——. ä— f auptschristleiter: Edwin Hamburger in Staden(Oberhessen). 0 etantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger, 5 N i den Unterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz. für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garanttert. 1 1 Jahraang. a0 Eine sonderbare Ueberschrift, wird mancher Leser senten. Ja, dies und das holt auch der Tüncher aus einen verschiedenen Farbentöpfchen und am Schlusse übt es doch nur eine Farbe. So ist es auch mit den fol her Ausführungen. Sie kommen aus den verschie e ensten Töpfchen und bringen doch ein gewisses Bild. ii zunächst in das preußische Töpfchen! In Preußen hatte man im letzten Jahre regie uungsseitig beschlossen, zur Ausbildung der Volksschul sehrer drei Akademien zu errichten. Eine katholische lademie sollte ins Rheinland nach Bonn, eine evan selische nach Elbing und eine simultane, d. h. inter bnfessionelle nach hessischem Muster nach Frankfurt, za Hessen⸗Nassau bekanntlich Simultanschulen hat. diese Errichtung einer simultanen Akademie hat zu a Ihweren Konflikten geführt. Während der zuständige ahh landtagsausschuß die Gründung ablehnte, hat der auge bandtag selbst die Errichtung genehmigt. Was geschieht e, zun? Der Bischof von Limburg verbietet den Katholi— en den Besuch der Akademie. Er zwingt die jungen leute damit, wenn sie nicht mit ihrer Kirche in Kon— likt kommen wollen, das günstig gelegene Frankfurt licht zu besuchen, sondern weg von ihrer Heimat nach Bonn zu gehen. Warum? Sind die Nichtkatholiken genn derartige schlimme Leute, daß man sie meiden muß? Wir haben hier schon den Fall, der im bayeri chen Konkordat verankert ist, wo es heißt:„Der Scat anerkennt das Recht der Kirche, im Rahmen ihrer Zu— kändigteit Gesetze zu erlassen und Anordnungen zu tref— en, die ihre Mitglieder binden. Er wird die Aus übung dieses Rechtes weder hindern noch erschweren“ der Bischof von Limburg befiehlt und damit basta! Dabei hat Preußen aber noch gar kein Konkordat abge zösfenth sind rf e volst, ß, 6 5 eig 7 99 bug en, 80 Ebell e fun tun, chlossen. Trotzdem riskiert man unentwegt, Sturm zu ell aufen und— der preußische Staat schweigt! Die Er hel. legung über dieses Vorgehen ist in den Lehrerkreisen tan bessen⸗Nassaus sehr groß. Anscheinend mischt sich der Bischof auch noch in ganz andere Sachen. f Vun 1910 Bekanntlich herrscht an den Universitäten die sog. an, Lehrfreiheit. Bei Beginn des Wintersemesters 192627 ah sich einer der hervorragendsten Professoren der Aniversität Frankfurt genötigt, darauf hinzuweisen, daß er in seinen Vorlesungen überwacht werde durch ine kirchliche Behörde, die ihn sogar in Berlin ange— ö eigt habe. Er bitte, doch etwas genauer zuzuhören And seine Ausführungen nicht entstellt zu berichten! Kommentar überflüssig! 91 Nun ins hessische Töpfchen! Die Schule wird ja für die kommenden Jahre eines der härtest umstritte len Objekte werden. So stürzt sich das„Mainzer Journal“ mit Begierde auf den Jahresbericht des Stadtschulamts Mainz und greift ihn heftig an. Der Jahresbericht weist nämlich auf die Bedeutung der Si long ur be bühn Nee Erscheint Sonnabends. Bezugspreis 50 Pfennig monatlich. Abonnemente und Anzeigen⸗Annahmestelle Druck und Verlag Albin Klein, Gießen, Südanlage 21 Jernsprecher Nr. 145 und 1302 Gießen Sonnabend, den 14. Mal 1927. Dies und das! bar. Es macht ganz ossen Opposition und erklärt die Leitsätze und Weisungen der Bischöse über den staat lichen Erlassen stehend. Selbst die im Bericht behan delte Erholungsfürsorge kommt schlecht weg. So schreibt das„Journal“ in Nr. 77:„Auch die praktische Ausübung der Erholungsfürsorge wird größte Beach tung erfordern, da nach Photographien, die uns aus Arendsee und Ahlbeck an der Ostsee vorgelegen haben, hier Freiheiten beliebt wurden, die wir als unpädago gisch und gefährlich, als im Widerspruch mit den katho lischen Leitsätzen und Weisungen der Bischöfe stehend, ablehnen müssen. Die Aufmerksamkeit muß umso grö ßer sein, als der Höhepunkt der heillosen Bestrebungen zur Vernegerung unseres Volkes aller Gegenwehr zum Trotz noch nicht erreicht zu sein scheint.“ Also in Ahrend see und Ahlbeck an der Ostsee ist jetzt anscheinend ein neuer Regerfreistaat! Die Häuptlinge dieser Frei staaten dort oben werden sich für das Kompliment be danken. Vielleicht lassen sie sich es auch nicht gefallen. Der 2½% Spalten lange Bericht schließt selbstredend mit der Aufforderung zur Konfesstonsschule; Katholische Schulen für katholische Kinder! Das„Mainzer Journal“ hatte auch einen scharfen Artikel gegen Pestalozzi gebracht. Die Schriftleitung identifizierte sich allerdings nicht völlig mit dem Schrei ber, scheint aber nicht sehr weit von dem Standpunkt entfernt gewesen zu sein. Das paßt ja auch ganz zu dem Verhalten der römisch-katholischen Zeitschrift „Schönere Zukunft“, deren Auslassungen in Nr. 14 der Evangelischen Warte“ abgedruckt waren. Wie auf allen Gebieten gearbeitet wird, dagu bringt die Deutsch-Evangelische Korrespondenz einen wertvollen Beitrag, der in den rheinischen Lopf ge hört, um bei unserem Bild zu bleiben, Sie schreibt: Ein Punkt unserer kulturellen Entwicklung, der die ernste Aufmerksamkeit aller nicht ultramontan, llerikal l eingestellten, insbesondere die eifrige Beach tung seitens aller bewußt deutsch evangelischen Kreise finden muß, ist die heutzutage auf ultramontaner Seite mit allem Eifer betriebene Reviston des deutschen Ge schichtsbildes. Immer wieder wird von führenden Per sonen der Zentrumspartei darauf gedrängt, daß die bisherige, auf Zentrumsseite„evangelisch“ genannte, Darstellung der deutschen geschichtlichen Entwicklung ersetzt werden muß durch eine ihrer Grundtendenz nach „latholische“ Geschichtsauffassung und darstellung. Das wird erstrebt nicht nur für das Gebiet der po litischen Geschichte, sondern auch für das der Kultur und Wirtschaftsgeschichte. Eines der schlagendsten Beispiele dieses ultramon tanen Strebens ist der gänzlich unberechtigte, gewaltig aufgebauschte Kultus, der mit Goerres getrieben wird, in einer Weise, daß mit Erfolg auch die Sinne „ 0 Rultanschule hin. Das ist für das„Journal“ furcht— 1 Vom Sieg der Gerechten. 