0 eden den. oben ein U h eos 1 fes o 1 fen tte a teh fal N20 fab a B Evangelische Warte Irgan der Evangelischen Volksgemeinschaft Hauptschristleiter: Edwin Hamburger in Staden(Oberhessen). Verantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger, für den Unterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz. Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. 4. Jahrgang N Erscheint Samstags.— Bezugspreis 50 Pfennig monatlich. Abonnements⸗ und Anzeigen⸗Annahmestelle, Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher 1362 und 1145. Postscheckkonto 8437 Frankfurt a. M. Sonnabend, den 19. Februar 1927. Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg. am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Verbindlichkeit. Vergünstigung. Platzvorschriften ohne Bei Wiederholungen Nummer 8. Evangelische Kirche und evangelische Arbeiterschafl. Wie bringen wir die vielen, dem Glauben ent— fremdeten evangelischen Arbeiter in lebendige Verbin— dung mit der Kirche? Diese große Frage der Gegen⸗ wart in der evangelisch-kirchlichen Glaubenswelt zeigt deutlich den Unterschied, der zwischen evangelischer Kon— session und evangelischer Gesinnung besteht. Die Ar— beiter, mit denen wir uns in diesem Artikel beschäf— tigen, sind alle evangelischer Konfession; das heißt, sie wurden in der evangelischen Kirche getauft, in der evan— gelischen Kirche konfirmiert und teilweise in der evan— gelischen Kirche getraut. Als letztes wird dann noch, wenn der tote Leib der Erde übergeben wird, der Geist— liche den Aussegnungsdienst verrichten. Das ist die evangelische Konfessionellität, die lediglich den Segen der Kirche bei den verschiedensten Lebensabschnitten in Anspruch nimmt und sich damit für das Jenseits tröstet. Dagegen geht die evangelische Gesinnung erst dann an, wenn der evangelische Geist in lebendige Verbindung mit seiner Kirche tritt, ihre Veranstaltungen aus einem inneren Bedürfnis heraus regelmäßig besucht und seinen Glauben im Wort, im Werk und in allem Wesen zum Ausdruck bringt. Es ist ein großes Missionsfeld, das Gott den evan gelisch Gesinnten unter der evangelisch-konfessionellen Arbeiterwelt gibt, und erste Voraussetzung zu einer fruchtbaren Arbeit ist das größte Maß der Bruderliebe— Es sind ja alles Geschwister des Glaubens, die da ferne von der Kirche ihren Lebensweg gehen. Mancherlei Ursachen waren es, die sie zur Gottesentfremdung brach— ten. Der Eine strauchelte in seiner Jugendzeit über die Versuchungen Satans und fand seitdem keinen Weg mehr zurück zu Gott, weil sich niemand seiner annahm, der Andere konnte den Glauben an Gott nicht mit seiner Vernunft vereinbaren, wieder Andere, denen das Leben hart zusetzt, wurden irre an Gott und wandten sich dem Sozialismus zu. Gottes Gnade aber ist für alle Men⸗ schen gleich und will sich allen Menschen mitteilen. Seit dem Sündenfalle lebt in allen Menschenherzen Gottes— seindschaft als Folge der Schuld, die Gott mit seiner großen Liebe zu uns überwinden will. Eine rechte Ar⸗ beitermission kann darum nur Liebe zur Grundlage haben und zwar die Liebe, die sich getrieben fühlt von Gott, dem notleidenden Bruder und der notleidenden Schwester zu helfen. Mehr Helfersinn müssen wir evangelisch Gesinnte zeigen! Wenn die warme Frühlingssonne auf das eis⸗ erstarrte Land fällt, dann schmilzt die stärkste Eisdecke. Als der Gottessohn am Kreuze die ganze Schuld der Menschheit sühnte, wurde angesichts dieses großen Lei⸗ dens selbst das Herz des römischen Hauptmannes weich, der die Hinrichtungsabteilung befehligte. Es mag die Reithen. Markus 10, 23. Jesus sah um sich und sprach: Wie schwer werden die Reichen in das Reich Gottes kommen! Es ist eine allgemein bekannte Tatsache, daß trotz der vielen Entfremdung vom Christentum alle Kreise unseres Volkes den Herrn Jesus für sich in Beschlag nehmen. Die Wohlhaben⸗ den sagen: Jesus hat die bestehende Gesellschaftsordnung nicht umgestoßen. Er ist unser Mann. Die Sozialisten sagen: Jesus war der erste Sozialist. Die Kommunisten sagen: Jesus war der erste Kommunist. Er hatte keinen Besitz. Der Jünger⸗ kreis hatte einen gemeinsamen Beutel, den Judas Ischarioth trug. Seine Jünger richteten in Jerusalem einen kleinen kom⸗ munistischen Staat ein. Wer hat nun recht? Das ist die große Frage, Weit verbreitet ist die Ansicht, Jesus habe sich nur um die armen Leute gekümmert, von den Reichen dagegen habe er nichts wissen wollen. Wir haben nicht nach Gefühlen diese Ansicht zu untersuchen, sondern nach dem Wortlaut der heiligen Schrift. Diese aber lehrt, daß Jesus kein einseitiger Parteimann war. Seine Aufgabe war keine menschliche, sondern eine göttliche. Er hatte Seelen zu retten. In jedem Menschen sah er eine un— sterbliche Seele. Um diese hat er sich allein gekümmert. Heute teilen wir in manchen Gegenden scharf zwischen reich und arm. Jesus sah im reichen Manne genau so die unsterbliche Seele wie im armen Manne. Deshalb war der Herr auch nicht so einseitig, daß er die einen gesucht und die anderen gemieden hätte. Ganz im Gegenteil sehen wir ihn im Hause des wohl— habenden Pharisäers bei festlicher Tafel liegen, wir sehen ihn einkehren im Hause des reichen Zöllners Zachäus. Ja, den Zöllner Matthäus ruft er sogar aus dem Zollhaus weg und macht ihn zu seinem Jünger. Auf der anderen Seite ruft er in seinem herrlichen Heilandsruf die Mühseligen und Beladenen zu sich, heilt die armen kranken Menschen aller Art und nimmt Von Julius sind. Die Mehrzahl dafür haben. Die Liebe kann Zirkelbach-Nürnberg. aber wird ein aufgeschlossenes Herz sich in mancherlei Formen äußern. Denken wir zunächst an die Werke der inneren Mission, dann zeigt sich hier eine gewaltige Liebestat. Doch ist das nicht der rechte Weg in der gottesfeindlichen evan— gelischen Arbeiterschaft, weil diese keine Wohlfahrts⸗ pflege will, sondern Gerechtigkeit. Die göttliche Liebe muß sich hier durch ein inniges Band der Freundschaft auswirken. Das gilt besonders für diejenigen evange— lisch gesinnten Kreise, welche nicht in einem Arbeit— nehmerverhältnis stehen und ihre wirtschaftliche Exi— stenz auf ein Geschäftsunternehmen gründen. Standes— dünkel ist mit evangelischer Gesinnung nicht vereinbar. Vor Gott sind alle Menschen gleich, ob er Tabrikherr ist, ein Kaufamnn oder ein Arbeiter. Sind wir sterbliche Menschen berechtigt, Standesgrenzen aufzurichten und den Mann im Arbeitskittel geringer anzusehen, als den im eleganten Anzug? Macht nicht der Tod alle Men— schen zur Erde? Betrachten wir das Leben Jesu, dann fällt uns auf, wie sehr er sich zum geringen Volke hielt. Er wußte, daß in diesen Kreisen die Not ein starkes Hindernis zum Glauben an Gott bildet, und es war sein Bestreben, dieses Hindernis durch größte Freund— schaft zu beseitigen. Ist es nicht ergreifend, daß er seine Jünger aus der Arbeiterschaft des Landes erwählte? Deswegen aber Jesus als Sozialisten zu bezeichnen, ist völlig abwegig. Aus diesem Grunde darf die hier geforderte Freundschaft mit den Arbeitern nicht Sozialismus sein; wohl aber muß sie nachdrücklichst den Standpunkt der Gerechtigkeit vertreten. Käme es im Christentum in allererster Linie auf eine Umgestaltung der Verhält⸗ nisse an, dann hätte Jesus sicher dementsprechend ge— wirkt. Dagegen legte er vor allen Dingen den Nach druck auf die Umgestaltung der menschlichen Gesinnung mit der Forderung an Nikodemus:„Ihr müsset von Neuem geboren sein.