do, bei fan Organ der Evange f 15 olksgemeinscha me nat 00 1070108 f 1 57 7 8 7 ente e 1 Hambnnger in Staden(Oberhessen).] Erscheint Sonnabends.— Bezugspreis 50 Pfennig monatlich.] Angeigenpreise: die zomm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg, ber bin eden 5 0 und Wirtschaft: Edwin Hamburger, Abonnements⸗ und Anzeigen⸗Annahmestelle am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., mt daz fer 0 e W. Greb 5 Wine bei Mainz. Druck und Verlag Albin Klein, Gießen, Südanlage 21 Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen hegen Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert.] Fernspr.: Nr. 1145 u. 1362 Postscheckk.: Nr. 44 332 Frlft. M. Vergünstigung. 1%.. ee — eee den aug dene Jahrgang. Connabend, den 27. August 1927. Nummer 35 aging er solgt 1 5 0 An unsere Mitglieder und Freunde Ein an⸗ U 7 en den Wir laden hiermit ein zur 8. Reichstagung der Evang. Volksgemeinschaft in Mainz bs flötz t elt sie 11 22.— 24. Oktober —— Diese Tagung muß eine gewaltige Kundgebung und starkes Bekenntnis zu unserer Bewegung werden. Es ist darum Ehrenpflicht für alle unsere Mitglieder und Freunde, an der Tagung teilzunehmen. Freiquartiere stehen in Mainz und Vororten zur Verfügung. Näheres später. 8 Mit evangelischem Gruß! us⸗ 2 A 7 2 7 n f Für den engeren Vorstand der Evangelischen Volksgemeinschaft: 1 10 Dr. jur. Moegenburg⸗Frankfurt a. M. Pfarrer Mosel⸗Rohrberg. Reichsgeschäftsführer Weidner⸗Ober-Lais. ule, das e gach⸗ s Gegen⸗ bnis der leich die dartellt. ggelischen Die Evangelische Volksgemeinschaft hatte zur Prü— fühliche fung des Reichsschulgesetzentwurfes und zur Festlegung ihrer Stellungnahme zu ihm eine besondere Kommis— — ion eingesetzt, die nach ausführlichen Referaten von e Pfarrer Ide-Höchst und Lehrer Greb-Weisenau und * eingehenden Beratungen folgende Resolution gefaßt 12 hat, welche ihren Standpunkt präzisiert: 102„Die Evangelische Volksgemeinschaft begrüßt, N daß endlich ein Reichsschulgesetzentwurf(RGE.) 2 vorliegt. . Sie steht auf dem Standpunkt, daß das Reichs⸗ ( schulgesetz die Form eines Nahmengesetzes verlas⸗ — sen hat und den einzelnen Ländern und Landes⸗ 5 teilen nicht die Möglichkeit der freien Entwicklung 2 der dem Lande und der Tradition angepaßten A Schulformen gibt. 5 So gut die Evangelische Volksgemeinschaft aber die den einzelnen Ländern angepaßte Schulfor⸗ men durch Landesgesetz sestgelegt sehen möchte, wird sie sich mit Entschiedenheit dafür einsetzen, daß die auf jahrzehntelanger Erfahrung aufgebaute Si⸗ multanschule christlichen Charakters in den Län⸗ dern Hessen, Baden, Hessen⸗Nassau, Thüringen, 6 2 Frankfurt usw. erhalten bleibt, da durch ihre Zer⸗ 2 schlagung die seither bestehende Volksverbunden⸗ heit zerstört würde. Sollte dieser Reichsschulgesetzentwurf zur Annahme gelangen, damit die christliche Simultanschule der 2 südwestdeutschen Länder vernichtend, so steht die Evangelische Volksgemeinschaft vor einer neuen Sachlage, zu der sie sich ihre Stellungnahme, ge⸗ nau wie die übrigen Parteien, vorbehält.“ ein Reichsschulgesetzentwurf in das Stadium gerückt, gänzendes Landesgesetz auszufüllen. daß er Reichsrat und Reichstag unterbreitet werden kann. Seine Vorgänger verschwanden in der Ver— senkung, meistens, ohne daß man Näheres von ihnen gehört hätte. Sofort nach der Veröffentlichung des nun vorliegenden Entwurfes ist allenthalben in Deutschland ein schwerer Streit über ihn ausgebrochen. Bekenntnis— schulanhänger und Simultanschulanhänger stehen sich in starken Fronten gegenüber. Ströme von Druckerschwärze ergießen sich, um das Für und Wider zu erwägen. Warum dieser erbitterte Kampf? Es dürfte der Mehrheit unseres Volkes allmählich klar geworden sein, von welch weittragender Bedeutung ein Schulgesetz mit einschneidenden Bestimmungen sein kann; die Folge ist eine eingehendere Stellungnahme des Einzelnen zu ihm als sonst bei anderen Gesetzen üblich ist. Die Zukunft unseres deutschen Vaterlandes ist die Jugend. Die Grundstoffe zur ganzen späteren Weltanschauung des Einzelmenschen vermittelt die Schule. Daher ist die Schule als Lebensfaktor für die Entwicklung der näch— sten Jahrzehnte von enormer Bedeutung. Die Schule selbst aber ist abhängig von den schulpolitischen Richt— linien, nach denen man sie aufbaut. Diese Richtlinien werden durch das Reichsschulgesetz vermittelt. Die Schaffung eines Reichsschulgesetzes ist daher eine dringende Notwendigkeit. Aus diesem Grunde be— grüßt die EV., daß man es schließlich einmal bis zur Veröffentlichung und Diskussionsmöglichkeit eines Entwurfes gebracht hat. Ein Reichsgesetz kann nun entweder mit ganz bestimmten, Ausnahmen ausschließenden, Paragraphen ausgestattet sein, oder aber es kann als Rahmengesetz die Möglichkeit geben, in den einzelnen Ländern je nach der Eigenart des Landes den Rahmen durch ein er⸗ Das Reichsschul⸗ Die Stellungnahme der Evangelischen Volksgemeinschaft zum neuen Reichsschulgesetzentwurf. gesetz hat die letztere Form nicht angenommen, was äußerst wünschenswert gewesen wäre, sondern hat in dem vorliegenden Entwurf in die Eigenart der Länder einschneidend eingegriffen. Durch die Einzelstaatlich— keit der im Deutschen Reiche zusammengeschlossenen Länder hat jedes Einzelland doch eine verschiedene Ent wicklung durchgemacht. Besonders auch weltanschaulich und damit schulpolitisch. Wenn nun ein Reichsschulge⸗ setz mit fest formulierten Paragraphen eingreift, die die ser Entwicklung entgegenstehen, so gibt es harte Kämpfe. Um die Sache noch näher zu kennzeichnen: in den südwestdeutschen Staaten besonders hat sich in Jahr- zehnten die christliche Simultanschule, d. h. die für alle gemeinsame Schule mit getrenntem Konfessionsunter⸗ richt eingebürgert, und man ist mit ihr zufrieden. Die Eigenart der Länder hat es so mit sich gebracht. In Norddeutschland, in denen es große Gegenden gibt, in denen die Bewohner überhaupt nur einer Konfession angehören, entwickelte sich nach der Eigenart des Lan⸗ des die Konfessionsschule. Das Reichsschulgesetz in sei— ner starren Form stößt nun beiden Lagern vor den Kopf, da es beide zu vernichten droht. Es gerät da— durch, daß es die Form eines losen Rahmengesetzes ver— läßt, zwischen die Mühlsteine. Das sind die Gründe, welche die Evangelische Volksgemeinschaft zu dem Standpunkt brachten, daß durch den neuen Entwurf die Form des Rahmengesetzes zum Nachteil der Schulentwicklung und dadurch der Entwicklung des deutschen Volkes verlassen hat. Auch das Landesgesetz kann bei einem über die Breite Deutschlands ausgedehnten Lande wie Preußen noch nicht genügen, da die Landesteile sich wesentlich unter— scheiden. In anderen Fällen hat man darauf Rücksicht genommen, bei dem Reichsschulgesetz nicht. So gut sich 8 Nach einer Reihe erfolgloser Versuche ist endlich 5 Zur Freiheit berufen. 