nöltg of 5 Er n gp. D de 01% stan, e N fl. — U — laubes — 9 1 Evangelische Warte N drgan der Evangelischen Volksgemeinschaft Hauptschriftleiter: Edwin Dancers in Staden(Oberhe en Verantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin 8 Hamburger, für den Anterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz. Für Rücksendung ungewünschter Manustripte wird nicht garantiert. 3. Jahrgang. Erscheint 8— 4 50 Pfennig monatlich. Abonnements⸗ und Anzeigen- Annahmestelle, Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher 1362 und 1145. Postscheckkonto 8437 Frankfurt a. M. Sonnabend, den 12. Mürz 1927. Anzeigenpreise: die go mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg., am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen Vergünstigung. Nummer 1. WMogegen wir kümpfen. Die Evangelische Volksgemeinschast kämpft gegen den das Volk um seine heiligsten Güter berauben Macht und gegen den Ultramontanismus, der unser freies nach der Weltherrschaft strebenden Papstes zu bringen sucht. den Atheismus, gegen den das Volk mit der des Geldsacks knechtenden Materialismus deutsches Volk unter die politische Macht des Mehr evangelisches Bewußtfein! gehalten auf der hilfe Hannovers in Osnabrück am 3. Mai 1926. Vortrag von Superintendent C. Brandt, Werte evangelische Schwestern und Brüder! ist Frühlingszeit, der Mai ist gekommen. Wie ist uns das Herz aufgegangen, als wir heute auf der Fahrt nach Osnabrück unser liebes hannoversches Heimatland durcheilten und uns nicht sattsehen konnten an seinen lachenden, saatglänzenden Fluren, seinen Höhen und Wäldern im ersten Frühlingsgrün und seiner bräut lichen Blütenpracht. Das muß doch schon ein unver besserlicher Pessimist, ein grämlicher Schwarzseher sein, dem da nicht ein neues Hoffen in die Brust zieht, dem nicht das Auge erglänzt von frischem, fröhlichen Mut, dem nicht das Dichterwort im tiefsten Innern wider hallt: O frischer Duft, o neuer Klang, nun armes Herze sei nicht bang, nun muß sich alles, alles wenden! Wir denken an unser deutsches Volk und Vater land. Haben wir irgendwelchen Grund zu der Hoff nung, daß auch diesem unserem armen, geplagten, in Winterleid versunkenen, und was schlimmer ist, inner— lich tief krankem Volk, noch einmal ein neuer Lebens frühling erblühen wird? Wir wissen, wie unendlich viel dagegen spricht. Wir sehen, wie deutsche Männer und Frauen, wenn sie hinblicken auf die dämonischen Kräfte innen und außen, die unser Volk in Fesseln schlagen, in dumpfer Verzagtheit ihr Haupt neigen und klagen: es geht rettungslos bergab, dem unentrinn— baren Verderben entgegen. Und wie oft, wenn die un geheure Not unserer Tage uns an die Seele greift, sind wir versucht, ihnen beizustimmen. Und doch, trotz alledem, wir heißen Euch hoffen! Wohl sind es schauerliche Tiefenwege, die uns der un erforschliche Gott gegenwärtig führt, Abwege und Irr— wege, die er uns gehen läßt. Aber ist das nicht gerade ein Zeichen, daß Gott noch an uns arbeitet? Ist es nicht so: je fester man einen Gummiball zur Erde schleudert, desto kräftiger springt er in die Höhe? Aus der Enge in die Weite, aus der Tiefe in die Höh führt Es der Heiland seine Leute, daß man seine Wunder seh— N 0 genoss nan sel Main abe ch Ne 1 Mu un „ 6 0 1 zu beten. Gebet? Eins läßt uns hoffen für unser Volk mit aller Kraft und Zuversicht: Unser Gott ist noch bei uns, unser Hei— land lebt. Wir haben noch sein heiliges Wort, seine Verheißungen, sein Evangelium. Hell steht es, zumal bei uns evangelischen Deutschen, noch immer auf dem Leuchter, und es findet noch immer sein Volk. Viel Ein enges Band. Matthäus 18, 19. Wo zwei unter euch eins werden auf Erden, warum es ist, daß sie bitten wollen, das soll ihnen widerfahren von meinem Vater im Himmel. Wer hätte sich nicht schon tiefe Gedanken gemacht über das Es gibt solche, die wollen nur ganz für sich beten. Zu ihnen gehört ein bedeutender Mann unserer Tage, Dr. Johannes Müller, welcher so weit geht, auf Seite 199 der zweiten Auflage seines Buches„Die Bergpredigt“ zu schreiben:„Das Ge— bet als gottesdienstliche Handlung, das Gebet auf dem Pro— gramm, das Gebet als religiöse Uebung liegt zweifellos in der Richtung, die Jesus verwiesen hat.“ Dieser sehr religiböse Mann nimmt die Keuschheit des Gebetes so ernst, daß er alles öffent— liche Beten verwirft. Andere prostituieren geradezu ihr Gebet. Sie können überall beten. Eine Schwester hatte junge Mädchen am Sonntag um sich gesammelt, damit sie nicht auf der Straße herumlaufen und Unfug treiben. Diese Mädchen sind in jugend— Iiichem Uebermut einmal ungezogen. Da fängt die Schwester an Die Stimmung der Mädchen war sicher nicht die, die zum Gebet gehört. Oder es gibt Leute, die können bei jedem Kranken, in jeder Versammlung beten. Diese haben das Gebet handwerksmäßig erlernt, ohne die ernste Wahrhaftigkeit zu emp— finden, welche im Gebet liegt. Sie haben gar nicht das Gefühl * dafür, daß es auch Menschen gibt, in deren Gegenwart eine 1 innere Stimme uns vom Beten abhält. 4 Sicher ist das Gebet etwas, das wir mit aller Keuschheit vor 18 Augen der Welt verbergen sollen. Darum hat uns ja auch Jesus in das Verborgene geschickt, wenn wir beten. Im stillen Kämmerlein läßt sich am besten das Herz ausschütten vor dem, auf den wir alle unsere Sorgen werfen dürfen, weil er ja für uns sorgt. Die tiessten inneren Kümmernisse, die wir keinem Menschen anvertrauen mögen, dort im Gebetskämmerlein dür— 1 1 1 1 1 Provinzialtagung der Evangelischen Frauen altes Gold echt evangelischen Glaubens und sittlicher Kraft schlummert noch verborgen auf dem Grunde der deutschen Volksseele, und im Schmelzofen der Not, da kommt des nun wieder in Fluß und das gereinigte Edel metall fängt wieder an zu blinken und zu glänzen und ist im Begriff, wieder zu vollwertiger Münze sich aus— prägen zu lassen. Welch ein neues Frühlingsleben auf hundert Gebieten unseres evangelischen Kirchen- und Gemeindewesens in unseren Tagen, welch ein Erwachen nach langem Winterschlaf! Gerade als der Protestan lismus darniederlag wie ein Epheu, hinter dem man die Mauer abgebrochen hat, gerade als man das Glok lenseil ergriff zum Totengeläut für die evangelische Kirche, gerade da erlebte sie eine Auferstehung. Und in demselben Moment, wo wir zitternd und bangend auf das entwurzelte, verwirrte und haltlose kommende Ge schlecht sahen und uns fragten: was werden die aus unseren teuren Glaubensgütern machen? Da durften wir es staunend sehen, wie uns daneben eine neue Ju gend erstand, mit der Glut der ersten Liebe greifend nach den ewigen Dingen, entschlossen abgekehrt von dem Sumpf öden Genußlebens, ein junges Geschlecht, immer neue Scharen werbend, das die alte Kreuzesfahne mit starker Hand ergriff, das Wort von der Königsherr schaft Jesu darauf schrieb und sie nun stürmend voran trägt zu neuen Siegen. Und weil dieser Heilungs prozeß von innen heraus eingesetzt hat, weil aus der unergründlichen Tiefe des Evangeliums heraus neue Lebenskräfte auf den Plan getreten sind, leise erst und zaghaft, aber immer deutlicher die Knospenhülle ah streifend, darum hoffen wir nicht nur auf eine neue Blüte unserer evangelischen Sache, sondern durch sie auf einen neuen Aufstieg unseres lieben deutschen Vol kes. An dem wieder erstarkenden christlichen Wesen muß und wird noch einmal unser Volk genesen. Gewiß, finstere, feindliche Gewalten ringsum. Aber viel Feind, viel Ehr. Heute können wir wieder kühn mit dem Dichter Gustav Falke beten: Herr, laß mich kämpfen dann und wann! Satt sein macht stumpf und träge; Und gib mir Feinde, Mann um Mann! Kampf— die Kräfte rege. Ja, es ist Frühlingszeit! Es geht wieder vor wärts, aufwärts, langsam aber sicher. Und dreut der Winter noch so sehr mit trotzigen Gebärden, und streut er Schnee und Eis umher, es muß doch Frühling wer den. Wir heißen Euch hoffen! Darum ist aber auch die Losung, abend in Eure Herzen rufen soll: Mehr evangelisches Bewußtsein! lein letzter, verzweifelter Angstruf an die Pumpen eines versinkenden Schiffes, sondern der zu kunftssichere Weckruf an jedermann, den es angeht, daß; ex seine Schuldigkeit tue und sich der Ehre und Freude nicht beraube, mit dabei zu sein, wenns zu neuen Sie gen geht. Mehr evangelisches!