0 f Pfalm 118, 15 und 16. Man singt mit 5 Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerech— — 97 ten. Die Rechte des Herrn ist erhöht; die Rechte des Herrn behält den Sieg. Der Sonntag Kandate fordert uns auf: Singet! Wovon llen wir singen? Die Frühlingszeit ist eine rechte Zeit des J esanges. Endlich ist es warm geworden. Die Sonne ist . urchgedrungen in Wald und Feld, durch Wolken und Nebel le letzten Reste des Winters sind verschwunden. Frühling ist , Mit Freuden eilt der Landmann hinaus auf das Feld und gestellt es für eine neue Ernte. Die Städter ziehen in Scharen in den Sonntagen auf das Land. Ueberall singen die Vögel hre Frühlingslieder und die wandernden Menschen stimmen kit ein. Welch' eine herrliche Frühlingszeit! Sie kündet den beg der Sonne über die finsteren Gewalten des Winters. Sieg Aber muß gesungen werden. Der jüdische Sänger, der den 118. Pfa dachte inen anderen Sieg. In ferner Verbannung haben die Juden uf ihre Rückkehr nach Palästina gewartet. Wie oft waren sie soffnungslos. Wären nicht kraftvolle Prophetengestalten im Im dichtete, dachte an an sich nicht ultramontan gesinnter Politiker und um. Die Hoffnung auf unbestrittenen Besitz war es allein, was die das Land wieder aufbauenden Juden lämpfen ließ Diese Hoffnung auf den Sleg hat der Harfe des Sängers der Nachexilzeit frohe und siegesgewisse Töne entlockt. Welch ein Hochgefühl schallt uns aus diesem Psalm entgegen, Dieser Pfalm ist das Lied für alle Kämpfer um Gottes Sache. Auch zur Reformationszeit war es der ausgewählte Palm. Dr. Martin Luther hat ihn„seinen Pfalm“ genannt— Aus ihm hat er sich in allen Nöten neue Hoffnung geholt.„Dle Rechte des Herrn behält den Sleg“, war ihm aller Macht des Kaisers und des Papstes gegenüber eine unerschütterliche Ge wißheit. Seine Sache war ja Gottes Sache. Gott mußte mit ihm und seinem Wirken sein, Gott war es auch.„Die Rechte des Herrn ist erhöht; die Rechte des Herrn behält den 160 Die Reformation drang siegreich ein in Europa. Welche An man auf römischer Seite machen, um wenig strengung mußte stens einigen Boden wieder zurückzuerobern. TT vangelische Warte Organ der Evangelischen Volksgemeinschafl 1„Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung sür viele.“ Matthäus 20, 28. Unzeigenpreilse: die go mm breite Klelngelle auswärte 24 Pig. am Ort 12 Pig, die 90 mm breite Kleinzetle im Text 90 Pig, Verbindlichkelt Bel Wiederholungen Vergünstigung, Plaßvorschriften ohne Nummer 20 Staatsmänner dadurch umnebelt werden. Der Grund zweck dieser ultramontanen Reylston des bisherigen Geschichtsbildes der Zeit der großen Befrekungskrlege ist der: Ernst Moritz Arndt, der evangelische Vorkämp ser gegen Napoleon I., soll im Bewußtsein des ganzen deulschen Volkes von seinem bisher innegehabten Ehren platz verdrängt und ihm der katholische Görres als der eigentliche Prophet im matkonglen Freiheitskampf vor 114 Jahren mindestens an die Seite gesetzt, wenn nicht vorgesetzt werden. Und das, obwohl Görres, was natürlich Zentrumspresse und Zentrumsrebner sorg sältig verschweigen— den damaligen sranzösischen Kon ful Napoleon Bonaparte bat, das linte Rheinuser zu Frankreich zu schlagen, also das kat, was man heute den rheinischen Separatisten als Landesverrat aurech net. Also das Ideal von Görres war dle Vereinigung Europas unter der Aegide der latholischen Kirche, und das entspricht der heute im Ultramontantismus ge pflegten Idee von einem katholisch-ortentierten Groß deutschland, um welcher Idee willen eben das Ge schichtsbild revidiert werden muß. Die Repiston des bisherigen Geschichtsbilbes soll nun auch für das Gebiet der Pädagogkt erfolgen, Wie die„Kölnische Volkszeitung“ in Nr. 121 bereits an führt, ist die Zeit gekommen, daß man der bisherigen überwiegenden Bevorzugung der auf evangelischen Grundanschauungen aufgebauten wissenschaftlichen Pa dagogik die Bedeutung der tatholischen Pädagogik und latholischen Instttutionen auf dem Erzlehungsgebiet in ihrem geschichtlichen Gange und heutigen Wert energisch hervorhebt, umsomehr, als man selbst bei den katholt schen Lehrern die„Ideen verbindung; kathollsche Pa dagogik veraltet und unwissenschaftlich“ als vorhanden seststellen muß. So wird nun ultramontanerselts der Vorstoß zur Abänderung des bisherigen Geschichtsbülbes auch auf diesem Gebiet bald eifrig einsetzen, man wird Größen dritten und vierten Ranges als bedeutende Pädagogen von Wert für ganz Deutschland hinstellen, nach der Schablone, die man sfüür solche Geschichtsmache auf ultramontaner Seite berekt hat. Doch greifen wir einmal in einen ausländischen Topf! Auf dem Gebiet des Mischehengesetzes ist eln ganz lehrreicher Fall wieder eingetreten,(Vergl. hier zu den Aufsatz in Nr. 16 der„Evang. Warte“) Der latholische Kronprinz von Belgien hat die evangellsche Königstochter Astrid von Schweden heimgeführt. Der Hauptschriftleiter der belgischen Zeitung„De Tyd“ bringt in der katholischen Wochenschrift„Allgemeine Rundschau einen interessanten Aufsatz, welcher sich mit dieser Mischehe beschäftigt. Danach mußte der Papst erst um Zustimmung zu dieser Ehe gebeten werden. Da mußte die protestantische Braut zunächst versprechen, der Erfüllung der religtösen Pflichten ihres Gatten leine Hindernisse zu beresten, ein Versprechen, das voll begrissen ist. Vergleichen wir bie erste Zelt nach dem Krlege mit der heutigen, in der niemand von den maßgeblichen Deut schen daran denkt, ein Volt ohne Rellglon zu haben, bann dürfen wir an die herrlichen Slegesworte dleses 118, Pfalmes, denken:„Die Rechte des Herrn behält den Steg!“ Auch wir, die Lesergemelnde der„Evangellschen Warte“, bie wir zum Nutzen unseres lieben beutschen Volkes die Evan gelische Volksgemelnschaft aufbauen wollen, mlssen wie ble helm tehrenden Juden Kelle und Schwert zu gleicher Zelt führen Für den Bau die Kelle, zur Abwehr der Felnde das Schwert des Gelstes. Wenn auch wir Kämpfer um elne gute und ge rechte Sache an die Anfänge be nien, und heute dle Entwicklung, betrachten, dann lönnen wir nicht genug unserem Gotte dankbar feln. Auch unsere Sache ist elne gerechte Gottessache. Wir wol er wieder unter sie getreten, dann hätten sie alle Hoffnung ihren lassen. Juda wäre im Heidentum aufgegangen, wie e tit Israel geschah. So aber waren Männer aufgetreten, die tit gewaltigen und kraftvollen Worten neue Hoffnung in den serzagten Herzen weckten. Durch die Kraft ihrer Reben rissen se die Niedergeschlagenen auf. Da lam der Tag der Hoffnung Bie die Propheten der Gefangenschaft ve rheißen hatten, so urfte das Volk das Land der Päter wiedersehen Wie hatten e sich dies Land so wunderbar ausgemalt. Wie anders war e Wirklichteit. Statt stetem Frieden sahen sie Feinde rings Wir haben wieder schwere Zeiten hinter uns. Ich er innere mich noch der Tage im Dezember 1918. Der Nlickzug, ging durch meinen Ort. Da kommen zwei Heldelberger Studen len der Theologie im seldgrauen Rock zu mir, Sie waren draußen im Kampfe um da— Vaterland gewesen. Jetzt hatten ste Sorgen um ihre Zukunft. Deshalb richteten sie an inch die Frage, ob sie wohl welterstudieren oder ein anderes Stubkum beginnen sollten, Denn die Kirche würde jetzt abgeschafft, so habe man ihnen erzählt Mein Nat war, dem erwählten Stu dium jetzt erst recht treu zu bleiben.,„Wer beharret bis aus Ende, der wird selig!