vag lät⸗ den dern och mt mit Ju⸗ in⸗ J aufg ffech⸗ lagte b el deten den“ orchle hatte und selbt helen ieder 5 del kost un eist erlag igung auc N 111% 1 * — A N n —— N Zwistes! ukünftiger Kinder angeschnitten, so zeigen sich noch jrößere Schwierigkeiten. koleranz auf konfessionellem Gebiete und durch gegen— eitiges Verständnis die Hindernisse überwinden, wenn ä l Evangelische arte Organ der Evangelischen Volksgemeinschaft „Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.“ Matthäus 20, 28. J dahrgang. ö hauptschriftleiter: Edwin Hamburger in Staden(Oberhessen). Berantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger, füt den Unterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz. zür Rücksendung ungewünschter Manustripte wird nicht garantiert. Erscheint Sonnabends. Abonnements⸗ und Anzeigen ⸗Annahmestelle, Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher 1362 und 1145. Postscheckkonto 8437 Frankfurt a. M. Sonnabend, den 16. April 1927. Bezugspreis 50 Pfennig monatlich.] Anzeigenpreise: die 90mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg., am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Vergünstigung. Wiederholungen Nummer 16 An alle Ortsgruppen und Einzelmitglieder in gessen und Hessen⸗Nassau! 5 Die Landtagswahl in Hessen und die Stadtverordnetenwahlen in Frankfurt a. M. machen eine eingehende Beratung über die Durchführung unserer Werbearbeit unbedingt erforderlich. Wir laden darum unsere Mitglieder in Hessen und Hessen⸗Nassau zu einer Sihung auf Dienstag, den 19. April, nachm. 2 Uhr nach Frankfurt a. M.(Krokodil, Kaiserstraße 77) hiermit ein. Tagesordnung: 1. Organisationsfragen(Pfarrer Veller). 2. Wahl des Vorstandes in den Reichswahlkreisen Hessen⸗Darmstadt und Hessen⸗Nassau. 3. Verschiedenes. Wir erwarten, daß alle Ortsgruppen mindestens durch den Vorsitzenden vertreten sind. Besondere persön liche Einladungen ergehen nicht. Kreisvorsitzenden zur Stelle sind. Mit evangelischem Gruß! Als selbstverständlich nehmen wir an, daß alle Abgeordneten und Reichsgeschäftsstelle der Evangelischen Volksgemeinschaft. Ober⸗Lais b. Nidda, den 7. April 1927. Weidner. Eines der Probleme, das uns in unserem Verhält— is zum katholischen Volksteil neben Konkordat und Reichsschulgesetz immer wieder sehr berührt, ist das Rischehenproblem. Besonders beschäftigt es uns in den hegenden mit stark konfessioneller Mischung. In diesen hegenden lassen sich Eheschließungen zwischen den ver— chiedenen Konfessionsangehörigen garnicht vermeiden und werden sich auch in Zukunft nicht vermeiden lassen. Vom rein menschlichen Standpunkt aus bestehen unächst gar keine Bedenken zu einer Mischehe. Schon der alte Fritz sagte ja:„In meinem Lande kann jeder sach seiner Facon selig werden.“ Ein Wort, das die⸗ em Fürsten noch heute alle Ehre macht. Ganz ähnlich denken auch in der Jetztzeit zwei junge Menschenkinder, die beabsichtigen, zusammen einen Bund für das Leben u schließen. Sie glauben an keine Differenzen, sie sind der festen Zuversicht, daß sich alle Schwierigkeiten durch hre große Liebe überbrücken ließen. Wie oft aber ist die Frage der kirchlichen Trauung die Ursache des ersten Wird dann noch die Frage des Bekenntnisses Trotzdem ließen sich bei genügender gegenseitiger licht die Bestimmungen der katholischen Kirche über die Nischehe durch das neue römisch⸗katholische Gesetzbuch zom Jahre 1918 aufs äußerste verschärft worden wäre. Nan fängt nun an, diese Bestimmungen in immer mehr unehmendem Maße ganz rücksichtslos in Deutschland durchzuführen; besonders stark hat Bayern darunter zu leiden. Auch wir in Hessen spüren die Durchführung, und da wir Evangelischen sinngemäß die am stärksten Ostersonntag. 1. Korinther 15, 19 und 20. Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christum, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus auf⸗ erstanden von den Toten und der Erstling worden unter denen, die da schlafen. Nun ist es wieder Frühling geworden. Die Knospen treiben. diele Blüten sind bereits aufgebrochen. Die Fluren und die Jälder bekommen ein neues saftiges Grün. Die Vögel schwingen ch tirilierend in die warme Luft. Alles atmet neues Leben. In gieser Zeit denken wir an ein neues Leben, dem wir Menschen atgegenleben. Warum dürsen wir an dieses andere Leben so estimmt denken? Der Apostel schreibt hier:„Hoffen wir allein in diesem Le⸗ hen auf Christum, so sind wir die elendesten unter allen Men⸗ then.“ Wie viele gibt es, die Jesum für einen recht wertoollen Norallehrer ansehen. Für diese hat Jesus nur wert, solange sie leben. Wenn sie tot sind, gibt es für sie kein Leben mehr. Wofür heben sie da nun gelebt? Warum haben sie sich dann bemüht. Aden Spuren Jesu zu wandeln? Jesu Weg führt über dieses beben hinaus in ein anderes Dasein. Es werden meist die armen Heiden bedauert, weil sie gar achts von Jesus wissen. Sie leben dahin in ihrem Aberglauben ard pflegen meist ganz grauenvolle Sitten. Aber sie haben ja goch nichts Besseres kennen gelernt. Es wird sogar von manchen uten behauptet, diese Heiden fühlten sich ganz wohl dabei. Wir aber haben nun anderes kennen gelernt. Wir haben von unserer dit Mischehe. Jugend an schon von dem Jesus gehört, der dem Tode die Macht Angegriffenen sind, zwingt man uns einen Abwehr- kampf auf. Das wird uns niemand bestreiten können. daß wir für unseren Glauben mit ganzer Kraft einzu— stehen haben, und daß wir jedem Angriff auf ihn ent—⸗ gegentreten müssen. Es gibt Leute, die in evangelischer Traumhaftig— keit sagen: Laßt doch den Dingen ihren Lauf! Sagt nichts über solche Bestimmungen, welche die katholische Kirche nun einmal festgelegt hat! Seien wir versöhn— lich! Seien wir tolerant! Nein, diese Dinge haben mit Toleranz nichts zu tun. Wer so spricht, hat seinen Luther nie verstanden, und brüste er sich auch in Worten damit! Jede Toleranz hat ihre Grenzen! Werden diese Grenzen überschritten, dann heißt die Luther-Losung: Kampf! Betrachten wir die Bestimmungen des römisch— katholischen Gesetzbuches über die Mischehen! Darin heißt es: 1. Ehen unter Christen verschiedenen Bekenntnisses werden nur dann als kirchlich gültige und über⸗ haupt als christliche Ehen anerkannt, wenn sie unter ausschließlicher Erfüllung der katholischen Forderungen vor dem katholischen Pfarrer nach der katholischen Eheschließungsform zustandekommen. 2. Es muß ausgeschlossen sein, daß die Eheleute, sei es vor, sei es nach der katholischen Trauung einen nichtkatholischen Religionsdiener um die Trauung nach dessen Kirchenordnung angehen. 