a irts Phi Weglah 0 die Leihe uh I — 11 — agwörthgn res 60 ND Aater Hau Ithorstrasse. ud billige kl afl keler Hand h —(—A— wes ädchen ibachg gelucht a5 30. f — M bo be Hen 1 1 „Eichgärtel 10 — Fzbꝛeigt Todesverachtung, denn es ist Zehn Gießen, Mittwoch, den 2. September 1896. ische Landeszeitung, Ausgabe Gießen. Redaktion: Kreuzplatz Nr. 4. E Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Zspaltige Petitzeile. * 2 Expedition: Kreuzplatz Nr. 4. Lokales und Provinzielles. Sießen, 31. August. Wir berichteten . 3. über eine wichtige Aenderung in der Or ganisation unserer obersten Staats⸗ behörde. Danach sind an Stelle des Ministe— riums des Innern und der Justiz mit seinen beiden Sektionen zwei besondere Ministerien, jedes unter einem besonderen verantwortlichen Vorstand getreten, so daß innerhalb des Staats⸗ ministeriums das Ministerium des Innern, daß Ministerium der Justiz und das Ministerium der Finanzen bestehen. Man wird sich erinnern, das bon verschiedenen Seiten in der Zweiten Stände⸗ kammer wiederholt eine anderweite Organisation der obersten Staatsbehörde gefordert wurde, namentlich hat ein Antrag des freisinnigen Ab⸗ geordneten Metz⸗Gieß en die Schaffung eines ee Justizministeriums begehrt. Die Regierung hat sonach in der nun geschaffenen Neuorganisation den Wünschen der Kammer ent⸗ n woran dadurch nichts geändert wird, aß man offiziell erklärt, die für den 1. Januar 1900 beschlossene Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuchs werde eine sehr weitgehende Thätig⸗ keit der Justizverwaltung, insbesondere in Hin⸗ sicht auf die Gesetzgebung, in Anspruch nehmen. Diese Thätigkeit erfordere die Leitung durch einen besonderen verantwortlichen Vorstand. Die Organisarion der obersten Staatsbehörde ist mit Schaffung des Justizministeriums nicht abge⸗ schlossen, vielmehr stehen noch weitere Aende⸗ kungen in Aussicht. Dittmars Ernennung zum Justizminister war durch die Thatsache seiner ö n Teilnahme an den Arbeiten für das Bürgerliche Gesetzbuch gegeben, sie wird, wie . 1 können, allenthalben sympathisch begrüßt. Gießen, 1. September. Die Wahl⸗ kompagne in unserem Reichstagswahlkreise scheint allmählich in Fluß zu kommen. Am borigen Sonntag fanden seitens der Reform⸗ parteiler und der Sozialdemokraten mehrere Versammlungen statt. Der Kandidat der deutsch⸗sozialen Reformen, Herr Köhler⸗ Langsdorf, sprach unter Assisten; der Herren Fleischhauer und Reichstagsabgeordneten 0 bn in Londorf und Reiskirchen. Der 6 7 demokratische Reichstagskandidat, Herr Redakteur Ph. Scheidemann⸗Gießen, sprach in Nieder⸗Bessingen bei Lich. Alle Versamm⸗ lungen waren gut besucht.— Von einer Kandi⸗ datenaufstellung seitens der Frei sinnigen und nationalliberalen Partei verlautet immer noch nichts bestimmtes. In den letzten Tagen wurden uns wiederholt die Herren Professor Stengel⸗Greifswald ue in Marburg) und Bahnhofsrestaurateur Kirch als Reichstags⸗ kandidaten genannt. Ersterer ist freisinnig, letz⸗ terer nationalliberal. Wie weit diese Nachrichten zutreffend sind, wissen wir leider nicht. Leicht scheint es allem Anschein nach den beiden Par⸗ teien nicht zu werden, geeignete Kandidaten zu finden. Gießen, 1. September. Ueber die Fre⸗ quenz der Landes⸗Universität Gießen während des Sommersemesters 1896 veröffentlicht die Zentralstelle für die Landesstatistik folgende Zusammenstellung: Zahl der Studirenden Ge⸗ sammt ⸗ zahl. Studienfächer. Nicht⸗ Hessen. Hessen. 59 155 68 16 Evangelische Theologie.. Rechtswissenschafte Medizin Tierheilkunde Zahnheilkunde— Kameralwissenschaft.. 