u Dresen mite. — ä—V— —* ik Berg. 6. hiermit die ergebe 32 1: Geschif arderohe, geng telle Bedient ich um gene . ichen und 0. Nrt. 259 Der ae e 1 a 9 2 öh . 1. D 3 00 1 Ar an 1 Unie Fräulein Leno als die Frau des Ritter⸗ 9 aon Gießen, Dienstag, den 3. November 1896. Posiztg. Nr. 3239 a Telephon⸗Nr. 112. Ausgabe Gießen. lundeszeikung. Postztg. Nr. 3239 a. Telephon⸗Nr. 112. Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4. . Erscheint täglich mit Ausnahme der Preis der Anzeigen t 10 Pfa. für die Zspaltige Petitzeile. Tage nach Sonn- und Feiertagen. . 2 pedition: Kren Nr. 4. Lokales und Provinzielles. * Gießen, 2. November. Unser hiesiges Stadttheater führte gestern Abend das Sudermannsche Schauspiel„Das Glück im Winkel“ auf. Die grandiose Darstellung dieses Stückes wurde von dem ziemlich gut besetzten Hause mit 4 67 Beifall aufgenommen, und mit vollem Recht, kann man doch Sudermann für einen der besten neueren deutschen Dramatiker halten.— Sämtliche Rollen lagen in guten Händen. Ehrende Erwähnung verdienen vom er Herr Fritzschler als Direktor iedemann, Herr Kunert als Rittergutsbesitzer Köcknitz, Herr Schröder als Kreisschulinspektor Dr. Orb. Von den Damen nennen wir in erster gutsbesitzers Köcknitz, Fräulein Diener als die erblindete Tochter des Direktor Wiedemaan. Gerade die Hauptfigur in dem wirkungsvollen Schauspiel,„Elisabeth“, als die Frau des Di⸗ kektor Wiedemann hat uns nicht besonders er⸗ wärmen können, und wir hätten gerne Fräulein Leno an deren Stelle gesehen. Wir wollen Fräulein Egger gewiß nicht zu nahe treten, sie 1115 wohl im ersten und zweiten Akte. Aber m dritten Akte war ihre Stimme tonlos und im Affekt schreiend, unschön. Fräulein Egger ist ein unverkennbares Talent, wir möchten ihr in Zukunft etwas mehr Ruhe empfehlen. * Gießen, 2. Novbr.(Stadttheater.) humorvoller Schwank „Die Dragoner“ wird am Dienstag im hie⸗ sigen Stadttheater zum zweiten Male aufgeführt. Donnerstag und Freitag dieser Woche astiert Herr Oskar Bohnse, der beliebte erste Held und Liebhaber des Cölner Stadttheaters. Gegeben wird an diesen Abenden Uriel Acosta“ bon Gutzkow, in welchen Herr Bohnse die Titel- rolle, und„Journalisten“, in welchen er den „Conrad Bolz“ spielt. „Gießen, 2. Nov. Die National⸗ liberaleu hielten gestern Vormittag 11 Uhr in Steins Saalbau eine Wähler versamm⸗ lung ab, zu der ungefähr 80 Personen, darunter eine Anzahl Sozialdemokraten, erschienen waren. Die Versammlung eröffnete Herr Bahnhofs⸗ restaurateur Kirch, der zur Geschäftsordnung mitteilte, daß Diskussion nicht zugelassen werde. Sodann erhielt der Reichstagsabge⸗ ordnete Dr. Osann aus Darmstadt das Wort. Vall d. empfahl den wenigen Zuhörern die Wahl des Candidaten Meinert, und zwar auf Grund des gemäßigten Standpunktes, den jener zu vertreten gewillt sei. Die National⸗ liberalen seien diejenige Partei, die das Gleich⸗ 7 912 75 indem sie lediglich auf dem tandpunkt des vaterländischen Interesses stehe. Redner gab die Möglichkeit zu, daß die sozial⸗ demokratische Partei gestärkt aus dem er be hervorgehe. Er hielt es aber ür Pflicht der„besonnenen“ Parteien, Hand n Hand die Sozialdemokraten und Antisemiten zu bekämpfen. Die Versammlung schloß mit einem Hoch auf das Vaterland. Zwischen Liebe und Pflicht. Roman aus dem australischen Buschleben von G. Löffel. Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) So freudig war mir zu Mut; es war mir, als ob ich einem großen Glück entgegenginge. 5 Mein erster Ritt war nach der Polizei⸗Station, wo ich abends anlangte. Es waren noch zwei meiner Kameraden an- wesend, und beide furchtbar neugierig, wo ich so lange gewesen. 5 „Geheime Mission“, entgegnete ich kurz,„muß morgen früh wieder fort.