der Verein zählt jetzt 383 Mitglieder. Die zu errichtende Anstalt solle ein Schwimmbassin, 16 bis 20 Wannenbäder, 1 Dampfbad mit Massage und endlich Brausebäder erhalten. Das Bassin für Schwimmer soll täglich für Männer und Frauen abwechselnd, Mittwoch und Samstag Abend zum ermäßigten Preise von 10 Pfg. be⸗ nutzt werden. Für die Erbauung und die con⸗ fortable Einrichtung dieser Badeanstalt benöthige man, 120000. Der Bauplatz, den man 10 bis 15000 Quadratmeter groß annehmen müsse, um später die Anstalt event. erweitern zu können, erfordere + 20000. Das Betriebs- kapital sei auf ebenfalls, 20000 bemessen, sodaß die erforderliche Gesammtsumme. 160000 ausmache. Stadtverordneter Haubach referirte nun über die der Versammlung vor— liegende Rentabilitäts⸗-Berechnung des zu grün⸗ denden Unternehmens. Die diesem Voranschlag zu Grunde liegenden Zahlen treffen ungefähr das richtige. Das nothwendige Personal erfordere etwa, 6950,—, die Materialien etwa.. 4620,— Abschreibungen, Reparatur, Hypotheken— zinsen ꝛc. etwa 5560,—, zusammen also eine jährliche Ausgabe von. 17 130,.—. Dem⸗ gegenüber wäre eine Einnahme von +ι 18 750,.— angenommen, sodaß ein Reingewinn von 1620 . zu erwarten sei. Alle Ziffern stützen sich auf Erfahrungen in anderen Städten. Dr. Fuhr bemerkt hierzu, daß die Leitung der Anstalt in den Händen eines Vorstandes, der aus 3—5 Mitgliedern bestehen soll, liegen wird und man wird in unserer Stadt Männer finden, die das Volksbad über die Kinderjahre hinaus sicher geleiten werden. Man beabsichtige Mk. 6000.— Hypothek, mit 3½ pCt. verzinslich, aufzunehmen und habe nach dieser Richtung bereits die Zu— sage der Alters- und Invalididätsversicherung für das Großherzogtum Hessen erhalten. Der Rest von 100000 Mark soll in Aktien aus⸗ gegeben werden, von denen die Hälfte die Stadt Gießen übernehmen soll. Auch hofft man das zum Baden erforderliche Wasser zu 4„ pro Kubikmeter von der Stadt zu erlangen. Professor Gundermann weist an der Hand der Verhältnisse von Pößneck, die ihm bekannt sind, darauf hin, daß die Badefrequenz für Gießen größer sein wird, wenn man erwägt, daß die Bevölkerung unserer umliegenden Dörfer die Badegelegenheit ebenfalls benutzt. Professor Sommer erklärt, das Unternehmen habe gewiß Jedermanns Sympathieen und regt an, ob es sich nicht ermöglichen ließe, mit der Badeeinrichtung eine Waschanstalt zu vereinigen, um die Rentabilität dadurch zu steigern. In der Schweiz habe man vielfach beides vereinigt. Dr. Fuhr bemerkt hierzu, daß allerdings in Magdeburg der Versuch gemacht sei, der sich aber nicht be⸗ währt habe. Professor Sommer hält es im Prinzip für wünschenswert nicht nur an die Reinhaltung des Körpers, sondern auch an die der Wäsche zu denken und verspricht sich nach den Ver⸗ hältnissen dieser Anstalten in der Schweiz und deren Rentabilität sich erkundigen zu wollen und dann das Material dem Vorstand zur Verfügung zu stellen. Redakteur Scheidemann ist der Ansicht, daß derartige Wohlfahrtsinstitute wie das projektierte Volksbad von der Stadt sel bst gebaut werden müßten. Die Frage der Rentabilität dürfe erst in zweiter Linie in Frage kommen. Hauptsache müsse sein, daß die Austalt der ganzen Bevölke⸗ rung zum Segen gereiche. Nach diesen Gesichts⸗ punkten würden aber Private kaum verwalten, die