33 Forstwissenschaft 9 Mathematik 18 Naturwissenschaft 7 Klassische Philologie.... 29 Neuere Philologie 32 Philosophie..— Geschichte 7 Pharmacie 5 Chemie 21 459 67 180 128 42 1 33 18 22 11 30 32 6 8 10 42 630 8 — Ge 14 198 Sl eee 8 Zusammen Außerdem nicht immatrikulierte Hörer: 23. Unter den neu Immatrikulierten waren: mit Reifezeugnis eines Gymnasiums 114, eines Realgymnasiums 27, mit Reifezeugnis für das betreffende Fach 27. * Gießen, 1. September. In unserer Stadt waren im Monat Juli d. J. 53 Sterbe⸗ fälle zu verzeichnen. Im Alter von weniger als 1 Jahr starben 7, zwischen 1—15 Jahren 12, zwischen 15 und 60 Jahren 22 und über 60 Jahre alt 12 Personen. Als Todesursache wird an⸗ gegeben in je 1 Fall Masern und Schlagfluß, in je 3 Fällen entzündliche Erkrankungen der Atmungsorgane, Darmkatarrh, Lebensschwäche und Altersschwäche, 4 Mal war Lungenschwind⸗ sucht, je 5 Mal Herzkrankheiten und Selbstmord resp. Unglücksfall und 6 Mal Krebs Todes⸗ ursache. 19 Todesfälle kamen auf verschiedene Krankheiten. * Gießen, 1. September. Die nächste Tagung des Schwurgerichts beginnt am 28. September. Als Vorsitzender wird Land⸗ gerichtsrat Möbius fungieren. Es werden u. A. zwei Brandstiftungsfälle zur Verhandlun kommen und zwar gegen den Landwirt Freun und dessen Sohn von Alten⸗Buseck und gegen den Schäfer Andreas Merle von Althattendorf bei Alsfeld. Nach unseren Informationen ist anzunehmen, daß die Verhandlungen länger als 8 Tage dauern werden. * Gießen, 1. September.(Strafkammer⸗ Verhandlung.) Der 20 Jahre alte unbe⸗ strafte Maurer Johann August Dietz von Vilbel ist beschuldigt in der Nacht vom 19. zum 20. Juli d. J. nach 3 Uhr dem Arbeiter Gal⸗ lop aus Oesterreich gebürtig auf der Dorfstraße zu Vilbel nach gehabtem Wortwechsel hinterrücks mit einem Messer gestochen zu haben, so daß demselben eine acht em. tiefe Fleischwunde bei⸗ gebracht wurde. Der Verletzte war infolge davon 14 Tage arbeitsunfähig.— Der Angeklagte be— hauptet, sein Gegner habe ihn zuerst angepackt. Dieser behauptet, daß er sich erst gewehrt habe, nachdem er den Stich weggehabt habe. Staats⸗ anwalt Koch hält den Angeklagten der That für überführt und wenn auch der Angeklagte noch unbestraft sei, so sei doch eine empfindliche Strafe hier am Platze. Ohne jeden Grund habe Dietz zum Messer gegriffen, und seinen Opfer von hinten einen Stich versetzt. Er beantrage eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr 6 Monat. Das Urteil lautete auf ein Jahr Gefängnis. Weinend wurde der Angeklagte in die Haft zurückgebracht. * Gießen, 1. September.(Jagd vergehen Vetter.) Peter Vetter von Nieder-Dorfelden hatte sich heute das zweite Mal vor unserer Strafkammer wegen einer angeblich in Ge⸗ meinschaft mit dem Landwirt Gunderloch von Rendel am hellen Mittag des 4. Sept. auf fremdem Jagdgebiet ausgeübten Hasenjagd zu verantworten. Unsere Leser erinnern sich aus den früheren Verhandlungen, daß das Schöffengericht Vilbel den Vetter wegen einfachen Jagdvergehens zu 60 Mark Geldstrafe verurteilt hatte, obschon Gunderloch damals, als Zeuge vernommen, be⸗ schworen hat, weder er noch Vetter hätten gejagt. Die Strafkammer, welche als Berufs-Instanz von der Staatsanwaltschaft sowohl, wie auch vom Angeklagten in dieser Sache angerufen wurde, verurteilte Vetter wegen gemeinsamen Jagdvergehens zu 6 Wochen Gefängnis. Hierauf wurde Gunderloch wegen des in Vilbel geleisteten Eides in Haft genommen, weil man annahm, dieser Eid sei falsch geleistet. Vorerst aber stellte man den Verhafteten ebenfalls vor die Straf⸗ kammer, und verurteilte diese auch den Gunder⸗ loch wegen gemeinsamen Jagdvergehens. Wegen des in Vilbel geleisteten Eides, der nach Ansicht der Staatsbehörde wissentlich falsch geschworen, erfolgte seitens des Schwurgerichts die Frei⸗ sprechung des Gunderloch.