5 S3 S W 7. det d0ß gen len and f, fh An eil den PP. g 2 4 74 4 1 94 9 1 1 1 3 9 165 1 7 werden bestimmt ist, bildet ein Lebenselement jeder Demokratie, und wir mühen uns wahrlich nicht ab, die um sie in der Kulturpolitik aufzuzüchten.“ wohl der evangelischen Auffassung vom Staate als auch also der Schulen und Universitäten, verzichtet und das— 1 Hauptschriftleiter: Edwin Hamburger in Staden(Oberhessen). Verantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger, far den Unterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz. Für Rücksendung ungewünschter Manufkripte wird nicht garanttert. . Jahrgang. Erscheint Samstags. Abonnements⸗ und Anzeigen⸗Annahmestelle, Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher 1362 und 1145. Postscheckkonto 8437 Frankfurt a. M. Sonnabend, den 12. Februar 1927. Evangelische Warte drgan der Evangelischen Volksgemeinschaft 0 N Bezugspreis 50 Pfennig monatlich.] Anzeigenpreise: die 30 mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg., am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen Vergünstigung. Nummer 7. Aus Religion und Kirchenleben der Gegenwart. 0 Obwohl offiziell nicht das Geringste darüber ver⸗ lautet, weiß doch jeder Kenner der Verhältnisse, daß ganz in der Stille seit längerer Zeit zwischen den be— teiligten Stellen Verhandlungen im Gange sind über den Abschluß von Konkordaten, d. h. von Verträgen zwischen dem Heiligen Stuhl in Rom einerseits und den Staatsregierungen Preußens oder gar des Deut⸗ schen Reiches andererseits. Diese Konkordate, vom Heiligen Stuhl in Rom angestrebt, sollen die Stellung der katholischen Kirche dem Staats gegenüber über den Rahmen der Staatsgesetze hinaus auf kanonisch-kirchen⸗ techtlicher Grundlage regeln. So ist bekanntlich 1925 mit dem bayerischen Staat ein viel umstrittenes Kon⸗ lordat abgeschlossen worden, das nach Meinung und Ansicht römischer Kreise nur als Anfang weiterer Kon— lordatsgesetzgebung mit allen deutschen Staaten ange— sehen wird. Schon der Nebel des Geheimnisses, welcher jenes bayerische Konkordat umgab, ehe es ans Tages⸗ licht trat, gab viel zu denken. Wenn gegenwärtig diese Geheimpolitik fortgesetzt wird, so erheben sich dagegen abermals schwere Bedenken, und der evangelische Volks tell hat allen Grund, in diese Dinge hineinzuleuchten und seine Stellung zu ihnen in breitester Oeffentlich— leit zur Geltung zu bringen. In diesem Sinne schrieb der frühere badische Staatspräsident Dr. Hell pach in der„Frankfurter Zeitung“ vom 1. 1. 27:„Es will wenig in die geänderte Struktur der Gegenwart passen, daß solche Projekte überaus heimlich verhandelt und anscheinend eines Tages als unaufschiebbar vollzugs⸗ teif der Nation präsentiert werden sollen. Denn öffent— liche Diskussion alles dessen, was öffentliches Recht zu Geheim⸗Diplomatie in der Außenpolitik zu überwinden, Um es gleich mit aller Deutlichkeit zum Ausdruck zu bringen, warum der evangelische Volksteil gegen den Abschluß irgend welcher Konkordate mit Rom Einspruch erheben muß, sei darauf hingewiesen, daß dieselben so— der bestehenden Reichsverfassung widersprechen. Es wäre ja wohl möglich, daß z. B. der preußische Staat oder das Reich selber sich hüten würden, sich auf ein Konkordat einzulassen, welches nach Art des bayerischen 05 wäre. Letzteres hat bekanntlich in bedenk— icher Weise die römisch-katholische Kirche fast zu einem Staat im Staate werden lassen und ihre Eigengesetz— lichkeit gegenüber den Staatsgesetzen uneingeschränkt derankert. Umgekehrt hat der bayerische Staat auf jede Eigengesetzlichkeit des staatlichen Bildungswesens, selbe der völligen Klerikalisierung preisgegeben. Das würde in Preußen und im Reich kaum in dem Maße möglich sein. Man wird sich dort, besonders in der Schulfrage, nicht die Hände binden lassen vor Erlaß eines Reichsschulgesetzes, da ja nach Artikel 147 der Reichsverfassung die bestehenden Rechtsverhältnisse bis Nuthfolge. Markus 8, 34. Wer mir will nachfolgen, der ver⸗ leugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. Warum glauben wohl noch so viele Menschen an Gott? Mues bei den meisten von ihnen ein anderer Grund als der, dadurch ein schönes Leben zu bekommen? Sie stellen sich das Lerhältnis zu Gott als ein gegenseitiges vor. Wenn sie so lieb nd und Gott den Gefallen tun, an ihn zu glauben, dann, beinen sie, müsse auch Gott ihr Leben recht schön und bequem einrichten. Kommt es dann nicht so, wie sie gewünscht, dann ind sie enttäuscht. Dann fragen sie erstaunt:„Warum muß das gerade mir geschehen, wo ich doch so fromm und brav war, immer die Kirche gegangen bin und zu Hause in Bibel und Andachts⸗ buch gelesen habe?