Bereinen den Siegern von Dillenburg 0 9 gemeinsam gegeben wurde, war auch von Nicht⸗ All Heil wurde den Mannschaften beider Vereine ö l 5 Nabim, 5 Lr. Gießen, Mittwoch, den 8. Juli 1896. isce Landes Ausgabe Gießen. Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4. 7 8 Erscheint täglich mit Ausnahme der Preis der Anzeigen: 10 Pfg. Tage nach Sonn- und Feiertagen. für die Fspaltige Petitzeile. 0 2. Expedition: Kreuzplatz Nr. 4. Lokales und Provinzielles. * Gießen, 7. Juli. Für die neu zu be⸗ setzende Stelle eines Universitäts⸗Musik⸗ direktors an Stelle Felchners haben sich über 60 Bewerber gemeldet, trotzdem der Melde— schluß erst am 15. Juli angesetzt ist. * Gießen, 7. Juli. Der hier sehr bekannte Generalarzt a. D. Dr. Zimmermann früher hier, dann in Mainz und zuletzt in Darm⸗ stadt in Garnison, ist gestern in Darmstadt an einem Krebsleiden gestorben. Gießen, 7. Juli. Das Bankett, das gestern Abend von unseren beiden Radfahrer⸗ kadfahrern, Herren und Damen, sehr zahlreich besucht. Der Vorsitzende der Wanderer G. R. G., Herr Wilh. Homberger, begrüßte die Teil⸗ nehmer des Banketts und hieß die Sieger in der Heimat herzlich willkommen. Ein kräftiges gebracht. Der erste Fahrwart des Gießener Radfahrer⸗Vereins Herr Ruppel, feierte in längerer Rede die Einigkeit, die unter den hiesigen Vereinen bestehe, welche ja doch beide demselben Ziele zustrebten. Früher sei es anders gewesen, da hätten vier Radfahrer⸗Vereine in unserer Stadt rivalistert, doch das sei nun anders und besser geworden, sein All Heil galt der Einigkeit, damit der Radfahrersport wachse, blühe und gedeihe. Herr Henze feierte, zum Sprechen von seinen Freunden gedrängt, die erschienenen Damen. Der Reden folgten noch viele mehr. Inzwischen kon⸗ zertierte die Bauersche Zivillapelle und begleitete die von den Radfahrern gesungenen Lieder. Eine vom Maler Fritz arrangierte Radfahrerpyramide wurde beifällig aufgenommen. Es war längst nach 1 Uhr, als die letzten Teilnehmer der Ver⸗ anstaltung Steins Etablissement verließen. * Gießen, 7. Juli. Ende dieses Monats wird die Piston⸗Solistin Sophie Bran⸗ don in Steins Saalbau ein Konzert veran— stalten. 1 * Gießen, 7. Juli. Die Bavaria, eine Bereinigung, die meistens aus Kaufleuten be⸗ steht hat am 4., 5. und 6. Juli ihr 20 jäh⸗ riges Stiftungsfest begangen. Von Bremen, von Frankfurt und Nürnberg, ja selbst von jen⸗ seits des Ozeans hatten sich die alten Herren, 1 8 Mitglieder des Vereins zu der Feier 75 eingefunden. Am Sonntag Abend vereinigte m Cafe Ebel ein Kommers die Festteil⸗ nehmer. Am Samstag Vormittag vereinigte im Cafe Ebel ein Kommers die Festteilnehmer. Am Sonntag Vormittag war eine Partie nach Weilburg geplant, zu welcher zahlreiche Ein— ladungen an unsere Damenwelt ergangen waren. Gegen 10 Uhr Vormittags versammelten sich wohl an 100 Teilnehmer dieses Ausfluges am Bahnhof und nun gings ins herrliche Lahn— thal. Man hatte die Bauer'sche Kapelle mitge⸗ genommen und war in Weilburg unweit der Bahn im Goertz'schen Felsenkeller abgestiegen, um dort einen musikalischen Frühschoppen zu nehmen, dem sich Mittags um 1 Uhr im Hotel zum „Deutschen Hause“ ein gemeinsames Mittagessen anschloß. So gestärkt machte die Gesellschaft einen Kaffeeausflug nach Guntersau, wo man sich bei dem überaus günstigen Wetter prächtig amüsirte. Mit Musik gings Nachmittags um 6 Uhr unter Vorantritt der Musik nach Goertz, Felsenkeller zurück, wo im Saalbau nach ge⸗ nossenem Abendessen ein Tanz stattfand, welcher für die junge Welt leider zu früh um 11 Uhr aufhören mußte, weil 13 Minuten später die Eisenbahn die Festtheilnehmer in die Heimat zu⸗ rückzubefördern hatte. Gestern am Montag bildete Vormittags ein Frühschoppen und Nachmittags ein Herren-Ausflug in die Umgebung unserer Stadt den Beschluß dieses Festes. * Gießen, 7. Juli.