Evangelische Organ der Evangelischen Volksgemeinschaft Sauptschriftleiter: Edwin 5 Hamburger ii in Staden(Oberhessen). antwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger, r den Unterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz. Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. Erscheint Sonnabends.— Bezugspreis 50 Pfennig monatlich. Abonnements⸗ und Anzeigen⸗Annahmestelle Druck und Verlag Albin Klein, Gießen, Südanlage 21 Fernspr.: Nr. 1145 u. 1362 Postscheckk.: Nr. 44 332 Frlft./ M. Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzell auswärts 24 Pfg. am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen Vergünstigung. ahraang. Connabend, den 23. Juli 1027, Nummer 30 Evangelische volksgemeinschaĩt politische Zusammenschluß 8 Wanburg- cls den deutschen volt. Il Unsere los!—— E Ekvangelische jeden standes in den Reihen der EV ist Euer Platz!—.— 8 VLest u. fördert die„Evang. Warte“, das Organ der EV. Allmählich beginnt man in unserem Hessenländ— chen das es der Evangelischen Volksgemeinschaft u erkennen. Das ist am besten aus den Zuschriften an seirater die Schriftleitung und an die Berichterstatter zu erken⸗ ung un nen, sowie an den Bitten, hier und da für die Inter— ist ein sssen unserer evangelischen Sache einzutreten. Umso hen,„ bedeutungsvoller ist diese Tatsache, wenn man über⸗ d Ng legt, daß die Evangelische Volksgemeinschaft bis jetzt soch keine positive Macht besitzt, ganz besonders nicht im Landtag vertreten ist. Man betrachtet sie aber immer— hin schon als eine Instanz, die mit Tatkraft für die evangelische Sache ficht und die in Zukunft ihre Bedeu⸗ tung erlangen wird. Sehr wertvoll für die Arbeit der Evangelischen Volksgemeinschaft ist in den ganzen Fragen unsere Evangelische Warte“, da wir hier Gelegenheit haben, uns über die Kampfarbeit auszusprechen. Denn Kampf st unsere Losung und zwar schwerster Kampf: Abwehr- lampf. Wir wissen, daß es noch ein träumendes Heer 0 Evangelischer gibt, das in Gleichmut und Nachlässigkeit eh ue ddahertrottet; wir kennen das wackere Regiment der wenß] Streiter des Evangelischen Bundes, das, leider zu oft wien vergeblich, die Parteien im Interesse der evangelischen zeudsge Sache zu beeinflussen sucht. Und nun wächst ruhig, aber cher das Häuflein der Evangelischen Volksgemein⸗ haft als evangelische Partei. Noch stehen im Augenblick evangelische Kreise ihr abwartend gegenüber; nicht feindlich, das sei ausdrück⸗ iich anerkannt. Aber man will erst das Bäumlein . sehen, dann„hat man es 1 schon immer ge⸗ Was dünket dich um Christus? Lies Ev. Markus 8, 2730. Hoch im Norden des Landes, von den Scharen verlassen, von nem Häuflein Jünger geleitet, richtet Jesus an sie die Frage: Wer sagen die Leute, daß ich sei?“ Jesus ist gewiß keiner von genen, die sich durch der Parteien Haß und Gunst verwirren gassen, die sich durch das, was„man“ sagt, beeinflussen lassen. Aber es liegt ihm am Herzen, zu erfahren, welche Frucht seine irksamkeit gebracht hat, wie das Volk über ihn denkt. Das Bolk denkt hoch von Jesus. Es sieht in ihm den auferstandenen Johannes der Täufer oder den wiedergekehrten Elias, dessen Erscheinen nach dem Glauben des Volkes dem Kommen des Mes— as vorausgehen mußte oder kurzweg einen Propheten. „Wer sagen die Leute, daß Jesus sei?“ Seit Jahrhunderten vogt das Urteil über Jesus hin und her. Es bewegt sich in einer Stufenleiter, die von schroffster Ablehnung und absprechendster beringschätzung bis zur höchsten Bewunderung geht.„Schwär⸗ ger, Schwindler, Verführer“— so heißt es auf der einen Seite heute wie damals. Auch der positiven Urteile sind ungezählte. für viele ist Jesus wie damals der„Prophet“ oder der größte aller Propheten. Es ist wahr, niemand hat tieferen Einblick in as Wesen und den Willen Gottes gehabt als er. Man nennt . in den größten Weisheitslehrer, Philosophen. Es ist wahr: nie⸗ gond hat tiefere Gedanken gehabt über Welt und Leben als er. i den„Idealmenschen“ sieht man in ihm. Es ist wahr: die Höhe ines Menschentums wurde bis zur Stunde von niemand er⸗ leicht. Den größten Menschenfreund sieht man in ihm. Es ist bohr: er ist unerreicht im Dienste des Nächsten. Man nennt ihn hen größten Künstler. Es ist wahr: seine Gleichnisse etwa sind funstwerke von unüberbietbarer Schöne und unvergänglichem erte. Wer sagen die Leute, daß er sei? Ein ungeheures slimmengewirr der Meinungen schlägt dir entgegen. Die ver— shiedensten Welt⸗ und Lebensanschauungen, sozialen, ja poli⸗ ichen Ansichten nehmen ihn als Kronzeugen in Anspruch, be⸗ fen sich auf irgendwelche Worte von ihm. Neues aus Hessen. mehr Politik“, sag pricht man mit solch einem Lauen, da gesteht er: Ja, es passiert so viel, wogegen wir Evangelische uns wehren müssen, es muß anders werden, aber... Wäre nur dieses„Aber! nicht, das echt evangelische „Aber“. Heraus aus dieser Lauheit, aus dieser Gleich— gültigkeit! Jedem sein Recht! Für evangelisches Recht kämpft die ane eie Volksgemeinschaft; Waffe da⸗ bei ist ihr u. a. die„Evangelische Warte“. Die„Evangelische Warte!“ Was man darüber alles hört! Ich will nur kurz von den evangelischen Kreisen sprechen, denn die anderen sind ja durchweg ihre Gegner aus durchsichtigen Gründen. Dem einen ist sie zu lau, dem anderen zu scharf; dieser meint„bitte jener„mehr Unterhaltung“, und so geht das weiter. Der goldene Mittelweg ist immer der beste! Schriftleitung und Vorstand suchen ihn daher auch stets einzuhalten. Wer aber gern etwas aussetzen will, möge den Rat befolgen, eine Anzahl Abonnenten mehr zu werben, damit die Zeitung umfangreicher erscheinen kann, dann werden noch weitere Kreise auf ihre Kosten lommen. Seien wir froh, endlich eine rein evangelische Zeitung zu haben! Evangelische, lest diese evangelische Zeitung! Ich möchte nur ganz kurz einen Auszug aus dem Abdruck des„Mainzer Journal“, des weitverbrei⸗ testen Zentrumsblattes Hessens, welcher der„Merkuxia“ entnommen ist, bringen. Darin heißt es:„Darum sollte jeder katholische Kaufmann in erster Linie seine Waren in der katholischen Presse ankündigen. Darüber hinaus ist es allerdings auch notwendig, immer und immer wieder zu betonen, daß die Leser die Interessenten des 755 das Arteil der Leute 7 7 ohne sich dazu zu äußern. In rascher Wendung kehrt er die Frage an die Jünger:„Ihr aber, wer sagt ihr, daß ich sei?“ Was haben wir damit gewonnen, daß wir die Urteile„der Leute“ prüfen und kritisieren? Wir müssen uns von Jesus ganz per⸗ sönlich die Frage stellen lassen:„Du, was sagst du, wer ich sei? Was bin ich dir?“ Petrus, der Rasche, nennt Jesus mit dem höchsten Namen, den er kennt.„Du bist Christus.