“ Die Verhältnisse sind nur sicht⸗ bare Erscheinungen unserer Gesinnung. Die besten Gesetze sind zwecklos, wenn bei den Menschen die gute Gesinnung fehlt. Die Vergesellschaftung der Produk tionsmittel auf gesetzlichem Wege bedeutet für die Ar⸗ beiterschaft noch lange keine„Quelle höchster Wohl⸗ fahrt und allseitiger harmonischer Vervollkommnung“, wie es im alten Erfurter Programm der Sozialdemo kratie lautet, weil der Egoismus der Menschen auch in der sozialistischen Wirtschaft genug Wege zur Betätigung findet. Erst dann, wenn die Gesinnung aller Men⸗ schen gesellschaftlich ist, hat die gesellschaftliche Produk⸗ tionsform einen Wert. So wie sich aber die Sozial⸗ Er verkehrt auch im Hause des einfachen sich aller Armen an. Fischers Simon wie in dem der Maria und Martha, die wir auch als geringe Leute anzusehen haben. Jesus ist weit davon entfernt, sich nur einer Klasse der Menschheit zu verschreiben. Auch wenn wir auf seine Erfolge schauen, dann dürfen wir nicht sagen, daß er nur bei den armen Leuten gehört wird. Gerade das Beispiel von dem Zöllner Matthäus spricht ja da⸗ gegen. In dem reichen Zollpächter in Jericho geht eine deutlich erkennbare Wandlung vor. Hat er vorher auf jede Weise seinen materiellen Reichtum vermehrt ohne zu fragen, ob er da recht tut oder nicht, so sieht er seine Lieblosigkeit in Jesu Gegenwart ein. Er schämt sich vor diesem göttlichen Meister, der die Gottes- liebe und die Nächstenliebe mitbringt, ohne Liebe seither ge— wesen zu sein. Sogleich gibt er dem Herrn Beweise, daß er nun ein anderer geworden ist. Er kann sich trennen von seinem vielen Gelde; er kann damit wohltun. Viele solcher Geschichten hören wir allerdings in den Evan⸗ gelien nicht. Das oben hingestellte Wort ist ein Seufzer des Herrn über eine schwere Enttäuschung. Ein reicher junger Mann, ein trefflicher Mensch ist zu ihm gekommen. Dieser Mann ist wirklich nach hohen geistigen Dingen bestrebt. Ihn beschäftigt eine wichtige Lebensfrage: Was muß ich tun, daß ich das ewige Leben ererbe? Jesus hatte seine Freude an ihm, so wird uns berichtet. Gern hätte er ihn in den Kreis seiner Jünger aufgenommen. Dazu gehörte allerdings eine gründ— liche Prüfung. Der Jüngling denkt sehr hoch von sich selbst. Jesus aber lehrt ihn vorsichtig sein.„Gut“ kann man nur Gott nennen. Niemand kommt so leicht dieses Eigenschaftswort zu. Wir Menschen sind ja alle Sünder. Nur Gott ist vollkommen. In Demut lehnt auch der Heiland diese Bezeichnung ab. Dann gibt Jesus auf des Jünglings Frage eine Antwort, die den gewöhnlichen Weg beschreibt, um zum ewigen Leben zu kommen.„Tue die Gebote!“ Diesen Weg ist der junge Mann bereits gegangen. Er kann dem Herrn frei in die Augen schauen. demokratie im öffentlichen Leben auswirkt, wird es ihr nicht gelingen, das ganze Volk zur gesellschaftlichen Ge— sinnung zu bringen und ihr Einfluß wird auf einen be— stimmten Kreis von Arbeitern beschränkt bleiben, der zwar groß ist, aber den anderen Volkskreisen gegenüber doch eine Minderheit darstellt. Jesus hat viel tiefer in das Leben hineingeschaut, besonders in die Herzen der Menschen! Sollte er da die Halbheiten sozialistischer Ideen vertreten? Was er den Menschen darbot, ist mehr als Sozialismus. Es ist das einzig wahre Glück der Menschen! Wenn wir ein Wort gebrauchen wollen, das Jesu Wollen rein und klar wiedergibt, so kann dies nur das Wort„Evange— lismus“ sein, der Inbegriff der herrlichen Botschaft, daß Gott die Menschen liebt und sie durch Liebe zu höheren Daseinsformen führen will. Diese Botschaft auf die Arbeiter angewendet, erfordert evangelischerseits die Anerkennung und Vertretung ihrer gerechten Forde⸗ rungen im Wirtschaftsleben. Lange genug haben wir diese Freundschaftstat ver⸗ missen lassen und anderen Weltanschauungen den Vor— rang gelassen. Eine allgemeine christliche Vertretung der gerechten Forderungen der evangelischen Arbeiter im Wirtschaftsleben kann und darf uns Evangelischen nicht genügen, weil dabei unser Glaube zu kurz kommt. Wir wollen keinen passiven evangelischen Glauben, son— dern einen aktiven und zwar in sämtlichen Gebieten des öffentlichen Lebens. Die Duldsamkeit, die den ande— ren Weltanschauungen eine hemmungslose Wirksam— keit gestattet, schließt der Evangelismus aus, der darauf gerichtet ist, alle Menschenherzen zu erobern. Darum muß sich die Freundschaftsidee mit den evangelischen Arbeitern, die in der Evangelischen Ge⸗ werkschaft vertreten wird, im ganzen evangelisch-kirch— lichen Leben durchsetzen. Durch die Evangelische Ge— werkschaft wird die Kirche eine starke Belebung erfah— ren, wenn sie gewillt ist, diese Arbeit nach bester Möglich— keit zu unterstützen. Wenn die evangelische Kirche evan— gelische Organisationen unterstützt, so ist das keine Par— teilichkeit, und der Vorwurf der Parteilichkeit wird nur von evangeliumsfeindlichen Kreisen gemacht wer— den, die eine Beschneidung ihres Einflusses befürchten, den sie heute noch auf große Teile der evangelischen Ar— beiterschaft ausüben. Mehr als jede andere evange— lische Arbeiter-Organisation ist eine gute evangelische Gewerkschaft in der Lage, die der Kirche fernstehenden Arbeiter anzuziehen und von hier aus dem kirchlichen Leben einzuordnen. Die Evangelische Gewerkschaft bie— Er hatte eine reine Jugend hinter sich. Nun fehlte noch etwas in der Prüfung. Wie stand der Jüngling zu dem Gelde? Konnte er sich davon trennen, oder hing sein Herz daran? Von einem Jünger verlangt Jesus, daß man das irdische Gut dahin— geben kann, ohne mit der Wimper zu zucken, wenn es heißt, die Ewigkeit zu erwerben.„Eines fehlt dir. Gehe hin, verkaufe alles, was du hast und gib es den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben, und komm, folge mir nach und nimm das Kreuz auf dich.“ Das war die entscheidende Zumutung, die den wirklichen Ernst des jungen Mannes beweisen konnte. Diese Zumutung zu übernehmen, war er jedoch nicht bereit. Arm werden, wie der Herr, der schlechter dran war wie die Vögel in ihren Nestern und die Füchse in ihren Höhlen. Das bequeme Leben vertauschen mit dem Kreuze der Glaubenshelden, das, war zu hart, das war zu viel. Er hatte viele Güter, und von diesen konnte der Jüngling sich nicht so leicht trennen. Sein Herz hing noch an dem Mammon. Traurig sieht ihm Jesus nach.