er nüt 7 Evangelische Organ der Evangelischen Volksgemeinschaft — 1. Warte „Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.“ Matthäus 20, 28. 0 so lun auptschriftleiter: Edwin Hamburger in Staden(Oberhessen). auch 90 kamen Lehle ir Fam lalde. chen Na 8 L. bei B hallen wen ö gerantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger, c ebundg ür den Unterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz. zür Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. Erscheint Sonnabends. Bezugspreis 50 Pfennig monatlich. Abonnements⸗ und Anzeigen⸗Annahmestelle Druck und Verlag Albin Klein, Gießen, Südanlage 21 Fernsprecher Nr. 1145 und 1362 Gießen Sonnabend, den 18. Juni 1927. Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg., am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen 8 Vergünstigung. er 25 Numm ——— . Jahrgang. In Nr. 18 unserer„Evangelischen Warte“ brach⸗ en wir die Notiz, daß Ende Januar in Turin der Je⸗ litenpater Antonie Oldrä in einer Rede die kötung der Ketzer, d. h. der Protestanten, rechtfertigte. 0 aß in der Geschichte des Jesuitenordens Morde durch— zus nichts neues sind, wollen wir heute durch eine ge— hichtliche und politische Betrachtung darlegen. Vor⸗ nüsgeschickt sei, daß wir nach unserer evangelischen Auf— assung es für abscheulich halten, religiöse Gegensätze nit dem Mittel der rohen Gewalt austragen zu wol⸗ en. Auf relgiösem Gebiet dürfen allein die Waffen es Geistes entscheiden. Es ist eine unwürdige Herab— ktrung des Höchsten, was der Mensch kennt, auf den went hoden des Irdischen, eine Abscheu erregende Verwelt— schung in Glaubenssachen. Wie das alles gekommen t, werden unsere Leser aus dem Nachfolgenden ersehen. s wird ja viel über den Jesuitenorden geredet. Aber zur wenige kennen ihn. Wir haben uns schon lange gerpflichtet gefühlt, unseren Lesern einmal nähere Ein⸗ elheiten über die Jesuiten mitzuteilen. In möglich⸗ . Kürze wollen wir im Folgenden einen geschicht⸗ lichen und politischen Ueberblick über den Je⸗ ültenorden geben, der natürlich auf Vollständigkeit beinen Anspruch erhebt. Der Stifter des Jesuitenordens und erste Jesuiten— general Do Inigo Lopez de Recalde, genannt Ignatius Loyola, war ein„strenger, eitler, rücksichtsloser“ ann. Bei der Verteidigung der spanischen Festang Zampelona gegen die Franzosen wurden ihm beide füße und Beine zertrümmert. Während seines Kran⸗ — unlagers las er Ritterromane, Legenden und Heiligen— elf uns. eu, lung du v. Bü ten. f en von erden führt. buch ainz, — — N 0 geschichten. Genötigt, einen anderen Beruf zu wählen, griff er, die durchaus soldatische Natur, die Religion Als neues Arbeitsgebiet, nicht aber aus religibsem Empfinden: Religion war ihm Kriegführen.“ Zu⸗ aft wanderte er nach Jerusalem, um die Türken zu be⸗ ehren! Ohne auch nur einen Türken bekehrt zu haben, ehrte er nach Rom zurück und stellte sich dem Papst unbedingt zur Verfügung. Gegen die Ketzer, die Pro⸗ estanten, formierte er 1540 ein geistliche Soldaten⸗ ympagnie, die„Kompagnie Jesu“(= Fähnlein Jesu). diese Gründung des Jesuitenordens, welchen Papst Faul III. bestätigte, trat mit Erfolg der Ausbreitung et Reformation entgegen. Nur wenige Jahre gingen ins Land und der Or⸗ en kam in Kampf mit Staatsbehörden, Bischöfen, atholischen Universitäten und Päpsten. Zuerst wurde 0 1 ber Jesuitenorden vom Erzbischof von Saragossa wegen Piderspenstigkeit aus dieser Stadt vertrieben, dann 555 aus einem Teil Spaniens. . 4 2 SGott gehört die Welt. Römer 11, 36. Von ihm und durch ihn ö und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen. Jetzt ist die Zit wieder gekommen, da die Städter ihre mpfen Straßen mit den Steinkästen verlassen und in das birge gehen. Was haben sie dort im Gebirge? Der Blick (gehemmt durch die bewaldeten Höhen. Mühevoll ist der läfftieg auf die Höhe. Gewiß ist die Waldluft gesund und ird mit Freuden eingeatmet. Die Lunge dehnt und labt sich. s saftige Grün erfreut das Auge. Doch unter welchen Müh⸗ len ist das bißchen frische Luft erkauft. Der Mensch will inen freien Weitblick haben, wenn er aus der Enge der Stadt mt. Er will Höhenluft einatmen, wenn er dem Fabrikdunst sͤtgangen ist. Dort oben auf der Höhe hat er erst das, was „ sich wünscht. Von dort aus sieht er die wunderbare Land⸗ daft, schaut hinab in die herrlichen Täler. Sieht die Burgen der Nachbarschaft. Dort atmet er frei. Wie schön ist die gelt! Man muß nur den weiten Blick haben, den uns die höhe bietet. Auch der Apostel Paulus hat eine Höhe erstiegen. Von ihr ils schaut er die Geschichte seines Volkes Israel. Früher war umgeben von dem Wald der Einzelgeschehnisse. Jetzt sieht rei durch die Jahrhunderte.„O, welch eine Tiefe des Reich⸗ ms, beide, der Weisheit und Erkenntnis Gottes!“ Es ist ein Aeruf der Bewunderung, der sich seiner Kehle entringt. Jeßt drsteht er erst die großen Zusammenhänge der Geschichte. In In Zusammenhängen aber erkennt er die wunderbare Führung Jud Leitung Gottes. So mag auch Friedrich von Schiller bei denen Geschichtsstudien eine Höhe erstiegen sein, als er fand, he in der Weltgeschichte das Weltgerichte(Gottes) zu erken— Der Jesuitenorden. (Nachdruck erwünscht.) 1554 erklärte die Pariser Sorbonne, die katholische Universität, den Orden für gefährlich in Sachen des Glaubens, als Störenfried der latholischen Kirche, mehr zum Zerstören als Erbauen geeignet, und den Namen „Jesuiten“ für eine Anmaßung. 1561 wurden die Jesuiten„als die geschworenen Feinde des Evangeliums“ aus dem katholischen Kan⸗ ton Graubünden vertrieben. 1570 zeigten zahlreiche Mordversuche, was man von der Tyrannenmordslehre der Jesuiten zu erwarten hatte. Königin Elisabeth ordnete ihre Vertreibung aus England an. 1578 wurde ihnen der Aufenthalt in Portugal und Antwerpen untersagt. 1590 forderte der spanische König Philipp II. vom Papst Sixtus V. eine strenge Untersuchung und ein Verbot. Ihm entgingen die Jesuiten nur durch den Tod des Papstes In Frankreich wurde der Orden unter scharfen Beschränkungen(3. B. Ablegung des Namens„Jesui⸗ ten“) zugelassen. Diesen Beschränkungen fügten sie sich, um sie sofort zu übertreten. Der Jesuitenschüler Chätel unternahm einen Mordversuch gegen König Heinrich IV., sodaß sie 1594 des Landes verwiesen wurden.(Heinrich VI. ließ sie wieder zu.) In den Generalstaaten der Niederlande unter⸗ nahmen 1582 der fanatische Spanier Jauregni einen Mordversuch und der fanatische Gerard, von zwei Je⸗ suiten in seinem Vorhaben bestärkt, führte diesen Mord des Königs Wilhelm von Oranien wirklich aus. Zahl⸗ reiche andere Gewalttaten zeigten die„politischen und sozialen Segnungen“ des Ordens. Er wurde 1595 aus allen Provinzen vertrieben. 1604 erfolgte die Vertreibung der Jesuiten aus der Republik Venedig„als Feinde und Verleumder.