elm. ung e in Hauptschriftleiter: Edwin Hamburger in Staden(Sberhessen). — Verantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger, 1 für den Unterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz. vangelische Warte Organ der Evangelischen Volksgemeinschaft Erscheint Sonnabends.— Bezugspreis 50 Pfennig monatlich. Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg., Abonnements⸗ und Anzeigen-Annahmestelle am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., D Albi f f vorschrifte e Verbindlichkeit. Bei Wiede e 0 Für Rücksendung ungewünschter Manustripte wird nicht garantiert. Fridser Ar 2875 f ee e e Nee eee 5 e eee 0 den 1 2 0 8 f— CTT 5 0 3. Jahrgang. Sonnabend, den 17. September 1927. Nummer 38 bn 1. 0 An unsert Mitglieder und Freunde 1 n unfere glieder und Freunde! 9 Wir laden hiermit ein zur EEC ach ay 7 7 3. Reithskagung der Evang. Volksgemeinschaft in Mainz 0 — Dr. jur. Moegenburg-Frankfurt a. M. Ueber diese Frage schreibt K. Möbius in seinem Blatt„Auf der Warte“ u. a.: Dem Reichstag lag ein Antrag vor, die Bäckerei— verordnung betr. des Achtstundentages aufzuheben und die Sonntagsarbeit wieder einzuführen. Es ist nicht gelungen, den Bäckern für ihre schwere und ungesunde Arbeit den Achtstundentag zu erhalten, dagegen fiel der Antrag auf Einführung der Sonntagsarbeit. Sehr lehrreich ist es, wie die Abstimmung vor sich ging, bei der kein Fraktionszwang ausgeübt wurde, sondern es füllen here bt jedem einzelnen Abgeordneten freigelassen war, nach lien, feiner persönlichen Einstellung und Ueberzeugung seine Stimme abzugeben. 209 Stimmen waren für die She Heilighaltung des Sonntags im Bäckergewerbe, 190 dello dagegen. Unter den 209, welche dafür eintraten, waren i. n. Zeitungsnachrichten zufolge nur 55 Abgeordnete der Büchl bürgerlichen Parteien, die übrigen 154 gehörten der aus da Linken an. Die Deutsche Volkspartei, die Partei der Unter— nehmer, hat geschlossen für die Aufhebung der Sonn⸗ tagsruhe gestimmt mit Ausnahme der beiden Abgeord— neten Thiel und Winnefeld. Thiel ist Vorstandsmit— id. A. glied des Gesamtverbandes deutscher Angestelltengewerk— Heile schaften, Winnefeld ist Bergmann. —— Von der Deutschnationalen Volkspartei haben 6 en von 111 Abgeordneten gegen die Aufhebung der Sonn— L tagsruhe gestimmt. Es sind die Abgeordneten Frau unf n 0 Behm, Hauptvorsitzende des Gewerkvereins der Heim— fung e arbeiterinnen, Behrens vom Zentralverband der Land— de arbeiter, Hartwig, Arbeitersekretär, Hülser, Gewerk— cchaftssekretär, Dr. Mumm und Sauer, Westfalen. Vom Zentrum haben 37 Abgeordnete, darunter alle äh Arbeitervertreter, gegen die Aufhebung der Sonntags— gbuchh* Unabhängigkeit. Philipper 4, 12 und 13. Ich kann niedrig sein und kann hoch sein; ich bin in allen Dingen und bei allen geschickt, beides, satt sein und hungern beides, übrig haben und Mangel leiden. Ich ver— mag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus. Gibt es denn das, eine Unabhängigkeit? Wir dürfen Men⸗ schen antreffen wo wir wollen und wen wir wollen, alle sind sie doch irgendwie abhängig. Ein König und Kaiser darf doch icht schalten und walten wie er will. Er ist abhängig von inen Ministern, ist abhängig von der Wohlhabenheit seines Landes. Ja auch von der Treue und Ergebenheit seiner Unter⸗ 5 ist er abhängig. Ein Minister wieder kann nicht Gesetze achen ohne die Zustimmung des Herrschers zu haben. In den odernen Staaten bedarf er noch der Gunst der erwählten Ab⸗ ordneten des Parlamentes. Und nun betrachten wir die Kette der Beamten, in der jeder abhängig ist von der ihm übergeord⸗ eten Größe. Das alles ist der Staatsapparat. Wie steht es ohl in den freien Berufen? Ist der Bauer abhängig? hr ufig wird ja davon gesprochen, daß er der unabhängigste Be⸗ tf sei. Er wohnt so schön in seinem Hofe. Dort kann er machen, was er will. Sein Feld kann er bestellen, wie er 2 05 Jährt er morgens früh zur Arbeit hinaus, wen geht es 997 hleibt er lange im Bett liegen, wen geht es etwas an? Und. 0 hoch weiß sich gerade dieser Beruf sehr abhängig. Er ist ja auch en Glied des Staates. Die Gesetze muß auch er befolgen. Da⸗ ift seine Arbeit ganz vom Wetter abhängig. Bei uns 1 1 rach dieses Jahr die Ernte sehr gut zu werden. Da kam 1 nd der Erntezeit das Regenwetter. Die Frucht war gewachsen und mußte so in die Scheunen hineingestohlen werden, wie 10 boltsausdruck es sagt. Der Arbeiter fühlt seine Abhängigkeit 8 itlich. Er ist abhängig von der Konjunktur seines Faches. bn seinen Vorarbeitern und Arbeitgebern. Auch der Kauf⸗ hen kennt keine Unabhängigkeit. Er muß sich richten nach Versass s Mah * 1 Web 1 an l 22.— 24. Oklober Mit evangelischem Gruß! Pfarrer Mosel-Rohrberg. Ein Beitrag zur Frage: Wen sollen wir wählen? ruhe gestimmt, 23 für die Aufhebung der Sonntagsruhe. Diese 23 sind: Allekotte, Oberpostinspektor; Beck, Oppeln, Landwirt; Bornefeld, Landwirt; Buchholz, Regierungs- direktor; Crone, Münzebrock, Landwirt; Damm, Land— wirt; Diez, Landwirt; Esser, Genossenschaftsleiter; v. Guerard, Oberregierungsrat; Herold, Landesökono— mierat; Hoffmann, Ludwigshafen, Oberlehrer; Klöckner, Großindustrieller; Frau Neuhaus, Vorsitzende des ka— tholischen Fürsorgevereins; Neumann Landrat; Neyses, Landwirt; Nientimp, Syndikus mittelständlerischer Verbände; Perlitius, Landwirt; Schetter, Landgerichts— direktor; Schulz, Gahmen, Gutsbesitzer; Sinn, Kauf— mann; Steiger, Oekonomierat; Wegmann, Ministerial— rat. Von den 23 Zentrumsabgeordneten, die für die Aufhebung der Sonntagsruhe gestimmt haben, sind also 12 Landwirte, 2 Mittelständler, 1 Großindustrieller und 6 Beamte. Von der Bayerischen Volkspartei haben 12 Abge— ordnete aus vorwiegend religiösen Gründen gegen die Aufhebung der Sonntagsruhe gestimmt, 6 jedoch dafür. Diese 6 sind: Gerauer, Bauer; Herbert, Bauer; Lang, Bauer; Loibl, Buchdruckereidirektor; Merk, Gutsbesitzer; Röder, Franken. Von diesen 6 sind also 4 Landwirte. Die Demokraten haben sich bei dieser Abstimmung vollständig gespalten, 7 Abgeordnete haben gegen die Aufhebung der Sonntagsruhe gestimmt, 9 unter Füh⸗ rung des Abgeordneten Bartschat, Mittelständler und Klempnerinnungsobermeister, dafür. Die obige Zusammenstellung läßt die Gesichts— punkte, welche für die Abstimmung maßgebend waren, unmißverständlich erkennen. Auf der einen Seite die Sorge um das Wohl der Arbeiterschaft und der christ⸗ liche Grundsatz der Sonntagsheiligung, auf der anderen dem Geschmack, bezw. der Mode seiner Käufer. So ist die ganze Menschheit abhängig. Diese Abhängigkeit werden wir wohl nie los werden. Sie ergibt sich aus unserem Zusammenleben mit anderen Menschen. Wir müssen uns einfügen in die menschliche Ordnung. Er⸗ schwert wird aber dieses Einfügen durch allerlei Ansprüche, die wir an das Leben stellen. Es gibt Leute, die nie mit dem zu— frieden sind, was sie haben. Ich habe einmal einen strebsamen Mann kennen gelernt, der es wirklich recht weit gebracht hatte. Aber er war nicht mit seiner Stellung zufrieden. Wenn er in der Stadt die schönen Autos fahren sah, dann meinte er, er müsse jetzt noch etwas werden, wo er mehr Geld verdienen und sich auch ein Auto halten könne. So ging das ständig wei— ter. Was er sah, das wollte er. Was er hatte, das gefiel ihm schon lange nicht