— 58 N den Spange arte Organ der Evangelischen Volksgemeinschaft t in Hauptschriftleiter: Edwin Hamburger in Staden(Oberhessen). dul Verantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger, be für den Anterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz. 3 8 3. dahrgang. Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. Erscheint Sonnabends.ẽ— Bezugspreis 50 Pfennig monatlich. Abonnements⸗ und Anzeigen⸗Annahmestelle Druck und Verlag Albin Klein, Gießen, Südanlage 21 Fernspr.: Nr. 1145 u. 1362 Postscheckk.: Nr. 44 332 Frkft./ M. Sonnabend, den 16. Juli 1927. Anzeigenpreise: die 30 mm breite Kleingeile auswärts 24 Pfg., am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen Vergünstigung. Nummer 20 g in.— Di— ——— E 2———— F—— 1—— 1— 2 vangelische Volksgemeinschait E—— ö—— ist der— 0 2— 0 E 2 2 2— 1 De 232— 2 Olitische Zusammenschluß bin— —— der Evangelischen Deutschlands zur Wahrung der evangelischen Interessen im—— — deutschen Reichstag und in den Parlamenten der Länder und der Kommunen.—— 2——— 11—— 0 0 r 1 ö— r 7—— ang,—— 9 0— ab.—— 2 2 2 2— % 2 Evangelische jeden Standes! In den Reihen der E. ist Euer Platz: Dr n 2 22 22 2 E 90 e Tretet der Eu. bei. Werbt überall für die EV. 5 D 22— 66 2 SS Lest u. fördert die„Evang. Warte“, das Organ der Ev. che——— 29—— 11 Näheres durch die Reichsgeschäftsstelle der Evangelischen Nan ene in Ober-Lais(Oberhessen) enn Die Arbeiterfrage in der evangelischen Volksgemeinschaft. fan Eine der schwerwiegendsten Fragen für die Gender soziale Oberbau des Evangeliums rechtzeitig gekom⸗ ternehmer, war der Vorteil des Marxismus. Er ver⸗ het“ samtheit unseres Volkes ist die Arbeiterfrage, die schon] men, so wie er heute immer mehr in die Erscheinung[drängte den Glauben an das Evangelium und gab da— ku in verschiedener Beziehung die deutsche Geschichte be⸗ tritt, niemals hätte sich die Lehre von Karl Marx in für den Glauben an ein besseres Diesseits. un einflußte, und ihre Unterschätzung auf evangelischer[Deutschland so ausbreiten können. Ist das nicht eine Das ist das Grundproblem der Arbeiterfrage, ihre Seite im vorigen Jahrhundert trug mit bei, daß der — Marxismus zur beherrschenden Macht in der Arbeiter— ine, schaft wurde. Wohl versuchte Hofprediger Dr. Adolf Ver Stoecker mit seiner„Christlich⸗sozialen Partei“ der ein roten Flut einen Damm entgegenzustellen: aber eines⸗ teils fanden seine ehrlichen? Bemühungen nicht den not— wendigen Widerhall in der evangelischen Geistlichkeit, —andernteils beschäftigte er sich selbst mit politischen Fragen, die nicht zur Arbeiterfrage gehörten, und drit— tens war durch das Sozialistengesetz der Marxismus „u einem Märtyrer geworden, der in dieser Eigenschaft noch mehr Macht gewann, als je zuvor. Auch alle an— N deren Versuche, den Marxismus zurückzudrängen, ver— sagten, weil sie nicht auf den Kern der Sache gingen. „während der Jahre nach der Revolution hat klar ge— zeigt, daß der Marxismus nicht mit politischen Mitteln aus der Welt zu schaffen ist. Bei diesem Problem ist viel tiefer zu graben, als es die politischen Marxisten⸗ — gegner tun, die nur das Wirtschaftssystem bekämpfen, ö dagegen den Marxismus als Weltanschauung außer Acht lassen. Diese marxistische Weltanschauung aber ist die Macht in der Arbeiterschaft; sie bildet gewisser⸗ maßen ihre Religion, für die sie kämpfen und leiden. Daß die Gefahr des Marxismus in religiöser Beziehung im vorigen Jahrhundert auf evangelischer Seite nicht Lichter in der Welt. Lies: Matth. 5,1416. Wenige Sonnentage hat uns bis jetzt der Sommer beschert. die Welt ohne Sonne ist düster und traurig. Alles Lebendige hungert nach Sonne; sie ist die Mutter alles Lebendigen. Am guälendsten ist es, wenn die Sonne in der Morgenfrühe ihren Schein verliert, ohne daß Wolken ihr Sonnenstrahlenangesicht bverhüllen, wie es jüngst geschah. Der fahle Schein beklemmt und bedrückt ärger als die lichtlose Finsternis der Nacht. 5 Sonnenfinsternis über der Welt. In der Welt ist's dunkel. dunkel über unserem Volke, dem man das Licht der Freiheit und Selbständigkeit mißgönnt. Dunkel über den Einzelnen: wirtschaftliche Nöte, maßlos verschärft durch Ungerechtigkeit und Unbarmherzigkeit, Lieblosigkeit, Selbstsucht. Mehr noch, heraus⸗ Die aus der inneren Not geborenen iußeren Nöte erzeugen neue innere Not: Bitterkeit, Verbissen⸗ beit, Müdigkeit, Verzagtheit, Verdrossenheit. Wenn auch einmal alle äußeren Nöte überwunden wären, die Finsternis wäre nicht gewichen— die innere Finsternis— es wäre immer noch Son⸗ nenfinsternis——— Ihr seid das Licht der Welt! so bestimmt Jesus den Beruf einer Jünger. Ein erstaunlicher Auftrag für eine Handvoll Nenschen gegenüber einer ganzen Welt. Wie sollen die paar 4 4 geboren aus der Sünde. Fessus sagt gar nicht, daß sie es sollen. Er stellt fest, daß sie es tun. ö Licht sein! Der Welt vom Licht zu sagen, hat keinen Sinn. Ales Reden um Christus und das Christentum hat wenig Zweck; mit daß man sich mit Widerstrebenden und Gegnern über Je⸗ us„auseinandersetzt“, wird niemand für ihn gewonnen. Re⸗ hmiöse Diskussionsabende sind etwas sehr„Interessantes“— aber sie überzeugen keinen Gegner. Die Erfahrung in der Vergangenheit uno besonders Erügend erkannt wurde, hat 5 wer gerächt. Wire tausend Nenschen in die unerhörte innere Finsternis Licht bringen?— Ein Licht weist sich nicht furchtbare Tragik in der deutschen Geschichte, daß das ehemals stärkste Land der Reformation später das stärkste Land des Marxismus wurde und 1918 die Re— formationsgegner und die Marxisten zusammenhalfen, uns wehrlos und rechtlos zu machen? Würden wir nicht der lebendigen Hoffnung sein, daß es noch einen Aufstieg für das deutsche Volk gibt, daß noch die Zeit kommen wird, wo wir wieder ein freies Volk sind, dann müßten wir wahrlich verzagen. Aber nein, nicht ver— zagen, nicht mutlos werden, mit eiserner Energie für die Rettung unseres Volkes aus seiner inneren und äußeren Not arbeiten, das ist die Parole der Evangeli— schen Volksgemeinschaft! So sehen wir in der Arbeiterfrage in erster Linie eine religiöse Frage. Der Industrialismus mit seiner Mechanisierung der Arbeit wirkte verheerend auf das Seelenleben der Arbeiter. Zeit zum Besuch der kirch— lichen Veranstaltungen war damals, als noch die Sonn— tagsarbeit geduldet wurde, wenig vorhanden. Wo sie vorhanden war, fehlte es an der Lust bei den Arbeitern, in die Kirche zu gehen; denn der müde und abgearbei— tete Leib wollte Ruhe haben. Da hätten die Pfarrer zu den Arbeitern gehen müssen, sich ihrer inneren und äußeren Nöte annehmend und sie dadurch zu erhalten für die Einwirkung des Evangeliums. Die Außeracht— lassung dieser Seelsorge unter den Arbeitern, verbun— den mit ihrer schrankenlosen Ausbeutung durch die Un— durch die Behauptung aus, daß es ein Licht sei— sondern nur dadurch, daß es leuchtet. Wer das Licht sieht, kann es nicht mehr leugnen. Das Leben der Jünger, ihr Tun, ihr Handeln muß als Licht leuchten. Eine einzige Tat christlicher Charakterstärke, eine einzige Tat christlicher Lebe tut mehr für die Vertreibung der Finsternis aus der Welt als eine ganze Bibliothek der hervorra— gendsten christlichen Bücher, als eine ganze Reihe der schönsten und