an dc fn 10 en Ga ble fan 1896. 77 Ausgabe Gießen, Donnerstag, den 2. Juli Gießen. ig 1 — 7 Redaktion: — marktes. „ geh. bon Printer: 1 1* Gießen, 1. Juli. hl, 10 J. 1 IE a Sn] Allein die Umstände, unter denen unsere Vieh⸗ garktfrage ins Rollen kam, reichen hin, um den J Hahne a, zolksfreund gegen das ganze Projekt und den 15 ugeblichen Segen, der daraus ersprießen soll, sutzig zu machen. Fünfundfünfzig Vieh groß⸗ ndler legen vor Jahren der Stadtbehörde eine ghetition vor, in der sie auf die mangelhaften faumverhältnisse des jetzigen Marktes aufmerksam nachen und um Abstellung der von ihnen gerügten llebelstände ersuchen. Den Wortlaut der Ein— gabe kennen wir nicht; wir gehen aber wohl licht fehl in der Annahme, daß am Schluß jüstere Prophezeiungen über die Zukunft des Narktes angefügt und wahrscheinlich auch bemerkt borden ist, daß, wenn ihren, der Groß händler Wünschen nicht bald Rechnung getragen würde, se unserem Markt den Rücken kehren und— ittere, Gießen!— andere Orte mit ihrer Gegen— bart beglücken müßten. Es wäre wenigstens erwunderlich, wenn diese oder eine ähnliche Wendung nicht gebraucht worden wäre; denn lie„großen“, d. h. wirtschaftlich potenten Leute 55 am liebsten mit dem Verlust ihrer Per⸗ bah al, Gesorben in arine gin⸗ alt, Ghefigl ab Kizenbach alten Kli, ing, geb, un⸗ 1 bon Bauer storben in der 9, Verantw. J; Pttmann, bebe l sönlichkeit, d. h. ihres— Geldbeutels, wie ja uch seiner Zeit der große Herr Wilhelm Funke u Hagen als feuriger Patriot den preußischen Staub von seinen Fabrikantenstiefeln blasen wollte, dals ihm das bittere Unrecht zugemutet wurde, haß er sein ganzes, sogar selbst zu deklarieren⸗ des Einkommen zu versteuern hätte. Den großen Leuten, die das Portefeuille mit Tausendmarkscheinen vollgepfropft halten und Hunderttausende im Monat umsetzen, thut man gern einen Gefallen; den Hunderttausenden, von denen Jeder nur eine Mark im Beutel hat, wird bpeniger Beachtung geschenkt. Das macht der Staat so; danach handeln Provinzen; weshalb jollte die Stadt Gießen eine Ausnahme machen? tieren Die Forderung einer Schienenverbindung, die ünseres Wissens von den Großhändlern in den Vordergrund gestellt wurde, war übrigens nicht unbescheiden; sie müßte aus Rücksicht auf die e und 4 aun. Derkehrsverhältnisse so oder so erfüllt werden und findet in der Bürgerschaft auch nicht die 846 ac de Opposition. Für einen flüchtigen Augen⸗ lick wäre dabei allerdings zu bedenken, daß nach Herstellung einer Geleisverbindung so manchem armen Teufel manche Mark, die er für den Transport des Viehs durch die Stadt erhalten, berloren geht. Zwar hat jeder von diesen das⸗ selbe Recht auf Leben und Existenz, wie das jeder der Großhändler beansprucht, indessen hier kommt ein allgemeines Interesse in Rechnung und da steht bei uns immer noch auf dem Weg⸗ weiser die alte lapidare Inschrift: Sieh zu, wie du durchkommst; such dir was Anderes. Das Suchen ist ja recht gut, wenn das Finden nur ebenso bequem wäre.... 95 Nach Einlauf der Großhändler-Petition hat sich die Baudeputation mit der Frage beschäftigt. Sie hat zuvörderst ihr Augenmerk ganz richtig 0 1 —̃ä Ä verkehr dort zu erhalten, wo inneren Stadt zu Gute kommt. Ein inzwischen verstorbener Stadtverordneter wurde mit dem Ankauf des nötigen Geländes unter der Hand beauftragt; er hat auch in Verfolg des ihm ge— wordenen Auftrages Schritte gethan, der Kauf wurde aber nicht perfekt. Die Viehmarktfrage wurde hinter andere kommunale Angelegenheiten zurückgestellt; sie versumpfte und die Bürger⸗ schaft wiegte sich, wie sie das leider so gern thut, in sorglose Sicherheit. Sie schlummerte noch friedlich, als im letzten Verwaltungsbericht der Bürgermeisterei das Wetterleuchten anhob, und schreckte erst