8 Hauptschriftleiter: Verantwortlich für Politik und Wirtschaft: für den Unterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz. ür Rücksendung ungewünschter 3 wird. 85— 0 WAA W WS N 1 0 wen ö both icht gn i e sie 9 konnt l Vortrag von Superintendent C. Bran d 16 eili, l 505 gen d Ich las neulich in einer Zeitschrift für Kindergottes⸗ un ken dienst eine höchst bewegliche Klage über die weitgehende fam Entehristlichung des deutschen Haufes.„Woher kommt une die?“, so wurde gefragt, und die Antwort lautete:„Da— mot le her, daß es so viel Mütter und noch viel mehr Väter ue M gibt, die ihren Lieblingen nicht mehr die Hände falten, ihnen ein erstes kindliches Gebet beizubringen, weil sie ug daß selber nicht beten, so viele Häuser, in denen die Flamme der ehh demeinfamer Hausandacht längst erloschen ist, in denen nicht einmal mehr das Tischgebet laut wird, dieser letzte nen, b kümmerliche Rest reicher christlicher Sitte, Häuser, aus enn a denen Sonntags kein Kirchgänger den Weg zum Got— itt un teshause findet, ja deren ganze Christlichkeit und Kirch⸗ mächlg lichkeit sich darin erschöpft, daß sie die Kinder in den Kindergottesdienst schicken oder gehen lassen, weil die Kinder selber drängen.“ Meine Verehrten! Was soll seen aus unseren Kindern werden und damit dereinst aus unserer Kirche und unserem Volk, wenn sie in Häusern aufwachsen, in denen 5 n und Mutter ihnen nicht mehr einen lebendigen Anschauungsunterricht geben von echter, tiefer u. innerlicher Frömmigkeit? Haben wir 9 denn nicht gerade als enangelische Eltern vor anderen 1. das hohe. Vorrecht und damit auch die heilige 0 1 1 als 5 zu walten in der eigenen Hausgemeinde? 55 Alle Betätigung wirklich erlebten C Christentun ns hat im zn eigenen Hause anzufangen. Fast schäme ich mich, noch sußalc einmal daran zu erinnern, was ernste Volksfreunde leheaulh uns in unseren Tagen aus größter Besorgnis heraus es fl immer wieder einhämmern, nämlich, daß die deutsche au, e Familie in Gefahr ist, unheilbar zu erkranken, und daß buish' die gesunde Familie doch ganz selbstverständlich die erste . Vorbedingung ist für die Gesundung des ganzen Volkes. 19 Haben wir Evangelischen da nicht ganz besonders wich⸗ l, tige Aufgaben und Pflichten? Nicht laut genug kön⸗ eingeheh sten wir es nach dieser Richtung hineinrufen in die Her⸗ l zen aller Glaubensgenossen: Mehr evangelisches Pflicht⸗ a 1 0 bewußtsein! Che 2 5 8 UAUAnd neben der Familie steht die Schule. Wir wis⸗ sen alle, welch ein Kampf um die christliche Schule ent— brannt ist. Aber ich weiß nicht, ob sich jeder dessen be— f wußt ist, welchen Kämpfen wir da noch entgegengehen. Ich sehe da einen erbitterten Kulturkampf, ein Ringen der Weltanschauungen sondergleichen heraufziehen, das mu unser Volk in seinen Grundfesten erschüttern wird. Und 1 da muß ich nun einmal einen Blick werfen auf den n tbömisch⸗katholischen Teil unseres Volkes. Ihr hier in en! Osnabrück wißt es gerade so gut wie wir im Hildes⸗ 0ß 0 heim'schen: Die haben die ungeheure Wichtigkeit der 55 a Schulfrage klar erkannt, die sind auf dem Posten und dan halten zusammen und werden zweifellos ihre katholi⸗ die he 0 sche konfessionelle Schule behalten, ja sie mit Hilfe der un“ Konkordate so verankern, wie wir es Sanz gewiß— agend cult vangelische Organ der Evangelisch ische Edwin Hamburger in Staden(Oberhessen). Erscheint Samstags.— Edwin Hamburger, gehalten auf der Bezugspreis Abonnements⸗ und Anzeigen ⸗ Druck und Verlag: Gießen, 50 Pfennig monatlich Annahmestelle, Südanlage 21. Fernsprecher 1362 und———38 Poco 8487 Frankfurt a. M. Kn. N ieee h (Fortsetzung.) billigen können. schen Elternschaft zurückstehen an lebendigem Interesse auf diesem so ungeheuer wichtigen Gebiet? Gewiß, un⸗ sere evangelischen Elternbünde haben weite Kreise auf— gerüttelt und Großes erreicht. Aber welch eine Ver ständnislosigteit, ja Stumpfsinn man in evangelischen Kreisen ja fene begegnet, das weiß jeder, der in diesen Dingen arbeitet. Was soll man dazu sagen, wenn es sogar evangelische Eltern gibt, die um faden— scheiniger äußerer Gründe willen ihre Kinder in katho— lische Schulen schicken, wo evangelische genug vorhan— den sind? Da kann man nur sagen: Von allem anderen abgesehen, welch ein erbärmlicher Mangel an protestan⸗ tischem Ehrgefühl! Ihr Väter und Mütter, ich frage Euch, kann für eure evangelischen Kinder irgend etwas anderes in Betracht kommen als die rein evangelische Schule mit evangelischen Lehrern, die die innere Bereit⸗ schaft besitzen und die Bef ähigung nachgewiesen haben zu Anterricht und Erziehung im evangelischen Geist? Ich rufe Euch auf: Tretet ein in die Reihen der Kämp⸗ fer für dieses Ziel, wir brauchen Euch, schließt Euch zu— sammen! 3 evangelisches Verantwortungsgefühl auf dem Schulgehiet! Oder ich denke an unser gottesdienstliches und Ge⸗ meindeleben. Während meiner Hildesheimer Tätigkeit habe ich immer einen gewissen Neid empfunden, wenn ich am Sonntag Morgen zur Kirche ging und sah dann die ganze Straße schwarz von Katholiken, die nur so hineinströmten in ihr Gotteshaus. Auch wir hatten ja immer gut gefüllte Kirchen, aber die katholischen Kir⸗ chen waren stets zum Brechen voll. Gewiß, die Di liegen dort anders als bei uns. Die Katholiken u zur Kirche, sonst begehen sie eine Todsünde. Bei uns, namentlich in den größeren Städten, wo der Zwang der Sitte fortfällt, ist alles freiwillig. Aber ist nicht auch bei uns noch immer der Gottesdienstbesuch als wichtig- ste Aueßerung des religiösen und kirchlichen Lebens an⸗ zusehen? Wie leichtfertig wird da auf evangelischer Seite manchmal geurteilt und gehandelt! Wie indi— vidualistisch und egoistisch ist man da meis eingestellt! Wenn ich bei Hausbesuchen meine Leute fragte: Be— suchen Sie denn auch fleißig unsere Andreaskirche? dann hieß es oft:„Ja, gewiß, wenn ich mal ein religiöses Be— dürfnis habe, gehe ich auch mal hin.“ Ich entgegnete dann gewöhnlich: Darum handelt es sich doch zunächst gar nicht, ob Sie einmal ein religiöses Bedürfnis haben, sondern es handelt sich doch in erster Linie um die Frage: Was ist meine Pflicht gegenüber der Ge— meinde? Wenn Ihr Platz leer bleibt, entsteht da eine Lücke, und die ärgert und entmutigt die Gemeinde. Dann sah mich der Betreffende meist ganz entgeistert an und verstand mich gar nicht. Aber ich meine, das ist en Volksgemeinschaft Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg. am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Provinzialtagung der ee Frauenhilfe Hannovers in Osnabrück am 3 Aber wollen wir hinter der katholi⸗ doch die echt ide ae Auffassung der Sache: Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen ee N.. y Min mer 12. eee eee eee eee, Mai 1926. nicht, was uns gerade paßt, sondern die Rücksichtnahme auf die Gemeinde, das Solidaritätsgefühl. Wollen wir das in Zukunft nicht alle etwas mehr beachten in unse— rem gottesdienstlichen Leben? Und auch im sonstigen Gemeindeleben: dringlicher hallt durch unsere evangelische Kirche der Ruf: Lebendige Gemeinden! Heran ihr Gemeinde— glieder, Männer und Frauen und Jugend zur Mit— arbeit am Aufbau der Bene Das ist doch gerade etwas für uns Evangelische. Denn wir sind ja keine Monarchie, wie die katholische Kirche, wo der Priester alles tut und für alles verantwortlich ist, sondern eine Demokratie, in der jeder gleiche Rechten und Pflichten hat und zur aktiven verantwortlichen Mitarbeit berufen ist. Aber wie schwer ist es da oft, die Massen in Fluß zu bringen und Arbeitswillige zu finden! Ein Führer auf dem Gebiet der Inneren Mission sagte mir einmal: en ich da so im Zentralausschuß in Berlin bin und es handelt sich um wichtige Maßnahmen, die getroffen 9 sollen, dann sitzt da oft irgend ein Monsignore oder katholischen Chaxitasvertreter als Gast und schreibt eifrig mit. Und nach einem halben Jahre, wenn wir aus der Vorbereitung zur Initiative noch nicht heraus— gekommen sind, dann lesen wir plötzlich irgendwo, daß unsere Pläne auf katholischer Seite längst in die Tat umgesetzt worden sind. Wir schmieden die Gedanken und die Katholiken führen sie aus.