“ Mußte nicht das Herz Jesu überwallen vor Freude, daß wenigstens das kleine Häuflein seiner Jünger sein Wesen und seine Sendung richtig erfaßt hatte? Aber Jesus bedroht sie, sie sollen es niemand weitersagen. Der Christusname hat in ihrem Munde einen falschen Klang. Sie sehen in Jesus den Messiaskönig, der ein Erdenreich voll Glanz, Glück und Herrlichkeit aufrichtet, an dem sie den hervorragendsten Anteil haben würden. Du kannst Jesus den„Heiland nennen, und es kann ein ganz falscher Klang sein. Erwarten nicht viele von Jesus, daß er ihnen äußeres Glück gebe, sie vor Unheil, Krankheit, Armut, Leid bewahre? Jesus hat der Heiland in ganz anderem Sinne sein wollen und will es sein. Er will die Menschen losmachen von der furchtbaren Gewalt des Bösen und sie hineinstellen in die Macht des lebendigen Gottes. Das Recht, Jesus den Heiland zu nennen, hat nur der, der seine Gebunden— heit an das Böse sieht, bitter darunter leidet, weil sie ihn von Gott trennt, keine höhere Sehnsucht kennt als die, mit Gott in Frieden und Gemeinschaft zu kommen und weiß, daß nur Jesus ihm helfen kann. Jesus ist der Heiland, das kann nur der sagen, ö der genau weiß, daß unser Volk so bitter leiden muß, weil die Sünde seine Sünde, der Leute Verderben ist, und daß niemand ihm zur inneren Gesundung verhelfen kann, als Jesus allein. Er allein kann die deutsche Seele heilen— dann gibts auch keine Heilung in den tausend äußeren Nöten. Jesus ist der Welt⸗ heiland, das kann nur der mit Wahrhaftigkeit sagen, der klar sieht, daß das Unheil der Welt daher rührt, daß die ganze Welt im Banne des Bösen liegt, und daß nur einer sie aus diesem Banne lösen kann: Jesus. Darum frage dich in ehrlicher Selbst⸗ besinnung:„Darf ich Jesus wirklich den Heiland nennen?“ eigenen Blattes bevorzugen sollen. Das ist die praktische Solidarität. So sollte auch jeder Katholik auf Reisen es als seine Pflicht betrachten, auf den Bahnhöfen nur eine katholische Zeitung zu fordern und wenn er eine solche nicht 1190 keine andere zu nehmen... Es handelt sich um nicht mehr und nicht weniger als um uns selbst, um höchsteigene Interessen, um die Stärkung unserer Kraft in den kommenden Kämpfen um unsere höchsten Güter.“ Dieser kleine Auszug dürfte kaum eines weiteren Kommentares bedürfen als die bescheidene Anfrage an unsere Leser:„Und wie steht es mit euch?“ In der Zentrumspresse beobachtet man unsere „Evangelische Warte“ ja sehr scharf. So bringt das⸗ selbe„Mainzer Journal zu dem in der Warte Nr. 24 abgedruckten Artikel„Los von Rom“ folgenden Ar⸗ tikel unter dem 25. Juni: Los von Nom! Die in Gießen erscheinende„Evangelische Warte“, Organ der„Evangelischen Volksgemein⸗ schaft“, hat sich den Kampf gegen die katholische Kirche in besonderer Weise zur Aufgabe gemacht. Der Leitartikel in Nr. 24 trägt in großen Lettern die Titelzeile„Los von Rom“ und den Antertitel „Ein Aufschrei eines katholischen Priesters.“ Als Ver⸗ fasser zeichnet Gustav Hildebrant, Kottbus. Dieser seltsame Kirchenhistoriker sagt: „Roms Macht ist dem Untergang geweiht; sie schleicht(gleicht) dem trüben Licht einer aus⸗ gebrannten Lampe, die vor dem Exlöschen noch einmal aufflammt. Dieses Aufflammen erblicke ich in den krampfhaften Bemühungen, durch Kon⸗ 5 Wodurch wird Jesus dein Heiland? Nicht durch das, was du von ihm denkst, nicht dadurch, daß du ihn zum Heiligen machst und göttlich verehrst; nicht dadurch, daß du in ihm den erhaben⸗ sten Lehrer und das unüberbietbare Vorbild siehst. Einzig und allein dadurch, daß du dich ihm mit dem Herzen hingibst.„Glau⸗ ben heißt, jemanden zu seinem Herrn machen.“ An Jesus glau⸗ ben, heißt, ihn zu seinem Herrn machen, sich von ihm bis in den innersten Winkel der Seele beherrschen lassen, aus seinem Geist, aus seiner Liebe heraus sein ganzes Wesen und Leben bestimmen lassen, sich bei allem Denken, Reden und Handeln von ihm füh⸗ ren und treiben lassen. Wem der Heiland nicht zur Triebkraft seines Herzens geworden ist, der ist ein Christusleugner, mag er den Namen„Heiland“ noch so oft und laut aussprechen! Was ist dir Jesus? Das ist die Entscheidungsfrage über jedes Leben und Schicksal, auch über das Schicksal unseres Volkes, auch über das Schicksal der Welt. Damit unser Volk des Hei⸗ landes werde, muß der Einzelne erst sein Eigentum sein. Du! „Was dünket dich um Christus?“ Sag es frei! Du mußt es wissen, eh du gehst von hinnen. Erschauernd schmiegt sich meine müde Seele Zu seinen Füßen... nicht dem fernen Gott. Dem Nazarener, der in Armut wandelt: Dem Menschensohn, dem aller seiner Brüder Tiefinnres Sehnen kund, weil er sie liebte— Bis er um sie die Dornenkrone trug. Dem Menschensohn? Verklärt sich nicht sein Antlitz Und wird entrückt in unnahbare Fernen der Ewigkeit? Du bist des Höchsten Sohn, des unerforschlich Strahlen Kein irdisch Auge je erfassen mag—— Bist... willst du Antwort von dem Sterblichen? Erbarme dich. Mich dünkt Liebt dich, wie sie dich sucht— zieh sie zu dir. Amen. P. nichts andres weiß ich... meine Seele ö g 1 — — N FFP 1 1 1 40 1 1 —— —— 8 c N e — — r——— 1 1 4 0 0 1 Sonnabend, den 23. Juli 1927. 5 „Evangelische Warte“ kordate die alte, morsch gewordene Macht neu zu beleben und zu festigen.“ Dann veröffentlicht der Verfasser einen längeren Brief, der von einem bayrischen Geistlichen stammen soll. Der Verfasser führt Klage, daß die Geistlichen ihre Ansicht nicht frei und unbehindert zum Aus⸗ druck bringen könnten und in einer„systematischen Zwangsjacke“ steckten. Zuletzt offenbart der Ver⸗ fasser sein Streben, das in der Hauptsache dahin geht, durch Gesetz den Zölibat zu verbieten. Auch den Fall Wittich zieht Hildebrant an; aber es fehlt offenbar an eignen Geistesblitzen und so bleibt es beim Er⸗ wähnen des Falles. Im Ganzen ist der Leitartikel ein Aneinander⸗Reihen von Dingen, die wenig mit⸗ einander zu tun haben. Den Katholiken ist es un— verständlich, daß ein protestantisches Blatt sich in sol— cher Weise um katholische Angelegenheiten kümmert. Wir haben kein Verlangen, in die Fenster des Nach⸗ bars zu schauen, sondern befassen uns in der Haupt⸗ sache mit eigenen Angelegenheiten. Was über die systematische Zwangsjacke gesagt wird, deutet auf die Mentalität des Verfassers leines vielleicht be— dauernswerten Mannes) und bedarf keiner Wider— legung. So man diesen Artikel liest, weiß man nicht, über was man sich mehr wundern soll: ob über die Naivität des Journal-Artikelschreibers oder über eine gewisse Doppelzüngigkeit. Jedenfalls kann man unseren Le— sern nur raten, sich den in der„Warte“ abgedruckten Ar⸗ tikel einmal zur Hand zu nehmen und die Journal— Betrachtung damit zu vergleichen. Die Doppelzüngig⸗ keit liegt darin, daß man mit dem Wort„Verfasser“ spielt, sodaß der Leser des Journalartikels nie weiß, ob unser Freund HildebrantKottbus, oder der Verfasser des Briefes gemeint ist. Ist das Absicht? Vielleicht wegen des letzten Satzes. Weiteres möchte ich unserem Kampfesbruder Hildebrant überlassen, falls er es überhaupt der Mühe wert hält, darauf etwas zu schrei⸗ ben. Aber ein Satz sei herausgegriffen, der doch zu interessant ist, als daß man ihn in der Versenkung ver⸗ schwinden lasse:„Dem Katholiken ist es unverständlich, daß ein protestantisches Blatt sich in solcher Weise um katholische Angelegenheiten kümmert.“ Ja, mit den katholischen Angelegenheiten ist das eine dumme Geschichte. Z. B. nicht wahr, die Mischehe und das Mischehengesetz ist auch eine katholische Ange— legenheit? Vor mir liegt eine Zuschrift aus dem Kreise Worms, nach der in einem Ort der katholische Geistliche an Pfingsten in seiner Predigt gesagt haben soll: „Einem Mädchen, das mit einem protestantischen Bur— schen geht, müßte man die Hände abhauen und die Nase und die Ohren abschneiden.