“ 5 Beide brachen in ein schallendes Gelächter aus. „Zu viel Cognac oder zu viel Sonne gehabt, Deutscher?“ fragte der Eine boshaft und der Andere meinte:„Nein, Du, wenn diese Deutschen geheim werden, dann sind sie immer verliebt! worauf Beide in ihrer lärmenden Heiterkeit fort fuhren. Mir stieg das Blut zu keinen Streit hervorrufen. 12 g „Wo ist der Sergeant?“ fragte ich ärgerlich. „In geheimer Mission nach der Stadt!“ lautete die spöttische Antwort. Ich ging hinaus, Kopf, doch wollte ich um mein Pferd zu besorgen. Dann begab ich mich, trotz meiner Ermüdung, zu Fuß af den Stadtweg, um die Rückkehr des Sergeanten an einem bestimmten Punkt, den er passieren mußte, zu erwarten. Dort trafen wir Gießen, 2. November. Die landwirt— schaftliche Versuchsstation Darmstadt hat im Jahre 1895 nach dem von dem Vorstand, Herrn Professor Dr. Paul Wagner, erstatteten Jahresberichte 3766 Einsendungen behufs Unter⸗ suchung erhalten und wird diese Ziffer im laufenden Jahre voraussichtlich eine Höhe von nicht weniger als 4000 Nummern erreichen. Die Einsendungen bestauden aus 2817 Proben von Düngemitteln, 535 desgl. von Futtermitteln, 3500 desgl. von Sämereien, 64 desgl. Erbsen, Weinen, Zuckerrüben und sonstigen Erntepro⸗ dukten. S. Lollar, 1. November. Gestern Abend sprach hier für den Kandidaten der freisinnigen Partei, Herrn Prof. Stengel in Greifswald, der Frankfurter Rechtsanwalt Dr. Helf. In der Diskussion trat ihm Herr Scheidemann aus Gießen, der sozialdemokratische Reichstags⸗ kandidat entgegen. Der Eintritt der Feierabend⸗ stunde machte der Diskusston ein vorzeitiges Ende. Die Versammlung war nur schwach besucht. hb. Lich, 2. November. Die meistgenannte Persönlichkeit in unserer Stadt ist heute der sozialdemokratische Reichstagskandidat Scheide— mann aus Gießen. Die gestern von ihm ab⸗ gehaltene Volksversammlung im großen Heilandschen Saale, in dem mehr als 200 Per⸗ sonen saßen und standen, nahm einen ganz un⸗ erwartet günstigen Ausgang für den genannten Herrn. Und das kam so: Herr Scheidemann hatte etwa 2 Stunden gesprochen, die Versamm⸗ lung hatte ihn n und auch lebhaft Beifall gespendet. Trotz wiederholter Aufforde⸗ rung des Vorsitzenden der Versammlung meldete sich kein Gegner zum Wort. Die Versammlung wurde also geschlossen und ein großer Teil der Versammlungsbesucher entfernte sich. Da mit einem Male tauchen auf dem Podium neben dem Sitze des Versammlungsbureaus 10—12 nationalliberale Herren auf, die aus einer von ihnen bei Glöckner abgehaltenen Versammlung kamen, die von etwa 40 Personen besucht gewesen sein soll. Herr Professor Schwarz aus Gießen fragte den Vorsitzenden der geschlossenen Ver⸗ sammlung, ob er nicht noch einige Worte an die Versammlung richten dürfe. Sofort ging der betr. Herr auf dieses Ersuchen ein, eröffnete die Versammlung wieder und gab Herrn Schwarz das Wort. Dieser warf der Sozialdemokratie vor, ste erstrebe die Alleinherrschaft der Industrie⸗ arbeiter an. Das werde die nqtionalliberale Partei nicht dulden. Die nationalliberale Partei habe allezeit bewiesen, daß sie für die Rechte der Arbeiterschaft eintrete. Auch möchte er gern wissen, wie sich die Sozialdemokraten verhalten würden, wenn einmal der Feind an Deutschlands Grenzen stehe.