D vangelische Organ der Evangelischen Volksgemeinschaft „Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.“ Matthäus 20, 28. so wen 0 srantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger, 9 it den Anterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz. 11 Rücksendung ungewünschter Manusfkripte wird nicht garantiert. en nich schlecht Tdabrgang. er dies.— 2 schlt f 5 i fh alleg 1 8 E Brief aus Oswal 2 0 Eine große Bedeutung für das Leben unserer Lan— seskirche haben die alljährlichen Vereinstage der Inne⸗ n Mission in Dresden. Das hängt hauptsächlich mit er engen Verbindung zusammen, welche erfreulicher geise bei uns in Sachsen zwischen der Innern Mission nd der evangelisch-lutherischen Landeskirche besteht, Zanillerner aber auch mit der bedeutsamen Stellung, welche 150 50 er Landesverein für Innere Mission in unserer Lan⸗ eskirche schon seit längerer Zeit gewonnen hat. Den sesjährigen Vereinstagen für Innere Mission, welche om 1.—4. Mai in Dresden stattfanden, kam insofern och besondere Bedeutung zu, als mit ihr die Feier des eig jährigen Bestehens des Landesvereins verbunden Sul 1 Das Gedenken an dieses Jubiläum kam am men bend des dritten Tages, Dienstag, den 3. Mai, in e. Mule er öffentlichen Versammlung im großen Vereinshaus⸗ e Klug dale zum Ausdruck. In dem interessanten Rückblick, uc ebnen der 1. Vereinsgeistliche des Landesvereins, Pfarrer mf f Cendelin⸗Dresden, über die 60 Arbeitsjahre bot, ob er als die beiden Kennzeichen für die Innere Mis— on in Sachsen die enge Gemeinschaft der einzelnen Ar⸗ 10 ff eitsgebiete, aber auch eine gewisse Großzügigkeit her⸗ lb. 6 lor. Durch die allerneueste Zeit⸗ insbesondere durch ie Organisierung des kirchlichen Wohlfahrtsdienstes A die Innere Mission in außerordentlicher Weise in lie Oeffentlichkeit herausgestellt worden. Die beiden von dem Vortragenden genannten sennzeichen der Inneren Mission in Sachsen traten hann auch in der Tat während der großen Tagung mmer wieder hervor. Die mit der Tagung verbun⸗ enen zahlreichen Sonderversammlungen der verschie⸗ enen Arbeitszweige der Inneren Mission, die kirch⸗ der ah chen Tahresfeier mit der Festpredigt des hannoverschen on, net landesbischofs gaben einen deutlichen Begriff nicht nur ef on der Mannigfaltigkeit der Arbeitsgebiete, sondern dergalsee uch von dem einheitlichen Geist, der sie alle durchwehte. Hosen Zwei erfreuliche Ereignisse waren noch mit dieser agung verbunden: Am Sonntag, den 1. Mai, konnte er Landesverein für Innere Mission das von ihm er⸗ aute neue Heim für herzkranke Kinder bei Radeberg inweihen und am darauffolgenden Tage wurde der om Direktorium erwählte neue dritte Vereinsgeist⸗ sche, Pfarrer Coch aus Freiberg, in sein neues Amt ingewiesen werden. Ihm sind die beiden wichtigen Arbeitsgebiete des evangelischen Landespreßverbandes, ilso die Leitung der Pressestelle der Landeskirche, sowie Het! zie Volksmission anvertraut. Gott gebe, daß in Pfar⸗ eine d ier Coch der rechte Mann für diesen wichtigen Posten gebe gefunden sei! 0* Ansere Leipziger theologische Fakultät hat in kur⸗ e er Zeit bereits den zweiten schweren und unersetzlichen nd etw sektor, * rauch one V um krich 0 viel J te imme Angst he auen, dig nichts Fritzch seele he gen; Herr n. keiheit“ 2 n nachsk 5 155 N 75 lt det 2 n Der Talchrist. . va 1 Jakobus 2, 17. Also auch der Glaube, f Leite wenn er nicht Werke hat, ist er tot an sich selber. tet h. o 90 Wir kommen von Himmelfahrt her. Da haben wir uns ganz in den Himmelsgedanken hineingewiegt. Dieser Gedanke den Himmel gehört mit zu den größten Tröstungen des christentums. Aber hat dieser Gedanke an den Himmel nicht uch viel Unheil unter den Christen verursacht? Hat nicht der Aimmelsglaube, so wie er von manchen gepflegt wird, die Ur⸗ ache dafür abgegeben, das Christentum unsozial zu schelten? kannt ist das Wort, daß die Kirche viel an sozialen Taten räumt hat. Das wollen wir ruhig zugeben. Wenn wir aber um Christentum reden, dann müssen wir das ganze neue Testa⸗ gent berücksichtigen. Dazu gehört auch der Jakobusbrief. Wer katchristen sucht, dort kann er es finden. Luther, der ja ganz auf den Paulusbriefen stand, hat ja un Jakobusbrief nicht sehr geschätzt. Trotzdem können wir uns us Christentum nicht vollständig denken ohne diesen mit larem Wirklichkeitssinn geschriebenen Brief. In ihm finden Ur die praktisch tätige Nächstenliebe, in ihm erkennen wir An⸗ ebe zur sozialen Wirksamkeit des Christen. Als Motto des ganzen Briefes kann das oben hingestellte hort gelten:„Der Glaube, wenn er nicht Werke hat, ist er Ill an sich selbst.“ Ein Glaube ist nur lebendig, wenn er Taten Ir Nächstenliebe im Menschen weckt. Glaube und Nächsten⸗ (be, diese beiden zusammen, machen den Christen aus, Keines inn allein schon genügen, sie müssen beieinander sein. Da der aube das erste ist, so muß aus ihm die Nächstenliebe hervor⸗ hen. N Ein ebenso bedeutendes Wort steht in Vers 27 des ersten berlust eines hervorragenden Mannes zu beklagen: am wah guptschriftleiter: Edwin Hamburger in Staden(Oberhessen).] Erscheint Sonnabends.— Bezugspreis 50 Pfennig monatlich. e die 30mm breite Kleinzeile auswärls 24 Pfg. am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Wiederholungen Abonnements⸗ und Anzeigen⸗Annahmestelle Druck und Verlag Albin Klein, Gießen, Südanlage 21 Jernsprecher Nr. 1145 und 1362 Gießen . enmabend, den 28 Mit Sachsen. 2. April d. J. verstarb plötzlich und unerwartet der Kirchenhistoriker Professor D. Heinrich Böhmer, in Bad Nauheim, wo er Erholung für sein Herzleiden suchte. In ihm verlor auch zugleich das ganze evan— gelische Deutschland viel. Nämlich den bedeutendsten Lutherforscher der Gegenwart, einen der besten Ken⸗ ner des Mittelalters und namentlich auch der katholi— schen Kirche. Unsere Landeskirche verlor in ihm einen freudigen Mitarbeiter, der noch vor kurzem in der Landessynode, in welche er zum ersten Male gewählt worden war, mehrmals in bedeutsamer Weise hervor⸗ getreten ist. Auch sein Amt als Mitglied einer Leip⸗ ziger Kirchengemeindevertretung war ihm Herzenssache. D. Böhmer ist vorläufig nicht zu ersetzen. Seine rie⸗ sige, vielleicht einzigartige Kenntnis der historischen Duellen seines Faches harrte der Auswertung. Die bisher erschienen Schriften und Bücher dieses bedeuten— den Mannes, in denen er diese Duellenkenntnis ver⸗ wertete, haben bereits großes Aufsehen erregt. Wie vieles Großes und Größtes hätte die theologische Wis⸗ senschaft von diesem Manne, dem auch die Gabe fesseln— der Darstellung gegeben war, noch empfangen können, wenn er am Leben geblieben wäre! Die Konkordatsfrage wirbelt auch in unserem Lande immer mehr Staub auf. Die Vnterschriften— sammlung gegen das Konkordat wird zwar von dem Evangelischen Bund lebhaft betrieben, findet aber nicht überall freudige Aufnahme. Vielen Evangelischen im Lande ist die Stellungnahme des Evangelischen Bun⸗ des in dieser Frage zu einseitig negativ und verkennen die wirkliche Sachlage auf diesem Gebiet. In aller jüngster Zeit ist auch bereits ein lebhafter Streit aus⸗ gebrochen zwischen den führenden Männern des Evan⸗ gelischen Bundes in Sachsen und der Leitung des Lan⸗ desvereins der Christlichen Eltern-Vereine Sachsens. Die führenden Männer der Christlichen Elternvereine Sachsens hatten es abgelehnt, sich an der Unterschriften— sammlung gegen das Konkordat zu beteiligen, weil sie in einer vertraglichen Regelung des Rechtsverhältnisses zwischen der Kirche und dem Staat eine Notwendigkeit sehen. In der betreffenden Beschließung der Haupt⸗ führer der Christlichen Elternvereine vom 10. Mai heißt es:„Die Ehristlichen Elternvereine kämpfen seit sieben Jahre um die christliche Bekenntnisschule und lehnen die weltliche wie die Gemeinschaftsschule in je⸗ der Form, auch die auf sogenannter christlicher Grund⸗ lage und mit angehängten Religionsunterricht, entschie— den ab. Sie wollen, daß ihre Kinder auch in der Staatsschule unter christlichen Schulaufsichtsbeamten, von christlichen Lehrern in christlichem Glauben erzogen werden. In diesem berechtigten Verlangen fühlen sich die evangelischen mit den katholischen Eltern einig, und dem Vater, ist der: die Waisen und Witwen in ihrer Trübsal besuchen und sich von der Welt unbefleckt behalten.