bw. Nt⸗ tt. tmang, — fue east aus⸗ ahne. Täglich Emsbors andes d. Irschen, landw. erlhe k lig bek., dien, ge- Nachweis ful in- u. erl. dle 6 asser und magen- . id Mise. Liqueur- — ˙7˖V⅛e.— — Gießen, Donnerstag, den 9. Januar 1896. Nr. 7 f . „ 1 ager 5 4 Ausgabe fandegzei Gießen. ung 68. — Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4. Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Expedition: Kreuzplatz Nr. 4. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die 5spaltige Petitzeile. Zur Beachtung. Die„Hessisehe Landes-Zeitung, Ausgabe Gießen“ wird regelmäßig sämmtliche 5 Holzversteigerungen und Submissionen der Provinz Oberhessen(Kreise Gießen, Alsfeld, Büdingen, Friedberg, Lau- terbach und Schotten) und des Kreises Wetzlar veröffentlichen Die Holzversteigerungen und Submissionen der Kreise Biedenkopf, Marburg, Kirchhain, Ziegenhain, Homberg und Frankenberg finden unsere Leser dagegen in der Marburger Ausgabe der„Hessischen Landes-Zeitung“. Die„Hessische Landes-Zeitung“ bringt diese wichtigen Bekanntmachungen also in einer Vollständigkeit, wie sie kein anderes hiesiges oder auswärtiges Blatt zu bieten vermag. Die amtl. Bekanntmachungen der Stadt und des Kreisamts Gießen werden ebenfalls in der„Hessischen Landes— Zeitung, Ausgabe Gießen“ regelmäßig zu finden sein. Lokales und Provinzielles. *Giesten, 8. Januar. Gerichtsacessist Dr. Georg Schwarz ist zum Gerichtsassessor ernannt worden. * Gießen, 8. Januar. Die Kreis⸗Schul⸗ kommission Gießen richtet an die Schulvorstände des Kreises folgende Verfügung:„Am 18. Januar dieses Jahres werden fünfundzwanzig Jahre seit der Kaiserproklamation in Versailles verflossen sein. Im Sinne des Ausschreibens Großherzog— lichen Ministeriums des Innern und der Justiz, Abteilung für Schulangelegenheiten, vom 21. De⸗ zember v. J. ordnen wir an, daß dieser Gedenk— tag in allen Volksschulen des Kreises festlich begangen wird und bei der Feier die Schüler über die Segnungen belehrt werden, die dem deutschen Volke aus der Begründung seiner Ein⸗ heit und der Aufrichtung des Reiches erwachsen sind. Der Unterricht an diesem Tage fällt aus. W Gießen, 7. Jan. Die gestern Abend im Lenz'schen Felsenkeller stattgefundene Gen e— ralversammlung des„Bezirks-Vereins Südwest“ beschäftigte sich zuerst mit der Aen— derung der Statuten. Der Vorsitzende, Direktor Pascoe, verlas die von verschiedenen Seiten 10 5 5 bezüglichen Anträge, welche dahin gehen, aß die i en schon mit zurückgelegtem 21. resp. 22. Jahre erworben werden kann. Ferner soll das Statut dahin geändert werden, daß Bürger der ganzen Stadt, sofern sie sich als Mitglieder des Südwest-Vereins melden, aufgenommen werden sollen. Herr Stadverord— neter Jean Kirch kommt auf die Angriffe zu sprechen, die die Bezirksvereine erfahren haben, und weist auf das traurige Bild hin, welches z. B. bei der letzten Wahl die zersplitterte Bür⸗ gerschaft geboten habe, wo es möglich war, daß an jedem Stammtisch eine besondere Kandidaten⸗ liste aufgestellt wurde. Die Zeit der Bezirks⸗ vereine sei vorbei und gebe er der Erwägung des Vorstandes, resp. dieser Versammlung an⸗ heim, ob man nicht jetzt dazu übergehen wolle, einen großen, allgemeinen Bürgerverein zu gründen, in dem die gesammten Interessen der Stadt besprochen und beraten werden könnten. Nachdem noch weitere Redner in diesem Sinne Kelbrochen, stellt Bauunternehmer Winn den ntrag, den Punkt 1 der Tagesordnung, Sta⸗ tutenänderung, von der Tagesordnung abzusetzen und den Vorstand zu beauftragen, ein neuaus⸗ gearbeitetes Statut, den heutigen Verhältnissen entsprechend, einer später zu berufenden General versammlung vorzulegen. Hierauf bemerkt Rechtsanwalt Grünewald, daß die gegen die Bezirksvereine gerichtet gewesenen Angriffe nur von einzelnen Personen ausgegangen 100 Einem der Vorredner aber, welcher den Zusam— menschluß