— N Arnold, 01 t Jan Null — — ag Verantw. J Ditmnum, bebe eßen, ieren wü 110 reis. —ů—u auswärtige biteres * rechtigt, Rechtsanwalt Jung, als Verteidiger Marja, das Heldenmädchen N Gießen, Freitag, den 2. Oktober 1896. Ausgabe Gießen. ische Landeszeitung. Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4. 8 — Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Ispaltige Petitzeile. . 24 Expedition: Kreuzplatz Nr. 4. 4 9 2 5 Lokales und Provinzielles. Gießen, 1. Oktober. Der Lehrer an dem e un A und der Realschule zu Mainz, zur eit in Alsfeld, Dr. Philipp Ja co bi ist zum Direktor der Realschule zu Alsfeld ernannt.— Die Hilfsbremser bei den Oberhessischen Eisen⸗ bahnen Karl Gorr aus Stammheim und Otto König aus Bergheim sind zu Bremsern bei den Hessischen Staats⸗Eisenbahnen, mit Wirkung vom 1. Oktober l. J. an ernannt worden. Gießen, 1. Oktober. Die vor den Ge⸗ schworenen für Mittwoch, den 7. Oktober, anstehende Verhandlung gegen Johannes Becker⸗Heidelbach wegen Brandstiftung fällt aus. Das Verfahren ist wegen Mangels an Beweisen eingestellt. Gi 1. Oktober. Der Tag der dae zum Reichstag rückt näher. Das Kreisamt Gießen macht bekannt, daß die Wählerlisten vom 8. bis 15. Oktober offen ausliegen und zwar auch am Sonntag, den 11. Oktober. Einzusehen sind die Listen jedes⸗ mal von 9— 12 und von 2—5 Uhr. Einwen⸗ dungen gegen die Richtigkeit der Listen müssen bis zum 15. Oktober erhoben werden. Da zwischen dem ersten Tage der Auslegung der Wählerliste und dem Tage der Wahl nach 98 des Wahlgesetzes mindestens ein Zeitraum bon vier Wochen liegen muß, so wird die Wahl wahrscheinlich Mitte No vember stattfinden. Gießen, 30. Sept. Der auf gestern vor dem hiesigen Schöffengericht in der Anklage⸗ sache gegen Metzgermeister Pirr anstehende Ter⸗ min hatte ein überaus zahlreiches Publikum e Namentlich in den Kreisen der letzger und Viehhändler sieht man dem Streit mit großer Spannung entgegen. Pirr ist be⸗ kanntlich oro den Schlachthoftierarzt Liebe durch den Vorwurf der Parteilichkeit beleidigt zu haben. Nachdem die Zeugen abgetreten waren, wollte der Angeklagte zunächst an Händen eines umfangreichen Schriftenmaterials eine Darleg⸗ ung des gesamten Sachverhältnisses geben, wurde aber hieran durch den Vorsitzenden verhindert, der ihn ersuchte, sich auf die Erklärung zu be⸗ schränken, ob er die beleidigende Aeußerung ge⸗ than habe, das Andere komme später. Rechts⸗ anwalt Grünewald, als Vertreter des belei⸗ digten Liebe, legte sodann dar, daß er vor der Verhandlung einen Antrag gestellt habe, dem noch nicht entsprochen sei, daß nämlich die Akten der Großh. Bürgermeisterei und des Kreis⸗ veterinäramtes requirirt und beigelegt werden sollten. Mit diesen Akten solle bewiesen werden, daß der gegenwärtig in Frage stehende Angriff nicht vereinzelt dastehe, sondern nur ein Glied in einer Kette bilde, welche der An⸗ geklagte und seine Partei dem Schlachthofbeamten zugefügt habe. Er wolle einen Vertagungsan⸗ trag nicht stellen, bitte aber das Gericht zu erwägen, ob nicht der Inhalt der bezeichneten Alten für die Beurteilung der That des Ange⸗ klagten von Wichtigkeit sei. Der Vertreter der Staatsbehörde, Assessor Friedrich, erklärte die lusführungen des Vertreters der Nebenklage für 9. des Pirr, bat gegen eine Abweisung des Be⸗ weisantrages, den er als ganz irrelevant bezeich⸗ nete. Das Gericht erklärte indessen die Vorlage der vom Rechtsanwalt Grünewald benamten Akten für wichtig und beschloß, dieselben einzu⸗ holen, aus diesem Grunde aber den Termin auf den 3. November zu vertagen. Gießen, 30. Sept. as Freibad an der Lahn ist seit gestern wegen mangelnder Fre⸗ quenz geschlossen, nur einer der Badegäste hat bis jetzt täglich noch die Anstalt benutzt. Das Bad ist in der abgelaufenen Saison von 24—25 000 Personen benutzt worden. Gießen, 1. Oktober.