gehaltvollsten Predigten. Wenn jemand behauptet, das Licht zu kennen und zu haben, und steckt selbst in der inneren Finster⸗ nis, der bringt der Welt die Meinung bei, das Christentum sei in der Tat eine elende und dumme Heuchelei. Wo die Taten nicht den christlichen Worten entsprechen, kann kein Licht aus— strahlen; da wird die Sache des Lichtes Jesu schwer gehemmt. Lebendige Christenmenschen aber leuchten. Sie können nicht an— ders. Die Freude an der Güte und Liebe des himmlischen Vaters läßt sie freudig dem Willen des Vaters folgen. Ihr Licht leuchtet echt und stark. Licht kann man nicht verbergen. Seine Strahlen dringen durch alle Ritzen hindurch. So wenig wie sich die Stadt auf dem Berge verbergen kann. Christen können sich nicht verbergen. Die Welt tut ja so, als ob sie die Christen nicht beachte; sie tut so, als ob sie geflissentlich über sie hinwegsähe. In Wirk— lichkeit schaut sie mit tausend Augen auf sie und beobachtet sie unendlich scharf. Ja, viele schauen mit brennenden Augen auf die Christen, ob bei ihnen wirklich Licht zu finden sei. Welche Verantwortung tragen deshalb alle, die den Christennamen tra— gen, vor allem die, die einer ausgesprochen christlich-evangelischen Vereinigung angehören! Diese Verantwortung können wir gar nicht ernst genug nehmen! Licht will sich nicht verbergen. Licht wird hochgestellt, damit es leuchte bis in den dunkelsten Winkel hinein. Christen müssen überall in der Welt sein. Kein Gebiet darf es geben, dem sie sich entziehen. Auch Politik und Wirtschaft, im Großen und im seelische Seite, von der aus sie angepackt werden muß. Nicht Programme können die Arbeiter für uns gewin⸗ nen und wenn sie noch so schön lauten, sondern Taten müssen wir üben, Taten wahrhafter Liebe. Ich meine damit weniger eine charitative Tätigkeit, als vielmehr die Liebe, die von Herz zu Herz geht, im evangelischen Arbeiter den Glaubensbruder sieht, ihn demgemäß achtet und behandelt. Lassen wir doch dem Arbeiter seine Seele wieder finden; geben wir ihm das, was ihm gebührt und dann wird auch das Evangelium wieder bei ihm zur Herrschaft kommen. Die evangelischen Pfarrer und sonstigen Intelektuellen, die evangelischen Unternehmer und Mittelständler haben da eine große Pflicht vor sich. Stets schaut der kleine Mann nach den anderen Ständen, was die ihm vorleben, und darnach handelt er. Der Materialismus kam von den oberen Ständen herab in den Arbeiterstand. So muß jetzt in der Evangelischen Volksgemeinschaft von diesen Stän⸗ den aus die Arbeiterschaft heraufgezogen werden in die Höhen eines glücklichen Menschentums. Scheinbar steht der Marxismus als Glaube uner— schütterlich da. Wer aber tiefer schaut, merkt, wie durch große Teile der Arbeiterschaft ein großes Sehnen nach dem Göttlichen geht. Als Beweis dient das Anwachsen des„Bundes religiöser Sozialisten.“ Auf die Dauer läßt sich das Ewige nicht vom Zeitlichen niederhalten, und der N weiß, 5 mit dem Tode noch nicht Neiße, müssen von 1 Christen durchstrahlt werden denn sie sind mit schwerster Finsternis belastet und können nur von innen heraus erleuchtet werden. Aber nur wahre, lebendige Christen können leuchten mit ihrer Gerechtigkeit und Liebe. Tun sie es, so werden die Menschen aufmerksam, sehen ihr reines, gutes Leben, gewinnen Sehnsucht nach gleichem Le— ben, werden so hingeführt zu dem Quell, dem das lichte Chri— stenleben entspringt: zu dem lebendigen Heiland. Licht verzehrt sich, indem es leuchtet. Leuchtend stirbt es, sterbend leuchtet es. Jesus nennt sich das Licht der Welt. Er opfert sich hin. Licht sein, heißt: sich aufopfern. Wer sich selbst sucht, sich auf alle Weise zu schonen trachtet, der kann nicht Licht, sein. Der ist Finsternis und schafft Finsternis. Wer soll denn Opfersinn haben, wenn nicht die, die den Namen Christi tragen?! Mehr Licht! Unser Licht brennt trübe, schwelt. Ist es gar ganz ausgebrannt? An ausgebranntem Licht kann sich kein an— deres entzünden, es kann nicht leuchten. Unser Licht ist schwach, es flackert; das falsche Licht der Welt mengt sich allzusehr dar— ein. Wie kann unser inneres Licht stark und gell, rein und freu⸗ dig werden? Alles Erdenlicht kommt letzten Endes von der Sonne. Alles innere Licht kann nur kommen von der einen himmlischen Sonne, von Jesus Christus. Was nicht Licht von ihm hat, kann nicht von innen heraus leuchten. Was sollen wir denn tun? Da tanzt im sinkenden Abend⸗ scheine eine Schar Mücken. Häßliche kleine Mücken. Aber jetzt leuchten sie wundersam auf im Strahlenglanze der untergehenden Sonne, wie glühende Goldfunken tanzen sie im letzten Sonnen— strahl— sie folgen ihm, um noch das letzte Sonnenlicht zu trin— ken, das ihnen erreichbar ist! So müssen wir unsre Seele immer wieder insLicht Jesu halten, von ihm Licht in uns hineintrinken — dann könnten, nein, dann würden wir strahlen als Licht in die bodenlose Finsternis. Du Licht der Welt, mach uns zu Lichtern in der Welt! P. ee 8 e *. Se e —— 10 N —— r Sonnabend, den 16. Juli 1927. alles aus ist. Der materielle Besitz ist nicht Zweck des Lebens, und wäre es möglich, alle äußere Not auf Er⸗ den zu beseitigen, so würde trotzdem die innere Not blei— ben, die durch keine Philosophie und durch nichts ande— res ihre Heilung findet, als allein durch die Gemein⸗ schaft der Seele mit Gott. Diese Gemeinschaft müssen wir den Arbeitern bieten! Gemeinschaft der Seelen mit Gott und Gemeinschaft untereinander, das allein nur kann die Grundlage der Evangelischen Volksge— meinschaft sein. In dem Wort„Gemeinschaft“ liegt unser Erfolg unter den Arbeitern und dahin müssen wir kommen, daß alle Stände in unserer Bewegung einen starken Freundschaftsbund bilden, der sich seiner Pflicht und Verantwortung gegenseitig bewußt ist. Haben wir den Arbeiter seelisch gewonnen, dann wollen wir ihm selbstverständlich auch wirtschaftlich und sozial helfen. Das gehört zur Aufgabe der Evan⸗ gelischen Volksgemeinschaft, einen gerechten Ausgleich zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu schaffen, den Kindern der Arbeiter dieselben Bildungsmöglich— keiten zu bieten, wie sie die Kinder der Begüterten haben, den alternden Arbeitern einen sorgenlosen Le— bensabend zu ermöglichen, Licht, Luft und Platz in die Arbeiterwohnungen zu bringen und noch manches an— dere mehr, was dazu dient, den Arbeiterstand wirt⸗ schaftlich, sozial und kulturell zu heben. Doch wird diese Arbeit stets mit den Lebensinteressen der anderen Stände in Einklang gebracht. Darum ist ein Kampf von Stand zu Stand in unseren Reihen völlig ausge— schlossen; dagegen soll jeder Stand wissen und darnach handeln, daß alle Stände zusammenzuarbeiten haben zum Wohl des gesamten Volkes. Gemeinschaft in jeder Beziehung, also auch in den materiellen Dingen; das macht die Evangelische Volksgemeinschaft stark und sichert ihre Zukunft! Julius Zirkelbach. Aus der katholischen Arbeiterbewegung. Landeskonferenz der katholischen Arbeiter des Volksstaats Hessen. Am 12. Juni hielten die katholischen Arbeiter des Volksstaates Hessen eine Landeskonferenz in Darm⸗ stadt ab, um die Lage der katholischen Arbeiterstands⸗ bewegung näher zu besprechen und um eine Arbeits⸗ gemeinschaft der katholischen Arbeitervereine