“ die ich heute Bewußtsein! Was will denn das eigentlich besagen? Was fordert dieser Ruf von uns? Ich denke zunächst das, daß wir evangelische Christen einmal ordentlich die Augen aufmachen und sehen, wie unendlich reich wir sind. Wir haben erstlich Gottes Wort, unser deutsches Bibelbuch, wie es uns Martin Luther in die Hand ge geben hat, das leuchtendste Kleinod und Erbe der Re formation. Und wenn es auch heiß umstritten ist, dies Gotteswort, und man uns dies Fundament immer wieder unter den Füßen wegziehen will, so daß wir's uns immer neu erringen müssen, es ist und bleibt doch die zuverlässige Stimme Gottes an uns, er ist und bleibt wahr, der alte Spruch des weisen Sirach, der an der Ratsapotheke in Lüneburg in goldenen Lettern steht: „Es heilt sie weder Kraut noch Pflaster, sondern dein Wort, Herr, das alles heilt.“ Und in dieser heiligen Schrift, da haben wir das Person gewordene Wort Got tes, unseren Herrn und Heiland Jesus Christus, den Gekreuzigten und Auferstandenen, dem alle Gewalt ge— geben ist im Himmel und auf Erden, der bei uns ist alle Tage, der unseres Glaubens felse ufester, unerschüt terlicher Grund ist. Wir haben unseren kleinen lutherischen Katechismus, dieses unendlich gesegnete Volks- und Kinderbuch, wir haben unser evangelisches Kirchenlied und Gesangbuch, um das uns die ganze Welt beneidet, wir haben unsere teure evangelische Ge— meinde und Kirche, die Hüterin dieser Schätze, unser aller Mutter. Ja gewiß, sie ist nicht volllommen, diese alte Mutter, und es gehört zu den schmer rzlichsten Er fahrungen eines Kindes, wenn es auch an seiner Mut— ter Fehler entdeckt. Aber schätzt man sie deswegen weni ger? Nein, man hält zu ihr bis zum letzten Atemzuge, denn man weiß, was man an seiner Mutter hat— Und in dem allen und durch das alles haben wir unseren evangelischen Glauben. Was ist dieser Glaube? „Glauben, so sagt einer unserer hervorragenden evan gelischen Zeitgenossen(Dryander), ist mehr als nur das Fürwahrhalten dessen, was wir gelernt haben; mehr als sonntäglich mit einstimmen in das, was die Jahr— tausende vor uns geglaubt und bekannt, und was die Edelsten aus allen Zeiten uns zurufen: Gott ist und lebt! Glaube ist das felsenfeste Vertrauen auf diesen —— Wie wohltuend ist, sen wir sie uns vom Herzen herunterbeten. eine solche Stunde mit Gott allein. Auch Jesus hat solche Stun— den gebraucht. Wie oft ist er fort von seinen Jüngern in die Einsamkeit und hat zu seinem Vater im Himmel gebetet. Auch im Garten Gethsemane wollte Jesus allein sein mit seinem Vater. Deshalb hat er auch seine Liebling fünger zurückgelassen. Allein wollte er sich hindurchringen zum Glaubensgehorsam. An anderen Stellen hat aber auch Jesus im Kreise seiner Zuhörer gebetet. Bei den Speisungen„dankte“ er und dann erst teilte er aus. Als er am Gründonnerstag abend mit seinen Jüngern das Passahlamm aß und dann sein letztes Gleichnis, das von seinem Leiden und Sterben, gab, heißt es:„Er nahm das Brot, dankte und brach's.“ Wir haben es hier also mit öffentlichem Beten unseres Heilands zu tun. Man sieht, Jesus war auch beim Beten durchaus nicht einseitig. Es gab auch für ihn Gelegenheiten, wo er in einem Kreis von Menschen betete. Nun ist das oben zum Text genommene Wort gerade eine Auf forderung zum gemeinsamen Gebet. Jesus will, daß gleich⸗ gesiunte Menschen zusammen beten. Wenn wir zum Gottesdienst welche Gottes Wort hören und zusammen beten wollen. Ja, dann ist gerade das Gebet das feste Band, das alle miteinander verbindet. dann ist gerade das Gebet das seste Band, das alle verbindet, Sie sind alle Gotteskinder, welche ihre gemeinsamen Bitten vor Gott, ihren Vater, bringen wollen. Alle Kirchenbesucher sind dann verbunden durch eine enge Gebetsgemeinschaft. Dieser Gebetsgemeinschaft ist die Erhörung verheißen. Deshalb fällt es uns auch leicht, in der Kirche zu beten. Dort ist alles auf das Gebet gestimmt. Dort ist alles so feierlich, so erhebend, so ernst. Wohl dem, der diese Stätte des Gebets lieb behält für sein ganzes Leben. Wenn nun das gemeinsame Gebet ein so enges Band um Menschen schlingen kann, dann muß es dies auch um die engste menschliche Gemeinschaft schlingen können, um Mann und Frau. Eine engere Gemeinschaft, als die Ehe, kennen wir ja nicht, — Wollen zwei Menschen miteinander den Bund der Ehe schließen, dann gibt es kein besseres Mittel, zu prüfen, ob die Ehe ge lingen wird, als dadurch, daß beide sich fragen, ob sie zusammen beten können. Hat eines das Gefühl, ich kann in Gegenwart des anderen nicht beten, dann ist es Zelt, daß jeder seinen eigenen Weg geht. Deun das Gebet ist wirklich auch ein enges Band der Eheleute. Wenn sie da wirklich eins werden in ihrer Bitte, dann haben sie eine große Verheißung. Es ist ja da wirk lich ein Jammer, in wie wenig Familien auf unseren Land. orten noch gemeinsames Gebet im Familienkreis gepflegt wird. Wie die Tiere im Stalle, so geht man auch zum Futter. Noch nicht einmal gemeinsames Tischgebet trifft man an. Ganz schweigen wollen wir von dem gemeinsamen Lesen in Bibel und Andachtsbuch und im darauf folgenden gemeinsamen Gebet der Hausgemeinde. Wohl den Familien, bei denen dies alles eine Stätte hat. Denn gerade das Gebet kann wie nichts anderes innere Gemeinschaft der Hausgenossen stisten und erhalten. Denn miteinander beten, heißt doch eins werden miteinander, sich ineinander schicken. Wo die Gemeinschaft der Seelen in Gott ist, da hilft eins dem anderen zurecht mit besserem Ver ständnis des Gottes Willens, da kann eins das andere trösten. Darum brauchen wir wohl das einsame Gebet im engen Käm merlein. Aber das gemeinsame Gebet in der Kirche, besonders aber auch im Familienkreise brauchen wir es. Wie viel besser wäre es in unseren Familien bestellt, wenn sie alle durch das enge Band des gemeinsamen Gebetes verbunden wären. Wohl einem Hause, da Jesus Christ allein das All in allem ist! Ja, wenn er nicht darinnen wär', so ständ' es und wüst und leer Wohl, wenn der Herzen sromm' Gebet beständig in die Höhe geht, und man nichts treibet fort und fort, als Gottes Werk und Gottes Wort. Amen, d' Hr. ——— —— — Sonnabend, den 12. März 1927. lebendigen Gott, die zweifellose Zuversicht zu ihm, so zweifellos, daß einer, mit Luther zu reden, wohl hun⸗ dertmal darüber stürbe! Glaube ist die Zuversicht, daß dieser Gott, der Gott der Ewigkeit und der Allmacht, über meiner Zeit, meinem Leben, meinem Ergehen, treuer walte als die Mutter über ihrem Kinde.