Auen 2 9h St. 90, inse her th b Müde gesalz. 70-1 0, Kartofch ner 4,00 A — „ Verantw. ttmann, bah eee eee 2 .— —— 2—— 72727 0 — 1 0 Behörden werden steckbrieflich verfolgt: Posiztg. Nr. 3239 Telephon⸗Nr. 112. 0 Ausgabe Gießen, Dienstag, den 10. Nopember andeszei Gießen. Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112. Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4. 5 . Erscheint täglich mit Ausnahme der Preis der Anzeigen: 10 Pfg. Tage nach Sonn- und Feiertagen. für die Ispaltige Petitzeile. * 2 Expedition: Kreuzplatz Nr. 4. Lokales und Provinzie les. „Gießen, 9. November. Von hessischen Gärtner Andreas Buße aus Brehme(Preußen) vom Polizeiamt Gießen wegen Diebstahls; Bar⸗ bier Paul Hinkel, Hch. Becker, Agent Karl Eisenbach, sämtlich aus Frankfurt a. M. (alles angeblich) von demselben Polizeiamt wegen eines mittelst Einsteigens verübten Diebstahls; Schweizer Bruno Emil Ebert aus Dirlau, Kreis Zwickau, von der Staatsanuwaltschaft Gießen wegen Körperverletzung; Korbwaren⸗ Nanda Rudolf Klüber aus Kerbersdorf vom mtsgericht Schlitz wegen groben Unfugs. Gießen, 9. Nov.(Stadttheater,) Emma Frühling, die berühmte Soubrette des Berliner Adolf⸗Ernst⸗Theaters, tritt im hiesigen Stadttheater am Dienstag zum ersten Male als„jüngster Lieutenaut“ in Jokobsons gleichnamiger Posse auf. Die beiden Ae pe erh des Fräulein Frühling finden bei erhöhten Preisen statt, jedoch haben e und Dutzendbillets mit Zuzahlung eit. * Gieszen, 9. November.(Stadttheater.) Einer der geistvollsten Kenner und Beurteiler Schillers, der Philosoph Kuno Fischer in Heidelberg, stellt„Kabale und Liebe“ allen anderen Dramen des großen Dichters im Werte voran. Mit vielem Recht. Denn ein packenderes, poetisch und thatsächlich wahreres Drama hat Schiller nicht geschriebeu. Er hat edlere, schöner gebaute Schau⸗ und Trauerspiele verfaßt: aber in keinem pulsiert so viel echte Leidenschaft, keines greift so unmittelbar ans Herz wie „Kabale und Liebe“. Das ist ja schließlich das höchste Kriterium für die dauernde Güte eines Stückes: wenn es unser innigstes Gemüt bewegt, uns im Laufe seiner Handlung mitfühlen, mit⸗ zittern, am Schlusse mitweinen macht.— Das thut„Kabale und Liebe“ immer, wenn auch nur einigermaßen gute Schauspieler das Stück spielen; denn die Konflikte, die ewig sind, so lange Menschen leben, lieben und um der Liebe willen leiden und sterben, sind darin mit der Urgewalt eines glühenden Dichtergenius behandelt. Wir ausstehenden Orten, nämlich Röthges und Rod⸗ heim mit Hof⸗Graß(Kreis Gießen) vornehmlich für Köhler gestimmt, während in Ilsdorf(Kreis Alsfeld) auf Meinert 5 Stimmen entfielen. 118 amtliche Resultat befindet sich im Haupt⸗ Att. * Gießen, 9. Nov. Gestern Nachmittag fand im Lenzschen Felsenkeller eine öffentliche Bäckerver⸗ sammlung statt, zu welcher über 40 Personen, der weitaus größte Teil der hiesigen Bäckergehilfen, erschienen war. Der Referent, Herr Jöst aus Offenbach, schilderte in nahezu 1½stündigen Vortrage die Verhältnisse im Bäckergewerbe und ging dann des Näheren auf die Pflichten und Rechte der betreffenden Arbeiter ein. Zu⸗ nächst schilderte Redner in drastischer Weise die sani⸗ täten Mißstände, welche sich leider noch zu häufig in den Bäckereien bemerkbar machten und führte den hohen Prozentsatz(75 Proz.) der ausschließlich an Lungen⸗ und Brustkrankheiten leidenden Bäckergehilfen darauf zurück. In großen Städten komme es vor, daß 6 bis 8 Arbeiter im denkbar kleinsten Backraum arbeiten müßten. Erst neuerdings sei in einzelnen Fällen auf Veranlassung der organisierten Gehilfen die Gesundheitspolizei auf derartige Mißstände aufmerksam gemacht worden, da im Bäcker⸗ gewerbe noch keine Fabrikinspektoren thätig seieu. Um die angeführten Mißstände erfolgreich zu bekämpfen, empfahl