“ Das sind nach dem„Mainzer Journal“ alles An⸗ gelegenheiten, um die wir Evangelische uns nicht zu kümmern haben. Interessant sind ja auch die Ereignisse, die sich kürzlich an dem pädagogischen Institut in Mainz abge— spielt haben. Bekanntlich ist das Mainzer pädagogische Institut, das der Ausbildung der Volksschullehrer dient, ein simultanes Institut, d. h. in ihm werden die Lehrer aller Konfessionen gemäß der altbewährten hessischen Simultanschule ausgebildet. Das Institut ist der Tech⸗ nischen Hochschule Darmstadt angeschlossen, die gewiß keine Konfessionsanstalt ist. Wie an anderen Hoch— schulen wollte man auch in Mainz für die Studieren- den Aufenthaltsräume und billigen Mittagstisch (Mensa) schaffen. Sofort legte sich der in Mainz all- gewaltige katholische Caritasverband ins Zeug, um diese„Mensa“ in sein Haus zu bekommen. Da von an— derer Seite für den Mittagstisch gleiche Angebote vor— lagen, ging der Caritasverband so weit, um die Stu⸗ dierenden in sein eigenes Heim zu erhalten, daß er zu jedem Mittagstisch(0,80 J) noch 0,20, zulegen wollte. Das rief einen Protest der evangelischen Stu— dierenden hervor, die dies alles mit ihrem evangelischen Glauben nicht vereinbaren konnten. In ihrer Not wandten sie sich auch an die Evangelische Volksgemein⸗ schaft, die durch verschiedene ihrer Mitglieder auch sofort energische Schritte unternahm. Der große, nahezu 4000 Mitglieder zählende simultane hessische Landes- Lehrer⸗ Verein wurde darauf aufmerksam gemacht, der auch un⸗ verzüglich protestierte. Welches war der Erfolg? Man wollte die Sache vom Läppchen ins Tüchelchen wickeln. Der Caritasverband hat u. a. in Mainz ein öffentliches Hotel stehen, dessen Einnahmen selbstredend in die Kas— sen des Verbandes fließen. Dahin wollte man die „Mensa“ legen. Warum dies? Damit der simultane Lehrerverein nicht mehr weiter protestieren könne, da ja jedes Hotel jedermann auch sonst zugänglich sei.(Das eigentliche Caritashaus, wohin die„Mensa“ zunächst sollte, steht nur Katholiken offen.) Daraufhin griff auf Beschwerde der evangelischen Studierenden und der Mit⸗ glieder der Evangelischen Volksgemeinschaft der Super⸗ intendent der Provinz Rheinhessen ein. Vereinten Bemühungen ist es gelungen, die Sache so weit in der Schwebe zu halten, daß in nächster Zeit zu erwarten steht, daß die Stadt Mainz, wie es auch das richtige ist, Räume zur Verfügung stellt, sowie für einen billigen Mittagstisch sorgt. Dies dürfte wie ein Vorspiel zu den Kämpfen zu betrachten sein, die in der nächsten Zeit bei der öffent⸗ lichen Diskussion um das Reichsschulgesetz entbrennen werden. Wir werden, sobald der Entwurf des Gesetzes im Wortlaut vorliegt, in einem besonderen Artikel darauf zurückkommen. Die Evangelische Volksgemein⸗ schaft geht auch in diesen Kampf gerüstet hinein und wird ihren Standpunkt zu wahren wissen. G. Die wohlorganisierte evangelische Gemeinde. Eine sonderbare Ueberschrift wird da mancher Le— ser sagen. Wohlorganisiert? Das Wort dürfte im ersten Augenblick viele schrecken. Aber bitte keine Angst! Wenn man auch vielfach behauptet: wir leiden an Ueberorganisation, so wird doch wohl jeder zugeben müssen, daß Organisation die Grundlage eines jeglichen geordneten umfassenden Betriebes ist, sei es nun ein Verein, sei es eine Gemeinde oder Stadt, sei es ein Staat. So gehört auch eine Gemeinde, gerade die evangelische Gemeinde, organisiert. Es ist in einer der letzten Nummern mit Bedauern von„verpaßten Gelegenheiten“ unserer Geistlichkeit ge— sprochen worden. In diesem Artikel sei für unsere Geistlichen, die die Gelegenheiten nicht verpassen, eine Lanze gebrochen! Der Verfasser dieses Artikels ist kein Geistlicher, das sei vorweg bemerkt; auch ist die Ge— meinde, die er beschreiben will, kein Traumgebilde, son— dern Wirklichkeit! Gehen wir also einmal in diese Gemeinde und sehen wir uns ihre Organisationen an! Zum Wesen der Organisation gehört, daß sie umfassend sein muß, für die evangelische Gemeinde also: sie muß die Glieder jeglichen Lebensalters sammeln. So möge sich der Le— ser eine Diasporagemeinde von ca. 1500 Seelen vor— stellen. Die Spitzenorganisationen sind der Evangelische Verein mit über 300 Mitgliedern und der Evangelische Frauenverein mit etwa der gleichen Mitgliederzahl. Schon durch diese beiden Verbände sind fast alle Fa— milien in irgendwelcher Art in evangelische Organi— sation eingeschlossen. Der Evangelische Verein, dessen Mitglieder ein Mindestalter von 16 Jahren haben müssen, hat als Unterabteilungen zunächst eine Gesangsabteilung von 70 Damen und Herren, die auch als Kirchenchor fun— giert und dem hessischen Verband angeschlossen ist. Sie singt bei allen hohen kirchlichen Festen und veranstaltet selbständige künstlerische Konzerte. Weiterhin besteht in dem Verein eine Sterbekasse, die z. Zt. bei jedem Sterbfall 60 Mark auszahlt. Das Sterbegeld steigt im Augenblicke jährlich. Der Beitrag ist einschließlich Sterbekasse auf monatlich 0,50 Mark festgelegt. Dem 2 7 7 Ein stiller Musikant. Schluß. Etwa 10 Jahre später kam ich auf einer längeren Reise durch eine der größeren mitteldeutschen Städte, deren Orchester— verein damals auch in weiteren Kreisen eines wohlverdienten Rufes genoß; nicht allein durch die eigenen tüchtigen Leistungen, sondern ebensosehr, weil die Direktion es verstand, mit ihren verhältnismäßig bescheidenen Mitteln fast für jedes Konzert auch von außen her irgendeinen bedeutenden Künstler heran— zuziehen. Es war im Spätherbst und schon Abend, als ich ankam. Ein dort wohnender musikliebender Freund, der mich am Bahnhof erwartet hatte, kündigte mir an, es sei Orchestervereinskonzert heute abend; ich müsse sogleich mit ihm kommen, es sei die höchste Zeit. Ich wußte aus Erfahrung, gegen diesen Enthusiasten war nicht aufzukommen, und so übergab ich denn mein Gepäckschein nebst überschüssigem Reisegerät dem Diener irgendeines Hotels; gleich darauf saßen wir in einer Droschke, die uns gegen doppel— ten Fuhrlohn in raschem Trabe nach dem mir schon früher be— kannten„Museum“ brachte. Unterwegs hatte ich noch erfahren, daß für den heutigen Abend eine junge Sängerin gewonnen sei, eine Art von Unikum für klassische Musik, die außerdem die Schrulle habe, sich stets als die Schülerin eines gänzlich unbe— kannten Menschen aufzuführen. Das Konzert hatte bei unserer Ankunft schon begonnen, und wir mußten an der geschlossenen Tür des Saales warten, bis die letzten Takte der Hebriden-Ouvertüre verklungen waren. Als die Türen wieder geöffnet wurden, steckte mein Freund mir ein inzwischen von ihm besorgtes Programm in die Brusttasche mei— nes Rockes, zog mich bei der Hand in den gefüllten Saal und hatte bald, ich weiß nicht wie, zwei Plätze für uns frei gemacht. Nr. 30. PPPPPPPPPwPCPFCPCPCPCTPbCTGTPTGTCTGTPTPTGTGTGTGTCTbTbTbTbTbTbTbTbTbTbTbTbTbTbVbPbPbPbVbPVVVVVUVPPPPPVPVCVCVCV——————————— ˖ꝓ˖ꝓ—— p Verein ist weiter angeschlossen eine evangelische Büche⸗ rei mit über 500 Bänden für jedes Lebensalter. Für Buch und Woche werden von den Erwachsenen 10 Pfg., von den Kindern 5 Pfg. gezahlt. Die Ausleihe