„Wie schwer werden die Reichen in das Reich Gottes kommen!“. Nur ganz selten hatte der Herr bei einem Reichen eine Freude erlebt. Er hat sie ge sucht wie die anderen Menschen auch. Aber sie beteten nicht Gott, sondern den Mammon an. Wenn die Stunde der Ent— scheidung kam zwischen Gott und dem materiellen Gute, dann entschieden sie sich für letzteres. Das führt den Herrn zu dem grotesken Wort:„Es ist leichter, daß ein Kamel durch ein Nadel— öhr gehe, denn daß ein Reicher ins Reich Gottes komme.“ Ge rade in dieser Uebertreibung will uns der Herr die Gefahr des Reichtums deutlich machen. Habsucht und Geiz, Geldsucht und Materialismus verscherzen den Menschen das ewige Leben. Darum gib dein Herz deinem Gott! Jesus fordert nicht von jedem dasselbe Opfer; aber er verlangt Opfer auch von dir. Da heißt es klar sehen, was für dich allein wichtig ist. Entscheide dich mutig und tapfer. Laß um dich die Menschen raten, was sie wollen. Lege nicht die Hand an den Pflug und schaue zurück. Schaffet, daß ihr selig werdet! Amen. Hr. einzelne Menschen geben, die der Liebe nicht zugänglich 4 9 3——f 4 e —— 1 0 1 1 1 Sonnabend, den 19. Februar 1927. tet den evangelisch Gesinnten aus den selbständigen Be⸗ rufsständen die beste Möglichkeit, den evangelischen Ar⸗ beitern zur Freundschaft die Hand zu reichen und sie dadurch sozial und wirtschaftlich zu heben. „Einer trage des andern Last!“ gebietet uns Pau⸗ lus im Galaterbrief. Möge dieses Bibelwort auf dem hier gezeigten Wege im ganzen deutschen Lande zur Tat werden! Wo die Tat lebendig wird, da müssen alle Angriffe gegen das Evangelium zerschellen und unsere evangelische Kirche wird sich siegreich gegen die rote und schwarze Flut behaupten. Soziale Aufgaben in Stadt und Land. Auszugsweise geben wir den Vortrag des Herrn Stadt⸗ verordneten Kümper-⸗Frankfurt a. M., gehalten auf dem zweiten Rednerkursus der Evangelischen Volksge— meinschaft in Gensingen am Sonntag, den 23. Ja⸗ nuar 1927, wieder. Meine Damen und Herren! Evangelische Schwe— stern und Brüder! Sozial und sozialistisch entspringt einer Wortwurzel, trotzdem haben diese beiden Wörter eine grundverschiedene Auffassung. Sozialistisch heißt:„Nur für sich oder für eine be⸗ stimmte Klasse von Menschen, die sich absondern und nur an sich denken!“ Also egoistisch, materialistisch oder marxistisch. Sozial aber heißt, kurz gesagt, mit drei Worten: „Denke an andere!“ Wir von der Evangelischen Volksgemeinschaft lesen in der Heiligen Schrift:„Einer trage des andern Last!“ Wir von der Evangelischen Volksgemeinschaft kennen keine Sonderbestimmungen, sondern betrachten uns als evangelische Schwestern und Brüder in der Evangeli— schen Volksgemeinschaft. Wenn ich nun einige Punkte aus der Steuerreform herausgreife, so ist es vor allem die Gewerbesteuer, da diese Steuer in erschreckendem Maße unseren Gewerbe— treibenden gewissermaßen die Lebensmöglichkeit, noch weiter zu existieren, die Lust am Weiterarbeiten nimmt. So müssen wir als Vertreter der Evangelischen Volks gemeinschaft dafür eintreten, daß für die Einkommen nicht mehr als 3500, niedrigere 100-Sätze festgesetzt werden.— Besonders unterstrich der Redner auch die Steuerpolitik im Rahmen der Finanz- und Wirtschafts⸗ fragen. Er gab der Meinung Ausdruck, daß die Wirt⸗ schaft in unerträglicher Weise durch zu hohe Steuern belastet sei. Industrie- und Landwirtschaft hätten, ebenso wie der gewerbliche Mittelstand, ganz außer— ordentlich zu kämpfen. Der Redner führte Beispiele an, wo Handwerker und Landwirte nicht mehr in der Lage seien, die drückende Steuerlast zu tragen und den Be⸗ treffenden bereits sämtliche Hilfsmaschinen gepfändet seien. Dieses seien keine Einzelfälle, sondern man könnte mit Bestimmtheit annehmen, daß sich mindestens 90 Prozent in dieser schrecklichen Lage befänden. Zur Frage der Hauszinssteuer erklärte der Redner, daß, wenn die Hauszinssteuer restlos ihrer Bestimmung zugeführt würde, wir heute, in den Großstädten ganz besonders, nicht mehr unter dem kolossalen Elend der Wohnungsnot und Erwerbslosigkeit zu leiden hätten. Es sei aber gekennzeichnet, daß die Finanzämter die Erträgnisse der Hauszinssteuer an das Reich abführen und nur einen geringen Bruchteil wieder den Gemein⸗ den für Herstellung von Wohnungen zurückerstatten. Der Redner gab auch einige krasse Beispiele, wie schrecklich die Wohnungsnot in der Großstadt ist. Auch zum Erwerbslosenproblem nahm der Redner in sehr scharfen Worten Stellung, besonders gegen den Personalabbau, welcher im Reich vorgenommen worden ist. Wenn 15 612 Beamte, Angestellte und Arbeiter bis jetzt entlassen worden sind, und wir in den Tages⸗ zeitungen lesen, daß wiederum das Reich 5000 Beamten, Angestellten und Arbeitern kündigen will, so ist es unsere Pflicht, als Vertreter der Evangelischen Volks⸗ gemeinschaft, allerorts entschieden dagegen Stellung zu nehmen. Wenn auch die Reichsverwaltung angibt, 301% Millionen Mark damit gespart zu haben, so können wir diesen Raubbau, der an dem deutschen Volke ge— trieben wird, nicht unterstützen. Der Redner wies treffend darauf hin, daß es sich in dieser Frage jeder Deutsche angelegen lassen sein müßte, mitzuarbeiten am Wiederaufbau des Deutschen Reiches. Wir von der Evangelischen Volksgemeinschaft müs—⸗ sen mit Entsetzen feststellen, daß der deutsche Bierver⸗ brauch in den letzten zwei Jahren von 117½ Millionen Dornenwege. Roman von Clara Meller. (12. Fortsetzung.) Fiebernd saß er am offenen Fenster. Der Mond blickte durch die offenen Gardinen und lachte wie in den glücklichsten Tagen die Menschenkinder aus, die sich biegen und krümmen in Leid und Bitternis, statt reckenhaft dreinzuschlagen, daß die Schicksalswolken zerstieben. Der junge Tag zog schon mit lichtvollen Schwingen herauf, und immer noch durchkreisten seine Gedanken denselben Irr⸗ garten.— Durfte er Arle mit hineinziehen in diese unerträg⸗ lichen Verhältnisse, und was sollte werden, wenn ihm so die Hände gebunden wurden? Endlich nahm er sein Schreibzeug her.— Da, da standen ja nun die tanzenden Buchstaben, die ihn wie Teufelsfratzen an⸗ grinsten, die Lüge, des Lebens Geißel:„Meine Urle, meine liebe Arle, ich bin sehr krank. Morgen bringen sie mich nach Hol⸗ land. Frage nie mehr nach mir. Du siehst mich nie wieder. Dein Johannes.