“ 1607 wurde ihnen der Aufenthalt in Schweden verboten und 1610 im Kanton Walli; sie hatten sich in die Schweiz wieder eingeschlichen. In Frankreich entbrannte 1610 der Volkshaß wiederum gegen die Jesuiten; sie wurden als die mo⸗ ralischen Urheber der Königsmorde Heinrichs III. 1589 (Mörder Jakob Clement) und Heinrichs IV. ausgewie⸗ sen. Der Jesuit Mariana trug in einem Buch die Königsmordlehre vor und feierte obigen Clement als „eine ewige Zierde Galliens“. Das Buch wurde von der katholischen Sorbone verurteilt und von dem Par⸗ lament durch Henkershand verbrannt. 1618 erfolgte die Austreibung der Jesuiten„als Empörer und Anruhestifter“ aus Böhmen, 1619 aus Mähren und Schlesien, 1620 aus Ungarn, 1621 aus nen ist. Paulus drückt seine Erkenntnis aus in den Worten: „Von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge.“ Wenn jemand von seinem Ausfluge erzählt, wie schön es gewesen sei, so setzt er meist hinzu:„Da mußt du auch einmal hin!“ Damit will er sagen, erzählen kann man dus gar nicht vollständig. Vielmehr muß das eigne Auge schauen, um einen Begriff von der Pracht und Schönheit der Natur zu bekommen So muß jeder auch auf die Höhe eines Paulus steigen, um zu erkennen, was er schaute. Jeder muß seine eigne Geschichte übersehen, dann merkt er, wie von ihm und durch ihn und zu ihm alle Dinge sind. Wie mühevoll und enttäuschungsreich ist so oft der Weg durch unser Leben. Wie hart trifft manchen das Geschickt. Er hat sich das Leben viel schöner und wonne— voller vorgestellt. Nicht gerechnet hat er mit dem mühevollen Aufstieg bis zur Höhe. Wie oft möchte er mit dem alten Juden sprechen:„Wo ist nun dein Gott?“ Die Frage nach dem„war⸗ um“ bohrt sich tief in unsere Seele. Erst auf der Höhe sieht das Auge unseres Glaubens in die Weite und erkennt: Der Herr hat's gegeben, der Herr hat's genommen, der Name des Herrn sei gelobt. Von ihm sind alle Dinge. Er sendet uns die guten und die bösen Tage, er läßt uns die Sonne scheinen und die Stürme toben. Er hat den Menschen gemacht und die Erde und den Himmel. Sein Allmachtswort gebietet allein in der Welt seiner Schöpfung. Wunderbar ist die Vorsehung Gottes im großen und klei⸗ nen Weltgeschehen. Gewiß können wir auch den freien Wil⸗ len des Einzelmenschen. Durch diesen macht sich ja der Ein⸗ zelne seinem Gott verantwortlich. Aber hat je ein Mensch Gottes Plan aufhalten können? Alles muß ihm und seinen Zielen dienen, auch das Böse, das der Bösewicht erdenkt. Durch ihn sind alle Dinge. Gott macht die Weltgeschichte. Dafür hot uns Jesus Christus das Verständnis gebracht. Er lehrte uns in allem Geschehen den Vater im Himmel erkennen.„Kauft Polen, 1622 aus Neapel, 1645 aus Malta(die vom Großmeister von Malta mit Besitz und Gut reichlich ausgestatteten Jesuiten bemächtigten sich des Getreide— handels, trieben es zu einer Hungersnot und gaben die aufgespeicherten und nach der Vertreibung monatelang ausreichenden Vorräte nicht heraus), 1706 von Rakoczi (in Siebenbürgen) aus allen seinen Staaten, 1715 aus dem Königreich beider Sizilien, 1725 aus Rußland durch Peter den Großen. Die allgemeine Unterdrückung des Ordens begann infolge eines mißlungenen Mord— versuchs gegen den König 1759 in Portugal, 1762 in Frankreich, 1767 in Spanien, Neapel und Sizilien und 1768 in Parma. Schon Alexander VII. hatte 1665 ein päpstliches Dekret wegen der Jesuitenumtriebe erlassen und Papst Innocenz XII. 1679. 1773 erschien die Auf⸗ hebungsbulle des Jesuitenordens von Papst Clemens XIV. Er mußte dem Andrängen der katholischen Höfe nachgeben; der Ordensgeneral Ricca lehnte jede Reform ab. Dieses Breve„Dominus ac redemptor noster“, d. h. unser Herr und Erlöser, vom 21. Juli 1773 umfaßt 41 Paragraphen(470 Quartdruckzeilen), ist in den Quellen zur Geschichte des Papsttums von Mirbt(Ver⸗ lag Mohr in Freiburg, Baden) wörtlich abgedruckt und wollen wir gleich hier nur wenige Sätze dieser Bulle eines unfehlbaren Papstes übersetzt wiedergeben: „Dessen ungeachtet ersieht man, daß in dieser Gesellschaft gleich bei ihrem Entstehen mannigfacher Samen von Zwietracht und Eifersucht gegen die Weltpriesterschaft, gegen Akademien, Universitäten, öffentliche Schulen, ja sogar gegen Fürsten aufge⸗ keimt sind, in deren Staaten sie aufgenommen wor— den; und daß diese Streitigkeiten auch über die un⸗ umschränkte Gewalt, die sich der vorgesetzte General dieser Gesellschaft anmaßte, über andere die innere Regierungsverfassung betreffende Gegenstände, bald über Lehrmeinungen, Schulen, Freiheiten und Pri⸗ vilegien entstanden sind, was die ordentlichen Bi⸗ schöfe und andere in geistlichen und weltlichen Wür⸗ den stehende Personen den Gerechtsamen zuwider zu sein erachteten. Endlich fehlte es nie an den wich— tigsten Beschuldigungen, die man den Gliedern die⸗ ser Gesellschaft machte, und welche den Frieden und die Ruhe in der Ehristenheit nicht wenig störten.“ „Alle Anstalten zur Verbesserung reichten aber so wenig hin, das Geschrei und die Klagen wider die Gesellschaft zu stillen, daß vielmehr von Tag zu Tag die beschwerlichsten Streitigkeiten über die Lehre der Gesellschaft, welche sehr viele anstößig für Recht⸗ gläubigkeit und Sitten hielten, sich fast über die man nicht zwei Sperlinge für einen Pfennig? Dennoch fällt derselbigen keiner auf die Erde ohne euren Vater. Nun aber sind auch euere Haare auf dem Haupt alle gezählt. So fürch⸗ tet euch denn nicht; ihr seid besser, denn viel Sperlinge,“ Die— ser Einblick in die Vorsehung unseres Gottes, den uns Jesus gibt, läßt uns so ruhig und vertrauensvoll alles in Gottes Hände legen. Wir wissen:„Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird's wohl machen.“ Wie von Gott alles ausgeht, so hat alles auch wieder die Richtung zu Gott. Jesus hat uns diese Richtung gegeben. Da wir Gottes Eigentum sind, so soll unsere Seele dereinst zu Gott zurückkehren. Dann haben wir das Stückwerk hinter uns und sind zur Vollkommenheit durchgedrungen. Dann haben wir die Ruhe erlangt, in der wir nichts mehr begehren. Bei Gott ist die höchste Seligkeit, die wir uns denken können. Alle Kreatur sucht ihn zu erreichen. Zu ihm sind alle Dinge. So hat Paulus in der Welt den Regenten erkannt. So sollen auch wir ihn erkennen. Es ist das, was schon der 24. Psalm mit Begeisterung singt:„Die Erde ist des Herrn und was drinnen ist; der Erdboden und was darauf wohnet.“ Diese Erkenntnis läßt einen Paulus aufjauchzen in einem Lobpreis. Denn es ist ist das herrlichste, was er sich denken kann. Auch wir kennen nichts größeres und herrlicheres. Darum stimmen wir in die Worte des großen Apostels ein:„Ihm sei Ehre in Ewigkeit!