ganz Hessens zu bilden. Aus 35 Orten des Hessenlandes wa— ren 100 Delegierte erschienen. Um halb 11 Uhr eröff⸗ nete Herr Diözesanpräses Dekan Eich-Bingen die Tagung. Nach Ansprachen des Stadtv. Schlett⸗ Mainz und des Diözesanpräses Gickler-München⸗ Gladbach wurde folgende Entschließung, aus der Mitte der Versammlung kommend, von Reichstagsabg. Reg⸗ Rat Knoll ausgearbeitet, von der Versammlung ein⸗ stimmig angenommen: Entschließung: Die heute am 12. Juni 1927 im Konkordiasaale zu Darmstadt versammelten katholischen Arbeiter aus ganz Hessen stehen einig und geschlossen auf dem Boden der katholischen Arbeiterstandesbewegung. Die Ver— sammlung erkennt, daß nur auf dem Boden einer rei⸗ nen, einheitlichen Arbeitervereinsbewegung die Schu⸗ lung der katholischen Arbeiter auf religiösem, poli— tischem und wirtschaftlichem Gebiete möglich ist. Die Versammlung erkennt gerne an, daß die in der Diözese Mainz bestehenden Männer- und Arbeitervereine bis— lang ihr Möglichstes für die Arbeiterschaft getan haben. Die völlig veränderten Verhältnisse auf politischem und wirtschaftlichem Gebiete lassen jedoch deutlich erkennen, daß nunmehr die Zeit gekommen ist, die gemischten Vereine abzulösen durch reine katholische Arbeiterver— eine. Die Versammlung beschließt deshalb einmütig, in allen Orten mit mindestens 20 katholischen Arbeitern (auch wenn dieselben bisher dem Männer- und Ar⸗ beiterverein oder dem Volksverein angehören) Ar— beitervereine zu gründen mit obligatorischer Einfüh— rung der„Westdeutschen Arbeiterzeitung“. Die gesamten Arbeitervereine Hessens schlossen sich dem Westdeutschen Verband katholischer Arbeiterver— eine an. Ein stiller Musikant. 4. Fortsetzung. „Allein, was half das mir!— Noch am selben Tage er— fuhr ich überdies, daß mein alter Lerngenosse sich ebenfalls als Musiklehrer dort niederzulassen gedachte. Es mochte ihm mit seinem Virtuosentum auf die Dauer nicht geglückt sein; aber er besaß doch, was mir fehlte. Ich wußte wohl, ich mußte gehen. „Schon nach wenigen Tagen half Aennchen mir meine kleinen Kisten packen, und manche Träne aus ihren mitleidigen Augen fiel dabei auf meine alten Bücher; ich mußte zuletzt sie gar noch selber trösten. —„Wohin ich meine Schritte richten sollte, darüber war ich nicht in Bedenken; ich besaß hier in meiner Vaterstadt zwar nicht Haus und Hof, aber eben vor dem Tor doch meiner El— tern Grab.— Als ich, hier angelangt, meine Sabseligkeiten wieder aus den Kissen packte, fand ich unter meinen Noten das wohlbekannte Kristalldöschen bis zum Rande vol; non Pfeffer⸗ minzpastillen. Die gute Signora Katerina— sie hatte mir doch den Ehrenpreis noch reichen wollen. „Aber es ist zu spät“, sagte er, jetzt plötzlich aufstehend, indem er eine große goldene Uhr aus seiner Tasche zog;„weit über Bürgerbettzeit! Was werden meine alten Bleichersleute denken!“ „Und Aennchen?“ fragte ich.„Was ist aus der geworden?“ Er war eben beschaftigt, die lange Pfeife wieder an den Haken zu hängen, von dem ich sie vorhin für ihn herabgenom— men hatte. Jetzt wandte er sich zu mir, und in seinem Antlitz stand wieder das stille kindliche Lächeln, das ihn so sehr ver— schönte. „Evangelische Warte“ 2. Die katholische Arbeiterschaft in Hessen steht politisch auf dem Boden der Zentrumspartei. Sie er⸗ klärt sich gerne bereit, alles zu tun, um eine politische Gesundung und einen Wiederaufbau des Vaterlandes auf der republikanischen Verfassung zu ermöglichen. Die Arbeiterschaft erwartet von der Zentrumsfraktion des Deutschen Reichstags und des Hessischen Landtags, daß sie wie bisher auch fernerhin alles tun werden, um die großen sozialen Nöte der breiten Massen zu lindern. Insbesondere aber erwartet die katholische Arbeiterschaft Hessens, entsprechend den Richtlinien der deutschen Bischöfe, daß auf dem Gebiete des Wohnungs— baues noch mehr wie bisher getan wird, weil nur in einer gesunden Wohnung ein gesundes Familienleben, und durch ein gesundes christliches Familienleben ein gesundes Stgatswesen möglich ist. Die katholische Ar— beiterschaft Hessens muß jedoch verlangen, daß sie ent— sprechend ihrer Stärke auch ihre Vertretung in Par- teien und politischen Körperschaften findet. 3. Wirtschaftlich bekennt sich die Konferenz ein— mütig zu der christlichen Gewerkschaftsbewegung. Sie verspricht, alles zu tun, die Mitglieder der katholischen Arbeitervereine den christlichen Gewerkschaften zuzu— führen. Sie erwartet von der christlichen Gewerkschafts⸗ bewegung dieselbe Unterstützung. 4. Die Konferenz begrüßt die Gründung des katho— lischen Arbeitersekretariats in Mainz. Sie betrachtet das Sekretariat als die gegebene Stelle zum Aufbau der katholischen Arbeiterstandsbewegung in Hessen. Die Gründung weiterer Sekretariate wird angestrebt. 5. Die Konferenz gelobt, mit ganzer Kraft dahin zu wirken, daß auch in Hessen eine starke katholische Ar⸗ beiterstandesbewegung geschaffen wird, damit so der Geist des großen sozialen Bischofs Ketteler Gemeingut der gesamten katholischen Arbeiterschaft bleibt. Es wurde ein vorläufiger Vorstand der Arbeits- gemeinschaft der katholischen Arbeitervereine Hessens gebildet, bestehend aus je einem Mitglied der einzel⸗ nen Arbeitervereine; als Vorsitzender Dekan Eich— Bingen und Stadtv. Schlett-Mainz. Mit einem Vortrag des Diözesanpräses Gickler-M.⸗Gladbach, der das Leben und Wirken des großen Arbeiterbischofs Wilhelm E. Freiherr von Ketteler beleuchtete, schloß die Versammlung. 5 Warum bringen wir obigen, der„Darmstädter Zeitung“ entnommenen Bericht? Um zu zeigen, wie die katholische Kirche, die katholische Arbeiterschast und die katholische Volksgemeinschaft(das Zentrum) zu⸗ sammenarbeiten. Lernen wir hier! Es ist wahrlich an der Zeit! Aufgabe der Evangelischen Volksgemein⸗ schaft ist es, hier bahnbrechend zu wirken.(Siehe den Artikel„Die Arbeiterfrage in der Evangelischen Volks— gemeinschaft.) Die Deutsche Volkspartei und das Konkordat. In einer Vextrauensmännerversammlung der Deutschen Volkspartei im Kreis Büdingen, die kürzlich in Stockheim stattfand, sprach Landtagsabgeordneter Oberstudiendirektor Dr. Keller-Büdingen über ak⸗ tuelle Kulturfragen. Dabei erklärte er u. a.:„Partei⸗ führer Stresemann hat betont, daß es sich heute nicht mehr um die Frage„Konkordat oder kein Konkordat“, sondern um die Frage„Länderkonkordate oder Reichs- konkordat“ handele. Angesichts der gesamten bestehen— den Verhältnisse, das soll wohl heißen: Angesichts der Vorherrschaft des Zentrums, mit dem man arbeiten will, hat die Deutsche Volkspartei sich mit ihm für eine reichsgesetzliche Regelung eingesetzt. Das ist ja deutlich genug! Wir sind dankbar für diese Offenherzigkeit. Schließlich kommt es ja doch an den Tag, da ist es gut, wenn man die Anhänger einst— weilen auf die Zustimmung zum Konkordat vorberei⸗ tet. Wir konnten neulich(Warte Nr. 15) den Nach⸗ weis erbringen, daß auch die Deutsch-nationale Volks⸗ partei und die Linksparteien grundsätzliche Gegner des Konkordats nicht sind. In einer der letzten Ausgaben der„Deutsch-Evan⸗ —.—— „Aus Aenchen?“ wiederholte er.