en und abrikaten. cellschasten und Kotpo⸗ ets Sorge de dh auf dem Gebiete der Pflanzenkost zu Tage 0 1 1 1 1 1 da neue Leckerbissen 0 Pracht, die ihr auf den Märkten und Markthallen hueberflusse vorhanden und harren voll Sehnsucht etwas blaß und verschüchtert drein, und der Hammelkoteletts schwören, dürfen sie ausnahms⸗ wann und unter welchen Umständen sie es nur 0 Gießen, Mittwoch, den 6. Mai 1896. 0 Ausgabe andegzeit Gießen. u Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4. 60 — Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die ᷑spaltige Petitzeile. 5 N Expedition: 2. Kreuzplatz Nr. 4. Lokales und Provinzielles. * Gießen, 5. Mai. Unsere Feinschmecker, die um so trübseliger die Köpfe hängen lassen, je mehr der Winter sich seinem Ende zuneigt, die selbst dem Vorfrühling nicht sonderlich grün sind, können nun wieder lachen. Denn der Mai, dieser Teufelsjunge, der für Jeden eine freund⸗ liche Gabe in Bereitschaft hat, überschüttet auch sie mit sichtbaren Zeichen seiner Gunst. Er be⸗ friedigt nicht nur ihr poetisches Bedürfnis durch Blumen, er liefert ihnen auch in verschwenderischer b auf die Tafel. ungenschnalzend begrüßen sie die ersten jungen emüse und Früchte, und atmen erleichtert auf, weil die schreckliche Zeit der Konserven und Ein⸗ machbüchsen nun glücklich vorüber ist. Auch die Hausfrau, die den empfindlichen Gaumen des Herrn und Gebieters seit lange nicht mehr kuli⸗ narisch zu reizen vermochte, freut sich der bunten verführerisch zulächelt. Kopfsalat, Spinat, Lauch, Rettige, Radieschen, Gurken u. s. w. sind da im der Käuferin. Das Radieschen blickt zwar noch Rettig entbehrt noch der beißenden Würze; aber das Salz ist ja billig, und wer zarte Zungen⸗ genüsse nicht zu schätzen weiß, der kann sie je nach Belieben verschärfen. Auch die Frühjahrs⸗ Morchel ist diesmal, Dank dem sonnigen März, der das Erdreich so wohlthuend durchwärmte, gar prächtig gediehen und wandert massenhaft in die Hände kunstfertiger Küchenfeen. Freilich steht manche Delikatesse, die der Mai unsern Feinschmeckern bescheert, noch hoch im Preise; besonders der Spargel, der vorläufig nur für die oberen Zehntausend, die über das nötige Kleingeld verfügen, zu haben ist. Wehmütig muß mancher Hausvater, der daheim eine zahl⸗ reiche Familie mit kargem Einkommen zu ver— sorgen hat, auf die schmächtigen Stangen ver⸗ N deren schlichte Farbe die innere Güte aum ahnen läßt. Immerhin bleibt des Guten und Vortrefflichen noch genug, um den Küchen⸗ zettel, selbst bei schmalem Haushaltetat in un⸗ 5 55 Maße abwechslungsreich zu gestalten. n erster Linie werden allerdings unsere Vege⸗ tarianer dabei profitieren, die gerade jetzt einen fieberhaften Eifer entwickeln, um neue Anhänger für ihre Lehre zu erwerben. Wissen sie doch, daß keine Jahreszeit ihrem Lockruf so günstig ist, wie der wunderschöne Mai, der so viel Neues fördert. Wir Andern, die wir zu Beefsteak und weise, ohne Protest einzulegen, gewähren lassen; denn der Mai ist wirklich ein Vegetarier⸗Monat, wie er im Buche steht, ein Monat, der selbst rabiaten Carnivoren unter Umständen gefährlich werden kann. * Gießen, 5. Mai. Maikäferjagd! Auf Ersuchen des Ministeriums der Finanzen, Abtei⸗ lung für Forst⸗ und Kameralverwaltung, werden die Schulvorstände des Kreises ersucht, in den⸗ jenigen Gemeinden, in denen ein Maikäfer⸗ flugjahr stattfindet, den schulpflichtigen Knaben vom 10. bis 14. Lebensjahr während der Vor⸗ mittagsstunden zu gestatten, daß sich bis 9 Uhr, so lange der Käferflug dauert— also etwa drei