7 N ——— — R * Evangelische Warte 0 * Organ der Evangelischen Volksgemeinschaflt Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.“ Matthäus 20, 28. Hauptschriftleiter: Edwin Hamburger in Staden(Oberhessen). Verantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger, für den Unterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz. Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. 3. Jahrgang. Fernsprecher 1362 und 1145. Postscheckkonto 8437 Frankfurt a. M. Abonnements⸗ und Anzeigen ⸗Annahmestelle, Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21. Sonnabend, den 26. März 1927. Erscheint Samstags.— Bezugspreis 50 Pfennig monatlich. Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzeile auswürls 24 Pfg am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen Vergünstigung. Rummer 13. Mohr evangelisches Vewußtsein! Vortrag von Superintendent C. Brandt, gehalten auf der Provinzialtagung der Evangelischen Frauenhilfe Hannovers in Osnabrück am 3. Und nun darf ich noch eben einige Streifzüge auf das Gebiet des öffentlichen Lebens machen. Neulich reiste eine schlichte evangelische Frau in einem Abteil 4. Klasse. Alle Sitzplätze waren besetzt. Nur neben einem jungen Manne war noch ein Platz frei. Da stiegen neue Fahrgäste ein und der junge Mann lud sie zum Sitzen ein mit dem Worte:„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.“ Alles schwieg oder lachte, nur die Frau sagte ernst und bestimmt:„Hören Sie mal, junger Mann, ich bin eine evangelische Christin, und dies Port unseres Herrn ist mir heilig und teuer und ich kann und will nicht dulden, daß Sie es derartig in den Staub ziehen. Schämen Sie sich.“ Der Jüngling faselte dann etwas von Redefrei⸗ heit, da er aber sah, daß die anderen der Frau doch zu⸗ stimmten, so schwieg er. Kann von dieser Frau nicht mancher Evangelische lernen? Was lassen sich evange⸗ lische Christen alles bieten, und wenn es ihren heilig⸗ sten Gefühlen ins Gesicht schlägt! Mehr Bekennermut, mehr energischer Protest, wo man unsere Sache be schmutzen will! Denkt an die Geschäfte, die Schundlite⸗ ratur vertreiben. Geh hin und stell sie zur Rede und sage ihnen die Kundschaft auf! Denkt an die Zeitung. Ich blätterte auf der Reise hierher in dem gelben Ta⸗ schenfahrplan, der von der Reichsbahndirektion Han⸗ nover ausgegeben wird. Da fand ich auf der inneren Umschlagseite ein großes Inserat:„Hannoversche Volks⸗ zeitung, das Organ der Katholiken von Groß⸗Hanno⸗ ver, der Prov. Hannover und Nachbargebiete, 41. Jahr⸗ gang.“ Ich frage: Wo sind in unserer überwiegend evangelischen Heimat die Zeitungen, die man restlos als Organ des Evangeliums bezeichnen könnte? Wären wir besser organisiert, opferwilliger, eifriger, hätten wir mehr evangelisches Bewußtsein, so besäßen wir sol⸗ che Zeitungen und wir müssen sie haben. Bis dahin aber kontrolliert eure Blätter, geht auf die Redaktionen und beschwert euch, wenn ihr eure evangelischen Ge— fühle verletzt seht, und wenn das nicht hilft, dann ent⸗ zieht ihnen die Inserate, bestellt ab, und wenns euer Leib⸗Organ wäre, und veranlaßt andere zur Abbestel⸗ lung! Das ist der Punkt wo man empfindlich ist! Oder nehmt die Sonntagsfrage! Ist es nicht ge⸗ radezu skandalös, und wollen wir uns das länger ge— sallen lassen, daß es immer mehr Mode geworden ist, ausgerechnet die Zeit unserer Gottesdienste mit Sport⸗ veranstaltungen, Tagungen und Versammlungen aller Art zu belegen? Eine wahrhaft beschämende Mißach⸗ tung der evangelischen Sache! Etwas kann jeder da⸗ gegen tun. Und wenn da die Stimme des Einzelnen Gnädige heimsuthungen. Lukas 19, 41 und 42. Und als er nahe hinzu⸗ tam, sah er die Stadt an und weinte über sie und sprach:„Wenn doch auch du erkenntest zu dieser deiner Zeit, was zu deinem Frieden dienet! Aber nun ist's vor deinen Augen verborgen. Als ich diese Worte über die heutige Andacht stellte, da war ich im Zweifel, wie ich die Ueberschrift wählen sollte. Es lag mir nahe, im Anschluß an die obigen Worte unseres Heilandes über Patriotismus zu schreiben. Denn ganz unstreitig war Jesus ein Mann, der sein Volk und Vaterland liebte. Er ver⸗ weist seinen Jüngern zu gehen auf der Heidenstraße. Er weigert sich, im Heidenlande ein Wunder zu tun, wie wir aus der Ge⸗ schichte vom kanaanäischen Weibe ersehen. Heute ist er auf dem Wege nach der alten jüdischen Hauptstadt Jerusalem. Er kommt von Jericho her. Auf dem Oelberg ist er mit seiner Jünger⸗ schar angelangt. Dort war die Stelle, an der die Pilger Rast zu halten pflegten und sich weideten an dem Anblick der herr⸗ lichen Stadt. Ihre ganze glänzende Vergangenheit stand dann den Juden vor Augen. Aber sie dachten auch an die schweren Schicksale, die diese Stadt hatte durchmachen müssen. Ehe sie aber weiterzogen, dann freuten sie sich, daß die Stadt Davids wieder aufgebaut dastand und erglänzte in den Strahlen der morgenländischen Sonne. Ihre Freude ließen sie erklingen in den Weisen des 121. Psalms:„Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, von welchen mir Hilfe kommt.“ Heute zieht wieder ein Pilgerhäuflein diese Straße. Sie blicken alle auf die herrliche Stadt. Vielleicht haben die Jünger das gewohnte Lied anheben wollen. Da bemerken sie Tränen in den Augen ihres Meisters. Jesus weint! Hören wir das oft, daß Jesus weint? Nein! Anter den schlimmsten Martern, die ex hat erdulden müssen, war er ein Mann. Er hat auch nicht um Schonung gebeten und seinen Feinden etwas vorgeweint. ö (Schluß.) naturgemäß verhallt, so schließt euch den Organisatio— nen als eifrige Mitglieder an, die hier und auf anderen Gebieten den Kampf aufgenommen haben! Auch die Politik dürfen wir nicht übergehen. Gott⸗ lob wird auch auf evangelischer Seite immer mehr Schluß gemacht mit dem überlebten Satz: Religion und Politik haben nichts miteinander zu tun, den schon der große englische Prediger Spurgeon„die schlaueste Er⸗ findung des Satans“ genannt hat. Ich kann dies Ge⸗ biet nur eben streifen. Aber gegenüber dem oberfläch⸗ lichen und einschläfernden Gerede von der„Eigengesetz⸗ lichkeit“ der politischen und namentlich wirtschaftlichen Dinge sollten wir evangelischen Christen uns doch viel mehr bewußt werden, daß da auf dem Gebiet der sozia⸗ len Frage, ja aller und jeder politischen Fragen, Auf⸗ gaben auf uns warten, zu deren Lösung wir kaum noch einen Finger gerührt haben, die aber geradezu nach Lösung durch uns schreien. Wir haben in der Politik nicht nur Interessen zu vertreten, sondern Grundsätze, Grundsätze, ohne die weder unser politisches Leben ge⸗ sunden noch auf die großen Lebensfragen unserer und aller Nationen eine Antwort gefunden werden kann. Und endlich unser Verhältnis zur katholischen Kirche. Es ist ja bekannt genug, und erfüllt manchen Evangelischen mit unnötigem Grausen, welche fieber⸗ hafte Tätigkeit der Katholizismus seit Jahren entfaltet zur Mobilisierung der eigenen Truppen mit dem End⸗ ziel: alle Völker der Erde sich zu unterwerfen und na⸗ mentlich auch die abtrünnigen Protestanten in den Schoß der allein seligmachenden katholischen Kirche zu⸗ rückzuführen. Das bedeutet Kampf, und dieser Kampf ist das gute Recht des Katholizismus. Es ist aber auch unser gutes Recht, ja unsere unabweisbare Pflicht, nicht nur allezeit zur Abwehr schlagfertig und bereit zu sein, sondern auch unsererseits zum Angriff vorzugehen Wenn da besorgte Volksfreunde und Politiker warnend den Finger erheben und das Schreckgespenst des Kultur⸗ kampfes an die Wand malen, so heißt das nichts ande⸗ res, als vor der Wichtigkeit die Augen verschließen. Der Kulturkampf ist da und muß da sein. Es ist vergeblich, in weltgeschichtlichen Geisteskämpfen Waffenstillstand zu gebieten oder gar Frieden diktieren zu