“ Verehrte Glau⸗ bensgenossen, soll es uns auf dem Gebiet der Gemeinde— arbeit auch so gehen? Wir haben grundsätzlich das allgemeine Priestertum der G zen und rühren keinen Finger, während die Katholiken, die sich theore⸗ tisch eigentlich passiv zu erhalten haben, mit ihrem Laienapostolat uns praktisch in den Schatten stellen? Tretet ein in unsere e und Frauenvereine, laßt Euch in Dienst stellen als Vertrauensmänner und Frauen, als Helfer und Helfer anten zu wohlorganisier⸗ ter Arbeit an den mannigfaltigen Aufgaben des heu⸗ tigen Gemeindelebens, in dem wir so unendlich viel Kräfte gebrauchen können. Mehr evangelische Arbeits⸗ willigkeit! Mehr evangelisches Bewußtsein auch z. Mischehenfrage! Statt aller hier eine Geschichte. Es kam zu mir in Hildesheim ein junger Mann, der seine Trauung anmeldete. Seine Braut war katholisch, und da ich die Familie kannte, fragte ich: Sind denn Ihre Schwiegereltern mit der evangelischen Trauung einverstanden? Darauf sagte der junge Mann:„Herr Pastor, ich bin Kaufmann, und als solcher pflege ich mich zu sichern. Als ich mich verlobte, machte ich zur Bedingung: Evangelische Trau— ung und Kindererziehung. Und als mein Schwieger— eee eee Immer B. in der anderen Ausführungen ee. ich neee Chrenplütze. Markus 10, 38, 39. Jesus sprach zu ihnen: Ihr wisset nicht, was ihr bittet; könnet ihr den Kelch trinken, den ich trinke, und euch taufen lassen mit der Taufe, da ich getauft werde? Sie sprachen zu ihm: Ja, wir können es wohl. Jakobus und Johannes sind begeisterte Eiferer für das Reich ihres Herrn Jesus. Wer aber so begeistert ist wie sie, will das n die. W. 1 1c icht umsonst sein. Sie wünschen deshalb, daß Jesus ihnen ver 0 pricht, für sie die Ehrenplätze in seinem Reiche bereitzuhalten. Diese treuen Jünger sind noch recht wenig fortgeschritten in der Erkenntnis des Reiches Gottes. Sie träumen noch von einem tedischen Neiche. Sie möchten in Jerusalem um den Thron ihres böniglichen Herrn sein. Sie hoffen, in prachtvollen Kleidern ein⸗ — N sprehel lergehen zu können. Macht und Gewalt über viele Menschen sest⸗ wollen sie haben. Ein hohes Gehalt hoffen sie einstreichen zu 1 knnen. Das soll der Lohn dafür sein, daß sie von zu Hause sortgegangen waren, Beruf und sicheres Einkommen verlassen hatten. Sie verlangten nach fürstlichen Ehrenplätzen. Diese Jünger glaubten in naiver Einfalt, daß Ehrenplätzen gelangen könne ohne Mühe und Opfer. Einfalt befangen waren ja bekanntlich auch im 1 siele unserer Arbeiter, welche bei dem Amsturz meinten, sie önnten nun Pfarrer, Postdirektoren, Kre. e und dergleichen berden. Sie dachten damals auch an die Pürde dieser Stellun⸗ nden l ids 1918 Jahre en höheren Lohn u. a. m. Gar nicht dachten sie daran, daß Eder, der eine solche Stellung einnimmt, lange Jahre der Arbeit ind Vorbereitung bedarf, um das leisten zu können, was eine blche Stellung von seinem Inhaber fordert. man zu In dieser sen, an die Ehrenplätze, die sie dann im Lande innehatten, an Andere sind bei einer guten Sache gleich dabei und hoffen, durch diese in die Höhe zu kommen, Ehrenposten zu erhalten. Deshalb machen sie mit. Nur darum sind sie so gleich dabei. Sie setzen ganz außerhalb ihrer Berechnung, daß jede gute Sache Arbeit und Opfer kostet. Aber zum Opferbringen sind sie nicht dabei gegangen. Wie war doch Jesus so weit entfernt, für sich etwas zu for— dern. Wie bescheiden klingen seine Worte an den reichen Jüng⸗ ling:„Niemand ist gut, denn der einige Gott!“ Er erhebt für sich noch nicht einmal den Anspruch,„guter Meister“ genannt zu werden. Vor ihm steht der Wille des Vaters. Er denkt nur an seine Pflicht. Ehre und Glanz sind für ihn ferne Dinge. Er erlebt viele Enttäuschungen, steht meist im Kampf mit seinen Gegnern, muß sogar aus dem Lande vor ihren Nachstellungen fliehen. Er hat zu wirken, so lange es Tag ist. Schließlich hat er das furchtbare Leiden und den schmachvollen Kreuzestod lden Das weiß er alles schon vorher. Wie ferne ist ihm 155 E nach Ehrenplätzen. Ehrenplätze hatte Jesus auch keine zu vergeben. seinen Jüngern in sichere Aussicht stellen konnte, war sein Kre; zer mir will nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme ein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ Seine Jünger sind auch dazu bereit; aber sie ahnen nicht, wie ernst es mit diesem Jakobus hat es ja nachher verhältnismäßig bald erfahren müssen. Er ist ja unter den Elfen der erste gewesen, der mit seinem Blute für den Herrn zeugen mußte. Johannes umgekehrt hatte ein langes Leben. Aber es war ja kein Thronen, dieses lange Leben. Es war ein Wirken und Eifern für die Liebe, die sein Herr ihn gelehrt hat als das zeichen der wahren Jüngerschaft. für ihn da unter den Gemeinden des Herrn gegeben haben. viel Schmerz um verlorene Söhne und zu er Kreuz B Wieviel Enttäuschung mag es Wie⸗ Töchter wird er haben in einer engen Pforte endet. finden und gehen, Erkennungs⸗ eee ertragen müssen. Noch in seinen alten Tagen hat er der Ge— meinde immer und immer wieder die Bruderliebe an das Herz gelegt. Er hat in seinem Leben somit Kreuz genug zu tragen bekommen. Auch wir wollen nicht bei unserem Wirken an irdische Ehren— plätze denken. Wir wollen noch nicht einmal daran denken, daß unser Wirken unbedingt Erfolge aufweisen muß. Aber das wollen wir nie vergessen, daß das Kreuz auch unsere Bahn be⸗ zeichnet, daß wir viel angefochten, gehaßt, vielleicht auch ver— spottet werden. Das alles darf uns nicht aufhalten, darf uns nicht stören. Ehrenplätze hat Jesus nicht zu vergeben. Ehrenplätze ver— gibt nur Gott im Himmel. Erst wenn wir bei ihm sind, dann dürfen wir daran denken, für unser Wirken einen Lohn zu er⸗ halten. Auch Jesus sitzet zur Rechten Gottes, nachdem er den Weg der Pf licht, des Gehorsams, des Leides gegangen war. Er malt uns diesen Weg vor die N als ein schmaler Weg, der Diesen schmalen Weg müssen wir auch wenn er manche Unbequemlichkeit mit sich bringt. Diejenigen, die es sich bequem machen im Leben, ind keine wertvollen Menschen, sondern nur, welche das Kreuz auf sich nehmen und unserem Herrn nachfolgen.„Es geht durch Kreuz zur Krone, es geht durch Nacht zum Licht!