Wochen— unter Aufsicht und nach Anleitung erwachsener, von dem betreffenden Gemeinde— vorstand bestimmter Personen bei dem Abschütteln, Sammeln und Vertilgen der Käfer beteiligen. Gießen, 5. Mai. Die gestrige Auffüh⸗ rung des Grillparzer'schen Trauerspiels„Des Meeres und der Liebe Wellen erfreute sich eines außerordentlich zahlreichen Besuchs. Die Zuhörer spendeten der vortrefflichen Leistung des Kölner⸗Schauspiel⸗Ensembles lebhaften Bei⸗ fall. Betreffs der literarischen Bedeutung des Stückes und der hiesigen Aufführung desselben nehmen wir auf unsere Rezersion über die Auf— führung in Marburg Bezug. Gießen, 5. Mai. Universitäts⸗Musik⸗ direktor Herr Adolf Felchner wurde gestern Abend in der kleinen Aula, wo er eine Gesangs— probe leitete, von einem leichten Schlaganfall getroffen und mußte mittelst Droschke in seine Wohnung befördert werden. Gießen, 5. Mai. Unsere Kriminalpolizei machte gestern in einem Hause der Schanzen— straße einen grausigen Fund. In einer Senkgrube entdeckte man die Leiche eines an⸗ scheinend neugeborenen Kindes männlichen Ge— schlechts, mit durchgeschnittenem Halse. Die so⸗ fort benachrichtigte Staatsanwaltschaft leitete schleunigst die Untersuchung ein. * Gießen, 5. Mai. Die Oberhessische Ge⸗ sellschaft für Natur und Heilkunde hält morgen Mittwoch, in der Aulau der Universität eine Sitzung ab, in welcher der Privatdozent Dr. Sticker„Ueber die Geschichte des Keuch— hustens“ sprechen wird. * Gießen, 5. Mai. Unsere Stadt dehnt sich nach allen Seiten aus. Es wird den Bürgern in der Altstadt zu enge. Man verlangt jetzt mit Recht mehr Luft und Licht. Unsere Stadtverwaltung kommt diesem Begehren verständnißvoll entgegen. Im Süd⸗Westen der Stadt soll gründlich„ganze Arbeit“ gemacht werden. Durch den Ankauf der ehemals von Rabenauschen Besitzung ist die Stadt allerdings mit in erster Linie dabei interessirt, in diesem Gelände Bauquartiere zu bekommen, und so hat man denn auf dem Stadtbauamt einen vollständigen Be⸗ bauungsplan zur Einsichtnahme offen gelegt. Diesem Plan zufolge wird die alte rumpliche Hollergasse ausgebaut und zu einer einseitigen Villenstraße weitergeführt längs der Eisenbahn. Die später in dieser Straße zu erbauenden Häuser sind mit Vorgärten gedacht. Man hat die Freilassung der Seite nach dem Bahnkörper für die Hollergasse darum gewählt, um den dereinstigen Be⸗ wohnern derselben hier den wunderbaren Blick auf das Lahnthal und hinüber auf die Berge, Burgen und Wälder zu ermöglichen. Ein weiterer Straßenzug wird von der Frankfurterstraße nach dem erst vor einigen Jahren ge⸗ schaffenen Uebergang zu den Bahnhöfen angelegt. Hier wird die linke Seite desselben ebenfalls Vorgärten erhalten. Die teilweise schon bestehende Hoffmannstraße wird bis zur Eisenbahn, also in die Hollergasse mündend, weiter⸗ geführt und sind auch hier auf beiden Seiten Häuser mit Vorgärten im Bebauungsplan in Aussicht genommen. Die Verbindungsstraße zwischen der eisernen über den Bahn⸗ körper sich spannenden Ueberführung und der Frankfurter straße, welche die Fortsetzung der Klinikstraße bildet, ist ebenfalls zur Bebauung von Gebäuden auf beiden Seiten mit Vorgärten vorgesehen, Der jetzige Fahrweg nach den Kohlensträngen ist als Straße ohne Vorgärtenanlage durch⸗ gehend bis zur Hollergasse geplant. Als letzte Verbindung zwischen Frankfurterstraße und Hollergasse wird die Ver⸗ längerung der Straße längs der Pspychiatrischen Klinik vorgenommen werden. In der Mitte der Hoffmannstraße, zwischen der Frankfurterstraße und der Hollergasse, wird