General⸗ en prese eds er⸗ Man in sbhängig⸗ 14 Vohannes⸗ säclichte alkomme, plerung sider ber⸗ ispondent a ist als en Buren —— cuntw. Re⸗ „Ottmann, 5 K An, hren l. 0 he jeter- Gießen, Freitag, den 10. Jannar 1896. 0 Ausgabe andes Gießen. Redaktion: 8 Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. 1 Expedition: Kreuzplatz Nr. 4. E Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die F5spaltige Petitzeile. 2 Kreuzplatz Nr. 4. — A 5 5 5„— 5 5 5 E bonnementsbestelungen auf die 5 „Hessische Landeszeitung“ nehmen unsere sämmtlichen Träger sowie die Expedition Kreuzplatz 4 zu jeder Zeit entgegen. Kein anderes hiesiges oder auswärti— ges Blatt bietet annähernd die Vor— teile der„Hessischen Landeszeitung“, die der Einwohnerschaft von Gießen und Nachbarorten in zwei Ausgaben an jedem Werktag ausgehändigt wird. Preis nur 60 Pfg. monatlich einschließlich Trägerlohn. Gießener Neu⸗ und Umbauten im Jahre 1895. Spezialbericht der„Hess. Ldztg.“ (Fortsetzung.) So sind wir wieder in der Ostanlage ange— kommen und folgen dieser bis zum Wallthor, von wo aus wir wieder einen Abstecher in die Innenstadt nach der Braugasse unternehmen. Hier hat gegenüber dem Garnisonslazarett der Fabrikant Wallenfels einen gründlichen Um⸗ bau seines Hauses vorgenommen. Keck blickt schon jetzt der um einen Stock erhöhte Neubau, ob zwar nur erst im Rohbau vollendet, nach dem stolzen Lazarettgebäude hinüber. Am oberen Ende der Wallthorstraße hat noch der Besitzer des Hotel„Einhorn“ aus der alten Thorein— fahrt des Hauses ein vornehmes Vestibül ge— schaffen. In dem nördlichen Stadtteil Gießens finden wir ebenfalls stattliche Gebäudekomplexe. Am Anfang der Nord⸗Anlage sehen wir die bekannte Bierquelle der Gebr. Röhrle mit ihren umfang⸗ reichen Fabrikgebäuden und qualmenden Schlöten. Gerade dieser Teil des nördlichen Stadtteils hat eine so tief greifende Veränderung erfahren, daß nur noch die älteren Gießener sich der alten Königsbrauerei mit der idyllischen Umgebung er— innern können. Der rastlos vorwärtsstrebenden 5 hat hier manches lauschige Plätzchen zum pfer fallen müssen, und ausgedehnte Kellerei⸗ anlagen durchziehen jetzt den größten Teil des altbekannten Brauereigrundstückes. Auf der rechten Seite der Nordaulage, gegen— über der Brauerei Röhrle, bietet die noch junge Schottstraße mit ihren schmucken Villen ein au— genehmes Bild. Auch in der Dammstraße, welche vor Oswaldsgarten die Nordanlage quert, ist ein Doppelhaus entstanden. Wir nähern uns der Neustadt und kommen an einen Bau, welcher, aus öffentlichen Mitteln erbaut, schon viel das Gerede der Bürger gebildet hat. Den Namen Geräteschuppen, den dieser Bau im Volks⸗ munde hat, verdient er gewiß nicht; denn er hat mit einem Schuppen nicht die entfernteste Aehnlichkeit. Zu welchen Zwecken der Bau dient, ist uns nicht bekannt. Die innere Einrichtung des Hauses läßt keinen rechten Schluß auf den Zweck des⸗ selben zu. Vielleicht geht es diesem Neubau wie den schon zwel Jahre leer stehenden Marktlauben, welche deshalb nicht benutzt werden können, weil die dazu benötigte„Ordnung“ so schwer zu schaffen sein soll. * 0 Lokales und Provinzielles. * Gießen, 9. Januar. Ein Gefechts⸗ schießen mit scharfen Patronen wird das 3. Bataillon des hiesigen Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm Nr. 116 am 10. ds. Mts. in