5 Galater 5,13. Ihr seid zur Freiheit berufen; al⸗ lein sehet zu, daß ihr durch die Freiheit dem Fleisch nicht Raum gebet, sondern durch die Liebe diene einer dem anderen. Nach Freiheit lechzet alle Kreatur. Der Vogel, der dem . Käfig entschlüpfen kann, freuet sich der Freiheit. Der arme Ket⸗ tenhund, der sich einmal ordentlich tummeln kann, freut sich über die barmherzige Hand, die ihn von der Kette löste. Bei meiner Sommerreise sah ich in der Bahnhofhalle eines süddeutsch. Bahn⸗ 1 bfs einen Papagei herumfliegen. Ein verwegener Bursche stieg hinauf in die Höhe, um den seltenen Vogel zu fangen, nachdem er 5 auf einer Eisenstange niedergelassen hatte. Was tat dieser lluge Vogel? Die Nachstellungen des Mannes waren ihm unbe⸗ quem. Da verzichtete er auf die Freiheit und flog wieder zurück lach seinem Käfig. Wie ist es nur mit dieser Freiheit? Sie ist gesucht und auch gefürchtet. i 1 Wenn die Kinder das Alter zur Schulentlassung haben, dann sieuen sie sich uuf den Tag, an dem sie endlich frei werden. Doch habe ich auch schon solche Schüler gehabt, denen der Weggang von 1 der Schule leid tat. Sie hätten noch gerne auf die Freiheit ver⸗ Jchtet. Es ist doch so bequem, noch bei seinen Eltern sein zu Unnen, von der Schule beschäftigt zu werden. Die Freiheit stellt auf eigne Füße und sagt:„Nun suche selbst den Weg und mar⸗ shiere!“ Geführt werden ist doch bequemer und sicherer. Die einen Kinder reichen so gerne die Händchen hin und wollen ge⸗ ö hrt sein. Dann brauchen sie nicht auf den Weg zu achten und 0 hissen, daß sie nicht fallen. 4 5 In der römischen Kirche wird der Laie von dem Geistlichen 0 leitet und geführt. Jeder muß sich unter diese Leitung beugen. heiner braucht lange zu fragen, ob er auch auf dem richtigen Weg Folgt er der kirchlichen Führung, dann wird er auch recht tiften. gen vol erden g geführt. Keiner braucht zu fragen:„Glaube ich auch recht?“ Glaubt er, was die Kirche glaubt, dann glaubt er recht, auch wenn er nicht weiß, was die Kirche glaubt. Solche Christen sind noch ganz unter Bevormundung. Sie reichen der Kirche die Hand:„Führe mich!“ Das erscheint vielen mit Recht eine leichte Sache, und es ist auch so. Wer geführt wird, der über⸗ läßt dem Führer die Verantwortung. Der Führer hat sich allein die Gedanken zu machen. Paulus ruft den Galatern zu: Ihr seid zur Freiheit beru— fen! Wer sich so auf die Freiheit freut, der kennt sie nicht. Oft wird auch unter Freiheit Zügellosigkeit verstanden. Der Schulentlas⸗ sene freut sich, daß ihm nun niemand mehr etwas zu sagen hat. Er vergißt, daß es nun heißt:„Suche dir jetzt selbst den Weg und schreibe dir vor, was du zu tun und zu lassen hast!“ Bald merkt er auch fern vom Elternhause, daß er nicht tun kann, was er will. Ist er gegen Erwachsene frech und ungezogen, dann bekommt er manchmal recht deutlich gezeigt, daß das nicht geht. Wo sind dann die schützenden Eltern, wo ist der Lehrer, bei dem er sich beschweren kann? Jetzt muß er einstehen allein für seine Worte, für seine Taten. Freiheit, wie bist du so schwer! Ich las einmal eine Erklärung für Freiheit. Sie lautete un— gefähr so: Freiheit ist die Möglichkeit unter allen Umständen das Richtige zu tun. Wie ist aber gerade diese Wahl des Rich— tigen so schwer. Da muß man vorher genaue Richtlinien sich ge— merkt haben, nach denen man auswählt. Ein evangelischer Christ ist zur Freiheit berufen. Ihm sind nicht von irgend einer Stelle die Einzelheiten seines Lebens vorgeschrieben, sondern er hat selbst den Weg, der ihn zu Gott führt, für sich zu suchen. Die evangelische Kirche will ihm nur bei diesem Suchen raten und helfen. Sie nimmt ihn aber nicht an der Hand und führt ihn. Sie gibt ihm die Richtlinen, de er gebrauchen kann, aber sie sucht nicht für ihn. Jeder hat selbst sein Leben zu gestalten. Wie ist es so schwer, das Richtige immer selbst zu finden! Paulus warnt auch vor dem Mißbrauch des hohen Gutes der Freiheit. Die Zuchtlosigkeit denkt nur an die Sättigung der fleischlichen Genüsse und Begierden. Wer dem nicht Raum ge— ben will, der muß das„Ich“ verdrängen durch das„Du“. Wer in der Freiheit nur an sich denkt, der mißbraucht sie. Die Frei- heit haben wir, um freiwillig Liebe zu üben. Durch die Liebe sollen wir einander dienen, oder, wie das schönere Wort heißt, helfen. Der Unfreie muß dienen, der Freie darf dienen. In der Freiheit wird darum auch manches Schwere leicht. Die Liebe macht die Freiheit leicht. Wer von Issus Liebe gelernt hat, der nützt sie recht aus. Ja Liebe kann sich nur in der Freiheit ent— falten. Wie können wir von Wohltaten reden, wenn sie erzwun⸗ gen sind? Wie können wir von guten Werken sprechen, wenn sie uns befohlen sind? Wie ganz anders ist es, wenn wir aus der Freiwilligkeit heraus helfen und dienen in der christlichen Nächstenliebe! Zu der Höhe der Freiheit hinauf führt der Weg allein durch die rechte Erziehung. Unerzogene Menschen können mit der Freiheit ihres Handelns gar nichts anfangen. Sie tappen dann wie im Dunkeln und richten Unfug an. Wer sich durch Jesus erziehen läßt, der ist zur Freiheit berufen. Ein solcher bedarf keiner Bevormundung mehr, der weiß seinen Weg durch das Le— ben in Jesu Sinn zu gehen. Danken wir Gott, daß uns Dr. Mar⸗ tin Luther diese Herrlichen Bibelworte in unserer deutschen Sprache gegeben hat. Nun weiß jeder zu welch hohem Adel er berufen ist. Die Knechtschaft ist vorüber, wir sind frei. Ver⸗ gessen wir nur nie, wie sehr diese Freiheit uns verpflichtet. Der Herr ist gut! Wer dies im Glauben schmeckt, wird nimmermehr aus seinen Diensten gehen; hier wird erst recht, was Freiheit heißt, entdeckt, hier kann der Geist im rechten Adel stehen. Nichts ist umsonst, was hier der Glaube tut: Der Herr ist gut. Amen. Hr. — ͤ—. .——. Sonnabend, den 27. August 1927. „Evangelische Warte“ Nr. 35. die Simultanschulländer auf Tradition berufen, kön⸗ nen es die Länder mit Konfessionsschulen auch. Viel⸗ leicht wären mit der Zeit die Konfessionsschulländer doch zur Simultanschule herangereift. Auf einen stark verbreiteten Irrtum müssen wir an dieser Stelle noch einmal hinweisen. Man versteht in Norddeutschland oft unter Simultanschule die welt⸗ liche Schule. Weltliche Schule aber ist die Schule ohne jeglichen Kofessionsunterricht, während die Simultan⸗ schule, die in den südwestdeutschen Ländern besteht, christliche Gemeinschaftsschule ist, in der der Konfessions⸗ unterricht getrennt erteilt wird. Für die südwestdeutschen Länder ist die Lage durch den Reichsschulgesetzentwurf doppelt erschwert. Nicht nur, daß der Gedanke der Volkseinheit, des einen, eini⸗ gen Volkes, bedingt neben anderem durch die eine Schule,, zerschlagen wird, sondern daß durch ihn den Staaten ungeheure, kaum tragbare Lasten zugemutet werden, welche die Finanzhaushalte erschüttern müssen. Aus all dem Gesagten ergibt sich ohne weiteres, daß große Teile des evangelischen Volkes Norddeutschlands unbedingte Anhänger der Konfessionsschule sind, wäh⸗ rend die südwestdeutsche evangelische Elternschaft die christliche Simultanschule erhalten wissen will. Was ein Schulgesetz wie das, was der RSE. bringt, für Folgen für die bestehenden Simultanschulländer bringt, erhellt am besten das Musterbeispiel Holland. Dort hat man im Jahre 1920 den Versuch riskiert, die neutrale Gemeinschaftsschule zu zerschlagen und für jede Schulart Entwicklungsmöglichkeit zu geben. Man erhoffte dadurch den Schulfrieden! Genau wie in Deutschland! Welche Wirkung hatte nun das hollän— dische Schulgesetz, die„Friedensstiftung“? Schulfriede trat keiner ein, im Gegenteil. Die Kämpfe, die sonst im Parlament von höherer Warte ausgetragen wurden, setzten nun in allen Gemeinden ein. Niedrigste Mittel wurden gebraucht, um die El⸗ ternschaft für die eine oder andere Schulart zu gewin⸗ nen. Keine Familie blieb von den Kämpfen verschont. Durch leidenschaftliche Propaganda wurde der Wert der Schulen herabgesetzt, so daß sich der Unterrichts⸗ minister Waszink, Vertrauensmann der Parteien, welche die Friedensstiftung brachten, gegen diese Frie⸗ densstiftung öffentlich ausgesprochen hat, dabei an⸗ gebend, daß sie„die Ausgaben sprunghaft in die Höhe getrieben“ habe. Dazu kommt, daß der wirtschaftliche Druck die Frei⸗ hat des so gepriesenen Elternrechtes oftmals niederge⸗ rungen hat. Die Zahl der Sonderschulen wuchs in Hol⸗ land von 1920 bis 1924 von 2623 auf 3485. Der Fi⸗ nanzminister erklärte, daß durch die Schulzertrümme⸗ rung 1000 Lehrer mehr als seither benötigt würden. Die Kosten sind für einen Volksschüler von 50 auf 165 Gulden gestiegen. Kein Wunder, daß Holland heute noch kein 7. Schuljahr, keine Pflichtfortbildungsschule hat. Es gab in Holland am 31. 