jäh in die Höhe, als zu Beginn des laufenden Jahres das Gewitter mit Blitz und Krachen losbrach. Die Viehmarktfrage war aus der Versenkung wieder ans Tageslicht ge— kommen, aber aus dem Paulus war ein Saulus geworden, der statt Vertrauen und Zuversicht Angst und Besorgnis einflößte. Von dem alten Projekt, das allgemeine Zu— stimmung gefunden hätte, war nichts als der Name übrig geblieben. Wie ist das gekommen? Wir wissen's nicht und auch die Stadtver— ordneten scheinen nicht alle informiert zu sein, wenigstens haben Diejenigen, die am Samstag Abend in der Versammlung sprachen, darüber kein Wort verloren. Und doch wäre es mehr als interessant, die Beweggründe für die Meta⸗ morphose zu erfahren. Mit wem hat die Bürger⸗ meisterei vor Aufstellung der Pläne Rücksprache genommen; sind Fachleute gehört worden wie 3. B. die Gießener Metzger und kleine Handels⸗ leute sowie Bauern der Umgegend, die als Käufer und Verkäufer auf dem Markt erscheinen? Zwar ist es ja bei uns Sitte, daß, wenn es sich um die Lage des Handwerks handelt,„Hammerschmiede“ wie Stumm und Krupp, wenn es sich um die kleine Landwirtschaft dreht,„Bauern“ wie Graf Kanitz und Vater Ploetz um ihren Rat gefragt werden und die Genugthuung erhalten, daß nach ihrem Willen auch gehandelt und der Mittelstand „gerettet“ wird. Aber was im Reich und in Preußen Sitte geworden, wird, solange Herr Gnauth das Regiment in Händen hat, hoffentlich doch in Gießen nicht Brauch werden. Wir nehmen daher ohne Weiteres an, daß wir nur schlecht unterrichtet sind und daß thatsächlich Besprechungen mit den von der Verlegung be⸗ troffenen Erwerbsschichten stattgefunden haben. Wie allerdings nach einer solchen Enquete das Seltersberg⸗Projekt hat zustande kommen können, ist uns ein Rätsel. 5 In einer Kleinigkeit, die keine Kleinigkeit ist, muß thatsächlich die Petition der Groß händler auf das neue Projekt eingewirkt haben; wir wüßten uns wenigstens anders nicht den Hinweis der Verlegungsfreunde auf die künftige große Ausdehnung der Viehmärkte zu erklären. Es schmeckt allzusehr nach den Groß händler⸗ Interessen, wenn wir für den Verlust, den die Stadt erleidet, durch die größeren Zutriebs⸗ Zahlen entschädigt werden sollen. Ist denn das er der ganzen davon, wenn wirklich in Folge der Ver⸗ legung auf den Seltersberg ein großer Vieh— markt, der sich durch ganz Deutschland einen Namen erwirbt, entstände, wenn in prunkenden Riesenlettern die immer wachsenden Zu- und Abtriebszahlen aller Welt verkündigt werden könnten? Wenn die Großhändler aller Provinzen zu uns stürmten und hier im Kauf und Verkauf sich die Börse füllten? Daran ist die Bahn interessiert, bei Leibe aber nicht die Be— wohnerschaft Gießens, die mit ihren Steuergroschen den großen Händlern es ermög— lichen soll, möglichst leicht, möglichst schnell und möglichst bequem möglichst viel Geld zu verdienen. Kann Jemand es der Bürgerschaft verdenken, wenn sie sich gegen diese Zumutung zur Wehr setzt? Durch die hohen Zukunfts-Zahlen sollte sich Niemand blenden lassen. Sie bringen der er— werbsthätigen Bevölkerung unserer Stadt keinen roten Heller ein. Auf das„Einbringen“ kommt es aber bei der ganzen Frage allein an. Die Berlegung des Viehmarktes hat mit irgend welchen höheren ideellen Zwecken und Zielen nichts zu thun; sie ist ausschließlich eine Frage des kalten, nüchternen Erwerbs und muß von dieser Warte aus beurteilt und entschieden werden.( racchaus. (Ein dritter Artikel folgt.) Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. N Expedition: 1 Kreuzplatz Nr. 4.. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Sspaltige Petitzeile. 20 Kreuzplatz Nr. 4. 1—— ́G—EB————-——̃ä———— Assel 1.