dem Gelände Staufenberg— Mainzlar— Treis a. d. Lumda— Todtenberg—Fortbach—Sicherts⸗ r Ge en abhalten, weshalb das ge— ährdete Gelände an diesem Tage nicht betreten werden darf. * Gießen, 9. Jan. Die gestern Abend statt⸗ gefundene Generalversammlung des Ver⸗ eines für Krankenpflege im Restaurant Feidel war 1 von den Mitgliedern be⸗ sucht. Der Vorsitzende Rechtsanwalt Grüne⸗ wald erstattete den Rechenschaftsbericht über das abgelaufene Vereinsjahr und erwähnt dabei, daß es im vergangenen Jahre wegen der Auf⸗ fassung über die Auslegung des§ 4 der Sta⸗ tuten, welcher die Zusammensetzung und Wahl des Vorstandes behandelt innerhalb des Vereines zu ernsten Meinungsverschiedenheiten gekommen sei, welche nahe daran waren, die Existenz des Vereines in Frage zu stellen. Diese Differenz sei jedoch beigelegt. Der Verein bezwecke die Einrichtung und pekuniäre Unterstützung einer Niederlassung katholischer barmherziger Schwe— stern in Gießen behufs Förderung der Kranken⸗ pflege, ohne Rücksicht auf die Konfession der Kranken. Die Mitgliedschaft kann Jedermann erwerben, gleichviel welche politische oder kou— fessionelle Stellung er einnimmt. Der Verein bestehe augenblicklich aus 53 Katholiken, 33 Pro⸗ testanten und 20 Israeliten. Es führe die Mitglieder lediglich die Humanität und die Men schenliebe zusammen; alle religiösen Interessen der verschiedenen Konfessionen haben mit dem Vereiuszweck nichts zu thun. Der Vorsitzende schließt seinen Bericht mit dem Wunsche, daß im kommenden Jahre die Grenzen der Mild— thätigkeit und Barmherzigkeit über den Verein walten mögen. Der Rechner von Jungenfeld erstattet die von den Revisoren geprüfte Rechnung pro 1895. Dieselbe schließt in Einnahme und Ausgabe mit 5761,58 Mk. ab. Das Vereins- vermögen, bestehend aus barem Gelde und Pa⸗ pieren, beträgt augenblicklich 2955,28 Mk. gegen 3184,11 Mk. des Vorjahres. Die Versammlung schreitet daraufhin zur Vorstandswahl. Der Vorsitzende teilt mit, daß Rechtsanwalt Dr. Gut⸗ fleisch infolge der Differenzen des Vorjahrs sein Amt niedergelegt habe und die Versammlung bitte, von seiner Wiederwahl in den Vorstand abzusehen. Der Vorstand habe beschlossen, als geeignetes Vorstandsmitglied den Buchhalter Hermann Petri zur Wahl vorzuschlagen. Dr. Kübel erklärt, daß dem§ 4 der Statuten zufolge heute ein protestantisches Mitglied mehr zu wählen sei, dem müsse man sich fügen und wer von den Mitgliedern dies nicht wolle, könne höchstens einen weißen Zettel abgeben. Bei der Abstim⸗ mung, welche durch geheime Wahl stattfand, wurden wieder gewählt Rechtsanwalt Grüne— wald, von Jungenfeld, Handelskammermitglied Katz, Kommerzienrat Heichelheim, Dr. Kübel, Amtsrichter i. P. Herrmann, Rentier Schmücker, Singer, neu gewählt wurde Hermann Petri. Nachdem der Vorsitzende namens des Vereins den Schwestern für ihre segensreiche und auf⸗ opfernde Thätigkeit Anerkennung und Dank aus⸗ gesprochen, dankt der Pfarrer Bayer dem Vor— stand und besonders dem Vorsitzenden für seine Thätigkeit im Interesse des Vereins. Gießen, 8. Januar. In der gynäkolo⸗ gischen Klinik unserer Hochs hule kamen im ver— flossenen Jahre 340 Entbindungen bei einer Thätigkeit von nur 20 Praktikanten vor, somit entfallen durchschnittlich auf jeden derselben pro Jahr 16 Fälle oder pro Semester 8. Es steht dieses Institut inbezug auf die