12. 25 1081 Gemeinden. Davon hatten 12 Gemeinden gar keine Schule 281 Gemeinden Schulen einer Richtung, 508 Gemeinden zwei Schularten, 280 Gemeinden drei und vier Schularten. Man denke sich das einmal auf Hessen übertragen! Hessen hat nahezu 1000 Gemeinden. In einer großen Zahl von Orten würden statt der einen bestehenden Schulart künftighin vier, ja vielleicht fünf bestehen. Nach dem Reichsschulgesetzentwurf sind zugelassen die evangelische, katholische, israelische Konfessionsschule, die Simultanschule und die weltliche Schule. Die Zertrüm⸗ merung in so viel Schularten bedeutet aber durch die Entstehung von Zwergschulen, Splitterschulen mit un⸗ ausgebauten Systemen statt der bisherigen gut ausge⸗ bauten: Schulrückgang, Bildungsrückgang, Senkung des geistigen Gesamtniveaus, Kulturrückgang des deut⸗ schen Volkes in den betroffenen Gebieten. Was würde aber dem in Hessen mühselig aus⸗ balanzierten Staatshaushalt passieren? Er würde kaum sein Gleichgewicht finden und müßte die Schullasten auf die Gemeinden abwälzen, die so schon nicht ein noch aus wissen. Der Staat könnte die Mehrgehälter für die mehr benötigten Lehrkräfte nicht mehr aufbringen, er müßte auch darin die Gemeinden heranziehen und damit den Steuerzahler! Dann denke man sich die Fälle, die zahlreich vor⸗ kommen würden, wo Kinder einer Minderheitskonfes⸗ sion(nur bei 40 Kindern einer Konfession darf eine be⸗ sondere Konfessionsschule nach dem RSE. errichtet wer⸗ den) in die Konfessionsschule der Andersgläubigen gehen müssen. Diese Konfessionsschule muß nach dem⸗ selben RGE. in Lehrbüchern, Gebräuchen, Unterrichts⸗ art der betr. Konfession angepaßt sein. In dieser Schule erhalten dann die Kinder der Minderheitskon⸗ fession ihre Erziehung, die dem Willen der Eltern ent⸗ gegengesetzt gegenübersteht. Ist das Elternrecht? Ge⸗ wissensfreiheit? Daher kann die Evangelische Volksgemeinschaft nicht der Zerschlagung der Simultanschule der Simul⸗ tanschulländer zustimmen, sondern setzt sich mit Entschie⸗ denheit für die Erhaltung der christlichen Simultan⸗ schule ein. Noch ist der Entwurf nicht Gesetz, und die nächsten Monate werden schwerste Kämpfe zeitigen. Vielleicht muß der Entwurf, ganz wie seine Vorgänger, wieder verschwinden. Die letzte Wahrscheinlichkeit ist außer⸗ ordentlich groß. Geben wir uns aber auch keiner Täu⸗ schung hin: ein verpfuschtes Reichsschulgesetz kann in deutsche Lande unheilvollste Kämpfe und Verwirrung bringen. Gerade dies aber können wir in den schweren Jahren, welche Deutschland gegenwärtig zu durchleben hat, nicht gebrauchen. Wir haben im Innern geschlos⸗ sene Fronten nötig, um in der Außenpolitik stark da⸗ zustehen. Aus all diesen Erwägungen heraus kam die Evan⸗ gelische Volksgemeinschaft zu der angeführten Ent⸗ schließung. W. Greb. Aufruf zur Bildung einer Arbeitsgemeinsthaft für evangelisch⸗joziale Arbeitermission. Die Arbeiterfrage, an welcher im vorigen Jahrhun⸗ dert unsere Kirche verständnislos vorüberging, muß jetzt unbedingt von evangelischer Seite aus zur rechten Lösung gebracht werden, wenn wir uns nicht ein zwei⸗ tesmal einer großen Sünde an der Arbeiterschaft schul⸗ dig machen wollen. Der deutsch⸗evangelische Kirchen⸗ tag in Bethel bei Bielefeld 1924 mit seiner„Sozialen Kundgebung“ war wohl ein erfreuliches Zeichen von der Einsicht unserer Geistlichen, daß sie große Aufgaben in der Arbeiterschaft zu erfüllen haben. Doch was nützen die besten Kundgebungen, wenn die soziale Tat ausbleibt? Es ist nicht richtig, daß die Kirche nur für das Heil der Seelen zu sorgen hätte. Zu ihrer Auf⸗ gabe gehört auch die Sorge um das leibliche Wohl ihrer Glieder; denn wo Not und Elend herrscht, ist meist das Herz der Menschen verbittert gegen Gott. Wenn sich die Kirche des leiblichen Wohles der Arbeiterschaft an— nimmt, ihr wahre Herzensliebe entgegenbringt und die Arbeiterfrage zu ihrer Frage macht, dann besteht die Gewißheit, daß die Macht des Unglaubens in der evan⸗ gelischen Arbeiterschaft gebrochen wird. Der beste Weg, ö von sozialen Gesetzen. Charitative Hilfe, den Arbeitern umfassend zu helfen, ist die Schaffung wie sie durch die„Innere Mission“ geboten wird, genügt nicht. Der Arbeiter will keine Wohlfahrtspflege, er will Gerech⸗ rigkeit im Wirischaftsleben. Das Kapital ohne Arkei⸗ ter ist unnötz; die Arbeiter dagegen würden bei einer anderen Wirtschaftsordnung auch ohne Kapital arbei⸗ ten können. Der heutige Kapitalist mit seiner Börsen⸗, Trust⸗ und Konzernwirtschaft ist der Parasit des Volkes; dagegen ist der Arbeiter der werteschaffende Faktor, und alles würde zugrunde gehen, wenn nicht mehr ge— arbeitet werden würde. Die Arbeit und der Segen Gottes in der Natur erhält die Menschheit. Kapital und Arbeit müssen sich gegenüberstehen, weil das Ka⸗ pital ein künstliches Gebilde ist. Damit ist nicht der Besitz gemeint. Besitz kann erarbeitet sein; das Ka⸗ pital dagegen ist eingestellt auf Ausbeutung und ist entstanden durch Ausbeutung. Kann die Kirche vom Kapital abhängig sein? Nein: denn das wäre gegen alle christliche Sittlichkeit. Doch ist die Kirche ab⸗ hängig vom arbeitenden Volke, von dessen Steuer sie finanziell getragen wird. Sie ist also eine Volkskirche und hat für das Wohl des schaffenden Volkes nach innen und außen zu sorgen. Gegen die Raffenden, das sind die Kapitalisten, muß sie im Kampfe stehen, wie Jesus gegen die Wechsler und Händler im Tempel zu Jeru⸗ salem. Soziale Gesetze können nur auf parlamentarischem Wege geschaffen werden. Weil nun aber die Kirche als solche sich nicht parlamentarisch betätigen kann, müssen ihre gläubigen Glieder eine parlamentarische Tätigkeit ausüben und zwar im enggefaßten evangelischen Sinne, so wie es durch die Evangelische Volksgemeinschaft ge⸗ schieht. Noch ist die EV. in der evangelischen Glaubens⸗ welt heiß umstritten; aber ihre Notwendigkeit zur Ver⸗ tretung und Auswirkung evangelischer Belange in den Parlamenten wird immer mehr anerkannt. Ihre vor⸗ nehmste soziale Aufgabe erblickt sie in der wirtschaft⸗ lichen Gerechtigkeit für die Arbeiterschaft. Dazu ist erforderlich, daß sich alle Arbeitermitglieder der EV. zu einer Arbeitsgemeinschaft für evangelisch⸗soziale Ar⸗ beitermission, in der Folge kurz: Arbeitermission ge⸗ nannt, zusammenschließen. Mission heißt Sendung. Die Arbeitermission hat eine zweifache Sendung; 1. unter den Arbeitern, die lediglich durch die Taufe evangelisch wurden und der Kirche feindlich oder gleich⸗ gültig gegenüberstehen, lebendigen Glauben zu wecken, und 2. in den Parlamenten durch Stellung von Arbei⸗ terabgeordneten für soziale Gerechtigkeit im Wirt⸗ schaftsleben zu wirken. Weil die Arbeiterfrage im Vor⸗ dergrund der allgemeinen sozialen Frage steht, ist ihre besondere Pflege und Vertretung in den Parlamenten innerhalb