N 1 . 5 ——.— — ———— 8 2 2 8 ee 885 1 e l ten zu bilden iufällen 5h — At ungen, unter un, 0 6 1 155 Jul, Uhr. 105 dieß diu Gießen, Dienstag, den 8. September 1896. * Ausgabe che Landeszeikun Gießen. N Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4. 8 Erscheint täglich mit Ausnahme der Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Zspaltige Petitzeile. Tage nach Sonn- und Feiertagen. V 2. Expedition: Kreuzplatz Nr. 4. Von unseren Bauten für industrielle Zwecke. II Gegenüber der neuen Oberhessischen Repa⸗ ratur⸗Werkstätte, nach dem Schiffenberg zu ge⸗ legen, mit dieser und dem Heyligenstädtschen Etablissement ein nach dem Schiffenbergerweg u offenes Viereck bildend, hat die Lampen— abrik Kaufmann und Co. Neubauten auf⸗ ühren lassen. Auch in diesen Bauten wird noch eißig geschafft, um die innere Einrichtung zu vollenden, damit die Kaufmannsche Arbeiterschar in die neuen Räume noch vor dem Winter ein⸗ ziehen kann. Nach Plänen der Architekten Stein und Meyer erbaut, zeigt sich die bauliche Anlage des ganzen Etablissements in räumlicher Aus- dehnung, in Rücksicht auf den Industriezweig, der hierin getrieben werden soll, als nicht 5 unbedeutend, wie es auf den ersten Blick scheint, sind es doch 650 Quadratmeter bebaute Fläche, welche der Gebäudekomplex einnimmt, mit einer Front von etwa 60 Meter Länge, welche der Beschauer ansichtig wird, sobald er die Stadt verlassend seinen Weg nach der kleinen Kolonie einschlägt, welche sich auf beiden Seiten des Schiffenbergerweges ausdehnt. Da ist rechts mit der Giebelseite an der Straße gelegen das neue Verwaltungsgebäude der Firma Kaufmann und Co. Den Anfang der Anlage auf der Straßenseite wird dessen Fassade aus roten Ver⸗ blendern bilden. Die Fenster sind mit gelben Steinen umrahmt, während die Längsansicht der Gebäudereihe als einfacher, sauber gefügter Roh⸗ Backsteinbau sich darstellt, dessen Fensterumran⸗ dungen ebenfalls mittels gelben Steinen gebildet sind. In dem Verwaltungsgebäude werden zu ebener Erde die kaufmännischen Bureaus der Firma Unterkunft finden, währeud die oberen Räume zu einer Werkmeister⸗Wohnung dienen sollen. An diesen Vorderbau schließt sich ein 2½ stöckiges Gebäude zu ebener Erde, in sich fassend einen Raum zur Dreherei, zur Presserei, worin die Maschinen mit Dampf, teilweise auch mit der Hand getrieben werden. Dann folgt die Gießerei, in welcher außer dem Gießofen ein Glühofen und eine Feueresse hergerichtet wird. In den Räumen über dem Parterre befindet sich die große Spenglerwerkstatt und daneben der Lackierraum, welcher eine Trockenofenanlage Aghalt, Anschließend an dieses Gebäude at das Keesselhaus mit daran anstoßendem Maschinen⸗ raum erbaut. Der schon vermauerte Dampf⸗ 6 kessel, der auf 8 Atmosphären geprüft ist, hat cg. 40 Quadratmeter Heizfläche und ist von Weinbrenner und Co. erbaut. Die zur Auf⸗ stellung kommende Dampfmaschine ist 15 pferde⸗ 0 7 An das Kesselhaus schließt sich ebenso wie dieser ein einstöckiger Bau, welcher zwei 1 Räume für das Galvanisieren und das Putzen der Waren umschließt. Dahinter reiht sich ein Lagerraum, welcher durch Oberlicht erhellt wird, während alle übrigen Räume durch von beiden Seiten angebrachte Fenster, welche oben mit Ventilationsflügel versehen sind, Erhellung er⸗ halten. Der 25 Meter hohe Fabrikschornstein befindet sich infolge der zentralen Lage des Dampfkessels ebenfalls in der Mitte der Ge⸗ bäudeflucht. Sämtliche Räume des Etablisse⸗ ments werden mittels Abdampf erwärmt, d. h. der aus dem Kessel entweichende überflüssige Dampf wird in Rippenrohren durch die Räume geleitet und dadurch nutzbar verwendet.