(Der Saal hatte sich inzwischen wieder gefüllt.) Herr Scheid emann erklärte auf die letzte Frage des Herrn Schwarz, daß er nur das wiederholen könne, was Dutzende Male im Reichstage bon seinen Parteifreunden gesagt sei: wenn das Vaterland angegriffen werde, würden die Sozialdemokraten genau so ihren Mann stellen, wie die anderen Parteien ange⸗ hörigen deutschen Männer. Was es mit der Vertretung der Volksrechte seitens der National⸗ liberalen auf sich habe, sei bekannt. In Sachsen hätten die Nationalliberalen dem Volke das Wahlrecht geraubt. Im Reichstag hätten sie die Wahlperioden von drei auf fünf Jahre ver⸗ längert. In der hessischen Kammer haben stie den Antrag auf Einführung direkter Wahlen abgelehnt. Der Ruf nach der Umsturzvorlage ist von den Nationalliberalen ausgegangen. Mit der Vertretung von Volksrechten fe es bei den Nationalliberalen recht windig bestellt. Und mit patriotischen Phrasen lockten die Herren heute keine Wähler mehr an die Wahlurne, um einem nationalliberalen Mann seine Stimme zu geben. Der Volksmund habe der Partei des Herrn Schwarz den richtigen Namen gegeben: Partei Drehscheibe.(Großer Beifall.) Herr Prof. Schwarz: Sein Vorredner sei ein geschickter Redner, und deshalb sei es ihm auch ein Leichtes gewesen, um die Hauptfrage, ob die Sozial⸗ demokratie eine nationale oder eine internationale Partei sei, herumzugehen. Scheidemann: Er merke, worauf der Herr Professor anspiele. Er würde nachher sicherlich die Sozialdemokratie als die „vaterlandslose Gesellschaft“ zu brandmarken ver⸗ suchen. Das sei das bekannte Manöver der National⸗ liberalen. Die Sozialdemokratie sei das Produkt der kapitalistischen Wirtschaftsordnung und genau wie der Kapitalismus, dessen Interessen die Partei des Herrn Schwarz vertrete, international sei, so sei es auch die Sozialdemokratie. Die Diskussion fiel eher zu Ungunsten des Herrn Professor Schwarz aus. Wir waren erstaunt über die Schlagfertigkeit des sozialdemokratischen Redners. Als dieser den Nationalliberalen vor⸗ warf, daß sie 1866 die Fürstenthrone von Kur⸗ hessen und Hannover umgestürzt hätten, daß ihre Parteigenossen, nämlich nationalliberale, die Prof. Biedermann und Teitschke in Leipzig thätig gewesen seien, auch den sächsischen Thron zu stürzen; daß gerade Biedermann auch den Hof⸗ advokaten Reh in Darmstadt aufgefordert habe, ebenfalls thätig zu sein für den Umsturz der Throne in Süddeutschland, da erntete der sozial⸗ demokratische Redner einen Strom des Beifalls, wie wir ihn im Heilandschen Saale seit Jahren nicht gehört haben. Herr Scheidemann forderte schließlich alle anwesenden nationalliberalen Professoren und Doktoren zur Debatte heraus. Er hoffe, mit jedem von ihnen fertig zu werden. Es sei ihm lange nicht eine so günstige Gelegen⸗ heit geboten, in einer Versammlung mit so ge⸗ lehrten nationalliberalen Herren zu diskutieren. Er könne bei dieser Gelegenheit am besten der Versammlung beweisen, was es bedeute, wenn die Nationalliberalen in ihrem Flugblatt ihn (Scheidemann) als den sozialdemokratischen Zei⸗ tungsredakteur bezeichneten,„der die Leiden des Volkes nur aus der Ferne kenne.“ Die Heraus⸗ forderung des sozialdemokratischen Kandidaten rief auch wirklich noch drei Herren auf den Plan: Herrn Dr. Molly aus Gießen, Herrn Lehrer Wagner und Herrn Büch senschütz aus Lich. Wir wollen auf die Wiedergabe der Debatte ver⸗ zichten. Aber das kann man ohne Weiteres ein⸗ gestehen, die gelehrten nationalliberalen Herren wurden von dem„ehemaligen Buchdruckergesellen“, wie sich Herr Scheidemann bezeichnete, glänzend abgeführt. Im Interesse ihrer Partei hätten die Nationalliberalen besser gethan, mit dem sozialdemokratischen Redner nicht anzubändeln. F. W. Hungen, 1. Nov. Heute Nachmittag fand im„Solmser Hof“ eine sozialdemo⸗ kratische Wählerversammlung statt, die erste, die je in Hungen abgehalten wurde. Herr Redakteur Scheidemann aus Gießen, der sozialdemokratische Reichstagskandidat, hielt einen zweistündigen freien Vortrag über die bürgerlichen Parteien und die Sozialdemokratie. Der Redner blieb durchaus sachlich und erzielte dadurch, daß ihm lebhafter Beifall zu Teil wurde. Die Ver⸗ sammlung war überaus stark besucht. Es mögen 300350 Personen anwesend