der EV. eine Notwendigkeit. Durch zielbe⸗ wußte Arbeit und Ausschöpfung aller Möglichkeiten, die sich in den Parlamenten bieten, das Wohl der Arbeiter zu fördern, muß es der Arbeitermission gelingen, die Macht des Marxismus zu brechen und der Kirche Zu⸗ wachs an lebendigen Gliedern aus der Arbeiterschaft heraus zu schaffen. Die Arbeitermission soll keine Organisation sein. Sie will die Arbeitermitglieder der EV. zu gemein⸗ samer Arbeit erfassen und zwar durch ein Monatsblatt, betitelt: Der evangelisch⸗soziale Arbeiter, welches iht Sprachrohr bildet und so gehalten wird, daß es sich gut zur Weitergabe an evangelische Arbeiter eignet, die von der Kirche abseits stehen. Dieser Aufruf soll einstweilen die Anregung zur Bildung der Arbeitermission sein. Der Anterzeichnet bittet alle Arbeitermitglieder der EV. um ihre Stel⸗ lungnahme dazu und um weitere Vorschläge. Wenn alle Vorarbeiten genügend erledigt sind, kann die Bil⸗ dung der Arbeitsgemeinschaft für evangelisch⸗soziale Arbeitermission während der nächsten Reichstagung der EV. erfolgen. Julius Zirkelbach, Nürnberg, Rothenburgerstraße 26g. — * re N Viola Tritolor. Von Theodor Storm. 3. Fortsetzung. „Die Toten! Wem sollten die nicht heilig sein! Aber Rudolf,“— und sie zog ihn wieder an das Fenster; ihre Hände zitterten und ihre schwarzen Augen flimmerten vor Erregung —„sag mir, die ich jetzt dein Weib bin, warum hälst du die⸗ sen Garten verschlossen und lässest keines Menschen Fuß hinein?“ Sie zeigte mit der Hand in die Tiefe; der weiße Kies zwi⸗ schen den schwarzen Pyramidensträuchern schimmerte gespenstisch; ein großer Nachtschmetterling flog eben darüber hin. Er hatte schweigend hinabgeblickt.„Das ist ein Grab, Ines,“ sagte er jetzt, oder wenn du lieber willst, ein Garten der Vergangenheit.“ Aber sie sah ihn heftig an.„Ich weiß das besser, Rudolf! Das ist der Ort, wo du bei ihr bist; dort auf dem weißen Steige wandelt ihr zusammen; denn sie ist nicht tot; noch eben, jetzt in dieser Stunde warst du bei ihr und hast mich, dein Weib, bei ihr verklagt. Das ist Untreue, Rudolf, mit einem Schatten brichst du mir die Ehe!“ Er legte schweigend den Arm um ihren Leib und führte sie halb mit Gewalt, vom Fenster fort. Dann nahm er die Lampe von dem Schreibtisch und hielt sie hoch gegen das Bild empor. „Ines, wirf nur einen Blick auf sie!“ Und als die unschuldigen Augen der Toten auf sie herab— blickten, brach sie in einen Strom von Tränen aus.„O Ru⸗ dolf, ich fühle es, ich werde schlecht!“ Weine nicht so,“ sagte er.„Auch ich habe unrecht getan; aber habe auch du Geduld mit mir!“ Er zog ein Schubfach seines Schreibtisches auf und legte einen Schlüssel in ihre Hand. „Oeffne du den Garten wieder, Ines!—— Gewiß, es mach. mich glücklich, wenn dein Fuß der erste ist, der wieder ihn be⸗ tritt. Vielleicht, daß im Geiste sie dir dort begegnet und mit ihren milden Augen dich so lange ansieht, bist du schwesterlich den Arm um ihren Nacken legst!“ Sie sah unbeweglich auf den Schlüssel, der noch immer in ihrer offenen Hand lag. „Nun, Ines, willst du nicht annehmen, was ich dir gegeben habe?“ Sie schüttelte den Kopf. „Noch nicht, Rudolf, ich kann noch nicht, später— später; dann wollen wir zusammen hineingehen.“ Und indem ihre nen dunklen Augen bittend zu ihm aufblickten, legte sie— den Schlüssel auf den Tisch. * 0 Ein Samenkorn war in den Boden gefallen, aber ö des Keimens lag noch fern. Es war im November.— Ines konnte endlich nicht mehr daran zweifeln, daß auch sie Mutter werden solle, Mutter eines eigenen Kindes. Aber zu dem Entzücken, das sie bei dem Be⸗ wußtsern überkam gesellte sich bald ein anderes. Wie ein un⸗ heimliches Dunkel lag es auf ihr, aus dem allmä, ein Gedanke gleich einer bösen Schlange emporwand. Sie suchte ihn zu verscheuchen, sie flüchtete sich vor ihm zu allen guten Gei⸗ stern ihres Hauses, aber er verfolgte sie, er kam immer wieder und immmer mächtiger. War sie nicht nur von außen wie eine Fremde in dieses Haus getreten, das schon ohne sie ein fertiges Leben in sich schloß?— Und eine zweite Ehe— gab es denn im 8 4255 8. 5 e 905 e das S 0„der Mußte die erste, die einzige, nicht bis im Flure das Schloß der Hoftür, kalte Luft blies sie an überhaupt eine solche? zum Tode beider fortdauern?— Nicht nur bis zum Tode! Aus, weiter— weiter, bis in alle Ewigkeit! und wenn das?— Die heiße Glut schlug ihr ins Gesicht; sich selbst zerfleischend, griff sie nach den härtesten Worten.— Ihr Kind— ein Ein⸗ dringling, ein Bastard würde es im eigenen Vaterhause sein! Wie vernichtet ging sie umher; ihr junges Glück und trug sie allein; und wenn der, welcher den nächsten Ansprue, hatte, es mit ihr zu teilen, sie besorgt und fragend anbnate so schlossen sich ihre Lippen wie in Todesangstt. — In dem gemeinschaftlichen Schlafgemache waren die schweren Fenstervorhänge heruntergelassen, nur nurch eine schmale Lücke zwischen denselben stahl sich ein Streifen Mond⸗ licht herein. Unter quälenden Gedanken war Ines eingeschla⸗ fen, nun kam der Traum; da wußte sie es: sie konnte nua bleiben, sie mußte fort aus diesem Hause, nur ein kleines Bün⸗ delchen wollte sie mitnehmen, dann fort, weit weg—— ihrer Mutter, auf Nimmerwiederkehr! Aus dem Garten, hinter den Fichten, welche die Rückwand desselben bildeten, führte ein Pförtchen ins Freie; den Schlüssel hatte sie in ihrer Tasche, sie wollte fort—— gleich.—— Der Mond rückte weiter, von der Bettstatt auf das Ki sen und jetzt lag ihr schönes Antlitz voll beleuchtet in seinen blassen Schein.— Da richtete sie sich auf. Geräuschlos ent⸗ stieg sie dem Bett und trat mit nackten Füßen in ihre davor stehenden Schuhe. Nun stand sie mitten im Zimmer in ihrem weißen Schlafgewand; ihr dunkles Haar hing, wie sie es nachts zu ordnen pflegte, in zwei langen Flechten über ihre Brust. Aber ihre sonst so elastische Gestalt schien wie du sammengesunken; es war, als liege noch die Last des Schlafes auf ihr. Tastend, mit vorgestreckten Händen, glitt sie durch das Zimmer, aber sie nahm nichts mit, kein Bündelchen, keinen Schlüssel. Als sie mit den Fingern über die auf einem Stuhle liegenden Kleider ihres Mannes streifte, zögerte sie einen Augenblick, als gewinne eine andere Vorstellung in ihr Raum gleich darauf aber schritt sie leise und feierlich zur Stubentit hinaus und weiter die Treppe hinab. Dann klang unten, Nachtwind hob die schweren Flechten auf ihrer Brust. — W Wie sie durch den finsteren Wald gekommen, der hinter ihr lag, das wußte sie nicht; aber jetzt hörte sie es überall aus dem Dickicht hervorbrechen; hinter ihr. Vor ihr erhob sich ein großes Tor; mit alle: Macht ihrer kleinen Hände stieß sie den einen Flügel auf; eine öde, unabsehbare Heide dehnte sich vor ihr aus, und plötzlich wimmelte es von großen schwarzen Hunden, die in emsigen Laufe gegen sie daherrannten; sie sah die roten Zungen au- ihren dampfenden Rachen hängen, sie hörte ihr Gebell, imme näher— tönender—— a Da öffneten sich ihre halbgeschlossenen Augen, und allmäh lich begann sie es zu fassen. Sie erkannte, daß sie eben inner halb des großen Gartens stehe; ihre eine Hand hielt noc gw. u Jander Neulsch gn be selleic Letttag schet. ines Ahunge der N. ug ei ahm! heinl. n Ta aß De a b hauser les e Kreuze Funde liefen kutsche tet b n Mi garkeit ade al en erf kunnen feichsp ese eigefü ungsfe un der leren as fti — ie Klin lichten singang uf sie langen, iht das die Verfolger water r geruf r * zonnabend, den 27. August 1927. Auf der Warte. In China ist die Lage noch verworrener geworden denn je zuvor. Der Weggang Tschangkaischeks sollte die en 9 der südchinesischen Heere, benannt nach den erichtet. ˖ u Zeit auftretende Ereignis erlebt, daß Volksmitleid uugunsten Verurteilter eingreifen wollte. Nebenbei ein igenstaatlichen Rechtsverhältnisse berkommandositzen Nanking und Hankau, herbeifüh⸗ en, hat aber bis jetzt nicht den gewünschten Erfolg ge⸗ habt. Die Folge davon ist, daß die nordchinesischen gegenüberstehenden Armeen die Kampfhandlungen mergisch aufgenommen haben, um ihren Vorteil aus ieser Lage zu ziehen. Die Südarmee droht zunächst Ranking zu verlieren.