1 wat life t b t un zue ine geb ang 1% 11 eln mn, gg chlen tige füge Jah . 0 helm * —. Seele. Find sieht! ihr nicht werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen. Wer nicht im Menschen, die unsterbliche Seele mit ihrem ewigen Werte erkennt, der hat keinen An⸗ Pruch darauf, von Gott als ewig wertvoll angesehen zu werden. ang Organ der Evangelischen Volksgemeinschaft Hauptschriftleiter: Edwin Hamburger in Staden(Oberhessen). Verantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger, für den Unterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz. Für Rücksendung ungewünschter Manustripte wird nicht garantiert. 3. Jahrgang. — N Unter diesem Titel hat der Verbandssekretär der evangelischen Arbeiter- und Volksvereine Ostpreußens eine Broschüre herausgegeben, in welcher er offen und ehrlich die Not unseres Standes zeichnet, und doch will es scheinen, als sei die Schrift unter gewissen Bedingun⸗ gen geschrieben. Wenn wir als bewußt evangelische Ar⸗ beiter in unsere Zeit hineinblicken, so werden wir traurig gestimmt, denn auf allen Gebieten werden Kompromisse gemacht. Wir sind der Ansicht, daß ein Christenmensch in erster Linie— und besonders in der heutigen Zeit — ohne Kompromisse durch das Leben zu gehen hat. Das christliche Blatt„Aufwärts“ ist in seinem Neujahrs⸗Leitartikel insofern ehrlich, wenn dort zum Ausdruck gebracht wird, daß man trotz vielen Wissens nicht immer alles sagen darf. Denselben Eindruck haben wir auch von dem Verfasser der in Rede stehenden Bro⸗ schüre.— Wie sieht es in Wirklichkeit auf wirtschaft⸗ lichem Gebiet aus? Die Mitarbeiter des„Aufwärts“ bringen interessante Ausführungen über die Zusammen⸗ hänge. Dr. H. H. schreibt in Nr. 304 unter der Ueber⸗ schrift„England und die europäischen Wirtschaftszusam⸗ menschlüsse ganz klar und deutlich, daß die amerikani⸗ sche Wirtschaftsdiktatur bereits den Siegeslauf über Europa angetreten hat. Die Rohstoffarmut Europas zwingt auch unser Land und Volk unter die Herrschaft der Hochfinanz. Bezeichnend ist, daß England dem europäischen Wirtschaftsblock fern bleibt. Dr. H. H. sagt ferner: 40 Prozent des Weltvermögens und 50 Pro⸗ zent der Weltgoldvorräte befinden sich in den Händen Amerikas. An anderer Stelle wurde mitgeteilt, daß ein Drittel unseres Volksvermögens bereits Amerika gehört.— Wenn wir unter diesen Eindrücken die Rationali⸗ sierung betrachten, so wird uns evangelischen Arbeitern bange, denn jene wenigen Menschen, die über die Pro⸗ fite bestimmen und dieselben einstecken, haben keine Auf diese trifft auch heute noch das Heilands⸗ wort zu Joh. 8 Vers 44. Lesen wir dieses Kapitel und wenden wir es auf unsere Zeit an, so paßt es sehr gut hinein, denn heute sind es nicht nur die Juden, sondern ein großer Teil sogenannter Christen, die um das gol⸗ dene Kalb(die Wirtschaft) tanzen.— Gott hat uns nun in diese Wirtschaft hineingestellt. Ein großer Teil von gläubigen Christen ist der Mei⸗ nung, es sei biblisch, wenn die Ungerechtigkeit überhand nimmt. Wir Arbeiter im Kampf der Gegenwart sind anderer Meinung. Die gesamte Christenheit wird zum mindesten die Aufgabe haben, den Willen Gottes zu tun und auch im Wirtschaftsleben Front zu machen gegen die Versklavung nicht nur unseres Leibes, sondern auch unserer Seelen.— Wir kommen so auf das gewerkschaftliche Gebiet. Der Zusammenschluß der Unternehmer in Konzerne, Kartelle usw. dient auch mit dazu, billige Arbeitskräfte zu beschaff Wi 1 Arbeiter müssen uns sch und „Mir epangelsschen Arbeiter im Kampf d Erscheint Samstags.— Bezugspreis 50 Pfennig monatlich. Abonnements⸗ und Anzeigen⸗Annahmestelle, Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher 1362 und 1145. Postscheckkonto 8437 Frankfurt a. M. Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfgö, am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Tegt 96 Pfg., Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen Vergünstigung. Nummer 4. Sonnabend, den AD wehren. Wo ist nun die Organisation, wo wir kämp⸗ fen können? Für einen gläubigen Menschen kommt die „Freie Gewerkschaft“, die athelstisch eingestellt ist, die „Wirtschaftsfriedliche“ und die Hirsch-Dunkersche, die lau ist, nicht in Frage. Es bleibt nun die christliche Gewerkschaft, und da können wir mit dem Schreiber oben genannter Broschüre nicht einverstanden sein, daß für die Dauer und Zukunft bewußt evangelische Arbei⸗ ter sich dort wohl fühlen können. Die gewaltige Am⸗ gestaltung auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet wird eine Amwälzung auf konfessionellem Gebiet zur Folge haben.— Die Auseinandersetzung zwischen dem Hofprediger D. Doehring⸗Berlin und dem päpstlichen Hauspräla⸗ ten Dr. Schreiber zeigt bereits den Weg, den jeder be⸗ wußt Evangelische, und auch der Arbeiter, zu gehen hat. Auch wir sind der Meinung, daß„an Rom die Völker sterben, daß aber an Christus die Völker aufleben.“„Der Papst kann auch uns nichts geben, die Bibel aber alles.“ Wir bewußt evangelischen Arbeiter werden uns reiflich zu prüfen haben, ob nicht gerade wir es sein müssen, die nun Hofprediger D. Doehring den Rücken stärken. Ge⸗ wiß können wir Schulter an Schulter mit unserem katholischen Arbeiterbruder um unsere sozialen Belange kämpfen, aber jeder doch nur gemäß seiner konfessionel⸗ len Weltanschauung.— Die Entstehung der evangelischen Arbeitervereine war im Grunde nichts weiter als ein Zusammenschluß bewußt evangelischer Arbeiter, um nicht nur die evan⸗ gelischen Belange zu wahren, denn dazu waren damals und sind heute noch die Kirchen da, sondern um aus der Bevormundung der katholischen Kirche heraus zu kom⸗ men. Der Ansatz zur evangelischen Gewerkschaft ist also eine Tatsache, die sich ganz allein aus den Verhält⸗ nissen ergeben hat. Daher wird der Verband evange⸗ lischer Arbeiter- und Volksvereine sich zu überlegen haben, ob derselbe der evangelischen Gewerkschaft nicht genau soviel Neutralität wie der christlichen Gewerk⸗ schaft gegenüber entgegenzubringen hat. Aber auch die evangelische Allianz wird es sich reif⸗ lich überlegen müssen, ob nicht der Tag gekommen ist, wo sie bewußt uns evangelische Arbeiter in unserem Kampfe unterstützt. Dies geschehe nicht nur im Gebet, sondern die Gemeinschaften, Baptisten, Methodisten und die große Landeskirche müssen ihren Mitgliedern nicht nur nahe legen, den atheistischen Vereinigungen fern zu bleiben, sondern sie auch auf die Gefahren des Katho⸗ lizismus aufmerksam machen. Daraus ergeben sich auch RNonsequenzen nach politischer Seite hin.