mehr. Wie schwer haben manche Leute den Mangel der Kriegs- und Inflationszeit ertragen! Die meinen, alles sei nicht so schlimm, als eine eingeschränkte Ws weise Mangel an Essen und Trinken ist ihnen das aller lichste Schicksal, das ihnen begegnen kann. Solche Leute sise dann Knechte ihrer Wünsche, Gewohnheiten und Leidenschaften Kommen sie in eine ungewünschte und unvorhergesehene Lage, dann sind sie ratlos. Sie können mit der Veränderung gar nicht zurechtkommen. Nie gelingt es ihnen, sich hineinzufinden. Diese können sich in ihr Leben schwer oder gar nicht einfügen. Ueberall hemmt sie an der freien Gestaltung des Lebens eine unnötige Abhängigkeit von allerlei äußerlichen Dingen. Diese seufzen unter der Abhängigkeit, weil ihnen alles im Wege zu sein scheint. Trotz der durch unser Zusammenleben mit anderen Men— schen bedingten Abhängigkeit können wir doch unabhängige Menschen sein. Das kommt nur auf die Stellung an, die wir zu den Dingen des Lebens einnehmen. Paulus tritt uns als ein solcher wahrhaft unabhängiger Mann entgegen. Er macht sich nichts aus Ueberfluß und Mangel. Er fügt sich in die Lage hinein, in der er sich befindet. Wie schwer erscheint dies heute Diese Tagung muß eine gewaltige Kundgebung und starkes Bekenntnis zu unserer Bewegung werden. Es ist darum Ehrenpflicht für alle unsere Mitglieder und Freunde, an der Tagung teilzunehmen. Freiquartiere stehen in Mainz und Vororten zur Verfügung. Näheres später. Für den engeren Vorstand der Evangelischen Volksgemeinschaft: Reichsgeschäftsführer Weidner-Ober-Lais. Vom deutschen Parteielend. die Mißachtung der natürlichen Rechte des arbeitenden Volkes und die kapitalistische Selbstsucht. Von der Volkspartei als Partei der Unternehmer wollen wir nicht viel reden; vom Zentrum sind wenigstens ein Drit— tel für die Sonntagsheiligung eingetreten; geradezu niederschmetternd ist jedoch das Verhalten der Deutsch⸗ nationalen Volkspartei, von der nur 6 Abgeordnete, und zwar die christlichsozialen, sich auf ihre christlichen Programmgrundsätze stellten. Eine evangelische Partei ist die Deutschnationale Partei schon lange nicht mehr, seit ihrem Bündnis mit den Rechtskatholiken hat sie das „Evangelisch“ fallen lassen; nach dieser Abstimmung hat sie aber nicht mehr das Recht, sich eine christliche Partei zu nennen. Man komme uns nicht mehr mit dem christlichen Programm der Deutschnationalen Volkspartei, welches in den letzten Jahren bei entschei— denden Momenten nur zu oft versagte; auch das Be— ruhigungspulver vom Wählen des kleineren Uebels ver— sagt, denn das Uebel ist inzwischen zu einem recht gro— ßen ausgewachsen. Die Deutschnationale Volkspartei ist heute ein Ge— misch sich widerstrebender Kräfte, in welchem die kapi— talistischen das Uebergewicht haben. Die Großagrarier, denen auch letzten Grundes die Interessen des bäuer— lichen Kleinbesitzes gleichgültig sind, die Großindustriel⸗ len, welche seinerzeit den rechten Flügel der Deutschen Volkspartei bildeten, dazu kommen noch die Rechts— katholiken Rheinland-Westfalens, welche das Zentrums— lager der dortigen Sozialistenfreundlichkeit wegen ver— lassen haben. Diese Zerrissenheit macht es den Deutsch— nationalen weder möglich, aufrichtige soziale Politik zu treiben, noch die evangelischen Interessen wahrzuneh— men. In dem anfangs angeführten Fall hat man so⸗ für so viele. Sie meinen, in dürftige Verhältnisse könne man sich nicht hineinschicken. Aber gerade der Wohlhabende wird so leicht abhängig von seinem Besitz und ist darum unfrei. Frei ist ein Mann, wie der Apostel, der da haben kann, als hätte er nicht, der entbehren kann, ohne daß ihm etwas fehlt. Er meint nicht, daß ein men— schenwürdiges Dasein, ja das Lebensglück erst mit einem be— stimmten Einkommen anfange. Die Dinge dieser Welt sind für ihn solche Nebendinge, daß er davon sein Glück nicht abhängig sieht. Die Hauptsache ist ihm, daß er den Weg Jesu Christi geht. Um dieses willen kann er auf vieles gerne verzichten. Stark sein durch Jesus, das geht ihm vor alles. Diese Stärke zeigt gerade seine Kraft zur Verzichtleistung. In Jesu Namen nimmt er dankbar hin, was ihm beschert ist. Im nach spricht. Paul Flemming:„Es kann mir nichts geschehen, als was er ausersehen, und was mir selig ist. Ich nehm es, wie er's gibet, was ihm von mir beliebet, das hab ich willig auch erkiest.“ Wer so reden kann, st Herr geworden über die Dinge dieser Welt. Machen wir es nicht wie die vielen, die glauben von der Unterordnung loskommen zu können. Unterordnen muß sich jeder von uns. Freie Menschen wollen wir werden! Doch das können wir nur dadurch, daß wir innerlich uns frei machen von der Abhängigkeit gegenüber den Dingen dieser Welt. Das Ziel muß uns klar vor Augen schweben. Diesem großen Ziele alles Vergängliche unterordnen, das macht uns wahrhaft unabhängig. Was genannt mag werden Droben und auf Erden, Alles reicht nicht zu. Einer kann mir geben Freude, Ruh' und Leben, Eins ist not, nur du! Hab' ich dich nur wesentlich, So mag Leib und Seel' verschmachten, Will ich's doch nicht achten. Amen. Hr. Sonnabend, den 17. September 1927. Sonntagsheiligung fahren lassen und den egoistischen gar die elementarsten christlichen Forderungen der Unternehmungsstandpunkt unverhüllt zutage treten las⸗ sen. Mitten in diesem Widerstreit steht die kleine Gruppe der früheren christlichsozialen Partei, sie steht in einer Umgebung, in welche sie nicht hineingehört, und die mannhaften Vertreter christlich-sozialer Gedanken und christlicher Arbeiterinteressen um Liz. D. Mumm haben dort die wenig beneidenswerte Rolle, bei den Abstim⸗ mungen ihrer Partei sitzen zu bleiben, wenn die Partei⸗ mehrheit aufsteht, oder aufzustehen, wenn die andern sitzen bleiben. Es ist unserer Ueberzeugung nach eine Mesalliance, in welche sich die Christlichsozialen einge—⸗ lassen haben. Die unnatürliche Verbindung bedeutet im letzten Grunde einen großen Kräfteverschleiß, aus dem verzweifelt wenig Gutes herauskommt; wenn es darauf ankommt, stehen die Christlichsozialen bei der Entscheidung über die großen sozialen und christlichen Gesetze, so grotesk es auch scheinen mag, auf der Seite der Sozialdemokraten, dies zuletzt noch bei ber Abstim⸗ mung über das Gemeindebestimmungsrecht. Einen nicht geringen Schaden hat die christliche Arbeiterbe⸗ wegung davon, welche sich unstreitig weiter ausbreiten würde, wenn nicht diese unnatürliche Verbindung der christlichen Arbeiterführer mit den Deutschnationalen bestände; von diesen erwartet kaum ein Arbeiter, auch kein christlicher, nennenswerte Förderung der christlichen Gedanken in unserer volkswirtschaftlichen Gesetzgebung. Es wird aber nicht nur die weitere Ausbreitung der christlichen Arbeiterbewegung, die unsere aufrichtige Förderung verdient, gehindert, nein, es besteht auch die Gefahr, daß es unter der organisierten christlichen Ar⸗ beiterschaft selber zu Schwierigkeiten kommt und gewisse unzufriedene radikale Elemente die Oberhand bekom⸗ men. Man verlasse sich nicht auf alte Traditionen und feste Organisationen; nur zu leicht entgleiten unzufrie⸗ dene Massen den Führerhänden; das zeigte sich erschrek— kend deutlich in der Wiener Revolution der letzten Wochen. So wird der Ruf aufs neue Wach nach einer christ— lichen