— Vetter hat gegen das Urteil der Strafkammer vom 28. Januar die Revision beim Oberlandesgericht in Darm⸗ stadt verfolgt und zwar mit Erfolg, und so ist denn diese Sache zur nochmaligen Verhandlung an die Strafkammer zurückverwiesen. Es sind heute 23 Zeugen, darunter auch der Landwirt Gunderloch von Rendel, zu vernehmen, und wird 9 Verhandlung jedenfalls erst spät zu Ende ommen. steht uns ein früher und harter Winter bevor. Hiobs⸗ posten auf Hiobsposten kommen von auswärts in unser Redaktionsbureau geflattert und lassen unsere Hoffnung auf einen schönen, sonnigen Herbst bis zum Gefrierpunkt herabsinken. Von den Regengüssen, die unaufhörlich nicht nur bei uns zu Lande, sondern im ganzen großen Europa, erbarmungslos niederprasselten, wollen wir schon garnicht reden; der Regen kümmert sich bekanntlich um den präch⸗ tigsten Sommer nicht und beim Herannahen des Herbstes wird er wie etwas Unvermeidliches gelassen hingenommen. Daß aber bereits in den letzten Augustwochen Schneefälle gemeldet wurden, ist sehr bedenklich und kann selbst philo⸗ sophische Gemüter aus ihrer stoischen Ruhe schrecken. Im Harz und im Riesengebirge haben sich solche Schneefälle eingestellt, und wer momentan zur Erholung im Süden weilt, im vielgepriesenen Italien, wo der Himmel so wunderbar blau ist und aus dunklem Laube die Gold⸗ orange verführerisch lockt, der wird auch dort durch wid⸗ rige Schneeschauer unwirsch in seiner sommerlichen Behag⸗ lichkeit gestört worden sein. Seit Jahren— so klagt man im Norden und Süden— ist ein trübseliger Sommer, wie dieser, nicht dagewesen; es regnet, es schneit, der Wind bläst frostig zum Tanz auf, und das dürre Laub liegt fußhoch auf einsamen Waldwegen. Die Gastwirte jammern, denn die dauerhaftesten Touristen ergreifen schaarenweise die Flucht und eilen mit Kurirzugsgeschwin⸗ digkeit der fernen Heimat zu, die Landleute trachten Hals über Kopf die gefährdete Ernte in Sicherheit zu bringen, die Zugvögel rüsten sich früher als sonst zur Reise übers Meer. Schon sind die Störche, ohne Abschiedsvisite zu machen, auf und davon geflogen; ach, wie so Manch er flöge ihnen gerne nach, um Gegenden kennen zu lernen, in welchen die Blumen noch blühen, die Sonne noch freundlich lacht und der Sommer kein frommes Märchen für artige Kinder nur ist. Gar melancholische Gedanken läßt der heutige erste September in uns aufsteigen, wie der liebe Leser sich schwarz auf weiß überzeugen kann. Aber unmöglich vermag man die Welt in rosigen Farben zu schildern, wenn unter dem Einfluß der trüben Wit⸗ terung eine Gänsehaut eiskalt über den leicht gekleideten Körper läuft. Möge die nächste Stunde schon unste düstern Zukunftsprophezeihungen Lügen strafen und in liebenswürdigster Art uns belehren, daß man den Som⸗ mer nicht vor seinem Ende tadeln soll. (Gro ßh. * Darmstadt, 1. September. Technische Hochschule.) Vorlesungen und Uebungen über Elektrotechnik im Winter⸗ semester 1896—1897. Beginn des Winter⸗ semesters am 20. Oktober. Elemente der Elektro⸗ technik, Geheimer Hofrat Professor Dr. Kittler, 2 Stunden wöchentlich.