Frequenz in Rücksicht auf die Zahl der dabei beteiligten an⸗ Aba Aerzte an erster Stelle unter derartigen Unstalten aller deutschen Universitäten. —0. Lollar, 8. Jan. Gestern Abend hielt der hiesige Veteranen- und Kriegerverein„Ludwig zur Treue“ Generalversammlung, behufs Vor— standswahl und Rechnungsablage pro 1895 ab. Die Versammlung leitete der seitherige Vorsitzende Herr Baumann, welcher durch die Verlegung des Zentralbureaus der Buderusschen Eisen⸗ werke seinen Wohnsitz in Gießen genommen, ein. Er gab unter Anderm an, daß er den Vorsitz nicht mehr führen könne und sein Amt als solcher niederlege. Der Verein ernannte ihn deshalb zum Ehrenmitgliede und wählte den seitherigen zweiten Vorsitzenden Herrn Heiberts— hausen zum Ersten und Herrn Störmer zum zweiten Vorsitzenden, den seitherigen zweiten Schriftführer Herrn Schiemangk zum Ersten und den seitherigen zweiten Schriftführer Herrn Nies zum ersten Schriftführer. Zum Rechner wurde wiedergewählt Herr Polizeidiener Schmidt, sowie die seitherigen 2 Beisitzer Herr F. Schön und Herr H. Fuchs. Bei der Rechnungsablage er— gab sich infolge der vielen Festlichkeiten im Jahre 1895 einschließlich der noch rückständigen Bei⸗ träge eine Mehrausgabe von ca. 75 Mark. Es wurde beschlossen, daß der 18. Januar, der Tag der Kaiserproklamation, durch ein geselliges e und der 27. Januar, Kaisers eburtstag, durch eine Abendunterhaltung mit Musik gefeiert werden sollte. Kamerad Klingel— höfer führte zuletzt noch unter Beifall an, daß der Verein auch den bedürftigen Kameraden, Witwen und Waisen gedenken sollte. Darmstadt, 8. Jau. Zuverlässig ver⸗ lautet, daß eines der ältesten Mitglieder des höchsten Gerichtshofs, der als Kriminalist her— vorragende Reichsgerichtsrat von Bury, die Versetzung in den Ruhestand nachgesucht hat. b. Bury war 1879 von Hessen für eine Reichs⸗ gerichtsratsstelle in Vorschlag gebracht worden. Seit seiner Ernennung gehörte er dem ersten Strafsenate an. * Dar mstadt, 9. Jan. Das Reichsgericht hat die seiner Zeit von dem Angeklagten Pütz eingelegte Revision gegen das Urteil der hiesigen Strafkammer J, wonach er insgesamt 29 Jahre Zuchthaus wegen einer Reihe von Einbruchs— diebstählen und Widerstands erhielt, in seiner Sitzung vom 19. Dezember 1895 kaostenfällig verworfen. ch. Offenbach, 8. Januar. Moderne Jungen. Einige Buben spielten auf der Nain— wiese in der Nähe der Druckluftanlage, als ein etwa 13jähriger Junge unter sie trat, der einen scharfgeladenen Taschenrevolver bei sich trug, mit dem er hantierte. Plötzlich ging ein Schuß los und die Kugel drang einem der im Kreise herum⸗ stehenden Buben in die Hand. Alsbald trat nun ein anderer Junge hervor, holte sein Saschen— messer heraus und schnitt dem Verletzten die Kugel heraus! Der Verletzte kam natürlich in ärztliche Behandlung und trägt nun einen Gypsverband. h. Groß⸗Umstadt, 8. Jau. Gestern wurde vom hiesigen Schöffengericht der Redakteur Martin Schwenk von der„Starkenburger Pro— vinzial⸗Ztg.