„Verein zur Züch⸗ tung reiner Hunderassen in Gießen“. Wie wir hören, sollen demnächst schon dem Vor⸗ stande zur Verteilung oder Verlosung unter die Mitglieder zwei wertvolle rassereine Hunde zur Verfügung gestellt werden. Im Herbst dieses Jahres ist eine allgemeine Schau für Hunde aller Rassen in Aussicht genommen. Wenn sich die nötige Beteiligung findet, sollen auch eine Prüfungssuche für Vorstehhunde sowie Preisschliefen für Teckel und Foxterrier abgehalten werden. * Gießen, 7. Juli. Zur Vorsicht beim Genuß von Fischen muß während der heißen Jahreszeit gemahnt werden, und zwar nicht nur vor den in kotem Zustande feilgebotenen frischen, sondern auch vor geräucherten Fischen. Selbst wenn sie auf Eis liegen, gehen die toten Fische im Sommer immer schnell in Zersetzung über, und das dadurch entstehende Fischleichengift ist noch bedeutend gefährlicher als das Gift in zer⸗ setztem Fleische anderer Tiere. Werden dann solche bereits in Verwesung übergegangene Fische, wie Flunder ꝛc., geräuchert, so tritt durch die in dem Rauch enthaltenen Desinfizierungsstoffe, be⸗ sonders Ammoniak, in dem Zersetzungsprozesse zwar ein Stillstand ein; das vor dem Räuchern in den Fischen bereits vorhanden gewesene Leichen⸗ gift wird dadurch aber nicht im mindesten un⸗ schädlich gemacht, sondern bleibt in seiner vollen Gefährlichkeit bestehen. Man achte daher beim Genießen von Fischen darauf, daß deren Fleisch stets fest zusammenhält. Denn sobald die Fleisch⸗ fasern keine Festigkeit mehr haben und durch ein⸗ fachen Druck mit einem Messer zu Brei gedrückt werden können, hat die Zersetzung des Fleisches begonnen. Am meisten geboten ist diese Vorsicht aber bei geräucherten Fischen, weil diese in den Fällen, in welchen sie erst nach der begonnenen Zersetzung geräuchert worden sind, und dann bald verkauft werden, noch gar keinen Fäulnisgeruch von sich geben und lediglich an der Beschaffenheit des Fleisches als giftig zu erkennen sind. * Gießen, 7. Juli. In der zu New⸗Mork er⸗ scheinenden„Hessen-Darmstädter Zeitung“ vom 17. Juni befindet sich folgender Aufruf:„Ein jammervoller Hilferuf kommt von St. Louis, aus dem Munde unserer so schwer heimgesuchten Landsleute, von denen Einzelne, neben schweren Verletzungen, durch den letzten Wir belsturm Hab und Gut verloren haben. Arm und hilflos irren sie auf den Straßen umher, ohne Klei⸗ dung, ohne Nahrung, ohne Obdach. Der Segen jahre⸗ laugen Fleißes, mühevoller Arbeit ist mit einem Schlage zu nichte geworden. Unser Vertreter in St. Louis war trotz dem herrschenden Chaos imstande, folgende Hessen-Darmstädter Familien zu eruieren; Henry Rohrbach, Saloon, Ecke Park Avenue und Broad⸗ way; die oberen Stockwerke nebst Halle total zertrümmert. Aug. Wagenbach, Möbelgeschäft, 1421 South Broadway; total zertrümmert. Karl Brühmann, Grocer 8 und Marion Str.: oberer Stock und Store demoliert. Konr. Roth, Hufschmied Park Ave. und Dallmann Str.; Shop demoliert, Wohnung stark beschädigt und selbst verletzt. G. Wetterau, Wholesale Grocer, 1030 Dallmann Str.: oberer Stock und Dach weggeblasen. Jakob Vorhoff, 1720 Allen Ave. total vernichtet. Seltzer Bros, Schneider⸗ geschäft Chonteau Avennue; Store durch Sturm und Wasser stark beschädigt. Anton Seltzer 1016 S. 9 Str.; Dach abgerissen, Wohnung und Möbel stark beschädigt. W. Heer, Bäcker 743 S. 4 Str.; die Front des Hauses stark mitgenommen, das Hinterhaus eingestürzt. Henry Schaumburg, Kontraktor; Haus im Bau begriffen, alles eingestürzt. Selbstverständlich werden die Nachforschungen fortgesetzt und die Namen weitereer verunglückten Hessen sofort bekannt gegeben. Die den Verunglückten bis jetzt zur Verfügung stehenden Mittel sind völlig ungenügend und fehlt es sozusagen an allem. Viele Familien, da⸗ runter Mütter mit Säuglingen, kampieren auf der Straße. Wir richten in Anbetracht der schlechten Lage, in der sich viele landsmännische Familien befinden, an alle unsere Leser die herzliche Bitte, nach Kräften zur Linderung des Elends beizutragen. Namentlich bitten wir die Hessen⸗ Vereine, den Hülferuf unserer Brüder nicht ungehört ver⸗ klingen zu lassen und mit rascher That zu beweisen, daß die altbewährte Hessentreue heute noch einen guten Klang hat. Wer rasch giebt, giebt doppelt. Die Redaktion der „Hessen-Darmstädter Zeitung“ ist gerne erbötig, etwaige Gaben in Empfang zu nehmen und darüber in ihrer Zeitung zu quittiren. gelegten Rechenschaftsbericht hat der hiesige Vor⸗ schuß⸗ und Kredit⸗Verein, e. G. m. u. H., sich eines erheblichen Aufschwungs zu erfreuen. Einem Bruttogewicht von nahezu 400 000 Mark steht ein Reservefonds mit 16 250 Mark und ein