“ Rühmet ihr Menschen den hohen Namen Des, der so große Wunder tut! Alles, was Odem hat, rufe Amen Und bringe Lob mit frohem Mut. Ihr Kinder Gottes, lobt und preist Vater und Sohn und heilgen Geist. Halleluja, Halleluja! Amen. Hr. Sonnabend, den 18. Juni 1927. „Evangelische Warte“ ganze Erde ausbreiteten.“ Es entstanden innerliche und äußerliche Uneinigkeiten, und es liefen häufige Klagen über ihre unersättliche Begierde nach irdi⸗ schen Gütern ein.“ Aus alledem sind die weltbe⸗ kannten Unruhen, welche den apostolischen Stuhl in den tiefsten Kummer und Verdruß stürzten, ent⸗ standen.“„So heben wir aus diesen wichtigen Be⸗ weggründen, und aus anderen Ursachen. mit rei⸗ fer Ueberlegung, aus gewisser Wissenschaft und aus der Fülle der apostolischen Macht erwähnte Gesell⸗ schaft auf, unterdrücken sie, löschen sie aus, schaffen sie ab und heben auf alle und jede Aemter, Bedienun⸗ gen und Verwaltungen, ihre Häuser, Schulen, ihre Statuten, Gebräuche, Gewohnheiten, Dekrete, Kon⸗ stitutionen, wenn sie gleich mit einem Eide oder durch eine apostolische Bestätigung oder auf eine andere Art befestigt sind.“„Daher erklären wir, daß alle und jede Gewalt des Generals, der Provinzialen, der Visitatoren und aller anderen Vorgesetzten er⸗ wähnter Gesellschaft sowohl im Geistlichen als im Zeitlichen aufgehoben und auf immer vernichtet bleiben soll, und übertragen diese Gerichtsbarkeit und Gewalt auf die ordentlichen Bischöfe der Orte in ihrem ganzen Umfang.“„Wir verbieten auch durch Gegenwärtiges, daß ferner Jemand in gedachte Ge⸗ sellschaft aufgenommen und zur Einkleidung ins No⸗ viziat zugelassen werde.“„Wir wollen, daß von nun an sogleich die Aufhebung und Unterdrückung des Ordens wirklich werde bei Strafe des größeren Ban⸗ nes, welcher gegen alle, die sich unterfangen, der Er⸗ füllung dieser unserer Verordnung Hindernisse in den Weg zu legen, sogleich verhängt werden soll.“ „Dieses Breve soll für immer fest, unverrückt und wirksam sein und bleiben, ganz ohne alle Zurückhal⸗ tung befolgt, und von allen und jedem, die es an⸗ geht und in Zukunft angehen wird, unverletzt be— obachtet und gehalten werden.“ Clemens XIV. fügte seiner Unterschrift unter die⸗ ses Breve die Worte bei:„Diese Aufhebung wird mir das Leben kosten.“ Er starb am 22. September 1774. „Fast unwidersprechliche Zeugnisse thun dar: durch Jesuitengift.“(Groeber.) Die feierliche Aufhebung wurde sogar in Oester— reich vollzogen, wo sie über 200 Jahre ungestört ge—⸗ blieben.(In dieser Zeit benützte Friedrich der Große (17401786) die Jesuiten in Schlesien als Lehrer und gewährte ihnen in unglaublicher Kurzsichtigkeit einen Unterschlupf!) Also 1773 hat der unfehlbare Papst Clemens den Jesuitenorden für alle Zeiten aufgehoben und ver⸗ boten. Nur 41 Jahre blieb dieses Verbot bestehen. Am 7. August 1814 setzte der ebenfalls unfehlbare Papst Pius VII. denselben Jesuitenorden aus Dank⸗ barkeit wieder(mit dem Breve Sollicitudo omnium) ein. Die Jesuiten trieben es wieder so, daß der Zar Alexander J. sie wegen fortgesetzter Propaganda schon 1815 aus Petersburg und Moskau und 1822 aus ganz Rußland verwies, zumal bei Aufhebung 1814 Rußland das gelobte Land für viele Mitglieder des Ordens ge— worden. 1847 wurde der Orden von neuem aus der Schweiz vertrieben. Aus Frankreich wurden die Jesuiten zum dritten Mal am 30. März 1880 und 1902 zum vierten Mal verwiesen. Es sei nun noch daran erinnert, daß am 17. Juni 1872 mit 183 gegen 131 im Deutschen Reichstag das so— genannte Jesuitengesetz angenommen wurde. Dabei ist wohl sehr bezeichnend, daß dem Regierungsentwurf von dem katholischen Fürsten Chlodwig Hohenlohe⸗ Schillingsfürst folgender verschärfter Antrag gegen— Übergestellt wurde: § 1. Der Jesuitenorden und die mit ihm in Ver— bindung stehenden Orden sind in Deutschland verboten. § 2. Jeder Deutsche, welcher in den Jesuiten⸗ orden eintritt, verliert dadurch sein Staatsbürgerrecht. § 3. Kein Deutscher, welcher in einer von Jesui⸗ ten geleiteten Lehranstalt ausgebildet ist, kann in Deutschland in Staats- und Kirchendiensten angestellt werden. Wir fragen, welcher deutsche katholische Abgeord— nete wagt heute, einen solchen Antrag gegen den Jesui⸗ tenorden einzubringen? Wie haben sich doch die Zei— ten geändert! Wie hat der Ultramontanismus ge— rade in Deutschland seine Angehörigen geknechtet. Wie in Rom gepfiffen wird, wo wird nicht nur in der Zen⸗ trumspartei, sondern bei den Katholiken in allen Par⸗ teien getanzt. Das ist in der Gegenwart die Gefahr für unser ganzes deutsches Volkstum. Hr. Vom Konkordat. Evangelische Arbeiter und römisches Konkordat. Auf der 25. Vertretertagung der evangelischen Arbeitervereine in Erfurt wurden Entschließungen zur Schul- und Konkordatsfrage angenommen. Von der Reichsregierung und vom Reichstag wurde die schleu⸗ nige Vorlegung und Verabschiedung eines Reichsschul— gesetzes gefordert, das die evangelische Bekenntnisschule sicherstellt. Zur Konkordatsfrage wird die Beschrän— kung auf die Regelung der organischen und finanziellen Beziehungen, die Wahrung der Hoheitsrechte des Staa⸗ tes über seine Bürger und die völlige Gleichstellung der beiden christlichen Kirchen verlangt. Die evangeli— schen Arbeiter erwarten, daß keine Vereinbarungen mit der römischen Kirche nach dem Vorgang des baye— rischen Konkordats getroffen werden. Die westpreußische Lehrerschaft gegen jedes Konkordat. Der„Königsberger Anzeiger“ vom 2. Juni 1927 meldet„In einer von Lehrern aus allen Teilen West⸗ preußens sowie von mehreren Dozenten der Pädagogi⸗ schen Akademie Elbing und einigen westpreußischen Landtagsabgeordneten besuchten Versammlung des Lehrerverbandes Westpreußen und des Lehrervereins Marienburg in Marienburg wurde nach einem Vor- trag des Herrn Olinski über„Deutschland und das Konkordat mit Rom“ und nach einer lebhaften Aus— sprache eine Entschließung angenommen, die sich gegen jedes Konkordat wendet, nicht aber gegen Staatsgesetze, die die Belange der Kirchen sicherstellen, wenn sie alle kulturellen Fragen und das Bildungswesen bis zu den Hochschulen hinauf völlig ausschalten.“ Verschiedenes. Evangelische Akademiker! Am Friedrichs-Polytechnikum in Cöthen(Anhalt) hat sich 1926 eine„Akademisch-evangelische Verbin⸗ dung Wartburg“ gebildet, welche dem Wartburg⸗ Kartell akad.⸗evangelischer Verbindungen angehört. Zweck der Verbindung ist die Pflege evangelisch-deut⸗ schen Geistes. In Anbetracht dessen, daß der jungen „Wartburg“ im evangelischen Cöthen vier(!) katholi⸗ sche Verbindungen gegenüberstehen, ist ihre Erhaltung und Kräftigung von größter Bedeutung für die evan— gelische Sache. An die evangelischen Akademiker aller Fakultäten und Hochschularten, welche Leser unseres Blattes sind, ergeht auf diesem Wege die Bitte, der A. E. V.