gewesen sein. Gegner meldeten sich nicht zum Wort. Es ist anzunehmen, daß die 1 Stimme, welche die Sozialdemokraten bei den letzten Wahlen hier auhelt am 5. November bedeutenden Zuwachs erhält. * Grünberg, 2. Nov. Die Nationalliberalen hielten gestern hierselbst eine Wählerver⸗ sammlung ab, zu der ca. 32 Personen, darunter einige Auswärtige, erschienen waren. * Ruppertenrod, 2. Nov. Nicht gerade günstiges Wetter begleitete in voriger Woche den ur arkt. Dessenungeachtet hatte der arkt eine recht große Ausdehnung und war gut besucht. Der Viehmarkt war so stark mit Jungschweinen befahren, wie wir uns einer gleich starken Auffahrt nicht erinnern können. Er lieferte einen sprechenden Beweis, wie stark sich die Ferkelzucht vermehrt hat. Trotz des starken Angebots ging doch der Handel bei sehr mäßigen Preisen flott. Bezahlt wurde für das Paar Ferkel geringster Sorte 12—16*, besserer 20—25. und bester 25—32. Läufer waren im Verhältnis zu den Ferkeln schwächer vertreten. Sie galten per Paar im Durchschnitt 60 70 A und 70-80 K. Bemerkt muß dabei werden, daß diese Läufer als Einlegschweine dienen und bald geschlachtet werden können. Der Krämermarkt war mit Verkaufsständen recht gut besetzt, nur wurde er durch das naßkalte „Sudelwetter“ etwas ungünstig beeinflußt. * Aus dem westlichen Vogelsberg, 1. November. Die letzten Früchte des Herbstes, die Hackgewächse, sind eingeerntet und die Wintersaat ist zu Ende gebracht worden. Wegen des sehr ungünstigen Herbstwetters hatte man vielfach befürchtet, die Wintersaat, besonders die Weizensaat, nicht mehr ganz vollenden zu können, es ist aber doch gegangen. Trotz der teilweise sehr ungünstigen Aussaat steht die junge Kornsaat recht schön im Felde; sie hat heuer nicht durch übermäßigen Mäusefraß zu leiden. Wos den Ausfall der Wurzelgewächse betrifft, so hat dieser nasse Jahrgang einen reichen Segen der Hackfrüchte gebracht und waren bei den Erntefesten der verflossenen Sonntage oft wahre Riesenexemplare an Kartoffeln, Dickwurz, Kohl⸗ Leben? Und ich war schon in ernster Sorge um Euch. N Er sprang sogleich vom Pferd und schüttelte mir herzlich die Hand. 5 Dann seinen Arm in den meinen schiebend, und neben mir herschreitend, bat er mich, ihm Alles genau zu berichten, was ich auch that. Er hörte mich ruhig bis zu Ende an. „So weit, so gut!“ sagte er.„Sie haben sich brav gehalten. Daß Sie gleich beim Ausritt Ihren Revolver verloren, war ein Unglück für Sie, aber ein Glück für die Sache. Lebend hätten Sie den Mann nicht bekommen und tot hätte er uns nichts genutzt. Nach alledem glaube ich auch eher, daß Sie Ihr Leben eingebüßt hätten, wenn Sie zum Angriff übergegangen wären. Nun möchte ich aber doch zu Ihrer Sicherheit die Milton-Park⸗ Station heimlich umstellen lassen. i „Wie zum Schutze gegen die Damen?“ lachte ich. „Ja, mein, Lieber zum Schutze gegen die Damen!“ entgegnete er ernst. „Sie scherzen, Sergeant!“ 55 „Im Gegenteil, ich sprach niemals ernster. Sie konnten allerdings nicht ahnen, daß Sie in Miß Milton eine Bekannte wiedersehen würden, eben die Dame, der Sie früher wiederholt im Wald be⸗ gegnet waren.“ 5 5 „Ich hielt es für meine Pflicht, Sergeant, das hier zu erwähnen, sonst— „Sagen Sie nichts weiter,“ Wort.„Ich sehe alles ganz klar. fürchte ich für Sie.“ „Aber inwiefern denn?“ fiel er mir ins Darum eben ich, fragte stehen „Ich verstehe fie nicht.“ Er lächelte fein. „Sie sind ein junger Mann und von leicht erregbarem Gemüth. Miß Milton ist schön, sie ist reich— man wird Ihnen eine Schlinge legen und Sie zum Schweigen bestimmen oder Sie— stumm machen.“ „Was,“ rief ich ärgerlich,„Sie wollen die Damen mit jenem Manu verdächtigen— Miß Milton, diesen Engel—!