“ Auch da erkennt man das Tatchristentum betont. Die Nächstenliebe darf nicht vergessen werden. Was bedeutet alles Beten und Predigthören, wenn man kein liebendes Herz hat für die Not⸗ leidenden. Ueberzeugend wirkt das Beispiel von den Waisen und Witwen. Wohltuend ist die Offenheit, mit der Jakobus rücksichtslos die Wahrheit sagt. Er hält nicht für recht, daß der Reiche mit schönem Kleide dem Armen mit unsauberem Kleide vorge— zogen wird. Peinlich ist die Gewissensfrage, die er stellt:„Ist's recht, daß ihr solchen Unterschied bei euch selbst macht, und rich— tet nach argen Gedanken?.... Ihr habt dem Armen Un⸗ ehre getan.“ Dem Christentum wird vorgeworfen, daß es die Hungern— den auf den Himmel vertröstet, sie aber auf Erden verhungern läßt. Leute, die das dem Ehristentum vorwerfen, kennen nicht den Jakobusbrief. In den dem an die Spitze gestellten Versen vorangehenden redet gerade der Apostel über diese Frage. Ich will die Verse ausdrücklich hier hinschreiben.„So aber ein Bruder oder Schwester bloß wäre, und Mangel hätte der täg⸗ lichen Nahrung, und jemand unter euch spräche zu ihnen: Gott berate euch, wärmet euch und sättigt euch; gäbet ihnen aber nicht, was des Leibes Notdurft ist, was hülfe ihnen das?“ Auch an diesem Wort sehen wir das Tatchristentum, das nicht ertragen kann, wenn es dem Mitchristen schlecht geht. Wie kann einem Christenmenschen der Bissen im Munde schmecken, wenn er weiß daß Brüder und Schwestern nichts zu essen haben? Es ist kein zartes Wort für Arbeitgeber, wenn er schreibt:„Siehe, der Ar⸗ beiter Lohn, die euer Land eingeerntet haben, der von euch abgebrochene Lohn, der schreiet, und das Rufen der Ernter ist gekommen vor die Ohren des Herrn Zebaoth. Ihr habt wohl⸗ gelebt auf Erden und eure Wollust gehabt und eure Herzen ge— apitels:„Ein reiner und unbefleckter Gottesdienst vor Gott, weidet, indem ihr Schlachttag machtet.“ Dieser Jakobus hätte nt, Verbindlichkeit. Bei Vergünstigung. Platzvorschriften ohne erwarten beiderseitig als Glieder ihrer Kirche eine durch die Trennung der Kirche vom Staat unabweisbar notwendige, vertragliche Regelung der Rechtsverhält⸗ nisse von Staat und Kirche auch in Bezug auf die Ge⸗ währleistung einer religibs⸗sittlichen, von jeder Par⸗ teipolitik unbeeinflußten Erziehung in jeder Schul⸗ form.“ Diese Stellungnahme der Christlichen Elternver⸗ eine exregten den lebhaften Zorn der evangelischen Bundeskreise, besonders, nachdem von katholischer Seite auf diese Haltung der Christlichen Elternvereine wie— derholt hingewiesen worden war. So viel ist gewiß, daß die Haltung der Christlichen Elternvereine in die⸗ ser Frage herausgeboren ist, aus ernster Sorge um unsere Landeskirche und daß sie geteilt wird von führen⸗ den Männern auch im Reich. Ein Konkordat einseitig zwischen dem Reich und dem pästlichen Stuhl wäre ein Verhängnis für Deutschland. Aber eine bloße nega⸗ tive Protestaktion gegen das Konkordat würde bei der augenblicklichen Lage nicht nur ein Schlag ins Wasser sein, sondern eine Schädigung der wahren Interessen unserer evangelischen Kirche. Immerhin wäre es er⸗ freulich, wenn es gelänge, zu einem gegenseitigen Ver⸗ ständnis und zu einem gütigen Ausgleich in diesem Streit zu kommen. Pfr. Kircher, Coswig b. Dresden. Trfiehung zum religiösen Frieden? Unter dieser Ueberschrift bringt das„Mainzer Journal“ in seiner Nr. 91 vom 20. April eine Be⸗ sprechung meiner Schrift„Die christliche Kirche, ihr Werden und Leben, Kämpfen und Arbeiten.“ Es kann mir nicht in den Sinn kommen, mich mit dem Schreiber dieses Aufsatzs, A. G., irgendwie in eine wissenschaft⸗ liche Auseinandersetzung einlassen zu wollen, denn eine solche setzt eine wissenschaftliche Bekämpfung vor⸗ aus. Der Schreiber weiß aber nichts zu tun, als von „Ausfällen gegen die katholische Kirche“, offensicht⸗ lichen Unwahrheiten“,„Umkehrung der Wahrheit“, „übler Verleumdung der Kirche“,„tendenziöser Ge⸗ schmacklosigkeit“,„Verdrehung geschichtlicher Tatsachen“ durch„diesen Jugendbildner“ zu reden, macht aber ent⸗ fernt nicht den Versuch, irgend eine von meinen An⸗ wahrheiten oder Verdrehungen zu widerlegen, sondern weiß nur seine Lehrer gruseln zu machen vor meinem „Haß“ und meiner„Geringschätzung der Katholiken“, die„allen Einfluß der Katholiken im öffentlichen Le⸗ ben beseitigen“ will. Das sind die vielgebrauchten und beliebten Mittel des Kampfes auf ultramontaner Seite, in deren Arena herabzusteigen ein evangelischer Christ zu vornehm ist. Ich begnüge mich daher mit der Er⸗ klärung, daß die Schimpfereien des Herrn A. G. mich auch kein Wort von dem zurückzunehmen veranlaßt, was ich geschrieben habe, und daß es dem Evangelischen mit solcher schneidenden Sprache nicht auf eine Patronatspfarre irgendwo östlich der Elbe gepaßt. Was er aber schreibt, ist es nicht reines klares Christentum, wie Jesus es gemeint hat? Keiner unter den Jüngern hat wie Jakobus den Meister in der Praktischen Form des Christen⸗ tums verstanden. Wenn wir uns die Bergrede vor Augen stel⸗ len, dann predigt Jesus mit unerbittlicher Folgerichtigkeit das Tatchristentum. Allerdings dabei hat er die traurige Nut⸗ deckung gemacht, wie schwer es ist, aus einem Reichen ein Tat⸗ christ zu werden. Auch Jakobus muß mit den Reichen ähnliche Erfahrungen wie Jesus gemacht haben. Er würde sonst nicht schreiben:„Wohlan nun, ihr Reichen, weinet und heulet über euer Elend, das über euch kommen wird! Euer Reichtum ist. verfaulet, eure Kleider sind mottenfräßig geworden, euer Gold und Silber ist verrostet, und sein Rost wird euch zum Zeugnis sein und wird euer Fleisch fressen, wie ein Feuer.“ In einer Predigt habe ich einmal in einer kirchlichen Ge⸗ meinde, die stark unter Kirchenschlaf litt, über das Häßliche die⸗ ser Angewohnheit geredet. Darauf machte man mir klar, daß solche Reden recht unbequem seien. Ja, es gibt auch recht un⸗ bequeme Seiten in unserem teuren Evangelium. Jesus selbst hat viel Unbequemes von den Christen zu fordern. Wer es sich gemütlich machen will, der verschweigt gerne diese unbequeme Sollen wir es uns aber gemütlich machen? Hat ein sich gemütlich gemacht? Hat ein Luther ein be— Wie es die Leute aufnehmen, das muß Wir haben das ganze Evangelium zu lehren, auch seine herbe Seite. Keine Verweichlichung dürfen wir unserer schon genug verweichlichten Zeit bieten. Stellen wir unser Christentum als das hin, was es ist, als eine zur Tat zwingende Pflicht und Aufgabe, die im Glauben wurzelt und in der Nächstenliebe ihren Wert und ihre Krönung findet. Wären wir mehr Tatchristen, wie bald könnten wir„ein Volk Amen. Hr. Seiten. Paulus es quemes Leben gehabt? uns gleichgültig sein. von Brüdern“ sein! — Sonnabend, den 28. Mai 1927. ee an νο Bund, dem ich seit 40 Jahren diene, heiligen Ernst ist nit selnem Streben nach einem Zustand des Friedens zwischen den Belenntnissen in Deutschland, den er sich allerdings anders denkt als der Ultramontanismus Im t übrigen kann ich dem Herrn A. G. nur dankbar da für sein, daß er meine Darlegungen so weilgehend ab bruckt, vielleicht führt das doch manchen Leser des „Mainzer Journals“ zum