zu einem allgemeinen Bürgerverein befürwortet habe, mit der Motivierung, dadurch besser den Sozialdemokraten entgegentreten zu können, müsse er doch erklären, daß die Sozial— demokraten nicht nur Bürger unserer Stadt seien, sondern daß man diesen Bürgern auch den Eintritt in dem Süd-Westverein nicht ge— wehrt habe und in einem allgemeinen Bürger— verein erst recht nicht wehren dürfe. Ein solcher Verein habe die Aufgabe, das Interesse aller Bürger— auf die politische Gesiunung komme es dabei nicht an— zu wahren und zu vertreten. Bei dieser Gelegenheit wolle er auch bekennen, daß er persönlich gegen all und jedes Com— promiß sei, auch das von seiner Partei anläßlich der Stadtverordnetenwahlen abgeschlossene nicht gebilligt habe. Aber dasselbe sei bereits vollendete Thatsache gewesen als er es erfahren, er sei verhindert gewesen den betreffenden Berathungen beizuwohnen, und so habe er diese Abmachung nicht hindern können. Seine Meinung sei, daß bei Wahlen jede einzelne Partei eine Kraftprobe halten müsse und gestehe auch gleich den Sozialdemokraten ihrer Stärke entsprechend eine Vertretung in der Stadtver— waltung zu, auch ihm scheine die Ausicht des Herrn Kirch die richtige zu sein. Darüber solle man sich doch keiner Täuschung hingeben, die heutigen Stadtratsbeschlüsse hängen doch mehr oder weniger von Zufälligkeiten ab, wie es auch gar nicht anders sein kann, wenn man be— denkt, daß sehr häufig die wichtigsten Dinge an die Stadtverordneten herantreten, ohne daß diese sich erst über die einschläglichen Verhältnissehaben orientieren könnnen. Dazu käme noch, daß man meistens schon vor von den Kommissionen beschlossenen Dingen steht und dann unter dem Zwange der Abstim⸗ mung nicht gut nein sagen kann, weil man eben nicht besser über diese Dinge orientiert ist. Er denke hierbei nicht etwa an die Ge— nehmigung zur Erbauung einer Gartenhütte oder ähnlicher unwichtiger Dinge, aber wir stehen vor der Kanalisation, einer äußerst wichtigen Frage, über die sich selbst die Gelehrten nicht einig seien. Da sei es an der Zeit, daß die Bürgerschaft sich zusammenschließe und bitte er die Versammlung abstimmen zu lassen: erstens über den Antrag Winn und zweitens darüber, ob die neu zu entwerfenden Statuten so geartet sein sollen, daß dieselben für einen Allgemeinen Bürgerverein passen. Herr Landgerichtsrat Dr. Schäfer stellt mehr den Antrag, die Generalversammlung wolle den Vorstand beauftragen, einer zu be⸗ rufenden Generalversammlung einen Statuten— Entwurf vorzulegen, welcher die Grundlage für einen Allgemeinen Bürgerverein enthalte. Dieser Antrag fand Annahme. Ueber Punkt 2 der Tagesordnung, welcher die Abführung der gesamten Einkommensteuer des Fernieschen Werkes an die Stadt Gießen betrifft, referiert Herr Rechtsanwalt Grünewald. Seit 1890 zahlt dieses Werk % dieser Steuer, im Betrage von ca. 6000 Mk. an die Gemeinde Großen-Linden, während nur „nach Gießen gezahlt werden. Der Betrieb resp. die Verhältnisse haben sich aber seit dieser Zeit geändert. Früher hatte das Werk auf Großen⸗Lindener Gebiet ein Comptoir, Pferde ꝛc., jetzt wird aber das gesamte Werk von Gießen aus geleitet und verwaltet, so daß die Abführung von ¼ der Steuer nach Großen-Linden zu Un⸗ recht geschieht und die ganze Steuer der Stadt Gießen zukomme. Die Frage sei äußerst schwierig zu entscheiden, weil im Gesetz eine Lücke vor— handen sei. Man sollte im Streitverfahren Klar— heit zu schaffen suchen. An der Debatte über diese Frage beteiligten sich noch Stadtverordneter Petri, Direktor Pascoe und Landgerichtsrat Dr. Schäfer, und beschloß die Versammlung, den Vorstand zu ersuchen, durch eine Eingabe an die Bürgermeisterei diese Frage, die vor längerer Zeit die Stadtverordneten schon ein Mal be⸗ schäftigte, wieder in Fluß zu bringen. Es wurde nun der Vorstand gewählt und fiel die Wahl