— Wir evangelischen Arbeiter sind ja nicht nur ge⸗ werkschaftlich, sondern auch politisch heimatlos. Kon⸗ fessionell werden wir zerteilt durch die Zäune inner⸗ halb des Protestantismus, die oft von den lieben Brü⸗ dern in Christo gezimmert und aufgerichtet werden. Man spricht wohl von Allianzarbeit, aber i f Der Spielball der Launen. Matthäus 11, 16, 17. Wem soll ich dies Geschlecht vergleichen? Es ist den Kindlein gleich, die an dem Markt sitzen und rufen gegen ihre Gesellen und sprechen: Wir haben euch gepfiffen, und ihr woll⸗ tet nicht tanzen; wir haben euch geklagt, und ihr wolltet nicht weinen. Unser Herr Jesus war ein Meister des Vergleiches. Was et um sich sah, das war ihm alles willkommenes Gleichnis für Feine religiösen und sittlichen Gedanken. Wie oft mag da Je⸗ jus auch Kindern bei ihrem Spiele zugesehen haben. Er freute ch dann über ihr unschuldiges Zusammensein. Da spielte das Kind des Reichen mit dem des Armen, das des Bauern mit dem des Handwerkers oder Arbeiters. Kinder machen keinen Unterschied wie Erwachsene. Jedes Kind ist ihnen lieb. Wie lein ist die Seele eines Kindes, das im Gegenüber nur das Deshalb ruft der Herr seiner Umgebung zu: Wenn Doch Jesus hat auch anderes beim Spiele der Kinder ge— hen. Kindliches Spiel hat keinen tiefen Sinn. Beim kind⸗ lichen Spiele handelt es sich nicht um die Erlangung von Wer⸗ un irgendwelcher Art. Vielmehr regiert dabei gewöhnlich die Laune. Kinder sind eben noch keine Persönlichkeiten, die große ele vor Augen haben und diese ohne Säumen zu erreichen achten. Was die einen vorschlagen, das wollen die anderen licht. Das hat nicht nur Jesus mit seinen scharfen Augen be⸗ achtet, das können auch wir oft genug bei den Kindern sehen. Man achtet nicht viel darauf. Die Kinder nehmen es ja selbst licht so genau. Aneinige Kinder haben bald wieder Friede mit einander gemacht. Kinder sind nun einmal so. Es wird da durch kein großes Unheil angerichtet. Anders ist es aber, wenn Erwachsene gerade so sind, wie diese Kinder. Jesus vergleicht seine Zeitgenossen mit solchen spielenden Kindern. Was hatte man denn damals alles er⸗ lebt? Niemand konnte es ihnen recht machen. Da war Jo⸗ hannes aufgetreten. Eine wuchtige, rauhe Persönlichkeit. Sie kannte keine Kompromisse. Bei ihm galt Biegen oder Brechen. Er kannte nur den bis zum Aeußersten gehenden Ernst. Das machte tiefen Eindruck auf die Leute. Sie eilten in Scharen hinaus zu ihm an den Jordan. Aber bald fand man ihn zu ernst. Weil er so bescheiden lebte, auf das Irdische so wenig Wert legte, nicht aß und trank, sagten seine Zeitgenossen: Er hat den Teufel. Dann trat Jesus auf. Er war fast das Gegenteil von Jo⸗ hannes zu nennen. Sein ganzes Wesen war Güte und Milde. Sein Ziel war Rettung und Erlösung. Sein Weg führte ihn mitten unter das Volk. Er ging in die Hütte des armen Fi⸗ schers und in den Palast des wohlhabenden Pharisäers. Er freute sich mit den Fröhlichen und weinte mit den Weinenden. Er aß und trank wie die anderen Menschen und verwarf das rituelle Fasten des jüdischen Gesetzes. Sie strömten zuerst zu ihm. Das war ihr Mann. Aber bald gefiel ihnen das Leben Jesu auch nicht mehr. Ueber ihn sagten sie: Siehe, wie ist der Mensch ein Fresser und ein Weinsäufer, der Zöllner und der Sünder Geselle! Woran haben sich denn die Leute bei Waren es nicht ganz äußerliche Dinge. Aber sie achteten gar nicht auf den Inhalt ihrer Reden, auf den ewigen Fortschritt, den doch beide, Johannes wie Jesus, bringen wollten. Sie machten die von Gott gesandten Persönlichkeiten zum Spiel⸗ ball ihrer Launen und trieben Mutwillen mit ihnen, ohne zu ahnen, welche unwiederbringliche Stunden sie da sowohl in der Wüste, als auch auf dem Markte erlebten. Vor Urteilen über beiden gestoßen? dana 1027. er Gegenwart.“ Unterstützung derjenigen, die heute zwischen Maschine und Rohstoff zerrieben werden, merken wir wenig. Po⸗ litisch wird uns gesagt, wählt das kleinere Uebel, d. h. die Rechtspartei, denn diese läßt ja noch Kirche und Gotteshäuser gelten.— Dem Prediger und Pfarrer schadet das kleinere Uebel weniger, aber dem Arbeiter und unserem Volke oft sehr viel. Nehmen wir nur die Alkoholfrage, das Reichsschulgesetz, Konkordatsfragen usw., oder denken wir an die sozialen- und Arbeiter⸗ fragen, hier geht in den meisten Fällen das soziale Empfinden nur bis zum Geldbeutel und die christliche Nächstenliebe äußert sich oft nur in widerwillig ge⸗ gebenen Almosen.— Hin und her im Lande haben sich bereits evangelisch-sozial eingestellte Männer dazu auf⸗ geschwungen, evangelisch-politische Parteien zu bilden: Jedoch werden sie befeindet, und oft verliert diese Be⸗ wegung an Stoßkraft, weil auf diesem Gebiet das »evangelische allgemeine Priestertum“ zum Ausdruck kommt. Nur zu oft scheitert diese Bewegung an Per⸗ sönlichkeiten, die unbedingt eine Rolle spielen wollen, auch hier ist man dabei, wieder Zäune aufzurichten.— Wir Arbeiter, die wir im Alltag stehen, fordern auch hier Zusammenschluß aller evangelischen Richtungen auf politischem Gebiet zur praktischen Arbeit an unse⸗ rem Staat. Uns geht es weder um Republik oder Mon⸗ archie, sondern uns geht es um den Inhalt des Staates. — Was ist der Mensch im Staat? Dieser Ruf wird im Lande laut und lauter werden, und wehe unserem Volk, wenn die Antwort von verkehrter Seite gegeben wird. Darum am Anfang des Jahres 1927 rufen wir aus unserer gequälten Seele hinein in unser Volk: 1. Brecht die Zäune ab auf konfessionellem Ge⸗ biet im protestantischen Lager. 2. Unterstützt uns evangelische Arbeiter in unserer Mission an unseren Arbeiterbrüdern. 3. Baut nicht neue Zäune auf, auf evangelisch⸗poli⸗ tischem Gebiet, sondern handelt nach dem alten Pro⸗ gramm Stöckers, mit dem heute so viel Mißbrauch ge⸗ trieben wird. Schafft Klarheit auf gewerkschaftlichem Gebiet, auch hier darf es nicht länger ein halb und halb geben, selbst wenn dabei altbewährte Führer entweder umlernen oder weichen müssen. Benutzt nicht das Christentum, um Euch nur mit dem Mantel der christ⸗ lichen Liebe zu umhüllen und predigt keine falsche Ge⸗ nügsamkeit, sonst kann der Tag kommen, wo Freikirchen und Kirchen, aber auch die Gemeinschaften es erleben werden, daß unser Herr und Meister sich seine Jünger wieder holt aus den Reihen der Fischerknechte und des Arbeiterstandes.— Wir rufen hinein in unser Volk:„Zurück zu unserer urchristlichen Kirche, die eine leidende, tämpfende und segnende war!“ Diese fehlt unserer Zeit. Alfred Botz, Königsberg i. Pr. das Aeußerliche ahnten sie gar nicht, daß aus beiden, aus Jo⸗ hannes wie aus Jesus, der ewige Gotte zu ihnen redete. So versäumten sie wichtige Gottesstunden. Gibt es in unserer Zeit nicht auch noch Persönlichkeiten, die Spielball der Launen sind? Ist unser heutiges Geschlecht nicht gerade so wie das zu Jesus Zeiten? Man bejubelt auch heute diesen oder jenen. Sobald er jedoch unbequeme Forderungen stellt, dann wird er heruntergerissen. Nicht mit Unrecht sagt man, daß auch unser Volk bereit ist, heute„Hossiana“ und mor⸗ gen„kreuzige ihn“ zu rufen. Wie schwer sind feste Charaktere zu finden, welche diese schwankende Haltung im Urteil nicht mitmachen. Deshalb bin ich unsicher, ob der große Mann, der unserem deutschen Volke wieder auf die Beine helfen soll, wirklich so viel ausrichten wird. Viele erwarten ihn und setzen große Hoffnungen auf sein Kommen. Auch in Juda erwartete man den Messias. Als er kam, wurde er von allem Volk überlaufen. Als er aber nicht Sympathie, sondern Taten und Opfer forderte, da wurde er an das Kreuz geschlagen. So würde es auch dem erwarteten großen Reformator gehen. Es stehen noch zu viele auf dem Standpunkt jenes Mannes, der nur den unterstützt, der ihn von allen Steuern befreit. So ist es eine notwendige Einkehr, die wir durch obiges Wort des Heilandes auch bei uns halten müssen. Wir richten ja so gerne die Augen auf die anderen und wollen sehen, was diese für Fehler machen. Fragen wir uns doch selbst einmal, ob wir nicht auch mit den spielenden Kindern zu vergleichen sind? Spielen wir nicht auch nach unserer Laune mit den Männern und Bewegungen, die uns Gott schickt? Lassen wir uns nicht oft genug von unseren Bestimmungen tragen, sodaß es nur zu Anläufen kommt und nie zu beständigen, kraftvollen Taten? Ist Kritiksucht nicht auch bei uns eine allen Geist ertötende Krankheit? Fort mit der Laune! Wir sollen Män⸗ ner sein! Amen. Hr. .