“ Haben diese Leute etwas aus der Geschichte us Christentums gelernt? Nein, sie kennen sie meistens nicht. Sie wissen nicht, was ein Paulus für ein schwerzes Leben durch⸗ gachen mußte.! Sie haben überall, aber nicht in der Apostel⸗ kschichte, gelesen. Sie kennen auch nicht die Leiden der ersten hristen um ihren Glauben. Haben sie je gehört, wie Nero die Christen mit Pech bestreichen ließ und sie dann als lebende sadeln bei seinen Abendausfahrten verbrennen ließ? Wer hüt ihnen erzählt von den Kämpfen der Christen mit den wilden eren, von denen der römische Kaifer sie hat zerreißen lassen? Wenn man von diesen Zeiten des Urchristentums lieft, dann gaß man sich wundern, daß noch Menschen Christen geblieben d. Denn schon diese ersten chtistlichen Jahrzehnte zeigten bautlich,! daß der Glaube an den Heiland Jesus Christus keine Lersicherung eines schönen und bequemen Lebens war. Das Ipristentum brachte vielmehr Kampf und Leid. Sobald es sich Konkordatspolitit. zum Erlaß dieses Reichsgesetzes unverändert bleiben sollen. Es würde gewiß auch allerschwersten Wider— spruch erfahren, wenn römischerseits— wie es im bayerischen Konkordat vereinbart worden ist— ver— langt würde, daß jedwede Ordensniederlassung als mildtätige Stiftung und Wohlfahrtsanstalt auf— zufassen sei und von der staatlichen Besteuerung zu La— sten der Allgemeinheit befreit werden. Aber das trifft nicht den Kern der Sache. Die Hauptsache ist und bleibt folgendes: Die römische Kurie ist eine von den Staaten anerkannte ausländische Macht, und der Papst gilt als souveräner Fürst. Ein Konkordat mit dem römischen Stuhl würde also einen internationalen Ver— trag bedeuten, der einem ausländischen Souverän be⸗ sondere Rechte innerhalb deutscher Staatsgrenzen zu⸗ gesteht, die ihm im Reiche oder in einem Einzelstaat eine privilegierte Stellung verleihen. Das ist für einen modernen Staat unerträglich. Hieran ändert auch nichts die Tatsache, daß der souveräne Papst zugleich das kirchliche Oberhaupt auch der deutschen Katholiken ist. Ein Konkordat ermöglicht immer Eingriffe einer ausländischen Instanz in deut— sche Rechte. Das kann ein gesundes nationales Emp— finden niemals dulden. Außerdem gewährleistet ein Konkordat, wie das bayerische beweist, niemals die gleiche Behandlung der bestehenden Konfessionen. An— genommen, es würde mit einer der evangelischen Lan— deskirchen ein ähnliches Konkordat abgeschlossen, so würde ein solches kein internationaler, sondern nur ein innerstaatlicher Vertrag sein, also gleichsam ein Ver— trag minderen Rechtes. Diese Erwägungen weisen auf den Kernpunkt der Sache. Wir sehen die Souveräni⸗ tät des Staates gefährdet, und das können wir evange— lischen Deutschen unter keinen Umständen gutheißen. Dieser Protest gegen alle Konkordate ist keines⸗ wegs antikatholisch. Möge der katholischen Kirche in Deutschland alles zuteil werden, was sie mil Recht be anspruchen kann, und was wir auch für unsere evange— lische Kirche verlangen müssen, z. B. wirtschaftlich— finanzielle Existenz und ungehinderte Arbeit im katho— lischen Volksteil. Aber im Interesse gemeinsamen Volkstums und gemeinsamer Kultur, die uns mit dem deutschen Katholizismus doch immer noch verbindet, können wir diesem nur wünschen, daß er vor völliger Bindung deutscher katholischer Eigenart durch Rom be— hütet werden möge. Im übrigen bedarf es überhaupt keiner Konkor— date mehr, seitdem in der deutschen Reichsverfassung die Rechte und Pflichten der