Dis⸗ positionsfond von 1200 Mark gegenüber. Die Mitgliederzahl betrug am Ende des Jahres 128. Aus der Wetterau, 7. Juli. Hun⸗ dert Jahre sind in diesen Tagen verflossen, daß in den gesegneten Fluren unserer Wetterau zum letzten Male die Schrecken des Krieges tobten. Es war dies ein Gefecht zwischen den Franzosen und den Oesterreichern, das am 10. Juli 1796 in der Nähe von Friedberg statt⸗ fand. Noch heute sind Spuren dieses Kampfes sichtbar; in Fauerbach bei Friedberg und in Ossenheim findet man in verschiedenen Häusern Kugeln eingemauert, von denen eine die Unter⸗ schrift trägt:„6. Juli 1796“, die andere: „12Pfünder 1796.“ Der vor kurzem in Fried⸗ berg gegründete„Geschichts- und Alter⸗ tums verein“ wird zur Erinnerung an diesen vor 100 Jahren stattgehabten Kampf am 13. Juli d. J. einen Vereinsabend veranstalten, wobei Herr Direktor Schwabe über diesen„letzten Kampf in der Wetterau“ einen Vortrag halten wird. * Mainz, 6. Juli. Die seit längerer Zeit zwischen der Provinzialdirektion von Rheinhessen und den Bürgermeistereien der Städte Mainz und Kastel gepflogenen Verhandlungen über die Einverleibung von Kastel in die Stadt⸗ gemeinde Mainz haben anläßlich der Erweite⸗ rung der Kasteler Festungswerke einen vorläufigen Abschluß gefunden. Die Aktien über die Vor⸗ bedingungen sind nunmehr dem Kriegsministerium in Berlin unterbreitet worden. * Mainz, 6. Juli. Im Akademiesaal des kurfürstlichen Schlosses sind die im Wettbewerbe um den Entwurf einer festen Eisenbahn⸗ brücke über den Rhein bei Worms einge⸗ gangenen Pläne ausgestellt. Den ersten Preis mit 10000 4 erhielt Professor Frentzen⸗ Aachen, den zweiten mit 6000, Großh. Baurat K. Hoffmann, Stadtbaumeister in Worms, den dritten mit 3000. Architekt O. Rieth⸗ Berlin, den vierten mit 3000„ K. Walther, Professor der Kunstgewerbeschule in Nürnberg. Im Ganzen waren nur sechs Pläne eingelaufen. — Das römisch⸗germanische Zentral⸗ museum hat auch in dem abgelaufenen Jahre eine große Bereicherung erfahren. Die Samm⸗ lungen wurden um 600 Gegenstände vermehrt und die Zahl der Nachbildungen aus Gips und Metall ist derart angewachsen, daß das Museum nunmehr 14320 Nummern zählt. Aus 21 Staats⸗ * Hungen, 7. Juli. Nachdem soeben offen⸗ und Vereinssammlungen, sowie aus zahlreichen Das blaue Herz. Roman von Karl Ed. Klopfer. Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Donnerwetter!“ Nach einer kleinen Weile strahlte aber sein verblüfftes Gesicht wie unter einer inneren Erleuchtung.„Ah, jetzt begreife ich erst ganz und gar...! Darum seufzt mein armer Attache so herzbrechend und ist niedergeschlagen und launenhaft... O Gott! Diese Baronesse! Also wirklich verlobt— rettungslos verlobt?“ „Im Herbst ist die Hochzeit. Wir heißen dann Frau Gräfin.“ „So so— ein Graf?“ „Graf Norbert v. Degenstein. schöner Name, nicht wahr?“ b „Hol' ihn der Teufel!— Diesen, Grafen Degenknopf liebt sie also, Ihre Gnädige?“ Bärbchen überlegte eine Weile, ehe sie sich zu der stolzen Mitteilung entschloß: „Wir lieben überhaupt keinen Mann.“ „Sie auch nicht, Fräulein Wetti, Sie wirklich auch nicht?“ 5 „Keine Seitensprünge! Jetzt reden wir von Fräulein Adele. Und da will ich Ihnen meinet⸗ wegen gestehen, daß ihre Verbindung mit dem Grafen keine Liebesheirat sein wird. Ich glaube, sie nimmt ihn nur, weil ihre Mutter es will. Na ja, sie kann ja doch nicht so, wie sie eigentlich möchte— am liebsten wäre sie ja Malerin; und ihr liegt jetzt vor Allem nur daran, aus diesem Hause fortzukommen, wo ihr die gnädige Frau Mama manchmal das Leben recht sauer macht, und dazu ist ihr der Degenstein noch der Annehmbarste. Ueberdies war ja seine erste Frau einst ihre intimste Freundin.“ schon „Was, heiratet?“ „Er ißt seit fünf Jahren Witwer.“ g „Ei der tausend! Und Baroneß Adele war die Freundin der verftorbenen Gräfin?“ „Ja, aus dem Pensionat her. Das ist ein der Graf war einmal ver⸗ Denn, als die —— Eine eben heiratete, scheint man sich mehr aus den Augen gekommen zu sein. Die Gräfin war aber nicht gerade glücklich in ihrer Ehe, wie man sagt; der Gemahl war ein lockerer Kumpan, ein Ver⸗ schwender...“ „Und trotzdem entschloß sich Ihr Fräulein, seine zweite Frau zu werden?