“ Das Räderwerk der Tage ging weiter. AUrle hielt den Brief in Händen. Lächelnd schlüpfte sie in ihr Zimmer, um Hektar auf 46,1 Millionen Hektar gestiegen ist. Das verarmte und zwei Millionen Erwerbslose zählende deutsche Volk hat im vergangenen Jahre nach einer sorgfältigen schätzungsweisen Berechnung mindestens 4 Milliarden Mark für geistige Getränke ausgegeben — Wenn wir nun schätzungsweise 1½ Milliarden Mark für Zigaretten uns erlauben, so ist das eine Summe von 5½ Milliarden Mark jährlich. Der Redner war em⸗ pört und gab es unumwunden zum Ausdruck, daß solche Riesensummen von dem verarmten deutschen Volke aus⸗ gegeben wurden und bat alle Mitglieder und Anwesen— den der Evangelischen Volksgemeinschaft mitzuarbeiten am Aufklärungsproblem an dem deutschen Volke. Besonders wies der Redner darauf hin, welches schreckliche Elend auf der einen Seite vorbanden sei, wo schätzungsweise unseren deutschen Schwestern und Brü— dern 9 Millionen Betten fehlten und auf der anderen Seite sich Deutsche nennende Schwestern und Brüder sich keine Einschränkungen auferlegen. In diese Reihen muß unser Ruf hineindringen: „Denke an andere!“ Der Referent behandelte auch in eingehender Weise Waisenhäuser und Familienpflege. Er schilderte in zu Herzen gehenden Worten die große Not der verwaisten. verlassenen und verwahrlosten Kinder. Da die Wai— senhäuser überfüllt seien und die Großstädte alles auf⸗ bieten, um die Kinder unterzubringen, so sei es auch Pflicht einer kinderlosen evangelischen Familie, sich ein oder mehrere Kinder in Pflege zu nehmen. Leider sei es heute modern, daß fast in jeder zwei— ten Familie ein Luxushund zu finden sei; das sei ein drastisches Zeichen, wie das deutsche Volk tatsächlich auf den Hund gekommen wäre. Der Redner verstand es vortrefflich, den Anwesen— den 500600 evangelischen Schwestern und Brüdern an Hand von Beispielen zu erläutern, daß, wenn wir nicht auf der letzten Stufe anlangen wollten, wir alle sittlichen und geistigen Kräfte, welche im Evangelium geborgen sind, anspannen müßten, und dazu gehörte in erster Linie, daß jeder wieder in seiner Familie evan⸗ gelisch denkt, fühlt und handelt. Auch dazu gehöre nicht nur der Kirchenbesuch und das Gemeindeleben fördern zu helfen, sondern auch, daß man in seinem stillen Kämmerlein beten möchte zum Herrn, unsere evangelischen Schwestern und Brüder zu stärken für die schwere Bürde, die sie zum Wohle des deutschen Volkes tragen. Aus dem Frankfurter Stadtparlament. Zur Grippekrisis in Frankfurt a. M. hat unser Stadtverordneter Kümper im Frankfurter Stadtparlament wie folgt Stellung genommen: Stadtverordneter Kümper(Evangelische Volksge⸗ meinschaft): Meine Damen und Herren! Die Begrün⸗ dung der Magistratsvorlage über die Beschaffung von drei Krankentransportwagen spricht Bände für sich. Es erübrigt sich, besonders jetzt in der Krisenzeit, näher darauf einzugehen. Meine politischen Freunde von der Evangelischen Volksgemeinschaft...(Heiterkeit— Zu⸗ ruf: Ihr habt ja keine!) Ich freue mich darüber, daß sie soviel Anklang gefunden hat; sie wird sich auch noch weiter einbürgern.— Also meine politischen Freunde sind mit mir darin einig, daß alles, was das Stadt— gesundheitsamt in der jetzigen Grippekrisis unternom⸗ men hat, zum größten Teil zufriedenstellend ausgefal— len ist. Aber wir können uns nicht damit einverstanden erklären, daß es bei der Beschaffung der hier beantrag⸗ ten Rettungswagen sein Bewenden haben soll. Die Bürger Frankfurts haben ein großes Interesse daran, daß das Sanitätswesen den Anforderungen unserer Großstadt entsprechend ausgebaut wird, damit die Bür⸗ gerschaft beruhigt sein kann. Ich erlaube mir daher, zu dieser Vorlage einen Antrag einzureichen, welchem der Ausbau des gesamten Sanitäts-Rettungswesen zu⸗ grunde liegt. Ich beantrage: „Die Stadtverordneten-Versammlung wolle be— schließen, den Magistrat zu ersuchen, den gesamten Sanitäts⸗ und Nettungsdienst der Stadt Frank⸗ furt a. M. wie folgt einzuteilen: 1. Der Zentral-Rettungswache wird die Innenstadt zugewiesen. 2. Den Arbeiter-Samariter-Kolonnen und den Freiwilligen Sanitäts-Kolonnen vom Roten Kreuz werden die Vororte von Frankfurt a. M. mit dem Dienst auf den Unfallstationen und die Krankentransporte übertragen. allein zu sein, wenn sie die trauten Liebeszeilen mit leuchtenden Augen von dem Papier sog. Sie öffnete: Hans!“— Ein Schrei gellte durch das Haus, wie ihn ein zu Tode getroffenes Herz ausstößt,— Mutter und Dore stürzten zu ihr. Da stand sie, an die Wand gelehnt, totenbleich, wie eine schöne Marmorstatue, und das lebensgroße Bild ihres vergötterten Großvaters sah auf den Liebling herab. Sie weinte nicht, keine Träne erleichterte ihren Seelenschmerz. Mechanisch barg sie den Brief in ihrer Tasche. Sie mußte sich ja schämen für den, den sie liebte, wenn ein menschliches Auge diesen Beweis von Energielosigkeit sah. Sie wenigstens verstand es niemals, wie man sich kampflos dem Schicksal beugen konnte: Sein Schicksal schafft sich selbst der Mann! O, sie las nur zu deutlich zwischen den Zeilen. Mutter und Dore stürmten auf sie ein mit Fragen. Da flog ein trauersüßes Lächeln um ihren blassen Mund:„Hans ist krank. Gelt, ich darf reisen?“ Leise weinend packte Dore schnell die nötigen Sachen, schüt⸗ telte ihre Sparbüchse noch extra in Arles Geldtäschchen, und „Von Hans, von meinem lieben, einzigen nachdem letztere depeschiert hatte:„Bleibe, ich bin abgereist und * Auf der Ware. Im englischen eden gab es eine große China⸗ Debatte, bei der die Arbeiterpartei die Zurückziehung der englischen Truppen forderte. Die Regierung hatte es leicht, sich aus der Affaire zu ziehen, da es zu einem ernstlichen Eingreifen der dortigen Streitkräfte noch nicht gekommen ist. Nichtsdestoweniger ging schon wie⸗ der eine neue Torpedobootszerstörerflottille von Eng— land nach China ab.— China, innerlich uneinig, ist sich aber gegen die Fremden einig. Die Gesandten an den europäischen Höfen und Ministerien sind nach einer offiziellen Erklärung Bevollmächtigte aller verschiede⸗ nen Regierungen. Ein deutliches Zeichen des Erwachens Chinas. Der amerikanische Präsident Coolidge ver⸗ öffentlichte einen neuen Flottenabrüstungsvorschlag, dem wir als entwaffnetes Deutschland nur zustimmen können. AUnsere Abrüstung sollte ja nach dem berühm⸗ ten Versailler Friedensvertrag der erste Schritt einer allgemeinen Abrüstung sein. Wo ist die aber? In Paris ist man von dem amerikanischen Schritt„pein⸗ lich“ berührt. Auch Jalien sieht sich veranlaßt, abzu⸗ lehnen, während in Großbritannien Geneigtheit und in Japan Zustimmung besteht. Schon aus diesen wenigen Aeußerungen sieht man die Mächtegruppierung nach dem Weltkrieg, sowie die Sonderinteressen der einzel⸗ nen Staaten.— Portugal erlebte wieder einmal eines seiner Revolutiönchen, das um ein Haar geglückt wäre. Der Diktator scheint nicht mehr die ganze Masse des Volkes hinter sich zu haben. Bedauerlich nur, daß die Kämpfe viele Menschenleben gekostet haben, ganz abge⸗ sehen von den äußeren Schäden, die durch die verschie⸗ denen Beschießungen entstanden sind.— Der Botschafter v. Hoesch sprach wieder einmal bei dem französischen Außenminister Briand vor. Anscheinend wurde auch über die Räumungsfrage des Rheinlandes verhandelt. Wolle doch die deutsche Regierung dies als ihr nächstes und höchstes Ziel in Angriff nehmen. Der Dank der be⸗ setzten Gebiete wäre ihr gewiß!