“ in Dieburg zu 7 Wochen Ge⸗ fängnuks und drei Viertel der Kosten, und der latholische Pfarrer Mischler von hier zu 30 Mark Strafe und einem Viertel der Kosten verurteilt. Beide standen unter der Anklage, den Landtagsabgeordneten Lautz wegen seiner Reden in der Kammer zur Revision der Ordens⸗ gesetze, durch drei Artikel der„Starkenb. Prov. Ztg“ beleidigt zu haben. Herr von Wambolt erklärte als Zeuge, daß er der Verfasser des letzten inkriminierten Artikels sei, und gab weiter auf eingehende Befragung an, daß er den Artikel Herrn Pfarrer Mischler zur Durchsicht gegeben, daß Herr Mischler daran, wenn auch nicht viel, korrigiert und daß Herr Mischler ihn an die Dieburger Zeitung befördert habe. Erwähnens— wert ist das Zugeständnis des jetzt in Bingen wohnenden Herrn Kaplan Kling, daß er die „Dieburger Zeitung“ ständig korrigiert habe. Herr Schwenk macht somit für die Herren Pfarrer und Kapläne den Strohmann. i. Mainz, 8. Jan. Der Handlungsreisende Franz Braun von hier, der für die hiesige Drogenfirma Fritz Ritzel 270 Mark Kunden— gelder vereinnahmte und unterschlug und für etwa 800 Mark fingierte Aufträge abgab, deren Inhalt er nach der Effektierung verkaufte und das Geld für sich behielt, ist heute von der Strafkammer zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. Oberbürgermeister Dr. Gaßner hat die nötigen Vorbereitungen getroffen, um zur 25 jährigen Wiederkehr der Errichtung des deutschen Reiches einen Festkommers in der Stadthalle zu veranstalten. i. Mainz, 8. Jan. Die hiesigen Schutz leute haben an Bürgermeisterei und Stadt⸗ verordneten-Versammlung eine Eingabe gerichtet, worin sie ersuchen, daß die Gehaltsskala für sie dahin abgeändert werde, daß sie nicht mehr alle fünf, sondern alle drei Jahre aufrücken. Be⸗ gründet wird das Gesuch damit, daß bei dem austrengenden Dienste fast kein Schutzmann mehr in den Genuß des Höchstgehaltes von 1850 Mk. komme, was erst nach 25jähriger Dienstzeit er— reicht werde.— Heute Vormittag stieß in der Nähe von Biebrich ein mit Sand geladenes Schiff gegen einen Schraubendampfer; durch den Anprall stürzten 2 Schiffer in den Rhein, einer von ihnen ertrank, der andere konnte nur mit Mühe gerettet werden. i. Mainz, 8. Jan. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten versammlung wurden die Einführung und Verpflichtung der neugewählten Mitglieder und verschiedene Kom— missions-, Deputations- und Ausschußwahlen vor— genommen, Herr Oberbürgermeister Dr. Gaßner gedachte Eingangs der Sitzung nochmals der Ausgeschiedenen und begrüßte hierauf die neu eingetretenen Mitglieder. Vor den Wahlen wurde beschlossen, den Bauausschuß von 7 auf 8, den Ausschuß für Stellenbesetzung von 7 auf 8, den juristischen Ausschuß von 5 auf 6, die Kommission für Wasserversorgung von 9 auf 10 und die Kommission für elektrische Anlage von 6 auf 7 Mitglieder zu erhöhen. Die Wahlen ergaben keine nennenswerte Veränderungen. Mainz, 8. Januar. Die hiesigen Rechts⸗ anwälte verhandeln augenblicklich über die Ein— führung der Sonntagsruhe. Bei all⸗ gemeiner Zustimmung sollen die Bureaus der Rechtsanwälte an Sonn⸗ und Feiertagen für das Publikum geschlossen bleiben. Dagegen soll es den Rechtsanwälten vorerst unbenommen sein, ob sie ihr Personal beschäftigen wollen oder nicht. (Das wäre also eine Sonntagsruhe für das Publikum, nicht aber für das Personal.) i. Mainz, 8. Januar. Schwer geschädigt wurde gestern Abend der Uhrmacher und Optiker J. Rauscher in der kleinen Langgasse, dem ein Schaukasten mit Uhren, Ketten, An⸗ hängern auf freche Weise vom Hause weg ge⸗ stohlen wurde.