Partei, in welcher die Christen Heimatrecht haben. Die Bedenken gegen die Gründung einer solchen Partei wissen wir wohl zu würdigen, sie sind nicht leicht zu nehmen, auch durch die christlichen Kreise gehen die Be⸗ rufs⸗ und Standesgegensätze, welche sich in dieser christ— lichen Partei sicher ebenso aneinander reiben werden wie ehedem, es kann auch nicht in Frage kommen, daß alle möglichen Gemeinschafts⸗ oder Freikirchenrichtun⸗ gen erhoffen, daß jede ihr besonderes Parteisüpplein in der christlichen Partei kochen könne. In gewissen gro⸗ ßen, grundlegenden Fragen christlicher und sozialer Weltanschauung ließe sich aber wohl eine Einigungs⸗ linie finden und im übrigen verzichte man möglichst viel auf den unsittlichen Fraktionszwang mit seiner Gewis⸗ sens vergewaltigung. Ich bin einigermaßen erstaunt gewesen, wieviel Leute von Einfluß auch innerhalb der Gemeinschaftsbewegung mir ihrer Enttäuschung über die Haltung der Deutschnationalen Partei in dem letz⸗ ten Jahre Ausdruck gaben und strikte erklärten, nicht mehr zu wählen. Diese Bewegung um eine christliche Partei ist nicht mehr aufzuhalten. In den Freikirchen und in weiten kirchlichen Kreisen hat sich gerade in den letzten Jahren ein bemerkenswerter Umschwung voll⸗ zogen, man wird sich der Verantwortung der Christen in der Oeffentlichkeit für unser Volk mehr und mehr be⸗ wußt; eine erfreuliche Aktivität wird wach, herauszu⸗ kommen aus einer ungeistigen Selbstzufriedenheit und dem„Nurselig“tum. Man fühlt auch, daß es mit christ⸗ lichsozialen Referaten und Kundgebungen allein nicht getan ist, sondern der christliche Einfluß sich in den Par⸗ lamenten viel wirksamer durchsetzen müsse, sieht aber auch die Unzulänglichkeit ein, daß dies sporadisch durch christliche Vertreter der schon bestehenden Parteien wirk⸗ sam geschehen kann, denn diesen gewißlich oft sehr ehren⸗ werten Persönlichkeiten klebt eben, ob sie sich auch da⸗ gegen wehren möchten, Unrecht und Schuld ihrer Partei am Stecken. Dem Reichstag geht in diesem Herbst die Vorlage über das neue Reichsschulgesetz zu und harte Kämpfe um dieses Gesetz stehen uns bevor, Kämpfe, die. wer weiß es, bis zur Auflösung des Reichstages führen können. Dann steht über kurz oder lang die Wahlfrage wieder vor den Christen und legt sich als schwere Last auf die Herzen. Es geht schon jetzt die Parole durch die Reihen: Eine christliche Partei oder keine. Kommt es nicht zur Bildung einer schristlichen Partei, so ist mit dem Wahl⸗ streik weiter christlicher Kreise zu rechnen, welche nicht willens sind, den Weg steter Enttäuschung noch einmal zu gehen. Wir christlichen Wähler wollen gerne die Schmach Christi tragen, das ist unsere Aufgabe; aber wir wollen nicht weiter die Schmach der politischen Par⸗ teien tragen, welche das Christentum zum Gespött machen. Diese Last zu tragen, verlangen weder Gott noch Menschen. Es soll uns jeder Machtkitzel fern lie⸗ gen, alles Träumen von großem Einfluß und Gewicht, danach haben wir nicht zu fragen, wir möchten nur die Stimme Christi durch berufene Vertreter auch in unse— ren Parlamenten zu Gehör bringen, ob es den anderen paßt oder nicht, zu einem Zeugnis und Gericht über sie. Was daraus wird, das sei Gott überlassen, an dessen Segen es aber gewißlich nicht fehlen wird, wenn Er die treue und aufrichtige Gesinnung derer sieht, die als Christen ihrer besonderen Verantwortung für Wohl und Wehe unseres lieben deutschen Vaterlandes sich bewußt geworden sind. Adolf Stötker über Christentum und Politik. Die soziale Frage fragt nach den besten Formen der menschlichen Gesellschaft, um die größtmögliche Anzahl von Menschen in gute Verhältnisse zu bringen. Man kann das Unglück nicht aus der Welt schaffen; die Erde ist kein Eden mehr. Man kann die Sünde nicht aus dem Herzen schaffen; auch der Sozialismus vermag das nicht. „Evangelische Warte“ Aber man könnte, wenn man wollte, viel mehr glua⸗ liche und zufriedene Menschen auf Erden haben, wenn mehr Leute ihre Pflicht täten und ihren Nächsten lieb hätten, und gerade das Christentum hat alle Gedanken um die Politik gerecht und das soziale Leben richtig zu gestalten. Brief aus Gathjen. Infolge der Artikel über das Reichsschulgesetz mußten wir diesen Brief zurückstellen und bringen ihn heute verspätet zum Abdruck. D. Schriftltg. Anser Land ist wohl das einzige in Deutschland, in welchem die Wahlen zum Elternrat alljährlich statt⸗ finden. Da außerdem in unserem Lande der Schul⸗ terror immer noch am heftigsten tobt, so sind die Ergeb— nisse dieser jährlichen Wahlen für das ganze evangelische Deutschland von Interesse. Die diesjährigen Eltern⸗ ratswahlen fanden an den beiden Sonntagen 22. und 29. Mai statt. Bis jetzt liegen die Ergebnisse von 372 Schulen vor. Von den dort gewählten Elternräten ge— hören 2195 der christlichen Seite an, 1599 der weltlichen. Die christliche Mehrheit beträgt 596. Im Vorjahre 582. Sie ist also um 14 gestiegen. Wenn man die heftigen Anstrengungen bedenkt, welche gerade in diesem Jahr die weltliche Seite gemacht hat, um den Sieg auf ihre Seite zu bringen, so kann man sich über dieses Ergeb⸗ nis nur freuen. Es zeigt doch deutlich, daß die über⸗ wiegende Mehrheit der Elternschaft auch im roten Frei⸗ staat Sachsen nicht gewillt ist, die Schule den weltlichen Bestrebungen auszuliefern, sondern daß sie für die christliche Schule eintritt. Auch diesmal erlebten wir freilich wieder das betrübliche Bild, daß Teile der Leh⸗ rerschaft, an der da und dort sehr heftig auftretenden Agitation für die weltliche Schule teilnahmen. So hingen z. B. in Leipzig vor der Wahl an allen Plakat⸗ säulen Plakate des Leipziger Lehrervereins, in wel⸗ chem dieser ganz unverholen für die weltliche Schule eintrat und für sie Stimmung zu machen suchte. In den Volksschulen wurden Elternabende veranstaltet, in denen offen und versteckt für die weltliche Schule geworben wurde. Dazu kamen die von dem Lehrer⸗ verein und den weltlichen Elternräten veranstalteten „Unterhaltungsabende“ in größeren Gastwirtschaften, wo zwischen heiteren Rezitationen und turnerischen Darbietungen die Listen der weltlichen Schulen auch von Schulleitern den versammelten Eltern empfohlen wurden. In einem Lokal produzierte sich ein Lehrer als„Schnellmaler“, wobei er kirchliche Einrichtungen lächerlich machte. In Leipzig gelang es auch der welt⸗ lichen Seite auf Grund ihrer maßlosen Agitation, die Mehrheit der Elternratssitze zu erobern. Dagegen er⸗ rangen die christlichen Elternschaften in den meisten übrigen Orten, wo Elternratswahlen stattfanden, den Sieg. Aber das ist gewiß, nirgends in Deutschland sehnt man wohl das Reichsschulgesetz so sehr herbei, wie bei uns. Sachsen hat wieder einmal seine Regierungskrise gehabt. Schon im vorigen Jahre ergaben sich nach der Landtagswahl solche Schwierigkeiten bei der Regie⸗ rnugsbildung, daß sich die regierungslose Zeit über ein Vierteljahr hinauszog. Die Ursache dieser Schwierig keiten liegt hauptsächlich in dem Ausfall der Landtags⸗ wahlen 1926, wo die Zahl der gewählten bürgerlichen und sozialistischen Abgeordneten ziemlich gleich hoch ausfiel. Da bei der Regierungsbildung die Deutsch⸗ nationalen, obwohl sie die zahlenmäßig stärkste Partei im Landtag darstellen, nicht berücksichtigt