eine Parallelstraße, in der Richtung nach Klein-Linden zu laufend, ausgeführt, bei welcher man auf die Anlage von Vorgärten absehen wird. Endlich soll zur vorteilhafteren Ausnutzung des Geländes für Bauzwecke zwischen der ver⸗ längerten Klinikstraße und dem jetzigen Zufahrtweg nach dem Kohlenstrange noch eine kurze Straße eingefügt werden, welche aber nur in die neue Parallelstraße, also nicht bis zur Hollergasse, durchgeführt ist. So wird denn auf der westlichen Seite des Seltersberges Raum ge⸗ schaffen für hunderte von Wohnhäuser in gesunder Lage. Friedberg, 4. Mai. Auf Anregung des Herrn Geh. Regierungsrates Dr. Braden ergeht an die Bürgermeister und Beigeordneten des Kreises eine Einladung zur Teilnahme an einem gemeinschaftlichen Ausfluge nach dem Niederwald. Die Fahrt soll am 16. Mai über Frankfurt, Kastel, Rüdesheim und der Rückweg über Aßmannshausen, Bingen und Büdesheim erfolgen. Seligenstadt, 3. Mai. Ein lange Ge⸗ suchter ist der Konrad Heintz II von Klein⸗ Krotzenburg, der sich auch Georg Schäfer von Kirrweiler nennt. Er wurde durch Urteil des Großh. Badischen Landgerichts Karlsruhe vom 27. August 1894 wegen mehrfachen, in wieder⸗ holtem Rückfall verübten schweren Diebstahls in eine Zuchthausstrafe von 6 Jahren verurteilt, wußte aber vor Vollzug seiner Strafe zu flüchten. Von den Gerichten in Zürich und Basel wurde er zu 9 Jahre Zuchthaus verurteilt. Beide Strafen sind noch nicht verbüßt. Der Staats⸗ anwalt in Karlsruhe erneuert den Steck- brief des seit 12 Jahren Flüchtigen. Wird jetzt wohl nichts mehr nützen. * Darmstadt, 4. Mai. Der hessische Staats- minister Finger ist mit drei Verwaltungsräten der Hessischen Ludwigsbahn heute in der i nach Berlin ge— reist. * Offenbach a. M., 3. Mai. Der Schrift⸗ setzer Jost aus Büdingen, zuletzt in Offenbach, entfernte sich am 29. b. M., in geistesgestörtem Zustande von hier. Am Tag seines Weggangs sprang er bei Rumpenheim in den Main, wurde aber gerettet und entfernte er sich unbekleidet. Die hiesige Polizeiverwaltung bittet um Nach⸗ forschung und um Nachricht. * Mainz, 3. Mai. In einer allgemeinen Buchdruckerversammlung, die heute Vor⸗ mittag im„Schwarzen Bären“ stattfand, waren 180 Gehilfen erschienen. Der Vorsitzende der örtlichen Tarifkommission, Herr Haas, referierte über die Ergebnisse eines an die Buch druckereien gerichteten Schreibens wegen Einführung des neuen in Leipzig vereinbarten Tarifs. Leider hätten, so berichtete der Referent, nicht alle Buch— druckereien zustimmend geantwortet; ein Teil wolle der Einführung des neuen Tarifs erst nähertreten, wenn der gesamte Tarif durchberaten sei, während der andere Teil bereitwilligst zu⸗ gesagt habe. Vom 4. Mai ab werden demnach 98 Gehilfen nach den neuen und 102 Gehilfen nach den seitherigen Lohnsätzen arbeiten. * Mainz, 3. Mai. In der Stadthalle tagte heute unter dem Vorsitz des Herrn Kauf⸗ mann Ludwig Buder-⸗Mainz eine Konferenz der Vorstände der Kaufleute von Mainz, Frankfurt⸗ Darmstadt, Wiesbaden und Homburg v. d. H. (Hanau und Mannheim waren entschuldigt) um über verschiedene wichtige Fragen zu beraten. Auf Antrag von Frankfurt wurde zuerst das „Verbot des Detailreisens“ einer eingehenden Besprechung unterzogen, obwohl dieser Gegen- stand nicht auf der Tagesordnung stand. Herr Vielmetter⸗Frankfurt referierte. Es wurde be⸗ schlossen, den Reichstag zu ersuchen, den Art. 8 der Gewerbeordnungsnovelle in dritter Lesung abzulehnen. Ueber die„Regelung der Post⸗ stunden an Sonntagen“ entstand eine längere Diskussion. Es