“ Ich hatte meinen Arm aus dem seinen gezogen und mit mehr Feuer als Ueberlegung gesprochen. Besonders die letzten Worte hatten meine Ge⸗ fühle nur zu sehr verraten. Jetzt schwieg ich verwirrt. „So, so, ein Engel“, sagte er mit kaltem Hohn. „Zum Glück ist es eine allgemein anerkannte That⸗ sache, daß die Engel heutzutage nicht mehr auf Erden wandeln. Deutscher, seien Sie kein Narr! Wir spinnen hier keinen Roman, sondern sind in der kriminellen Untersuchung eines sehr schwierigen Falles begriffen. Wenn Sie da Ihre Gefühle an Stelle Ihres Verstandes sprechen lassen wollen, dann werden wir in dieser Sache entweder zu falschen Schlüssen oder zu gar keinem Schlusse kommen. Sie zweifeln selbst nicht, daß Fräulein Milton Sie wiedererkannt hat und sie hat hiervon ihre Mutter in Kenntnis gesetzt. Trotzdem haben die Damen Ihnen eine Stellung angeboten, die Sie möglichst eng an ihre Personen fesselt. Sie haben Ihnen sogar einen Platz in ihrem Hause angeboten.“ „Wohl der beste Beweis für ihre Unschuld!“ denn auch eine Stunde später zusammen. „Holla, Deulscher!“ rief er erfreut.„Noch am bleibend. warf ich ein. „Für ihre Schuld!“ beharrte der Sergeant. „Sie wußten, daß, wenn sie den verkleideten Poli⸗ zisten wegwiesen, dann wären wir in Uniform er⸗ schienen, um das Geheimnis der toten Schlucht auf⸗ zuhellen. Frauen⸗Augen seheu Ascharf und noch schärfer die Augen einer schuldigen Frau. Fräulein Milton wußte schon aus den früheren Begegnungen mit Ihnen, wie es um Ihr Herz bestellt war. Sie wird mit einiger Liebenswürdigkeit dieses jetzt im Sturm erobern, mit einer erlogenen Geschichte Sie weich machen und mit einem Kuß Ihnen den Mund verschließen.“ „Nie wird das geschehen!“ rief ich e mpört. „Nie werde ich etwas thun oder gut heißen, was wider Pflicht und Ehre wäre.“ „Umso schlimmer für Sie, junger Mann“, sprach mein Vorgesetzter mit seinem gewohnten Gleichmut. „Dann wird man, sowie Sie Alles wissen, Ihnen etwas in den Wein oder Thee geben oder Sie aus dem Hinterhalt von dem Mann aus der toten Schlucht erschießen lassen.“ „Gerechter Gott“, rief ich im Ton des Schreckens, „Sie halten an diesem unseligen Verdacht fest, daß der dort sich verborgenhaltende Verbrecher der Ver— bündete und geheime Schuldgenosse der beiden Damen ist?!“ „Es ist meine Ueberzeugung,“ „Und was könnte sie verbinden?“ „Was?“ fragte fast streng der Sergeant.„Raub und Plünderung! Vielleicht oder wahrscheinlich ist die Schatzkammer der toten Schlucht, welche der Buschräuber stets gut gefüllt hält, die unlautere Quelle, aus der die Miltons ihren Reichtum schöpfen.“(Fortsetzung folgt.) S L re 0 — 1. ——— 2 r . rüben, Möhren, Stoppelrüben, Kraut und Wir⸗ sing auf den Altären niedergelegt. * Friedberg, 1. November. Am Freitag Abend kurz nach 9 Uhr brach hier in der Brauerei Windecker Großfeuer aus, das in drei Stunden zwei Scheuern und ein Lagerhaus einäscherte. Dem entschlossenen Eingreifen der Feuerwehr durch fünf Schlauchlinien ist es zu danken, daß das Feuer auf seinen Herd beschränkt und weiterer Schaden verhütet würde. Die Bewohner der Nachbarhäuser hatten große Hitze auszustehen, da in dem Viertel die Häuser recht eng aneinander 7 sind. Der Schaden ist durch Versicherung edeckt. 