“ Schwestern und Brüder, ist das nicht Reichtum, jubelnde Freude, volles, ganzes Lebensglück? Evangelisch glau⸗ ben, das heißt wahrhaft frei sein von aller Welt, weil einzig und allein gebunden an Gott, und zugleich ver pflichtet gegen den Nächsten, in dem uns Gott entgegen⸗ tritt, weil innerlich dankbar gegen unseren Gott. Aus diesem reformatorischen Glauben ist uns einst ein neues herrliches Geistesleben in unserem Volk gekommen, und das beste an deutscher Kultur, was wir heute noch haben, das hat hier seine Wurzel. Streicht diesen Glauben aus der Seele unseres Volkes und ihr werdet sehen, wie dann erst das große Sterben unausweichlich anhebt. Laßt die Genesungskräfte, die aus diesem Glauben geboren werden, wieder ungehemmt hinein⸗ strömen in die Adern unseres Volkskörpers und ihr werdet Zeuge sein, wie ein neues Frühlingsleben er⸗ blüht auf allen Gebieten. Kein wichtigeres, zeitge⸗ mäßeres Leitwort für den Lehrgang für kirchliche Frauenarbeit in dieser Stadt konnte darum gefunden werden, als das Wort von der Herrlichkeit unsere⸗ evangelischen Glaubens, deren Leuchtkraft in diesen Tagen aufs Neue sich zeigen soll. Keine dringendere Mahnung aber gibt es dann auch für uns alle, als die Mehr evangelisches Bewußtsein! Mehr Verständnis, mehr Blick für den unendlichen Reichtum evangelischen Christentums! Denn daran mangelt es leider so sehr in ganzen Schichten unseres evangelischen Volkes. Wie steht es z. B. um unsere Arbeiterschaft? Man braucht nicht ge⸗ ring zu denken von der Kraft unbewußten Christen⸗ tums, das auf dem Grunde der deutschen Arbeiterseele vielfach noch lebt, man kann auch die Zuversicht hegen, daß einmal die Zeit kommen wird und kommen muß, wo diese beiden Größen, Evangelium und Arbeiter— schaft, sich wiederfinden werden, und man wird doch zu⸗ geben müssen, daß der größte Teil der deutschen und gerade der evangelischen Arbeiterschaft kaum noch ein starkes Gefühl von dem Wert unserer hohen Glaubens güter aufzubringen vermag. Aber auch in denjenigen Volksschichten, die bei der Lage der Dinge die Kern⸗ truppen für die evangelische Kirche liefern sollten, welch eine weit verbreitete, immer mehr um sich greifende Entchristlichung, Unwissenheit und Gleichgültigkeit! Gewiß ist es unsäglich schwer für den einzelnen, dem Zeitgeist mit seiner Verweltlichung des modernen Le⸗ bens— dies Wort durchaus nicht in schlechtem Sinne verstanden— sich entgegenzustemmen. Aber je ernster diese Bindung durch überpersönliche Mächte zu nehmen ist, desto notwendiger ist, wenn wir nicht ganz und gar verarmen, sondern weiter wollen, dann eben auch der Ruf: Besinne dich endlich einmal wieder auf das Beste, was du fürs Leben mitbekommen hast, was deinem Le⸗ ben allein Halt, Kraft und Ziel geben kann! Mach Alle die, welche an Rheuma, Gicht, Ischias, Hexenschuß, Rücken- schmerzen und Nervosität leiden, ders auf geregelten Stollwechsel achten. müssen beson- aul uatür- iche Weise das Blut von Ablagerungen reiniger, sorgt prompt lar normalen Stoffwechsel und leistet somit bet vorragende Dienste, um die Menschen lebenskrä“ ger und widerstandsfähiger zu mach n. in allen Apotheken u. Droget 4. Dornentpege. Roman von Clara Meller 15. Forisetzung. ersten Schneeflocken, leichtgefügt wie Flaumfedern, wirbelten durch die Luft und einten sich auf der frierenden Erde zu einer zartgekräusten Decke. Das öde Land sah festlich vor— nehm aus, wie eine, in weiße Schleier gehüllte, schöne Gestalt Die Sonne, die mit sicherem Strahl die griesgrämigen Wollen zur Seite schob, sog nicht einmal Lücken hinein, sondern weckte nur leuchtende Reflexe wie feingliedrigen Schmuck. Hell flacker— ten die Holzfeuer in den hochwandigen Kachelöfen und in Gast⸗ häusern und Privatwohnungen saßen die empörten Staffel— Die häuser, disputierten, redeten sich immer mehr in Abroer, daß eine aus ihren ehrenwerten Kreisen sich vermaß, einen Katho— liken zu heiraten.— Ja, heute, an diesem einzig schönen Winter— tag, war die Hochzeit Urles mit Hans. Wie eine Winterkönigin war sie den Neugierigen erschienen in ihrem weißen, silberbestickten Seidenkleid, und der Schleier hatte in reichen Falten die lange Schleppe überrieselt. In ihrem ernsten Gesicht zitterte das Glück; sie ließ sich ihren Ehren— tag durch keinen trüben. Was ihr das Schicksal aufbewahrt, mußte sie allein tragen. Was sorgten sich Fremde um ihr Los? Rosen, purpurne Sonnenkinder dufteten auf ihrem Platz, als sie zur Tafel gingen, lehnten graziös ihre liebreizenden Köpfe an eine goldene Lyra: Hast Du Freuden, singe In Lauten wunderhold, Gibt Dir das Schicksal Leiden, So singe still und schlicht, Daß Deine Worte leuchten Daß Dir in Kummertagen Wie Gottes Sonnengold! Dein warmes Herz nicht bricht! stand auf silbernem Notenband, und niemand kannte den sinni— gen Geber. Nur die Braut selber ahnte es und sandte ein freundliches Abschiedsgedenken in die ungewisse Ferne, nach Dr. Möünster.— Sie wußte freilich nicht, daß nur die enge Straßen- spanne sie trennte, daß er bleich und verstört hinter dem vollen Blumenfenster des Oberlandesgerichtsrats Werner stand und Urle ä Schluß mit der elenden Gewohnheit, daß du dir dein „Evangelische Warte“ evangelisches Christentum nur noch eben als Dekora⸗ tionspalme für Hochzeiten und Begräbnisse gefallen läßt und im übrigen es als quantité négligeable behan⸗ delst, sondern putze dies verstaubte Kleinod einmal wieder gehörig blank, und dann weise ihm in deinem tüglichen Denken und Handeln den ihm gebührenden Platz an! Denn, meine Verehrten, mit der Erkenntnis der Größe und Schönheit der evangelischen Glaubenswerte allein ist es natürlich noch nicht getan. Was nützt das, wenn nicht damit Hand in Hand geht ein entsprechen⸗ des Handeln? Mehr evangelisches Bewußtsein! Das heißt nun selbstverständlich sofort: Betätige dein evan⸗ gelisches Christentum bewußt, ausdrücklich und unab⸗ lässig auf jeglichem Lebensgebiet! Und nun möge es mir verstattet sein, einige dieser Lebensgebiet näher ins Auge zu fassen. (Fortsetzung folgt.) Das evangelische Pressewejen in Deulithland. Wer die Macht des Altramontanismus in Deulsch⸗ land während der Jahre nach dem Weltkrieg erkannt hat, hat auf der anderen Seite die Ohnmacht des Pro⸗ testantismus gefühlt. Wieviele treu evangelische Männer und Frauen haben sich darüber Gedanken len gemacht, woher dieser Zustand kommen konnte. Daß es nicht am mangelnden Wahrheitsgehalt des Pro⸗ testantismus liegen kann, das sah bald jeder Einsich⸗ tige. Denn während man auf römischer Seite eine Ver⸗ mischung des Christentums mit Heidentum u. politischem Machtstreben vor sich hat, haben die Reformatoren das große Verdienst, das Christentum wieder in die reine urchristliche Form der ersten christlichen Jahrhunderte zurückgeführt zu haben. So muß dieser Zustand der Schwäche eine Schuld der Evangelischen sein. Evan⸗ gelische Gedanken wollen zu allen Zeiten in den der betreffenden Zeit eignen Weise verkündet sein. Ein heute wichtiges Mittel, wertvolle Gedanken in der Oeffentlichkeit wachzuhalten, ist die Presse. Unmöglich kann man sich heute das religiöse, poli— tische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben eines Kulturvolkes denken ohne die Zeitungen. Wir haben es da mit einer nicht zu unterschätzenden Macht zu tun, In wie vielen Häusern wird weiter nichts gelesen als „die“ Zeitung. Sie dient der Unterhaltung ebenso wie der Belehrung. Ganz von selbst gerät man mit seinen Ansichten an die Gedankengänge„der Zeitung“ hinein. Der Wirtschaftskampt läßt keine Zeit, sich eine eigne Meinung über alle Lebensfragen zu bilden. So läßt man seine Zeitung die Fragen der Zeit beantworten und paßt sein ganzes Denken seiner Zeitung an. Wenn man im Volke horcht, dann kann man aus jedem Mund heraushören, welche Zeitung er liest. ohne daß er sie uns nennt. Wer nun rechtzeitig diese Bedeutung der Presse zu verwerten gewußt hat, der konnte die öffentliche Meinung führen und formen. Früh hat der Ultramontanismus den Wert der Presse erkannt. Bereits 1848 gibt es in Deutschland katholische Zeitungen, z. B.