— Ein Einbruchsbersuch wurde auf einem bei Castel vor Anker liegenden Schiffe gemacht. Die Schiffleute erwachten und verfolgten die Gauner, doch konnten sie dieselben nicht mehr einholen. Vermischtes. — Noch ein Beitrag zur Sittenge⸗ schichte. Vor dem Berliner Kammergericht kam vor einigen Tagen folgender Fall zur Ver⸗ handlung:„Sie“ war lange Zeit„intime Freundin“ eines schwer reichen Mannes, bis sie mit einer bedeutenden Geldsumme„abgefunden“ wurde. Im Besitze dieser Summe glaubte sie auf den Titel einer„Gnädigen“ begründeten Anspruch zu haben. Sie suchte also nach einem vornehmen Manne. Und sie fand wirklich einen Baron, einen echten Baron, der nicht nur Ahnen, sondern auch— so behauptet wenigstens der Baron— 100 000 Mark Vermögen in guten Papieren besaß. Außerdem hatte der Herr Baron noch eine„Vergangenheit“, die er in der Gegend von Moabit und Plötzensee verlebt hatte, von der er aber der Dame seiues Herzens kein Sterbenswörtchen erzählte. Der Weg zum Stan⸗ desamt war bald geebnet und es dauerte nicht lange, so war die wirkliche Frau Baronin fertig, mit ihrem Gelde nämlich. Denn es war dem liebenswürdigen Schwerenöter in unglaublich kurzer Frist gelungen, seine holde Gattin um nicht weniger als 150000 Mark anzupumpen, und zwar gegen Verpfändung der vorerwähnten guten Papiere. Bei den Geldgeschäften zwischen den Ehegatten hatte die Kammerjungfer den ehrlichen Makler gemacht. Nicht lange nach dem gelungenen Pump war der Baron und mit ihm die geschäftsgewandte Kammerjungfer ver⸗ schwunden. Die unglückliche Baronin blieb mit ihrem Schmerz und mit den guten Papieren des Barons, die von Sachverständigen auf 342 Mark abgeschätzt wurden, allein zurück. So war sie ein schönes Stück Geld, ihren tene⸗ ren Gatten und ihre treue Dienerin losgeworden. Den vornehmen Namen aber behielt sie auch nach erfolgter Scheidung, und das war wenigstens ein Trost für sie.— Wegen der 150000 Mark kam es zur Klage. Der Baron stellte der Klage den überraschenden Einwand gegenüber, daß nach der ausdrücklichen Verabredung zwischen ihm und der Baronin die ihm gewährten Darlehen erst nach seiner Wiederverheiratung zurückgezahlt werden sollten. Dieser Zeitpunkt aber sei noch nicht eingetreten. Diese und andere Momente ließen die Deutung zu, daß mit der Verheiratung nur ein Pro visorium geplant war, welches, nachdem die Braut den„vornehmen“ Namen erworben, mit möglichst rascher Schei—⸗ dung enden sollte. Indeß sprach neben anderen Momenten hauptsächlich der Inhalt seiner Schuld— scheine gegen den Baron und er wurde zur so⸗ fortigen Zahlung verurteilt. In der Berufungs⸗ instanz erreichte er nur eine unwesentliche Herab⸗ minderung der Klageforderuug, auf Grund einer Gegenrechnung über zahlreiche für seine Gattin gemachte Ausgaben, in welcher u. a. auch die sämtlichen für die Gattin bei der Hoch zeits⸗ reise, bei sonstigen Ausflügen und beim Be⸗ such von Theatern, Bällen, Restaurants, Konditoreien u. s. w. gezahlten Beträge sorgsam verzeichnet waren. — Die„Träume vom elektrischen Zeitalter“ zeigt der Ort Great Falls in Montana verwirklicht. Dort wird nahezu jede Art mechanischer Arbeit mit Hilfe der elektrischen Kraft ausgeführt. Der Missouri stellt die Wasserkraft, die die Elektrizität billig erzeugt. Sie treibt, beleuchtet und wärmt die Straßen⸗ 100 bahnwagen, hebt die Fahrstühle und bewegt die Druckerpressen, die schwerhebenden Krahne und die mächtigen Erzmühlen, wie