doch meistens auf Zinsengenuß reflektierten. Der Stadt dürfe es nicht darauf ankommen, bei einer solchen Wohlfahrtseinrichtung jährlich ein paar Tausend. zuzuschießen. Hauptsache sei jedoch auch für ihn(Redner), daß das Bad überhaupt zu Stande komme. Unter keinen Um⸗ ständen möchte er etwa das Projekt daran scheitern sehen, daß die Stadt sich ablehnend verhalte. Die Versammlung nahm darauf folgende Resolutionen einstimmig an. 1. Die Versammlung erkennt die Errichtung einer Badeanstalt mit Sommer- und Winterbetrieb, umfassend Schwimm-, Wannen-, Brause⸗ und Dampfbäder als dringendes Bedürfnis an. 2. Die Versammlung erklärt sich mit dem vom Arbeits⸗ ausschusse des Vereins Gießener Volksbad skizzier⸗ ten Bauplane und dessen Rentabilitätsberechnung einverstanden. 3. Die Versammlung erachtet es als eine unabweisbare Aufgabe der Stadtver— waltung, für die im wahrsten Sinne des Wortes gemeinnützige Anstalt städtische Mittel zur Verfügung zu stellen; sie hat andererseits die Zuversicht und das Vertrauen, daß es dem Ge⸗ meinsinn der Bürgerschaft gelingen wird, ihrer⸗ seits soviel Kapital aufzubringen, daß durch das Zusammenfließen von städtischem und privatem Kapital die als notwendig erkannte Bausumme aufgebracht wird. Die Versammlung beauftragt demgemäß den Arbeitsausschuß des Vereins „Gießener Volksbad“ dem Herrn Oberbürger⸗ meister das Ergebnis der Vorarbeiten des Aus⸗ schusses und die heutigen Beschlüsse mit der Bitte vorzulegen, der Stadtverordneten-Versammlung das folgende Gesuch zur Beschlußfassung zu unter⸗ breiten: Es wolle die Stadt Gießen, um die Errichtung eines Volksbades zu ermöglichen, sich bereit erklären: a) der zu nden Aktien⸗ Gesellschaft das zum Betriebe der Anstalt er⸗ forderliche Wasser zu 4 5 per Kubikmeter aus der städtischen Wasserleitung abzugeben; b) eben⸗ soviel Aktien⸗Kapital zu gewähren, als aus der Mitte der Bürgerschaft gezeichnet werden wird. c) Im Laufe von 25 Jahren in gleichen jähr⸗ lichen Raten die in privaten Händen befindlichen Aktien al pari aufzukaufen und alsdann das Bad in Alleinverwaltung zu übernehmen. Gießen, 11. März. Heute Morgen rückten per Wagen, welche mit Taunengrün herausgeputzt waren, die jungen Mannschaften von Allendorf an der Lahn, Allendorf an der Lumda, Alten⸗ Buseck, Annerod, Bersrod, Winnerod, Beuern, Burkhardsfelden, Daubringen, Großen ⸗Buseck, Hattenrod und Mainzlar in die Neustadt ein. Das Musterungsgeschäft auf dem Lahnstein ging den Vormittag flott von statten. Auf Oswalds⸗ garten entwickelte sich ein flotter Handel mit Sträußen und Kränzen. 7 Händler hatten gegen Mittag vollauf zu thun, um der Nachfrage nach diesem Rekrutenschmuck zu genügen. Gießen, 11. März. Eine gestern vor der Strafkammer als Berufs⸗Instanz verhandelte Strafsache gegen 3 junge Bauernburschen von Nieder-Florstadt wegen Körperverletzung endete mit der Verwerfung der Berufung, so daß die Verurteilten wegen ihres Vergehens 3, 5 bezw. 6 Monate Gefängnis verbüßen müssen. Gießen, 11. März. Im Schuhlager von L. Süß in der Marktstraße ist heute Nacht ein frecher Einbruch verübt worden. Die Ladenthür, welche nur mit Vorsatzläden verwahrt ist, wurde mit Gewalt nach innen zugedrückt und so der Eingang erzwungen. Der Inhaber der Firma fand heute früh seinen Laden sperrangelweit offen. Ob