— Mit Polen kam es zu einem Bruch. Aeußerlich zeigte er sich im Abbruch der Handelsvertragsverhandlungen. Polen wird gegen die Deutschen immer frecher und anmaßender. Was in dem Ländchen geschieht, verträgt die deutsche Staats⸗ autorität nicht mehr. Die Ausweisungen Deutscher aus Westpolen häufen sich. Bei den Vertragsverhandlungen machten die Deutschen entgegenkommende Vorschläge, während die Polen nicht die geringsten Konzessionen machen wollen. Daß es da keinen Wert hat, zu ver⸗ handeln, ist klar. Man darf auf die Weiterentwicklung des Konfliktes gespannt sein.— Im Deutschen Reiche spukt noch immer die Keudell-Angelegenheit. Wenn auch der Reichskanzler Marx dem angegriffenen Mini⸗ ster in Schutz nehmen konnte, so ist doch von dem Feuer noch glimmende Asche zurückgeblieben, die jederzeit den Strohhaufen neu entzünden kann. Gewisse Tatsachen, die eine Belastung des Kabinetts bedeuten, konnte auch Herr Marx nicht wegräumen.— Der Außenminister Stresemann hat seinen Erholungsurlaub nach Ober⸗ italien angetreten. Man schließt natürlich sofort dar⸗ aus, daß er mit Mussolini zusammentreffen werde. Bis jetzt ist aber von irgend einer politischen Tätigkeit Stresemanns nichts bekannt.— Die Zentrumsfraktion nahm auch zu dem Abstimmungs-„Nein“ ihres Frak⸗ tionskollegen Wirth beim Vertrauensvotum für die neue Regierung Stellung. Man hat Herrn Wirth ver— urteilt, hat das aber auf so diplomatische Art geschoben, daß Wirth in der Fraktion verbleiben kann. Es wäre natürlich vom Standpunkte des Zentrums aus auch eine ungeheure Unklugheit, den maßgebenden Links⸗ politiker, der auf weite Zentrumskreise einen starken Einfluß hat, hinauszuwerfen. Man hat in letzter Mi⸗ nute noch eine Bestimmung entdeckt, die nicht immer Fraktionszwang verlangt. Die Einheit des Zentrums ist dadurch wieder gerettet!— Die völkische Reichstags⸗ fraktion ist nach einem heftigen Streit auseinanderge⸗ fallen, wieder eines der unerfreulichen Schauspiele. Wegen des Konkordats und der umherschwirrenden Ge⸗ rüchte gab sowohl die Reichsregierung als auch die preußische Regierung bekannt, daß bei den Regierungs- verhandlungen die Frage nicht zur Debatte stand. Zu⸗ gegeben! Aber vorher, ehe die engeren Verhandlungen losgingen? Die Zeit wird uns auch darüber noch manche Aufklärung geben.— In Hessen sind dem Land⸗ tage ein ganzes Bündel Steuergesetze zugegangen, welche die Finanzwirtschaft des Staates und der Gemeinden neu regeln sollen.— Wertvoll ist ein Antrag Hain⸗ 11 9 der auf den Schutz der Sonn- und Feiertage hin⸗ weist. komme“,— fuhr sie in die fremde, kalte Welt hinaus, gereift zum tatkräftigen Weibe durch einen Schicksalsschlag!— Hans trat mit der offenen Depesche zu seiner Mutter, ein seltsames Leuchten in den Augen. Die frohe Zuversicht, daß nun eine große Wende eintreten werde und müsse, war bei ihm ein⸗ gezogen. Eine stille Schadenfreude spiegelte sich in seinem Ge⸗ sicht, als sie erbleichend nach dem Lesen beide Hände sinken ließ. Zog vielleicht ein Ahnen durch ihre Seele, daß jetzt ein junges Menschenkind in ihr Leben trat, das allem trotzte? „Hole dir nachher Bescheid“, erwiderte fie unschlüssig. Ein reitender Bote jagte alsbald nach Heiligenstein. Sie ver⸗ langte Rat. „Meine Urle kommt, Dammrat. beiseite schieben!“ rief Hans und zupfte den verdutzt Drein⸗ schauenden ziemlich unsanft am Rockärmel. „Alle Hagel, dies Wettermädel! Paßt uff, die dreht der Mutter ein Schnippchen!“ „Eine fieberhafte Aufregung herrscht im Hause. Familenrat kann zu keinem Entschluß kommen. Sie wissen Korn werfen wie ein Sonntagsjäger, der sich vor dem Kue irault“, lachte er vergnügt. N Sie läpt sich nicht i Der hohe nicht recht, wie sie sich zu dem Eindringling verhalten sollen!“ „Jetzt heißt es aber vorwärts und nicht die Flinte ins — — 0 sönnel, böten, i dent vol berufene suwohl 1 Rotel. 8 die in de nber B 0 loßel 101 best palktanke dabei al Wir wis ufseren, guch, daf nicht übe Volsiher lage nid Sta tun, wei transport haben kankenh — Der einer A abgeänd Entwurf aum J. A Ver und die ten Arl die See „deutsc Million sicherung bei den tet werd läge de Höchtbe bracht. Untersti werden. selbst i daß in! den dre höchsten 9 15 eden fende bestehen Die werbslo ügkeiteg wert it dung ge möglich eitgeste Da laum. ichritt — „Se Augen f Ein Seeler er geit, dcn Ket ante 1 3 er wi Alen de win 5 deuzigte Male hie einmal 5 chen. A 0 le j a i der K dating, Ammer an wüde ihn do sasse des 0 daß die nz abge⸗ verschie⸗ olschafter Mösischen de auch chandelt. 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Der Rettungsausschuß sowie die Herren Vor— sitzenden und Kolonnenführer der Arbeiter-Sa⸗ mariter-Kolonnen und der Freiwilligen Sani— tätskolonnen vom Roten Kreuz sind zu den Be— ratungen des Organisationsausschusses hinzu⸗ zuziehen.“ Ich glaube, daß Sie diesem Antrag zustimmen können. Sie werden noch im Organisations-Ausschuß hören, in welcher Weise der Sanitäts- und Rettungs⸗ dienst von Frankfurt a. M. ausgebaut werden muß. Die berufenen Vertreter von der Arbeitersamaxiterkolonne sowohl wie von der Freiwilligen Sanitätskolonne vom Roten Kreuz, deren Kolonnenführer und Vorsitzende, die in der praktischen Arbeit stehen, werden Ihnen da— rüber Vortrag halten. Nun möchte ich noch auf eines hinweisen. Ein großer Teil unserer Arbeiter und Angestellten wird ganz besonders in der jetzigen Krisenzeit von den Pri⸗ vatkrankenhäusern sozusagen übervorteilt. Ich denke dabei an das Bürgerhospital, das Krankenhaus usw. Wir wissen, daß wir eine großzügige Einrichtung in unserem städtischen Krankenhaus besitzen. Wir wissen auch, daß der Satz von 5,50 l pro Tag die Selbstkosten nicht übersteigt, mögen auch spezialärztliche Leistungen für die Kranken hinzukommen.(Glocke des 1. Vorsitzen⸗ den). Vorsitzender Heißwolf: Herr Kümper, das hat mit dieser Vorlage nichts zu tun. Stadtverordneter Küm⸗ per fortfahrend: Ich möchte Sie deshalb bitten, gleich⸗ zeitig auch diesen Antrag dem Organisationsausschuß zur Beratung zu überweisen: ö Die Stadtverordneten-Versammlung wolle be— schließen, den Magistrat zu ersuchen, bei den Privat⸗ Krankenhäusern dahin zu wirken, daß bei sämt⸗ lichen Kranken 3. Klasse der Pflegesatz pro Tag einschließlich ärztlicher Behandlung 5,50 ◻ nicht übersteigt. Vorsitzender Heißwolf: Dieser Antrag hat mit der Vor lage nichts zu tun. Stadtverordneter Kümper: Er hat wohl damit zu tun, weil das Krankenhauswesen mit dem Kranken⸗ transportwesen zusammenhängt und wir die Gewißheit haben müssen, daß unsere Bürger von den Privat— krankenhäusern nicht übervorteilt werden. Allerlei Wissenswertes. Neue Wege der Sozialpolitik. Der im Herbst 1925 veröffentlichte Gesetzentwurf einer Arbeitslosenversicherung ist soeben in wesentlich abgeänderter Form dem Reichstag zugegangen. Der Entwurf spricht die Hoffnung aus, daß das Gesetz schon am 1. April d. Is. in Kraft treten kann. Versicherungspflichtig sind die in der Krankenkasse und die in der Angestelltenversicherung pflichtversicher— ten Arbeitnehmer(Angestellte und Arbeiter), sowie die Seeleute, insgesamt ein Personenkxreis, der, wie die „Deutsche Allgemeine Zeitung“ mitteilt, auf etwa 16,4 Millionen Menschen berechnet wird.