** 8. b.. 5 de Nic, 9 8 1 darauf gelenkt, den Platz hinter dem Schlacht- eine Entschädigung? Hat die Stadt Gießen Darlehen bis zu 60% des Schätzungs⸗ iche Die Verlegung des Vieh haus räumlich auszudehnen und so den Markt- und ihre Einwohnerschaft denn etwas wertes gegeben werden.— 8 60: Alle Darlehen sind der Regel nach mit 4% zu ver⸗ zinsen. Bestimmend für diesen Beschluß ist ge— wesen, daß die Spar- und Leihkasse eine zu be⸗ deutende Summe in Staatspapieren liegen hat und man wirtschaftlich mehr damit bezweckt, wenn die Kapitalien auf Immobilien ausgeliehen werden. Gießen, 29. Juni. Die Oktroifrage wird in der allernächsten Zeit die Stadtverordneten-Ver⸗ sammlung beschäftigen. Vor Jahren hatte die Ver⸗ sammlung in dieser Frage mit der Mehrheit von einer Stimme(die des Oberbürgermeisters) einen Beschluß ge⸗ faßt, doch ist derselbe niemals verwirklicht worden, weil der Oberbürgermeister später sein Votum zurücknahm, da er in dieser finanziell hochwichtigen Frage den Ausschlag nicht geben wollte. So hat denn die Oktroisache im Schoße der betreffenden Kommission geruht, bis sie von einem Gegner des damaligen Mehrheitsbeschlusses wieder angeregt wurde. Die Ansichten haben sich geklärt und mancher der Gegner des ersten Beschlusses neigt heute auch der Ansicht zu, daß man reformieren müsse resp. daß die Oktroi-Ordnung einer zeitgemäßen Reform be⸗ dürftig sei. Stadtv. Schmall, der s. Zt. gegen die Reform war, hat auch der Bürgermeisterei Vorschläge unterbreitet, wie er sich die Sache im Interesse der All⸗ gemeinheit am besten eingerichtet denke. Der damalige Vorschlag im Plenum ging dahin, die Abgabe auf Mehl, Backwaren, welche etwas mehr wie 20 000 4 pro Jahr einbringt, von denen etwa 6000/ zurückvergütet werden, aufzuheben, dagegen aber die Abgabe auf Vieh und Fleisch zu erhöhen, um den Ausfall wett zu machen. Lokales und Provinzielles. * Gießen, 1. Juli. Die Gerichtsacces— sisten Philipp Bonhard in Mainz, Fritz Hanstein in Darmstadt, Ernst Hirsch in Gießen, Dr. Wilhelm Köhler in Darmstadt, Rudolf Link in Friedberg, Dr. Ernst Merck in Offenbach, Ludwig Pfeiffer in Darmstadt, Friedrich Schulz daselbst, Adolf Strack in Ober-Rosbach, Karl Trapp in Darmstadt und Dr. Karl Friedrich Wolff daselbst wurden zu Gerichtsassessoren ernannt. * Gießen, 30. Juni. Unter Vorsitz des Regierungsrats Jost fand am 12. Juni d. J. eine Generalversammlung der Mit⸗ glieder der Sparkasse statt, in welcher für die weitere Entwickelung dieses Instituts sehr wichtige Beschlüsse gefaßt worden sind. Nachdem der Vorsitzende die Aenderung der Statuten mit Rücksicht auf das Verfahren anderer Banken ein⸗ gehend begründet hatte, wurde u. A. folgende Statutenänderung beschlossen, die dem Vernehmen nach vom Ministerium bereits Genehmigung ge⸗ funden hat.§ 48:„Bei auf gerichtliche Schuld⸗ und Pfandverschreibungen gewährten Darlehen müssen die Unterpfänder in der Regel den doppelten Schätzungswert des Darlehens haben. Werden in Landgemeinden Gebäude ver— pfändet, so muß der Schätzungswert dieser Unter⸗ pfänder im Allgemeinen dreifach die Summe des darauf gewährten Darlehens erreichen und ist nur in Ausnahmefällen auch hierbei doppelte Sicherheit genügend. In der Stadt Gießen können ausuahmsweise auch Dieses aber war der Hauptstein des Anstoßes, an dem die Vorlage damals keine Mehrheit unter den Stadt⸗ verordneten finden sollte. Als Motiv, weshalb man die Steuer auf Mehl und Backwaren abschaffen wollte, war u. A. angegeben, daß man den minder Bemittelten weniger hart belaste, wenn man diese Steuer von Fleisch erhebe. Man war der Ansicht, daß der Brot- resp. Back⸗ warenkonsum der Bevölkerung pro Kopf nicht sehr erheb⸗ liche Unterschiede im Quantum aufweise, gleichviel ob der Konsument reich oder arm sei, dagegen war man zur Rechtfertiguug