Dritte Probenummer. 0 1 e ——— — 0 el t aus⸗ Nungs⸗ Täglich Aenlnusꝙnva geg — benst an üglichen ufels, 1 1 — — 0 1 alger. 6 Waaren orgerückke eben. iger, . „ use e heute nut seife 1 Wisch. iht weich! —— Gießen, Mittwoch den 25. Dezember 1895. Ausgabe Gießen. Hessische Landeszeitung. 5 — Redaktion: Erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen. S Expedition: vorläufig Schloßgasse 13. 8. Preis der Anzeigen: 10 Pfg. für die Fspaltige Petitzeile.. vorläufig Schloßgasse 1 Der Weihnachtsfeiertage wegen erscheint die nächste Nummer am Freitag Nachmittag. Gießener Neu⸗ und Umbauten im Jahre 1895. Die Bausaison ist beendet. Wir wollen daher von den Bahnhöfen einen Spaziergang durch die Stadt machen, um die Neu- und Umbauten in Augenschein zu nehmen. Da fällt uns zuerst Ecke Bahnhofstraße und Westanlage der Umbau das Merz'schenHauses vorteilhaft auf. Nach Zeich⸗ nungen der Architekten Stein und Meier hat man den alten unsicheren Bau an der Ecke mit einer stolzen von weither sichtbaren Kuppel ge⸗ krönt, neu angelegte Balkone, sowie des an der 1 55 Facade angebrachte reiche ornamentale ildwerk haben es vermocht den Bau in eine Zierde für die Gegend umzuwandeln. Weiter⸗ bern gelangen wir bei Aufsuchung von Neu⸗ auten in die Marktstraße. Da am Anfang derselben, wo noch vor Jahresfrist eine alte bau⸗ fällige halb aus Stein, halb aus Holzfachwerk gebaute Scheuer sich befand, steht heute der Geil⸗ 1 1 Prachtbau, welcher nach Plänen es Architekten G. Hamann in deutscher Re⸗ natssance als roter Backstein⸗Giebelbau sich dar⸗ stellt. Das Verblendmaterial(Fabrikat der Gail'schen Dampfziegelel) ist wirkungsvoll gehoben durch Felder, welche der Dekorationsmaler Eugen Groß in Farben mit Wasserglasmanier auf rohem Putz künstlerisch behandelt hat. Es war schwierig, auf diesem verhältnismäßig kleinen Bauplatz unter Freilassung des von der Bauordnung geforderten Hofraumes ein einiger⸗ maßen rentables Gebäude zu errichten, und mehr⸗ fach beschäftigte das Geilfus'sche Bauprojekt die bezügliche Behörde, bis alle Schwierigkeiten be⸗ hoben waren und dasselbe beiden be fand. Ueber den Marktplatz schreitend, biegen wir in die Schulstraße ein. Unser Blick streift links die Trümmer des dort vor Kurzem abge⸗ rissenen unschönen alten Schulgebäudes, an dessen Stelle im kommenden Jahre, wie man hört, nach Plänen des Architekten Seuling vom Bau⸗ unternehmer Winn ein moderner Prachtbau aufgeführt werden wird, dessen untere Räume für das Stadtpostamt II zweckentsprechend ein⸗ gerichtet werden sollen, und dessen erste Etage eventuell geschäftlichen Zwecken zu dienen haben wird. Neben dem jetzigen Postamt standen noch zu Anfang des Jahres in der Wagengasse ein⸗ gekeilt in furchterlicher Enge 2 alte schmale, stall⸗ artige Baufragmente dem Schuhmachermeister Berg und dem Kaufmann Pfeffer gehörig. Mit einer dieser Baracken allein ließ sich baulich nichts Feuilleton. Ein Weihnachtsbild. Ein dicker, naßkalter Nebel lagert über den Frankfurter Linden in Berlin. Ob die Leute im Tiergartenviertel, in Berlin W., wohl ahnen, wie es hier im Osten der Riesenstadt, im Viertel der Armen und Aermsten, aussieht. Wo sonst um die Abendstunden im Halbdunkel Männer im Arbeitskittel und mit schäbiger Eleganz gekleidete Fabrikarbeiterinnen eilig ihrem Heim zu⸗ streben, da ist heute Abend großer Trubel. Eine lange Reihe von Leinwandbuden birgt aller⸗ hand Krimskrams, der im Zentrum der Stadt nicht abzusetzen wäre, hier aber seine Käufer findet, ja von manchem blassen, hohläugigen Kinde als uner⸗ reichbarer Schatz sehnsüchtig betrachtet wird. Wie die Augen der Kleinen brennen! So ein Schaukel⸗ pferd oder so ein Honigkuchen,— wäre es auch nur eine Schrippe oder ein Stückchen Brod—: ihm hungert so! Aber Mutter ist krank und erst morgen früh giebt es bei dem Bäcker eine Schrippe, wenn es das Frühstück austrägt. Und Mutter hat auch Hunger.—— Schiebend und drängend wälzt sich ein Men⸗ schenstrom zwischen den Buden entlang. Welche Physiognomien! Ein Zola oder ein Menzel fänden reiche Ausbeute. Hier drei johlende halbwüchsige Burschen mit Ballonmützen Arm in Arm, denen jeder aus dem Wege geht; dort ein Mann im Pelz, der den reich gewordenen Hausknecht nicht gut ver— bergen kann; hier ein altes hageres Mütterchen, das die frierenden Glieder in ein verschlissenes Tuch hüllt, und dort zwei„Damen“ mit Lackstiefeln, Rembrandthut, Pelzboa und ungemein lasterhaften Gesichtszügen: alle müssen dabei sein,„wo wat los is“. Und es ist etwas los! Kreischende, keifende, brüllende und heisere Stimmen hallen durcheinander: „Hier die laufende Maus vor zehn Pfennige! Lauft von Wien nach Berlin, von Turin nach Dublin, döller wie'n Bankkassierer! Immer noch anfangen, selbst im Besitze von Beiden hatte es seine Schwierigkeit, einen Neubau an dieser Stelle zu errichten, dessen Anlagekapital sich einiger⸗ maßen verzinste. Die Besitzer dieser alten Bau⸗ lichkeiten