3. Mischehen sind im allgemeinen des bösen Beispiels wegen nicht zu veröffentlichen; das Aufgebot soll unterbleiben. Die Trauung soll außerhalb der Kirche und ohne Feierlichkeit vorgenommen wer⸗ genommen hat. Wie elend sind wir, wenn wir uns von diesem Leben ausgeschlossen fühlen. Das sind also die elendesten Men⸗ schen, die für ein Weiterleben nach dem Tode keine Hoffnung haben. Zu dieser Hoffnung berechtigt uns die Auferstehung Jesu. Das Osterfest ist uns der Gedenktag an die Auferstehung des Herrn von den Toden. Mag man über die Auferstehungsge⸗ schichte denken, wie man will. Die Geschichte berichtet uns, daß Jesus seinen Jüngern mehrmals erschienen ist. Es war der zum Leben auferstandene Christus. Waren vorher die Jünger nieder⸗ geschlagen von den Erlebnissen am Karfreitag, nachdem ihnen der lebende Meister erschienen war, waren sie voll neuer Hoff— nung. Auch für den Apostel Paulus war die Auferstehung Jesu die Grundlage seines Glaubens:„Ist Christus nicht auferstanden, so ist unsere Predigt vergeblich, so ist auch euer Glaube ver⸗ geblich. Auf die Auferstehung Jesu gründet Paulus unsere Auf⸗ erstehung. Damit stehen wir auch auf dem Boden der Verheißungen Jesu selber. Wie oft redet Jesus vom Leben nach dem Tode. Denken wir an die Geschichte vom reichen Manne und dem armen La⸗ zarus, an seine Erzählung vom jüngsten Gericht oder wo er zu den Sadducäern von der Auferstehung der Toten spricht. Zu seinen Jüngern aber sagt er das herrliche Wort:„Ich lebe und ihr sollt auch leben!“ Damit richtet Jesus unser Hoffen auf die jenseitige Welt, wo wir von allen Verdrießlichkeiten dieser Welt befreit sind. Im 13. Kapitel des 1. Korintherbriefes schreibt Paulus von dem Stückwerk. Alles hier auf Erden ist Stückwerk. Unser Wissen den. Auf jeden Fall soll die Brautmesse unter⸗ bleiben. 4. Der katholische Teil ist gehalten, mit Umsicht und Klugheit die Bekehrung des nicht⸗katholischen Gat⸗ ten zu betreiben. 5. Beide Teile müssen versprechen, sämtliche zu er⸗ wartende Kinder nur katholisch taufen und erziehen zu lassen. Das Versprechen soll schriftlich durch einen im katholischen Pfarrarchiv aufzubewahren⸗ den Revers gegeben werden. 6. Die Kinder aus einer nur standesamtlich und vor einem nichtkatholischen Religionsdiener geschlosse⸗ nen Mischehe sind in allen kirchlichen Dingen als unehelich zu betrachten und zu behandeln. Solche Ehen sind nichts anderes als wilde Ehen. Um als wirkliche, christliche Ehen anerkannt zu werden, be⸗ dürfen diese Ehen der katholischen Wiedertrauung. 7. Werden die Zusagen von seiten des nichtkatholischen Teiles nicht gehalten. so ist der katholische Teil be⸗ rechtigt, die Trennung von Tisch und Bett zu ver⸗ langen. Verstößt der katholische Teil wider die Vorschriften, so verfällt er ohne weiteres dem Kir⸗ chenbann und verliert alle kirchlichen Ansprüche und Rechte, z. B. auf Empfang der Sakramente, auf kirchliches Begräbnis usw. Welchem Evangelischen, und nenne er sich nur noch nach seinem Taufschein so, steigt da nicht die Schamröte ins Gesicht, wenn er diese Zeilen liest, wenn er diese Be— stimmungen durchdenkt, die für uns Evangelische ein Schlag ins Gesicht sind? Und ihr Uebertoleranten auf unserer Seite, ihr stets sich Duckenden, was sagt ihr zu so viel Christlich⸗ keit, zu so viel Bruderliebe, zu solcher Toleranz katholi⸗ scherseits? Kennt die evangelische Kirche derartige Be— stimmungen? Nein, der Wert unserer Reformation be— steht gerade darin, daß sie weitherzig war, daß ein ist Stückwerk und unser Weissagen ist Stückwerk. Wie elend wären wir, wenn es nichts anderes als dieses Stückwerk gebe. Hätten wir nicht die Osterhoffnung, dann müßten wir vor der Unvollkommenheit verzweifeln. So aber wissen wir, daß das Stückwerk einmal auch für uns aufhören wird.„Wenn kommen wird das Vollkommene, so wird das Stückwerk aufhören“. Dieser Vollkommenheit leben und streben wir entgegen. Sie gibt un⸗ serem diesseitigen Dasein Zweck und Ziel. Die Osterglocken klingen heute wieder. Sie klingen so froh und erhebend. Wie der Winter mit seiner unfeundlichen Kälte gewichen ist, wie die Vögel uns den neuen Frühling künden, so wollen diese Glocken uns das Herz erfüllen mit neuer seliger Hoffnung. Sie wollen uns erzählen von dem Erstling unter denen, die da schlafen, wollen unsere Seele erheben, unser Herz höher schlagen lassen. Man spricht vom Kampf des Winters mit dem Frühling, der um diese Zeit ausgefochten wird. Wir reden von dem Kampf des Lebens mit dem Tode.„Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unseren Herrn Jesus Chri- stus.“ Triumphieren dürfen wir mit dem Apostel Paulus:„Der Tod ist verschlungen in den Sieg. Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist dein Sieg?“ Zu dem Sieger über den Tod aber wollen wir betend sprechen: Wirk du in mir, zeuch himmelwärts Begierden, Sinnen und Gedanken, daß, wo du bist, mein ganzes Herz von nun an leben mag ohn' Wanken; du bist nicht fern: wer dich nur liebet rein, der kann im Geist bei dir im Himmel sein! Amen. Hr. ——— ———— e * r ——— Sonnabend, den 16. April 1927. 2 Friedrich der Große mit Recht sagen konnte:„Die Re⸗ formation war ein Segen für die Welt und besonders für den Fortschritt des menschlichen Geistes.“ Wo bleibt der Fortschritt im neuen Mischehengesetz? Ist das nicht ein Rückfall ins finsterste Mittelalter? Nach 1. sind unsere evangelischen Ehen überhaupt keine christlichen Ehen. Wir sind und bleiben halt die Ketzer! Nach 3. sind Mischehen ein böses Beispiel! Die evangelische Ehe ist nach 6. eine wilde Ehe! Man könnte beinahe glauben, die Begriffe dieser Welt seien ver— dreht! Wir müssen uns fragen: Wer ist denn nun der Störenfried in der Mischehe? Ist es die evangelische Kirche oder die katholische? Die katholische Kirche ver— langt nach 4., daß der katholische Teil den protestanti⸗ schen zum Uebertritt zu bringen hat. Wenn der katho⸗ lische Teil die Vorschriften nicht erfüllt, bedroht man ihn mit Kirchenbann usw. Und ruhig schläft der Evangelische! Duldsam, und wenn der andere Volksteil uns Stücke vom Körper schneidet! Nein, hier heißt es sich wehren! Sich wehren gegen ein Mittelalter! Sich wehren gegen eine Macht, die ein Interesse daran hat, unseren evangelischen Volksteil zu vernichten! Sich wehren mit aller Kraft! Eintreten für das, was uns ein Luther errungen! Wir führen keinen Angriffskrieg, nein, nur einen Abwehrkampf gegen die unerhörten Angriffe auf unse⸗ ren Glauben, auf unsere Kirche, auf unsere Ehe, die wir auch als heilig betrachten. Und wie wird gearbeitet, um diesen Bestimmungen zu ihrem Rechte zu verhelfen. Nur ein Beispiel einmal aus Bayern, obwohl auch Hessen genug aufweist. Erst vor einem Vierteljahr waren evangelische Geistliche zu folgender Erklärung genötigt: 2 Erklärung. Im hiesigen städtischen Krankenhause ist ein be⸗ dauerlicher Fall konfessioneller Friedensstörung vorge— lommen. Am 12. Dezember d. J. wurde eine im Sterben liegende katholische Ehefrau, deren Ehe vor 4 Jahren in Sulzbach nach evangelischem Ritus