“ Allerdings solche Pfarter können wir brauchen, welche zu bequem sind, um für bie christlichen Ideale auch in der neuen Zelt zu kämpfen. Die chrlstlichen Ideale haben sich heute wieder hindurchgerungen. Mit Freuden konnte jeder in Nr. 19 unserer„Evangelischen Warte“ lesen, daß der Wille zur Kirche und die Liebe zur Kirche im Wachsen len die Stttlichtelt Jesu folgerichtig auf allen Gebleten unseres Vollslebens zur Geltung bringen. Mir wollen zelgen, daß we nicht Sonntagschristen, sonbern Alletagschelsten seln milssen, Wir wollen jedem nahe bringen, daß wir nicht nur in ber Kluche von unserem Christentum etwas haben, sonbern im 9 ben Micht im Leben des Einzelnen allein, sondern im Leben unseres ganzen Volkes. Wir staunen, wie plele nach so kurz, zelt sich dieses Zlel zu dem gemeinsamen gemacht haben. Auch wir dürfen eine stegesgewisse Hoffnung für die Zukunft unseret Bewegung haben Heute schon bürsen wir mit bem Ange preche„Man singt mit Freuben vom leg in ben Hlltten 3 Gerechten!“ Gott, nimm an zu Lob und Dank, Was wir einfältig fingen lind gib dein Wort mit freiem Klang, Mag's durch die Herzen dringen! hilf, daß wir mit beinen Kraft Durch recht geistliche Mitterschaft Des Lebens Kron' erringen[men Hr Sonnabend, den 14. Mai 1927. kommen nebenbei in unserem evangelischen Wesen liegt; der Kronprinz aber wurde auf seine Pflicht aufmerksam gemacht, daß er an der Bekehrung seiner Frau zu arbei— ten habe. Der Papst gab dann seine Zustimmung zur Heirat,„um ein größeres Uebel zu vermeiden“. Trotz— dem mußte diese Ehe gekennzeichnet werden. Das Brautpaar empfing nicht den Brautsegen, auch gab es keine Messe. Lediglich die sog, kleine Einsegnung und Weihe der Ringe in der Kirche wurde erlaubt. Wir sehen, mit welcher Konsequenz sowohl bei den niedersten Schichten wie bei den höchsten das Misch⸗ ehengesetz zur Durchführung gebracht wird. Alles „Dies und Das“ zeigt uns aber auch, wie man auf der anderen Seite arbeitet. Darum heißt es für uns: Zu— sammenschließen. Politisch zusammenschließen, damit wir Evangelische eine Macht werden, die ihren Wil⸗ len zu behaupten versteht. Daß es nötig ist, beweist ja schon das Verhalten so vieler Zeitungen, besonders der hessischen, die uns am liebsten totschweigen würden mit unserer Evangelischen Volksgemeinschaft. Dazu ein interessantes Beispiel: Nachdem die Evangelische Volksgemeinschaft in Grolsheim(Rheinhessen) eine Ortsgruppe gegründet hatte, erschien in einer führenden Darmstädter Zeitung, die in Hessen weit verbreitet, ein kurzer Bericht, in dem mitgeteilt wurde, daß nach einem Vortrag von Herrn Pfarrer Weidner eine Ortsgruppe des Evangeli⸗ schen Bundes gegründet worden sei. Von der Evangelischen Volksgemeinschaft wurde der Redaktion des Blattes mitgeteilt, daß dies faktisch falsch sei und leine Ortsgruppe des Evangelischen Bundes, sondern der Evangelischen Volksgemeinschaft ge⸗ gründet worden sei. Was bringt das Blatt darauf für eine Berichtigung? Man lese und staune: „Gerolsheim: Entgegen eines Berichtes vom 30. Januar wurde hier keine Ortsgruppe des Evan— gelischen Bundes gegründet.“ Aus! wir müssen uns fragen: ist dies Haß oder ist das Angst? Sie mögen versuchen, uns totzuschwei⸗ gen, so lange es geht. Bei den zukünftigen Wahlen werden wir die Antwort zu geben wissen, die sich nicht lotschweigen läßt! So ein kleines Stückchen beleuchtet aber blitzartig die Situation. Während große Zeitun— gen und Zeitschriften in Deutschland sich sehr eingehend mit uns und unserer Entwicklung beschäftigen, zeigt sich in Hessen kleinlichster Geist. Sollte das Wort von den „blinden Hessen“ eine gewisse Berechtigung haben? In erfreulichster Weise hat sich kürzlich ein unserer Bewegung nicht Angehöriger im„Hessischen Kirchen— blatt“, durch einen hervorgegangenen Artikel veran- laßt, für uns eingesetzt in einem Aufsatz„Mehr Näch⸗ stenliebe für die Evangelische Volksgemeinschaft“. Ja, mehr Nächstenliebe auch evangelischerseits“ Das braucht unsere Volksgemeinschaft. Wir wissen wie nötig sie sind. Schon mancher Zweifler und Nörgler wurde bekehrt, der„Dies und Das“ auszusetzen hatte. Evangelischer Geist und evangelische Tat müssen uns einigen und uns zum Ziele bringen! Das sei die Lo— sung der Evangelischen Volksgemeinschaft! G. Warum ein Konkordat Warum soll Deutschland solch einen völkerrechtlichen Vertrag mit der römischen Kirche eingehen? Weil die römische Kirche sich Vorteile sichern will. Weil die römische Kirche alle Rechte und Ansprüche, die sie nach„göttlicher Anordnung“ und römisch-katho— lischem Recht„zu genießen hat“, garantiert wissen will. Weil die römische Kirche sich praktisch Schul⸗Aussichtsrecht sichern will. Weil die römische Kirche das staatliche Eherecht nach das geistliche Weil die römische Kirche ihre gegenreformatiorische Ar⸗ beit rechtlich sicherstellen und stärken will. Weil die römische Kirche die Entwicklung des deutschen Geistes⸗ und Kulturlebens nach ihrem Sinne be— stimmen will. Dazu kann und darf der deutsche Staat seine Hand nicht bieten! Das wäre eine Bevorzugung der katholischen Minder⸗ heit zu ungunsten der evangelischen(23) Mehrheit. Das wäre eine einseitige Bindung in der Entscheidung über rein innerdeutsche Fragen an eine außerdeutsche Macht. Das wäre eine Ungerechtigkeit und eine Preisgabe deutscher Hoheitsrechte, die der deutsche Staat nicht verantworten kann. Deutschland ist politisch und wirt— schaftlich geknebelt. Es darf nicht noch kulturell in Fesseln gelegt werden! Alle evangelischen Christen, alle deutschen Staats⸗ bürger protestieren daher gegen jeglichen Konkordats⸗ abschluß und forpern innerdeutsche Regelung des Ver⸗ hältnisses zwischen Staat und römischer Kirche auf Grund des deutschen Rechts! Bewußt evangelische Christen schließen sich der Evangelischen Volksgemeinschaft an, der politischen Vertretung des evangelischen Volkes, weil sie wissen, daß das Schicksal des Konkordats im Parlament ent⸗ schieden wird! Sie müssen das tun, weil das evange⸗ lische Volk keine Vertretung im Parlament hat! Vom Leben und Sterben des Volles. Eine Denkschrift über die Volksgesundheit 1925.— Stillstand des Geburtenrückganges.