waren aber vernünftig, der eine über— ließ dem Andern seinen Teil und so war es denn dem Schuhmacher Berg möglich, durch Errichtung eines einfachen Verblendsteinbaues nach Pläuen des Architekten Kokerbeck, wenn auch mit großen Schwierigkeiten wegen Freilassung des benötigten Hofraumes, einen diesen Teil der Altstadt verunzierenden Winkel zu entfernen. In der Straßenflucht Mäusburg, Kreuzplatz, Seltersweg bis zur Plockstraße hat sich baulich im verflossenen Jahre nichts geändert. Immer sind's noch die alten Giebelhäuser, die der Weiß⸗ binder von Zeit zu Zeit frisch auftüncht und die wenn sie entfernt würden, dem Gießener fehlen würden, weil sie seiner Vaterstadt das mittel⸗ alterliche Gepräge geben. In der Plockstraße hat die Firma Julius Bach nach einem Entwurf der Architekten Stein und Meier ein Geschäftshaus errichtet, welches in der architektonischen Formvollendung sowohl wie in der Vornehmheit seiner inneren und äußeren Wirkung sich kühn ähnlichen Bauten jeder Großstadt an die Seite stellen kann. Im Barockstyl erbaut, sind die Bildhauerarbeiten an der Außenfacade aus Savoniere⸗Stein meisterhaft ausgeführt. Eine überlebensgroße Terracotta⸗ figur, die Kunst darstellend, hebt sich wirkungs⸗ voll von der Facade ab. Das ganze Gebäude, welches wir übrigens früher schon sehr eingehend beschrieben, wird durch Niederdruckdampf nach dem System Angrick⸗Berlin erwärmt. Gegenüber diesem Bau hat die Firma Ernst Bloedner eine alte baufällige Scheuer niederlegen lassen und an deren Stelle ein modernes Waaren⸗ haus errichtet. Vorteilhaft präsentirt sich der ebenfalls nach Plänen der Architekten Stein und Meier in gelber Ziegelverblendung durch roten Sandstein⸗ und Terracottenverzierung gehobene moderne Renaissancebau. Die erste Etage dieses Hauses ist um das Gebälk nicht allzusehr zu belasten und um den Raum vorerst für Woh⸗ nungszwecke benutzbar zu machen, durch Rabitz⸗ wände in einzelne Wohnzimmer geschieden. Diese Wände sind für eine Privatwohnung, das erstemal in Gießen, hier in diesem Bau zur Anwendung gekommen. Lokales und Provinzielles. * Gießen, 23. Dezember. Ueber die Wir⸗ kungen des Behring'schen Diphtherie⸗Heil⸗ serums macht die„D. Ztg.“ recht interessante amtliche Mitteilungen. Danach haben sich im Großherzogtum Baden die Todesfälle an zehn Pfennige!“—„Zehn Pfennig die Weihnachts— rosen, zehn Pfennige!“—„Zehn Pfennig kost't der Gorilla, Herr Jraf. So'n Riesenaffen kriegen Se bei Aschingern nich so billig!“—„Hier der Mann ohne Haar un Alm!“ ruft ein Junge, der einen Hampelmaun mit den Gesichtszügen eines ehemaligen hohen Reichsbeamten tanzen läßt.— „Zehn Pfennig vor die scheene Galathee mit Seiden robe. Se kömmt eben von Spindlern!“— „Papierketten, drei Meter'n Groschen:!“—„Für die ganze Tempelhofer Feuerwehr, mit und ohne Unfall, immer noch zehn Pfennig!“—„Hier dieser Artikel, unentbehrlich für Jedermann, prämiirt auf den Weltausstellungen in Paris, London, Berliu, Schwerin———“„Halt die Schnauze, Krause!“ —„Meine Herren und Damen, stören Se mir nich— prämiirt in Paris———“ Es ist ein tolles Bild. Am Ende der Budenreihe, fast im Dunkel, hockt ein alter Mann, der Wachsstreichhölzer feilbietet. Er sieht starr vor sich hin und rafft sich anscheinend nur schwer aus seiner Lethargie auf, wenn jemand sich ihm naht. „Wachsstreichhölzer, Wachsstreichhölzer! Koofen Se mir'ne Schachtel ab, lieber Herr!“ Schon will ich wenden, als ich auf der Brust des Alten mehrere Kriegsmünzen sehe. Das erweckt mein Interesse. Als ehemaliger Soldat, der freilich niemals in feindliche Gewehrmündungen hineingesehen hat, habe ich, so schreibt ein Mitar— beiter zu der„D. Tgzt.“, einen großen Respekt vor Kriegsdenkmünzen, zumal wenn sie die Brust eines armen Mannes zieren. Ich sehe das Düppel— kreuz, die Medaillen von 64, 66 und 70/71 und die Schnalle. „Geben Sie mir eine Schachtel! die Feldzüge mitgemacht?“ „Ja, lieber Herr, un nu muß ick hier frieren un hungern!“ „Haben Sie denn niemand, der——“ Der Alte sah trübe auf den Fußboden. wurde die Antwort schwer. Sie haben Ihm Diphtheritis außerordentlich vermindert. Auch in Hessen sind die Resultate als recht erfreu⸗ liche zu bezeichnen. Allerdings hat sich in Hessen schon ein Rückgang der Krankheitsfälle bemerklich gemacht, ehe noch das Heilserum in Anwendung kam. Jedoch hat sich der Prozentsatz der Todes⸗ fälle gegen früher ganz bedeutend verringert. Herr Prof. Bose in Gießen hat darüber in seinem jüngst erschienenen Buch„Das Behring'sche Diphtherie-Heilserum und die Erfolge, welche mit demselben in der chirurg. Klinik in Gießen erzielt worden sind“, recht interessanten Aufschluß geben. Während beispielsweise in der Zeit vom 1. Januar 1893 bis dahin 1894 von 186 an Dißhtheritis Erkrankten 82, also 44%, in der Gießener Klinik starben, und vom 1. Januar 1894 bis Ende Oktober von 144 Kranken nur noch 54, also 37½%, zu grunde gingen, hat sich die Zahl der Sterbefälle mit der regelmäßigen Anwendung des neuen Heilmittels auf 8% verringert. Es starben nämlich von 112 in der Zeit vom 27. Oktober 1895 bis 31. Juli 1885 Erkrankten nur noch 9. Teilweise waren bei diesen 9 Ver⸗ storbenen auch noch andere Krankheiten hinzu⸗ getreten. Alle 9 Gestorbene waren Kinder unter 1½ Jahren. Es steht demnach fest, daß sich das Heilserum bewährt hat. Wenn die„D. Zt.