„Was immer aus einem Freundes übermütigen jungen Mädchen werden sollte, eine ernste Frau und Mutter. Nachdem sie unserer Signora ihren schweren Ab— tritt von der Erdenbühne durch treue Pflege, wie ich es hoffen will, ein wenig tröstlicher gemacht hatte, hat sie zwar keinen Prinzen, aber doch, was sie auch noch der alten Freundin de— mütig eingestanden, einen braven Schullehrer geheiratet. Sie wohnen seit Jahren hier am Ort; vorhin, da Sie mich trafen, kam ich just aus ihrer Wohnung.“ „So ist also Aennchen die Mutter ihrer Lieblingsschülerin?“ Er nickte.„Nicht wahr, das Leben ist ganz leidlich mit mit umgegangen?— Aber nun gute Nacht, vergessen Sie den Bürger nicht!“ Er nahm seinen grauen Hut und ging. Ich hatte mich ins offene Fenster gelegt und rief ihm noch eine„Gute Nacht!“ zu, als er unten aus der Haustür trat, und sah ihm nach, wie er zwischen den schwachbrennenden Laternen die Straße hinabeilte und endlich in der Finsternis verschwand. Die nächtliche Stille war schon völlig eingetreten. Zwischen dem Dunkel der Erde und der dunklen Kluft des Himmels lag das schlummernde Menschenleben mit seinem ungelösten Rätsel. Etwa acht Tage später befand ich mich auf dem Wege nach dem Bleicherhäuschen. Schon ehe ich es erreicht hatte, hörte ich von dort her Klaviermusik.„Ei“, dachte ich,„jetzt fängst du ihn in voller Begeisterung über seinem Mozart!“ Als ich aber durch die offene Haustür eingetreten und vor dem Zim—⸗ mer meines Freundes stehengeblieben war, hörte ich, daß drin— nen Schuberts moments musicals gespielt wurden; auch war es keine Männerhand, welche die Töne hervorrief. „Portamento, nicht staccato!“ sagte jetzt die Stimme meines gelischen Korrespondenz“(Mitteilungen des Evangeli⸗ schen Bundes) war zu lesen: Bei Wahlen keine Stimme den Parteien, die für ein Konkordat sind! Wir fra⸗ gen bei der Leitung des Evangelischen Bundes hiermit an: Welche Partei soll der bewußt evangelische Staats⸗ bürger wählen?? W. Auf der Warte. Die in Genf tagende Seeabrüstungskonferenz, an der Amerika, England und Japan teilnahmen, hat mit einem Fehlschlag geendet. Es zeigten sich unüberwind— liche Schwierigkeiten. Die angesagte zweite Voll— sitzung wurde auf unbestimmte Zeit vertagt, da man Zusammenstöße befürchtete, die weitere Verhandlungen auf Jahre hinaus unmöglich gemacht hätten. Es sitzen aber auch die schlauesten Füchse der Welt bei dieser Konferenz zusammen. Jeder sucht selbstredend für sein Land das meiste herauszuholen. Ein gewisser Ab— rüstungswille dürfte überhaupt höchstens bei Amerika bestehen, die anderen tun nur so. Frankreich und Ita— lien, die auch über ganz ansehnliche Flotten verfügen, sind zu der Konferenz überhaupt nicht erschienen. Das Wort.„Abrüstung“, das man mit einer gewissen Groß— artigkeit, Humanität oder wie man es sonst nennen mag, in den Versailler Vertrag geschrieben hat, ist, ab— gesehen von Deutschland, für die anderen Staaten nur ein„Wort“ geblieben. Taten hat niemand vor. Da⸗ durch, das sei ausdrücklich festgestellt, liegt eine Ver— letzung des Versailler Vertrages, der die Abrüstung aller festlegt, vor.— Zwischen Jugoslawien und Al⸗ banien wurden die diplomatischen Beziehen wieder auf— genommen.— An der französisch⸗italienischen Grenze kam es zu dem üblichen monatlichen Grenzzwischenfall. Wenn diese Vorkommnisse auch ziemlich unbedeutend sind, so geben sie uns doch einen Fingerzeig, wie die Grenzbevölkerung der Länder zueinander steht. Man merkt da herzlich wenig von der Waffenbrüderschaft 1915—18.— Herr Poincaré hat in Frankreich Mühe und Arbeit, sein Kabinett zusammenzuhalten. Er läßt in der Kammer mehrere Gesetzentwürfe verhandeln, die ihm schon längst das Genick gebrochen hätten, falls er nicht bei jeder Opposition die Vertrauensfrage stellen würde. Aber auch eine solche Waffe nutzt sich bei öfte⸗ rem Gebrauch ab. Wenn nicht alles täuscht, sind Poin⸗ cares Tage gezählt.— Der belgische Kriegsminister hat einen Vorstoß im begischen Parlament gegen die Reichswehr unternommen. Er will wieder einmal einmal eine Verfehlung deutscherseits feststellen. Die Reichsregierung hat daher zur Richtigstellung in Brüs— sel diplomatische Schritte eingeleitet.— In Irland wurde der irische Justizminister auf dem Wege zur Kirche ermordet. Ein tragisches Schicksal, da der Va⸗ ter auf dieselbe Art sein Leben lassen mußte.— Der Reichstag verabschiedete das Kriegsgerätegesetz, das Kriegsschuldengesetz und das Arbeitslosenversicherungs— gesetz. Die Parlamentarier waren in den letzten Tagen sehr lustlos, der Reichstag ziemlich leer, man lechzte nach der Sommerpause.— In der verwickelten Frage des Verfassungstages kam man noch zu keiner endgül⸗ tigen Lösung. Das Gebiet ist eines der heikelsten.— Der deutsche General Pawels hat mit einem französi⸗ schen und einem belgischen Offizier zusammen die Zer⸗ störung der Ostfestungen festgestellt. Damit hat Deutsch⸗ land seine Entwaffnungsverpflichtungen erfüllt. Wo sind die Pflichten der Gegner? Verankert im Ver— sailler Vertrag! Wann werden sie erfüllt? Das ist die große Frage; wir Deutsche haben in der Verschlep— pungspolitik schon so viel erlebt, daß unsere Hoffnungen, erstickt in ohnmächtigem Zorn, stets gering sein müssen. — Kaum hatte sich die Erregung im deutschen Volke über das Harzbahnunglück gelegt, als auch schon eine neue Schreckenskunde kam: die Nachricht von der gräß— lichen Unwetterkatastrophe in Sachsen, die nahezu 200 Menschenleben gefordert hat, deren Schaden weit über 70 Millionen Mark beträgt.— Nach neuesten Meldun⸗ gen soll in Kürze der Entwurf des Reichsschulgesetzes veröffentlicht werden, damit eine breite Diskussion über dieses in das Leben unseres deutschen Volkes tief ein schneidende Gesetz erfolgen kann. Aber eine andere, jugendliche, von besonders reinem Klange antwortete:„Ich weiß wohl, Onkel; aber klingt das staccato hier nicht viel, viel schöner?“ „Ei, du Guckindiewelt!“ hieß es wieder,„schreib erst selbes so etwas, dann kannst du's halten, wie du willst.“ Noch eine kleine Stille; dann folgte ein Portamento, ich sah es ordentlich, wie die jungen Finger den Ton von einer Taste zu der andern trugen. „Und nun noch einmal, ob du's sicher hast!“ Und nun kam es nocheinmal, und in vollkommener Sicher heit. Vor mir an der Tür klebte heute ein augenscheinlich neue Zettel: „Und sie genas! Wie sollt' ich Gott nicht loben; Die Erde ist so schön, Ist herrlich doch, wie seine Himmel oben, Und lustig drauf zu gehn!“ Der Vers war aus dem„Wandsbecker Boten“; ich kannte ihn wohl, aber Freund Valentin hatte sich diesmal eine kleine Aenderung gestattet; den der alte Asmus sprach in jenem Ge⸗ dichte doch nur von seiner eigenen Genesung. 1. packel en Vol ede Ge liche aitentur Obi Humens sffende Himen aaseina un. S. eungeli Harter kuptun disentw lusges bitte er Vhaupt r We licht e d men 10 f laftlich ir wi chen en oh gliums, le vor meint em e Alische setole g angeli us in Init Aten? lich ken A he J — en Gl Aischuld en mi h geri werd Bu,„e gut g bas 7 de Allo be die e Nas Ihettete Sie Als ich, solches erwägend, die Tür öffnete, sah ich neben Valentin ein noch kindliches Mädchen am Klavier sitzen, die mit großen aufmerkenden Augen zu ihm aufblickte. Mit seinem lieben, jetzt etwas verlegenem Lächeln war es aufgestanden. „Unsere kleine Sitzung neulich ist Ihnen doch wohl bekom— men?