Redner dringend den Anschluß der der Organisatlon noch fern stehenden Arbeiter. Redner schildert dem gegenüber die Lohnverhältnisse als recht minimale, während der Maxpimalarbeitstag immer noch zwölf Stunden betrage. Redner maß die Schuld au diesen Zuständen dem In⸗ differentismus noch so vieler Arbeiter zu und bezeichnet als das erste Gebot der sozialen Pflichterfüllung für die Bäckereiarbeiter die Herbeiführung des zehnstündigen Arbeitstages. Zum Schluß wandte sich Redner gegen die Arbeitsvermittelung m Bäckergewerbe und forderte die der Organisation noch fern Stehenden zum Anschluß an dieselbe auf.— In einer Resolution erklärten sich die Anwesenden einstimmig mit den Ausführungen des Referenten einver⸗ standen und verurteilten das Gebahren einer Anzahl hiesiger Kollegen, welche bei den Meistern das Ansehen der Verbandsmittglieder diskreditierten und dieselben herunter⸗ zusetzen suchten. Die Versammlung forderte ferner die Arbeiterschaft in Gießen und Umgegend auf, die Mit⸗ gliedschaft der hiesigen Bäckergehilfen bei Erreichung besserer Zustände zu unterstützen. An der Diskussion nahmen noch mehrere Redner teil, welche die von dem Referenten ge⸗ schilderten Zustände bestätigten und auch Vieles in Gießen als verbesserungsbedürftig darstellten. * Gießen, 9. November. Bei einem Ein⸗ sehen deshalb von einer eingehenden Kritik über se einzelnen Darsteller ab, bot doch jeder der⸗ selben ein abgerundetes, schönes Spiel. Wir haben gestern Abend eine gute, des großen Tragikers und seines poesievollen Stückes würdige Gal erlebt, für die wir unserer rührigen Direktion von Herzen dankbar sind! * Gießen, 9. November. Die diesjährige Generalbersammlung des Pferdezucht⸗ vereins im Großherzogtum Hessen soll Ende Nohember in Alsheim abgehalten werden. Etwaige Wünsche und Anträge zur Tagesord⸗ nung der Generalversammlung bittet man spätestens bis zum 12. November l. J. an den Vorstand gelangen zu lassen. 5 Gießen, 9. November. Ergänzend zu dem von uns am Sonnabend veröffentlichten Wahl⸗ ergebnis bemerken wir, daß in den bis zuletzt wohner in Ruttershausen wurde am vergangenen Donnerstag ein Butterweck von 1—8 Pfund entwendet, ohne daß man dem Dieb auf die Spur hätte kommen können. Andern Tages faßte der Kriminalschutzmann Weiß hierselbst einen Gauner ab, als derselbe in einem dortigen Hause ein Butterweck verkaufte. Der Verkäufer war geständig, den Butterweck in Ruttershausen gestohlen zu haben, sodaß dem Bestohlenen das bon dem Gauner erlöste Geld für die Butter durch Herrn Weiß eingehändigt werden konnte. * Aus dem Kreise Alsfeld, 4. Nov. Leuchteten sonst um diese Zeit die Obstbaum⸗ stämme im hellen Weiß des Kalkanstriches aus den Obstgärten hervor, so ist gegenwärtig hier⸗ von noch wenig oder gar nichts zu sehen. Das kommt daher, daß unsre Landwirte durch die ungewöhnlich verspätete Feldbestellung noch keine Zeit übrig gehabt haben, auch der Obstbaum⸗ zucht die erforderliche Aufmerksamkeit zu schenken. Aber aufgeschoben darf auch in diesem Falle nicht aufgehoben sein. Jetzt nachdem die Herbst⸗ bestellung beendigt ist, darf man seiner Obst⸗ bäume nicht vergessen und muß ihnen, will man anders nicht auf gute Erträge verzichten, die nötige Pflege angedefhen lassen. Vor allem sind die Stämme mit Kalkmilch zu überstreichen. Eine entsprechende Ausästung und Zurückschneiden der Kronen, namentlich der jungen Obstbäume dürfte ferner sehr geboten erscheinen. Zum dritten vergesse man neben andren Thätigkeiten der Pflege nicht eine gründliche Düngung der Obstbäume jetzt noch vorzunehmen. Auch hier⸗ bei kann wohl die Art des besten Dungver⸗ fahrens als bekannt vorausgesetzt werden. Ein Jahrgang, wie der jetzige, hat besonders darge⸗ than, welch hohen Wert eine praktische Obstbaum⸗ pflege