der Erhöhung des Fleisch-Oktrois der Meinung, daß der besser Situierte verhältnismäßig pro Kopf mehr Fleisch konsumiere als der minder Bemittelte und der Konsument des Fleisches diese erhöhte Abgabe eher tragen könne. Die Gegner dieser Ansicht waren da⸗ gegen sich damals klar, daß der Aufhebung des Oktrois auf Mehl und Backware ein Geschenk an die Väcker be⸗ deute und verfochten den Standpunkt, daß das Brot de. um keinen Pfennig billiger werde, wenn man die Steuer darauf aufhebe, während die Erhöhung des Oktrois auf Fleisch allerdnigs den Arbeiter um so schwerer treffe als die Differenz der Erhöhung sich fühlbar machen mußte in unseren Fleischpreisen. Wenn der Arbeiter auch wohl weniger Bratenstücke konsumiere, so sei doch nicht außer Acht zu lassen der bedeutende Konsum des geringen Mannes in Fleischwaren, als Wurst, Speck, in Schmalz, in Häs⸗ chen und Rippchen ꝛc., das mache aber einen erheblichen Bruchteil des ganzen Fleischkonsums in unserer Stadt aus. Gegen die Verteuerung dieser Hauptnahrungsmittel suchte man sich zu wehren.— Da, wie gesagt, die Oktroifrage demnächst von neuem verhandelt wird, ist es an der Zeit für die gewählten Vertreter der Bürgerschaft, sich eingehend mit der Frage zu beschäftigen und zu er⸗ wägen, ob die Steuer nicht überhaupt abzuschaffen sei. Gießen, 30. Juni. Der Arbeiter Ludwig Pitzer von hier, welcher während der Ver— handlung gegen den Kaufmann Clemens Rothe vor den Geschworenen unter dem Ver⸗ N Das blaue Herz. Roman von Karl Ed. Klopfer. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) Es lag wie Verzweiflung in der Bewegung, mit der er sich, im Schlafzimmer angekommen, die weiße Kravatte vom Kragen riß und weit in's Zimmer schleuderte. „Daß ich's nicht vergesse, Ignaz!“ murrte er in— dann, als ihm der Diener die Lackstiefel von den un Füten zog.„Du wirß morgen, während ich im fle Amte bin, ein kleines Packet besorgen— in's Haus 0 des Freiherrn v. Effenberg. Erinnere mich daran, es ist von Wichtigkeit!“ 1 Der Ignaz nickte. Den Namen des Barons Effenberg hatte er auf einer der Einladungskarten N gelesen, die seinem Herrn jüngst zugekommen waren. Er wußte daher, daß es eben das Haus Effenberg sei, das Herr v. Fröden heute besucht hatte und in dem er sich anscheinend nichts weniger als aumlüstert hatte. „Befehlen der gnädige Herr etwa, morgen früh wieder geweckt zu werden?“ fragte der Diener am Schlusse, ehe er sich mit den Kleidern entfernte. „Nein! Ich will schlafen— so gut und so lang ich's vermag. Komm' nur zur gewöhnlichen Stunde, um hier geräuschlos einzuheizen; die Morgen sind noch sehr kühl!“ „Sehr wohl!“ Der Bursche ging, und der Attaché warf sich unwirsch auf die Seite, die Bettdecke bis an's Kinn heraufziehend. Er schloß die Augen und bemühte sich, in möglichst regelmäßigen Zügen zu atmen, um den ersehnten Schlaf herbeizulocken. Er be⸗ fahl sich die Ruhe, das absolute Vergessen mit all der Bestimmtheit eines energischen Charakters. Aber der widersprechende Geist in ihm kehrte sich nicht an diesen Befehl. Wenn wir an einer brennenden Wunde laborieren, so können wir gemeiniglich nicht der fatalen Neigung widerstehen, die schmerzende Stelle immer und immer wieder zu betasten, und sind es moralische Qualen, unter denen wir leiden, so umkreisen unsere Gedanken in den Minuten der körperlichen Unthätigkeit fortwährend den Ausgangs— punkt unseres Schicksales. Vorgestern, in der großen Kunstausstellung hatte es bei Fröden„angefangen.“ Schlendert er da stillvergnügt durch die Räume des Künstlerhauses am Wienfluß, weniger die aus— gestellten Gemälde als das bunte Menschengewimmel in den Sälen betrachtend, mit all dem Frohmut eines Neulings auf dem Boden einer sympathischen Stadt. Im Thürrahmen zwischen zwei Räumen, in deuen besonders Gedränge herrscht, stößt er mit der athletischen Gestalt eines Mannes in mittleren Jahren zusammen.