— Theorie der elek⸗ trischen Maschinen und Umformer, Derselbe, 2 Stunden wöchentlich. Elektrotechnisches Semi⸗ nar, Geheimer Hofrat Professor Dr. Kittler in Gemeinschaft mit Professor Dr. Wirtz, Ingenieur Sengel und den Assistenten des elektrotechnischen Instituts, 1 Stunde wöchentlich. Elektrotech⸗ nisches Praktikum(Galvanische Arbeiten, Magne⸗ tische Untersuchungeu, Bestimmung der von Motoren auf elektrische Maschinen übertragenen Arbeit und photometrische Untersuchungen au Bogen- und Glühlichtlampen), Geheimer Hofrat L. Gießen, 1. September. Allem Anschein nach Professor Dr. Kittler in Gemeinschaft mit Pro⸗ — — — — Marja, das Heldenmädchen von Transvaal. Zeitroman von Pieter Vry burg (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Wir werden bei strenger Geheimhaltung unseres Planes und guter Organisierung des Aufstandes das 0 Transvaal völlig überrumpeln, und das ist meines Erachtens die erste Vorbedingung des Sieges. Denn an Zahl und Bewaffnung ist der Gegner uns über⸗ legen. Wir müfssen ihn zugleich von allen Seiten angreifen und ihn schlagen, ehe es ihm gelingt, seine bedeutenden Streitkräfte zusammenzuziehen. Ich selbst bin gegen das geplante Attentat auf Paul Krüger, das uns die Sympathien von Europa verscherzen und uns in das Licht von Frei⸗ beutern und Mördern stellen würde.“ Ohol“ rief Hambrock drohend.„Diese Be⸗ zeichnung verbitte ich mir! An der Spitze einer be⸗ waffneten Truppe ist es leicht, marschieren und Siege erfechten, aber als einzelner Mann sich mitten in Pretoria hineinwagen und den Präsidenten an der Schwelle zum Volksraad niederzustoßen, das gegen eins, Was daß ich nicht lebend davonkommen werde. flümmert uns die Meinung von Europa! Wir sind bier in Südafrika und wollen Transvaal erobern. Das aber wird uns nimmer gelingen, solange der Krüger lebt. Ich hatte eher Dank von Ihnen er⸗ warket, dafür, daß ich Ihnen den Weg zu dem er⸗ ledigten Präsidentenhause ebene.“ Hambrock trat grollend zurück und Jameson er⸗ kannte mit klugem Blick, daß sein Plan von vielen eheißen wurde. 98 erstebt mich recht“, lenkte er ein.„Gewi 5 1 8 5 ambrock, und wäre Eures eine Heldenthat, Jakob Hambr en hat es mir gelegen, Euch einen Mörder zu nennen. Ich sagte nur, daß das Urteil Europa's so lauten würde.“ „Europa kümmert uns nichts!“ riefen im Ein⸗ verständnis mit Hambrock mehrere Stimmen. „Doch, doch“, entgegnete Jameson,„denn wir nehmen ja Transvaal für England in Besitz, und wie wir das thun, kann dem Mutterlande nicht gleichgiltig sein.“ „Die Hauptsache ist, daß wir es haben“, be⸗ harrte der Vertreter von Leydsdorp. „Sie vergessen noch einen, dessen Urteil hier, maßgebend ist und von dem wir allein die Mittel zur Kriegsführung erwarten können— Sir Cecil Rhodes, den man den ungekrönten König von Süd⸗Afrika nennt. Der Herr von Rhodesia ist auch Ministerpräsident der Kap⸗Kolonie. Es wird nicht unverdächtigt bleiben und die Ermordung Krügers müßte ihn meines Erachtens bestimmen, seine Hand von uns abzuziehen. Was aber sind wir ohne Cecil Rhodes? Sein Bruder, der Oberst, ist das Haupt der Reformpartei in Johannesburg.“ Diese Worte des Rhodes ganz ergebenen Jameson machten einen üblen Eindruck und Hambrock rüstete sich eben unter dem Murren der Anderen zu der haarscharfen Erwiderung aus:„Er giebt kein Häupter außer uns“, als plötzlich draußen ein wildes Geschrei entstand. Gleichzeitig fielen mehrere Schüsse. Alles stürzte dem Ausgange zu. Was war geschehen? 