“ „Ah, jetzt ist der Mann solide geworden, das weiß man! Und überdies ist Fräulein Adele der Meinung, daß auch das Meiste, was man von seiner schimmen Ehe erzählt, nur Vkrleumdung ist. Gewisse Leute ärgern sich, daß der Graf seine Frau — sie war eine Bürgerliche, aber ungeheuer reich— beerbt hat und denen nicht Recht ließ, die da be— haupteten, er werde mit dem Vermögen in ein paar Jährchen fertig sein. Meine Baroneß trotzt allen Klatschereien, und ich glaube wirklich, je mehr man ihr von dem Grafen abraten würde, um so fester würde ihr Widerspruchsgeist auf der Verbindung bestehen. Sie ist eben eine aparte Natur, immer ganz anders als alle Welt. Mein Geschmack wäre der Graf allerdings auch dann nicht, wenn es aus⸗ gemacht wäre, daß er eine Frau auf Händen trägt.“ „Da hätten Sie also nichts dagegen, wenn aus der Heirat nichts würde? Famos! Ich hoffe, daß es doch noch Mittel geben wird, die Baronesse von ihrem Entschlusse abzubringen. Eine Ehe ohne Liebe kann nicht gut thun, das weiß ich bestimmt!“ „Nun ja, aber gesetzt auch den Fall, daß die Verlobung zurückginge— wer sagt Ihnen denn, daß dann Ihr Herr Hoffnungen hätte, geliebt zu werden?“ „Oh, das würde schon kommen! Mein Herr ist ein wundervoller, prächtiger Mensch, da kann's nicht fehlen. Wenn ich ein Frauenzimmer wäre, in den Mann hätte ich mich augenblicklich vergafft.“ „Der Herr Attache würde sich wohl freuen, wenn er hören könnte, was er an Ihnen für einen Rekommandeur hat.“ „Was? Er würde mich... Nein, was glauben Sie! Herr v. Fröden ist kein Geck, und es ist auch — nicht der richtige Ausdruck, den ich da gebraucht habe. In den Mann vergafft man sich nicht, den lie bizman aus ganzer Seele!“ „Hören Sie auf! Sie schwärmerisch.“ „Schwärmerisch?“ wiederholte der Ignaz, nach⸗ denklich werdend, und seufzte.„Ja, da hätten Sie nicht so ganz Unrecht, teuerste Mamsell Wetti. Ich versteh' mich ein wenig auf Schwärmerei.“ „Vielleicht— durch eine unglückliche Liebe?“ spottete sie und verdrehte die Augen. Nazi sah sie ganz sonderbar an, zögerte eine Weile und sagte daun mit einer gewissen Treu⸗ herzigkeit: „Ich weiß eigentlich nicht, wie ich dazu komme, Ihnen mein Herz auszuschütten, aber Sie haben so viel Zutrauen Erweckendes... Fräulein Wetti, Sie sind das erste lebende Wesen, dem ich gestehe: ja, ich habe so was wie ein Ideal— ein Ideal aus meiner Jugend.“ „Aus Ihrer Jugend?“ lachte Wetti, den Burschen vom Kopf bis zu den Füßen musternd.„Hören Sie, das müßte dann schon in Ihren— Buben⸗ jahren gewesen sein.“ „So ziemlich. Es ist volle fünf Jabre her. Ich war damals im letzten Jahre meiner Lehrzeit, bei einem Friseur, der dann bald darauf abgewirt⸗ schaftet hat. Die betreffende Dame war eine Kundschaft„..“ „Und da sahen Sie sie öfter im Laden Ihres Herrn?“ „Nein, sie kam nur ein einziges Mal, und auch da habe ich sie nicht eigentlich gesehen— nämlich nicht ihr Gesicht. Sie ging zu einem Maskenballe und trug schon die Larve vor dem Gesicht.“ Jetzt lachte die Zofe hell hinaus. „Sie konnten ihr Gesicht nicht sehen— und dieses Frauenzimmer lieben Sie?“ Nazi wollte bejahen, besann sich aber und senkte seinen Blick so tief in die Schelmenaugen der werden ja ganz — ——— „Jetzt vielleicht nicht mehr“, sagte er dann. „Ueberhaupt— wenn ich meine Gefühle Liebe genannt habe, so war das nie eigentlich das rechte Wort dafür. Es war gleich damals zu viel— wie soll ich sagen?— zu viel schaurige Ehrfurcht in meiner Empfindung, denn dieses Wesen stand ja in unerreichbarer Höhe über mir. Es war un⸗ zweifelhaft eine Dame aus vornehmem Hause.“ „Woher wissen Sie das?“ „Dafür hat man doch einen gewissen Justinkt. Sie war eine Fremde— vielleicht eine Südländerin. Auf dem Souvenier, das ich von ihr bewahre, steht Napoli. Das ist Italienisch und heißt auf Deutsch Neapel.“ „Was?“ rief Wetti voll des heitersten Er— staunens.„Sie haben sogar ein Andenken von der vornehmen Unbekannten?“ Nazi kraute sich mit der Miene eines Menschen, der sich vergaloppiert hat, hinter den Ohren. „Na“, sagte er dann;„ist mir schon viel herausgerutscht, so sollen Sie auch das wissen! — Es ist ein Anhängsel, ein kleines blaues Herz, das die Dame verloren hat und ich ge— funden habe.“ „Ah! Und das haben Sie bis heute behalten?