eingesegnet wor— den war, durch den katholischen Krankenhauskuraten noch einmal getraut. Da die Frau nach dem Besuche des katholischen Krankenhausseelsorgers ihrem Manne erklärte, nur unter dieser Bedingung ruhig sterben zu können, hatte dieser auf die dringenden Bitten der Ster— benden hin in die geforderte Wiedertrauung eingewil— ligt. In Erwägung des Umstandes, daß hier dieser Fall der Wiedertrauung eines gemischten Ehepaares an dem Sterbebett des katholischen Eheteiles nicht der erste ist, der sich in Amberg ereignet hat, und daß in füngster Zeit auch in anderen Fällen gegen die Gültigkeit der evangelischen Trauung schwere Angriffe gerichtet wurden, sieht sich Pfarramt und Kirchenvorstand der evangelischen Pfarrei Amberg veranlaßt, sich der Erklä— rung anzuschließen, die von den beiden evangelisch— lutherischen Stadtpfarrämtern in Erlangen im Septem⸗ ber d. J. aus Anlaß eines ganz ähnlichen Falles abge— geben wurde, und folgendes in der Oeffentlichkeit aus zusprechen: 1. Die Wiedertrauung eines bereits nach evange— lischem Ritus eingesegneten gemischten Paares bedeutet eine schlimme Mißachtung der evangelischen Trauung und einen starken Angriff auf unsere evangelisch-kirch— liche Ehre. Gegen diese Mißachtung und diesen Angriff erheben wir aufs schärfste Protest. 2. Wir bitten alle unsere in gemischter Ehe leben— den Glaubensgenossen angesichts dieser Vorkommnisse, nicht nur ihrem Glauben und ihrem Versprechen die ge— lobte Treue zu halten, sondern auch auf der Hut zu sein und sich gegen Ueberraschungen jeder Art zu wappnen. Dornenwege. Roman von Clara Meller. 20. Fortsetzung. Kräuterpitter lachte in sich hinein:„Das war recht, immer raus mit der Sprache.“ Er steckte seine 30 Pfg. ein und hockte sein Bündel zurecht.—„Mittwochs und Sonnabends gibt es Ziegenbutter beim Walodpitter, auch Eichelkaffee, selbstgebrann⸗ ten, und Heidelbeeren mit Honigmilch, so etwas haben Sie nie gegessen! Also auf Wiedersehen!“ „Auf Wiedersehen!“ rief Urle freundlich, er schob seine ver— witterte Mütze zurecht und fort war er, nur der würzige Duft lagerte noch lange in der Luft und trug sein originelles Bild in der Waldatmosphäre. * Der Regen tropfte gleichmäßig auf die Fenstersimse von Königsborn, das einförmige, tonlose Geklatsch drang in den Salon und ließ das Behagliche zur vollen Geltung kommen. Doch niemand schien es zu empfinden, weder Ludmilla, die zu sammengeschmiegt, still wie ein lauerndes Kätzchen in der Sofaecke saß, noch Frau Wendlandt, die regungslos wie ein Steinbild in dem weichen Polstersessel lehnte. Eine Schar Spatzen zankten sich laut am Spalier und flogen in eifriger Kampflust gegen die Fensterscheiben. Die Katze, die schlafend auf Frau Petronellas Schoß gelegen, schnellte beute— gierig in die Höhe. Ihre Herrin strich besänftigend über ihren Kopf:„Schlafe nur, Flix, es ist nichts für dich,“ und sie rollte sich wieder in ihre behagliche Stellung. Offenbar erwarteten die beiden Frauen jemand, denn hin und wieder flog ein lauernder Blick Ludmillas zur Tür. Frau Wendlandt sah fast frischer, gesünder aus wie vor Jahresfrist, nur immer glückloser wurde der Ausdruck ihres Gesichtes, es lag eine nervöse Frage in den Augen: was schrackt mich nun?— Jedes neue Unglück hieß sie eifriger, bis zur krank⸗ „Evangelische Warte“ 3. Die evangelischen Geistlichen von Amberg erklä— ren sich gerne bereit, überall da, wo die katholische Kirche in Mischehen die kirchliche Beerdigung versagen sollte, auch dem katholischen Teil die letzte kirchliche Ehre zu erweisen. Amberg, den 16. Dezember 1926. Stadtpfarrer Weigel. Pfarrer Geyer. Hilfsgeistlicher Dr. Gesch. Hilfsgeistlicher Pfaffenberger. 8 Bauridl. L. Bayer. Bayreuther. Ditmar. Dr. Doerf⸗ ler. Dr. Kayser. Lippold. Popp. E. Rall. W. Rall. ö bold. Pop Raum. Thiermann. Ein entsprechendes Seitenstück wurde aus Nürnberg gemeldet: Evang.⸗Luth. Pfarramt St. Matthäus. Gegenwärtig die Unterzeichneten. Es erscheint die unterzeichnete Schuhmachersehe— frau Margarete Kirchmeier und erklärt: Ich war als Katholikin mit einem evangelischen Mann evange— lisch getraut worden. Als ich zur Beichte in der St. Martinskirche ging, erhielt ich den Bescheid von dem katholischen Geistlichen, ich könne die Absolution erst erhalten, wenn ich meinen Mann zu einer Wiedertrau— ung in der katholischen Kirche bestimmt hätte; dieselbe könne in ganz einfacher Weise in der Sakristei vorge— nommen werden. Ich sollte ihm vorhalten, daß ich tot— unglücklich sei, solange er mir meinen Willen nicht ge— tan hätte. Ich habe daraufhin meinen Austritt aus der katholischen Kirche erklärt und bin in die evange— lische Kirche eingetreten. Vu. (Gez.:) Kelber, Pfarrer. Margarete Kirchmeier, geb. Werner. Zur Beglaubigung der Abschrift: Nürnberg, den 12. Dezember 1926. Evang.⸗Luth. Pfarramt St. Matthäus. Kelber, Pfarrer. Man darf nun nicht annehmen, daß diese Fälle vielleicht Ausnahmen seien. Nein, im Gegenteil, ähn⸗ liche krasse Fälle, die auf dem Gebiete des Mischehen— gesetzes liegen, lassen sich in Hessen auch nachweisen. Vielleicht kann in einem späteren Aufsatz einmal dar⸗ auf zurückgekommen werden. Die bayrischen Beispiele zeigen aber, welch heftiger Kampf, Kulturkampf, durch die Verschärfung des Mischehengesetzes dort eingesetzt hat. Hat sich dort der„Sonntags-Friede“, ein katho— lisches Blatt, das zugleich amtliche Kirchenzeitung für die Erzdiözöse Bamberg ist, unterm 24. Oktober 1926 er⸗ dreistet, zu schreiben: Die Methodisten und Reformierten und Lutheraner und wie die Krethi und Plethi alle heißen, werden von Tag zu Tag nervpöser! Welch ein Sonntagsfrieden im„Sonntags-Friede“! Man nennt uns Krethi und Plethi, d. h. Gesindell Das möge einmal in einem evangelischen Sonntagsblatt stehen! Mit welch großen Lettern brächten es die katho— lischen Zeitungen! Ganz abgesehen von der sofortigen Strafanzeige! Und der Evangelische schläft! Er merkt es nicht und will es nicht merken, wenn man seinen sterbenden Glau— bensgenossen die Pistole auf die Brust setzt. Evangelische, wacht auf! Wenn ihr die Bestim— mungen des Mischehengesetzes überdenkt, so erinnert euch, daß ein Konkordat und ein Reichsschulgesetz in Aussicht sind! Darum, Evangelische, zusammenschließen zum Abwehrkampf sei unsere Parole! Habt ein wach— sames Auge! Steht fest im Glauben, erinnert euch eutes Luthers, seid evangelisch! 0 haften Steigerung beten, sie zog keinen Schluß, keine Lehre aus ihrem Lebenshergang. Ludmilla entnahm ihrem Pompadur einen Taschenspiegel und drückte sorgfältig die Locken in geordnete Lage. „Ludmilla, hast Du nun den kleinen Antonius mit der Wärterin bei Deiner Mutter?“ 77777 TddT0V0V„cfßfPfTfTcfßßTGGPPcfTTTrr 777 ß England. Immer unverhüllter werden die Taten der das etwas geschicktere Land, vessen Diplomatie nicht so C N 0 eee eee eee drei Mark.