5* Nieder⸗Olm, 29. Oktober. In letzter Zeit treibt sich in unsrer Gegend ein angeblicher Bilder⸗Reisender umher, der bei Wirten und Geschäftsleuten Zehnmarkstücke wechseln läßt. Bei näherem Zusehen findet man, daß die Gold⸗ stücke österreichische Zehnkronenstücke sind, die in Größe der deutschen Krone ähnlich sind, aber beim Auswechseln nur mit 8 Mark bezahlt werden. Da die Manipulationen vielfach ver⸗ sucht und ausgeführt worden sein sollen, so hat man es hier offenbar mit einem Schwindler zu thun, der sich auf bezeichnetem Wege Geld machen will. Es ist deshalb Vorsicht am Platze. * Biblis, 1. November. Die feuchte Witte⸗ rung des Sommers hat die Entwickelung des Krautes sehr gefördert und sind die Kraut⸗ köpfe so schön, wie wir seit Jahren keine erzielten. Der Preis für Weißkraut stellt sich auf 35 bis 40„ für den Zentner. * Gau Odernheim, 29. Oktober. Die Verhandlungen über Errichtung einer Ge⸗ nossenschafts-Zuckerfabrik am hiesigen Platze sind so weit gediehen, daß der Bau mit Beginn der nächsten Bausaison in Angriff ge⸗ nommen werden soll. * Aus Rheinhessen, 29. Oktober. Im Rheingau, an der Mosel und anderen Weinbau treibenden Gegenden befinden sich Winzer⸗ vereine, die den Zweck haben, die Interessen der Weinbau treibenden Bevölkerung nach jeder Richtung hin zu vertreten und es besonders mög⸗ lich zu machen, eine bessere Verwertung der Trauben, des Traubenmostes, des Weines zu zu Schleuderpreisen ihre Wir sind in der Lage, daß ein bereits vor Jahren aufgetauchtes Projekt, auch für die Provinz Rheinhessen oder für einen Teil derselben einen Winzerverein zu bilden, wieder aufgegriffen werden soll. Der Vorsitzende der hessischen Ge⸗ nossenschaften, Herr Kreisrat Haas in Offen⸗ bach, hat bereits mit hervorragenden Landwirten, bezw. Winzern Rücksprache genommen und ist bereit, das im Interesse des kleinen Winzerstandes zu begrüßende Unternehmen nach jeder Weise hin zu fördern und zu unterstützen. * Mainz, 1. Nov. In einer ganzen Reihe von Ortschaften unseres Wahlkreises wurden, wie die„Frankf. Ztg.“ meldet, von den Wirten den Sozialdemokraten sämtliche größeren Lokale zur Abhaltung von Versammlungen versagt. Das wird manchen Mann veran⸗ lassen, sozialistisch zu wählen, der es unter anderen Umständen wohl nicht gethan hätte. häufig genötigt sind, Produkte abzusetzen. mitteilen zu können, Auszug aus den Kirchenbüchern der evangelischen Gemeinde. Matthäusgemeinde. Taufen. Am 25. Oktober. Dem Glaser Wilhelm Sickert eine Tochter, Friederike Wilhelmine Henriette, geb. am 18. September. Trauungen. Am 24. Oktober. Johannes Peter Krauskopf, Witwer, Bürstenmacher zu Gießen, mit Marie Peter, Tochter von dem verstorbenen Leinweber Konrad Peter zu Sellnrod. — 29. Rudolf Heinrich Wilhelm Kühne, Seminar⸗Ober⸗ lehrer zu Uetersen in Schleswig⸗Holstein, mit Clotilde Bierau, Tochter von dem Oberförster i. P. Theodor Heinrich Jakob Bierau zu Gießen.— 30. Wilhelm Hoffmann, Schneider zu Gießen, mit Elisabethe Prophet, Tochter von dem Taglöhner Balthaser Prophet zu Gießen. Beerdigte. Am 27. Oktober. Marie Margarethe Meckel, Tochter von dem Schneidermeister Friedrich Meckel, 16 Jahre alt, starb am 25. Oktober.— 28. Ernst Schomburg, cand. phil., Sohn des zu Blankenburg verstorbenen Arztes Dr. med. Andreas Schomburg, 38 Jahre alt, gestorben am 26. Oktober. Markusgemeinde. Taufen. Am 25. Oktober. Dem Schlosser Ludwig Haas eine Tochter, Wilhelmine Marie Elise, geb. am 11. September. Dem Fuhrmann Hermann Martin, geb. am 8. August. Konrad Maus ein Sohn, Friedrich Wilhelm, geb. am 19. September. Trauungen. Am 24. Oktober. Karl August Heil, Former zu Gießen, mit Johannette Elisabeth Marie Katharine Schmall, Tochter von dem verstorbenen Weichensteller i. P. Wilhelm Schmall zu Gießen. Lukasgemeinde. Trauungen. Am 24. Oktober. Heinrich Wendel, Gefängnisaufseher zu Mainz, mit Katharine Carlé, Tochter des Johannes Carlé II zu Gießen. Beerdigte. Am 28. Oktober. Marie Elisabeth Rühl, geborene Melior, Witwe des Oktroierhebers Johann Jakob Rühl, 56 Jahre alt, starb am 26. Oktober. Johannesgemeinde. Trauungen. Am 25. Oktober. Wilhelm Heinrich Nicolai, Tag⸗ löhner zu Gießen, mit Christine Johannette Anna Brückel, geborene Nassauer, Witwe des Fabrikarbeiters Balthasar Brückel. Karl