iur. 9 — chen 95 ast ei d Von hen g eifel mit dn hier cr mit 9 n Wg eine N fende A Evangelische Organ der Evangelischen Volksgemeinschaft arte kadpansseuptschriftleitet: Edwin Hamburger in Staden(Sberhessen). Baltsg derantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger, ifteulshhar den Unterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz. Erscheint Sonnabends.— Bezugspreis 50 Pfennig monatlich. Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzefle auswärts Abonnements⸗ und Anzeigen⸗Annahmestelle Druck und Verlag Albin Klein, Gießen, Südanlage 21 Fernspr. Nr. 2525 u. 2526. Postscheckk. Nr. 44 332 Frkft./ M. 24 Pfg. am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen Vergünstigung. 1. 5 . 99 5 irRücksendung r wird nicht garantiert. vernahn N „ nah. . Jahrgang. Arft Vollsge E. N. Der Streit um das Reichsschulgesetz wird in der Poangelischen Presse weiter fortgesetzt. Weite Kreise, esonders im Norden und in Württemberg, treten mutig für die Bekenntnisschule ein. Es hat mich sehr 8d efreut, daß in Zuschriften die Entschließung der Evan⸗ hes Glad elischen Voltsgemeinschaft gelobt wurde. Sie dürfte nt. Jg urch ihre klar ausgedrückte Duldsamkeit am besten da⸗ Hen if dienen, Nord und Süd zu einen. Leider gibt es in gen em Kampf um das Reichsschulgesetz auch solche die mit Jihöninem gewissen Fanatismus nur ihre eigne Meinung aehron urchsetzen und sie damit den anderen aufzwingen wol⸗ 1 don da en. Jeder Fanatismus ist ungerecht und unduldsam. 5 10 nduldsamkeit aber ist unevangelisch. m ander; Diesen fanatischen Vertretern einer bestimmten nie zun chulart scheint der Schreiber der Zeitnachrichten in e und dall. 37 des„Hannoverschen Sonntagsblattes“ anzuge⸗ euen Ein lören. Er schreibt dort:„Bedauerlich ist es auch, daß e sih milie„Evangelische Volksgemeinschaft“ Hessen, die sich 98 Mam 8 Keimzelle einer Evangelischen Partei betrachtet, t daß d zit Rücksicht auf die Simultanschule des Südwestens 90 heb ie so nötige evangelische Einheitsfront im Kampfe um 5 aas Reichsschulgesetz stört(). Man wird ja sicherlich 5 zue weiteren Zugeständnissen an die eingebürgerte Si⸗ 0 o ultanschule des Südwestens bereit sein müssen. Aber Auch hic saß auch Thüringen als Simultanschulland angesehen derbtansh ird in der Erklärung der Evangelischen Volksgemein⸗ ernie haft, ist unverständlich. Leider geschieht gleiches auch delt eilihsan der Thüringer Kirchenbehörde, während der Thü⸗ Taufen unger Elternbund selbstverständlich für das Reichs⸗ den vielen hulgesetz eintritt.“ . auh, Aus diesen Ausführungen tritt die Unduldsamkeit echesten ganz erschreckender Form zutage. Wer nicht für das wie de feschsschulgesetz eintritt, der erscheint wohl dem Zeit⸗ ies die gachrichtenartikler als ein ganz verworfener Mensch. neter ul such die Thüringer Kirchenregierung bekommt ihr Teil d Hunden h. Wenn eine Kirchenregierung für die Simultan⸗ ente Faß hule in ihrem Lande eintritt, dann darf wohl kaum genommen werden, daß die Simultanschule auch für leses Land als die geeignete Schule sich erwiesen hat. ie Entwicklung der Schulverhältnisse ist eben in den urch Stammesart so verschiedenen Gegenden und Län⸗ ern Deutschlands verschieden. Auf die Eigenart der ler un landesteile muß Rücksicht genommen werden. Ich 5 gench Haube gerne, daß die Simultanschule in manchen Ge⸗ Einwänd genden unseres Vaterlandes absolut unbrauchbar ist, erinnerte, eradeso, wie wir in Südwestdeutschland nicht mit der i Muttis zekenntnisschule kommen dürfen. i ge une, Der Zeitnachrichtenartikler will auch die Meinung kein Gil gerbreiten, daß nur die Mitglieder der EV. in Hessen schnen une ür die duldsame Entschließung gewesen wären. So hem Gch es doch nicht. Auch die anwesenden Vertreter aus b wir dab reußen waren dafür, unsere Mitglieder aus den an⸗ an gehe eren Ländern haben zugestimmt oder durch Enthal⸗ ung von einem Einspruch bekundet, daß wir das rich⸗ n. ach Indien e indischen ige getroffen haben. 0 Des Christen Kampf. 2. Timotheus 2, 3. Leide dich als ein guter Streiter Jesu Christi! Wen mag es wohl geben, der im Leben nur Freude erfah⸗ hat? Das dürfte ein seltener Mensch sein, der das bejahen inn. Im allgemeinen erleben wir gute Tage und schwarze Tage. Bei dem einen sind die Freudentage, bei dem anderen de Trauertage in der Mehrzahl. Aber ohne Trauertage gibt kein Menschenleben. Da ist der Kampf ums Dasein, die wirtschaftlichen Nöte und Hemmungen. Wie machen sie so vie⸗ In das Leben so schwer. Mancher hatte eine schöne, sorgenlose Aergangenheit. Dann kam die Zeit des Rückgangs seines Ar⸗ hälseinkommens. Wie bitter ist es, sich nun von alten Ge⸗ rohnheiten zurückziehen zu müssen. Es langt nicht mehr. Das Enkommen reicht nur, um die bescheidene Lebenshaltung zu bitreiten. Der Sonntag wird in aller Zurückgezogenheit ver⸗ ö 1 An keinem Vereine kann man sich mehr beteiligen. Zu uohltätigen Zwecken, die man früher so gerne unterstützte, kann gan nichts mehr beitragen. Das alles ist so bitter. Oder aber eh muß schwer gearbeitet werden, um das notwendige Geld zum unterhalt der Familie zu beschaffen. Man leidet unter den Aten und Mühen der Arbeit. e Bitterer als dieser Kampf um das Dasein ist aber der Fampf gegen die Sünde der Menschen. Diese machen doch das ten noch viel schwerer. Ist das erste ein Leid unseres Kör⸗ ts, so ist das andere ein Leid für unsere Seele. Wie leiden un seelisch unter dem Bösen, das uns Menschen antun.. knnen wir gar nicht begreifen, warum ein anderer so gegen 1 sündigt. Je feiner unser Gewissen selbst ist, um so härter SS 8 SSS 2 stlft uns die Sünde. Da verstehen wir auch das Wort, 175 Apostel Paulus so väterlich seinem Mitarbeiter Timotheus Sonnabend, den 21. Cepleber 1027. 1 Mehr Dulosamkeit. Besonders unverständlich steht der Schreiber vor der Tatsache, daß eine evangelische Bewegung die Si— multanschule verteidigen kann. Er muß, wenn auch bedauernd, selbst melden, daß die Kirchenregierung Thüringens ebenfalls auf dem Boden der Simultan⸗ schule steht. Was sagt er aber nun zu der folgenden Notiz aus Nassau? In einer gemeinsamen Besprechung haben der Allgemeine Lehrerverein im Regierungsbezirk Wiesbaden, die evange— lischen Religionslehrer und Lehrerinnen der Volks-, Mit⸗ tel⸗ und Höheren Schulen in Nassau, der nassauische Pfarr⸗ Landeskirchenrates in Nassau über die Stellungnahme ihrer Organisationen zur Frage der nassauischen Simultanschule der vorgenannten Körperschaften immer die Erhaltung der bestehenden nassauischen Simultanvolksschulverhältnisse bleibe. Sollte man sich nicht sagen können, wenn so viele von der Simultanschule befriedigt sind, dann muß sie doch nicht so unbrauchbar sein für die evangelische Er—⸗ ziehung unserer Kinder. Diese Leute in Hessen-Nassau haben doch die Erfahrung auch für sich. Warum so un⸗ duldsam sein? Wenn so viele evangelische Vereinigun— gen für die Beibehaltung des seitherigen Schulsystems eintreten, dann kann doch die evangelische Erziehung nicht gefährdet sein! Unsere Evangelische Volksgemein⸗ schaft will gewiß die evangelische Erziehung in Haus und Schule. Daran braucht niemand zu zweifeln. Denn die treu evangelischen Kreise, bis hin zu den Gemeinschaften, stehen schon zum großen Teile in unseren Reihen. Sie würden es nicht tun, wenn sie nicht das Vertrauen hätten, daß bei uns die Inter⸗ dung gewahrt seien. Deshalb begrüßen wir auch die Tagung des„Deut— schen Bundes für Christl-Evang. Erziehung in Haus und Schule“, welche vom 2.