besttzt. * Aus dem Vogelsberg, 9. Nov. Dem Landwirt ist der Winter trotz der verspäteten Feldarbeiten nicht unvorbereitet gekommen; alle Hackfrüchte sind eingeerntet, die Saat beendigt und die Stoppelfelder umgepflügt. Gestern wurden in der Gemarkung Rupperteurod noch drei starke Schwärme Kraniche, in der bekannten Pflugschleifenform fliegend, gesehen. Andern Orts hat man von dem Wegzuge der Kraniche schon bei Beginn des Oktobers berichtet. Allerdings kommt auch jetzt der Winter noch ziemlich früh. * Lauterbach, 9. November. Der letzte Viehmarkt war mit Rindvieh sehr schwach, mit Schweinen dagegen ziemlich gut befahren. Die Preise für Schweine waren gegen den am 1. Oktober l. J. stattgefundenen Viehmarkt, an welchem z. B. Ferkel geradezu verschleudert wurden(Spanferkel waren zu 1,75. zu er⸗ halten), heute viel besser. Für das Paar neun⸗ wöchige Ferkel wurden heute 20 22, für das Paar Läufer 70—80, und für Eialege⸗ schweine ca. 80& pro Stück bezahlt. * Vom hinteren Odenwald, 5. Nov. Die letzte Nacht brachte starken Frost, so daß offene Wasser mit einer Eiskruste überdeckt waren. Dieser Umstand mag den Rosenfreund hüllt man dieselben in Reiser des Wachholder strauchs ein, da dann die Mäuse sich fern halten. — Diejenigen, welche noch Kartoffeln und andere Früchte im Freien haben, eilen sich nun infolge des starkeu Frostes, solche schleunigst unter Dach zu bringen. Bad Nauheim, 6. November. Dieser Tage feierte der neugewählte Beigeordnete, Herr Kaufmann Theodor Andreas sein silbernes Jubiläum als Agent der Magdeburger Feuer⸗ versicherungsgesellschaft, wobei ihm von der erst⸗ erwähnten Gesellschaft ein sehr anerkennendes Belobungsschreiben nebst Ehrendiplom, von der letzterwähnten Gesellschaft ein gleiches Schreiben mit silberner Dankesmedaille übermittelt wurde. * Bad Nauheim, 5. November. Nicht ohne Interesse ist eine vergleichende Statistik de Bad Nauheimer Kurgäste während der letzten 6. Jahre nach ihrer Staatsangehörigkeit, wobei die Gesamtfrequenz für die Zeit vom 1. April bis 31. Oktober jeden Jahres eingestellt ist. veranlassen, seine Pfleglinge gegen Kälte richtig zu schützen. Zwar ist es durchaus nicht von Vor⸗ teil, die Rosen zu früh zuzudecken; denn nach und die Rosen treiben dann noch unter der Hülle fort; auch können sie ohne Schaden einen Kälte⸗ grad von 5, bis 6“ R. vertragen. Bei wurzel⸗ echten Rosen oder nieder veredelten werden die langen Zweige am besten mit Haken am Boden befestigt und der ganze Stock mit Laub über⸗ deckt; damit der Wind dieses nicht entführt, kommt eine Lage Reiser obenauf. Hohe Rosen⸗ stöcke löst man von ihrem Pfahle und drückt das ganze Stämmcheu vorsichtig glatt auf den Boden und überdeckt dasselbe auch mit Laub oder besser mit Erde. Das ganze Stämmchen muß zum Schutz gegen Glatteis überdeckt oder in Stroh eingehüllt werden. Ist zu befürchten, daß zarte Triebe von den Mäusen angefressen werden, so den ersten Frösten kommen oft noch warme Tage 8 88 2 22 Land 1891 1892 1893 1894 1895 1896 2 2 88 Deutschland 8322 9234 9223 1019411489 11751 114 Rußland 325 351 520 727 1207 1452 33 Großbritan⸗ nien 123 142 171] 325 552 894 20 Holland 43. 38 62 39 1 Ne Oesterreich———— 103 169 1 Frankreich 26 49 47 43 800 107 2 Schweiz 49 53 61 60 97 105] 3 Schweden 90 75 74 90 147 105 8 Belgien 19%% 33 Dänemark 18 21 32 32 36 o Italien 3 5 15 5 9 12 1 Norwegen———— 6 11— Spanien 2 4 10 1 11 99— Luxemburg—— 8— 4 64— Rumänien—— 10 8 6 3— Portugal——— 2——— Griechenland——— 2 11—— Türkei 8 3 2 4 2—— Amerika 1930 241] 117 162] 2660 3180 8 Afrika 19— 3 4 82 Asien 2 6 4 6632 Australien 2 3— 1 8 6 1 Ausländer insgesamts 922 1038 1171 1560 2785 3601 85 Kurgäste ins ⸗ gesamt 924410272 1039 41175414274 15352 199 Die Zahlen sprechen für sich selbst. Es wird nicht oft