7. Kapitel. Verfolgt. Dem Lauscher an der Wand war es im Ver⸗ laufe dieser Verhandlungen recht schwer zu Muthe geworden. Immer klarer wurde es dem Deutschen, was seiner harrte, wenn er jetzt hier entdeckt wurde. Mit seinem Tod war dem so arg bedrohten Lande nicht gedient, vielmehr hing jetzt die Erhaltung des⸗ selben an seinem Weiterleben und an seinem glück⸗ lichen Entkommen aus der Nähe des Verschwörungs⸗ heerdes. Der junge Mann war aber auch der Träger und alleinige Wisser eines ernsten Familiengeheim⸗ nisses, dessen Fäden sich über den Ozean von Deutschland nach Afrika hinüberspannen. Zur Lösung desselben und in Erfüllung eines heiligen Eides war er hier herübergekommen. Mit ihm sank das Geheimnis ins Grab. Hatte er nicht die Pflicht, sich für seine Aufgabe zu erhalten? Wäbrend jene Verbrecher da drinnen über Leben und Tod eines unschuldigen, ehrenwerten und um sein Land hoch verdienten Mannes verhandelten, trat eine andere gleich ehrwürdige und gebietende Gestalt vor sein geistiges Auge. Eine Stimme, die er wohl kannte, drang wie aus Traumesferne mabnend und klagend zu seinem Ohr:„Erfüllst Du so Dein Versprechen?“ Diese edle Greisengestalt, die er da sah, trug genau dieselben Züge des Mannes, welchen Marja's Vater mit seinem geistigen Auge erschaut hatte, den er draußen auf wüster Steppe verschmachtend wähnte und dem er keine Hülfe hatte bringen wollen. Seltsames, dunkles Verhängnis, in welches hier die ersten schwachen Lichtstrahlen fielen! Dieselbe Erscheinung, welche den alten Boer erschreckt und so mit Haß erfüllt hatte, daß sein eigenes Kind entsetzt vor ihm zurückgewichen war, sie ließ das Auge des jungen Deutschen in Liebe aufleuchten und stillte den tobenden Kampf in seiner Brust. Im Nu schwiegen alle die bösen, feind— seligen Regungen, welche die Vorgänge auf der stillen Farm in ihm erweckt hatten; er dachte nur noch an die ihm auferlegte heilige Pflicht, in deren — fliehen mußte, so weit und so schnell er es ver— mochte. Mit dieser Absicht erhob sich der Deutsche aus seiner kauernden Stellung. Was kümmerte es ihn noch, was da weiter verhandelt und beschlossen wurde. Er wollte fort. Von dem Gebüsch verdeckt, warf er einen spähenden Blick umher. Die Gelegenheit zur Flucht war günstig. Die Soldaten der Chartered-Kompagny hatten ihre Wachsamkeit vermindert. Es war auch gar zu langweilig, immer auf und ab zu gehen und in die stille Wildnis hinauszublicken, in welcher weder Mensch noch Tier auftauchen wollte. Ja, wenn es noch in der guten alten Zeit gewesen wäre, wo Transvaal eines der wildreichsten Länder war, wo Elefanten und Büffelheerden seine weiten Steppen durchzogen, wo Löwen und Leoparden um diese Zeit auf Raub ausgingen. Davon erzählte man heute noch, aber ein Stück Wild traf man selten mehr an, und ein Löwe wäre eine ganz ungewöhuliche Erscheinung gewesen. Der Deutsche bemerkte, daß die Soldaten in ein gemeinsames Gespräch vertieft waren. Der Weg zu den Ställen stand offen. Noch einen forschenden Blick sandte er hinüber, dann glitt er an der vom Monde hell beschienenen Hauswand entlang, langsam, leise horchend und spähend. Der Zufall fügte es, daß in diesem Augenblick einer der Soldaten nach dem Hause hinsah. Seinem scharfen Blicke entging es nicht, daß die Art, wie der Unbekannte an der Wand hinschritt, etwas Verdächtiges hatte. „Seht doch!