„Wart⸗ burg“ in Cöthen ihre glaubensbrüderliches Interesse und tatkräftige Unterstützung zuteil werden zu lassen und möglichst durch Eintritt in ihren Altherrenverband der evagelischen Sache im Herzen unseres Vaterlandes einen wichtigen Stützpunkt unter der studierenden Ju⸗ gend erhalten und ausbauen zu helfen. Anfragen und Anmeldungen wolle man richten an: H. W. Mosel, Pastor, Rohrberg(Kr. Salzwedel). Praktisches Christentum. Die vorbildlicher Weise aufgenommen. Im Geiste der deutsch-evangelischen Heimstättengesellschaft betreibt sie selbst die Erstellung neuer Wohnungen. Gegen⸗ wärtig werden 6 neue Wohnungen gebaut. Es wäre wünschenswert, wenn auch andere Kirchengemeinden den zu gleichem Vorgehen bereit wären. Der Anschluß an die deutsch evangelische Heimstättengesellschaft, deren Zweigstelle sich beim Landesverein für Innere Mission in Darmstadt, Bismarckstraße, befindet, erleichtert den Wohnungsbau für jeden einzelnen und für Körperschaf⸗ ten in zuverlässiger Weise. Das Schuldunkel. Vom Weg des unaufhörlich angekündigten Reichs— schulgesetzes liest man neuerdings in der Presse:„Das Reichsinnenministerium beabsichtigt die Fertigstellung des Entwurfs so zu beschleunigen, daß der Reichsrat schon in einigen Wochen mit dem Entwurf beschäftigt werden und dem Reichstag der Entwurf noch in der Sommertagung zur ersten Lesung vorgelegt werden kann. Da indes nicht sicher sei, ob der Entwurf des Reichsinnenministeriums und des Reichskabinetts ohne weiteres die Billigung des Reichsrats finde, werde vielleicht der Ausweg gewählt werden, daß dem Reichs- tag vorläufig der Entwurf der Reichsregierung und gleichzeitig ein abweichender Entwurf einer Reichs— ratsmehrheit zugeht, damit zunächst einmal die Be— ratungen im Reichstag beginnen können.“ Vom Kirchentag. In diesem Jahre wird in Königsberg der Kirchen⸗ tag zusammenkommen. In der„Frankfurter Zeitung“ lesen wir dazu einen Aufsatz. Derselbe bezeichnet es als„eine der wichtigsten Aufgaben einer zielbewußten evangelischen Kirchenpolitik, in den Gemeindegliedern das Bewußtsein zu erwecken, daß sie zwar Glieder der Kirche, aber auch Bürger des Staates sind“ und fährt fort:-In einigen Wochen wird in Königsberg der Deutsche evangelische Kirchentag zusammentreten. Die Fragen von Kirche und Vaterland, Kirche und Volks⸗ tum, stehen dort im Mittelpunkt der Aussprache... Die staatsbejahenden Glieder der evangelischen Kirche erwarten, daß auf dieser, für den gesamten deutschen evangelischen Kirchenbund maßgebenden Tagung end— lich ein offenes Wort darüber gesprochen werde, wohin der neue Kurs der staatsfreien Kirche geht.“ Urlaub für Jugendliche. Den Bemühungen des Reichsausschusses der Deut⸗ schen Jugendverbände(zu dem auch der Ausschuß evan— gelischer Jugendverbände gehört), bei den gesetzgeben— den Körperschaften(Reichstag, Reichswirtschaftsrat usw.) die gesetzliche Einführung einer Urlaubszeit für jungendliche Erwerbstätige zu erwirken, verdienen leb⸗ hafte Förderung. Auch die altpreußische General— synode hat sich mit diesen Bestrebungen beschäftigt und sie nach Kräften zu unterstützen beschlossen:„Eine solche Urlaubszeit wird nicht nur dazu dienen, die leibliche und geistige Gesundheit der Jugendlichen zu fördern, in ihnen Liebe zu Volk, Vaterland und Heimat und neue Berufsfreudigkeit zu wecken, sondern wird ihnen auch die Möglichkeit zur Teilnahme an Freizeiten und Lehrgängen und damit zur Selbstbesinnung und Ver⸗ tiefung ihres religiösen Lebens geben.“ Auf der Warte. Der Konflikt zwischen England und Aegypten, das auf Selbständigkeit drängt, scheint durch einen Noten⸗ wechsel wieder für einige Zeit beigelegt. Auf friedliche Art dürfte sich die Vormachtstellung Englands mit der Ein stiller Mmfikant. Ja, der alte Musikmeister!— Christian Valentin hieß er. — Zuweilen in der Dämmerstunde, wenn ich vor meinem Ofen- feuer träume, wandelt auch seine hagere Gestalt in dem abge— tragenen schwarzen Tuchröckchen an mir vorüber; und wenn er dann gleich all dem andern Besuch, den ich schweigend und un— gesehen hier empfange, allmählich wieder meinen Blicken ent— schwindet, zurückwandelnd in den dichten Nebel, aus dem er kurz zuvor emporgetaucht ist, so zittert oft etwas in meinem Herzen, als müßte ich die Arme nach ihm ausstrecken, um ihn zu halten und ihm ein Wort der Liebe auf seinem einsamen Wege mitzugeben.—— In einer norddeutschen Stadt hatten wir beide mehrere Jahre nebeneinander gelebt, und der kleine Mann mit dem dürftigen blonden Haar und den blaßblauen Augen war eben— sooft gesehen als unbeachtet an mir vorübergegangen, bis ich eines Tages in dem Laden eines Antiquars mit ihm zusammen— traf. Von diesem Augenblick an begann unsere Bekanntschaft; wir beide waren Büchersammler, wenn auch jeder in seiner eigenen Art. Bei meinem Eintritt hatte ich eine illustrierte Ausgabe von Hauffs„Lichtenstein“ in seiner Hand bemerkt, worin er, am Ladentische lehnend, sich mit Behagen zu ver⸗ tiefen schien. „Das ist ein liebes Buch, das Sie da haben“, sagte ich gleichsam als Erwiderung seines Grußes, mit dem er trotz seines eifrigen Blätterns mich empfangen hatte. Er blickte mich an.„Wirklich!“ sagte er mit einem Auf- leuchten seiner blassen Augen, und ein wahres Kinderlächeln verklärte sein sonst wenig schönes Antlitz;„lieben Sie es auch? Das freut mich; ich kann es immer wieder lesen!“ Wir kamen nun ins Gespräch, und ich erzählte ihm, daß ich im vorigen Jahre den Ort der Dichtung besucht und zu meiner Freude die Büste des Dichters auf einem Felsenvorsprung neben der von ihm verherrlichten Burg gesehen hätte. Aber er war keineswegs damit zufrieden.„Eine Büste nur?“ sagte er.„Dem Mann hätten sie doch wohl ein ganzes Standbild setzen können! Sie lachen über mich!“ setzte er gleich darauf mit derselben bescheidenen Freundlichkeit hinzu.„Nun, freilich, mein Geschmack mag wohl eben nicht der höchste sein.“ —— Ich lernte ihn später näher kennen. Sein Geschmack war keineswegs ein niedriger; aber wie er in der Musik bei seinem Haydn und seinem Mozart blieb, so waren es in der Poesie die klaren Frühlingslieder Uhlands oder auch wohl die friedhofstillen Dichtungen Höltys, die ich aufgeschlagen auf seinem Tische zu finden pflegte. Wenn wir nach dieser Zeit uns wieder bei dem Antiquar oder auch nur auf der Straße trafen, so pflegten wir wohl noah ein Stückchen Weges miteinander zu verplaudern, und ich er— fuhr nun, daß er hier in seiner Vaterstadt als Klavierlehrer lebe, aber nur in den Häusern des mittleren Bürgerstandes oder in mittellosen Beamtenfamilien seine Stunden gebe; auch verhehlte er mir nicht, daß sein Erwerb nur zu einer bescheide— nen Wohnung ausreiche, welche er dicht vor der Stadt in dem Hause eines Bleichers schon seit Jahren innehabe.„Ei was!