wurden stellte sich bald die Notwendigkeit heraus, auch den Deutsch⸗ nationalen mindestens einen Sitz in der Regierung zu geben. Das dahingehende Versprechen eines sozialisti⸗ schen Ministerpräsidenten konnte allerdings erst sehr spät erfüllt werden. Die Regierung setzt sich jetzt zu⸗ sammen aus 7 Ministern, von denen die Altsozialisteng, nämlich den Ministerpräsidenten und den Arbeits⸗ und Wohlfahrtsminister, die Deutsche Volkspartei den Volksbildungsminister, die Deutsch-nationale Volks⸗ partei den Wirtschaftsminister, die Demokratische Par⸗ tei den Innenminister, die Wirtschaftspartei den Fi⸗ nanzminister stellen. Wichtig ist, daß die Persönlich⸗ keit des Volksbildungsministers, Dr. Kaiser, der Re— gierung erhalten geblieben ist. Man kann gespannt sein, wie sich das Zusammenarbeiten dieses buntfarbigen Ministeriums, in welchem Deutschnationale, Demokra⸗ ten und Sozialisten zu einer Arbeitsgemeinschaft ver⸗ bunden sind, gestalten wird. Viele große Taten wird man wohl da nicht erwarten dürfen. Das ist ja nun einmal das Verhängnis unseres Parlamentarismus, daß er durch die ewige Kompromißwirtschaft ein bestän⸗ diges Hemmnis bildet für wirklich durchgreifenden Ta⸗ ten im Interesse unseres Staates. Von großer Bedeutung für unsere sächsische Lan⸗ deslirche ist der Präsidentenwechsel im evangelisch⸗ lutherischen Landeskonsistorium. Er hat sich am 1. Juli vollzogen. In schlichter, eindrucksvoller Feier wurde der bisherige Präsident, der weit über Sachsen hinaus in hohem Ansehen stehende Jurist D. Dr. Böhme in Gegenwart des Landeskirchenausschusses, des ständigen Synodalausschusses, der Superindententen, Kirchen⸗ amtsräte, der Theologischen Fakultät Leipzig, der Kirch⸗ lichen Gerichte, der Beamten und Angestellten des Lan⸗ deskonsistoriums verabschiedet. Mit ihm scheidet ein Mann aus dem Dienste unserer Landeskirche, der sich die größten Verdienste um sie erworben hat. Es lag sowohl in seinem Amt, als auch in seinem ganzen We⸗ sen begründet, daß er in der breiteren Oeffentlichkeit unserer Kirche selten hervortrat. Ein einziges Mal allerdings wurde sein Name weithin genannt, als er zusammen mit unserem Landesbischoff D. Ihmels im Jahre 1923 durch einen Gewaltstreich des berüchtigten Ministeriums Zeigner seines Amtes enthoben wurde. Es wird Dr. Böhme unvergessen bleiben, mit welch vor⸗ nehmer Ruhe er diese für einen hohen Beamten doch überaus peinliche Maßnahme ertragen hat, mit welch selbstverständlicher Freudigkeit er dann sein Amt wie⸗ der aufnahm, als der Schiedsspruch des Reichsgerichtes dem Recht wieder zum Sieg verhalf. Damals waren die Blicke der ganzen evangelischen Welt, weit über Deutschlands Grenzen hinaus, auf ihn und unseren Landesbischof gerichtet. Präsident D. Dr. Böhme lag die außerordentlich schwierige Aufgabe ob, das Schiff der evangelischen Landeskirche durch die Wogen der Revolution und nachrevolutionären Zeit zu steuern und einer kirchenfeindlichen Regierung gegenüber die Rechte der Kirche zu verteidigen. Nicht minder groß war die andere Aufgabe, die er zu leisten hatte, nämlich die Kirche in die veränderten Verhältnisse hineinzuführen, welche durch die neue Kirchenverfassung geschaffen waren. Daß er das mit großem Geschick und seltener Sachtenntnis getan hat, müssen auch seine Feinde im kirchengegnerischen Lager ihm zugestehen. Obwohl Ju— rist, war er doch im Grunde seines Herzens ein tiefgläu— biger Christ, von warmer Liebe zu seiner evangelischen Kirche beseelt und auch auf theologischem Gebiet nicht unbewandert. Möge seinem Nachfolger, Oberbürger⸗ meister D. Dr. Se 72775 n, Wurzen, ein gleich ersprieß⸗ den Wirken zum Wohle unserer Landeskirche beschie⸗ en sein. Am 1. Juli starb ein hervorragender Führer un- serer Landeskirche, der Stadtsuperindentent D. Dr. Franz Költzsch in Dresden. desvereins des evangelischen Bundes, sowie des Haunt⸗ vereins der Gustav-Adolf⸗Stiftung, Mitarbeiter im Landeskonsistorium und Vizepräsident der Landessynode. Es wird nicht leicht sein, für ihn einen geeigneten Nach folger auf diesen wichtigen Posten in unserer Landes kirche zu finden. Pfr. Kircher, Coswig b. Dresden. Sozialdemokratie und Christentum. Immer deutlicher zeigt es sich, daß in der sozial⸗ demokratischen Partei die Frage der Stellung zur Reli⸗ gion eine große Rolle spielt und auf eine klare Beant⸗ wortung drängt. Der Satz des alten Parteiprogramms,. Auf der“ daß Religion Privatsache sei, ist überholt. einen Seite kommen die religiösen Sozialisten und wer⸗ den immer stärker und einflußreicher in der Partei, auf der anderen Seite erheben sich die Freidenker und ver⸗ langen, daß die Partei für Ablehnung und Bekämp⸗ fung der Religion eintrete. Vorläufig laviert man noch zwischen beiden Richtungen. Auf dem letzten Par⸗ teitag in Kiel hat der bekannte frühere Staatssekretär im Reichsinnenministerium, Schulz, zwar seiner Freude Ausdruck gegegeben über das Anwachsen der weltlichen Schulen in Preußen und erklärt, die Sozial⸗ demokratie müsse nach wie vor die Weltlichkeit des ge— samten öffentlichen Schul-, Erziehungs- und Forschungs⸗ wesens erstreben unter unbedingter Aufrechterhaltung der staatlichen Schulhoheit, wenn er aber dann weitet aussprach, die Erteilung des Religionsunterrichts sei für die Sozialdemokratie grundsätzlich keine öffentliche Angelegenheit, und wenn er hinzufügte, daß man auf Parteimitglieder, die ihre Kinder aus Gewissensgrün⸗ den nicht in die weltliche Schule schicken wollen, keinen Zwang ausüben dürfe, so darf man darin ein Entgegen— kommen gegenüber den zahlreichen Parteimitgliedern sehen, die noch an der Religion festhalten; man will sie nicht verärgern. Noch deutlicher hat sich Hermann Er war Vorsitzender des Lan⸗“ Müller geäußert:„Wir werden den Kampf um die Weltlichkeit der Schule nicht als Kulturkampf, Marke Bismarck, führen. Wir sind niemals Feinde der Reli gion gewesen und haben uns immer nur gegen den Miß brauch der Religion zu politischen Zwecken gewehrt Nur so können wir die Massen der christlichen Arbeitet gewinnen.“ Von freidenkerischer Seite werden diese Aeußerungen auch sofort als Stellungnahme für das Christentum aufgefaßt und in der„Welt am Abend“ in einem Artikel„Sie sind keine Feinde der Kirche!“ heftig abgetan, wobei noch besonders der Sozialdemo⸗ kratie vorgeworfen wird, daß sie die neue Sekte der religiösen Sozialisten dulde und päppele, die keine Sekte sei, sondern eine Krankheit und ins Gebiet der Psychia⸗ trie gehöre.— Man sieht, es wird um die Religion noch heftige Auseinandersetzungen geben. Ob jemals die gesamte Sozialdemokratie eine wenigstens tolerante Stellung zum Ehristentum einnehmen wird, ist nach dem Verhalten vieler sozialdemokratischer Zeitungen recht zweifelhaft. Man will den christlichen Arbeiter nicht vor den Kopf stoßen. Das allein erkläxt manche Rück⸗ sichtnahme. Wer darum als evangelischer Arbeiter seine Interessen vertreten sehen möchte und dabei sei— nen Glauben unbehelligt lassen will, der wendet sich der Evangelischen Volksgemeinschaft zu. Die Jesuiten auf Burg Normannstein zur Uebergabe aufgefordert. Ueber eine überaus interessante und bezeichnende Angelegenheit berichten die„Leipziger Neuesten Nach. richten“ vom 24. August 1927:„Oberhalb der Stadt Treffurt liegt im Werratal die guterhaltene Burgruine Normannstein; alljährlich ist sie das Ziel Tausender von Wanderern, die die alte freie Reichsstadt Mühl⸗ hausen, die Höhen des Hainichs und das romantische Werratal besuchen. Insbesondere für Treffurt, fast nicht weniger aber auch für Mühlhausen, ist der Nor⸗ mannstein daher in wirtschaftlicher Hinsicht von außer⸗ ordentlicher Bedeutung. Die Einwohnerschaft dieser beiden Städte hat deshalb ein erhebliches Interesse daran, daß den Fremden die Burg in allen Teilen zu⸗ gänglich ist. Nun mehren sich aber seit dem Jahre 1922 Alone einen nlesen, eiche. n Ei leibt, Aten a 0 Nutsch d di n zug Der ültige n ruf laheit, in Lit u abe gen ge Tan sch eden Lerstär weigni eam spro at in Außen N.