Lesen der Schrift selbst oder meines größeren Buches:„Unsere Kirche, ihr Werden und Leben, Kämpfen und Arbeiten“(Verlag J. F. Steinkopf in Stuttgart) und lehrt ihn die Wahrheit mit anderen Augen ansehen als Herrn A. G. Stuttgart, Oberschulrat Dr, Mosapp. Die Heerschau des Stahlhelms. Der 8. Mai und mit ihm die Kundgebung des Stahlhelms ist vorüber. Auch dersenige, der die Ent wicklung unserer„vaterländischen Verbände“ in jüng ster Zelt nur noch mit Sorge und Trauer verfolgen konnte, hatte genügend äußeren Anlaß, von dieser Kunpgebung etwas wie einen Wendepunkt zum Wie deraufstieg zu erwarten. Wenigstens waren die An kündigungen nicht sparsam mit Versprechungen in die ser Richtung. Und welcher Eindruck blelbt nun, wenn man all die Ausführungen dem Stahlhelm nahestehen den Presse gelesen hat? Für mich ist es der Eindruck einer großen Enttäuschung. Der Stahlhelmführer Seldte hatte eine Ossenbaxung des„Frontgeistes“, der „Stahlhelm-⸗Idee“, der„Botschafst des Stahlhelms“, des„Stahlhelmweges“, der„neuen Ethit des Stahl⸗ helms“, des„Nichtmannes als neuen deutschen Typ“ versprochen. Und was ist nun dieses Große, Neue, Um wälgende, das in Berlin verkündet worden ist? Der Stahlhelm fordert Wehrrecht und Wehrwillen; er for⸗ dert den Nationalstaat, wirfsamen Widerruf des er⸗ preßten Kriegsschuldbelenntnisses, die Regelung und WMiedergutmachung der Weltkriegsschäden auf Grund der solidarischen Haftung aller für den Weltkrieg ver— antwortlichen Völter; schleunige Rheinlandräumung, Wiederanerkennung der Farben Schwarz⸗weiß⸗rot, Er⸗ öffnung von Siedlungs- und Arbeitsgebieten für den Bevölkerungsüberschuß, Stärlung der Machtbesugnisse des Reichspräsidenten. Der Stahlhelm will keine neue Partei gründen,„aber seine Angehörigen sollen in allen Stellen des öffentlichen Dienstes, von der Ge— meinde bis zum Reich, die Möglichteit maßgebender Mitarbeit erlangen“. Der Stahlhelm will den Mar⸗ riomus bekämpfen.„Mit allen parlamentarischen und außerparlamentarischen Kräften des deutschen Volkees, die Blut- und Kampfgemeinschaft mit ihm halten wol⸗ len, wird der Stahlhelm bei Regierung und Parlament die Durchsehung seiner Ziele erzwingen. Das ist der Weg und der Wille des Stahlhelms zur inneren und üußeren Befreiung Deutschlands.“ Ist das nun etwas so Besonde res, Neues und Umwälzendes, was hier ver kündet wird? Man kann sich freuen über die Summe von Ideglismus, die in diesen Zielsetzungen steckt. Und doch muß bei ernster Prüfung gesagt werden, daß auch beim Stahlhelm, wie bei so manchen anderen natio— nalen Bewegungen eine große Selbsttäuschung vorliegt. Was unser Polk braucht, sind nicht stark klingende Del lamattonen, oder imposante Parademärsche, sondern die Erschließung neuer Krastquellen. Und solche Kraft quellen sucht man beim Stahlhelm vergebens. Dar über kann auch„die Erscheinungssorm der grauen, auf⸗ marschierenden Stahlhelmkolonnen“ und das wogende Meer der schwarz⸗weiß⸗roten Fahnen nicht hinweg⸗ täuschen. Es ist bitter, das aussprechen zu müssen. Aber nur die Arbeit, auch wenn sie bitter ist, kann uns frei machen von dem Blendwerk der Phrase und Illu sion. Die große Täuschung liegt wenn wir einma! von der politischen Zielsetzung ganz absehen wollen sowohl beim Stahlhelm, als auch bei anderen Ver händen in erster Linie in der falschen Wertung und n „Evangelische Warte“ H 2 2 eee eee eee 5 u D rc eee, Auswertung des Fronterlebnisses, das man immer und immer wieder in den Mittelpunkt stellt. Jeder, der den Krieg mit Bewußtsein in seiner ganzen Wucht und in seiner schärfssten Ausprägung an der Front erlebte, kann von diesem Fronterlebnis sagen. In seiner ein sachsten Form war es das Erleben der Uehergewalt eines großen und schrecklichen Schicksals, dem man nicht entrinnen konnte, dem man sich in dumpfer Ergebung mehr oder weniger willig fügte. Auf höherer Stufe war es das Vewußtwerden der Schicksalsverbundenheit mit dem eigenen Voll und Land und die befragende Loslösung vom kleinen Ich und die freiwillige Hingabe an das Ganze. Deutschland muß leben und wenn wir sterben müssen! Aus diesem Erleben folgte die Auf hehung aller sozialen Schranken, das Bewußtsein einer in Not- und Todgemeinschaft geschlossenen Kamerad schaft und Schicksalsgenossenschaft. Aus dieser Form des Fronterlebnisses erwuchs die vaterländische Be wegung der Frontsoldaten. So gewaltig und erschüt sernd dieses Erleben war, so starke Kräfte es bei hoch stehenden Menschen auslöste, es konnte diese Kräfte eben nur auslösen. Zur Krastquelle selbst konnte es nicht werden. Das trat sofort deutlich in Erscheinung, wenn die Wucht der äußeren Verhältnisse verschwand und der Frontsoldat in das Leben„hinter der Front“ zurückkehrte. Da zeigte es sich, daß das Fronterlebnis nicht vor Veräußerlichung und vor Oberflächlichkeit hatte bewahren können; das Erlebnis der Schicksalsge meinschaft mit den Kameraden war nicht imstande ge wesen, die Rivalität zwischen den einzelnen Truppen teilen und noch weniger zwischen den einzelnen Stäm— men auszulöschen. Daß das Fronterlebnis nicht ohne weiteres die politische Reife ersetzen kann, lehrt die Ent wicklung unserer nationalen Bewegung der Nachkriegs zeit. Auch die Kundgebung des Stahlhelms ist ein neuer Beweis dafür. Und das Wichtigste: das Front- erlebnis an sich verbürgte auch bei dem besten Solda— len keineswegs Festigleit gegenüber den sittlichen Ge— fahren. Im Gegenteil. Die große Selbsttäuschung weiter Kreise— auch des Stahlhelms liegt darin, daß sie das Fronterleb— nis als politisches Reifezeugnis und als Kraftquelle einsetzen. Kein Wunder, daß gerade dann, wenn es gilt, die Probe aufs Exempel zu machen, die auf dieses Fronterlebnis aufgebauten Organisationen sich als Versager entpuppen. Daß trotz des starken und ehr— lichen Idealismus, der im Stahlhelm zu finden ist, sich doch auch die Brüchigkeit des Grundes der nationalen Bewegung und Unzulänglichkeit des„Frontgeistes“ offenbart, zeigen einige kleine Streiflichter. Die Leitung des Stahlhelms hatte einen Presse— empfang veranstaltet, um den Pressevertretern etwas mehr über die wirklichen Ziele des Stahlhelms mitzu— teilen. Die völkische„Deutsche Zeitung“ berichtet darüber: „Der Frontsoldatentag des Stahlhelm hat begonnen Den Auftakt bildete ein Empfang der Vertreter der Presse des ganzen Deutschen Reiches am Donnerstag Abend im Hotel Prinz Albrecht in der Prinz-⸗Albrecht Straße. Etwa 60 Vertreter der verschledensten nationalen Zeitungen. unter ihnen auch Geheimrat Zechlin von der Reichspresse— stelle, wurden von den Bundesführern Seldte und Duester— berg, sowie deren tüchtigen und zuverlässigen Unterführern in der herzlichsten und angenehmsten Weise empfangen. Nach kurzer Begrüßung und Erneuerung der Bekanntschaf— ten setzte man sich an eine Tafel. In der Ecke des Saales, stand eine Gulaschlanone, ein Hornist blies„Essen holen“ und dann gab es Erbsensuppe mit Wurst. Zu dieser Erb⸗ sensuppe spendete der Landesverband Westsalen einen tüchtigen„Swarten Korn“. Wie alte Soldaten stürzten sich die Stahlhelmer und, ihrem Beispiel folgend, die Presse vertreter, mit hungrigen Mäulern über dieses genußreiche Mahl. Der Landesverbandsführer von Groß-Berlin er hob sich und hieß die Vertreter der Presse auf das herzlichste willkommen. Bald darauf ein neues Trompetensignal. Der Bundesführer Seldte steht auf und spricht zu den ge— geladenen Gästen vom Geiste des Stahlhelms.“ Dornenwege. Roman von Clara Meller, 20, Fortsetzung. „Oho, so allein im Dämmerschein,“ ref Hans im Tür rahmen und das helle Lampenlicht flutete mit ihm herein, er lam ellend auf seine Mutter zu, die frische Winterluft drang noch aus seinen Kleidern, warmherzig ergriff er ihre Hand und küßte die gefurchte Stirn Sle blickte erwartungsvoll nach der Tür:„Wo ist Deine Frau?