“ sagte er,„es ist schon recht für einen alten Junggesellen; man soll sich nur keine dummen Gedanken machen! Wenn sie nicht mit Wäsche zugedeckt ist, sehe ich aus meinen Fenstern auf die schöne grüne Bleichwiese; ich hab' als Knabe schon darauf ge⸗ spielt, wenn ich unseren Mägden die schweren Zeugkörbe dort hinaustragen half; und auch der Apfelbaum, der damals so oft für mich geschüttelt wurde, steht noch ganz auf seiner alten Selle Und in der Tat, ich fand das Stübchen so übel nicht, als ich eines Nachmittags nach einem gemeinsamen Spaziergange mit ihm ect eintrat; die wiese war auch eben wäschefrei und sandte ien grunen Schein ins Fenster. An der Wand über dem Sofa hingen zwei der bekannten Lessingschen Waldland⸗ schaften, aus dem Nachlasse seines Vaters, wie er mir erzählte; über dem offenstehenden, wohlerhaltenen Klavier hing, um⸗ geben von einem dichten Immortellenkranz, ein weiblicher Pro— filkopf in trefflicher Kreidezeichnung. Als ich betrachtend da⸗ vor stehenblieb, trat er zu mir und begann fast schüchtern:„Ich muß es Ihnen wohl sagen, denn Sie würden es sonst kaum glauben, daß dieses edle Antlitz meiner lieben Mutter einst gehörte; aber es ist wirklich so.“ „Ich glaube es gern!“ erwiderte ich; denn sein Antlitz stand vor mir, wie es mir nun schon oft von Freundlichkeit verklärt erschienen war. Und als habe er meine Gedanken erraten, setzte er hinzu: „Lächeln hätten Sie sie sehen sollen; das Bild ist doch nur tot.“ Als wir später auf seine Lieblingskomponisten zu sprechen kamen, griff er gleichsam zur Erläuterung dann und wann ein paar Takte aus diesem oder jenem Satz auf den Tasten; da ich ihn dann aber ersuchte, nun doch weiterzuspielen, wurde er fast verlegen und suchte mir auszuweichen; endlich, als ich dringen⸗ der wurde, sagte er ängstlich:„Oh, bitten Sie mich nicht darum, ich spiele seit vielen Jahren schon nicht mehr.“ „Aber hier!“ erwiderte ich und wies auf eine Partitur der Jahreszeiten, die aufgeschlagen auf dem Pulpete lagen,„das können Ihre Schüler doch nicht spielen.“ Er nickte eifrig. so etwas haben bei dem steten Elementarunterricht— es ist riesig, wie ein Mensch das alles so hat schreiben können!“ evangelische Kirchengemeinde Rüssels⸗ heim a. M. hat die Bekämpfung der Wohnungsnot in „Ja, ja; aber das lese ich nur; man muß 05 n guter land 1 del Augeubl euischlose 65 Rule fand hat geroselt, gen gesch Enttüstuß gonflit. ter vollwa egenübe in Genf! Pichtige mal dot Rheinlaf der„Nit muß Stle die Lasun die beste konstatier Optimiss 725 1 1 . In Ri gen der E auf seiner Leiche des lloffende! sein Freun untersuchte eillätte,d mit dem haftet. D bestärkt, d Freunde h habt. De sie sich wi am Unglü Da la Jall. An Bild aufg Vilde das wies Et Platte den des herste weifelhaff gungen E weißen Se die Zteisp Die 3 und der e langen L bar Entto diesem gli das an 9 Oder wüß Gedanken derbater Gewif Und er sc hin und h Als einer 3 einige d. faligen! holung n deit zu g Shrfstel Talten g Als ich sah ich wi It das müde in Vir h Verkehr hätte,; 0 * Straß weg eines als nuch and abges steundlih, „Sei knien 5 hat 1 1 Heleerte gespee „em On dichen⸗ eitung hnet es wußten lieder der det d fährt erg der n. 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Rußland hat sofort eine scharfe Note an Polen gerichtet, in der es an das Vor⸗ gehen gegen die Sowjetrepublik in China und Eng⸗ land erinnerte und dabei das Attentat als ein weiteres Glied der Kette bezeichnete. Polen scheint*** bis zum Augenblick noch nicht zu einer endgültigen Antwort entschlossen zu haben, doch dürfte so viel feststehen, daß es Rußland außerordentlich weit entgegenkommt. Ruß⸗ land hat in den letzten Tagen sehr stark mit dem Säbel gerasselt, ist auch weiter zu unmenschlichen Erschießun— gen geschritten, welche die gesamte zivilisierte Welt in Entrüstung versetzt haben.— Der serbisch-albanische Konflikt ist in der Zwischenzeit noch keinen Schritt wei⸗ ter vorwärts gekommen. Gewehr bei Fuß steht man sich gegenüber. Wahrlich ein trübes Zeichen, während man in Genf zu einer Völkerbundratstagung zusammentritt. Wichtige Fragen für Deutschland werden wieder ein— mal dort angeschnitten: Besatzungsverminderung(die Rheinlandräumung ist zum x-ten Male vertagt, weil der„Zeitpunkt“ noch nicht da ist), die Memelfrage, auch muß Stresemann mit den anderen Schachspielern über die Lösung des Gambits ins Reine kommen, wie auf die beste Art die Schleifung unserer Ostbefestigungen konstatiert wird. War bei der letzten Tagung unser Optimismus schon beinahe Null, so dürften die Aus— „Evangelische Warte“ sichten dieses Mal noch schlechter sein.— Der deutsche Reichstag sieht eine ganze Reihe wichtiger Arbeiten vor sich. Er muß sich mit der Strafrechtsreform, mit dem Zolltarif, dem Arbeitslosenversicherungsgesetz, dem Sperrgesetz in der Frage der Fürstenabfindungen be—⸗ schäftigen und wird bei der Fülle der Arbeit und der Uneinigkeit der Parteien noch nicht zu einem Reichs— schulgesetz gelangen.— In München verunglückte auf tragische Art der bayrische Finanzminister Dr. Kraus⸗ neck beim Aufspringen auf einen Straßenbahnwagen, von dem er abglitt und dabei den Halswirbel brach. Unerkannt lag er stundenlang in einem Krankenhaus, bis der telephonisch herbeigerufene Ministerpräsident in ihm seinen Arbeitskollegen erkannte.— Dem hessi⸗ schen Landtag sind eine Reihe von Vorlagen zugegan⸗ gen, z. B. der Entwurf eines zweiten Gesetzes zur Aenderung des Ausführungsgesetzes zum Finanzaus⸗ gleichsgesez. Wie man sieht, führt ein jedes Gesetz einen wahren Rattenschwanz weiterer Gesetze nach sich. Weiter liegt u. a. ein Antrag auf Lockerung der Woh— nungszwangswirtschaft vor. Aus unserer Bewegung. Kirtorf. Hier sprach kürzlich, wie bereits gemeldet, Pfarrer Weidner über unsere Bewegung. Die Versammlung, die von Lehrer Erdmann geleitet wurde, hörte mit großem Interesse zum erstenmal von Vorkommnissen in Hessen, die auch ihr die Notwendigkeit einer evangelischen Partei im hessischen Landtag deutlich zeigten. Nach dem mit großem Beifall von allen Anwesenden— meist Landwirten— aufgenommenen Vortrag dankte Lehrer Erdmann dem Redner für seine überzeugenden, sehr sachlichen Ausführungen und schloß mit der Mahnung:„Evangelische, seid einig, schließt euch zusammen.