auf folgende Herren: Direktor Pascoe, Land— gerichtsrat Schäfer, Kommerzienrat Heyligenstädt, Theodor Haubach, Carl Gerbode, H. Kühn, L. Petri, Bauunternehmer Winn, Aug. Schle⸗ singer, Lokomotivführer Bergen und Jean Kirch. Butzbach, 8. Januar. Ernannt wurden die Gefangenwärter an der hiesigen Zellenstraf— anstalt Johann Günther, Heinrich Wolf, Carl Knöß und Carl Mölcher zu Gefangen— aufsehern an dieser Anstalt mit Wirkung vom 24. Dezember 1895, beziehungsweise 13., 14. und 15. Januar 1896. a. Bad Nauheim, 6. Januar. Diejenigen Veteranen, welche im Jahre 1870/1 ihrer Militärpflicht genügt haben, fordert die Bürger meisterei auf, den Truppenteil anzugeben, bei welchem sie damals gestanden haben, um sie zur Gedenkfeier an die Wiedererichtung des deutschen Kaisertums einzuladen. Für jeden Teilnehmer sind 5 Mk. aus Gemeindemitteln ausgesetzt. D. Z. Seligenstadt, 5. Januar. Die vor wenigen Jahren am südlichen Stadtende von einem Arzt gegründete Kaltwasserheilanstalt nach Kneippschem System hat ihren Betrieb eingestellt. Der Anstaltsbau wurde auf den Abbruch verkauft und wird künftig in den großen Schlittischen Gärtnereien beim hiesigen Bahnhofe als Wirtschaftshaus dienen. Mit dem Abbruch der Anstalt ist man gegenwärtig beschäftigt. Die geringe Rentabilität des Unternehmens— die Kneippschen Heilanstalten schießen bekanntlich wie Pilze aus der Erde— veranlaßte den Unter— nehmer zur Schließung der Anstalt.— Das am letzten Donnerstag eröffnete Kreiskranken— haus dahier beherbergt bis jetzt zwei auswärtige Patienten. Die Krankenpflege wird von zwei Barmherzigen Schwestern ausgeübt.— Im gleich⸗ zeitig eröffneten Kreiskrankenhaus zu Langen fanden bis jetzt 5 Patienten Aufnahme. D. Z. Nidda, 7. Jan. Das neue Jahr hat uns bis jetzt mit so gelindem Wetter be— dacht, daß man nicht glaubt, Anfangs Jauuar, sondern März zu leben. Die Witterung kommt den Holzhauern im Walde sehr zu statten. Welch' hohe Bedeutung unsre Wälder für die Bestreitung der Lebensbedürfnisse der geringen Leute im Winter haben, dürfte daraus zu er— sehen sein, daß vor Weihnachten von einer ein⸗ zigen Distrikts-Einnehmerei gegen 30000 Mk. für Holzhauerlohn und Waldkulturarbeiten aus— gezahlt worden sind.— Der Bonifaziusverein(mit dem Sitze in Paderdorn) hat zum Bau eines katholischen Pfarrhauses mit Kapelle hier auf Weihnachten 3000 Mark gespendet. D. Z. Von der mittleren Bergstraße, 5. Januar. Immer mehr lichten sich die Reihen der mächtigen Wallnußbäume, die von jeher zum landschaftlichen Bilde der Bergstraße gehörten. Die eindringlichen Mahnrufe der Obstbau⸗ und Verschönerungsvereine, unserer Gegend, den stattlichen und Segen spendenden Baum zu erhalten, vermögen leider nicht, dem Hiebe der Axt Einhalt zu gebieten. Wer gegen⸗ wärtig auf der Bergstraße von Bensheim nach Weinheim wandert, sieht, wie die kräftigsten und gesundesten Stämme mit mächtiger, weitverzweig— ter Krone aus einseitigstem Interessen-Egoismus unbarmherzig niedergehauen werden, um ihre Wanderung in die Gewehrschaften-Fabriken an⸗ zutreten. Alle Belehrungen darüber, daß der Baum durch seine Ernten sich viel lohnender und rentabler macht, sind leider in den Wind gesprochen! h. Darmstadt, 7. Jan. Der Rentner Poth, der anfangs Oktober den Viehhändler Knapp nach vorausgegangenem Wortwechsel körperlich schwer mißhandelte, wurde gestern von der Strafkammer zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. D. Z. Darmstadt, 7. Jan. Von dem Ver⸗ band der hessischen landwirtschaftlichen Genossenschaften, welchem zur Zeit 403 Genossenschaften angehören, werden periodisch in den vom Verbandsausschuß gebildeten Genossen— schafts- oder Rechtsschutzbezirken Bezirksbesprech— ungen zur gegenseitigen Aussprache über interne genossenschaftliche Fragen, über die Verwaltung und Geschäftsführung, über Buchführung, Bilanz und