— Die Beleuchtung aller Räume der Anlage soll durch Gas geschehen. Im kommenden Jahre ist noch die Erbauung von Lagerschuppen sowie eines Magazingebäudes geplant. Lokales und Provinzielles: * Gießen, 7. September. Es wird uns geschrieben, daß Herr Oberbürgermeister Gnauth die ihm von den Nationalliberalen angebotene Kandidatur für den Hessischen Landtag ange⸗ nommen hat unter der Bedingung, daß er als solcher von der freisinnigen Volkspartei ebenfalls aufgestellt wird. Wenn diese Voraus⸗ setzung nicht erfüllt wird, wollen die National⸗ liberalen den Fabrikanten Heyligenstädt auf— stellen. * Gießen, 7. September. Sonntag, den 27. September, wird hierselbst eine Versamm⸗ lung des Verbandes der freisinnigen 0 für die Provinz Oberhessen statt⸗ inden. * Gießen, 7. Sept. Ein Abend, wie sich ihn derjenige, der nach wochenlang getragener Last und Hitze des alltäglichen Geschäftslebens eine Zerstreuung sucht, nur wünschen kann, wurde gestern Abend den Teilnehmern an der Feier des 18. Stiftungsfestes des Gesangvereins „Heiterkeit“ zuteil. Mehr als 400 Personen hatten sich in dem geräumigen Festsaale des Café Leib eingefunden. Die Vorstände und viele Mitglieder der übrigen Gießener Gesangvereine waren erschienen. Nach einigen einleitenden Musik⸗ und Gesangs⸗Vorträgen begrüßte ein Vorstandsmitglied, Herr Seidewand, die Er⸗ schienenen, entwickelte einen kurzen Rückblick über die Geschichte des Vereins und brachte ein Hoch auf denselben aus. Der nun folgende gesangliche, musikalische und theatralische Teil des Programms unterhielt die Teilnehmer vortrefflich. Ohne daß man es merkte, war die Mitternachtstunde längst überschritten, als der Tag erst in seine Rechte treten konnte. Die Männerchöre waren unter der bewährten Leitung des Herrn Grön inger vorzüglich einstudiert. Die nicht leicht wieder⸗ zugebende Komposition des Liedes„Das Herz am Rhein“ wurde ebenso exaktvoll vorgetragen wie das„Minnelied“ und das Doppelquartett „Die Königskinder“. Ein nicht auf dem Pro— gramm vorgesehenes von einem Damenchor vor- getragenes„Walzerlied“ wirkte überraschend. Herr Dirigent Gröninger, der dieses Walzerlied vortrefflich arrangiert hatte, bereitete den Fest⸗ teilnehmern damit eine angenehme Abwechslung. Das komische Terzett„Eine fidele Gerichts— sitzung“ gefiel außerordentlich. Den theatralischen Teil hatten ausgesuchte Kräfte in Händen. Das Lustspiel„Englisch“ hatte daher den gewünschten Erfolg. Nach Abwicklung des Programms hielten die Teilnehmer in ungetrübter Stimmung bis zum frühen Morgen aus. Möge es dem Verein vergönnt sein, noch recht lange unter Leitung seines vorzüglichen Dirigenten Gutes zu leisten. Gießen, 7. September. Gestern Abend fand im Hofe einer Wirtschaft in der Neustadt eine Keilerei zwischen jungen Leuten von hier und von Laubach statt, wobei es auf beiden Seiten blutige Köpfe gab. Ein hinzukommender Schutzmann stellte den Frieden dadurch her, daß er alle Teilnehmer zur Strafanzeige notierte. Gießen, 7. September. Ein Fremder, anscheinend Handwerksbursche, entwendete gestern Nachmittag in einer Wirtschaft in der Rodheimerstraße einen noch neuen Regenschirm und ließ seinen alten Schirm dafür zurück. Derselbe wurde später noch in hiesiger Stadt im Besitz des gestohlenen Schirmes betroffen und verhaftet. * Gießen, 7. September. In verflossener Nacht gegen 11¼ Uhr setzte ein bis jetzt noch Unbekannter auf dem Oberhess. Bahnhofe eine Maschine in Bewegung und fuhr damit bis zur Heiligenstädtschen Fabrik und wiede zurück in den Bahnhof, woselbst er die Maschine verließ und fortsprang. Die Maschine fuhr weiter und prallte gegen eine andere im Geleise stehende Maschine, wobei letztere stark beschädigt wurde. * Gießen, 7. September. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag wurden mehrfache man ist sich nicht mehr so recht einig darüber, welche Vorstellungen man eigentlich damit verbinden soll. Die Mondschein-Periode der selig entschlafenen Postkutsche, die schwerfällig von Dorf zu Dorf rumpelte und in einsamer Mitternacht an grus'ligen Friedhöfen Halt machte, um dem„Schwager“ Gelegenheit zu geben, einem toten Kollegen sein„Leiblied“ zu blasen— diese längst über⸗ wundene Periode kommt vielen unserer„Modernen“ mehr lächerlich, als romantisch vor; wie andere Leute wiederum nicht begreifen wollen, daß es wunderliche Schwärmer giebt, für die das Telephon und sonstige nützliche Er⸗ rungenschaften der Neuzeit äußerst romantische Dinge sind, die in gleichem Maße die Phantasie anregend beschäftigen, wie sie dem praktischen Bedürfnisse entsprechen. Sach⸗ kundige Philosophen die wir bei solchem Zwiespalt der Meinungen um Rat gefragt haben, behaupten, die soge⸗ nannte Romantik sei nach allgemein giltiger Ansicht mit der Erfindung der Dampfmaschine definitiv