“— „Gewiß, ich werde auch hinziehen, wenn ich erst endgül— tigen Bescheid habe, daß Rudi wirklich im Ausland ist.— Wa⸗ rum nahm er mich nicht mit, ich bin doch bereit, alles Leid mit ihm zu teilen,“ setzte sie mit phantastischem Augenaufschlag hinzu. „In seinem hinterlassenen Brief an mich schreibt er doch, Du habest Dich in Abscheu von ihm gewandt,— wem soll ich denn nun glauben?“ „Wem entschlüpfen nicht in der ersten Erregung unbedachte Worte, an denen das Herz nicht Teil nimmt? Er mußte mich mitnehmen, wenn er mich liebte, jetzt leide ich für seine Sün⸗ den von ungerechten, klatschlustigen Menschen und er ist ge— borgen.“ „Sprich nicht so unverständlich, ohne Mittel ist niemand leicht geborgen, außerdem seine Angst, die qualvollen Gewissens⸗ bisse— und in eine ungewisse Zukunft, auf die Flucht, konnte er Dich nicht mit hineinreißen.— Wolltest Du denn das Kind verlassen?“ „Auf kurze Zeit.“— „Du sprichst, als gilt es eine Vergnügungsreise zu unter⸗ nehmen,“ fiel Gerhard scharf ein, dessen Eintreten keine der beiden Frauen bemerkt hatte. Ludmilla warf die Lippen auf:„Wie häßlich ungezogen Du zu mir sprichst, findest Du keine milderen Worte für mich in meinem Leid?“ Er fand keine Entschuldigung, schien überhaupt ihre Worte vollständig zu ignorieren:„Ist es wahr, daß Du Dir von Urles Aufwartung über das Leben aus der Familie von Hans be⸗ richten läßt?“ Allf der Warte. Es wird immer offenkundiger, daß der Kampf der Generale in China garnicht einen innerpolitischen ieg im gewöhnlichen Sinne des Bürgerkrieges dar⸗ ellt, sondern der Riesenkampf zwischen Rußland und E L beiden Großstaaten. Vielleicht ist England dann noch mit der Farbe herausrückt. Warum soll man die einzelnen chinesischen Generäle auch nicht unterstützen? Es wird ja kein russisches und kein englisches Blut ver⸗ ssen, sondern nur chinesisches. Dabei ist nur das oz China zu bedauern, das die Hiebe auszuhalten al. Der chinesische Krieg ist eines der größten Gauner⸗ stückchen der Weltgeschichte. Der nationalistische Tschang⸗ solin schert sich nichts um allgemeine Völkergesetze(wa⸗ rum, ist einfach zu beantworten: weil er westeuropäische Diplomatie hinter sich hat) und dringt in die Gebäude 0 russischen Botschaft in Peking ein. Proteste hin, Proteste her! Ein Schlag Englands gegen Rußland ist alle wieder einmal gelungen!— Zwischen Italien und l Jugoflawien hat man es jetzt so weit gebracht, daß die“! beiden Staaten direkt miteinander verhandeln werden. In einer dreiköpfigen neutralen Schlichtungskommission soll auf Wunsch der drei beteiligten Staaten Italien, Albanien und Jugoslawien auch Deutschland beteiligt sein. Ein gutes Zeichen für die wieder erwachsende Großmachtstellung unseres Vaterlandes!— Zwischen he Ungarn und Italien wurde ein Freundschaftsbündnis abgeschlossen. Ungarn bekommt einige Konzessionen, darf Fiume als Freihafen benutzen, muß aber dafür 8 Italiens Politik unterstützen. Wieder ein glänzendes ut Rechenkunststückchen Mussolinis. Die kleine Entente ist aber stutzig geworden! Ungarn erstarkt, das ist be. denklich. Besonders, wenn es mit italienischer Unter- 171 stützung geschieht.— Rumänien wirft eifersüchtige Blicke, b hat aber im eigenen Lande viel zu tun. Der König!, liegt im Sterben und um die Nachfolgerschaft stehen ich im Lande zwei Parteien scharf gegenüber. Die Königin] weils Maria möchte die Zügel der Regierung gern selbst in die ell Hand nehmen, während auf der anderen Seite vom le größten Teil des Militärs und des Volkes die Rückkehr fa des durch seine Liebesgeschichten bekannt gewordenen les Erbprinzen Carol gewünscht wird. Hie Maria, hie Carol, ist die Losung, die beim Tode des Königs einen Bürgerkrieg heraufzubeschwören droht.— Polen be⸗ nimmt sich weiter wie ein ungezogener Junge; beküm⸗ mert sich ebenfalls nicht um Völkerrecht, um Völker⸗ bundsbeschlüsse und ist nur vom unbändigsten Hasse gegen alles Deutsche erfüllt. 8000 deutsche Arbeiter wurden wieder unberechtigterweise auf die Straße ge— worfen!— Die Wirtschaftsführer predigen derweilen von Verständigung. Selbstredend. denn das Kapital ist international und jede politische Verwicklung er⸗ schwert die Vermehrung des Kapitals. Die deutsche Bankgröße von Mendelssohn sprach in London, Loucheur in Berlin. Natürlich unter Beifall! Kapital versteht sich. Da darf selbst der französische Stinnes kommen, der uns unendlich viel auch schon zu schaffen machte. Die Zeitungen machen dazu ihre Verbeugungen! Es lebe das Kapital! Alle die anderen Worte, die sich sonst um eh un diesen Kernpunkt scharen, sind Schall und Rauch!- t Der deutsche Reichstag erlebt vor Schluß noch eine ganze Fla Reihe von Sensationen. In der letzten Nummer ber Ne grüßten wir die Auslassungen der deutschen Volkspartei eh n auf ihrer Kulturtagung, bei der auch Stresemann sprach. ln Ihr Führer mußte auch ihre Kulturpolitik vertreten. Illi Doch was war das? Das Zentrum winkte entrüstet Dann winkte es befehlend und— Herr Stresemann sant in die Kniee! Es war ja alles nicht so gemeint! Man hatte alles verkehrt verstanden. Die Demokraten sahen sich durch die Erklärungen ihres Führers Koch blamiert und brachten eine Reichstagsentschließung gegen das Reichskonkordat ein. Die Folge? Die Re gierungsparteien schufen eine Formulierung, die eines E — * Eine flammende Röte schlug über ihr Gesicht:„Wer sagl das?“ 4 „Dammrats Verwandte muß es immer schreiben, da die Aufwartung über soviel Schulkenntnisse nicht verfügt, sie teilen z sich dann in das Spionage-Honorar. Du zahlst gut, à Brief „Nun gut, wisse denn, ich hasse diese hochmütige Ketzerim, die mich behandelte, als stände sie turmhoch über mir. Uebrigen f tue ich das nur in Mutters Intersse, wir sind, meine ich, ge. zwungen, aufzupassen, daß sie den Familiennamen nicht kom promittiert. Gerhard lachte schneidend auf:„Möchte doch jeder vor feine Türe fegen, ich meine, wer Menschen beurteilen kann, weiß, daß uns von dieser Seite keine Gefahr droht.— Hättet Ihr mein Stimme nicht überschrieen und Hans damals das Geld gegeben stände er jetzt gesichert auf festen Füßen, nun ist es zu spät, auch 5 Mutter war ungerecht.“ 8 „Gerhard,“ fuhr sie wie von einer Vipper gebissen auf,„ich 8 frage nie nach meinem Herzen, denn auch das führt uns of 5 irre sondern einzig, was Glaube und Kirche gebietet!“ n „Dich umstrickten wohl auch die goldblonden Zöpfe diefe! Sirene,“ lachte Ludmilla höhnisch. „Du sprichst von meines Bruders Weib,“ fuhr er auf, un! die maßloseste Empörung sprühte aus seinen Augen. „Vergib, ich sprach in der Erregung,“ sagte sie weich und streckte ihm demütig bittend ihre Hand hin.—„Es war ab scheulich von mir, Du bist jetzt meine einzige Stütze mein Troßt ich lohne es Dir schlecht! Aber was für eine Sanftmut gehör auch dazu, mit anzuhören, daß eine, die das sechste Gebo nicht kennt, in allen Tönen gelobt wird.