(Jubiläum.) Am heutigen Tage sind es 25 Jahre, daß Herr Karl Dickhar dt den Dienst eines Feuerwehr⸗ Tambours versieht. Nahezu 30 Jahre hat der⸗ selbe der Feuerwehr angehört und sich sowohl bei ausbrechenden Bränden als Feuerwehrübungen durch außerordentliche Pünktlichkeit ausgezeichnet. Möge er noch recht viele Jahre dieses Amtes walten. Gießen, 1. Oktober.(Treppenbeleuch⸗ tung.) Von verschiedenen Seiten laufen Klagen ein, daß die Beleuchtung der Treppen 1 nd Flure in den Wohnhäusern trotz der vor⸗ gerückten Jahreszeit noch sehr viel zu wünschen übrig läßt. Häufig sind es Sparsamkeitsrück⸗ sichten, welche die Hausbesitzer veranlassen, un⸗ genügend oder gar nicht zu beleuchten. Sie glauben, wenn nur ein so trübes Lämpchen draußen hängt, dann thut sichs schon, ob es seinen Zweck erfüllt oder nicht. Diese Sparsam⸗ keit ist durchaus falsch angebracht und kann sich unter Umständen schwer rächen, indem sie sich als sehr, sehr kostspielig erweist. Der Hausbe⸗ sitzer ist verpflichtet, die Treppen und Flure seines Hauses ausreichend zu beleuchten. Unter⸗ läßt er dies, so ist er für jeden Schaden, der einem Bewohner oder Besucher des Hauses auf Grund seiner Nachlässigkeit passiert, verantwort⸗ lich und für alle aus demselben entstehenden Kosten haftbar. Mögen sich also die Beteiligten danach richten, ehe sie auf unliebsame Weise dazu gezwungen werden. * Darmstadt, 30. Sept.(9. General⸗ versammlung des Evangelischen Bun⸗ des. Gestern fanden Festgottesdienste unter Mitwirkung des Kirchengesangvereins der hie⸗ sigen Stadtkirche unter Leitung des Kirchen⸗ mufikmeisters A. Mendelsohn und Verschiedene der Oeffentlichkeit vorenthaltene 1 8 0 statt. Abends war Festversammlung im Saalbau, der auch Prinz Wilhelm von Hessen anwohnte. Die Versammlung war ungewöhnlich stark besucht. Eine sehr eindrucksvolle Begrüßungsansprache hielt Hofprediger Ehrhardt-Darmstadt. Der Friedberger Seminarprofessor D. Weiffenbach entwarf ein Lebensbild Philipps des Groß müthigen, ihn als überzeugten Protestanten und trefflichen deutschen Fürsten feiernd. Unter großem Beifall behandelte der Exjesuit Graf Hoensbroich das Thema„der Ultramontanis⸗ mus in Deutschland“. Er ermahnte die Evange⸗ lischen alle Unterschiede bei Seite zu lassen und einig zu sein. Oberkonsistorialrat D. Leusch⸗ ner⸗ Wanzleben sprach dem gewandten Redner namens des Zentralvorstandes den Dank aus. Das Schlußwort hatte Pfarrer Guyot-Darm⸗ stadt. Heute ist die erste allgemein zugängliche Sitzung. Darmstadt, 30. September. Wie unseren Lesern noch erinnerlich sein dürfte, wurde vor einiger Zeit in Viernheim auf Veranlassung der Limburger Staatsanwaltschaft ein Pallotiner⸗ bruder verhaftet, der dem mit dem Trans⸗ port betrauten Polizeidiener in Darmstadt entwich und seitdem spurlos verschwunden ist. Dieser Tage hatte sich der überlistete Polizeimann wegen dieses Punktes vor der