“ Die Gründung einer Ortsgruppe der Evangelischen Volksge— meinschaft wurde beschlossen. Beitritte erfolgten schon am Schluß der Versammlung. Gensingen, 11. Juni. Heute abend hielt die hiesige Orts— gruppe der Evangelischen Volksgemeinschaft im Saale von Gastwirt May eine Versammlung ab, für die als Redner Herr Stadtverordneter Kümper-⸗Frankfurt, der durch seine Vor— träge, die er gelegentlich des Rednerkurses im Januar hielt, hier noch in bester Erinnerung steht, gewonnen war. Er sprach über das Thema:„Die Evangelische Volksgemeinschaft im parlamentarischen Kampfe“ und hatte hierzu viel Neues und Interessantes zu sagen. An den Vortrag schloß sich eine Dis— kussion an, in der der Redner Aufschluß gab über Fragen, die zu dem Thema aus der Versammlung gestellt worden waren. Mit herzlichen Dankesworten an den Redner schloß der Vor- sitzende der Ortsgruppe, Herr Lehrer Schmahl, den Vor— tragsabend. Grolsheim, 12. Juni. Heute Nachmittag fand hier die zweite Versammlung der Evangelischen Volksgemeinschaft im Saale von Kärcher statt. Herr Stadtverordneter Kümper⸗ Frankfurt, sprach über die Aufgaben und Ziele der neuen evan— gelischen Partei in so interessanter Weise, daß sich nach dem Vortrag eine Reihe neuer Mitglieder meldete, und die hiesige Ortsgruppe um die Zahl ihrer Mitglieder mehr als verdoppelt hat. Im Anschluß an den Vortrag wählte die Ortsgruppe ihren Vorstand. Vorsitzender wurde Herr Landwirt Phil. Hang, Schriftführer Herr Lehrer Mehmel und Rechner Herr Kauf— mann Fritz Engel. Außerdem wurden als Beisitzer ge— wählt Herr Bürgermeister Böhm und Herr Beigeordneter Leonhard. r e Im Familienkreis ! p 7 ˙ A A TT Der dunkle Punkt. In Rio de Janeiro war kürzlich ein junger Kaufmann we⸗ gen der Ermordung eines Kollegen angeklagt. Er war mit ihm auf seiner Yacht segeln gewesen und kam am Abend mit der Leiche des Freundes an Bord zurück. Der Tode hatte eine klaffende Wunde am Kopf und der junge Engländer behauptete, sein Freund sei vom Mast gefallen. Als man die Yacht genau untersuchte, fand man, daß ein Ruder fehlte, und da ein Arzt erklärte, die Wunde am Kopf könne auch durch einen Schlag mit dem Ruder entstanden sein, wurde der junge Mann ver— haftet. Der Verdacht gegen ihn wurde nämlich noch dadurch bestärkt, daß man in Erfahrung gebracht hatte, die beiden Freunde hätten einige Tage vorher einen heftigen Streit ge— habt. Der Verhaftete gab das auch zu, behauptete aber, daß sie sich wieder völlig ausgesöhnt hätten und er unschuldig sei am Unglücksfall seines Freundes. Da las ein Amateurphotograph in der Zeitung von diesem Fall. An jenem Tage hatte er bei einer Fahrt im Hafen ein Bild aufgenommen, das war ihm unerklärlich, daß auf diesem Bilde das Segel einer Vacht einen kleinen schwarzen Fleck auf—⸗ wies Er übergab noch während der Verhandlung Bild und Platte dem Gericht, welches sofort eine Vergrößerung des Bil— des herstellen ließ. Auf dieser Vergrößerung aber war un— zweifelhaft festzustellen, daß die Photographie die Yacht des jungen Engländers darstellte und der dunkte Fleck auf dem weißen Segel der Körper eines fallenden Menschen war, worauf die Freisprechung des Angeklagten erfolgte. Die Zeitungen nannten das einen„merkwürdigen Zufall“, und der einer schweren Strafe oder mindestens einem lebens— langen Verdacht, ein Verbrechen begangen zu haben, so wunder— bar Entronnene aber wird sicher nun alle Tage seines Lebens diesem glücklichen„Zufall“ dankbar sein, wie du, lieber Leser, das an deiner Stelle auch wohl tun würdest, nicht wahr? Oder wüßtest du vielleicht noch einen anderen Ort, dahin die Gedanken und Gefühle deiner Dankbarkeit nach solch ganz wun— derbarer Errettung eilen würden? Gewiß wird der reiche junge Engländer jenem Photo— graphen eine gute Belohnung gegeben haben; ob sich aber nicht auch unwillkürlich seine Hände gefaltet haben mögen und seine Lippen ein von Menschen gehörtes oder ungehörtes Dankge— bet stammelten? Das dunkle Pünktchen auf dem weißen Se⸗ gel— es wurde in Gottes Hand zum Werkzeug, um die Un— schuld eines Menschen zu beweisen und ihn vor Gefängnis und Schande zu bewahren. Ja, er weiß das Verborgene ans Licht zu bringen; und es ist ihm ein kleines, durch viel oder durch wenig zu helfen. Hast du das in deinem Leben nicht auch schon auf mancherlei Weise erfahren? * Tragödie des Sonntags. Seit einigen Jahren hat sich die„Sitte“ eingebürgert, in den Großstädten, vor allem in Berlin, für Straßenlaufveran— staltungen den Sonntagvormittag zu benutzen. Dabei wird auf die Kirchzeit keinerlei Rücksicht genommen. So fanden am Sonntag(24. April) in Berlin gleich zwei derartige Veran— staltungen mit Hunderten von Läufern und Tausenden von Zu— schauern während der Kirchzeit statt, und zwar bemerkenswerter weiser unter obrigkeitlicher Schirmherrschaft. In den Sonntag⸗ Morgenblättern konnte man lesen:„Heute 10 Uhr vormittags wird Oberbürgermeister Böß den Startschuß zu dem unter dem Namen„Quer durch Berlin“ bekannten internationalen Lau— fen und Gehen des Berliner Athletik-Klubs abgeben ufw.“ Es r ist bisweilen in Sportkreisen üblich, England als Idealland des Sports und leuchtendes Vorbild für deutsche Sportbewegung zu preisen. Davon, das im Mutterlande des Sports ein Vor⸗ gang wie der geschilderte einfach unmöglich wäre, schweigt man. Goldene Konfirmation. Die schöne Sitte der„goldenen Konfirmation“ faßt Boden. In der noch zum Teil ländlichen Vorstadt Osternburg(Olden— burg) wurde am 25. März der 50jährige Gedenktag der Konfir⸗ mation von 1877 gefeiert. Von 116 damaligen Konfirmanden hatten sich 42 eingefunden, während 44 gestorben, 11 nach Ame⸗ rika ausgewandert und mehrere verschollen sind oder weit ent⸗ fernt wohnen. Unter großer Beteiligung seitens der Gemeinde und im Beisein des Oberkirchenrates sowie des Gemeindekirchen⸗ rates wurde ein festlicher Gottesdienst abgehalten, zu dem die Altkonfirmanden in geschlossenem Zuge gingen und in dem einer aus ihrer Mitte, ein Sohn des Pastors von 1877 die Predigt über Ebr. 13, 7—8 hielt. Eine freundliche, vom Gemeinde- kirchenrat dargebotene Nachfeier hielt die 42 noch einige Stun⸗ den zusammen.„Es war ein unvergeßlicher Tag.“ * Muttis Berater. Man konnte gut merken— der kleine Friederli trotzte— Das liebe Mutti sah es auch wohl. Weil er hatte folgen müs— Besondere Einladungen ergehen nicht. Mitteilung. Eine Sitzung des Vorstandes des Reichswahlkreises Hessen-Darmstadt und der Leiter der Geschäfts— stellen der 10 hessischen Werbebezirke findet statt am Sonntag, den 26. Juni 1927, 14 Ahr, in Frankfurt am Main („Kronenhof“, Scharnhorststraße, in nächster Nähe des Bahnhofes). Vollzähliges Erscheinen ist unbeding nötig. g eingeladen. der Evangelischen Volksgemeinschaft sind zu der Sitzun Alle Freunde Veller. 8—— 3 Und er schlug begeistert die Blätter in dem großen Notenbuche hin und her. Als ich nach einiger Zeit fortging, sah ich draußen an seiner Zimmerzu engen Zettel mit Oblaten angeklebt, worauf einige Takte aus einem Mozartschen Ave verum in etwas stakigen Noten hingeschrieben waren; bei späterer Wieder⸗ holung meines Besuches bemerkte ich, daß dieser Zettel von Zeit zu Zeit erneuert wurde und entweder mit dem Spruch eines Schriftstellers oder, was meistens der Fall war, mit ein paar Takten aus irgendeinem älteren Tonwerke beschrieben war. Als ich ihn dann einmal wegen dieser Seltsamkeit befragt. sah ich wieder jenes Kinderlächeln in seinem Antlitz aufleuchten. „Ist das nicht ein guter Gruß,“ sagte er herzlich,„wenn man müde in sein kleines Heim zurückkehrt!