— Träger der Ver⸗ sicherung sind die sogen. Landesarbeitslosenklassen, die bei den Landesämtern für Arbeitsvermittelung errich— tet werden. Die Mittel werden je zur Hälfte durch Bei⸗ träge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer(bis zu einer Höchstbeitragsgrenze von 3 Prozent des Lohnes) aufge⸗ bracht. Es sollen auf diesem Wege die Mittel zur Anterstützung von etwa 700 000 Arbeitslosen geschaffen werden. Für die Bemessung der Anterstützungssätze selbst sind sieben Lohnklassen eingeführt, in der Weise, daß in den beiden untersten Lohnklassen 45 Prozent, in den drei mittleren Klassen 40 Prozent, in den beiden höchsten Klassen 35 Prozent des Lohnes gewährt werden. Hierzu tritt ein Zuschlag von 5 Prozent für jeden Familienangehörigen. Für Zeiten„andauernd besonders ungünstiger Arbeitsmarktlage“ ist die bereits bestehende„Krisenfürsorge“ in das Gesetz eingebaut. Die Veränderung gegenüber der bisherigen Er⸗ werbslosenfürsorge besteht u. a. darin, daß die Bedürf⸗ tigkeitsprüfung künftig in Wegfall kommt. Bemerkens⸗ wert ist, daß die Erwerbslosenversicherung in Verbin⸗ dung gebracht wird mit der Schaffung neuer Arbeits⸗ möglichteiten, für die Mittel aus der Versicherung be⸗ reitgestellt werden sollen. Das Gesetz, an dessen Annahme im Reichstag wohl kaum zu zweifeln ist, dürfte als ein bedeutsamer Fort⸗ schritt auf dem Wege der Sozialpolitik zu bezeichnen Augen sieht, ist alles leicht!“ Ein sinnender Zug lag auf dem Gesicht des Marienwalder Seelenfischers. Schon auf dem Wege nach Königsborn hatte er Zeit, zu erwägen. Zum sofortigen Bruch mit diesem energi⸗ chen Ketzerkind würde er nicht raten. War es nicht eine inter⸗ essante Unterbrechung in dem einförmigen Klosterleben? Nur zu, er würde schon bald herausfinden, welche Rolle er sich und allen Beteiligten in diesem sensationellen Roman zuteilte. Er miete unter dem Torbogen betend nieder, segnete und be⸗ kreuzigte das Haus. Es war ja lange her, seitdem er zum letzten Male hier gewesen. Da hatte er auch seine Gründe gehabt, sich einmal plötzlich zurückzuziehen; es konnte sonst seiner Autorität schaden. Frau Petronella saß wieder in ihrem Zimmer wie damals, wo sie ihrem Manne trotzte und eigene Wege ging, die sie so schnell unversöhnlich auseinanderführte, daß sie sich nicht einmal in der Todesstunde wiederfanden. Sie zog die schweren Plüsch⸗ vorhänge weiter zu und schloß die Tür, sorgfältig das Vor⸗ zimmer überblickend, ob es völlig leer sei. Da kam er auch schon zwischen den vereinzelt dastehenden Blumen langsam, wülrdevoll den Gang herauf. Die Jah te waren fast spurlos an ihm votübergegangen. Dieselbe ungebeugte Haltung. der ö faszinierende Blick, nur die Züge verschärft, ausgeprägter. Frau „Evangelische Warte“ Tagungen und Versammlungen Vom Freitag, den 25. Februar, bis Sonntag, den 27. Februar ds. Is., findet der dritte Rednerkursus in Pfaffen Schwabenheim in Rheinhessen statt. Die auswärtigen Teilnehmer sind unsere Gäste. Wir bitten um Anmeldung an den unter— zeichneten Vorsitzenden der Ortsgruppe bis spätestens Mittwoch, den 23. Februar. Tagungsplan. Freitag, den 25. Februar, abends 8 Uhr:„Die Aufgaben der Evangelischen Volksgemeinschaft“ (Reichsgeschäftsführer Weidner). Samstag, den 26. Februar, 2—3 Uhr:„Die evangelische Presse“(Pfarrer Gerlach⸗Bad Münster); 34 Uhr:„Schulfragen“(Studienrat Pröscher⸗Mainz) Sonntag, den 27. Februar, 1 Uhr:„Arbeiterfragen“(Stadtverordneter Kümper-Frankfurt a. M.). Alle Mitglieder und Freunde der E. V. laden wir zu dieser Tagung freundlichst ein. Evangellijche Volksgemeinschaft, Ortsgruppe Pfaffen⸗Schwabenheim Schlamp. Die Evangelische Volksgemeinschaft in Nürnberg hält die ersten öffentlichen Versammlungen in Nürnberg am 3. und 4. März, abends 8 Uhr, im Saale des Lutherhauses(Historischer Hof), Neuegasse 13 Reichsgeschäftsführer Pfarrer Weidner⸗Ober⸗Lais spricht am 3. März über „Die Evangelische Volksgemeinsthaft und die deutsche Arbeilerjchaft' und am 4. März über „Die Nolwendigkeit einer evangelischen Partei in Deutsthland“. Alle evangelisch Gesinnten sind zu diesen beiden Versammlungen herzlich eingeladen. Evangelische Volksgemeinsthaft, Ortsgruppe Nürnberg: Zirkelbach sein. Die soziale Zwangslage, in der sich der Arbeits⸗ lose befindet, und sein Rechtsanspruch auf das solida⸗ rische Eintreten der Gemeinschaft ist mit Einführung der Erwerbslosenversicherung anerkannt. Gewerkschaft und Selbsthilfe. Das Jahr 1926 war für die Gewerkschaften kein Jahr großer Erfolge. Besonders auf dem Gebiet der Lohnpolitik gab es für sie bei der großen Arbeitslosig⸗ keit und der schlechten Wirtschaftslage kaum irgendwo die Möglichkeit, es zu Erhöhungen auf ihre realen Lohn⸗ einkommen zu bringen. Es zeigt sich bei feststehenden oder gar vereinzelt zurückgegangenen Tariflöhnen eine, wenn auch nur geringfügige Steigerung der Lebenshal⸗ tungsindexziffer. Der Reallohn hat sich insofern un⸗ günstiger gestaltet, als die Beiträge zu den sozialen Ver⸗ sicherungen und die sonstigen Lohnabzüge sich— im ganzen gesehen— wesentlich gesteigert haben. Es zeugt von wirtschaftlicher Einsicht, wenn das Zentralblatt der christlichen Gewerkschaften nun nicht in den Ton der Anklage gegen den Staat einstimmt, sondern zur Selbst⸗ hilfe aufruft:„Es bedingt die notwendige Lohnentwick⸗ lung die Abkehr vom alleinigen Glauben an die soziale Gerechtigkeit des Staates. Nur dort, wo freie Kräfte sich regen, wo ein ernster Wille zur Tat führt, wo Opfer gebracht werden für ein erreichbares Ziel, da winkt der Erfolg.“ Das Jahr 1926 war ein Jahr der Hoffnungen auf die Staatshilfe. Manche Hoffnung hat sich erfüllt. Die Hilfe wird den Bedürftigsten. Das Jahr 1927 muß ein Jahr der Selbsthilfe sein. Der Erfolg muß denen wer⸗ den, die in selbstloser Hingabe der ärmsten ihrer Ar⸗ beitsbrüder gedachten und dabei selbst nicht weiter kamen. Die sozialen Verhältnisse aber gestatten nicht die Arbeitsunfähigen, sondern die Schaffenden. Daran zu denken, gebietet die gewerkschaftliche Bilanz des ab⸗ laufenden Jahres. Meinungskauf. Im„Ev. Deutschland“(1927, Nr. 6) lesen wir fol⸗ gende Notiz, die schlaglichtartig zeigt, wie die Macht des Geldsackes in einer jede freie Meinung versklaven⸗ den Art und Weise angewendet wird: „Auf der Hauptversammlung deutscher Zeitungs May. verleger stellte Professor Julius Wolf fest, daß mit Provinzzeitungen Insertionsverträge abgeschlossen wurden, bei denen die inserierende Unternehmung den Verlegern nachstehende Bedingung stellte:„Wenn, so lange diese Inserate laufen, die Zeitung in ihrem redaktionellen Teil sich kritisch über die in a kom⸗ mende Gruppe oder ihre Geschäftsgebahrung ausspricht, oder wenn sie sich in einer den betreffenden Industrie⸗ oder Handels-Konzern angehenden Wirtschaftslage in einem nicht genehmen Sinne vernehmen läßt, ist nicht nur der Auftrag hinfällig, sondern es brauchen auch die Inserate, die bereits erschienen sind, nicht bezahlt zu werden.