“ „Einen Gruß von Urle, aber sle kann nicht mehr reisen, fühlt sich beim Familienrat auch. überflüssig.“ Ein Zug herber Enttäuschung glitt über ihr Gesicht:„Sie will nicht, nenne es belm rechten Namen!“ Er wurde feder weiteren Antwort überhoben, Stimmen gewirr und Lachen drang herein, die Erwarteten kamen zur Begrüßung, der Kronenleuchter wurde angezündet, frisches Leben zog ein. Gerhard hatte seine Schwägerin Ludmilla kühlhöflich ein geladen, um der Form zu genügen, aber sie war eingetroffen mit dem Kindersräulein und dem Knaben, man wußte ja nicht, was noch herauszuholen war, nach ihrer Gesinnung balt der Spruch:„Lieber ducken, als darben.“ Die angegrissene Gesundheit gebot Frau Wendtland, sich bald zurückzuziehen, aber ruhelos warf sie sich auf ihrem Lager hin und her, sollten ihre Pläne vereitelt werden, an dem Trotz ener gekränkten Frau scheitern? Sie hörte die angeregte Konversatton von unten herauf schallen, dann das laute Weinen des Kindes, dazwischen das ungeduldige Schelten des Kinderfräuleins, Fiebernd warf sie sich hin und her, die letzten Ereignisse hatten ihren nicht mehr widerstandsfähigen Nerven zerrülttet, die quälende Angst jagte ste wieder auf, sie kleidete sich noch mals an, die Seide rauschte und knisterte und glänzte auf dringlich in ihre milden Augen, trotzdem strich sie stolz darüber hin, die starre, schwere Seide gehörte nun einmal zu ihr. Der schwarze Spitzenschal legte sich breit über ihren weißen Schei tel und ließ das Gesicht gelblicher, leidender erscheinen. Sie schob die Hängelampe höher und tratt an den Sammel rahmen, da sehlte kein Kind, kein Schwiegerkind, nur Urle! Sie gab im Zorn Hans das Vild zurück, nur wer ihrem Her zen nahestehe, andere Photographien begehre sie nicht! und heute wollte sie um jeden Preis die Gegenwart der Verschmäh— ten fordern! Aus Liebe? Nein, es durfte nicht einmal Sympathie sein, diese unwiderstehllche Sehnsucht es war Schein, die Unruhe wob so verworrene Bilder, zeitigte un wahre Empfindungen. Sie wollte, sie konnte nicht sterben. ohne Urles Schwur, ja sie wollte ihr Fesseln anlegen, die sie nicht zu brechen wagte! Sle trat hastig aus dem Dämmerlicht des Erkers in die strahlende Helle, fort mit den weichen Regungen, grad' aus zum letzten Ziel! „Nun, Ludmilla, was hast Du zu der Aufklärung Deiner Verleumdung gesagt?“ Hans sah schadenfroh seine Schwägerin au. Sie zuckte gleichmütig die Schultern:„Sie ist eben sehr extravagant!“ Haus wollte empört auffahren, doch der Gerichtsrat hielt ihn am Arm fest:„Gib Dir doch keine Mühe, Hans, gegen solche Frauen kämpfen wir vergebens! Ich freue mich, Deine Frau zu sehen, sie wird doch noch kommen?“— Die greise Lauscherin hinter der Portiere, die eben ein treten wollte, zuckte zusammen und ließ die Hand wieder sinten.„Hexenkunst,.“ murmelte sie,„unrettbar verfallen ihr die Männer!“ Schwankend, wie eine Trunkene, trat sie herein, ihre Augen krrten dahin, ohne jemand zu erkennen.„Hans,“ rief sie. Er sprang auf und führte sie zum Sofa, man sah, daß sie sich nur mit Anspannung aller Kräfte aufrecht hielt.„Schreibe, Auf der Warte. Die gußereuropäischen Geschehnisse interessiere uns in der letzten Woche sehr wenig. Das Interesse flit die chinesischen Wirren ist erlahmt, selbst die woh fal ziemlich einzigartig dastehende Ueberschwemmungs 0 latastrophe in Amerila mit allen ihren den Mensche eln so furchtbar mitnehmenden Begleiterscheinungen wurde“ in den Hintergrund gedrängt. Man spielt in Europ wieder einmal um wichtige Dinge. Die Genfer Welt wirtschaftskonferenz will gerade ausgehen wie Hornberger Schießen, bei dem bekanntlich die Hom berger einen Schützentönig herauszuschießen hatte nach mehrstündigem Schießen das Pulver ausging, un bis dahin leiner aber auch nur die Scheibe getroffe hatte. Manu ist mit der Zeit von diesen internationale 1 Zusammenkünften immer mehr enttäuscht. Was bedell. ten uns noch alle die schönen Reden, die gehalten were den, während man hinter den Kulissen doch auf ande. ren Instrumenten spielt?— Die Sponnung Englanh Nußland hält unvermindert an. Von beiden Seele len droht man mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen. Hat Deutschland Vorteile davon! 5 Keineswegs! Wenn wirklich Rußland nach einen A Bruche seine Aufträge aus England zurückziehen würde. und sie Deutschland übertragen bekäme, hätten wit 5 wohl sofort die wirtschaftliche Gegnerschaft England 7 sofort zu fühlen. Wir können überhaupt in letzte Zeit von allzu großem Entgegenkommen Englands auf ch leinen Fall sprechen. Unsere Vermutung in der letzte ben Nummer der Warte, daß man bei dem französischey fle, Ministerbesuch in London deutsche Interessen verlauf% würde, hat sich als richtig erwiesen, obwohl genaue An gau gaben über den gegenseitigen Einsatz zwischen England 1 und Frankreich bis jetzt fehlen. Die darüber erschienene beit Artikel der halbamtlichen Zeitungen bis jetzt weder Be 0 stätigung noch Dementi erfahren.— Polen, der bissigste ba struppigste und eingebildetste Köter Europas hat bel ieht! den Gemeindewahlen in Rybnit sein wahres terroristt Aang sches Gesicht gezeigt. Man muß sich über die lamm, ben. sromme Geduld der deutschen Regierung wunder Nelber Man muß staunen über die Interesselosigteit des Völs lerbundes. Ist sie Absicht oder Ohnmacht? 40 schwer in verletzte Deutsche in den Nybnikern Krankenhäuserg fegt will doch etwas heißen! Arme Menschen, die für ih fuer Deulschtum so viel aushalten müssen! Ist das Schutz An! der Minderheiten?— Im deutschen Reichstag berich, e de tote ein besonderer Ausschuß nach jahrelanger Arbei ele, über Völterrechtsverletzungen im Weltkrieg. Der un en ter Mitwirkung anerkannter internationaler Größen ber abgefaßte Bericht stellt eine glänzende 11 U. bels Deutschlands dar. Aber, aber. Wo macht das ein an e deres Land? Und wenn es ein anderes Land täte wo ist dort wie bei uns der Sozialdemokrat, der den elehn Bericht Lüge nennt? So was kann nur dem einfhl, en E tigen deutschen Michel passieren. Dabei haben die in Ausschuß vertretenen Sozialdemokraten den Entschlie⸗ zungen und Beschlüssen zugestimmt! So bot wieder einmal der Reichstag ein beschämendes Bild! Auf drei Wochen hat er sich übrigens vertagt.— Erschütternd wirkten die Nachrichten von dem furchtbaren Straßen⸗ bahnunglück in Kassel auf uns ein, bei dem 10 Men schen ihr Leben verlieren mußten.— Der hessische Landtag arbeitet unermüdlich am Etat. Das Kapitel Polizei hielt infolge zahlreicher Wünsche und Einsprüche erheblich auf. Dafür wurden an einem anderen Mol gen 15 Kapitel durchgejagt.— Das hessischen Hand⸗ werk unternimmt am 15. Juni eine Sonderfahrt ux 10 lion oll 7 salel ch 1 die 1 1a a b fach ken fame übt halt a 10 Münchener Gewerbeausstellung. dun, halt Das ist eine verdächtige Symbolik des Stahlhelm n geistes! a. And ist es nicht bezeichnend, daß das vielgerühmte 100 Fronterlebnis bis heute nicht den Zwiespalt zwischen len den nationalen Verbänden beseitigen konnte? 1 „Ich fürchte, es wird wenig nützen, sie reist jetzt nicht!“— „So hole sie, sage, ich sei krank und wollte sie noch ein mal sehen, das kann sie mir nicht verweigern!“— 5 „Dir zu Liebe will ich es versuchen, ob ich es vermag, be“ zweifle ich.“ A0 4 Sie erhob sich:„Ich erwarte sie, säume nicht!“— N Ludmilla geleitete ihre Schwiegermutter hinaus:„Wäre e Du ein Herr, sie käme,“ flüsterte sie hämisch.— 4 Alle guten Genien rief Hans zur Hilfe, Urle umzustimmen, g vergebens. Ruhig und bestimmt lehnte sie ab, da sie an die 10 Selbstlosigteit ihrer Schwiegermutter einfach nicht glaubte, N wieder ein Intrigue fürchtete.