wollen. Zwar sind, wie schon Sup. D. Rolffs im Schlußwort zu dem Buche„Revolution und Kirche 1919“ betont hat, katho⸗ lische und protestantische Kirche aufeinander angewiesen. Ein Zerfall der einen käme nicht der anderen, sondern dem Unglauben zugute. Sie haben beide von ein⸗ ander gelernt und werden noch von einander lernen müssen. Sie sollen im Konkurrenzkampf nach Gottes Als sein Freund Lazarus gestorben war, und hier an dieser Stelle wird uns berichtet, daß Jesus Tränen hatte. Jesus war also gar nicht ein so weichlicher, rührseliger Mensch. Rühr⸗ seligkeit ist ein Zeichen der Nerven- und Seelenschwäche. Wenn nun Jesus weint, dann weint ein starker, harter Mann. Wie tief muß sein Herz erschüttert sein! Warum weint er? Er sieht diese Stadt mit den Augen des Sehers. Nicht Glanz und Herr- lichkeit, sondern Verderben und Untergang erblicken seine Augen. Jesus liebte sein Volt, liebte seine Geschichte, liebte auch diese Stadt Davids. Seine Vaterlandsliebe ist lebendig in seiner Seele. Wie gerne möchte er das Unheil abwenden. Aber es geht nicht. Die Juden haben nicht gewollt. Eine Gnadenzeit geht gerade im Volke der Juden vorüber. Der von Gott Gesandte geht hin, um zu sterben.„Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen, wie eine Henne versammelt ihre Küchlein unter ihre Flügel; und ihr habt nicht gewollt.“ „Sie haben die gnädige Heimsuchung in der Person Jesu Christi nicht erkannt.“ Er hat es ihnen gesagt, daß er der Messias sei; aber sie wollten ihn nicht anerkennen. Er hat ihnen gezeigt, was Gott von diesem Geschlechte fordert; aber sie haben nicht darauf gehört. Nun sieht Jesus die schwere Strafe kommen. Was im Jahre 70 sich wirklich ereignete, das hat Jesus auf diesem Gang vom Oelberg herab nach der Davidsstadt voraus⸗ gesehen. Aber waren nicht die Jünger dem Herrn gefolgt? Hatte nicht Petrus ein offenes Bekenntnis abgelegt, daß er in Jesus den Sohn Gottes erkannt hatte? Waren es nicht neben den Zwölfen noch siebzig weitere Nachfolger? Das ist alles rich⸗ tig; aber die wenigen sind nicht das Volk. Wie oft haben wenige das Richtige zum Wohle des Volkes erkannt. Aber wenige gelten nichts, sie werden übersehen. Die Masse in ihrer Urteilslosigkeit macht die Fehler und muß die Folgen tragen. So war es auch damals bei den Juden. Deshalb mußte auch das ganze Volk das Gericht über sich ergehen lassen, das die Römer über die Juden verhängten. Mai 1926. geschichtlicher Führung ihre Lebenskraft beweisen, und die Erhaltung dieser Lebenskraft in der einen ist eine Lebensfrage für die andere. Dennoch: Wo katholische Christen und evangelische von der Wahrheit und Herr- lichkeit ihres Glaubens tief innerlich überzeugt sind, da können sie nur seine weiteste Verbreitung wünschen, sie müssen. Sie sollen im Konkurrenzkampf nach Gottes⸗ sion aber heißt Kampf. Nur daß dieser Kampf mit an⸗ ständigen, d. h. mit geistigen Waffen geführt werde! Unser evangelischer Glaube ist viel zu hehr, viel zu siegessicher und zukunftsfroh, als daß wir ihn mit zer⸗ brechlichen Krücken zu stützen brauchten, noch viel weni— ger mit Kampfesmethoden beflecken dürften, die vor dem Forum unseres Königs Jesus Christus nicht bestehen können. Das wollen wir Evangelischen uns immer wieder ins Gedächtnis rufen. In diesem Sinne noch einmal: Mehr evangelisches Bewußtsein, mehr Wille zum Kampf, aber zum Kampf in der Lauterkeit und Wahrheit! Ich bin am Schluß und kehre zum Anfang zurück, Evangelisches Bewußtsein kann nur der in voller Stärke in sich tragen und mit Ernst und Eifer betätigen, der die Herrlichkeit seines evangelischen Glaubens als lebendigen Besitz in sich trägt. Und das wiederum hat nur der, der täglich wächst in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn Jesu Christi und seine Seele tief hinab— taucht in das Meer der Liebe Gottes, die in Jesus Christus erschienen ist. Nur da wird der Ruf: Mehr evangelisches Bewußtsein! ein lebendiges Echo finden, wo man in tiefer, voller Ueberzeugung mit Ernst Moritz Arndt sprechen lernt: Ich, weiß, woran ich glaube, Ich weiß, was fest besteht, Wenn alles hier im Staube Wie Sand und Staub verweht. Ich weiß, was ewig bleibet, Wo alles wankt und fällt, Wo Wahn die Weisen treibet Und Trug die Klugen prellt. Das ist das Licht der Höhe, Das ist der Jesus Christ, Der Fels auf dem ich stehe, Der diamanten ist; Der nimmermehr kann wanken, Der Heiland und der Hort, Die Leuchte der Gedanken, Die leuchten hier und dort. Hat nicht unser deutsches Volk auch seine Gnadenzeiten ge⸗ habt? Damals, als Dr. Martin Luther, dieser von Gott zu den Deutschen gesandte Mann, gegen die Irrlehren in der Christen⸗ heit auftrat, da rief er aus:„Kauft, ihr lieben Deutschen, so lange der Markt ist!“ Damals war große Zeit für unser deut⸗ sches Volk. Nocht öfter hat Gott unserem Volke bedeutende Männer gegeben. Da war der Tisch reich gedeckt. Da konnte unser Volk zugreifen. Nach solchen fetten Zeiten kam dann immer wieder magere Zeit. Dann mußte man von der Ver⸗ gangenheit leben. Darum müssen solche gnädige Heimsuchungen unseres Gottes festgehalten werden. Wann wird wohl für unser Volk wieder eine solche Zeit der Heimsuchung kommen? Wir wissen es nicht. Aber wenn sie kommt, dann laßt es uns nicht machen wie die Juden, von denen der Herr sagt:„Ihr habt nicht gewollt!“ Dann laßt uns zugreifen und nehmen, was Gott uns anbietet. Eben scheint bei uns magere Zeit zu sein. Wir warten auf eine reichere Zeit. Gebe Gott, daß die erwartete Gnaden⸗ zeit bald über unser deutsches Volk komme. Denn nichts kann unsere dunklen Tage hell machen als der Allgütige allein mit seinem wunderbaren Lichte. Geist des Lichtes, leuchte, leuchte, Wo es finster ist und Nacht, Daß die Finsternis bald weiche Und die Nacht zum Tag erwacht. Geistesflamme, zünde, zünde Heller hier dein Feuer an, Daß es alle Christenherzen Wärmen, heil'gen, läutern kann. Jesus Christus, höre, höre! Sprich dein Amen, wenn wir fleh'n: Sende, Herr, in unsre Lande Ein gewalt'ges Geistesweh'n! Amen. Hr. 3 Sonnabend, den 26. März 1927. Brief aus Sathjen. Es zeigt sich immer mehr als ein Verhängnis für unser Land, daß es sich seit der Revolution bis heute noch immer nicht von der roten Zwangsherrschaft los- gemacht hat. Da bei den vorjährigen Gemeinderats⸗ wahlen leider eine ganze Reihe von Gemeinden eine rote Mehrheit im Gemeinde- und Stadtparlament be⸗ kommen haben, so wirkt sich das sozialistische Regiment immer mehr, auch in den Gemeinden aus. Als ein äußeres Zeichen dafür kann der Beschluß der Leipziger Stadtverordneten gelten, den berühmten Augustusplatz in Karl Marx⸗Platz umzunennen. Jeder, der die Stadt Leipzig besucht hat, weiß, welch eine beherrschende Würde Stelle dieser im Innern der Stadt einnimmt. 