“ Du gingest, o Jesu, unser Haupt, Durch Leiden himmelan Und führest jeden, der da glaubt, Mit dir die gleiche Bahn. Wohlan, so führ' uns allzugleich Zum Teil am Leiden und am Reich! Führ' uns durch deines Todes Tor Samt deiner Sach' zum Licht empor, Durch Nacht zum Licht empor! Amen. Hr. ——— —— Sonnabend, den 19. März 1927. vater nach einigem Zögern einwilligte, bat ich, er möge mir das schriftlich geben. Das tat er. Und jetzt nach zwei Jahren, wo nun Hochzeit sein soll, da ist er, durch die Verwandtschaft gedrängt, anderen Sinnes gewor den und verlangt nun katholische Trauung. Da habe ich denn mein Papier hervorgeholt und gesagt: Hier habe ich's schriftlich, und das gilt, und wenn nicht, dann ist's noch Zeit für mich, zurückzutreten. Und da hat er denn endlich nachgegeben.“ Nun, ich war dann zur Hoch⸗ zelt eingeladen, und es war eine sehr fröhliche Hochzeit und ist auch eine sehr glückliche Ehe geworden. Zur Nachahmung empfohlen und allen unsicheren Kanto nisten ins Stammbuch geschrieben! Mehr evangelische Standhaftigkeit! (Schluß folgt.) Vom drohenden Konkordat. Was ist ein Konkordat? Nach der echt römischen, zumal von den Jesuiten vertretenen, aber auch von Papst Benedikt XV.(An⸗ sprache im Geh. Konsistorium vom 21. November 1921) ausgespochenen Anschauung sind die Konkordate Privi⸗ legien, die der Papst kraft seiner Vollmacht als Statt⸗ halter Christi einzelnen Staatsregierungen einräumt und die er jederzeit wieder zurücknehmen kann. Nach der milderen, zur Beruhigung des politischen Gewissens der Staatsmänner und Volksvertreter derzeit in den Vordergrund geschobenen Theorie für die Kon— kordate Verträge internationalen Rechts, von Macht zu Macht abgeschlossen, wie ein Bündnisvertrag oder ein Handelsvertrag. Warum ist ein Konkordat unannehmbar? Nach der Privilegientheorie: weil es die Anerken⸗ nung der römisch-päpstlichen Ansprüche auf die Uni⸗ versalmonarchie der Kirche, d. h. Herrschaft des Papst⸗ tums über alle weltlichen Staaten und Mächte(Bulle Unam sanctam), in sich schließt. Nach der Vertragstheorie: weil der Staat damit einseitig das geistliche Oberhaupt einer einzelnen Reli⸗ gionsgesellschaft als eine sich gleichgeordnete Macht an⸗ erkennt; weil er zwischen sich und seine katholischen Staatsangehörigen eine internationale u. mit den Hän— deln der inneren und äußeren Politik eng verknüpfte Stelle sich eindrängen läßt, die in allen Konfliktsfällen auf die Gemüter einen stärkeren Einfluß auszuüben ver mag als er selbst; weil er der katholischen Kirche damit eine bevorzugte, zeitlich unbegrenzte Sicherung ihrer kirchlichen Belange einräumt, die die anderen staatlich anerkannten Kirchen und Religionsgesellschaften nicht genießen, und somit dem Grundsatz der Gleichberechti— gung der Glaubensbekenntnisse ins Gesicht schlägt. Aus diesem Grunde kann ein selbstbewußter, mo— derner Staat überhaupt kein Konkordat abschließen. Diese Erwägungen gelten für jeden Staat, gleichgültig, 9 55 Bürger der Mehrheit nach katholisch sind oder nicht. Staat, Sthule, Kirthe. Es ist unseren Lesern wohl bekannt, daß für das zu erwartende Reichsschulgesetz die katholische Kirche ihre besonderen Wünsche hat. Diese gehen mit den Wünschen der Evangelischen in den Grundsätzen auseinander. Dies liegt, wie bei der Konkordatsfrage, daran, daß der Pro⸗ testantismus sich einordnet in den Staat, während der Katholizismus mit dem an der Spitze stehenden Papste sich über den Staat stellt. Dies tritt deutlich zu Tage bei den Ausführungen des Zentrumsführers Gu é rar d, die er im Anschluß an die Regierungserklärung im Reichstag machte: „Ich wende mich zu einer kulturpolitischen Frage, der wir außerordentliche Bedeutung beimessen. Gestern ist der Ausdruck gefallen, die Schule sei eine Einrichtung des Staates. Das ist eine Auffassung, die bei uns Erstaunen hervorruft, die wir aber als völlig verfassungswidrig(Sperrung nach der „Evangelische Warte“ Nr. 12 „Köln. Volksztg.“) bezeichnen. Sie will nicht mehr und nicht weniger, als dem Staat ein Monopol, eine umfassende und schrankenlose Zwangsgewalt über die Schule zubilligen, eine Auffassung, die wir aufs be⸗ stimmteste zu rückweisen. Gewiß hat der Staat einen bedeutsamen Anteil am Schulwesen, aber mit Recht spricht die Verfassung nur von einer Aufsicht des Staates, nicht aber von einer staatlichen Allein— herrschaft. Jeder Staat muß sich darüber klein sein, daß es auch eine freie Tätigkeit derjenigen geistigen und sittlichen Macht für die Schule geben muß, die sich dem Werke der Erziehung widmet Darum er⸗ kennt die Verfassung auch an mehreren Stellen das Recht der Erzieher an. Das Schulwesen muß aus der alleinigen Zwangsjacke herausgenommen werden. Die Verfassung erkennt die Rechte der Religions⸗ gesellschaften an; sie stellt unabhängig vom Staat den Religionsunterricht als Lehrfach hin und würdigt da⸗ mit die Besonderheit derjenigen Erziehungskräfte, die den Religionsunterricht leiten.“ Der Redner fordert darum„von allen Deutschen für die Schulpolitik der nächsten Zukunft den notwendigen Respekt und die innere Hochachtung vor den sittlichen und geistigen Faktoren. Darauf werden wir niemals verzichten, weil die Achtung vor diesen Faktoren eine der größten Kraftquellen unseres Volles ist.“ Es fällt in diesen Ausführungen auf, mit welcher Schroffheit hier die römische Auffassung vom Staat aus⸗ gesprochen wird. Es ist nach diesen Ausführungen wohl zu erwarten, daß das Zentrum bei den kommenden Kämpfen um das Reichsschulgesetz mit Hintansetzung aller Rücksichtahme seine Ziele zu erreichen suchen wird. Die Deulschnationalen und das Konkordat. In Nr. 10 unserer„Evangelischen Warte“ beleuch⸗ teten wir mit einem Artikel in der deutschnationalen „Pommerschen Tagespost“ die Stellungnahme der Deutschnationalen zum Konkordat. Daß wir nun nicht allein solche Feststellungen gemacht haben, sondern auch andere über diese Haltung der Deutschnationalen be— unruhigt sind, zeigt ein Artikel in Nr. 46 des„Deutschen Tageblattes“, überschrieben:„Preußenkonkordat auf Schleichwegen“. Da heißt es: „Am meisten befremdet hier wieder einmal die Haltung der Deutschnationalen und sie dürfen sich nicht wundern, wenn man schon jetzt die Meinung ausspricht, daß sie auch diesmal keine Opposition trei⸗ ben werden, und wenn man weiter der Vermutung Ausdruck gibt, daß die Verhandlungen zur Bildung der Reichsregierung eine zentrumsfreundliche Hal⸗ tung beim Preußenkonkordat zur Folge haben werden. Hätten die Deutschnationalen, wie die Deutsch— völkischen, klipp und klar in kurzer Erklärung ein Preußenkonkordat in Richtung des bayerischen abge⸗ lehnt, so wäre es für die Regierung unmöglich gewe— sen, weitere Verhandlungen zu führen, wenigstens, wenn sie davon überzeugt gewesen wäre, daß die Deutschnationalen diesmal bei dem„Nein“ geblieben wären. Die Deutschnationalen haben keine Erklä— rung abgegeben, haben keinen Antrag gestellt und werden auch zukünftig durch keinen Antrag irgend⸗ welche Verhandlungen stören, zumal führende Deutschnationale, wie Professor Martin Spahn, ebenso auch der ganze Katholikenausschuß der Partei, für ein Konkordat kämpfen. Das Zentrum hat auch in Preußen dieser Partei seinen Willen aufgezwun⸗ gen, und es wird das Konkordat durchsetzen mit Hilfe der Deutschnationalen, wenn nicht im ganzen Lande diejenigen sich zur Wehr setzen, die es angeht, und ihren Einfluß auf die parlamentarischen Vertreter geltend machen. Das Verhalten der deutschnationalen Presse er— weckt schwere Bedenken.