—„Potz Blitz, Fröden, mein Junge!“—„Welch ein günstiger Zufall!“ Und der Attache schüttelt einem alten Freunde, den er in nächster Zeit hatte aufsuchen wollen, die gewaltigen Hände. Es war der Maler Hellmuth Vollwang, der vor Jahren den Jüngling Fröden halb als Hof— meister und väterlicher Beschützer auf einer Orient— reise begleitet hatte. Seit mehr als ein im Lustrum, seit— dem Vollwang die Professur an der Wiener Aka— demie angenommen hatte, waren sie sich aus deu Au gen gekommen. Nach einem herzlichen Austausch von Exinne— rungen fühlt sich der Maler verpflichtet, eine junge Dame vorzustellen, die sich bescheiden in Entfernung gehalten, so daß Fröden gar nicht bemerkt hat, daß sie in Vollwangs Begleitung sei.—„Eine Schülerin von mir— Fräulein Ada Berg, ein ganz außer— ordentliches Talent.“ Fröden begrüßte das Mäd chen nicht allzufreudig, da es ihm lieber gewesen wäre, mit dem lang eutbehrten Freunde ein Stünd— chen ungestört zu verplaudern. Bald aber scheukte er der Dame größere Aufmerksamkeit. Während man gemeinsam die Bilderreihen durchging und ein leb haftes Gespräch unterhielt, entwickelte sich aus dem stillen, schlichten Wesen des Mädchens so viel An ziehendes, daß Fröden sich immer mehr gefesselt fühlte. Vollwang führte seinen jungen Freund dann zu einem Gemälde:„Da schau' her, mein Junge, und erkenne, daß ich auf diese Schülerin mit be— rechtigtem Stolze blicke! Selbstporträt von Fräulein Ada Berg!“— Ja, da war Kunst zu bewundern, und für Fröden noch etwas mehr: der Gegenstand dieses Porträts selbst. Es brauchte längeres Betrachten, den ganzen Reiz dieser eigen— artigen, sinnig ernsten Gesichtszüge zu begreifen; hier auf dem Bild durfte Fröden diese seelenvolle Physiognomie studieren, was ihm in natura die gute Sitte verbot. Erst als man sich am Ausgang der Ausstellung trennte— jetzt waren es im Gegenteile die Ab— schiedsworte des zu baldigem Atelierbesuche ein⸗ ladenden Vollpvang, was Fröden als unliebsame Ablenkung von seiner momentanen Interessenneigung empfand— begann der Zauber der erstaunlich rasch verflogenen letzten Stunden auf den Attache so eigentlich zu wirken, und da ließ ihn seine Welt— gewandtheit auf einmal so im Stiche, daß er hinter— her überzeugt war, in seiner Befangenheit bei diesem Abschiede eine sonderbare, wenn nicht gar lächerliche Rolle gespielt zu haben. Ein Hang zur Selbst⸗ quälerei, wie er ihm sonst fremd gewesen war, trieb ihn dazu, aus dieser Begegnung die peinlichsten Reflexionen zu schöpfen. Er glaubte, vor diesem Fräulein Berg recht albern erschienen zu sein, eben durch seine lebhafte Rede, die— wie er eigentlich erst jetzt erkannte— in grellem Gegensatze zu ihrer knappen, fein pointierten, ruhigen Art sich auszu⸗ drücken gestanden hatte. Und hatte Vollwang ihn beim letzten Händedruck nicht ironisch lächelnd an⸗ geblinzelt, als ob er hätte sagen wollen:„Mir scheint gar, Du hast da schou Feuer gefangen, mein Junge? Aber lass' Dir sagen: das ist nichts für Dich! Diese Ada Berg ist aus einem ganz anderen Stoffe, als Du denkst.