“ 11 „Ludmilla,“ rief Frau Wendlandt und streckte abwehren? ihre Hände aus, so daß Flix empört über die unliebsame Stü tung das Weite suchte. ng Fortsetzung folgt. um 0 A en d a uh icht an d 1 ha dasth i lrbeitsausschuß deutscher Verbände lktenpublikation des Auswärtigen ia,. len h. n 90 Arbei raße g weill Kapilk ung lieh, e 70 die eit 8 „Wen 0 U, d! fe l t. A Af e Kehelh Uebe sie ich! 5 dal erungsparteien erklärte der Abg. v. Guerard(Zen⸗ orgerufen habe, daß die Negierungsparteien sich aber n kam der treffende Zwischenruf:„des Konkordats“, der hallende Heiterkeit hervorrief. Herr Guerard meinte Zukunft. was ar ie egt über der Politik. Es ist kein Friede, nur ein Waf⸗ olitisch, neue Kämpfe ü keichsleitung über die Bedeutung des abgeschlossenen he Material für einen solchen Gerichtshof. Jeder, der 10 1 0 villig betrieben oder absichtlich entfesselt hat. zewicht von Europa nach den Fonnabend, den 16. April 1927.„Evangelische Warte“ 2 777777 0 ͥã dd ããddddddꝓPdßbpßGGGwGwGwGGpGTGTGPGPpPTFVGTGFPpPPbPpPpPPPpcfcccccccc W e ieee teisrätsels würdig war, und lehnten den demokrati⸗ 1 Antrag ab! Erleichtert, sichtlich erleichtert, at⸗ ete die Zentrumspresse auf. Sie hat einen Erfolg auf mn Wege zum Konkordat zu buchen dank des Umfalls n Herrn Stresemann. Wenn er es auch bestreitet, es ar doch ein Umfall von der schlimmsten Art!— azwischen wurde der Etat für 1927 genehmigt, die eichstagsabgeordneten bestätigen dankend den Emp⸗ ing von monatlich 619 Mark, genehmigten sich gene js eine Reihe weiterer Vorteile, dann gab's noch einen lsammenstoß zwischen Stegerwald und den Sozial⸗ mokraten oder besser gesagt zwischen den christlichen d den freien Gewerkschaften, wobei die letzteren den rzeren zogen. Dazwischen kam das deutsch⸗französische sandelsprovisorium auf den Plan. Namens der Re⸗ 10 Um), daß das Abkommen die größten Bedenken her⸗ ah entschlossen hätten, zuzustimmen in Erwartung— atürlich in Erwartung einer Besserung des Abkommens Durch alle diese Zwischenfälle ging man geregt in die Ferien.— Die Verschmelzungs⸗ 1 ndlungen zwischen Zentrum und Bayrischer Volks⸗ artei gehen bedenklich langsam. Man ist über das lufangsstadium noch nicht hinaus.— In Hessen zeigte der Staat durch Bewilligung von Mitteln für die e etwas erkenntlicher als seither.— Osterfriede stillstand, denn im Laufe des Sommers werden über ine Reihe wichtiger Lebensfragen, innen- und außen⸗ entbrennen.— 27 eee Im Dienste der Wahrheit. eichspräsident, Reichskanzler und Reichsaußenminister zur Kriegsschuldfrage. In einer Schrift im Dienste der Wahrheit, die der zum Abschluß der Amtes demnächst Aeußerungen der etausgibt, befinden sich folgende Reichspräsident v. Hindenburg. Wir haben die politischen Geheimakten unserer gergangenheit enthüllt, um der Wahrheit über die ntstehung des Weltkrieges zum Siege zu verhelfen. Unsere Aktenpublikation ist ein offenes Bekenntnis an ie Welt. Wir erwarten heute eine ebenso offene Ant⸗ vort der Welt auf dieses Bekenntnis. Reichskanzler Dr. Marx: Der hohe Gedanke der Völkerversöhnung kann auf geistigem Gebiete durch nichts so stark und nachhaltig fördert werden, als durch unbedingte Aufrichtiak it ber jene Vergangenheit, die Europa in zwei feindliche dager zerrissen hat. Wir sind durch unsere Akten⸗ zublikation auf dem Wege zur geistigen Annäherung der Nationen vorangegangen. Neichsaußenminister Dr. Stresemann: Wie ich schon erklärt habe, sind wir Deutschen be⸗ it, uns jedem unparteiischen Gerichtshof zu stellen, der die Ursachen des Weltkriege untersucht. Die Akten⸗ zublikation des Auswärtigen Amtes enthält das deut⸗ die Ueberzeugung ch in ihren Inhalt vertieft, wird 0 den Krieg bös⸗ ewinnen, daß Deutschland keinesweg⸗ Europas Gläubiger. Durch den Krieg hat sich das kapitalistische Schwer⸗ Vereinigten Staaten herschoben. Vor dem Kriege waren die Vereinigten Eine volkstümliche Betrachtung von F. Haupt⸗Gießen. Schluß. im Jenseits sein werden. Seele ist es ja, die sich den Körper baut. it ja nicht zufällig so wie er ist, sondern er ist so, Seele so ist. Nie wird der Lügner ehrliche der Mensch, der bloß im Staube im Gesicht tragen. Das Sprichwort sagt mit Recht: Eine Gerechtigkeit gibt es auf Erden Daß aus Geistern Gesichter werden. oder: In jedes Menschen Gesichte steht seine Geschichte, Sein Hassen und Lieben deutlich geschrieben; Sein innerstes Wesen, es tritt hier ans Licht, Doch nicht jeder kann's lesen, verstehn jeder nicht. ichen Leib haben, aber einen Leib aus Himmelsstoff. fun noch ein paar Schritte auf dem religiösen Weg. ne uns auf dem Weg nach den keugungskraft als wissenschaftliche Beweisführungen. n siöse Mensch braucht keinen wissenschaftlichen Beweis für seine blauben an das Jenseits. ie Krücken des Verstandes nicht. ung lächelt nur über den Unglauben. fein Leben nach dem Sode dentbar? Der Apostel will damit sagen, daß neue himmlische Leiber Hier auf Erden trägt die Seele einen Leib aus Erdenstoff, im Jenseits wird sie einen Leib tragen aus Himmelsstoff. Das kann man sich doch sehr gut denken. Die Unser irdischer Leib weil die Augen haben, nie kriegt, einen idealen Ausdruck Im Jenseits wird also die Seele einem dem irdischen ähn⸗ Bis hierhin möchte ich den rein gedanklichen Weg gehen, Wienn ich früher die Wissenschaft eine trübe Fackel nannte, tiefsten Fragen des Lebens nur chr undeutlich leuchtet, so muß ich die Religion ein helles Licht sennen. Sie ist der Widerschein des Ewigen in uns. Darum wöhnlich annimmt. Den deutschen Mann möchte ich einmal laben ja auch religiöse Erfahrungen eine ganz andere Ueber⸗sehen, der unter dem Tannenbaum sitzt und seinen Kindern Der reli⸗[in die Augen sieht und dann ohne mit der Wimper zu zucken Wer Jesus erfahren hat, braucht Die Kraft religiöser Erfah⸗ Ludwig Richter, der eee eee eee eee eee eee eee eee ee esse Einzelbestellung unseres Organs, der„Evangelise Bezugsgebühren an den Verlag abgeführt sind. eee eee ec CCC ͤ Staaten an Europa mit etwa 16 Milliarden Mark verschuldet, heute beträgt die finanzielle Verpflichtung Europas an die Vereinigten Staaten rund 60 Milliar⸗ den Goldmark! London hat seine Stellung als Geld⸗ markt der Welt an Neuyork abgetreten, und hier laufen, im Großen gesehen, die Fäden zusammen, die die Bör⸗ sen und, mit einiger Einschränkung natürlich, auch die einzelnen Nationalwirtschaften der Welt leiten. Die iubigerschaft Nordamerikas ist heute der bestimmende der Weltwirtschaft. Ueberall in der Welt sehen aber auch das Bestreben sich dieser Schuldkuecht⸗ chaft zu entziehen. Man braucht nur an die jahre⸗ langen, zum Teil noch ungelösten Schuldenverhand— lungen der Ententeländer mit Amerika zu denken. Auch der überall zu beobachtende Kampf