“ Die Wirkung dieses Abhängigkeitsverhält⸗ nisses, in dem ein Teil der Presse zum Kapital steht, zeigte sich kürzlich in Bayern anläßlich der Bierpreis⸗ erhöhung. Zahlreiche Blätter wandten sich gegen die Erhöhung des Bierpreises und riefen dadurch den Zorn der Brauindustrie hervor. So werden jetzt dem„Baye⸗ rischen Kurier“ und dem„Neuen Münchener Tage⸗ blatt“, die auch unter den Bekämpfern der Bierpreis⸗ erhöhung waren, von einer Reihe von Firmen die In— serate verweigert.“ Wer da noch glaubt, wir lebten in einem Frei⸗ staat, der muß mit blinden Augen durch die Welt gehen. Rücksichtsloser hat noch nie in Deutschland das Kapital geherrscht und alle Einrichtungen des öffentlichen Le⸗ bens seinem Geldsack dienstbar gemacht, als gegenwär⸗ tig. Wir kommen mehr und mehr in amerikanische Zu⸗ stände hinein! Evangelistche wachet auf und einigt euch! Man höret oft in diesen Tagen Viele unseres Glaubens fragen: Was will die Evangelische Volksgemeinschaft? Drum sei's gesagt: fie will mit aller Kraft Das, was im Vaterlande faul und morsch, Bekämpfen mit aller Forsch! Zunächst betrifft es unsere Seelen, Denen ein köstlich Gut mag fehlen. Denn den herrlichen Gottesglauben Verstand man, vielen aus dem Herz zu rauben! Dadurch ward das Chaos groß Viele rissen sich der Kirche los! Petronella ging ihrem Vertrauten erleichtert entgegen. würde er sie wieder lehren, den rechten Weg zu finden. Zwei Stunden dauerte die Unterredung, dann verschwand er lautlos wie er kam, und die Gutsherrin von Königsborn klingelte und befahl, ihren Sohn Johannes zu rufen. „Hole Fräulein Benningsen von der Bahn und laß sie hier logieren bis alles geordnet ist. Es liegt an euch, ob alles ausgeglichen wird.“ Dankbar ergriff er ihre Hand und küßte sie; aber sie wehrte kurz ab und befahl der Haushälterin, das rote Logierzimmer nach dem Klostergarten für Besuch herzurichten.—— Der Sturm jagte über die Felder und schüttelte an den Baumriesen die lang ausschweifenden Aeste, als wollten sie dem jungen Menschenkinde wehren, einzutreten. Alles in der Natur war aufgeregte Abwehr, und zwischen dem hohlen Gestöhn des Sturmes wimmerten matt die Glocken vom Rheindorf. Kraftlos verhallten sie wie leises Weinen. Wie hatte der verwöhnte Liebling von daheim es sich so ganz anders gedacht, Einzug zu halten bei einer Schwieger⸗ mutter! Ein heimlich trautes Plätzchen besaßen alle hervor⸗ tretenden Ereignisse in ihrem Herzen, ideal verschönt durch die in ihr wohnende Poesie. Jetzt Johannes Wendtland legte seinen Arm fest um sein schlankes Lieb, als sie in das Haus traten.„Gott segne deinen Einzug“, sagte er herzlich, und doch schien es Urle, als wehe eine Grabes⸗ kälte in ihr Gemüt, und sie begriff selbst nicht, was sie alles aus Liebe überwinden lernte. Sie wußte nur, daß sie nicht anders handeln konnte. Sie bekämpfte alle Hindernisse, oder sie starb an dieser Liebe. Bleich wie ein Marmorgebild stand sie der Mutter ihres Hans gegenüber; kühl sahen sie sich in die Augen, als wollte jede der andern bis auf den Seelengrund blicken. Frau Petro⸗ nella fühlte, daß diese schlichte, stolze Erscheinung mit dem klaren, tiefen Blick eine Gegnerin sei, mit der selbst Pater Mar⸗ kus nicht so lächelnd sertig werden dürfte, wie er spottlustig behauptet hatte. 15 Im Eßzimmer befand sich bereits der ältefte Bruder Ger⸗ hard mit seiner Schwägerin Ludmilla. Er ließ die Zeitung finken und nahm den Klemmer ab:„Ha ha, ich bin gespannter wie auf die berühmteste Soubrette des Kölner Stadttheaters. Hoffentlich ist dieses Gastspiel hier schnell beendet!“ „Ich ergründe ihr Wesen. Man befitzt doch Menschen⸗ kenntnis. Ich werde sie entlarven, und wäre sie die hervor⸗ ragendste Schauspielerin der Welt. Wenn Hans so ein Tropf war und in die Falle ging— ich danke ergebenst!“ —— — Sonnabend, den 19. Februar 1927. Deshalb sieht's in manchem Haus Traurig, hohl und öde aus. Und zu größtem Leid und Schmerz Stirbt das einstig treue Herz! Die Zeit ist ernst und groß die Not, Drum sagt bestimmt uns das Gebot: Woll'n aufbau'n wir das Glück, Müssen wir zu Gott zurück. Denn alles liegt in seinen Händen, Nur er kann unser Schicksal wenden. Wir müssen uns're Herzenskammer Dem Höchsten öffnen, daß der Jammer Von uns Deutschen wird genommen Zu unser aller Nutz und Frommen. Schau'n wir zurück zu den Kindertagen, Davon ist Köstliches zu sagen. Wenn die Lehrer, wie Vater und Mutter Erzählten von Dr. Martin Luther, Der von armen Eltern geboren, Ward als Gottes Rüstzeug erkoren, Er kämpft mit Gott gegen Papst und Welt, Da ihm das Gottlose nicht gefällt. So kämpft er heiß in schweren Stunden, Bis er sich siegend durchgefunden, Lehrt uns das wahre Christentum, Schenkt uns der Bibel Heiligtum! Des großen Luther hab' ich gedacht, Da wir heut steh'n in ähnlicher Nacht. Unfere Lehre ist seit Tag und Jahr, Wie zu Luthers Zeit, in großer Gefahr! Da heißt es, die Lauheit abzulegen Und die Gemeinschaft treu zu pflegen, Dann werden wir im Sturm die Fahn' Hochhalten auf der Siegesbahn! Wir find nicht mehr ein Häuflein klein, Sondern ein Haufe, der kämpft ums Sein! Wir lassen niemals unsern Glauben Von römischer Seite listig rauben; Der Kampfruf lautet:„Die Hände weg! Hie gut lutherisch— alleweg!“ Ist unser hohes Ziel gelungen, Dann können wir Alten mit den Jungen, Offen bekennen frisch, froh, dreist Wir haben den echten Luthergeist! Dem Gedenken Pestalozzis. Am 17. Februar waren es 100 Jahre, daß Pestalozzi, wel⸗ cher das Schulwesen des 19. Jahrhunderts auf neue Grundlagen stellte, sein Leben aushauchte. Allenthalben finden daher große Pestalozzifeiern statt, die ihn nicht nur als Jugend-, sondern auch als Volkserzieher würdigen. Heinrich Pestalozzi wurde 1746 als Kind eines Wund⸗ und Augenarztes in Zürich geboren. Schon mit 6 Jahren ver⸗ lor er seinen Vater und wurde in allerärmlichsten Verhältnissen von feiner Mutter und der treuen Magd Babeli erzogen. Sein Großvater war Landpfarrer und die jährlichen mehrwöchent⸗ lichen Besuche bei ihm lernten den Jungen das arme, gedrückte Volk kennen und lieben. Er studierte unter manchen Mühfalen zunächst protestantische Theologie, dann Rechtswisfenschaft, um sich schließlich der Landwirtschaft zu widmen. Es gelang ihm, im Kanton Aargau 100 Morgen Heideland zu erwerben. Nach harten Kämpfen führte