vorkommen, daß es ein Bad nach 61⸗ jährigem Bestehen auf 15 000 Besucher— und auf 200 000 Bäder— bringt. * Darmstadt, 8. November. Heute war hier der Landes ausschuß des Gewerbe⸗ vereins versammelt. Dem Vernehmen nach tion des Handwerkes gedreht. * Darmstadt, 6. Oktober. Herr Fabrikant Lutz hier hat nach mancherlei Versuchen usw. eine Velociped-HKonstruktion die Zahnräder statt der jetzt üblichen Kette verwendet, und zwar sind diese Zahnräder aus einer Art gehärteten Gummis gefertigt, welches Material bis jetzt noch ziemlich teuer zu stehen Zwischen Liebe und Pflicht. Roman aus dem australischen Buschleben von G. Löffel. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Meine Aufgabe ist es, das Recht zu wahren Darum bin ich ich Ihnen unbequem, aber der Tag wo Sie mir Dank wissen werden. Sie mir in Ihrem guten und das Unrecht abbitten, das Sie Aufwallung des Unmuts ange⸗ von Ihrer u Mutter die Gefahr abzuwenden, welche Sie vac f Abenfalfe kann es nicht in Gefahr selbst Rechtfertigung, mir einen vollen An⸗ und die Unschuldigen zu schützen. hier. Heute bin wird kommen, Und dann werden verständigen Herzen mir in einer ersten than. Vielleicht ist es meine Aufgabe, für dieselbe fürchten. meiner Absicht liegen, eine solche herauszubeschwören. Das zu meiner die wohl hinreichen dürfte, n spruch auf Ihre Achtung zu sichern.“ Meine ernsten, ruhig vorgebrachten Worte blieben nicht ohne Eindruck auf sie. Sie schwieg eine über etwas nachdenke. Dann sagte sie: „Sie mögen Recht haben. Vielleicht macht mich meine eigene Gemüts Verbitterung ungerecht gegen Andere. Das Grollen mit dem Schicksal führ ohne Zweifel zum Menschenhaß. Ihre Worte lasser 0 W dan ahnen, daß wir von einer Gefahr bedroht find, obwohl ich nicht sehe, woher uns die selbe kommen soll. Wenn dem schützen. 1 n ich selbst z Bönen schon jest ab, vich unrecht gethan, bitte ich Weile, als wenn sie tiefer so ist, daun schützen le 1 ürchte mich nicht und bin g fel Weschae Was ich Ihnen nur in meinem Herzen, sondern hier öffentlich. Genügt Ihnen das?“ Sie reichte mir ihre Hand hin und sah mich an mit einem Blick, der mir zum Herzen drang und das Blut schneller in meinen Adern kreisen ließ. Es waren Madonnen-Augen, diese dunklen Sterne, in denen zwar das Feuer der Jugend loderte, aber unter dem Schleier wehmutsvollen Entsagens. Ich zog natürlich die feine, ambraduftige Hand, von der sie zuvor den Reithandschuh abgestreift hatte, an meine Lippen. Der neue Bund war geschlossen. 5 Ich konnte nun freier sprechen und sagte ihr, wie ich mich schon immer im Stillen über ihre be⸗ wiesene Furchtlosigkeit gewundert hätte, da ich sie das letzte Mal sogar Nachts im Wald gesehen, wo sie an meinem Lagerfeuer vorübergeritten war. „Ja so, das waren Sie“, entgegnete sie mit heiterer Miene,„und ich hatte schon gehofft, endlich einmal einen Blick auf Morgan erhaschen zu können, wohl jetzt der gefürchteste, aber auch ritterlichste aller Buschräuber.“ „Eine solche Begegnung wäre Ihnen doch kaum erwünscht gewesen?“ sprach ich ernst. „Warum? Was hätte ich von ihm zu fürchten gehabt? „Alles.“ Sie schüttelte energisch den hübschen ausdrucks⸗ vollen Kopf.„Morgan kämpft nicht mit Weibern. Nach Allem, was man von ihm hört und liest, ist er ein Sendbote der ausgleichenden Gerechtigkeit. t 1 „Das heißt“, fiel ich ärgerlich ein,„er bezahlt mit dem Geld der Ersteren seine Helfershelfer und das sind Alle, welche ihn in seinen Unternehmungen fördern und seinem verbrecherischen Treiben das Wort reden.“ „Also auch ich!