Strafkammer hier zu verantworten. Der Staatsanwalt faßte den Fall sehr ernst auf und beantragte das höchste Strafmaß. Der Gerichtshof kam jedoch zu einer milderen Auffassung, nahm an, daß die Ent⸗ weichung lediglich durch Fahrlässigkeit und allzu⸗ große Vertrauensseligkeit erfolgte und erkannte auf 3 Wochen Gefängnis. * Mainz, 30. September. Die Armen⸗ verwaltung hat im Interesse armer Wöch⸗ nerinnen mit den hiesigen Hebammen einen Vertrag abgeschlossen, wonach diese verpflichtet sind, mittellosen Wöchnerinnen kurzer Hand ihre Hülfe angedeihen zu lassen und ihre Rechnungen später bei der Armenverwaltung einzureichen. Weiter hat die Armenverwaltung beschlossen, den in der offenen Armenpflege unterstützten Personen auf Weihnachten eine besondere Unterstützung zu ewähren, um ihre Kinder durch nützliche Gegen⸗ tände, Schuhe, Kleider ꝛc. auf Weihnachten er⸗ freuen zu können. * Mainz, 1. Oktober. Man schreibt der „Deutschen Zeitg.“ aus dem Wahlkreise Mainz⸗Oppenheim: Die ganze Unhalt⸗ barkeit und Zerfahrenheit unserer heu⸗ tigen Parteiverhältnisse stellen sich im anmutigen Bilde des jetzt hier„entbrennenden“ Wahlkampfes dar. Der Wahltag selbst ist noch nicht angesetzt, die amtlichen Vorkehrungen aber sind getroffen. Sechs Parteien werden um die Siegespalme ringen; in welcher Schlachtordnung und Gruppie⸗ rung sie aber ins Treffen rücken wollen, ist bis jetzt noch nicht aufgeklärt. Die Sozialdemo⸗ kraten zwar und die deutsch⸗soziale Re⸗ formpartei zeigten auch hier den größten Kampfeseifer; sie haben alsbald nach dem nicht ganz freiwilligen Rücktritte des früheren sozia⸗ listischen Wahlkreisvertreters Jöst ihre Kandi⸗ daten aufgestellt. Der sozialdemokratische Kandi⸗ dat, Herr Dr. David, jetzt Redakteur der „Mainzer Volkszeitung“, vor kurzem noch Großh. Hess. Gymnastallehrer am Schillerschen Gymnasium zu Gießen, erschien zuerst auf dem Plan. Unterstützt von den Reichstags⸗ abgeordneten Molkenbuhr und Ullrich, hielt er in der gewaltigen Stadthalle eine gar nicht ge⸗ waltige, aber immerhin anständige Rede, wie man es von der Seite früher nicht gewohnt war. Entwickelung forderte er zu immer höheren, schöneren Daseinsformen— und blieb nur den Beweis schuldig, daß die Sozialdemokratie den richtigen Weg zu diesem wünschenswerten Ziele biete! Der Nera Landwirt Wolf aus Stadecken, hat durch eifrige 85 Verteilung eines schneidigen() Aufrufs die emüter in Stadt und Land zu bearbeiten versucht.(Viel ist das nun gerade nicht und die Schneidigkeit thut es in politischen Dingen am wenigsten. Red. der „Hess. Ldztg.“) Und die übrigen Parteien? Ültramontane und Nationalliberale zanken sich einstweilen in überliefertem Stil in ihren Zeitungsblättern herum. Im Stillen aber sind sie bemüht mit Freisinnsgen und De⸗ mokraten vereint einen„Bürgerkandidaten“ ausfindig zu machen. Aber diese bei der klein⸗ lichen Parteiverbissenheit an sich schon überaus schwierige Arbeit wird nur noch erschwert durch die Sondertaktik der Parteien für die unmittel⸗ bar bevorstehenden Landtagswahlen. Da haben die Herren vom Zentrum rundweg erklärt: Zuerst hinunter mit den Nationallibe⸗ ralen, unserem schlimmsten Feind— im Landtag nämlich, wo sie mit Antisemiten, Freisinnigen und Sozialdemokraten die oppositionelle Minder⸗ heit bilden—, dann erst an den„grundsätzlich“ 1 80 Feind, die Sozialdemokraten. Und so haben