„Die Rheinische“, später „Deutsche Volkshalle“. Im Jahre 1855 wurde in Frankfurt a. M. das katholische Zentralorgan,„Deutsch⸗ land“, gegründet. 1859 entstand das„Mainzer Jour⸗ nal“, 1869 die„Kölnische Volkszeitung“. Seit Ent⸗ stehung der Zentrumspartei wurden alle diese Blätter im Geiste dieser Partei geleitet, und es entstanden rasch hintereinander eine große Menge teils täglich, teils ein⸗ oder mehrmals wöchentlich erscheinende Zentrums blätter. Wie der Stand dieser römischen Blätter heute ist, möge die folgende Tabelle lehren, deren Zahlen dem im Brautgewand sah, wie sie und eine unüberwindlche Kluft sich zwischen sie schob. Warum mußte die schwere Krankheit ihn mit Eisenklammern in Fesseln zwingen, warum mußte er gesunden, wenn auf dem ersten Weg—⸗ weiser, der ihn am Lebenswege lenkte,„Entsagen“ stand? „Du gehst einem ungewissen Schicksal entgegen, arme Urle; ich will wenigstens deinem Wege folgen!“ gelobte er und wandte sich von seinem entschwindenden Jugendtraum— Die Stunden reihten sich im Festestrubel scheinbar besonders schnell aneinander; der Vorhang schob sich immer enger zu— sammen, die Kinderzeit, die mailichte Jugend abschließend, das Sein und War verhüllend und das neue Leben öffnete seine Tore. Urle hatte keinen harten Abschied zu überwinden, sie ließ nichts in dem idyllischen Städtchen zurück; denn Mutter und Dore zogen mit. Nur ein Korridor würde sie in der geräumigen Etage trennen. Konnte es ein schöneres Zukunftsbild für sie geben?* Aus dem Lehrzimmer von Dore Benningsen scholl gedämpf— tes Singen, das sich trotzdem voll abtönte, da eine ganze Anzahl jugendlicher Stimmen die traute Weise des Loreleyliedes summte. Die kluge Dore mit dem ungewöhnlichen Geschick in den fleißigen, nimmermüden Händen, war hier schnell in das „rechte Fahrwasser“ gekommen; es mangelte in dieser Fabrik— stadt vollständig an einer tüchtigen Industrielehrerin, wo Schüle⸗ rinnen und Erwachsene ihre Kenntnisse erweitern konnten, und so nahm ihre Schule direkt einen ungeahnten Aufschwung. Wie glücklich war sie darüber, hatten sie doch ihr Vermögen Johannes zum Eintritt in eine kleine Fabrik überwiesen, da seine Mutter im Familienrat beschlossen, ihm nichts zu geben. Kurz vor der Hochzeit war diese Hiobsbotschaft zu dem jungen Paar gelangt, nachdem sie vorher Johannes die Hoffnung gegeben, daß er, gleich wie Rudi, zum Anfang Kapital zu erwarten hätte. „Siehe zu, wie du mit deiner evangelischen Sippe fertig wirst, ich habe kein Geld für dich, ich will überhaupt keinen sehen“, schrieb sie und hegte die Hoffnung, daß dieser Genie hinaustrat aus dem Mädchenkreis sie nicht mit der Charakterstärke dieser Mädchenseele. Allf der Warte. In China schließt sich der Ring um Schanghai immer enger. Allen ableugnenden Meldungen zu— wider schiebt sich die Kantonarmee immer weiter vor. Englands Befürchtungen steigen damit wieder. Im Sieg der Kantonarmee sieht es den Sieg des bolsche⸗ wistischen Rußland, das ihm im Osten gefährlich wer— den kann. Daher auch im englischen Unterhaus eine sehr scharfe Russendebatte mit der Forderung des Ab⸗ bruches der diplomatischen Beziehungen zu Rußland. Damit will aber der englische Ministerpräsident noch nicht spielen und zog sich einen Mißtrauensantrag zu, der originellerweise sein Gehalt um 100 Pfund(2000 Mark) kürzen wollte. Der Antrag wurde abgelehnt.— Frankreich trat mit seinem neuen Rüstungs⸗ und Be⸗ festigungsprogramm vor die Oeffentlichkeit. Danach wird es aus einem waffenstarrenden noch zu einem Fort⸗umgürteten. Von Belfort bis Dünkirchen, also von der Schweiz bis zum Aermelkanal soll eine be— tonierte Schützengrabenlinie laufen. Dahinter schwere Befestigungen. Man kann bald diese furchtbare Angst Frankreichs nicht mehr verstehen. Doppelt interessant ist aber, daß das Rüstungsprogramm auf die amerikani⸗ schen Abrüstungsgedanken des Präsidenten wie ein Keulenschlag wirken muß. Mit diesem zum„Schutze gegen deutsche Ueberfälle“ gebauten Befestigungsgürtel hat man aber einen guten Vorwand, ihn auch längs der italienischen Grenze fortzusetzen und diese Grenze in der harmlosesten Weise auszupanzern. Was wird Ita⸗ lien dazu sagen?— In diesem Lande ist die Spannung zwischen der faszistischen Miliz und der Armee erheblich gewachsen. Als oberste Führer stehen sich hier gewisser⸗ maßen Mussolini und der König gegenüber. Ein stiller Kampf ist da entbrannt, und wenn Mussolini nicht die Interessen ins Ausland werfen kann, so kann es zwi⸗ schen den beiden Lagern zu erheblichen Differenzen kom⸗ men.— Der deutsche Außenminister Stresemann über⸗ nimmt die Präsidentschaft für die jetzige Tagung des Nölterbundsrates! Gewiß ein bedeutsames Ereignis. Allerdings ist diese Uebernahme eine Ehre, die für Deutschland zunächst nicht den geringsten Vorteil bringt. Dabei stehen für Deutschland bedeutsame Punkte auf der Tagesordnung, über deren Behandlung noch zu reden sein wird. Wünschen wir der Tagung einen er⸗ sprießlichen Verlauf!— Die Zeitungen brachten unter der Ueberschrift„Preußen und das Konkordat“ folgende inhaltsreiche Meldung: Berlin, 3. März. Die Vorbesprechungen über den Abschluß eines Vertrages zwischen dem päpstlichen Stuhl und dem preußischen Staate sollen zu einer ge⸗ wissen Klärung geführt haben. Nach Auffassung des preußischen Staates müsse eines der Hauptziele der Vertragsverhandlungen darin gesehen werden, daß die preußische Regieruns ein Mithbestimmungsrecht bei der Ernennung der Bischöfe erhält da besonders an der westlichen und der östlichen Grenze Preußens den Bischöfen hervorragende politische Bedeutung zu⸗ komme, und zwar deshalb, weil die Grenzen der bischöflichen Diözesen nicht mit der Reichsgrenze zu⸗ sammenfallen. Danach müssen die Verhandlungen doch schon sehr weit gediehen sein. Wichtig ist für uns auch ganz besonders die Betonung der politischen Bedeutung der Bischöfe, einen Standpunkt, den wir schon jederzeit unterstrichen haben, der von der Gegenseite aber so gern bestritten wird. Katholischerseits ist zwischen Religion und Poli⸗ tik keine Trennungslinie zu ziehen!— Wenn nun auch noch Herr Keudell in diesem Augenblicke ein vollkom- men neu aufgebautes Reichsschulgesetz ankündigt, so wachsen unsere Sorgen, da wir Verquickungen mit dem Konkordat fürchten. Evangelische, seid wachsam! n Liebe und Güte würden sie bezwungen haben, diese Art und Weise schreckte sie für immer zurück!— Geradezu fürstliche Geschenke waren trotz der schroffen Span⸗ nung zwischen ihnen zur Hochzeit eingetroffen, doch ebenso kühl⸗ höflich wie die Glückwünsche, war der Dank auf Königsborn ein⸗ getroffen und seitdem schien jede Verbindung abgebrochen, wenn auch nur eine Stunde Eisenbahnfahrt die Familien trennte. Niemand ahnte, daß Frau Petronella Wendtland oft in verbissenem Groll das Bild des jungen Paares anstarrte, ihren Jüngsten und die schöne Ketzerin, die ihr den Jungen raubte, in ihren Netzen fortzog von dem Heilswege. O, sie war wohl unterrichtet von allen Vorkommnissen, sie wußte, daß sie sich nur an einige Professoren- und Fabrikbesitzerfamilien ange⸗ schlossen hatten, die alle evangelisch waren. Ludmilla, die gute, fromme Schwiegertochter, die ganz ihre Ansichten besaß, sandie ihr neulich eine Zeitschrift, darin stand ein Gedicht Urles! Frei⸗ lich noch unter ihrem Mädchennamen; aber wie schamlos, wie empörend war dies Betragen, nein, sie durfte nicht mehr still sitzen und die Hände mutlos in den Schoß legen, die Leidenschaft ihres Jungen mußte sich endlich ausgetobt haben; es lag doch sonst nicht in den Wendtlands soviel„Bohei“, um eine hübsche Larve zu erheben, sie waren viel zu materiell gesinnt.