Religions-Gesellschaften bereits festgelegt worden sind. In Artikel 10, 135 ff. sind die diesbezüglichen Grundsätze durch Mitarbeit der Zentrumspartei, also des katholischen Volksteils, auf⸗ gestellt worden. Nur zwei Dinge harren noch der Rege— lung durch das Reich, nämlich die Festlegung der Grund— sätze für die Ablösung der Staatsleistungen an die Re— ligionsgesellschaften sowie das Reichsschulgesetz. Diese Aufgaben können nach Artikel 10 der Verfassung nur die Christen bequem machten in ihrem Glaubensleben, trat Entartung und Verweltlichung ein. Dann kam wieder Kampf und Leid, welches allein die Reformation ermöglichten Schauen wir nun auf das obige Jesuswort, dann hat es ja der Herr schon vorausgesagt, daß es so sei. Bei ihm war kein Ausruhen. Wer ihm nachfolgen wollte, der mußte sein Kreuz auf sich nehmen, der mußte Leid und Haß der Menschen zu tra— gen wissen. Auch unser Dr. Martin Luther hat das erfahren. Man hat die päpstliche und die kaiserliche Macht gegen ihn auf— geboten. Wenn nicht sein Landesherr so treu für ihn gesorgt hätte, wäre er diesen Mächten auch sicher erlegen. Es war eine göttliche Vorsehung, die dem deutschen Volke trotz Acht und Bann den deutschesten Mann erhalten hat, bis er sein Werk hat vollbringen können. Aber nach ihm haben ja noch viele treue Christen ihr Kreuz auf sich nehmen müssen, haben den Tod durch den Inquisitor gefunden oder mußten die Heimat der Väter verlassen, vertrieben um des Glaubens willen. Das alles waren treue Nochfolger des Herrn, die mit ihrem Herrn zu leiden bereit waren. Merken wir uns das auch in unserer Zeit! Es ist leicht, bei der Konfirmation mit den anderen Jawort und Handschlag zu geben. Es ist leicht, in der Kirche sitzen und den Herrn mit dem Munde zu bekennen. Aber schwerer ist es, einem Spötter in das freche Gesicht zu sehen und seinem Spott mit Mut zu wehren. Jesus wirklich bekennen, heißt mit ihm leiden. Wie hängen die Menschen oft an ihren Wünschen! Die Jünger des Herrn hatten auch ihre Wünsche. Sie dachten an Königsherrlichkeit, an Ministersessel und an Gesandtenposten. Ihr Herr aber dachte gleichzeitig an sein Leiden und Sterben. So gehen die Menschenwünsche und die Gotteswege weit aus⸗ einander. Wer Jesu will nachfolgen, der muß die Gotteswege Fuß sucht nach der sicheren Stütze. auf dem Wege der Gesetzgebung, also nicht durch ein Konkordat gelöst werden. Auch für die Einzeldurch— führung der aufgestellten Grundsätze kommt nur die Landesgesetzgebung in Frage. So ist es in Württem⸗ berg bereits geschehen, und zwar im Gegensatz zu Bayern zur allgemeinen Befriedigung. Aus allen diesen Grün den sind Konkordate jeder Art evangelischerseits ener— gisch abzulehnen. Und wer mit einem konkordatähn⸗ lichen Vertrage liebäugelt, den der Staat etwa auch den evangelischen Kirchen anbieten könnte, möge be— denken, welche Verleugnung protestantischer Grundsätze das bedeuten und welchen unermeßlichen Schaden der Protestantismus in seinem innersten Leben dadurch er leiden würde. B. Deuljche Gesetzgebungsnacht. Vom Senatspräsidenten beim Kammergericht Dr. Baum bach, Berlin. (Aus d.„Deutschen Juristenzeitung“ vom 1. Jan. 1927.) Die Gesetzgebung ist in Nacht getaucht, in eine Nacht, die wenig Sterne hat. Wie ist der Zustand der Gesetzgebung? Das Reichsgesetzblatt schwillt; es spaltet sich in einstweilen zwei Teile; es vergrößert sein Format. Wer wäre so nermessen, fich der Kenntnis unseres Reichsrechts zu rühmen? Dazu das Landesrecht auf den ihm vorbe⸗ haltenen Gebieten. Dazu die ministeriellen Vorschrif— ten... Kurz jura nec novit curia.