aus der Welt geschieden. Wenn diese Behauptung auf Wahrheit beruht, so stehts freilich schlimm um die gute Romantik. Denn die Dampfmaschine, oder sagen wir genauer: die Lokomo⸗ tive, dehnt ihre Eroberungszüge bis in die verborgensten Winkel der zivilisierten Erdoberfläche aus; selbst die ur⸗ konservativen Chinesen haben schon ihre Eisenbahn, die Bewohner der verrufenen Riesenstrafkolonie Siberien nicht minder und in absehbarer Zeit werden auch unsere schwarzen Brüder in Afrika vergnüglich ins Rauchkupee steigen und auf Flügeln des Dampfrosses einander Visite abstatten können. Von den zahllosen Sekundärbahnen, die unser gesegnetes deutsches Vaterland sein eigen nennt, wollen wir schon garnicht reden; Jeder kennt sie, Jeder ist wenigstens einmal im Leben mit ihnen gefahren und hat dabei alte romantische Postkutschen⸗Erinnerungen neu aufgefrischt. Was aber für die brave Romantik am schlimmsten ist: das Dampfroß schreckt selbst vor den Bergen nicht mehr zurück, sondern klettert behende die steilsten Felsgipfel hinauf. Im Harz, im Riesengebirge, in der Schweiz kann man bequem in einer kleinen halben Stunde ganz stattliche Höhen erreichen, ohne den Bergstock in Thätigkeit zu setzen, ohne nägelbeschlagene Schuhe zu tragen, ohne keuchend im Schweiße des Angesichts an Schluchten und Abgründen vorbeizukraxeln. Der Roman⸗ tiker mag trauernd sein Haupt verhüllen— aber es ist so: mit Lackstiefeln und weißen Handschuhen, ein zier⸗ liches Gigerlstöckchen unter dem Arm, machen heut unsre gräßlich prosaischen Realisten ihre Gebirgstouren und verärgern dadurch poetischen Gemütern allen Genuß an der„Gegend“ und am Bergsteigen. In der That, so Rohheiten in der Stadt verübt. Unter anderem wurde das vom Tierschutzverein in der Süd⸗ anlage aufgestellte Futter häuschen beschädigt, in⸗ dem die Stange mit der Wetterfahne herunter⸗ gerissen wurde. In derselben Nacht wurde einen Wirt in der Wallthorstraße eine Fensterscheibe eingeschlagen. Gießen, 7. September. Im Schlachthofe ereignete sich heute Morgen ein Unfall. Die Ehefrau eines Schweinehändlers kam unter einem umfallenden Wagen und erlitt dadurch einen doppelten Beinbruch. — L. Gießen, 7. September. Romantik sind unwiederbringlich dahin!“ So hört man jetzt poetisch veranlagte Menschenkinder klagen. Der Begriff„Romantik“ ist nun zwar etwas verblaßt, und „Die Tage der sehr wir für den„Fortschritt“ auf sämttichen nur denk⸗ baren Gebieten eingenommen sind und so inniges Mit⸗ leid wir der korpulenten Menschheit entgegenbringen, können wir doch nicht umhin, diesen Aerger zu begreifen und zu billigen. Der Eisenbahnbau im Gebirge ist nach⸗ grade zum Gegenstand einer wilden Spekulation geworden, die der gestrenge Herr Eisenbahnminister gelegentlich etwas eindämmen sollte. Gar zu bequem darf man's den Trägen, die vor der geringsten körperlichen Anstrengung zurückscheuen, nicht machen, und ein bischen Romantik könnte man getrost in unsre„modernen“ Tage hinüber⸗ retten, indem man herrliche Gebirgslandschaften nicht durch Bahngeleise und Wärterbuden verunzieren und den Frieden einer erhabenen Natur nicht durch grelle Signalpfiffe und das Stöhnen und Prusten qualmiger Maschinen stören läßt. Andere mögen ja anders denken; aber trotzdem wir uns als echtes Kind unster Zeit fühlen, steckt uns doch — Marja, das Heldenmädchen von Transvaal. Zeitroman von Pieter Vryburg Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Witborg nickte verständnisvoll. Da war wohl dieser Tage hier ein deutscher Adeliger— jung, schneidig— Offizier im Boeren⸗ rock, na, Du kennst die Sorte Weltenbummler— ein Herr von— na, komm', helf' mir auf den Namen!“ „Graf Hallern? fragte der Präsident. Eine jähe Blässe fuhr dem Boeren bei Nen⸗ nung dieses Namens über das wie aus Bronze ge⸗ gossene Gesicht. 5 „Der?“ fragte er, wie seinen Ohren nicht trauend.„Nein— das heißt, ich kannte einmal einen alten Herrn dieses Namens, der müßte ietzt schon an die Siebzig—“ 5 1 „Ganz recht, und Kurt von Hallern ist sein Neffe.“ „Sein Neffe— so—“ 5 Immer verlegener und doch mit etwas wie ver⸗ baltener Wut drehte Witborg seinen Schlapphut zwischen den schwieligen Händen. 4 „Kaunst Du mir sagen, was der— hier will? 5 8 er sucht jemand.