1 dieser Beschluß wirklich ausgeführt werden, so wäre Sachsen um eine Blamage vor dem übrigen Deutschland reicher. Vorläufig aber sträubt sich noch, wie verlautet, der Rat der Stadt gegen diesen Beschluß. Das zielbewußte Vorgehen der Sozialdemokratie zeigt sich auch in der Besetzungsfrage der Landesuniver— sität zu Leipzig. Allen Ernstes machten im Landtag die Linkssozialisten die Forderung auf Errichtung eines Lehrstuhles für marxistische Nationalökonomie geltend. Noch setzte der Volksbildungsminister diesem Ansinnen seinen Widerstand entgegen. Allein die Sozialdemo— kratie wird bei dieser ihrer Forderung unentwegt be— harren und sie bei gegebener Zeit durchsetzen. Das Schmerzenskind unseres Landes ist nach wie vor das Schulwesen. Das Ausbleiben des länost versprochenen Reichsschulgesetzes wird von den politischen Machthabern schon seit Jahren energisch dazu ausgenützt, die völlige Verweltlichung der Volksschule mit allen Mitteln durch— zuführen, und leider muß gesagt werden, daß das Ziel dieses Bestrebens schon sehr nahe gerückt ist. Besondere Sorge bereitet uns auch neuerdings das höhere Schul- wesen. Das sächsische Volksbildungsministerium hat kürzlich eine Denkschrift über das höhere Schulwesen veröffentlicht, aus welcher hervorgeht, daß der Abbau der humanistischen Gymnasien immer mehr fortschreitet, ebenso die Differenzierung im höheren Schulwesen ein— getreten ist. Nach dieser Denkschrift haben wir in Sach— sen bereits 23 verschiedene Arten von höheren Schulen, aber nur noch 5 rein humanistische Gymnasien, gegen— über 18 in Friedenszeiten. Das wirkt sich besonders nachteilig aus hinsichtlich des theologischen Nachwuchses. Gute Kenner versichern uns, daß die Hauptursache des immer fühlbarer werdenden Theologenmangels der Rückgang der humanistischen Gymnasien ist. Die Kirche wird hier in ihrem eigenen Interesse einen Ausweg suchen müssen, und die Landessynode hat bereits Stel— lung dazu genommen. In derselen Denkschrift sind ferner zwei Neuerun— gen vorgeschlagen, die auf kirchlicher Seite größtes Be— denken erregen. Der Religionsunterricht soll in den Stundenplänen der höheren Schulen nur noch„Reli— gionskunde“ genannt werden, wobei besonderes Gewicht auf die Darstellung der verschiedenen Religionen der Welt gelegt werden soll. Aus allem, was darüber in der Denkschrift gesagt wird, geht klipp und klar hervor, daß der Religionsunterricht in den höheren Schulen seines konfessionellen Charakters völlig beraubt werden soll. Der zweite Stein des Anstoßes ist die Herabsetzung der Stundenzahl für den Religionskundeunterricht auf eine Wochenstunde in Obertertia. Man sieht deutlich, daß auch im höheren Schulwesen Kräfte am Werke sind, um die Verweltlichung immer mehr herbeizuführen. Wenigen im übrigen Deutschland wird es bekannt sein, daß gegenwärtig die größte Garnison Deutschlands in Sachsen und zwar in Dresden ist, wohin ja auch be— kanntlich neuerdings die Infanterieschule verlegt wor— den ist. Die große Bedeutung dieser Schule liegt darin, daß durch sie sämtliche deutsche Reichswehroffiziere, wel— Noman von Clara Meller. 17. Fortsetzung. Urle blickte sinnend auf die Münze in ihrer Hand. Ihre Seele sang ein einziges tiefes Lied von der tollen Raya, dem schönen Pustakind. Da war es ihr, als träfe sie ein zwingender Blick. Sie hob die schwarzen Wimpern und sah in die haß— erfüllten Augen Pater Markus! Sie erbebte. „Dore, das ist er“, flüsterte sie und neigte leicht grüßend den Kopf. Dore hörte die Worte und folgte ihren Blicken. Kaum eine Sekunde dauerte diese Begegnung, dann ging er den Weg zurück. Die Sonne spielte an den Außenstämmen des Tann und warf goldene Streiflichter durch die Wipfel. Die Abenddäm— merung begann, die Vögel rüsteten zur Nacht. „Es war fast zu viel des Erlebten! Puh, die Raubtier— augen des Seelenfischers vergesse ich mein Lebtag nicht!“ sagte Dore, sobald sie außer Hörweite waren.„Dazu gehört aller— dings eine Dosis Mut, dem gegenüber Stand zu halten! Was doch die Liebe vermag!“ Ihr Hans war da! Gleich mußte er von der Fabrik kom— men, dann würden sie den ganzen Tag zusammen sein; denn er wollte am Nachmittag nicht wieder hingehen. Er war abge— spannt; das war wohl die Sorge um die Mutter— der Arme! Wie er sich freuen würde über ihre Nachricht. Ungeduldig wie ein Kind ging sie zum Fenster und sah hinaus. Es war unmöglich, eine regelrechte Tätigkeit vorzunehmen. Da, das war sein elastischer Schritt. Sie eilte ihm entgegen und zog ihn ge— heimnisvoll in das Zimmer:„Komm, komm, mein Hans. Ich will dir etwas zeigen, worüber deine alte Hexe sich so sehr freut“, und sie gab ihm die Zeitschrift und zeigte triumphierend auf die Novelle mit ihrem Mädchennamen als Autorin. Da schwoll die Zornesader auf seiner Stirn; er knüllte das Blatt zusammen und warf es in die Zimmerecke:„Hüte dich, je wieder zu schreiben. Ich will keinen verrückten Blaustrumpf „Evangelische Warte“ cher Waffengattung sie auch später sich zuwenden wol⸗ len, gehen müssen. Es wird also für die Ausbildung unserer künftigen Offiziere nicht wenig davon abhängen, in welchem Geiste diese Schule ihr Werk treibt. Das wichtigste Ereignis der letzten Zeit auf kirch— lichem Gebiete ist der Zusammentritt der Ev. luth. Lan⸗ dessynode, der ersten auf dem Grunde der neuen sächsi⸗ schen Kirchenverfassung. Die Synode hat in ihrer drei— wöchentlichen Tagung tüchtige Arbeit geleistet. Der weittragendste Beschluß, den sie gefaßt hat, ist gewiß die Wahl des neuen Konsistorialpräsidenten Dr. Seetzen, des bisherigen Präsidenten der Synode. Indem nun⸗ mehr zurücktretenden Konsistorialpräsidenten D. Dr. Böhme verliert unsere Landeskirche einen Mann von großer Bedeutung, um den uns auch das übrige evange— lische Deutschland beneidet hat. Es soll ihm unvergeß⸗ lich bleiben, wie er unsere Landeskirche in den schweren Zeiten nach der Revolution geleitet hat. Unsere neue Kirchenverfassung ist zu nicht geringem Teile sein Werk Noch in den Verhandlungen der Synode selbst, die sei— nen Nachfolger wählte, hat er oft und vielfach mit gro— ßem Geschick und mit erstaunlicher Frische in die Ver⸗ handlungen eingegriffen. Gott gebe dem neuen Präsi—⸗ denten zu seinem verantwortungsvollen und schwierigen Amte, besonders aber auch für seine kommenden Ver— handlungen mit der Staatsregierung in reichem Maße Weisheit und Kraft! Den meisten Raum in den Verhandlungen nahmen die Kirchensteuerfrage und die Beratung über den Haushaltsplan der Landeskirche ein. Die Kirchensteuer— not ist bei uns in Sachsen auf einen Höhepunkt gestie— gen, der kaum überboten werden kann, und doch ließe sich für den Augenblick noch keine grundlegende Neu— gestaltung des ganzen Kirchensteuerverfahrens errei— chen, sondern nur kleine Verbesserungen, da dieses in einem Staatsgesetz verankert ist, dessen Abänderung zwar die Synode lebhaft beantragen, jedoch nicht von sich aus bewerkstelligen konnte. Man kann nur dringend wünschen, daß die von der Synode aufgestellten Richt— linien für die künftige neue Ordnung des Kirchensteuer— wesens die Billigung des Landtages finden möchte. Die Synode hat ferner einen sozialen Ausschuß ins Leben gerufen, der auch bereits mit ⸗wei sozialen Kund— gebungen hervorgetreten ist, und sich die Bearbeitung wichtiger sozialer Tragen zur Aufgabe gemacht hat Dieser Schritt lag allerdings in der Linie, die durch die Beschlüsse des Betheler Kirchenausschusses bereits vor— gezeichnet waren. Besonders lebhaft setzte sich die Sy— node für die Umgestaltung des berüchtigten sächsischen Kirchenaustrittsgesetzes ein. Dieses Gesetz, ein echtes Revolutionsprodukt, aus dem Jahre 1919. bedeutet die übelste Vergewaltigung, welche unsere Kirche seit 1918 über sich ergehen lassen mußte. Es schaltet beim Aus— trittsverfahren die Kirche völlig aus, beseitigt jegliche Ueberlegungsfrist und ermöglicht es, daß bexeits 14 jährige ohne jede elterliche Mitwirkung rechtsverbind— liche Erklärungen abgeben dürfen. In starkem Maße wurde die Synode auch durch die Schulfragen beschäftigt. Sie machte aufs neue Forde— rung nach dem Reichsschulgesetz geltend und protestierte gegen die oben gekennzeichneten Aenderungen auf dem Gebiet des Religionsunterrichts in den höheren Schulen. Die Leidenszeit unserer sächsischen Landeskirche ist noch nicht beendet. Gott gebe, daß diese lange Leidens— zeit zugleich auch eine Läuterungszeit für sie werde! Kircher, Coswig b. Dresden. Was kann uns reiten? Ueber die Frage: Was kann uns retten? hat in der vorigen Woche der deutschnationale Reichstagsabgeord— nete und Vorsitzende des Kirchlich-sozialen Bundes D. Mumm an verschiedenen Orten Württembergs, als Frau. Versieh deine Wirtschaft, das