—. n Da kam eine Depesche: Kommt schnell, Mutter sehr krank n gn Schweren Herzens fuhr Urle mit, die Kraft einer Sterben dr den war ja gebrochen, also mußte wirklich nur der Wunsch. 1. 0 persönlich Abschied zu nehmen, den Ruf diktiert haben.— Zum zeiten Male bekam die Herrin von Königsborn die Sterbesatramente, wieder herrschte angstvolle Aufregung, nie- mand wägte in dieser Stunde, jeder stand im Banne des Todes Urle lehnte am Fenster, lose floß das faltige Gewand an ihr herabssie hatte nichts da drinnen zu suchen.— 1 Die Sonne weckte blinkende Reflexe im Schnee und schmolz der Aeste Schneetuch, daß es in krystallklaren Tröpfchen an den Endspitzen wie Tränen schaukelte. Die Meisen kletterten lustig an den Spalieren in die Höhe zur Futterstelle, der loße Schnee stäubte unter der Berührung dieser leichtbeschwingten N Wintergäste zur Erde, ein anmutiges Winterbild. 1. Hans war unbemerkt in das Zimmer getreten, die Teppiche 1 dämpften seinen Schritt, leise legte er die Hand auf ihre Schul- ter, sie schnellte herum. ö „Habe ich Dich erschreckt?“ fragte er weich,„Mutter ruft Dich.“ Sie sah Tränenspuren in seinem Gesicht:„Leldet sie sehr?“ Ia daß Deine Frau kommt.“ 5 „Der Arzt verbietet nur jede Aufregung,„er wartet erst 05 N ab, was der Abend bringt, bevor er heimfährt.“— e 1927. . Nach dem Vortrag des Stahlhelmführers Selte in . Berliner Philharmonie verteilten Angehörige der zationalsozialistischen Arbeiterpartei Flugblätter mit ace der Aufforderung an die Stahlhelmler, ihre Organi⸗ ation zu verlassen und der National ⸗sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei beizutreten. Der Schluß des Aufrufs lautete: Gegen Seldte und Stresemann, gegen Thälmann und Sinojew⸗Apfelbaum, für Adolf Hitler! Auch die Nationalsozialisten berufen sich auf das Fronterlebnis! ö Es ist die große Täuschung der Führer der natio⸗ nalen Verbände, daß sie glauben, das Fronterlebnis Jan sich genüge zum Aufbau einer neuen deutschen Welt. An diesem Irrglauben müssen alle scheitern. Wo aber das Fronterlebnis zugleich zu einem eligiösen Erlebnis wurde, da hat es den Menschen mit bebe Gott und damit mit der stärksten und tiefsten Kraft⸗ guelle in unmittelbarste Berührung gebracht. Wir wissen um dieses Erlebnis! Auch uns hat es vom Subjektivimus besreit, hat uns die Verbundenheit mit unserem Volk in Schicksals⸗ und Schuldgemeinschaft zum Bewußtsein gebracht. Auch uns sind in diesem Er⸗ leben Klassen⸗ und Standesunterschiede in ein Nichts bpersunken. Der Trieb der Unterordnung unter das Ganze, der Wille zum Dienst, die Hingabe bis zum Letzten an das Gebot der Pflicht war das überwäl⸗ ligend Große, das im Feld in unser Leben trat. leh ö Aber damit ist für uns nicht alles gesagt. Im An⸗ nch des Todes, dem wir täglich und stündlich ent⸗ gegensahen, offenbarte sich uns die ganze Armseligkeit alles äußeren menschlichen Schein, aber auch zugleich die Welt und Tod überwindende Kraft des lebendigen Glaubens. Alles Phrasentum und alle innere Unwahrhaf⸗ ligkeit lernten wir hassen und verachten. Und das Größte: Wir schauten die neue Offen- barung des Waltens Gottes in der Geschichte, in Ge⸗ richt und Gnade;, das Göttliche als das einzig Un⸗ bedingte trat als erschütternde Wirklichkeit in unser Leben. Im Grausen der Schlachten hat sich immer wieder ein Doppeltes tief in die Seele eingegraben: Das Gefühl der völligen Abhängigkeit von Gott und fen 1 kroriß lam unden es N schro das Erleben seiner Nähe. Und dieses Fronterlebnis hülle“ drängte auch uns nicht nur zu neuer Gestaltung des für! engsten, sondern auch des nationalen Lebenskreises 5 St Denn wo immer in der Geschichte dieses Erleben Gottes, ben das das ganze Sein des Menschen im Ewigen ver⸗ Aub ankert, uns entgegentritt, da drängt es den Menschen der ju neuer Gestaltung nicht nur des persönlichen Lebens, Eich, ondern auch der Gemeinschaft. Mit diesem Erleben th, Gottes ist immer und überall die unabweisbare Pflicht eing. des Zeugnisses und des Dienstes verbunden. nde Nur wenn so das Fronterlebnis zum Gottes- der h etlebnis geworden ist, kann es zu einer Kraftquelle für ein den Einzelnen und die Gesamtheit werden. Si. die etch Verschiedenes. wiel, lun, Politische„Verdienste“. c Angaben, die das„Bayerische Vaterland“(5. 4. 27) über die Einnahmen gewesener und gegenwärtiger deutscher Parlamentarier machte, sind bisher unwider⸗ tufen geblieben. Danach bezieht Dr. Radbruch— die Namen sind von uns lediglich zur Nachprüfung der Glaubwürdigkeit übernommen— neben dem regulären Gehalt aus seiner Universitätstätigkeit eine Pension von 13 416 Mark für sein früheres Ministeramt. Dr. Cuno, der Generaldirektor der Hapag, 600 000 Mark HGehalt und 18 285 Mark Reichskanzlerpension. Dr. Luther als Verwaltungsratsmitglied der Reichsbahn 9 100 000 Mark jährlich, dazu 23 115 Mark Reichskanz⸗ lerpension. Dr. Wirth erhält neben seinen Reichstags⸗ diäten und Privat⸗Einnahmen 19 665 Mark Pension. Dr. Koch bezieht außer großen Einkünften aus seiner * 0 M hessih Kap spiih „Esangelische Warte 8„H„wPbwbffß ͤccccßGcGcbGpppfGGßGpßTfßffßGpßGßßßbßc CCC ĩðVDfn ß ðͤ 8 Rechtsanwaltspraxis 19032 Mark Pension. Die Reihe der Großpensionäre unter den Abgeordneten, die außer- dem über eine erhebliche Privateinnahme verfügen, könnte noch beträchtlich verlängert kommt, daß eine große Reihe zu 30 und 40 Aufsichtsrats nicht zur Diskreditierung oder zu parteipolitischen Zu dern zur Kritik an einem Suter System.— werden. D von Abgeordneten bekleiden.(Was barer hier Persönlichkeiten nerkt wird, son gbar empfundenen 0 0 Der Referent für 5 Sschulgesetz Das„Berliner Tageblatt“ vom 12. 9 1927 schreibt:„Die Zentrums tion teilt mit, daß weder der sie noch ihr Kulturrefer— Dr. Schreiber, einen E Freiburger katholischen bert Krebs als Refere Reichsinnenministeri ausgeübt hab sache der bevorstehenden Berufung des Professors K wird damit zugegeben. Nach der irung der trumsfraktion müßte man annehmen, daß der Reichs⸗ innenminister v. Keudell aus sich selbst heraus den be— kannten, dem Zentrum nahestehenden Freiburger Theo logieprofessor ins Innenministerium berufen will. durch würde die Angelegenheit noch seltsamer. Wir glauben aber ann ien zu können, daß, wenn auch vielleicht nicht direkt, um so mehr auf indirektem Wege, gewissen Zentrumskreise dem Reichsinnenminister den Gedanken dieser aufsehenerregenden Berufung nahege— legt haben.“ Abgeordnete die Berufun Das Schankstättengesetz Im Reichsrat wurde der Schankstättengesetzent— wurf in der Fassung der Ausschußbeschlüsse angenom⸗ men. Ueber die Frage, wer befugt sein soll, Richt— linien für die Erteilung von Konzessionen zu erlassen, behielt sich die Regierung die Einbringung einer be sonderen Vorlage vor. Dazu die folgende Illustration(nach dem„Sonn— tagsblatt f. d. arb. Volk“): „Wir fuhren in der Morgenstunde eine Viertel— stunde durch einige Straßen von Berlin. Von der Friedrichstraße her zum Stettiner Bahnhof. Es ge— nügte vollkommen, um das zu sehen, worauf ers ankam, nämlich: daß es Wahrheit und keine Phantasie ist, wenn behauptet wird, man könne auf einen Kilometer Straßenlänge 42 Gastwirtschaften zählen. Wir fanden sie links und rechts, alle mit grellblauen Schildern. Dann wieder in einer ganz kurzen Straße 29 Stück. Dann wieder von einer einzigen Straßenecke aus auf wenige Schritte Entfernung sichtbar, neun... Weiß Gott, wie es kam, daß just in dieses üppige Feld von Gastwirtschaften ein städtischer Arbeitsnachweis ge— pflanz wurde. Wir sahen das bunte Gewimmel, das Gekribbel und Gekrabbel von Tausenden arbeitsuchen— der Menschen. Die Straße, die Zugänge quollen, die Zimmer schienen zu bersten unter der Fülle von Men— schen, die sich in ihnen stauten. Vier Wirtschaften lauern direkt vor den Toren auf das Geld der Leute, zum„Stempeln“ gehen... Exwerbslose spülen Aer⸗ ger, Verdruß, Verbitterung hinunter, die vielen Wirt— schaften bieten die Gelegenheit dazu.