“ * Wir hatten solcherweise schon längere Zeit in einem gewissen Verkehr gestanden, ohne daß ich Näheres von ihm erfahren hätte; da war es eines Herbstabends, als ich ihn beim Schein der Straßenlaterne, die eben angezündet wurde, aus dem Tor⸗ weg eines großen Hauses kommen sah. Da ich nichts vorhatte, als nach angestrengter Arbeit mich durch ein wenig Straßauf⸗ und⸗abgehen zu erfrischen, so rief ich ihn an, und er nickte freundlich, da er mich erkannte. „Seit wann, lieber Freund,“ fragte ich,„geben Sie denn bei Präsidentens Stunde?“ Er lachte.„Ich? Sie scherzen wohl! Nein, die Stunden hat der junge Leipziger Doktor. Sie kennen ihn doch! Ein exzellenter Musiker; er hat mir neulich wohl über eine Stunde vorgespielt; ich versichere Sie, ein herrlicher junger Mann!“ „Kennen Sie ihn schon so genau?“ fragte ich lächelnd. „O nein, nicht weiter; aber ein solcher Musiker muß auch ein guter Mensch sein!“ r Dagegen war nichts einzuwenden. „Können Sie ein wenig mit mir schlendern?“ fragte ich. Er nickte und ging schon die Straße mit mir hinab.„Ich gab soeben meine letzte Stunde,“ sagte er;„der Tochter eines Schullehrers, der dort hinten auf dem Hofe wohnt. Das ist auch so ein goldenes Herz und ein Musikgenie dazu.“ „Aber lassen Sie die Kinder nicht in Ihre Wohnung kom⸗ men? Es ist ja nicht so weit dahin.“ Er schüttelte lachend den Kopf.„Nein, nein, das dürfte ich wohl nicht verlangen! Aber sie freilich, sie kommt auch zu mir heraus; nur ist sie eben jetzt aus einer schweren Krankheit aufgestanden. Sie fängt schon an, den Mozart zu traktieren; und eine Stimme hat sie!— Aber das ist fürs erste noch zu früh, denn sie zählt erst dreizehn Jahre.“ „Sie geben also auch Gesangunterricht?“ fragte ich. werden Sie der einzige hier sein, der das versteht!“ „Ei, Gott bewahre!“ erwiderte er;„aber bei ihr, da der Schulmeisterstochter die großen Meister unerschwinglich sind, möchte ich es gleichwohl doch versuchen, wenn Gott uns Leben schenkt.— Ich habe früher einmal mit einer alten ausgebrauch⸗ ten Sängerin unter einem Dache gewohnt, die einst zu Mo— zarts Zeiten eine Rolle gespielt und auch ihm selber wohl zu Dank gesungen hatte. Ihre arme alte Kehle war freilich jetzt nicht viel besser als eine Türangel; ja, ein mutwilliges Mäd— chen— es war die Tochter meines damaligen Wirtes,“ setzte er leise hinzu—„meinte sogar, sie gleiche der unseres gesang— liebenden Haustieres, und nannte die gute Alte stets Signora Katerina'; aber Signora Katerina wußte gleichwohl, was Ge— sang war und wir beide haben manches fürchterliche Duo mit⸗ einander ausgeführt. Sie konnte nie genug davon bekommen; ich aber lernte dabei nach und nach ihre ganze Gesangsmethode „Da kennen. ‚Merken Sie wohl auf, Monsieur Valentin!“ pflegte n.—— sie zu sagen, hob sich dabei auf den Zehen und faßte mit den Fingerspitzen der einen Hand in ihre stets nicht eben saubere Tüllhaube:„So wollte es der große Maestro!' Und dann schoß mit ungemeiner Sicherheit und oft überraschenden Akzenten eine Koloratur zu irgendeiner Mozartschen Arie aus dem alten dürren Halse.— Hatte ich nach ihrer Meinung meine Sachen gut gemacht, dann zog sie wohl ihr stets gefülltes kristallenes Naschdöschen aus der Tasche und stellte mir mit eigenen dürren Fingern eine Pfefferminzpastille in den Mund.— Gott hab' sie selig, meine alte Freundin!“ sagte er mit plötzlich weicher Stimme.„Wer weiß! Vielleicht kann noch ein junges Leben von diesen letzten Anstrengungen einer Greisin profitie⸗ ren; denn“— und er klopfte mit dem Finger gegen seine Stirn —„hier hab' ich alles wohl verwahrt, wie es einst der unsterb⸗ liche Meister von der jungen Primadonna gesungen haben wollte.“ ——„Sie haben mir,“ begann ich, da mein Freund jetzt schwieg,„noch nie von Ihrer Jugendzeit gesprochen. Wurde in Ihrem Elternhause auch Musik getrieben?“ ö„Freilich,“ erwiderte er;„weshalb wäre ich denn sonst ein Musiker geworden!“ „Nur deshalb, lieber Freund? Das glaube ich Ihnen nicht.“ Nun, nun; es mag auch wohl mein wirklicher Beruf ge— wesen sein; aber eine Kopfschwäche hat mich immer sehr behin— dert; oh, Sie denken nicht, wie sehr!— Als ich in einer Dorf- kirche zum erstenmal die Orgel hörte. brach ich in Schluchzen aus, daß man es gar nicht stillen konnte. Das war nicht, die Gewalt der Musik; denn eine Türschelle, die unversehens über mir läutete, hatte ganz dieselbe Wirkung;— es war mein ar⸗ mer schwacher Kopf, den ich schon als Knabe zwischen meinen Schultern trug.“— Er blieb einen Augenblick stehen, und ich hörte ihn seufzen, als wenn er eine Trauer niederkämpfe. — — —— — 1412:⸗( Sonnabend, den 18. Juni 1927 sen! Ganz weiß saß er am Tisch und weigerte sich, gehörig zu essen, wie er es sonst tat. Er möge nicht. Und doch waren es die guten, kleinen Haferkuchen mit viel Schnittlauch drin, bräun⸗ lich und knusperich gebacken. Und nach dem Essen ging der Friederli als erster vom Tisch— zur Stube hinaus— zur Küche hinaus— und schmet⸗ terte beidemal die Tür. Nicht so arg, aber doch noch gerade laut genug. „Friederli, komm hurtig noch einmal herein!“ hatte die Mutter ihm sofort in ruhigem, bestimmtem Ton nachgerufen Da kam er und hatte fürchterlich rollende, zornige Augen. Die lieben, großen, schönen Augen, die sonst so strahlten, so Liebe heischen und Liebe geben konnten! Nun mußte da so ein Zorn⸗ feuer aus ihnen herausfahren, bis zu Mutti hin, so daß es dem Mutti sehr weh tat.„Also, Friederli, jetzt machst du di. Tür schön leis zu,“ sagte sie und sah ihn ein wenig besonders an dabei. Da ging er wieder und schmetterte diesmal nicht; er war aber noch weißer geworden. Nun stand er draußen beim Kaninchenstall, ganz abgeson— dert von den andern frohen Geschwistern, die auf der kleinen Wiese Ball spielten, ein Büblein mit verwundetem Gemüt und wehem Herzlein. So recht hilflos. Und drinnen beim Spülstein vor dem Spülbecken ein Müt⸗ terchen, ebenfalls mit wundem Herzen und gar nachdenklichem Sinn und halt auch so recht hilflos. Und jetzt redete es inwendig mit jemand. Nicht etwa mit dem Friederli— mit dem war ja jetzt nicht zu reden— aber mit Friederlis bestem Freund. „Du kennst ihn ja,“ sagte das Mütterchen,„Du weißt, wie der arme Bub mit dem Trotz zu kämpfen hat; wie er gewiß gern wieder lieb sein möchte und gar nicht kann. Jetzt sag mir nur, wie ich ihm helfe und entgegenkomme. Ich kann es ja nicht alleine machen. Herr Jesu, rate mir!