wurde Klage geführt, daß die Post gerade zu einer Zeit geöffnet sei, in der die Geschäfte geschlossen sein müßten. Die Reichspostverwaltung wird gebeten, den Sonn⸗ tagspostdienst in Einklang zu bringen mit den erlaubten Geschäftsstunden unter Ausschluß der Morgenstunden. Ueber die Errichtung von Schieds⸗ gerichten im Handelsgewerhe sprachen die Herrn Buder und Günther- Mainz, ferner die Herren Vielmetter und Hirschfeld⸗Fraukfurt. Herr Günther teilt mit, daß die Handelskammer Mainz sich bereits mit dieser Frage befaßt und ein Statut ausgearbeitet hat, das demnächst zur Beratung kommen soll. Eine Resolution billigt das Vorgehen der Mainzer und anderer Handels⸗ kammern in Bezug auf die Errichtung von Schiedsgerichten für Kaufleute. Herr Hirschfeld⸗ Frankfurt a. M. berichtet sodann über die Er⸗ richtung von Schiedsgerichten für die Kaufmaun⸗ schaft zur Schlichtung von Differenzen zwischen Prinzipal und Gehülfen; auch hier wird in einer Resolution die Errichtung von Schieds⸗ gerichten befürwortet, doch sollen diese nicht den gewerblichen Schiedsgerichten unterstellt sein. Schmitt⸗Darmstadt erstattet Bericht über die Errichtung eines Kaufhauses der deutschen Kolo— nialgesellschaft in Berlin. Nachdem aber bekannt gegeben war, daß das Kaufhaus vorerst nicht ins Leben treten werde, sprach die Versammlung darüber ihre Genugthung aus mit der Hoffnung, daß das Projekt überhaupt nicht zu Stande kommen werde. Ueber die Offenhaltung der Schaufenster an den Sonntagen entspinnt sich ebenfalls eine längere Diskussion; es werden be⸗ sonders die Verhältnisse in Frankfurt a. M. in — Onkel Ebenso. Von Edgar Reinhold. (Nachdruck verboten.) Otto Will ging brummend und rauchend in seinem Zimmer auf und ab. Dichter Tabaks qualm, den er aus einer langen Pfeife sog und erregt zwischen den Zähnen hervorstieß, umhüllte seine stattliche, für einen Mann von noch nicht ganz dreißig Jahren etwas korpulente Gestalt, die rechte Hand steckte in der Tasche des Hausrocks und zer⸗ knitterte ein zierlich bekritzeltes Kärtchen und auf dem Bodenteppich lag fortgeschleudert ein aufge⸗ schlitzter kleiner Briefumschlag, der Otto's Adresse trug. Von Zeit zu Zeit ließ der zornige Qualmer ein knurrendes:„So'n Blödsinn“ hören. Es war evident, die philosophische Behaglichkeit Otto Will's war gestört worden, ein Beweis, daß der junge Mann sich doch noch nicht, wie er gern behauptete, zu der erhabenen Weltanschauung absoluter„Wursch⸗ tigkeit“ durchgerungen hatte. Momentan wenigstens verstieß er auffallend und gröblich gegen die Grund⸗ prinzipien dieses philosophischen Systems. Die Schuld daran trug, wie immer in solchen Fällen, Otto's Nichte, Else. Diese Nichte war eine richtige Nichte, das heißt, ein Wesen, das in seiner vorwitzigen Respektlosig— keit sich in den Kopf gesetzt zu haben schien, den armen Onkel zu plagen und zu ärgern, wo, wie, immer konnte. Sie war hübsch, diese Nichte Else, sie hatte einen reizenden Blondkopf mit leichtwelligem —— Lippen und strahlenden, blauen Augen; sie war auch klug und voll drolliger Einfälle: aber was ging das Otto Will an! Weibliche Anmut konnte allerdings sein Wohlgefallen erregen, aber Else's drollige Einfälle richteten meist ihre Spitze gegen ihn, und zwar sehr oft unter Schädigung seiner Onkelwürde und Autorität. 