— — — Sonnabend, den 22. Januar 1927. „Evangelische Warte“ Nr. 4. Miszellen. Mein Amtskalender für 1927 ist mir zu dick, ihn ständig in der Rocktasche zu tragen. So habe ich mir bei meinem evangelischen Buchhändler einen Wochen⸗ Notizkalender bestellt. Vor ein paar Tagen bekam ich ihn. Er gefällt mir bei seiner Handlichkeit und guten Ausstattung auch recht nett. Aber eins ist mir doch sehr aufgefallen: während in der Reihe der Wochentage das katholische Fronleichnamsfest und der Allerheiligentag durch rote Zahlen als Festtage gekennzeichnet sind, scheint der Verleger von unserem Reformationsfest am 31. Oktober nichts gewußt zu haben! Jedenfalls ist dieses unser Fest weder für den 31. Oktober, noch für den Sonntag darnach(1. November) in irgend einer Weise kenntlich gemacht. Wenn der Verleger Franz Borgmeyer in Hildesheim seinen Wochen- Notizkalender nur für den katholischen Benutzer bestimmt hat, dann möge er das irgendwie auf dem Titelblatt zum Aus⸗ druck bringen. Rechnet er hingegen auch auf evange⸗ lische Gebraucher, dann möge er künftig auch ihren Be— langen Rechnung tragen. Andernfalls werden wir ihn mit unseren Aufträgen verschonen. Der große Verlag August Scherl in Berlin, bei dem „Lokal⸗Anzeiger“,„Tag“,„Gartenlaube“ und leider auch ein„Magazin“ erscheint, dem wir(ebenso wie dem mit Recht berüchtigten Ullstein-Uhu“) ein baldiges Verschwinden wünschen, soll in Herrn Scherl einen Be— gründer katholischer Konfession haben. Das erklärt es vielleicht, rechtfertigt es aber nicht, daß den Lesern des „Tag“ neulich ein Kalender mitgeliefert wurde, bei welchem die festlose Hälfte des Kirchenjahres nach katho— lischer Weise lauter„Sonntage nach Pfingsten“ und nicht die uns Evangelischen altgewohnten Trinitatis— Sonntage zählt. Dabei kann mit Sicherheit behauptet werden, daß der„Tag“ mehr Leser evangelischen als katholischen Bekenntnisses hat. Vielleicht aber haben sich letztere mit ihren Kalenderwünschen zu Wort ge— meldet, und die ersteren haben stille geschwiegen. So hat man uns Evangelische eben nicht weiter berücksich— tigen zu müssen geglaubt. Die beiden Fatta mögen an sich belanglos erschei— nen, sie sind aber symptomatisch dafür, wie man uns ausschaltet, so lange wir uns das gefallen lassen! Ist es zuviel verlangt, wenn wir von jedem Evangelischen erwarten, daß er 5 Pfg. für eine Postkarte und 5 Minu⸗ ten Zeit dranwendet, um überall da kräftig zu protestie— ren, wo man über unsere evangelischen Anschauungen und Interessen so unbekümmert zur Tagesordnung übergeht? Der Erfolg wird nicht ausbleiben! Und da wir vorhin vom Reformationsfest sprachen, sei zum Schluß noch entschieden dagegen Verwahrung eingelegt, daß auch unsere deutschen Sparkassen sich dazu haben mißbrauchen lassen, den 31. Oktober als„Welt⸗ Spartag“ auszuposaunen. Daß ihr's wißt, ihr Herren: für uns bewußt Evangelische ist am 31. Oktober Refor⸗ mationsfest und nicht Spartag! Dieser neue„Festtag“ 5 1925 auf einer internationalen Sparkassentagung in ailand„kanonisiert“ worden. Wir fragen den deut⸗ schen Sparkassenverband: war unter den deutschen Ver⸗ tretern in Mailand wirklich niemand, der etwas vom Reformationsfest gewußt und gegen seine Verquickung mit dem Spargedanken protestiert hat? Oder waren ausschließlich Katholiken da?? U. A. w. g. Christian Deutschmann. Rede des Stadtverordneten Kümper im Frankfurter Stadtparlament am 14. 12. 1926. Antragsteller Stadtv. Kümper(Ev. V.): Be⸗ vor ich mit meinen Ausführungen beginne, möchte ich die Vertreter der Presse doch höflichst bitten, davon No⸗ tig zu nehmen, daß ich als Vertreter der„Evangelischen Volksgemeinschaft“ hier stehe.(Zurufe.) Meine po⸗ litischen Freunde von der Evangelischen Volksgemein⸗ schaft sind mit mir einig, folgenden Antrag an die Stadtverordneten-Versammlung zu stellen: Die Stadtverordneten-Versammlung wolle be— schließen, den Magistrat zu ersuchen Dornenwege. Roman von Clara Meller. 8. Fortsetzung. Wieder stiegen die Lerchen aus den braunen Ackerfurchen, aus der jungsprossenden Saat trililierend sonnan zum ewigen Licht, sangen dem grauen Märzenschnee das jauchzende Toten⸗ lied und die güldenen Lichtpfeile zerstachen tanzend des Win⸗ ters Pelzmantel. Auf der Saalweide prangten die Kätzchen im gelben Flaumkleid und luden gastlich die Bienen zur Früh⸗ lingsernte für die erste Brut, für die Königskinder, die sich in Wachswaben wiegen. Es war ein Auferstehungstag, wo noch über kahlem Geäst der violette Dunstkreis zittert und sich schon ein grüner Schleier über die fernen Bäume breitet, als habe der Frühling die ersten zagen Pinselstriche gewagt, noch ängst⸗ lich Umschau haltend, ob der Winter nicht noch einmal trotzig mit zorniger Gebärde zurückfauche, vernichtend, tötend, kältend. Frohe Zuversicht, daß Weltenbande sich nicht lösen können vom Naturgesetz und Vergehendes nicht das junge Werde zermalmen kann, glänzte in allen Augen und die Röte der scharfen März⸗ luft leuchtete auf Jugendwangen, wie sonst die Morgenröte auf Winters Schneegefild. Dore und Urle Benningsen gingen mit einer Schülerin zum Felsenkopf, der Uebermut zeitigte auf den schwellenden Lippen die tollsten Humorblüten, ihr glückliches Lachen klang so früh⸗ lingswarm, so sonnig. „Kommt ein schlanker Bursch gegangen,“ rezitierte Urle schelmisch und musterte den blondbärtigen Fremden, der ihnen vom Felsenkopf entgegen kam. Es war ein auffallend schöner 1. für sämtlich im Verkehrsdienst stehende Arbeiter, Angestellten und Beamten ist jeder zweite Sonn⸗ tag dienstfrei; 2. der Stadtverordneten-Versammlung Vorlage zu machen, welche Mehrausgaben im Etat hierdurch sich ergeben.(Stadtv. Sieling:„Das haben wir alles gelesen!“) Ganz besonders im Verkehrsdienst leiden unsere Ar— beiter und Angestellten beim Elektrizitäts-, Gas- und Wasserwerk und namentlich bei der Straßenbahn. Vor dem Kriege hatten wir die Einrichtung, daß jeder dritte Sonntag dienstfrei war. In der gegenwärtigen Zeit, in der wir noch das große Heer der Arbeitslosen haben, ist aber mit dieser Einrichtung gebrochen und die Ar— beiter und Verkehrsangestellten haben nur jeden vier— ten Sonntag frei. Viele müssen sogar auch noch an diesem Sonntag Dienst machen und bekommen dafür noch nicht einmal eine Mehrbezahlung. Es geht aber wieder ein großes Sehnen nach gött⸗ licher Wahrheit durch das deutsche Volk(Zurufe) und wir dürfen uns nicht dem verschließen, auch diesen Ar⸗ beitern und Angestellten, die tagaus, tagein im Dienste der Allgemeinheit stehen, zu helfen, ja es ist sogar un⸗ sere Pflicht als Stadtverordnete, dafür zu sorgen, daß die Dienstzeit so eingeteilt wird, daß sie wenigstens jeden 2. Sonntag dienstfrei sind. Welch schönes Familienleben daxaus erwächst, darüber brauche ich, glaube ich, keine Worte zu verlie— ren. Damit ist auch denjenigen, die am Sonntag mit ihrer Familie das Gotteshaus aufsuchen wollen, dazu mehr Gelegenheit gegeben.(Zuruf.) Der Familien⸗ vater wird sich, wenn er mit seinen Kindern wieder zum Gotteshaus gehen kann, ganz anders freuen als seither, das Familienleben wird wieder ganz anders blühen und gedeihen, wenn der Vater mit der Familie wieder unter Gottes Wort gewesen.(Zuruf:„Als Erwerbs⸗ loser?!“ und andere Zurufe.) Daß diese Zurufe von links kommen, kann ich ja verstehen.(Stadtv. Heise: „Sind ja gar keine gekommen!“ Zuruf links: Gespen⸗ ster!