“ 11„seit in der ärztlichen Praxis allgemein as Diphtherie-Heilserum, namentlich bei dem zu sehr ermäßigtem Preise ermöglichten Bezug für den minder wohlhabenden Teil der Bevölkerung in ausgedehnterem Maße in An⸗ wendung kommen konnte, ist eine weitere und ganz außerordentliche Abnahme der Dißphtherie⸗ sterbefälle zu konstatieren,“ so bestärkt uns das in unserer Ansicht, daß das Aerzte- und Apotheken⸗ wesen verstaatlicht werden sollte. Ist es nicht schrecklich, dem Armen sagen zu müssen: Ja, wenn Du Geld hast und das Serum bezahlen kannst, dann ist Dein Kind zu retten, sonst nicht? Arzt und Apotheke muß unentgeltlich sein. * Darmstadt, 24. Dezember. Folgende Lehrerstellen sind in Hessen zu besetzen: die mit einem ev. Lehrer zu besetzende 1. Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Sprendlingen, Kr. Offenbach, mit einem nach dem Dienstalter sich bemessenden jährl. Gehalt von 1000-1600 Mk. Dem Fürsten zu Isenburg-Birstein steht das Präsentationsrecht zu. Die mit einem ev. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Crainfeld, Kr. Lauterbach, mit einem jährl. Gehalt von 900 Mk. Organistendienst. Eine mit einem katholischen Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Flonheim, Kreis Alzey, mit einem jährl. Gehalt von 1000 Mk. Organistendienst. Die mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrer⸗ stelle an der Gemeindestelle zu Unter-Abt⸗ „Kommen Sie, wir wollen einen Happen essen“. „O, lieber Herr, o—; Die nächste Destillation war unser Ziel. Die Stammzäste machten verwunderte Gesichter, als sie uns eintreten sahen, doch bald war ihre Aufmerk— samkeit wieder auf das Auswürfeln von Weißbier gerichtet. Der Wirt brachte meinem Gaste ein Ge— richt Pöckelfleisch. Unsicher sah mich mein alter Kamerad an. „Nun los; Guten Appetit!“ „O, lieber Herr, o——!“ „Und habe ich jemals Freunde gehabt, so hier. Der Alte aß mit der Gier eines Hungernden, und wenn er zuweilen so dankbar zu mir aufsah, mußte ich mich abwenden. Ich schämte mich wohl. In wenigen Minen war die ausehnliche Portion ver— schwunden. „Nun hats geschmeckt?“ „O, lieber Herr——!“ Seine Minuten kündeten mehr als es Worte hätten sagen können. „Nun erzählen Sie mir etwas aus ihrem Sol- datenleben!“ „Ja lieber Herr, det is halt so'ne Sache. Seh'n se ick bin'n jeborner Berliner und meine Ollen hatten'n scheenen Haudel. Aberst wie ich 1863 zu die pommerschen Fäsiliere ingetreteu bin, da bin ick nich mehr viel nach Berlin jekommen. 1864 jiug det da in Schleswig los un als ick eben wieder zu Hause bin, mußt ick wieder mit nach Oesterreich. Na, wir haben ja orndlich mauk gepfeffert un et dauerte jo ooch nich lange, aber ick kriegie die verd—— Cholera. Die is mich nich jut bekommen. Als ick nun wieder nach Berlin kam, war mein Oller dod und ick habe det Geschäft jemacht. Det jing ooch allens janz jut und scheen und ick verheirat'te mir. Nu jing die Geschichte 70 los. Det hat lange jedauert. Jrade wie ick bei Soissons uff Posten stehe— et sind uu 25 Jahre her— da schreiben se mir, det mein Aeltester jeboren is. Wie ick mir jefreut habe, det kann ick Ihnen jarnich sagen! Na, mit die steinach, Kr. Heppenheim, mit einem jährlichen Gehalt von 900 Mk.; die Lehrerstelle an der ev. Schule zu Köngernheim, Kr. Oppenheim, mit einem jährl. Gehalt von 900 Mk. Kirchen⸗ dienst. Die mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Rem⸗ brücken, Kr. Offenbach, mit einem jährl. Gehalt von 900 Mk. Organistendienst. h. Darmstadt, 20. Dezember. Eine gut be⸗ suchte Versammlung hiesiger Handwerk s⸗ meister nahm nach einem Vortrag des Metzger⸗ meisters Lautz eine Resolution an, die erklärt, daß eine Handwerker⸗Vertretung ohne fachgenossen⸗ schaftlichen Unterbau den die Able n des Hand⸗ werks nicht entspricht, die Ablehnung des von Bötticherschen Gesetzentwurfs durch den Reichstag erhofft und die Erwartung ausspricht, daß dem Reichstag noch in dieser Saison ein die fach⸗ genossenschaftlichegz wangsorganisation für ganz Deutschland anordnender und die Selbstverwaltung verbürgen der Gesetzentwurf vor⸗ gelegt wird und noch in dieser Saison die Hand⸗ e in diesem Sinne Erledigung findet. H. Aus Hessen, 23. Dezember. In der Arbeiterkolonse Neu⸗Ulrichstein befanden sich am 1. Dezember 102„Kolonisten“. Es sind das Leute, die beim besten Willen keine Arbeit finden konnten und dann freiwillig in dieses Asyl gingen, wo sie schwer arbeiten müssen und wenig verdienen, dafür aber unter der 188 55 Aufsicht der verschiedenen Vorgesetzten stehen. Allen denen, die der Ansicht sind, daß jeder, der arbeiten will, auch Arbeit bekommen kann, ist der Besuch einer solchen Arbeiterkolonie dringend zu empfehlen. Es ist da Gelegenheit geboten, Angehörige der verschiedensten Stände und Berufe anzutreffen, die gern arbeiten wollten, aber nirgends Arbeit erhalten konnten. Aus Hessen, 23. Dezember. Daß die bei den Stadtverordneten wahlen in Hessen fast überall zu Stande 1 8 buch ui selbst zwischen den feindlichsten Parteien doch nicht in allen Bürgerkreisen gutgeheißen werden, geht aus einer Korrespondenz der„Frankf. Ztg.