—— Da war denn wieder in Arles Leben ein Brief von Ger⸗ hard wie ein erschreckendes Kriegszeichen eingetroffen:„Komme heute noch, Mutter sehr krank!“ Hans ging nicht bis in tiefster Seele erschüttert hin wie damals; denn alles, was er durch der Mutter Härte gelitten und noch litt, stieg wie ein warnendes Menetekel vor ihm auf, Vor Königsborn begegnete ihm der Wagen des Hausarztes. Er ließ anhalten, um wahrheitsgetreuen Bericht zu erhalten und bekam den Bescheid, daß diese Anfälle sehr besorgniserregend seien; er aber hoffe, daß die kräftige Natur den jetzigen Zustand schnell überwinden werde. Freudig kläffend sprangen die Hunde um ihn, als er in die streich Urle zwingen werde, überzutreten. Immer noch rechnete Haustür trat, er wehrte vergebens. Erst der kräftige Zuruf Anger igen, en i D. Angen hen gelche eleite er„8 . be ait sei ole“! ider der i i uͤglich en B f halte Hen! währ Fustitut für Zeitungsforschung entstammen. Die Ta— elle ist deshalb besonders wertvoll, weil sie nicht nur ie Zahl der Zeitungen, sondern auch den prozentuel— hu. gen Anteil an der Presse des Landes und auch die Er— r. cheinungshäufigkeit angibt: 0 Landesteil Zahl% 12 u. 6 über 9 l 0 t 1 Ib Bayern 5 ,, 5 Braunschweig.. 16% 0. Hessen. 8 9,8 2 6 o 0 Oldenburg 3 9,0 1 2 Ju, Brandenburg 5. 00 Posen, Westpreußen 47 1 13 Hannover. ee ee„„ de⸗ Hessen-Nassau 1 f ach Hohenzollern. 00 3 en Ostpreußen t 2 so Rheinprovinz 96 32,2 5 12 15 1 51 12 be⸗ Provinz Sachsen.. 0075 1 5 here Se e 1 8 at. Westfalen 61 31,6 35 22 ant Württemberg 31 17,8 1 30 25 mie Endzahl im 9 1 Deulschen Reich 395 12,03 11 21 47 5 259 48 ute 8 90 fel Wie traurig steht es dem gegenüber mit der Tätig⸗ der eit der Evangelischen auf dem Gebiet des eignen in btessewesens. Einen ganz verkehrten Weg hatte man Ja- damit eingeschlagen, daß man versuchte, die politische ung Üdische oder religibs gleichgültige Presse in evange⸗ lich lischem Sinne zu beeinflussen. Kenne ich doch einen ser. beistlichen, welcher vergeblich versucht hatte, einem ler leinen Provinzblatte wöchentlich eine Andacht zu lie— die sern. Eine zeitlang wurde sie abgedruckt, dann aber zu. abgelehnt. Auch darf man nicht so einfältig sein und kon. glauben, man könne mit einer wöchentlichen Andacht ber gen ganzen Geist einer Zeitung umstimmen. Der Geist iner Zeitung wird nur von denen bestimmt, welche in der Schriftleitung sitzen. Sind das Freidenker, so wird fan den christenfeindlichen Charakter des Blattes füh— en können, sind es Juden, dann kann man keine Freundschaft mit dem Christentum erwarten, sind es eeligibs gleichgültige Männer, dann wird das Blatt für leine Religion sich erwärmen können. Zeitungen mit olchen Schriftleitern an der Spitze bilden leider heute die von der evangelischen Bevölkerung gelesenen Presse. Solche Zeitungen nun mit evangelischem Geiste durch— über dringen zu wollen, ist genau so ein vergebliches Unter— ichen fangen, wie man sich bemüht hat, die heutigen Par— ge. eien in evangelischem Sinne zu beeinflussen. des Darum kann uns nur die Schaffung solcher Zei— der ungen erwünscht und zur Wahrung unserer evangeli— daß chen Gedanken im Volksleben allein wertvoll sein, tech velche von bewußt evangelischen Zeitungsmännern dder geleitet werden. Welch ein guter Anfang war da mit der„Frankfurter Warte“ gemacht! Wir können es nur 9 zu. ehr bedauern, daß dieses Blatt in der Not der Kriegs— den geit sein Erscheinen einstellen mußte. Auch der„Reichs⸗ 0 zu, bote“ war früher einmal in dieser Beziehung wertvoll. Leider segelt er heute ganz im deutschnationalen Fahr— 1 wel passer und kommt als rein evangelische Zeitung nicht nder: mehr in Frage. Als dann im Jahre 1924 die„Neue cht, Tägliche Nundschau“ mit Anterstützung des Evangeli— lichen chen Bundes ins Leben gerufen wurde, da hofften viele, kitten auch hier eine wirksame rein evangelische Zeitung zu Poll thalten. Gerade die Person D. Bruno Doehrings auth chien die Erhaltung des damals gestellten Zieles zu lkon. gewährleisten. Hieß es doch damals in den Prospekten: t, J Diese Zeitung will eine Gesinnungsgemeinschaft grün⸗ den... Wir lehnen die rote, die goldene und die cchwarze Internationale rundweg ab Das Deutsch⸗ n 8 berhards, der drohend die Reitpeitsche hob, brachte sie zur Ruhe. Als habe die Zeit allen häßlichen Groll verlöscht, so lieb bvurde er im Krankenzimmer empfangen. Es drehte sich schier alles um den Jüngsten, mehr wie um die Kranke. Sie verlangte 0 fill N s so, war es ihr doch, als sei der verlorene Sohn zurückgekehrt. um eie Sie streichelte ihm die Hände:„Du arbeitest zu viel, du nen jehst blaß aus. Das ist ganz unnötig, Rudi arbeitet auch nicht, te. seht nur seinen Verdienst heraus.“. ab] Sie redete es ihm so überzeugend vor, daß er selbst glaubte, „ hie e habe sich überanstrengt und bedürfe der Schonung. Sie bat Ihn, noch einige Tage zu bleiben, und fortan durften nur die Jieblingsgerichte ihres Hans gekocht werden, damit der große, tarke Mann sich erholte! gauber hin, daß die Mutter für ihn sorgte, wie für einen schwäch⸗ lichen Liebling, und sie bemerkte mit Genugtuung, daß sie auf giese Weise schneller an ihr Ziel kam. Hans schlenderte gleichmütig den Weg im Garten entlang und stand plötzlich Dammrat gegenüber, der einen Korb Gemüse il ür Küche besorgen wollte. Hans mußte ihm von seinem Heim und seiner Urle erzählen und er versprach am Sonntag hinzu⸗ jahren und Rosenwildlinge im Fabrikgarten zu veredeln. „Hier wird sich auch alles zum Guten wenden, Dammrat,“ eizählte er erfreut,„Mutter ist wie umgewandelt zu mir.“ Da lachte Dammrat höhnisch auf und zeigte auf eine junge distel, die eben zwischen dem üppigen Blumenkohl die Erde 1 hatte:„Das ist eine Distel, Herr, und wird niemals ein Veilchen werden!“ Dann stapfte er, ohne sich umzusehen, hin v. e e n 1 01 Zum erstenmal grollte Hans dieser Unglückskrähe und suchte hn zie zur Abbitte, daß so häßliche Gedanten sich gegen seine Mut⸗ , r wendeten, direkt ihr Zimmer auf. Sie saß aufrecht im Stuhl au Ard lächelte ihm freundlich entgegen. Noch war kein Wort über ne Urle zwischen ihnen gewechselt; aber Hans wollte es vom Zaun blechen. Es wurmte und fraß der Ausspruch Dammrats in ihm; t wollte sich selbst den Beweis bringen, daß es eine Ausgeburt alten Vorurteils war. tum, zu dem wir uns bekennen, ist das aus der Resor⸗ mation geborene.“ Lauter schöne Worte. Heute ist D. Doehring hinausgedrängt. Wie schlecht paßt das zu den obigen Worten des Prospektes, was man in den Zei⸗ tungen lesen konnte. Der Inhaber der Aktienmehrheit soll sich ausgedrückt haben, D. Doehring erschwere durch seinen Namen das Inseratengeschäft und verhindere die Verbreitung des Blattes in katholischen Kreisen. Legen wir also diese Zeitung zu den anderen! Als evangelische Zeitungen bleiben noch„Der Tag“ und der im Geiste der christlich-sozialen Gesinnungsge— meinschaften geleitete„Aufwärts“. Im gleichen Geiste besteht eine in Stuttgart-Korntal erscheinende Wochen— schrift„Christlicher Volksdienst“. Die Evangelische Volksgemeinschaft hat das Verdienst, diesen noch die Wochenzeitung„Evangelische Warte“ hinzugefügt zu haben. Wir wollen hoffen, daß diese sich bald zu einer Tageszeitung weiterentwickelt. Aber auch dann dürfen wir nicht ruhen. Unser Ziel sehen wir erst erreicht, wenn in jedem evangelischen Hause eine evangelische Zeitung gelesen wird. Hr. Her evangelische Bund und die Parteien. Der hessische Hauptverein des Evangelischen Bun— des schreibt uns: Der Rücktritt des seitherigen Präsidenten des Epangelischen Bundes, des Hof- und Dompredigers D. Doehring, bat mehrfach in der Presse zu Aeuße— rungen Anlaß gegeben, als