“ warf sie trotzig ein. „Verzeihen Sie“, beeilte ich mich zu erwidern, „ich unterscheide zwischen Denen, die das aus Ueber⸗ zeugung thun, das sind die Anarchisten, welche die Propaganda der That in jeder Form verherrlichen, und Denen, welche durch den Schein sich blenden lassen. Zu diesen rechne ich Sie. Wir haben hier kein Mittelalter, auf das wir zurückblicken können, aber das Faustrecht hat auch bei uns gewütet und dem Lande tiefe Wunden geschlagen. Die soge⸗ nannte Gold-Aera Australiens ist voll von Bei⸗ spielen dieses verbrecherischen Treiben, welches zeit⸗ weise alle Bande der Ordnung und Sicherheit sprengte und einen Vernichtungskrieg Aller gegen Alle entflammte. Können Sie, eine Dame von Gefühl und Bildung, wünschen, diese Zustände wiederkehren zu sehen? Und sie würden es, wenn wir nicht das aus den Kulturgebieten verdrängte Räuber⸗Unwesen nun auch hier mit allen gesetz⸗ mäßigen Mitteln angriffen, um es zu vernichten. Die große unbewohnte Wildnis, an deren Grenze wir leben, bietet diesen Banditen leider noch einen starken Schutz und fast unnahbare Schlupfwinkel. Glauben Sie es mir, wir haben bier einen schweren Stand, und wir danken das nicht zum Mindesten den Schweigegeldern, welche die Verbrecher an die kleinen Leute zahlen, um Schutz bei ihnen zu finden t Er nimmt den Reichen, um den Armen zu geben.“ und vor Verrat gesichert zu sein. Und das nennen Bewunderung müßte Sie ergreifen, wenn Sie den Namen Morgan nennen hören. Er ist ein Teufel in Menschengestalt, den man nur eine Erhöhung wünschen kann, die Erhöhung an dem Galgen!“ „Wenn Sie ihn also träfen, Ste würden ihn unbedingt niederschießen?“ fragte meine Begleiterin kühl. „Ich würde mich keinen Augenblick besinnen, dies zu thun, wenn er sich nicht auf Gnade und Ungnade ergiebt!“ versicherte ich. „Morgan?“ ihrem Ton. Sie zuckte die Achseln. „Aber Sie sprachen von meiner Furchtlosigkeit“, lenkte sie ab.„Es ist wahr, Furcht ist das einzige Gefühl, das mir fremd ist. so einfältig, mich schutzlos den Gefahren der Wildnis preis zu geben. Sehen Sie her!“ Sie Revolver.„Den trage ich immer bei mir. „Nur mir nicht!“ lächelte ich. Satteltasche zurückschiebend. einmal, mich einzuholen.“ „Versuchen davon. Diese direkte Herausforderung reizte mich. Ich gab meinem Pferde die Sporen und jagte ihr nach. Sie blieb mir vorauf, trotzdem sie im Rennen noch alle möglichen Hindernisse nahm, wo⸗ durch sie mich zwang, dasselbe zu thun. (Fortsetzung folgt.) Dennoch bin ich nicht haben sich die Beratungen um die Organisa⸗ erfunden, Sie ausgleichende Gerechtigkeit? Schaudern statt Es klang etwas wie mitleidiger Spott aus entnahm ihrer Satteltasche einen fein gearbeiteten Auf meinem Pferde aber entkomme ich dem flinkesten Reiter.“ „Auch Ihnen entgegnete sie, die Wasse in die Sie es Noch ehe ich es gedacht, war sie auf und 1 0 „ 1 1 r Nr — r. ——D— ——— nr — ——— ——— kommt. Die Räder haben, wie uns von glaub⸗ würdiger Seite mitgeteilt wird, einen geräusch⸗ losen Gang und kaun denselben nach den ge⸗ machten Versuchen auf ihre Nasdauer bei Touren viel zugemutet werden; sie dürften sich wohl hauptsächlich zunächst für Rennmaschinen eignen. Dem Erfinder sollen für die Erwerbung des Patents für England von einem dortigen In— dustriellen 600 000. geboten worden sein. Mainz, 9. November. Am Donnerstag boriger Woche kam ein junger Mann von aus⸗ wärts, um in einem hiesigen bedeutenden Materal⸗ warengeschäft einen Wechsel dis kontieren zu lassen. Es wurde dies auch anstandslos gethan, und auch bei einer andern Firma wurde der Versuch gemacht, ein gleiches zu thun; dorten erkannte man den Wechsel für gefälscht und ver⸗ anlaßte die Verhaftung des jungen Mannes. Es stellte sich heraus, daß derselbe der Bruder eines der Geschäftsinhaber ist, deren Namen er gefälscht hatte. Wie wir nachträglich veruehmen, wurden bei ihm versteckt noch eine Anzahl ge⸗ fälschter Wechsel vorgefunden, die derselbe erst später verwerten wollte. 