“ fragte ich, ihm die Hand reichend. „Mir?“ erwiderte er.„Oh, vortrefflich! Aber Ihnen? Ic mag recht viel erzählt haben; Sie wissen, so zu zweien und beim 20 N e eli.* 5 3 4 a Evangelische Volksorganisation. 0— aber keine evangelische Partei. 15 Auf Einladung der Evangelisch⸗sozialen Arbeitsgemein— aft für Hessen⸗Nassau und Hessen sprach Montagnachmittag der Hauptversammlung dieser Organisation Pfarrer Dr. tröle aus Stuttgart über Evangelische Volksorganisation. Der Redner, der als Mitschöpfer des Evangelischen Volks— undes in Württemberg auf eine reiche und vorabtiche Orga— lationsarbeit zurückblicken kann, führte aus, daß die Evan⸗ lische Volksorganisation einen Zusammenschluß der evange— schen Christen zu dem Zweck erstrebt, kurrurellen Einfluß in. Oeffentlichkeit auszuüben. Volksorganisation müsse sein, eil das Volk keine innere Gemeinschaft mehr besitze. Unter Ir heutigen Staatsform der Demokratie ist eine andere Lage die Christen entstanden, die auch die Kirche in besonderer tuation antreffe. In den Landeskirchen mache sich heute das kennende immer mehr bemerkbar, die Gruppen treten schärfer vor. Zu beklagen sei, daß die Kirche den Bewegungen des zutigen Lebens fern und fremd gegenübersteht. In diesem inne tue der Kirche eine Sammlung der Kräfte not. Ob es cht sei, wenn man eine Volksorganisation aufrichte, bedürfe ner Frage mehr. Es dürfe auch eine evangelische Volksorga— Groß, iation geben, weil sie dem Volke zu innerer Neubelebung ver— je. Aber niemals dürfe sie den Charakter des Gelünstelten agen. Was die Beziehungen zwischen Volksorganisation und golitit angehe, so müsse die Organisation eintreten können in is öffentliche Leben und auch in die politische Welt. Ausge— lossen sei aber eine evangelische Partei; aber man solle vor 00 e Führer hintreten und sie bitten, ihre Parteimeinung an den ristlichen Ideen zu prüfen. In diesem Sinne solle man Po— lit treiben. Die Beziehungen der Organisation zur Kirche peng üßten lebendiger werden. Nötig sei die Sammlung inner— enfal, lb der Kirche, die Volksorganisation solle eine lebendig wir— uten unde Kämpferlinie bilden. In der Kirche soll ein namenloser ie die zund von Christen geschlossen werden, um den Dienst zu lei— May een, der im christlichen Interesse notwendig ist. schaß Der Redner bot sodann in seinen weiteren Ausführungen an packendes Bild von der umfassenden Arbeit des Evangeli⸗ chen Volksbundes in Württemberg, die sich vor allem auf fol— de Gebiete erstreckt: Arbeit in den einzelnen Gemeinden, stliche Volksbildungsarbeit, soziale Arbeit, eine apologetische teilung, eine Frauenabteilung, gemeinsames Arbeiten mit Presse usw. Ueberall stehe die Arbeit im Zeichen eines Tat⸗ stentums. Dem Vortrag schloß sich eine Aussprache an. inistn Obige Notiz wurde mir vor einigen Tagen ohne en di gamensnennung des Absenders zugeschickt. Der de nme! neffende„Freund“ unserer Sache hätte doch seinen N A damen mitleilen sollen, dann hätte man sich mit ihm Bil üuseinandersetzen und ihn eines besseren belehren kön— Ilan zen. Solche anonyme Zusendungen sind wirklich keine ge zu wangelische Tat. Nach obigem Bericht macht sich Herr er a gfarrer Dr. Ströle die Sache leicht: Er stellt eine Be⸗ — Dol sauptung auf, beweist sie aber nicht. Den Satz, um „ du gessentwillen unser„Freund“ mir die Notiz zusandte: unge] Ausgeschlossen sei aber eine evangelische Partei“, Tage zätte er doch irgendwie beweisen müssen. Neben diese gehauptung ist der Satz aus der Botschaft der Stockhol⸗ er Weltkonferenz zu stellen:„Die Konferenz hat die flicht anerkannt, das Evangelium auf allen Gebieten s menschlichen Lebens zu der entscheidenden Macht zu gachen im industriellen, sozialen, politischen und wirt⸗ haftlichen Leben.“ Das ist für uns das Entscheidende! ir wi ir die großen innen- und außenpoli⸗ ischen Fragen in unserem deutschen Vaterland nicht len ohne die Grundsätze und Lebenskräfte des Evan⸗ seliums. Nun sagt Herr Pfarrer Dr. Ströle: Man lle vor die Führer hintreten und sie bitten, ihre Par⸗ eimeinung an den christlichen Ideen zu prüfen. In gesem Sinn soll man Politik(soll wohl heißen evan⸗ gelische Politik) treiben.“ Ja, hat denn Herr Dr. Etröle gar nichts gehört von dem völligen Versagen der wangelischen Führer in den Parteien? Glaubt er, daß ins in Zukunft besser wird, wenn man vor die Führer lintritt und sie bittet, evangelische Interessen zu ver⸗ eten? Mit Recht schreibt einer unserer Obmänner rzlich im„Fränkischen Kurier“ in Erwiderung auf nen Artikel, der auch zeigen sollte, daß eine evange⸗ iche Partei nicht gegründet werden könne:„Die Mei⸗ Eonnabend, den 16. Juli 1927. * dieher l sein t Nerilg * nunge müsser Voll on eich „Evangelische Warte“ findet nicht am 24. Juli statt, sondern erst am Mitteilung. Die nächste Sitzung des Hessischen Vorstandes und der Leiter der Hessischen Werbebezirke Sonntag, den 31. Fuli, nachm. 2 Ahr, in Frankfurt M.(Kronenhof) Maschinenformer Föller spricht über„Die Arbeiterfrage in der Evangelischen Volksgemeinschaft“. Alle Freunde der Evangelischen Volksgemeinschaft sind nung, daß evangelische Abgeordnete in allen Parteien in der rechten Weise Schutz und Wehr des Evangeliums sein könnten, ist durch die jahrzehntelange trübe Er fahrung widerlegt. Es ist doch so, daß die Abgeord— neten die sich für das Evangelium einsetzen, in ihren Parteien völlig machtlos sind.“ Evangelischer Geist kann in das politische Leben nur getragen werden durch eine evangelische Partei. Nur wenn eine starke evan— gelische Partei da ist, tonnen die evangelisch-sozialen Aufgaben der Gegenwart und Zukunft durchgeführt werden. Evangelische Volksorganisation führt nur dann zum Ziel, und kann, um mit Dr. Ströle zu reden, nur dann kulturellen Einfluß in der Oeffentlichkeit ausüben, wenn sie der politische Zusammenschluß der evangelischen Volksgenossen ist. Darum heißt unsere Losung: Evangelische Volksgemeinschaft! W. Vom Königsberger Kirchentag. In Königsberg hat vom 17. bis 21. Juni der Deut⸗ sche Evangelische Kirchentag getagt. Recht erfreulich ist die vaterländische Kundgebung des Kirchentages. Völlig unverständlich aber ist folgende Pressemeldung: Professor Mirbt erklärte zu der Konkordatsfrage 1 e Die durch das ganze evangelische Volk gehende Bewegung gegen ein Konkordat sei keine künstliche Er⸗ regung, sondern eine Volksbewegung von elementaxer Wucht. Aus verschiedenen Gründen politischer Art, insbesondere im Hinblick auf die kommenden Verhand⸗ lungen über das Reichsschuldgesetz, habe der Kirchentag jedoch auf eine Entschließung zu dieser Frage verzich— tet. Er hoffe von dem Kirchenausschuß, daß er, wie er bereits bisher die Frage mit größter Aufmerksamkeit verfalgt habe, auch in Zukunft sich mit dem ganzen Gewicht seiner Stellung sich für die Interessen des Pro⸗ testantismus und für den Schutz des Erbes der Refor⸗ mation einsetzen werde. Was soll man dazu sagen? Wir haben bereits bei dem Präsidium des Kirchentages angefragt, ob diese Meldung den Tatsachen entspricht. Wir kommen selbst⸗ verständlich auf diese Angelegenheit in der eee rück. W. Aus unserer Bewegung. Königstein i. T. Am 28. Juni fand hier im evangelischen Gemeindehaus eine Versammlung der Evangelischen