ob kirchenpolitische oder po— litische Gründe hierfür maßgebend gewesen wären. Demgegenüber möchten wir feststellen. daß hiervon keine Rede sein kann, daß die Gründe vielmehr persön— licher Art gewesen sind. Zu den vielbesprochenen Vor— gängen bat nunmehr der erweiterte Zentralvorstand eine einstimmige Erklärung erlassen, in der das Ver⸗ halten des Präsidiums restlos gebilligt wird. Es heißt darin weiter„Der Zentralvorstand erklärt nachdrück— lichst. daß von irgend einer Richtungsänderung im Evangelischen Bunde nach der einen oder anderen Seite hin, oder von einer Umstellung in der Frage der kon— fessionellen Auseinandersetzung gar keine Rede sein kann. Vielmehr sieht der Zentralvorstand den letzten Grund zu der Trennung D. Doehrings vom Evan— gelischen Bund in der verschiedenen Einstellung zu der für Wesen und Arbeit des Bundes entscheidenden Grundfrage, ob er treu seiner Gründung und Geschichte ein Sammel- und Einigungsbund aller aut deutsch und sollte. Zugleich stellt er sich erneut auf die Kund gebung der vorfährigen Dresdener Generalversamm lung, daß die Zeichen der Zeit die stärkste Hervorhebung seiner religiösen Aufgaben aus und im Geist des Ur- echt evangelischen Christen bleiben, oder ob er ein stark verengter und veränderter Richtungsbund werden christentums und der Reformation erfordern.“ An der Haltung des Bundes hat sich demnach nichts geändert. Sein neu gewählter Präsident, Geheimer Konsistorialrat Professor D. Scholz, Berlin, gibt die Gewähr, durch seine abgeklärte, ausgleichende Persön— lichkeit, daß der Bund auch weiterhin in zielbewußter Leitung seine segensvolle Tätigkeit für deutsch-evange— lische Belange entfalten wird. Allerlei. Berufsausbildung und Arbeiterschaft. Für die deutsche Zukunft ist es von großer Wich ligleit, daß wir eine gut ausgebildete, gelernte Arbei⸗ terschoft behalten. Eine gute Lehre, sei es in Anleh⸗ nung an handwerkwerkliche Einrichtungen, sei es für die Industrie in eigenen Industrie-Lehrstätten, die eine immer wachsende Bedeutung gewinnen, ist die beste Gegenwirkung gegen geistige 52 Frau Wendtland ließ sich eine kostbare Truhe bringen und entnahm ihr eine Hand voll ungezählter Taler, diese großprotzi— Er gab sich auch ganz dem neuen gen, klingenden Münzen, die die so liebte:„Hier, Hans, für dich, ganz allein für dich, daß dir nicht alle Lebensfreude gekürzt wird, die tue fort, damit du etwas hast, wenn du ausgehst, hörst du, Hans?“ ö Hans lachte glücklich auf:„Du kennst meine Arle schlecht, ö Mutter. Bei uns wird alles geteilt; sie ißt auch kein Krümchen allein, sie teilt es in gleiche Teile, sie genießt keine Freude, ohne daß alle daran teilnehmen!“ Das wird sich auch so gehören von einer Frau; aber ein Mann braucht das nicht einhalten!“ Ob sie auch danach tat? Hier, wo der Egoismus in allen Ecken und Winkeln sein festes Quartier aufgeschlagen hatte! „Aber eine Liebe erbitte ich von dir“, fuhr sie in demselben freundlichen Tone fort.„Ich weiß freilich nicht, ob du armer Junge die Macht dazu hast, wo du zwischen Schwiegermutter, Frau und Schwägerin stehst; denn man weiß, wie schwer das ist!“ „Was denkst du, Mutter. Du hast vollständig verkehrte An⸗ sichten von unserm Zusammenleben“, fuhr er unwillig auf. „Umso besser für dich,“ nickte sie vielsagend, und ihre Lippen schürzten sich höhnisch,„dann brauche ich auch keine Fehlbitte zu tun.—— Ludmilla schickte mir ein Gedicht deiner Frau, welches in einer Zeitschrift stand.“ „Meiner Frau?“ fragte Hans erstaunt. „Ja, leider, ein Irrtum ist ausgeschlossen. Hier, lies selbst. Ich sorge mich um dich. Das wird allerdings eine nette Haus— frau abgeben, so ein Blaustrumpf, der nichts von Kochen ver⸗ steht.— Du kennst meine Ansicht darin; der Aerger wirft mich stets auf das Krankenlager.“„Sei ruhig, Urle wird es lassen.“ In ihrem Gesiöcht spiegelte sich eine unverhohlene Freude, trotzdem hörte sie nicht auf mit hämischen und höhnischen Be⸗ merkungen und es bleibt so leicht ein Körnlein dieser rohen Saat haften. „Am Dienstag abend bist du noch hier, Hans, da gehe mit zum Austernessen. Ich zahle für dich“, bat sie liebenswürdig. Proletarisierung: sie schafft neben technischem Können Berufsbewußtsein und Berufsfreude, innere Verbundenheit mit dem Werk, mit den Arbeitskollegen und dem Wirtschaftsführer. Eine gut ausgebildete und bezahlte Lohnarbeiterschaft als Rückgrat wird zugleich auch ein Weg sein, Menschen zu bilden, die von staatsbejahendem nationalen Willen getragen sind. Große Schwierigkeiten liegen in den Einzelheiten der Ausbildung und der neuen Berxufsgruppierung; beide unterliegen in der Industrie ja ganz anderen Bedingungen als im Handwerk. Die Handwerkslehre reicht nur in wenigen Industrien aus; in den meisten Industrien sind es nur die Regie-Arbeiter, die vor wiegend dem Handwerk entnommen werden, d. h. die jenigen Arbeiter, die zu Tätigkeiten herangezogen wer— den, die nur der Instandsetzung und Aufrechterhaltung des Betriebs dienen, nicht in den eigentlichen Fabri kationsgang eingreifen und an sich betriebsfremd sind. Für diese Aufgabe sind von seiten der großen Ar⸗ beitgeberverbände ins Leben gerufen oder stehen mit ihnen in Verbindung der Arbeitsausschuß für Berufs⸗ ausbildung in Berlin(Leiter Dr. Schurholz, Zeitschrift „Technische Erziehung“) und das„Deutsche Institut für technische Arbeitsschulung“(Dinta), mit dem Sitz in Düsseldorf. Leiter Oberingenieur Arnhold Gelsen— kirchen. Zugleich hat sich jetzt innerhalb der Christlich— nationalen Gewerkschaften aus den Kreisen der in die— ser Frage besonders interessierten Berufsverbände ein Ausschuß gebildet, der je nach Zweckmäßigkeit, mit glei chen Organen der anderen Gewerkschaftsrichtungen zu sammentreten wird zu gemeinsamen Handeln: Dieser „Gewerkschaftsausschuß für Berufsbildung“ wird auch die Aufgabe haben, zu sorgen, daß der gewerbliche Nachwuchs der Jugendlichen Berufen zugeleitet wird, in denen der erwachsene Erwerbstätige Sicherung seiner wirtschaftlichen Existenz findet. Die Ehescheidungsreform vor dem Reichstag. Der unter dem Vorsitz von Professor D. Dr. Kahl stehende Rechtsausschuß des Reichstages hat noch im alten Jahre mit der Beratung der dem Ausschuß vor— ligenden Anträge zur Ehescheidungsreform begonnen. Bekanntlich basiert das heute geltende Recht(Bürger liches Gesetzbuch) auf dem sogen.„Schuldprinzip“— einer der beiden Partner muß die Schuld übernehmen — wobei unterschieden wird zwischen absoluten Schei— dungsgründen(z. B. Ehebruch) und relativen. Dieses „Schuldprinzip“ will nun ein demokratischer Antrag durch das„Zerrüttungsprinzip“ ersetzen, d. h. eine Ehe soll getrennt werden können— auch ohne die Voraus— setzung der Schuldübernahme durch einen Teil— wenn nämlich die innere Gemeinschaft der Ehegatten„zer— rüttet“ ist. Ein sozialdemokratischer Antrag will schon gegenseitige Abneigung als Scheidungsgrund gel— ten lassen, während die kommunistischen Vertreter die Ehescheidung durch einfache Abmeldung des einen Part- ners oder beider Partner beim Standesamt fordern Der Vertreter des Reichsjustizministeriums, Staats- sekretär Joel, erkannte die Reformbedürftigkeit man— cher Bestimmungen des geltenden Rechtes an. Von der deutschen Not. Nach den letzten Feststellungen des Statistischen Reichsamtes in Deutschland gibt es 721000 kriegsbe schädigte Rentenempfänger mit 30 bis 100 Prozent Er werbsbeschränkung, 1596000 Kriegerwitwen und Kriegerwaisen, 1558 000 Invalidenrentner, 831000 Witwen- u. Waisenrentempfängerinnen, 768 000 Un— fallverletzte und deren Hinterbliebene. Dazu kommen noch rund 1300 000 Arbeitslose. Das ist eine unge— heuer große Summe, wenn man nun noch bedenkt, daß en n 8 2 „Ach, was soll ich denn zwischen den reichen Nachtvögeln?