er die wohlhabende Kaufmannstochter K. Scheel. A ee L... Le... 5 „Evangelische Warte Anna Schulthes heim, die ihm eine gute Lebensgefährtin werden sollte. Pestalozzi war ein unscheinbarer Mann, blatternarbig und häßlich. Auch hielt er wenig auf sein Aeußeres. Als Gegen⸗ werte hat er besonders einzusetzen kindlichste Offenheit, uner⸗ müdliche Tätigkeit für die Volksbildung, herzlichste Liebe zu den Kindern und große Opferfreudigkeit. Allerdings fehlte ihm die Klarheit und der sichere Takt im Handeln. Dies stürzte ihn auf dem„Neuhof“, seinem Besitztum, bald ins Unglück. Da verwandelte er Neuhof in eine Lehranstalt, die sich selbst durch die Arbeit von 50 aufgenommenen Kindern erhalten sollte. Er sah aber bald das Werk der Hilfsbereitschaft untergehen. Kaum waren die Kinder gereinigt und gekleidet, so entliefen sie ihm. Pestalozzi war schließlich gezwungen, die Anstalt aufzulösen und geriet in bitterste Not. Schließlich wurde er 1798 als 54jähriger nach Stans be⸗ rufen, um dort im halb zerstörten Kloster der Ursulinerinnen ca. 80 verkommene Kinder zu fammeln und zu erziehen. Hier zeigte sich seine große Liebe an den Bettler- und Waisenkindern, die sich durch die grausame Kriegsführung der Franzosen in der elendsten Verfassung befanden. Er war hier seinen Kindern alles: Vater, Versorger, Pfleger, Wärter, Arzt und Erzieher. In seiner Erziehungsmethode legte er das größte Gewicht auf die Verknüpfung geistiger Arbeit mit Handarbeit. 1799 wurde das Kloster in ein Lazarett verwandelt, und Pestalozzi siedelte an die Bauernschule nach Burgdorf über. Hier hatte er unter den Verdächtigungen eines alten neidischen Schulmeisters viel zu leiden. Die Behörden erkannten allmählich sein großes Ta⸗ lent und räumten ihm das Kloster München-Buchsee als Er⸗ ziehungsanstalt ein. Sein Ungeschick in praktischen Dingen ver⸗ anlaßten die Uebertragung der äußeren Leitung der Anstalt an einen anderen Lehrer, was Pestalozzi außerordentlich kränkte. Er verlegte daher sein Institut 1805 nach Iferten. Hier stieg sein Ruhm immer mehr. Er galt als der hervorragendste Pädagog. Aus allen Ländern, selbst aus Amerika, kamen Zög⸗ linge. Höchste Gelehrte, Beamte usw. besuchten ihn, auch Für⸗ sten, wie z. B. Alexander von Rußland, Friedrich Wilhelm III. von Preußen, der König Ludwig von Holland u. s. f. Da aber zwischen den Lehrern Zwistigkeiten ausbrachen, die der große Pädagog nicht zu schlichten verstand, ging die Anstalt immer mehr zurück. 1815 starb ihm auch noch seine Gattin, die ihm so manches abgenommen, so manches geschlichtet hatte. An ihrem Sarge nahm er bei der Schilderung der Tage der Not eine Bibel, drückte sie der Toten an die Brust und sagte:„Aus diefer Quelle schöpftest du und ich Mut, Stärke und Frieden.“ Sein Wahlspruch war:„Gott, Mut, Demut.“ 1825 löste Pesta⸗ lozzi die Anstalt selber auf und zog sich zu seinem Neffen auf den Neuhof zurück, immer mit Plänen zur Errichtung von Armenerziehungshäusern beschäftigt. Am 31. Oktober 1817 hatte die Universität Breslau ihm, dem Manne,„der durch Lehre und Erziehung nicht bloß für sein Zeitalter, sondern auch für alle folgenden Jahrhunderte ein un⸗ auslöschliches und segensreiches Verdienst sich erworben hat“, durch Uebersendung des Doktordiploms eine besondere Freude bereitet. In seinem letzten Lebensjahre besuchte der nun 81jährige die Waisen-⸗ und Lehrerbildungsanstalt von Christian Heinrich Zeller in Beuggen. Als Willkomm boten ihm die Kinder das Goethesche Lied: „Der du von dem Himmel bist, Alles Leid und Schmerzen stillest, Den, der doppelt elend ist, Doppelt mit Erquickung füllest. Nr. 8. Ach, ich bin des Treibens müde! Was soll all der Schmerz und all die Lust? Süßer Friede, Komm, ach komm in meine Brust! Bewegten Herzens schied er von der Anstalt, in der er sein Werk und seine Gedanken vorzüglich ausgeführt sah. Bald darauf erkrankte er und starb in Brugg. Neben dem Schulhause in Birr bei Brugg setzte man ihn bei. Sein Grab war 20 Jahre lang nur durch einen Feldstein und einen weißen Rosenstock kenntlich. Am 12. Januar 1846 wurde ihm folgende Grabschrift gesetzt: Hier ruht Heinrich Pestalozzi, geb. in Zürich am 12. Januar 1746 gest. in Brugg am 17. Hornung 1827. Retter der Armen auf Neuhof, Prediger des Volkes in Lienhard und Gertrud, Zu Stans Vater der Waisen, In Burgdorf und Münchenbuchsee Gründer der neuen Volksschule, In Iferten Erzieher der Menschheit Mensch, Christ, Bürger; Alles für andere, für sich nichts. Segen seinem Namen! Zu Mverdon stellte man ihm 1890 ein prächtiges Denkmal hin, dessen Sockel die Inschrift trägt:„Ich hab wie ein Bettler gelebt, um den Menschen zu zeigen, wie sie als Menschen leben sollen.“ Das Standbild zeigt den großen Mann, an den sich zwei verlassene Kinder, ein Knabe und ein Mädchen, schmiegen. Er legt segnend seine Hände auf die Köpfe der Kinder. Sein bedeutendstes Werk, das man noch heute jedermann als Roman in die Hände drücken kann, ist„Lienhard und Ger⸗ trud“. Darin spielt sich eine Dorfgeschichte ab, in welcher Pestalozzi zeigt, wie durch die Veredelung einer Familie, herbei⸗ geführt durch die Rechtschaffenheit und Gottesfurcht einer Frau, Gertruds, eine Wiedergeburt des Familienlebens, der Gemeinde, die vollkommen verwahrlost ist, und schließlich des Staates zu⸗ stande kommt. Weitere wichtige Werke find„Christoph und Else“,„Abendstunde eines Einsiedlers“,„Das Buch der Mütter“, „Wie Gertrud ihre Kinder lehrt“, sowie„Meine Lebensgeschichte“ und ‚Schwanengesang“, die letzteren wichtig für die Lebens beschreibung des selbstlosen und unermüdlichen Mannes. Eine ganze Reihe seiner Werke sind billig in den Reklam-Ausgaben zu haben. Es kann nicht im Rahmen dieses kurzen Aufsatzes liegen, die Gedanken und Anschauungen Pestalozzis ausführlich darzu⸗ legen, aber hervorgehoben muß die ungeheure Befruchtung wer⸗ den, die das Gesamterziehungswesen durch ihn erhielt. Er wird mit Recht der Herold der Mutterliebe und Mutterweisheit ge⸗ nannt, denn er sagt:„Ich will die Bildung des Volkes in die Hand der Mutter legen.“ Die Hebung des Familienlebens ist ihm einer der Hauptstützpunkte zur Besserung der sozialen Zu⸗ stände, was ja auch für unsere heutige Zeit gilt. Seine Päda⸗ gogitk ist von edelstem, sozialem Geist durchdrungen. Trotz eigener tiefreligiböser Einstellung betont er vielleicht das posi⸗ tiv⸗christliche Element etwas zu wenig, doch mag dies auf die Einflüsse des in Frankreich tätigen Reformers Rousseau zurück zuführen sein. In dem Buche„Abendstunde eines Einsiedlers“ sagt er über das Ziel der reinen Menschenbildung:„Gott als dein Vater; in diesem Glauben findest du Ruhe und Kraft und Weisheit, die keine Gewalt, kein Grab in dir erschüttert.“ Wahrlich ein Wort, das sich tief in unsere Brust eingraben möge! G. vorm. Wilh. 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