5 * Mainz, 6. November. In dem Gebiete unsres Hafens herrscht seit einiger Zeit ein so reger Verkehr, wie er seit Jahren nicht dage⸗ wesen ist. Besonders sind es Zucker und Ge⸗ treide, die in sehr bedeutenden Mengen tn den Hafen gelagert wurden. Alle Lagerräume für Getreide sind angefüllt. Ueber den Verkehr auf den Rhein wird uns von zuständiger Seite mit⸗ eteilt, daß die Verschiedenartigkeit der Thal⸗ chlepplöhne, die namentlich im Laufe der dies⸗ jährigen Verschiffungen grell zu Tage getreten sind, in den Kreisen der Schleppunternehmer den Wunsch nach einem einheitlichen Tarif für die nach Holland zu befördernden Schiffe wachge⸗ rufen habe. Ob die erstrebte Uebereinkunft aber auf die Dauer Stand halten wird, glaubt man von maßgebender Seite bezweifeln zu müssen. Nachdem das Hochwasser wieder verlaufen ist, hat der regelrechte Verkehr auf dem Rhein wieder begonnen. Für Kohlenladungen vom Niederrhein nach Mainz⸗Gustavsburg wurden 2,60% bis 2,85. per Karre zu 1700 Kilo für Schiffsfrachten berechnet.— Die städtische Armendeputation wird sich demnächst mit der Herabsetzung der Zinsen, die von dem städtischen Pfandhause für Darlehen für versetzte Pfänder erhoben werden, beschäftigen.“ * Maiuz, 7. November. Die Reichs- tagsstichwahl zwischen dem sozialdemokra⸗ tischen Kandidaten, Landtagsabgeordneter Redak⸗ tenr Dr. Eduard David und dem Kandidaten der Zentrumspartei, Landtagsabgeordneter Rechtsanwalt Dr. Adam Schmitt ist auf Samstag, den 14. November anberaumt worden. Mainz, 7. Nov. In vergangener Nacht ließ sich der Obergefreite Hanke von der 2. Regiments Nr. 3 in der Nähe der neden Anlage von einem von Darmstadt kommenden Güterzug überfahren. Der Körper wurde in Stücke zerrissen. Furcht vor Stra, il die Ur⸗ sache seiner Selbsttötung sein. * Worms, 7. Nob. Die hiesige Handels— kammer hat aus Aulaß von Beschwerden aus dem Kreise der Weinhändler über die von Seiten der belgischen Regierung beabsichtigte Er⸗ höhung des Zolles auf Wein beschlossen, sich mit der Bitte an das Großherzogliche Ministerium um Schutz der Interessen des deutschen Weinhandels zu wenden. * Worms, 6. November. Eine Markt⸗ händlerin aus der Nachbarschaft wurde von dem hiesigen Schöffengericht wegen Butterfälschung — sie hatte Margarine darunter gemischt— zu 80. Geldstrafe und in die Kosten verurteilt. — In dem benachbarten Pfeddersheim übt der diesjährige„Neue“ eine solche Anziehungskraft in den Wirtschaften aus, daß dieser Tage 45 Einwohner des Ortes an einem einzigen Abend wegen„Ueberkneipung“ zur Anzeige ge⸗ bracht worden sind. Das macht den billigen Wein immerhin teuer. Vermischtes. — Die Katzenwitwe. Aus Konstantinopel, 17. Oktober, schreibt man: Eine höchst eigenartig ge⸗ baute, von einem kleinen Gärtchen umgebene Villa in dem am linken Ufer des Bosporus gelegenen Städtchen Jeniköj ist vor einiger Zeit von der Bewohnerin, einer jungen Witwe, in ein komfortables, wahrhaft paradiesisches Katzenasyl verwandelt worden. Die Dame, eine von den bekannten altansässigen Genueserfamilien stammende Levau⸗ tinerin, ist nämlich seit ihrer frühesten Jugend eine große Verehrerin von herrlich gewachsenen Katzen beiderlei Ge⸗ schlechts; seit dem im vergangenen Jahre erfolgten Tode ihres Gemahls, der diese Tiere niemals leiden mochte, hält sich die junge Witwe etwa sechsundsiebzig Katzen. Es sind dies wahre Prachtexemplare, denn die Katzen entstammen sämtlich der echt kaukasischen Rasse und sind ausnahmslos ganz weiß. Der Ankaufspreis der Katzen repräsentierte das hübsche Sümmchen von etwa fünfhundert türkischen Pfunden. Zur sorgfältigen Pflege der Tiere hält die junge Witwe, deren einzige Tages⸗ beschäftigung die Aufsicht über die Katzen und das Spielen mit ihnen bildet, zwei besondere Köchinnen und zur Wartung der Tiere auch noch eine Dienerin. Der kleine an die Nachbarhäuser angrenzende