erfolgt sonntäglich von 11 bis 12 Uhr. Der Evangelische Frauenverein, der 14tägig seine Versammlungen abhält, hat sich eine Nähschule mit Tages- und Abendkurs angegliedert, in der er mit bestem Erfolg eine Lehrkraft beschäftigt. Außerdem hat er eine Wöchnerinnenhilfe in bedürftigen Fällen eingerichtet. Er ist dem hessischen Verband angeschlossen, Es folgt der Jungmännerverein, der zum Hessen⸗ bund gehört. Wöchentlich versammelt er sich zweimal; die Zusammenkünfte sind abwechselnd für die Aelteren und für die Jüngeren, dann wieder gemeinsam. Als Unterabteilung fungiert ein Bläserchor. Der Jungfrauenverein, der jede Woche einmal zu⸗ sammenkommt, hat eine kleine Mandolinenabteilung. Angeschlossen dem Verband weiblicher Jugend. Für die schulpflichtigen Kinder besteht eine Jung⸗ schar für Knaben und eine für Mädchen. Aus beiden setzt sich die Chorschule zusammen, die ebenfalls bei allen kirchlichen Festen mitwirkt, u. a. bei jeder Taufe singt, Für die Kleinsten besteht die Kinderschule, von einer Schwester geleitet, neben der eine Kranken schwester ihres Amtes waltet. Den Kleinsten begegnen wir auch als Lämmergruppe beim Kindergottesdienst, Die Schwesterstation unterhält eine Strickschule. Außerdem besteht ein evangelischer Hilfsverein. Alle diese Organisationen sammeln sich in der Ar⸗ beitsgemeinschaft, die sämtliche Veranstaltungen regelt, für gegenseitige Unterstützung sorgt usw. Als letztes Glied ist nun die politische Organisation, eine Ortsgruppe der Evangelischen Volksgemeinschaft hinzugetreten. An schönen Sonntagen versammelt sich mittags die Gemeinde auf einer Wiese, in der Nähe eines herr lichen Flusses gelegen. An hohem Maste wehen stolz die Wimpel der einzelnen Vereinigungen. Bänke laden zum Ruhen ein. Werktags an freien Mittagen tummelt sich hier unter Aufsicht die Jugend. Ein gutes Bindeglied ist das Gemeindeblatt, der „Seimatgruß“, der allmonatlich in einer Auflage von 500 Stück erscheint und bis ins Ausland geht. Selbstredend finden in allen Organisationen Vor träge statt. Der Ortsgeistliche ist durch eine Karthotel über seine Gemeindeglieder stets orientiert. Das ein⸗ zige, was der Gemeinde noch fehlt, ist ein eigenes Ge⸗ meindehaus mit einem geräumigen Saal, in dem Ver anstaltungen stattfinden können. Das Pfarrhaus hat vorläufig einen kleinen Versammlungsraum mit Har monium, sowie die Schwesternstation einen etwas größeren für ca. 80 Personen. So die Gemeinde abet weiterhin von dem guten evangelischen Geist, der sie nahezu 50 Jahre durchzieht, beseelt bleibt, wird auch das Gemeindehaus noch erbaut werden. Was in dieser Gemeinde von 1500 Seelen möglich ist, müßte in größeren Gemeinden noch leichter möglich sein; in kleineren lassen sich Bruchteile davon jederzeit ermöglichen. Der Geistliche einer derartigen Gemeinde hat eine gewaltige Aufgabe. Er kann sie nur erfüllen, wenn et dabei tatkräftigste Unterstützung von seinen Gemeinde gliedern erfährt. Er muß zur Hilfe evangelische, hilfs bereite, opferbereite Männer und Frauen um sich haben, Zusammenarbeit ist da Grundbedingung. Er hat aber auch dafür die Freude, sonntäglich vor einer gefüllten Kirche predigen zu können und im Kindergottesdienst nahezu die Gesamtheit der evangelischen Kinder zu sehen und eine gut besuchte Bibelstunde an jedem Donners; tag Abend halten zu können. Alle Stände müssen in evangelischem Geiste wetteifern. Luthergeist muß durch die Gemeinde ziehen. O, daß jede Gemeinde davon be— seelt wäre! Diese Zeilen seien ein Ansporn, das eine oder andere auch in der Gemeinde des Lesers zu ver suchen. Das sei noch bemerkt: Kopfhängergeist, Muckertum herrschen in der geschilderten Gemeinde nicht. Nein, frohes, fröhliches, evangelisches Treiben. Kein Wun— Neben mir saß ein alter weißhaariger Herr mit ein paar dunkeln Augen in dem feingeschnittenen Gesichte.„Nun also Mozart!“ sagte er vor sich hin und faltete die Hände auf dem gelbseidenen Taschentuche, das er über seine Knie gebreitet hatte. Bald darauf, während ich bei dem hellen Licht der Gas— kronen die einfach, aber mit besonderem Farbensinn dekorierten Wände des Saales betrachtete, war gegenüber auf dem Podium die Sängerin aufgetreten: ein blasses Mädchen mit ein paar dunkeln Flechten an den Schläfen. Das Orchester intonierte die ersten Takte zu der Arie der Elvira aus dem zweiten Akte des Don Juan, und nun hob sie das Notenblatt in ihrer Hand: „In quali eccessi, o numi!“ Mir war, als hätte ich niemals einen zugleich so anspruchslosen und so ergreifenden Gesang ge— hört; der alte Herr an meiner Seite nickte immer nachdrücklicher mit dem Kopfe; das war die Kunst, die alles Erdenleid in Wohl— laut löste! Aber dann— wie alles Schöne— war es schon zu Ende, als eben das Ohr am trunkensten lauschte. Ein paar scharf akzentuierte Bravos flogen durch den Saal, ein vereinzeltes Händeklatschen; aber der Beifall war nicht all— gemein. Der flott frisierte Kopf eines vor uns sitzenden jugen Mannes bog sich nach dem alten Herrn zurück.„Was sagst du, Onkel? Hübsche Stimme; aber etwas seltsam, autodidaktitsch!“ Der Alte blickte ihn mit sehr feinen Augen an.„So, mein Herr Neffe,“ sagte er,„hast du das herausgehört?“ Und mit einer höflichen Bewegung sich zu mir wendend, setzte er fast feierlich hinzu:„Das war der Mozart, wie ich ihn in meiner Jugend hörte!“ Aber das Konzert ging weiter. versuche des Vereins!“ flüsterte an Freund mir in die Ohren. Und so war es in der Tat: ein Geigenquartett von einem lebenden Meister kam zur Aufführung, aber alle Sorgfalt und „Nun kommen die Kunst⸗ der andern Seite mein Sicherheit der Spielenden konnte diesen Kunstfiguren keine Seel einhauchen; ein müdes, zweckloses Umherschauen ging durch die Reihen der Zuhörer. Der alte Mozartianer an meiner Seit hatte schon ein paarmal den Ansatz eines Gähnkrampfes in sei⸗ nem gelbseidenen Schnupftuch verbissen; endlich war denn auch der dritte Satz, und zwar im Fünfachteltakte, glücklich an uns vorbeigehüpft. Die Spieler traten ab, und die Pulte wurden zurückgesetzt; im Zuhörerraume aber saßen die meisten mit sehr dummen Ge— sichtern; sie wußten offenbar nicht, was sie aus der Sache machen, sollten.— Da trat die junge Sängerin wieder auf das Podium, eine kleine Notenrolle in der Hand. Ihr Antlitz trug einen schalkhaften, fast siegesbewußten Ausdruck, und mir kan schon der Verdacht, sie wolle den modernen Geigencancan durch ein noch entschiedeneres Bravourstück der Vox humana aus den Felde schlagen.— Ich hatte mich zum Glück geirrt. Es galt ja auch noch nicht einmal eine Orchesterbegleitung: nur der Kapellmeister saß am Flügel, der inzwischen in den Vordergrund geschoben war. Ei, paar einleitende Akkorde wurden angeschlagen, und dann began ein Vorspiel von ebenso großer Einfachheit als süßem Wohllaut, wie ein frohes Aufleuchten flog es plötzlich durch den ganzen Saal, und dann kam es, mit der stillen Gewalt der Menschen⸗ stimme: „Du liebe schöne Gotteswelt, Wie hast du mir das Herz erhellt!