“ „Ich trage es stets bei mir— es ist mein Talisman, und ich glaube fest, daß mich dieses Andenken schon vor Unglück oder doch min— destens vor manchem dummen Streich bewahrt hat — zum Beispiel vor einer leichtfertigen Liebelei.“ „Na, na!“ machte sie, ihn mit halbzugekniffenen Augenlidern von der Seite ansehend. „Damit will ich aber keineswegs sagen, daß ich mich sträuben würde, mich in ein nettes Kind zu verlieben...“ Dabei äugelte er sie so wirkungs— voll an, daß Fräulein Wetti ganz rot wurde.— „Wenn man zum Beispiel einem niedlichen Ge— schöpfe begegnet, mit so ein Paar verteufelten Schwarzbeerenaugen, die sich auf's Feueranzünden verstehen... Ach sagen Sie, sind die Wienerinnen alle so hübsch, wie Sie, Fräulein Wetti?“ Kammerkatze, als habe er darin noch eine Reihe der interessantesten Entdeckungen zu machen. (Fortsetzung folgt.) N 1 1 1 4 2 2 2 S en * ——== e ——— 92 * Privatsammlungen erhielt das Museum nicht weniger als 2000 wichtige altertümliche Fund— stücke. Die Grabfunde wurden durch Urnen und Metallgeräte aus norddeutschen Brandgräbern, namentlich auch durch slavische Altertümer ver⸗ mehrt, außerdem erhielt das Museum eine große Gruppe Gewandnadeln aus Urnenfriedhöfen Ostpreußens; besonders bemerkenswert ist die gelungene Nachbildung einer römischen Signal— trompete. Vermischtes. — Das neue Panzerschiff„Kaiser Fried⸗ rich III.“. Das Schlachtschiff„Ersatz Preußen“, getauft vom Kaiser auf den Namen seines Vaters„Kaiser Fried⸗ rich III.“, dessen Stapellauf auf der Wilhelshavener Werft am Mittwoch erfolgte, ist, so berichtet die„K. Z.“, das größte Schiff, das unsere Marine bis jetzt hat bauen lassen. Wenngleich man bei uns nicht zu den Riesenschiffen der Engländer neigt, deren neueste Schlachtschiffe eine Wasser⸗ verdrängung von 14900 Tonnen aufweisen, so erfordert doch die Unterbringung des maschinellen Apparats und der reichen Artillerie bei modernen Schlachtschiffen Schiffs⸗ maße, die eine Wasserverdrängung von immerhin 10 000 Tonnen als untere Grenze erscheinen lassen. Während daher die Schiffe der Brandenburgklasse eine Wasserver⸗ drängung von 10033 Tonnen haben, beträgt dieselbe bei „Ersatz Preußen“ 11000 Tonnen. Die Kriegsschiffbau⸗ technik schreitet so außerordentlich rasch fort und fördert unausgesetzt wertvolle Neuerungen zutage, daß es kaum möglich erscheint, einen Schiffstyp zu konstruieren, der während einer vierjährigen Bauzeit, die sich für Panzer⸗ schiffe dieser Größe durchschnittlich ergiebt, nicht schon wieder in einigen Einzelheiten, sei es in der Artillerie, Panzerung oder Maschinenanlage, etwas zurückstände hinter einem zur Zeit seiner völligen Fertigstellung auf Stapel gelegten Neubau. Es dürfte heutzutage überhaupt kein im Dienst stehendes Schlachtschiff geben, das die Ansprüche jedes erfahrenen See-Offiziers und aller Schiffskonstrukteure in vollem Maße erfüllt. Das neue Panzerschiff„Kaiser Frledrich III.“ hat eine Länge von 125 Meter, eine Breite von 20,4 Meter und einen mittleren Tiefgang von 4,83 Meter, dem eine Wasserverdrängung von 11000 Tonnen entspricht. Die Hauptabweichung von der Branden⸗ burgklasse liegt in der Armierung und in der Maschinen⸗ anlage. Die erstere ist in der schweren Bestückung ver⸗ mindert, dafür aber den Schnellladegeschützen, dieser wich⸗ tigen Errungenschaft der Neuzeit, ein ungewöhnlich großes Feld eingeräumt. Die Hauptartillerie besteht in zwei Paar 28 Centimeter, L. 40 Geschützen, die vorn und achtern in gepanzerten Drehtürmen stehen. Der vordere Geschützturm liegt auf der Back, seine Geschützrohre daher verhältnismäßig hoch über dem Wasserspiegel und ermög⸗ lichen selbst bei bewegter See noch ein Feuern. An Schnellladekanonen sind 18 15 Centimeter, L. 40, 12 8,8 Centimeter, L. 30 und 24 5 Centimeter vorhanden; ferner 12 3,7 Centimeter Maschinengeschütze und 8 Milli⸗ meter Maschinengewehre. Die mittlere Artillerie ist teils in gepanzerten Drehtürmen, teils hinter einer gepanzerten Kasematte untergebracht, während die leichtere auf den Aufbauten hinter 20 Millimeter starken Stahlschildern und in den Marsen der beiden Gefechtsmasten steht. Eine so außerordentlich reiche artilleristische Ausrüstung findet sich selbst auf den neuesten englischen Schlachtschiffen