und was von den Waaren gestohlen, konnte noch nicht ermittelt werden. Gießen, 11. März. Das liebe Osterfest wirft diesmal recht düstre Schatten voraus, die finstere Kummerfalten in die Stirn fürsorglicher Hausfrauen graben. Denn es stellt sich diesmal außergewöhnlich früh ein, bereits am 5. April, und der erste April ist bekanntlich nicht nur der Tag der beliebten Aprilscherze, sondern als Quartalserster auch der vielgefürchtete und durch⸗ aus nicht beliebte„Umziehtag“. Umziehen aber gehört nicht gerade zu den Annehmlichkeiten eines Hausfrauen⸗Daseins. Glücklich, wer die Woh⸗ nung möglichst wenig zu wechseln braucht, wer mit seinen Nachbarn in Frieden und mit dem gestrengen Herrn Hauswirt auf gutem Fuße lebt, daß die Angst vor Mietssteigerung und sonstiger Schererei ihm ewig unbekannt bleibt! Er kann sein Heim behaglich schmücken und immer trau⸗ licher gestalten, ohne befürchten zu müssen, daß der böse„Umziehtag“ seinem Werke ein Ende mit Schrecken bereitet und ihn zwingt, in der Fräulein Luey. Ein kleines Drama von Hugo Klein. (Nachdruck verboten.) Das Vorspiel. Zeit: Im Mai. Schauplatz: Eine Szenerie im Grünen. Die schönsten Rosen blühen, die ganze Natur hat große Toilette gemacht und zeigt sich im blendenden Glanz der Morgensonne. Die Sommerfrischen und Villenstädte bevölkern sich be— reits mit anmutigen Frauengestalten, die sich jeder nach Belieben ausmalen kann. Es ist Sonntag. Von einer blätterumrankten Veranda auf dem Hügel, der Dorf und Landstraße überragt, späht ein junges Mädchen in die Ferne. Zwanzig Jahre, dunkle, etwas verschleierte Augen, ein roter Kußmund mit überlegenem Lächeln. In diesem Alter sind schöne Mädchen ihrer Macht über alle Männer sicher. Und die Frauen spielen dann in ihren Augen überhaupt keine Rolle mehr Eine kleine Vorstellung: Fräulein Lucy— der eneigte Leser. Nicht wahr, Fräulein Luch ist in— eressant? Und besonders, wenn man sie näher kennt. Sie ist ein modernes Mädchen. Liebt es nicht, zu diel Sentimentalität aufkommen zu lassen. — setzt von modernen Ideen. Weiß genau, daß ein junges Mädchen seinen Schatz an Frische und Schön— heit gut verwerten muß, wenn es emporkommen will. Das ist einzige Chance. Soll ausgenützt werden. An dummen Männern wird doch kein Mangel sein! Fräulein Luch steht auf der Veranda und späht in die Ferne. Wonach? Natürlich nur nach einem Millionär. Auch solche zog sie an, denn sie war, wie gesagt, sehr schön. Am Sonntag, der Besuchstag im Grünen, gab es stets großen Verkehr in der ländlichen Villa. Da kamen Arme und Reiche, Schöne und Häßliche. Sie alle umgaukeln nur Lucy. Sie wirft da eine Angel aus, dort eine. Aber die großen Fische beißen schwer an Und wenn einer anbeißt, reißt er sich wieder los. Aber nun zappelt einer, der allergrößte. Wird man ihn festhalten können? Wird er der erste Besucher an diesem Tage sein, wie hoffnungsfreudige Mädchen— eitelkeit erwartet? Eine Männergestalt kommt in Sicht. Ha! Die kleine, weiße Hand zittert ein wenig, indem sie aus der Vase auf dem Tischen eine rote Rose nimmt, um sie ins Haar zu stecken.. Sie kann die Gestalt noch nicht erkennen und . Hat lugt so scharf aus, daß sie vergißt, die Rose an neuere englische Romane gelesen. Ist ganz durch- den beneidenswerten Platz zu fügen. Die Gestalt kommt näher, immer