“ Uns sind diese Wege der Deutschnationalen durch— aus nicht verwunderlich. Wir von der Evangelischen Volksgemeinschaft haben schon immer darauf hinge— wiesen, wie hier der Volkspartei durch ihre ultramon— * Dornenwege. Roman von Clara Meller. 16. Fortsetzung. Interessant waren die Gestalten auch alle, von dem wild⸗ blickenden Führer bis zum mit Schmuck und Münzen überladenen Weib und den geschmeidigen, über ihre Jahre gereiften Kinder. Die tolle Raya hieß die verwegene Braut, in derem klassisch schönen Gesicht zwei phänomenale schwarze Augen wie Zauber⸗ sonnen leuchteten. Sie kam mit ihrem Bräutigam quer über das Brachfeld geritten, ohne Sattel saßen sie auf kleinen, niedri⸗ gen Pferden und sausten dahin, daß die buntbebänderten Mähnen flogen; da schrie die Menge auf, Raya sauste über den Kopf eines dreijährigen Zigeunerknaben. Der Bräutigam sprang herab, hob seine Braut herunter, schwang sie jauchzend im Wirbel herum und sah triumphierend die angsterfüllte Menge an, die Rayas kleinen Scherz schon für ein Brapourstücklein hielt. Urle drückte die Hand auf das Herz in tiefem Erschrecken und faßte nach Dores Hand, und so traten beide aus dem Kreis der Zuschauer, weiter zu den Zelten hin. Wohl angezogen durch Dores zwingenden Blick, deren große, graue Nixenaugen fast schwarz in der Erregung schimmerten, lenkte Raya ihren Blick herüber und blieb gebannt an Urle haften. In der Tat war sie eine auffallende Erscheinung in ihrem schlichten blaugrauen Kleide und den fast bis auf den Saum des Kleides reichenden Zöpfen. Die Mutter rief sie zurück. Sie gingen einige Schritte seit wärts, um sich einen Weg zu bahnen und standen der Alt mutter gegenüber. Vielleicht übte auch sie einst zwingende Gewalt durch ihre Schönheit in der Jugend; heute war das Gesicht pergamentartig, faltig, aber interessant in seiner unbegrenzten Häßlichkeit und ihre Macht war nicht minder groß, vielleicht noch intensiver, durchgreifender; denn sie regierte durch ihre Klugheit. Sie saß auf einem zusammengeschnürten Bündel Lumpen, das mit einem zottigen Hundefell bedeckt war und lehnte mit dem grkrümmten Rücken gegen eine knorrige Weide. „Wie alt sind Sie?“ fragte gerade ein Redakteur. Sie lachte kichernd in sich hinein und klemmte mit dem ein— zigen, großen Zahn die Unterlippe fest:„Die Hundert sind vor— bei, aber die 20 noch nicht wieder erreicht.“ Jetzt sah sie auf und erblickte Urle. Sie schien sie mit ihrem Blick verschlingen zu wollen, dann schloß sie die Augen, als müsse sie mit Fatirgewalt alle Geister vor ihrem inneren Auge be— schwören, daß sie ihr das kommende Schicksal dieser Lichtgestalt offenbarten. Mit sonderbaren Handbewegungen durchschnitt sie die Luft, als zeichnete sie Runenzeichen in die haltlose Ferne, und doch verfolgte sie nur den Zweck, damit zu fesseln, damit ihr niemand entschlüpfte. Naya war über den Platz gesprungen, daß ihre Münzen klirrten, und schob ihre biegsame Gestalt keck zwischen die beiden Schwestern:„Raya will hören, was die kluge Borries spricht. Raya ist auch bald junges Weib wie diese blonde Schöne.“ Sie zeigte auf Urles Trauring. Dann wog sie ungeniert die langen Zöpfe in ihrer Hand:„Alle Frauen, die außergewöhnliches Haar haben, sind außergewöhnlich in einer Hinsicht. Die Altmutter sagt es gleich“, nickte sie lachend und ließ ihre blitzenden Zähne sehen. Urle zitterte vor Erregung. Wie unangenehm war diese Situation. Wäre doch Hans bei ihr! Dore bereute tief, hiervon geredet zu haben und wünschte sich weit fort von den Ihren. Da erhob sich die Altmutter, auf ihre Krücken gestützt, und humpelte auf Raya und Urle zu. Sie hob wie bekräftigend ihren Stock Auf der Warle. Das Ringen in China geht unvermindert weiter. Immer neue Truppenkörper werden in den Kampf ge⸗ worfen. Die Kantonesen hatten in der letzten Woche eine große Reihe von Erfolgen zu verzeichnen, sind aber anscheinend jetzt wieder in eine vollkommen neue Schlacht verwickelt. Bedauerlich, daß bei diesen fort⸗ dauernden Wirren das Missionswerk unendlich leiden muß.— In Japan, dem Land, in dem eine Unzahl Vulkane tätig ist, vernichtete ein Erdbeben wieder ganze Distrikte. 2500 Menschen mußten ihr Leben lassen; es gab 4000 Verletzte und beinahe 8000 Häuser wurden zerstört. Wie hilflos steht der Mensch diesen übergeord⸗ neten Gewalten gegenüber. Da sind die modernsten Errungenschaften der Wissenschaft machtlos.— Im Mittelmeer hält England große Flottenmanöver ab, um zu demonstrieren, daß es den Schwerpunkt seiner Seemacht dorthin verlegt hat, sehr zum Aerger Italiens, Frankreichs und Spaniens.— Italien unterzeichnete nach Jahren endlich das Abkommen, nach dem die An⸗ nexion des früher russischen Bessarabiens durch Rumä⸗ nien anerkannt wird. Dieser anscheinend englands— freundliche und russenfeindliche Schritt wurde in den Pressen aller Länder lebhaft kommentiert. Man spricht von einem Druck Englands auf Italien. Andererseits hat Italien erklärt, daß es nicht beabsichtigt, eine ruf— senfeindliche Stellung einzunehmen, die Tatsache der Unterzeichnung darf aber doch als ein Erfolg der ge— schickt arbeitenden englischen Diplomatie ausgewertet werden, die Rußland auf Umwegen ihre Macht fühlen läßt.— Die Genfer Ratssitzung ist beendet. Deutsch⸗ land kann von dem Ergebnis nicht ganz befriedigt sein, denn in der oberschlesischen Schulfrage wurde nur eine Zwischenlösung gefunden und in der Saarfrage scheint das Ergebnis noch ungünstiger. Stresemann und Briand schlossen ein Kompromiß. Vom streng natio⸗ nalen Standpunkt des Deutschen aus nicht erfreulich, vom diplomatischen Standpunkt aus etwas gün⸗ stiger. Frankreich muß endlich binnen dreier Monate seine Truppen zurückziehen. 800 Mann Bahnschutz sind zugestanden, der aber nur in ganz außergewöhnlichen Fällen eingreifen darf. Dazu muß der internationale Charakter dieses Schutzes gewahrt werden. Was be— deutet dies? Hätte Stresemann an der unbedingten Räumung und Nichtanerkennung des Bahnschutzes fest⸗ gehalten, so wäre Deutschlands Ansicht überstimmt wor⸗ den und Aussichten auf weitere Verhandlungen hätten nicht bestanden. Durch das Kompromiß aber ist der Weg für Verhandlungen über die Rheinlandräumung weiter offen. Die Frage dürfte im Sommer angeschnit— ten werden. Fällt aber einmal die Rheinlandbesatzung, dann ist auch der Bahnschutz, der ja die rückwärtigen Verbindungen der französischen Rheinarmee decken soll, überflüssig geworden. Warum sich also halsstarrig die Zukunftsausßchten verbauen. Wir können daher, ob; wohl doch sonst sehr vaterländisch denkend, uns der Presse nicht anschließen, die Stresemann bei seiner Rück⸗ kunft heftig angreift.— In Deutschland wurde wieder einmal am Aufwertungsproblem gerührt. Die Reichs regierung ließ demgegenüber erklären, daß an den Grundzügen des Aufwertungsgesetzes nicht gerüttelt werden dürfe.— Lebhafte Erregung rief auch die ge⸗ plante Erhöhung der Mieten hervor.— Am 13. März, dem Sonntag Reminiscere, wurde auf Veranlassung des Volksbundes für Kriegsgräberfürsorge in weiten Tei⸗ len des Deutschen Reiches der Gefallenentrauertag feierlich begangen.