„Verantw. U. simaan, bebe l geht. Uhr, Cuch, 1 uckskin 9 chen und Fabrikqten. 9 al: zige bis zur J Bucksß in. — E am Teichhause. fab6 50 — paratur elnel br 2 Taschenuhr 22 eine Taschen 0* ö 0,10 0 as 030 1 e Uhr ein gahr kat 1 ö Hoch sachet, 5 züue 50 imu elweln 111 apft mold vapass, ibkabs 0. 7 late 05 9 gls Jelteres 1 9 0 1 I. Gießen, Dienstag, den 5. Mai 1896. 9 le Ausgabe Gießen. adeszeitung — Redaktion: 14 Kreuzplatz Nr. 4. Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. 5 Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Zspaltige Petitzeile. 2 2 Expedition: Kreuzplatz Nr. 4. 8 —— Lokales und Provinzielles. * Gießen, 4. Mai. Das Krauße⸗Konzert stern Nachmittag in Steins⸗Saalbau war trotz r überaus günstigen Witterung sehr gut be⸗ 105 Herr Schwarz erfreute die Hörer durch Piston⸗Solo, während die Herren Christel und Hoffmann auf 2 Piccoloflöten„Die beiden Finken“, komponiert von Kling, zum Besten aben. Musikdirektor Krauße war genötigt, in olge des Beifalls, den seine Kapelle fand, ein⸗ zelne Märsche als Einlagen spielen zu lassen. * Gießen, 6. Mai. In der Nacht vom Samstag auf Sonntag gegen 1½ brach in dem u den Tiefenweg stoßenden Nebengebäude des Kuses Neustadt 11 Feuer aus und griff so heftig um sich, daß die Bewohner desselben(2 Fami⸗ lien) sich in größter Lebensgefahr befanden. ieselben mußten teils unbekleidet durch die ster gerettet werden, da der Treppenbau in mmen stand. Die Feuerwehr war verhältnis— 5 rasch zur Stelle, allein es erforderte viel eit und große Wassermengen, um des Feuers in dem alten Holzgebäude Herr zu werden. Schon war die Feuerwehr abgerückt, als sich das Gebälk und das Dachwerk des Hauptgebäudes infolge des starken Luftzuges wieder entzündete, und mußte dieselbe nochmals zur Brandstelle ellen. Den Umständen nach liegt Brandstiftung bor, jedoch haben die bis jetzt gemachten Er⸗ hebungen ein bestimmtes Resultat bezüglich des andstifters nicht ergeben. Die eine Familie t ihr Moboiliar versichert, während die Ver⸗ Kerungs Bolte der anderen am 1. April ab⸗ gelaufen war und eine Erneuerung bis jetzt 1 stattgefunden hat. Es ist mithin fraglich, ob eine Vergütung stattfinden muß. * Gießen, 4. Mai. Jufolge des heftigen turmes, der in den letzten Tagen wütete, mehrfache Beschädigungen an Häuser Ul.. w. vorgekommen. Auch unser alter Heiden⸗ turm hat dabei leiden müssen. In der Nacht im Samstag zum Sonntag büßte er die Wetter⸗ ne ein. Schöner ist der Heidenturm durch diese Einbuße nicht geworden. * Bad Nauheim, 3. Mai. Die erste Kurliste ist ausgegeben worden. Bis zum 29. April sind 341 Fremde angemeldet worden. Die Zahl der Aerzte ist auf 23 gestiegen. Die Kur⸗ kapelle spielt täglich morgens von 7½—8½ Uhr an dem Kurbrunnen, nachmittags von 3 bis 6 Uhr— bis die Kurhausterrasse hergestellt ist Das Großh. Kurhaus⸗ Theater wird am Montag, den 11. Mai, unter Mitwirkung von Mitgliedern des Herzogl. Sachsen⸗ Meiningischen Hoftheaters(Direktion Hofschau⸗ spieler C. v. Maixdorff) eröffnet. * Londorf, 3. Mai. Bei der Wahl eines Bürgermeisters erhielten der bisherige Bei⸗ eordnete Aumann 62 Stimmen, Kaufmann raun 36, Fr. Deuber 32 und Postverwalter Kammer 6 Stimmen. Somit hat die Stich— wahl zwischen Braun und Aumann stattzu⸗ fin den. Aus dem Kreise Alsfeld. Im vor⸗ jährigen Frühjahre wurde der Wintersamen (Raps) durch schwarze Käferchen, welche die kaum aufgegangenen Blüten zerfraßen, größten— theils vernichtet. Diese Käferchen traten in den Rapsfeldern so massenhaft auf, daß oft 3 bis 5 Stück in einer einzigen Blüte anzutreffen waren. Man nannte diese Käferchen schwarze Erdflöhe, mit denen