“ Aber was war denn das? Das kannte ich; das stand ja vorn auf dem weißen Blatte in meinem„Bürger“; das waren ja die Worte meines alten Musikmeisters Christian Valentin. Mein Gott, wie lange hatte ich nicht an ihn gedacht! Von reinen jugendlichen Tönen getragen, klang es durch Ea 7 540 Heel ele l Peel cilder dihel Polte fade it de. filen (Au er belt 15 bel di daun fta zu uhinb! d in udbeb läfte 5 Pe c 1 ich. „Tage 0 iich en. Jah sich Lerttet. mmer And a echt e lchte Ai al iteriu al le e Ech en se 1 Blül Abekan gar e tfesti e fta ren ng in tichte! Arme l früher ine 3 ng ir dex i en.— er Ha komm nlose Abend Isen. atreme sertei amn d kna de Soz zogen, lig st. d. 4 ziegend segiert „ Wü ent Se amit e ber de en in In.— Im Kg Aion! r Vet — N Saal n auc Die! Angerin Tuch au 1* be den Tü Eine er bras le her ind erg Seele 0 hastig ind der fete Reichnet 1 f a der, wenn sich ab und zu Leute einfinden, welche diese Gemeinde gern einmal sehen wollen, sich für diese und 0 ben Einrichtung interessieren, um sie in der eigenen emeinde auch einzuführen. Wenn das die oben ge— schilderte Gemeinde erfährt, oder sie vielleicht bei einer Kirchenvisitation aus kirchlichem Munde dankbare Porte zu hören bekommt, so ist sie nicht stolz, sondern Freude bewegt sie darüber, bescheidene Freude, gepaart nit der Zuversicht, ihre evangelischen Pflichten zu er— Füllen und auf dem richtigen Wege zu sein. (Auf Anfrage ist die Schriftleitung gerne bereit, den Namen der betr. Gemeinde Interessenten mitzuteilen, da der Verfasser aus verständlichen Gründen ihn nicht genannt hat.) al a Aung 8 Jupg beide l alle ding „ bf Auf der Warte. Die Welt steht mitten in einer Unwetter⸗Aera. Kaum waren die riesigen Ueberschwemmungen in Ame— tika zu Ende, als auch schon Wirbelstürme über Europa dahinbrausten. Auf die Unwetterkatastrophen im Harz und in Sachsen kommt nun in Palästina ein heftiges Erdbeben. Ueberall in der Welt scheinen die Natur- kräfte entfesselt zu sein. Wenn auch die Meldungen aus Palästina zunächst übertrieben waren, so ist doch ach den letzten Nachrichten der Schaden ganz beträcht⸗ lich. Die Genfer Marineabrüstungskonferenz, die vor Tagen vor unüberwindlichen Schwierigkeiten stand, hat sich in letzter Minute noch einmal zusammengefun⸗ den. Eine Vollsitzung fand statt. Aus den Reden ließ sich erkennen, daß Verhandlungsbereitschaft bei den vertretenen Staaten vorhanden ist, aber für sein Land gan land als den Hauptfündenbock hinzustellen. Recht oder Unrecht sei nicht entschieden! immer noch keiner nachgeben will. Man versucht, Eng⸗ Ob mit Jedenfalls möchte kein Staat die Schuld am Scheitern der Konfe⸗ 9 lenz auf sich nehmen.— In Frankreich hat sich das Mi⸗ mal retten können. lt, 1 ge ui u Pan that as ei les b n W is h it Hmm etwa gekommen infolge eines politischen Prozesses. lassen. t ene Flügels Angst und Bange geworden. nisterium Poincaré mit vielen Winkelzügen noch ein⸗ Poincaré selbst scheint aber doch der Schrecken ein wenig in die Glieder gefahren zu sein, denn seine Rede in Belgien anläßlich seines Besuches in Brüssel bei der Einweihung des Denkmals für den unbekannten Soldaten ist sehr mäßig gehalten, erkennt sogar einmal den guten Willen Deutschlands bei der Entfestigung des deutschen Ostens an. Dafür machen die französischen Nationalisten, denen das nicht in ihren Kram paßt, wegen dreier von der Forstverwal— ung im Interesse der Feuersicherung unserer Ostwälder errichteter Holztürme desto lauteren Lärm. Drei Holz⸗ fürme bedrohten von neuem die Sicherheit Frankreichs! Früher hätte man das in ein Witzblatt und nicht in eine Zeitung gesetzt.— Unterdessen steigt die Teue—⸗ tung in Frankreich unentwegt weiter. Der General- ndex ist in der letzten Woche von 485 auf 520 gestie⸗ gen.— In unserem Nachbarstaat Oesterreich ist es in der Hauptstadt Wien zu blutigen Zusammenstößen Gewis⸗ senlose Elemente hatten sich der Masse bemächtigt und haben den herrlichen Justizpalast in Flammen aufgehen Der Sozialdemokratie ist es selbst ob 73555 as isterreichische Parlament leidet unter einer unglücklichen ile und knapp 90 Andersgesinnten besteht. zusammensetzung, da es aus über 80 Sozialdemokraten Man hat aber die Sozialdemokraten nicht in die Regierung mit ein⸗ ezogen, nach unserer Ansicht ein Fehler. Eine der⸗ artig starke Opposition ist und bleibt ein Schmerzens⸗ nd. Dazu kommt, daß die Hauptstadt Wien über⸗ dviegend sozialdemokratisch ist. Anscheinend ist aber die issen! 5 dul won h. has ei Ju be uckerti Mui 1 Mu 2 ine S. egierung Herr der Lage und wehrt sich energisch gegen die Wünsche der Sozialdemokratie. Der schlaue Präsi⸗ dent Seipel hat durch Verhandlungen zunächst Zeit und damit alles gewonnen. Täuschen wir uns aber nicht über den Augenblickserfolg. Die nächsten Jahre wer⸗ den in dem Donaustaat starke politische Kämpfe brin⸗ gen.— Der Entwurf des Reichsschulgesetzes wurde om Kabinett beraten und der Oeffentlichkeit zur Dis⸗ ion übergeben. Die volksparteilichen Minister haben ihr Veto gegen gewisse Punkte eingelegt. Am brenz— „Evangelische Warte“ Mitteilung. Die nächste Sitzung des Hessischen Vorstandes und der Leiter der Hessischen Werbebezirke findet nicht am 24. Juli statt, sondern erst am Sonntag, den 31. Juli, nachm. 2 Ahr, in Frankfurt M.(Kronenhof) Maschinenformer Föller spricht über„Die Arbeiterfrage in der Evangelischen Volksgemeinschaft“. Alle Freunde der Evangelischen Volksgemeinschaft sind eingeladen. lichsten wird wohl der Kampf um die Simultanschule in Hessen, Baden und Hessen-Nassau werden. An anderer Stelle möge ausführlich nach Eintreffen des Wort— lautes dazu Stellung genommen werden.— In Hessen richteten Unwetter, besonders in der Provinz Rhein— hessen, beträchtlichen Schaden an.— In der letzten Woche tagte in Jugenheim der Hessische Beamtenbund und in Bad Nauheim der Hessische Landgemeindetag. Verschiedenes. Generalversammlung des Evang. Bundes 1927. Für viele Teilnehmer an der diesjährigen General— versammlung des Evangelischen Bundes, die vom 7. bis 9. Oktober in Eisenach stattfindet, und das Gesamt— thema behandelt:„Die ersten Grundlagen der evange— lischen Bundesarbeit: Bibel, Luther, Kirche“ wird ohne Frage ein besonderer Anziehungspunkt die Autorund⸗ fahrt durch den Thüringer Wald sein, die sich am 10. Oktober an die Verhandlungstage anschließt. Die Fahrt beginnt an diesem Tage vormittags 9 Uhr und führt von Eisenach über Bad Thal, Tabarz, Schloß Rein⸗ hardsbrunn, Friedrichsroda, Inselsberg. Trusenthal, Bad Liebenstein, Altenstein, Schloß Wilhelmsthal, Hohejonne zurück nach Eisenach. Die Bundesfreunde werden gut tun, sich auch den 10. Oktober freizuhalten, um so ein gutes Stück Thüringen kennen zu lernen. An⸗ meldungen für die Rundfahrt sind an das Städtische Verkehrsbüro in Eisenach zu richten. * Eine verbotene Fronleichnamsprozession. In einer Zeit, in der die römische katholische Kirche unter Ausnutzung der Verhältnisse bestrebt ist, die Fron⸗ leichnamsprozessionen möglichst einzuführen, auszudeh— nen und bemerkbar zu machen, verdient es angemerkt zu werden, daß der Stadtrat von Bayreuth in Bayern den Mut gefunden hat, diesen Bemühungen gegenüber stark zu bleiben. Nach altem Brauch halten hier die Katholiken ihre Prozession im inneren und äußeren Hofe des alten Schlosses. Dieses Jahr wollten sie da⸗ mit in die breiteste Oeffentlichkeit. Der Stadtrat hat sich dem widersetzt. Nach dem„Mayener Tageblatt“ vom 25. Juni 1927 führte bei der Verhandlung ein Stadtrat sehr vernünftig aus:„daß eine würdige Got⸗ tesverehrung mirten im Alltagsverkehr undenkbar sei. Seine Fraktion könne einer gegen den Protestantismus gerichteten, auch Verkehrsstörungen verursachenden De— monstration nicht zustimmen und bedauere den geplan⸗ ten Vorstoß gegen den konfessionellen Frieden.