— Trotz aller Protestkundgebun— gen, trotz der Warnungen, die aus allen Staaten amen, hat man die seit 7 Jahren zum Tode verurteil— len italienischen Sozialisten Sacco und Vanzetti hin⸗ Die Welt hat das immer wieder von Zeit eichen, wie kritisch man der Justiz gegenübersteht. Die Amerikas ließen leine zu großen Aktionen zu.— In starkem Gegensatz dazu steht die Begnadigung des Fremdenlegionärs 8 sus klembs, eines Deutschen, der in Marokko den Franzosen hesertierte, gewissermaßen der Generalstabschef Ab del Krims wurde, schließlich aber doch von den Franzosen gefangen genommen wurde. Die über ihn verhängte odesstrafe wurde von der französischen Regierung in leben Jahre Zwangsarbeit umgewandelt. Die deutsche Regierung hatte verschiedentlich interveniert.— In Genf wurde der Kongreß der Minderheiten eröffnet, der ch große Aufgaben gestellt hat, aber bis jetzt nicht recht borangekommen ist. Die eben erst begonnenen Ver⸗ handlungen lassen noch keine Wägung des Erfolges zu. Der Streit um die von Poincaré angeschnittene Orchies⸗Affaire, die Erklärungen der belgischen und der deutschen Regierungen dazu, haben das Endergebnis der Bildung eines deutsch⸗belgischen Ausschusses gezeitigt, der Kriegsfragen wie Franktireurkrieg, Neutralität usw. untersuchen soll. Der belgische Außenminister Bandervelde wurde dieserhalb stark angegriffen, da Deutschland dadurch erreicht hat, daß man gewissen, von ihm behaupteten Feststellungen nachgehen muß, welche Tauf vielleicht den Anfang zu einer Revision des Versailler Vertrages bilden. Einen Schritt vorwärts bedeuten sie sicher.— Mit Frankreich kam es endlich zum Abschluß eines Handelsvertrages, während die Frage der Be⸗ satzungsverminderung in die Länge gezogen wird.— der Reichsverband der Rheinländer hielt in Magde⸗ 1 burg eine Tagung ab, die einen erhebenden Verlauf zielbe lahm und bei der ein flammender Protest gegen die Rheinlandbesetzung erfolgte. Hat doch u. a. in den letz⸗ en, de ten Tagen die deutsche Regierung darauf hingewiesen, bein daß Deutschland durch Frankreich gezwungen wurde, von en, d. 1920 bis 1925 in 17 rheinischen Städten öffentliche he Zu Häuser für die Farbigen zu errichten. Wann wird das euch alles ein Ende haben?— Nachdem im Weltkrieg der n seis „ beigeführt. Kreuzer„Karlsruhe“ durch eine Kesselexplosion zu runde ging, der zweite„Karlsruhe“ an Englang ab⸗ geliefert und in Scapa Flow versenkt wurde durch seine deutsche Besatzung, ist ein neuer Kreuzer„Karlsruhe“ unter besonderen Feierlichkeiten von Stapel gelaufen.— n Nürnberg versammelte der nationalsozialistische Parteitag ca. 10 000 Anhänger. Hitler nahm die Pa⸗ tade ab.— Am 18. September soll zur Erinnerung an en ersten großen Sieg in den Masuren das gewaltige annenbergdenkmal eingeweiht werden, wozu der Reichspräsident sein Erscheinen zugesagt hat.— Auch in Hessen hat der Verfassungstag einen Zwischenfall her⸗ Bei der in Gießen stattfindenden Verfas⸗ sungsfeier hat der Reichswehrkommandant Fritz die bon der Stadt arrangierte Veranstaltung mit den Offi⸗ zieren verlassen, da der Festredner starke Angriffe auf das frühere Regime führte. Nach einer Meldung soll „Evangelische Warte“ Nr 35 das hessische Ministerium in Berlin protestiert haben, was von dort aus bestritten wird.— Dem Landtag sind jetzt eine Reihe von Vorlagen zugegangen. . er Evangelischen Volksgemeinschaft. Schluß. 8 9. Anträge. Anträge für die Reichstagung sind spätestens einen Monat vor der Tagung bei der Reichsgeschäftsstelle ein⸗ zureichen. Zur Stellung von Anträgen ist jede Orga⸗ nisation und jedes Einzelmitglied der EV. berechtigt. 80 Geschäftsführer. Die laufenden Geschäfte der EV. werden von dem Reichsgeschäftsführer(oder dessen Stellvertreter) ge— führt. Er steht allen Reichswahlkreisen zu Vorträgen gegen Vergütung der Reisekosten zur Verfügung. § 11. Ehrenämter. Sämtliche Aemter in den Organisationen der EV. sind Ehrenämter. Ueber die Gewährung von Entschä— digungen in besonderen Fällen entscheidet der engere Vorstand gemeinsam mit dem Vorstand des Wahlkreis verbandes. 8 12. Auflösung der EV. Die Auflösung der EV. kann nur durch eine Reichs⸗ tagung erfolgen. Die Auflösung erfolgt, wenn drei Viertel der erschienenen Mitglieder dafür gestimmt haben. In diesem Falle ist auch über das Vermögen der EV. Beschluß zu fassen. Die Arbeiterwähler des Zentrums. Landeskonferenz in Offenbach. Hierüber lesen wir in der„Darmstädter Zeitung“ vom 9. August u. a. folgendes: Die am letzten Sonntag in Offenbach stattgefundene Lan⸗ deskonferenz der hessischen Arbeiterzentrumswähler und ⸗wäh⸗ lerinnen war nicht allein aus allen Teilen Hessens gut beschickt worden, sondern zeigte durch den glänzenden Verlauf und durch die Aussprache, daß die hessische Zentrumsarbeiterschaft geschlos⸗ sen hinter ihren Führern steht. Stadtverordneter Wesp, Darm⸗ stadt, dem die Aufgabe zuteil wurde, die Wünsche und Forde⸗ rungen der hessischen Arbeiterzentrumswähler und-wählerin— nen vorzutragen, gab zunächst die Erklärung ab, daß die Ver⸗ einigung der hessischen Zentrumsarbeiter und ⸗arbeiterinnen keine Partei in der Partei sei. Die Arbeitsgemeinschaft hat nur den Zweck, die Arbeiter in die Ideen der Zentrumspartei einzuführen, sie zur planmäßigen und eifrigen Arbeit inner⸗ halb der Partei anzuhalten und die politischen Wünsche der Arbeiterschaft in der Partei und Landtagsfraktion geltend zu machen. In seinem Referat trug der Referent diese Wünsche vor. Unter anderem wünscht die Zentrumsarbeiterschaft von der Parteileitung, daß bei dem bevorstehenden Wahlkampf frühzei⸗ lig mit den Wahlvorbereitungen begonnen wird. Der dies⸗ malige Wahlkampf wird voraussichtlich ein schwerer werden. Die Schulfrage werde neben sonstigen wichtigen Kultur- und sozialen Fragen im neuen Landtag zur Debatte und zur Ent⸗ scheidung stehen. Es sei deshalb dringend notwendig, daß die Zentrumspartei bis in das letzte Dörflein, wo Katholiken und Zentrumswähler wohnen- aufklärend eindringen. Die Zen⸗ trumsarbeiterschaft werde dabei helfend der Gesamtpartei zur Seite stehen. Es müsse das Ziel aller Zentrumsanhänger ohne Unterschied sein, daß die Partei mit erhöhter Mandatsziffer in die Klinke der eisernen Gittertür. Der Wind spielte mit ihrem leichten Nachtgewande; von den Linden, welche zur Seite des Einganges standen, wirbelte ein Schauer von gelben Blättern auf sie herab.— Doch— was war das?— Drüben aus den Tannen, ganz wie sie es vorhin zu hören glaubte, erscholl auch letzt das Bellen eines Hundes, sie hörte deutlich etwas durch die dürren Zweige brechen. Eine Todesangst überfiel sie.