sich den angegebenen Thatsachen zum Trotz für die Landtagswahlen Freisinnige, Demo⸗ kraten und Nationalliberale verschwo⸗ ren gegen Zentrum einerseits und Sozialdemokratie andererseits. Ist das nicht Wahnsinn ohne Methode? Es ist wirklich Zeit, daß einmal ein kräftiger, frischer deutscher Wind in all diesen Wust und Partei⸗ plunder hineinfährt und die Moderluft veralteter Schlagworte hinwegfegt. Und da wundern sich die Parteirechenkünstler hintennach, daß die Sozial⸗ demokratie„wieder einmal“ gesiegt hat.“— Die Zerfahrenheit der bürgerlichen Parteien ist nicht zu bestreiten. Sie ist aber in Mainz nicht größer, als anderswo auch, da sie nicht von Witterungserscheinungen abhängt, wie der teutsche Korrespondent der teutschen„Teutschen Zeitg.“ meint, sondern eine Folge wirtschaftlicher Auf⸗ lösung und Zerrüttung if, mit der Wind und Wetter schlechterdings nichts zu thun haben. Sehwurgericht. W. Gießen, 1. Oktober. Heute Vormittag um 9 Uhr eröffnet der Vorsitzende Landgerichtsrat Dr. Möbius die Sitzung. Es kommt zur Verhandlung die Sache gegen den ehemaligen Ge⸗ meinderechner Hermann Rau sch von Vilbel wegen Ver⸗ brechen im Amt. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Koch. Die Verteidigung führt Rechtsanwalt Justizrat Dr. Rosenber g. Es sind 15 Zeugen und ein Sach⸗ verständiger zu hören. Der Angeklagte ist am 22. August 1859 zu Vilbel geboren, verheiratet, hat 2 Kinder und ist unbestraft. Er war von 187375 im Versicherungs⸗ geschäft von Gebr. Wolff in Frankfurt, dann besuchte er bis 1876 die Präparandenanstalt zu Lich. Er wurde dann Gehilfe seines Vaters, des Gemeinderechners zu Vilbel. Diese Stelle wurde ihm 1890 übertragen. Sein Einkommen betrug pro Jahr 2200 ,, er giebt an, mit dieser Summe reichlich ausgekommen zu sein, er habe sogar etwas ersparen können. Der Angeklagte verwaltete außer den Gemeindegeldern als Rechner die Fonds der israeli⸗ tischen Religionsgemeinde Vilbel, der evangelischen Kirche Vilbel, der evangelischen Gemeinde Okarben, der Mergent⸗ heimerschen Stiftung, der Feldbereinigungskasse Vilbel ꝛc. Die Anklage behauptet nun, daß Rausch alle diese Kassen im Gesamtbetrage von ca. 16909& dadurch geschädigt habe, daß er diesen Betrag für sich verwandt hat. Der Gemeinde sind vom Vater des Angeklagten 10000 von Transvaal. Zeitroman von Pieter Vryburg g(Fortsetzung.). f Diese ganzen letzten Worte waren leise, geheim nisvoll gesprochen, was auf Burton um so stärkeren Eindruck machte. Marja entfernte sich nach dem Hofe, um dem Stallknecht nach einigen hastigen Weisungen ein Goldstück in die Hand zu drücken. Dann eilte sie von dannen. „So, bleicher Tom, nun mögt Ihr kommen und nach Dalston fragen“, murmelte sie erleichtert. „Ich heiße Higgins und bin Unterlieutenant der Armee. Dalston ist bereits wieder abgeritten!“ Marja begab sich mit hastigen Schritten durch die jetzt stillen Straßen nach dem Administrations⸗ gebäude. i Der schwerste Teil ihres Rettungswerkes blieb . noch zu thun. t es, sich noch in das Administrations⸗ R dort Kurts Zimmer Und alles das schnell und Viertelstunde war Burton Stallknecht auf sein die Ration für eine Burtons 8 dane eimzuschteichen und indig zu machen. unbemerkt. Denn in einer mit den Pferden da, denen der Geheiß noch ein Stück Biltong, Woche, angehängt. Bie zur Ankunft 0 e alles erl digt und Kurt reisefertig sein. a ird das gelingen?