— Starke Abnahme der Tuberkulosesterblichkeit. Dem Reichstag ist eine Denkschrift über die gesund⸗ heitlichen Verhältnisse des deutschen Voltes im Jahre 1925 zugegangen. Die Denkschrift stellt fest, daß gegen⸗ über 1924 im allgemeinen eine Besserung der Verhält— nisse nicht zu verkennen ist. Die schlechte wirtschaftliche Lage ist zunächst ohne schwerere Rückwirkungen auf den Gesundheitszustand der Gesamtbevölkerung geblieben. Die Zahl der Lebendgeborenen hat eine geringe Zu— nahme aufzuweisen, sodaß bereits von einem gewissen Stillstand des Geburtenrückganges gesprochen werden kann. Die Zahl der Lebendgeborenen auf je 1000 der mittleren Bevölkerung betrug 20,6 gegenüber 20,5 im Jahre 1924. Nach dem Verhalten der großstädtischen Geburtenzifsern im Jahre 1926 erscheint es jedoch frag⸗ lich, ob der Stillstand des Geburtenrückganges von langer Dauer ist, da die großstädtische Lebendgeburten— ziffer für die drei ersten Vierteljahre 1926 15,6 gegen— über 16,3 in der gleichen Zeit des Vorjahres betrug. Auch ein weiterer Rückgang der Sterblichkeit im allge— meinen wie der Säuglingssterblichkeit im besonderen ist eingetreten. Die Sterblichkeit im Deutschen Reiche betrug im Jahre 1925 auf je 1000 der mittleren Be- völkerung 11,9. Damit ist die deutsche Sterblichkeits⸗ ziffer bereits nahe an das derzeitige Sterblichkeits— minimum in Europa und in der Welt herangekommen. Nur die Säuglingssterblichkeit war in Deutschland noch immer wesentlich größer als in den Ländern mit der geringsten Sterblichkeit in Europa, die Niederlande und Dänemark. Ein noch günstigeres Bild als bei der gesamten Reichsbevölkerung weisen die Sterblichkeitsverhältnisse bei der städtischen Bevölkerung auf. Hier zeigt sich die überraschende Erscheinung, daß trotz des anhaltenden Wohnungsmangels die Tuberkulosesterblichkeit von 1923 bis 1925 eine so intensive Abnahme erfahren hat, wie sie bisher während so kurzer Frist noch niemals be— obachtet worden ist, nämlich um 34 Prozent. Die Zahl der Sterbefälle an Tuberkulose auf je 10 000 der mitt⸗ leren Bevölkerung betrug im Jahre 1925 nur noch Auf der Marte. 10 1 0. Aus China kommen in den letzten Tagen späß 150 liche Meldungen. So weit steht aber fest, daß di 1115 Chinesen mit ihrer Einigkeit gegen das Ausland(tte 10 inneren Bürgerkrieges) einen Erfolg errungen habe 110 da die Staaten, die Truppen gelandet haben, im B 0 griffe stehen, sie wieder zurückzuziehen. Die Taktik de Chinesen hat es fertiggebracht, daß die wegen der Vor fälle in Nanking angesagten Sanktionen nicht sta finden.— Das wichtigste Ereignis der letzten Woch dürfte die Weltwirtschaftskonferenz sein. Alle groß und mittelgroßen Staaten sind vertreten. Als ej gutes Zeichen wurde die Erklärung der Russen betrach tet, daß Kommunismus und Kapital zusammenarbeit müßten. Der größte Kapitalgegner Rußland beque sich anscheinend, um den Anschluß nicht zu verlieren,; einer neuen Politik in handelspolitischer und wirtschaff. licher Hinsicht. Der führendste deutsche Vertreter b der Konferenz ist der Präsident des Reichswirtschafts l:“ rates, Herr von Siemens, der einen Stab trefflichelse i Mitarbeiter um sich hat. Unsere Delegierten habe schon verschiedentlich in die Unterhandlungen bede tungsvoll eingegriffen.— Zwischen England und Am rika stiegen wieder einmal schwarze Wolken auf. Ein halboffizielle amerikanische Erklärung, daß Engla als Gläubiger mehr erhalte, als es an seinen Gläubß ger Amerika weiter zahle, hat in England lebhafte Et regung hervorgerufen. Man schreitet nun wieder zuß beliebten Noten-Krieg, wobei man in die Noten nich gerade höfliche Komplimente schreibt.— Die deutsch Regierung hat in der Besatzungsfrage wieder energisch Schritte unternommen, die ihr das besetzte Gebiet danken weiß. Hoffentlich sind die berechtigten Forde rungen von Erfolg gekrönt.— Mit Spannung sah ma auf den Verlauf des Stahlhelmtages in Berlin, de 110 000 Stahlhelmer versammelt haben soll. Infolg guter Organisation seitens der Berliner Polizei, sowf musterhafte Disziplin, ist er ohne nennenswerte Zw schenfälle verlaufen. Lächerlich allerdings ist ei Rechnung der Zentrumspresse, die den Stahlhelme vorrechnet, was man mit dem an dem betr. Sonnta verbrauchten Gelde für wohltätige Zwecke hätte tu lönnen. Man mag zu solchen Massenversammlunge stehen wie man will, sie werden nicht zu umgehen sei Wie anders könnte man den mit den Rompilgerzüge im vorletzten Jahre eine Gegenrechnung aufmachen! Der Reichstag trat am Dienstag zu einer neue Sitzungsperiode zusammen.— Gewisse Schwierigkeite brachte die Einführung der 24⸗Stunden⸗Uhr am 15 Mai in Deutschland. Im gewöhnlichen Leben wit die 12⸗Stundenzeit zweifellos weiter bestehen bleibe doch sollte die Unzahl der ärgerlich Widerstrebenden Deutschland auch die Vorzüge der 24-Stunden⸗Uh im öffentlichen Leben anerkennen.— Der hessische Land tag hat sich ebenfalls zu einer Sitzungsperiode zusan mengefunden.— In Gießen fand ein großer Kavallt ristentag statt.— In Mainz wurde die„Gewa“, eine achttägige Gas-, Elektrizitäts-, Wasser-⸗Ausstellung es öffnet. Aattei Fee 10 fee ele! ih der alu l al el U. d K Findet 7 1 1 U demien, wie sie in jedem Jahre beobachtet werden, ver schont geblieben. Auch die sonstigen Krankheiten la sen einen weiteren erfreulichen Rückgang erkennen. Be sonders stark ist die Abnahme der Syphilis, Neuerkraß kungen sind selten geworden. Nur aus ländlichen Vet hältnissen wird mancherorts eine Zunahme der Er krankungen gemeldet. Ein besonders trauriges Kapitel bleibt nach wi vor die Abtreibung, die dem Vorjahre gegenüber ehen zu- als abzunehmen scheine. Hinsichtlich des Ernäh rungszustandes ergibt sich im allgemeinen ein günstige res Bild, jedoch mit der Einschränkung, daß in wirt den Vorschriften ihres Kirchenrechts abändern 10,8. Die Gesamtsterbeziffer des Jahres 1925 war um schaftlich ungünstig gestellten Bezirken, insbesondere 1 will. 42,5 geringer als die entsprechende Ziffer für das Jahr[den Kreisen der Erwerbslosen, noch erhebliche Notstände b Weil die römische Kirche unbeschränkte Freiheit 1901. Von häufigem Auftreten übertragbarer Krank⸗ zutage treten. Am meisten waren von der Untef— ö für das Ordenswesen in Deutschland haben will. heiten ist das deutsche Volk, abgesehen von kleinen Epi- ernährung die kleinen Kinder betroffen. ca 7 ͤ—————— 2 275„Ich darf es nicht,“ wie ein Hauch kam es von ihren Lip— Wortlos legten sie den Weg zurück, Hans sah zuweilen sot, 8 opnenwege. pen. 4 1 schend sein Weib an, die so gleichgültig neben ihm ging. Son. deen ne eee A„Wo blieb Ihre Energie, Frau Wendtland, um Gottes- hing sie plaudernd an seinem Arm und erzählte ihrem Han 700 . willen, lassen Sie sich nicht knechten. Sie müssen des Mannes eifrig, jetzt blieb ihr Mund herb geschlossen, ein fremder, kalle ii 23. Fortsetzung.. W 5 8 72 255 85 0 5 55 N . 2 5 775 5 55 Gefährtin sein, würdigen Sie sich nicht selbst zu seiner Magd Zug lag auf ihrem Gesicht, eine trotzige Entschlossenheit. ö 1 „Grüß Sie Gott, Frau Wendtland,“ sagte eine tiefe herab!“ Als hätte sich ein Reif auf die Gemüter der kleinen Gesell Stimme, in der verhaltene Erregung zitterte. Ein leiser Schrei, der gequälten Seele tiefstes Leid ver— ratend, drang von ihren Lippen, mußte gerade er, dem sie alle Kümmernisse verbergen wollte, sie hier treffen? Er erwartete keinen Gegengruß, als hätte er mit Seherge— walt die geheimsten Gedanken erraten, nahm er ihre zitternde Hand und legte sie vorsichtig, als habe er mit einer zerbrech— lichen Kranken zu tun, auf seinen Arm. „Kommen Sie, ich geleite Sie, hier darf und kann keine Dame allein gehen, das sollte doch die unbesonnene kleine Frau wissen. Nein, nein, keine Opposition,“ ihr Fuß stockte noch immer, sie sah ihn flehend an,„kürzen Sie mir die größte Freude nicht, sie muß ja ausreichen für mein künftiges Leben, die selbstlose Freude, daß ich Ihnen beistehen durfte.