—4. Oktober in Gießen tagen will. Das Generalthema dieser Tagung lautet: „ch will heute in dein Haus einkehren.“ Auch wir wünschen, daß die Lebensmächte und kräfte des Evan⸗ geliums in Haus und Schule wirksam bleiben. Möge darum die Gießener Tagung recht segensreich verlaufen. Hr. Die hossische Landtagswahl. Wie aus Darmstadt gemeldet wird, haben sich die Fraktionen in der Finanzausschußsitzung am 13. Sep⸗ tember dahin geeinigt, daß die Landtagswahl am 13. November stattfinden soll. Demzufolge wurde beschlos⸗ sen, die Regierung möge eine Gesetzesvorlage einbrin⸗ gen, durch die die Legislaturperiode des Landtags ent⸗ essen der evangelischen Eltern, des evangelischen Hau- Geschi 2 175 5 8 ses, der evangelischen Kirche und der evangelischen Bil⸗ Geschiche des Landes zu lenken. Früher suchte man Nummer 30 sprechend abgeändert werde, um die Wahlen am 13. November stattfinden lassen zu können. Der jetzige Landtag ist nämlich am 7. Dezember 1924 gewählt worden. Nach der hessischen Verfassung müßten die beraten. Es wurde festgestellt, daß das gemeinsame Ziel Neuwahlen in der zweiten Hälfte des November oder in der ersten Hälfte des Dezember stattfinden. Die beiden letzten Novembersonntage sind Totensonntag und 1 Advent, zwei für unsere evangelische Bevölkerung hohe Feiertage. Da an solchen keine Wahlen stattfin⸗ den dürfen, so käme nur die ersten Dezembersonntage in Frage. Auch diese sind für die Wahlen darum un⸗ geeignet, weil sie in der Weihnachtszeit liegen, in der wir keine Wahlkämpfe führen möchten. So war es nötig, die Wahlen auf die erste Hälfte des Novembers f 0 5 zu legen. lerdi ist i erfast a 8 verein, der Evangelische Bund und der Presseausschuß des 5 ee e eee Va Lin verfassunngsändenn des Gesetz nötig. Die Stellungnahme der einzelnen Fraktionen war, wie wir hören, folgende: Für Verlegung des Wahl⸗ termins auf den 13. November waren die Sozialdemo⸗ kraten, Demokraten, Zentrum und Deutsche Volkspartei. Der Bauernbund behielt sich seine Stellungnahme noch vor. Die Deutschnationalen sprachen sich gegen eine Vorverlegung des Wahltermins aus. Ende September soll der Landtag noch einmal zusammentreten, wobei die Gesetzesvorlage über die Verfassungsänderung be— raten werden soll. Bei der diesmaligen Wahl tritt zum ersten Male das Wahlbeschränkungsgesetz in Tätigkeit. Es besagt, daß nur die seitherigen Parteien ein Recht haben, auf Grund ihrer Tüchtigkeit und ihrer Leistungen, Kan— didaten für eine Neuwahl aufzustellen. Eine neue Partei, welche es wagt, die alte Parteibekanntschaft zu stören, hat 5000 Rmk. aufzubringen. Nach Ansicht der jetzt herrschenden Parteien darf kein Lump, der kein Geld hat, in den erlauchten Kreis der hessischen Land⸗ tagsabgeordneten treten. Das Geld— 5 000 Rmk. ist keine Kleinigkeit— macht heute die Fähigkeit aus, die lluge Leute; das scheint man heute aufgesteckt zu haben. Als Ersatz der Klugheit soll das Geld dienen. Dazu muß der Wahlvorschlag von 7000 Wahlbe⸗ rechtigten unterschrieben sein. Man hofft wohl, daß durch das Mittel der Beanstandungen der Anterschriften sich noch allerlei Unheil verhindern läßt. Es muß aber den Gewalthabern von heute unbedingt gezeigt werden, daß diese Vorsichtsmaßregeln nichts helfen. Ja, wir müssen noch auf eine Tatsache hin weisen, welche bis jetzt noch zu wenig beachtet worden ist. Es sind keine 2 Monate mehr bis zum Wahltage, wenn am 13. November festgehalten wird. Bis heute ist das Wahlbeschränkungsgesetz noch nicht verkündet, hat also noch keine Gesetzeskraft erlangt. Auch warten wir auf die Ausführungsbestimmungen. Sollen da allerlei Ueberraschungsmanöver bevorstehen? Wir wissen es nicht. Wir können nur allerlei vermuten. Sollten wir recht haben, dann können wir unsere jetzigen haber nur warnen, daß sie die Langmut der Wähler nicht auf eine zu harte Probe stellen. Es könnte sich . schreibt„Leide dich als ein guter Streiter Jesu Ehristil“ Er will damit etwas anderes sagen, als die Weisheit der Menschen oft rät. Die griechische Philosophenschule der Stoa lehrte, daß man über die Hemmungen des Lebens am besten durch Gleichmut hinwegkomme. Wo sich also Leiden und Schwierigkeiten zei— gen, dann soll der Philosoph unberührt davon bleiben, sich dar⸗ über hinwegsetzen. Wir reden ja heute noch von dem stoischen Gleichmut. Paulus will mit seinen Worten etwas ganz an⸗ deres sagen. Leide dich! das heißt: geh hinunter unter die Last. Scheue nicht das Leid. Fürchte es nicht. Damit lehrt er uns auch nicht die Resignation. Darunter verstehen wir das Eingeständnis, daß wir nichts ändern kön⸗ nen und hilflos alles über uns ergehen lassen müssen. Man wird dadurch gleichgültig, stumpft ab und wird hart gegen die Lasten und Kämpfe des Lebens. Paulus will sagen: nimm es auf mit allen Bitternissen des Lebens. Stehe nicht stumpf und untätig ihnen gegenüber. Christ sein, heißt Kämpfer sein. Täglich ist er gerüstet auf neue Kämpfe, täglich ist er bereit, neue Lasten auf sich zu neh⸗ men. Ja, es ist für ihn selbstverständlich, daß er gegen Hemm— nisse ankämpfen muß. Er will ja ein Streiter Christi sein. Jesus Christus aber hat auch ein Leben des Kampfes geführt gegen die Sünden der Menschen, bis ihn die Sünde an das Kreuz gebracht hat. Auch da hat ihn die Bosheit nicht über⸗ winden können. Noch am Kreuze hat der Herr triumphiert. In seinem Dienste, in seiner Nachfolge sollen auch wir kämpfen. Was gibt uns dieser Kampf für eine herrliche Lebensaufgabe. Wie können wir uns dabei selbst erkennen, ob wir feste Charak⸗ tere sind. Wie oft lockt uns der Vorteil, allerlei Rücksichten zu nehmen. Nur die Treue zu Christi Nachfolgeschaft läßt uns furchtlos im Kampfe stehen. Es ist sehr schwer, der Versuchung zu widerstehen, einen Vorteil um der Ehrlichkeit seines Strebens willen auszuschlagen. Leider sind heute so viele Nützlichkeits⸗ menschen. Das sind aber schlechte Streiter um die höchsten Gü— ter der Menschheit, um Gerechtigkeit und Liebe. Wie Jesus sich selbst diese treu kämpfende Nachfolge gedacht hat, sehen wir an seinem Wort:„Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir! Denn wer sein Leben erhalten will, der wird es ver⸗ lieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen, der wird es finden.“ Es muß ein ganzer Entschluß sein, der den Nach⸗ solger des Herrn leitet. Es muß bitter Ernst werden mit jedem Tag. Wird unsere Aufgabe immer größer, der Kampf immer schwerer, dann wollen wir uns freuen. Im Kriege werden nur die besten Soldaten mit der Lösung der schwersten Aufgaben betraut. Also können auch wir uns dann sagen, daß der Herr von uns vieles fordert, weil er unser Können hoch schätzt. Wie gut daran ist dabei derjenige, der den Platz, an dem er im Leben steht, aus Gottes Hand nimmt. Wer da weiß, daß Gott ihm seine Lebensaufgaben gibt, der fühlt sich trotz Last und Kampf dennoch sicher. Er wird sein ganzes Können einsetzen, um treu zu sein bis in den Tod. Keine Furcht wird ihn abhalten, keine Gleichgültigkeit wird seinen Kampf hem⸗ men. Er weiß, Gott schickt ihn vor, um dem Guten, Wahren und Lieben eine Stätte zu erkämpfen. Er hat nur zu suchen. wo der Feind steht und wie er ihn am besten besiegt. Das heißt ein guter Streiter Christi sein. Bedenke, daß du zu der Fahn! Des Feldherrn hast geschworen; Gedenke, daß du als ein Mann Zum Streit bis auserkoren; Gedenk', daß ohne Streit und Sieg Noch keiner zum Triumphe stieg! Amen Hr. ——— — e ——ů— Sonnabend, den 24. September 1927. bei der Wahl bitter rächen. Alle Agitation mit den besten