“ aus Mainz hervor. Es heißt da:„Die Wahl ist bekanntlich das Werk eines Kompromisses der Parteien, in das einzutreten sich die Sozialdemo⸗ kraten weigerten. Wie unter dem gemeinsamen Vorgehen das Interesse an der Wahlhandlung leidet, zeigt die geringe Wahlbeteiligung. Wenn auch bei den Kommunalwahlen ein solches Vor⸗ gehen, das gewissermaßen die Proportionalwahlen ersetzt, nicht prinzipiell abzuweisen ist, so halten wir es doch für einen Fehler, daß die Parteien auf die Erprobung der eigenen Kraft, auf die Erfrischung, die jeder Wahlkampf mit sich bringt, und auf die Propagierung ihrer besouderen Grundsätze verzichtet haben.“ Franzosen, det war ja ooch bald alle un ick kam int Frühjahr wieder nach Hause. O, wat hab ick mir jefreut über det Jöhr! Der soll uff die hohe Schule, hab ick jesagt, aus den machen wir wat, wat Olle? Meine Olle war immer so still un nickte blos immer mit'n Kopp. Un nu, un nu“— mein Gast sah finster in sein Glas—„nu kam in'n Sommer, et war in'n September, en Mächen an.— Der Alte machte eine lange Pause.—„Nu bin ick nich mehr zufrieden jeworrn. Wir haben noch'ne Zeit lang weiter jehandelt und dann, als die Marchthallen uffkamen, da war det doch nischt mehr. Meine Olle is denn nachher dodjeblieben; ick will nischt Schlechtet von se reden. Se war immer so still und sagte keen Wort, aber den verfl—— Schlächtergesellen, den hab' ick furcht⸗ bar verhaun'n.“ Der Alte ballte die Faͤust.— „Ick mußte vier Wochen nach Perleberg(Zellen⸗ gefängnis an der Perleberger Straße) un er is heite Schlächtermeester angro un'n großes Tier uff'n Viehhof.— Nachher bin ick zu die Pferdebahn jegangen. Da bin ick Kutscher jewesen, bis meine Jöhren groß waren un bis mich'n Pferd vor'n Bauch jeschlagen hat. Un nun handle ick mit Streichhölzer. Un nu“— der Alte würgte eine Thräne hinunter—„un nu, nu kenn'n mir meine Kinder nich mehr——!“ Langsam lief ihm ein Tropfen über die Wange. Ich drückte ihm die Hand. Müde stand er auf. „Scheenen Dank, lieber Herr!— Wenn! t Weihnachten is, wer ick mir woll uff⸗ hängen. Ick kann't nich mehr aus⸗ halten——.“ „N Abend, die Herrn!“ und er war aus der Thür. „Ja, det is'n Jammer mit den alten Mann“, hob der Wirt an, als er sein Geld einstrich; ich aber ging sinnend von dannen. Ich dachte darüber nach, wie sonderbar das Schicksal waltet.„N Sechser die Knarre! immer noch'n Sechser!“ schallte es herüber vom Weihnachtsmarkt. * Aus Hessen, 23. Dezember. wurde in Inheiden in Oberhessen einem Hau⸗ sierer aus Bettenhausen aus seiuem Wagen, der im Hofe der Wirtschaft stand, in der er über⸗ nachtete, der Betrag von 4100 Mk. Von dem Thäter fehlt bis jetzt jede Spur.— Einen recht schweren Verlust erlitt ein Landwirt aus Sauerschwabenheim in Mainz. Er hatte im Stalle einer Wirtschaft auf der Gaugasse die beiden Pferde seines Wagens eingestellt; eines der Pferde war das Eigentum des Landwirts, das andere hatte er sich von einem Nachbar dazu geliehen. Das Pferd des Landwirts war nun ein boshaftes Tier, wie es die Pferdebesitzer gewöhnlich mit dem Namen„ein Massik“ be⸗ zeichnen. In dem Stalle, in welchem beide Pferde zusammenstanden, begann plötzlich das Tier des Landwirts auszuschlagen und schlu 9 bei dieser Gelegenheit das eine Hinterbein des anderen Pferdes vollständig ent⸗ zwei, so daß das Tier noch am selben Nach⸗ mittag für 35 Mark in den Besitz des Pferde⸗ metzgers überging. Offenbach, 23. Dezember. Drei Spitz⸗ bübereien auf einmal! Ein Kaufmauns⸗ lehrling, welcher in einer in der Domstraße be⸗ findlichen Cigarrenfabrik seine Lehre zu bestehen hatte, ist seit gestern Abend verschwunden und mit ihm der Betrag von etwa 1900 Mk. Der junge leichtsinnige Bursche ist der Sohn achtbarer Eltern und hatte den Auftrag, den Betrag um⸗ wechseln zu lassen.— In der Nacht von Sams⸗ tag auf Sountag wurden einem Arbeiter in der Fluthstraße aus der Kommode 32 Mk. g estohlen Bis jetzt ist noch keine Spur von dem Dieb ent⸗ deckt worden.— Heute Nacht wurde von der Schloßgrabengasse aus in ein Häutelager einge⸗ brochen und 36 Kalbfelle gestohlen. Da es den Dieben schwer halten dürfte, die Felle an den Mann zu briugen, so liegt die Hoffnung nahe, daß dieselben wieder zu Stande gebracht werden. h. Caunstatt. 23. Dez. Der Historische Verein für das Großherzogtum Hessen hält seine diesjährige Hauptversammlung Montag, 6. Januar 1896, abends 6 Uhr, im nördlichen Saalbau(Musiksaal) hier ab. Auf der Tagesordnung stehen: 1) Jabresbericht des Präsidenten und Sekretärs. 