sie jedoch nichts gemein hatten, und staunte über ihr Erscheinen, da sich niemand an ein solches Vorkommnis aus früheren Jahren erinnern konnte. Mit dem Eintritt wärmeren Wetters verschwanden die Rapsfeld⸗ zerstörer ebenso plötzlich, wie sie gekommen. Im jetzigen Frühjahre treten diese gefährlichen Rapsfeinde wieder auf. Schon haben sie die noch in den Knospen sitzenden Blüten des Rapses massenhaft besetzt und die zu er— wartende Rapsernte fällt wieder der Vernichtung anheim. Die kalten Reifnächte, wie wir seither einige gehabt, scheinen ihnen nicht im geringsten zu schaden, da sie nach denselben noch ebenso zahlreich zu erblicken sind. Gerade in diesem Frühjahre versprach der Wintersamen, der bei dem gelinden Winter sich vortrefflich erhalten hatte, das beste Ergebnis. Nun wird diese Hoffnung des Landwirts wieder größtenteils zu nichte gemacht. Wer zu schätzen weiß, welche Rolle das Rapsöl in einer landwirtschaftlichen Familie jahraus jahrein spielt, der kann den mit der Zerstörungsarbeit des Käfers eingetretenen Schaden ermessen. Neben ihm wird auch der Imker in Mitleidenschaft gezogen, da in hiesiger Gegend die Rapsblüte für die Bienen die Haupt⸗ tracht des Frühlings bildet. * Neu⸗Ülrichstein, 1. Mai. Im heutigen Termine hatte die Arbeiter⸗Kolonie 46 Kolonisten, davon 11 aus dem Großherzogtum, 7 aus dem Reg. ⸗Bez. Cassel, 5 aus dem Reg.⸗ Bez. Wiesbaden. Der Beschäftigung nach waren es 24 Arbeiter, je 3 Kaufleute und Bäcker, je 2 Kürschner und Kappenmacher, Maurer, Schneider, Schuhmacher u. s. w. Die Mehrzahl, 15, war zwischen 50 und 60 Jahre alt; ledig waren 37. In Arbeit durch die Kolonie wurden 5 Personen, auf eigenen Wunsch 27 entlassen. Im Monat April zählte man 1462 Arbeitstage. Die Anstalt hat seit ihrem Bestehen 3042 Kolonisten auf⸗ genommen. 7 Aus dem Kreise Lauterbach, 30. April. Auf Anordnung des Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz werden sowohl in hie⸗ sigen wie in andren Kreisen der Provinz Ober⸗ hessen Ermittlungen über die Lage der Hand⸗ weberei insbesondere der Leinen weberei im Vogelsberge angestellt. Zweck der Erhebungen ist die Frage über das Bedürfnis zur Errichtung einer Webeschule in Lauterbach. Die Erhebungen werden sich hauptsächlich erstrecken über die Hand⸗ weberei als Haupt⸗ wie als Nebenerwerb auf die Art der Webwaren(bessere Leinen, Gebilde, Damaste, Bettzeuge, glatte und Halbleinen, ordi⸗ näbe Weberei, Packtuch, Putzlumpen), über die Höhe des Arbeiterverdienstes im Zeit⸗ und Stück⸗ lohn, die durchschnittliche Jahresproduktion, die Dauer der Handweberei während des Jahres oder eines Teils desselben, sowie über etwaige Hilfskräfte, beschäftigte Familienangehörige und dergleichen mehr. * Darmstadt, 3. Mai. Der Professor der Maschinenbaukunde an der Technischen Hochschule Ernst Reichel ist als Nachfolger Reuleaux an die Technische Hochschule zu Charlotten-⸗ burg berufen worden. Professor Reichel wird dem Rufe Folge leisten. Darmstadt, 3. Mai. Prinz und Prinzessin Ludwig von Battenberg trafen gestern Nachmittag, von Malta kommend, hier ein. Sie reisen mit dem großherzoglichen Paar zu den Krönungsfeierlichkeiten nach Moskau ab. *Darmstadt, 2. Mai. Der Gesetz⸗ gebungs-Ausschuß der 2. hessischen Kammer hat den von der Regierung vorgelegten Gesetz⸗ entwurf, betreffend die Polizei, beraten und zur Berichterstattung dem Abgeordneten Metz⸗ Gießen übertragen. Der von demselben für die 2. Kammer erstattete Bericht wird in den nächsten Tagen dem Druck übergeben und dann zur Ver— teilung gelangen. * Darmstadt, 3. Mai. Oberlandesgerichtsrat Pickel wurde zum Ministerialrat ernannt, Land⸗ gerichtsrat Pr. Zimmermann zum Oberlandes— gerichtsrat befördert. Staatsanwalt Dr. Buff wurde zum Landrichter, Amtsrichter Dr. Stein zum Staatsanwalt in Darmstadt ernannt. * Darmstadt, 3. Mai. Der Kabinetts bibliothekar Dr. Hermann Sahl, früher Kabinetts⸗ sekretär der Königin von England ist gestorben. * Offenbach a. M., 29. April. Der Vorstand des Vereins für Ferienversorgung kränk⸗ licher Offenbacher Schulkinder hilfsbedürftiger Eltern schreibt der„Offb. Ztg.