von 14900 Tonnen nicht vor. Der Panzerschutz des Neubaus besteht in einem 300 Millimeter starken Panzergürtel, der vier Fünftel der Gesamtlänge des Schiffes deckt. In der Wasserlinie ist der Schiffskörper außerdem durch ein stark gewölbtes, 65—75 Millimeter starkes Stahlpanzerdeck geschützt, das nach dem Bug geneigt ist und zur Versteifung des Vorderschiffes beiträgt. Unter dem Panzerdeck liegen die Kessel⸗ und Maschinenanlagen, die Munitionsräume und der Ruderapparat. Die Drehtürme der schweren Geschütze sind 250 mm stark gepanzert; denselben Panzerschutz haben die Munitionsaufzüge und der Kommandothurm. Es ist überhaupt besonders Gewicht auf den Schutz der Mannschaften durch Panzerdeckung gegen Kleinkaliber und Gewehrfeuer gelegt. Die Torpedo-Ausrüstung besteht aus 6 Lancierrohren für den 45 em Torpedo.„Ersatz Preußen“ ist das erste Panzerschiff unserer Flotte, das drei Maschinen enthält. Jede Maschine arbeitet selbst⸗ ständig für sich, liegt in einem wasserdichten Raum und treibt eine Schraube. Die Gesammtmaschinenleistung be⸗ trägt 13000 Pferdekraft, bei deren Entwicklung das Schiff eine Geschwindigkeit von 18 Knoten erreicht. Die Maximalarbeit von nur zwei Schrauben entspricht einer Geschwindigkeit von 16—17 Knoten, während die mittlere Geschwindigkeit von 10 Knoten mit einer der mittleren Schrauben erreicht wird. Der Dampf wird in Wasser⸗ rohrkesseln erzeugt, die in verschiedenen Gruppen in wa se dichten Räumen liegen. Das zum Bau des Schiffs⸗ körpers verwandte Material ist bester deutscher Stahl, der aus den Krupp'schen Werkstätten und denen der Gute Hoffnungshütte stammt. Die schweren Gußstahlstücke, wie den mächtigen dreiteiligen Vordersteven, mit der Ramme, den Achtersteven und die Schraubenwellen hat Krupp ge⸗ liefert; desgleichen wurden von ihm die Panzerplatten angefertigt. Holz wird nur im inneren Schiff in ganz geringem Maße verarbeitet und ist, nach der Schlacht am Halu-Flusse so gut wie ganz aus dem Kriegsschiffsbau verbannt. Für die Unterkunft des Offizierstabes und der Mannschaften ist in sehr praktischer Weise Sorge getragen. Der Besatzungsetat bringt etwa 650 Mann. Die Ge⸗ samtkosten belaufen sich auf rund 20 Millionen Mark. Hiervon entfallen 14120 000 Mark auf das Schiff, rund 5 000 000 Mark auf die artilleristische Ausrüstung und 900 000 Mark auf die Torpedo-Armirung. — Verhaftung einer großen Einbrecher⸗ bande in Paris. Juni geschrieben: Eine vollständig organisirte Einbrecher⸗ bande, die nicht weniger als 22 männliche und weibliche Mitglieder zählt, ist unter besonders in⸗ teressanten Umständen von der Pariser Polizei festge⸗ nommen worden. Die Sache ist erst nach Ueberwindung großer Schwierigkeiten geglückt, da die Verbrecher auf ihrer Hut waren und alle möglichen Ränke anweudeten, um den polizeilichen Nachforschungen zu entgehen. Die Untersuchung der Polizei erforderte mehrere Monate und wurde von dem Agenten Girodot mit mehreren Beamten sehr geschickt geführt, Im Juni 1895 brmerkte Girodot in einem Weinausschanke des Boulevard du Temple ein Individuum, das einen prächtigen Türkisenring trug, der sich auf der schwieligen Hand sehr seltsam ausnahm. Ein anderes Individuum kam hinzu, und beide entfernten sich in auffälliger Weise. Der Agent schlich dem Besitzer des Ringes nach und ermittelte seine Adresse, wobei er ausfindig machte, daß der Betreffende nur von Dieb⸗ stählen lebte. Man überwachte ihn und entdeckte, daß er einer Bande angehörte, deren Mitglieder man einen nach dem andern kennen lernte. Wochen und Monate lang beobachtete man das Kommen und Gehen dieser Leute. Keiner derselben arbeitete und alle führten ein fröhliches Leben. Der Polizist bemerkte, daß sie jeden Sonntag in Gruppen von drei und vier Personen sich in die Bannmeile begaben, wo sie jedesmal eine Villa aus⸗ plünderten. Die Leiter waren die vielbestraften Ver⸗ brecher Steichel, Deschamps, Gachet, Loupat und Gay. Die weiblichen Mitglieder der Bande mußten die ge⸗ stohlenen Juwelen au Hehler verkaufen. Vor einigen Tagen nahm Girodot vier der Einbrecher fest, als sie ein Schanklokal in der Rue des Archives ausplünderten. Der Chef der Geheimpolizei traf darauf sogleich die nötigen Anstalten, um die ganze