Rechnungsstellung, über den Verband und seine Einrichtungen, sowie über den Verkehr mit den Zentralgeschäftsanstalten des Verbandes und mit den Registergerichten abgehalten. Solche Bezirksbesprechungen, bei welchen auch die Mit- glieder des„Rechts-Bezirksausschusses“ gewählt werden, sind von dem Verbandsdirektor, Herrn Kreisrat Haas in Offenbach a. M., für die be⸗ treffenden Kreise, bezw. Bezirke berufen auf den 8. Januar, nachmittags 3 Uhr nach Groß-Gerau ins Gasthaus„Zur Krone“, den 9. nach Er— bach i. O. ins Gasthaus„Zum Schützenhof“, den 11. nach Heppenheim ins Gasthaus„Zum Halben Mond“ und den 16. nach Bensheim ins Gasthaus„Zum Deutschen Haus“. j. Mainz, 7. Jan. Seit einigen Tagen ist ein wohlhabender hiesiger Rentner spurlos verschwunden; ob dem Mann ein Unglück passirt oder ob er sich selbst ein Leid zugefügt hat, ist unaufgeklärt. b. Bingen a. Rh., 7. Januar. Durch Einführung der Städteordnung ist die Stelle des Bürgermeisters hiesiger Stadt am 1. April d. J. zu besetzen. Das Anfangsgehalt ist auf 6000 Mark bestimmt, wovon 5000 Mark pensions⸗ berechtigt. Juristisch gebildete oder im Ver— waltungsfache erfahrene katholische Bewerber sollen den Vorzug erhalten. Vermischtes. — Ueber den Untergang des bre⸗ mischen Schiffes„Athena“, das, wie be⸗ reits telegraphisch gemeldet, infolge einer Naphtha⸗ explosion mit dem Kapitän und dem größten Teil der Mannschaft zu Grunde ging, werden der„Wes. Ztg.“ aus Philadelphia vom 18. De⸗ zember noch folgende Einzelheiten mitgeteilt: Die „Athena,“ welche bisher unter amerikanischer Flagge den Namen„Thomas Dana“ führte, war am Dienstag, 10. Dezember von Williams⸗ burg, Newyork, mit einer Ladung von 9000 Barrels Naphtha im Werte von 45,000 Dollar nach London in See gegangen. Kaum war die offene See erreicht, als das Schiff von einem fürchter⸗ lichen Nordwest-Sturm betroffen wurde, in dem es so schwer arbeitete, daß man jeden Augen⸗ blick den Untergang befürchtete. Am vierten Tage der Reise stürzten in der Frühe die drei Masten mit donnerartigem Getöse über Bord, nachdem das Schiff vorher leck gesprungen war. Die Lage der erschöpften Mannschaft auf dem entmasteten und lecken Schiffe erschien hoffnungs⸗ los; vergeblich blickten die Leute nach Rettung aus. So gut es ging, wurden Notsignale ge⸗ zeigt und der Horizont wurde beständig nach jeder Richtung hin abgesucht. Die„Athena“ lag quer in der See und arbeitete fürchterlich, so daß die Mannschaft sich nur mit vieler Mühe auf dem Schiff halten konnte. Als der Tag anbrach, war noch kein Schiff in der Nähe, gegen 8 Uhr vormittags kam endlich der Londoner Dampfer„Tafna“ in Sicht, der ebenfalls schwer mit dem Unwetter zu kämpfen hatte. Bei dem berghohen Seegange kamen die Schiffe aber bald auseinander und erst am Nachmittag erschien der Dampfer wieder in der Nähe der„Athena“. In der fürchterlichen See konnten die Böte nicht heruntergelassen werden, jedoch ließ der Dampfer⸗ kapitän Rettungsbojen mit langen Leinen über Bord werfen. Das war das Signal, daß alle an Bord der„Athena“ Befindlichen in die See springen sollten. Gerade als die mit Korkwesten versehenen Schiffbrüchigen im Begriff stauden, von Bord des Schiffes abzuspringen, vernahm man ein donnerähnliches Geräusch. Die Naphtha⸗ ladung war explodiert. Das Deck wurde hoch in die Luft geschleudert, der Schiffsrumpf in Stücke zerrissen und die Petroleumbarrel, welche von der Explosion verschont blieben, trieben rings umher. Einige Leute wurden zwischen Wrack⸗ stücken und Oelbarreln zu Tode gegquetscht. Andere, betäubt von der Explosion, waren nicht imstande, sich aus den Trümmern herauszu⸗ arbeiten und kamen so ums Leben. Der Führer der„Athena“, Kapitän Haak, sprang gleichzeitig mit dem Untersteuermann Freese in die See, seitdem hat man nichts mehr von ihm gesehen; vermutlich ist er von Wrackstücken zerdrückt worden. Die