ist vernünftiger“, und krachend warf er die Tür in das Schloß, ging zur Schwieger— mutter hinüber, sagte ihr, daß er zu einer Sitzung der Fabrik wegen müßte und ging fort. Was sollte er heute nun daheim die Jammermiene mit an— sehen? Besser, sie fand sich allein zurecht. Wozu auch hatte er die klingenden Taler seiner Mutter? Ex sollte sich doch erholen. O, sie würde jetzt mit ihm zufrieden sein; er handelte nach ihrem Willen und löste sein Versprechen glänzend. Als Urle ihn fortgehen hörte, löste sich ihre Erstarrung. Sie bückte sich, hob das zerknüllte Blatt auf, glättete es und schloß es in die Truhe. Dann stand sie lange vor dem Bilde ihres Großvaters. Wie sagte er noch kurz vor seinem Tode:„Hütet sie gut; in dem Kopf steckt etwas Absonderliches“— und nun es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht. Man meint, alle gestorbenen Blümchen bei dem Ausspruch zu sehen. Auch in ihrem Herzen wellte man gewaltsam die Blumen mit rauher Hand. Nun nahm er ihr das Liebste, das Heiligste ihres Her— gens! Zwei schwere Tränen rollten über ihre erblaßten Wangen. Warum tat er ihr so bitter weh? Sie versäumte doch nie etwas darum. Wie froh war sie, daß Mutter und Dore keine Zeit fan— den, nach ihr zu sehen. Sie sollten ja nicht wissen, wie weh ihr geschehen. Da hieß es auskämpfen, ganz allein; er war ja ihr Mann, es würden ja doch Tage kommen, wo es niemand merkte, wenn sie schrieb, und sie würde schon ein Plätzchen finden, wo sie es verbarg, freilich nur, wenn die Lieder ihr in Leid oder Freud das Herz sprengen wollten. Warum verstanden sie sich nur so schwer? Sie hatten sich doch lieb. Ueber die vollständig anderen Glaubensansichten, die sie frei nach eigenem Sinnen, in ihrem Herzen unumstößlich, göttlich ideal aufgebaut, fanden sie sich fest und sicher zusammen; aber die anerzogene Denkungs— art, der unter dem Druck von daheim stehende unselbständige Charakter, kam immer wieder trennend, so schmerzlich trennend zum Durchbruch. Nach dem Unterricht am Nachmittage ging sie zu Dore und bat:„Du sagtest mir, du habest so viel Arbeiten fertigzustellen. Kann ich dir nicht helfen? Ich habe sehr viel freie Stunden!“ Allf der Warte. hai, der wichtige Ausfuhrhafen Chinas, ist in ihren Be⸗ sitz gefallen. Die Wichtigkeit des Platzes wird erst recht deutlich, wenn man erfährt, daß die Hälfte der Ausfuhr Chinas durch diese Stadt geht, jährlich etwa 70 Millio⸗ nen Mark Zölle hier erhoben werden.— Während dort im fernen Osten ein unseliger Krieg schon jahrelang tobt, dessen Ende noch nicht abzusehen ist, wächst in Europa die Kriegsgefahr. Kaum ist die Spannung Italien⸗Frankreich beseitigt, entsteht ein neuer Konflikt zwischen Italien und Jugoflawien. wien grenzt, eine Vorherrschaft erringen, wenn nicht so⸗ gar das Land in seine Botmäßigkeit bringen. Da wer⸗ den die Nachbarn mißtrauisch! Es ist schon zu erregen⸗ den Zwischenfällen gekommen. Wieder liegt es an den Völkerbunds-Großmächten, nach jener Seite hin einen Druck auszuüben, damit sich der Konflikt nicht weiter entwickele. Nur traurig, daß das Druckmittel jeweils die im Hintergrunde befindliche Kriegsmacht des inter— venierenden Staates sein muß!— Aus Japan kommt die bedeutsame Meldung, daß in Kürze die christlichen Religionen der japanischen Staatsreligion gleichgestellt werden sollen. Ein evangelischer und ein katholischer Vertreter haben bei der Aufstellung des Gesetzes mitge⸗ wirkt. Die Handelsvertrags-Unterhandlungen Deutschlands mit Frankreich scheinen in bezug auf die Einfuhrfrage für französischen Wein leider zu Ungun⸗ sten unserer doch schon so schwer geschädigten deutschen Winzer auszugehen. Was helfen alle Staatskredite für unsere Winzerschaft, wenn wir auf der anderen Seite mit billigem ausländischen Wein überschwemmt wer⸗ den.— Das Reichskabinett hat erfreulicherweise den Ausgang der Genfer Tagung gebilligt, was wir in der letzten Nummer für sehr wünschenswert hielten.— Der Reichswirtschaftsminister Curtius zeigte wieder ein— mal die traurige Lage der deutschen Wirtschaft bei der Beratung des Etats. Die Daweslast des Jahres be— trägt allein 4—5 Prozent des Volkseinkommens. Un⸗ sere Ausfuhr bleibt immer noch 35—40 Prozent hinter Friedenszeiten zurück. Wer diese Zahlen überdenkt, wird sich der Schwierigkeit des wirtschaftlichen Aufstiegs Deutschlands klar werden.— In Hessen tritt am 9. März noch einmal der Landtag zusammen.— Man hat Stelle angedeuteten Besetzung des hessischen Gesandt⸗ schaftspostens in Berlin gegriffen. Die ganze Sache hatte zu viel Staub aufgewirbelt und wurde bis nach Aufsehen erregte eine ungeheure Spritschiebung der „Mariakron“-Brennerei der Firma Nödling in Oppen⸗ heim, wodurch der Staat nachweisbar um Millionen ge⸗ schädigt wurde. Der Provinzialtag Rheinhessens nahm geschlossen gegen die eine Stimme des Kommunisten Sumpf folgende bedeutsame Entschließung an: Der Provinzialtag der Provinz Rheinhessen be— grüßt die Erfolge, die bis jetzt auf außenpolitischem Gebiet zu verzeichnen sind, als Vorbedeutung für Deutschlands bessere Zukunft. Er hofft zuversicht— lich, daß es der Reichsregierung gelingt, der Be— ständigung zwischen den westlichen Mächten und uns Deutschen ein stetes Hindernis sein muß, ein friedliches Ende zu bereiten. unterstützen. arbeiten.“ „Sei still, Dore, frage nicht danach— Hans will es nicht!“ Ich schreibe nicht mehr, Zorn die Zügel schießen. Doch es fand keinen Widerhall bei Urle. Es war so schmerzstill in ihrem Innern. „Laß es nur gut sein, meine Dore. sie mußte ihr versprechen, nie etwas davon verlauten zu lassen, So begann sie allmählich zu arbeiten, diese mechanische, geisttötende Arbeit, welche die Seele allein läßt mit ihrer großen Theorie; aber sie war so an Tätigkeit gewöhnt. Der Haushalt nahm sie nicht vollständig in Anspruch; Mutter half mit und besorgte die groben Arbeiten. O, diese Aufwartung! Wie wird ihr großer Hans sie aus⸗ lachen ob ihrer unangebrachten Gutmütigkeit in diesem Lande der Lügen. Mutter wäre krank, und sie gab fast täglich Erfrischungen usw. brennen und dazu beten, um die Schmerzen zu lindern. Sie konnte nicht zur Arbeit dableiben, borgte sich 15 Mark, weil die Pflege sehr große Anforderungen für ihre Verhältnisse stelle und tags darauf kam der traurige Bescheid vom Tode der Mutter. Urle besorgte deshalb den Weg zum Bäcker selbst und traf die gestorbene Mutter wohlauf im Laden. „Tageslauf hier“, lachte die Bäckersfrau. haben noch den letzten Rest von allem Guten ausgerottet.“ unendlich lang gewesen. er, sonst nichts. Urle und sie empfand es in vollem Umfange Die Kantonesen haben ihr Ziel erreicht: Schang⸗ Das expansions⸗ f lustige Italien möchte in Albanien, das an Jugosla- d nun doch nicht zu der vor einigen Wochen an dieser den hessischen Landtagswahlen im Herbst vertagt. Hof-. fentlich haben wir dann von der evangelischen Volks gemeinschaft auch ein Wort mitzurden.