Feldhaus, Arbeiter zu Gießen, mit Karo⸗ line Kreiling, Tochter des Taglöhners Johannes Kreiling X zu Gießen. Neueste Telegramme. Hd. Weinsberg, 2. November. Ueber das schwere Eisenbahnunglück, welches sich vor⸗ gestern Abend 8 Uhr zwischen Weinsberg und Willsbach ereignete, wird noch gemeldet: Der um diese Zeit von hier in der Richtung nach Hall abgehende Personenzug stieß auf der ge⸗ nannten Strecke mit 8 Wägen zusammen, die sich in Eschenau von einem in gleicher Richtung, also auf demselben Geleise fahrenden Güterzuge losgelöst hatten und auf der abschüssigen Strecke über Willsbach zurückgerollt waren. Der Zu⸗ sammenstoß erfolgte mit furchtbarer Gewalt, da der Personenzug zwei Maschinen hatte und die Güterwagen mit großer Geschwindigkeit dem Zuge entgegenrollten; der auf letzteren befindliche Bremser, der vergeblich seine Wagen zu bremsen versuchte, wurde auf die erste Maschine des Per⸗ sonenzuges geschleudert und war sofort tot. Ebenfalls getötet wurde der Heizer dieser Maschine und schwer verletzt der Lokomotiv⸗ führer; dieser wurde gestern Nacht noch nach Heilbronn verbracht; er soll bereits gestorben sein. Das Personal der 2. Maschine wurde nur unbedeutend verletzt, von den Reisenden niemand. den furchtbaren Stoß zu parieren. Die erste ärztliche Hilfe leistete Herr Oberamtsarzt Dr. Höring von hier. Mit einem später von Heil⸗ bronn ankommenden Hilfszug trafen auch 5 Aerzte ein. Der Heizer wurde vergebens gesucht. Erst heute morgen entdeckte man ihn, als der Tender der ersten Maschine von letzterer wegge⸗ bracht wurde. Er war zwischen beiden in die Kohlen eingepreßt worden. Der Materkal⸗ schaden ist bedeutend. Die erste Maschine wurde auf die Seite geschleudert und ist fa ganz zertrümmert, ebenso die 8 n ihrer Ladung. Die 2. Maschine wurde ebenfalls aus dem Geleise gehoben, aber nicht besonders stark beschädigt. Das eine Geleis wird bis heute morgen wieder frei sein. Zu bemerken ist noch, daß nach der Ablösung der Wagen des Güter⸗ zuges in Eschenau das Alarmsignal gegeben wurde. Darauf will der Wärter bei Sulzbach den heranbrausenden Wagen das Haltsignal ge⸗ geben haben, natürlich vergebens. Dem Per⸗ sonenzug, der hinter einer Kurve verdeckt war, konnte kein Zeichen gegeben werden. Bei Er⸗ tönen des Alarmsignals soll er den Posten Erl⸗ hofen bereits passiert haben. Privattelegramme der„Hessischen Landesztg.“ * Berlin, 2. Nov. 2 Uhr 30 Min. Lihung⸗Tschang hat nach seiner Rüch⸗ kehr nach China mit der Elbinger Firms ian einen Kontrakt auf Lieserung von vier Torpebs jägern abgeschlossen. Marktpreise. Grünberg, 2. November. Auf dem am Sonn⸗ abend abgehaltenen Wochenmarkte wurden für Getrelde folgende Durchschnittspreise(pro Zentner) erzielt; Weizen 7,87 Mark, Roggen 6,79 Mark, Gerste 6,21 Mark, Hafer 6,40 Mark. Sterbefãlle. 1. November. Katharine Roth, geb. Heimann, 76 Jahre alt, Witwe von Taglöhner Johann Roth dahier, Schillerstraße Nr. 19. Die Beerdigung findet Dienstag, den 3. d. M., vor⸗ mittags 11 Uhr, vom Sterbehause aus statt. Am Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. ie⸗ Letzteres ist dem Umstand zuzuschreiben, daß der datteur: Wilhelm Sell, Druck von E. Ottmann, belde in erzielen. In der Hauptsache handelt es sich hier um die kleinen Weinproduzenten, die Dem Buchbinder Paul Richter ein Sohn, Reinhold Heinrich Personenzug 2 Maschinen führte, diese vermochten] Gießen. Bekanntmachung. (Betr. die Einrichtung eines Arbeitsnachweises für die Vrovinzialhauptstadt Gießen). Der auf Grund der Bestimmungen des Ortsstatüts d. d. 5. September a. e einge⸗ richtete Arbeitsnachweis tritt mit dem 1. November a. e. in Wirksamkeit Der Arbeitsnachweis hat die Aufgabe, zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern . jeglicher Art, Dienstboten und Lehrlingen und zwar überall be derlei eschlechts) Arbeit unentgeltlich zu vermitteln. Der Arbeitsnachweis befindet sich im Bürgermeistereigebäude— Zimmer Nr. 14 — und ist an den Werktagen von 8 bis 1 Uhr und von 3 bis 6 Uhr geöffnet Die Führung der Geschäfte des Arbeitsnachweises ist dem Bürgermeistereigehülfen Nau übertragen. Die Arbeitsvermittelung geschieht mittels Listen, welche nach Bedarf binsichtlich der Berufsarten gesondert und für Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Dienstboten und Lebrlinge je getrennt geführt werden. Die Eintragung der Gesuche erfolgt auf Grund von schriftlichen und mündlichen, auch telepbonischen Anzeigen; erstere sind auf entsprechenden For⸗ mularien, welche auf Großh. Bürgermeisterei— Zimmer Nr. 14— und an auderen demnächst noch bekannt zu gebenden Stellen in der Stadt unentgeltlich verabfogt werden, einzureichen. Besonders zu beachten ist, daß Arbeitgeber und Arbeitnehmer, welche den Arbeitsnachweis in Anspruch nehmen, verpflichtet sind, sofort demselben unter Bezugnahme auf den Tag der Aufrage Kenutnis zu geben, sobald sie, sei es durch den Arbeitsnachweis, sei es ohne deuselben die erforderten Arbeits⸗ kräfte oder die gesuchte Arbeit erlangen. Auf den Karten, mittels derer vom Nach- weis den Arbeitgebern Arbeiter zugewiesen werden, ist ein Vordruck enthalten, welcher ent sprechend auszufüllen und dem Arbeitsnachweis alsbald zuzustellen ist. Gesuche, welche nicht binnen 14 Tagen erledigt, zurückgezogen oder er⸗ neuert sind, gelten als erloschen. Der Beamte des Arbeitsnachweises ist verpflichtet, über Fragen der Gewerbeordnung der Kranken, Unfall-, Invaliditäts- und Altersversicherung, sowie anderer sozialpolitischen Gesetze auf Anfrage unentgeltlich Auskunft zu erteilen oder nötigenfalls die Nachfragenden an die zuständigen Beamten Großh. Blürgermeisterei Gießen zu Überweisen. Beschwerden über die Geschäftsführung oder über den Beamten können in das in der Geschäftsstube aufliegende Beschwerdebuch eingetragen oder bei dem unterzeichneten Vorsitzend en der Deputation für den Arbeitsnachweis vorgebracht werden. Die neugeschaffene Einrichtung nann nur dann den gewünschten Erfolg haben, wenn möglichst alle Arbeitsgesuche und alle freien Arbeitsstellen dem Arbeitsnachweis angemeldet werden, welcher nach der Reihenfolge der Anmeldungen die letzteren zu erledigen suchen wird. Das Publikum wird demgemäß ersucht, bei Bedarf von Arbeitskräften aller Art die Dienste des Arbeitsnachweisetz in Anspruch zu nehmen. Gießen, den 31. Oktober 1896. Die Deputation für den städtischen Arbeits nachweis. Wolff, Beigeordneter. Bekanntmachung. Wir, die unterzeichneten hiesigen Rindsmetzger, geben zur allge— meinen Kenntnisnahme bekannt, daß wir nur Fleisch und Fleischwaren in unserem Geschäfte feilhalten, welches von den im hiesigen Schlacht- hause hierzu beauftragten Beamten auf seine Genießbarkeit unter⸗ sucht worden ist. Jeder Verstoß gegen diese unter uns vereinbarte Bedingung wird aufs Empfindlichste bestraft. Gießen, den 31. Oktober 1896. Louis Vogt, Neuenweg 19, Fritz Schreiner, Seltersweg 15, August Hofmann, Wallthorstraße 13. Julius Nosenbaum, Schloßgasse, Carl Schneider, Wallthorstr. 39, Ludwig Schneider, Neustadt 18, Philipp Malkomesius, Mäusburg 19. 12 Oranienbrauerei Dillenburg 1 Exportbierbrauerei 1 8 sfiehlt ihre nach Wiener Art gebrauten Biere, sowohl a im als in Faschen. 1253 — 1 — 8 Den Vertrieb in Flaschen haben wir Herrn Fr. Kühnhold, Ludwigstraße üb ertragen. Die beste Empfehlung für unsere Biere ist ein Versuch, Freundl. möbl. Zimmer 141111 den wir jedem Biertrinker empfehlen. 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