“ fragte sich Marja mit Sie fand wider Erwarten das Haus bereits geschlossen. g Zwar waren noch viele Fenster erhellt und die Möglichkeit vorhanden, daß Kurt hinter einem der⸗ selben noch wachend weilte, aber in welche? Marja umstrich das Haus, dem Zufall wie schon einmal vertrauend. Hier kam ihr kein solcher zu Hilfe. Weder Thür noch Feuster waren mehr offen. Dennoch beharrte das kühne Weib in seinem Vorhaben. 1 Marja sagte sich, daß man dem Gefangenen kein Zimmer zu ebener, Erde angewiesen haben werde, und nirgends gab es hier ein Epheu- oder sonstiges Gewebe, das ihr als Leiter zu den oberen Fenstern hätte dienen können. Dennoch mußte sie zu seinen Fenstern hinauf⸗ klettern, um einen Einblick in das Innere der Zimmer nehmen zu können, noch ehe die Insassen die Vorhänge zugezogen, noch ehe Burton kam. Not macht erfinderisch. Marja warf einen raschen, forschenden Blick umher. Ihre Augen hatten sich bereits an das Dunkel gewöhnt. Schnell erspähte sie eine Stange, welche ihr für ihre Zwecke geeignet schien. Sie schleppte dieselbe, die nicht leicht war, mit Aufbietung aller ihrer Kräfte hierbei und lehnte sie dann leiterartig neben eines der erleuchteten oberen Dies geschah ganz leise, und leise und behende kletterte sie an der Stange empor. Uebung und Gewandtheit halfen ihr über alle Schwierigkeiten hinweg; und was sie spornte, was ihr Kraft gab, war die Liebe. Nach nur ganz flüchtigem Einblick in das Zimmer glitt sie au der Stange wieder hinab. So war sie unter wachsender Aufregung bereits beim vierten Fenster angelangt, als endlich ihre Bemühungen mit Erfolg gekrönt waren. Hier oben weilte Kurt in tiefem Sinnen. Die Aufregungen der letzten Stunden und die Aussicht, Morgen früh seine Freiheit wieder zu erlangen, hielten ihn wach. Es war aber noch etwas, was ihn nicht schlafen ließ— die Zweifel, welche sich mit Biancas merkwürdigen Enthüllungen in sein Herz eingeschlichen hatten, mehrten sich jetzt in der Stille der Nacht, anstatt zu schwinden. Und doch floß Creolenblut in ihren Adern. Von Neugierde getrieben, hatte Kurt sich um Auskunft über Bianca an Lord Rhodes und Jameson gewandt. Dieselbe lautete sehr reserviert, ließ aber über die Herkunft Biancas kaum einen Zweifel mehr. Und diese Mitteilungen wider⸗ sprachen direkt denjenigen, welche die Creolin über sich selbst gemacht hatte. Wie wollte sie dieselben entkräften? Aus diesen Gedanken schreckte Kurt ein leises Pochen an's Fenster. Erstaunt und ungläubig erhob er den Kopf. Fenster, gegen die Hauswand. Das leise Pochen wiederholte sich. Nun, er trat zum Fenster. Da erschien ein bleiches Gesicht hinter den Scheiben und sah ihn an mit bittenden furchtsamen Augen. 8 Zuerst glaubte er an eine Illusion. Er hatte eben sehr lebhaft an Marja gedacht. 5 Schnell war dieser Wahn gestört, und er zur vollen Wirklichkeit erwacht. Leise öffnete er das Fenster. Eine hastige, geflüsterte Verständigung folgte. „Um Leben und Tod!“ flehte Marja.„Folgen — schnell.“ Dann glitt sie vor seinen Augen wieder hinab legte die Stange an die Fenster⸗ brüstung und winkte nach oben. Kurt raffte rasch seine geringen Habseligkeiten zusammen, löschte das Licht, stieg hinaus und zog das Fenster hinter sich zu. In wenigen Sekunden war er unten. „Was?“ fragte er nur. 5 „Verrat!