— Allgemeines setzung rheinischen Bodens, die der wahren Ver- Wir können von unserem evangelischen Standpunkt aus diese, auf den Frieden hinarbeitende Resolution nur „Herzchen, so schreibe! Du versichertest mir gestern erst, du fändest gar nicht durch, so verschiedene Ideen möchtest du ven, Da schluchzte sie tief auf, als dränge alle Qual heraus: Erst stand Dore wie versteinert, dann ließ sie ihrem gerechten Sie beruhigte sie und Die gefühllose Person hatte ihr vorgelogen, ihre mit, dann erzählte sie weiter, sie müßten große geweihte Kerzen „Die Fabriken Erst gegen Morgen um 3 Uhr kam Hans heim. Wie hatte sie jeden Glockenschlag gezählt und gewartet; die Nacht war so Er fand kein Wort der Entschuldigung. Er gewann einen neuen Freund, Leutnant Weber, das erzählte Aber das trauteste Glück fand doch wieder seinen Weg Ju Das war, wie bern eden urch feht! Linkef der g. fen haben Ind 9 fach u ober; da A Nauf Ufer uns J datau sattei Hier f 117 der Konk ung 5 Kuche fe hebe dn ke orm den B Wirt Württ gcgebe Mun, ate Lahr ug 5 den b Hor de K Alat — ami 0 sojo Ahnen Es 1 4 Sonnabend, den 26. März 1927. u. a. auch in Korntal, gesprochen. D. Mumm gehört zu den wenigen Männern unseres öffentlichen Lebens, die dag erkannt haben, daß der Grund unseres nationalen und 0 sozialen Elends in der bkehr vom klaren Willen Got— N 1 tes zu suchen ist, und daß die Christen deshalb in die ah, Kampffront des öffentlichen Lebens zu treten haben, 5 dem Willen Gottes Gehör und Gehorsam zu ver du, schaffen. Aber, wenn man ihn fragt, wo sich diese zum dan Dienst bereiten Christen sammeln sollen, dann verweist h Her auf die Programme der Parteien, vor allem auf das an Programm der D. N. V. P. Als ob unserem armen al Volke mit solchen Programmen geholfen werden könnte! , D. Mumm scheint den ganzen Ernst der Fragestellung gal, der Gegenwart noch nicht empfunden zu haben. Es geht heute wahrhaftig nicht mehr darum, ob es möglich ci un, ist, mit Hilfe einer großen Partei für die Kirche oder sege, die christliche Schule eine möglichst wirksame staatliche id, Hilfsstellung zu schaffen, sondern die große Frage ist die, einn, ob die erneuernden Kräfte unseres christlichen Glaubens dein, stark genug sind, die großen Fragen unseres politischen we und sozialen Lebens zu meistern. Wir als Christen int, wollen nichts vom Staat erwarten, wir sind vielmehr am der Ueberzeugung, daß die gestaltenden Kräfte des lichen Evangeliums dem siechen Staatskörper sehr wohl neues estell Leben zuführen können. Die darinliegende Aufgabe lic des Zeugnisses und des Dienstes der Christen ist eine mitg, Tat des Glaubens und des Gehorsams. Die Frage des unge persönlichen Erfolgs scheidet dabei zunächst aus, auf f d jeden Fall wird der Sieg der Sache, die Gottes ist, nicht gun durch Zahlen oder Organisationen bestimmt. Man isch, sieht immer so gerne herab auf den Materialismus der tte flu. Linken, und selbst fühlt man sich mit der Vertretung Sehe der Forderungen Gottes nur sicher und geborgen im gro— we ßen Haufen oder in einer starken Organisation! Wir e n haben diesem Materialismus ein für allemal abgesagt, in d und vertrauen allein auf die sieghafte Kraft des heute -D noch ungeschwächt wirkenden Geistes Gottes. Wer wagt e, aber zu behaupten, daß die Parteien, denen D. Mumm Lid das Wort redet, gewillt seien, dem Wirken dieser Kräfte es h. Raum zu geben? Ihnen kommt es nicht darauf an, ih unser öffentliches Leben durch die Kräfte des Evange— hing lums zu erneuern, sondern ihr Streben ist vielmehr den!“ darauf gerichtet, das Christentum in den Dienst ihrer ft; parteipolitischen und standesegoistischen Ziele zu stellen. m J. Hier mitzumachen, ist uns trotz D. Mumm nicht möglich. an h.(„Christlicher Volksdienst“ Nr. 11 vom 12. März 19279) de and“ Versthiedenes. g Konkordat oder Staatsgesetz? die Ordination unter Assistenz sämtlicher Missionare. — 2———— rechte bedeutet und die Gewissensfreiheit aufs äußerste bedroht. Die evangelische Arbeiterbewegung. . Unter Arbeitervereinen stellt man sich gewöhnlich sozialdemokratische oder römisch-katholische vor. Daß es auch evangelische Arbeitervereine in nennenswerter An— zahl gibt, ist vielen immer noch unbekannt. Am 1. Ok⸗ tober 1925 betrug die Zahl der im Gesamtverband evangelischer Arbeitervereine zusammengeschlossenen Organisationen 657, die 93.397 Mitglieder zählten. Neben diesen Männervereinen stehen 117 evangelische Arbeiterinnenvereine, die 8 500 Mitglieder haben. Die evangelische Arbeiterpresse besitzt zur Stunde 12 Blätter. 31 Berufsarbeiter sind in der Bewegung tätig. Die Jugend hat sich zu einem Verband Evangelischer Arbei terjugend zusammengeschlossen. * Römisch⸗katholische Unduldsamkeit. Wie das„Evangelische Kirchenblatt“ für Posen Nr. 1/2 erzählt, starb unlängst in Nowy Sacz eine junge Protestantin. Die Eltern gaben eine Traueranzeige in Auftrag, in der mitgeteilt wurde, die Tote sei heimge— gangen,„versehen mit dem heiligen Sakrament“. Der Drucker setzte sich ohne Wissen des Auftraggebers mit den katholischen Geistlichen des Ortes in Verbindung, die alsbald diese Wendung für unzulässiag erklärten, offenbar, weil sie die Bezeichnung„Sakrament“ aus schließlich für die römisch-katholische Kirche in Anspruch nehmen. Darauf änderte der Drucker eigenmächtig den Text der Anzeige in„versehen mit den heiligen Tröstungen“. Wedding⸗„Bildung“. Im Berliner Verwaltungsbezirk Wedding hat der Ausschuß für Kunst und Wissenschaft unter dem Vor sitze des Stadtrats und Rektors Rinek beschlossen, aus der städtischen Lesehalle im genannten Bezirk Bibel, Gesangbücher und andere religiöse Bücher zu entfernen. Religiöse Bücher in einer öffentlichen Lesehalle seien geeignet, Anstoß zu erregen. Wer solche Bücher lesen wolle, solle sie sich anschaffen. Die bürgerliche Minder heit erhob zwar gegen diese„Adolf Hoffmann“-Ansich— ten Einspruch, genützt hat es nichts. Der Beschluß ist bereits ausgeführt worden. Um zu verhindern, daß Bibel und Gesangbuch der Verbrennung verfielen, sind sie den Kirchenbehörden im Bezirk Wedding zugestellt worden. Wenn einmal die Geschichte des geistigen und sittlichen Niederbruchs und der seelischen Verrohung unserer Zeit geschrieben werden wird, wird dieser„Hel den“-Tat vom Wedding ein besonderer„Ehren“-Platz eingeräumt werden müssen. Die Schleswig⸗Holsteinische Missionsgesellschaft zu Breklum wird am 10. April(Sonntag Palmarum) den 50. Gedenktag der Einweihung ihrer Anstalt begehen. Der damalige General— superintendent von Schleswig, D. Godt, hielt die Weiherede im Betsaal der neuen Anstalt, worauf der Gründer der Mission, Pastor Jensen, in der Kirche sein unvergeßliches Glaubens— zeugnis über den Missionsbefehl des Herrn ablegte. Die Missionsanstalt ist aus einem„Lutherhof“ hervorgegangen, d. h. aus einem Bauernhof, der sich Geschlechter hindurch in den Hän— den von Nachkommen Luthers bzw. einer Seitenlinie befunden hat. Propst emer. Hansen aus Kappeln, der vor 50 Jahren an der Einweihung teilgenommen hat, wird am 10. April in Breklum die Festpredigt halten. Die Missionsgesellschaft hat seit Herbst vorigen Jahres ihr Hauptarbeitsfeld in Indien mit vier Missionaren und zwei Flensburger Diakonissen wieder in An— griff genommen. Die Zahl ihrer Christen beträgt 20000. Am 6. Februar wurden in Kotapad zwei Eingeborene zu Pastoren ordiniert. Missionar Gloyer, Pastor von Süderlügum, vollzog In dem e e von der Breklumer Mission gegründeten Aussätzigenasyl Phila delphig bei Salur sind 100 Aussätzige untergebracht, die größten teils Christen geworden sind. Ein christlicher Arzt in Salur, der ihnen einen wesentlichen Teil seiner Zeit widmet, erzielt unter ihnen mit der neuen Behandlungsmethode gute Resultate. Auf dem zweiten Arbeitsfeld der Mission in Süd-Ching wurden in Limtschau, wie in ganz China, zur Weihnachtszeit Demon— strationszüge gegen das Christentum und die Mission gehalten; die treibenden Kräfte waren, wie allerwärts, die„Studenten“, Wahrscheinlich war in Limtschau eine Störung der Missions arbeit geplant. Aber als der Demonstrationszug herannahte, besetzte plötzlich eine vom Magistrat gesandte Postenkette den Eingang zur Station, und so blieb die Station unbehelligt. Der Magistrat hatte diese Schutzmaßnahme aus freien Stücken, ohne Bitte seitens der Mission, getroffen. Die Mission in Limtschau steht in hohem Ansehen. Aus unserer Bewegung. Guntersblum. Im hiesigen Ort fand eine erste vorberei tende Versammlung der Evangelischen Volksgemeinschaft am Sonntag, den 20. März, im„Pfälzer Hof“ statt. Nach Rese raten der Herren Proescher und Greb konnte der Weg zu einer Ortsgruppe vorbereitet werden. Vetrauensleute in Gun tersblum sind die Herren Schniering und Fleischmanmn. Demnächst findet eine größere Versammlung statt. In Höchst a. M. fand am 3. März die erste Vierteljahrs versammlung unserer Mitglieder und Freunde im neuen Jahre statt. Vor zahlreichen Zuhöhrern sprach Herr Stadtverordneter Kümper- Frankfurt a. M. über„Die soztalen Auf gaben der E. V.