“ „Nun ist es noch schwerer,“ sie neigte resigniert den Kopf. „Sie täuschen sich selbst, kein Liebeswerk ist schwerer, wenn eine Hand uns stützt.— Urle, lassen Sie mich einmal nur noch so zu Ihnen sprechen, ich will alles scheinbar auslöschen in mei— nen Gedanken, nie, ich verspreche es Ihnen, soll ein Wort über 1 meine Lippen dringen, daß ich Sie nur kenne, aber ver⸗ sprechen Sie mir eines!“ „Das wäre?“ „Töten Sie nicht gewaltsam die Poesie Ihrer Seele, Sie haben kein Recht dazu, dichten, schreiben Sie wieder, denn ist ein Geschenk Gottes; über Ihr geistiges Eigentum hat kein Mensch ein Recht! Poesie trägt das Leid, Poesie hilft alles im Leben überwinden!“ das Still gingen sie weiter,— plötzlich richtete sie sich stolz auf und sah ihn an:„Ich danke Ihnen, Ihre Worte erschließen mir den Himmel, zu große Nachgiebigkeit ist Charakterschwäche.“ Hätte sie gewußt, wie glühende Leidenschaft den Mann an ihrer Seite durchtobte, wie er sie hätte an sich reißen mögen und nur einmal, ach und wenn es sein Tod gewesen wäre, die— ses schöne Weib küssen, sie wäre wohl nicht so vertrauensvoll neben ihm gegangen. Sie waren am Ziel, eine buntbewegte Menge saß in den Zelten, lautes Lachen, oft gewöhnlich, bachantisch klingend, schlug an ihr Ohr, ließ sie zusammenzucken:„Wenn ich meinen Mann finde, gelt, dann sehen wir uns heute Abend nicht mehr, sonst“ „Geleite ich Sie heim, Frau Wendtland, selbstredend,“ kühlhöflich gab er sie frei und schlug die entgegengesetzte Rich— tung auf dem weiten Platz ein. Sie brauchte nicht lange zu suchen, im zweiten Zelt saß ihr Mann, Leutnant Weber und noch zwei Herren, alle vier ge— et von dem reichlichen Weingenuß. Wie der Anblick sich für ewig ins Herz brannte! ging energisch auf ihn zu:„Hans, verzeihe die Stö— Dein Bruder ist da und wünscht Dich sosort zu sprechen.“ Einen Moment starrte er sein Weib fassungslos an, daun stand er schwerfällig auf, grüßte kurz und ging sofort mit. Kei— ner der übrigen Herren sprach ein Wort, die Ueberraschung, plötzlich diese Dame, die sie so kalt und stolz musterte, auftau— rung, chen zu sehen, war wohl zu groß gewesen. schaft gelegt, so still vollendeten sie nun der Hausherr zurüt gekehrt war, ihr Nachtmahl. Gerhard vermied es, geflissentlit Hans oft anzureden, er wußte nur zu gut, wie aufbrausend un zügellos grob er in diesem Zustand war und atmete erleichte auf, als er sich zurückzog. ö Wieder brach der Frühmorgen sonngolden an, der Herbt himmel wob zarte Duftgebilde an seiner tiefblauen Wölbe, nn stiller, ernster war es in der Natur, das Liebeswerben de Vögel fehlte, nur selten wiegte sich ein Falter auf verspän erschlossene Blumen, ließ ein Käfer die schwarzglänzenden Fli⸗ gel, den bepanzerten Körper durchwärmen! Dore ließ die klare Luft in die offenen Fenster strömen, blickte nicht selbstzufrieden und glücklich nach gewohnter Weit, das Leid der heißgeliebten Schwester bedrückte auch sie. See schob und ordnete noch Verschiedenes im Zimmer, dann ging de zum Unterricht, die Pflicht rief. Erst zur Frühstückspause kam sie herüber wie alle versan⸗ melt waren, der Kakao schon in den Tassen dampfte. Gerhard schien absichtlich gewartet zu haben, bis kein Glid der kleinen Familie fehlte, dann begann er ohne Säumen sese Mission auszurichten. 5 „Hast Du Dich nicht gewundert, daß ich im sonnigen Herlt“ plötzlich bei Euch hereingeschneit bin, Hans, fragte er witzig und ließ seine Augen nicht von Arle, die auf einer hohen Alabaste 3 schale köstliches Obst, welches Gerhard von Königsborn mi; brachte, ordnete.. „Allerdings,“ warf Hans einsilbig dazwischen. „0h 9 50 9 u hat i altith det cht f 1 W e gr Als bete sarbeig begih steh glaublichen Gewaltmitteln noch retten können? 1 dat entfällt. Sonnabend, den 14. Mai 1927. Zum Schluß erklärt die Denkschrift, daß die er— steuliche Besserung trotz der ungünstigen Wirtschafts⸗ lage, nicht zuletzt auf dem mit großem Eifer fortgeführ— en Ausbau der Fürsorgemaßnahmen usw. zurückzufüh⸗ ten sei. Daneben dürfte ein guter Teil der gesundheit— lichen Fortschritte in der zunehmenden körperlichen Er— üchtigung der Jugend zu suchen sein. Interesfantes aus Meiklenburg. Auf Veranlassung der Demokraten haben alle Parteien des Mecklenburger Landtages einen Initia⸗ lipgesetzEntwurf eingebracht, der sich gegen die Spat⸗ lerparteien richtet. Denn nach diesem Antrag muß eder Wahlvorschlag von mindestens 3000 Wahlberech— ligten unterzeichnet sein, falls er von einer nicht bereits im Landtag vertretenen Partei ausgeht. Außerdem ind für jeden derartigen Wahlvorschlag 3000 Mark als Kaution bei dem Wahlleiter zu hinterlegen, die der Staatskasse verfallen, wenn auf die Liste kein Man⸗ Die bisher vorhandenen Parteien brau— chen für ihren Wahlvorschlag jedoch nur 20 Unter— 0 schriften. Der Gesetzentwurf wurde natürlich einstimmig an— genommen. Auch in Sachsen galten bereits bei der letzten Wahl obige Bestimmungen. Glauben die Par⸗ eien im Ernst, daß sie sich mit solchen geradezu un— Wir sind gespannt, ob der Landtag des„Volks“⸗Staates Hessen einen ähnlichen Gesetzentwurf demnächst„ein— immig“ annimmt. 4 0 Er. Bersthiedenes. 5 Versportung der Kultur. Mit einer gewissen tragischen Notwendigkeit ver⸗ dg sällt die Kultur des äußeren Lebens nach gewissen Zeitläufen der Zivilisation, der bloßen Technik und 0 0 erigle a ben u . bah benden inden de zus Karl ellug 1 kohen Zweckmäßigkeit. Aber schlimm ist es, wenn auch die Kultur des inneren Lebens von der Technik ange⸗ lränkelt oder gar beschlagnahmt wird. In dieser Ge— ahr stehen wir heute. Nur auf ein Gebiet will ich lurz zu sprechen kommen; es ist der Gesang. Deutsche Sangesfreudigkeit fließt in breiten Strömen durch die deutschen Gaue— trotz aller Not der Zeit! Das kann man nur mit Genugtuung und Freude feststellen. Aber da der Sport vor allem die geistige Physiognomie aller Kultur beherrscht, droht auch hier Zeitgeist, bloße Tech⸗ lik allen Geist erbarmungslos zu töten. Man ist im⸗ er wieder erstaunt, was auf dem Gebiet des Volks⸗ And Kunstgesangs, selbst auf abgelegenen Dörfern, in inderwertigen Vororten und kleinen Städtchen ge „Evangelische Warte“ leistet wird. Das hat man noch vor 20 oder 30 Jahren vergeblich gesucht. Aber nun bemächtigt sich der Ehr— geiz der edlen Sangeskunst. Wettsingen allüberall! Ein Gesangverein will den anderen übertreffen. Die Rekordwut nagt am hohen Gut des deutschen Liedes. Ich habe in den letzten Monaten wiederholt solche Wer— tungssingen, wie man schonhaft sagt, mitgemacht; denn was ist gegen Preissingen einzuwenden?! Was da von ganz namenlosen Vereinen an raffinierter Gesangs— technik geleistet worden ist, das war einfach erstaunlich. Handelt es sich um ausgesprochene Kunstmusik, so habe ich nichts dagegen. Aber Lieder, wie die„Loreley“, oder„Jetz gang i ans Brünnele“ in technischer Rekord— leistung vorgetragen zu hören, das war für mein Emp⸗ sinden unerträglich. Alle Seele war weg, die hohe Technit beherrschte alles. Da gehe ich denn lieber in eine Volksschule und lasse mir die Lieder ganz schlicht einstimmig oder zweistimmig vorsingen. Das ergreift mich, das erquickt mich. Aber wo mich der Dämon einer überdrehten Technik angrinst, da wird meine Seele getötet. O ihr eifrigen und ihr werten Chor- dirigenten und Kapellmeister: rettet die Seele der Kunst vor der Technik. Soll unser alter Ruhm, der deutsche Gesang, auch noch dem öden Sportgeist verfal— len? Was würde Schubert dazu sagen, wenn er sein unvergleichliches„Ave Maria“ so überressiniert vor⸗ getragen hörte? Fortlaufen würde er und wieder in seinem Grabe Zuflucht suchen und den Tod der tiefen Seele des deutschen Liedes unablässig beweinen. Fühlt ihr nicht, daß ihr trüben Totengräberdienst leistet? K. Veller. 