“ Aber sie setzte es durch. Er ging mit Gerhard, und so reiste er am Mittwoch morgen heim, ohne daß er geruht hatte.. Eine unerklärliche Angst und Unruhe trieb Urle hinaus aus der beengenden Zimmerluft. War es Freude, daß heute ihre Novelle gedruckt vor ihr lag und der Verleger ihr eine große Zukunft prophezeihte? Daß er versprach, ihr helfend zur Seite stehen zu wollen, oder sehnte sie ihren Mann herbei? Sie ging hinüber und bat ihr Mütterlein und Dorle mit spazieren zu kommen, wenn der Unterricht vorüber sei. Die frische Natur wirkt ja Wunder, findet für jeden Seelenzustand Beruhigung und Klärung. Dore nahme sie frohgelaunt bei den Schultern: „Weißt du, wohin wir gehen? Am Zigeunerlager auf dem Brachfeld vorüber, bis zum Kloster Heiligenstein, dann geht es heim. Ich bin doch auch neugierig, wo dein ränkeschmiedender Pater wohnt, und die Schülerinnen schwärmen den ganzen Tag von den Zigeunern, die hier Hochzeit halten werden. Wenn du das siehst, sammelst du neuen Stoff zu einer Novelle respektive Roman.“ Die Sonne glänzte noch im vollen Tag, als sie das Brach⸗ feld erreichten. Wie fremdländisch war der Anblick des Lagers mit den buntbewimpelten Zelten, die zur Erweiterung ihrer Wohnräume aufgeschlagen waren. Die klugen schwarzbraunen Tartaren erwogen wohl vor der Wahl dieses Ortes erst alle Vorteile, durchstreiften das Land kreuz und quer, ehe sie sich hier mit behördlicher Genehmigung niederließen. Ihres eigenen Lebens Sinnbild, die unruhige Röhr, die beständig seitwärts drängt, sich ein neues Bett erzwingend, be— grenzte von der einen Seite ihr Lager, freien Ausblick bis zur bewaldeten Bergkette gewährend; im Norden und Osten jedoch bildete dichtes Buschwerk eine schützende Wand. Der Platz war von Neugierigen beständig umlagert und eine romantische Ge— schichte, die sich von Mund zu Mund immer märchenhafter ge— staltete, umwob bereits die Heimatlosen. Fortsetzung folgt. — e ——— ——— — —— Sonnabend, den 12. März 1927. „unn eiche Ware Nr 1 Oe, rung 2000 000 Wohnungssuchende, ferner mehrere hunderttausend Insassen von Krankenhäusern, Blinden⸗ anstalten, Krüppelhäusern usw. dann eine nicht festzu⸗ stellende Zahl von Armenunterstützungsempfängern, eine große Zahl von Kurzarbeitern, von heimatlosen Wanderern vorhanden sind, dann empfindet man den Ernst unserer Lage. Soviel auch von dem Reich, den Ländern, Städten und von der Kirche getan wird, um diese Not zu lindern(im Dienst tätiger Nächstenliebe der evangelischen Kirche stehen heute 44 000 berufliche und 320 000 freiwillige Kräfte), so bleibt doch immer noch viel zu tun. N.⸗V. Aus unferer Bewegung. Oeffentliche Versammlung der Evangelischen Volksgemeinschaft. Ortsgruppe Nürnberg. Mit einer gut besuchten Versammlung am Frei⸗ tag, den 4. März, abends, trat die Ortsgruppe Nürn⸗ berg der Evangelischen Volksgemeinschaft zum ersten Male in die Oeffentlichkeit. Herr Pfarrer Weidner begründete in trefflichen Ausführungen, die von der Versammlung mit großem Beifall aufgenommen wur⸗ den, die Notwendigkeit der evangelischen Partei. Aus⸗ gehend von der Reformation, die auch in sozialer Be— ziehung sich auswirkte, schilderte er die heutige Riesen⸗ not in unserem Volke. Nur die starken Kräfte des Evangeliums sind in der Lage, wirtschaftlich und poli— tisch eine soziale Umgestaltung zu schaffen. Die Evan⸗ gelische Volksgemeinschaft ist eine bewußt evangelische Partei, die in allererster Linie das Evangelium im öffentlichen Leben vertrete und aus dem Geist des Evangeliums heraus bei allen innen- und außenpoliti⸗ schen Fragen tatkräftig mitarbeiten will. Ganz beson⸗ ders gilt es, sich der Not der Arbeiterschaft in der In— dustrie anzunehmen und mit ehrlichem Herzen nicht nur die große Arbeitslosigkeit zu beseitigen, sondern weiter hin in der Frage der Lebenshaltungskosten einen ge⸗ rechten Ausgleich zwischen Arbeitgeber und Arbeitneh— mer zu schaffen. Viel zu sehr wurde in der Vergangen— heit versäumt, das Evangelium im öffentlichen Leben zur Auswirkung zu bringen. In Stockholm haben daß 1925 die evangelischen Kirchen eingesehen. Aber nicht anklagen wollen wir, sondern aus den Fehlern der Ver⸗ gangenheit lernen. In keiner der anderen Parteien werden die evangelischen Belange in der rechten Weise vertreten. Darum hat die Evangelische Volksgemein⸗ schaft als Weltanschauungspartei ihre Berechtigung und wird infolgedessen festen Fuß im Volke fassen. Wir bestreiten keiner Partei das Recht, ihre Belange auf Grund ihrer Weltanschauung zu vertreten; wir wollen aber auch uns das Recht nicht nehmen lassen, das Evan⸗ gelium wirtschaftlich und politisch zur Geltung zu brin— gen. Mit dem Geiste Luthers wollen wir um die innere Erneuerung des Volkes kämpfen, unsere Arbeit ist Dienst am Volke. Das Bewußtsein stärkt uns und wird uns den Erfolg sichern:„Wir mit Gott, und Gott mit uns!“ In der sehr lebhaften Aussprache wurde die Not— wendigkeit der Evangelischen Volksgemeinschaft von den meisten Rednern anerkannt. In seinem Schluß⸗ wort gab Herr Pfarrer Weidner der Ueberzeugung Ausdruck, daß die Evangelische Volksgemeinschaft der Sammelpunkt aller Evangelischen zur Wahrung der evangelischen Belange in den Parlamenten wird.— Schon diese erste Versammlung hat in ihrem ganzen Verlauf gezeigt, daß auch in Nürnberg der bewußt evan⸗ gelische Volksteil die Evangelische Volksgemeinschaft will. Möge der schöne Erfolg des Abends, der der Ortsgruppe auch eine stattliche Anzahl neuer Mitglie- der aus allen Ständen zuführte, ein gutes Zeichen sein für die weitere Ausbreitung unserer guten Sache in Bayern. Die Vorbereitungen für eine Versammlung in Er— langen wurden bereits getroffen. —— 8 5 Frankfurt a. M. Am 28. Februar 1927 sprach Herr Dr. jut Moegenburg im Gemeindehaus Oberrad über die Notwendigkeis des politischen Zusammenschlusses der Evangelischen und daraz anschließend Herr Stadtverordneter Kümper über soziale Für sorge. Die zahlreich Erschienenen— etwa 160 Personen zollten dem Vortragenden allseitigen Beifall und der Abend versprach glänzend zu verlaufen, als zum Schluß, während sich schon einzelne Anwesende in unsere Liste als neue Mitglieder eintrugen, Herr Pfarrer Pro bst das Wort ergriff und uns den Erfolg unserer Arbeit an diesem Abend verdarb. Der Pfarrhens grant warnte seine Gemeindemitglieder vor unüberlegtem Handeln Hier handele es sich um eine ernste Sache, die man lieber dreimal überlegen sollte. Es wäre besser, wenn man erst noch mal ay 1 einem Gemeindeabend den Fall bespräche und dann erst zu dei neuen Bewegung Stellung nähme. 