— Der Reichsfinanzminister weilte auf der Durchreise einige Stunden in Darmstadt, um mit dem Landesfinanzamt über schwebende Fragen zu verhandeln. N DRUCR SACHEN aller Art liefert die Verlagsdruckerei Albin Rlein, Giesien — p auf und hing ihn geschickt an einen Ast, so daß sie auch im Stehen festen Halt gewann. „Jetzt weiß ich alles, Raya, alles, auch für dich! Du wirst glücklich, denn du wirst geliebt mit der wilden Glut, wie nut unser Stamm sie kennt, und jeder liebt dich heißblütiges Men⸗ schenkind. Aber hüte dich, zur Zigeunerkönigin über das grohe Wasser zu fahren, da ist dein Glanz kurz; dann stirbst du. Ueber⸗ rede Bango nie dazu; denn ein blutroter Nebel trennt euch dann. Sonst wirst du alt, wenn auch nicht wie deine Borrles“ Raya war aufgeregt, daß sie Urle am Aermel zupfte: „Haben Sie es gehört? Ich soll nicht zur Königin, und ich. sehne mich doch krank nach dem Anblick der Zigeunermacht und Pracht! Da will ich forschen, ob ein Zaubertränklein für den, Tod wächst!“ „Und du,“ fuhr die Altmutter fort und streckte ihre zitternde, knochige Hand nach Urle, diese schüttelte unwillig den Kopf und wollte entfliehen, aber es gab keinen Ausweg durch die dicht gedrängte Menge,„ja, du hast ein liebreiches, jedoch ein Leben, das du schwer durchkämpfen mußt, bis dein Herbst kommt. Der ö ist schön wie Südens Sommertag, wenn Lorbeeren blühen!“ Kaum hatte sie zu Ende gesprochen, da streckte Raya bittend ihre kleine braune Hand hin:„Altmutter darf nichts nehmen, weil sie unsere Schicksale auseinanderwob, aber Raya bittet!“ Dore und Frau Benningsen zogen beide ihre Börsen und ließen einige Münzen der Braut in die Hand gleiten, die hoch⸗ erfreut sofort umwendete und auf ihren Bango zueilte.—— Die Zuschauermenge drängte näher heran. Die Altmutter setzte sich auf ihren Platz zurück. Ihre Absicht war erreicht. Jetzt floß Geld in ihren Beutel; denn wer schaute nicht gern in die Zukunft? Wenn sich alles im Lichte der Zeit als Truggewebe offenbarte, dann weilte die Zigeuneralte längst nicht mehr im Gesichtskreis der Düpierten. 20 alt b neh 9 gab: denn Schich als U dunll und fille, und e beugt Mahr deine Aer rauf declt Schin Todes gelle graut andet feligi der de auf d gehen age 0 miele hält; das d hte der wen dunle wiede daß Sl ligte nit d daust um Vahr dei 8 Sonnabend, den 19. März 1927. 1 tanen Mitglieder die Hände gebunden sind. Von dieser Partei ist eine Vertretung evangelischer Belange nicht mehr zu erwarten. Die Krise im Jungdeulschen Orden. Die Pressestelle der Ballei Oberhessen des Jung⸗ deutschen Ordens bittet uns um folgende Richtigstellung: . Es ist nicht richtig, daß im Jungdeutschen Orden starke ultramontane Einflüsse wirksam sind, wofür wir „Evangelische Warte“ als Beweis einen Bericht aus Marburg anführten, daß! dort am 23. Februar der Jesuitenpater Joseph Kauf⸗ mann auf Einladung des Jungdeutschen Ordens einen Vortrag gehalten haben soll. Richtig ist vielmehr, daß der ehemalige Kaplan Kaufmann seit 1924 auf Grund eines päpstlichen Dis⸗ penses als römisch⸗katholischer Laie lebt und Ordens⸗ bruder ist und daß er seine jungdeutsche Ueberzeugung nicht einem sicheren Broterwerb zuliebe geopfert hat. N N Nr. 12 Wir geben sehr gern unseren Lesern von obiger Be⸗ richtigung Mitteilung und weisen darauf hin, daß wir einen Irrtum in der uns gewordenen Meldung aus Marburg offen gelassen haben. Inzwischen haben wir uns über den Werdegang des Schriftstellers Joseph Kaufmann unterrichtet und gefunden. daß derselbe nie Mitglied des Jesuitenordens war. Wir glauben, daß nun die Krise im Jungdeutschen Orden genügend besprochen worden ist und schließen damit die Aussprache. Die Schriftleitung. e ee Fit ein Leben nach dem Tode denkbar? Eine volkstümliche Betrachtung von F. Haupt⸗Gießen. 5 Arnold Böcklin hat ein Bild gemalt, dem er die Ueberschrift gab:„Die Toteninsel“. Steil und trotzig ragen da Felsen aus dem Meere empor— ein Bild des harten, unerbittlichen Schicksals. Dazwischen stehen dunkle Zypressen, geheimnisvoll, als redeten sie von den Rätseln des Todes. Darüber liegt ein dunkler Wetterhimmel und erfüllt die Menschenseele mit Angst und Grausen. Im Vordergrunde plätschert das Meer wie eine stille, unaufhörliche Klage. Auf dem Meer, da fährt ein Kahn. und auf dem Kahn, da steht ein Sarg, und über den Sarg ge— beugt eine Frauengestalt. Kahn und Sarg und Meer wie eine % Mahnung: Menschenkind, denke daran, daß du sterben mußt, auch eln, deines Lebens Schifflein wird einmal ankommen vor der harten, hey, unerbittlichen Pforte des Todes. Aber das Bild malt nicht nur das ub SGrausen. Wenn man den Wolkenhimmel näher betrachtet, ent⸗ Jatio deckt man einen hellen Lichtstreifen. Was soll das sein? Ein ul Schimmer der Hoffnung? Glaube an eine Ueberwindung des g, Todes? Von diesem Glauben, dieser Hoffnung wollen diese du Zeilen reden. I Sie sollen auch zur Insel des Todes führen, die einsam und lichen 1 grausig im Meere des Lebens liegt. Allerdings möchte ich einen ona, anderen Weg dahin einschlagen als den, den man gewöhnlich als 5 b. 9 teligiöser Mensch geht. Ich möchte auch den gerne mitnehmen, gte der den religiösen Weg zu gehen scheut, weil ihm zuviel Steine fe auf dem Wege liegen. Ich möchte den Weg des reinen Denkens e gehen, den Weg der Wissenschaft. Deshalb habe ich ja auch die sätte Frage formuliert: Ist ein Leben nach dem Tode denkbar? t da 1 Freilich, auch dieser Weg ist nicht so eben und sicher, wie muß, viele namentlich in unseren Tagen glauben. In vielen Kreisen gc hält man die Wissenschaft für allmächtig, für das gewaltige Licht, un das alle Dunkelheit erleuchtet. So ist es nicht. Wissenschaft hat tig ißre Grenzen, und sobald man an diese kommt, versagt das Licht sh. der Wissenschaft und wird zum trüben Fackelschein. Ein klein 10 A wenig erleuchtet es mir den Weg; aber in den Tiefen bleibt es 5 f dunkel. Das haben alle Großen im Reiche des Geistes immer wieder erkannt, darum sagte der alte Philosoph:„Wir wissen, daß wir nichts wissen.“ Darum sagt Paulus:„Unser Wissen ist Stückwerk und unser Weissagen ist Stückwerk.“ Goethe beschäf⸗ tigte sich mit derselben Frage in seinem Faust. Darin beginnt er mit den Worten: Habe nun, ach, Philosophie, Juristerei und Medizin Und leider auch Theologie Durchaus studiert mit heißem Bemühn. Da steh ich nun, ich armer Thor! Und bin so klug als wie zuvor. Faust steht vor seinem Instrumentenschrank. Mt diesen In⸗ strumenten wollte er das Tor aufschließen, das den Weg zur Wahrheit verschließt. Er muß bekennen: Ihr Instrumente freilich spottet mein, Mit Rad und Kämmen, Walz und Bügel. Ich stand am Tor, ihr solltet Schlüssel sein; Zwar euer Bart ist kraus, doch hebt ihr nicht die Riegel. Geheimnisvoll, am lichten Tag Läßt sich Natur des Schleiers nicht berauben, 1 1 9 „Da waren wir ja richtig in Teufels Küche geraten, Herz⸗ chen“, scherzte Dore.„Kommt nur schnell in den Wald hinein, daß wir den Seelenfrieden wiederfinden.“ d Frau Benningsen schob ihren Arm in den Arles:„Ich will doch nicht hoffen, daß euer Seelenfrieden auf so schwankem Sockel wie 1 %% steht, daß diese Anke ihn umwerfen kann.“ 15%„So nervenschwach sind wir nicht, Mütterchen. Aus den le Augen, aus dem Sinn!