Leute im Wasser bemühten sich, nach der„Tafna“ zu schwimmen. Die Besatzung that ihr Möglichstes, um der Mannschaft der„Athena“ beizustehen. Die Schiff- brüchigen wurden an Bord gezogen, sobald sie die Rettungsbojen ergriffen hatten. Die beiden Steuerleute und der Zimmermann waren die ersten, die an Bord geholt wurden. Dann sah man drei Matrosen dicht unter dem Heck der „Tafna“; die Rettung dieser war mit den größten Schwierigkeiten verbunden, da sie jeden Augen⸗ blick von der Schraube des Dampfers zerschlagen werden konnten. Trotz alledem gelang die Ret⸗ tung, wenn auch die Bedauernswerten in voll⸗ ständig erschöpftem Zustande das Deck erreichten. Die Ursache des Feuers ist nicht festgestellt, je⸗ doch glaubt man, daß durch Reibung von Stahl⸗ reifen Funken erzeugt wurden, welche das Petro⸗ leum entzündeten. Die„Tafna“ blieb so lange auf der Unfallstelle, bis von der„Athena“ nur noch etwa 12 Fuß vom Heck zu sehen waren; der Schiffsort war 36% 44“ N., 68 o 50“ W. Die sechs Ueberlebenden wurden an Bord der „Tafna“ aufs freundlichste behandelt und ver⸗ pflegt. Am 30. Dezember langte der Dampfer glücklich in Philadelphia an. — Unsere Minister und die Klassiker. Daß wir klassisch gebildete Minister besitzen, ist neuerdings, so schreibt die„Berliner Volksztg.“, wiederum bewiesen worden. Herr v. Boetticher begründete die Notwendigkeit seiner unglücklichen Handwerkskammern mit der Forderung, daß auch die Handwerker, die nicht den Junungen angehörten, gehört werden müßten. Auch diese seien, wie Goethe sage, sozusagen Menschen. So erfreulich solches Quellenstudium ist, so mag es doch, der Ordnung halber, erwähnt werden, daß nur in Schillers: Wallensteins Lager das Citat sich findet:„Der Bauer ist auch ein Mensch— sozusagen.“ Da aber Schiller und Goethe ebenso befreundet waren, wie es Herr v. Bbetticher und Herr v. Berlepsch sind, so ver— schlägt das nichts. — Der Grenzhase.„... Es ist in meinen Augen eine feststehende Thatsache,“ bemerkt Pro— fessor Klugermann in einer Gesellschaft,„daß Grenzbewohner dadurch, daß sie mit einer anderen Nation beständig in Berührung kommen, allmählich ein bedeutendes Sprachentalent erlangen und überhaupt an Intelligenz gewinnen!“ —„Da haben Sie sehr recht“, stimmte ihm der Oberförster bei;„dasselbe trifft aber auch bei den Tieren zu;— Ich kann Ihnen da einen Vorfall berichten, der mir selber begegnet ist und für dessen Wahrheit ich persönlich einstehe!— In jüngeren Jahren“, so erzählt der Oberförster, „lebte ich längere Zeit im Elsaß. Eines Tages kam ich während eines Jagdausfluges in die Nähe der französischen Grenze und sehe da einen Hasen sitzen, der mir den Rücken zukehrt; ich schleiche mich vorsichtig heran, immer näher, und schon erhebe ich die Flinte zum Schuß— da bemerke ich— und nun staunen Sie, meine verehrten Herrschaften!— da bemerke ich zu meiner Ueberraschung, daß der Hase mit der größten Leichtigkeit— aus dem Deutschen in's Französische übersetzt!“ Letzte Nachrichten. * Gießen, 8. Jan. Die Festrede am 18. Januar zu dem Festakt in der Universität anläßlich der 25. Wiederkehr der Errichtung des deutschen Reiches wird S. Magnifikzens Rektor Behaghel halten. * Gießen, 7. Januar. Die wegen Ver— legung des Viehmarktplatzes einberufene Versammlung nach dem Restaurant Spieß in der Neustadt war von etwa 200 Personen besucht. Fabrikant Ed. Hanau, welcher den Vorsitz führte, entwickelte die Gründe, welche zur Ein⸗ berufung dieser öffentlichen Versammlung geführt haben. Wenn der Viehmarktplatz nach dem Süden der Stadt verlegt werde, würde den zahlreichen Gewerbetreibenden der Neustadt und der Innen⸗ stadt dadurch das kaufkräftige Publikum, die Marktbesucher, als Kundschaft entzogen. Adolf Bieler hält die ganze Frage vorerst gar nicht für spruchreif. Stadtv. Schmall äußert sich da⸗ hin, daß er von der Absicht der