“ 5 o—“7 „Ja, einen gewissen Strehlen, von dem man, wie er mir late ganz gewiß Kunde habe, daß er vor etwa zwanzig Jahren nach Transvaal ausge⸗ wandert sei— verheiratet und, wenigstens damals kinderlos. Es scheint, daß er der Ueberbringer sehr wichtiger Mitteilungen an den Gesuchten ist. Er selbft ist Gardehusaren⸗Offizier und hat zu diesem Zwecke einen zweijährigen Urlaub genommen. Das 1 würde er wohl kaum gethan haben und hier im groben Rock das Land absuchen, wenn nicht ganz außerordentliche Umstände, irgend ein Familien— geheimnis—“ „Hm— läßt sich denken“, fiel Witborg, ver⸗ legen hüstelnd ein.„Und konntest Du ihm einen Fingerzeig geben?“ 5 5 „Leider nein, nur ganz allgemein. Hier im Süden kenn' ich so ziemlich jeden Einzelnen, wenigstens der älteren Kolonisten. Da ist er nicht darunter; und aus den Registern ließ sich nicht er⸗ sehen, daß einem Strehlen das Bürgerrecht erteilt worden sei. Das könnte auch nur, in den letzten vier Jahren geschehen sein, nach sechzehnjährigem Aufenthalt im Lande. Mann, Du weißt es ja, daß Du auch erst vor vier Jahren—“ 5 „Weiß, weiß“, unterbrach Witborg abermals in nervöser Hast. Und so hast Du ihn nordwärts reisen heißen?“ n 5 „Nach Pietersburg und Leydsdorp mit Empfeh⸗ lungen an die Landdrosten. Er selbst war mir von höchster Stelle warm empfohlen.“ „Ja, ja, die Hallerns“, nickte der Boer,„alter Adel— schwer reich an Geld und Gut und doch—“ 5 5 Paul hörte nicht nur, er beobachtete im Stillen und da hatte er an seinem Gast eine selt— same Befangenheit und zugleich ein reges Interesse bemerkt. „Ja, aber was kümmert denn Dich die ganze Sache?“ fragte er plötzlich scharf. Endlich war die Unterhaltung an dem Punkte angekommen, auf welchen Witborg von Anfang an zugesteuert hatte. 5 „Was mich die ganze Sache angeht?“ fragte er mit einer Stimme, aus welcher es grollend wie dumpfer Donner hallte.„Mein Kind hat er mir entführt, Dein Herr Graf. Wohin und zu welchen verbrecherischen Zwecken, das weiß nur er! Zwei Tage Vorsprung haben sie, und so könnte ich jetzt das ganze Transvaal absuchen, um sie zu finden. Da dachte ich mir, fahre zu Oom Paul! Er weiß alles, und er ist der Vater seiner getreuen Boers. Du wirst solche Schandthaten auch wenn sie von Leuten mit hoch klingendem Namen und höchsten Empfehlungen begangen werden, in Deinem Reiche nicht dulden, Du wirst Sie zu verhindern trachten und, wenn sie begangen worden sind, strenge ahnden. Dir steht der Telegraph zu Gebot, jeder Landdrost und tausende von Beamten folgen Deinem Wink. Frage überall an— die Kosten erstatte ich— und gieb Befehl, daß man die beiden Flüchtlinge auf⸗ spürt und zurückhält. Mein Kind ist's, das ich von Dir fordere, Oom Paul— ich, der Vater, und Gott gab Dir die Macht, den Boeren ihr Recht zu geben. Den Verbrecher überlasse ich Dir. Denn wenn er mir unter die Hände kommt— ich schlage ihn mit Knüppeln tot, wie einen Hund. Meine Faust sollte seinem Hals zum Strick werden, dem—— Ohnmächtige Wut erstickte die Stimme des furchtbar erregten Mannes. Er hob die geballten Fäuste wie zum Zuschlagen auf. Seine wild rollenden Augen waren blutunterlaufen. „Gemach, gemach!“ warnte der Präsident mit ernster Miene.„Aus den Empfehlungen des Grafen Hallern und aus dem, was ich selbst be— obachtete, glaube ich Dir versichern zu können, daß Du entweder irrst, oder, wenn das nicht der Fall, daß keine unlauteren Absichten im Spiele sind. Der Graf ist ein Edelmann vom Scheitel bis zur Sohle; seine weite Herreise nach erhaltenen Urlaub, sein Hinabsteigen in Verhältnisse, die ihm, dem ver⸗ wöhnten Günstling der vornehmen Gesellschaft, höchst unbequem sein müssen, sein unermüdliches Forschen— das übrigens einem Manne galt, keinem Weibe— alles das kann unmöglich den Zweck gehabt haben, eine Boerentochter— trotzdem Deine Marja die schönste im Lande sein mag— zu entführen und dauerndem Elend preiszugeben.“ „Und doch hat er es gethan!“ beharrte Witborg mit echtem Bauerntrotz.“„Du wardst getäuscht, kreuzen!“ „Noch hast Du mir nicht gesagt“, entgegnete der Präsident mit überlegener Ruhe,„wie Deine Tochter mit dem Grasen bekannt geworden, und welche Beweise Du hast, die Annahme, daß er sie entführt hat, rechtfertigen.