— cprüng id un häng tber Man. erden um . „ ön a Lu Atteilt Ang fü . 1 Sonnabend, den 17. September 1927. — 2 u die Klagen darüber, daß die dem Gutsbesitzer Döri. it wie. 8 5 l 9 gehörende Burgruine von dem katholischen(unter jesui⸗ lischer Leitung stehenden) Jugendbund. land“ belegt und als„seine Burg“ bezeichnet wird. Von dem die Ferienkolonie der Neudeutschen führenden 1 ßater wird der Zutritt zu bestimmten Teilen der Burg mit der Begründung verweigert, daß er der Pächter, lag bezw. der Vertreter des Pächters sei und daher über bestimmte Räume das Hausrecht ausübe. Außerdem wurde in diesem Jahre der westliche Turm ohne Ge⸗ nehmigung des Landeskonservators und der Aussichts⸗ behörden zu einer Kapelle ausgebaut und von einem zischof geweiht. Und das alles, obwohl 1926 zwischen dem Treffurter Magistrat und dem Besitzer Döring eine Vereinbarung getroffen wurde, nach der die Burg ohne vorherige Kenntnis und Anhörung des Magistrats nicht zerverkauft oder verpachtet werden und die öffentliche Gast⸗ de im wirtschaft bestehen bleiben sollte. Da infolge dieser un⸗ Ju haltbaren Sachlage der Fremdenverkehr bereits seit läu⸗ einigen Jahren ständig abgenommen hat und aus ganz Mitteldeutschland ungezählte Klagen über die ein— eitige Belegung der Burg einlaufen, beschäftigte sich gel- bor wenigen Tagen das Treffurter Stadtparlament mit „der Angelegenheit und stimmte einmütig dem Beschluß des Treffurter Magistrats zu, auf dem Klageweg die Sicherung der Burg für die Allgemeinheit zu erreichen. In einer von Hunderten Treffurter Bürger, sowie zahl⸗ teichen Vertretern aus Mühlhausen, Eschwege und dem anzen Werratal besuchten öffentlichen Protestversamm⸗ lung wurde der Stadtverwaltung allseitig energische Unterstützung bei ihrem Vorgehen zugesagt und insbe⸗ ondere betont, daß die Angelegenheit keine konfessio⸗ nelle, sondern eine rein wirtschaftliche sei. Eine ein⸗ timmig angenommene Entschließung fordert Freigabe der Burg durch„Neudeutschland“ und Aufhebung der Fapelle. Man darf auf die weitere Entwicklung des Konfliktes gespannt sein.“ Auf der Warte. In Genf waren große Tage. Der Völkerbund tand vor schwersten Problemen. Vorläufig hat er sie durch tiefgründige Reden zu lösen gesucht. Der Vor⸗ ioß Hollands und Polens brachte Leben in die Dele⸗ gationen. Zweifellos bekam der Völkerbund von den lleinen Nationen eine moralische Ohrfeige, als sie nach⸗ wiesen, wie er schwierigen Problemen kurzerhand aus⸗ Belämp⸗ weiche. Die Redner der Großmächte suchten den schlech⸗ it man en Eindruck zu verwischen, aber was gesprochen ist, en Pat kleibt gesprochen. Die Hauptredner dieser Session gekketät waren Stresemann(Deutschland), Briand(Frankreich) feiner nd Chamberlain(England). Zugebilligt wurde sen der Deutschland ein Sitz in der Mandatskommission, wäh⸗ Scl end die brennenden Danziger Fragen verschleppt wur⸗ des ge den zugunsten des sich ins Fäustchen lachenden Polens. schungs Der englische Gewerkschaftskongreß beschloß mit über⸗ haltung wältigender Mehrheit den Abbruch der Beziehungen zu n weitet den russischen Kollegen. Immerhin stimmte eine Min⸗ ichs fe gerheit, Vertreter für ca. 600 000 Arbeiter, dagegen— fentliche. In Litauen wurde ein kommunistischer Putsch versucht, man auf der aber im Keime erstickt werden konnte.— In Bel⸗ regrül, gien geht unterdessen die Kriegsgreuelhetze weiter ja, l, keinen an scheint das Prinzip der sonntäglichen französischen ntgegen⸗ Reden direkt übernommen zu haben. Dient das zur 1 Berständigung unserer Nachbarn?— Das bedeutsamste 0 wil Ereignis im Reiche ist die Veröffentlichung der neuen 50 ul Beamtenbesoldungsregelung, die man vor zwei Jahren . di dersprochen hatte.— Der Parteivorstand des Zentrums Mal gat in Dortmund entschiedenes Vorgehen gegen die b Nell. seiter der Partei in der Schulgesetzfrage beschlos⸗ der gal sen.— Der hessische Landtag macht die sonderbarsten prünge. Hat er vor einigen Wochen in willkürlichster ud undemokratischster Weise das Wahlgesetz geändert, o hängt er nun eine neue Verfassungsänderung durch orverlegung des Wahltermins auf den 13. November aran. Ob sich seine Sünden nicht sehr stark rächen ir Reli⸗ Beant⸗ sramms, Auf der ind wer⸗ tei, auf ind ver⸗ Arbeite en dieß für daß Abend) ö N Verschiedenes. m Forschungsheim für Weltanschauungskunde in Wittenberg. Weltanschauungskunde in 3. Im Forschungsheim für D. E. K. er Lutherstadt Wittenberg findet, wie die u dteilt vom 28. September bis 1. Ottober ein Lehr⸗ 05 0 ang für Studienräte, besonders für Vertreter der Bio⸗ ite 0 ogie, statt. Interessenten erfahren auf Anfrage bei gabel em Forschungsheim Näheres. 6 7 1* dabei l 5 endet Mahnruf der Blinden.. 0 Der 2. Blindenwohlfahrtstag, der vom 2. bis J. August in Königsberg eee e die brei⸗ % este Oeffentlichkeit den dringenden Mahnrus z fte 5 Schafft en Blinden Gelegenheit zur Arbeit! Denn Arbeit ist für den Blinden nicht nur wie für den Sehen⸗ . en die Grundlage seiner wirtschaftlichen Existenz ie eiche ledeutet für ihn einen Lichtstrahl in ewiges 0 en at linden⸗Anstalten, ⸗Fürsorgeeinrichtungen und Se 155 ach hülfeorganisationen bilden den Blinden für die Berufs⸗ mug beit aus. Aufgabe der Oeffentlichkeit, insbesondere 110 aller öffentlichen und privaten Arbeitgeber ist es, da⸗ 10 M ür zu sorgen, daß diese Kräfte nicht brach liegen und wah derkümmern. 5 a Vielen Blinden kann auf diesem Wege geholfen furt e erden, aber nicht allen. Unter den wirtschafklichen 5 hältnissen der Gegenwart und der unübersehbaren unft ist eine große Zahl der Blinden selbst bei befter kruflicher Ausbildung und ehrlichem denen Sande, sich ihren Lebensbedarf auch bei beschei i Ansprüchen durch eigene Arbeit zu verdienen. 9 Jettbewerb mit der Industrie, die das von den Blin⸗ „Evangelische Warte“ Nr. 38. Wichnige Mitteilungen der Reithsgeschäßtsstellt. 