städtischen Ver— waltung, den Viehhof zu verlegen, gehört habe. Er vertrete den Standpunkt, daß die beteiligten Kreise recht daran thun, schon jetzt ihre Wünsche zu erkennen zu geben. Er nahm auch gar keinen Anstand zu erklären, daß nach seiner Meinung die Neustadt und überhaupt die innere Altstadt durch eine Verlegung des Viehmarktes nach dem Süden sehr geschädigt werde. Er sei auch bereit, die berechtigten Interessen der Bewohner dieser Teile der Stadt bei einer eventuellen Aufrollung der Frage in der Stadtverordnetenversammlung zu vertreten, soweit diese Interessen nicht mit der Gesamtwohlfahrt kollidieren. Nachdem noch die Herren Adolf Bieler, Ed. Hanau, Schneid⸗ müller Euler, Kaufmann Happel, Metzger Hoff— mann und Metzger Rosenberg für eine Agitation zu Gunsten der Belassung des Viehmarktes in der Neustadt eingetreten, wird eine 15gliedrige provisorische Kommission gewählt, welche eine allgemeine größere Versammlung einberufen soll, der man es überlassen will, in dieser Sache weitere Beschlüsse zu fassen. Hierauf nimmt Herr Journalist Wohlmuth das Wort, um die traurigen Zustände unseres Marktplatzes zu tadeln. Die ganze Organisation unseres Markt— wesens entspreche nicht der Bedeutung dieser Märkte, daher gingen dieselben immer mehr in ihrer Frequenz und Bedeutung zurück. Die Lage der Stadt mit ihrer vorzüglichen Eisenbahnver— bindung würde unsere Viehmärkte zu einer nie geahnten Höhe kommen lassen, wenn wir zeit— gemäße Einrichtungen und besonders direkten Anschluß an die Eisenbahn schaffen würden. Fabrikant H. Eichenauer, Mitglied der gewählten Jögliedrigen Kommission erklärt, das ihm erteilte Mandat auch nur so aufzufassen, daß man bei der vorliegenden Frage in erster Linie das Ge⸗ samt⸗Interesse der Stadt zu berücksichtigen habe und nur so weit es gegen dieses nicht verstoße, auch das Interesse der Neustadt zu fördern be— strebt sein werde. Redakteur Hollmann schließt sich vollständig den Ausführungen Wohlmuth's an. Der Handel könne nur gehoben werden durch Anschluß der Städte an den großen Verkehr und es könne nicht allzulange dauern, da habe der aufstrebende Hanauer Markt den unsrigen über— holt, wenn nicht geeignete Maßnahmen getroffen werden, dies zu verhindern. Adolf Bieler ist der Meinung, daß in dieser Marktplatzfrage wohl aus hygienischen Gründen das letzte Wort das Kreisamt mitreden werde. Stadtverordneter Schmall erklärt, daß es die mangelnde Schienen— verbindung wohl nicht allein sei, die den Rück⸗ gang der hiesigen Märkte verschulde, sondern daß wohl hauptsächlich die streuge Fleisch— beschau bei uns in Hessen, die er stets be— kämpft habe, es sei, die die Händler teilweise abhalte, unsere Märkte stärker mit Vieh zu be⸗ suchen als es thatsächlich der Fall sei. Gewiß halte auch er eine Schienenverbindung des Marktplatzes für wünschenswert; die lasse sich aber mit dem Bau der Bieberthalbahn erreichen. Redner erklärt es für vollständig am Platze, wenn die beteiligten Kreise versuchen, die Verlegung des Marktplatzes abzuwenden, denn die Märkte sollen auch unseren steuerzahlenden Bürgern Verdienst bringen, und dieser würde ihnen entzogen, wenn der Markt außerhalb der Stadt nach dem Süden verlegt würde. Hierauf schließt der Vorsitzende die Versammlung, die unzweifelhaft das Gute gebracht hat, daß unsere Viehmarktsfrage einmal angeschnitten, auch im Fluß bleiben wird, bis sie in der einen oder anderen Weise zeitgemäß gelöst sein wird. Gießen, 8. Januar. Gestern hatten sich vor dem Schöffengericht 6 Pflichtfeuerwehr— leute von Annerod zu verantworten, welche be— schuldigt waren, in 1 resp. 2 Fällen die vom Hauptmann der Freiwilligen und Pflichtfeuer⸗ wehr angesetzten Uebungen am Sonntag versäumt zu haben. Einzelne der Angeklagten wendeten ein, der betreffende Hauptmann sei nicht ihr Vor— gesetzter. Ihr Hauptmann sei mit der Schelle, also