“ Kinopaläste, aber keine Wohnungen. Die Wohnungsnot in Deutschland ist furchtbar. In Verlin kamen auch in den letzten Jahren noch mehr Wohnungssuchende neu hinzu, als Wohnungen gebaut wurden. Alles sollte daran gesetzt werden, daß diese himmelschreiende Not behoben würde. Doch weit ge— fehlt! Gewisse Leute haben andere Sorgen. Hören wir, welcher Art dieselben sind: Wie dem„Hamburger Korrespondenten“ aus Berlin berichtet wird, ist man planmäßig in den letzten Monaten daran gegangen, im . Die Kranke streckte Urle beide Hände entgegen:„Ich danke Dir, daß Du kamst!“ Urle neigte sich auf ihre welken Hände und drückte einen Kuß darauf:„Ich reise jetzt ungern,“ flüsterte sie,„daher n! meine Zögerung.“— „Du weißt, ich habe nicht mehr viel Zeit zum Leben, das „ derbietet alle Umschweife,— Urle, mein Haus ist bestellt, nur . Du, Du bereitest mir Sorge!— Du erinnertest mich vom ersten Tage an meine sanfte, schöne Mutter, ich weiß nicht, wie es lum, und darum,——— die Angst um Dich,——— gib mir — 2 1 — — 1E die Ruhe im Grabe!——— gal Arle erbebte, alles Blut drängte nach ihrem Herzen, wo bar Hans, suchend blickte sie umher, war sie wieder verlassen, ch li vieder plump in eine grobe Falle gegangen?——— ach,„Was verlangst Du von mir?, wie gesprungenes Metall e 15 ihre Stimme.— „„Werde,“— sie tastete nach Urles Hand und drückte siie zn n ihre Brust,„ach, werde katholisch“——— uh.* Mutter!“ verzweiflungsvoll klang es durch das Zimmer, 0 10 knechtete sie ihren Sohn und riß ihn aus der Lebens bahn, want itzt war sie an der Reihe,„warum stößt Du mich in so harten dwiespalt, geht Dein Haß so weit?“— 0,„Haß?— Liebe ist es, verstehst Du es,“— flüsternd sank en ze Stimme, die Lippen färbten sich bläulich.— fel Gerhard stürzte herbei und schob seinen Arm unter das 50 Hissen:„Sage zu allem ja, ich beschwöre Dich, Urle!“— gu„Sage ja,“ flehte die Kranke und starrte Atle in das tot— ghlasse Gesicht.„ 77„Damit Ihr mich führen und leiten könnt an dieser Fessel, „ 6 licht im Angesichte des Todes belüge ich meinen Gott, der höher leht, wie Leben und Tod!“—— 5 Da schleuderte die Kranke ihre Hand fort, sie krallte sich t in die seidene Steppdecke und richtete sich auf:„Ich weiß ich zu treffen, furchtbar, schrecklich, Du behälst weder Mann soch Kind!“— e, e 7 0ãðVLd⁊/ verkehrsreichsten Teil des Berliner Westens ein Kino⸗ viertel ins Leben zu rufen. Rund um die Kaiser Wil⸗ edächtniskirche sind zurzeit drei neue Kino- it 6500 gen im Bau; sind die fertiggestellt, ich 30 000 bis 40 000 Kinobesucher zusammenströmen. Auch in den äuße⸗ wachsen allenthalben neue riesige aus dem Boden. Außerdem soll der 1 als größtes„Ver⸗ 0 hauptstadt neu er⸗ 5 Das Parkett f in eine Eisarena 1 im Sommer und im Winter für 2000 18 21 r und 10 000 Zuschauer Platz gewäh⸗ bei besonderen Gelegenheiten in einen riesigen umgewandelt zu werden; 12 000 Ballgäste ihr Vergnügen finden. „Trichter“, ein großes Hamburger Ver⸗ „baut zurzeit neben seinen ande— 1 Rinopalast, der 1800 Personen „wie die Kinostücke manchmal Räuber r und Mörder verherrlichen, und 3% Millionen Kinobesuchern. Polk eine Seelenspeise vorg hen muß, weil sie Gift ist! „Gemeinschaftsbote“. Schmutz. tlichen Leben Berlins bekannte Per⸗ 0 t hat sich, wie der„Deutsche Volksbote“ 1927. 18, mitteilt, kürzlich mit folgendem Schreiben an den preußischen Innenminister gewandt: Hochgebietender Herr Staatsminister! Gestatten Sie gütigst, daß ich Sie um eine Tat für unser durch arge Sittenlosigkeit gefährdetes Volkswohl bitte. Ich bin außeramtlich 50 Jahre im öffentlichen Leben tätig gewesen und muß den früher nicht gekannten Verfall ansehen und— bekämpfen. Wie in der beigefügten Liste ersichtlich, erschei— nen jetzt in Berlin mindestens 22 Zeitschriften, die als lockendes Titelbild eine völlig nackte weibliche Figur in lüsterner Stellung zeigen; der Inhalt mit seinen ein- und zweideutigen Schriftsätzen ent⸗ spricht dem Titelbild, und unsere Jugend kauft das unsittliche Zeug in Massen. Ich bitte die Behörde, alle Schritte zu tun, um diesem öffentlichen Unfug zu steuern, den unsittlichen Volksverderbern aber das Handwerk zu legen und sie empfindlicher Strafe zuzuführen.“ Darauf ging ihm vor einiger Zeit folgende Ant⸗ wort zu: „Auf Ihre Eingabe vom 3. März 1927 erwidere ich ergebenst, daß die von Ihnen bezeichneten Schriften dauernd beobachtet werden, daß aber nach der gegenwärtigen Rechtslage eine Verfol⸗ gung wegen Unzüchtigkeit aus§ 184 des Straf⸗ gesetzbuches kaum jemals, aus§8§ 42a, 56 Nr. 12 G. O. nur in den seltensten Fällen in Frage kommt. Ob und inwieweit diese Schriften auf Grund des Gesetzes zur Bewahrung der Jugend vor Schund- und Schmutzschriften unterdrückt wer⸗ den können, muß der Beurteilung durch die zurzeit noch nicht eingerichteten Prüfungsstellen vorbehal⸗ ten bleiben. gez. Grzesinski.“ Wann denn nun also? Nach der Kirchenaustrittswoche. Das„Evang. Kirchenblatt für Schlesien“ vom 17. April 1927, Nr. 16, schreibt: Die Reichsarbeitsgemein— schaft freigeistiger Verbände hat in der zweiten März⸗ hälfte eine Propagandawoche für den Austritt aus der Kirche entfaltet. Die Versammlungen, die in den größeren Städten Schlesiens gehalten wurden, haben nicht den erwarteten Besuch gefunden und sind wesent— 777 0 0GG00w000G0G0GfG// 0cG0G6ä⁵õãꝗã ͤ1àV/wãs/ã//ã/ãã ͤãd//ã/d/////c/ccccc(c/cccccccccccc c wc» ·(( „Menschen fürchte ich nicht,“ sagte sie herb, beide Frauen maßen sich mit ihren Blicken.— „Urle, denke an Mutter,“ warnte Gerhard. Ludmilla trat abwehrend an das Fußende des Bettes, als wollte sie die bebende junge Frau zur Seite schieben. „Schwöre mir, daß meine Enkelkinder, Da trat Hans mit dem Gerichtsrat ein, sofort sah er, daß etwas Ungewöhnliches vorgehe.„Mutter, was ist!“—— „Da,“— die Kranke sank zurück,„sieh, Deine Frau, sie nimmt mir die Ruhe meiner Todesstunde“ sagte sie matt.— „Arle, was tust Du:“ Hans sah empört zu ihr hin.— War sie wieder die Schuldige, sie und immer sie! „Ich schwöre meinen Glauben nicht ab, noch leiste ich einen Schwur irgend welcher Art über meine Kinder,“ taumelnd griff sie in die Luft, Hans fing sie in seinen Armen auf und trug sie hinaus. „Nach Hause, zu Mutter und Dore,“ flehte sie,„warum bringt Ihr mich immer wieder her?“— Der Arzt trat herein ein alter, liebenswürdiger Herr. Er kam eben von der Kranken. „Stirbt sie nun durch mich?“ fragte Urle zagend. „Nein, nein, kleines Frauchen, nur Kopf hoch, besser, viel besser geht es drüben. Ruhen Sie jetzt morgen sagen Sie „Adieu“, und dann geht es heim, aber jetzt müssen wir schlafen, verstanden?“— Urles Schwägerin Bettina, die Frau des Gerichtsrats, schob energisch alle beiseite:„Unvernünftige Menschen, erst jagen sie die Aufregung wie Flammenstöße durch den Körper, und dann heißt es: jetzt müssen sie schlafen.— Die haben alle gut kom— mandieren, da, Hans, ist Dein Platz, laß sich Deine Frau aus— sprechen und,— Du darfst wirklich ein wenig besser aufpassen.“ Sie hielt Urle kühlendes Zitronenwasser an die Lippen, nickte ihr freundlich zu und ging hinaus. Der Arzt sprach keine Lüge Trostes wegen aus, wirklich ging es drüben im Krankenzimmer über Erwarten gut, sorg⸗ fältige Pflege rang die alternde Frau noch einmal dem Tode ab Bei Arle stellte sich in der Nacht Fieber ein, der Arzt ver— bot die Reise und ordnete noch zwei Tage ungestörte Ruhe an. Dann durfte sie aufstehen und Hans führte sie im Winter— garten und Speisesaal hin und her. Eine dunkle Gestalt huschte an ihnen vorüber, Bruder In⸗ nozenz besuchte die treue Spenderin, die schon wieder auf dem Chaiselongue lag.