1857 Reichspensionäre. Aus einer Denkschrift des Reichsfinanzministe— riums geht hervor, daß an 1857 Personen aus Reichs⸗ mitteln 23 095 000 Mark Pensionen gezahlt werden. Von diesen entfallen auf die früheren Reichskanzler, Minister und Staatssekretäre, und zwar auf die Zeit vor der Staatsumwälzung 29 Reichskanzler und Reichs- minister mit 650 000, nach der Staatsumwälzung 31 mit 510 000. Auf die Zeit vor der Staatsum⸗ wälzung entfallen aus den Kreisen der Stgatssekretäre 13 Ruhegehaltsempfänger mit 200 000„ und 8 Wartegeldempfänger mit 47 000, nach der Staats- umwälzung 8 Ruhegehaltsempfänger mit 130 000 und 20 Wartegeldempfänger mit 193 000. Der frühere Reichskanzler Dr. Luther erhält 23 000. Reichspension, der frühere Reichskanzler Dr. Cuno, Direktor der Hapag, 18 285„ Reichspension.— Von den früheren sozialdemokratischen Ministern erhalten Bauer, Radbruch und Schmidt Pension in einer Ge— samthöhe von zusammen 36 480 f. Den weitaus be⸗ trächtlichsten Teil der Pensionen beziehen frühere Mi⸗ litärs. Den 104 hohen Zivilbeamten, die Pension be⸗ ziehen, stehen 1753 Generale und Admirale gegenüber. Im einzelnen erhalten 136 Generale zusammen 2316 000, 278 Generalleutnants zusammen 3 828 000 , 166 Generalmajore 2 163 000, 681 Offiziere des Landheeres mit der Pension als Generalmajor 7 781 000/ und 338 Brigadekommandeure 3 335 000 „. Insgesamt beträgt die Pensionssumme 19 433 000 Mark. In der Marineverwaltung sind pensioniert 17 Admirale mit zusammen 280 000 f, 36 Vizeadmirale mit zusammen 499 000, 5 Konteradmirale in einer Stelle gleich der eines Divisionskommandeurs mit zu⸗ sammen 66 000, 58 Konteradmirale mit zusammen 666 000 4 und 6 Kapitäne mit 61000. Zusammen handelt es sich um 1582 000 f. Außerdem sind pen⸗ sioniert 32 Sanitäts- und Veterinäroffiziere mit 354000 Mark. 1 Aus unserer Bewegung. Frankfurt a. M. Die hiesige Ortsgruppe der Evangelischen Volksgemeinschaft hält am 18. ds. Mts., abends 8 Uhr, im„Storchen“ ihre Monatsversammlung ab. Namenlose Sendungen an die Schriftleitung. Es kommen häufig Sendungen an uns, welche den Absender entweder undeutlich enthalten oder ganz ver— missen lassen. Solche Sendungen haben für uns gar keinen Zweck. Oft enthalten sie schon längst in den Spalten unserer„Evangelischen Warte“ Behandeltes, oder es sind Sendungen von Gegnern, welche den Mut nicht aufbringen, ehrlich den Namen zu nennen. Wir geben gerne, auch den Gegnern, eine anständige Ant— wort. Wer in Anstand fragt, erhält in Anstand Ant⸗ wort. Heute wird uns von einem namenlosen Sender ein mit dem Poststempel Frankfurt(Main) versehenes Flugblatt des„Verbandes für Volksheilkunde Essen“ übersandt. Eine Stelle in diesem Flugblatt, welche von der Tagespresse handelt, ist von dem Absender mit roter Tinte angestrichen. Am Rande steht ebenso mit roter Tinte geschrieben:„Und die evangelische Warte???“ Die drei Fragezeichen verraten, daß der namenlose Absender etwas fragen will. Leider kön⸗ nen wir ihm nicht antworten. Er gehört nicht zu den regelmäßigen Lesern unseres Blattes, sonst hätte er von der Stellungnahme eines unserer Mitarbeiter zum „Kurpfuschergesetz gegen die sexuellen Erkrankungen“ in einer der letzten Nummern gewußt. Hätte der Ab⸗ sender uns seinen Nammen genannt, recht gerne hätten wir ihm diese Nummer zur Orientierung übersandt. Die Schriftleitung. 5 D 2922 def! heiten! nnen seuerll ichen U. Schick Welches ist wohl die Schicksalsstunde in dem Leben eines jungen Manne? Ich möchte sagen: 8 Uhr abends Stunde ist das Sprungbrett, von welchem aus die meisten Männer ins Leben springen. Zu ihrem Gewinn oder zu ihrem Schaden. Ich bin überzeugt, daß 8 Uhr abends die Gabelung in der Lebensstraße ist, die in einen für ihren Charakter zum Diese sondel Nolsik et Uu. Gewinn führt, die andern zum Verlust. Jeder Tag besitzt 23 andere Stunden. Keine ist von so großer Bedeutung, so un— eimessenem Einfluß, wie die Feierabendstunde. Warum? 0 Dies die Antwort: Die Lebenszeit eines Menschen teilt sich in Arbeit und Erholung. Der größte Teil der Männerwelt leendigt die Arbeit um 8 Uhr abends, dann beginnt die Er⸗ lolung. In dieser Stunde sucht der junge Mann die Art der Ruhe, für die er sich entschieden hat. Verwendet ein Mann „Muter bekam gestern auf Umwegen einen Brief von Rudi, befindet sich in gesicherter Stellung.— Er schreibt wörtlich: Wenn das Schicksal mich auch hart anfaßt, ich hoffe, noch alles duszuwetzen, edel und gut zu werden, wie meine Schwägerin, die mir allein beistand, nachdem mein Weib sich in Abscheu von nir wendete, mir sogar den Abschied von meinem Knaben wei⸗ erte, mein Gifthauch sollte ihn nicht mehr berühren. Sie bollte Maria um meinen Schutz anflehen und während sie das agte, raffte sie fieberhaft schnell ihr Geld aus den Fächern der Truhe zusammen, ich aber stand fast mittellos. Da habe ich aut gelacht über diesen chematischen Glauben, über diesen elenlosen Riesengötzen und habe mich zu der verlästerten und ferstoßenen Urle geflüchtet, sie zeigte mir den Charakter des achten Weibes, sie half mir, ihr danke ich meine Freiheit, mein Leben!“ Urle sah nicht auf, nur das tiefere Rot auf ihren Wangen serriet, daß die Worte von ihr gehört wurden. Die ganze schlummernde große Leidenschaft überflutete Hans von neuem, was hatte er getan, sich seines Weibes Liebe erscherzt? Er stand auf und strich kosend über ihr volles Haar: bar Dein Herrenbesuch, warum erfuhr ich das nicht? „Es konnten Euch Unannehmlichkeiten erwachsen und päter— Du begehrtest keine weitere Aussprache, sie trat ab⸗ vehrend an den Tisch, sie verzieh schwer, wohl ihr härtester Fehler, aber es war eben alles an ihr tief, wahr, echt, sie war eine unbeständige Kindernatur, die Groll und Liebe aus einem luge strahlt.. Sie hob ihr klares Auge voll zu Gerhard:„Was sagte ine Mutter dazu?