“ und erwärmte die Herzen der Anwesenden für tatträftiges und zielbewußtes soziales Arbeiten. Der Vor sitzende der Ortsgruppe, Herr Pfarrer Ide, gab Bericht über den gegenwärtigen Stand unserer Bewegung. Die Versamm— lung nahm mit Freuden Kenntnis von den Fortschritten in der jüngsten Zeit, und die Mitglieder erklärten sich bereit zur Unter stützung der Werbearbeit(Kauf eines Autos für die Reichs— geschäftsstelle), den Jahresbeitrag für 1928 schon jetzt im vor aus zu zahlen. In Königstein(Taunus) sprachen am 16. März Herr Pfar rer Ide über die Evangelische Volksgemeinschaft. Der Ortspfarrer von Königstein, Herr Hofprediger Bender, hatte um einen Vortrag über die E. V. gebeten und das Ge— meindehaus zu der Versammlung zur Verfügung gestellt. Die zahlreiche Zuhörerschaft, welche sich aus Gliedern aller Stände und aus Mitgliedern aller politischen Parteien zusammensetzte, folgte mit sichtlichem Interesse und lebhaftem Beifall den Aus— führungen des Redners, der aus der wirtschaftlichen, sittlichen und konfessionellen Not die Notwendigkeit einer bewußt evan gelischen politischen Partei erkennen ließ. In der lebhaften Aussprache, die sich an den Vortrag anschloß, erlebte der Redner dasselbe, was unsere Redner in allen Orten hören, wo die E. V. zum ersten Male auftritt, die Fragen: Warum ruft man uns erst jetzt auf den Plan? Warum sind wir nicht längst nach dieser Seite hin aufgeklärt? Und wieder wurde die viel gehörte Klage über das Fehlen einer bewußt evangelischen Presse laut. So war es verständlich, daß unsere„Evangelische Wart eie von welcher Probeexemplare verteilt waren, von zahlreichen Anwesenden sofort bestellt wurde. Auch meldete sich eine statt— liche Anzahl sofort als Mitglieder der E. V. Herr Rechnungs rat Demme wurde von der Versammlung als Obmann ge— wählt, welcher eine zweite Versammlung vorbereiten soll, in der die Ortsgruppe Königstein errichtet und der Vorstand ge— wählt werden soll. Wir wünschen unseren neuen Königsteiner Freunden rechten Erfolg in ihrer Werbearbeit und begrüßen sie herzlich als Mitarbeiter an unserer guten Sache. Oppenheim. Nach einem Referat des Herrn Studienrat Proescher in Mainz über die„Evangelische Volksgemein— schaft“ kommt auch hier die politische Bewegung der Evangeli— schen in Fluß. Vertrauensleute sind die Herren Ziegler und Wolpert. Weisenau b. Mainz. Hier fand am Samstag, den 19. März, eine gut besuchte Versammlung der Evangelischen Volksgemein— Wull⸗ Die amtlichen Erklärungen der letzten Zeit haben fein der Annahme, daß ein Reichskonkordat ebenso wie ein 0„Konkordat mit Preußen vorbereitet wird, neue Nah— De, rung gegeben. Vielfach herrscht die Auffassung, daß eine seng“ Neuregelung der Beziehungen zwischen Staat und fab, Kirche sich aus der durch die Weimarer Verfassung ge⸗ une, schaffenen staatlichen Neuordnung als Notwendigkeit ergebe, und ein Konkordat daher nicht umgangen wer⸗ sen be den könne. Man übersieht aber dabei, daß auch die ti Form eines Staatsgesetzes statt eines Konkordates die⸗ ag sem Bedürfnis zu genügen vermag. Diesen Weg haben ersch Württemberg und der Freistaat Sachsen beschritten. In el f 1 Württemberg hat sogar die Zentrumspartei nachher zu⸗ 1 W. gegeben, daß sie keinen Anlaß habe, die dort gefundene Lösung zu bedauern. Dieser Weg wäre sicherlich auch 15 1 sonst gangbar. Er würde unter dem Gesichtspunkt der „%% Wahrung der staatlichen Interessen unbedingt den Vor⸗ zug verdienen. Nach den Erfahrungen, die man mit mea, dem bayrischen Konkordat gemacht hat, ist die wachsende ne Besorgnis weiter Kreise nur zu erklärlich, daß der Weg des Konkordates zu Abmachungen führt, die für den Staat Verzicht auf einen wichtigen Teil seiner Hoheits— —x———j—— en Aaemi geboren wurde. Auch Hans war überglücklich, schrieb u, es sofort nach Haus; aber kein Glückwunsch kam, keine teil— nehmende Frage: wie geht es der jungen Mutter? hell Es war ja überhaupt nur ein Mädchen, das erst den zweiten tnc Platz im Herzen beanspruchen durfte, ja Ludmilla! Die hatte geopfert und gebetet und auch einem Knaben acht Wochen vor⸗ geh Sher das Leben geschenkt. Hans erhielt freilich einen Brief seiner ol“ Mutter, aber sie erhielt nur die Mahnung: Vergiß nicht, das Kind muß am dritten Tage getauft werden. Ich habe als Paten Ludmilla und deinen Onkel Hubertus Wendtland bestellt. Es u li N erhält die Namen der Paten. ante! 1 Hans sann vergeblich, wie er Urle das beibrachte. Handelte a, er dem ganz zuwider, war der alte Zorn erweckt. Sein Wesen Hauch m war im Grunde viel zu ehrlich, um darin Nat zu finden. Des⸗ halb legte er einfach den Brief in ihre Hände. Sie las ihn, wohl nach einem lieben Wort suchend; dann blitzten ihre Augen zornig. Sie richtete sich in halbsitzender Stel— lung auf und zeigte nach dem Kinde:„Gehört das Kind, welches da im Bettchen schläft, mir oder deiner Mutter?“ Er strich wie sonst liebkosend über ihr volles Haar. Das unge Weib, das noch nicht die Kräfte wieder erlangte, litt schwerer als in gesunden Tagen und am Abend lag sie fiebernd, chwer krank. Trotzdem durfte er keinen Vorwurf gegen seine Mutter erheben. Er mußte schweigen, schweigen um jeden Preis, weil er ihrer Hilfe bedurfte. Die Jugend errang den Sieg. Nach bangen vier Wochen durfte Urle aufstehen, und wieder bezwang sie sich um seinet— villen. Naemi erhielt die verhaßten Paten, aber nicht deren Namen. Einige Zeit darauf fuhr Hans nach Haus und nahm seine Geschäftsbücher mit, bat seinen Schwager, gleichzeitig einzu— ja später von seinem Vermögen; gekürzt konnte niemand werden. Pater Markus beruhigte nach dem mißglückten Glaubens— streit damals Frau Petronella mit dem gehässigen Ausspruch: „Wenn die gebenedeite Mutter Gottes hilft, dann kniet die Ketzerin noch im Staube vor uns!“ Frau Petronella triumphierte. War das nicht ein Schritt ihrem heißesten Wunsche näher? Hans hätte sich das wohl nie träumen lassen. Hoffnungsarm reiste er zurück; denn jeder, wo er auch anklopfte, war von dem Vorurteil befangen: wo die Mutter sich zurückzieht, muß es doch auf der letzten Sprosse stehen. „Lieber trockenes Brot essen, als von dort einen Pfennig nehmen“, sagte Urle, als ihr Hans in der ersten Aufwallung die ganze Verhandlung erzählte und da keine Pforte sich ihnen öffnete, fallierte die kleine Fabrik, die so glänzend im Ent⸗ stehen war. Qualvoll war Urle der Tag von seinem ersten Grauen an, bis die Dämmerung ihn verhüllend endete. Aber nicht lange gab sie sich dem Schmerze hin. Immer schneller wanderten die fertigten Arbeiten zu Dore in ihre Lehrzimmer. Wie sagte einst ihre stille kluge Großmutter?„Die Axt des Mannes ist schwer, die Nadel der Frau schwerer!“ Sie lachte als sorgloses Kind so herzhaft darüber. Heute verstand sie die ganze Schwere des Wortes; aber sie besaß ja ihre mutige Dore und fleißige Mutter. Sie arbeiteten und sorgten vereint, und ihr Glück alles tragen zu können war Naemi, das süße Geschöpf mit den lachenden Augen und dem vollen Blondhaar der Mutter Hans fand nicht so schnell einen ihm zusagenden Wirkungs— kreis. Alle Mühe war vergeblich. Eben war er wieder aus— gegangen, um mit einem Herrn Rücksprache zu nehmen. Da traf ein Brief von Königsborn ein. Wie Urle diese Episteln haßte, die nur beständig ihr ganzes Leben aufrührten, alles vernichteteen wie ein Sirocco! Dieses Mal enthielt der Brief keine näheren Angaben. Kurz und bün dig verlangte seine Mutter, Hans solle wichtiger Vorgänge halber auf einige Zeit kommen. 