(Nicht einmal die Behörden kennen die Gesetze.) Gleichzeitig wächst die Unübersichtlichkeit. Wild schießen die Rechtsnormen aus dem tropischen Gesetzes— boden, nehmen sich gegenseitig Luft und Licht, bedecken den Boden mit abgestorbenen Trümmern und spotten des Verstandes, der Ueberblick und Richtung sucht. Sondergesetze, Verlegenheitsgesetze, Gelegenheitsgesetze. Sogar die Sprache ist nicht einheitlich. Uralten Fach— ausdrücken gibt ein Sondergesetz plötzlich verschwiegen eine andere Bedeutung. Der juristische Turmbau zu Babel! Dabei geht es um die höchsten Güter. Schlechte Gesetzgebung bedeutet Rechtsunsicherheit: der Richter greift leicht fehl; urteilt er richtig, so befremdet die Entscheidung oft das Volk, weil das Gesetz der inneren Vernunft entbehrt; das Volk wird zum Spielball des Rechtes, es fängt an, das Recht zu hassen, es haßt seine Organe, es haßt den Staat. Was sind die Gründe dieses Niederbruchs des Eck— pfeilers des Staates? Ich teile sie in stoffliche, poli— tische, persönliche. Als erste stoffliche Ursache mag gelten, was man als Entschuldigung vorschützt: die Vielgestaltigkeit der heutigen Lebensformen. Wir gleiten in ein neues Zeitalter. Industriealisierung und Mechanisierung nehmen zu. Der alte feste Boden schwankt, und unser Schön! Das mag 717 ²⁵˙ m /// ccc wühlen, muß sich in Gottes Willen gerne fügen. Gewiß sind diese Gotteswege manchmal ganz wunderlich. Sicher steht der Mensch dann oft da und kann und kann nicht begreifen. Dennoch sind diese Gotteswege die einzig richtigen. Deshalb dürfen wir nicht wählen, was menschlich ist, sondern was„göttlich“ ist. Damit erlärt sich auch, daß der Konfirmationsentschluß so vielen nichs im Leben hilft. Am Konfirmationstag, in begei sterter Stunde, nimmt sich der junge Mensch alles Gute für das Leben vor. Der Tag ist kurz. das Leben aber ist lang. Die Jünger hatten sich auch in einer Stunde der Begeisterung für die Nachfolge Jesu entschlossen. Wie oft aber hat der Herr sie als„Kleingläubige“ angetroffen. Wie manchmal wußten sie nicht,„welches Geistes Kinder“ sie waren. Immer wieder mußte Jesus sie daran erinnern, was sie mit der Nachfolge auf sich ge— nommen hatten. Jesu nachfolgen, heißt, ihm treu bleiben durch das ganze Leben hindurch in Freud und Leid. Jesu nachfolgen, heißt, sich selbst verleugnen, das schwere Kreuz mit aller Unehre vor der Welt auf sich zu nehmen, nicht fragen: Wie bekomme ich es am leichtesten? Sondern fragen: Wie komme ich am weitesten mit meinem Gott? Jesu nachfolgen, heißt, keine großen Ansprüche an das Leben machen, sondern sich seinem Gott ge— horsam zur Verfügung stellen, damit er etwas durch uns aus— richten kann. Gott hat uns sicher nicht nötig. Aber wir wollen für uns froh sein, wenn er uns hat brauchen können, und wir etwas in unserem Leben für sein Reich haben leisten dürfen. So laßt uns denn dem lieben Herrn mit Leib und Seel' nachgehen und wohlgemut, getrost und gern in allen Leiden stehen; denn wer nicht kämpft, trägt auch die Kron! des ew'gen Lebens nicht davon. Amen. Or —— ö 0 — Sonnabend, den 5. Februar 1927. „Evangelische Warte“ Nr. 6. -. 3 ee— die Aenderung der Gesetzgebungerklären; niemals ent⸗ schuldigt es die Minderwertigkeit. Der zweite Grund liegt in dem Zeitgeist, im eng⸗ herzigen Spezialistentum. Der heutige Spezialist miß⸗ achtet das Allgemeine. Sein Dorf, das er vortrefflich kennt, ist ihm die Welt. Ich komme zu den politischen Gründen. Nicht das Zusammenwirten von Regierung und Volksvertretung gehört hierher, sondern nur die Art des mannigfaltigen Zusammenwirkens aller möglichen Organe. Derglei⸗ chen sind Reichskabinett, Reichsrat, Reichstag, Reichs⸗ wirtschaftsrat, Fachverbände, Presse, Gelehrtenkommis— sionen und was hinter allen diesen steht. Wer könnte da noch an rein sachliche Motive glauben! Die Reichsregierung teilt sich in die Fachministe⸗ rien. Jedes von ihnen ist ein Staat im Staate, be⸗ strebt, die eigene Macht zu fördern; das lose Band des Reichskanzlers hält sie zusammen. Dem Reichsjustiz⸗ ministerium ist allmählich der kleinste Teil des Rechts zur Bearbeitung verblieben, das Verwaltungsrecht, Arbeitsrecht, Finanzrecht, Verkehrsrecht, Militärrecht sind ihm ganz, das Wirtschaftsrecht ist ihm zum Teil entzogen. Was aber, zweitens, strömt auf den Embryo ein, bis er als Gesetz das Licht der Welt erblickt? Welche persönlichsten Interessen, welche Kirchturmspolitil, Popularitätshascherei, Angst, Verhetzung, welch grauen⸗ hafte Unwissenheit verderben seine Säfte vor der Ge⸗ burt! Da werden Anträge gestellt von Leuten, denen