“ u. a. über seine Thätigkeit im Jahre 1895: Im vorigen Jahre haben wir 244 bedürftigen Schulkindern(134 Mädchen und 110 Knaben) eine 25tägige Ferien⸗ pflege durch Milchkur gewähren können und 43 kränkliche Schulkinder(21 Mädchen und 22 Knaben) zum Gebrauch einer 3ö5tägigen Sool⸗ badkur teils in das Elisabethhaus nach Nauheim, teils in das Viktoriastift nach Kreuz⸗ nach geschickt. Außerdem hat die Stadt Offen⸗ bach 20 kränkliche Kinder(8 Knaben und 12 Mäd⸗ chen) nach Nauheim geschickt, so daß im vorigen Jahre im ganzen 63 bedürftige skropulöse Offen⸗ bacher Kinder eine Solbadkur genossen haben. — Worms, 30. April.(In Lebensgefahr) befand sich am verflossenen Montag der 23 Jahre alte Maschinist einer hiesigen Bierbrauerei infolge Einatmung von Ammoniak. An dem Compressor war plötzlich der Deckel geplatzt, infolgedessen der Ammoniak entströmte. Der in dem Raum beschäftigte Maschinist konnte noch auf Händen und Füßen kriechend das Freie erreichen, wo⸗ selbst er bewußtlos liegen blieb. Zufällig war ein Kollege in der Nähe, welcher veranlaßte, daß eln Arzt und sonstige Hülfe alsbald zur Stelle gerufen wurde; es wurden sofort Wiederbelel ungsversuche angestellt, welche auch von Erfolg begleitet waren, so daß der Mann bald wieder zu sich kam und sich jetzt außer Lebensgefahr befindet. Mainz, 3. Mai. Der Verein Mainzer Kaufleute hatte vor Jahressrist sich in einer Ein⸗ gabe an das Ministerium in Darmstadt gewandt, mit dem Ersuchen, die Handhabung der Sonntagsruhe in den offenen Laden⸗ geschäften in Rheinhessen einer einheitlichen Regelung zu unterziehen. Einer Deputation des Vereins erwiderte der Minister damals in einer Audienz, daß die Regierung nicht abgeneigt sei, sie wolle jedoch vorher Erhebungen anstellen, inwieweit sich diese Regelung mit der Handhabung der 1 in den angrenzenden Nachbar⸗ staaten in Einklang bringen lasse. Das Mini⸗ sterium des Innern und der Justiz hat nunmehr laut einem vom 27. April datierten Schreiben eine Entschließung gefaßt und das Kreisamt beauftragt, die Bürgermeisterei Mainz aufzu⸗ fordern, sich mit der Handelskammer und dem Vorstand des Vereins Mainzer Kaufleute zu benehmen, inwieweit eine andere Festsetzung der Verkaufsstunden für alle oder die besonders ge⸗ schädigten Handelsgewerbe angebracht erscheine. Das Ministerium ersucht dabei, den vom Verein Mainzer Kaufleute gemachten Eventualantrag, die Verkaufsstunden unter Wegfall der Früh stunden jahraus, jahrein in die Stunden zwischen 10% und 2 Uhr zu verlegen, bei der Beratung in Erwägung zu ziehen. Vermischtes. Wiesbaden, 30. April. Der König von Dänemark trifft Anfang Juni zu längerem Kuraufenthalte hier ein. — Mannheim, 30. April. Von den Bierbraue⸗ reien in Speyer ist beim hiesigen Landgericht ein Prozeß anhängig gemacht worden, der sich gegen den Direktor der Mannheimer Eichbaumbrauerei Edmund Hoffmann richtet, welchem von den Speyerer Brauereien der Vorwurf ge⸗ macht wird, daß er den Bierbrauer-Ausstand in Speyer und den Boykott über das Speyerer Bier veranlaßt habe. Die Speyerer Bierbrauereien verlangen als Schaden⸗ ersatz von Direktor Hoffmann zunächst 150 000 KA. — Lotto um ein Mittagessen. Auf meinen Wanderungen lenkte, so erzählt ein Besucher von Paris, in einem krummen, schmutzigen Gäßchen des Faubourg St. Marceau der Anblick eines seltsam elenden Hauses meine Blicke auf sich, denn eine über der Thür stehende Aufschrift reizte meine Neugierde. Sie hieß:„Auf Gabelglück ein Mittagessen für fünf Centimes.