Bande verhaften zu lassen. Die Sache gelang vorzüglich, und Alle wurden festgenommen. Die in den verschiedenen Wohnungen der Einbrecher vor⸗ genommenen Haussuchungen, die volle drei Tage in An⸗ spruch nahmen, führten zur Entdeckung zahlloser Juwelen, Kunstgegenstände, Möbel, Wertpapiere u. s. w. Mehrere Umzugswagen waren erforderlich, um Alles fortzuschaffen. Bei den Hehlern, die gleichfalls verhaftet wurden, fand man zahlreiche Kunstgegenstände, Goldabfälle, Edelsteine u. s. w., besonders aber zahlreichen Kirchenschmuck, da die Bande die Beraubung von Pfarrhäusern zur Spezialität erkoren hatte und deshalb auch„la bande de sacristains“ genannt wurde. Im Ganzen sind mehr als 200 Dieb⸗ stähle begangen worden, van denen einer allein mehr als 200 000 Franks der Bande einbrachte. Ein Mitglied der Bande hatte sogar in Noisy⸗le-Sec ein Grundstück zum Bau einer Villa erworben. — Ein Muster⸗Nachtwächter. In der letzten Stadtverordnetensitzung in Inowrazlaw wurde eines räube⸗ rischen Ueberfalles Erwähnung gethan. Mit dem letzten Zuge gegen 12 Uhr kam eines Abends vor Ostern ein Dienstmädchen aus einer Ostseestadt in Inowrazlaw an. Auf dem Gange vom Bahnhof nach der Stadt bat es einen Nachtwächter, ihr ein Gasthaus zu empfehlen, in dem es übernachten könne. Der Wächter nahm das Mädchen darauf mit in eine Kellerwirtschaft, machte es dort betrunken, und als beide darauf auf die Straße kamen, fiel er über sie her und raubte die gesamte Bar⸗ schaft in Höhe von 60. Bei dem entstehenden Kampfe wurden dem Mädchen noch die Kleider vom Leibe gerissen, und in einem kläglichen Aufzuge erschien es am andern Morgen auf der Polizei, um Anzeige gegen den„Mann Aus Paris wird uns unterm 30. der Ordnung“ zu erstatten. Der Pflichtvergessene wurde sofort verhaftet, aus dem Dienst entlassen und Anzeige gegen ihn erhoben. — Lynchjustiz aus— Oekonomie. In Laplata, unweit Baltimore, hatte ein englischer Farmer seine Frau und seine Schwägerin ermordet und harrte im Gefängnis seines Prozesses. Die Einwohner beschlossen, da das Städtchen zu arm sei, um die Kosten eines Mord⸗ prozesses zu bestreiten, den Gefangenen zu lynchen. Der Beschluß wurde von einem Fünfundzwanziger-Ausschuß, dessen Mitglieder alle maskiert waren, letzten Freitag um Mitternacht ausgeführt. Der Farmer wurde aus dem Gefängnis gezerrt und an einem Baum gehängt. Letzte Nachrichten. Gießen,“. Juli. Das Festprogramm für die 50jährige Jubelfeser des Turn- vereins Gießen enthält folgende Einzelheiten: Samstag, den 1. August Nachmittags: Em⸗ pfang der Gäste. Abends 8 ¼ Uhr: Festakt mit Musik und Gesangsvorträgen, Festspiel, lebende Bilder im Gießener Festsaal(Café Leib). Sonntag, den 2. August morgens 6 Uhr: Weckruf. Vormittags: Empfang der Gäste. Vormittags 11 Uhr: Frühkonzert in Röhrle's Bierhalle. Nachmittags 2 Uhr: Aufstellung des Festzuges in Oswalds Garten. Nachmittags 2½ Uhr: Abmarsch desselben durch die Stadt nach Steins Garten. Nach Ankunft daselbst Begrüßung der Gäste, Festrede, Weiheakt, Musik⸗ und Gesangsvorträge, Großes Schauturnen, Turnspiele. Abends 8 Uhr: Pyramiden, lebende Bilder, Marmorgruppen, Konzert und Tanz. Sonntag, den 9. August, morgens 6 Uhr: Weckruf. Nachmittags 2 Uhr: Aufstellung des Festzuges in der Ostanlage. Nachmittags 2¼ Uhr: Abmarsch desselben durch die Stadt nach dem Philosophenwald, dortselbst großes Volks⸗ fest, Turnen und Kinderspiele. Abends 9 Uhr: Feuerwerk. Abends 10 Uhr: Lampionszug nach der Stadt. * Gießen, 7. Juli.(Strafkammer⸗ sitzung.) Der 13jährige Karl Holland von Gießen hat sich wegen mehrerer Holz- und Kohlen⸗ diebstähle, die er im Stalle eines Eisenbahnbe⸗ amten begangen, zu verantworten. Der Ange— klagte hat sich dadurch Eingang in den Stall verschafft, indem er die verschlossene Thür aus den Angeln hob. Ferner hat derselbe gleichzeitig 7 Eier, welche die Hühner im Stall gelegt hatten, an sich genommen. Der Gerichtshof verurteilte den jugendlichen Dieb zu 3 Wochen und 2 Tagen Gefängnis.