die Befähigung zum Justizwachtmeister fehlt. Und schließlich freut sich die Regierung, irgend etwas zu er⸗ reichen, sei's, was es wolle. Fängt sie doch mit dem Kompromiß meist an! Zuletzt persönliche Gründe. Erstens der Ehrgeiz der Ministerialräte. Die parlamentarische Regie⸗ rungsform bedingt, daß der Minister der Arbeit seines Ministeriums meist fernsteht; sein Einfluß erstreckt sich allenfalls auf Fragen von politischer Bedeutung. Er wechselt zudem rasch; die Möglichkeit, sich einzuarbeiten, fehlt auch dem Begabten. Die positive Mitarbeit lei⸗ sten seine Räte; sie kennen die Materie und die Tra⸗ dition. Das sind die Wurzeln ihrer Macht. Naturge— mäß sucht jeder Ministerialrat seinen Einfluß auszu dehnen; er reißt Materien an sich, monopolisiert sie, macht sie zur Geheimwissenschaft. Sein Minister wird ihn unterstützen, denn auch er gewinnt an Macht. So kommt es, daß jedes Ministerium sucht, seine eigenen Gesetze, seinen eigenen Behördenapparat und seine eigene Rechtsprechung zu haben. Zweitens die Furcht vor der Verantwortung. Je⸗ der will sich den Rücken decken: der Kollegialgrundsatz auch in der Gesetzgebung. Kommissionen über Kommis⸗ sionen; Abänderungen in letzter Stunde, deren Trag⸗ weite niemand ahnt; Kompromisse. Nirgends die ge— rade Linie, nirgends ein Wille. Was ist zu tun? Umkehr tut not, soll nicht das ganze Necht ins Wanken kommen. Ich will mein Ziel nicht zu hoch stecken. Nur zweierlei will ich empfehlen: Selbstbescheidung des Gesetzgebers und Sorge für eine einheitliche Gesetzgebung. Wir sind wahrhaftig nicht so berufen zur Gesetz— gebung, daß wir jetzt allen Uebeln steuern müßten, die seit vielen Zeitaltern die Menschen plagen, ja viel⸗ leicht der menschlichen Natur entspringen. Bessere Rechtsprechung und bessere Polizei— das fördert mehr. Sind dann noch die Gesetze kurz und klar, was frei— lich schwerer ist als breit zu sein— dann mag die Zeit des Aufstieges kommen. Möchten wir sie erleben!“— Vom Mainzer Domfest. Aus Mainz wird uns geschrieben: Dieser Tage ging durch die Mainzer Tageszeitun— gen eine Notiz mit der Ueberschrift„Was bietet Mainz im Jahre 19272“, die unbedingt festgehalten werden muß. Die Sache hat folgende Bewandtnis: Die Stadt Mainz hatte zum Zwecke der Gewinnung eines Ueber- blickes über die im Jahre 1927 in Mainz geplanten ver— schiedenen Veranstaltungen die Führer verschiedener Organisationen, Verbände und Vereine zu einer Be⸗ sprechung in das Stadthaus eingeladen. Der Ein⸗ ladung wurde, wie berichtet wird, allseits große Sym— EEC ² QQ((G AAA Dornenwege. Noman von Clara Meller. 11. Fortsetzung. Johannes schluchzte gefoltert auf, vor Erregung seiner Sinne kaum mächtig, legte er seine zitternde Hand auf ihren Arm: „Mutter, stirb nicht; gehe nicht so von mir! Hörst du? Ich will nicht mehr zurück in den dir verhaßten Beruf, doch hilf mir zu einem neuen Leben!“ Frau Petronella Wendtland legte die Hand fest auf sein volles Haar:„Ich habe es gehört! Nun rufe alle!“ Da erklang das silberfeine Glöckchen auf dem Hof. Scheu traten ihre Kinder ein und unten im Gesindezimmer beteten die ganzen Gutsangestellten, dort oben lag die Herrin und empfing die Sterbesakramente. Still saßen sie im Krankenzimmer, niemand wagte sich zu rühren. Die Schwester hantierte lautlos, legte ihr kalte Kom— pressen auf und sie schlief lange, als wäre der Frieden der ruhe— losen Frau zurückgegeben, die, wie das lebendige Gespenst einer Ahnfrau, wochenlang herumgewandelt war, Gebete murmelnd und darüber das reelle Leben in seinem vorwärtsschreitenden Fordern vergessend. Der Tod war vorübergezogen; er hatte nur die erschreckten Menschenkinder geängstigt durch seinen eifigen Fingerzeig. Nun sangen die Vögel wieder das jauchzende Lebenslied, die Blumen durchdufteten den sonnglühenden Aether und die Allegorien des Lebeng, die zierlichen Tagfalter durchsegelten den weiten Raum wie windgetriebene Blütenblätter der Wunderblumen des Para⸗ C pathie entgegengebracht, sodaß etwa 50 Vertreter von Verbänden und Vereinen anwesend waren. Da ver⸗ anstaltet der Auto⸗ und