Volksge⸗ meinschaft statt, zu der unser Obmann, Herr Justizinspektor Dem me, eingeladen hatte. Die Versammlung war sehr gut besucht, sowohl von Einheimischen, wie von Kurgästen. Zwei Vorträge zeigten die Notwendigkeit einer evangelischen Partei und die mannigfachen Aufgaben, die bei den gegenwärtigen Parteiverhältnissen nur durch eine evangelische Partei gelöst werden können. Herr Pfarrer Ide-Höchst a. M. sprach ein⸗ gehend über:„Die Konkordatsfrage“ und zeigte die Gefahren, die aus einem Konkordat entstehen. Der Staat gibt seine be— rechtigte Macht über die Volksglieder preis an eine außer⸗ deutsche Macht, an den Papst. Das Volksvermögen gerät durch das Konkordat wieder wie einst in die tote Hand, indem Kirche und Mönchsorden Grund und Boden an sich ziehen. Die Frei⸗ heit der deutschen Wissenschaft und Forschung geht verloren durch die Grenzen, die ihr durch katholische Dogmatik gezogen werden. Für die evangelische Kirche ist das Konkordat die härteste Imparität. Der Redner gab der Befürchtung Aus⸗ druck, daß das Konkordat abgeschlossen werde, da keine der be⸗ stehenden Parteien mehr zurück könne und gerade die Re⸗ eingeladen. gierungsparteien sich bereits dem Zentrum gegenüber ver— pflichtet hätten. Es fehle im gegenwärtigen Parlament eine Partei, der die evangelischen Belange über alles gehen, so wie dem Zentrum seine katholische Kirche im Mittelpunkt des Inter⸗ esses stehe. Danach gab der Reichsgeschäftsführer, Pfarrer Weidner, in zweistündigem Vortrag eine Darlegung von der Entwickelung und den Aufgaben der Evangelischen Volks⸗ gemeinschaft. Viel Neues bot er den erstaunten Hörern, die es kaum fassen konnten, daß in solchem Maße, wie der Redner es schilderte, die evangelischen Interessen von Behörden und Parlamenten mit Füßen getreten werden. Schuld daran sei die eigene Lauheit der Evangelischen, die sich solches gefallen ließen, anstatt zur Selbsthilfe zu greifen, zumal, wenn die lei— tenden evangelischen Persönlichkeiten und kirchliche Behörden aus irgend welchen unverständlichen Rücksichten nicht genügend oder garnicht zur Abwehr bereit seien. Auch das Schweigen des Deut⸗ schen Evangelischen Kirchentages in Königsberg zur Konkor⸗ datsfrage wurde einer eingehenden Kritik unterzogen und von der Versammlung einmütig mißbilligt. Eine Protestreso⸗ lution an den Deutschen Evangelischen Kirchentag wurde ein— stimmig gefaßt. Beiden Rednern wurde für ihre Vorträge leb⸗ hafter Beifall gezollt und eine große Zahl der Anwesenden meldete sich als Mitglieder der Evangelischen Volksgemeinschaft an. Am selben Abend noch wurde eine Ortsgruppe der Evan⸗ gelischen Volksgemeinschaft gegründet und der Vorstand ge— wählt. Zum 1. Vorsitzenden wurde der bisherige Obmann, Herr Justizinspektor Dem me, einstimmig gewählt, von des— sen rührigen Händen die junge Ortsgruppe gut geleitet sein wird. Mit den besten Wünschen und dem Aufruf zu treuer Arbeit durch die Herren Pfarrer Weidner, Pfarrer Ide schloß der schön verlaufene Abend. Kaulstoß. Im Gasthaus Appel fand auch für Burkhards und Sichenhausen eine gut besuchte Versammlung der Evangelischen Volktsgemeinschaft statt. Die Begrüßunsansprache hielt Herr Alt⸗ bürgermeister Kneipp von Burkhards, Abgeordneter im Kreistag. Er dankte zunächst den zahlreich Erschienenen und bewillkomm— nete Herrn Pfarrer Weidner von Ober-Lais, dem er dann auch das Wort zu seinem fast zweistündigen Vortrag erteilte. In mar⸗ kanter Art legte der Referent die Ziele der Evangelischen Volks⸗ gemeinschaft dar. In vornehmer, sachlicher Weise sprach er über die einzelnen Parteien. Besonders beschäftigte er sich mit dem Zentrum. Mit gespannter Aufmerksamkeit folgte man den treff⸗ lichen Ausführungen, die sich zunächst mit den Zuständen vor 400 Jahren befaßten. Eine eingehende Beleuchtung erfuhren die vielen„Fälle“ in Hessen, welche die Vorherrschaft des Zentrums beweisen. Es sei hier nur an die Ilbenstädter Angelegenheit und an die Besetzung von Kreisschulrats- und Professorenstellen erinnert. Auch die Konkordatsfrage wurde ausgiebig erörtert und zeigte sich Herr Pfarrer Weidner bei dieser Sache, sowie bei der Erörterung der innerpolitischen Lage Hessens als ausge⸗ zeichneter Kenner und weitblickender Beurteiler. An der Aus⸗ sprache beteiligten sich zunächst einige Herren von Burkhards, die den Standpunkt des Landbundes vertraten. Auch Herr Bürger— meister Hergt von hier griff in die Debatte ein, indem er darauf hinwies, ob es nicht möglich sei, daß die neue Evangelische Par⸗ tei auch in das Schlepptau des Großkapitals kommen könnte. In warmen Worten befürwortete Herr Lehrer Colmar von hier das Zusammengehen zusammengehöriger Volkskreise, also beson⸗ ders der Arbeiter- und Bauernschaft und nannte es ein erstre— benswertes Ideal, unter dem Panier der Evangelischen Volks⸗ gemeinschaft weiteste deutsche Volkskreise zusammenzufassen. In seinem Schlußworte verstand es Herr Pfarrer Weidner meister⸗ haft, die gebrachten Einwände zu entkräften und ein günstiges Zukunftsbild der Evangelischen Volksgemeinschaft zu entwerfen. Die überzeugenden Worte des Redners fanden lebhaften Beifall und sind auf guten Boden gefallen. Jedenfalls hat sich die An— hängerschaft vermehrt und herrscht nun Klarheit über die Be— strebungen der Evangelischen Volksgemeinschaft. uten Glase!“ Er sagte das fast flüsternd und als müsse er Entschuldigung für sich erbitten, während seine blaßblauen dugen mit einem unbeschreiblichen Ausdruck von Innigkeit auf nich gerichtet waren. Im Gegenteil!“ sagte ich,„ich bin 11 werden noch mehr erzählen müssen! inzu,„erst beenden Sie Ihre Stunde ort!— denn sie ist es ja doch wohl!— zn Bürger von Ihrem Bücherbrett.“ Er nickte eifrig.„Wir sind gleich zu Ende!“ leder zu seiner Schülerin. Ich suchte unter seinen kleinen Bücherschätzen und hatte 10 die beiden Chodowiecki-Bürger gefunden, von denen ich U noch nicht zufrieden; Aber“ fügte ich leiser mit Ihrem Liebling Ich suche mir derweil Und ging gut Glück das eine Exemplar für mich herauszog. Während ih das Titelbild betrachtete, wo der große Balladendichter in ane Allongeperücke auf offenem Markt die Harfe schlägt, und bei die moments musicals mir in die Ohren tönten, war ane Magd mit Kaffeegeschirr und Kuchenteller in die Stube angetreten. Sie breitete eine blütenweiße Serviette über den Sofa⸗ isch und setzte alles dort zurecht; zwei blau und weiße Tassen landen bald neben der Bunzlauer Kaffeekanne; aber auf einen ihr geschickt von Valentin gegebenen Wink erschien noch eine e Das hatte ich noch bemerkt, als ich auf dem vorgebun⸗ jenen weißen Blatte meines Büchleins ein geschriebenes Ge⸗ liht entdeckte, das meine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch ahm; es waren nur kindliche, einfältige Verse, und dennoch die Frühlingsatmen wehte es mich daraus an. 1„Du liebe schöne Gotteswelt, Wie hast du mir das Herz erhellt! So schaurig war's noch kaum zuvor, Da taucht ein blauer Schein empor; Der Rasen hauchet süßen Duft, Ein Vogel singt aus hoher Luft: Wer treuen Herzens fromm und rein, Der stimm' in meine Lieder ein!“ Da sang auch ich in frohem Mut:— Ich wußte ja, mein Herz war gut!