— Dammrat, der die Blumen goß und ordnete, warf ihm einen grimmigen Blick nach und beschäftigte sich extra an der Tür. Plötzlich lachte er verbissen und stieß die Tür auf. „Was sagt der gestrenge Bruder Innozenz?— Pater Markus hat wohl im Tode noch keine Ruhe und spuke wie der böse Geist an allen Enden?“— Frau Wendtland zeigte gebieterisch nach der Tür:„Sie haben hier nichts zu suchen, entfernen Sie sich!“— „Gleich, Madame, gleich, Sie können es ja meinem Alter zu gut halten, ich bin jetzt zweiundvierzig Jahre hier auf dem Klostergut, daß ich nicht gleich gehorche, aber ich wollte Sie man ein bißchen aufklären,“ er zeigte auf den Brief in der Hand,„da drinnen steht Pater Markus letzte Bitte.“— Ja⸗ wohl, er hat sie kurz vor seinem Tode geschrieben.“ Es klang eine leise Unsicherheit in Bruder Innozenz Stimme.— „Nachher ging's auch nicht mehr,“ höhnte er hart,„was hat'n denn gefehlt?“ „Ich brauche Ihnen nicht Rede zu stehen, aber da Sie es zu wissen begehren, er starb an Herzlähmung.“— Markerschütternd halltie Dammrats Hohngelächter von den Wänden zurück, so daß die Pflegerin und der Gerichtsrat er⸗ schreckt herbeieilten. „Das Herze wird freilich lahm, wenn es an's Sterben geht, dann war er wohl gar noch ein Selbstmörder, wenn er vorher wußte, was geschehen würde?— Erfroren ist er,“ Dammrat schrie es Bruder Innozenz in das Gesicht,„elendiglich umge⸗ kommen im Walde.“— Fortsetzung folgt. — — 1*„-2 ——j—ç Sonnabend, den 28. Mai 1927. lich allein von Freidenkern besucht worden. Von den Rednern, die aufgetreten sind, kann gelten, was Pro⸗ fessor Dr. Weinel in Jena soeben im„Jenaer Volks⸗ blatt“ über evangelische Kirche und Freidenkertum ge— schrieben hat:„Unsere Thüringer Freidenker sollten, wenn sie wirklich vorurteilsfreie Denker sein wollen, endlich einmal unsere Thüringer Kirche und ihre Ver— fassung und Einrichtung kennenlernen, statt von irgend welchen Einstellungen her dauernd falsche Behauptun— gen in die Welt zu setzen. Sie müssen endlich einmal davon Notiz nehmen, daß auch unsere Kirchen seit 1918 andere Verfassungen haben, daß die Lösung vom Staat sie von manchen Bindungen und Hemmungen freige— macht hat... Ob die Verheißung der Freidenker, daß sie ihr und unser Volk in eine bessere Zukunft führen, sich bewahrheiten wird, werden wir ja sehen.“ Be— merkenswert ist, daß in einzelnen Städten, wie in Steinau, auch die freien Gewerkschaften, deren Neu⸗ tralität in kirchlichen Dingen gern betont wird, die Einladungen zu den öffentlichen Kundgebungen unter— zeichnet haben. Trotz alledem ist das Ergebnis der Kirchenaustrittswoche für ihre Veranstalter eine Ent⸗ %% ⅛? ⅛ðùV] è! l,... 8. A ĩͤ ·ÿ ꝙ?»ᷣ fCCCPPCPPPß“ßßßß ðé ĩðòß ę y Kirchgang auf der Hallig. Von Elfriede Rotermund“). Es war viel schwere See gewesen. Mit erbitterter Wucht war sie gegen die Ufer gerannt und hatte unaufhörlich ihre grauen Wogen vor sich hergepeitscht. Die stießen heulend und krachend auf das Vorland der kleinen Hallig, waren triumphie— rend zurückgerauscht und hatten sich dann mit neuen getroffen, die mit weißen Stirmnen der Inselkante entgegen brausten. Zischend und wutschnaubend waren sie aneindergeprallt und hatten sich sekundenlang zu breiten Mauern auch kochendem Gischt getürmt. So hatte der Sturm einen Tag um den anderen getobt, und der Orkan gedonnert, bis die Wogen müde geworden und ihre Kraft gebrochen war. Nun war die See wieder still. Wer es nicht kannte, mochte kaum glauben, daß dieselben Wellen, die jetzt wie ein glitzern— der Goldsaum die Hallig umkräuselten, noch vor Wochen wie weißmähnige, wilde Rosse sich knirschend ins Zaumzeug gelegt, und gierig schnappend und beißend ein Stück Land nach dem andern genommen hatten. Halligsonntagsfrieden ringsumher! Ueber die tauigen Sonnenwege schreitet der Meerwind mit goldenen, wehenden Schwingen, rührt die weißen Muscheln am Wattgrunde mit silbernem Klingkling an und wandert weiter über die flim— mernde, träumende See. Weiche Nebel lösen sich aus dem Tief, schweben und gleiten über den veilchenfarbigen dämmernden Grund, zerfließen, vergehen, finden sich suchend wieder zusam— men und verschmelzen in eins. Dann beginnt leise ein Klingen und Singen, ein Jubilie— ren voll sieghafter Kraft, einer Macht und Kraft, die den Tod überdauert. Die ehernen Glockenstimmen der großen Nachbar- insel, das Föhrer Kantategeläut ist's, das über das erwachende Meer klingt. Immer voller, immer lauter rufen die Feiertagsglocken; Meeresraunen mischt sich zart und lind in die dumpfen Klänge, und schöner als Weihrauchdüfte steigt es aus dem jungen Gras. Da pocht es auch an dem Holzglockenturm neben dem kleinen, turmlosen Halligkirchlein. Ernst, friedesam und feier⸗ lich läutet die Glocke über das Eiland, auf dem sich nur zehn niedrige, rethbedeckte Häuser um Kirche und Pfarrhaus kuscheln und rings das weite Meer. Schritte stapfen über die steingepflasterten Wege der Warf Auf den Arm ihrer blonden Enkelin gestützt, schreitet, wie allsontäglich, eine 93jährige Friesin als erste den Kirchsteg hinan. Die scharf umrissenen Linien ihres hageren, durchfurch— ten Gesichtes reden von einem herben Lebensschicksal. Aber trotzdem bringt es der alte faltige Mund nicht fertig, über ihr Leid zu klagen. Das Leben war nicht leicht, nein, das war *) Von ihrer Hallig Oland(aus der Gegend von Husum) sendet uns die friesische Pfarrfrau Elfriede Rotermund diesen Gruß. Wir entnehmen ihn mit der Erlaubnis des Ernte-Ver⸗ lages Hamburg dem kürzlich erschienenen Novellenband„Die große Stille“(geb. 3.— J), der noch weitere nachdenkliche, von tiefer Menschenkenntnis und innerem Naturgefühl zeugende Geschichten von großer Schönheit enthält. Schon in einem anderen Novellenband„Einsome Ufer“ hatte die Dichterin dar⸗ getan, daß die Zeichnung der herben Menschengestalt ihr eben⸗ so gut wie die Schilderung des ewigen Kampfes mit der Natur, der äußeren Not der großen Einsamkeit gelingt. „Evangelische Warte“ täuschung geworden. Den Austritten, die erfolgen, steht eine Festigung der Kirche entgegen. Extrazug zur Wartburg. Ein Extrazug zur Wartburg fährt am 16. Juni (Fronleichnam) von Eppstein aus. Er hält zur Aufnahme von Fahrtteilnehmern in Hofheim, Höch st a. M. und Frankfurt, sodaß die Mitglieder der Evangelischen Volksgemeinschaft nicht nur aus die⸗ sen Orten, sondern auch aus Königstein, Bad⸗Soden, Sossenheim, Sindlingen und Nied die Möglichkeit der Teilnahme haben. An Fronleichnam sind in hiesiger Gegend alle Geschäfte und Fabriken geschlossen, sodaß auch die evangelische Bevölkerung feiern muß. Wäh⸗ rend an dem Tage die katholische Bevölkerung ihre Pro⸗ zession abhält als Zeichen der Macht und Herrlichkeit der katholischen Kirche und als Triumphzüge über die Ketzer, wollen die Evangelischen eine Fahrt zur Wart— burg unternehmen und an dieser Lutherstätte ein freu⸗ diges Bekenntnis ihres Glaubens ablegen und sich aus der Lutherstube etwas holen an Luthertrotz und Luther— Im Familienkreis es nicht, aber es hatte ja auch niemand gesagt, daß es das sein solle und müsse. Oft spricht sie von dem ersten furchtbaren Erlebnis ihrer Kindheit, von der schrecklichen Sturmflut 1825 und dem grausi⸗ gen Anblick, als der blanke Hans sich die neunköpfige Nachbar— familie geholt, selbst den Säugling in der schweren Eichenwiege nicht verschont hatte. Noch zweimal mußte sie mit ihren Eltern und den größeren Geschwistern vor dem Wasser, vor der salzen See, fliehen, dreimal wurde die väterliche Warf samt Haus und Stall zerstört, dreimal retteten sie nur das nackte Leben und