Motorradklub im März sei ne alljährliche Fuchsjagd, der Mainzer Turnverein von 1817 Ende Mürz ein großes Sportfest, der Katholische Kaufmännische Verein Ende Mai seine 50jährige Ju⸗ belfeier usw. Dagegen wäre auch nichts zu sagen. Aber nun kommt am Schluß des Berichtes eine interessante Mitteilung, die wörtlich lautet:„Der Glanzpunkt des Jahres dürfte ein sogenanntes Domfest werden, das seitens der Martinuskommission arrangiert wird. Zu dieser Feierlichkeit gab Dr. Burgbacher lein Syndikus Die Red.) nähere Aufklärungen. Er führte aus, daß möglichst diese Feier mit der Fertigstellung des Domes veranstaltet werden soll. Ein konfessionelles Fest (Aha! Die Red.) wird es nicht sein, dagegen ein histo⸗ risches, bei dem alle Mainzer Vereine(sicherlich auch der Evangelische Verein. Die Red.) mitwirken sollen. Der Festausschuß sei so bescheiden, anzunehmen, daß der mit dem Fest verbundene Festzug sich rümlichst neben den Gutenbergfestzug aus dem Jahre 1900 wird stellen können. In Verbindung damit ist als Neuerung für Mainz eine Dombeleuchtung vorgesehen. Der Reinge⸗ winn dieser Veranstaltung soll für den inneren Ausbau des monumentalen Kunstwerkes rheinischer Baukunst verwandt werden.“ Ein Kommentar wäre hierzu eigentlich vollständig überflüssig, wenn man nicht wüßte, daß mindestens 90 Prozent aller Protestanten auf diesen Leim herein⸗ fallen. Wenn unsere Schwesterkirche Geld benötigt, dann gibt es keinen konfessionellen Unterschied mehr. Sie versteht, so schön sich zu drehen und zu winden, gleich einer Schlange. Ganz Jesuit fängt sie mit Wor⸗ ten. Und dabei hat die katholische Kirche doch Geld ge⸗ nug, Hotels aufzukaufen, Kirchen zu bauen und Pfarr⸗ häuser zu errichten an Plätzen, an denen nur sehr wenig Katholiken sich aufhalten. Dieses Geld allerdings dient zum Kampf gegen die Ketzer. Das ketzerische Geld ist jedoch gut genug für Reparatur und Aus⸗ schmückung von kirchlichen Kunstbauten. Ketzer, wirst Du bald wach? Sobald das Geld im Kasten klingt, Der Priester sich freudig die Hände ringt. Er weiß ja, der Zweck, der heiligt die Mittel. Und nun, Ketzer, bleib fern, sonst spürst du den Knüttel. Evangelljche Kirthe und Evangelische Volksgemeinfthaft. Wir brachten in unserer vorigen Nummer einen Aufsatz über die Stellungnahme der evangelischen Kirche Nassaus zu unserer Bewegung. Eingeflochten war der Mahnruf der Kirche an die Parteien, bei der Wahl des neuen Landeshauptmanns für den Reg.⸗ Bez. Wiesbaden ihrer Versprechen eingedenk zu sein und die Forderung nach einem evangelischen Landes— hauptmann zu berüchsichtigen. Der Appell ist ergebnislos verhallt. Der Zen⸗ trumsmann Dr. Lutsch ist Landeshauptmann geworden. Unsere Mitglieder in Nassau müssen sich fragen, was die Kirche denn nunmehr zu tun gedenkt. Sieht sie denn jetzt vielleicht ein, wie wenig auf die Versprechun⸗ gen der bestehenden Reichsparteien zu geben ist, wie leichtfertig immer wieder unsere Forderungen behan⸗ delt werden? Begreift sie endlich, daß es ohne eine evangelische Partei nicht mehr länger geht, wenn un⸗ sere Interessen nicht ganz und gar unter die Räder des Ultramontanismus geraten sollen? Hoffen wir, daß auch in Nassau das große Erwachen beginnt! Gern und freudig wollen wir uns sowohl mit der Masse als auch mit den Führern des evangelischen Volkes an das ge⸗ meinsame, große Tageswerk begeben. Und wer den Glauben an den Erfolg hat, dem ist der Sieg! E. M. Das Mesen der„Fließ arbeit Unter den Mitteln der Rationalisierung steht die sog.