Rednern wird nicht wieder gutmachen, was eine schon jetzt in weiten Kreisen unzufriedene Wählerschaft noch mehr verbittert. Der Landtag nach dem 13. No⸗ vember dürfte ein anderes Gesicht haben, als der gegen— wärtige. Gerade die trotz der Wahlbeschränkung neu auftretenden Gruppen werden viele Stimmen der un⸗ zufriedenen Kreise unseres Hessenvolkes auf sich ziehen. Besonders unsere Evangelische Volksgemeinschaft wird mit den besten Hoffnungen auf den Plan treten können. Hr. Uebernahme der Straßen auf die Provinz Oberhessen. Unser Abgeordneter im Kreistage des Kreises Büdingen, Herr Bürgermeister Hensel-Hirzen⸗ hain, übersendet uns folgendes: Mit dem Jahr 1927 gingen die seitherigen Kreis⸗ straßen auf die Provinz über. Ob dies gut war, ist eine andere Frage. Wir sehen nun, daß ein Teil der Stra⸗ ßen gepflastert wird, so von Vilbel über Friedberg, Büches— Büdingen usw. Der Autoverkehr hat in un⸗ geheurem Maße zugenommen und nimmt noch mehr zu. Wer leidet nun am meisten durch diesen Verkehr? Doch nur die Leute an den Hauptortsstraßen. Es ist ihnen nicht möglich, auch nur eine zeitlang das Fenster zu öffnen, um frische Luft in das Zimmer zu lassen, ja selbst des nachts nicht. Draußen, auf der freien Land⸗ straße, verfliegt der Staub bald, während er sich im Orte lange hält. Selbst durch geschlossene Fenster dringt der Staub in die Zimmer und erzeugt Krank⸗ heiten. Deshalb ist das einzig richtige, daß vorerst alle Ortsstraßen, durch die der Hauptverkehr geht, gepflastert werden und dann haben erst die Verbindungsstraßen zu kommen. Ein dementsprechender Antrag ist von mir gestellt und soll in einer Versammlung im Oktober, zu der sämtliche Bürgermeister und Kreisdirektoren Ober⸗ hessens eingeladen werden, zur Besprechung kommen. Deuljche Volkspartei u. Noithssthulgesetz. In einer Konferenz der Gruppenvorsitzenden und Vertrauensleute des Wahlkreises Ostpreußen der Deut⸗ schen Volkspartei hat der Vorsitzende der Reichstags⸗ fraktion der Deutschen Volkspartei, Reichsminister a. D. Dr. Scholz, Arbeit und Ziele der Deutschen Volkspartei erörtert. Auf dem Gebiete der Innenpolitik bezeichnete Dr. Scholz das Reichsschulgesetz als eine der wichtigsten Fragen. Die Deutsche Volkspartei werde keinem Ent⸗ wurf zustimmen, der die Schulhoheit des Staates an— getastet läßt. Dem Wortlaut des Entwurfs nach soll ztbar die absolute Schulhoheit des Staats festgelegt wer⸗ den, aber es seien noch einige Hintertüren vorhanden, durch die praktisch eine geistliche Schulaufsicht hinein kommen könne. Wir verlangen weiter, fuhr Dr. Scholz fort, die Gewissens- und Lehrfreiheit der Lehrpersonen. Sie ist äußerlich auch nicht angetastet, aber auch hier⸗ über gibt es einige bedenkliche Stellen. Ein fernerer Hauptpunkt ist die Stellung der Gemeinschaftsschule. Verfassungsbestimmungen über die Schule erweisen sich immer mehr als ein unseliges Kompromiß. Ein Para⸗ graph widerspricht dem anderen. Die Gemeinschafts⸗ schule war damals als Regel gedacht. Aber auch das Elternrecht soll möglichst berücksichtigt werden. Ich bin der Meinung, daß die erste Bestimmung der zweiten vorangeht. Jedenfalls werden wir daran festhalten, daß die Gemeinschaftsschule, die ja dasselbe ist wie die Simultanschule, unbedingt als Regelschule anzusehen ist, daß sie bestehen bleiben muß, sofern nicht eine aus⸗ drücklich zugelassene Option für die Konfessionsschule vorliegt. Die Simultanschule muß da, wo sie gesetzlich strittig ist, also in Baden, Hessen, im früheren Herzog⸗ tum Nassau und in der Pfalz erhalten bleiben, denn es gibt ja gar kein besseres Mittel, um die konfessionel⸗ len Gegensätze zu mildern. „Evangelische Warte“ Auf der Warte. In Genf wird munter weiter getagt. Ueber die Abrüstungsfrage bestehen fast unüberbrückbare An⸗ sichten. Der deutsche Vertreter, Graf Bernstorff, hat energische Töne angeschlagen, hat darauf hingewiesen, daß die vielen Reden nur dazu da wären, die Ab⸗ rüstung immer weiter hinauszuschieben. Man müsse bald an dem guten Willen zweifeln. Im Abrüstungs⸗ ausschuß der Vollversammlung präzisierte er seine An⸗ sichten noch mehr und forderte schleunigste Einberufung der Abrüstungskonferenz, gleichzeitig vorschlagend, der vorbereitenden Abrüstungskommission neue Richtlinien zu fruchtbarer Arbeit zu geben. Durch die kleineren Staaten hat Deutschland in seinen Ansichten lebhafte Unterstützung gefunden, offen wagen sich die Groß— staaten nicht dagegen auszusprechen.— Der Außen⸗ minister Stresemann hat bei einem Interview der Presse sich an diese gewandt und darauf hingewiesen, daß Deutland das einzige Land sei, das abgerüstet habe. Weiterhin rechnete er scharf mit der„Mensch⸗ heit“, dem Organ des Prof. Förster, und seinem An⸗ hang ab.— Bei der Wahl der drei nichtständigen Rats⸗ mitglieder wurden Kuba, Finnland und Kanada ge⸗ wählt. Belgien, das Wiederwählbarkeit beantragt hatte, fiel knapp durch. Deutschland hatte seine Stimme Belgien gegeben. Die Erregung in der bel— gischen und französischen Presse ist darob groß, daß die anderen Staaten so absichtlich an ihm vorbeigegangen sind.— In Frankreich ist die amerikanische Legion zu großen Feiern eingetroffen. Kriegsreden schallen wie— der von jenseits der Grenze. Wir sind das gewöhnt.— Welches Entsetzen aber, als Hindenburg am vergange⸗ nen Sonntag bei der Einweihung des Tannenberg⸗ Nationaldenkmals den Vorwurf der Kriegsschuld feier⸗ lichst zurückwies. Die französische Presse kann sich der Entrüstung nicht genug tun. Wir haben es unserem greisen Reichspräsidenten tief zu danken, daß er mit Billigung des Kabinetts diese Worte gesprochen hat. In den anderen Ländern nimmt man seine Aeußerungen streng sachlich auf und bezeichnet sie als eine Mahnung an die Welt zur Nachprüfung der Kriegsschuldfrage. Die Tannenbergfeier hatte ca. 100 000 Menschen zu⸗ sammengeführt. Die gesamten Einweihungsfeierlich— keiten wurden durch zahlreiche deutsche Radiostationen übermittelt und ließen eine ungefähre Vorstellung der Weihestunden zu.— Der Reichspräsident hatte an den Tagen zuvor Reichsmarinemanövern in der Ostsee bei⸗ gewohnt.— Der deutsche Reichstag kann nun, da die Vorarbeiten für das Reichsschulgesetz noch nicht abge— schlossen sind, erst am 17. Oktober zusammentreten, statt, wie beabsichtigt, am 3. Oktober.— Aus der Reichs⸗ wohnungszählung ergibt sich das für Deutschland be⸗ dauerliche Bild, daß 4 Millionen Haushaltungen ohne Wohnung sind. Wohin soll das noch führen?— In Wiesbaden tagte die Wissenschaftliche Gesellschaft für Luftfahrt. Leider mußten infolge des Einspruches der französischen Armeeverwaltung die Flugveranstaltun⸗ gen, die geplant waren, unterbleiben. Die Fesseln, dů um das besetzte Gebiet geschlungen sind, liegen immer noch eng, der Tag der Lösung ist noch fern. Verschiedenes. Die Auswanderung im Jahre 1926. Im Jahre 1922 wanderten aus: 36 627; 1923“ 115 416, 1924: 58 328; 1925: 62 828; 1926: 64 985 Deutsche. Davon entfallen auf Preußen 29 754; auf Bayern 9342; auf Sachsen 4563; auf Württemberg 4536; auf Baden 4743; auf Thüringen 1584; auf Heß sen 1156 auf Hamburg 3107; auf Mecklenburg⸗Schwerin 341; auf Oldenburg 789, auf Braunschweig 278; auf Anhalt 185; auf Bremen 1330; auf die übrigen Länder 3277.— 35,7 Prozent der Auswanderung des letzten Jahres(22 124) entfallen auf die Industrie, einschließ lich Bergbau und Baugewerbe; Landwirtschaft, Gärt⸗ nerei, Tierzucht und Forstwirtschaft sind beteiligt mit 21,4 Prozent(13 283); Angehörige des Handels und Verkehrs mit 17,2 Prozent(10 673); der Rest entfällt auf Angehörige freier Berufe und solche ohne Berufs angabe.