“) Ich möchte Sie aber daran erinnern— zu den Sozialdemokraten gewendet— daß Sie ja selbst eine christliche Gruppe geschaffen haben und was das bedeutet, da Sie sonst immer das Christentum bekämp⸗ fen, möchte ich Ihnen vorhalten. Also werden Sie sich auch beruhigen müssen und werden mit der Zeit ein— sehen lernen, daß nur da die Wahrheit zu suchen ist: im Licht!(Zuruf:„Nur ein Talglicht!“) Nun haben wir auch noch mit einer anderen Kate⸗ gorie zu rechnen, das sind unsere Pförtner im Rathaus; auch diese gehören unter die Verkehrsbeamten und arbeiter. Im Beamtenverhältnis sind sie nicht, ob—⸗ wohl sie früher in Gruppe 5 waren; heute stehen sie im Arbeitsverhältnis. Auch diese Leute stehen tagaus, tagein, auch Sonntags, im Dienst, sie haben selbstver⸗ ständlich keine Achtstündige Arbeitszeit. Das gehört sich anscheinend so bei der Stadtverwaltung, daß diese Leute mehr angespannt werden müssen, als in der Pri— vatindustrie, sie werden bis zu 11 Stunden herange- holt und haben dazu noch eine ganz erbärmliche Bezah— lung. Ich möchte daher bitten, auch hierin Abhilfe zu schaffen. Im Organisations-Ausschuß könnten wir uns über diese Frage ja noch reichlich unterhalten, und ich bitte, unseren Antrag dem Organisations⸗Ausschuß zu 10 0(Stadtv. Sieling:„Amen!“ und Hefter⸗ eit. Der Vertreter des Magistrats, Herr Stadtrat Dr. Lange, beantragt, den Antrag abzulehnen. Stadtv. Kümper(Ev. V.)— Schlußwort—: Ich kann den Ausführungen des Herrn Magistratsver⸗ treters, daß wir bei Verwirklichung der Anträge 50 Pro⸗ zent der Straßenbahner und sonstige Verkehrsbeamte und Angestellte frei hätten, nicht zustimmen. Ich meine, es liegt auch im Interesse des Magi— strats, dafür zu sorgen, daß er am Montag Morgen ein ausgeruhtes Personal vorfindet und nicht ein Perso— nal, das abgehetzt und abgespannt ist, weil es erst nachts um 1 oder 2 Uhr nach Hause kommt und sagen wir ein⸗ mal, morgens um 10 Uhr wieder im Dienst sein muß. Derjenige, der Sonntags über frei gehabt und diesen Sonntag auch mit seiner Familie angeme mit großen, blauen Augen. Er musterte Urle mit ftaunenden Blicken und richtete seine Gestalt straffer, wer mochte es sein? Dore fragte in ihrer ruhigen Weise:„Weißt Du, Urle, wer es ist?“ „Ein Jünger vom Mars oder Mondlandes, neugieriger Adonis!“— „Der Volontair von der Aktien, der bei Tante wohnt, sie erzählte uns doch davon,“ fiel ihr Dore in die Rede. Urle schwieg und blickte versonnen in die Weite, er war so schön und wie sonderbar es ihr im Herzen war, als umgürte die Schicksalsahne sie mit einem Seherinnenschleier, sie wußte, — nein, sie wußte garnichts, sie war ihres Großvaters wilde, dumme Urle, sprang über den Graben und pflückte das erste Veilchen, das sein blaues Näschen gar zu weit über die schützen⸗ den Blätter reckte. Vom Felsenkopf kamen ihnen des Onkels Kinder entgegen gesprungen und jubelten, daß Dore und Urle kamen, der Jüngste faßte gleich seine Dore, einen„Herzensliebling“ an und Grete Haupt, die Schülerin, wurde auch direkt mit hineingezogen in die„verständige Kinderunterhaltung“. Urle warf ihren Hut auf den Garderobenhalter, daß er tanzend balanzierte und begrüßte die Tante. Da ging die Tür auf und der schöne Unbekannte betrat das Zimmer, als wäre er hier zu Hause, habe also ein Recht, einzudringen. Ja, Dores Ahnung entsprach der Wahrheit, Johannes Wendtland vom Klostergut Königsborn bei Rheindorf war jetzt Volontair auf der großen Aktien, die drüben ihre hohen Schlote breitspurig aus dem Judental reckte, wo einst Weiden Allf der Warte. China, das Riesenreich, erlebt nun schon jahrelange Kämpfe der verschiedensten Generale miteinander. Eines Sinnes scheinen aber diese gegen die Fremden, besonders die Engländer zu sein. Die Engländer haben in den großen Küstenstädten Fabriken, besonders Spinnereien, eingerichtet und beuten dort die Chinesen in schamloser Weise aus. Tägliche Arbeitszeit 16 Stun⸗ den und mehr, Schlafen im Arbeitssaal, völligste Ab⸗ hängigkeit vom Unternehmer, ganz geringer Lohn sind die Kennzeichen des englischen, dort arbeitenden Groß⸗ kapitals. Soll man sich da wundern, wenn man liest, daß die Chinesen einmütig erbost sind gegen die Ein⸗ dringlinge, daß sie die Missionare des Volkes vertreiben, das auf der einen Seite die Grundsätze des Christen⸗ tums verbreitet, auf der anderen Seite sie in der Praxis mit Füßen tritt? England befindet sich in einer prekären Lage. Nicht weniger als 55 Kriegsschiffe sind in die chinesischen Gewässer von ihm entsandt, starke wei⸗ tere Geschwader befinden sich auf dem Wege. Sollte es zu ernsten kriegerischen Konflikten kommen, so ist selbstverständlich die Lage sämtlicher Fremden in China gefahrdrohend, da die weiße Rasse vom qginesischen Volk dann leicht als eins betrachtet wird, ohne weiter nach der Nationalität zu fragen.— Auch in Mittel⸗ amerika wird die Lage immer verwickelter. Amerika will ganz Nicaragua besetzen, Mexiko damit bedrohend. Der Präsident Diaz, der die Amerikaner rief, möchte sie nun anscheinend gern wieder los sein, da sie ja auch ihn zur Ohnmacht verdammen, denn er macht seiner Gegenpartei unter General Sacasa Vermittlungsvor⸗ schläge. Amerika möge vorsichtig sein, da bei einer Einigung sich der Zorn Nicaraguas gegen den Ein⸗ dringling wenden würde. Dabei hat Amerika im eige⸗ nen Lande wegen des Vorgehens zwei heftig sich be⸗ kämpfende Lager bekommen.— Die Senatswahlen in Frankreich brachten eine kleine Verschiebung nach links. — Italien streckt jetzt unter allen möglichen Vor⸗ wänden seine Arme nach Albanien aus. Neuerdings hat es ein leichtes Erdbeben zum Vorwand genommen, um Truppen und Ingenieure dort zu landen, die im Einvernehmen mit den Behörden arbeiten sollen. Aeußerst mißtrauisch sehen die übrigen Balkanvölker zu.— Im Deutschen Reich ist der erste Versuch einer Regierungsbildung mißglückt. Dr. Curtius hatte keinen Erfolg. Nun versucht es Dr. Marx, der Führer des Zen⸗ trums, ob mit besserem Erfolg, ist zur Stunde nicht er⸗ sichtlich. Vielleicht glückt es ihm, wenn die Kulissen⸗ arbeit rasch genug beendet ist, bis Ende Januar noch ein deutsches Kabinett auf die Beine zu stellen.— Der Reichsbund für Kriegsgräberfürsorge hat unter wohl⸗ wollender Unterstützung des Reiches den 13. März, den Sonntag Reminiscere, als Gefallenengedenktag fest⸗ gelegt. Hoffentlich versteht sich auch das Reich dazu, diesen Tag entsprechend zu schützen in bezug auf seine Heiligkeit, nicht daß mittags die Glocken läuten und Ge⸗ denkfeiern stattfinden, während man abends die Jazz⸗ pauke schlägt. Schon die Kreisämter könnten in dieser Beziehung viel tun!— In Mainz überfielen von neuem zwei französische Soldaten eine vom Theater zurückkehrende Familie und schlugen mit dem Stahl⸗ helm ein junges Mädchen nieder, nachdem sie schon vorher einen jungen Mann angegriffen hatten. Die Dunkelheit erleichterte ihre Tat. Zum Glück gelang es, die beiden Täter festzunehmen. Immer wieder die Forderung:„Weg mit der Besatzung!