“ war das einzige Wort, das Marja entgegnete.. Dann griff sie ohne weiteres die Stange auf und trug sie im Laufschritt nach der Stelle zurück, wo sie früher gelegen hatte. Kurt war so erstaunt, daß er selbst vergaß, mit Hand anzulegen. „Komm!“ flüsterte Marja. hier sein. 5 Sie führte Kurt unter den Portiküs des Hauses, wo sie ihm leise einige weitere Weisungen gab. „Gleich muß er (Schluß folgt.) PF* 11 Kaution gestellt, welche bestehen blieb, als er ins Amt tra“, Der Angeklagte erklärt weiter, daß er verpflichtet gewesen sei, eine gemeinsame Kasse zu führen für alle die verschiedenen Fonds. Er mußte alle Einnahmen und Ausgaben in ein Tagebuch eintragen, und zwar sofort, wenn, sie ge⸗ leistet wurden. Für die einzelnen Fonds führte der An⸗ geklagte Hilfstagebücher. Ausgaben sollen dann unter einander der Reihe nach in das Tagebuch eingetragen werden, um in der Weise als Kontrolle zu dienen. sei seit 1886 nicht revidiert, er habe von seinem Vater die Kasse übernommen. kammer eine Revision vorgenommen. Einnahmen und Fehlbeträge, und erkannte das Fehlen der Summe an. Fehlbetrag zur Kasse ein. Summe hingekommen, wurde nicht gemacht. wo der Angeklagte diese 8000„ hergenommen, ver⸗ weigert er die Aussage. die Anklage behauptet, der Angeklagte hätte diesen Betrag ohne den Willen verwalteten Sparkasse herausgenommen. giebt weiter zu, 3000, aus der Kasse wieder herausgenommen habe. Er habe sich aber dazu berechtigt gehalten, weil es ja sein zur Kasse gegebenes Geld gewesen, genommen. Der klagten die Liste derjenigen Personen durch, von denen er für Rechnung der keine Buchungen, vorhanden sind. die Sachlage zu. pfangen zu haben. hatte im vergangenen Jahre eine alte 4% ige Schuld der Stadt Vilbel in eine 31/% ige Schuld umgewandelt. Angeklagte ist in seiner Eigenschaft als Rechner der Ge⸗ meinde beim Umtausch der Papiere thätig gewesen und waren ihm außer einem Betrag von 30 000 4 20 000 neue Papiere ausgehändigt. gekommen wäre, Die Gesamtsumme der Monats⸗ Rausch erklärt, die Kasse e nur möglich sein, 1895 habe die Oberrechnungs⸗ Es ergaben sich Der Angeklagte Er schoß den Eine Feststellung, wo diese Darüber, zwar ca. 8000. sicher verwahrt. Der Vorsitzende konstatiert, daß wenn seines Vaters aus einer von demselben] Rausch jedoch, Der Angeklagte daß er einige Zeit nach der Revision welches er zurück⸗ Vorsitzende geht nun mit dem Ange⸗ Gemeinde ꝛc. Geld erhoben und worüber wohl aber Quittungen des Angeklagten Der Angeklagte giebt im großen Ganzen Nur einzelne Posten bestreitet er em⸗ Bankier Jakob Grünewald⸗Gießen zu haben. habe, bestreitet Der Hierüber hat der Angeklagte keine Buchungen vorgenommen Saldo aus diesem Geschäft, Rausch erklärt allerdings, hause Grünewald sei ganz Privatsache gewesen. den Umtausch besorgt, denn ihm sei auch vom Ban pro Hundert dafür bewilli betrag in der Feldbereinigun Angeklagte keine A Summe nur Jemand als ihm einige Quittungen Gestohlen könne der der Angeklagte, er habe die erste Kass Zeiten seines Vaters bestanden hat. diese Behauptung nicht aufstellen zu können. Dem Angeklagten kann nicht nachgewiesen werden, daß er in seinem Haushalt opulent gelebt hat. wenn er in Frankfurt in lüderlicher Gesellschaft verkehrt zu haben. aber zu, mit einer Frau Atzert in seinem eigenen Hause ein unerlaubtes Verhältnis gehabt zu haben, doch will er dieser höchstens Beträge von je 5 K geschenkt haben. Ferner