“ 0 (Fortsetzung folgt.) freien Reise erhalten die Angestellten in Berlin die Nebenbahn Grünberg Londorf eröffnet und Betrieb übergeben werden. In der mit Fahnen und f ollegien⸗ * 3 ul N 1 jesi 9 Gießen,. Juli. da die hiesige un Umstand, daß die verschiedenen Stationsgebäude hause versammelten sich gegen 11 Uhr Vor⸗ den richtigen Kur-] Verlust ging dem Mann so nahe, daß dacht des Meineids in Haft genommen uebeln ist leicht abgeholfen, wenn man f Mar 5 5 n fil Methode anwendet. gestern Vormittag in seiner Scheune erhängte. platz wählt oder die richtige hygienische wurde, hat sich demnächst wegen fahrlässigen 9 1 8 8 5 8 3 beides 597 R 0 n Man thut also gut, nicht aufs Geratewohl in dis Welt* Mainz, 30. Juni. Von der Straf⸗ verantworten. Derselbe ist geständig, daß seine i f 5 ee a 5 iter Eid Wan 1 22 habe Rothe reiflich zu überlegen und ihren verständigen 0 willig des Lehrers O. zu Gaubischofsheim und der g ö Gehorsam zu leisten. Nur völlig gesunde, gegen Wind und Commis E., die sich an verschiedenen Schul⸗ hineinzureisen, sondern den Reiseplan mit erfahrenen Aerzten[kammer wurden gestern der 19jährig an dem betreffenden Abend mit einem blauen] W W fich erlanb 3118 J 9; Wetter abgehärtete Touristen können es sich erlaubrn, ohne ki 8 8 11510 1010 Sträußchen im Knopfloch in der Kratzenber⸗ 5 25 15 f d sen kindern vergangen hatten, zu je ßch pfloch Zweck und Ziel zu reisen, bald hier und da zu rasten Gefängniß verurtheilt. er'schen Wirtschaft gesehen, falsch sei. Er will und vor keiner Anstrengung, keiner Gefahr ängstlich zu⸗ 5 5 e, Mainz, 0. Juni. In einer unter dem ich insofern geirrt haben, als er R. an einem rückzuschrecken; doch leider gehören in unserer nervösen 5 f andern Abend gesehen habe. mit Krantheiten aller Art so reich gesegneten Zeitepoche Vorsitze des Herrn Oberbürgermeister Dr * Gießen, 1. Juli. Die erläßt folgendes Wald verbot. 5 kommenheiten wird andurch ausdrücklich einge⸗ hiesige Oberförsterei] völlig gesunde Menschen fast ins Gebiet der Fabelwesen, ner stattgefundenen Sitzung der Lollar, 1. Juli. Die vor einigen Jahren sowie die Oper„Mignon“ von Thoma schärft, daß das Betreten der Schieß⸗ 5 0 a0 neu erbaute Freysche Dampfe und Wasse re schaffen. Um die Einrichtung des„Rheingold“ g 5 i mühle, welche einen Werth von 120 130,000[ganz nach Bayreuther Vorbild zu machen, wird Sonn- und Feiertagen für das Publikum, kepräsentirt, wurde gestern auf Antrag der sich der'städtische Theatermeister nach Bayreuth stands⸗Aulagen im Gießener Wald, südlich der Oberhessischen Eisenbahn auch an bei Strafe verboten ist. Konkursmasse ortsgerichtlich versteigert. Das zu den diesjährigen Nibelungen⸗Auffü * Gießen, 1. Juli. Nachahmenswert. Höchstgebot von 45,000, gab der Frucht- begeben. Theater- Wegen Vor⸗ so daß vor Reisen ohne ärztliches Neiserezept nicht dringend[ Deputation wurde beschlossen, die Neuaus⸗ genug gewarnt werden kann! stattung von Richard Wagners„Rhei ngold“, er sich e Sohn Monate Gaß⸗ 5 anzu⸗ hrungen Der Firma Dykerhoff u. Söhne in Amöne⸗ händler Herm. Katz IV. Gießen ab. burg hat einer Anzahl Angeste 0 rünl am Erlaubnis erteilt, die Berliner Ausstellung wie anfänglich geplant war und wie wir auch Universität mehrere Tage lang zu besuchen. Außer der berichteten, sondern am 1. August l. Is. wird 610 0 95% W. Gi 1 freie Wohnung und Verpflegung. dem fahrplanmäßigen bergeb 0 Grund der Verschiebung des Termins ist der herrlich geschmückten großen Aula im tomie wurde der Leichnam des 61jährigen n e 0 ö 0 855 4 3 3 Mainz eingeliefert. nicht vollständig fertiggestellt werden konnten. mittags die Teilnehmer der Jahresfeier diere Lehmann an tlichkeltsvelt 9* Bad Nauheim, 1. Juli. In der letzten Ludoviciana. Wtr bemerkten unter d . g ines Sittlichkeitsverbrechens 5 eim 5 9 5 Derselbe war wegen eines S chkeits ch 7500 hat ein Russe ein ff Dane ei mit etwa 1 e ee Stadt. j. ittels eines Taschentuches er⸗15 0,. Inhalt, eine Dame eine Börse Ein reicher Damenflor füllte einen Teil des W F mit 500 A1 verloren. Das Portemonnaie hat Raumes; die Chargirten der Korps und Ver⸗ in das Mainzer Arresthaus gebracht worden und hängt. Gießen, 30. Mai.„Wohin reisen wir?