5 Für Otto war seine Nichte eine Quelle be— ständigen Aergers gewesen, seit sie das Licht der Welt erblickt hatte. Schon die Nachricht von der Geburt dieser kleinen Verwandten absteigender Linie hatte für ihn ein schmerzhaftes Begebnis zur unmittelbaren Folge gehabt. Otto war damals Quartaner und erbaute sich an den Lebensbeschrei— bungen des Cornelius Nepos. Eines schönen Tages, grade als er sich morgens zum Schulgang rüstete, ward ihm das frohe Famielienereignis und sein Avancement zum Onkel kund. Freudestrahlend stürzte er fort in die Schule, riß die Thür des Klassenzimmers auf und schrie triumphirend: „Jungens, ich bin Onkel geworden!“ Zwei ungeheure Ohrfeigen waren die Antwort auf die Verkündigung dieser frohen Botschaft. In seiner freudigen Erregung hatte Otto nicht bemerkt, daß die„Jungens“ bereits in der weihevollen Andachtsstimmung der ersten Stunde dasaßen und daß der gestrenge Ordinarius schon im Klassen— zimmer sich befand. Otto hatte damals den Faust noch nicht ge— lesen, sonst hätte er in jenem Augenblick schon, wie er später öfter that, des Mephistoles Worte sinn— gemäß verändernd klagend ausgerufen: Haar, ein frisches Gesichtchen mit rosigen, lächelnden „Weh Dir, daß Du ein Onkel bist.“— Als Else dann bereits ihre Zähnchen hatte, und ihr Sprechanismus soweit ausgebildet war, daß sie sich geübten Ohren teilweise verständlich machen konnte, da packte Otto der Ehrgeiz, auch etwas zur Entwickelung der geistigen Fähigkeiten Else's beizu⸗ tragen und ihren Wortschatz zu bereichern. Sie sollte sagen lernen: Onkel Otto. Otto konnte sie schon ganz rein und tadellos sprechen, denn das hatte sie geübt, es war zufällig auch der Name ihres Papas. Das Onkel lernte sie auch bald, aber Onkel Otto, das brachte sie nicht heraus. Der Onkel plagte sich im Schweiße seines Angesichts. „Nun Elschen, sag einmal„Onkel.“ Snell „Und jetzt Onkel Otto.“ Aber Elschen guckte mit ihren blauen Augen verwundert ringsum und schüttelte das Lockenköpfchen. „Sag, Elschen, wie heißt Dein Papa?“ „Otto“, tönte es jubelnd von den herzigen Kinderlippen. „Nun siehst Du, Elschen, ich heiße ebenso. Wie heiße ich?“ „Onkel ebenso!“ lautete die prompte Antwort zum großen Gaudium der versammelten Familie. Else hatte ihren ersten Witz gemacht und ihrem Onkel einen Spitznamen angehängt, der ihn nicht mehr verließ. In der Familie bald auch in der Schule, weiterhin auf der Universität und selbst auch jetzt noch bis in die neueste Zeit hatte Otto seinen „Onkel Ebenso“ an sich haften. Otto war wütend gewesen und er hatte einen heiligen Eidschwur ge— than, sich nie mehr um das„naseweise kleine Ding“ zu kümmern. Aber Else war anderer Meinung gewesen. Sei es, daß ihr der Onkel imponierte, sei es, daß sie schon im Alter von drei Jahren imstande war— wer kann die Tiefen eines weiblichen Herzens ergründen?— jemandem mit Bewußtsein einen Schabernack zu spielen; wo auch immer Else ihrem Oukel begegnen mochte, im Hause ihrer Eltern oder dem der seinen, sie hing sich wie eine Klette an ihn und ließ sich durch un— wirsches Wesen nicht abschrecken. Erblickte sie ihn auf der Straße, dann riß sie sich los von ihrer Begleitung, trollte ihm entgegen mit ausgebreiteten Aermchen und jauchzte:„Onkel Ebenso!“ und die Vorübergehenden schauten sich um und lachten, und der ganze Chorus von Otto's Freunden jauchzte mitbrüllend:„Onkel Ebenso!