mußten so arm, so bitterarm wieder von vorn anfangen. Ein Achtzigjähriger, noch aufrecht und ohne Stock gehend, öffnet die Pforte des Kirchhofgitters. Ehe er ins Gotteshaus tritt, verweilt er kurze Minuten vor einem Grabplatze. Zwei gleiche Kreuze rechts und links schmücken die Ruhestätten. In der Mitte ist ein Platz frei. Seine beiden Lebensgefährtinnen sie waren Schwestern, liegen dort. Des ersten Glücks hat er sich nur einige Jahre erfreuen dürfen, die zweite Frau starb vor einem Jahrzehnt. Viele Boote hat er in seinem mühevollen, arbeitsreichen und tätigen Leben gebaut, ist aber selbst fast nie über die Grenzen der absterbenden Welt seiner Hallig hinaus— gekommen. Ein junges Ehepaar, vor Monden getraut, schreitet Hand in Hand, wie zwei glückselige Kinder, über die Kirchenschwelle. Hinter ihnen geht allein der Vater des jungen Schiffers. Seine Frau, die er in dreißigjähriger Ehe keinen Tag krank oder ver⸗ reist gekannt hatte, ging von ihm aus rastloser Tätigkeit. Bis zum letzten Abend hatte sie ihre gewohnte schwere Stallarbeit getan und nicht über Schmerzen geklagt. Friesen sind hart gegen sich und andere! In der Nacht gab sie zu, daß sie sich nicht wohl fühlte, aber sie wollte keinen Arzt. O nein, nur keine Arbeit und Umstände ihretwegen haben, das würde wohl so wieder besser. Ein Boot segelte dennoch ab, gegen ihren Willen, den Dok— tor zu holen. Als er nach einigen Stunden in der fahlen Mor⸗ gendämmerung vor ihrem Bette stand, konnte er nur noch eine tädliche Bauchfellentzündung feststellen. Nach kurzen Augen— blicken war sie verschieden. Von weitem schon meldet der lautschlüfernde Schritt den alten neunzigjährigen Kapitän an, der, obwohl seit Jahrzehn— ten auf beiden Ohren taub, trotzdem allsonntäglich, auf seinen Stock gestützt, zur Kirche stapft. Als letzter Kirchgänger kommt der Strandvogt mit seiner Frau daher. Vor der Tür trennt er sich von ihr, und mit schon ein wenig unsicheren Schritten geht der kurze, gedrungene Mann, bis an die Kirchhofshecke, hält die Rechte schirmend über die buschigen Brauen und hält Ausschau in seinem Reich. Seinen scharfen, durchdringenden Augen entgeht so leicht nichts, doch heute spähen sie vergeblich über die salze See. Die Frau steht unterdes wartend da. Der Wind bläht ihren weiten, schwar— zen Tuchrock mit dem hellblauen, breiten Streifen, der handhoch über dem Saum ist. Die silbernen Ketten und großen Knöpfe am schwarzen Seidenmieder in wundervoller, alter Filigran— arbeit, womit sich die Friesinnen Sonntags schmücken, flirren und glitzern im Glanz der Maiensonne, und das feinwollene schwarze Kopf- und Brusttuch hebt sich leuchtend ab. Viel Bit— ternis hat sich in die tiefen Falten über der stark vorspringen— den Nase eingezeichnet, und doch liegt keine Härte im Ausdruck der Augen, die soviel Leid in ihrem siebzigjährigen Leben schauen mußten. mut in dieser Zeit der Gegenreformation in deutschen Landen. Mögen recht viele Mitglieder der Evangels schen Volksgemeinschaft sich an dieser Fahrt beteiligen Abfahrt vormittags gegen 6 Uhr. Rückfahrt ab Eisen⸗ nach abends gegen 7 Uhr; Ankunft in Höchst⸗Eppstein gegen 11 Uhr abends. Der Beitrag für Fahrt, Führung durch die Wartburg und Ankosten ist 11,75 Rmk. Ay⸗ meldungen bis spätestens 28. Mai an das evangelische Vereinshaus in Höchst a. M., Rossertstraße 22, oder an Herrn Pfarrer Fink in Eppstein. — f e Aus Nah und Fern. 175 Gau⸗Algesheim, 22. Mai. Unter wärmster Teilnahme zahlreicher Freunde aus nah und fern konnte heute die hiesige(ite evangelische Gemeinde die Einweihung ihrer mit Hilfe dis Gustav⸗Adolf⸗Vereins erbauten Kirche feiern. Oberkirchenrat Zentgraf⸗Mainz vollzog die Weihe des neuen Gotteshauses 0 das seinem Erbauer, Professor Geh. Rat Walbe-Darmstadt alle Ehre macht. Anter den verschiedenen Ansprachen war besog⸗ 1 0 0 * ders bemerkenswert die des Prälaten D. Dr Diehl, der die herz⸗ lichsten Glückwünsche der hessischen Landeskirche übermittelte. D Ein junger Steuermann, auf kurzen Urlaub daheim, betritt noch eben vor dem Pastor das Kirchlein. Die Tür des Gotteshauses schließt sich mit dumpfem Ton Alle, die es umfaßt, hat Gott der Herr in seine Schule genom men, alle sind durch Leid, durch schweres und durch schwerstis Herzeleid tief gebeugt. Ob sich auch alle wieder in stiller Freu digkeit aufgerichtet haben? Harmoniumklänge dringen zart und fein durch die Spalten der Fenster, und dann setzt wuchtig, jubelnd und brausend der Gemeindegesang ein: Sollt' ich meinem Gott nicht singen gene And in ihm nicht fröhlich sein? b Denn ich seh' in allen Dingen, Wie so gut er's mit mir mein'. Ist's doch nichts als lauter Lieben, Das sein treues Herze regt, Das ohn' End hebt und trägt, Die in seinem Dienst sich üben, Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb' in Ewigkeit.“ Herzerfreuend und-stärkend schallt der von andächtigem Schauer getragene Choral. Wer so singen kann, der hat über⸗ wunden, hat sich in seines Gottes Willen gegeben und läßt sich von ihm durch Sterben zum Leben führen. Kantate! In der azurblauen Luft schweben blendend weiße Wolken. Sie haben die Formen von seligen Inseln. Die ganze Landschaft ist voll wandernder Schatten, und wie him lische Segelschiffe ziehen lautlos die Lichtinseln dazwischen üben Peg das Eiland. Hoch am Himmel träumen kleine weiße Wolken. ond haschen sich voll sanften zärtlichen Dranges an ihren Schleier slche kleidern und zerrinnen dann wieder, wie es das Wolkenschicksaf h zt will. aß Kantate! Die Warf liegt wie ausgestorben, kein Laut lg. dringt aus den niedrigen Häusern. Traumhafte Stille rings Jebi umher! In den winzig kleinen Blumengärten, die nach Süden nn liegen, blühen Primeln und Veilchen. Alle Gärten haben neue lich b Gitter bekommen, denn die letzte Sturmflut im Februar knickse selbst die stärcksten Zäune, und die immer gierige See riß alle an sich, ließ nicht einmal Trümmer zurück. Wie oft schon machten die Halligleute diese mühevollen Arbeiten, und wie oft noch werden sie es müssen? Liebe, heiße, Wande tiefe Liebe zur täglich gefährdeten Scholle ist es, die es sie ins s 0 mer wieder ohne Klagen tun läßt. Wollte man ihnen die is ih Hallig nehmen, so würden die Großen und Kleinen vom Heim“ weh verzehrt und zermürbt werden. 6 Die Heimatliebe kettet die Friesen mit starken Banden an 1 die weltfernen, meerumrauschten, kleinen Eilande, und das it sicher, ein grausam hartes Gewöhnen geht mühsam gewonnenem, stündlich gefährdetem Glück und ach so kargen Lebensmöglich⸗ keiten vorauf, aber dennoch die Hallig lohnt's ihnen auch wie- 0 der durch wundervolle Schönheit. Nach bangen, schweren, dunklen Winterwochen blaut der; Fühling; nach furchtbaren, lange währenden Stürmen, nach Eis und dichtem Nebel grüßt warm und golden die Frühlings⸗ sonne und breitet über die todgeweihte Hallig einen wunder⸗ baren, tröstenden Zauber. Ueber dem allen schwebt jauchzend und frohlockend der Ge⸗ meindegesang. Die Halligleute, nicht wintermüder als andere, singen mit besonderer Inbrunst den Sieg des Lebens aus Gott.“ Kantate! Kantate! 0 di. Rei et lber abe f 1 n isch am 19. Juni 1927. EAlrazug Zur Wariburd Näheres im redaktionellen Teil dieser Nummer. 2460 2 R N 9 ruht Abonnenten für die Er; Landhaus Ludwigshöhe Alling Frelllassige Die dustandpumg unterer beten F 2 55 Tr. 8 77 er urenrider erfolgt bei nur it Carantie, ei. 5 u. Berelsung in 70 den Preislagen von .. s am Ammersee(6600 m). 1 Familienpension, Vor- u. Nach- saision 5 Mk.-5, 50 Mk. Haupt- saision juli/ August 5,50—6,50 Mk.(Eigenes Badehaus mii Sonnenbad am See.) Ber lin-S/68 Latalog vosgtenlos Alexandrien Strasse 894 Ur liefern uuuere File fdr Frac⁰ u ri sgvi feuer deutet Sah