“ So lautet jetzt, je näher die grpßen Schulferien heran⸗ E 1 0. U 5 b. 0 Tag wieder in Besitz seines Geldes gekommen; den Klängen des Festmarsches„Friede die redliche Finderin sofort auf der Polizei au⸗ bindungen ꝛc. waren in Wichs erschienen. rücken, die Frage bei allen Familien, welche den Luxus einer Sommerreise mit Kind und Kegel sich ohne Ge⸗ die Börse scheint der unbekannte Finder unter von Lechner, ausgeführt von der im Nebensaal Verzicht auf den Finderlohn einfach annektiert untergebrachten Kapelle des Kaiser Wilhelm⸗ Regiments der Lehrkörper der Hochschule im wissensbisse gestatten dürfen. In der That eine Frage, die oft mehr Kopfzerbrechen verursacht, als die„brennendste“] zu haben. Frage der Politik, als die kniffichste wissenschaftliche Offenbach, 1. Juli. Unter starker Be⸗ Saal. Voran schritt Sr. Magniftze „Doktorfrage“! Wir raten den vielgeplaaten Hausvätern, teiligung aus allen Teilen des Großherzogtums Rektor Behaghel, angethan mit dem zie noch unentschlossen hin und her schwanken wie das hat am Sonntag Nachmittag in Schlossers Liegen- seiner Würde, der goldenen Amtskette, Rohr im Winde und durchaus keinen festen Entschluß zu schaft der vierte hessische Katholikentag von zeptertragenden Pedellen. Nachdem der .. ee e stattgefunden. Es wurden zwei Versammlungen Lehrkörper Platz genommen, intonirte e e„nebeneinander abgehalten. Die größere Ver⸗ demische Gesangverein das Gedicht H antwortung der schwierigen Frage des Reiseziels berufen 0 1 0 5 05 92 5 e 12 int. Nicht die L des männli der weib⸗ sammlung in der Gartenhalle wurde von Herrn von Fallersleben„Abschiedslied“, in Musik ge⸗ r a end d Rechtsanwalt v. Brentano hier geleitet, der setzt vom jüngst verstorbenen Universitäts⸗Musik⸗ stellter ihrer Fabrik die* Grünberg, 30. Juni. Nicht am 1. Juli, Das Jahresfest der Landes⸗ gemeldet und ist der Verlierer noch an demselben] Einhalt des akademischen Viertels erschien unter 1896. an der en Teil⸗ Unter nsfeier“ nz der Zeichen begleitet der aka⸗ offmann überging, zu schreiben.— Ueber den weiteren Verlauf der Feier berichten wir morgen. Vermischtes. — Kubanische Amazonen. Es ist bekannt, daß mit den Aufständischen auf Kuba viele Frauen mit⸗ ziehen. Aber fast Alle bleiben während der Kämpfe im Lager. Die einzige Frau, die selbst Kämpferin ist und sogar eine Befehlshaberstelle inne hat, ist Paulina Ruiz, die Gattin eines Aufständischen, Namens Gonzalez. Mann und Frau gehören zur„Partida“ des Führers Pancho Perez. Paulina schloß sich erst vor fünf Monaten der „Partida“ als„Kämpferin“ an; sie ist sehr hübsch, und erst 23 Jahre alt, aber ihre Grausamkeit ist so groß, daß sie sich rühmt, zwei spanischen Soldaten mit Säbel⸗ hieben den Kopf vom Rumpfe getrennt und ihre militä⸗ rischen Grade— jetzt ist sie„Fähnrich“— stets in der ersten Reihe der Kämpfer erworben zu haben. Neueste Telegramme. Hd. Wien, 1. Juli. Die Tischler⸗ meister Wiens beschlossen, solange ihre Werkstätten zu schließen, bis die Ge. hilfen den über einige Werkstätten ver⸗ hängten Boykott aufheben. Hd. Rom, 1. Juli. In vatikanischen Kreisen dementiert man die Meldung der englischen Blätter, wonach der Papst einen Prälaten nach Eng ⸗ land senden wolle, um in der Frage der Vereinigung der beiden Kirchen zu verhandeln. Hd. Brüssel, 1. Juli. Hier hat fich ein Ie Ausschuß gebildet, welcher die Absicht hat, auf der Brüsseler Welt⸗Ausstellung von 1897 eine Abteilung zu errichten, in der speziell die deutschen Verkaufshallen von Nürnberg, München und Düsseldorf vertreten sein sollen. Die Aufstellung dieser Abteilung soll derjenigen von Altantwerpen auf der Antwerpener Aus⸗ stellung nichts nachgeben. Hd. Brüssel, 1. Juli. In Lüttich ver⸗ haftete gestern die Polizei den Anarchisten David, welcher sich bis jetzt der Polizei unter falschem Namen zu entziehen wußte. Die in der li lienoberhaupts darf hi