näher. ist sie zu erkennen.. Es ist kein Millionär. Auch ein Verehrer, natürlich, ein sehr eifriger Verehrer— aber ziemlich mittellos. Privatdozent der Chemie. Ernährt sich zwar sehr anständig, weniger durch seine Lehr— thätigkeit, als indem er seine Kenntnisse ver— schiedenen Farbwaren- und Chemikalienfabriken zur Verfügung stellt. Hat zwar schöne Zukunft— aber kein Vermögen. Die Frauen durften früher keine Vergangenheit haben. Früher war man auch zu— frieden, wenn ein junger Mann nur eine Zukunft hatte. Heute verlangt man aber eine Gegenwart von ihm. Allerdings nicht immer. Viele Mädchen wären auch in unsern Tagen glücklich gewesen, wenn dieser hübsche Junge sie erkoren hätte. Aber er hatte nur Augen für Fräulein Lucy. Auch ihr gefiel er sehr. Oft konnte sie den Blick nicht von ihm wenden und dachte... Dummheiten! Sie besiegte immer bald die kindische Schwäche. Ein Millionär war er unter keinen Umständen. Und darum nahmen die schönen Züge Luchs, als sie ihn erkannte, den Ausdruck des Unmuts an. Die Lippen krümmten sich im Verdruß. Und die weißen Hände entblätterten und zerrissen die schöne Blüte, die sie hielten. Arme Rose! Nun — Erster Akt. Er küßte ihr begeistert die zierliche Hand und sagte warm:„Wie glücklich bin ich, Sie einmal allein zu finden. Ich bin darum so früh ge— kommen... Ich dachte... vielleicht...“ Er stockte. Ein trotziger Zug hatte sich um den Mund der Schönen gelegt.„Gut“, dachte sie,„soll es zur Auseinandersetzung kommen! Und laut fügte sie hinzu:„Mama ist noch mit ihrer Toilette be— schäftigt. Wollen Sie nicht mit mir einen Rund- gang im Garten machen?“ „O, sehr gerne!“ „Wie Sie das sagen!... Nun, so kommen Sie... Unser Garten ist sehr schön. Vielleicht macht er Ihnen Vergnügen. Mir wirklich nicht mehr. Wenn man da immer allein herumspazieren muß, wird die Sache ziemlich langweilig. Ich liebe nicht das„tote Leben“, wenn man den paradoxen Ausdruck gebrauchen darf.“ Sie gingen im Garten eine Weile neben einander her. Fräulein Luch sprach anfangs leb⸗ haft, er hörte ihr aber kaum zu, beherrscht von seiner Aufregung. Dann schwieg sie, und es ent⸗ stand eine Pause. Sie blickte ihn etwas mokant an. Und er faßte sich ein Herz. (Schluß folgt.) 1 neuen Wohnung seufzend von vorn anzufangen. Aber wehe, wem keine Ruhe vergönnt ist, wem wieder und immer wieder das fatale Gespenst des„Umziehtages“ den Weg kreuzt! Rastlos treibt ihn sein Unstern von Wohnung zu Woh⸗ nung, nirgends fühlt er sich lange heimisch, und mindestens zweimal im Jahr ist der Möbelwagen unterwegs, um sein Hab und Gut von einem Ende der Stadt zum andern zu tragen. Es 5 Mieter, deren nervöse, veränderungssüchtige atur Lust an solchem Nomadenleben findet, es giebt andere, deren Unvertraglichkeit sie zur Geißel ihrer Mitbewohner macht und die Kündigung des Hauswirts geradezu herausfordert; manchmal freilich sind die Ziehenden auch der leidende Teil und wandern von dannen als Opfer tückischer Hauswirtskabale oder zweifelhafter Nächstenliebe der Flurnachbarn. Mögen sie aber schuldig oder unschuldig ihr Bündel schnüren, mögen sie frei⸗ willig gehen oder unfreiwillig gegangen werden: der„Umziehtag“ ist für Gute und Schlimme, für Gerechte und Ungerechte, unter allen Um⸗ ständen ein Prüfungstag, und besonders in diesem Jahre wird seine