2) Bericht über das Fortschriten der Untersuchung am Limes in Hessen: Vortrag des Herrn Hofrat Kofler: „Die Kastelle der Odenwaldlinie. Vortrag des Herrn Geh. Oberschulrat Soldan:„Die Turm⸗ und Hügelstationen an der Odenwaldlinie“. Vorlage von Plänen und Karten. * Aus dem Vogelsberge, 22. Dezember. Während der Schnee in den Vorlanden des Vogelsbergs nur einige Centimeter hoch liegt, lagern im oberen Gebirg große Schneemassen, die nicht selten in Hohlwegen und an Abhängen eine meter tiefe Lage besitzen. An verschie⸗ denen Stellen der Chausseen und Wegen mußte „geschippt“ werden, damit der Verkehr nicht unterbrochen bliebe. Diese hohe Schneedecke bil⸗ det eine prächtige Schlittenbahn. Während man im unteren Vogelsberg noch nicht mit Schlitten zu fahren vermag, klingt im oberen alltäglich fröhliches Glockengeläute. Die hohe Schneedecke mahnt, der hungernden Vögel nicht zu vergessen. Vermischtes. Nichts Neues unter der Sonne. Pro⸗ fessor Lombroso, der bekannte italienische Psycho— log, schreibt in einem Artikel der Contemporary Rebiew“ folgendes:„Es ist interessant, die zahl⸗ reichen Erfindungen zu prüfen, die wir für neu halten, während sie in Wirklichkeit uralt sind. So hatten die Alten schon Kenntnis vom Blitz⸗ ableiter, oder sie kannten doch jedenfalls bereits eine Methode, den Blitz anzuziehen. Die keltischen Soldaten pflegten sich bei einem Gewitter auf den Erdboden niederzulegen, dann zündeten sie eine Fackel an und pflanzten ihre blanken Schwer⸗ ter in den Boden neben sich mit der scharfen Spitze nach oben. Der Blitz traf häufig die Schwertspitze und fuhr an der Klinge entlang ins nahe Wasser, ohne die Krieger zu verletzen. „Die Römer 1 ebenfalls den Blitzableiter gekannt zu haben, obwohl sie diese ihre Kenntnis wieder in Vergessenheit geraten ließen. Auf der Spitze des höchsten Turmes des Kastells von Duino am Adriatischen Meere wurde schon vor undenklichen Zeiten eine lange Eisenstange gesetzt. Bei stürmischem Wetter im Sommer diente sie dazu, das Nahen des Unwetters zu verkünden. Ein Soldat war dort ständig stationier, der, wenn die See mit Sturm drohte, von Zeit zu Zeit die Spitze seines langen Wurfspießes dicht an die Stange hielt. Wenn nun ein Funke zwischen den beiden Eisenstücken erschien, war ein Gewitter im Anzug und er läutete dann eine Glocke, um die Fischer zu warnen. Gerbert, der spätere Papst Silvester II.(derselbe, auf den die Einführung der arabischen Ziffern und die Pendel⸗ uhren im Ausland zurückgeführt wird), im zehnten Jahrhundert, erfand eine Methode, um den Blitz von den Feldern abzulenken, indem er lange Stecken, die mit sehr scharfen Lanzenspitzen ver⸗ sehen warne, in die Erde pflanzte.„Im Jahre 1661 war Frankreich bereits im Besitz von Om⸗ nibussen. Die Römer legten ar tesische Brunnen sogar in der Sahara au. Die Ebe— neu des Libanon und von Palmyra wurden tünstlich berieselt; Reste von Brunnen und Ka⸗ nälen werden dort noch gefunden. Im Jahr 1685 verrffentlichte der französische Physiker und Mathematiker Papin(er war von 1687 bis 1707 Professor der Mathematik in Marburg) im Journal Savanuts“ einen Bericht über ein Ex⸗ periment, das einer seiner Freunde, Namens Wilde, gemacht hatte. Dieser brachte nämlich Blumen zu plötzlichem Wachstum. Das Ge⸗ Gestohlen heimnis bestand in der Bereitung des Bodens; es wurde nicht verraten(Kunstdünger 2).„Die Massage ist eine sehr alte Praktik und war den Römern bekannt. Paracelsus spricht in seinen Opera medica von Homöopathie und sagt, daß Gleiches von Gleichem geheilt werde, nicht aber Entgegengesetztes von Entgegengesetztem.„Die Natur selbst', sagt er, zeigt dies und wie die Diuge einander suchen und begehren“. Polybius der berühmte, 204 vor Christo geborene griechische Geschichtsschreiber( spricht auch schon vom Heilen durch gleichartige Gegenmittel(similia similibus), und Avicenna(der berühmte arabische Arzt, ums Jahr 1000) spricht vom Gebrauch unendlich unendlich kleiner Dosen Gift, zum Beispiel Ar⸗ senik:„in omnibus quae sunt necessaria de in- curnatione et resolutione sanguinis et prohibitione documenli“. Mireppus wendete Arsenik in un⸗ endlich kleinen Dosen als Heilmittel für Wechsel⸗ fieber an. In China wurde Cannabis Indica (aus dem indischen Hanf wird bekanntlich das Haschisch bereitet) als ein Beruhigungsmittel 220 Jahre vor unserer Zeitrechnung gebraucht. Die Araber gebrauchten Aloe und Kampfer in derselben Weise wie wir. Der Spiegel, die Sonde, die Zange waren ums Jahr 500 bekannt, und thatsächlich sind auch Reste da⸗ von in den Ruinen von Pompeji gefunden worden und werden im Nationalmuseum zu Neapel aufbewahrt. Galland(der französische Orientalist und Rumisuatiker des siebzehnten Jahrhunderts) gibt 1665 eine Theorie der Ge⸗ hirnzeutren, indem er die vordere Gehirnpartie als den Sitz der Phantasie, das Zentrum der Ver⸗ nunft, und die hintere als Sitz des Gedächtnisses bezeichnet. Aristoteles bemerkte, daß Seewasser trinkbar gemacht werden könnte durch Verdunsten⸗ lassen und Aufsammeln des Dampfes.