— 80,5 Prozent(49 924) der deutschen Aus⸗ wanderer wandten sich nach den Vereinigten Staate von Nordamerika; nach Argentinien gingen 3975; nach Brasilien 3300; nach Afrika 1883; nach Kanada(Bri⸗ tisch⸗Nordamerika) 1245. Planlose und unbesonnene Auswanderung— wie viele hat sie schon in größtes Elend gestürzt! Und noch wandern fortwährend Tau— sende in die Fremde, ohne zu wissen, was sie dort er⸗ wartet.(Licht und Leben“.) * Verbreitung der Todesstrafe. Angesichts der Weltdebatte über die Beibehaltung oder Abschaffung der Todesstrafe interessiert es, wie gegenwärtig die Rechtsbestimmungen bezüglich dieser Frage in den einzelnen Kulturländern sind. Nach einer Zusammenstellung im„Vorwärts“(1927, 408) sind in Europa ohne Todesstrafe: Schweden, Norwegen, die, Schweiz, Oesterreich, die Niederlande, Rumänien und Portugal. In Italien ist sie im vorigen Jahre für die Dauer von 5 Jahren für schwere politische Verbreche eingeführt. In Belgien ist seit 1864 nur ein Todes urteil vollstreckt worden. In Dänemark, Finnland, Lettland, Ungarn und der Tschechoslawakei wird die Aufhebung der Todesstrafe in den neuen Strafgesetz⸗ entwürfen vorgesehen. Die Strafgesetzbücher von Deutschland, Rußland, England, Frankreich, Spanien, Bulgarien, Jugoslawien, Griechenland, Litauen, Est land, Luxemburg und Polen sehen die Verhängung der Todesstrafe vor. In den meisten dieser Länder if jedoch neben dieser Todesstrafe auch wahlweise lebens⸗ längliches Zuchthaus vorgesehen. In den Vereinigte Staaten wird Mord in insgesamt sieben Staaten stet mit dem Tode bestraft. In 33 Staaten besteht di Todesstrafe wahlweise mit lebenslänglichem Gefängnis, mern, die ein Freiquartier wünschen. Anträge für die Reichstagung sind auf Grund des§ 9 unserer Satzungen spätestens einen Monat vor der Tagung(mit kurzer Begründung) bei uns einzureichen. nisation und jedes Einzelmitglied der EV. berechtigt. Sowohl die Mainzer Reichstagung als auch unsere Werbearbeit für die hessische Landtagswahl kosten viel Geld. Es ist darum unbedingt nötig, daß die noch rückständigen Beiträge für 1927 sofort— spätestens am 20. September— auf unser Konto Nr. 593 bei der Bezirkssparkasse Nidda(Postscheckkonto 8907 Frank⸗ furt a. M.) überwiesen werden. Diese Mahnung gilt ganz besonders den Ortsgruppen, die für 1927 noch keine Beiträge eingesandt haben. Unsere Arbeit ist doch nur möglich, wenn uns unsere Mitglieder nach Kräf⸗ ten unterstützen. der Rubin Märchen von Fr. Hebbel. 1843. Es war an einem schönen, hellen Nachmittag, da stand Assad, ein junger Türke, der vor wenigen Tagen zum ersten Male die unermeßliche Stadt Bagdad betreten hatte und sich nun mit stets gesteigertem Erstaunen unter all ihren Wundern erging, vor der Bude des reichsten und angesehensten Juweliers. Mit inniger Lust versenkte er sich in das mannigfaltige glühende Leben, das, in Strahlen und Farben sich offenbarend, die edlen Gesteine durchflammt.„O, Edelstein,“ rief er voll Ent⸗ zücken aus,„wohl mit Recht bist du erkoren, die Kronen der Könige zu schmücken, denn in dir ist alles Herrliche zugleich zusammengedrängt und geläutert, der flüchtige Sonnenstrahl ist gefangengenommen und in deinen geheimnisvollen Kern eingeschlossen; die schnell verlöschende Farbe feiert in dir ihre Verklärung und empfängt Unsterblichkeit, die reinen himmlischen Elemente, Luft, Feuer und Wasser vermählen sich in deinem Glanze! Hier steh' ich an der Grenze der Natur, hier ist das letzte, höchste Produkt der schaffenden Kräfte, weiter— schauernd fühlt es der Geist— kann die Unendlichkeit selbst nicht.“ Der Juwelier, ein gutmütiger Mann, der für seine Kunst enthusiastisch eingenommen war, stand gerade in der Tür und empfand großes Vergnügen über die begeisterten Worte, die aus dem Munde des Jünglings hervorgingen. Er trat, bisher ungesehen, lächelnd zu ihm heran, öffnete den Kasten, ergriff seine Hand und steckte ihm einen schweren Ring an den Finger. Assad bemerkte es kam, seinen Blick fesselte mit magischer Ge⸗ walt ein Rubin von seltener Größe, auf den die Sonne, die eben aus einer verschleiernden Wolke hervortrat, ihren vollen Schein holte zum Erstaunen des Juweliers einen tiefen Seufzer, dann streifte er den ihm angesteckten Ring mit dem Ausdruck sonder⸗ baren Wderwillens wieder ab und rief, auf den Rubin zei⸗ gend, leidenschaftlich aus:„Behaltet das elende Ding und gebt mir den!“ Kopfschüttelnd erwiderte der Juwelier:„Der Stein ist mir um Hunderte nicht feil!“—„Ich muß ihn aber haben!“ versetzte der Jüngling wie im Wahnsinn, ergriff den Rubin und stürzte flammenden Auges fort. Der Juwelier erhob ein großes Geschrei, rannte Assad nach und schalt ihn einen Dieb, ja, da dies nicht zu helfen schien, einen Räuber und Mörder. Alsbald entstand ein Auflauf auf der Straße, der Jüngling wurde ergriffen und mit Ungestüm vor den Kadi geschleppt. „Herr,“ begann der Juwelier voll Zorn,„so jung dieser Mensch zu sein scheint und so viel Einnehmendes in seiner Ge— stalt liegt, so ist er doch ein frecher, undankbarer Bösewicht. Ich sah ihn vor meiner Bude stehen und ergötzte mich, als ich ihn über die dort ausgebreiteten Schätze mit lauter Stimme, wie ein Kind, seine Verwunderung ausdrücken hörte. Von Wohlwollen übermannt, dachte ich: Du sollst einmal billiger kaufen als ein anderer, nahm einen kostbaren Ring aus dem Kasten und steckte ihm diesen an. Ich erwartete, er würde, so plötzlich beschenkt, große Augen machen und nicht wissen, wie er sich gebärden solle. Stadt dessen nahm er kaum Notiz von meiner Freundlichkeit und stieß zu meinem nicht geringen Aerger dumme, unvernünftige Seufzer aus. Dann zog er den Ring wieder ab, warf ihn mir verächtlich hin und verlangte in einem so gebieterischen Ton, als ob er, wenn es ihm beliebte, auch wohl meinen Kopf fordern dürfte, den wundervollsten Rubin, der je in meine Hände geraten ist. Als ich, meinen gerechten Unwillen bekämpfend, weil ich seine Unwissenheit für den Grund seiner Unverschämtheit hielt, ihm bescheiden bemerkte, warf. Er drückte unwillkürlich seine Hand gegen das Herz und daß ein solcher Stein mehr Wert habe, als er denke, erklärte Pichtige Mitteilungen der Neithsgeschüftsstelle. Wie bereits bekannt ist, findet die 3. Reichstagung vom 22. bis 24. Oktober in Mainz statt. Wir er⸗ bitten Anmeldungen an Herrn C. Wolf in Mainz, Richard Wagnerstraße 3, insbesondere von den Teilneh⸗ Zur Stellung von Anträgen ist jede Orga⸗ Weidner. er geradezu, er müsse ihn haben, nahm auch, mit der bekannten Abneigung der Straßenräuber gegen Formalitäten, sogleich von meinem Eigentum Besitz und begab sich auf die Flucht. It folgte ihm; wie es mir bei der Last meines Bauches und i einer der Verdauung heiligen Stunde möglich war, ihn wieder einzuholen, begreife ich selbst nicht, die Angst muß dem Men schen übernatürliche Kräfte verleihen.“ ö Der Kadi, ein langer, hagerer Mann, mit einem Gesicht das, wenn er in seiner Gerichtsstube stand, die Inschrift der 1 Danteschen Hölle furchtbar getreu widerspiegelte, war einma selbst bestohlen worden und sprach seitdem gegen Diebe nur noch Todesurteile aus. Er fragte Assad freundlich, ob er das ihm angeschuldigte Vergehen leugne.„Wie könnt' ich!“ gab der Jüngling finster zur Antwort.