“ Rasch eutschlossen trat ich ein, gewahrte aber weder ge⸗ deckte Tische noch sonstige Speisehaus⸗Einrichtungen. Da⸗ gegen bemerkte ich in einer Nische einen Tritt, zu dem zwei Stufen hinaufführten. Dort brodelte in einem gewal —————x — s' Sarners Tonele. Ein Tiroler Geschichtchen von Arthur Achleitner. (Nachdruck verboten.) Eines der landwirtschaftlich interessantesten Thä⸗ ler Tirols ist das Sarnthal, das sich am Fuße des steil abstürzenden Felskegels, der die altberühmte Veste Runkelstein trägt, nördlich zieht und durch seine wildromantischen Partien, durch eine gigantische Schlucht, das vielbesuchte Wanderziel von Malern und Touristen geworden ist. Mühsam sucht die tosende, weitschäumende Talfer den Weg durch die Felswildnis nach Bozen, vorbei an alten Burgen und Schlössern mit ihren mittelalterlichen Erinnerungen. Alle Reize des Hochgebirges drängen sich im untern Teile des Saruthals zusammen: wildgeformte Felsen, epheuumsponnene Wände, rau⸗ schende Sturzbäche, schwindelerregende Brücken, Burgruinen, erust aufragende Türme aus grauer Vorzeit, Tobel an Tobel und daun wieder lachendes Grün üppiger Wiesen, Gotteshäuser auf Felskegeln luftig hingebaut, wildschöne Einschnitte in die Porphyrformation: die richtige Bergromantik mit all ihrem Zauber und ihren Schrecken, wenn die Wut der Elemente entfacht ist und der südliche Himmel seine verderbendräuenden Schleusen öffnet. Der Wanderer stößt vielfach auf alte Erinnerungen in diesem herrlichen Thal; im idyllischen Dorf Sarnthein soll Aeneas Sylvius Piccolomini, der spätere Papst Pius II., wohlbestallter Pfarrer ge⸗ Mien sein, der 1450 die dörfliche Pfründe mit der 2 itra von Siena vertauschte und acht Jahre später auf dem heiligen Stuhl zu Rom das durch die Konzilbeschlüsse zu Basel erschütterte päpstliche Au⸗ sehen wieder zu befestigen versuchte. Die Erin- nerung an den Sarner Pfarrer⸗Papst hat die Be⸗ ebenso wenig abgehalteu, im 16. Jahr⸗ hundert sich den Widertäufern anzuschließen, als die Judifizierung des Irscher Bauern, der für die neue Lehre den Tod durch das Rad erlitt. Wie der Sarner Volksmund erzählt, ist Andreas Hofer durchaus nicht in Mantua erschossen worden, er lebt vielmehr in der sogenanten Sarner Scharte und wird wiederkommen, wenn es mit Oesterreich soweit gekommen sein wird, daß der Kasser mit seinen letzten zwei Soldaten durch den Kuntersweg hereinzieht, geschlagen von Wälschen! Die Sarner Männerwelt wird gerühmt ob ihrer Größe, Stattlichkeit und der schlagfertigen Zunge wegen. Mundfaul sind die Sarner keineswegs, das hat im Jahre 1893 eine Sarner Deputation sogar dem Kaiser zu Junsbruck gegenüber bewiesen, als die herkulischen Sendboten um einen Staats- zuschuß zum Bau der 1891 durch einen furcht— baren Wolkenbruch verwüsteten Straße baten. Der Monarch betrachtete sich die strammen Sarner wohlgefällig und riet ihnen, die Bitte schriftlich einzubringen. Der Sprecher der Deputation das hören auf den Kaiser zugehen und sagen:„Sell han i scho im Sack, Herr Koaser!