um aktive Handels⸗ bilanzen, zu deren Herbeiführung man eine strenge Hochschutzpolitik treibt, dient letzten Endes dem Zweck, Ueberschüsse der Nationalwirtschaften zu erzielen, um mit ihnen den drängenden Gläubiger jenseits des Oze aus zu befriedigen. Auch das heiße Bemühen, die Roh— stoffmonopole zu durchbrechen, gehört in dieses Kapitel der bisher größtenteils erfolglosen Auflehnung gegen die Wirtschaftsautokratie der Vereinigten Staaten. Eine wesentliche Steigerung der Warenausfuhr nach Ame⸗ rika ist dank dem dortigen Schutzzollsystem so gut wie ausgeschlossen. Man versucht daher in verschiedenen Ländern an Stelle dessen, Menschen zu exportieren, um den viel zu engen Lebensraum der heimischen Bevölke⸗ rung wenigstens etwas zu entlasten. Namentlich Ita⸗ lien wendet an diese Bestrebung ein verzweifeltes Be⸗ mühen... Die Folgen aller dieser Spannungen ist ein fast schon verewigter Unruhezustand in Europa, reich an Konflikten und Konfliktmöglichkeiten. Die gesamte euro⸗ päische Diplomatie gibt sich redlich Mühe, sie wegzuräu⸗ men. Aber der Erfolg hat alle diese Bemühungen bis⸗ her schlecht gelohnt. Versthiedenes. Ein Urteil über eine evangelische Partei von Zentrumsseite. Die Beurteilung unserer Bewegung ist natürlich ganz verschieden, je nachdem jemand bereits politisch irgendwie festgelegt ist. Selbst solche, die offiziell be⸗ haupten, sie stünden allen Parteirichtungen neutral gegenüber, können ihre parteiische Stellungnahme nicht immer verbergen, wie z. B. die„Deutsch⸗Evangelische Korrespondenz“, welche in Nr. 14 vom 6. April 1927 schreibt, daß mit einem protestantischen Zentrum immer wieder bis auf den heutigen Tag„gespielt“ worden sei. Diese unfreundliche Bemerkung von einer„politisch neutralen“ evangelischen Seite wollen wir einmal neben eine ernste Beurteilung unserer Bewegung von Zen— trumsseite stellen. In Heft 12 der„Allgemeinen Rundschau“ beschäftigt sich ein alter Zentrumspolitiker mit unserer Parteibildung. Er findet eine solche durch⸗ aus nicht uneben. Von dem Entstehen einer derarti— gen Partei schreibt er: „Das wäre auch vom Standpunkt des Zentrums aus zu begrüßen, sowohl in konfessioneller wie in politischer Hinsicht. Nur wenn der Protestantismus 0 ö die sonst so freundlich geblickt, waren geschlossen, der früher so lieb reden konnte, war bleich und stumm. Da fragte eine Stimme in ihm: Ist denn das eigentlich noch dein Kind? Seine gläubige Seele antwortete ihm: Nein, das ist es nicht, das ist nur sein sterblich Teil, das tragen sie jetzt auf den Fried⸗ hof, dort wird es verwesen. Das aber, was in diesem Körper lebte, was eigentlich mein Kind war, das können sie nicht be⸗ graben, das ist aus einer anderen Welt. Und unter dem Ein⸗ Sterbens hat er jenes wunderbare Herbstbild ge⸗ malt, das uns die religiöse Tiefe dieses Mannes zeigt. Im Vordergrunde sieht man ein Kreuz, darunter liegt ein Mann. Im Hintergrunde ist ein See und Zugvögel fliegen darüber hin. Da denkt der unter dem Kreuze: So wie diese Vögel eine ferne Heimat suchen, so eilt auch die Menschenseele einer ewigen Hei— mat zu, wir haben hier keine bleibende Statt, sondern die zu⸗ künftige suchen wir. In Düsseldorf sah ich einmal ein Bild, das hat sicher auch ein gläubiger Vater auf den Tod seines Kindes gemalt. Auf dem Bilde sieht man nur ein paar Wol⸗ ken, durch die ein kleines Kind auf Schmetterlingsflügeln gen Himmel fliegt. Der Ausdruck in dem Gesichtchen des Kindes ist einem unvergeßlich. Ueber seine Bäckchen rinnen noch ein paar Tränen. Es sind die Abschiedstränen, die es weint, weil es der Mutter Arm verlassen muß. Aber in den Augen leuch⸗ tet schon die Freude, daß es heimkehren darf zu dem himmlischen Vater. So lebendig hat religiöser Glaube immer empfunden. Der Glaube an das Jenseits ist wirklich keine Erfindung der Theologen, die den Elenden auf das Jenseits vertrösten wollen, wie die Freidenker behaupten. Und von diesem religiösen Glau⸗ ben schlummert mehr in der Seele unseres Volkes, als man ge— druck dieses n sagt: Es sind ja doch bloß Maschinen aus Fleisch und Blut. Sie sagen es im Wirtshaus und in der Freidenkerversammlung. aber sie glauben es selber nicht in den heiligsten Stunden ihres Lebens. Die Augen der Kinder sind tiefen Menschen noch * Milteilung der Reichsgeschüstsstelle hen Warte“, ist in Zukunft nur noch durch die Post ch. Die Vestellung bei der Post kann zu jeder Zeit erfolgen. Nur bei Bezug von 5 Exemplaren ab in einem Sammelpaket erfolgt die Zustellung durch den Verlag. Als selbstverständlich nehmen wir an, daß von jeder Ortsgruppe spätestens am 10. jeden Monats die der Mund, Nr. 16. ( een essa sss S eee eee eee eee eee eee 82 5 Weidner. PP FFP AA A..... K durch eine starke Partei und durch Anteilnahme am Geschehen und Werden des Staates wieder daß Gefühl der Zurücksetzung und Unterdrückung den Albdruck vor dem Katholizismus verliert, wenn er sich wieder geschützt und geborgen fühlt durch eine starke Partei, wird die Gefahr eines neuen großen Kampfes zwi⸗ schen Protestantismus und Katholizismus vermieden werden.“ 8 Eine Anklage. Im„Evangelischen Deutschland“ lesen wir aus er Schrift„Anklage gegen die Christen“ von Paul e Seur folgende, zum Nachdenken zwingende Stelle: Die einen leben in üppigster Fülle, die anderen gehen im Elend zugrunde. Und alle sind Glieder des⸗ selben Volkes, ja meist derselben Kirche! Und die Ehristen schreien nicht! Das verstehe, wer es kann 5 „Das Evangelium bietet uns kein wirtschaftliches Sy⸗ stem, aber es gibt uns die sittlichen Maßstäbe an die Hand, mit denen wir die Auswirkung solcher Susteme zu werten haben. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß der grobe Marxismus den Menschen entseelt, die Familie zerstört und damit die Grundlage der Volks⸗ gemeinschaft vernichtet. Aber hat etwa das herrschende kapitalistisch⸗mammonistische System seine Opfer, die Proletarier, also den größten Teil unseres Volkes, nicht ganz ungeheuerlich entseelt? Zerstört es nicht die Fa⸗ milie, wenn es ihr statt eines Heimes ein elendes Loch gibt, wenn es die Kraft des Vaters bis aufs letzte aus⸗ mergelt, die Mutter in die Fabrik zwingt, fort von ihren kleinen Kindern, und schon zarte Kinder zum Mitver⸗ dienen verurteilt? Hat sich nicht ein Wirtschaftssystem selbst gerichtet, das den Mammonsgeist geradezu hoch⸗ züchtet und auf die ichsüchtige Gier Prämien setzt? Wie ist es möglich, daß Christen solch System verteidigen? O der Schuld der Kirchen! Wann haben sie den Haß wider den Mammon gepredigt und getätigt? Entweder — oder! Und du? Aber es gibt Christen, denen ist es nicht einmal ein quälendes Problem, wenn sie es besser haben als die anderen! Ja, gerade deshalb sind sie mit der gegenwärtigen Ordnung der Dinge ganz zufrieden. Und beten doch das Vaterunser.