bestreitet der Angeklagte an der Börse spekuliert Auch die Annahme, daß Rausch einen größeren „ den er als Jagdpacht vom Baron von Holzhausen in Frankfurt erhoben, dort etwa verloren Angeklagte 12. November am Tage als der Bürgermeister den Fehl⸗ betrag entdeckte, versucht zu haben, fich zu erschießen. Er habe dies gethan, weil man ihn darauf angewiesen, er dürfe nur in Anwesenheit eines Gemeinderatsmitgliedes Einnahmen und Ausgaben machen, darüber habe er sich geärgert und da habe er den Entschluß zum Selbstmord Betrag ca. 6500 dieser. habe er dies privatim gemacht, kier eine Vergütung von 20„ Auskunft geben zu können. daß die Buchung vergessen und diese Abschlagszahlung erhalten hat. Die Kontrolle über die Zahlungen geschah durch die er⸗ teilten Quittungen und es sei sehr leicht möglich, daß entwendet oder fortgekommen seien. Betrag nicht sein, denn, so meint die Kasse im eisernen Schrank Der Angeklagte läßt durchblicken, als endifferenz von 8000/ schon zu Auf Befragen erklärt Der n; er gesteht aber zu, einen der dem Bankhaus zu gute in die Gemeindekasse eingelegt zu haben. das Geschäft mit dem Bank⸗ gt worden. g von 4000 erklärt der gewesen sei, gefaßt. Soweit er Es wird auf Veranlassung des Staatsanwalts konstatiert, daß der Angeklagte eine ihm gemachte Zahlung von 4000/ unterlassen habe als Eingang Hierauf folgt um 11 Uhr die Frühstückspause. (Fortsetzung folgt.) zu buchen. Ueber einen Fehl⸗ Es kann Morgens: 9 Uhr. Gottesdienst in der Synagoge. Samstag, den 3. Oktober 1896. Vorabend: 5.30 Uhr. Nachmittags: 3 Uhr. Sabbathausgang: 6.45. deutscher einer Sitzung Entwurf des Er bestreitet, leichtsinnig oder Er giebt 0 bürgerliche zungsvorschläge rung erklärt, am dem auswärtigen zusammen. Neueste Telegramme. Hd. Berlin, 1. Oktober. Der Aus, schuß des Zentral Verbandes Industrieller trat gestern zu Ueber den Handelsgesetzbuches refe⸗ rierte General⸗Konsul Russel. In einem einstimmig angenommenen Antrage be⸗ zeichnete der Ausschuß den Entwurf des Handelsgesetzbuchs als eine durch das Gesetzbuch notwendig ge⸗ wordene wohlgelungene Arbeit, die ein⸗ gegangenen Abänderu sollen —— —.— am Sonntag, d sein Programm entw Wir laden hierzu alle Wähler Gießen, 30. September 1896. eichs ungs⸗ und Ergän⸗ der Reichs⸗Regie⸗ zur Berücksichtigung überwiesen werden, General⸗Sekretär Bueck erstattete sodann den Geschäftsbericht. Er sprach Amt für das der In⸗ dustrie bewiesene Entgegenkommen seinen Dank aus. Auch in der russischen Grenz⸗ frage hatte das auswärtige Amt seine Bereitwilligkeit zur Vermittelung erklärt. Die Vorteile aus dem Handelsvertrage r mit Rußland seien zu bedeutend, um einen Zollkrieg als empfehlenswert er⸗ achten zu können. Zum Schluß wurde noch über die Handwerkerfrage und das Handelskammergesetz referiert. Hd. Paris, 1. Okt. Gestern sind die ersten franco-russischen Fahnen an den öffent⸗ lichen Gebäuden zum Vorschein gekommen. Dem „Matin“ zufolge wird das große Feuerwerk, welches zu Ehren des Zarenbesuches vom Eiffel⸗ turm, von der Jeng⸗Brücke und von den Ufern der Seine abgebrannt werden wird, alles bisher dagewesene übersteigen. Hd. Bukarest, 1. Olt. Der Bufarester Korrespondent der„Neuen Freien Presse“ hatte mit einer hohen rumänischen Persönlichkeit eine Unterredung über die Bedeutung des Besuchs Kaiser Franz Josephs. Dieselbe betont, daß der Besuch als ein hochbedeutendes Ereignis für Rumänien anzusehen sei. Derselbe bilde vor Allem die größt denkbarste. Marktpreise. Gießen, den 1. Oktober. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter per Pfd. 1,20— 1,25, Hühner⸗ eier 2 Stück 12— 15, Enteneier—, Gänseeier——, Käse 5-7, Käsematte 3, Erbsen per Liter 16, Linsen 28 Pfg., Tauben per Paar 60— 70 Pfg., Hühner p. St. 90—1,00, Hahnen 50— 70, Enten 1,50— 1,70, Gänse per Pfund 48 54, Ochsenfleisch 70— 74, Kuh⸗ und Rindfleisch 64 bis 68, Schweinefl. 56—66, Schweinefl., gesalz. 70— 72, Kalbfleisch 50, Hammelfleisch 60— 70, Kartoffeln per 100 Kilo 4,00 6,00, Zwiebeln per Zentner 4,00— 5,00 Mark, Milch per Liter 16 Pfg. Zwetschen 6,.— 7.00 p. Ztr. Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Re⸗ dakteur: Wilhelm Sell, Druck von E. Ottmann, beide in sagswahl. Gießen. Allgemeine Wähler versammlung e Danksagung. Für die überaus herzliche Teilnahme bei dem uns 80 schwer betroffenen Verluste unseres lieben unvergesslichen Kindes, für die zahlreichen Blumenspenden, insbesondere seinen Lehrern und Mit- Schülerinnen für die bewiesenen Zeichen der Liebe sagen wir hiermit unsern innigsten Dank. Jean Arnald nebst Frau und Kinder. 1114 deschäfts-UVerlegung. Meiner werten Kundschaft zur gefl. Nachricht, daß ich meine Wohnung und mein Geschäft nach verlegt habe. Judem mir das selbe Gießen, Asterweg 23, 1 1005 ich für das mir bisher geschenkte Vertrauen bestens danke, bitte auch für die Zukunft bewahren zu wollen. Achtungs voll Heinr. Kleinhenn, Schuhmacher, Asterweg 23. Licht lühlicht aus. olche zu haben bei A. Gretscher. Neustadt 78. Weit über 100 Kerzen? strahlen die neuesten Glühstrümpfe für Gas⸗ à Stück 1 Mk. 20 Pfg. sind 1039 Tanzunterricht. Teile ergebenst mit, daß am 5. Oktober mein Kursus wieder beginnt. Ersuche höflichst, Anmeldungen in meiner Wohnung, Wetz⸗ steingasse 31, 2. St., abgeben zu wollen. Honorar 12 Mk. Privatunterricht zu jeder Tageszeit. 1092 Hochachtend Ferd. Schmidt. Gasthaus„Zum deutschen of“ Vereinszimmer in vergeben, Mittagstisch im Abonnement. ᷑—..—V—w—ͤ—ͤ— Stenge der freisinnigen Partei, [⸗Grei en A. Oktober, nachmittags 1 Uhr, in Steins Garten zu Gießen, in welcher zunächst der Kandidat Herr Professor ickeln und sodann Herr Rechtsanwalt aus Stadt und Land ergebenst ein. fswald, Abr. Gilt fleisch über die politische Lage referieren wird, 11¹⁰ * gen Vereins für den ersten Hessischen Wahlkreis N 2 2 e 5 5 8 Den Empfang sämtlicher Saison- Neuheiten Herren-, Knaben- und Kinder-Anzügen zeige ergebenst an. Markus Bauer GIESSEN 9 Seltersweg 9, 4% Anfertigung nuch Huss. 80 . Spezialität: f Minder- Anzüge. 1096 9 Seltersweg 9. . Städt. Schlachthaus Freibank. Heute und morgen Ochsenfleisch, nicht ladenrein, pro Pfund 54 Pfg. Schweinefleisch nicht ladenrein, pro Pfund 48 Pfg. (gekocht und gesolbert). Tücht. Sehuhmachergeselle findet dauernde Beschäftigung bei 1117 Friedr. Hainer, Tiefenweg 4. Ein Lehrling gesucht 5 Heinrich Sack, Schreinermeister, Große Mühlgasse 5 Kleines Familienlogis per 1. Oktober zu vermieten. 1070 Kreuzplatz 4. 3 e laffielle. erhalten reine lafstelle. 1072 A. Weber, Vebigstraße 65. ccd 8 d 85 Unf lieb ten K d 85 2 nserm leben alten Kameraden= 9—— 2 Carl Dickhardt. Hunde- Schutz. zu seinem 25jährigen Jubilaum g 9 j 28 als Tambour, z. 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