“ war Eins, und ehe der überraschte Monarch noch aufgucken konnte, hatte der Sarner ihm das Bittgesuch schon urkräftig in die Hände gedrückt. Der berühmteste Saruer ist jedoch das Tonele der Wirt am Zoll im Sarnthal, Anton Pircher von Sand, der schweigsame, originelle Alte, der seit etwa zwanzig Jahren am Zoll haust und ein Kauz sondergleichen geworden ist. Wenn jeder Tiroler Wirt es gerne sieht, daß Gäste den vor gesetzten Röthel vertilgen, je mehr desto besser, s' Tonele hält es auders. Wohl verabreicht er jeden zusprechenden Gast einen Halbliter Wein gegen Barzahlung, doch keinen Tropfen mehr! Und das Motiv? Der hochoriginelle Alte will jeglichem Unglück vorbeugen; nach seiner Ansicht ist der Marsch durch die Schlucht längs der wilden Falser mit unsichern Beinen und weinschwerem Kopf lebens— gefährlich, und Tonele will keine Schuld au solchem Unglück haben. Nach seiner Auffassung kann jeder wohl eine Halbe Wein„derpacken, ohne betrunken zu werden, mehr jedoch ist vom Uebel und wird unter keinen Umständen verabreicht. Möglicher— weise spielt hierin auch der Umstand, daß Toneles Weib bei Lebzeiten dem Rebensaft nicht feindlich gewesen ist. Als wegen des Straßenbaues im Sarnthal eine Kommission von Bozen auch ins Zollwirtshaus kam und einige Beamte ziemlich herrisch vom Tonele Wein verlangten, paffte der Kauz ruhig an seinem kurzstieligen Merauer Pfeifchen weiter, verzog aber keine Miene und ließ die Herren völlig unbeachtet. J umer dringender wurde Wein und Atzung ver⸗ langt, ja dem Alten scharf befohlen, aufzutragen, was sich vorfinde in Küche und Keller. Tonele be⸗ trachtete sich den Chef der Kommission, doch rührte er sich nicht und rauchte gelassen weiter. Die Situation ward geradezu kritisch, da verfiel einer der Beamten auf den richtigen Gedanken, den Tounele um Wein und Atzung zu— ersuchen, statt zu fordern, und augenblicklich war Tonele jetzt dazu bereit. Jeder der Herren bekam seinen Halbliter Wein und eine getrocknete Wurst, nur der Chef er— hielt nichts. Wütend brauste dieser auf, drohte mit Anzeige, Konzessionsentzug und dergleichen. Tonele aber blieb steinruhig und sagte dem gestrengen Herrn gelassen ins Gesicht:„Thu', was Du magst, Du kriegst nix!“ Alles Zureden blieb vergeblich und der Kammissionschef weinlos. Noch schöner ward die Situation indes, als die Sarnthal kam und mit ihrer Begleitung bei Tonele um Wein und Brot vorsprach. Weil darum höflich ersucht wurde, brachte Tonele bereitwillig, doch wie immer wortkarg das Gewünschte, für die Erzher— zogin genau so einen Halbliter wie für die Hof— damen ud den begleitenden Kavalier. Der lachen⸗ den Mundes vorgebrachte Protest über das zu große Quantum hatte nicht die geringste Wirkung, Tonele erklärte im schönsten Sarner Deutsch, daß die Weibele die Halbe schon„verpacken“ würden, mehr gäbe es auf keinen Fall. Auf die Mitteilung des Hoflakaien, daß die blonde Dame die Kronprinzessin-Witwe sei, reagierte Tonele absolut nicht, dampfte aus seiner Pfeife ruhig weiter, bis die hohe Frau zu zahlen wünschte. Sie reichte dem Alten eine Fünfgulden⸗ Note mit dem Bemerken, daß er den Rest für sich behalten könne. Gelassen, aber sehr bestimmt verweigerte Tonele die Annahme des Geldgeschenkes, berechnete die Zeche altgewohnt wie für jedermann und zählte den Rest auf den Tisch mit den Worten:„J dank für die Zech'— kauf Dir a ganzes Kload!“ Erst ob dieser Aeußerung verdutzt, lachte sowohl die hohe Frau wie ihre Begleitung herzlich über diese Mahnung des Tonele, der die ausgeschnittene Robe der hohen Frau für einen— Kleidermangel gehalten. Die wenigen Haarbüschel auf Toneles interessantem Kopf sind völlig weiß geworden, doch der Alte ist sich gleich geblieben trotz des gewachsenen Verkehrs auf der neuen Sarnthaler Straße. Ob er sein Prinzip der Herausgabe nur einer Halbe Wein auch in der neuen Zeit, im Zeichen des neuen Verkehrs aufrechterhalten wird?