“ antwortete Urle. Trotzdem verdunkelte ab sich ihr Blick, als er die Wipfel der Baumkronen suchte, und Bonk verstärkt beschlich sie das Gefühl der Anruhe wie daheim. . Es war ein grasüberwachsener, breiter Waldweg, der sich ub durch den sommerlichen Tann zog, nur zuweilen drang vollere⸗ 0 Licht herein, wenn vollsaftiges Grasgelände oder junger Bestand 1 mit dem Hochwald wechselte. Vereinzelte Spaziergänger oder kleine Gruppen gingen in kurzen Pausen an ihnen vorüber, und ib das übermütige Lachen, die Jauchzer und Jodler zeugten von der 5 Frohlaune, die der Wald schuf. Plötzlich endete der Wald, als 10 0 0 schlage ein grüner Vorhang zurück, und vor den staunenden 1 Blicken lag das imposante Kloster Heiligenstein in ruhiger fit U Schöne. 5 e l 1 Sie gingen in das blühende Tal hinab und die steinerne, bie Ingefäge, sogenannte Hexentreppe wieder hinauf, welche direkt 0 vor dem Klosterpförtchen endete. Ganz der Neuzeit entsprechend 70 hing ein Schaukasten mit Postkarten an Bruder Pförtners Tor⸗ ö 9 warte und er schien gut einzuheimsen, den eine ganze Anzahl Radfahrer feilschten und handelten mit dem freundlichen Alten herum. 5„Siehe nur die Mönchlein,“ wunderte Dore in ihrer drolli— gen Weise,„sie scheinen nicht nur zu beten, sondern auch ihren Vorteil gut im Auge zu haben. Gelt, wir setzen sie auch in Nahrung. Ich werde jetzt mit einem wirklichen Mönch ver⸗ handeln und eine ganze Postkarte erstehen.“ Leichtfüßig sprang Im Familienfreis Und was sie deinem Geist nicht offbaren mag, Das zwingst du ihr nicht ab mit Hebeln und mit Schrauben. Darum der Verzweiflungskampf des Dichters in seinem Faust:„Daß wir nichts wissen können, das will mir schier das Herz verbrennen!“ Dieselbe Klage, die der alte Philosoph schon erhob und die immer wieder wird erhoben werden. Es ist nicht so, wie die Naiven meinen, daß mit dem Fortschreiten der Wissenschaft die Menge des Unerforschten immer kleiner werde. Wissenschaft hat Grenzen, und diese lassen sich nicht verschieben. Es ist so, wie ein Philosoph der Neuzeit sagte:„Wir wissen nichts und wir werden nichts wissen.“ Nur ein Beispiel. Ein Stein fällt, ein scheinbar ganz einfacher Naturvorgang. Aber nur scheinbar, in Wirklichkeit ein großes Rätsel. Warum fällt denn der Stein? Weil ihn die Schwerkraft anzieht. Was ist aber Schwerkraft, was ist überhaupt Kraft? Ein Wort, kein Begriff. Wie fängt die Schwerkraft es an, den Stein zu Boden zu ziehen? Antwort: Wir wissen es nicht. Selbst die Naturwissenschaft steht vor lauter Rätseln. Sie kann wohl verwickelte Erscheinun⸗ gen auf scheinbar einfachere zurückführen; aber diese einfacheren sind gar nicht einfach, sondern in Wirklichkeit große Rätsel. Warum ist das so, warum hat Wissenschaft Grenzen? Eine Ant⸗ wort möchte ich auf diese Frage geben. Wissenschaft arbeitet mit unseren fünf Sinnen. Sie sind ihre Werkzeuge. Aber leider sind diese Werkzeuge nicht so tadellos, wie man gewöhnlich meint, sie sind nur stumpfe Werkzeuge. Betrachten wir einmal den Sehvorgang. Draußen im Garten steht eine Rose; ich sehe, daß die Rose rot ist und weiß doch in Wirklichkeit nicht, was da draußen im Garten eigentlich steht. Mein Auge zaubert nur das Bild der Rose hervor. Von dem Irgendetwas da draußen gehen Aetherwellen aus, Wellen verschiedener Art. Sie dringen durch Linse und Glaskörper ins Innere des Auges, hier treffen sie auf die Netzhaut. Dort endigt der Augennerv. Er ist der große Zauberer, er macht aus den Aetherwellen Licht und Farbe. Licht und Farbe entstehen also erst in unserem Gehirn, außer⸗ halb desselben ist es Aetherwelle. Deshalb kann ich ja auch Licht und Farbe sehen, wenn das Auge geschlossen ist. Wenn ich auf das geschlossene Auge drücke, habe ich Licht- und Farben⸗ erscheinungen. Der Druck reizt den Augennerven und jede Er⸗ regung desselben gebiert solche Erscheinungen. Licht und Farbe werden also in unserem Gehirn fabriziert. Arbeitet der Netz⸗ hautnerv anders als ein normaler, so entstehen auch andere Er⸗ scheinungen. Deshalb mag der Farbenblinde sich anstrengen soviel er will, er sieht nicht die Farben, die der normale Mensch sieht. Es ist mit dem Hören genau dieselbe Sache. Mein Töchter⸗ chen sitzt am Klavier und spielt, es drückt auf Tasten, an den Tasten hängen Hämmerchen, sie schlagen auf Saiten und die Saiten fangen an zu schwingen. Es entstehen kurze und lange Schwingungen, die auch die umgebende Luft in Schwingungen versetzen. Als sogenannte Schallwellen durcheilen diese Luft⸗ schwingungen den Raum und treffen dabei auch auf unser Trommel⸗ fell. Hier schlagen sie an wie die Meereswellen ans Gestade. Das Trommelfell wird infolgedessen ebenfalls in Schwingungen versetzt. Da an ihm die Gehörknöchelchen hängen, so schwingen auch diese mit. Die Bewegung wird bis ins Gehörwasser über⸗ tragen; hier endet der Ohrnerv. Er wandelt die Bewegung dann um in eine Tonempfindung. Auch die Töne entstehen also im Gehirn. Außerhalb desselben gibt es nur Schallwellen, d. h. Bruder Zisosimus?“ fragte ein spottlustiges Herrchen. „Eine Mark mehr“, war die prompte Antwort. „Dann bitte!“ Er verschwand mit dem Rosenkranz, kam aber sofort zurück. „Ach, Bruder, das ging aber schnell“, lachte der Besteller und zog seine Börse. „Ja, ja,“ antwortete er gemütlich,„es geht schneller wie eine Mahlzeit halten.“ „Jetzt bekommen Sie Damenbesuch'“, nickte er bedeutungsvoll und trat höflich zurück. „Kann ich eine Postkarte bekommen?“ fragte Dore, und eilfertig legte er ihr die verschiedenen Aufnahmen vor. Auch Photographien pries er ihr lebhaft an, wovon Frau Benningsen eine erstand, worauf der weißbärtige Bruder Pförtner sich an die Klosterpforte lehnte. Urle war auf halber Höhe der Treppe zurückgeblieben und hatte sich auf eine Stufe niedergesetzt. Der Weg ermüdete doch. Früher war sie viermal soweit gegangen und sang die Wege entlang in heiterer Sorglosigket. Wiehern von heranstürmenden Pferden ließ sie über das Tal zum Tann blicken. Da kam das Zigeuner⸗Brautpaar heran⸗ gesprengt in ihrer ungezähmten Wildheit. Raya zeigte hinüber, sprang herunter, Bango koppelte beide Pferde zusammen an einen Baum, und beide kamen in der ihnen eigenen schnellen Gangart herüber. Urle rückte auf den steinigen Abhang hin, so daß die Hexen— treppe freiblieb, und sah interessiert dem jungen Paar ent⸗ gegen.—— Wie einer Freundin streckte sie ihre Hand Urle zum Gruß hin:„Bango soll Sie sehen; er sieht gern schöne Frauen. Ihr seid doch meine Schicksalsschwester, und ich mußte heute eine fie die Treppe hinan. 