9 Es ist bedauerlich, daß Herr Pfarrer Pro bst ein so wenig aufrichtiges Verhalten gezeigt hat. Er hätte mindestens vorher sagen müssen, daß er nicht für uns sei und daß er vielleicht aut nicht in unserem Sinne entgegnen müßte, dann wären unsen Redner nicht in einem Gemeindehaus aufgesreten, wo sie dot nur Gäste waren und dementsprechend nicht so erwidern konnten wie es am Platze gewesen wäre. Nichtsdestoweniger wies Hen Dr. Moegenburg darauf hin, daß es doch eigentlich die heiligst⸗ Pflicht der Pastoren sei, unsere gute Sache mit ganzem Herzen zu stützen. Die Pfarrer, die abseits stehen blieben, trügen eine große Verantwortung; denn die Evangelischen hätten nun kein andere Wahl mehr, als sich einmütig auch politisch zusammen zuschließen oder zugrunde zu gehen. Das bedeute auch den Unter gang Deutschlands. Zum Schluß gab Dr. Moegenburg noch den Hoffnung Ausdruck, daß die Oberräder doch noch treue Mit kämpfer in unserer Bewegung werden möchten. Der starke Beifall, der diese Worte begleitete, mag den Herrn Pfarrer gezeigt haben, daß seine Gemeindeglieder schon im Herzen unserer Sache zugetan sind. Der Herr Pfarrer wird ja auch noch zu uns kommen, wi viele seiner Amtsbrüder— allerdings erst dann, wenn auz dem Bächlein ein Strom geworden ist. Allmählich merkt maß warum die katholische Kirche und auch das Zentrum so mächtige Faktoren sind. , ß T e eee, Im Familienkreis e 4 1 4 85 SSS SCC e. CC e.. αιε. e ebebeseeeeesscs S eee, Den Eltern! Härtet das Kind ab in Hitze und Kälte, in Wind und Sonne und Gefahr, daß es sie verachte, nehmt ihm alle Schlaffheit und Zierlichkeit in Kleidung und Schlafen, Essen und Trinken; ge—⸗ wöhnt es an alles, auf daß es nicht ein lieblicher Knabe werde oder ein Höfling, sondern ein herber und starker Junge. Montaigne. Der Riß im Mantel. Die alte Reichsstadt Nürnberg hat ihrem großen Sohn, dem berühmten Maler Albrecht Dürer, ein mächtiges Denkmal ge— setzt. Mit sinnend gebeugtem Haupt und herabwallendem Haar steht der Künstler da, als würde er darüber nachdenken, wie wohl sein nächstes Meisterstück aussehen werde. Die ganze Ge— stalt ist eingehüllt in einen langen Mantel, den wir auf den Bildern aus der Reformationszeit her kennen. Wichtig und imponierend sieht das Denkmal aus. Wenn man aber herum— geht und es von hinten oder von der Seite ansieht— o weh, was ist denn das? Da erblickt man in dem Mantel einen Riß, groß genug, daß eine Hand bequem hineingelegt werden kann. Fragt man einen Nürnberger Bürger, was es mit dem Riß auf sich habe, so gibt er lächelnd zur Antwort:„Das ist das Denkmal seiner Frau.“ Dürer hatte nämlich, geradeso wie der griechische Philosoph Sokrates, eine sehr böse Frau. Seine häuslichen Verhältnisse waren so ungünstig und traurig wie nur möglich. In unver⸗ antwortlicher Weise wurde er vernachlässigt und verwahrlost. Da haben die Bürger von Nürnberg gedacht: das müssen wir verewigen! Und sie ließen das Denkmal so anfertigen, daß der Riß deutlich, fast herausfordernd, sichtbar wurde. Wenn Frau Dürer das gewußt hätte! Wenn man ihr ge— sagt hätte: deine Untugenden werden einmal offenbar vor aller Welt, über deine Nachlässigkeit werden tausende von Menschen Jahrhunderte hindurch spotten und lachen! nicht zusammengenommen hätte und ihrem Mann eine treu— sorgende und gute Hausfrau geworden wäre? Ich glaube, es hätte mindestens einen starken Eindruck auf sie gemacht.— Der Maler Albrecht Dürer hat viele Leidensgenossen. Es gibt der Männer nicht wenige, die keine Hausfrau, sondern eine Ausfrau haben. Ueberall ist sie zu finden, nur nicht da, wo sie gehört: am eigenen Herd. Die Zunge kann so gewaltig daß man zuweilen an das Lied denkt: Es klappert die sie an— Ob sie sich dann Mühle am rauschenden Bach, klipp klapp... Und wenn sie dann noch mit der Sprache Kanaans vertraut ist, da wird die Lehre Christi nicht geziert in allen Stücken, sondern verlästert vor der Welt. Dabei sieht es im Hause aus unter aller Würde! Das Geld reicht nie bis zum nächsten Monat, die Strümpfe liegen ungestopft herum, das Essen kommt meistens zu spät auf den Tisch, überall Unordnung und Nachlässigkeit. Wenn ich Männer mit solchen Frauen treffe, so möchte ich ihnen am liebsten mein herzliches Beileid aussprechen. Ihr unordentlichen bösen Frauen, wißt ihr denn nicht, daß alles einmal in die große Oeffentlichkeit kommt? Man wird euren Männern kein Denkmal setzen mit einem Riß im Mantel; aber vor Gottes Richterthron müßt ihr alle erscheinen, um zu empfangen, was eure Taten wert sind. Gott sieht auf die Treue im Kleinen, und sagt uns in seinem Wort, daß der Prüfstein unseres Christentums das Familienleben ist. Euer verzeiht über und über erröten müssen. Denkt ihr stets daran? Ueber- legt ihr es recht? Bekehrt euch auch von eurer Unordnung und Aber Dürers Denkmal hat auch uns Männern viel zu sagen. Wie mancher Mann hätte sich unter solchen Umständen dem Trunke ergeben und wäre zu Grunde gegangen. Dürer aber ist allen Schwierigkeiten zum Trotz der große und berühmte Künstler geworden. Man kann sich also mit den Verdrießlich—⸗ keiten des Lebens nicht entschuldigen. Es ist sehr bequem, die Schuld immer auf die Frau, die Menschen, die Verhältnisse zu schieben; recht und groß ist das aber nicht. Gerade in den größ— ten Widerwärtigkeiten sollen wir ganze Männer werden. Gott will sie gebrauchen, um uns zu erziehen, ja, er hat sie uns ge— radezu ausgesucht. Neben einer XKanthippe kann man gut ein Sokrates sein, und neben einer Frau Dürer ein Albrecht Dürer. Wenn die Männer aber ähnliches durchmachen, so denken Scheidung. Sie lenken ihre Augen auf andere Frauen, bemitleiden sich selbst, fühlen sich als Märtyrer und seufzen: „Ach, hätte ich die oder die wie glücklich würde ich dann sein!“ Solche Stimmungen und Gedanken kommen nicht von Gott, sondern vom Teufel und führen in das Verderben hinein. Lieber Freund, es gibt für dich auf Gottes weiter Erde keine andere Frau als die deine. Sie paßt ausgezeichnet zu dir und kann dir zu großem Segen werden. Nimm sie nur hin aus Gottes Hand, laß dich durch sie schleifen und erziehen für die Ewigkeit. Diese innere Einstellung wird dich nie gereuen. Von Erf. Noch etwas anderes kann uns Dürers Denkmal sagen. vorne sieht man den Riß nicht. Da ist alles tadellos. wenn man im Rücken steht, wird man den Schaden gewahr. So ist es auch mit manchen Menschen. Von vorne, äußerlich, ist alles wunderschön. Da ist er so freundlich und liebevoll Aber wenn man ihn innerlich kennen lernt, da stimmt es nicht da entdeckt man oft einen garstigen Riß. Seine Frau, sein⸗ Kinder, die wissen ein Liedlein davon zu singen, wie barsch en sein kann.. Bei Dürer ist es nicht so. Er ist für den Riß nicht ver antwortlich, sondern seine Frau. Aber wie ist es mit dir, mein Freund? Kannst du es aushalten, wenn man dich eingehen von der Seite besieht? Oder ist da ein Riß im Mantel? Sieh auch du zu, daß er geflickt wird, ehe es zu spät ist Einst mußt du offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi Bütheretke. Die christliche Kirche Famil gef ihr Werden und Leben, Kämpfen und Arbeiten für Jugend und 5 0 Schule dargestellt von Dr. eßrmann Mosapp, Oberschulrat ißt Stuttgart. 64 Seiten. Preis 50 Pfg. Quell-Verlag, Stuttgart Schon lange war es Wunsch bei Pfarrer und Lehrer hien dem Unterricht in der Volksschule dient und das, was jeden evangelische Christ von der Kirchengeschichte wissen muß, enthäll Heute erhalte ich nun dies Büchlein aus Württemberg, das meine volle Aufmerksamkeit erregte. Es fielen mir besonders die knap⸗ pen und doch den Stoff ausreichend darbietenden Abschnitte auff so daß mit diesem Büchlein der Not des kirchengeschichtliches Unterrichts in der Volksschule schon aussichtsreich gewehrt zu seis scheint. Allerdings ist der Leitfaden nur für die Schulen it Württemberg bestimmt, da es nur für dortige Verhältnisse bi rücksichtigt. So ist der württembergischen Landeskirche und der württembergischen Liebesarbeit je ein besonderes Kapitel gewidmet. Außer diesem Leitfaden stellt der Verfasser ein größeres Werk, das im Verlag von J. F. Steinkopf in Stuttgan erscheinen soll, in Aussicht, welches dann mehr für die Hand des Lehrers bestimmt sein soll. Wir können nur in Hessen wünscheß, daß der uns versprochene kirchengeschichtliche Leitfaden die Voß züge der von Oberschulrat Mosapp dargebotenen Arbeit ebenfallz enthalten möge. Hr. W O dberlanal die„Evangelische Warle“ in den Gasthäusern, u. Bahnhofsbuchbandlungen ete. 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