— Chr. Frang von Gräfenhain verfolgt Berufung gegen ein ihn zu 2 Monaten Gefängnis verurteilendes Erkenntnis des Schöffen⸗ gerichts Herbstein. Der Verurteilte hat in der Spinnstube zu Herbstein 2 Mädchen mit einer abgerissenen Bauklehne über den Arm und an der Stirn blutig geschlagen. Er meint aber heute, es seien doch milderndellmstände, daß er nicht etwa ohne Grund geschlagen, denn die Mädchen hätten ihn zuerst geneckt und dann hätten sie ihn gehen heißen, sogar mit einer Nadel sei er von einem Mädchen, aber nicht von einer der Verletzten, gestochen worden. Weinend bittet der Angeklagte, ihn doch etwas billiger durchkommen zu lassen. Der Gerichtshof verwarf jedoch die Berufung des Angeklagten, welcher bat, ihm doch zu ge⸗ statten, die Strafe den Winter über erst verbüßen zu dürfen.(Schluß folgt.) Gießen, 7. Juli. Am 21. Juli Vor⸗ mittags 8 Uhr hat sich der Arbeiter Ludwig Pitzer von Gießen vor der Strafkammer wegen fahrlässig falschen Eides zu verantworten. * Gießen, 7. Juli.(Unfall.) Beim Abbruch des alten Maschinenhauses an der Main⸗ Weser⸗Bahn fiel heute Morgen einem Ar— beiter aus beträchtlicher Höhe ein Stück Holz auf den Kopf. Der Verunglückte mußte in die Klinik gebracht werden. r xx Neueste Telegramme. Berlin, 7. Juli. Wie der„Lokakan⸗ zeiger“ von angeblich zuverlässiger Seite erfahren haben will, steht die Familie Kotze der Ver⸗ öffentlichung der Brochüre„Die anonymen Briefe und die Hofgesellschaft“ vollständig kr. Hd. Paris, 7. Juli. Ministerpräsident Méline stellt dem Rentensteuer⸗Antrage Doumers die Kabinettsfrage entgegen. Trotz der eifrigen Campagne Bourgeois und Doumers glaubt man, daß das gegenwärtige Finanzgesez der Regierung dennoch durchdringen wird. Hd. Paris, 7. Juli. Es scheint heute festzustehen, daß nach der Besprechung des Steuer⸗-Einkommen⸗Projekts Doumers die Diskussion über den Regierungsentwurf der Rentensteuer vertagt werden wird. Die Wieder⸗ eröffnung der Kammer dürfte im Oktober er⸗ folgen. Das Parlament wird am 15. oder 16. Juli in die Ferien gehen. Hd. London, 7. Juli. Lady Mary Bligh, die 286 jährige Tochter des Grafen Darnley ertränkte sich in einem Anfall von Schwermut im Teiche des väterlichen Parkes. Hd. Jassy, 7. Juli. Der Senator General Rakovitza ist gestern Nacht plötzlich gestorben. Hd. Brüssel, 7. Juli. Die katholischen sowie die liberal⸗konservativen Blätter konsta⸗ tieren, daß die Kandidaten der Regierung in den vlämischen Provinzen wiedergewählt worden sind, daß aber die Sozialdemokraten im Ganzen 70000 Stimmen erobert haben. Dieser letztere Umstand wird als beunruhigendes Zeichen für die nächste Zeit angesehen. Hd. Brüssel, 7. Juli. Dem Ver⸗ nehmen nach will die liberale Par⸗ teileitung zu den Stichwahlen am Sonntag Wahlenthaltung proklamieren. Dadurch fallen 24 Kam⸗ mersitze den Klerikalen zu. Hd. Belgrad, 7. Juli. Ein amtlicher Be⸗ richt des serbischen General-Konsuls in Saloniki konstatiert die vollständige Erfolglosigkeit des serbischen Schweinetransports nach Marseille, wodurch die Darlegungen Nova⸗ kovitsch gegenüber dem Korrespondenten des Gaulois ein entschiedenes Dementi erfahren. Marktpreise. Gießen, den 7. Juli. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter p. Pfd. 80— 100, Hühner⸗ eier 2 St. 11— 12, Enteneier 6, Gänseeier———, Käse 6—8, Käsematte 3, Erbsen per Liter 17, Linsen 30 Pfg., Tauben per Paar 60— 80 Pfg., Hühner p. St. 90— 1,20, Hahnen 60—90, Enten 1,60,—2 Mk., Gänse per Pfund 00-00, Ochsenfleisch 70— 74, Kuh- und Rindfleisch 64 bis 68, Schweinefl. 50—66, Schweinefl., gesalz. 70—72 Kalbfleisch 50—, Hammelfleisch 60— 70, Kartoffeln per 100 Kilo 0 5,00, Zwiebeln per Zentner 0,7—0,8 Mk, Milch per Liter 16 Pfg., Kirschen per Pfd. 15—18 Pf. Sterbefälle. Am 5. Juli. Katharine Sauerbier, geb. Bopp, 39 Jahre alt, Ehefrau von Ziegelei⸗ besitzer Wilhelm Sauerbier zu Butzbach. Ge⸗ storben in der neuen Klinik. Die Leiche wird in die Heimat verbracht. Am 7. Juli. Wilhelmine Auguste Luise Hein, geb. Schlatter, 43 Jahre alt, Ehefrau von Kaufmann Otto Ludwig Hein dahier, Kreuz⸗ 5 platz Nr. 15. Die Beerdigung findet Donners⸗ tag, den 9. d. M., nachmittags 3 Uhr, vom J Sterbehause aus statt. Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Re 1 7 Wilhelm Sell, Druck von E. Ottmann, beide eßen. f Junge Leute, die gesonnen sind, sich Abends an Kursus im Schnell-Schönschreiben zu beteiligen, wollen sich melden unter E. 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