“ ——— 2— nutzt hat und sich erholen konnte, der ist des Montags 7 und geht mit frischem Mut wieder an die Ar⸗ eit. Dann müßte sich der Herr Magistratsvertreter aber auch sagen: wir haben das große Heer der Erwerbslosen. Von dieser Masse von Handwerkern, Angestellten und Beamten können ganz besonders die jüngeren Kräfte für den in Frage kommenden Verkehrsdienst angelernt werden, wobei noch in Betracht zu ziehen ist, daß das Straßenbahnnetz doch noch ausgebaut werden muß, so auch durch die schwebenden Fragen der Eingemeindun⸗ gen. Diese einzugemeindenden Orte verlangen doch alle Verbindungen mit unserem Straenbahnnetz, sie und Hirtenröschengestrüpp ihr rotblaues Laub mit Weißdorn Mann, eine große, kräftige Gestalt, das Gesicht edel geschnitten, ö und Ginster mischten. Nur einen Steinwurf weit von dort war der Judenkirchhof, der nur so groß wie eine Stube war, mit seinem großen, hohen Eichentor und der niedrigen Mauer, wo die Gräber verwahrlost lagen wie weltvergessene Armesünder⸗ stätten. Dort holte Urle immer gelben Steinklee oder rote Hungernelken als Kind, und Muhme Schaper erzählte, der liebe Gott ließe keine andere Blume dort wachsen, weil sie im Leben auch den Mitmenschen nichts gönnten, nicht barmherzig seien. Von hier aus sah man die ganze liebliche Talniederung vor sich liegen, durch welche sich der Fluß und Mühlgraben wie zwei filberne Bänder schlängelten. Ein geheimes Grauen, das Ammensspukgeschichten in den leichtgläubigen Hirnen der Kleinbürger gesponnen, ließ die Kinder in weitem Bogen darum gehen, aber sie, sie war gern über die Mauer gesprungen und hatte die alten Grabsteine mit den hebräischen Zeichen wie graue Zaubertafeln angestarrt. Diese ganze stille Naturschöne hatte durch den Bau ber großen Brauerei ihre Romantik eingebüßt und die Schäfchen lagerlen nicht mehr zur Nachtzeit im Judental, alles, alles wurde so häßlich reell und mußte sich dem Zeitgeist unterordnen.— Johannes Wendtland wußte gemütlich zu unterhalten und sein reinischer Dialekt klang so familiär traut, daß die amü⸗ santen Stunden pfeilschnell dahinflogen. Vom ersten Begegnen an wußten die zwei jungen Menschenkinder, Urle Benningsen und Hans Wendtland, daß sie sich lieb hatten, daß mit des Frühlings Zauberglanz auch der Liebesfrühling ihres Lebens begann. In glücklichem Rausche flogen die Tage, Wochen dahin; kaum ein Tag reihte sich dem andern an, wo Hans Wendtland nicht eine Gelegenheit ersonnen, Urle zu sehen. Pfingsten war ihnen in frohem Genießen vorübergezogen, sie amüsierten sich beide über die mit Guirlanden begränzten Pfingstochsen, welche en! oel. Haben Naht sehlel holen, volitis era l dee den, Oettd Nohl 2 fuß! 5 mäftig fegt, lungel sentlie Reicher nete quick Cech Ju mehter Heute einer tungen Ihre Jordett „Heulst lalster Aus bulstän emflich den„ Vafuch keht, d smelic let Bef drücten Velünd fler Wit Jagen nie det ect, auf Sch Nusche — die glei die Auf I lenke gleithei Alle W. enn d bingen dunuf 77... DD mehreren Wochen bereits einige Gedanken gebracht Sonnabend, den 22. Januar 1927. verlangen Omnibusverbindungen usw. Deshalb müs⸗ sen wir doch jetzt schon dafür sorgen, daß wir ausge⸗ bildetes Personal dafür zur Verfügung haben. Und da ist doch schon der beste Weg, wir geben den Erwerbs⸗ losen eine gute Bezahlung für die Ausbildung, dann haben Sie die Möglichkeit, ausgebildetes Personal zu haben. Wenn der Herr Vertreter des Magistrats vor den Mehrausgaben zurückschreckt, dann möchte ich ihm emp⸗ fehlen, doch einmal nachzusehen, wo etwas herauszu⸗ holen wäre. Nach meiner Meinung und der meiner politischen Freunde, der Evangelischen Volksgemein⸗ schaft, könnte bei der Getränkesteuer noch sehr viel herausgeholt werden.(Zurufe und Lachen.) Gerade der Alkoholverbrauch, dieses Uebel des deutschen Vol— les, das noch weiter verbreitet werden soll, der die Wur—⸗ zel des Elends in unserem Volke ist, muß beseitigt wer⸗ den, und deshalb bitten wir den Magistrat, auch die Getränkesteuerschraube im Interesse des allgemeinen Wohls anzuziehen.(Zurufe und Lachen.) Der Antrag wird an den Sozialpolitischen Aus— schuß überwiesen. Alls Politik und Parlament. Ein notwendiger Schritt. In Polen wurde kürzlich eine Verordnung rechts⸗ kräftig, die allen Abgeordneten und Senatoren unter⸗ sagt, Verwaltungs-, Revisions⸗ oder Aufsichtsratsstel⸗ lungen bei Aktiengesellschaften innezuhaben.— Hof— entlich folgt der deutsche Reichstag bald den zahl— reichen Stimmen, die ähnliche Verordnungen auch für unsere Parlamentarier fordern. Die Gefahr einer Ver⸗ quickung von Politik und Geschäftsinteresse, die in der Geschichte der letzten Jahre mehrmals zu peinlichen Affären geführt hat, muß im Interesse der Untadelig⸗ „Evangelische Warte“ leit unseres öffentlichen Lebens soviel als möglich be— seitigt werden. Dazu könnte eine Verordnung, wie die nun von Polen durchgeführte von Nutzen sein. Bisher hat unseres Wissens nur Anhalt als einziger deutscher Staat ein Gesetz, das den Parlamentariern in dieser Beziehung gewisse Beschränkungen auferlegt. Religiöse Lehrziele. Nach Abschluß der Verhandlungen mit den evan⸗ gelischen Landeskirchen hat das preußische Unterrichts⸗ ministerium soeben die endgültigen Richtlinien für den evangelischen Religionsunterricht an den höheren Schu⸗ len Preußens veröffentlicht. Die vorläufigen Richt⸗ linien erschienen im Frühjahr 1925. Einer ihrer Leit⸗ gedanken war, den Religionsunterricht aus seiner bis⸗ herigen„Isolierung“ zu befreien und mit dem übrigen kulturkundlichen Unterricht, Geschichte, Deutsch usw., in enge Verbindung zu bringen. Die Durchführung dieser Tendenz drohte jedoch den Religionsunterricht in zu große Abhängigkeit von der„Kulturkunde“ zu bringen und die Eigenbedeutung des Religiösen zu verkürzen. Die endgültigen Pläne bringen nach dieser Seite eine wesentliche Besserung. Sie entsprechen einer Zeit, in der sich die Religion nicht mehr vor dem Richtstuhl der Kultur rechtfertigen muß. Bestand weiter nach den vorläufigen Richtlinien eine gewisse Gefahr, daß das Religiöse über dem Historischen zu kurz kam, so zeigt auch in diesem Punkt die endgültige Fassung eine An— passung an die seelische Gegenwartslage: die Jugend wehrt sich gegen ein Uebermaß des Historischen und nur Relativen. So enthalten die neuen Pläne eine stärkere Berücksichtigung des„Objektiven“, namentlich durch breitere Raumschaffung für die Bibel. Aufgabe des religibsen Unterrichts soll sein,„die Wahrheit des evangelischen Glaubens in ihrer biblischen Begründung, reformatorischen Auffassung und geschichtlichen Aus— prägung zu erschließen, und den Schüler dadurch für das Nr. 4. Leben in der kirchlichen Gemeinschaft vorzubereiten“, höchstes Ziel,„das religiöse Leben der Schüler zu wek⸗ ken und zu fördern und sie zu evangelischen Christen zu erziehen. 2330000 AAA ð /d ddddPPꝓꝓPPPPTTWWꝓsTPTssTsXsTEFPTPTCPCTw„''.''' Alus unjerer Bewegung. Rege Versammlungstätigkeit der Evangelischen Volks⸗ gemeinschaft im Kreis Büdingen. Stockheim, 12. Januar. Die Evangelische Volks⸗ gemeinschaft, die neue evangelische Partei, hat letzten Samstag und Sonntag im Kreise Büdingen 12 Ver⸗ sammlungen gehalten. In Ortenberg sprachen Bür⸗ germeister Hensel- Hirzenhain und Stadtverordneter Kümper⸗Frankfurt a. M., in Stockheim Dr. Moe⸗ genburg-Frankfurt und Kaufmann Müller⸗ Sossenheim, in Gettenau Schriftleiter Pfarrer Ham⸗ burger, in Haingründau Lehrer Weimer und Apotheker Veesenmeyer, in Bleichenbach Loko⸗ motivführer Rusteberg und Pfarrer Weidner, in Nidda Bürgermeister Völker-Lich und Herr Kümper, in Lindheim Dr. Moegenburg, in Langenbergheim Lehrer Greb-Weisenau, in Ober⸗ Mockstadt Pfarrer Weidner, in Nieder⸗Mockstadt und Bingenheim Pfarrer Hamburger, in Alten⸗ stadt Pfarrer Weidner. Die meisten Versammlungen waren recht gut besucht. Gerade von den Landorten wurden im Lauf des Winters weitere Versammlungen gewünscht. Vertrauensmänner meldeten sich fast über⸗ all, die Gründungen von Ortsgruppen stehen an allen genannten Orten bevor, der beste Beweis, daß die Evan⸗ gelische Volksgemeinschaft allgemein als die Partei der Zukunft angesehen wird.