“— Wie sollte aber Friederlis bester Freund nicht hören und raten, wenn es doch seinen Friederli anging, und wenn ihm doch geholfen werden sollte und das Mütterchen sich nicht sel— ber zu helfen wußte! Also war es gewiß und wahr ein Rat vom großen Kinder— freund, der jetzt allsogleich in dem wunden Mutterherzen und in dem nachdenklichen Sinn vernehmbar wurde. Ganz hurtig trocknete die Mutter die nassen Hände am Tuch ab, griff nach dem leeren Erdäpfelkorb und steuerte der Kellerstiege zu. Die führte von außen am Häuschen in die Tiefe und war mit einer schweren Halzklappe zugedeckt. Der Friederli, der in der Nähe stand, sah mit Verwunderung daß sich seine Mutter anschickte, die ungefüge Holzklappe zu heben. Als ob die Mutter das schon einmal allein zuwege gebracht hätte mit ihrer zarten Kraft und dem schwachen Rücken! Richtig— sie konnte nicht. „Friederli— wenn du mir helfen wolltest...“ Sie hatte es noch gar nicht gerufen, so war er schon da. Seine Aerm⸗ chen stemmten sich gewaltig gegen den Laden, und mit drei— fachem Aechzen— denn das Mutti ächzte, und der Friedel ächzte, und die Klappe hatte auch geächzt— war sie aufgestellt und an die Hausmauer gelehnt. „Evangelische, Warte“ lobte 8 s Mütterchen erfreut,„jetzt „So stark wie du bistl⸗ danke ich dir aber!“ Das sollst gar nicht,“ störrisch zurück, aber die Augen rollen nicht mehr. ein scheues Suchen und Tasten darin. „Was soll ich nicht?“ fragt die Mutter unbefangen. kommts bubenmäßig rauh und Jetzt ist nur „He— dandksagen brauchst nicht.“ „So— warum nicht?“ „Weil— weil ich doch bös bin.“ „Hast denn nicht gern der Mutter geholfen?“ Statt aller Antwort nickte der Bub heftig mit dem Kopf und birgt sein Gesicht in Muttrs Schürze und bohrt sich fest an sie. Er schämt sich so sehr. So ein liebes Mutti, das einen so nötig hat und nicht ohne Friederlis Hilfe fertig werden kann — mit dem ist man nicht lieb gewesen! Ach, ach, wie muß man sich so schrecklich schämen! Aber die Mutter hilft auch über das Schämen hinweg. „Magst mit mir hinuntergehen zum Erdäpfelholen— weißt. der Kob ist nachher so schwer?“ fragte sie ganz wie sonst, und streichelte das bohrende Köpfchen und tut, als wärs recht eilig, und als könne man sich nicht so lang besinnen. Da geht er mit und hilft eifrig, die langen weißen Keime von den Kartoffeln entfernen und frägt auch schon dies und das, und Mutter er⸗ klärt es. And so reden sie lieb und vertraut mit einander, wie es sonst immer ist. Und von Trotz weiß der Friederli längst nichts mehr. Die Mutter hat ihn längst überwunden. Und sie weiß nun, daß es ein gar liebes Mittel gibt, so ein erzürntes Kind wieder lieb zu machen und ihm aus dem Stachelwerk des Trotzes herauszuhelfen. Man ruft seine Hilfe an. Man ist einmal selber schwach und hat so sehr das Kind nötig. Und man setzt das Zutrauen in das Kind, daß gewiß gern hilft. Ach, so ein großes liebes, Zutrauen, das ist ja wie die liebe Sonne, die das chmilzt! Und für solch ein Zutrauen ist ge— rade das trotzige Kind, das doch fühlt, daß es eigentlich keins verdient hat, so dankbar. Es kann nicht widerstehen. Und über dem Helfendürfen heilt unversehens das wunde Gemüt und das Seelchen regt wieder die Flügelein. Ueberhaupt, was sie nun wieder so viel Schönes weiß!— Erstens, daß sie selber von sich aus nichts weiß— ach, gar nichts! Aber das ist gerade schön! Da hat sie also das volle Recht, allen Rat und alles Wissen vom Heiland zu erbitten. Und wie er rät! „O du mein!“ denkt sie,„es soll mir nur einer sagen, was aus mir würde, wenn ich nicht diesen treuen, zuverlässigen Rat⸗ geber hätte.“— Laut aber sagt sie:„Komm, Friederli, wir gehen hinauf,“— und oben küßt und drückt sie ihn hurtig ein wenig, bevor die andern kommen.— B. R. * Zwei kleine aber lehrreiche Geschichtchen für Väter und Mütter. s erste soll beweisen, wie man's nicht machen soll. h fuhr einmal mit der Barmer Bergbahn zum Lichten⸗ platz. Auch eine Frau stieg ein mit ihren drei- bis vierjährigen Töchterchen. Kaum hatte sie in dem Sommerwagen Platz ge— nommen, so begann die Kleine: eee NIN VII NN,,, N Ich will Schokolade haben.“ ee. JJ I, eee Nr. 25 ——* 1 Die Mutter:„Du kriegst keine Schokolade.“ Das Kind:„Ich will Schokolade haben.“ Die Mutter:„Sei still, am Tölleturm kriegst du Schokolade“ Das Kind:„Ich will jetzt Schokolade haben.“ Die Mutter:„Du kriegst keine.“ Das Kind weinend:„Ich will Schokolade haben.“ Die Mutter schweigt, da sie alle Blicke der Mitfahrendeß auf sich gerichtt fühlt. Da trampelt die Kleine mit den Beinen und schreit:„It will Schokolade haben! Ich will Schokolade haben!“ Die Mutter weiß sich nicht mehr zu helfen. Gehorsan nimmt sie ein Täfelchen aus der Handtasche, reicht's dem Kind 10 und sagt erregt:„Da hast du was. Nun sei aber auch still!“ Nicht wahr, das Kind kannte seine Mutter genau un wußte, wie es seinen Willen bei ihr durchsetzen konnte. Dan Erziehung lag hier nicht in den Händen der Mutter, sondeys diese wurde von ihrem eigenen Kinde erzogen. Es konnte eine 1 wohl bange werden, wenn man an die Zukunft beider dachle Das zweite Geschichtchen trug sich zu in einem Hause, dere bei einer großen Kinderschar sich einer guten Zucht erfreute. 1 Ihr kennt alle die lehrreiche Geschichte des alten Eli, d— schwachen Vaters, der weder ja noch nein zur rechten Zeh— sagen konnte, und dem deshalb seine Kinder auf der Na herumtanzten und später unsägliches Leid bereiteten.— Eix Barmer Mutter erzählte die Geschichte ihren kleinen Kinden um ihnen recht deutlich zu machen, daß Gott ungehorsame Kiß der nicht leiden mag und ebensowenig schwache Eltern, die nich gute Zucht halten. Atemlos hatten die Kleinen zugehört. Abz— gleich am nächsten Tage geschah es doch, daß die fünfjähri 0 Marie einem Befehl der Mutter beharrlich trotzte. Da griß die vierjährige Schwester in der Mutter Schürze und rie „Mutter, hau sie! Sonst fällst du vom Stuhl und brichst de Hals!“— Nicht wahr? Die Kleine hatte die Geschite gut u standen und wußte die Nutzanwendung besser zu machen aß manche Mutter. In ihrem Falle war's nicht not; denn die ziehung lag in guten Händen, und aus allen Kindern sind nie nur tüchtige Menschen geworden- sondern auch Kinder, die ih f Eltern ehrten bis ins hohe Alter. Bücherecke.— Alte Geschichten. Erzählungen von Anna Schiebe Neuauflage, 16.—20. Tausend. Preis broschiert 4 1.—, ge A 1.20, Ganzleinen 4 1,60. Die bekannte Schriftstellerin bietet uns in diesen Exzüt lungen gemütvolle Geschichten mit treffender Beobachtung de Menschen, der Natur und des Lebens. Da auch ein angenehme gut christlicher Zug durch alle diese Erzählungen hindurchgeh können wir dieses schöne Buch gerne empfehlen. Auch wie das vorstehende Buch im Quell-Verlag in Stutz gart erschienen: Die Frauen der Evangelien, dargestellt de J. Haller, Dekan in Freudenstadt. Zweite Auflage. 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