“ Ich las es wieder und wieder; das waren jene Verse von dem Veilchenplatze! Der ganze Valentin war darin; so kannte ich ihn, so mußte auch der junge einst gewesen sein. Und da stand er selber vor mir, das schlanke, etwas blasse Mädchen mit dem glänzend braunen Haar an seiner Hand. „Ja,“ sagte er,„das ist meine liebe Marie; wir feiern heut' zum erstenmal wieder unsern Sonntagnachmittag; und, in der Tat, es macht mir riesig Freude daß auch Sie dazu gekommen sind!“ Dann aber, das Buch mit dem beschriebenen Blatt in meiner Hand erblickend, errötete er plötzlich wie ein Mädchen. „Nehmen Sie das andere Exemplar für sich, sagte er,„ich bitte darum, die Stiche sind ungleich kräftiger.“ Aber ich suchte meinen Besitz zu behaupten. „Darf ich dies nicht behalten? Oder trennen Sie sich nicht davon? Ich seh', es ist aus Ihrer Knabenzeit.“ Er blickte mich fast dankbar an.„Ist das Ihr Ernst?“ sagte er.„So ist es in guten, in allerbesten Händen.“ Dann saßen wir zu dreien um den sonntäglichen Kaffee— tisch; die kleine Dame machte gar anmutig die Wirtin und hörte im übrigen schweigend unseren Gesprächen zu. „Also, Freund Valentin,“ sagte ich,„noch eins müssen Sie erzählen; auch dieser braune Trank öffnet ja die Lippen der —: Menschen. Was ist aus Ihrem Veilchenplatz geworden? Sieht ihn die Frühlingssonne noch, oder ist er, wie so manches Schöne, in einen Kartoffelacker umgewandelt?“ Ueber Valentins Gesicht glitt ein frohes, fast ein wenig schlaues Lächeln.„Sie wissen wohl noch nicht,“ sagte er, daß ich ein heimlicher Verschwender bin!“ „Oho, Freund Valentin!“ „Doch, doch! Der Platz gehörte einem alten Sonderling— Ich bin sein Erbe geworden; das heißt, ich habe aus seinem Nachlaß dieses unnütze Grundstück um blankes Silbergeld er⸗ standen.— Aber nicht wahr, Marie?“ und er nickte seinem Liebling zu,„wir beide kennen seinen Wert, wir wissen auch, zu welchem Geburtstage wir notwendig dort die Veilchen pflücken müssen!“ Da legte das schlanke Mädchen den Kopf auf seine Schulter und schlang die Arme um seinen Hals.„Zu Mutters Geburts⸗ tage,“ sagte sie leise;„aber Onkel, das ist jetzt noch lange hin.“ „Nun, nun, es wird ja wieder Frühling werden!“ „Das wolle Gott, Freund Valentin!“ sagte ich. Darf ich dann mitgehen und die Kränze binden helfen?“ Zwei Hände streckten sich mir entgegen: die eine war schlank und schön und jung, die andre— ich wußte es, das war eine treue Hand. 8 Ich bin nicht hingekommen; noch bevor der Winter zu Ende ging, hatte mich das Leben weit von dieser Stadt hinwegge⸗ trieben. Noch einmal durch einen gemeinsamen Bekannten er— hielt ich einen Gruß von Valentin; noch einige Male, wenn es Frühling wurde, dachte ich an seinen Veilchenplatz, und dann nicht mehr. Andere Gestalten drängten sich herbei, hinter denen allmählich die des stillen Musikanten ganz verschwunden war. (Schluß folgt.) Sonnabend, den 16. Juli 1927. PPP PPP—————— ̃—ů————̃—————————ͤ—— „Evangelische Warte“ Nr. 29. Höchst a. M. Am 27. Juni fand eine Mitgliederversamm⸗ lung der Ortsgruppe Höchst a. M. statt, bei welcher unser Reichsgeschäftsführer einen Bericht über die Entwickelung der Partei gab. Die Beteiligung unserer Mitglieder und Freunde war so stark, daß die Versammlung aus dem kleinen Saal in den großen Saal des Vereinshauses umziehen mußte. Auch waren Vertreter aus Anterliederbach, Nied, Sossenheim, Sind⸗ lingen, Zeilsheim, Hattersheim und Neuenhain erschienen. Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden, Herrn Pfarrer Ide, der außer den Mitgliedern herzliche Begrüßungsworte dem Reichsgeschäftsführer, Herrn Pfarrer Weidner, wid⸗ mete, dessen Erscheinen so starke Anziehungskraft auf die Mit⸗ glieder ausgeübt habe, ergriff Pfarrer Weidner selbst das Wort zu seinem ausführlichen Bericht. Mit seiner bekannten Frische schilderte er offen die Schwierigkeiten und Kämpfe, die die junge Evangelische Volksgemeinschaft zu bestehen ge— habt hat. Aber mit glühenden Worten riß er die Versamm— lung auch mit fort zu unerschütterlichem Vertrauen auf unsere gute Sache. Die gewaltigen Fortschritte in Hessen, das po— litische Erwachen der Evangelischen in allen Teilen Deutsch— lands, rechtfertigen den größten Optimismus. Ueberall in Deutschland redet man jetzt von der„evangelischen Partei“. Noch ist sie heiß umstritten, viele Stimmen werden laut für sie und gegen sie. Aber wir sind gewiß, daß es im großen Deutsch— land so enden wird wie in Hessen und bei uns: die Stimmen gegen die evangelische Partei werden immer leiser werden und schließlich verstummen, da man ihre Notwendigkeit immer deut- licher erkennt. Wie notwendig die politische Selbsthilfe der Evangelischen ist, beleuchtete kraß ein verlesener Zeitungsbe— richt über die Tagung des Deutschen Evangelischen Kirchen— tages, welcher im Juni in Königsberg getagt hatte, und da— rauf verzichtet hatte, zur Konkordatsfrage, die alle evangeli⸗ schen Gemüter bewegt, ein offenes, mutiges Wort zu sagen. Aus diesem Anlaß faßte die Versammlung einmütig folgende Nesulution, welche an den Vorsitzenden des Kirchentages, Frei⸗ herrn von Pechmann in München, abgesandt wurde: „Durch die Presse geht die Nachricht, daß der Deutsche Evangelische Kirchentag in Königsberg die Bewegung der Evangelischen gegen ein Konkordat als eine Bewegung von elementarer Wucht erkannt, aber sich trotzdem zu keiner öffentlichen Erklärung entschlossen hat. Die bewußt evan⸗ gelischen Kreise, welche die Gefahren des Konkordats sehen und dasselbe deshalb bekämpfen, bedauern schmerzlich, daß die Kirchenregierungen, die im Deutschen Evangelischen Kirchentag vereinigt sind, die evangelischen Kämpfer im Stiche lassen. Ja, mit Empörung nehmen sie davon Kenntnis, daß der Deutsche Evangelische Kirchentag, der über den Parteien stehen will, aus Rücksicht auf die Ver— handlungen der politischen Parteien zum Reichsschulgesetz von einer öffentlichen Stellungnahme zum Konkordat ab⸗ gesehen hat. Solche Handlungsweise erschüttert das Ver— trauen der epangelischen Kreise zum Wert des Deutschen Evangelischen Kirchentages.“ Die zweistündigen Ausführungen des Reichsgeschäftsführers wurden mit großem Interesse verfolgt und ihm mit lebhaftem Beifall gedankt. Herr Pfarrer Ide ergänzte den Bericht, so— weit es ich um die Entwickelung in Nassau handelte. Auch hier konnte mit Befriedigung festgestellt werden, daß die Zahl un— serer Freunde beständig wächst, sowohl im Volk, wie auch bei den Pfarrern. Die Zeit ist vorüber, wo Pfarrer Ide mit einem kleinen Trüppchen Getreuer allein in Nassau stand. Mehrere Ortsgruppen sind entstanden Guletzt in Königstein), und an“ Mit der freu digen Zusage von Pfarrer Weidner, die Hessen bei den kom dere Orte erwarten uns im kommenden Winter. menden hessischen Landtagswahlen zu unterstützen, schloß die eindrucksvolle Versammlung. Rainrod b. Schotten. Vor einer sehr aufmerksamen Zu hörerschaft sprach am letzten Sonntag Abend im Gasthof Schlörh Pfarrer Weidner über Wesen und Aufgaben der Evange— lischen Volksgemeinschaft, der neuen evangelischen Partei. Auf bestes Beweismaterial gestützt, zeigte der Redner in fast zwei stündigen sehr interessanten Ausführungen, daß aus kulturellen und wirtschaftlichen Gründen ein politischer Zusammenschluß der Evangelischen ein dringendes Gebot