— Einige weitere Versamm⸗ lungen, die vorgesehen waren, mußten ausfallen, weil die Ankündigung nicht rechtzeitig mit der Post einge⸗ gangen war. zum Nachdenken. Wir erhalten von einem unserer Mitarbeiter den folgenden Beitrag„Vom Zinsgroschen“. Wert⸗ volle Gedanken werden darin gebracht, wobei wir ba gleich bemerken, daß wir nicht alles rück⸗ altlos billigen können. ielleicht äußert sich der eine oder andere aus unserem Ichiftle gerade einmal zu diesem Kapitel. Die riftleitung. Vom zinsgroschen. Mark. 12, 13—17. Zu dieser Geschichte des Markus⸗Evangeliums sind vor worden. 6 Heute wollen wir versuchen, jenes seltsame Erlebnis Jesu von einer ganz anderen Seite zu betrachten, um dann zu Forde⸗ tungen zu kommen, die in ihrer Tragweite für die nächsten 5 Jahrzehnte und Jahrhunderte von schwerster Bedeutung sind, Forderungen, Einsichten, wie sie gegenwärtig nur von der ö„deutschen Werkgemeinschaft“ Dr. Dickels in Augsburg in radi⸗ kalster Schärfe vertreten wurden. Aus der kleinen Geschichte vom Zinsgroschen ließe sich eine vollständige Volkswirtschaftslehre gewinnen, wenn wir nur ernstlich versuchten, in das Wesen der Mächte einzudringen, die den„Zins“ ⸗Groschen schaffen, fordern und vergeuden. Diesen Versuch erwarten gerade die Fragesteller mit der Frage:„Ist's techt, daß man dem Kaiser Zins gebe oder nicht?“ Jesus, innerlich unentschieden über seine Aufgabe— ob revolutionä⸗ rer Befreier im Sinne des von römischer Despotenwillkür ge⸗ drückten und ausgeplünderten Volkes oder in seinem Sinne als ele. 1 del die gelt 110 ant o I 0 5 15 die Fleischer mit lauten Zurufen durch die Straßen trieben, um Verkünder einer neuen, geistigen Welt— weicht den Frage⸗ stellern aus. N 5 Wir wissen es nicht, ob Jesus sich mit volkswirtschaftlichen . Fragen seiner Zeit beschäftigt hat oder nicht. Zwar erkennt er, wie der protzende Reichtum oft jede königliche Kulturgesinnung erstickt, aber wie es möglich ist, daß auf der einen Seite Schätze auf Schätze gehäuft und auf der anderen Seite Menschen um * Menschen verarmt und erniedrigt werden— diese Frage scheint N die Aufmerksamkeit der Bewohner auf das stattliche Schlachtvieh zu lenken, später sahen sie dem geräuschvollen Treiben zu, da gleichzeitig das alljährliche Schützenfest stattfand. Alles ging in Staffelhausen nach althergebrachter Weise. Wenn die Bürger sich auch nicht starrköpfig bewährten Neue⸗ zungen verschlossen, so sahen die kernigen Grauköpfe doch streng darauf, daß die unbedachten Jüngeren alte Sitten nicht als etwas„das sich überlebt hatte“, in den Abgrund der Vergessen⸗ heit versenkten. Deshalb wurde auch am dritten Festtag Abend „Allpfingsten“ gefeiert, wie ehedem. Die jubelnden Kinder jogen, wie einst Väter und Großväter schon, mit ihren lang⸗ fieligen„Reisbesen“ zum Thie, dem Schmuck der Stadt, wo gleichmäßige Alleen breitästiger Kastanien einen weiten, freien Nasenplatz umsäumten. Alles, was an absonderlichen Begeben⸗ leiten sich mit den Kindheitsträumen verwoben, war hier zum Austrag gekommen und dadurch war der Thie ihnen unzer⸗ ftrennlich lieb vom Heimatstädtchen. Hier gaben Kunstreiter Ihhre vagen Vorstellungen, der Knaben Turngerät befand sich am 0 beren Ende des Platzes, die Schüler⸗Schlachten wurden hier 0 1 11 die Soldaten hielten während den Einquartierungen 4 ler ihre Uebungen ab, das Schützenfest wurde auf diesem Platz lefeiert, an dem auch der Verein sein eigenes, schönes Lokal be— aß, o, es war des Guten unzählbar viel. Heute Abend brannten zwei Teertonnen in der Mitte des N 8555 Platzes, woran die Kinder ihre Besen entzündeten, um slann jauchzend umher zu laufen. An allen Ecken leuchteten lengalische Flammen, bald hier, bald dort wurde Feuerwerk ungebrannt und wo die Zuschauer auf den ringsumführenden bromenaden am dichtesten standen, flogen sicher die wohlgeziel⸗ en Raketen hin, daß die Menge oft kreischend auseinanderstob. 8 a un er nicht untersucht zu haben. So klammerte sich die Mensch⸗ heit Jahrhunderte lang an jenes Wort:„Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist.“ Sie verhin— derte dadurch nur, daß sie sich selber ihre Freiheit errang— bis auf den heutigen Tag. Wäre Jesus in jener schaurigen Stunde die Gnade zuteil geworden, den höllischen Kern des„Zins“ Groschens zu erfühlen, zu erkennen, einen Blick zu werfen in die teuflische Welt, die hinter dem unscheinbaren„Zins“⸗ Groschen sich verbirgt, seine Antwort wäre anders ausgefallen, so, daß aus dem Jesus⸗gläubigsten Volke der Erde, den Deut⸗ schen, das sittenstrengste hätte werden müssen. Andererseits nun hat uns Jesus neben seinem unentschie⸗ denen„Gebt dem Kaiser...“ ein um so freieres, schöneres Wort hinterlassen:„Trachtet am ersten nach dem Reiche Gottes und nach seiner Gerechtigkeit!“ Wollen wir Deutsche, wir Prote— stanten, dies nicht? Wollen wir nicht ein Haus unserem Volke bauen, über dessen Pforte geschrieben sein soll: Recht, Freiheit, Friede, Freude, Arbeit, Segen, damit es tätig⸗froh in Ordnung auf dieser Erde wohne? Wohlan denn, so laßt uns den ersten Spatenstich tun, damit wir die tiefste, heute wie vor 2000 Jah⸗ ren so ganz verschüttete Wurzel aufdecken, aus der das„Reich Gottes“ mit seiner„Gerechtigkeit“ so sicher entspringen muß, wie der Eichbaum aus der Eichel, damit wir endlich den gra— nitenen Boden finden, auf dem das neue Haus der Deutschen— ja der Menschheit— errichtet werden muß, wenn es Jahrtau— senden trotzen soll. Lesen wir zunächst im 3. Buch des Moses, Kapitel 25. Was enthält es? Nichts anderes als ein uraltes Gesetz, wonach der Grund und Boden, diese heilige, mütterliche Erde, Allgemeingut war, die dem Einzelnen nur zur Nutzung überlassen und alle 49 Jahre neu verteilt wurde. Ob dieses Gesetz auch tatsächlich so streng durchgeführt wurde, mag dahin⸗ gestellt sein. Uns interessiert nur der große, sittliche Kern: jeder Volksgenosse erhielt je nach seiner Leistungsfähigkeit so— viel an Boden zugewiesen, als ihm„recht“ und den anderen dadurch ge-recht war. Wer arbeiten wollte, dem stand der Bo⸗ den frei. Das war der Anfang der„Gerechtigkeit“ und des „Reiches Gottes“. Vers 23 unseres Kapitels offenbart uns die religibse Gesamthaltung, aus dem dieses Gesetz geboren ist: Es war ein lautes, tolles Treiben aller Frohnaturen. Auch Frau Benningsen ging mit beiden Töchtern in den herrlichen Abend hinaus, sich an den verwegenen Spielen zu erfreuen. Sie mischten sich unter die Zuschauer, wo nur wenige promenierten und beobachteten amüsant die tolle Jugend. Urle trug im Gürtel eine Nelke, aus dem duftenden Strauß, welcher von Hans als Pfingstgruß in ihr trautes Heim geflogen war, das einzige Abzeichen, welches sie von der leicht gekleideten Schwester unterschied. Vergeblich hielt sie Ausschau,— warum blieb er heute Abend fern?— Fragend blickte sie in die Weite, — drüben an den Kastanien empor, deren Blütenkerzen sich in magischem Weiß von dem dunkeln Laub hoben. Da legten sich zwei weiche warme Hände über ihre Augen und ihr Kopf lehnte an einer heftig klopfenden Brust. „Herr Wendtland“, rief sie zagend. Zu Frau Benningsen und Dore traten Bekannte und lenkten ihre Aufmerksamkeit momentan von dem jungen Paare ab.