5 Wie bereits bekannt ist, findet die 3. Reichstagung vom 22. bis 24. Oktober in Mainz statt. Wir er⸗ bitten Anmeldungen an Herrn C. Wolf in Mainz, Richard Wagnerstraße 3, insbesondere von den Teilneh⸗ mern, die ein Freiquartier wünschen. Anträge für die Reichstagung sind auf Grund des 8 9 unserer Satzungen spätestens einen Monat vor der Tagung(mit kurzer Begründung) bei uns einzureichen. nisation und jedes Einzelmitglied der EV. berechtigt. Zur Stellung von Anträgen ist jede Orga⸗ 5 Sowohl die Mainzer Reichstagung als auch unsere Werbearbeit für die hessische Landtagswahl kosten viel Geld. Es ist darum unbedingt nötig, daß die noch rückständigen Beiträge für 1927 sofort— spätestens am 20. September— auf unser Konto Nr. 593 bei der Bezirkssparkasse Nidda(Postscheckkonto 8907 Frank⸗ furt a. M.) überwiesen werden. Diese Mahnung gilt ganz besonders den Ortsgruppen, die für 1927 noch keine Beiträge eingesandt haben. ten unterstützen. Unsere Arbeit ist doch nur möglich, wenn uns unsere Mitglieder nach Kräf⸗ Weidner. den früher betriebene Handwerk völlig erdrückt hat, und im Wettbewerb mit dem stets vorhandenen Ueber- angebot an vollen Arbeitskräften können die meisten Blinden ohne eine dauernde wirtschaftliche Unter⸗ stützung nicht bestehen. Selbst Blinde, die in Arbeit stehen, können der öffentlichen Hilfe nicht immer ent⸗ raten, weil sie weit größere Aufwendungen als Sehende machen müssen, um dem Erwerb nachgehen zu können. Angesichts dieser Tatsache halten die auf dem Kon⸗ greß vertretenen Verbände und Vereinigungen der Blinden und der Blindenfürsorge die Einführung einer öffentlich-rechtlichen Blindenrente für unumgänglich notwendig zum Ausgleich der durch das Gebrechen be⸗ wirkten Verminderung der Erwerbsfähigkeit und der Vermehrung der Bedürfnisse. Hart ist es, nicht zu sehen, härter aber, deshalb noch schwere Not zu leiden. Im Namen der Volksgenossen, die wirtschaftlich und schicksalsmäßig am schwersten bedrückt und bedroht sind, richtet der Kongreß an die gesetzgebenden Körper⸗ schaften die Bitte, den von ihm beschlossenen Entwurf zu einem Blindenrentengesetz baldigst geltendes Recht werden zu lassen! * Zur Kirchenaustrittsbewegung. Auf der sächsischen Provinzialsynode hat sich schon im Jahre 1925 der hallische Theologe Professor D. Böt⸗ ger über die tieferen Ursachen des Kirchenaustritts da⸗ hin geäußert:„Es ist eine Täuschung, wenn die Aus⸗ trittsbewegung zu einer Sache der sozialistischen Partei geworden ist. In Wirklichkeit ist die Unkirchlichkeit in den höheren Ständen nicht geringer als in der Arbei⸗ terschaft. Sie ist— und das ist die Hauptsache— wie alle Bewegungen, die das Volk ergreifen, von oben her⸗ unter gekommen: die Entchristlichung des Volkes ist von den Kreisen der Bildung und des Besitzes ausgegangen. Das ist eine Tatsache, die geschichtlich nicht zu bestrei⸗ ten ist; sie wiederhalt sich in der Geschichte immer wie⸗ der; vor der großen französischen Revolution war es nicht anders als vor der deutschen Revolution; denn an⸗ gefangen hat die Zersetzung der Christlichkeit unseres Volkes lange vor dem Kriege in einer weit zurück⸗ liegenden Vergangenheit. Wir ernten jetzt nur, was wir früher gesät haben, die Schuld an den Zuständen im Volke tragen nicht die unteren Schichten des Volkes, sondern immer die, die zur Führung berufen sind.“ * Der Ruf nach dem Sonntag. Ein ernstes Wort über die Gefahr der fortschreiten⸗ den Sonntagsentweihung veröffentlichte kürzlich unter der Ueberschrift„Gebt uns unseren Sonntag wieder“ das Blatt der Turngemeinde Schwenningen. Es heißt dort u. a.:„Muß aber dieses deutsche Schicksal auch in die von der Natur gewollten Feierstunden und Feier⸗ tage übergreifen? Sicher nicht! Und doch haben wir auch die Stunden der Feiertage mit Arbeit, mit un⸗ nötiger und unsinniger Geschäftigkeit ausgefüllt. Im⸗ mer kleiner die Schar jener Denker, die sich sagen: Der Sonntag gilt meinem unsichtbaren Ich, meiner Seele. Er gilt dem Sichwiederfinden innerhalb der Familie. Was ist doch das für ein Feiertagsgetue! Stiftungs⸗ feste, Fahnenweihen, Massenversammlungen, Tagun⸗ gen, Treffen; auf dem Lande so schlimm wie in der Stadt. And all dies Geräusch ohne tiefen Inhalt, meist nur Wichtigtuerei und in der Folge Erbitterung, gegen⸗ seitige Streitsucht, Feindschaft, Entheiligung des Sonn⸗ tags. Die Sonntagsruhe ist gesetzlich eingeführt, das Volk hat ihr aber wieder den Inhalt genommen. Der Sonntag ist nicht der Endtag der Woche, an dem man die letzten Reste Kraft noch vollends verpufft; er ist der Anfangstag der kommenden Woche, an dem man sein Inneres in Ordnung zu bringen hat, damit die kom⸗ mende Woche gesegnet sei. Unsere Feste in Ehren, aber sie dürfen sich nicht häufen, sie dürfen nicht zu oft jene große Sonntagsausdehnung bekommen die sie zu einer Strapaze machen. Entlastet unsere Führer! Je ge⸗ räuschloser unsere Zusammenkünfte, desto näher kom⸗ men wir uns persönlich. Es kommt schon etwas Gutes heraus, wenn sich jeder bei der Gestaltung unserer Turngemeinde leiten läßt von dem Gedanken: Gebt uns unseren Sonntag wieder! * Für die Kleinrentner. Der Deutsch-Evangelische Frauenbund nahm auf seiner 15. Jahresversammlung folgende Entschließung zur Kleinrentnerfrage an: 5 5 „Der Deutsch-Evangelische Frauenbund begrüßt die durch die Entschließung der Regierungsparteien im Reichstag am 4. 4. ds. Is. eingeleiteten Maßnahmen zur Besserung der Verhältnisse der Kleinrentner. Als sehen werden. Die bisherige Wohlfahrtsversorgung der Kleinrentner genügt nicht und bringt vielfach eine schwere seelische Belastung mit sich. Bei gerechter Wür⸗ digung der früheren kulturellen, geistigen und wirt⸗ schaftlichen Bedeutung des Mittelstandes sowie in An⸗ betracht der durch ihn dem Staat gebrachten Opfer muß die Gewährung einer gesetzlich festgelegten Rente für die durch Krieg und Inflation um ihre Existenz ge— brachten Kleinrentner als Ziel anerkannt werden. Die Schaffung eines Rentnerversorgungsgesetzes wird daher vom Deutsch-Evangelischen Frauenbund gefordert und nachdrücklich erstrebt werden. Die Mitglieder des Deutsch-Evangelischen Frauenbundes sind sich aber be⸗ wußt, daß für sie auch weiterin eine ihrer dringendsten Aufgaben sein muß die direkte Hilfe für die durch die Finanzpolitik der Nachkriegszeit in schwere Not gerate⸗ nen Schichten unseres Volkes.“ Mischehenpraxis. Ein Pfarrer Hollaender an St. Apollinaris in Düsseldorf hat folgendes Schreiben versandt:: z Wie das hiesige Standesamt mir mitteilt, haben Sie sich dort zur Trauung angemeldet mit einem Nicht⸗ katholiken. Da Sie sich nun bisher bei mir zur kirch⸗ lichen Trauung noch nicht angemeldet haben, so mache ich Sie darauf aufmerksam, daß jede gemischte Ehe, die bloß standesamtlich geschlossen wird, in der katholischen Kirche für ungültig angesehen wird. Die Folge davon ist zunächst, daß sämtliche Kinder, die aus solcher Ehe hervorgehen, als illegitim dastehen. Sodann gilt der Katholik, der in solcher Ehe lebt, vor der Kirche als öffentlicher Sünder; darum verweigert ihm die Kirche die Sakramente, auch die Sterbesakramente, sowie das kirchliche Begräbnis, es sei denn, daß er später, viel⸗ leicht erst auf dem Kranken- oder Sterbebett, den Emp⸗ fang des Ehesakramentes nachholt und alles übrige Aergernis nach Kräften gut macht. Wird die gemischte Ehe außerdem noch in der protestantischen Kirche ge— schlossen, so ist sie nicht bloß ungültig, sondern der Katholik, der diesen Schritt tut, schließt sich damit selbst aus der katholischen Kirche aus. Abgesehen von den oben genannten Wirkungen, hätte das noch die Folge, daß er nur mit Gutheißung des Bischofs nach aufrich⸗ tiger Reue und Gutmachung allen Aergernisses in die katholische Kirche wieder aufgenommen werden könnte. Da ich annehme, daß Sie bisher über die Folgen Ihres Schrittes— falls es nämlich nicht zur Trauung in der katholischen Kirche kommt— nicht recht klar geworden sind, so gestatte ich mir, Ihnen diese Zeilen zu senden. Nun nehmen Sie Rat mit Ihrem Gewissen, und treffen die Entscheidung, die Sie einstens im Lichte der Sterbekerze wünschen getroffen zu haben. Mit freundlichem Gruß! gez. Hollaender, Pfarrer an St. Apollinaris, Spiegelbergstr. 