Pein doppelt und dreifach em— pfunden werden. Will man zu Ostern doch nicht nur unter Dach und Fach sein, sondern sich auch in seinen vier Pfählen so recht gemütlich fühlen. Gemütlichkeit stellt sich aber an hohen Festtagen nur da ein, wo Sauberkeit und Ordnung herrscht; würdig herauszuputzen, damit es in seiner blitz⸗ blanken Art die Festfreude erhöhe und Helle und Heiterkeit verbreite. Das aber wird diesmal, ohne die Hilfe getreuer Heinzelmännchen, kaum angehen— und Heinzelmännchen giebts leider nicht mehr in unserer prosaischen Welt. Hat man am ersten April den Umzug glücklich über⸗ standen, so folgt am zweiten schon Gründonners— tag, am dritten Charfreitag: beides Tage, die der ernsten Sammlung und stillen Einkehr ge—⸗ widmet sein sollen, und die man mit Scheuern und Fegen, mit Tischrücken und Bettlüften nicht gerade weihevoll begeht. Freilich, was hilft's? In Staub und Schmutz, zwischen wahllos herum⸗ stehenden Möbeln zu hausen, ist auch nicht nach jedermanns Geschmack; unsere Hausfrauen werden sich also, wohl oder übel, entschließen müssen, beide Tage der häuslichen Arbeit zu widmen, welche unangenehme Thatsache es völlig erklär— lich macht, daß sie schon jetzt mit gefurchter Stirn dem„Umziehtage“ entgegensehen. Wir können ihnen leider in ihrem Kummer keinen Trost bieten, wollen aber wenigstens eine bescheidene Mahnung aussprechen, die vielleicht auf fruchtbaren Boden fällt. Man einige sich, den„Umziehtag“ etwas früher abzuhalten als sonst! Damit wäre allen Teilen aufs beste geholfen. Wir verhehlen uns nicht, daß diese Mahnung, so einfach und selbst⸗ verständlich sie klingt, vielfach an der Bosheit und Saumseligkeit unserer Umzügler scheitern kennen. wert, und wir sind es ja gewohnt, uns mit kleinen Erfolgen zu begnügen! sich bei den Verhandlungen über das bürgerliche Gesetzbuch nicht gegen die Privattelegramme der„Hessischen Landesztg.“ d. Berlin, II. März, 3.20 Nm. Meister der Ddamenmäntel⸗Konfektion ver⸗ einbarten, den Lohntarif nicht anzuer⸗ Sie wollen sich auch den üb⸗ rigen Abmachungen der 2ler⸗Kommission nicht fügen. H. Die meisten Mitglieder dieser Komission haben daraufhin ihre Aemter niedergelegt. Berlin, Die hiesige Gewerkschaftskommission hat den ausstehenden Kottbus eine dritte Unterstützungsrate von 3000 Mark bewilligt. obligatorische Zivilehe sondern für Bei⸗ behaltung derselben ausgesprochen habe. Hd. Paris, 11. März. Die gemäßigt repu⸗ blikauische Presse konstatiert, daß die Radikalen allmählich von den Sozialisten absorbiert 500 Die oder sich vielmehr absorbieren lassen, da sie darar verzichtet haben, sich den sozialistischen Kandidate entgegen zu stellen in solchen Wahlkreisen, welche in der Kammer durch radikale Abgeordnete v treten waren. Die Regierung befände sich in * Die neuen Minister sozialistischem Fahrwasser. Hd. Rom, 11. März. leisteten gestern dem Könige den Eid, welcher sich eingehend mit ihnen unterhielt, wobei er namentlich den Herzog von Sermonta aus— zeichnete. 11. März, 3.30 Nm. Tertilarbeitern in Neueste Telegramme. Hd. Berliu, 11. März. Aus Cannes meldet das„Kleine Journal“: Eisenbahn-Schienen der Körper eines Mannes gefunden, aus dessen Pa⸗ pieren hervorging, daß er Ludwig Schnell heißt— und aus Freiburg i. B. stammt. scheinlich wegen Spielverlusten in Monacco in den Tod gegangen. Hd. Berlin, 11. März. Hd. Brüssel, 11. März. Die Unruhen in Mecheln dauern fort. Die Volks⸗ menge zerstörte mehrere katholische Ver⸗ eins⸗Lokale und mißhandelte zahlreiche Priester. Ueber 200 Verhaftungen sind vorgenommen worden. 