andere Maschinen jeglicher Art. Selbst im Bauhandwerk findet sie Anwendung, und es ist nichts Außergewöhn⸗ liches, in den Straßen einen elektrischen Möbel⸗ tischler zu sehen, dem seine Kraft durch einen dünnen, von einem Pfosten ablaufenden Draht zugeführt wird. Die Speisehäuser kochen mit Elektrizität, der Fleischhauer läßt das Hacken des Wurstfleisches elektrisch besorgen, und der Kauf⸗ mann mahlt seinen Kaffee damit. Die guten Hausfrauen von Great Falls treiben ihre Näh⸗ maschinen und erhitzen ihre Bügeleisen mit Elektrizität; sie backen ihren Kuchen in elektrischen Backöfen, sie haben ellektrische Kaffeekocher, Pfannen und Waschkessel. — Die Aufdeckung einer wohlerhal⸗ tenen antiken Stadt in Algerien, welche der Service des monuments historiques de Algerie unternommen hat, verdient besondere Aufmerk samkeit. Einem soeben veröffentlichten Bericht des Leiters der Ausgrabungen, des Architekten Albert Ballu, entnimmt die„Köln. Ztg.“ Fol gendes: Timgad, im Altertum Thamugadi ge⸗ nannt, liegt im Departement Constantine, nicht weit von dem alten Lambessa, und war das Standquartier der berühmten dritten Legion. Die von Trajan im Jahre 100 erbaute Stadt hatte eine Blütezeit von 4 Jahrhunderten durchlebt, als Belisar Nordafrika eroberte. Die eingeborene maurische Bevölkerung verwüstete die Felder und zerstörte die Städte, damit die Eroberer sich nicht im Lande festsetzen könnten. Da ist auch Thamugadi zu Grunde gegangen und hat dann unter dem Schlamm, den die Regengüsse von den Bergen herabspülten, unter dem Sand, den der Sirokko herbeitrug, länger als zwölf Jahrhunderte verborgen gelegen. Ein Triumphbogen mit drei Thoren, der mit Säulen und mit Statuen geschmückt ist, steht noch fast aufrecht. Im Schutze von schönen Säulenhallen sind schöne Kaufläden aneinander gereiht, und sehr gut eingerichtete Aborte zeigen, daß auch diese Errungenschaft der Neuzeit schon im Alter⸗ tum bestanden hat. Auf dem Forum steht eine große Basilika, die(der ursprünglichen Bestim⸗ mung aller Basiliken entsprechend) das Gebäude —.——— des Handelsgerichts war. Außerdem sieht man auf dem Forum Magazine, Hallen für gesellige Zwecke, ein Gefängnis, eine Kurie, wo der Ge⸗ meinderat tagte, einen Tempel des Sieges und eine sehr große Zahl Piedestale, worauf die Bildsäulen der Kaiser und berühmter Männer gestanden haben. Das an einen Hügel an⸗ gelehnte Theater konnte viertausend Personen auf⸗ nehmen. Auf dem Kapitol steht ein gewaltiger Tempel des Jupiter, aber seine 15 Meter hohen Säulen sind umgestürzt und bedecken mit ihren Trümmern den Boden. In den prächtigen Thermen sind die verschiedenen Baderäumlich⸗ keiten wohlerhalten, und auf einem sehr merk⸗ würdigen Markt, von dem ein Teil überdeckt war, stehen die steinernen Tische, auf denen die Waren zur Schau ausgelegt wurden. Aus der christlichen Zeit stammen mehrere reich mit Mosaik und Skulpturen geschmückte Kirchen und eine große Zitadelle. Alle Straßen sind sehr gut gepflastert und zeigen, wie in Pompeji, die Radspuren der antiken Wagen. Die Kloaken, die so tief sind, daß man sie ganz durchwandern kann, nehmen wieder das Regenwasser auf, welches sich in den nun freigelegten Straßen an— sammelt, und die alten Brunnen, welche die Stadt versorgten, sind wieder zur Aufnahme des Trinkwassers bereit, das die bevorstehende