„Es wäre auch gleichgültig“, versetzte der Kadi, mit jenem dem Teufel abgeborgten Lächeln, womit Gerichtspersonen in allen Ländern der zerquetschten Menschheit in einem Unglücklichen so gern den Gnadenstoß geben, „man führe ihn vor die Stadt hinaus und tue, was Rechtens, Jedoch nicht ohne vorgängige nachdrückliche Bastonade!“ setzte er hinzu und griff nach der Pfeife, die ein Sklave ihm darbot. Assad wurde abgeführt; auf der Straße wandte er sich ag den Juwelier, der in seiner Entrüstung noch gar nicht daran gedacht hatte, sich den Rubin zurückgeben zu lassen, und sagte zu ihm:„Herr, ich bitte Euch um einen letzten Gefallen. Laßt mir den Stein bis zum Tode. Begleitet mich hinaus bis vor das Tor, daß ich ihn dort noch einmal anschaue und in Eute Hände überliefere. Nicht wahr, Ihr werdet es mir nicht ab⸗ schlagen? Es ist ja nur noch eine kurze Zeit.“ In dem Juwe⸗ lier erwachte Mitleid, ihn dauerte der schöne gefaßte Jüngling, 14 Nr. 90 ol 50 10 fh nit Un fis frau Kin schet hat E 1 von echt sein bene Gab des lol g der! ten E ziehef linen ch raub merkt doch vußt btauc Leib gestd, gehort dest! stehen nistis grit vendl. felbst de m allem tolen Cesol bus d des 0 vegen 1 der jetzt noch in voller Kraft und Glut des Lebens vor ihm Jen stand und doch schon in wenigen Augenblicken der Natur vor der Zeit zur beliebigen Verwendung für einen neuen Zweck zu⸗ sel e ö Acht Staaten haben die Todesstrafe nicht. In Meri steht die Todesstrafe auf Mord und mehrere Vechkechen mit Todeserfolg, jedoch ist die Möglichkeit mildernder Umstände vorgesehen. 5 Zusammenhänge. 0 N „ Dem Bericht einer großen westdeutschen Strafan— lde stalt entnimmt das„Sonntagsblatt 9 enden . ch Volkes“(1927, 36) folgende Zahlen: Von insgesamt t e 753 Strafgefangenen lebten nur 13, das sind noch nicht tember 2 v. H., in ihrer Jugend in Wohnungen, in denen zwei auf di oder mehr Räume auf eine Person kamen; 154 Ge⸗ chen fangene stammten aus Wohnungen, in denen ein Raum e a auf je eine Person kam, während alle übrigen, also Lände) weitaus die größte Mehrzahl, ihre Jugend in kleineren 5 1* Teil erbärmlichen Wohnungen, zubrachten. 5 i. 1— im heutigen Spanien noch möglich ist. Veo kurzem ist eine Frau zu zwei Jahren Gefäng⸗ is verurteilt worden, weil sie erklärt hatte, die Jung⸗ frau Maria habe nach ihrem Erstgeborenen noch mehr Kinder gehabt. Das wird als Verhönung des katholi⸗ schen Dogmas gewertet. Das spanische Reichsgericht hat dieses Urteil bestätigt, und die arme Witwe hat die Strafe angetreten. Der Berichterstatter fügt hinzu: „Die evangelische Welt bleibt kalt; was soll man da von den spanischen Katholiken erwarten?“ Hat er recht? Die Antwort evangelischerseits kann nur eine entfäl Beruf gen Au Staatz d Tau dort e sein: opferfreudige Fürsorge für die bedrückten Glau⸗ bene)“ bensbrüder in der evangelischen Diaspora Spaniens! Gaben nimmt entgegen der Verband zur Förderung des Evangeliums in Spanien in Barmen, Postscheck— konto: Essen 24 007. Die Zukunft der Gewerkschaften. Die Organisationen der Arbeiterschaft verlieren merklich an Kraft. Es wird uns von ziemlich maß⸗ ehaltung „Evangelische Warte“ gebender zent der Arbeiterschaft gewerkschaftlich organisiert wä⸗ ren, die anderen 48 Prozent, zwar die Erfolge der Ge⸗ werkschaften gern auch für sich nutzbringend in Anspruch nehmen, sich aber scheuen, die entsprechenden Opfer zu bringen. Vor dem Kriege war, wenn auch gesetzlich verboten, der Koalitionszwang doch so groß, daß sich tat⸗ sächlich kein Arbeiter, der seine Stelle nicht verlieren wollte, der Gewerkschaft entziehen konnte. Wenn sich die Verhältnisse wirklich so gewandelt haben sollten, wie unser Gewährsmann angibt, wäre das wohl ein Zeichen dafür, daß die Gewerkschaften nicht mehr der Machtfaktor von ehedem sind, andererseits ist aber der hohe Prozentsatz unorganisierter Arbeiter keine erfreu⸗ liche Erscheinung. Die Unorganisierten sind jeder po⸗ litischen Verhetzung, jeder Propaganda für wilde Streiks, jedem Putschismus und Radikalismus erfah⸗ rungsgemäß viel zugänglicher als die Mitglieder der Gewerkschaften. * Sonntagsruhe. Der Gedanke der Einführung der allgemeinen Sonntagsruhe im Handel marschiert. In den letzten Tagen sind zwischen dem Berliner Polizeipräsidenten und den interessierten Verbänden neue Verhandlungen geführt worden. Die allgemeine Sonntagsruhe soll am 1. Oktober auch für die Branchen eingeführt werden, denen es bisher gestattet war, Sonntags zwei Stunden lang offen zu halten. Nur der Verkauf von Milch an zwei Morgenstunden und der Verkauf von Backwaren in der Zeit von 1—3 Uhr nachmittags ist in Zukunft gestattet. Alle anderen Lebensmittelge⸗ schäfte, die Süßwaren- und Zigarrenläden dürfen vom 1. Oktober ab an Sonntagen nicht mehr öffnen. Im Interesse des Kuchengeschäfts ist von 1—3 Uhr mittags der Verkauf von Kuchen freigegeben worden. Bei die⸗ sen Bestimmungen spielt die Idee des Woche n-⸗ Seite mitgeteilt, daß nur noch etwa 52 Pro⸗ Ni 9 endes eine Rolle, da man allen Geschäftsinhabern und Angestellten wenigstens einen ganz freien Sonntag gewähren will.— Man darf es warm be⸗ grüßen, daß Berlin hier mit gutem Beispiel voran⸗ gehen will. Hoffentlich scheitert das Projekt nicht noch in letzter Stunde am Widerstande der interessierten Kreise. Vlitheretle. Weyer, Tust du es auch? 50 Pfg. Dallmeyer, Bin ich auch wirklich ein Christ? 35 Pfg. Schmidt, Ausgestreckle Hände. 25 Pfg., erschienen in der Vereinsbuchhandlung G. Ihlhoff& Co. in Neumünster. Drei Heftchen, welche aus dem heute so weitverbreiteten oberflächlichen Namenchristentum retten wollen. Der Aber⸗ glaube ist seit dem Kriege leider in unserem durch so gute Schu— len erzogenen Volk verbreiteter, als man meist weiß. Wo der Glaube fehlt, stellt sich der Aberglaube ein. Weyer versteht es sehr gut, in dem ersten Heftchen die verschiedenen Arten des Aberglaubens in leichtverständlicher Form zu beleuchten und die alleinige Befreiung davon klar herauszustellen. Die oberfläch— lichen Namenchristen will Heinrich Dallmeyer im zweiten Heftchen zur Besinnung kommen lassen. Er geht davon aus, daß heute viele nur noch„Christen heißen“, aber„keine Christen sind“. Er legt jedem die Frage vor:„Bin ich auch wirklich ein Christ?“ Am Ende des Büchleins zeigt er, wie man ein Christ wird und woran man einen solchen erkennt. Die Ausführungen sind sämtlich biblisch begründet, für jeden verständlich und über⸗ zeugend gefolgert. Eine recht weite Verbreitung wünschen wir diesem wohlfeilen Heftchen. Das dritte ist eine Evangelisations⸗ rede von Pastor R. Schmidt. Sie ruft die Leser auf, Herz und Leben Gott zu weihen. Von einem Erlebnis des Evange⸗ listen Samuel Keller ausgehend, zeigt er, wie Gott seine Hände zu den Menschen ausstreckt. Die Menschen jedoch sind ungehor⸗ sam und treten Gottes Gebote mit Füßen. Wir sollen lieber eilends die dargebotene Hand ergreifen. Auch dieses Büchlein ist sehr lesenswert in seiner leichtverständlichen Gedankendar⸗ bietung. Hr. ee e finnland wird die fache her vo Der helle Schein im Straßenleben. 101 0 Mit der Beglaubigung des Berliner Polizeipräsidenten in chängun der Tasche zieht eine junge Mannschaft durch die dichtbevölker⸗ ten Straßen der Großstadt zur Straßenmission. In Viererreihen ziehen die 30 Mann, Wimpel, Geigen, Klampfen und Mando⸗ linen an der Spitze. Die Menschen bleiben stehen und schauen sich um, frische, frohe, zuchtvolle Jugend zu sehen, ist allemal Freude für Auge und Herz. Was sind das für welche?, so be⸗ merkt man es an der abwartenden Haltung der Bevölkerung; doch schon wird geantwortet, der Trupp singt, Frei, siegesbe⸗ wußt dringt es ans Ohr: ein offenherziges Bekenntnis:„Wir brauchen eine Jugend in sturmdurchpeitschter Zeit, die stark an ander i e lebens reiniate nen stetz steht die efängnisz b Leib und Seele zu kämpfen ist bereit. Wir brauchen eine Ju⸗ 1 gend, die ihren Heiland kennt, Ihn bis zum Tod in Treue Wir er- gehorsam Meister nennt“.