“ Begegnung Marja's mit dem schönen Unbekannten, erwähnte tadelnd ihre an den Tag gelegte unge— wöhnliche Teilnahme für denselben sowie ihre Energie bei Verfolgung einer möglichen Spur von dem Verschwundenen. Er sprach von ihrem auf⸗ fällig veränderten Wesen nach jener Nacht. „Immer war sie draußen“, fuhr er fort,„immer, forschend und suchend, und daheim ging sie um wie ein Schatten, bleich und stumm. Von schlaflosen so frisches Gesicht. Ich hatte sogleich meine eigenen Gedanken hierüber, und eine Unterredung, die letzte, die ich mit meiner Tochter hatte, bestätigte voll und ganz meine Vermutungen.“ „Gestand sie ihre Liebe ein?“ Sache— genug, ich war überzeugt; und ich stürmte fort, am selben Tage fortgegangen wie ich. Und das hatte sie mir hinterlassen, nachdem sie zuvor noch auf dem Grabe ihrer Mutter betend und (FJortsetzung folgt.) Der Boer berichtete mit tiefem Groll von jener, 1 — und wehe ihm, wenn unsere Wege sich noch einmlll Nächten und heimlichen Thränen erzählte ihr sonst 5 weinend gesehen wurde. Es war ein Abschied für's Leben und ich werde mein Kind nie wiedersehen!“— 0 Das nicht, indessen— doch das thut nichts zu fort, nur ihn zu suchen, denn ich durfte annehmen, 165 6 daß er noch irgendwo in der Umgegend sich au hält. Als ich zurückkam nach zwei Tagen, war sie rr// o ——==. — — 2 2 Lit. L. No. immer noch so viel Romantik im Blute, daß wir das schöne Wort Schillers:„Auf den Bergen ist Freiheit“ auch heute noch warm beherzigt sehen möchten! * Bad Nauheim, 5. September. In der Woche vom 28. August bis 3. September sind 542 Kurfremde(1895: 398) angekommen. Die Gesamtfrequenz beträgt bis 3. September einschließlich 14577, wovon 2532 Personen noch anwesend sind. Der Vorsprung gegen das Vor⸗ jahr ist 1300. Die Gesamtzahl der vom 1. April bis 3. September d. J. abgegebenen Bäder ist 178 877, 13641 Bäder mehr als bis zu diesem Datum des Jahres 1895. Ende Ok⸗ tober betrug die Gesamt⸗Bäderzahl 186884. * Friedberg, 6. Sept. In der Stadt⸗ kirche sind in der vorigen Woche beim Abbau der Chorgewölbe spätromanische Gewölb⸗ und Wandmalereien mit reichem Figuren⸗ werk unter dem Putz aufgefunden worden. Die Freskogemälde im südlichen Gewölbe stellen die bier Ebangelisten dar. Sie sind nach der Be⸗ schreibung des Propheten Ezechiel dargestellt, also in den Gestalten eines Menschen, eines Löwen, eines Stiers und eines Adlers. Sie werden umgeben von den Engelsbildern Michael, Raphael, Seraphin und Gabriel. Im Vierungs⸗ ewölbe befinden sich neben Rankenwerk singende Engelsköpf. Die hochinteressante Anlage der Malerei, das Alter derselben, sowie der Umstand, daß durch das Auffinden dieser Bilder die lang⸗ wierigen Malerproben bei Ausmalung der Kirche fortfallen, die voraussichtlich auch in unserer Stadtkirche große Kosten verursacht und viel Zeit in Anspruch genommen hätten, hat Herrn Ge⸗ heimen Oberbaurat v. Weltzien veranlaßt, die enaueste Aufnahme in Farbe und Photographie herstelen zu lassen. Diese ist durch Hofmaler G. Hieronimus vorzüglich ausgeführt worden. Sie wird nicht allein den Beifall des Kirchen⸗ vorstandes, sondern auch den der Kunstsachver⸗ ständigen, wie Lessing, P. Lehfeld und Cornelius Gurlitt, finden. Die Aufnahmebilder sind in der Stadtkirche gigen Entree von 50 Pfg., welcher Betrag für die Aufnahme der Bilder verwendet und verrechnet werden wird, zu besichtigen, und zwar bis zum 13. September. Karten hierzu sind im Baubureau der Stadtkirche zu haben. (Obh. Anz.) * Neu⸗Ulrichstein, 6. September. Zur Monatswende befanden sich in hiesiger Arbeiter⸗ kolonie 32 arbeits-, bezw. stellenlose Personen, darunter 8 aus dem Großherzog⸗ tum, 9 aus der preußischen Provinz Hessen⸗ Nassau, 4 aus den Rheinlanden, 1 aus der ovinz Hannover, 3 aus der preußischen Provinz zaachsen, 2 aus Schlesten, 1 aus dem Königreich Bayern, 2 aus dem Königreich Sachsen, 1 aus den thüringischen Staaten, 1 aus der Schweiz. Dem Gewerbe nach waren es 12 Arbeiter, je 3 Kaufleute, Bau⸗ und Maschinen⸗Schlosser, Schneider, 2 Bäcker, je 1 Former, Gärtner, Kellner, Krankenwärter, Kürschner und Kappen⸗ macher, Landwirt, Portefeuille⸗Arbeiter, Photo⸗ 9156 Schuhmacher. Die Kolonie hat im ganzen is jetzt 