— Sei aber wahr!“ 5 Ein tiefes Rot überzog momentan seine Stirn, darauf war r nicht vorbereitet; sollte er ihr sagen, daß sie geweint habe und gerufen:„Auch ihn hat sie umgarnt!“, daß Pater Markus . Das . SS SS SSS SA Im Familienkreis SS SSS SSS SSS else sc — N 8 8 N SS SS SS CAC. QQ Y» S( r seine Mußestunden zur Veredelung seines Geistes, zur Erbau— ung für Seele und Leib, so gewinnt er. Kehrt er sich aber nur den eitlen Vergnügungen zu, so ist er verloren. Es ist eine kaltblütige Behauptung, aber es ist wahr: Der Schutzgeist von 99 Prozent der Menschen ist harte Arbeit, und die beste Er— holung ist der Wechsel einer harten Arbeit mit einer anderen. 99 Männer von 100, die gewinnend ihr Leben durchschreiten, gebrauchen die Zeit der Muße zu Tätigkeiten, welche den Müßig— gang ersetzen, verdrängen. Meine Idee vom Lebenserfolg ist daher(mathematisch aus— gedrückt) die: Zwischen eines Mannes 15. und 25. Lebensjahr gibt es 3130 Werktags⸗§-Uhr-Abendstunden. Jede dieser 3130 Stunden ist eine Entscheidungsstunde. Des jungen Mannes Blick an die Uhr und zum Fenster hinaus entscheidet über das Wohin und das Nachher. Wird er seine folgenden Stunden nutz— bringend anwenden, so gewinnt er. Wird er aber seine Muße— haßer Brandglut des Scheiterhaufens müßte diese Ketzer verzehren, sie verderben die Welt!“ Erst, nachdem Gerhard seine ganze Ueberredungskunst auf— geboten hatte, sah sie es mit anderen Augen an. „Sie fühlt mit uns, daß wir Dir Unrecht getan haben und viel ausgleichen müssen!“ Naemis leises Weinen rief sie hinaus, erleichtert atmete sie auf, mochte Hans sich mit Gerhard austauschen, sie liebte kein großes Geschrei um diese längst abgetane Sache. Hans folgte ihr jedoch:„Vergieb mir Arle, laß uns“—— Sie sah ihm grollend in das Gesicht:„Du bist auf dem besten Wege, alle Liebe in meinem Herzen zu töten, Du hast die Wahl, entweder führe Dein zügelloses Leben weiter und gehe für immer, oder wende Dein Lebensschiff, noch ist es Zeit!“ Wortlos umfing er die Zürnende und drückte einen heißen Kuß auf die Lippen der Widerstrebenden. Die Ein kurzer, heftiger Windstoß jagte über die nackten Bäume brach knackend das unbiegsame, trockene Geäst heraus, riß und zerrte plötzlich an allem, was nicht„niet- und nagelfest“ war, trieb selbst Fußballsport mit Hüten und Mützen Ahnungsloser, dann war es wieder unheimlich still in den Lüften, nur grau— schwarzes Gewölk über das sich weiße, zerissene Wolkenfetzen hinschoben, drohte, kündigte einen schweren Wetterausbruch an Dammrat stand im Mantel und Hut, stampfte ärgerlich mit seinem dicken Knotenstock das Hofpflaster, ein Zeichen, daß er nicht recht wußte, wie er am klügsten handle, und sah sorgenvoll empor. Plönnchen, die alte Stallmagd, steckte verstohlen ihre leere Schnapsflasche in die Tasche, stemmte die Hände in die Sei— ten und rief:„Na, wohen giehts! Woll gar nan Doktor mit'n Arm?“ „Nee,“ sagte Dammrat kurz. 2 stunden nur zur Verzärtelung seiner leiblichen Sinne in losen Vergnügungen verbringen, so ist er verloren. Dies will nicht heißen, daß jedermann diese 3130 Stunden zu Entscheidungsstunden gestalten soll. Gesellschaftliche Unter⸗ haltung, Freundschaft, Familie, Berufsvorbereitung fordert ihr Teil davon. Aber bei all diesen gerechten Ansprüchen sollte immer die Förderung des inwendigen Menschen das Bestim⸗ mende sein. * Deine Jugend. Lieber junger Freund! Du kennst das Sprichwort: Mor⸗ genstund' hat Gold im Mund. Du kennst es nicht bloß vom Hörensagen, sondern du hast es auch in deinem eigenen Leben und Arbeiten schon erprobt. Du bist am Morgen frischer, munterer, spannkräftiger, unternehmender, vielleicht auch lie— „Sollst mich nen Bittgang bezahlen für Deinen arm, ich bett'nen gesund, kannst's doch dran wende, reicher Knupp.“ Frau Rossarius hat mich sechsmal nach Rommelsweiler zur Gnadenkappele geschickt, jedesmal gab's n Dahler, aber es hat auch geholfen, so kann wedder loofen. „Bist jo krank emm Oberstübchen! Dann bin ich nen Dah⸗ ler los! Wenn de de Schmerzen koofen willst, man zu!“ „Ungläubiger Spätter! Vergangenen Sonndag hatte ich vier Bittgänge, aber es helft ooch!“ Dammrat lachte:„Du hattest vier Dahler, um die armen Bedüpperten kriegten man 4 Jebett!“ „So sei still, alter Heide!“ „Warum, es's nicht su, dann mußtest Du doch boch vier Schlappermäuler haben!“ und ohne von ihrer empörten Ant⸗ wort Notiz zu nehmen, ging er von dannen. Es ging noch rüstig vorwärts mit dem Alten, trotzdem sein Rücken gekrümmt war und die Zeit schon tiefe Furchen in sein Gesicht gegraben hatte, nur zuweilen blieb er stehen, schöpfte tief Atem und sah prüfend die schwerhängenden Wolken an, ob es wohl möglich war, sein Ziel, die Hütte des Waldheiligen vor dem Wetterausbruch zu erreichen. Fester zog er den Schirm seiner schwarzen Seidenmütze in die Stirn, mit hohlem Gestöhn lagte der Sturm in eine Lich— tung des Waldes, schlug vergehend um die nächsten Stämme und löste sich in ächzenden, eisigen Hauch. Dammrat schauerte in sich zusammen:„En Dag wie zum Gottesgericht, wat es noch wärden mag!“ Ein Schwarm Wildgänse zog über den Wald, ihr heiserer Schrei mischte sich mit der Krähen Winterruf, die der Natur das harte Totenlied sangen. (Fortsetzung folgt.) 3—— ——ů— —— Sonnabend, den 14. Mai 1927. benswürdiger, als wenn die ersten Tagesstunden vorüber sind Auch die Welt schaut dich anders an. Sie ist morgens wie in einem Sonntagsgewand, während sie mit der fortschreitenden Tageszeit allmählich ihr gewöhnliches werktägliches Aussehen gewinnt. Das Seufzen der Kreatur, das dir den Tag über auf Schritt und Tritt begegnet, ist in den Morgenstunden noch nicht aufgewacht; sie feiert noch wie in träumender Erinnerung an einstiges paradiesisches Glück und rüstet in aller Stille ihre besten Kräfte für des Tages Arbeit. Wie wichtig ist es, daß du die Morgenstunden des Tages richtig anwendest! Ver⸗ schlafe und verträume sie, so hast du das Edelste und Beste des Tages selber dir geraubt, so trittst du hinein in die Ar⸗ beit und den Unfrieden des Weltlebens, ohne deine Seele ein— getaucht zu haben in das Element des Friedens, das in der Morgenstunde wie ein Odem Gottes dich umweht. Entweihe vollends gleich die ersten Morgenstunden durch Sünde, durch Streit, durch Verbitterung und Verunreinigung der Seele, so hast du den Wurm kommen lassen an die Wurzel deines Tage⸗ lebens. Du magst dann wohl im Verlauf des Tages dich wieder zurechtfinden, aber seine Blume, sein Duft, seine Weihe ist un— wiederbringlich dahin. Auch deine Jugendzeit ist eine Morgenstunde, von der es gilt: sie hat Gold im Munde. Was den Morgen schön macht, eben das ist auch die Schönheit der Jugendzeit: frische Kraft, froher Mut, klares Auge; eine Welt, die offen vor dir liegt, deren dunkle Abgründe bis jetzt vor deinem Auge freundlich verdeckt geblieben sind; eine reiche Zukunft, goldenes