„O, daß du könntest glauben, du wür⸗ Feilneh⸗ dest Wunder sehen, es würde dir dein Jesus allzeit zur Seite Aeg stehen“.— And die Menschen verstehen es. Keine kommu⸗ nistische, keine Fußball-, auch keine nationale Jugend, nein, nat vor christliche.—„Gott sei Dank!“ entringt es sich einigen Herzen, e Otgo⸗„endlich auch mal mutvolle Christusjungend.“— Etliche lächeln selbstbewußt und mitleidsvoll. Die andern aber, und das sind die meisten— staunen, staunen, daß es eine lebenswarme und hllosten allem Anschein auch verstandesklare Jugend gibt, die sich dem üätesten⸗ toten und so weltfremden Christus verschrieben hat und Ihm 92 Gefolgschaft leistet. Und da fällt der erste Schein von für Chri— 8 stus durchglühter Jugend in die fremden Herzen. Denn wenn 27 noh das Christentum kraftvolle Jugend an sich zieht, sie tief be⸗ ch Kräf⸗ egen kann, dann muß es selber noch Kraft sein und Lebens⸗ stärke besitzen. Einige Anentwegte und solche, die Zeit haben, folgen dem Trupp. An der nächsten promenadendurchzogenen — dccche biegt er ein und nimmt im Kreis Aufstellung. Im Nu K bekannte 3—— gleich 6e rückgegeben war. Vielleicht hätte er nun den Rubin gern daran lucht. i gesetzt, um ihn zu retten, doch das war bei der Gemütsart des es und 6 Kadi unmöglich, er mußte sich also darauf beschränken, dem hes. 5 e ihn wich Scheidenden freundlich seine letzte Bitte zu bewilligen. den N Angelangt vor dem Tore, zog Assad den Rubin, den er bis dahin auf seinem Herzen bewahrt hatte, hervor, hielt ihn gegen U„ em Heth die Sonne, in deren Strahlen er blinkte, wie das Auge eines crit 5 Menschen, drückte ihn wehmütig an den Mund und machte nat einne] Anstalt, ihn dem Juwelier zurückzugeben. Bevor er aber dies be mur uu koch auszuführen vermochte, trat ein Greis von sehr würdigem au dus u Ansehen, dem alles Volk Platz machte, auf ihn zu, maß ihn % gab da mit einem strengen Blick und sagte: „Assad, du bist ein Dieb!“ Glühendes Rot überströmte die Wangen des Jünglings, aber fest und unverwirrt schaute er zu dem Greise auf und antwortete:„Ja, und wie du gleich sehen wirst, ich leide den Tod dafür!“ Ist dir dein Diebstahl nicht leid?“ fragte der Greis.„Nein,“ versetzte Assad schnell und hestimmt,„ich weiß nicht, was mich an diesen Stein kettet, aber es mag gut sein, daß ich sterben muß, denn ich fühl 8, ehe ich ihn in den Händen eines anderen ließe, könnte ich mich mit 5 nicht do, Raub und Mord beflecken, obgleich meine Seele 175 inen und f Mord zurückschaudert wie vor dem eigenen Tode.“—„Ei 1255 allen 9 erbar!“ entgegnete der Greis,„gib mir doch deine Hand. aus li Assad reichte ihm die Hand. 0 le, Plozlich besand er sich auf einer unbekannten Landstracg, it icht 10 der Greis stand neben ihm. Mehr verwundert und überrascht dell 9 als erfreut, schaute der Jüngling seinen Retter mit 7 15 5 e Jingle genden Blick an.„Du bist jetzt über hundert, Stunden von 1 15 701 0 fernt,“ begann der Greis, der seinen Blick wohl eren 5 . Jol atte,„und sie können dort, wenn sie wollen, ein Lamm e lerer das ich zum Zeichen deiner Unschuld an deiner Stelle Früagelassen habe. Glaube jedoch nicht, daß ich dich gerettet Im Familienkreis ist er von Passanten und Spaziergängern eingeschlossen, die neu— gierig der Dinge harren, die da kommen sollen.— Die Geigen stimmen an, die junge Schar singt mit. Wir singen von Sonne und Heil, von Lebenskraft und Sündenfreiheit, vom Gottes⸗ sohn, von Nächstenliebe:„O Gottes Lieb', so voll und frei, von alters her und immer neu, sie quillt für dich, sie quillt für mich, und zieht uns alle hin zu sich“.— Allmählich hat sich ein fester schwarzer Ring um uns gebildet, und als etliche Lieder ge— sungen waren, tritt einer aus dem Kreis hervor und spricht zu der Volksmenge über das Gotteswort:„Land, Land, höre des Herrn Wort“, er spricht von der frohen Botschaft, von dem Kreuz und der heutigen Menschheit, von dem unbefriedigten Herzen und dem wartenden Gott. And die Menschen lauschen! Hundertfach hängen die Augen an seinen Lippen und saugen die Worte förmlich ein. Es ist ja nicht möglich, so sprechen die Blicke, daß Christus und Gott lebendig ist und daß hier eine junge Manschaft steht, die den Gottesgedanken verkörpert! And sie lauschen und unterbrechen nicht. Drüben die Straßenbahn fährt langsamer vorüber als es gewöhnlich üblich ist, um etliche von den deutlich und laut gesprochenen Worten zu vernehmen. Links steht ein alter, weißhaariger Mann, der wohl aus Ehr⸗ furcht vor dem, was er hört, den Hut abgenommen hat, und setzt ihn auf, doch immer wieder zieht er ihn ab, ob der wunder⸗ baren Botschaft, die er aus jungem Munde vernimmt. Rechts, auf der anderen Seite, steht ein Mann mittleren Alters, un⸗ verkennbar als Arbeiter, aber auch wohl als Trinker. Die hel—⸗ len Tränen laufen ihm über die Backen, so tief scheint das Herz von dem Liede getroffen zu sein! Da tritt ein dritter an uns heran und fragt uns zaghaft, ob wir mal kommen würden und seiner kranken Frau etwas singen? Ja, wir kommen, und so fort! Denn wir wollen Lichtträger sein,„Kämpfer im Heere des Lichts“, und die Jesussonne soll leuchten unter den Menschen. haben würde, wenn Leichtsinn oder schnöde Habsucht dich zum Naub an fremdem Eigentum verleitet hätten. Mir stehen große Kräfte zu Gebote, aber ich mißbrauche sie nie, wie so manche Genossen meiner Gewalt. Die Natur hat jene Macht, die den gewöhnlichen Lauf der Dinge aufhalten und verändern kann, vertrauensvoll in unsere Hände gelegt, damit wir ihr in irgendeinem außerordentlichen Falle, wenn die allgemeine Regel, das einfache Gesetz, nicht ausreicht, zu Hilfe kommen möge. Solch ein Fall ist der deinige, denn der Rubin, den du dort in der Hand hälst, ist das Grab einer wunderschönen ver⸗ zauberten Prinzessin. Aus ihrem Blut hat er das dunkle wun⸗ derbare Rot in sich gesogen, in das er getaucht ist. Das Feuer ihres Auges sprüht dir entgegen aus den blitzenden Strahlen, die er so verschwenderisch versendet. Ihr schlummerndes Leben schauerte dich an, als du den Stein im Sonnenschein glänzen sahst, da wurde deine Seele bis in die innersten Tiefen mit süßer Ahnung getränkt, und deine Hand mußte vollbringen, was Herz und Sinn geboten.“„Kann die Prinzessin durch mich erlöst werden?“ fragte Assad tief aufatmend.„Das weiß nur sie selbst!“ versetzte der Greis,„und du kannst, wenn du willst, sie einmal sehen und mit ihr reden. Sobald du um Mitter⸗ nacht alle deine Gedanken in den einzigen an sie zusammen⸗ drängst und auf den Rubin drei Küsse drückst, so weicht der Zauber auf einen Augenblick, und sie tritt in voller Glorie der Schönheit aus ihrem Gefängnis hervor. Aber wage nicht dein Glück und deinen Frieden an einen ungewissen Moment; mit dem Dämon ist schwer zu kämpfen, dich aber würde die herrlichste der Jungfrauen mit unwiderstehlicher Gewalt in deinem tief⸗ sten Sein gefangennehmen, und, wenn es dir dann nicht ge⸗ länge, ihren Bann zu brechen, so wärest du elend auf ewig. Und nun leb wohl, kein Sterblicher sieht mich zum zweitenmal!“ Der Greis war verschwunden, sowie er ausgeredet hatte. Assad bemerkte es kaum, denn jede seiner Empfindungen, jeder e Fr dd Nach dem erbetenen Gesang dankt ein bleiches Gesicht aus dem Krankenstuhl durch das Paxterrefenster für den unerwarte⸗ ten Sonnenstrahl.