„So heiße ich nicht,“ scherzte er und hielt mit sanftem Druck ihren Kopf fest. Sie strebte sich zu befreien:„Herr Johannes Wendtland!“ „Sage,— mein Hans,— Urle, sonst halte ich Dich fest,“ flüsterte er ihr zu. „Mein Hans,“ kam es ebenso leise zurück, um frei zu kom⸗ men, was sollten die Vorübergehenden denken? Da drehte er sie lachend im Arm herum:„Gefangen!“ „Nein, das war Erpressung, das gilt nicht,“ antwortete sie kopsschüttelnd. Da hielt er sie wieder fest:„Jetzt sagst Du noch einmal,— mein Hans,— sonst küsse ich Dich hier vor allen Menschen!“ Urle fürchtete, daß er seine Drohung verwirklichen könnte: „Mein Hans,“ sagte sie verwirrt,„aber es gilt wieder nicht!“ 0 I— ͤ SSS S SSC Se Cd eee Seeed eee 4 r ee Im Familienkreis FEE. ̃——v—V—ꝓV———K——— e e „Denn das Land ist mein und ihr seid Fremdlinge und Gäste vor mir.“ So spricht der Herr. Wahrlich, dieser Satz müßte als Leitwort jedem volkswirtschaftlichen Lehrbuche vorangesetzt wer⸗ den, so darin ernstlich versucht würde, dem ganzen Volke zu dienen und nicht irgend einer bevortechteten Klasse. Er ist der Prüfstein für die Echtheit und Geradheit jedes Rechtsgefühls. Daß unser Rechtsgefühl geschärft werde, daß es so fein werde wie eine Goldwaage— wie es Kleist von seinem Michael Kohl⸗ haas sagt— das sei unsere vornehmste Erziehungsaufgabe! Das sel unser Kulturstreben überhaupt! 5 „Der Boden ist mein,“ d. h. Gottes, und wir sind nur Gäste hier auf Erden. Welch eine Ehrfurcht! Eine Ehrfurcht, wie sie auf dem ganzen Erdenball nur noch bei einem einzigen Kulturvolk anzutreffen ist: den Chinesen! Welch eine Verantwortung für das Gedeihen des ganzen Volkes! Während die Chinesen als Erbpächter sich zu Dienern ihres nährenden Bodens gemacht und so alle alten, am privaten Bodenbesitz recht zerschellten Völker überstanden haben, wäh⸗ rend sie in einer uns Abendländern unbegreifbaren Religiosität den Boden„durchgeistigen“(wörtliche Antwort eines chinesischen Dolmetschers an Dr. Dickel), schwang sich die übrige alte und neue Welt zu Herren des Bodens auf, erniedrigte die Erde zur Marktware, zum Profit bringenden Spekulationsgegenstand. So ward das Unrecht des privaten Bodenbesitzrechtes geboren und mit Hilfe der Kirche als heilig erklärt, so ward der Spaltpilz Bodensperre, Bodenzins, Grundrente jeglichem Volkskörper ein⸗ geimpft. Europa, der Erdball zittert heute unter den entsetz⸗ lichen Folgen dieses teuflischen Giftes. Das private Boden⸗ besitzrecht gleicht dem Scheinwerfer, der blitzartig die Geschichte des deutschen Volkes von Clodwig bis heute erhellt, der das Gesetzmäßige in allem„Mischmasch von Unrecht und Gewalt“ (Goethe) des Mittelalters aufzeigt, der die unglücklichen Kämpfe der beiden Grachen und den verunglückten Streik der englischen Bergarbeiter in einen einzigen Zusammenhang des Geschehens zu bringen vermag. Aufschreien die Völker nach Recht, doch die Staaten, die Kinder des privaten Bodenbesitzrechtes, üben nur Justiz. Und aus fernen, fernen Zeiten klingt die Stimme „Ach sei doch still, meine Hexe, wir wissen ja beide, daß wir uns lieb haben und da brauchen wir uns nicht erst mond⸗ scheinsüchtig anzuhimmeln,“ und er zog ihrr Hand durch seinen Arm,„morgen komme ich Euch besuchen und in 4 Wochen reise ich heim und hole mir meiner Mutter Einwilligung.—— Was ist das? Eine Nelke im Gürtel, mein Kind, so haben wir nicht gewettet, Du bist nicht mehr zu haben, also will ich das vorwitzige Ding mal annektieren.“ Dann gingen sie zu Frau Benningsen und Dore, die ihre „lieben Bekannten“ nicht abzuschütteln vermochten, die eifrig erzählend, fortwährend neugierig zu dem jungen Paare hin— sahen, das nun wohl das neueste Tagesgespräch bilden würde, noch dazu Urles Mund von keckem Uebermut sprudelte und loseste Schelmerei aus ihren Augen blitzte. Hans Wendtland hielt Wort, am darauf folgenden Tag gab es gemütliche Teestunde bei Benningsens und als er bei der Begrüßung Urle allein im Zimmer traf, da umfing er sie und büßte sie herzlich:„Gelt, mein wildes Lieb, wir lassen uns nicht, wir gehören zusammen, gelt? Verrate es nur ganz heim— lich der Mutter schon, wenn ich zurückkomme von daheim, er⸗ zählen wir der Welt unser Glück!“ Tiefe Liebe sprach aus seinem ganzen Wesen, niemanden beengte das Gefühl, als reihte sich ein fremdes Vierblatt an, nein, als habe ein Denken, Fühlen und Erleben sie schon lange vereint. „Heute bekam ich auch einen Brief meiner Klosterschwester Seraphika, sie bangt um mein Seelenheil, da ich doch jetzt unter Ketzern lebe.“ Er lachte bekümmert,„willst Du einmal so eine verrückte Epistel lesen,“ fragte er und suchte in seiner Brief⸗ tasche nach dem Corpus delicti. (Fortsetzung folgt.) — Sonnabend, den. Januar 1927. „Evangelische Warte“ gewaltiger Bußprediger herüber zu uns, so hart, so schwer, als seien ihre Worte für unsere Tage gesprochen: „Weh denen, die ein Haus ans andre ziehen und einen Acker zum andern bringen, bis daß kein Raum mehr da ist, daß sie allein das Land besitzen!“„Laßt ab vom Bösen, lernet Gutes tun! Trachtet nach Recht! Helst den Unter⸗ drückten! Schafft den Waisen Recht, führt der Witwen Sache!“ Oder wer kennt nicht die der Empörung so vollen Mahnrufe eines Amos? „Hört dies, die ihr die Armen unterdrückt und die Elen⸗ den im Lande verderbet... Es soll aber Recht hervor⸗ quellen wie Wasser und Gerechtigkeit wie ein starker Strom!“ Damals wie heute, zu Jesu Zeiten ebenso. Privates Boden⸗ besitzrecht gebürt Herrentum hüben, Sklaventum drüben, Lehens⸗ herren und Leibeigene, Monarchen und Untertanen, Territorial⸗ gewalten und freie Reichsstädte im Kampfe, Junker und Masse, Paläste und Hütten, Wolkenkratzer und Mietskasernen, Luxus und Arbeitslose, Hypothekenunwesen und verschuldeten Bauern⸗ stand, Staat und Justiz, Oben und Unten. Diese furchtbare Brüderschaft entwuchs dem Sumpfe Boden⸗ sperre, dem Bodenzins. Und ihr sichtbares Gewaltmal heißt: „Zins“ ⸗Groschen! Aus diesem unscheinbaren Dinge aber grinst uns die zweite scheußliche Fratze entgegen, die von je und je im Bunde mit der Bodensperre ganze Völker mit ihrem Pesthauche vergiftet hat: der Geldzins. Jeden Groschen, jede Münze als Quittung für geleistete Arbeit, für im Sonnenbrand, Straßen⸗ staub, bei Winterskälte und Maschinenglut geleistete„ArLbeit, ste wäre Edelgeld, solange sie nur unter Schaffenden, Werte Schaffenden kreiste, von allen erkannt an ihrem unsichtbaren Schweiß⸗ und Tränenstempel. Sie wäre nur Vermittler zwischen Leistung und Leistung. Sie ist's aber nicht. Sobald sie in die nächste arbeitslose Hand übergeht, ist die Gleichung Leistung gegen Leistung unterbrochen und die Münze wird zur Luxus⸗ Peltschmünze, zum„Zins“ heischenden Groschen, versehen mit dem Stempel der Gewalt, des Staates: dem Bildnis des Kai— sers, des Fürsten. Sie könnte gerade so gut auch das Bild irgend eines Stahl-, Oel-, Kohlen- oder geheimen Finanzherren (Fugger, Morgan) tragen, an ihrem Wesen würde nichts ge⸗ ändert. Diesen höllischen Kern des„Zins“-Groschens fühlte Luther, als er irgendwann einmal der Münze statt des Fürsten⸗ bildes einen Laib Brot aufgeprägt haben möchte!! Er redet dabei von„Menschenfressern“ und sagt:„Wer jetzt 100 Gulden auf Zins leiht, so heißt das, daß er jährlich einen Bauern oder Bürger frißt.