„Fließarbeit“ mit an erster Stelle. Man versteht darunter die Betätigung am laufenden Band, das den zu bearbeitenden Gegenstand an seinem Anfang in rohem Zustande empfängt, um ihn an seinem Ende dieses. Inmitten all dieser Erdenschöne saß Frau Petronella im bequemen Stuhl in der dichten, breitblättrigen Pfeifenkraut⸗ laube, das grüne Licht spielte über ihrem ergrauten Scheitel und legte sich wie Sammetfalten auf das lose herabfließende, graue Gewand. Die gleichgültigen Mienen hatten sich in schlaffe Energielosigteit gewandelt, der klare Blick bekam etwas Lauern⸗ des, Unwahres, ja wer die üppige, Lebenslust sprühende Guts⸗ frau in ihren jungen Jahren kannte, würde sicher nicht in dieser still Dasitzenden dieselbe vermutet haben; es war auch hier so, dessen kein Mensch sich auf Erden entziehen kann: die Seele zeich— nete sich selbst mit scharfem Griffel den Schild an ihrer Wohnung. Johannes stand am Bache, der plätschernd durch den Kloster⸗ garten floß und die schlanken Gerten der Haselnußsträucher, die den zierlichen Bau einer Badeanstalt verdeckten, streiften spielend Kopf und Schulter. Er stieß mechanisch kleine Kiesel mit der Fußspitze in das Wasser, ihm graute vor einer Auseinander- setzung mit seiner Mutter, noch immer schwieg er über seine Urle. Es kam ihm wie eine Entweihung seines Herzensgeheim— nisses vor; aber es mußte sein. Wer den Kampf umgeht, kann auch nicht siegen! Energisch richtete er sich auf, ein Seufzer ent⸗ stieg seinen bärtigen Lippen, er trat zur Mutter, zog einen Gartenstuhl herbei und setzte sich so, daß er ihr voll in das Gesicht sehen konnte. „Mutter, regt es dich auf, wenn ich mit dir spreche?“ „Nein, ich wünsche sogar eine Unterredung. Wenn du nicht soeben kamst, würde ich gerufen haben; denn Ungewißhelt hindert mehr die Genesung als freies Wissen.“ Kein freundliches Lächeln, kein lieber Händedruck, wie ihn versandfertig oder fertig für den nächsten Bearbeitungs⸗ Auf der Warte. In China sind die Verhältnisse weiter ungeklärt. Die chinesische Regierung tritt sehr mannhaft auf und will sich von England nicht über die Ohren hauen laf⸗ sen. England vermeidet einen militärischen Eingriff, da der Ausgang eines entbrennenden Kampfes mit dem 400⸗Millionen⸗Reich zweifelhaft wäre. Vor allen Dingen ginge enorm vieles englische Kapital zu Grunde. Auch wissen die Engländer nicht, wie sich im Ernstsall so manche mit ihm verbündete Staaten stellen würden. Daher das Zaudern, die Hinnahme von Beleidigungen usw.— Der Franc schwankt unentwegt, immer neue Hindernisse türmen sich im westlichen Nachbarreiche auf. Mit dauernden Anleihen kann er auch nicht gehalten werden, da diese Anleihen, die nur zum Teil im In⸗ land untergebracht werden können, einen starken Schuldendienst im Gefolge haben. Dazu steigt die Ar⸗ beitslosigteit.— Man kann aus diesen Gründen ver⸗ stehen, daß man sich bei den Verhandlungen über die Oftfestungen, um die öffentliche Stimme Frankreichs abzulenken, krampfhaft um einige Betonunterstände tagelang stritt. 88 Unterstände für je 8 Mann auf einer Breite von 400 Kilometer verteilt, sollten eine Bedrohung des Ostens darstellen. Ueber dieses lächer⸗ liche Argument viel zu schreiben, erübrigt sich. Die Meinung Frankreichs mußte aber wieder einmal mit Erfolg aufgeputscht werden.— In Tirol hat die ita⸗ lienische Gerichtsverwaltung einen deutschen Rechts⸗ anwalt und einen Lehrer ohne Angabe von Gründen im geheimen Verfahren zu fünf Jahren Zwangsarbeit ver⸗ urteilt. Wo bleiben die Unterorgane des„mensch⸗ lichen Völkerbundes?— In Deutschland kam schließ⸗ lich das„schwarze Kabinett“ zusammen. Es war eine mühsam zusammengewundene Angelegenheit, und schon die Aussprache nach der Regierungserklärung zeigte recht deutlich die feindlichen Brüder, die sich in eigen⸗ artiger Harmonie getroffen haben. Eine lange Le⸗ bensdauer können wir von diesem zusammengekleister⸗ ten Kabinett nicht erwarten. Ueber die Taten wird noch zu sprechen sein. Der einzige ruhende Punkt in der Flucht der Erscheinungen ist der Reichswehrminister Geßler, der, wie man auch sonst zu ihm stehen möge, einen zielbewußten Weg zu gehen bemüht ist. Daß ein solcher Weg über Blöcke, Steine, Disteln und Dornen geht, ist nicht zu verwundern, daß der Mann aber die Sache über die Partei stellt, ist anerkennenswert.