— Wir ziehen weiter zur nächsten Straße. Als wir an unserem ersten Standort vorüber kommen, stehen immer noch Gruppen von der vergangenen Versammlung da, diskutieren und sprechen über das Gehörte. Da verteidigen plötzlich einige uns und unsere Ansicht, Christentum und Gott, denen es vor wenigen Stunden wohl noch höchst gleichgültig war, über das Christentum nachzudenken. Elementar hat der helle Schein sie alle beleuchtet und der Eindruck macht sich im Für und Wider geltend.— An der nächsten Straßenecke dürfen wir's erfahren, wie mitten aus dem Volke einer sich zu uns be⸗ kennt und Zeugnis gibt.„Ich danke,“ so spricht er,„den jungen Männern, daß sie den Mut haben, Gottes Wort auf die Straße zu bringen und von dem Heil zu zeugen, das allein nur der Menschheit helfen kann.“ Das plötzliche Bekenntnis hat seine Wirkung unter den Umstehenden. Froh und heilig bewegt ziehen wir nach Hause, und danken es unserem Gott aus tiefster Seele, daß er uns würdig befunden hat, seine Zeugen zu sein.— Der helle Schein der erlösenden Botschaft hat in irre Straßen geleuchtet und wird seine Sieges⸗ kraft beweisen.— Wer von den Lesern hätte nicht Lust, auch ein Jünger Jesu zu werden? * Feuersegen. In einer Stadt entstand bei Nacht eine Feuersbrunst. Mehrere Häuser brannten ab. Doch kam dabei niemand ums Leben, selbst die Kinder, die schon schliefen, wurden gerettet. Da sprachen einige derselben, es waren Mädchen, zueinander: „Wir waren bisher oft so leichtsinnig und ungehorsam, wie würde es unseren Seelen ergangen sein, wenn wir in den seiner Gedanken war an das Wunder, das er in seiner Hand hielt, gebunden. Wie freute er sich, daß die Sonne sich schon zum Antergang neigte, daß die Schatten sich verlängerten, wie sehnte er sich nach der Mitternacht, die er sonst als unheimliche Freistunde der Toten und Gespenster gescheut, vor der er sich ängstlich in die schützenden Arme des frommen Schlafs hinein— geflüchtet hatte. Sie erschien ihm jetzt wie ein Gefäß, aus dem seinen durstenden Lippen der holdeste Inbegriff alles Lebens entgegenschäumte, und daß sie über die ganze übrige Welt Angst, Grauen und Entsetzen ausgoß, gab ihr für ihn eben noch einen letzten schauerlich-zauberischen Reiz. Unterdes eilte er, da es schon dunkel wurde, rastlos fort, um noch vor völligem Einbruch der Finsternis die Stadt, die er in nicht gar weiter Ferne vor sich liegen sah, zu erreichen. Dies gelang ihm, auch war das Glück ihm günstig, daß er bald bei einer alten Frau ein Unterkommen für die Nacht fand. Er zog sich sogleich, große Müdigkeit vorschützend, in das ihm bestimmte Schlafgemach zu⸗ rück, legte den Rubin vor sich auf den Tisch und zählte nun bei brennender Lampe und verhängten Fenstern die Minuten, die langsam, langsam, als wollte jede ihm den Inhalt der Ewig⸗ keit vorrechnen, vorüberkrochen. Endlich war es zwölf. Mit unsäglicher Inbrunst drückte er jetzt den Rubin an seinen Mund und küßte ihn dreimal. Da war es, als ob sich der Edelstein in seiner Hand in leichten, gefärbten Duft auflockerte, der zu einer morgenroten Wolke, die das ganze Zimmer erfüllte, anschwoll. Aus der Wolke schimmerte eine weibliche Gestalt hervor, anfangs blaß und im schwachen Umriß kaum erkennbar, aber schnell auf⸗ blühend zu frischem, glühendem Dasein. Die holde Jungfrau, in ein blaues Gewand gekleidet, das Haupt in kindlicher An— mut ein wenig vorwärts neigend, warf einen schüchternen Blick auf ihre umgebung und rief:„Wo bin ich?“ (Schluß folgt.) 5 Flammen umgekommen wären? Ach, wir hätten nicht selig werden können!“— Sie beschlossen, zu ihrem frommen „um ihn um Rat zu bitten, was sie tun sollten, und wurden von demselben aufgefordert, mit aller Einfalt sich an Christum zu wenden, der würde sin von der Sünde befreien, und in allen Versuchungen schützen, ja Seinen Frieden ihnen zu fühlen geben, daß sie getröstet jegliches Leid über sich ergehen lassen können. Diesen Rat befolgten die Kleinen und wurden jetzt viel gehorsamer als sonst. Ihr Beispiel forderte andere Kinder auf, bei dem frommen Schul⸗ lehrer Belehrung zu suchen. Dies bewog ihn, am Sonnabend⸗ nachmittag, wo keine Schule war, diese Kinder zu sich kommen zu lassen, um sich ihrer besser annehmen zu können. Bald ge⸗ sellten sich selbst Eltern zu denselben, um auch etwas Gutes von dem braven Schullehrer zu hören. So entstand eine große Versammlung von Erwachsenen und Kindern, für welche der Schullehrer am Sonntagabend eine Erbauungsstunde hielt, wo⸗ zu oft der Raum in seiner großen Schulstube nicht reichen wollte. Man wollte dem Schullehrer solche Versammlungen verbieten, aber sein Pfarrer nahm ihn in Schutz und bezeugte, daß die Leute, welche jene Belehrungsstunden besuchten, am fleißigsten zur Kirche gingen, und ein stilles, gottesfürchtiges Leben führten, auch daß jene Kinder sich vor allen durch Er⸗ kenntnis, Fleiß und Gehorsam auszeichneten. Das Bekenntnis eines Ministers. An der Spitze der protestantischen Bewegung in Ungarn steht der Finanzminister a. D. Lorant Hegedüs, der in Wort und Schrift beachtenswerte Arbeit tut. In einer Festrede ließ er sich kürzlich wie folgt aus:„Bis ich nicht durch schwere Seelenkämpfe hindurchging, war Jesu Gewalt nicht völlig über mich. Ich gestehe offen, daß ich bis zur Vollendung meines fünfzigsten Lebensjahres nur meinem Taufschein nach ein Pro⸗ testant war. Als ich aber erst anfing, meine Bibel zu lesen, da konnte ich bald nicht mehr ohne Bibel fertig werden. Heute ist es mir unbegreiflich, daß der Arbeiter oder der Be⸗ amte, ehe er an sein Tagewerk geht, zuerst einen Blick in die Wir laden hiermit ein zur 3. Reichstagung der Evang. Volksgemeinschaft in Mainz 22.— 24. Okfober Diese Tagung muß eine gewaltige Kund gebung und „Evangelische Warte“ Zeitung tun muß, um zu erfahren, was die Politiker gestern gesprochen hatten— während er interesselos dem gegenüber⸗ steht, was Jesus uns fürs tägliche Leben in der Schrift zu sagen hat!“ Zum Schlusse betonte der glaubensmutige Staats⸗ mann:„Es gibt keinen größeren Ruhm, als den Kampf des Glaubens zu vollenden. Seit zwei Jahrtausenden ruft uns des Heilands Wort. und wir müssen es hören. Darum, lest eure Bibel!“ (Aus einem ungarischen Tageblatt.) 2 Meinungskauf. Auf der Hauptversammlung deutscher Zeitungsverleger stellte Professor Julius Wolff fest, daß mit Zrovinzzeitungen Insertionsverträge abgeschlossen wurden, bei denen die inse⸗ rierende Unternehmung den Verlegern nachstehende Bedingung stellte:„Wenn, so lange diese Inserate laufen, die Zeitung in ihrem redaktionellen Teil sich kritisch über die in Frage kom⸗ mende Gruppe oder ihre Geschäftsgebarungen ausspricht, oder wenn sie sich in einer den betreffenden Industrie- oder Handels⸗ konzern angehenden Wirtschaftslage in einem nicht genehmen Sinne vernehmen läßt, ist nicht nur der Auftrag hinfällig, sondern es brauchen auch die Inserate, die bereits erschienen sind, nicht bezahlt werden“. Die Wirkung dieses Abhängigkeitsver⸗ hältnisses, in dem ein Teil der Presse zum Kapital steht, zeigte sich kürzlich in Bayern anläßlich der Bierpreiserhöhung. Zahl⸗ reiche Blätter wandten sich gegen die Erhöhung des Bier— preises und riefen dadurch den Zorn der Brauindustrie her⸗ vor. So werden jetzt dem„Bayerischen Kurier“ und dem „Neuen Münchner Tagblatt“, die auch unter den Bekämpfern der Bierpreiserhöhung waren, von einer Reihe von Firmen die Inserate verweigert. * Frivole Reklame. Zeitungsanzeige einer Lichtspielgesellschaft unmittelbar vor der Stillen Woche mit ihren Abendmahlsfeiern für die Neu⸗ konfirmierten: 10 Akte tollstenn Humors! Lachen?