5 Hier wurde auf den furchtbar gevierteilte Er ist wahr⸗ Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Re⸗ dakteur: i. V. A. Kleinschmit, Druck von E. Ottmann Der„Volks⸗ beide in Gießen. 7 11 u be 10 ö Jcbakt getniöblas , wie man also zu Ostern Feiertagskleider anzu⸗ zeitung“ wird von gut informierter dorf, gute Abfahrt nach allen Richtungen. legen pflegt, so liebt man es auch, sein Heim wird; aber einigen dünkt sie gewiß beherzigens—⸗ Seite versichert, daß der Ober⸗Kirchenrat —:—.—.———— 1 2** 1 5 b Ae b N 11 e Geldwerte ige rungen e e Verdingung. PU I erförsterei Hohensolms. Buche rm: 22 Scheite, 22 Knüppel, 9 Stöcke, 8300 5 Seren ine e 7 Reisigwellen(zweite und dritte Durchforstunz). Eiche rm; 37 Scheite, 4 Knüppel, 58 Stöcke, 118 Aae des Denner e 1 prakt. Tierarzt 1 900 Reisigwellen, 150 Weichholzwellen. 1 Montag, den 16 10 Uhr, Vistrikt Pfaffenmark. Zusammenkunft am Runden Wieschen. Oberförsterei Johannisburg. Schutzbe zirk Obershausen 20 rm Scheit, 392 rm Kuilppel, 1.35 Hdt. Wellen, 570 rm Reiser. Birken: 9 rm Scheit und Kullppel. Nadelholz; 8 rm Knüppel. 2 Montag, den 16. März, Vormittags 10 Übr. Zusammenkunft in der Weber'schen Wirtschaft zu Obershausen. Oberförsterei Brandoberndorf. Schutzbezirk Kleeberg. Distrikt 9 Einhäuserfeld, Distrikt 12 und 13 Streitwald und Königshofen und Totalität. Eichen: 167 Stamme— 86,63 fm, 67 Stangen J. Kl., 158 rm Nutzscheit und Knüppel(2,2, 2,5 und 2,8 m lang); Buchen: 1 Stamm— 0,97 fm; Nadelholz: 13 Stämme— 6,52 fm, 9 rm Nutzscheit und Knüppel. Schutzbezirk Hasselborn: Distr. 46 und 48 Sankhardsheck und Totalität. Eichen: 51 Stämme= 48,18 fm, 3 rm Nußtzscheit. Entfernung der Holzschläge von Bahnhof Butz— bach: 8 km, von Bahnhof Usingen: 12 km. Auszüge können gegen Erstattung der Copialien vom Bureau der Oberförsterei bezogen werden. 2 Donnerstag, den 19. März, Vormittags 11 Uhr. Zusammenkunft und Verkauf im„Deutschen Haus“ zu Brandoberndorf. Allendorf a. d. Lda.(Gemeindewald). Distrikte Kalkberg und Rödern. 50 Eichen- stämme mit 48,35 fm, 4 Buchenstämme mit 4,12 fm, 7 Nadelstämme mit 4,58 fm, 50 Nadel- derbstangen mit 3,50 fm. 215 Nadelreisstangen mit 5,89 fm, 171 rm Buchenscheitholz, 33 rm Eichenknülppel, 2 rm Nadelknüppel, 2025 Wellen Eichenreisholz,. 1200 Wellen Nadelreisholz, 123 rm Buchenstock, 35 rm Eichenstock. r Freitag, den 13. März, Vormittags 9 Uhr. Zusammenkunft an der Pflasterwiese.— Distrikte Kinnwald, Homberg ꝛe. 6 Eichen- stämme mit 2,25 km, 7 Nadelstämme mit 2,38 km, 130 Nadelderbstangen mit 8,16 fm, 464 Nadelreisstangen mit 9,06 km, 6 rm Buchenscheitholz, 2 rm Eichenscheitholz, 49 rm Buchen- knüppel, 6 rm Eichenknllppel, 4 rm Nadelknüppel, 3 xm Erlenkuüppel, 25950 Wellen Buchen stammreis, 10 Wellen Eichenreisholz. 1500 Wellen Nadelreisholz, 1050 Wellen Weichholz, 8 rm Buchenstock, 2 1m Eichenstock. Dienstag, den 17. März, Vorm. 9 Uhr. Zusammenkunft vor dem Kinnwald. Oberförsterei Herborn Staatswald 66(Bicker Ameisenseite), 64(Hörrkopf), 72 (Fuhrmannseike), 74(Offenbachertannen) ferner an, Totalität Distr. 