“ Eröffnung einer deutsch⸗evangelischen Kirche in Paris. Die vor etwa einem Jahre von der französischen Regierung freigegebene deutsch-evangelische Kirche in Paris wird demnächst wieder eröffnet werden. Die Verwaltung der Kirche hat der evangelische Kirchenausschuß in Berlin übernommen, von dem auch der Pfarrer gestellt wird. Aus unserer Bewegung. Dank nach Mainz. Ober⸗Lais, den 12. April. Wenige Wochen nach der Mainzer öffentlichen Versammlung kam aus Mainz ein Brief mit dem Bemerken:„Einliegend fünf Mark für die Evangelische Volksgemeinschaft. Ein Evan⸗ gelischer sendet dies Scherflein. Gott segne die kleine Gabe.“ Da der Absender nicht genannt war, so sei ihm an dieser Stelle für seine Spende herzlichster e sagt. 8 eee wenn er auch nachher immer wieder sich frech hervortat. Ist denn nicht auch das ganze soziale Mühen unserer Zeit geboren aus der Ueberzeugung, daß wir Menschen eben doch nicht bloß Maschinen sind. Es wäre doch töricht, von Brüderlichkeit und Gleichheit zu reden, wenn Menschen bloß Maschinen wären aus Fleisch und Blut. Unter Maschinen gibt es weder Gleichheit noch Brüderlichkeit, sondern gewaltige Unterschiede. Die besser gebaute Maschine ist jedenfalls viel wertvoller, als die weniger gut gebaute. Eine Nähmaschine ist etwas anderes als ein Schubkarren. Hat die Freidenkerei recht, dann ist der Kluge ungleich wertvoller als der weniger Kluge, der Krüppel un⸗ nötiger Ballast. Tatsächlich beruht die ganze soziale Frage auf dem Glauben an den ewigen Wert der Menschenseele. Ohne dieses christliche Fundament bricht sie in sich zusammen. Man muß wirklich lächeln, wenn man den Freidenker hört sozial reden und im gleichen Atemzuge den christlichen Glauben beschimpfen. Es wird wirklich viel im Leben an Ungereimt⸗ heiten geleistet. Vor einiger Zeit sprach ich in einer sehr un⸗ kirchlichen Gemeinde. Man war gerade mit dem Bau eines Kriegerdenkmals beschäftigt. Ich sagte: Wozu die großen Aus⸗ gaben. Ihr seid doch alle der Ueberzeugung, daß wir Menschen nichts anderes sind als Maschinen, für Maschinen baut man doch keine Denkmäler, was liegt daran, wenn im Kriege ein paar Millionen Menschen umgekommen sind, wenn's doch bloß Maschi⸗ nen sind? Da haben mich die Leute aber groß und verwundert angeschaut. Ja, sie glauben selber nicht, waß sie so oft schwätzen. Sie sind sich ihrer Ungereimtheiten nur nicht bewußt, weil die religiöse Erziehung gar sehr im Argen liegt bei vielen. Kein Wunder, wenn man gar nicht mehr zur Kirche geht und den kirchenfeindlichen Hetzern nur zu bereitwillig sein Ohr leiht. Unsere Aufgabe sollte es daher sein, noch mehr als bisher dem Unglauben entgegenzutreten. Tausende würden un⸗ dankbar sein, wenn wir sie von dem Wust freidenkerischer Ungereimt⸗ heiten befreiten. Tausenden würde es wie Schuppen von den Augen fallen. Sie würden gerne glauben wie wir: Wir haben hier keine bleibende Statt, sondern die zukünf⸗ immer Fenster geworden, durch die sie schauen in die Ewigkeit. Lange hat er vor der kleinen Leiche gestanden. . komme fächsische Maler, hat einmal sein Kind sterben sehen. Die Augen, Gar manches Muttergrab hat den Unglauben schon zerschlagen, tige suchen wir. — 1 1 3 N 0 0 * ö 1 8 3 7 5 e Sonnabend, den 16. April 1927. „Evangelische Warte“ 1 1 7ST ĩð vd 000000 F D e Im Familienkreis ii C SSC SCS e SC e. p p DDD D DDs e D= DD D D d S s Karfreitag. Lilie Gottes! Dorngewinde, Martern deine Stirn, die stolze, Daß es jeder jedem künde: Gottes Sohn hängt an dem Holze! Unermessen ist der Jammer, Unermessen ist das Lieben Wie sie dir die Eisenklammer In die Hände eingetrieben. Wirre Qualen glüh'n und brennen Dir im zuckenden Gebeine; Du, den alle Himmel nennen, Bist mit deiner Angst alleine. Und ein Engel kommt geglitten Flügelrasch durch Weltenweiten: Gottes Sohn hat ausgelitten, Neu sind alle Ewigkeiten. Lilie Gottes! Alle Gründe Füllt das Wort, das selig stolze, Daß es jeder jedem künde: Gottes Sohn starb hin am Holze! Der Odem Gottes sprengt die Grüfte; Wacht auf! Der Ostertag ist da! E. Geibel. Ein Lobgesang auf das Osterfest. Jesus Christ, unser Heiland, Der den Tod überwand, Ist auferstanden, Die Sünd hat er gefangen. Der ohn Sünden war geboren, Trug für uns Gottes Zorn, Hat uns versöhnet, Daß Gott uns seine Huld gönnet. Tod, Sünd, Leben und auch Gnad, Alles in Händen er hat, Er kann erretten Alle, die zu ihm treten. Der Traum vom Osterhasen. Eine Ostergeschichte für Groß und Klein. Wenn man den Rhein hinuterfährt, kommt man an einem lieben, freundlichen Städtchen vorbei. Ueber den Häusern ragt ein kleines Kirchlein empor. Die Bewohner schlagen sich recht und schlecht mit dem Weinbau durchs Leben, der bei ihnen nicht besonders lohnend ist infolge einer ungünstigen Lage. Auf dem Rücken müssen sie alles in den Weinberg mühselig tragen, und Mißernten sind zahlreicher als gute Jahre. Aber die Einwohner des kleinen Städtchens lassen sich ihre Arbeit nicht verdrießen. Gott ergeben pflanzt jeder ein Stückchen Feld und hungert sich, wenn's nötig ist, auch durch. Eine Reihe der männlichen Einwohner hat den Weinbau ganz aufgegeben und den Fischereiberuf ergriffen oder fährt auf einem der Lastschiffe den Rhein talauf und talab. Ganz am Ende des Städtchens steht ein kleines, unschein⸗ bares Häuschen. Es hat nur zwei Stuben und eine Küche. Blitzblank sind die Fenster immer gewesen, seit der junge Schif—⸗ fer mit seiner fleißigen jungen Frau eingezogen war. Innen herrschte die peinlichste Ordnung. In einem Gärtchen neben dem Häuschen zeugten sorgfältig angelegte Beete vom Fleiß der Bebauer. Unter einem Apfelbaume ließ es sich da an den warmen Sommerabenden, wenn der Rhein sein Lied dazu murmelte, gar gut sitzen. Am schönsten war es, wenn einmal der Mann von einer Reise auf einige Tage kam, sich dort mit seiner Frau nach Feierabend unterhielt und mit dem kleinen Kindlein, dem Gretelein, das gar munter auf seinem Schoße hüpfte, spielte. Da kam das Schicksal. Eines Abends, es war kurz nach Luther 1524. Neujahr, traf ein Telegramm von der holländischen Grenze ein, daß Greteleins Vater ertrunken sei. Wahrscheinlich ein Fehltritt bei nassem Wetter in der Nacht, sodaß man es erst am nächsten Morgen merkte. Die Leiche wurde nie geländet.