Hof dieser eigenartigen Villa ist mit dünn gewundenem Draht überzogen, damit die Katzen beim Genuß frischer Luft nicht das Weite suchen können. Jetzt ist sogar, damit die Katzengesellschaft auch des Nachmittags zwischen Vier und Fünf etwas Sonnenschein genießen und sich an dem ziemlich lebhaften Straßenverkehr einigermaßen erfreue, auch das schmale Vorgärtchen an der Straße ganz mit Draht übersponnen worden. Man sieht, wie sich die muntere Straßenjugend des Städtchens, Griechen, Türken, Levantiner, an dieser herrlichen Katzenversammlung ergötzt. Ganze Scharen von zu allerhand lustigen und übermütigen Streichen stets aufgelegten Jungen stehen alltäglich am Gitter des Vor⸗ gartens und erfreuen sich unter lautem Geschrei an dem Kompagnie des Brandenburgischen Fußartillerie⸗ trolligen Gebahren der Katzen. Wenn der jungen Herrin — die in dem Städtchen infolge ihrer eigentümlichen Liebhaberel kurzweg die„Katzenwitwe“ genannt wier, das übermütige Treiben der munteren Straßen jugend zu toll wird, schickt sie zu Zeiten eine der Katzenpslegersanen mit einem Kehrbesen auf die Straße, um die Jungen zu verscheuchen, was selbstverständlich das Gaudium der Knabenschar nur noch erhöht. — Beim Photographieren verunglückt. Ein entsetzliches Unglück ereignete sich beim Neubau des Gymnasiums in Prachatitz in Böhmen. Nach der Fertig⸗ stellung des Gebäudes wollten sich die Arbeiter gemeinsam photographieren lassen. Ueber 40 Menschen stellten sich auf dem zur Anbringung der Aufschrift„K. K. Gymna⸗ sium“ an der Front angebrachten Gerüste auf, welches im Momente, als der Photograph die Gruppe ordnete, unter Donnerkrach zusammenbrach. 28 Personen wurden unter den Trümmern begraben, 8 sind schwer verwundet; eine Frau ist bereits ihren Verwundungen erlegen. — Neue qginesisches Lokal⸗Briefmarken. Der Ostasiatische Lloyd berichtet: Philatelisten wird es interessteren zu erfahren, daß die neuen Nanking Lokal⸗ Postwertzeichen zur Ausgabe gekommen sind. Es sind im Ganzen acht verschiedene Marken, die, in mehreren Farben (grau, rot, gelb, purpur, zwei Schattierungen grün und zwei Schattierungen braun) gedruckt, folgende Werte reprä⸗ sentieren und sehenswürdige Plätze in Nanking darstellen: 1½⸗Cent mit den Statuen der Staatsmänner, die am Wege zu den Ming⸗Gräbern stehen, der Purpurberg im Hintergrunde; 1⸗Cent, 10⸗Cents und 20⸗Cents zeigen den berühmten Trommel⸗Thurm; die 2⸗Cents⸗Marke hat eine Ansicht der Stein⸗Elephanten, die am Wege zu den Ming⸗ Gräbern stehen; auf der 3⸗Cents⸗Marke befindet sich der See am Han Si⸗Thore; die 4⸗Cents⸗Marke hat eine An⸗ sicht der Haupthalle des Confucischen Tempel; die ö⸗ Cents⸗Marke zeigt die große Glocke des Tempels. Die Wertzeichen, welche die Größe und Form der japanischen Jubiläums⸗Marke haben, sind in Japan in recht kunst⸗ reicher Weise hergestellt worden. Die Bilder werden von zwei Drachen umschlungen und am Fuße befinden sich die Worte„Nanking Lokal Post“ in Englisch, während an der Oberseite dieselben Worte in Chinesisch stehen. Der Satz kostet demnach 45 Cents. Standesamtliche Nachrichten. Geburten. Am 26. Oktober. Dem Knecht Ernst Martin eine Tochter.— Am 27. Oktober. Dem Sergeant Heinrich Dambmann eine Tochter, Emma.— Am 28. Oktober. Dem Friseur Franz Anton Klenker ein Sohn, Anton Otto.— Am 29. Oktober. Dem Schutzmann Martin Erb ein Sohn.— 29. Dem Klubdiener Adolf Fink eine Tochter.— 29. Dem Schneider Johann Jost Henkel ein Sohn, August Wilhelm.— Am 30. Oktober. Dem Kaufmann Adolf Johann Bernhard ein Sohn, Max Fer⸗ dinand Nicolaus.— Am 31. Oktober. Dem Tagelöhner Peter Schneider eiu Sohn.— 31. Bahnarbeiter Joh. Hofmann ein Sohn.— Am 1. November. Tapezier Wilhelm Nees ein Sohn.— Am 2. November. Dem Küfer Friedrich Knorr eine Tochter Elisabeth.