“ Für Otto war jene Zeit eine Periode der per⸗ manenten Verzweiflung und es linderte seine Stim⸗ mung keineswegs, daß er von verschiedenen Familten— mitgliedern, berechtigten und unberechtigten— zu den letzten rechnete er insonderheit sämtliche Schwestern und Tanten— eindringlich ermahnt wurde, gegen das herzige, kleine Wesen nicht so lieblos zu sein. Empörend aber fand es die ganze Familie, daß Otto, als Elschen ihm eines Abends ihr Mäulchen zum Gute— nachtkuß hinhielt, sich einfach abwandte. Es galt als eine große Auszeichnung, wenn Else, die namentlich von den Tanten vielgeküßte, aus eigener Juitiative ihre Lippen darbot, und diese Ehre zu verschmähen zeugte von einem unverzeihlichen Ge— fühlsmangel. (Fortsetzung folgt.) dieser Angelegenheit einer scharfen Kritik unter⸗ zogen, weil in Frankfurt das Offenhalten von Schaufenstern an Sonntagen, selbst während er Geschäftszeit, nicht erlaubt ist, was doch in Mainz, Wiesbaden und einer ganzen Reihe anderer Stätdte gestattet wird. In einer Reso⸗ lution spricht die Versammlung ihr Erstauuen über diese Zustände, die noch aus einer Magi⸗ stratsbestimmung von 1817 stammen und zu⸗ gleich die Hoffnung aus, daß, wie in den Städten am Niederrhein auch in allen anderen Städten das Offenhalten der Schaufenster gestattet werden möge. Der nächste Konferenztag der Kaufleute oll im August in Darmstadt abgehalten werden. Mainz, 4. Mai. In einem Hause der Zauggasse fand heute Abend um 6 Uhr eine Benzinexplosion in dem Keller statt. Ein u dem Keller befindliches Mädchen geriet in Flam men und sprang die Unglückliche breu— nend auf die Straße, woselbst die Flammen von Straßenpassanten gelöscht wurden. Die Unglück⸗ liche ist derart verbrannt, daß sie mit dem Leben nicht mehr davon kommen wird. Auch der In haber eines Ladengeschäftes Namens Eichmann, der ebenfalls im Keller war, erlitt bedeutende Brandwunden an den Beinen. Vermischtes. — Zellhausen bei Seligenstadt, 4. Mai.(Die Kuh im Bette.) Ein biederes Bäuerlein war vorige Woche ö damit beschäftigt, eine junge Kuh zum Fahrdienst zu bDressieren. Das Vieh aber entriß sich seinem Dresseur i und eilte schnurstracks über eine hohe Treppe in eine von . seinem Herrn gern besuchte Wirtschaft am Dorfende. Der ö ungewohnte Gast stieß Stühle, Tische und Gläser um und zertrümmerte sie. Auch dem anstoßenden Schlafzimmer stattete der saubere Patron einen Besuch ab, überkle' terte ein Bett, aus welchem unmittelbar vorher ein Kind ent⸗ fernt worden war, und machte gute Miene, ohne die Zeche 1 1 beglichen zu haben, durch ein Fenster zu entfliehen. Die Fensteröffnung war indessen nicht weit genug, und so be⸗ 0 schaute sich der unverschämte Wirtshausgast, die beiden Vorderbeine und den Kopf zum Fenster heraushängend, 5 gemütlich die lachende Natur im Frühlingskleide. Lieb⸗ N kosungen aller Art veranlaßten später den vierfüßigen * 9 Zechpreller unter Abgabe seiner Visitenkarte zum friedlichen 5 RNRückzuge, nachdem sein Gebieter für ihn als Schuldner 1 für die bedeutende Wirtsrechnung eingetreten war. 115— Unschuldig verurteilt. Ein an eine Dame in Iserlohn gerichteter Brief wurde im vorigen Jahre 1 Bemerkungen versehen, an seine Adresse. Der früh ere Postgehülfe M. aus Iserlohn wurde im Verfolg dieser Angelegenheit wegen Verletzung des Briefgeheimnisses von Gefängnis der Hagener Strafkammer zu 15 Monaten' verurteilt. Die Verurteilung geschah auf Grund der Aus⸗ sagen des Schreibverständigen Sommer zu Iserlohn. Die vom Angeklagten eingelegte Revision wurde verworfen, er setzte jedoch das Wiederaufnahmeverfahren durch. In der neuen Verhandlung vor der Hagener Strafkammer bekun⸗ deten zwei neue Schreibsachverständige, Dr. Jeseritz(Berlin,) und R. Henze(Leipzig), daß der Angeklagte nicht mit Bestimmtheit als der Schreiber der inkrimmitierten Bemer⸗ kungen bezeichnet werden könne. Es erfolgte nunmehr die Freisprechung des Angeklagten der bereits ein Jahr