—— 06 1 0 1 1 1 5 1 4 24 1 58 155 10 * 120 5 1 1 tigen Kessel. Er war bis zum Rande mit einer schwärzlich⸗ braunen Flüssigkeit gefüllt, welche man mir auf meine Frage Eine alte Frau saß daneben und rührte darin herum. Ich fand es für gut, die Ent⸗ wicklung des angezeigten„Fünf⸗Ceutimes⸗Essens“ abzu⸗ Meine Geduld wurde aber auf keine zu lange Ein Blusenmann trat ein, bestieg die als Hasenragout bezeichnete. warten. Probe gestellt. hat sich wesentlich ge— Erzherzogs Karl Ludwig itlich ge und dürfte in bessert. Derselbe ist fieberfrei 14 Tagen das Bett verlassen. Hd. Paris, 4. Mai. Auf die 80 Sitze des Pariser Gemeinderats wurden gewählt: 14 Konservative, 20 gemäßigte Hd. Rom, 4. Mai. Infolge der Ent⸗ hüllungen, welche die Grünbücher gegen Crispi und seine Anhänger enthalten, ist die Stellung Rudinis konsolidiert. Hd. Brüssel, 4. Mai. Der„Soir“ ver⸗ öffentlicht die Freisprechung Lothaire's wie folgt. Es ist diese Freisprechung mit der großen Ent⸗ bindungen mit allen Organen der Zeitungspresse des In⸗ und Auslandes geführt hat, ist sie mit ihren zahlreichen Zweighäusern und Agenturen vorzugsweise in der Lage, dem inserirenden Publikum sich in jeder Weise nützlich zu machen. Alle Aufträge werden prompt und billigst aus⸗ geführt, da nur die Originalzeilenpreise der Zeitungen berechnet werden, und kommen auf diese Preise bei belang⸗ reicheren Aufträgen noch die höchsten Rabatte in Abrech⸗ Erhöhung, legte der Wirthin fünf Centimes hin und empfing dagegen von ihr eine riesige Gabel. Auf gut Glück stieß er diese in den Kessel, zog sie alsdann wieder heraus, doch leider— sie war leer. Aufs neue gab er fünf Centimes, wiederholte deu Versuch, abermals mit demselben Unglück. Mit einem Fluche verließ er das Zimmer. Jetzt begriff ich Alles: Es war ein Lotto, worin gegen den Einsatz von fünf Centimes ein Mittag⸗ essen gewonnen werden konnte. Um das Verhältnis der Treffer zu den Nieten zu prüfen, näherte ich mich dem Kessel, zahlte den Einsatz und brachte die leere Gabel, wie mein Vorgänger heraus. Siebzehnmal wiederholte ich das Spiel vergeblich. Beim achtzehnten Mal endlich blieb eine undeutliche Fleischmasse an den Zinken hängen, welche die Wirtin für einen halben Hasen erklärte. Ich erhielt nun dazu einen Teller, Sauce und Brot, verzichtete aber auf den Genuß meines Gewinns und überließ denselben einem Armen. Eine Zeit lang sah ich dem Schauspiel noch zu; denn es kamen viele hungrige Thoren, um ihre Centimes zu verschleudern und wie der Marder vor dem geschlossenen Taubenschlage abzuziehen. Neueste Telegramme. Hd. Wien, 4. Mai. Der neue Schah, Muzaffa Eddin Mirza, depeschierte dem hiesigen Hofe offiziell seine Thronbesteigung und beließ den hiesigen Gesandten in einer persönlich unter⸗ schriebenen Depesche auf seinem Posten. Hd. Wien, 4. Mai. Das Befinden des oder radikale Republikaner, 18 Sozia⸗ listen. Außerdem haben 28 Stichwahlen stattzufsinden. In Marseille wurden die Sozialdemokraten gewählt. Stichwahlen haben stattzufinden in Lyon, Bordeaux, Lille und Toulon. Zahlreiche Wahl⸗ resultate sind noch unbekannt. Die Zahl der vorzunehmenden Stichwahlen ist sehr beträchtlich. Hd. Paris, 4. Mai. Der Baron von Mackau⸗ einer der einflußreichsten Führer der Monarchisten, erklärte, er habe weniger für das Kabinett Meline, als gegen Bourgeois gestimmt. Sollte eine Auf⸗ löfung der Kammer erfolgen, so würden die Konservativen für die Ordnungsparteien und gegen die Revolutionäre sowie gegen Entfaltung der rothen Fahne stimmen. Dupuy erklärte, das Kabinett Meline müsse sich auf die Konser⸗ valiven stützen, um die Sozialisten zu besiegen. Dies sei nicht beschämender für Meline als die Stütze, welche Bourgeois bei den Sozialisten sucht. Hd. Paris, 4. Mai. Gestern fanden im 9. und 11. Wahlkreise antisemitische Kund⸗ gebungen statt. Etwa 2000 Personen durch— zogen die Straßen unter den Rufen: Nieder mit dem Senat. Es lebe die Kommune, es lebe die Sozialdemokratie. Polizei sprengte die De⸗ monstranten auseinander. — ͥͤ— 8— 0.