— Am 3. November. Dem Maurer Heinrich Rühl III eine Tochter, Lina Elise.— Am. 4. November. Dem Eisen⸗ bahnschaffner Johannes Stehling ein Sohn.— Am 5. November. Dem Former Peter Friedrich Selzer ein Sohn. Aufgebote. Am 2. November. Heinrich Karl Lehr, Sergeant da⸗ hier, mit Johannette Schneider zu Inheiden.— 2. Wil⸗ = er,— e Anzeige, daß ich 32 Sonnenstrasse 32 ein Manufaktur und Kurzwaren⸗Geschaͤft verbunden mit Herren- und Knabengarderobe, letztere mit eigener Werkstätte, eröffnet habe. Indem ich versichere, daß ich bemüht sein werde, durch streng reelle Bedienung die Gunst des geehrten Publikums mir zu erwerben, bitte ich um geneigten Geschäfts⸗ Eröffnung. Einem hochverehrtensPublikum von Gießen und Umgegend hiermit die ergebene helm Becker, Zahlmeister⸗Aspirant dahler, mit Sophia Schnepp hierselbst.— Am 4. November. Max Karl Christian Wilhelm Georg Ockel, Zuschneider zu Di burg, mit Margarethe Theresia Koch daselbst.— 4 Wil helm Petri, Maschinenarbeiter dahier, mit Elisabethe Jo- hanna Katharine Feller hierselbst.— Am 6. Mopener Philipp Diehl, Fuhrmann dahler, mit Katharine Susanne Auguste Möller hierselbst. Eheschließungen. Am 31. Oktober. Philipp Lepper, Schuhmacher da⸗ hier, mit Marie Wagner hierselbst.— 31. Karl Heiurich Wilhelm Köhne, Buchhändler dahier, mit Anng Schön⸗ berger hierselbst.— Am 2. November. Andreas Jakob Segadelli, Cementarbeiter dahier, mit Marie Katharine Röddiger hierselbst.— Am 4. November. Weber, Bierbrauer dahier, mit Elise Graf hierselbst, Sterbefälle. Am 1. November. Katharine Roth, geb. Heimann, 76 Jahre alt, Witwe von Tuchmacher Johann Roth da⸗ hier.— Am 3. November. Moritz Enders, 55 Jahre alt, Küfer dahier.— Am 4. November. Johanna Selbold geb. Heß, 53 Jahre alt, Witwe von Fabrikant Selbolz zu Offenbach a. M.— Am 5. November. Wilhelm Ackermann, 23 Jahre alt, von Eppen rod. Neueste Telegramme. Hd. Brünn, 9. November. Gestern Nacht wurden von unbekannten Thätern in der ganzen Stadt Flugschriften verbreitet und an den Häusern angeheftet, in welchen gewaltsame Entfernung der Juden gefordert wird. Die Behörden entfernten alsbald diese Plakate. Hd. Roubaix, 9. November. Die große Spinnerei von Boy er ist niedergebrannt. Mehrere Arbeiter kamen in den Flam⸗ men um. Hd. Neapel, 9. Nov. Matino bringt die sensationelle Mitteilung, daß die letzten nach Eritrea gesandten 60000 Gewehre sich als absolut unbrauchbar erwiesen haben. Die Regierung habe deshalb die Absendung neuer Gewehre verfügt.— Die militärische Lage in Afrika giebt fortgesetzt Veranlassung zu Beun⸗ ruhigungen. Hd. Brüssel, 9. November. Etwa 100 00 Bergleute durchzogen gestern die Straßen der Stadt und demonstrierten vor dem Par⸗ lamentsgebäude, wo sie Verbesserung ihrer Lage forderten. Hierauf begaben sie sich unter Abfingung der Marseillaise nach dem Vereinz⸗ hause. In Harle⸗ Hd. Brüssel, beke ermordete ein Schulknabe einen Kameraden, um diesem 50 Centimes rauben zu können. 9. November. Sterbefälle. Am 6. November. Johannes Dietz, 70 Jahre alt, Knecht von Nieder⸗Wöllstadt Kreis Fried⸗ berg. Gestorben in der neuen Klinik. Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Re⸗ 5 Wilhelm Sell, Druck von E. Ottmann, beide in eßen. Zuspruch. 1249 Hochachtungs voll 5 A. Giehl. EEE 2 u der 1195 am 13. bis 16. November 1896 in Steins Sälen stattfindenden Lokal⸗Gartenbau⸗Ausstell ung sind a 30 Pfg. zu haben in sämtlichen Blumengeschäften, außerdem in den Geschäften der Herren H. Noll, Schreibmaterialienhandlung, Ph. Mo otz, Zigarrenhandlung, Friseur L. Dechert, Daniel Heil, Lindenplatz, Friseur Tichy, Seltersweg. Zur Ausgabe gelangen 8500 Loose mit 750 Gewinnen, darunter 10 Hauptgewinne im Werte von 100, 30, 20 und 10 Mark. . Wirtschafts⸗ Eröffnung. 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