— Das Gretelein hatte dabei gestanden mit seinen fünf Jahren, als Mutter den Zettel las. Es hatte auch in seiner Art ge— holfen, die Mutter betten, als der Postbote, der das Telegramm brachte, die ohnmächtig Zusammenfallende gerade noch auffing. Und nun ging eine schwere Zeit an. Die Mutter lag krank dar⸗ nieder, der Schicksalsschlag hatte sie zu schwer getroffen. Täglich kam die Schwester, um nach der Kranken zu sehen. Auch die Nachbarin war bei der Hand; sie hielt das kleine Anwesen in Ordnung und sorgte für das Gretelein. Ja, wer weiß, wenn das Gretelein nicht gewesen wäre, welchen Verlauf Mutters Krankheit dann genommen hätte. Aber das Gretelein, das ja alles noch nicht recht verstand, war ein Sonnenschein. Mit ihrem Geplauder half sie den Lebens- geistern der Kranken. Doch die quälte sich in Sorgen auf ihrem Lager. Was sollte nun werden? Wie sollte sie ihr Brot für sich und das Kindlein verdienen? Sie war, elternlos, früh schon in Stellung in die Stadt ge— kommen, hatte dort schöne Stellen innegehabt bei reichen Leu— ten, die sich aber um das Personal wenig kümmerten, bis sie schließlich bei einer Familie untergekommen war, in deren Haus— halt es nach strengen Grundsätzen zuging. Christlicher Geist lag über dem Hause und hier hatte sie, die das Beten in der Stadt fast verlernt hatte, es wieder gelernt. Dort war sie geblieben in dem Hause, in dem sie sich wohlfühlte, bis sie geheiratet hatte. Ungern hatte man sie scheiden sehen, aber ihrem Glücke wollte man nicht entgegen stehen. Dorthin hatte die Kranke schon vor Wochen geschrieben, hatte um Rat gefragt, aber es war keine Antwort eingetroffen. Sie wußte gewiß, daß man ihr im Städtchen, so weit es ging, half, aber sie wollte kein Almosen, sie wollte arbeiten, um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen, und das konnte sie am Platze nicht. So kam der Karfreitag. Gar trübe Gedanken beschlichen die Frau an diesem Tage, und als die Einwohner des Städt— chens sich anschickten, den Gottesdienst zu besuchen, da konnte die Arme ihre Tränen nicht zurückhalten. Erschrocken lief das Gretelein zu seiner Mutter: „Gelt, Mutter, du weinst nicht mehr? Sieh, der liebe Gott im Himmel will das nicht haben. Die Schwester hat's gesagt. Und weiter hat sie gesagt, der Vater, der im Himmel beim lie— ben Gott ist, will's auch nicht haben.“ „Ja, mein Kind, du hast recht,“ sagte die Kranke und ver— suchte, den immer wieder hervorbrechenden Tränenstrom zu er— sticken.„Du bist mein liebes Kind; wenn ich dich auch nicht hätte!“ „Gelt, Mutter, und wenn ich recht lieb bin, da kommt auch übermorgen der Osterhase zu mir.“ Neue Tränen entfielen den Augen und mit erstickter Stimme sagte die Frau:„Vielleicht, mein Kind, wenn Gott es will.“ „Doch, die Schwester hat es gesagt, daß der Osterhase zu allen lieben Kindern käme,“ beharrte das Gretelein auf seinem Glauben. Am Karsamstag wachte das Gretelein mit einem frohen Herzen auf.„Mutter,“ sagte es,„denke einmal, was ich heute Nacht geträumt habe?“ Die Mutter hatte schon manche Stunde wach gelegen.„Nun, was denn, mein Kind?“ „Vom Osterhasen habe ich geträumt,“ antwortete der Blond— kopf.„Ich war in einem großen, schönen Hause, da nahm mich der Vater an der Hand und führte mich in einen Garten. Als wir hinein kamen, da stand gerade so ein Apfelbaum wie in unserem Garten. Auch so eine Hecke war um den Garten wie bei uns; da schlüpfte gerade ein Häschen hinaus. And überall lagen schöne Ostereier; die habe ich alle in mein Schürzchen ge⸗ tan. Gerade wollte ich eines essen, da bin ich aufgewacht.“. Wehmütig lächelte Greteleins Mutter:„Ja, Kind, das war ein schöner Traum für dich. Aber nicht wahr, es war ja nur ein Traum. Vater kann dich nicht mehr führen und der Oster⸗ hase hat an so viele Kinder zu denken, daß er auch manchmal eines vergißt.“ „Ach, Mutter, mich soll er doch nicht vergessen,“ meinte das Kind. 14 Ein strahlender Ostermorgen stieg über dem Rheintal auf Es war, als wolle die Natur bekräftigen:„Der Herr ist auf- erstanden! Freue dich, Menschheit!“ Das Gretelein lief gar oft zur Türe hinaus, um zu schauen, ob der Hase noch nicht dagewesen sei. Aber immer kehrte es enttäuscht zurück. Gegen Mittag kam die Schwester und die Nachbarin. Jede erzählte dem Gretelein, daß bei ihr der Hase“ schon gewesen sei und auch für sie ein paar Eier abgegeben habe Aber das Gretelein war nicht zufrieden.„Er soll auch in unse⸗ ren Garten kommen!“ 4 Mutter und Kind waren über Mittag gerade etwas einge schlafen, als es klopfte. Beide fuhren in die Höhe. „Mutter, ist das der Osterhase?“ flüsterte die Kleine. „Ich glaube nicht,“ sagte die und rief:„Herein!“ In die Stube trat ein Herr mit einer Dame, gingen auf das Bett zu, und, o Freude, es war die ehemalige Herrschaft der Frau, die selbst einmal gekommen war. „Liebe, arme Frau,“ sagte der Herr,„entschuldigen Sie, wenn Sie bis jetzt noch keine Antwort von uns erhielten, aber wir waren verreist. Auch haben wir, wie Sie, Schweres durch gemacht. Ihnen starb der Mann, uns unser einziges Kind, das Sie ja kannten. Bei unserer Rückkunft von der Reise fanden wir gestern Ihren Brief. Wir machen Ihnen folgenden Vor schlag: Sie kommen wieder zu uns und bleiben ganz bei uns, Ihr Kind soll so gut wie unseres sein, damit auch unser Leben noch Zweck und Ziel hat. Schlagen Sie ein.“ Damit streckte er der Kranken die Hand hin. Auch die Dame bat:„Erfüllen Sie uns unseren Osterwunsch, Sie werden es nie zu bereuen haben.“ Da legte die Kranke dankerfüllt ihre Hände in die der Freudenbringer. Reden konnte sie nicht, nur schluchzen vor Freude und Glück. Das Gretelein hatte derweilen aus seinem Bettlein sein Köpfchen immer höher gereckt und rief jetzt mit seinem feinen Stimmchen:„Die Mutter soll aber doch nicht weinen!“ Da wandten sich der Herr und die Dame dem Kinde zu:„Ei,! Gretelein, Mutter weint nicht mehr! Sieh, du und die Mutter, ihr geht jetzt mit uns in die Stadt in ein schönes Haus. Da ö sind viele Spielsachen, mit denen du spielen kannst.“ „Habt Ihr auch einen Garten?“ fragte das Blondchen. „Ei gewiß, wir haben auch einen Garten.“ „Hörst Du, Mutter, da ist ein Garten und dann kommt auch gewiß der Osterhase!“ „Gretelein,“ meinte der Herr mit einem Lächeln,„da müß⸗ test du ja so lange warten. Ich will mal in eurem Garten nach sehen. Vielleicht war der Osterhase doch auch hier für dich da.“ Da sprang das Gretelein mit einem Satz aus seinem Bett⸗ lein, streifte seine Kleider an, und gerade war es fertig, als der Herr von draußen rief:„Gretelein, ei der Tausend, da springt ja der Osterhase!“ Das Gretelein war wie der Wind draußen. Den Oster⸗ hasen hat es nicht mehr sehen können. Der war scheint's schon über alle Berge. Aber überall im Garten hatte er seine Eier versteckt, rote, grüne, gelbe, blaue. Sogar einige Schokoladen⸗ cier hatte er mitgebracht! Das war ein Jubel! Als am Abend sich die Gäste verabschiedet hatten mit der Versicherung, in einigen Tagen die Uebersiedelung zu ordnen, da sagte das Gretelein nach dem Abendgebet zu seiner Mutter: f „Siehst du, liebe Mutter, es war fast so, wie ich geträumt 9 habe mit dem Osterhasen. Nur daß mich in den Garten nicht der Vater geführt hat, sondern der neue Onkel.“ G. 1 ö Wir suchen zur Konfirmation. N Rheinweine eig. Wachstumes i. Faß u. Flaschen. 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