2 an den ungünstigen Einfluß von daheim, wie verändert er immer zurückkehrte. „Selbstredend fahre ich. Wer weiß, was da wieder in Un⸗ ordnung geraten ist. Jedenfalls werde ich mir die Geschichte erst einmal näher beleuchten“, scherzte er.„Nun sieh mich nicht so leidvoll an, als müßte ich eine Weltreise antreten und könnte in Teufels Küche geraten. Ich schreibe dir tägliche, und fort war er. Wieviel freie Zeit würde hr nunmehr bleiben, wo sie schaf— fen und arbeiten konnte, es sonst sogar oft Mitternacht vorüber, wenn sie ihr Lager aufsuchte. Ihre Kasse füllte sich aber auch zusehends. 385 Mark waren es heute geworden; sie hatte ja fast keine Ausgaben; Dore und Mutter bestritten alles. Heute abend blieb sie ganz allein mit Naemi, ein seltener Fall. Mutter und Dore waren zur Verlobungsseier bei einer Schülerin. Naemi schlief fest; sie hatte ihre Fäustchen gegen die roten Schlafbäckchen gepreßt: ein Bild traumsüßen Friedens, Urle blickte lange das kleine Geschöpf an; dann ging sie hinaus, um sich an ihre Arbeit zu setzen. Ach nein, die Hände wurden ihr so heiß. Es war, als halte eine unsichtbare Macht sie fest. Sie warf plötzlich ihre Stickerei in einen Arbeitskorb, holte einen Bleistift vom Schreibzeug und schrieb auf einen alten Papierfetzen: Wie hab' ich mich gesehnt nach jenen Tagen, Wo alle Genien, die in mir schliesen, Erwachend nach des Lebens Lichtglanz riefen Und voll beschwingt den Weg zur Höhe wagen, Ich habe mich gesehnt! Und voll Erstaunen Ließ ich die Seele dann am Liedborn nippen, Sie labte ihre glühenden Singelippen Und lauschte zitternd, was die Götter raunen. e Ee Da wurde heftig an die Schelle gedrückt. Wer kam in, so später Stunde? Wie auf böser Tat ertappt schob sie hastig den Zettel in ihre Kleidertasche. Die Uhr hub gerade an 9 zu schlagen. Wieder schellte der Ungeduldige. Sie ging, um zu öffnen, Fortsetzung folgt. 0 156 reffen. Arle blickte ihn angsterfüllt an, als er Abschied nahm; eil aber er zerstreute lächelnd ihre Sorgen. Die Fabrik ging sehr Zut; auch sein Kompagnon war eine ehrliche Haut. Eine helle Ba Zukunft winkte ihnen; aber das Betriebskapital war Ju klein. 95. Da wollte er Mutter um ein paar Tausend bitten. Es ging „Gelt, du wirst nicht reisen“, bat Urle angstvoll und dachte 2 I N — —— —— Sonnabend, den 26. März 1927. Nach der Eröffnung der Sitzung durch den Orts⸗ schaft statt. gruppenvorsitzenden, Herrn Lehrer Greb, der Freunde der Ortsgruppen Mainz und Laubenheim begrüßen konnte. sprach zunächst der Reichsgeschäftsführer Pfarrer Weidner über das Thema„Bedeutung und Entwicklung der Evangelischen Volks⸗ gemeinschaft“, daran anschließend Stadtverordneter Kümper⸗ Frankfurt über„Soziale Aufgaben in Stadt und Land“. Rei⸗ cher Beifall lohnte die Ausführungen. In der anregend ver⸗ „Evangelische Warte“ laufenen Diskussion ergriffen die Herren Studienrat Proescher— Mainz, Lehrer Werner-Weisenau und ein Vertreter der Sozial⸗ demokratie, Beigeordneter Hufschmitt-Weisenau das Wort. Von letzterer Seite aus wurde die E. V. nicht bekämpft, im Gegen⸗ teil, eine Reihe von Grundsätzen als gut anerkannt. Die weni⸗ gen Aussetzungen, die Herr Hufschmitt an den e eee der Referenten zu machen hatte, konnten von diesen mit Leich⸗ tigkeit widerlegt werden. Die beiden anderen Diskussionsred⸗ ner prachen im Sinne Der E. V. Nach Mitternacht wurde die Versammlung mit Dankesworten durch den Vorsitzenden der Ortsgruppe geschlossen. Ueberraschenderweise brachte der Abend ohne jegliche Aufforderung weitere Beitritte, ein Zeichen dafür, wie sich unsere Bewegung immer weiter durchsetzt. (Weitere Berichte über Versammlungen müssen bis zur nächsten Nummer zurückgestellt werden. D. Schriftltg.) 555%%%ù ¾ o ↄ T ↄ ↄ˙»(T S SSC Cel eee, J e Im Familienkreis D ( ³˖Üw7 ꝛ˙¹i•w SS SSC See T7770 KKK Ijt ein Leben nach dem Tode denkbar? Eine volkstümliche Betrachtung von F. Haupt⸗Gießen. 1. Fortsetzung. In einer meiner früheren Gemeinden war ein politischer Führer, der politisch ganz anders dachte als ich, ein sehr nach⸗ denklicher Mensch. Gar manchmal haben wir beieinander ge— sessen und miteinander gegrübelt. Er besuchte auch stets die evangelischen Vortragsabende und ergriff in der Diskussion das Wort. Ich höre noch heute, wie er eines Tages sagte:„Sie mögen in Vielem recht haben, aber an eine Seele kann ich nicht glauben. Der Mensch ist eine Maschine aus Fleisch und Blut, sonst weiter nichts. Später bekam seine Frau die Schwindsucht. Die Sterbende bat ihn, die Menschenseele sehen lassen. In wenigen Wochen wurde die arme Frau eine völlige Ruine. Sie war schließlich so schwach, daß sie sich kaum noch bewegen konnte. Das aber war das merkwürdige bei dieser sterbenden Frau: Obwohl die Körperkräfte schon fast völlig verzehrt waren, lebte etwas in ihr, das von der furchtbaren Krankheit fast gar nicht berührt wurde. Da lag ein völlig zerrütteter Körper, da sprach aber ein lieber Mensch mit einem lieben Menschen, als sei die Krankheit nur ein böser Traum. Als die Frau dann gestorben war, schrieb ich dem Manne, der inzwischen die Heimat hatte verlassen müssen, einen Brief. Ich fragte ihn, ob er die Menschenseele nicht am Sterbebette seiner Frau gesehen habe. Ich wußte, wie er seine Frau liebte, wie mitfühlend er an ihrem Sterbebette gesessen hatte und sich seine Gedanken machte, hatte ich ihn doch damals oft besucht. Er mußte die Menschen⸗ seele gesehen haben. Ich hatte mich nicht getäuscht, denn er schrieb mir: Ja, ich habe die Menschenseele gesehen. Wenn der Mensch bloß Körper wäre, dann hätte mir meine Frau in ihrem Sterben nicht sein können, was sie mir gewesen ist. Aber ich kann dieses geheimnisvolle Etwas in uns noch deutlicher machen. Professor Schleich, ein berühmter Berliner Arzt, hat ein Buch geschrieben mit dem Titel:„Am Schaltwerk der Gedanken.“ In diesem Buch erzählt er einige Erfahrungen aus seiner ärztlichen Praxis, die sich mit unserem Thema be—⸗ schäftigen. Eines Tages besucht er eine junge Dame, die an schwerer Hysterie leidet. Hysterie ist eine Nervenkrankheit. In dem Zimmer, in dem sie sich befindet, steht auf einem Tischchen ein Ventilator, der sich in Bewegung befindet und infolgedessen ein brummendes Geräusch hervorruft. Auf einmal sagt die Dame:„Herr Professor, es ist ja eine Biene im Zimmer.“ „Ach was,“ sagt der Arzt,„Sie täuschen sich. Das Brummen kommt vom Ventilator.“ Da schreit die Dame ganz erregt: „Und es ist doch eine da, eben hat sie mich gestochen.