“ Wird der Nürburgring nur von katholischen Automobilen befahren? Vor kurzem wurde die große Autorennbahn in der Eifel, der Nürburgring, eröffnet. Zum Erstaunen aller, die nicht römisch-katholisch in der Gegend sind, stellte sich zur Weihe die römisch-katholische Kirche ein. Am Abend des Fronleichnamstages sammelten sich die Mit⸗ glieder des Kreisausschusses, des Kreistages, der Land⸗ rat, zahlreiche römisch-katholische Geistliche usw. in der Nürburger Pfarrkirche, wo der Dechant von Adenau mit einer sakramentalen Andacht die Rennbahn weihte. In Prozession bewegte man sich dann zum Start⸗ und Zielplatz, wo die Geistlichkeit das Segensgebet sprach, das das Rituale Romanum für Eisenbahnen und Auto— mobile vorsieht:„Allmächtiger, ewiger Gott! Du hast alle Elemente dir zur Ehre und dem Menschen zum Nutzen geschassen: Segne, wir bitten dich, diese Bahn und die dazu gehörigen Einrichtungen und schütze sie alle— zeit durch deine gütige Vorsehung! Wenn deine Die— ner schnell ihres Weges fahren, laß sie im Geleise deines Gesetzes bleiben, den Weg deiner Gebote laufen und glücklich im himmlischen Vaterlande ankommen! Sei gnädig, Herr, Gott, unsern Bitten und segne die Fahr— zeuge mit deiner rechten Hand! Gib ihnen deinen heiligen Engel bei, daß er alle, die darin fahren, alle⸗ zeit beschütze und vor allen Gefahren bewahre. Du hast dem Aethiopier, als er auf seinem Wagen saß und die Heilige Schrift las, durch deinen Diakon Philippus Glauben und Gnade zugeschickt: So zeige deinen Die— nern den Weg des Heiles, laß sie, von deiner Gnade getragen, allzeit auf gute Werke bedacht sein und nach allen Wechselfällen des Lebens zur ewigen Freude ge— langen!“ Der Dechant von Wanderath segnete sodann die Bahn nach allen vier Windrichtungen. Diese Be— handlung des Nürburgringes als rein römisch⸗katholische Angelegenheit ist recht merkwürdig. Allerdinas ist so etwas FHute ja üblich. * Evangelisch⸗kirchliches. Aus dem Dienst der Hessischen Lan— deskirche entlassen wurde auf sein Nachsuchen der evangelische Pfarrer Fritz Haupt von hier. *Die Hessische Missionskonferenz hielt ihre Jahresversamm⸗ lung am 3. und 4. Juli in Gießen. Der Missionsgemeindeabend in der Stadtkirche am Sonntag Abend bot die würdige Ein⸗ leitung. Universitätsprofessor D. Julius Richter von Ber- lin sprach über:„Die deutsche evangelische Mission nach dem Weltkriege“. Die Hauptversammlung in dem vollbesetzten Saal des Johanneskirche begann mit der Begrüßung durch den Vor⸗ sitzenden, Professor Werner-Friedberg. Den Hauptvortrag hielt wiedet Professor D. Richter, der anerkannte Führer der Missionswissenschaft. Das Thema hieß:„Die Aufgabe der pro⸗ testantischen Mission bei Anbruch der neuen Zeit in der nicht—⸗ christlichen Welt.“ In der Nachmittagsversammlung sprach Pfarrer Dr. Vömel von Bergebersbach(Villkreis) als lang⸗ jähriger China-Missionar über:„Das Werden der Kirche Jesu Christi in China.“ Seine anschaulichen und wertvollen Aus- führungen gipfelten in der Feststellung, daß die werdende evan— gelische Kirche von„ Millionen chinesischen Christen jetzt zwar in einer schweren Krisis, sowohl von außen wie von innen her, stehe, daß sie aber die Hilfe der deutschen und anderen Mission nicht entbehren wolle und auch nicht könne. Aus unserer Bewegung. Worms. Die Evangelische Voltsgemeinschaft, Ortsgruppe Worms, hatte am 14. ds. Mts., abends 8 Uhr, zu einer öffent⸗ lichen Versammlung in den„Zwölf Aposteln“ eingeladen. Zu dieser Versammlung war eine stattliche Schar evangelischer Glaubensgenossen, sowie auch andersdenkender erschienen. Als erster Redner sprach Herr Pfarrer Veller von Bretzenheim über:„Aufgabe, Zweck und Ziel der neuen evangelischen Par⸗ tei.“ Seine vortrefflichen Ausführungen, die allgemein großen Beifall fanden, bewiesen, wie unumgänglich notwendig es ist, daß endlich einmal eine evangelische Partei geschaffen wird, sollten wir Evangelische nicht noch weiter in den Hintergrund treten, denn es hat sich nach dem Kriege gezeigt, daß alle Par—⸗ teien, insbesondere aber die Rechtsparteien, die für sich in An⸗ spruch nahmen, daß sie die Interessen der evangelischen Bevöl⸗ kerung in jeder Hinsicht vertreten, uns aber kläglich im Stiche gelassen haben, was ja die Konkordatsfrage und die Personal⸗ . eine unbeschreibliche Rührung befiel mich. Ob er enn auch die Melodie zu seinen Worten selbst gefunden hatte? Die Notenrolle in der herabhängenden Hand, stand die ängerin da; eine Begeisterung, eine hingebende Liebe prach aus ihrem jungen Antlitz; und jetzt in unaussprechlich zen Tönen erschollen die letzten Worte: ö„Da sang auch ich in frohem Mut— Ich wußte ja, mein Herz war gut!“ Eine lautlose Stille herrschte, als sie geendet hatte. Dann ber brach ein stürmischer, nicht endenwollender Beifall los; der lle Herr an meiner Seite hatte, ohne daß ich es bemerkte, meine hand ergriffen und drückte sie aufs zärtlichste.„Das ist Seele, — Seele!“ sagte er und wiegte seinen grauen Kopf. Ich aber aß hastig das Programm aus meiner Tasche; und richtig, da and der Name meines alten Freundes, zweimal stand er da; lierst bei dem der jungen Sängerin, die sich als seine Schülerin ezeichnete, dann als Komponist des Liedes, das soeben diesen saum belebt hatte. Ich war aufgestanden und blickte um mich her; mir war, als lite ich irgendwo unter den Zuhörern doch auch ihn selbst ent⸗ gelen, sein altes, liebes Gesicht, um dessen Mund noch immer an Kinderlächeln spielte.— Es war eine Täuschung: mein alter heund hatte den süßen Lerchenton seines Jugendliedes nicht ge⸗ hört, aber auf dem Antlitz der Zuhörer lag es wie eine stille hieude; mir selber war, als sei ich eben nun doch noch mit dem süllen Meister auf seinem Veilchenplatz gewesen. * Von dem noch übrigen Teil des Konzertes hatte ich nicht del vernommen. Aber auf dem verhaßten Schrägpfühl des hotelbettes, worauf ich bald wie ein Gekreuzigter ruhte, tröste⸗ ben mich bis zum endlichen Einschlummern die lieblichen Töne eres Liedes, die zwischen dem vor den Fenstern tosenden Ok⸗ tobersturm wie mit Kinderstimmen immer wieder vor meinem inneren Ohre hallten. Dabei gaukelte vor den geschlossenen Augen das etwas blasse Antlitz der Sängerin.