“ rief er halblaut den Anderen zu. Alle blickten hinüber. (Fortsetzung folgt.) Erfüllung er diesen gefährlichen Ort verlassen und r ——= — fessor Dr. Wirtz, 2—4 halbe Tage wöchentlich. Selbständige Arbeiten aus dem Gebiete der Elektrotechnik für vorgeschrittenere Studierende, Derselbe, Zeit nach Vereinbarung. Elektrotech⸗ nische Meßkunde, Professor Dr. Wirtz, 2 Stunden wöchentlich. Elektrische Leitungsanlagen und Stromberteilungssysteme, Derselbe, 2 Stunden Vortrag, 2 Stunden Uebungen wöchentlich. Kon⸗ struktion elektrischer Maschinen und Apparate, Ingenieur Sengel, 2 Stunden Vortrag, 3 Std. Uebungen wöchentlich. Elektrochemie, Professor Dr. Dieffenbach, 2 Stunden wöchentlich. Elektro⸗ technisches Praktikum, Derselbe, an allen Wochen⸗ tagen(mit Ausnahme des Samstags) von 8 bis 12 und 2 bis 5 Uhr. * Mainz, 1. September. Das Gewerk⸗ schaftskartell hat bekanntlich vor kurzem die Anarchisten von seinen Beratungen ausge⸗ schlossen. Sowohl in der Gewerkschaft der Tischler als auch der Gold⸗ und Silberarbeiter stand nunmehr am Samstag Abend der Antrag zur Debatte, die Anarchisten auch aus diesen beiden Gewerkschaften auszuschließen. Die An⸗ träge wurden bei den Schreinern mit 19 gegen 17 und bei den Goldarbeitern mit 11 gegen 11 Stimmen abgelehnt. * Mainz, 31. August. Der bekannte, aus dem städtischen Dienste entlassene Polizei⸗ kommissar Bugner, welcher in Frankfurt a. M eine Wirtschaft betreibt, hat gegen einen Bürger⸗ meisterei⸗Sekretär Anzeige wegen Meineides erstattet. Die Sache hängt mit der Untersuchung gegen Bugner vor seiner Entlassung aus städti⸗ schem Dienste zusammen.— Vor einigen Tagen durchlief alle Zeitungen die Mitteilung, daß bei Laubenheim ein 16 Jahre altes Mädchen von zwei Handwerksburschen überfallen, beraubt und in den Rhein geworfen worden sei. Wie es sich nun nachträglich herausstellt, ist an der Made Geschichte kein wahres Wort; das ädchen hat alle Behörden getäuscht. * Mainz, 31. August. Die sozialdemo⸗ kratische Partei hat für die bevorstehende Ergänzungswahl für den hessischen Landtag im Stadtkreis Mainz den Redakteur Dr. Eduard David und den Schriftsetzer Philipp Haas, beide in Mainz wohnhaft, als Kandidaten aufgestellt. Dr. David kandi⸗ diert auch im neunten rheinhessischen Wahlkreis, zu dem die Orte Mombach, Gonsenheim, Finthen, Drais, Marienbronn, Ober⸗ und Niederingelheim, Großwinternheim, Sauerschwabenheim und Els⸗ heim gehören. Die Stadt Mainz war in der V. Marburger eerdemarkt Lotterie. Verlosung am 15. September 1896 von JEquipagen, Pferden, Fahr⸗ und Reit ⸗Requisiten, Reise⸗Utensilien ꝛc. ꝛc. t NR Mk. 1, welche in der Expedition dieser Zeitung, sowie in den mit Plakaten versehenen Verkaufstellen zu haben 942 Lose sind, empfiehlt und versendet Ferd. Bang, Bankgeschäft, Marburg. Bei Abnahme von 10 Losen 1 Freilos. Porto u. Liste 20 Wextra. zweiten Kammer seit 1885 sozialdemokratisch vertreten, während der neunte rheinhessische Wahlkreis stets freisinnig gewählt hat. * Mainz, im August. Das Gewerk⸗ schaftskartell von Mainz hat in seiner letzten Sitzung die Delegierten des Holz⸗ arbeiter verbandes von den ferneren Bera⸗ tungen des Kartells ausgeschlossen, weil diese sich offen als Anarchisten bekannten und die organisierten Arbeiter nicht dulden wollen, daß erstere zerstören, was sie selbst mühsam auf⸗ bauen. Aus Anlaß jenes Vorganges fanden polizeiliche Vernehmungen der Vorsitzenden des Gewerkschaftskartells und des Holzarbeiterver⸗ bandes statt. Vermischtes. — Bierbrauereien in der Natur. Manche Eichbäume, auch einzelne Pappeln, Birken und andere Stämme leiden an einem eigentümlichen Saftflusse. Der aus der Rinde quellende Saft gerät in Gärung und riecht stark nach Bier. Im Herbste 1876 wies Dr. Ludwig aus Greiz zuerst auf der Naturforscherversammlung in Berlin nach, daß