der Stunde ist. Dit evangelischen Belange werden heute in den bestehenden Par teien nicht in der rechten Weise vertreten. Die Botschaft der großen Stockholmer Weltkonferenz macht es der Kirche zut Pflicht, evangelischen Geist ins politische Leben zu tragen. Das ist nur möglich durch eine evangelische Partei. Die neue Bes wegung, die erst seit zwei Jahren besteht, hat nicht nur in Hes⸗ sen in Stadt und Land starke Ortsgruppen, sondern auch in ganz Deutschland begeisterte Anhänger gefunden; eine eigene Zeitung(„Evangelische Warte“) trägt allwöchentlich die Ge danken der Evangelischen Volksgemeinschaft in weitere Kreise Die Erfolge der Arbeit in den letzten Wochen in Oberhessen beweisen am besten, daß die neue Partei von sehr vielen Evangelischen begrüßt wird. Auch hier steht die Gründung einer Ortsgruppe der Evangelischen Volksgemeinschaft bevor. Frankfurt a. M. Die für den 20. ds. Mts. geplante Ver⸗ sammlung der hiesigen Ortsgruppe der Evangelischen Volks; gemeinschaft fällt der Ferien wegen aus. )JJCCCCCCæC!!...... e eee, J e Im Familienkreis e SS e e. ο ο, ses oss Bes bebe ne p Heiraten. „Ja, heiraten möcht' ich, und wenn man's ernstlich will, so wird man's schon erreichen,“ so hörte ich neulich ein junges Mädchen sagen. Und auf die Gegenfrage der Gefährtin:„Du nimmst doch auch nicht jeden!“ klang es zurück:„Jeden, der an⸗ ständig aussieht, das Leben vernünftig auffaßt, d. h. mir auch Vergnügen gönnt, und der ein gesichertes Auskommen hat.“ Ach, da möchte man hinter jede ihrer Bedingungen ein Frage— zeichen setzen: Ist das genug?— Die Ehe ist ein heiliges Band. In ihrer innerlichsten Aus⸗ wirkung, da, wo beide Teile eins sind in Einem, hebt sie den Mann und die Frau über sich selbst hinaus und entfaltet ihre besten seelisch geistigen Kräfte. In dem gegenseitigen Hingeben des einen Selbst in das andere Selbst, in dem gemeinsamen Lieben, Tragen, Vergeben und Sorgen liegt ein reinigendes Feuer, das Selbstsucht und Eigennutz, Neid und Unfrieden lang⸗ sam aber sicher zerstört. Es gilt hier, wenn auch in anderer Deutung das Apostelwort: Der Mann wird geheiligt durch das Weib und das Weib durch den Mann. Da erfüllt sich's: „Eines ist des andern Kron', Eines ist des andern Ruh', Eines ist des andern Licht.“ Und wie es weiter heißt in dem schönen Ehestandsliede von Paul Gerhardt: „Solche Lieb ist immer frisch Und verjüngt sich fort und fort, Liebe zieret ihren Tisch, Und versüßet alle Wort. Liebe gibt dem Herzen Rast In der Müh⸗ und Sorgenlast. id Neitbickender Saag haäftsmann darf Sing Das Publikum merkt rasch einen solchen Rückgang und schliesst daraus auf einen Rückgang der Firma! Es ist auch wichtig, dass die Reklamen u. Anzeigen nicht immer in ein u. derselben Zeitung veröffentlicht werden; allen Bevölkerungskreisen die Anzeigen zu lesen geben, das gibt dem Geschäftsmann die Möglichkeit, neue Kunden zu werben. Geht's nicht allzeit wie es soll, Ist doch diese Liebe still, Hält sich in dem Kreuze wohl. Denkt, es sei des Herren Will, Und versichert sich mit Freud' Einer künft'gen bessern Zeit.“ Ja, wenn man so gerüstet in die Ehe tritt! Leider herrscht aber unter unsern jungen Mädchen oft eine traurige und leicht— sinnige Auffassung vom Heiraten. Sie freuen sich auf den Hochzeitstag, den sie sich herrlich ausmalen, und hoffen, dantit an das erträumte Ziel ihrer Wünsche zu kommen. Aber da steht man doch erst am Anfang und nun erst beginnen die Rätsel und Schwierigkeiten des Lebens und seiner Führung und die ge— waltige Aufgabe, sie zu lösen. Viele Mädchen gehen träumend, taumelnd in die Ehe. Da folgt oft ein bitteres Erwachen und die schmerzliche Erkenntnis: „Warum habe ich das nicht früher bedacht? Warum habe ich mich nicht warnen lassen?“ kommt nun zu spät! Wer heiraten will, der mache sich den ganzen Ernst dieses Schrittes klar. Er führt zum Frieden oder Anfrieden, zur höchsten Gemeinschaft der Seelen oder zur Knechtschaft des Leibes. Immer aber führt das Heiraten nicht in einen Rosengaxten, sondern auf einen steilen, oft arbeitsreichen Weg.—„Du,“ rief die Aenne ihrer Freundin Lotti zu:„Hast schon gehört, daß Erna gekündigt hat?“„Ei,“ sagte die andere,„Erna war doch so gern bei ihrer Herrschaft.“„War sie auch, aber jetzt wird sie den Fritz Brandt heiraten, den Bäckergesellen von drüben.“ Lotti war einen Augenblick still, dann sagte sie:„Mir kann's ja gleich sein, ob Erna sich ins Joch spannen will.“ So ist es. Wir wollen die Herrlichkeit eines glücklichen und Familienlebens gewiß nicht bestreiten— aber das Ledigsein erfordert nicht soviel Selbstverleugnung und Ent⸗ sagen, wie das Verheiratetsein. And es sparte dir, liebe Freun din, viel Enttäuschungen, viel Kummer, wenn du das vor dem Hochzeitstag überlegtest. Willst du heiraten, so tue es, ich rate dir nicht ab. Es führt dich zur Selbstzucht und Hingabe, zur inneren Reinigung, es stimmt deine Seele nach und nach füt „den Klang der Ewigkeiten“— aber sei bereit dazu. Heiraten, um einer guten Versorgung, einer günstigen Lebensstellung, um des äußeren Ansehens willen, um Frau zu werden, das ist eine Verirrung! Es muß der innere Zusammenklang bestehen, die klare Ueberzeugung: wir gehören zusammen vor Gott und Men— schen und der feste Entschluß, in guten und bösen Tagen„bei⸗ einanderzustehn“, sich die Treue zu halten. Ueber dem Ehe- und Familienleben, dem Verkehr untereinander soll als Motto stehen: Gott geweiht. Darum: prüfe den Mann, dem du dich zu eigen geben willst. Schau ihn an, nicht nur sein Aeußeres— seine Kleidung, sein Benehmen, ihn selbst bis auf den Grund seiner Seele. Kannst du für lange Jahre, vielleicht für deine ganze Erdenwanderung dich ihm anvertrauen mit Leib und Leben, mit allem, was du bist und was du hast, und glaubst du, daß er dich leiten wird auf guten und reinen Bahnen, helfen wird, Gott zu dienen, die ewige Vollendung zu erstreben? Fühlst du in seiner Nähe, daß ihm das Ewige mehr gilt als das Ir⸗ dische? Merkst du, daß er von keinem andern Heil weiß und sucht, als in Christo, dem Gekreuzigten? Prüfe dich, und wenn's dir nach diesen Fragen weit und frei um's Herz wird wie un⸗ term lichten blauen Gotteshimmel, dann sage dein freudiges „Ja“. Dann tue mit ihm den ernsten heiligen Schritt ins Land der Ehe. And ich kann dir verraten: das ist ein selig Wan⸗ dern im Leid, im Sonnenschein, eins hebt, eins trägt den an⸗ dern bis in den Himmel hinein. adaanagiogg Halt Absehraaben Sie können es glauben! Die Zeitungs-Anzeige ist die beste und billigste Reklameart und als Werbemittel nicht zu übertreffen. deshalb in den Zeitungen „Gießener Zeitung“—„Hessisches Handwerk u. Gewerbe“ Auflage 36200 „Hessische Hausbesitzer-Zeitung“ Auflage 12000—„Hessischer Ramerad“ Auflage 46000 Allgem. Hessische Sportzeitung“„Evangelische Warte“ Man wende sich umgehend an die Geschäftsstelle: Giessen, Südanlage 21.— Fernsprecher 1362 und 1145 Inserieren Sie uud — D — 2 — — s * r — Al den da Weklel de Sch en, so sen u edeutt igt, d. och kei Andt in sch dangel ung e S0 Jollsg Evan, s üb K unse umpf. bange ahertt Ateite Argebl Lache; her d haft N wart ich an Zachsen Hoh em 9. Ver fag en, d en, N Per es Arkham Alt den Ahanne ene 1s vor „Me gt das gufenle kingsc