3088 Mann aufgenommen. Im Be⸗ richtsmonat August wurden 7 Mann entlassen, darunter 4 auf eigenen Wunsch, 2 wegen Kon⸗ traktbruchs, 1 wegen Arheitsscheu. Arbeitstage jählte man im August 762, Verpflegungstage 369. Mit Eintritt der kälteren Jahreszeit wird sich die Zahl der hier Unterkunft suchenden Un⸗ glücklichen bedeutend steigern. * Offenbach, 6. Sept. In der Stadt⸗ verordneten-Versammlung wurde u. A. beschlossen, ein Lagerhaus für Ie elender liche Waren in der Nähe des herzustellenden Hafens zu errichten. Stadtverordneter Heiles fragt an, wie sich die Bürgermeisterei Zu dem an die Stadtverwaltung ergangenen Ersuchen stelle, bei Anstellung von Gemeindebeamten Militäranwärter zunächst zu berücksichtigen. Der Oberbürgermeister von Mainz habe einen solchen Eingriff in die Selbstverwaltung ent⸗ schieden zurückgewiesen; er hoffe von der hiesigen Bürgermeisterei ein Gleiches. Herr Oberbürger⸗ meister Brink antwortete, ein derartiges An⸗ sinnen sei nicht an die Bürgermeisterei gelangt. Aus der sich sodann entspinnenden kurzen Debatte glaubt der Herr Ober bürgermeister ent⸗ nehmen zu dürfen, daß die Versammlung ein etwa noch an die Bürgermeisterei gelangendes Ansinnen als Eingriff in die Selbstverwaltung der Gemeinde abgelehnt wissen wolle. * Mainz, 6. Sept. Der 34. Verbands⸗ tag der landwirtschaftlichen Genossen⸗ schaften des Großherzogtums Hessen wurde im Liedertafelgebäude durch den Verbandsdirektor Kreisrat Haas⸗Offenbach eröffnet. Nach dem Jahresbericht beträgt die Zahl der landwirt- schaftlichen Genossenschaften gegenwärtig 473 mit 40000 Mitgliedern, darunter befinden sich 327 Spar⸗ und Darlehnskassen. Das Gesamt⸗ vermögen der Genossenschaften des Verbandes beträgt 3 416000 4, der Gesamtumschlag im Jahre 1895 58 500000 l. * Mainz, 6. September. Die städtischen Oktroibeamten haben eine Eingabe an die Stadtverordneten beschlossen, daß ihnen aüch die provisorisch bei der Stadt verbrachte Dienstzeit in Anrechnung gebracht werde. Bei der Bemessung der Gehaltsnorm giebt dies einen nicht unwesent—⸗ lichen Ausschlag. * Wetzlar, 6. Sept. Im heutigen„W. An⸗ zeiger“ finden wir folgende „Amtliche Bekanntmachung: Da nach tierärztlicher Feststellung der Ver⸗ dacht unter dem Rindvieh des Händlers Kauf⸗ mann Seligmann von hier geschwunden ist, so ist die Sperre des Stalles des p. Seligmann aufgehoben worden. Wetzlar, den 5. September 1896. Der Bürgermeister Moritz.“ — Ist der„Verdacht“ etwa eine neue Tier⸗ krankheit? Oder waren die Tiere in dem bösen Verdacht, an irgend einer Krankheit zu leiden? U. A. w. g. * Wetzlar, 7. September. In der gestern im Römischen Kaiser hierselbst stattgehabten XIV. ordentlichen Generalversamlung des gesamten Taunus⸗Klubs, an der etwa 150 Vertreter der Zweigvereine teilnahmen, regten die Vereine der Lahnsektion an, der Zentral- Ausschuß soll versuchen für die Stationen der Lahnthalbahn Wetzlar, Braunfels, Weilburg und Diez von Gießen aus billige Sonntags- billets von der Eisenbahn⸗Verwaltung zu er⸗ langen. Der Präsident Kittel bat die Antrag⸗ steller ihre Wünsche schriftlich formuliert nach Frankfurt an ihn einzureichen und werde er dann versuchen, daß die Sonntags⸗Fahrkarten bewilligt werden. Er wolle aber bemerken, sehr leicht sei das Ziel nicht zu erreichen. Interessant war die Mitteilung, daß der Zentral-Kasse der Ver⸗ Bekanntmachung. bei der Stadtlasse Gießen, einigung aus dem Verkauf der Farbenkarte des östlichen Taunus im Ganzen bis jetzt 2000 M., welche an dieser Karte verdient sind, abgeliefert wurden und daß ein weiterer Betrag von bis jetzt 800 Mark, als in diesem Sommer verdient, noch aussteht. Der Gewinn aus diesem Karten⸗ geschäft soll mit verwendet werden, um einen monumentalen Turm auf dem Feldberg zu er⸗ richten. Als Vorort für die nächstjährige General⸗Versammlung wurde der Feldberg be⸗ stimmt, wobei der Stamm⸗Klub Frankfurt die Kosten der Versammlung zu tragen sich bereit erklärte. Vermischtes. — Ueber den Verbrauch von Postwert⸗ zeichen giebt die amtliche Statistik der deutschen Reichs⸗ post⸗ und Telegraphenverwaltung folgenden Aufschluß: Im Jahre 1894 sind etwas über 1809 Millionen Stück Postwertzeichen an das Publikum abgesetzt worden, 61¼ Millionen mehr als im Jahre 1893. Für die verkauften Wertzeichen sind 1865¾ Millionen Mark bezahlt worden. Fast der 3. Teil der verkauften Postwertzeichen waren Freimarken zu 10 Pfg., nahezu 684 Millionen Stück. Von den 3 Pfg.