im Gefängnks zugebracht hat. — Viel Lärm um nichts. Aus Insterburg be⸗ richtet die„Königsberger Allgemeine Zeitung“ vom 27. v. M.: Gestern Vormittag ging den Gemeindevorstehern des Kirchspiels Judtschen eine Ordre mit entsprechenden Plakaten von dem Bezirkskommando Gumbinnen zu, wonach die Heerespflichtigen sich im Falle einer Mobil⸗ machung sofort in Gumbinnen zu stellen haben. In irr⸗ thümlicher Auffassung ihres Auftrages beorderten die Ge⸗ meindevorsteher sofort die Reservisten und Landwehrmänner nach Gumbinnen. Diesem Befehle haben diese sämmtlich Folge gegeben. Ein Besitzer in Wischlecken, einem Gut von ca. 500 Morgen, behielt auf seinem Hof nur einen Hirten und einen Instmann. Die Leute kehrten aber, nachdem sie sich in Judtschen gehörig gestärkt hatten und dort eines Besseren belehrt worden waren, in ihre Heimath zurück. Auf dem Bahnhof in Judtschen hatten sich ca. 100 Reservisten und Landwehrleute versammelt. Viele Abschiedsthränen sind am vergangenen Sonntag geflossen, die aber Abends nach der Rückkehr der Krieger schnell wieder getrocknet wurden. — Die Hinrichtung eines Deutschen wird aus Neu⸗Orleans gemeldet. Es ist dies ein junger Mann Namens Schneider, der aus Stein am Rhein gebürtig ist. Er hat einen Schankkellner ermordet, dessen Braut zu töten versucht und den Hilfssheriff Duggan umgebracht. Erstere Blutthat wurde mit Eifersucht motiviert, für letztere fehlt ein wirklicher Beweggrund. Alle Bemühungen ein⸗ flußreicher Deutscher, wie des Richters Heidenhain, des deutschen Konsuls u. s. w., um Umwandlung der Todes⸗ in Zuchthausstrafe wurden abgewiesen, obgleich Schneider von mehreren Sachverständigen für unzurechnungsfähig ge⸗ halten wurde. Hunderttausende werden weggeworfen durch unzweckmäßige Abfassung von Annoncen und durch Benutzung ungeeigneter Zeitungen. Ein Inserat muß nicht allein sachverständig und treffend abgefaßt sein, sondern es ist auch der Leserkreis der Zeitungen in Betracht zu ziehen. Auf dem weiten Felde des Zeitungswesens wird erfahrenen und zuverlässigen Rathgebers be⸗ dürfen, um sein Geld nutzbringend anzulegen und mit einiger Sicherheit Erfolge zu erzielen. Ein berufener Führer ist die älteste Annoncen⸗Expedition Haasenstein u. Vogler, A. G., Frankfurt a. M. Vertreten in Gießen durch Gustav Wohlmuth, Seltersweg. 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Trotz der offiziösen Dementis ist der Rücktritt des Statthalters Grafen Kielmannsegg beschlossene Sache. Als dessen Nachfolger wird der Sektions⸗Chef Graf Latour, ein Klerikaler, genannt. Hd. Troppau, 5. Mai. In der Näbe von Kunzendorf schlug ein Boot um, welches über die hochangeschwollene Ostrawitza fahren wollte. Von den 14 Insassen sind 4 ertrunken. Hd. Paris, 5. Mai. Die konserva⸗ tiven Blätter konstatieren die Fort⸗ schritte der Sozialisten, bemerken jedoch, daß mehrere Gemeinden das Joch der Revolution abgeschüttelt haben. Hd. Paris, 5. Mai. Wie aus Agaccio ge⸗ meldet wird, haben in mehreren Ortschaften Corsikas Ruhestörungen stattgefunden, und zwar anläßlich der Gemeindewahlen. Die repu⸗ blikanischen Wähler gerieten mit ihren politischen Herren in Streit, zerstörten das Mobiliax des delten die Mitglieder des Bureaus. Zahlreiche Personen wurden verhaftet. Hd. Brüssel, 5. Mai. In der letzten Nacht wurde hier ein früheres Mitglied der Polizei verhaftet unter dem dringenden Verdacht, die Baronin Herry ermordet zu haben. Hd. London, 5. Mai. Courzon erklärte gestern Abend im Unterhause, daß die Regierung zunächst die Nachrichten des