„Die Griechen hatten ein„Piiemas, einen wollenen oder leinenen Küraß, der so dicht gewoben war, daß er für die schärfsten Geschosse undurchdring⸗ lich war. Wir haben das Geheimnis dieser Panzer nicht wiederentdeckt(Dowe-Panzer 2). Die Römer hatten bessere Mühlen als wir zum Olivenmahlen. Die Chinesen hatten eiserne Häuser bereits um 1200 erfunden. Glashäuser gab es bei den Pikten in Schottland, den Kelten in Wales und viele Jahrhunderte früher noch in Siam. Die Bewässerungssysteme, die die Lombardei und England so fruchtbar machten, waren zur Zeit des Virgil im Gebrauch. Gras⸗ leinen wurde von den Chinesen jahrhundertelang vor uns hergestellt.„Alles das“, schließt Lom⸗ broso,„erklärt sich aus dem Umstande, daß man naturgemäß das Neue haßt und ihm nach Kräften zu entgehen sucht, indem man nur der absoluten Notwendigkeit und dem überwältigenden Beweis oder einem überkommenen Gebrauch nachgibt.“ — Ein mysteriöses Vorkommnis wird aus Wien gemeldet. In einem Laden des Be⸗ zirks Landstraße machte eine elegant gekleidete Dame mehrere Einkäufe und gab eine Zehn⸗ guldennote in Zahlung. Der Verkäufer be⸗ zeichnete aber diese als gefälscht und rief einen Polizeibeamten herbei. Die Sache erregte auf der Straße großes Aufsehen, um so mehr als aus der angesammelten Menge ein Mann her⸗ vortrat und gegen die Verhaftung der Dame, deren Anständigkeit er verbürge, Einspruch er⸗ hob. Die Dame sowohl wie der Herr wurden zur Wache sistirt. Dort spielte sich nun eine erschütternde Szene ab. Bei Beginn der Vernehmung stürzte erst die Frau, dann der Mann zusammen, wanden sich in heftigen Kräm⸗ pfen und starben ohne ein aufklärendes Wort geäußert zu haben. Sie hatten sich mit Cyan⸗ kali, wovon zwei Fläschchen in ihren Taschen ge⸗ funden wurden, vergiftet. Das verbrecherische Paar ist, wie der„Voss Zt.g“ aus Wien ge⸗ meldet wird, der 39jährige Viktor Krauthauf und dessen 64jährige Mutter Josefa Krauthauf. Während letztere eine starke Cyankalilösung leerte und todt zusammenstürzte, erholte sich Kraut⸗ hauf, der offenbar nur eine schwache Dosis ge⸗ nommen, im Spitale und dürfte gerettet werden. Er ist einer der gewiegtesten internationalen Fälscher. Als vortrefflicher Zeichner begann er schon vor zwanzig Jahren falfche Banknoten, Coupons, Wertpapiere anzufertigen, die er ge⸗ meinsam mit seiner Mutter verausgabte. In seiner Wohnung fand man eine guteingerichtete Fälscherwerkstätte, zahlreiche falsche Wertpapiere, ferner eine Anzahl echter Wertpapiere, insbe⸗ sondere Loose, die er zur Fälschung vorrätig hatte. Er führte ein genaues Verzeichnis aller von ihm ausgegebenen falschen Papiere. Man fand diese in seiner Wohnung, dann Cynkali in in fester und flüssiger Form und Pistolen. Kraut⸗ hauf führte auch ein Verzeichnis über von ihm unternommene Börsenspekulationen, wobei er große Summen verlor und worüber Rechnungen von Wechselstuben vorliegen. Er unternahm mit seiner Mutter seit 1864 Reisen nach Städten des Inlandes und des Auslandes, beide verweilten auch in Berlin, Breslau, München. Ueberall verkauften sie falsche Wertpapiere. Die Polizei verfolgte sie seit Jahren steckbrieflich, gab insbe⸗ sondere von der Mutter Krauthaufs eine genaue Personalbeschreibung und setzte ferner einen be⸗ deutenden Ergreiferlohn für die Ermittelung der Fälscher aus. Erst kürzlich setzte Krauthauf eine Anzahl gefälschter Pfandbriefe der Unga⸗ rischen Kommerzialbank ab. — Der Meisterschaftsradfahrer Deutschlands. August Lehr in Frankfurt a. M. ist in einen kostspieligen Prozeß geraten. Er hatte mit der Raleigbicyele-Compagnie in London einen Vertrag abgeschlossen, nach welchem er sich verpflichtete, im Jahre 1895 mindestens 400 Räder dieser Fabrik zu übernehmen und dabei nur Räder der Fabrik zu benutzen. Hier⸗ für solle er eine Entschädigung von 15000 Mk. beziehen. Die Fabrik klagt nun auf Zahlung der 400 Räder. Höhe der Klagesumme bezogen zu haben, ver⸗ langt aber seinerseits die Auszahlung der 15000 Mk. unter der Behauptung, daß er zwölf⸗ mal auf den genannten Rädern gefahren habe. Die Fabrik behauptet jedoch, daß Lehr auf an⸗ deren Rädern als denjenigen der Raleigbicycle⸗ Compagnie gefahren sei. Lehr bestreitet dies und erbietet sich, vor der Frankfurter Kammer für Handelssachen den Beweis für seine Behaup⸗ tung zu erbringen. — Als Kapitel eines Romans aus dem Leben wird der„Tägl. Rundschau“ fol⸗ gende Geschichte aus Leipzig mitgeteilt: Ein dortiger Bürger hatte sich vor einer Reihe von Jahren verheiratet und lebte mit seiner Frau, die er innigst liebte, sehr glücklich. Drei Kinder waren der Ehe entsprossen, da plötzlich, kurz nach der Geburt des vierten Kindes, zeigten sich bei der Frau Spuren von Trübsinn