52, 75, 76, 69, 73, 77 pp., Schutzbezirk Bicken. Eichen: 52 rm Scheit und Prügel, 1000 Wellen, Buchen: 50 rm Scheit, 280 rm Prügel, 12 000 Stück P änterwellen, Aspen pp.: 20 rm Scheit und Prügel, Kiefern: 2 St. 2. Kl. mit 1,17 fm(Distr. 52), Fichten aus Uebernthalertannen: 8 St. mit 1,09 fm, 17 Stangen 1.—3. Kl., 6 rm Prügel, Fichten aus Distr. 66(Bicker Ameisenseite) 3 St. mit 0,50; Stangen: 9 St. 1., 25 St. 2, 80 St. 3, 450 St. 4.—6. Kl. Kiefern: 52 rm Scheit, 26 rm Prügel. Das Holz sitzt größtenteils am Rennweg, am Schanzgraben, früheren Frei muth'schen Hütte, ist guter Qualität, ausgezeichnete Wellen, ca. 20—30 Minuten von Bellers⸗ Man wolle das Holz vorher einsehen. Förster Gutsche zu Forsthaus Bicken und Holzhauermeister Groos in Offenbach erteilen jegliche Aus- kunft und sind am Versteigerungstag von 8½¼; bis 11¼ Uhr im Distr. 66, 64, 72 und 74. Donnerstag, den 12. März, Mittags 12 Uhr. Zusammenkunft und Verkauf: Hotel Böhm in Bellersdorf. Driedorf(Gemeindewald) Distr. Köhlerhain. 298 Fichtenstämme zu 281 km, 62 Fi btenstämme zu 19 km. Distrikt Stuterei. 1063 Fichenstämme und Stangen zu 60 fm. Donnerstag, den 12. März, Vormittags 9¼ Uhr.— Distr. Obereberstein. 26 Buchenstämme zu 46 fm. Distr. Scheuernberg. 333 Fichtenstämme und Stangen zu 21 em und Distr. Reidelsberg. 141 Fichtenstämme zu 30 km. 1 Freitag, den 13. März, Vormittags 10 Uhr. Philippstein(Gemeindewald). 115 Eichenstämme mit 97,10 km und 1 Kirschbaum⸗ stamm mit 0,34 km. Bei den Eichenstämmen befinden sich 43 über einen Festmeter haltend. 1 Samstag, den 14. März, Morgens 10 Uhr. Zusammenkunst: Distrikt Kirschbach. Braunfels, Forst Kraftsolms. Distrikte Schirmerich, Brandoberndorfer Weg, Sau— bornschlag und Bosquet. 28 788 gemischte Wellen.. Samstag, den 1 4. März, Mittags 1 Uhr. Sammelplatz bei Nr. 36 im Schirmerich Submissionen. Zwecks Neubau des Amtsgerichtsgebäudes zu Herborn sollen in öffentlicher Aus- schreibung einschließlich Lieferung der Materialien verdungen werden: 1. die Tischlerarbeiten, in 2 Loosen getrennt, 2. die Schmiedearbeiten, 3. die Schlosserarbeiten. Angebotsformulare und Bedingungen sind von dem Regierungsbaumeister Leutfeld gegen postfreie Einsendung von 1,50 Mk. für jedes Loos zu bezkehen. Werkzeichnungen liegen auf dem Baubureau zu Herborn zur Ansicht aus Die Eröffnung der postfrei eingereichten, mit entsprechender Aufschrift ver⸗ sehenen Angebote findet statt in Gegenwart der etwa erschienenen Bewerber am Donnerstag, den 26 März, Vormittags 11 Uhr, im Bureauzimmer zu Herborn, Rotherstraße 8. Zuschlags- rist 3 Wochen. b Geschäfts⸗Empfehlung. Indem ich einem geehrten biesigen, sowie auswärtigen Publikum die ergebene Mitteilung mache, daß ich das in meinem Hause Liebigstrasge 71 befindliche n e— ?;KRKolonialwaaren⸗Geschäft von heute an für eigene Rechnung in Betrieb genommen habe, bitte ich um geneigten Zuspruch— Hochachtungsvoll Chr. Bischoff. März, Vormittags Distrikt 17. Buchen: Gießen, den 2. März 1896. 383 e„N&. I SARRNR OF. D Hotel I. Ranges. In nächster Nähe des Bahnhofes, gegenüber der Post. Vorzügliche Betten. fl. Küche. — Dolide Preise— Hausdiener zu jedem Zug am Bahnhof.(125 Inhaber: Julius Böminghaus. Schlosserarbeit soll 8 Samstag, den 14. 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