12 ³˙ A Schmuckmünze verschenken, weil ich morgen Hochzeit habe, dann CFC A AA T KK— VVV e 8 pff cc TTT Daß das wirklich richtig ist, kann man an Fol⸗ gendem sehen. Wenn jemand eine Mittelohrentzündung hat, so hört er fortwährend Töne. Es ist, als ob ein Flieger in der Luft wäre, als ob ein Zeppelin übers Dörfchen kreiste. Die Ge⸗ sunden hören nichts; denn es ist wirklich stille. Warum hört der Kranke? Weil durch die Mittelohrentzündung der Ohrnerd gereizt ist und jede Reizung des Ohrnervs löst einen Ton aus. Deshalb kann ich ja auch jeden Augenblick in meinem Hirn einen Ton hervorrufen. Wenn ich Nase und Mund verschließe und ziehe die Luft im Nasenrachenraum in die Lunge zurück, höre ich einen knackenden Ton. Das Zurücksaugen der Luft hat das Trommelfell eingebuchtet, d. h. bewegt. Diese Bewegung wandelt der Ohrnerv um in einen Ton. Licht und Farbe macht der Augennerv, Töne der Ohrnerv! Wir selbst erzeugen also die Welt um uns her. Gewiß ist da draußen etwas, von dem diese Aether- und Schallwellen ausgehen. Aber es ist nicht so, wie wir es wahrnehmen. Ansere Wahrnehmungen zeigen uns also eine Welt, die gar nicht so existiert, wie wir sie wahrnehmen, eine Scheinwelt. Der große Königsberger Gelehrte Kant hat uns vor allem auf diese merkwürdige Tatsache aufmerksam gemacht. Er hat uns gezeigt, daß die von uns wahrgenommene Welt nur eine Welt des Scheins ist, daß wir das„Ding an fich“, d. h. das, was hinter dem Schein steckt, gar nicht wahrzunehmen vermögen. Die Welt sieht aus wie sie aussieht, weil wir nun einmal so konstruiert sind. Wären unsere Sinne anders konstruiert, die Welt um uns her würde ganz anders aussehen. Es gibt auch sicher Dinge, die für uns gar nicht, auch nicht dem Scheine nach, wahrnehmbar sind. Es gibt noch viele Dinge zwischen Himmel und Erde, von denen sich unsere Schulweisheit nichts träumen läßt, sagt der Volksmund mit Recht. Wenn dem aber so ist, wenn unsere Sinne nur stumpfe Werk⸗ zeuge sind, dann kann ich auch von der Wissenschaft, die auf die fünf Sinne angewiesen ist, nicht verlangen, daß sie mir die Rätsel dieser Welt löst. Sie ist nicht Sonnenschein, sie gibt nur Fackelschein. Aber ergreifen wir einmal die Fackel der Wissenschaft und betreten wir den dunkelen Weg, der zu den Rätseln des Todes führt. Auf jeden Fall wird es interessant sein, was Wissenschaft zu zeigen vermag. Zunächst möchte ich aber ein Mißverständnis aus dem Wege räumen, das in vielen Köpfen lebt, die das kirchliche Leben nur von ferne kennen. Es ist ja leider so, daß viele über Kirche und Religion urteilen, die sich am kirchlichen Leben gar nicht beteiligen. Es sind Leute darunter, die sich sonst hüten, über Dinge zu urteilen, von denen sie nichts verstehen. Solche Ent⸗ gleisungen sind ja zu verstehen. Die religiösen Dinge sind eben die wichtigsten. Sie nötigen einen jeden, sich damit auseinander⸗ zusetzen. Aber leider fehlte in einer Zeit, in der die tech⸗ nischen und wissenschaftlichen Errungenschaften die Hirne förm⸗ lich überschütteten und nur zu sehr für sich in Anspruch nahmen, die nötige Sachkenntnis. Solche Mißverständnisse liegen namentlich auf unserem Wege. Lächelnd sieht man auf eine Kirche herab, die von der Auferstehung des Leibes redet. Aber die Kirche meint damit nicht die Auferstehung dieses irdischen Leibes. Sie weiß, daß dieser Leib im Grab verwest. Deshalb sagt der Pfarrer bei jeder Beerdigung: Erde zur Erde, Asche zur Asche, Staub zum Staub. Er will damit doch sagen zu den bewegte Luft. „Was kostet der Rosenkranz, wenn er noch benedixiert wird, Leuten, die am Grabe stehen: Macht euch keine falschen Vor⸗ kann, und geben Sie mir dafür Blumen, habe ich immer Freude!“ Urle mußte lächeln über das naive Naturkind. Sie nahm die Münze in Empfang und erhob sich. Bango trat heran und verneigte sich ritterlich:„Raya ist ein tolles Lieb; aber sie hat nicht gelogen. Die junge Deutsche ist auch schön wie Raya.“ Droben bemerkte man die Fremdlinge. Das glückliche Zi— geunerkind sprang die Stufen hinan und sah vergnügt den Bru⸗ der Pförtner an:„Raya kann die Zukunft prophezeien, gebt Eure Hand her!“ Sie griff nach seiner Linken. Entsetzt wehrte er:„Das ist sündhaft. Unsere Zukunft weiß Gott allein.“ „Raya auch“, lachte sie und wollte nach seiner verweigerten Hand fassen; aber Bruder Zisosimus war auf seiner Hut. Die Umstehenden lachten herzlich. Das Zigeunermädel ließ sich nicht beirren:„Dann schenkt mir eine Postkarte“, bat sie, und hastig griff der Mönch danach und legte sie in ihre aus gestreckte Hand. 1 Jetzt wendete sie sich an die Radfahrer. Sie prophezeihte ihnen das tollste Zeug, und die frohe Jugend ging darauf ein. Sie erreichte ihr Ziel; denn alle zogen ihre Börsen. Unterdessen zeigte Urle ihre Münze und Dorle fragte den Bruder Pförtner, ob sie wohl einige Rosen kaufen könnten. Nein, er verkaufte den prachtvollen Strauß nicht, den er ihr brachte. Aber ein alter Herr, der herantrat, informierte sie, daß dafür gewöhnlich eine Gabe in die Sammelbüchse gesteckt werde. Arle befesttigte eine halberschlossene Rose in Dores Gürtel und einen in ihren Gürtel, dann trat sie zu Raya, die hell auf⸗ jubelte über diesen großen Rosenstrauß; sie küßte Urle die Hand: „In zehn Jahren sind wir wieder drunten in der Stadt, dann sehen wir uns wieder“, sagte sie Abschied nehmend, und kurz darauf jagten sie den Waldweg zurück, entschwanden wie ein phantastisches Traumgebild. Fortsetzung folgt. — K— 3 . den 19. 3 1927. F iger Leib steht nicht auf, er ist Erde und muß wie⸗ der zur Erde werden. Erde zur Erde, Asche zu Asche, Staub zum Staub. Er sagt das nicht, weil er modern sein will, die Bibel zwingt ihn dazu, so zu sagen. Weng ich 1. Korinther 15 Vers 50 aufschlage, so lese ich dort: „Das sage ich aber, liebe Brüder, daß Fleisch und Blut nicht können das Reich Gottes ererben; auch wird das Unverwesliche nicht erben das Unverwesliche.“ Diese Bibelstelle sagt also klipp und klar, daß es eine Auf⸗ erstehung dieses Leibes, dieser Haut, dieser Knochen nicht gibt Aber das Glaubensbekenntnis sagt doch: Ich glaube an eine Auferstehung des Leibes. Gerade diese Stelle hat das Miß— verständnis entstehen lassen. Wir werden später sehen, wie sie aufzufassen ist. Wohl selten wird wohl ein Pfarrer es versäumt haben, sie im Konfirmandenunterricht zu erklären. Du Narr, sagt Paulus, was du säest, wird nicht lebendig. Eine Auf— erstehung dieses Leibes darf also die Kirche der Apostel gor nicht lehren. Was soll dann aber auferstehen, wenn der Leib in Staub zerfällt, bleibt denn dann noch etwas übrig von uns? Sind wir denn noch etwas anderes als Haut und Haar und Knochen als Körper? Ganz gewiß! In der Körperschale lebt etwas Unkörperliches, etwas unseren Sinnen Verborgenes, das, was wir eigentlich sind— die Seele. Ich nenne es hier Seele, weil der Ausdruck üblich ist, wenn auch nicht genau, ich könnte auch sagen Geist. Ich weiß sehr wohl, daß die Eingeweihten von verschiedenen Seelen in uns reden. Ich will in diesen volks— tümlich sein sollenden Zeilen nicht darauf eingehen, um die Sache nicht zu schwierig zu gestalten. Ich verstehe hier unter Seele das Nichtkörperliche an uns. Aber gegen so etwas erheben sich die schärfsten Widersprüche. Ich glaube nur, was ich sehe, sagt der sogenannte Unglaube, der natürlich auch Glaube ist. Nun, wie es mit dem Sehen ist, das habe ich schon oben gezeigt. Gewiß, die Seele kann man nicht sehen; aber es gibt noch mehr Dinge auf der Welt, die man nicht sehen kann. Daß der Mensch aber etwas in sich beherbergen muß, das nicht körperlicher Art sein kann, zeigt schon eins: Das Denken. Wenn der Mensch bloß Körper ist, dann muß auch das Den— ken etwas Körperliches sein. Man muß dann etwa annehmen, daß es auf elektrischen oder chemischen Vorgängen in unserer Großhirnrinde beruht. Das sagen, heißt es verneinen. Man lächelt, wenn einer sagt, daß Schillers Gedichte dadurch ent— standen seien, daß im Gehirn des Dichters sich elektrische oder chemische Vorgänge abgespielt haben. Man mag sich diese Vor— gänge noch so fein vorstellen, diese Behauptung des Materialis— mus wird dadurch nicht erträglicher. Gewiß spielen beim Denken Gehirnvorgänge eine Rolle; aber das Denken ist doch etwas anderes als ein körperlicher Vorgang.