6.“ Es ist eigenartig, daß gerade heute, wo man von römisch⸗katholischer Seite so oft Worte vom konfessio⸗ nellen Frieden und vom friedlichen Einvernehmen hört, sich immer wieder Fälle ereignen, die ein gutes Einver⸗ nehmen auf das äußerste gefährden. Aeußerungen, wie die hier wiedergegebenen, müssen als Ausdruck der Mißachtung gegenüber dem Protestantismus aufgefaßt werden. 2 Aus unserer Bewegung. Helpershain. Am Sonntag, den 4. September, fand hier eine öffentliche Versammlung der Evangelischen Volksgemein⸗ schaft statt, in der der Reichsgeschäftsführer Weidner⸗Ober⸗ Lais über Zweck und Ziel der neuen Bewegung sprach. In einer zweistündigen, sehr interessanten Ansprache führte er die Zuhörer in das Wesentliche der neuen Partei ein und führte kurz gefaßt etwa folgendes aus: Die seitherigen politischen Par⸗ teien haben versagt, sie haben ihren Wählern gegenüber nicht gehalten, was sie versprochen hatten. So hat zum Beispiel der Bauernbund dem kleinen Landwirt keine steuerlichen Erleich⸗ terungen gebracht und die Sozialdemokratie hat es bis heute noch nicht fertiggebracht, die gewaltige Macht des Großkapitals zu schmälern. Das Kapital saugt nach wie vor das arbeitende Volk aus und versteht es, sich von seien steuerlichen Verpflich⸗ tungen dem Staate gegenüber zu drücken. So ist es heute durch „geschickte“ Buchführung möglich, daß ein Großgrundbesitzer keine Einkommensteuer bezahlt, während man seinen Knechten und Mächten die zehnprozentige Lohnsteuer bis auf den letzten Pfen⸗ nig herausholt. Die Macht dieser Kreise zu brechen und auch sie endlich zur Steuer so heranzuziehen, wie es nach ihrem Be⸗ sitz und Einkommen für Recht befunden wird, ist eine der ersten Aufgaben der E. V. Eine zweite Macht soll durch die neue Partei gebrochen werden, nämlich die des Zentrums. Sie will den Zusammen⸗ Sonnabend, den 17. September 1927. schluß des evangelischen Volkes gegen die Macht und Herrsch⸗ gelüste des Ultramontanismus, der in der Zentrumspartei fest organisiert ist. Die jetzigen politischen Parteien sind, wenn sie zur Regierung gelangen wollen, auf das Zentrum angewiesen und darum müssen sie seine Forderungen bewilligen. Das evan⸗ gelische Volk soll sich endlich einmal besinnen, daß es auch evan⸗ gelisch ist und die Gefahr erkennen, die ihm von seiten des ultra⸗ montanen Katholizismus droht. Nicht Unterdrückung des katho⸗ lischen Volksteils wollen wir, sondern Gerechtigkeit und Gleich⸗ berechtigung für alle! Ulrichstein, 12. September. Die Evangelische Volksgemein— schaft hielt im Saal des Gastwirts Pfannstiel ihre erste Ver⸗ sammlung ab. Als Redner war Pfarrer Weidner erschie⸗ nen, der Reichsgeschäftsführer der neuen Partei. In klaren Ausführungen, die unbedingt überzeugen mußten, sprach er über die Gründe, die die Gründung der Evangelischen Volksgemein⸗ schaft in Deutschland, insbesondere in Hessen, nötig gemacht haben. Er beleuchtete die vielen Fälle in Hessen, die offenkun⸗ dig die Unterdrückung der evangelischen Interessen in Hessen be— weisen, und zeigte hierbei, wie keine Partei evangelische Belange „Evangelische Warte“ Nr. 38 vertrete, sodaß die Evangelische Volksgemeinschaft im neuen Landtag unbedingt notwendig sei. Nachdem er noch die großen Gefahren des drohenden Konkordats geschildert hatte, ging er auf die wirtschaftliche Not des schaffenden Volkes ein, die allen sozial Denkenden ans Herz gehen müsse. Nur auf der Grund⸗ lage einer wahrhaft evangelischen Gesinnung könne der sozialen Ungleichheit und der Ungerechtigkeit, die sich vornehmlich in der ungerechten Steuerverteilung zeige, gesteuert werden. Diese Aufgaben habe sich die evangelische Partei gestllt. Der starke Beifall, der der fast zweistündigen, bis zuletzt packenden Rede folgte, bewies den Erfolg der Ausführungen. In der Aus⸗ sprache ergriff Bergrat Schottler⸗Darmstadt das Wort, seine Darlegungen bezogen sich auf außenpolitische Fragen, die im Sinn der Evangelischen Volksgemeinschaft ihre Beantwortung durch Pfarrer Weidner erhielten. In Kürze wird eine Orts⸗ gruppe der Evangelischen Volksgemeinschaft gegründet. Frankfurt a. M. Die nächste Mitgliederversammlung der hiesigen Ortsgruppe findet anfangs Oktober statt. Näheres wird noch bekannt gegeben. Die für diesen Monat geplante öffent⸗ liche Versammlung fällt aus. Höchft a. M., 12. September. In einer öffentlichen sammlung, die von der Evangelischen Volksgemeinschaft ei rufen war, hielt Herr Lehrer Greb-Weisenau einen Vortig über den Reichsschulgesetzentwurf. Seine mehrstündigen, tie gründigen Ausführungen fanden den ungeteilten Beifall de Zuhöhrer, die mit bemerkenswert strenger Sachlichkeit mit dei vorliegenden Entwurf bekanntgemacht wurden. Herr Lehrer Greb legte vor allem den Zusammenhang des Entwurfes mit de Reichsverfassung dar und betonte die vorhandenen Wit sprüche, sowie die großen kulturellen Gefahren, die eine! nahme des Entwurfes im Gefolge haben müßte. Treffende antwortung fanden die Fragen, wie wir uns vom Standpunk der Evangelischen und— erweitert— der Deutschen Voll, meinschaft einzustellen haben. Bemerkenswert und erfreu war die gute Beteiligung der evangelischen Lehrer. Aus Munde eines ihrer markantesten Vertreter in Nassau, 5 Rektor Marx-⸗Nied, der als Diskussionsredner sprach verna man, wie weitgehend der Standpunkt dieses Berufskreises, de sen sachliches Urteil gewiß nicht ohne Bedeutung sein dürfte, mit der bekannten Stellungnahme der Evangelischen Volksge⸗ E. M. meinschaft übereinstimmt. JJ T( 9 ie Im Familienkreis 44 1 7 1 ic e EPEPDADDDo»rr»rrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrrr e reed T e N Werberuf. Heißes Sehnen dringt im deutschen Lande Durch die evangel'sche Christenheit, Um zu schließen innig feste Bande In dieser so verworrenen Zeit! Vom Hessenland erging der Ruf Zu unser aller Nutz und Frommen; Wo man die Volksgemeinschaft schuf, In die doch alle mußten kommen. Ein starkes Bollwerk muß sie werden, Das unsere Lehre kräftig stützt; O helfet mit, daß sich bald Herden Sammeln, die Zeit nicht bleibet ungenützt. Wir müssen fest sein bis ins Mark Mit echtem Luther-Wartburggeist, Ist dies der Fall, so sind wir stark, Und keine Macht uns je zerreißt! Lieb' und Vertrauen muß uns binden, Die Herzen müssen offen stehn, So werden sicher wir die Wege finden Um schwere Geisteskämpfe zu bestehn! Als Vorbild diene uns die Ahnzeit, Sie war trutzig und auch glaubensstark. In Kauf nahm man das schwerste Leid Und hielt die Treue bis ins Mark! Drum weg mit allem Wankelmut, Wir zeigen unsere Stirne offen, Denn wir verteidigen ein köstlich gut, Das uns den Himmel läßt erhoffen! * K. Scheel. Die große Erweckungsbewegung auf dem Gebiete der Elfenbeinküste und in Liberia. Das Werkzeug der Bewegung der Negexevangelist Harries. Der Gott der Wunder an den Menschenseelen, der Heiland aller Menschen läßt Sein Werk nicht stille liegen. Er erweckt sich Männer, die den Dienst der größten Liebe tun, Menschenseelen zu gewinnen für Herrn Jesus. Ein Diener Seiner Brüder zu