⸗ und 5 Pfg.⸗Marken wurden fast gleich⸗ viel abgesetzt, 296 bezw. 295 Millionen. Auch die Inlands⸗Postkarten zeigten einen fast ebenso starken Ver⸗ brauch von gegen 242 Millionen Stück. Außerdem wurden noch 4,8 Millionen Weltpostkarten abgesetzt. In den beiden letzten Zahlen sind die Postkarten mit Ant⸗ wort mit enthalten. Postanweisungs⸗Formulare sind 31 Millionen Stück, Briefmarken zu 20 Pfg. 142/ Millionen und Briefmarken zu 25 Pfg. 41½ Millionen Stück verkauft worden. Von den Briefmarken zu 50 Pfg. sind 70½¼ Millionen Stück verbraucht worden. — Die„gute, alte Zeit““. Zu dem Rüstzeug der Freunde der Zwangsinnung und des Be⸗ fähigungsnachweises gehört auch die„gute, alte Zeit“ mit dem„goldenen Boden des Handwerks“. Offen⸗ bar, so schreibt man der„Nat.⸗Ztg.“, sind aber diese Verehrer des Alten schlecht darüber unterrichtet, wie es auf dem Gebiet des Handwerks vor einigen Jahrhunderten zuging und welche Klagen über unlauteren Wett⸗ bewerb erhoben wurden. Wir besitzen darüber ein Zeugnis, das Jene nicht ablehnen können, rührt es doch von einem Handwerksmeister her: dem Schuhmacher und Poeten Hans Sachs. In seinem im Jahre 1527 ge⸗ schriebenen Spruchgedicht:„Der Eygennutz“ läßt er sich, wie folgt, vernehmen: Lernen viel Buben in allen Sachen, Nehmen Geld, sie zu Meistern machen, Und wo jetzt soll ein Werkstatt sein, Sein allmal drei wol für die ein, Als dann Jung mit Jungen hin wudeln, Und viel Haufen Werks aushin sudeln, All's auf die Eil, wolfeil und schlecht, Man findt weng Arbeit mehr gerecht, Auf Märkt, auf Meß, wo sie's hinführen, In Krämen oder im Haufiren, Geben wolfeil zu Neid einander, Bis sie verderben allesander, Also durch Eigenuutzes Schlund Gehn jetzt viel Handwerk zu Grund. Interessant ist es, aus diesem Gedicht zu ersehen, daß der Vorwurf des„wolfeil und schlecht“, der vor einigen Jahren über die deutschen Massenartikel aus⸗ gesprochen wurde, schon damals gegen Arbeiten von Handwerks⸗(Innungs-)meistern erhoben worden ist. Doch auch über die„Lehrlingszüchterei“, die übergroße Konkurrenz, die schlechte Arbeit, sogar über das— Hau⸗ stieren hat Hans Sachs vor 370 Jahren, in der Periode, die als die Blütezeit des Handwerks gerühmt wird, die⸗ selben Klagen erhoben, die heute laut werden. Neueste Telegramme. Hd. Breslau, 7. Sept. Heute Vormittag 8 Uhr 4 Minuten erfolgte die Abreise der deutschen und russischen Kaiserpaare nach örlitz. Das deutsche Kaiserpaar fuhr beim Landeshause vor und holte das russische Kaiserpaar ab. Auf dem Wege zum Bahnhofe bildete ein zahlreiches Publikum und das Kaiser Alexander Garde⸗ Grenadier⸗Regiment Spalier, das auf dem Bahn⸗ steige auch die Ehrenwache stellte. Auf dem Bahnhofe angekommen, führte die deutsche Kaiserin die Zarin und Kaiser Wil⸗ helm den Zaren. Die Majestäten stiegen gemeinsam in den preußischen Hofzug ein, nach⸗ dem sie von den erbprinzlich Meiningischen Herr⸗ schaften herzlichen Abschied genommen. Die Kapelle des Kaiser⸗Alexander⸗Garde⸗Grenadier⸗ Regiments spielte die Nationalhymne, während die Ehrenwache und sämtliche auf dem Babu anwesenden Offiziere des Regiments prästtierten. Die russischen Minister mit Gefolge fuhren gleich⸗ falls in dem Zuge mit; unter den Klängen des Präsentier⸗Marsches fuhr der Zug ab. Hd. Budapest, 7. Sept Aus Losouncz liegen Nachrichten über einen Zusam menstoß zweier 117 vor, wobei zwei Bahnbedienste ihr Leben einbüßten, eine Anzahl Personen trugen Verletzungen davon, darunter einige schwere. Hd. London, 7. Sept. Wie ver⸗ lautet, beabsichtigt Lord Salisbury dem Zaren in Balmoral folgenden Plan zur Lösung der Orientfrage vorzu⸗ legen; Teilung der Türkei, Umwand⸗ lung von Konstantinopel in einen Freihafen. England beansprucht nichts, sondern will sich mit Regelung seiner Stellung in Egypten begnügen. Hd. Rio de Janeiro, 7. Sept. Neue Unruhen sind in der Provinz Sergipe ausge⸗ brochen. Die Lage ist um so bedenklicher, als die Polizei und ein Teil der Truppen Par tei für die Aufständigen ergriffen haben. 