in ortsüblicher Weise vom Gemeinde-Vor⸗ stand ernannt und die Ernennung ihnen bekannt gegeben. Es wurde aber durch Verlesung der Akten des Kreisamts Gießen konstatiert, daß der Hauptmann der freiwilligen Feuerwehr zu Annerod gleichzeitig zum Hauptmann der dortigen Pflichtfeuerwehr durch das Kreisamt ernannt und dies noch vor den Strafthaten im Dorfe durch den Gemeinde-Vorstand bekannt gemacht sei. Trotzdem Rechtsänwalt Labrosse die Ent⸗ heiligung des Sonntags durch derartige Lärm verursachende Uebungen ins Gefecht führte, ver— urteilte das Schöffengericht 5 der Angeklagten zu je Mk. 3— für jeden Fall. Die Verhandlung gegen den sechsten Angeklagten wurde ausgesetzt, um zu ermitteln, ob er sich an dem betreffenden Tage bei einem Rottenführer der Anneroder Feuerwehr entschuldigt habe. Gießen, 8. Jan. Gestern Vormittag ver⸗ handelte die Strafkammer gegen den 15jäh⸗ rigen Heinrich Daun von Frischborn wegen Ver— suchs des Sittlichkeitsverbrechens, begangen an einer Altersgenossin, und wegen Diebstahl in 2 Fällen. Während der Verhandlung war die Oeffentlichkeit, mit Ausnahme für die Vertreter der Presse, ausgeschlossen. Die Diebstähle be⸗ stehen darin, daß der Angeklagte als 12jähriger Bube 2 Stallhasen und eine Bleifeder im Werte von 5 Pfg. entwendet hat, was er zugesteht. Das Sittlichkeitsverbrechen jedoch bestreitet der junge Mensch ganz entschieden. Die Anklage vertritt erster Staatsanwalt Dr. Güngerich; er beantragte 6 Monate 3 Tage Gefängnis. Rechtsanwalt Katz plaidierte auf Freisprechung. Der Gerichtshof verurteilte den Angeklagten zu 3 Monaten und 3 Tagen Gefängnis. Gießen, 8. Januar. Die Zigeuner⸗ bande, deren Durchzug durch unsere Stadt wir meldeten, lagerte ca. 30 Köpfe stark gestern tagsüber noch bei Heuchelheim. Das Lager, aus Pferde kommen, machte thatsächlich einen recht malerischen Eindruck. Die Leute stammen aus dem Reichslande, sind Pferdehändler und Kessel⸗ nichts weiter als den Bettel aus, dabei mit⸗ nehmend was ihnen geeignet erschien. Sicherheitsbehörde veranlaßte die ungebetenen Gäste zum Weiterziehen. 5 Letzte Telegramme. besprechen die Transvaal-Frage und bedauern, daß durch die Londoner neuesten Demonstrationen gegen die Deutschen die Aufregung gesteigert worden sei. Die Blätter sprechen indes zugleich das Erwarten aus, daß die Schärfe der Situation bald nachlassen werde und daß ein ernster Kon⸗ flikt nicht entstehen wird. Hd. Rom, 8. Jan. Wie bestimmt verlautet, ist die Entscheidung über die Auslieferung Hammersteins nur noch eine Frage von wenigen Tagen. Hd. London, 8. Januar. Der Parnelliten⸗ Führer Redmond erklärte in einer Rede, welche er in Herford gehalten hat, England, welches Ir— lands Freundeshand zurückgewiesen habe, stehe heute selbst ohne Freund in der ganzen Welt da. Es habe bereits in Afrika eine ernste Niederlage erlitten und sein ehemaliges Prestige, auf welchem bisher seine ganze Macht beruhte, hat unter dem jetzigen Ministerium mehr gelitten, als seit einem halben Jahrhundert. Hd. Brüssel. 8. Jan. Der General- Konsul von Transvaal teilte der hiesigen Presse ein aus Berlin vom Staatssekretär Leyds er⸗ haltenes Telegramm mit, demzufolge man in Transvaal ernstlich daran denkt, die Unabhängig⸗ keit der Republik von England zu erstreben. Hd. London, 8. Januar. Aus Johannes⸗ burg wird gemeldet, daß der hauptsächlichste Teil der Bevölkerung, auf den Alles ankomme, von den Revolutionären zur Regierung übergegangen sei. Frauen und Kinder ver⸗ lassen die Stadt Pretoria. Hd. London, 8. Jan. Der Korrespondent des Reuter'schen Bureaus in Südafrika ist als Spion der Chartered-Company von den Buren verhaftet worden. Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Re⸗ dakteur: i. V. A. Kleinschmit, Druck von E. Ottmann, beide in Gießen. Bekanntmachun Submissionen. Ii betreffend die Unfallversicherung; hier die Fan de Beauftragten der Gießen. Die e und Weiß⸗ August Kilbinger, Berufsgenossenschaften. Es wird hierdurch zur Kenntnis der Interessenten gebracht, daß der Vorstand binderarbeiten zur früher Schmidt'schen Herstellung des Hauses im Tiefen⸗ Seltersweg 19. Giessen, Telephon Jr. 78. Hd. Wien, 8. Januar. Sämtliche Blätter 7 Zelten bestehend, wozu noch 7 Wagen und 20 —— f flicker, übten aber gestern im Laufe des Tages 4 Unsere 1 — der Hessen⸗Nassauischen Baugewerks-Beraufsgenossenschaft den Stadtbaumeister a. D. Albrecht Sartorius in Frankfurt a. M., Mainzer Landstraße 72, im Sinne des 8 82 des Unfallverficherungsgesetzes vom 6. Juli 1894 zum Beauf— tragten ernannt hat. Gießen, den 4. Januar 1896. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. Bekanntmachung. Nachdem uns auch in diesem Jahre wieder ein Betrag zur Verfügung ge— stellt worden ist, um im nächsten Sommer eine Anzahl armer, scrophulöser Kinder in der Kinderheilaustalt zu Bad⸗Nauheim unterbringen zu können, werden alle diejenigen Bewohner des Sparkasseubezirks Gießen, welche solche kranken Kinder haben und nicht selbst in der Lage sind, die Kosten bestreiten zu können, aufge— fordert, sich bei ihrem Pfarramt oder der Bürgermeisterei baldigst zu melden. Bei der Anmeldung ist ein ärztliches Zeugnis vorzulegen, in welchem die Not— wendigkeit einer Badekur bescheinigt sein muß.— Es ist nicht ausgeschlossen, daß Kindern, welche bereits auf Kosten der Sparkasse eine Badekur durchgemacht haben, die Kosten für eine weitere Kur bewilligt werden können.— Die Pfarr— ämter und Bürgermeistereien ersuchen wir, uns die einlaufenden Meldungen mit den ärztlichen Attesten und einer Bescheinigung über die Bedürftigkeit der be— treffenden Eltern bis längstens Ende Januar d. J. zusenden zu wollen. Gießen, am 7. Jauuar 1896. Die Direktion des Spar- und Leihkasse⸗Vereins. Wiener Bekanntmachung, betreffend die Maul- und Klauenseuche; hier Abhaltüng von Viehmärkten. Das Verbot vom 11. November 1895, wodurch die Abhaltung von Vieh— märkten im Kreise Gießen untersagt worden ist, bleibt bis auf Weiteres bestehen, insbesondere werden von diesem Verbot getroffen: Die Viehmärkte am 14. Januar, 4. und 18. Februar 1896 zu Gießen, sowie am 17. Februar 1896 zu Lollar. Gießen, den 3. Januar 1896. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Gagern. —— Holzversteigerungen. Gießener Stadtwald. Distrikte Brauhof und Wanne: 62 Kiefern- und Fichtenstämme mit 26,90 km, 375 Kiefern- und Fichtenstämme mit 1,33 km, 48 rm Buchen⸗Scheitholz, 69 rm Eichen-Scheitholz, 97 rm Nadel-Scheitholz, 18 rm Buchen Knüppelholz, 83,5 rm Eichen-Knüppelholz, 18 rm Buchen-Stockholz, 101,5 rm Eichen⸗Stockholz, 28 rm Nadel⸗Stockholz, 730 Wellen Buchenreisig, 3360 Wellen Eichenreisig, 4780 Wellen Nadelreisig. Das Stamm- und Stangenholz kommt am Vormittag zum Ausgebot. Montag, den 13. Januar 1896, Vormittags 9½ Uhr. Zusammenkunft auf der Licherstraße an der 6. Schneise. Lokomobilen„ Akord⸗Jithern mit 12 u. 23 Manualen, die besten und neue und gebrauchte, verkaufen und ver vollkommensten der Jetztzeit, unter Ga— mieten rantie, sehr leicht und ohne Lehrer zu Glogowski& Sohn, erlernen, bezieht man direkt ab Fabrik von Peter Renk, Leipzig. Maschinenfabrik und Kesselschmiede in Inowrazlaw. Prosp. u. Musikverzeichn. gratis und franko. weg sollen Dienstag, den 14. d. Mts., Vormittags 11½ Uhr, öffentlich verdungen werden. Arbeits— beschreibung und Bedingungen liegen bei dem Stadtbauamte zur Einsicht offen. Angebote auf vorgeschriebenem Formular sind bis zum genannnten Termin einzureichen. Mehrere jüngere Hausirer für Artikel, welche in jeder Fa⸗ milie leicht verkäuflich, gegen hohe Provision sofort gesucht. Cau⸗ tion nicht erforderlich. Näheres zu erfragen bei C. Stiasny, Bahn⸗ hofstraße 11. 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