—— So hatte er es also doch erreicht! Die ganze Kunst der alten Signora Kate— rina sang mit Glockenstimme aus diesem jungen Menschenkind! Denn keinen Augenblick war ich in Zweifel, wen ich hatte singen hören, obgleich ich mich der Züge jenes zwiefach geliebten Kindes nicht mehr erinnerte und auch der Familienname desselben nie⸗ mals mir bekannt geworden war. Ich nenne ihn auch hier nicht. Zwar machte sie damals von sich reden, ja sie stellte sogar für eine kurze Zeit die neue u. die alte Musikwelt einander in hellem Streite gegenüber; bald aber tauchte sie in die große Menge derer zurück, die ihr Leid und Freud' in kleinem Kreise ausleben, von denen nicht gerdet wird. Mein erster Gedanke am andern Margen war selbstverständ⸗ lich, sie aufzusuchen und Nachricht von dem fast vergessenen Freunde einzuholen; aber eine unvorhergesehene Verlängerung einiger Geschäfte hinderte mich daran. Da half der Freund, der mich gestern so entschlossen ins Konzert geführt hatte und nach Beendigung desselben ziemlich treulos von mir verlassen war, In seinem Hause traf ich abends mit ihr zusammen. Es waren viele Gäste dort versammelt; wie ich bald be⸗ merkte, lauter Musikfreunde reinsten Stiles; auch mit dem alten Mozartianer von gestern vollbrachte ich ein verständnisvolles Händeschütteln. Aber dort stand sie selbst, freundlich plaudernt mit einem hübschen Töchterchen des Hauses, von dem sie, wie es schien, so— eben als Gegenstand der Anbetung eingefangen war. Als ich, nach Begrüßung der Hausfrau, ihr von meinem Freunde vorgestellt wurde, legte sie den Arm um den Nacken des Kindes und zog es zärtlich an sich. Eine Weile ruhte ihr Blick prü⸗ fend auf meinem Antlitz; dann reichte sie mir die Hand. „Nicht wahr,“ sagte ich,“„Sie sind es? Wir feierten einst⸗ mals einen Sonntagnachmittag zusammen?“ Sie nickte lächelnd.„Ich habe es nicht vergessen! Mein alter Freund und Lehrer hat noch oft von Ihnen gesprochen; be⸗ sonders wenn es Frühling ward; Sie wollten ja mit uns nach seinem Veilchenplatze!“ „Mir ist,“ erwiderte ich leise,„als seien gestern abend wenig⸗ stens wir beide dort gewesen.“ Ein herzlicher Blick flog zu mir hinüber.„Sie waren im Konzert? Oh, das freut mich!“ Dann schwiegen wir eine Weile, während sie sich zu dem Kinde hinabbeugte, das sich noch immer an sie schmiegte. —„Sie haben sich,“ begann ich wieder,„im Programm als seine Schülerin bezeichnet; es ist sonst nicht die Weise der Künst⸗ lerinnen, mit einem alten Lehrer ihren Ruhm zu teilen!“ Sie errötete tief.„Oh,“ rief sie,„ich habe an so etwas nicht gedacht! Ich weiß nicht, weshalb ich es getan; es verstand sich von selbst, mir ist, als werde ich noch immer von seiner Hand gehalten; ich danke ihm so viel!“ „Aber er selbst,“ erwiderte ich,„unser Meister Valentin, was meinte er dazu?“ Sie sah mich mit ihren stillen Augen an.„Das ist es eben,“ sagte sie,„er ist schon lange nicht mehr auf dieser Erde. * Auch die junge Sängerin habe ich nicht wiedergesehen. Hof fentlich ist sie seit Jahren eine glückliche Mutter; und in der Dämmerstunde, wenn die Arbeit ruht und die heilige Stille der Nacht sich vorbereitet, dann öffnet sie wohl auch einmal den Flügel und singt mit ihren Kindern das süße Lerchenlied des längst verstorbenen Freundes. Und auch das ist ein gesegnetes Andenken. — Ende.— nämlich zur Freiheit und Gerechtigkeit. diese Sache klare Stellung zu nehmen, Sonnabend, den 23. Juli 1927. „Evangelische Warte“ Nr. 30. ——ꝛñ—..——— politik der mächtigsten aller Parteien Deutschlands, der Zen⸗ trumspartei, beweist. Auch wir im Hessenlande haben sehr unter diesen Verhältnissen zu leiden, da ja auch bei uns, wie im Reiche, die katholische Volksgemeinschaft, die Zentrums— partei, das Zünglein an der Waage ist und angesichts dieser Tatsache nützt natürlin, diese Partei ihre Macht aus. Herr Pfarrer Veller forderte deshalb zum politischen Zusammenschluß aller Evangelischen auf, einerlei welchen Standes oder Berufes, da die Interessen aller Evangelischen in der Evangelischen Volksgemeinschaft, die eine Partei der Mitte ist, die alle Klüfte zu überbrücken sucht. Wir von der Evangelischen Volksgemein⸗ schaft sind der Ueberzeugung, daß unser deutsches Vaterland auf Grund deutsch-evangelischer Weltanschauungen nur wieder gefunden kann, wenn wir alle einsehen, daß wir für einander und nicht gegeneinander da sind und daß wir allen guten Wil⸗ lens sind, die bestehenden Gegensätze zu überbrücken. Wir von der Evangelischen Volksgemeinschaft wollen es uns zur Aufgabe machen, solchen Geist in unser deutsches Vaterland hineinzu— tragen, damit wir einst sprechen können mit Emanuel Geibel: an deutschem Wesen soll alles genesen. Als zweiter Redner sprach der Reichsgeschäftsführer Herr Pfarrer Weidner über das Thema:„Warum gebrauchen wir eine epangelische Partei im hessischen Landtag?“ Auch er legte in klaren Worten dar, daß es unter keinen Umständen mehr so weiter gehen könne, daß endlich einmal eine wahre christliche Partei auf den Plan trete, die dem arbeitenden Volke zu dem verhelfe, was ihm gebührt, Auch die Konkordats⸗ frage wurde von Herrn Pfarrer Weidner gestreift und gab er von der traurigen Tatsache Mitteilung, daß der jüngst in Kö— nigsberg getagte Reichskirchenausschuß aus politischen Gründen nicht einmal Stellung genommen hat zu der Schicksalsfrage des deutschen ev. Volkes. Von der Konkordatsfrage hatte man von der Evangelischen Volksgemeinschaft in aller erster Linie erwartet, daß man hier klar bekennt, daß wir Evangelische ein jedes Kon⸗ kordat ablehnen. Wir brauchen kein Konkordat, wir lehnen eine jede Vergewaltigung unseres geistigen Lebens ab und da es bis jetzt keine der bestehenden Parteien von der rechten so— wohl als auch von der linken es über sich gebracht hat— viel— leicht aus Koalitionsgründen oder sonstigen Gründen— gegen so ist diese neue Be— wegung zu begrüßen, damit man auch einmal weiß, daß man auch für evangelische Bürger etwas übrig hat. Herr Pfarrer Weidner legte an Hand von Beweisen dar, zu welcher Macht— entfaltung es die Zentrumspartei im Hessenlande gebracht hat, wozu ihr alle Parteien, mit Ausnahme der Kommunistischen, sehr gute Vorspanndienste geleistet hatten. Anser Vertrauen zu allen Parteien ist dahin und deshalb kann nur noch die Parole eines bewußten Evangelischen lauten:„Mein Platz ist in der Evangelischen Volksgemeinschaft“ und alle unsere Erfolge land— auf und landab 2 1 5 8 wir 5 der richtigen Fahrt sind, daß man uns will. Angesichts dieser Erfolge sind wir auch da⸗ von überzeugt, daß wir in der kommenden Landtagswahl einen klaren Sieg erringen werden. Wartburggeist ist unsere Losung, Wartburggeist wollen wir pflegen, evangelisch wollen wir sein, frei wollen wir sein, deutsch wollen wir sein, darum kämpfen mir gegen den Ultramonianismus, das nach der Weltherrsch eat strebende Papsttum. Wir wollen absolut nicht die Zentrums⸗ zartei vernichten, wir wollen nur ihren Einfluß verringern. Darum forderte der Redner alle Anwesende auf, mit uns zu kämpfen, einzutreten in unsere Reihen und unserer heiligen Sache mit zum Siege zu verhelfen. Der dem Redner gespendete Beifall beweist, daß er allen aus dem Herzen gesprochen hat Zur Diskussion meldeten sich drei Redner und zwar Herr Re— densbach(Dissident), Herr Kammerer, sowie auch der National- sozialist Herr Sezner. Dieselben erklärten sich mit dem Ziele der Partei einverstanden, sodaß eine Auseinandersetzung vermieden wurde. Als nach diesen Rednern noch einmal Herr Pfarrer Veller sowohl, als auch Herr Pfarrer Weidner das Wort ergrif⸗ fen hatten, schloß gegen Mitternacht der Vorsitzende der Orts— gruppe Worms, Herr Götz, die glänzend