5 Privattelegramme der„Hessischen Landesztg.“ Görlitz, 7. September. 2.30 nachm. Der von Breslau kommende Sonderzug mit den deutschen und russischen Majestäten lief 10 Uhr 40 Min. hier ein. Nach Empfang durch den Oberbürgermeister, der eine Be⸗ grüßungsansprache hielt, fuhren die Ma⸗ jestäten in sechsspännigen Equipagen nach dem Paradefeld, wo die Parade um 11 uhr bei schönsten Wetter begann. Die Stadt ist festlich geschmückt. Auf den Straßen herrscht kolossales Leben. Gottesdienst in der Synagoge. Dienstag, den 8. und Mittwoch, den 9. Sept. 1896. Neujahrssest. l 1. Tag. Vorabend: 6.30 Uhr. Morgens: 7.30 Uhr. Nachmittags: 4.00 Uhr. 2. Tag. Vorabend: 7.15 Uhr. Morgens: 7.30 Uhr. Nachmittags: 4.00 Uhr. Festesausgang: 7.30 Uhr. Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Re⸗ dakteur: Wilhelm Sell, Druck von E. Ottmann, beide in Gießen. Geschäfts- Verlegung. Betr.: Das Beschueiden der Hecken. Das Polizeireglement vom 24. Februar 1882, wonach die Garten- und Feldbesitzer die ihren Grundbesitz an öffentlichen Fahr⸗ oder ßwegen einfriedigenden Hecken in jedem rühjahr bis zum 1. März auf 1,25 Meter öhe und 0,50 Meter Breite zurückzuschneiden und im Laufe des Monat September die neuen Schößlinge wiederholt zu beschneiden oder zurülckzubinden haben, wird mit dem An⸗ fügen wiederholt zur öffentlichen Kenntnis ge— bracht, daß Zuwiderhandlungen auf Grund des Art. 31 des Feldstrafgesetzes mit Geldstrafe von 1 bis 10 Mark bestraft werden. Gießen, den 2. September 1896. Großh. Blülrgermeisterei Gießen. Gnauth. Bekanntmachung. Bei der in der gestrigen Sitzung der Stadt- verordneten ⸗Versammlung vorgenemmenen planmäßigen Verlosung der Ende dieses Jahres zur Rückzahlung kemmenden 3¼»„ssigen Ob⸗ ligationen der Anlehen der Stadt Gießen von den Jahren 1393, 1394 und 1395 sind fol- ende Stücke gezogen worden: a. von dem 1893er Anlehen. Lit. L. No. 23, 84, 117, 119, 245 und 297 a 2000 Mark, Lit. M. No. 18, 45, 90, 96, 149, 283, 318 und 332 à 1000 Mark, Lit. N. No. 70, 76, 119, 168, 171, 371, 485, 561, 571, 580, 607, 641, 645, 715, 792 und 796 4 500 Mark, Lit. O. No. 42, 96, 135, 172, 174 und 296 à 200 Mark, Lit P. No. 15, 96, 133, 148 237, 98, 330 und 374 à 100 Mark. b. von dem 1894er Anlehen. 303 und 358 à 2000 Mark, 422 und 494 à 1000 Mark, 807, 848, 871, 955, 1005 und 1064 à 500 Mark, 325, 366 und 432 à 200 Mark, 414, 449, 482 und 500 à 100 Mark. c. von dem 1898er Anlehen. Lit. M. No. Lit. N. No. Lit. O. No. Lit. P. No. It. L. No. 405 über 2000 Mark, —— ät. M. No. 518 über 1000 Mark, Lit. N. No. 1157 über 500 Mark, Lit. O. No. 472 und 473 à 200 Mark, Lit. P, No. 640 iber 100 Mark. Es wird dies mit dem Anfügen zur Kennt- nis der Besitzer der vorbemerkten Schuldver⸗ schreibungen gebrach, daß die Einlösung der⸗ selben bei dem VNankhause Aron Hei- chelheim in Gießen und bei der Nitteldeutschen Kredit- bank in Fransfurt a. M. erfolgen kann, sowie daß die Verzinsung mit dem 1. Januar 1897 aufhört. Gleichzeitig wird bemerkt, daß die nach⸗ folgenden im vorigen Jahr zur Rückzahlung ausgelosten Obligationen bis jetzt zur Rück⸗ zahlung noch nicht präsentirt worden sind und zwar: a. von dem 1893er Anlehen. Lit. N. No. 51 und 273 à 500 Mark, Lit. P. No. 174 und 318 à 100 Mark. b. von dem 189er Anlehen. Lit. N. No 1052 und 1099 à 500 Mark, Lit. P. No, 473 über 100 Mark. Gießen, den 5. September 1896 Großh. Hessische Bülrgermeisterei Gießen. Städt. Schlachthaus Freibank. Heute und morgen Ochsenfleisch, nicht ladenrein, pro Pfund 54 Pfg. Nindfleisch, nicht ladenrein, pro Pfund 48 Pfg. Die Freibank bleibt bis 10 uhr Abends geöffnet. Zu verkaufen: 4 junge Dachshunde (reine Rasse). 1016 Riegelpfad 31 event. Leihgesternerweg 7. Köhler. Sofort ein tüchtiger Kutscher gesucht. 987 Dr. Gengnagel, Großen ⸗Buseck. Ein braves Mädchen zu Kindern nach auswärts gesucht. 993 Löwengasse 11. Meiner werten Kundschaft zur gefl. Nachricht, daß ich meine Wohnung und mein Geschäft nach Gießen, Asterweg 23, Indem ich für das mir bisher geschenkte Vertrauen bestens danke, bitte mir dasselbe auch für die Zukunft bewahren zu wollen. verlegt habe. 1005 Achtungsvoll Heinr. 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