die Baumstämme, besonders die Eichen, an schadhaften Stellen einen Saft ausfließen lassen, der durch einen neuen mikroskopischen Pilz in alkoholische Gärung gerät. Dieser Saft besteht hauptsächlich aus einem bis dahin unbekannten Fadenpilze, den Ludwig„Endomyces Magnussii“ benannte, und der besonders im Anfange der Gärung vorhanden ist. Die Fortpflanzungsgeschichte dieses neuen Gärungspilzes hat Ludwig genau erkannt und klargelegt. Wir können dieses Thema nicht eingehender berühren, jedenfalls sind die Entdeckungen vonßder eigen⸗ tümlichen Vermehrung dieses Pilzes schon von der größten Tragweite, wenn man nur die Fähigkeit desselben, die Alkoholgärung zu erregen, ins Auge faßt und die zerstörenden Wirkungen bedenkt, welche der Pilz auf lebende Eichen und andere Bäume ausübt, wie überhaupt Dr. Ludwig dem von ihm entdeckten Pilz kein gutes Zeugnis giebt. So stellen denn unsere Waldbäume in der Bildung dieser Flüssigkeit gleichsam„Brauhäuser“ dar, deren Gäste die Insekten sind. Man sieht solche Schaumstellen stets mit den verschiedensten Insekten besetzt, wie Schmetterlingen, Hirschkäfern, Hornissen ꝛc., die sich in aller Form„bezechen“! Auch sorgen diese Gäste un⸗ bewußt für Errichtung neuer„Brauhäuser“, indem sie den Schleim, worin die Pilzsporen liegen, an ihren Körperteilen mittragen und an frischen Verletzungen der Rinde anderer Bäume, z. B. Astbrüchen, Frostspalten ꝛc. ansetzen. Hier entwickeln sich die Sporen unter der Rinde, und bald ist ein neues„Insektenhaus“ fertig. Wie manchem Insektensammler ist schon das eigentümliche Ge⸗ bahren gewisser Insekten aufgefallen, doch hat er gewiß nicht gedacht, daß diese Gäste vielleicht eben aus ihrer „Stammkneipe“ kamen oder in ihrem„Brauhause“ des Guten zu viel gethan hatten. — Begnadigte Schüler. Drei Knaben, Schüler der Stadtschule in Christ burg, die sich kurz nach Weihnachten an einer Prügelei beteiligten, bei der das Unglück es wollte, daß ein Knabe vom Lande so am Knie verletzt wurde, daß er nach einigen Wochen infolge der erhaltenen Verletzung starb, wurden vom Landgericht in Elbing zu Gefängnisstrafen von 14 Tagen bis 4 Monaten verurteilt. Auf ein Gnadengesuch der Eltern an den Kaiser wurde diese Strafe in eine Schulstrafe umgewandelt, und zwar müssen zwei Knaben 10 Tage hintereinander und der Dritte 4 Tage 4 Stunden ab⸗ gesondert im Schulgebäude eingeschlossen zubringen. Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten⸗ Versammlung, Freitag, den 4. September 1396, nachm. 3½ Uhr pünktlich. 1. Auslosung Obligationen des 1893 er Anlehens. 2. Desgl. des 1894 er Anlehens. 3. Desgl. des 1895 er Anlehens. 4. Gesuch des H. Winn um Erlaubnis zur Belassung eines Backsteinhäuschens im Neustädterfeld. 5. Gesuch des Jakob Diel um Erteilung der Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Hause Riegelpfad. 6. Desgl. des Wilh. Weidmann im Hause Frank⸗ furterstraße 83. 7. Desgl. des Konrad Atzbach im Hause Leihgesterner⸗ weg Nr. 9. 8. Desgl. des Wilhelm Pfeiffer 1 im Hause Liebig⸗ straße 71. 