Er— neuerung der römischen Leitung von Neuem in jene steinernen Behälter fließen lassen wird. Die Privatbauten nehmen unser Interesse nicht weniger in Auspruch. Dasselbe gilt von den militärischen Anlagen, sowie von Aquadukten, Stadtthoren, Friedhöfen und Vorstädten. Alles in Allem ist dies der erste und einzige Fall, daß die römische Kunst der Kaiserzeit sich uns in so geradezu wunderbarer Vollständigkeit vor Augen stellt. * Stoß seufzer eines Gymnasiasten „Elsa hat für mich nichts, als ein mitleidiges Achselzucken; o, wenn sie pißte, daß ich mir schon zweimal habe rasiren lassen. — Bescheidenes Hochgefühl. Schauspieler(einer Schmiere, zum Direktor):„Herr Direktor, ich bitte um 20 Pfennig Vorschuß!“ Direktor:„Wozu brauchen Sie 20 Pfennig?“ wußtsein, wenn man eine größere Summe Geld bei sich führt!“ Letzte Telegramme. Hd. Wien, 9. Januar. Der Redakteur des in Außig erscheinenden Omladinisten-Blattes „Omladina“, Ignatz Holub wurde wegen Hoch⸗ verrats verhaftet. Gleichzeitig wurden in dieser Angelegenheit bei vielen Personen in Prag, Leitmeritz und anderen Orten Haussuchungen vorgenommen. 5 Hd. Wien, 9. Jan. Die Blätter bezeichnen fast ausnahmslos die Ausrüstung eines fliegen⸗ den englischen Geschwaders als eine lächer— liche Demonstration, welche absolut nichts Beun⸗ ruhigendes habe. Die„Neue Freie Presse“ fragt, was denn geschehen sei, wodurch die plötzliche Thatenlust Englands gerechtfertigt sei. In die Transvaal-Republik sei aus der benachbarten englischen Cap-Kolonie eine Bande Freibeuter eingebrochen und von den tapferen Buren schnell überwunden worden. Da nun die englische Re— gierung jede Solidarität mit jenen Flibustiern kategorisch abgelehnt hatte, so konnte doch logischer Weise die Glückwunsch-Depesche des deutschen Kaisers an den Präsidenten Krüger keine Spitze gegen England haben. Daß England heute iso⸗ liert dastehe, könne zwar die englische Empfind— lichkeit reizen, Deutschland werde aber dafür besonneue Mäßigung zeigen. Die Friedfertigkeit Deutschlands habe schonschwerere Proben bestanden. Hd. Paris, 9. Jan. Der Untersuchungsrichter verhörte gestern in der Untersuchungssache der 104 Pa⸗ namisten deu früheren Minister Deville, welcher angeblich die Liste mehreren Abgeordneten mitgeteilt hatte, sowie ferner den ehemaligen Polizei-Präsidenten Andrieux. In dem Verhör wurden keine neuen Einzelheiten fest⸗ gestellt. Hd. Paris, 9. Jan. Der hiesige portugisische Ge⸗ sandte erklärte einem Redakteur des„Temps“, daß die Ausschiffung deutscher Truppen in der Delago a⸗ bay nur im Einvernehmen mit Portugal möglich sei, da die Bay portugiesisches Gebiet sei. Der Gesandte glaubt nicht, daß diesbezügliche Verhandlungen geplant werden. Hd. Paris, 9. Jan. Die Blätter unter⸗ ziehen zwar die Haltung Englands einer Hd, Dover, 9. Jan. Ein schrecklicher Sturm hat gestern die Abfahrt sämmlicher Postdampfer verhindert. Hd. Konstantinopel, 9. Jan. Infolge heftiger Schneestürme sind die Eisenbahn-Verbindungen mit West⸗Europa unterbrochen. Zur Beachtung. Die„Hessische Landes⸗Zeitung, Ausgabe Gießen“ wird äßi Maass 5 ießen“ wird regelmäßig Holzversteigerungen und Submissionen der Provinz Oberhessen(Kreise Gießen Alsfeld, Büdingen, Friedberg, Lau⸗ terbach und Schotten) und des Kreises Wetzlar veröffentlichen. Die Holzversteigerungen und Submissionen der Kreise Biedenkopf, Marburg, Kirchhain, Ziegenhain, Homberg und Frankenberg finden unsere Leser dagegen in der Marburger Ausgabe der Hessischen Landes⸗Zeitung“. Die„Hessische Landes-Zeitung“ bringt diese wichtigen Bekanntmachungen also in einer Vollständigkeit, wie sie kein anderes hiesiges oder auswärtiges Blatt zu bieten vermag. Die amtl. Bekanntmachungen der Stadt und des Kreisamts Gießen werden ebenfalls in der„Hessischen Landes⸗ Zeitung, Ausgabe Gießen“ regelmäßig zu finden sein. Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Re⸗ Holzversteigerungen. Gießen. Grünbergerstraße, auf dem Trieb, im Lärchenwäldchen, am Lutherberg, Steinbacherweg, in den Friedhofsanlagen, Das Abfallholz von städtischen Bäumen an der Licher- und am alten Anneröderweg, im Bürgermeistereihof, am Wieseckerweg und auf Oswaldsgarten, bestehend aus Kuüppelholz, Reisern, auch einigen Stämmen und einigen Dausen Spähnen. Freitag, den 10. an Ort und Stelle. Januar, Nachm. 2 Uhr, Die Versteigerung beginnt am Oswaldsgarten. Donnerstag, den 23. d. Jagd⸗Verpachtung. Mts., 1. Februar d. J. leihfällig werdende Domanialjagden aus den nach verzeichnete, am Oberförstereien werden Treis an der Lumda und Schiffenberg verpachtet: a 1. Oberförsterei Treis an der Lumda: Jagdbezirk Nr. 1, 2. Oberfoͤrsterei Schiffenberg die Jagdbezirke Nr. 1 und 2. Die Verpachtung findet in Röhrles Brauerei zu Gießen statt und beginnt Vormittags 10 Uhr. Personen, welche diese Jagden zu pachten beabsichtigen und deren Qualifikation hierzu nicht notorisch vorliegt, haben binnen 14 försterei sich hierüber auszuweisen. Gießen, den 3. Januar 1896. Tagen bei unterzeichneter Ober Großherzogliche Ober försterei Schiffenberg. Heyer. „' Submission. Gießen. Die Erd- u. Maurer⸗, Steinhauer⸗ und Schlosser— arbeiten zur Herstelluug einer 21,18 Meter langen Einfriedigung in der Steinstraße, längs des Scheid'schen Hofes, sollen Dienstag, den 21. d. Mts., Vormittags 11½ Uhr, öffentlich verdungen werden. Zeichnung, Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen bei dem Stadtbauamte zur Einsicht offen. Angebote sind auf Vor⸗ druck, der bei uns erhältlich bis zum genannten Termin einzureichen. Zuschlagsfrist 14 Tage. — Submission. Gießen. Die Schreiner- und Weiß⸗ binderarbeiten zur Herstellung des früher Schmidt'schen Hauses im Tiefen— weg sollen Dienstag, den 14. d. Mts., Vormittags 11% Uhr, öffentlich verdungen werden. Arbeits beschreibung und Bedingungen liegen bei dem Stadtbauamte zur Einsicht offen. Angebote auf vorgeschriebenem Formular sind bis zum genanunten Termin einzureichen. Lolomabilen Centrifugal- Pumpen verkaufen und vermieten Robey c Comp. Maschinenfabrik und Kessel- schmiede in Breslau. Mehrere jüngere Hausirer für Artikel, welche in jeder Fa⸗ milie leicht verkäuflich, gegen hohe Provision sofort gesucht. Cau⸗ tion nicht erforderlich. Näheres zu erfragen bei C. Stiasny, Bahn⸗ hofstraße 11. Klim. Kurort Schömberg Neuenbürg im Württem— bergischen Schwarzwald. bei Heilanstalt für Lungenkranke. Sommer- u. Winterkur. Beste Verpflegung. Mäßige Preise. Leit. Arzt: Dr. Baudach. Prosp. frei durch d. Direktion. Möblirte Zimmer, mti nud ohne Cabinet, in großer Aus wahl empfiehlt der Gießener Wohnungsnach⸗ weis, Bahnhofstraße 11. Täglich ge— öffnet. 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