— Nein! Brüllen ohne Ende! Freitag bis Sonntag! Die große Lustspiel⸗Woche! Motto: Kommt her zu uns alle, die ihr mühselig und beladen seid, wir werden Euch erquicken! Nehmet Lehre an und lernt von uns, wie man sich vom Schneidergesellen zum Bankdirektor empor⸗ schwingen kann! 9 Das Magdeburger Konsistorium hat gegen diese blasphe⸗ mische Verdrehung eines Jesuswortes Einspruch erhoben und von. der Zeitung— noch nicht von der veranstaltenden Firma— eine zufriedenstellende Erklärung erhalten. Da die Anzeige nach einer Mater gedruckt(es handelt sich um den Großfilm „Bankhaus Pat& Patachon“, ein Lustspiel aus Kleinkiekers⸗ dorf in 6 Akten) und demnach anzunehmen ist, daß sie auch anderwärts erscheint, sei hier von dem frivolen Mißbrauch zur Ermöglichung rechtzeitiger Schritte Kenntnis gegeben. g Das Deste Schutzmittel gegen nasse Wände, Salpeter, Maueriraß, Schwamm und Rost ist die Universal⸗Isolier⸗Glasur „ET RICO“ Von Autoritäten und auch von uns selbst erprobt. Glänzende Resultate. Staatliche Gutachten liegen vor. Jeder Haus hal⸗ tungsvorstand, jeder Geschäftsmann, jeder Sausbesitzer, jeder Bauunternehmer, jeder Bau⸗Handwerker muß dieses neue ganz vorzügliche Schutzmittel heute anwenden, will er sich vor Scha⸗ den bewahren.— Etrico ist Farbe und zugleich Schutzmittel! In allen Farben vorrätig. Man lasse sich eine Kilo⸗Dose zu Rmk. 2,50 kommen und der Versuch bringt die gründliche Ueber- zeugung, daf ein Etrico-Hnstrich schützt und schön bleibt. Man wende sich an den Etrico⸗Generalvertrieb für Hessen und Hessen⸗Nassau, Gießen, Südanlage 21. An untere Mitglieder und Freunde! starkes Bekenntnis zu unserer Bewegung werden. Es ist darum Ehrenpflicht für alle unsere Mitglieder und Freunde, an der Tagung teilzunehmen. Freiquartiere stehen in Mainz und Vororten zur Verfügung. Näheres später. Mit evangelischem Gruß! Für den engeren Vorstand der Evangelischen Volksgemeinschaft: Dr. jur. Moegenburg⸗Frankfurt a. M. e D N. N l r N NN Pfarrer Mosel⸗Rohrberg. 2 N — . 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Es war eine mutige Tat, die ganz Deutschland aufhorchen ließ. Ein Mönch wagte allein, gegen Lehren der alleinselig⸗ machenden Kirche anzukämpfen. Was wollte denn eigentlich dieser Luther? Wollte er an die Stelle der Wahrheit die Lüge setzen? Wollte er das Göttliche durch Menschliches ersetzen? Wollte er ein Neues schaffen, das sein Menschengeist sich zurecht gedacht hatte? Nein, und abermals Nein] Solches lag diesem ernsten, nach Wahrheit suchenden Manne gänzlich fern. Nie⸗ mand hat ja wohl mehr nach Klarheit gerungen, als unser Luther. Aber bei dem Studium der Bibel und der christlichen Geschichte hatte er einen deutlichen Unterschied kennen gelernt zwischen dem Archristentum und der römischen Papstkirche. In Kultus und Glau⸗ ben waren von außenher fremde Bestandteile hineinge⸗ Tragen worden, die nicht im Sinne Jesu sein können. Da war Luthers Folgerung logisch und einfach. Was nicht im Sinne Jesu ist, das ist auch nicht göttlich. Was aber nicht göttlich ist, das ist teuflisch. Wie nun der Apostel seine Epheser rüstet gegen die listigen Anläufe des Teufels“, so war zu seiner Zeit auch Luther der Herold des deutschen Volkes, der zum Kampfe gegen alles Wideraöttliche und Mnchröte lle O em 1 6 6 1 2 herskest ät der Gestälkung des kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Lebens in Staat und Gemeinde. Die Meinung, Politik habe mit Religion nichts zu tun, ist durchaus falsch. Diese irrige Meinung hat uns Evangelische zu der jetzt offenkundigen politi⸗ schen Machtlosigkeit geführt. hatte er gegen sich stehen! Luther war furchtlos und treu. So steht er uns und den künftigen Zeiten als ein Vorbild des gottesfürchtigen Glaubenskämpfers. Heute sehen wir das Erbe Luthers, des größten Wohltäters Deutschlands, wieder bedroht. Das Frei⸗ denkertum auf der einen Seite, die amerikanischen Sek⸗ ten auf der anderen Seite, suchen der Kirche der Re⸗ formation Abbruch zu tun. Dazu blähet sich Rom und sucht wie zur Reformationszeit, so auch heute, nicht mit den Waffen des Geistes, sondern mit weltlicher Gewalt, Luthers Werk zu vernichten. Mit dem Ende des Jah res 1546, dem Todesjahre des großen Reformators, be⸗ ginnt die Abwehr kriegerischer Anläufe Roms. Seit dieser Zeit haben die Bekenner des Evangeliums immer wieder weltliche Machtmittel zu spüren bekommen, wie Kriege, gewaltsame Austreibungen aus der Heimat, ge⸗ waltsame Bekehrungen zur römischen Kirche und dergl. Heute hat man andere Mittel, humanere wohl, aber deshalb nicht weniger gefährliche. Was man mit der rohen Gewalt nicht erreicht, das kann man heute auf dem Wege der Gesetzgebung erreichen. Darum suchen alle Feinde der Reformation, das Freidenkertum eben⸗ so wie Rom, Einfluß auf die Gesetzgebung Deutschland zu gewinnen. der Reformation am Platze sein, zu wachen, zu beten, aber auch zu handeln! müssen wir anlegen und Christi Sache überall da führen, wo man ihr gefährlich wird. Leben heißt ja kämpfen. in ganz Da heißt es für die Erben Die geistige Waffenrüstung Es ist Zeit, daß wir Evangelische wach werden und uns den Kämpfer⸗ und Bekennergeist der Reformations⸗ zeit wieder erwerben. Kreuz nehmen und Jesu nachfolgen. So wollte es der Herr. c LN 1 Jesu Jünger müssen ja das Christ sein, heißt ein Bekenner sein. Die ersten 10* 19 —— tek“ des, Sreackr 5 eee. 2 And Völkerleben zur Geltung zu bringen suchen zur Rettung des deutschen Volkes und der gesamten Menschheit. Das alles soll erreicht werden durch die Evange⸗ lische Volksgemeinschaft. Durch sie soll die Fackel des Evangeliums in das öffentliche Leben hineingeworfen W erden. Im Vertrauen auf Gott und das gute Recht nen und die Segenskräfte des Evangeliums nutzbar machen für die Heilung unseres kranken und irregeleite⸗ ten Volkes. Das erfordert Selbstverleugnung und Kampf. Wir werden auf einen besonderen Platz ge⸗ rufen. Wenn wir glauben, daß das Gesetz durch die Religion gekommen ist, dann müssen wir dafür kämp⸗ fen, daß in unserem Volke die Gesetze nicht wider die Religion, nicht widergöttlich gemacht werden. Daß wir da ja auch recht handeln! Gott hat uns durch die Stürme der letzten Jahre hindurch unser teures Evangelium erhalten. Heute fordert er Pflichten von uns. Da wollen wir den Wächterruf hören in aller Demut, aber auch in der Gewißheit, in der unser Martin Luther einst sang: Mit uns'rer Macht ist nichts getan, Wir sind gar bald verloren. Es streit für uns der rechte Mann, Den Gott hat selbst erkoren. Fragst du, wer er ist: Er heißt Jesus Christ, Der Herr Zebaoth, Und ist kein andrer Gott; Das Feld muß er behalten. Hr. Aus oͤen 95 Thesen. D. E. K. Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht: Tut Buße! hat er gewollt, daß alles Leben der Gläubigen Buße sein soll.— Jeglicher Christ hat, wenn er in aufrichtiger Reue steht, vollkommenen Erlaß von Strafe und Schuld, die ihm auch ohne Ablaßbrief gebührt.— Der wahre Schatz der Kirche ist das aller⸗ heiligste Evangelium der Herrlichkeit und Gnade Got⸗ tes.— Man ermahue- die- Chrifban daß sie ihrem nd Hölle nachzu⸗ „5er ihr Vertrauen Simmelreich ein⸗ at keine Gefahr.“ 0 scartin Luther. 20 2 22 23 24 * 2 — * . 8 e aus „ jeder ue gan r Scha; 0 ase zu da, 8 1 b lassau, 3 9 1 7 4 3 e