* Bekanntmachung, Submissionen. betreffeud Beitreibung der Notstandsgelder. Die zur Herstellung von dem äußeren Verputz an dem Gemein Im Auftrag des Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz bringen wir hiermit zur Kenntnis der Juteressenten, daß sämmiliche im Rückstande befindliche Schuldigkeiten für im Notstandsjahr 1893,94 durch Vermittelung der Notstandskommission bezogene Waaren, soweit diese Schuldigkeiten von Großberzogl. Ministerium nicht ausdrücklich weiter gestundet worden sind, bis spatestens zum 13. Juni d. J. mit rückständigen Zinsen an die betr. nerstag, Ob Widdershei stunden zu den 11. Mai d. J., Vormittags 11 Uhr, schrift versehen, daselbst einzureichen. berg erforderlichen Weißbinderarbeiten, veranschlagt zu 176 Mk. den 7. l. M., Vormittags 10 Uhr, daselbst öffentlich in Akkord gegeben werden. Die bei Verlegung und Ausbau der Haltestelle Ober⸗ erhessische Eisenbahnen. m vorkommenden Arbeiten und Lieferungen und zwar: 1) E arbeiten ꝛc., 2) Erbauung eines Empfangsgebäudes nebst Gilterschuppen, sollen im Wege schrift⸗ lichen Angebots vergeben werden. sind auf dem Bureau der Großh. Eisenbahnbauinspektion, Frankfurterstraße 24, in den Geschäfts⸗ Bedingungen und Zeichnungen, so r Einsicht offen gelegt. Die Angebote sind bis zum Eröffr 2. ͤv— postfrei, verschlossen und mit entsprechender Auf schädigungssumme, welcher der Kongostaat für die angebliche ungesetzliche Hinrichtung Rockes an England geleistet hat, in Einklang zu bringen. Hätten die englischen Minister mit Frankreich oder Deutschland zu thun gehabt, so würden sie keine Eutschädigung gefordert haben, wenn Lothaire als schuldig erkaunt worden wäre. Es sei bewiesen, daß Rockes sein Schicksal verdient habe. Wenn England noch für zwei Sous Ehrgefühl besitze, müsse es die vom Kongostaat erpreßte Summe zurückzahlen. Hd. Washington, 4. Mai. Der ameri⸗ kanische Senat hat ein Gesetz angenommen, betreffend die Erbauung von zwei Panzer- schiffen und 13 Torpedobooten. nung. Hunderttausende werden weggeworfen durch unzweckmäßige Abfassung von Annoncen und durch Benutzung ungeeigneter Zeitungen. Ein Jnserat muß nicht allein sachverständig und treffend abgefaßt sein, sondern es ist auch der Leserkreis der Zeitungen in Betracht zu ziehen. Auf dem weiten Felde des Zeitungswesens wird sich der Laie nicht leicht orientieren und deshalb eines erfahrenen und zuverlässigen Rathgebers be⸗ dürfen, um sein Geld nutzbringend anzulegen und mit. einiger Sicherheit Erfolge zu erzielen. Ein berufener Führer ist die älteste Annoncen⸗Expedition Haasenstein u. Vogler, A. G., Frankfurt a. M. Vertreten in Gießen durch Gust av Wohlmuth, Seltersweg. Durch 40jqährige Praxis, welche zu den intimsten Ver⸗ dehause zu Staufen⸗ 90 Pfg., sollen Don- rd⸗ und Chaussierungs⸗ wie Arbeitsverzeichnisse 503 in nungstermin Montag, Größ. Distrikts⸗Einnehmerei entrichtet sein müssen, widrigensfalls das gerichtliche Bei⸗ treibungsverfahren gegen die Säumigen eingeleitet und betrieben werden wird. ießen, den 27. April 1896. Großherzogl. Kreisamt Gießen. v. Gager n. Bekanntmachung. Großh. Ministerium des Innern und der Justiz hat die Abhaltung der Viehmärkte zu Alsfeld am 11. und zu