Sschlaggebend ins 1 0 5 N aan den due te end der eit über die innere politische Lage in Hessen sprach. direktor Adolph Felchner. Weihe⸗ und weh⸗ Gewicht fallen, sondern der Gesundheitszustand der ein⸗ zelnen Familienmitglieder, besonders der Kinder ist zu be⸗ Herr Weinhändler Molthan von Mainz refe⸗ mutsvoll zugleich verklang die Weise, m an hatte rücksichtigen. Man verschaffe sich in ernster Rücksprache rierte über die Schulfrage, Herr Pfarrer Dr. sie am heutigen Tage gewählt zur Erinnerung mit dem Hausarzt darüber Klarheit, ob eine einfache Schieler hier über die soziale Frage. In der und Ehrung des Komponisten, der lange Jahre Lufttur in waldreicher Gegend und im Gebirge genügt, kleineren Versammlung im Konzertsaale, die Herr den akademischen Gesangverein geleitet hat. oder ob Seebäder und andere sanitäre Maßregeln em- Rechtsanwalt Dr. Frenay von Mainz leitete, Hierauf hielt der Rektor die Festrede. Er führte pfehlenswert sind, die den Aufenthalt 105 e wurden die gleichen Themata behandelt von den u. A. aus: Es sei Festtag heute, es herrsche und Kurorten zur Voraussetzung haben. Auch für die Herren Dr. Frenay, Landtagsabg. von Köth Waffenruhe und die Offiziere können Heerschau dee aße an 55 9 5 1 0 von Darmstadt und Pfarrer Helferich von halten über ihre Soldaten und Kritik ü einer sommerlichen Erholungsreise verfügen, ist eine Kon⸗ Klein⸗Krotzenburg. ferenz mit dem Hausarzt oft sehr geboten. Der Eine] 90 4*. 3 9 g 50er Jahren stehende Landwirt V. verlor am Zügen schilderte Redner dann, wie die kann einen Zuwachs an körperlicher Fülle vertragen, der 95 1 5 2 es 2 Andere will seinen Ueberfluß an Korpulenz loswerden; letzten Samstag beim Heumachen seine Taschen⸗Schriftsprache seit ihrer Entstehung si dieser leidet am Magen und jener an der Leber. Derartigen — ben über 102 das, was diese im verflossenen Jahre auf dem * Auerbach, 1. Juli. Der hiesige, in den Gebiete der Wissenschaft geleistet. In großen deutsche ch mehr uhr, ohne sie wieder finden zu können. Dieser und mehr gewandelt habe, je mehr man dazu 3 Nein neuerbautes N Wohnung Davids beschlagnahmte Korrespondenz celona in Verbindung stand. Sterbefälle. 1 Am 30. Juni. Heinrich Kreiling II., 86 J. alt, Privatmann dahier, Löwengasse 30. Die Beerdigung findet Donnerstag, den 2. d. M., Vormittags 11 Uhr vom Sterbehause aus statt. Gießen. elier ist vom 1. Juli ab eröffnet und befindet sich an Stelle meines früheren 0 Frankfurlerstraße 9. Photograph Uhl. nätzten Kundschaft sowie einem geehrten hiesigen wie auswärtigen 2—— Hierdurch beehre ich mich, meiner gesc 7. publikum ergebenst mitzuteilen, dass sich mein Geschäft wegen Errichtung eines Neubaues bis auf Weiteres befindet. Seltersweg 2, neben Herrn Kaufmann Adolf Geisse Carl Brück, Gold- und Silberarbeiter. 4⁴9 Stadt. Schlachthaus Freibank. Heute und morgen Fasel⸗Ochsenfleisch nicht ladenrein, pro Pfund 35 Pfg. Junge Leute, die gesonnen sind, sich Abends an einem Kursus im Schnell-Schönschreiben zu beteiligen, wollen sich melden unter P. G. Ss postlagernd Gießen. 851 Jede noch so schlechte Schrift wird in wenigen Stunden tadellos. 844 wollen sich gefällig Gesangverein„Heiterkeit“. Sonntag, den 5. Juli: Parthie nach Wilhelmshöhe- Cassel. Abfahrt Morgens 4 Uhr 18 Min. bei Fahrpreisermäßigung. NB. Freunde des Vereins, welche gesonuen sind, sich zu betheiligen. 5 0 st bei Mitglied Arnold(Schipkapaß) bis zum 4. Juli in der daselbst anfliegenden Liste einzeichnen. Der Vorstand. Fiir das Bisrgerhospital, Seltersweg Nr. 11, wird ein nicht zu junges, in der Küche erfabrenes, braves Dienstmädchen von Wilh. Hamel, Gießen, Bleichstr. 7. Sigene Neparatur-Werkslätte für 1. August d. J. gesucht. 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