englischen Vizekonsuls in Boma abwarten wolle, bevor sie eine Erklärung über die Freisprechung Lothaires abgeben werde. Hd. London, 5. Mai. Neueren Mitteilungen zufolge wurde der Schah knieend in der Moschee erschossen und war sofort tot. Die Leiche wurde rasch nach Teheran gebracht, wo das Ereignis längere Zeit verheimlicht wurde. Das Begräbnis findet erst nach Ankunft des Thronfolgers statt. Hd. Madrid, 5. Mai. Ministerpräsident Sagasta erklärte, daß er in der Cortes die Not⸗ wendigkeit politischer Reformen für Cuba nach⸗ weisen und unterstützen werde. Er erklärte ferner, daß der Krieg auf Cuba Spanien all⸗ 19 1 5 10000 Mann und 500 Millionen Pesetas oste. Marktpreise. Gießen, den 5. Mai. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter per Pfund 80—90, Hühner⸗ eier 2 Stück 9— 10, Enteneier 6, Gänseeier 14—00, Käse 5—11, Käsematte 3, Erbsen per Liter 17, Linsen 30 Pfg., Tauben p. Paar 80— 100 Pfg., Hühner p. St. 1.30— 1,50, Hahnen 1,40— 1,80, Enten 1,80,—2 Mk., Gänse per Pfund 00-00, Ochsenfleisch 70— 74, Kuh- und Rindfleisch 66 bis 68, Schweinefl. 50—66, Schweinefl., gesalz. 70— 72, Kalbfleisch 54— 56, Hammelfleisch 60— 70, Kartoffeln per 100 Kilo 4— 4,50, Zwiebeln per Zentner 6 8,00 Mk., Milch per Liter 16 Pfg. Sterbefälle. Am 3. Mai Elisabethe Weimer, geb. Schmitt, 31 Jahre alt, Ehefrau von Schachtmeister Heinrich Weimer zu Waldgirmes. Gestorben in der neuen 1 75 Die Leiche wird nach der Heimat ver⸗ racht.. Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Re⸗ dakteur: Wilhelm Sell, Druck von E. Ottmann, beide in Auubefugter Weise geöffnet und gelangte, mit unflätigen sich der Laie nicht leicht orientieren und deshalb eines Wahlbureaus, zerrissen die Listen und mißhan⸗ Gießen. 1 41————*— 0——— r——.— 98 F ch Mein Geschäft befindet sich von nun an 599 Bekanntmachungen. 16 Selters 16 eoraq Koch 3 Die Abhaltung der am 7. und 26. l. M. Se ersweg. ö 7 1 zu Grünberg, am 12. und 13. l. M. zu Gießen 1 stattfindenden Märkte wird unter folgenden Karl Geismar, Uhrmacher, 11 Bedingungen gestattet: 22 5 8 5 0 1. Für den Auf- und Antrieb ist den An⸗ Uhrmacher. Neue Bäue 5(Kühlen Grund) 3 1 n e e gemäß je offeriert 1 1 eine bestimmte Stelle zu schaffen. 5 goldene Herren- Remontoir- 5 2 Auf den Markt dürfen nur Tiere aus 50 Mark an, goldene Dane e unverseuchten Orten des Großherzogtums Hessen, Tiere von Händlern aber nur dann, wenn sie mindestens 7 Tage in unverseuchten hessischen Orten in seuchenfreiem Zustande zu⸗ gebracht haben, aufgetrieben werden. 3. Außer der Kontrolle der Ursprungszeug⸗ nisse hat selbstverständlich auch die tierärztliche Besichtigung der Tiere vor dem Auftrieb zu erfolgen. Zu Nauborn, Kreis Wetzlar, ist die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Gehöftsperre angeordnet worden Zu Aßlar, Kreis Wetzlar, ist die Maul⸗ und Klauenseuche erloschen und sind die angeordneten Sperrmaßregeln aufgehoben worden. Städt. Schlachthaus Freibank. Heute und morgen 2 5 von Wilh. Hamel, Gießen, Bleichstr. 7. Ligene Reparatur-Werkstätte Größte Auswahl in Fahr⸗ . und, Reserveteilen.. 2 8 e,. — von 2s Mark an, silberne Herren- kemontoir-Uhren mit Goldrand von 16 Mark an, silberne Damen- Remontoir- 1 PUnren mit Goldrand von 18 Mark an, Stahl- nnemontoir-Uhren von 15 Mark an, 1 Niekel- Remontoir-Uhren von 10 Mark an, Wecker, in allen Lagen gehend, von 3 Mark an D Regulateure mit Sehlagwerk b von 12 Mark an. Für den guten Gang einer Uhr leiste ich 2 Jahre reelle Garantie. 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