Licht und immer höher steigende Sonne. Wie wichtig ist, daß diese Mor⸗ genzeit des Lebens richtig angewendet werde! Verträume sie in Müßiggang und Nichtstum, in unmännlicher Tändelei, so hast du dich um deines Lebens edelste Stunden und beste Kraft selber gebracht, so trittst du nachher an die großen und ernsten Aufgaben des Lebens heran, ohne deine Seele gesättigt und ge— weiht zu haben mit den himmlischen Kräften, welche allein dem Tun und Wirken des Mannes seinen Wert, seinen Gehalt geben und allein ihn aufrecht erhalten in den mancherlei Enttäuschun— gen, welche seiner warten. Verträumt und vertändelte Jugend- zeit— daraus erwachsen jene bedauernswürdigen Halbmänner, welche nach kurzem Kampf mit dem Leben so bald die Waffe ins Korn werfen und entweder schwunglos mechanisch, ohne jedes höhere Streben, ihren Beruf als einen Kätners- und Taglöhnerdienst weiterführen, oder aber sich dem Weltschmerz in die Arme werfen und als verkannte„Uebermenschen“ unzu— frieden mit Gott und Welt einsam ihren Weg dahinziehen. Und wenn du vollends deine Jugendzeit, deinen Lebensmorgen nicht bloß verträumst und vertändelst, sondern geradezu durch Jugend— sünden befleckst und vergiftest,— was wird die Folge sein? Dann wird deine Lebenswurzel krank, dann„fiel ein Reif in der Frühlingsnacht, er fiel auf die zarten Blaublümelein; sie sind verwelket, verdorret“. Wohl mag sich manche Blüte wie— der erholen, wohl mag durch eine Gotteskraft von oben her selbst die innerste Lebenswurzel wieder gesunden. Aber auch im besten Fall,— was dahin ist, ist dahin, die Erstlinge der Kraft sind vergeudet, der zarte Duft des Lebens ist abgestreift, und es gibt giftige Wunden im Geistesleben, welche zwar all— mählich heilen, aber entstellende, dann und wann noch schmer⸗ zende und wieder aufbrechende Narben zurücklassen. „Evangelische Warte“ Die Jahre, in denen du stehst, lieber junger Freund, sind entscheidend für dein ganzes Erdenleben, ja entscheidend für die Ewigkeit. Die Erstlinge gehören Gott, sie sind heilig. „Heilig ist die Jugendzeit!“ sagt unser schwäbischer Dichter Uh land, der Mann voll Kraft und Mark, und fährt dann weiter fort: Edler Geist des Ernstes soll Sich in Jünglingsseelen senken. Jede still und andachtsvoll Ihrer heil'gen Kraft gedenken. So laß denn ein fröhlich und wohlmeinend Geleitwort, das mit dir durch die Tage deiner Jugend gehen möchte, eine freund— liche und gute Stätte bei dir finden! Man merke darauf. Oben saß ich am Fenster meines Stübchens und nähte in der Mittagsstunde, die täglich eine kleine Ruhepause in dem arbeitsreichen Leben im Gemeindehause bildete. Wie ich einmal aufsehe von meiner Arbeit, da kommt die alte Mutter Seiler mit ihrem lahmen Bein die Straße herauf— gehumpelt.„Sie hat gewiß kein Brot mehr und möchte etwas von uns haben,“ geht es mir durch den Sinn,„ da will ich ihr nur gleich etwas hinunterbringen, dann braucht sie mit ihren armen Beinen nicht heraufzukommen zu uns.“ Schnell ist der Schein geschrieben, auf den sie sich ein Brot vom Bäcker holen kann, und sehr erfreut, daß ich ihren Wunsch erraten habe und ihrer Bitte zuvorgekommen bin, nimmt das Mütterchen ihn in Empfang. Das Bitten wird ihr immer etwas sauer, sie ist eine rechtschaffene Frau, die in ihren frühe— ren Jahren fleißig gearbeitet hat. Wie ich langsam die Treppe wieder emporsteige, da kommen mir allerlei Gedanken. „Ehe sie rufen, will ich antworten,“ sagt der Herr,„wenn sie noch reden will ich hören.“— So war's eben auch der alten Mutter Seiler gegangen durch meine Hand. Mir ward wun⸗ derlich zumute.— Wie oft macht es unser Gott so mit seinen Kindern! Wie mag der Abl vissende unser Wünschen schon vorher sehen und hat die Erfüllung schon bereit, noch ehe wir bitten. Wenn wir armen Menschen das schon gern tun, wie viel mehr der liebreiche Vater im Himmel. O meine Seele, beuge dich, wie beschämt Gott uns durch Seine Güte, wenn du es nur immer sehen möchtest! Sieh, wenn der Winter gar kein Ende zu nehmen scheint mit Schnee und Eis und Sturm und Dunkel und du ungeduldig fragst: Wie lange noch?— da bereitet Gott dir in den unscheinbaren brau— nen Knospen der Bäume und Sträucher schon die lachende, blühende Frühlingspracht zu. und wenn Not und Kummer dich ins Gebet treiben, da reift reiche Frucht, die dich selbst be— glückt und die sonst nimmer erwachsen wäre in deinem Herzen, Frucht für die Ewigkeit. Wieviel Güte und Wohltat, die Gott uns täglich entgegen— bringt ohne unser Bitten, übersehen wir und nehmen wir hin wie etwas, das uns einfach zukommt. Wir werden erst auf⸗ merksam, wenn sie einmal ausbleibt. Laßt uns die Augen auftun und dem Herrn danken, daß er antwortet, ehe wir rufen, und hört, wenn wir noch reden! Lebensregeln. 1. Tue das Schwerste zuerst, alsbald und ganz. 2. Arbeite in Leiden und ruhe in der Arbeit von ihr. ö 0 3. Sieh in jedem Menschen einen Gottesgruß an dich, der dir einmal begegnet, und vielleicht dann nimmer. J. Gib jedem Menschen einen Gottesgruß deiner Lindig⸗ Leutseligkeit und Lauterkeit. 5. Kaufe das Heute aus, damit es die Sorgen des Mor— gen erleichtere. 6. Denke fleißig an den Tod, damit er dir Leben sei. 7. Freue dich an etwas, auf etwas und wisse, daß der Mensch sich die Freude schuldig ist. 8. Schäme dich des Bekenntnisses nicht, das sich deiner nicht geschämt hat. 9. Halte nichts von religibsen Stimmungen, sondern halle dich an den Ernst der Schrift und ihren Willen. 10. Sei auf der Hut, daß du nicht Pflicht und Neigung verwechselst.. 11. Lies in die Bibel nichts hinein, wohl aber das Ewige für die Zeit heraus. 12. Laß deine Seele in der Zucht der Wahrheit! * keit, Vezzel. Grüßkrämer. Grüßkrämer? Ein merkwürdiges Wort! Und stammt doch von keinem Geringeren, als von Hans Thoma. Er erzählt einmal, er sei mit einem„Grüßkrämer“ gewandert, dem Gegen— bilde eines„Grieskrämers“. Der habe für alle Leute auf Straße und Acker ein freundliches Wort gehabt. Ein herzlich„Grüß Gott!“, ein herzlich In-die-Augen⸗schauen ist wie ein Sonnenstrahl aus unseres Herzens Kämmerlein. Wo es helle in der Kammer ist, da muß das Licht durch die Fensterscheiben strahlen in die Nacht. Grüßkrämer laßt uns werden! wahrlich genug! Der Grieskrämer gibt's * Wenn wir wollten..! Wir können einander viel Pein bereiten Mit herben Blicken; Wir tragen so schwer an Einsamkeiten Und seh'n keine Brücken.. Wir tun uns wehe mit Wort und Mienen, Die wir hier wandern; Und alles Verschulden, das uns erschienen, Liegt bei„den andern“. Wir könnten einander so selig machen, Wenn wir nur wollten... Es perlte gar bald ein frohes Lachen Wo Tränen rollten! Marie Sauer * Ein Körnchen Glauben ist besser als ein 2 Fähigkeit birgt Verantwortung— Teile ist Pflicht. aß voll Tränen. Kraft bis zum kleinsten Werbt für oͤie„Evangelische Wartel vorm. Wilh. 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