— And wieder erscholl das Gebell. „Nero,“ sagte sie;„es ist Nero“. Aber sie hatte sich mit dem schwarzen Hüter des Hauses nie befreundet, und unwillkürlich lief ihr das wirkliche Tier mit den grimmigen Hunden des Traumes in eins zusammen; und jetzt sah sie ihn von jenseits des Rasens in großen Sprüngen auf sich zukommen. Doch er legte sich vor ihr nieder, und jenes un⸗ verkennbare Winseln der Freude ausstoßend, leckte er ihre nackten Füße. Zugleich kamen Schritte vom Hofe her, und einen Augenblick darauf umfingen sie die Arme ihres Mannes; ge⸗ sichert legte sie den Kopf an seine Brust. Vom Gebell des Hundes aufgewacht, hatte er mit jähem Schreck ihr Lager an seiner Seite leer gesehen. Ein dunkles Wasser glitzerte plötzlich vor seinem inneren Auge; es lag nur lausend Schritt hinter ihrem Garten an einem Feldweg unter dichten Erlenbüschen. Wie vor einigen Tagen sah er sich mit Ines an dem grünen Uferrande stehen; er sah sie bis in das Schilf hinabgehen und einen Stein, den sie vorhin am Wege aufgesammelt, in die Tiefe werfen.„Komm zurück, Ines!“ hatte gerufen,„es ist nicht sicher dort.“ Aber sie war noch immer hengeblieben, mit den schwermütigen Augen in die Kreise farrend, welche langsam auf dem schwarzen Wasserspiegel aus⸗ sefen.„Das ist wohl unergründlich?“ hatte sie gefragt, da er sie endlich in seinen Armen fortgerissen. Dias alles war in wilder Flucht durch seinen Kopf ge⸗ 1 als er die Treppe nach dem Hofe hinabgestürmt.— uch damals waren sie durch den Garten von ihrem Hause portgegangen, und jetzt traf er sie hier, fast unbekleidet, das shöne Haar vom Nachttau feucht, der noch immer von den . tropfte. Er hüllte sie in den Plaid, welchen er sich selbst vorm Hi⸗ nuntergehen übergeworfen hatte.„Ines,“ sagte er— das Herz schlug ihm so gewaltig, daß er das Wort fast rauh hervorstieß —„was ist das? Wie bist du hierhergekommen?“ Sie schauerte in sich zusammen. „Ich weiß nicht, Rudolf—— ich wollte fort— mir träum⸗ te; o Rudolf, es muß etwas Furchtbares gewesen sein!“ „Dir träumte? Wirklich dir träumte!“ wiederholte er und atmete auf, wie von einer schweren Last befreit. Sie nickte nur und ließ sich wie ein Kind ins Haus und in das Schlafgemach zurückführen. Als er sie hier sanft aus seinen Armen ließ, sagte sie: „Du bist so stumm, du zürnst gewiß?“ „Wie sollt' ich zürnen, Ines! Ich hatte Angst um dich. Hast du schon früher so geträumt?“ Sie schüttelte erst den Kopf, bald aber besann sie „Doch—— einmal; nur war nichts Schreckliches dabei.“ Er trat ans Fenster und zog die Vorhänge zurück, so das Mondlicht voll ins Zimmer strömte. „Ich muß dein Antlitz sehen,“ sagte er, indem er sie auf die Kante ihres Bettes niederzog und sich dann selbst an ihre Seite setzte.„Willst du mir nun erzählen, was dir damals Liebliches geträumt hat? Du brauchst nicht laut zu sprechen; in diesem zarten Lichte trifft auch der leiseste Ton das Ohr.“ Sie hatte den Kopf an seine Brust gelegt und sah zu ihm empor. „Wenn du es wissen willst—“ sagte sie nachsinnend.„Es war, glaub' ich, an meinem dreizehnten Geburtstag; ich hatte sich daß mich ganz in das Kind, in den kleinen Christus verliebt, ich mochte meine Puppen nicht mehr ansehen.“ „In den kleinen Christus, Ines?“ „Ja, Rudolf“; und sie legte sich wie zur Ruhe noch fester in seinen Arm;„meine Mutter hatte mir ein Bild geschenkt, eine Madonna mit dem Kinde; es hing hübsch eingerahmt über meinem Arbeitstischchen in der Wohnstube.“ „Ich kenne es“, sagte er,„es hängt ja noch dort; deine Mutter wollte es behalten zur Erinnerung an die kleine Ines.“ den neuen Landtag einziehe. Bei dem Kapitel„Forderungen“ forderte der Referent, daß zunächst einmal die Demokratisierung in der Verwaltung in Hessen durchgeführt wird. Er forderte die Landtagsfraktion auf, hier führend zu sein. Ferner verlangte der Referent Stärkung des Zentrums in den einzelnen Mini⸗ sterien. An die Partei ergehe die Forderung, daß bei der Auf⸗ stellung der Kandidaten die Zentrumsarbeiterschaft besser be⸗ rücksichtigt werde. In der Aussprache kam bei allen Rednern immer der Wille zum Ausdruck, daß im bevorstehenden Wahl- kampf alles getan werden müsse, damit die Zentrumspartei ge⸗ stärkt an Mandaten im neuen Landtag vertreten ist. Es kann gewonnen werden, wenn jeder Katholik und Zentrumsmann und ⸗frau ihre Schuldigkeit täte. Bei den Forderungen des Referenten steht der Satz: Ferner verlangte der Referent Stärkung des Zen⸗ trums in den einzelnen Ministerien. Also noch mehr Einfluß will das Zentrum in den Ministerien! Was soll man dazu sagen? Die Spatzen pfeiffens doch von den Dächern, daß das Zentrum Hessen, das Land Phi⸗ lipps des Großmütigen, regiert. Die vielen Fälle der letzten Jahre beweisen es ja zur Genüge. Solche Forde⸗ rungen sollte man nicht für möglich halten. Sie wer⸗ den nachgerade auch den Koalitionsfreunden zu bunt, wie das ein Artikel in der hessischen demokratischen Wochenschrift„Zentrum und Personalpolitik“ nur zu deutlich beweist. Kürzlich meinte ein deutschnationaler Politiker, der Einfluß des Zentrums werde in einer Rechtsregierung geringer sein. Das Gegenteil ist rich⸗ tig: In einer Rechtsregierung ist das Zentrum die stärkste Partei, da wird es noch ganz andere Ansprüche stellen! Und die Rechtsparteien werden sie erfüllen! Nur die Evangelische Volksgemeinschaft gibt die Gewähr, daß den unbilligen Forderungen des Zentrums in Hessen endlich einmal Einhalt geboten wird. Tragen wir bis zur Landtagswahl im Herbst unsere Gedanken „bis in das letzte Dörflein, wo Evangelische woh⸗ nen“, dann mag die Zentrumspartei, gestärkt an Man⸗ daten, im neuen Landtag vertreten sein— die Vorherr⸗ schaft dieser Partei findet dann doch ihr Ende. W. Wie wir noch nachträglich erfahren, wurde auch über die Evangelische Volksgemeinschaft ein freundliches Wort gesprochen, das uns zur Zusammenarbeit im kom⸗ menden neuen Landtag einlud. An uns soll es gewiß nicht fehlen, in den Fragen, in denen wir gleiche Ziele erstreben, mit dem Zentrum zusammenzuarbeiten. D. Schriftltg. Der moderne Krieg. In Nicaragua hat eine„Schlacht“ zwischen „Aufständischen“ und nicaraguanischen Regierungstrup⸗ pen, die von amerikanischen Marinesoldaten unterstützt waren, stattgefunden, die man als die größte Schlacht in der nicaraguanischen Geschichte bezeichnet. Der Ver⸗ lauf derselben ist sehr bemerkenswert. Die Zahl der „Aufständischen“ muß um ein Vielfaches höher gewesen sein, als die Zahl der Truppen auf der Gegenseite, auch muß ihre Ausrüstung mit Maschinengewehren sehr stark gewesen sein. Nach der Meldung des„Berliner Tage⸗ blattes“ kämpften auf Regierungsseite noch keine 90 Mann, während die Zahl der„Aufständischen“ unter dem General Sandino 400 Mann betragen haben soll. Sandinos Truppen wurden deshalb als aufständisch be⸗ zeichnet, weil sie eine amerikanische Goldmine in San Albino besetzt hatten und sich trotz eines amerikanischen Altimatums weigerten, das Besitztum zu räumen, viel⸗ mehr einen Angriff auf die Regierungstruppen unter⸗ nahmen. Von diesen Angriffsabsichten wurde ein ame⸗ rikanisches Detachement benachrichtigt, das daraufhin fünf Bombenflugzeuge abschickte. Trotz der guten Aus⸗ rüstung von Sandinos Truppen mit Maschinengeweh⸗ —„O e liebe Mutter!“ Er zog sie fester an sich; dann sagte er: hören, Ines?“ —„Doch! Aber ich schäme mich, Rudolf!“ Und dann leise und zögernd fortfahrend:„Ich hatte an jenem Tage nur Augen für das Christkind; auch nachmittags, als meine Ge⸗ spielinnen da waren; ich schlich mich heimlich hin und küßte das Glas vor seinem kleinen Munde—— es war mir ganz, als wenn's lebendig wäre—— hätte ich es nur auch wie die Mutter auf dem Bilde in meine Arme nehmen können!