werden, dazu läßt Er Seine Werkzeuge zurüsten, wo und wie er immer will. Jetzt, nachdem es möglich war, wieder Missionare nach Afrika zu entsenden, kommen die Nachrichten von einer ge— waltigen Erweckungsbewegung, die an der Elfenbeinküste vom Freistaat Liberia aus gerade während des Weltkxieges sich aus⸗ gewirkt hat, mit Beginn des Weltkrieges 1914 begann und ohne jede europäische Missionshilfe sich in einem Maße ausbreitete, daß wir nur das Wunder bestaunen können, das Gott hier ge- FFC 2 N 9 — 8 8 —— 2 vorm. Wilh. Keller ä tan hat, und nun die Frucht schauen, die der Dienst eines be— freiten Negers, eines ohne Gold und Silber, aber mit dem hei— ligen Blute Christi losgekauften Dieners Jesu gebracht hat. Wie einst C. G. Finney, dessen„Erinnerungen und Reden“ wohl vie⸗ len unter uns bekannt sind, vor etwa 70 Jahren im Staate New Vork und in England das Werkzeug einer wunderbaren Er⸗ weckung wurde, die an die Hunderttausende ergriff, so wurde der Neger Harries, ein Bürger des Negerfreistaates Liberia, das Werkzeug solcher göttlichen Gnade. Der Hauptort ist Binger— ville; der östliche Streifen grenzt an die englische Goldküste an. In diesen Gebieten nun hat es Gott wohlgefallen, die frohe. Botschaft durch den begnadigten Prediger Harries so wirkungs⸗ voll verkünden zu lassen, daß sich eine der größten Erweckungs⸗ bewegungen anbahnte, die unsere Gegenwart kennt. Von 1914 bis 1924 arbeitete Harries ganz allein, jetzt sind 150 neue Ge⸗ meinden vorhanden. Vier Missionare, 35 Evangelisten organi— sieren die Erweckten und bedienen die 150 Gemeinden, 100 junge Männer sind in einer Evangelistenschule vereint, in Dabu, sich ausbilden zu lassen zum Evangelistendienst, denn das Werk der Erweckung liegt nicht still, es wächst und wird vertieft. Lese⸗ bücher sind gedruckt, ebenso der Katechismus, ein Liederbuch mit Erweckungsliedern und Erbauungsliedern ist verbreitet, das Markusevangelium ist in drei Dialekten erschienen und wird in Massen ausgegeben, die Bibeln in der Hauptsprache werden fast als. Heiligtum gewertet. 30 000 Neubekehrte haben sich den 150 Gemeinden angeschlossen, immer noch kommen Neuerweckte in Scharen, die sich zur Aufnahme melden. Harries war gebürtig von der Elfenbeinküste. Er ging zum Negerfreistaat über, kam mit dem Christentum und der Mission in Berührung, die gläubigen freien Sklaven dienten dem Hei— lande in Treue und Liebe. Er wurde erfaßt, erbat sich Sünden⸗ vergebung vom Herrn, kam zu einer gründlichen Bekehrung und ließ sich dann in eine wesleyanische Gemeinde aufnehmen. Bald bekannte er unerschrocken, daß Jesus der Christus sei. Es trieb ihn dann in sein Geburtsland zurück, zur Elfenbeinküste, und hier begann der Mann als Evangelist durch das Land zu zie— hen und in der Kraft des Heiligen Geistes zu predigen.„Ihr sollt keine anderen Götter neben mir haben!“, diese Gesetzes— predigt wurde mit Feuereifer von ihm seinen Landsleuten zu⸗ gerufen, und dann kam der erweckende Hinweis zu Christus und die Friedensbotschaft vom Blut des Lammes. Er fand zunächst wenig Eingang, wie einst die Apostel auf Cypern, statt dessen viel Widerstand. Er wurde sogar des Landes verwiesen, da auch die wenigen Beamten Frankreichs dort Erregungen fürchteten, denn eben war auf dem Kontinent der Weltkrieg 1914 ausge⸗ brochen. Die Zeit der Verfolgungen und Leiden für ihn und die kleine Zahl seiner Anhänger brachten aber seinem Wesen eine Läuterung und ernste Vertiefung, eine Abhängigkeit vom Herrn, wie nie zuvor. Der Beweis für die Echtheit seines Glau⸗ bens wurde erbracht und wurde bekannt und anerkannt. Jetzt setzte seine fruchtbare Tätigkeit ein, zu der sich der Herr in unbeschreiblicher Wunderbarkeit bekannte. Bußpredigten aus seiner Seele wurden zu heiligsten Befehlen. Seine Zuhörer zerstörten ihre Fetische und Götzenbilder, kamen zur Bekehrung, suchten heilsbegierig Belehrung und nahmen das Wort von der; Gnade an. Das alles auf Liberias Boden, da er ja noch nicht wieder zur Elfenbeinküste zurück konnte. Aber es kam anders Die Bibel, die nun in Liberia verbreitet wurde, wie nie zuvor, verwandelte das Land, weil sie die Herzen verwandelte und die Sitten. Die Macht seiner Predigt verhalf ihm zum neuen Ein gang ins Land der Elfenbeinküste. Sein Ruf breitete sich mit unglaublicher Schnelligkeit dort aus. Der merkwürdige Mann bekam von Gott eine Beglaubigung seiner Wirksamkeit, daß die Leute zu Hunderten und Tausenden zu seiner Predigt herbei eilten, um ihn zu hören. Viele davon mußten länger als zwei Tage unterwegs sein, um zu Fuß, mit der einzigen Bahn ode mit den Booten auf dem Strome zu ihm zu kommen. Auch hi der gleiche Erfolg. Die Fessische und Götzen wurden verbrannt oder abgeliefert und vergraben, der Zaubereidienst vernichtet, Die Herrschaft der finsteren heidnischen Vergangenheit erlitt in kurzer Zeit einen fast vollkommenen Niederbruch. Tausende wurden getauft, Zehntausende in den Dörfern und den vielen großen Lagunen bekannten sich zum Christentum, wenn auch viele, weil noch zu wenig belehrt, nur dem Namen nach Christen, wurden. Bei ihnen muß die Belehrung noch folgen, wie das jetzt angebahnt ist. Es war ja unmöglich, daß Harries dies alles in der Tiefe allein tun konnte. Ein römischer Priester sagt darüber: Jahren ausgerichtet hat und ausrichten konnte, das schenkte Gott durch diesen Mann in drei Monaten!“ * Der Ruf nach deutschen Missionaren. Der Rückkehr der Hermannsburger Missionare nach Indien stehen noch großen Schwierigkeiten entgegen, aber die indischen Gemeinden dieser Mission bleiben ihrer alten„Mutter“ tre Sie haben eine Bittschrift an den Bischof von Madras gerichtet, in der sie um Rückkehr ihrer alten„Väter“ bitten. Einwände die sie an die jetzige Armut der deutschen Mission erinnerten, wiesen sie mit den Worten zurück:„Solange unsere Mutter Milch in ihrer Brust hatte, gab sie ihrem Kinde, solange unsere, Väter Geld hatten, gaben sie es. Wenn sie jetzt kein Geld haben, so ist es unsere Pflicht, sie zu ernähren. Wir sehnen uns mehr nach ihrer väterlichen Anwesenheit als nach ihrem Geld. Wenn wir auch 10 000 Zuchtmeister hätten, so haben wir do nicht viele Väter. Die Deutschen haben uns das Leben gegebeß in Christo Jesu durchs Evangelium!“ PP sind jederzeit vorrätig in der — Sämtliche Formulare für Pfarrämter, Bürgermeistereien, Standesämter, Ortsgerichte, Schulen eit. Formular⸗Großhandlung Albin Ulein, Gießen Südanlage 21.- Fernspr. 132 gegründet 1785 Ueber die technische Ausführung der in meiner Druckerei gedruckten und besonders gut eingebundenen Tauf-, Nonfirmations-, Trau⸗ und Sterbe⸗Register sind ungewollt mir mehrere Danhschreiben von Pfarrämtern zugegangen. Die Herren Pfarrer bitte ich, meine Formularhandlung, die mehr als 1000 verschiedene Formulare für alle Behörden, Vereine, Anstalten etc. umfaßt, auch den Herren RNirchenrechnern und anderen Organisationsmännern zu empfehlen. NN NANA 8 „Was ein Heer von Missionaren nicht in Hunderte Nes De 5 sangel sonde tig freut, liche uch il dien A0 en! . d uld D hulat 1. 37 ren. e E 5 Ke 1 Ri 2 fo f 5 Re weit sultan ch aut d in baft, i In der iger Fulges ganz eiche achrich lach di N kule i. genor e En uch S n D undest saube nden saadesc kennt Dei Hbteit die es d seußef Ren L Eng vo ee get