“ Während sie das sagt, fängt die Haut über ihrem Auge an zu schwellen, es entsteht eine richtige Geschwulst, wie wenn sie eine Biene ge— stochen hätte. Es war aber wirklich keine Biene im Zimmer, die Geschwulst war aus Einbildung entstanden. Der Fall zeigt, welchen Einfluß die Seele auf den Körper ausübt. Schließlich ist Aehnliches ja bei jeder Gemütsbewegung zu konstatieren. Auch der seelische Vorgang der Angst hat körperliche Vorgänge zur Folge; er wirkt auf das Herz und das Adersystem. Schleich erzählt dann einen Fall, welcher zeigt, daß die Menschenseele die Maschinerie des Körpers sogar zum Stillstand bringen kann. Eines Tages besucht ihn ein junger Handlungsgehilfe. Er sagt, er habe sich geschnitten und eine Blutvegiftung bekommen; er habe Angst, daß er sterben müsse. Schleich untersucht den Arm, keine Spur von einer Blutvergiftung. Er beruhigt den ängst⸗ lichen Menschen und schickt ihn nach Hause. Der junge Mann hat sich aber nicht beruhigen lassen. Er geht zu einem andern Arzt, der ihm dasselbe sagt wie Schleich. Erregt geht der junge Mann nach Hause. Am nächsten Morgen war er tot, gestorben aus Angst, denn sein Körper war völlig gesund. Aehnliche Fälle sind schon oft genug beobachtet worden. Schon mancher ist aus Angst oder vor Schreck gestorben. Diese Fälle aber zeigen, welch ungeheuren Einfluß die Seele, die so oft geleugnete, auf den Körper ausübt. Deshalb ist es auch verständlich, daß ein junger Student der Medizin plötzlich die Krankheiten bekam, die sein Professor in der Vorlesung behandelte. Von dem katholischen heiligen Franciscus von Assisi wird berichtet, daß sich bei ihm die Wund- und Nägelmale Christi an Händen und Füßen zeig— ten, was übrigens auch von anderen berichtet wird. Heute gibt die Medizin diese sogenannten„Stigmatisationen“ zu. Das ständige Denken an den Gekreuzigten und seine Wunden kann sehr wohl solche Erscheinungen hervorrufen. Der Zustand der Seele wirkt auch heilend auf den Körper; eine starke Seele kann auch einen kranken Körper heilen. Wie oft hat man das im Feld beobachtet! Da kommt ein junger Soldat auf den Haupt- verbandplatz. Eine Kugel hat die Lunge getroffen. Das Blut sickert unaufhörlich durch den Notverband. Beim Abnehmen des⸗ selben sieht er die Luftblasen aus der Lunge aufsteigen. Eine furchtbare Angst überfällt ihn, die Lunge ist ja getroffen, nicht der Arm. Er ist bald gestorben. Neben ihm liegt ein anderer mit demselben Lungenschuß. Die körperlichen Zustände sind die gleichen, nur die Seele des anderen ist stärker. Er sagt sich, bist ja noch ein junger Mensch, kannst was aushalten.„Heute durch die Brust geschossen, morgen wieder an die Front.“ Der war auch tatsächlich bald wieder gesund. Es ist unglaublich, was eine starke Seele in kranken Tagen bedeutet. Es ist bekannt, daß der Arzt, der sich nicht fürchtet, sich auch nicht so leicht bei seinen Krankenbesuchen anstecken wird. Es kommt in kranken Tagen nicht bloß an auf die Medizin, die auf dem Nachttisch steht, sondern auch auf den Seelenzustand. Eine starke Seele wird viel eher gesund als eine schwache. Ich glaube behaupten zu dürfen auf Grund meiner eigenen Erfahrungen am Kranken⸗ bett, daß ein gläubiger Mensch viel eher gesund wird als ein ungläubiger. Religion ist eben Seelenstärkung. Da liegen zwei Leute mit Lungenentzündung. Bei dieser Krankheit werden die Herzkräfte außerordentlich beansprucht. Der eine ist ein un⸗ gläubiger Mensch, er hat jetzt nichts, woran er sich halten kann. Eine furchtbare Angst überfällt ihn, und diese Angst wirkt lähmend auf das Herz; es wird überlastet und bleibt stehen. Der andere ist ein gläubiger Mensch, er sagt sich:„Es kann mir nichts ge⸗ schehen, als was er hat ersehen und was mir selig ist.“ Er lähmt sein Herz nicht durch Angst und wird gesund. Dieser Ein⸗ fluß des Seelischen erstreckt sich nicht bloß auf das Nervensystem, sondern auf den ganzen Körper, wie die oben erwähnten Fälle zeigen. Hier noch ein merkwürdiger Fall, der mir neulich nach einem Vortrage berichtet wurde. Der Betreffende zeigte mir ein rotes Muttermal an seiner Hand und erzählte folgendes: Sein Vater wurde im Kriege 1870 verwundet und lag im La⸗ zarett in Metz, wo ihn die Mutter besuchte. Sie trat gerade ans Krankenbett, als die Krankenschwester den Verband von der Hand des Verwundeten abgenommen hatte. Als die Mutter die blutende Wunde sah, erschrak sie derartig, daß sie ohnmächtig hinfiel. Der Sohn, der einige Wochen später geboren wurde, hatte ein rotes Muttermal auf derselben Stelle der rechten Hand, da die Wunde des Vaters war. Bekanntlich hat der französische Arzt Cous diese starke Beeinflußbarkeit des Körpers durch das Seelische zur Grundlage seiner Heilmethode gemacht. Wir alle sollten mehr auf diese Tatsachen achten. Der Kranke braucht nicht bloß Medizin, er braucht vor allem Seelenpflege. Er sehnt sich auch danach. Deshalb wollten die Soldaten im Felde trotz bester Pflegee, trotz ausgezichneter ärztlicher Hilfe heim zur Mutter Sie wußten, daß deren Nähe, Sorgfalt und Liebe die beste Hilfe in ihrer Lage war. Deshalb gehört auch der Geistliche ans Krankenbett. Seine Einwirkung religiöser Art auf die Seele des Kranken unterstützt die Heilung. Er wird auch nicht ver säumen, das Vertrauen des Kranken zu seinem Arzt zu stärken, Ohne dies Vertrauen, d. h. ohne diese seelische Mitwirkung des Kranken kann der Arzt nicht viel ausrichten. Die doch tat⸗ sächlich vorkommenden Erfolge der Kurpfuscher beruhen ja dar⸗ auf, daß man ihnen oft mehr Vertrauen entgegenbringt als dem Arzt. Ansere heutige Aerztewelt achtet auf diese Zusammen⸗ hänge immer mehr, deshalb arbeitet sie jetzt viel mehr mit der Geistlichkeit auf diesem Gebiete zusammen als früher. Jeden⸗ falls müssen alle die vom Krankenbette ferngehalten werden, die dem Kranken unnötige Furcht einjagen. Jene guten Nach⸗ barn, die von so vielen schrecklichen Fällen zu erzählen wissen, Die Seele regiert den Körper zu seinem Schaden oder Nutzen, wir sind nicht bloß Körper. „Auf den letzten Nervensaiten Spielt ein Spielmann ein Gedicht. Wohl siehst du den Finger gleiten, Doch den Spielmann siehst du nicht“ sagt Schleich. Dieser Spielmann ist die Menschenseele. Ganz moderne Forschungen haben uns dieses Geheimnis Seele in seiner ganzen Größe gezeigt. Ich meine die Forschun— gen des Münchener Arztes von Schrenck-Notzing. Zum ersten Male hat hier ein moderner deutscher Gelehrter die Dinge unter⸗ sucht, mit denen sich sonst nur Spiritisten zu beschäftigen pflegen, Schrenck⸗Notzing ist der Frage nachgegangen: Sind Materiali⸗ sationen möglich? Seit jeher behaupten doch die Spiritisten, daß bei ihren Sitzungen höchst merkwürdige Erscheinungen auf— treten. Von den Medien, jenen ganz besonders gearteten Per⸗ sonen, geht ein rätselhafter Stoff aus, der die Eigenschaft hat, Formen zu bilden. Es zeigen sich Hände, Köpfe, ja ganze Ge— stalten. Die Spiritisten behaupten, dies seien Tote aus dem Jenseits, sie benutzen den Stoff, den ihnen das Medium leiht, um sich zu materialisieren, d. h. sich zu verkörpern. Mit allet wissenschaftlichen Gründlichkeit hat Schrenck-Notzing diese Frage untersucht und in einer Reihe von Schriften, die das größte Auf— sehen in der wissenschaftlichen Welt erregten, seine Ergebnisse vorgelegt. Er benützte bei seinen Forschungen ein Medium, das er in seinen Büchern„Eva C“ nennt. Um von ihm nicht ge⸗ täuscht werden zu können, hat er es vor jeder Sitzung genau untersucht, er griff dabei selbst zur Magenpumpe. Dieselbe pein⸗ liche Antersuchung erstreckte sich natürlich auch auf das Sitzungs⸗ zimmer. Wiederholt hat er das Medium selbst in einen Sac eingenäht und doch traten jene merkwürdigen Erscheinungen, die sogenannten Materialisationen, ein. Ueber die Forschungen Schrenck-Notzings schrieb der Berliner Nervenarzt Dr. von Kapf— „Dieses einzigartige hochbedeutsame Werk des Münchener Psychiatikers wird vielen ein völliges Novum sein. Handelt es sich doch um nichts anderes als die klinische objektive Beweis führung für die Echtheit der sogenannten mediumistischen geister⸗ haften Erscheinungen. Lange genug hat sich die exakte Wissen⸗ schaft gegen den Okkultismus gesträubt und ihn lächerlich ge⸗ macht.“(Fortsetzung foltg.) ) Haben Se Khon 08e Zur Krünpelheim- Ballollerie; Lose überall zu haben, wo unsere Schilder aushängen.— General-Losevertrieb: Beamtenbank Darmstadt, Rheinstraße. Existenz! Organisatorisch besahigten Herren bietet sich Uebersichtl. Geschäftsbuchführung ohne Branchekenntnis u. Kapital glänzende Verdienstmöglichkeit Gehalt u. Provision als Aaulsieur- deneradwerlreler für landwirtschaltliche Fachzeitschrift mit weitgehendster Abonnentensürsorge IVERTRETER in grösser. 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