“— Sie schwieg; ihre Stimme war bei den letzten Warten zu einem flüsternden Hauch herabgesunken. „Und dann, Ines?“ fragte er.„Aber du erzählst mir so beklommen!“ —„Nein, nein, Rudolf! Aber—— in der Nacht, die da⸗ rauf folgte, muß ich auch im Traume aufgestanden sein, denn am andern Morgen fanden sie mich in meinem Bette, das Bild in beiden Armen, mit meinm Kopf auf dem zerdrückten Glase eingeschlafen.“ Eine Weile war es totenstill im Zimmer. ——„Und jetzt?“ fragte er ahnungsvoll und sah ihr tief und herzlich in Augen.„Was hat dich heute denn von meiner Seite in die Nacht hinausgetrieben?“ „Jetzt, Rudolf?“—— Er fühlte, wie ein Zittern über alle ihre Glieder lief. Plötzlich schlang sie die Arme um seinen Hals, und mit erstickter Stimme flüsterte sie angstvolle und ver⸗ worrene Worte, deren Sinn er nicht verstehen konnte. „Ines, Ines!“ sagte er und nahm ihr schönes kummer⸗ volles Antlitz in seine beiden Hände. „O Rudolf! Laß mich sterben; Kind!“ 1 Er war vor ihr aufs Knie gesunken und küßte ihr die Hände. Nur die Botschaft hatte er gehört und nicht die dunklen Worte, in denen sie ihm verkündigt wurde; von seiner Seele flogen alle Schatten fort, und hoffnungsreich zu ihr emporschau⸗ end, sprach er leise:„Nun muß sich alles, alles wenden:“ (Fortsetzung folgt.) „Darf ich weiter aber verstoße nicht unser schon erfüllt. Sonnabend, den 27. August 1927. „Evangelische Warte“ Nr. 35. ren wurden die aufständischen Streitkräfte in wenigen Minuten durch Bombenabwürfe völlig vernichtet. Ueber 300 Tote von Sandinos Truppen sind auf dem Felde liegen geblieben, nur ein ganz geringer Teil soll ent kommen sein. Von den Truppen der Gegenseite ist nur ein Mann getötet und einer verwundet worden. Der Rahmen dieses Kampfes ist für uns, die wir den letzten großen Krieg erlebt haben, natürlich klein, aber sein Verlauf bestätigt doch die Mutmaßungen, die wir uns über den Zukunftskrieg bereits machen Ver— gangen waren schon lange die Zeiten, in denen der Feldherr als Vorbild der Tapferkeit seinen Leuten vor⸗ an im ersten Gliede kämpfte. Schon im letzten großen Weltkriege wurde die Leitung weit hinter der Front durch genaue Berechnungen und abwägender Vertei— lung der Kampfesmittel geführt. Der Zukunftskrieg wird noch anders sein. Immer mehr nimmt der Krieg rohe unpersönlichere Formen an. In ältesten Zeiten war für ein Volk ein verlorener Krieg gleichbedeutend mit dem Untergang. mordet, die Frauen und Kinder als Beute in die Skla— verei geführt. Dann wurde der Krieg veredelt. Nur Die Männer wurden niederge⸗ ausgedachten toten Kriegsmaschinen. gegen die Soldaten wurde gefochten. Ein neuer Krieg ist wieder die Vernichtung der Völker mit raffiniert Die Völker ver⸗ nichten sich, wie man bis jetzt nur das Ungeziefer aus⸗ zurotten bestrebt war. Wie lächerlich kommt einem da die Angst der Engländer und Franzosen vor marschie⸗ renden Sportlern und reitenden Reitervereinen vor. Wir wollen alle Bestrebungen, unsere Jugend körper⸗ lich und moralisch auszubilden, wegen der unserem Staatsleben so nötigen Disziplin nicht gering achten, aber im kommenden Kriege wird der Erfinder am Zei⸗ chentisch mehr leisten als der tapferste Soldat. i e e ꝗ d] eee Im Familienkreis Der entscheidende Grund. In einem Blatt las ich neulich, daß jemand vom Gericht die Aufforderung erhielt, als Geschworener zu fungieren. Als die Gerichtsverhandlung beginnen sollte, erschien statt seiner ein an— derer und erklärte, es seien, für das Nichtkommen seines Freundes einundzwanzig Gründe vorhanden.„So, so“, erwiderte der Rich— ter,„nennen Sie mir den ersten, der ist vielleicht der beste“.„Er ist tot“, erklärte der Freund.„Es ist gut“, sagte der verständige Richter,„die anderen Gründe brauchen wir nun nicht mehr zu hören“. Ob diese Geschichte sich nun wirklich zugetragen hat, oder ob sie erfunden ist, kann ich nicht nachprüfen. Aber sie ist so töricht nicht, wie sie im ersten Augenblick scheint, wenigstens machen es viele Menschen ähnlich. Sie haben eine ganze Reihe von Grün— den für ein bestimmtes Verhalten, aber der eine, den sie als ersten nennen könnten, macht die andern überflüssig. Den einen sollten sie ehrlich nennen, aber das tun sie gewöhnlich nicht, und das ist der Unterschied von jenem Mann, der für seinen Freund vor Ge— richt erschien. Welches mag denn nun dieser eine Grund sein? Er lautet:„Ich will nicht.“ Frage einen Lüstling, weshalb er nicht von seinem Laster läßt? Er wird dir vielleicht sagen, daß er es für eine erlaubte Freude halte. Ueberführe ihn, daß diese Freude nur wie ein Rausch ist, und daß das Gewissen sich auf die Dauer doch nicht betäuben läßt. Er wird sogleich einen an— deren Grund hervorholen, er sei zu vollblütig und müsse sich Er— leichterung schaffen. Zeige ihm, wie töricht das ist, da er durch ein mäßiges Leben gesunden und frischen Mutes sein kann, aber er wrd nicht verlegen sein, dir zu sagen, daß andere es ebenso machen wie er. Du kannst ihm schließlich diesen und vielleicht noch manchen anderen Grund entkräften, bis du ihn wirklich in die Enge getrieben hast; was wird er dir dann am Ende sagen: „Ich will aber nicht!“ Nicht wahr, das hätte er gleich am An— fang sagen sollen, denn so töricht ist keiner, daß er die genann— ten Ausflüchte vor seinem eigenen Gewissen für Ernst nimmt. Es ist, als ob noch ein Rest von Scham in ihm ist, daß er sich scheut, mit dem wahren Grunde gleich herauszukommen. Aber dies„Nichtwollen“ hat noch eine andere ernste Seite, es ist der tiefste Grund für den Unglauben so vieler Leute. Man gehe einmal beharrlich den vielen Gründen nach, weshalb die Men— schen nicht glauben. Ein Grund nach dem andern wird sich wider— legen lassen, bis man ans Ende kommt, und da sitzt es wie ein Pflock vor:„Ich will aber nicht“. Gewöhnlich wollen sie von einer bestimmten Sünde nicht lassen oder wollen einen Schritt der Versöhnung oder Abbitte nicht tun, wollen die Ehre vor den Menschen nicht verlieren oder auf irgend einen unrechten Gewinn nicht verzichten, kurz: sie wollen nicht. Die Hindernisse des Glaubens liegen nicht so in den Schwierigkeiten, die unser Verstand damit hat, als in unserem sittlichen Verhalten. Sün⸗ digten wir nicht so viel und hielten wir nicht so eigensinnig daran fest, dann wäre eine Hauptbedingung für den Glauben Und nun will ich nichts weiter sagen, sondern je— dem Zeit lassen, nachzudenken, woran es bei ihm liegt. Aber mit Nachdenken allein ist es nicht gemacht, der Wille muß kom- men; aber wo der Wille ist, da findet sich bald der Weg, auch zum Glauben. Da Jesus ihn sah liegen und vernahm, daß er so lange krank gelegen hatte, sprach er zu ihm: Willst du gesund werden? Joh. 5, 6. Wie lernt mein Kind mit Geld umzugehen? „Mutti, was ich gefunden habe!“ mit diesem Rufe stürzte sich Marianne atemlos in die Küche:„Sieh, ein Portemonnaie und lauter neue Scheine drin, unter den großen Fliederbüschen fand ich es, als ich mit den andern Kindern Verstecken spielte. Darf ich es behalten?