„Wenn mir einer sagt, Gedanken sind nichts anderes als körperliche Vorgänge, so kann er gerade so gut behaupten, Eisen sei eigentlich Holz“, sagt Pro⸗ fessor Paulsen. Ebenso wenig wie Eisen Holz ist, sind Gedanken 0 5 eee ie oder aleltrische Feser in unserer Großhirn— rinde. Auch Gemütsvorgänge müßten solche Prozesse sein, wenn der Materialismus recht hat. Gewiß, sie spielen eine Rolle. Wenn der Mensch Angst hat, so wird er bleich. Die Adern im Gesicht verengern sich, das Blut wird abgedrängt. Aber die Adernverengerung ist doch nicht die Angst selbst. Was würde wohl eine Braut sagen, wenn der Bräutigam erklärte, daß seine Liebe nichts anderes sei als ein elektrischer Vorgang? Ich glaube, daß die Braut sich für eine solche elektrische Liebe sehr bedanken würde. Eigentlich müßte das jeder Bräutigam erklären, der auf dem Standpunkt steht, daß es keine Menschenseele gibt. Wenn wir bloß Körper sind, dann ist Denken, Fühlen, Wollen auch körperlich. Der Materialismus behauptet, die Wissenschaft habe bewiesen, daß diese Vorgänge körperlich sind. Das ist natürlich eine Behauptung, die nur leider zu schnell geglaubt wird. In Wirlichkeit hat noch nie ein Gelehrter einen Gedanken aus chemischen oder physikalischen Vorgängen entstehen sehen. (Fortsetzung folgt.) Jesus oder Karl Marx? Unter dieser Ueberschrift fand am 12. April 1926 im Eisen⸗ bahnerheim Wien 5, Margareten, ein öffentlicher Aussprech—⸗ abend statt. Handzettel folgenden Inhalts hatten dazu einge— laden:„Arbeiter! Jugendliche! Elend und Not ist um uns. Wo ist ein Ausweg? Wer führt uns? Jesus oder Karl Marx? Evangelium oder kommunistisches Manifest? Darüber spricht in einer öffentlichen Debatte Gen. Walter Süß, Redakteur der „Gottlosen Jugend“, gegen Max Monsky, Generalsekretär der Oesterreichischen Volksmission, Montag, den 12. April 1926, 1 Uhr abends, im großen Saale des Eisenbahnerheims, V, Margaretenstraße 1664. Geringer Regiebeitrag! Jeder will— kommen! Kommt alle, hört und bildet euch euer eigenes Urteil! Proletarische Freidenkerjugend(Proponentenkomitee).“ Die Aussprache dauerte von 8 bis 11 Uhr; da kamen die verschiedensten Stimmen zur Geltung. Der eine erzählte, wie er Gott verlor und zeigte die ganze Trostlosigkeit seines hoff— nungslosen Lebens. Ein anderer spottete: Wenn es einen Gott gibt, dann fordere ich Ihn jetzt heraus, daß Ex mich hier vor aller Welt strafe und richte. Wenn Gott wirklich ist, warum zer⸗ schmettert Er mich nicht mit Seinem Blitz? Er zeigte, daß er keine Ahnung hatte von dem, was er gesagt hat:„Ich bin nicht gekommen, die Menschenseelen zu verderben, sondern zu erretten.“ Aber dann kamen auf der anderen Seite wunderbare Zeug— nisse solcher, die persönlich die Macht des Evangeliums bereits erlebt hatten. Der eine sagte etwa:„Ich bin auch Proletarier, 1 Jahre in der Gewerkschaft. Ich war ein Gottesleugner, aber jetzt bin ich 21 Jahre beim Heiland und in der Bibel. Ich habe Gott erlebt. Nicht ich habe Ihn gesucht, aber Gott hat mich gesucht. Wißt ihr wo? Im Gefängnis, als ich dort als 1 125 politischer V 81 0 15 Treu 198 aufzicheig war ich von jeher, aber im Gefängnis habe ich das Evangelium kennen⸗ gelernt. In meiner Zelle lag ein Neues Testament. Natürlich habe ich es zunächst beiseite geschoben. Was sollte ich aufgeklärter Proletarier mit einem solchen Buch? Aber da ich lesehungrig war und nichts anderes zu lesen fand, habe ich es zuletzt doch gelesen und ich sage euch, liebe Freunde, lesen Sie das Evan⸗ gelium ganz vorurteilsfrei. Das stimmt. Wenn alles so wäre, wie es dort geschrieben steht, dann hätten wir Frieden auf Erden. Das biblische echte Christentum ist kein Hindernis für den So⸗ zialismus, im Gegenteil, demselben nur förderlich. Ich bin konfessionslos, kenne aber die Bibel, und sage euch, heraus aus den Kirchen mit allem, was Jesus nicht lehrt. Ich muß viel leiden um Christi willen. Kampfesfreudiger als ich für die Rechte des Proletariats kann keiner sein; aber Jesus steht mir heute höher als meine frühere Dreieinigkeit Karl Marx, Engels und Lassalle. Auch heute sage ich noch, alle Achtung vor diesen Männern. Aber ich habe sie jetzt niedriger gehängt und den Herrn Jesus darüber. Es gibt jetzt wohl keinen größeren Jesus⸗ Liebhaber als mich.“ Der zweite, ein akademischer Kunstmaler, führte etwa aus: „Ich war bis vor kurzem Freidenker und Gotteslästerer, ja bis zu meinem zwanzigsten Jahre Anarchist; in den letzten Jahren sozialistischer Arbeiterrat und Bezirksleiter. Ich habe alles ge— haßt, was nach Gott und Religion aussah. Gott war mir ein Feind der Menschen. Ich konnte nicht glauben, weil ich zu gescheit war. Haeckel und Darwin verschlang ich. In der Re— ligion war mir alles im Widerspruch. Nun habe ich die Gottheit erlebt. Ich sagte, wenn Gott ein Zeichen gibt, dann will ich glauben. Ich studierte religiöse Wissenschaft, die ist weit über alle andere Wissenschaft. Ich habe jetzt inneren Frieden. Das kam so: Mein Sohn lag fünf Jahre krank; kein Arzt konnte ihm helfen, ja nicht einmal feststellen, was ihm fehlte. Ueberall wurde er als Simulant entlassen, dabei wurde er immer kränker und elender. Ich konnte als Vater sein Siechtum nicht mehr ansehen. Als mich die Wissenschaft verließ und ich nirgendwo Hilfe fand, ging ich Weihnacht 1924, seit vierzehn Jahren zum erstenmale, wieder in eine Kirche und kniete dort vor dem Ge— kreuzigten nieder und rief: Heiland, hilf, rette mein Kind! Und der Heiland hat mein Gebet erhört. So ist aus dem Frei⸗ denker ein gläubiger Christ geworden, der nun bereit ist, für Christus auch in den Tod zu gehen.“ Noelle Blither. „Der gute Ton in allen Lebenslagen“ heißt eine Arbeit von Dr. G. Kahlo, die soeben von dem Verlag H. Menzlaw, Darm⸗ stadt, herausgegeben werden ist.(Preis 50 Pfg.) Der Verfasser gibt in gedrängter Kürze wertvolle Fingerzeige für die Jugend sowohl wie für Erwachsene. i Mrithligkender besechd Id dad Sein Zaltangsana ggg Aae sglran ben D Das Publikum merkt rasch einen solchen Rückgang und schliesst daraus auf einen Rückgang der Firma! Es ist auch wichtig, dass die Reklamen u. Anzeigen nicht immer in ein u. derselben Zeitung veröffentlicht werden; allen Bevölkerungskreisen die Anzeigen zu lesen geben, das gibt dem Geschäftsmann die Möglichkeit, neue Kunden zu werben. „Gießener Zeitung“ Sie können es glauben! deshalb in den Zeitungen Die Zeitungs-Anzeige ist die beste und billigste Reklameart und als Werbemittel nicht zu übertreffen. —„Hessisches Handwerk u. Gewerbe“ Auflage 36200 „Hessische Hausbesitzer-Zeitung“ Auflage 12000„Hessischer Kamerad“ Auflage 46000„Allgem. Hessische Sportzeitung“„Evangelische Warte“ Man wende sich umgehend an die Geschäftsstelle: Giessen, Südanlage 21. Inserieren Sie — Fernsprecher 1362 und 1145. CHR l. NEUHIRRDT Cbadpelsche Weinbergbesitzer Weinhandlung unterstlitzt uns, evang. Buchhandlung 1 NIEDER-OLM Bestellung v. Büchern (Rheinhessen) u. Zeitschriften. Feste ö empfiehlt seine selbstgebaut. u. selbstgekelt. WEISS- und ROTWEINE im Fass u. in der Flasche billigst. frei ausgeführt. Warlburgbuchholg. 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