und Schwermut die bald so zunahmen, daß sich die Unterbringung in eine Nervenheilanstalt nötig machte. In kurzer Zeit artete die Krankheit in vollständigen Irrsinn aus. Anfangs schien zwar noch Hoffnung auf Besserung vorhanden, doch bald erklärten die Aerzte die Frau für unheilbar. Im Inter⸗ esse seiner kleinen Kinder, die, da der Vater den größten Teil des Tages geschäftlich von Hause abwesend war, sich selbst und fremden Händen überlassen blieben, schritt der Mann nach einiger Zeit, wenn auch schweren Herzens, zu einer zweiten Ehe, nachdem er die rechtsgiltige Ehescheidung von seiner im Irrenhause befind⸗ lichen Frau bewirkt hatte. Zehn Jahre sind inzwischen verstrichen, da langte jetzt vor wenigen Wochen ein Brief von dem Direktor der Irren⸗ anstalt an, daß sich der Zustand der Frau, deren der Ehemann stets nur noch in stiller Weh⸗ mut gedachte und die er wie eine bereits Ver⸗ storbene betrauerte, plötzlich und unerwartet derart gebessert habe, daß sie binnen kurzem als völlig geheilt entlassen werden könne. Die Lage des bedauernswerten Ehem nns, der auf der einen Seite die zweite Gattin, die er schätzen und achten gelernt hat, auf der anderen Seite aber die erste heißgeliebte Frau sieht, die nichts von der geschiedenen Ehe weiß, und sich auf die Zeit der Wiedervereinigung mit dem Gatten freut, ist tragisch. Wohin die Leute gehören. Armen nach Geldern, Hungrigen nach Island oder Essen, Aussätzigen nach Finnland, Kranken nach Heilbronn, Patienten nach Kurland, Perrückenmacher nach Harburg, Traurigen nach Klagenfurt, Weinenden nach Zähringen, Israeliten nach Jütland, Juristen auf den Jura, Eiergrämer in den Hennegau, Jäger nach Jägerndorf oder Waldenburg, Kahlköpfigen nach Glatz oder Kahlenburg, Kammermädchen nach Zofingen, Eingebildeten nach Dinkelsbühl, Einsamen nach Oedenburg oder Einsiedel, Wurstmacher nach Darmstadt, Weiberfreunde nach Magdeburg und Lieberose, Bartputzer nach Bartfield oder Haarshausen, Briefträger nach Oporto, Recensenten nach Rügen, Kaltblütigen nach Eisleben, Handschuhmacher nach Handschuhsheim, Vielesser nach Nimmersatt, Müller nach Mehlsack, Wütenden nach Lieblos oder Bornheim, Heiratslustigen nach Frauenburg, Freistadt oder Mann⸗ heim, Geizigen nach Neidenburg, Schnellfüßigen nach Laufenburg oder Eilenburg. Die vier Reiseonkels. Preisend mit viel schönen Reden Ihrer Waaren Werth und Zahl, Saßen einst vier Reiseonkels Im Hotel beim Mittagsmahl. „Seht“, so sprach der Herr aus Leipzig, „Meine schöne Waare an, Tuch und Buckskin eigner Waare, Alles findet Freude dran. Brauch um Auftrag nie zu bitten; Zeig ich meinen Musterpack, Hab ich ohne vieles Reden Gleich den Auftrag auch im Sack.“ Da sprach der vom Bayerlande: „Wir von Nürnbergs Handelsstand, Hätten nöthig nie zu reisen, Wir sind ohnehin bekannt. Zeig ich nur ein einzig Muster, Weiß im Voraus, es gefällt, Nürnbergs Industrie steht einzig, Konkurrenzlos in der Welt.“ „Jotte doch“, sprach der Berliner, Wer ick bin und wat ick führ', Weeß im janzen Deutschen Reiche Selbst det kleenste Hundethier. Wenn ick mir wo sehen lasse, Is det jleich publike Sach, Und die Kunden all zusammen Loofen mir von selber nach.“ Lächelnd sprach hierauf der Vierte: „Euern Stolz begreif ich schon, Denn ich find im Schwabenlande Oft nicht meiner Mühe Lohn. Doch das Eine kann ich sagen, Grobheit ist mir nicht bekannt, Jeden Kaufmann freut mein Kommen, Werd' von Kunden Freund genannt.“ Still drauf wurde der von Leipzig, Der von Bayern trank sein Bier, Doch erstaunt spricht der Berliner: „Schwab, du lügst noch mehr als wir!“ Heiteres. Auf der Treibjagd. Förster Gu den Jagdgästen):„Aber meine Herren, 20 Mal auf einen Bock schießen und fehlen auch noch!. Was muß sich der Bock von Ihnen denken?!“ Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Die Lehr bestreitet, Räder in der Letzte Nachrichten. „Giesßten, 24. Dezeuber. Und die„Gie⸗ ßener Zeitung“ sprach: „Eine neue Zeitung. zeitung“ in Marburg giebt von heute ab eine„Gie⸗ ßener Ausgabe“ heraus. Verleger dieses neuen Blattes ist Herr Bader-⸗Marburg, derselbe, welcher sich am vorigen Sonntag gelegentlich des Parteitages der freisinnigen Volks⸗ partei als Gegner des„Manchestertums“ bekannte und zum Schutz- und Trutz bündnis der freisinnigen Partei und der Sozialdemokratie aufforderte, ein Ver⸗ langen, für welches die freisinnige Partei wohl nie zu haben sein wird. Rechtsanwalt Dr. Gutfleisch er⸗ klärte nämlich, daß das Zusammengehen der bür gerlichen Parteien bei den hiesigen Stadtverordnetenwahlen ein Akt der Selbsthilfe gegen die Sonderbestrebungen der Sozialdemokratie gewesen sei, denn die letztere hasse den Mittelstand und man könne mit ihr nicht paktiren, da sie die Herrschaft der Arbeiter ohne Rücksicht auf die anderen Klassen anstrebte.