9. Gesuch des Wilhelm Schomber um Erlaubnis zum Ausschank von Branntwein über die Straße. Neueste Telegramme. Hd. Berlin, 1. September. Die„Post“ erfährt, es seien dem Bundesrate Gesetzentwürfe betr. die Abänderung der Gewerbeord— nung und betr. Abänderung des Arbeits⸗ versicherungsgesetzes zugegangen. Dent⸗ selben Blatt zufolge dürfte dem Bundesrate auch bald ein Abänderungsvorschlag der Seemanns⸗ ordnung zugehen. Hd. London, 1. Sept. Lobanow's Tod wird hier als ein weiteres Element der Unsicher⸗ heit in der verworrenen politischen Lage des Augenblicks betrachtet. Seine Thätigkeit wird fast nur nach seinem Verhalten in der Orient⸗ frage beurteilt und freimütig ausgesprochen, daß sein entscheidender Einfluß in der Behand⸗ lung derselben ein Unglück für Europa gewesen sei. Die„Westminster Gazette“ bezeichnet zurückzuzahlender Lobanow's Bemühung, andere Staaten am Ein⸗ schreiten zu Gunsten der Armenier zu verhindern, 1 als unsittliche Politik, und hofft, der Zar werde nunmehr dieselbe aufgeben und zur traditionellen russischen Politik, der Beschützung der orfenta⸗ lischen Christen zurückkehren. Hier wird ange⸗ nommen, daß der Londoner Botschafter Herr b.* die Nachfolge Lobanow's antreten werde. 3 Hd. Konstantinopel, 1. September. Als gestern die drei Botschafts⸗-Dragomane nach Pildiz-Kiosk fuhren, um dort Vor⸗ stellungen zu erheben, wurde vor Dolma⸗Bagsche ein Armenier von vier Türken erschlagen. Der russische Dragoman Maximow sprang aus dem Wagen, nahm den Thätern die Knüppel fort und führte sie auf die nächste Wache; da diese sich weigerte, die Türken in Haft zu nehmen brachte Marimow die vier Türken nach Nldiz⸗ Kiosk. Dort ergab sich, daß einer der Thäter Hofbediensteter ist. Vielfach wird die auf verschiedenen Anzeichen begründete Vermutun verlautbar, daß der vorgestern erfolgte Wurf einer Bombe von türkischer Seite ins Werk gesetzt worden sei, um die bisherigen Ver⸗ folgungen der Armenier zu rechtfertigen und den Pöbel weiter aufzureizen. Erwiesen erscheint, daß die Polizei am Mittwoch irgend welche Gewaltsakte der Armenier erwartete und die untersten Klassen dahin verständigte, sich zur Verfolgung der Armenier bereit zu halten. 8 Marktpreise. Gießen, den 1. September. Auf dem heutigen Wochenmarkte kostete: Butter p. Pfd. 0,90— 1,05. Hühner⸗ eier per Stück 6, Enteneier—, Gänseeier——, Käse 5—8, Käsematte 3, Erbsen per Liter 15, Linsen 28 Pfg., Tauben per Paar 50— 70 Pfg., Hühner p. St. 90— 1,00, Hahnen 50—85, Enten 1,60—2,—, Gänse per Pfund 00—00, Ochsenfleisch 70— 74, Kuh- und Rindfleisch 64 bis 68, Schweinefl. 56—66, Schweinefl., gesalz. 70— 72 Kalbfleisch 50—, Hammelfleisch 60— 70, Kartoffeln per 100 Kilo 4,00 6,50, Zwiebeln per Zentner 3,50 4,00 Mark, Milch per Liter 16 Pfg. Sterbefälle. Am 31. Aug. Lina Fis, 23 Jahre alt, Dienst⸗ magd von Linkenaheim, Amt Karlsruhe. Ge⸗ storben in der neuen Klinik. Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Ne⸗ 5 85 Wilhelm Sell, Druck von E. Ottmann, beide in eßen. werden: haben, Bekanntmachung. Betr.: Die Vergebung der„Commer⸗ zienrat Heichelheim⸗Stiftung““. Aus rubr. Stiftung haben am 1. November l. J. 1500 Mk. zur Verteilung zu gelangen. Nach§ 3 der Stiftungsurkunde können zur Bewerbung um die Gaben nur zugelassen a) Personen, welche während des Feldzugs 1870/% 1 im Militärverhältnis getaner b) Frauen und Kinder solcher Personen, vorausgesetzt, daß diese sub a und b bezeichneten Bewerber einer derartigen Unterstültzung bedürftig und würdig sind, und daß dieselben von der Zeit der Bewerbung rückwärts gerechnet, min⸗ destens zwei Jahre in Gießen ununter⸗ 5 brochen gewohnt haben. Die Bewerber werden 4 Für Sünge e ee hierdurch aufge⸗ Lorbeer⸗ , Tu N 0* Lampions, Dekorationsfahnen, Schärpen. Luyras, Festrosen, Festhoudets, in Grün, 1 — 8 bd l. Ude den — von Wilh. * Größte Auswahl in Fahr⸗ rädern, Zubehör und Reserveteilen. — P. T. Den verehrl. Damen die . Giesten, Bleichstr. 7. 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