Kirtorf am 13. Mai l. J. unter folgenden Bedingungen genehmigt: Auf den Markt dürfen nur Tiere aus un⸗ verseuchten Orten des Großherzogtums Hessen, Tiere von Händlern aber nur dann, wenn sie mindestens 7 Tage in unver⸗ seuchten hessischen Orten in seuchenfreiem Zu⸗ stand zugebracht haben, aufgetrieben werden. Beim Auftrieb der Tiere ist durch eine streng zu handhabende Kontrole der betreffenden Ur⸗ sprungsscheine zu verhilten, daß andere Tiere auf den Markt gebracht werden Marktverlegung. Die Großh Bürgermeisterei Nidda bringt zur Kenntnis des handeltreibenden Publikums, daß in Folge eingelangter Entschließung Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz der für den 19. Mai l. J. genehmigte Viehmarkt 2 K 3K 1 Kg.(2 Pfd.) Tafelbrod 2 Kg.(4 Pfd.) Taselbrod 1 Kg.(2 Pfd.) Weißbrod 2 Kg.(4 Pfd.) Weißbrod 1 Kg.(2 Pfd.) Schwarzbrod. 1 Kg(2 Pfd.) Weißbrod bei Aug. Deibel in Wieseck 2 Kg.(4 Pfd.) Weißbrod bei Gg. Ant. Heuser von — Vr dypreise— vom 3. Mai bis 17. Mai 1896. Der hiesigen Bäcker. Roggen Schwarzbrod bei Ernst Muth und W. Amend 2 Kg.(4 Pfd.) Schwarzbrod. Roggen ⸗Schwarzbrod bei Ernst Muth und W. Amend 3 Kg.(6 Pfd.) Schwarzbrod. Der auswärtigen Bäcker. Gr.⸗Linden L. Schmidt von Gr.⸗Linden Aug. Deibel von Wieseck W. Weitzel von Lang-Göns g.(4 Pfd). Schwarzbrod bei Joh. Kd. Velte von Kirch⸗Göns Gg. Ant. Heuser von Gr.-Linden W. Weitzel von Lang⸗Göns W. Steinmüller von Lang⸗Göus Louis Schmidt von Gr.⸗Linden. G. Jacoby von Alten-Buseck g.(6 Pfd.) Schwarzbrod bei Aug. Deibel von Wieseck. 8 Der Brodverkaufer. Dieselben Preise wie bei den hiestgen Bäckern. Gießen, den 2. Mai 1896. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. v Bech Confection. Anfertigung n a eh Maaß · 26 Pfg. 52„ 24„ 48„ 21„ 44„ 42„ 66„ 24 40„ 42„ 43„ 44„ 38„ 38„ U 40 40 42„ 66 Man versäume deshalb nicht, Firma vor Vergebung eines Annoncen-Auftrages erst ge⸗ nau zu informiren. Verleger: Herren- und Knaben- elegantesten Ausführung in Sammt, Plüsch, Tuch und Buckskin. sich bei obiger Sterbefälle. Am 3. Mai Eugen Hermann Letsch, 20 Jahre alt, Kaufmann dahier, Bahnhofstraße 49. erdigung findet Dienstag, den 5. d. M., nach⸗ mittags 3 Uhr, vom Sterbehause aus statt. Am 3. Mai Marie Benner, von Taglöhner Friedrich Benner hier, Sonnen⸗ straße 14. den 5. d. M., nachmittags 2 Uhr, vom Sterbe⸗ hause aus statt. Am 3. Mai Minna Cellarius, geb. Bloch, 64 Jahre alt, Witwe von Oberamtsrichter August Cellarius dahier, Ludwigstraße 5. Die Beerdigung findet Dienstag, den 5. d. M., nachmittags halb 5 Uhr, vom Sterbehause aus statt. Am 3. Mai Luise Fresenius, 57 Jahre alt, ledig, Privatin dahier, Bahnhofstraße 49. erdigung findet Dienstag, den 5. d. M., vor⸗ mittags 11 Uhr, vom Sterbehause aus statt. Die Be⸗ 1 Jahr alt, Tochter Die Beerdigung findet Dienstag, Die Be⸗ Paul Bader in Marburg, Verantw. Re⸗ dakteur: Wilhelm Sell, Druck von E. Ottmann, beide in Gießen. Buckskin in deutschen und englischen Fabrikaten. —Fpezialität:— Kinderanzüge von der einfachsten bis zur told. Restauvant Restaurant am 12. Mai l. J. abgehalten wird. Es wird hiermit ausdrücklich darauf auf merksam gemacht, daß nicht allein Schweine-, 55155 auch Nindvieh⸗ Markt abgehalten wird. Städt. Schlachthaus Freibank. Heute und morgen Nindfleisch, nicht ladenrein, pr. Pfd. 50 Pf. Hypothek. ⸗ Kapital. Wie Beleibung von Grundstücken, Häusern, Hofraiten, Gütern, Mühlen, Fabriken für Gießen und Umgegend bis zu 7073„% des ortsgerichtlichen Taxwertes zu 4„%(von Seiten der Darleiher unkündbar) vermittelt unter den billigsten Bedingungen 529 H. C. 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