“ Es war die Zeit, wo der Bauer seinen Lebens⸗ unterhalt mit etwa 40 Gulden bestreiten konnte und der Zins auf 40 Prozent stand! Sein geistesgewaltiger Zeitgenosse Zwingli fieht ebenfalls im Zins⸗Fordern den Diebstahl an der Ernte des Schaffenden; er geht in seiner Sittenstrenge so weit, daß er gegen einen seiner Freunde das Todesurteil unterschreibt, weil er Zins nahm.„Du follst deines Nächsten Gut und Nah⸗ rung helfen bessern und behüten!“ Das sind die schweren Worte eines Einsomen, eines zur Höhe emporgearbeiteten sittlichen Geistes.„Du sollst nicht stehlen!“ So murmelt's in den Krei⸗ sen derer, die mit Staat, Justiz und Polizei sich Zäune um ihren„Befitz“ und„Zinsgenuß“ errichten lassen zum Schutze gegen die sogenannte„Begehrlichkeit“ der um Ernte und Arbeit betrogenen Masse. Solange der Geldzins und Bodenzins nicht als die Würger der Menschheit, als die Diebe an der Ernte, als die Räuber am Eigentum erkannt find, solange wird das Ghetto der Großstädte unentdeckt bleiben, werden Anleihen, Aktien Dividenden uns zum sklavenähnlichem Wirtschafts⸗Volk erniedri⸗ gen, solange wird Morgan seine raffende Hand nach Europa ausstrecken, wird„Wallstreet“ den Völkern die Geschichte dik⸗ tieren, solange wird die moderne Ware„Mensch“ auf dem mo⸗ dernen Sklavenmarkt, in Mammons geheiligtem Tempel der „Börse“ gehandelt, verschandelt werden. Den alten Sklaven⸗ handel verurteilt ihr entrüstet, aber den modernen der Börse grüßt ihr in Ehrfurcht. Wiederholen wir kurz, was wir aus der kleinen Geschichte vom Zinsgroschen herausgelesen oder in sie hineingelegt haben: die beiden tragenden Säulen, auf denen der mörderische Kapi⸗ talismus sich erheben konnte, heißen Bodenzins und Geldzins. Dies gilt es zu erkennen und Geist und Wille werden den Weg finden zur Freiheit des deutschen Volkes. Evangelische Volks⸗ gemeinschaft! Evangelischer Bund! Hier ist ein gewaltiges Stück Arbeit zu leisten, damit endlich aus der häßlichen sozialen „Frage“ soziales, deutsches Recht werde. Luther hat auch den Weg gewiesen:„Des Nächsten Gut und Nahrung helfen bessern und behüten!“ Zu dem Wie? werden Mittel genug gepriesen. Ich möchte hier nur noch einmal auf die„Deutsche Werks⸗ gemeinschaft“ Dr. Dickels in Augsburg hinweisen, dessen um⸗ fassende Gedankenwelt es wahrhaft verdient, in alle Führer⸗ kreise getragen zu werden, die sich um die Zukunft des deutschen Volkes mühen und sorgen. Wer aber nur einmal in dieser geistigen Rüstkammer sich umgesehen hat, der wird am Ende mit Giordano Bruno ausrufen: „Gib, o Jupiter, den Deutschen, daß sie ihrer Kraft sich bewußt werden und daß sie sich höhere Ziele setzen— und sie werden nicht Menschen, sondern Götter sein!“ A Fass. Das Modernste der modernen Musik ist der Jazz oder auch Jazzband. Wer von dem genießenden Publikum will die ernste, kraftvolle Musik unserer klassischen Meister noch hören? Machen wir die Probe, wir werden nicht sehr viele finden. In den Kaffees, Kinos und ähnlichen Vergnügungsstätten, was wird da verlangt und geboten? Jazz, Jazz und wieder Jazz, da⸗ zwischen vielleicht auch einmal, zum Anterschied, etwas anderes. Aber dieses andere erhält kaum Beifall. Die Kakophonie ist leider eben Trumpf bei der breiten, irregeführten Masse. Un⸗ sere laute Zeit schwärmt fömlich für Schrill- und Mißklänge. Diese modernen, übermodernen Atonalisten, diese Sinfoniker der Bummelzugs- und Schnellzugs-Lokomotiven, sie illustrieren doch nur Skandal, Radau und Umsturz. Alles, was Jazz und Shimmy in der eben so beliebten Instrumentation heißt, ist doch weiter nichts, als eine übernervöse und überreizte soge⸗ nannte Musik, die auf die Zuhörer ebenso aufreizend wirkt, wie z. B. Trommelfeuer, Fliegerbombardement. Die Musiker sind zu bedauern, die sich gezwungenermaßen, um nicht ausrangiert zu werden und am Hungertuch zu nagen, einer Jazzband⸗ Nr. 4. kapelle anschließen müssen. Das ewige Getudel, Gequäle und Getrommel zermürbt die Nerven und macht unfähig zu höherem Geistesflug. Ich hörte die Bemerkung eines Muftkers, als das Publikum, bestehend zumeist aus jungen Dämchen und Herrchen, rasend Beifall spendete:„Dummes Volk, dämliches, so'n Mist wollen die hören.“ Dieser ganze, vom Ausland übernommene musikalische Lärm mit seinen unkultivierten, barbarischen Besetzungen, deren Rhythmus auf unsere Sinne hackt, wie die Faustschläge einer Prügelei, mit seinen ganz furchtbaren und widerfsinnigen Akzentujerungen und Synkopierungen wirkt auf unser Gemüt ungefähr so, wie wenn man abends zwischen 10 und 11 Uhr durch den Zoologischen Garten spazieren geht. Da faucht es bald aus diesem, bald aus jenem Käfig, so daß man unwillkür⸗ lich mal vorwärts, mal rückwärts springt. Ich glaube, auf diese Art ist auch die Tanzweise des Jazz entstanden. Bei näherem Eingehen auf die gesamte Jazzmusik ist doch wohl die Frage erlaubt, ob es nötig ist, daß wir von den Negern lernen müssen, denn die meisten, die diese Radaumusik hören, sind sich nicht klar darüber, daß wir die Tanzgebräuche der Neger über⸗ nommen haben. Z. B. der jetzt so beliebte Charleston in Be⸗ gleitung von Jazzmusik ist schon vor mehr als zehn Jahren von den Negern getanzt worden. Man wird mir sagen wollen: wir lehren zurück zur Natur, natürlichem Rythmus natürlicher Mu⸗ sik. Aber, ist das Natur? Wir Deutsche, die wir doch auf so hoher Kulturstuse stehen und uns damit brüsten, sollten uns schämen, Sitten und Gebräuche unkultivierter Völker anzu⸗ nehmen. Der Charelston z. B. ist sogar von den Missionaren in Südafrika verboten worden. Nein, nein, ihr, die ihr so redet, seid weit von der Natur entfernt. Bizarrerie, Verzerrung und Zügellosigkeit ist keine Natürlichkeit. Den Jünglingen, die sich berufen fühlen, dem Jazz zur vollen Blüte zu verhel⸗ fen, wäre nur zu empfehlen, sich zur besseren Illustrierung schwarz anzustreichen und einen Ring durch die Nase zu ziehen, damit die Wirkung eine vollkommenere sei. Haben wir Deutsche es in bezug auf Musik denn nötig, von anderen zu lernen und gar von Urwaldbewohnern. Haben wir denn nicht unsere großen Komponisten wie Wagner, Beethoven, Haydn, Gluck, Händel und die Modernen: Bruckner, Reger, Strauß und noch so viele andere, alles Namen von goldenem Klang? Können wir uns nicht an deren Musik genug erfreuen? Wir Deutsche sind deutsch und wollen deutsch bleiben, auch in unserer Musik. Alles, was in dieser Beziehung von Amerika, England, dem afrikanischen Urwald, von den Grenzen des Nordpols und des Südpols herstammt, ist für uns Deutsche absolut unverdaulich. Aber über kurz oder lang wird diese Radau-Musik, die nur einen Aebergang darstellt vom Krieg zum Frieden, verschwin⸗ den; wir werden uns wieder verehrungswürdigen, alten und modernen Meistern zuwenden und unsere deutsche Musik wird, vorwärtsstrebend, immer wieder Großes gebären. Gute Haus⸗ musik wird gepflegt werden, Musikvereine und Musikschulen werden wetteifern, ihre Mitglieder und Schüler in echter deut⸗ scher Musik zu unterweisen. Nach des Tages Last und Mühen werden wir wieder Erholung finden und den Segen guter Musik verspüren. Hoffen wir, daß wir bald eine„Jazzdäm⸗ merung“ haben werden. PPP esche Beschätssleule!! Bäckereien: Joft, August, Rossertstraße 34. Römer, Emil, Feldbergstraße 21. Seibel, Heinrich, Jahnstraße 4. Sehring, Heinrich, Hauptstraße 90. Keim, Friedrich, Königsteinerstraße 34. Buchbinderei fund Schreibwaren: Volk, Fritz, Rathenaustraße 34. 7 Installation: Schucht, Jahnstraße 12a. Eisenwaren, Oefen, Herde: Brendel Nachf., Clemens, Hauptstraße 22. 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