“ Erschrocken wehrte Frau Schneider ab, setzte ihrem Töchterchen auseinander, daß man gefundene Ge— genstände abzuliefern habe, und sah dabei das Geldtäschchen ge— nau durch. Sie fand eine Besuchskarte, Helene Grabow, Schillerstraße 11, stand darauf. Schnell ging Frau Schneider mit ihrem Kinde vor das in einer entfernten Stadtgegend lie— gende Haus. Sie schickte Marianne mit dem Fund hinauf, wäh— rend sie unten wartete. Die Dame, der das Portemonnaie ge— hörte, hatte ihren Verlust noch gar nicht bemerkt. Sie war vor einer Stunde mit ihren Kindern heimgekehrt und mußte das Geld wohl verloren haben, als sie im Gebüsch nach dem fort— gerollten Ball ihres Kleinsten gesucht hatte. Bestürzt und be— glückt zugleich schenkte sie Marianne 10 Mark und ging, als diese sie nicht nehmen wollte, und von ihrer unten wartenden Mutter erzählte, mit hinunter. Sie erreichte es endlich durch inständiges Bitten, daß Marianne, deren Vater im Kriege ge— fallen war, das Geld annehmen und wöchentlich zweimal zu ihr kommen durfte, um ihre noch recht kleinen Kinder zu beaufsich— tigen.„Mutter“, sagte Marianne auf dem Heimwege,„jetzt bin ich reich; o, was ich dir und mir nun aber alles kaufe! Für 10 Mark kriegt man doch furchtbar viel!“ Die Mutter aber entgegnete ruhig:„Nein, mein Kind, deine Freude hätte gleich ein Ende, wenn du alles gleich ausgeben würdest. Ich will dir etwas viel Schöneres sagen: Du hast mich schon oft gebeten, ich solle dir jeden Sonntag Taschengeld geben, wie die meisten deiner Mitschülerinnen es erhalten. Den Wunsch kann ich dir bei meinen knappen Einkünften nicht erfüllen. Jetzt aber steht dir auf einmal ein kleines Vermögen zur Verfügung, mit dem du erst umgehen lernen mußt. Zu Hause werde ich dir ein Notizzbuch geben, in das du jede Einnahme und Ausgabe sorg—⸗ fältig eintragen und dir täglich genaue Rechenschaft darüber geben wirst, wie du dein Geld verwendet hast.“ Wie leuchteten da Mariannes Augen, die es kaum erwarten konnte, ihr Ausgabe— buch anzulegen. Mit Hilfe ihrer Mutter machte sie noch an dem— selben Tage ihre erste Eintragung und meinte nun ganz nach— denklich:„Ach, ich gebe doch lieber gar nichts aus; es sieht schön aus, wenn die 10 Mark da immer stehen bleiben.“ Frau Schneider, die schon wußte, wie schnell kleine Mädchen ihre Ent⸗ schlüsse ändern, sagte vorläufig gar nichts. Als aber Marianne am nächsten Tage um einen Groschen für ein neues Schreibheft bat und gleichzeitig fragte, ob sie nachher baden gehen dürfte, meinte sie:„Du bist ja jetzt eine kleine Kapitalistin, da kannst Nähr- Prechrons Heizkräftigster, sparsamster PIINOS N du dir solch bescheidenen Wünsche selbst erfüllen.“ Nun kam sich Marianne ordentlich wichtig vor, nahm von dem Geld, was sie brauchte, vergaß auch nicht, den Posten zu buchen. Von jetzt ab überlegte sie jedesmal mit der Mutter, wenn irgend eine kleine Ausgabe vorlag, ob sie diese ihrer Kasse wohl zumuten dürfte. Welche Freude empfand ihr kleines Herz, wenn sie sich am Sonntag ihren Missionsgroschen für den Kindergottesdienst herausnehmen, wenn sie der Mutter zum Geburtstag eine hübsche Tasse oder sich selbst einmal etwas Obst kaufen konnte. Doch auch die Einnahmeseite blieb nicht leer. Jedesmal, wenn sie Frau Grabows Kinder betreut hatte, bekam sie eine Barzahlung dafür, und stets war die Freude groß, wenn sich ihr kleines Ver mögen wieder vermehrte. Wie schön, daß sie eine Mutter hatte, die sie dazu anhielt, weder verschwenderisch zu werden, noch gei— zig zusammenzuscharren. Naschereien und andere unnütze Dinge durfte sie nicht kaufen; und wollte sich in solchem Falle ihr Ge— sichtchen einmal schmollend verziehen, so genügte es, wenn die Mutter ihr sagte:„Ich glaube, du würdest dich schämen, wenn jemand in deinem Ausgabenbuch lesen würde, für welch törichte Sachen du Geld weggeworfen hast, während deine Mutter mit dem Pfennig rechnen muß“. Besann sich Marianne aber einmal etwas lange, ob sie wohl für den guten Zweck auch eine Kleinig⸗ keit beisteuern sollte, so hieß es:„Wir wollen doch einmal se— hen, von wieviel Freuden dein Büchlein redet, die du dir bereiten konntest,“ und schon fand die Kleine es selbstver⸗— ständlich, auch zu andrer Menschen Freude beizutragen. Das Schönste aber kam am Ende jeden Monats. Da wurde Kassen⸗ abschluß gemacht, und sobald sich ein Bestand von einigen Mark ergab, wurde beraten, wieviel man wohl für die Sparkasse zu— rücklegen könnte. Das Erübrigte sammelte die Mutter auf, bis fünf Mark zusammenwaren, und dann durfte es Marianne selbst auf die Kasse tragen. Sie besaß ein eigenes Sparkassenbuch und hatte sich das Ziel gesetzt, für ihre Einsegnung zu sparen. Es ist allemal eine festliche Begebenheit für unsere kleine Freundin, wenn sie ihr Erspartes einzahlt; aber sie hängt doch ihr Herz nicht an das Geld; denn sie hat von ihrer treuen Mutter ge— lernt, sich nur als Haushalter über dasselbe anzusehen. Wenn sie solche Gesinnung behält, dann werden einmal in ihrem Haushalt Sparsamkeit und Barmherzigkeit, Mäßigkeit und Be⸗ haglichkeit einander die Hand reichen. Auch dein Kind, liebe Mutter, verdient sich vielleicht durch kleine Dienstleistungen schon während der Schulzeit etwas, Nicht wahr, du nimmst ihm nicht alles ab, auch wenn du selbst⸗ sehr rechnen mußt, sondern läßt ihm etwas, wenn es auch noch so wenig ist, an dem es lernen kann, ein Eigentum zu verwalten, Das wird dir und ihm für später Zinsen tragen. Nimm dir aber auch die Zeit, es zu einer rechten Verwendung desselben anzu⸗ leiten. Dein Kind wird es dir dereinst danken. NN eee 3 N aaaanecaaadaadanadadadadadadadadadadadadadadaddaddadaamdhddddzz Werbt für die„Evangelische Wartel nnnntnnaan chaten alaahageaatafahaadaagasdaaaddnsogggdaaastaandannda onen Brennstoff für Ientralheizun gen! Blumenhaus Dietz Seltersweg 38 Gießen Fernsprecher 13 Größtes Spezialgeschüft dberhessens SD Vermittlung von Blumenspenden nach allen Orten Deutschlands. Prompte u. reelle Bedienung. Seit 1872 BALDUURVIBRA TORO und-Schönheit Fordern Sie Katalog direkt bei BRLDUR-an * jabrik H. G. Frankfurt a. M.-W., Leipzigerstr. 59061 Helteste Spezialfabrik in weitem Umkreise Fabrikgelende über 4000 qm. Bequeme Monatsraten Rlang-Rraft im Piano Patent! Seit 1872 d d d e e d dre Esch ORIGINAL- Kirchen-Helzung Geringe Anschalfungskosten u. Brennstolfverbrauch. Einfache Bedienung, stärkste Bauart u. unbegrenzte Haltbarkeit. Seit 50 Jahren bewährt. Voranschl. kostenl. ESCH& Co., und, MNNNHEIM O Filialen in Frankfurt a. M. und Hamburg. unterstützt uns. evang. Buchhandlung dur, Bestellung v. Büchen u. Zeitschriften. Feste Mk. an werden post⸗ frei ausgeführt. Wart burgbuchholg. Mainz, Hypotheken zu äußerst günstigen Bedingungen zu verge; ben. Auf Wunsch eutl. sofort. Gewährung v. Zwischen⸗ Krediten. . Lvangeishe Bestellungen von.— F. W. Weber, Frankfurt am Main Anzahlung RM. 100.— HULZ allen Festen und Gelegenheiten fertigt Reden, Gedichte, Prologe, Tafellieder usw. schnellstens an Heim⸗Verlag, Radolfzell a. Bodensee. Zur Hochzeit, ——— FRANK EURTAM ————ꝛ—' 5 AKK WEINE 2 ccd 040 9 * H pPDRnUCRSACHN aller Verlagsdruckerei Albin Rlein, Gießen II Art liefert die NN Reise ohne Vargeld Reisekreditbrief Bezirkssparkasse Gießen Hansa 1778, bberhessisches Kpezialnans f. stets frischgebrannten Kassee ie la Qualitäten sowie Tee, Kakao, Weine u. Spirituosen. L. Höhn mit dem Bergstraße 22 Aaseferen büngt Cenad er Bad Sdlzschll Laden, beste Lage evenl. mit Einrichtung zu vermieten. chemiker Sack. Neckarstraße 9. Teles. Fernsprecher Nr. 619. . — Un N wen lleten, rung Alert ache, densell Betrie Slaat sädig helschie nuch n landen dieser Millio an Vo mäßig ame tundef Eristen age vassert 7 perter ung d erung ich zu gäden gung deword 6 dandh⸗ läufe, perten er K n Giessen a. L.