— Was für eine Ten⸗ denz die„Gießener Ausgabe“ des Herrn Bader⸗Marburg, welche in der hiesigen Ottmann'schen Druckerei in der Schloßgasse gedruckt werden soll, verfolgen will, wissen wir nicht, jedenfalls wird sie im Style der„Hessischen Landeszeitung,“ die immer mehr nach links ab⸗ schwenkt und wohl bald amäußersten linken Flügel an⸗ gelangt sein wird, redigirt werden. Wir wünschen unserem neuen Kollegen von ganzem Herzen Glück zu seinem Unter⸗ 11 105 mit oder ohne Glückwunsch, die„Hessische Landeszeitung“ wird ihren 2940 11 5 1 hat ohne die Gießener Ausgabe in Gießen viele Freunde gefunden und sie wird mit derselben ihren Leserkreis schon binnen einer Woche ganz bedeutend vergrößern. Was die„Gießener Ztg.“ in versteckter Weise tadelnswert findet, wird 15 z Hessischen Landeszeitung“ dabei nur nützen. Wir waren niemals ein Parteiblatt; wir waren aber immer ein Volksblatt, das für die Volksgemeinschaft gegen jede Sonderbestre⸗ bungen und jeden Parteifanatismus Front machte. In diesem Kampfe hat sich die„Hess. Landesztg.“ in zwei Jahren Lorbeeren erworben, von denen sich die„Gießener Ztg.“ selbst in ihren erleuch⸗ tetsten Stunden nichts träumen läßt. In diesem Kampf werden wir verharren und werden wir auch gegen die Gießener Ztg.“ weitere Erfolge erringen. Das„Abschwenken“ überlassen wir der „Gießener Ztg.“, die noch niemals gelernt hat, „nach dem Strich zu gehen“, die es aber vor⸗ züglich verstanden hat, daun mal rechts, dann mal links, dann mal nach vorn, dann mal nach hinten abzuschwenken, wie—„das Geschäft es eben mit sich brachte“. Mit all der Schwenkerei hat sie es schließlich so weit gebracht, daß sie der„Hessischen Landesztg.“ mit der obigen Notiz nicht einmal in Gießen eine gewisse Reclame bereiten kann. Und das will, was die Ver⸗ breitung der„Gießener Ztg.“ angeht, doch schon eine Kleinigkeit besagen! i Gießen, 23. Dezember. Heute Abend passierte ein Brauerfuhr werk im scharfen Trabe den Seltersweg und fuhr gegenüber dem Restau⸗ rant Busch gegen einen Laternenpfahl. Derselbe neigte sich zur Seite, wodurch auch die Laterne mit dem Fuhrwerk in Berührung kam und total verbogen wurde. Der Kutscher des Fuhrwerks ist von der Polizei festgestellt. Gießen, 23. Dez. Heute wurden hier zwei Handwerksburschen in Unter⸗ suchungshaft genommen, weil sie zugestandener⸗ maßen in der Gemarkung Kirch⸗Göns mutwilliger Weise die Telegraphenleitungen beschädigten. Es scheint, als wenn die beiden armen Teufel durch ihre That bezweckten, auf 8 bis 14 Tage Unter⸗ kunft zu erhalten. Sie werden nicht wenig erstaunt sein, wie sehr sie sich in der Höhe des Strafmaßes, welches uuser Gericht für der⸗ artigen Frevel anwendet, verrechnet haben. * Gießen, 23. Dezember. In Amerika verstorbene Hessen.“ Brooklyn, N. Adam 5 Kirschner, 28 Jahre, aus Butz bach. Jeffer⸗ souville, Ind.: Georg Hen 88 Jahre, aus Worms. Kearney, M.: Hammel 62 Jahre, aus Gießen. Marton Towuship, Franklin Co., O., John H. Vetter, 71 Jahre, aus Darmstadt. New⸗Hamburg, Canada: Johann Niklas, 82 Jahre aus Unter⸗ Ostern. South Germantown. Wis.: Frau H. Gilbert aus Darmstadt. Sprengfield, Ill.: C. Heinr. Schwind, 71 Jahre aus Klein⸗Karben. Letzte Telegramme. Berlin, 24. Dezember. Der bekannte Land⸗ gerichts-Direktor Brausewetter ist 1 75 erkrankt. Derselbe begab sich in die Kuran⸗ stalt für Nervenkranke des Dr. Gnauck zu f Pankow. Auf sein Ersuchen begleitete ihn sein Bruder nebst zwei Freunden dahin. Indeß der Bruder mit dem leitenden Arzt sich besprach, wurde Landgerichts⸗Direktor Brausewetter plötz⸗ 1 Er erklärte dem lich anderen Sinnes. Anstaltsarzte wie dem Bruder, nicht in der An⸗ stalt verbleiben zu wollen. Alle A en, daß er doch selbst die Aufnahme in die Heilan- stalt gewünscht und gehofft habe, bald wieder hergestellt zu sein, blieben fruchtlos. Es scheint, daß Landgerichts⸗Direktor Brausewetter in einer Nervenheilanstalt sich beunruhigt gefühlt hat. Verleger: Paul Bader in Marburg, Verantw. Re dakteur: i. V. A. Kleinschmit, Druck von E. Ottmann; beide in Gießen. 3 Die Hessische Landes aria Weber geb. —— Zand lein Rehit Abend Jalon 7 1 50 son poaren r die hestre⸗ achte. tg.“ denen leuch⸗ lesem wir kfolge r der t hat, bol⸗ daun nach ait es enkerei aß ste Moliz clame Ver⸗ schon Abend Trabe lestau⸗ erselbe zaterne 9 total rwerks u hier ute t⸗ 1 williger l. 65 durch Uuter⸗ wenig he des t del⸗ l. nerika Adam Vetter/ burg, Unter⸗ Frau D, Nl Karben. te Lald⸗ llötlich ura auc zu ihn fein. dbeh del bara, 1 blöh⸗ dle delt der 1 lungen, Heilal⸗ 90 Miedel, i schell, in eint lt het Re 2 fl„ 1 Ottmanl BIN en gL08 DROGEN. Zum bevorstehenden Weihnachtsfeste empfehle ich infolge eines günstigen Gelegenheitseinkaufs reinwollene Kleider⸗Cheviots in bester Qualität zu Mk. 1,25 per Meter(regulärer Preis Mk. 2,50). — 8 e 5 cHEMIK ALIEN Niessen. — FARBEN en gros Preislisten für Wiederverkäufer zu Diensten. II Mk. I. 80 2.— 2.40 2.70 3.— bis Mk. 15.— Benner& Nrumm. Nest- Menu Hotel und Restaurant Kaiserhof fir die Weihnachtsfeiertage. 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