verlaufene Ver— sammlung. Auch ein Studienrat aus Norddeutschland, der auf der Durchreise von Worms begriffen war, nahm an der Ver— sammlung teil. Er bat Herrn Pfarrer Weidner, auch einmal in seine Heimat zu kommen, wo wir mit offenen Armen emp⸗ fangen würden, wo man auf eine solche Partei wartet. Sossenheim(Kr. Höchst a. M.) In einer gut besuchten Mit⸗ gliederversammlung der Evangelischen Volksgemeinschaft am 14. ds. Mts. hielt Herr Dr. Moegenburg-Frankfurt a. M. einen au⸗ ßerordentlich fesselnden Vortrag über„politische Augenblicks⸗ fragen“. Der Redner verstand es meisterhaft, die Tagesprobleme darzulegen und sie von der grundsätzlichen Seite unserer Bewe⸗ gung aus zu beleuchten. Die Anwesenden folgten seinem mehr⸗ stündigen Vortrag mit ungeteilter Aufmerksamkeit und zollten ihm für seine auch in rethorischer Beziehung hervorragende Lei— stung vollste Anerkennung. Interessantes berichtete auch der Vorsitzende der Ortsgruppe. Mit Befriedigung stellte er fest, daß der Mitgliederbestand trotz großer örtlicher Schwierigkeiten der letzten Zeit gewahrt blieb und der Kreis unserer Freunde heute gefestigter denn je dasteht. Eingehende Erörterung fand der Frankfurter Vortrag des Herrn Dr. Ströhle-Stuttgart über „Evangelische Volksorganisation, aber keine politische Partei“. Verständlicherweise konnte sich niemand für die Gedankengänge des Letztgenannten erwärmen. Man schied erst in sehr vorgerück⸗ ter Stunde, und zwar— das gilt wohl für jeden Einzelnen— hochbefriedigt über den schönen Verlauf des Abends. E. M. Freiensteinau. Am 3. Juli fand hier eine Versammlung der Evangelischen Volksgemeinschaft statt, die trotz Sängerfest in Schlüchtern recht gut besucht war. Die Leitung der Versammlung übernahm Herr Apotheker Veesenmeyer-Gedern an Stelle des er— krankten 2 Föller aus Glashütten. Während e in der Err NEN N Einleitung über die Verbreitung der E. V. in Hessen und im Reiche sprach, beschäftigte sich der Hauptredner, Herr Reichsge⸗ schäftsführer Weidner, mit der innerpolitischen Lage Hessens, insbesondere mit dem Konkordat. Die Redner hatten durch die gespannte Aufmerksamkeit der Zuhörer und nachher bei der all⸗ gemeinen Aussprache die Ueberzeugung gewonnen, daß die Ver— sammlung den gewünschten Erfolg hatte. Den Vertrieb der „Evangelischen Warte“ wird vorerst Ortsdiener Fehl überneh⸗ men. Eine Organisation des Zeitungsbezugs erlaubte leider nicht mehr die Zeit, da am Abend desselben Tags in der Wet⸗ terau eine zweite Versammlung einberufen war. Mainz. Am 8. Juli, abends 8,30 Uhr, fand im ev. Vereins- haus die Mitgliederversammlung der E. V. statt. Es waren weit über 100 Personen anwesend. Herr Studienrat Pröscher begrüßte die Anwesenden, dankte besonders den verehrten Damen für das zahlreiche Erscheinen und erteilte dann dem Hauptredner Herrn Pfarrer Weidner das Wort. In einer 278 stündigen schwungvollen Rede schilderte derselbe die Nöte der evangeiischen che und forderte die Anwesenden auf, für die groß Seche der Volksgemeinschaft fleißig und energisch zu werben, damit wir bei der im Herbst stattfindenden Landtagswahl gut abschnitten und hierdurch unserem Ziel näher kämen. Alle Zuhörer folgten mit größter Aufmerksamkeit den Ausführungen des beliebten Redners und zögerten nicht mit stürmischen Beifallsbezeugungen. Der Redner betonte besonders, daß die Lauheit der Evangelischen viel an dem Elend die Schuld trage. Wir müßten uns einigen und mit allem Ernst gegen die trostlose Lage kämpfen, damit wir wieder im öffentlichen Leben mitsprechen und unserem Wort das nötige Gewicht verschaffen. Auf keinem Fall dürfe es so weiter gehen, so würden wir vollständig an die Wand gedrückt. Freudig betonte der Redner, daß es sich im evangelischen Lager Deutschlands jetzt überall rege und in allen Gauen auf unser kleines Hessen schauen— ob wir die Feuerprobe bestehen und bei der Landtagswahl durchringen werden. Dies müsse für uns ein Ansporn sein, alles daran zu setzen und für die große, ernste Sache zu werben und zu kämpfen, damit unsere Wünsche wieder respektiert und unsere Kirche wieder gleichwertig behan— delt wird. Der Herr Redner sprach dann noch über Mischehe, Konkordat, Reichsschulgesetz und eine von Zentrumsleuten vor⸗ geschlagene evangelische Volksgemeinschaft. Letztere wurde von Herrn Pfarrer Weidner gebührend beleuchtet und für uns als unannehmbär verworfen. Das neue Wahlgesetz in dem demo— kratischen Staat Hessen wurde unter die kritische Lupe genommen und mißbilligt. Für die vorzüglichen Ausführungen wurde dem Herrn Redner stürmischer Applaus gezollt. Zu einer Diskussion meldete sich niemand. Dann folgte noch eine Verlesung eines Werberufes um für die E. V. emsig zu werben. Nach dem Ge⸗ sang des ersten Verses des Lutherliedes„Ein feste Burg“ fand die glänzende Versammlung ihr Ende. Mehrere Anwesende mel— deten sich als Mitglieder. I e, — 7 vorm. Wilh. Meller 7 NN Ne NN ec. NN Sämtliche Formulare Pfarrämter, Bürgermeistereien, Sinndesümt E, Orlsgerichte, Schulen elt. sind jederzeit vorrätig in der Formular⸗Großhandlung Albin Ulein, Gießen Südanlage 21.-Fernspr. 1562 Ueber die technische Ausführung der in meiner Druckerei gedruckten und besonders gut eingebundenen CTauf, Konfirmations-, Trau⸗ und Sterbe-Register sind ungewollt mir mehrere Dankschreiben von Pfarrämtern zugegangen. Die Herren Pfarrer bitte ich, meine Formularhandlung, die mehr als 1000 verschiedene Formulare für alle Behörden, Vereine, Anstalten etc. umfaßt, auch den Herren Rirchenrechnern und anderen Organisationsmännern zu empfehlen. eee — gegründet 1785 FF ——— DN „SCS e Le: NN NN NN NN NN NN NN NN C e NIEDER- OLM* (Rheinhessen) 0 empfiehlt seine selbstgebaut. u. selbstgekelt. 8 WEISS und ROTWEINE im Fass u. in der Flasche billigst. Man verlange Preisliste! Evangelische Gberhessfsches a dane sche 5 B41 fl 1 U fl l 8 Buchhandlung durch sf.stets frischgebrannten Bestellung v. Büchern Kaffee i. la Qualitäten u. Zeitschriften. Feste] sowi e,‚ Kakao, Bestellungen von 2.—] Weine u. Spirituosen. Mk. an werden post— L. Höhn 3 frei ausgeführt. 1 1 Wartburgbuchhdlg.(Giessen a, L. 9 9. Bergstraße 22 Mainz, Fernsprecher Nr. 619. in unserem feuersicheren PAN Z E RRAHU MN Bezirkssparkasse Siegen erfahrenen Blumenhaus Dietz 2„ 7 Seltersweg 38 Gießen Fernsprecher 13 Leben-, Kasko- und Transportver⸗ Während der Reisezeit Größtes Speziale chüftoberhessens 1 schenngen such 5 sefort eine empfiehlt sich die Se lüthtigen Plahvertreter AUFBEWAHRUNG VON WERTPARETEN Vermittlung von Blumenspenden nach allen Orten Deutschlands. Prompte u. reelle Bedienung. sachlich, gewissenhast, Verliner bei mäßiger Gewinnbeteiligung. Jos. Cassel, Börsenremisier Berlin⸗Neukölln, Emserstraße 62. Große altbewährte Veriicherungsgeiellfchait ee eee el bei angemessener Provision. Bewer⸗ 7 Be unt. 1474 an die Ex⸗ pedit. d. Bl., Gießen, Südanlage 21 Börsenberatung fur echtes durch langjährig Börsenfachmann Heizkräftigster, sparsamster Brennstoff für aukaneunden! Ne. Fannie Harte fe — Nun uanmnmaanannnan Insere wit d Landt 96 in Zwei uns lüͤhne obert, hänge lich n allzu wir Lande hängr herun hesetz Statt nützen gehalt bun liches zum 2 e