— Auf den hessischen Gesandtenposten in Berlin wandert der Zentrumsabgeordnete Nuß-Worms, attachiert wird ihm als„süße“ Pille der sozialdemokratische Mi⸗ nisterialrat Bornemann. So etwas nennt man gegen⸗ seitige Komplimente, die niemand zu leide sein sollen und allen wehe tun. prozeß abzuliefern. Der zu produzierende Gegenstand wird auf dem laufenden Band zu den Arbeitern heran⸗ und an ihnen vorübergeführt, ohne daß sie selbst sich von der Stelle fortzubewegen brauchen. Ein jeder von ihnen hat immer denselben Teil der Arbeit in einem vom Rhythmus des Bandes fest vorgeschriebenen Zeit raum zu verrichten. Der Arbeitseffekt der Fließarbeit beträgt nach den bisherigen Erfahrungen innerhalb der gleichen Arbeits, zeit im Durchschnitt rund die Hälfte mehr als bei der früheren Arbeitsweise. In demselben Maße werden Arbeitslöhne erspart. Selbstverständlich ist die Fließ⸗ arbeit nur dort anwendbar, wo die gleichen Produkte in nur wenigen Typen serienweise hergestellt werden. In Amerika sind indes auch einige Handelsbetriebe mit laufenden Bändern versehen, in Chicago haben selbst die Schlachthäuser Fließarbeit eingeführt. Die Vorteile der Fließarbeit bestehen neben der Verkürzung der Arbeitszeit vor allem in der Ersparung an Rohmaterial durch die Exaktheit des Arbeitsprogzes⸗ ses und in der Ersparung an Kapital durch das beschleu⸗ nigte Produktionstempo. Die Nachteile liegen in der Schwierigkeit der Umstellung auf neue Konstruktionen und in der restlosen Mechanisierung des Arbeitsvor⸗ wohl sonst die Mutterliebe diktiert, ermunterte ihn. Er sah in das ernste Gesicht, und ein kältender Strahl zog durch sein Herz „Bleibst du bei deinem Wort, daß ich wieder meinen Beruf wechseln soll, wo ich doch mit zäher Kraft gestrebt und mein Ziel erreicht habe?“ „Ja, ich habe dein Wort und halte es!“ Durch mein Braumeisterdiplom werde ich unabhängig und sorgenfrei!“ 0 „Du sollst in eine berühmte holländische Mühle einige Mo⸗ nate als Volontär gehen, dann die Paula Neuenberg heiraten, und deren Vater übergibt dir als Hochzeitsgabe seine Wasser, mühle am Sieggraben, dann bist du versorgt!“ daß das grüne Netz schwankte„Bin ich eine Maschine doß du wagst, so willkürlich über mich zu verfügen?“ Kind“, fuhr sie gleichmütig sort.„Van Schönheit kann man nich leben! Du kannst morgen dort zum Besuch fahren. Alles andete findet sich. Ich habe mit dem Vater Paulas gesprochen.“ Er lachte gellend auf:„Hast du auch so geheiratet?“ „Meinft du, Liebe gibt dir Gewähr für ein glückliches Leben! Nein, das sind Ideale aus Seifenblasen. Liebe! Liebe!— Gs gibt nur eine Liebe, das ist die zur allein seligmachenden Kliche. und wenn du nicht zurücktehrft in ihren heiligen Schoß, daun sieh du zu, wie du zurecht kommst, und stößt du meine Hand zurüld, die ich dir zum letztenmale biete, dann habe ich meinen jüngsten Sohn nicht mehr.“ „Nie!“ brauste er auf. Erregt griff er in die Blattrankev, „Neuenbergs sind fast so reich wie wir und Paula das einzige „Mutter, ich kann mir schnell eine feste Exiftenz gründen def 1 ber at als lade behe hat die Mat dien Kill 5 Bibe Watt prüh eilen ds Staat fister ur 8 die Surg bab Jleit te 5 ur im e 1 felgen Hele en n wet daher salze ehen unde U Ag kneg ch ö 0 nur un dals d! fa hen t er eine 00 ic b. bell ei N welle Zlt Jodüh ben ell 6% 1 5 en bang i eschle in N. — ganges, die— namentlich bei einer Uebersteigerung des Tempos und der Arbeitszeit— zu schweren pfychischen Aus diesem Grunde erfolgt in Amerika wie in Deutsch⸗ und nervösen Schädigungen der Arbeiter führen kann. land in der Mehrzahl der Fälle die Regulierung des Tempos unter Hinzuziehung der Belegschaftsvertreter. Aus unserer Bewegung. Es dämmert. In Nr. 5 der„Deutsch-evangelischen Korxespon— denz“ lesen wir: Die kulturellen Bindungen, die bei der Bildung der neuen Regierungsmehrheit dem Zentrum gegen— über ganz im Stillen eingegangen worden sind und die man trotz und vielleicht gerade wegen aller Dementis als vorhanden ansehen muß, haben im Lande und ge— rade auch in rechtsstehenden Kreisen ein lebhaftes Miß behagen hervorgerufen. Dieses Mißbehagen wohl auch hat unter anderem am 21. Januar 1927 in Berlin zu der Bildung einer neuen politischen Gruppe geführt, die sich als„Christlicher Volksdienst für Berlin und Mark Brandenburg“ bezeichnet. Der Christliche Volks⸗ dienst erstrebt freie Entfaltungsmöglichkeit für alle auf dem Boden der heiligen Schrift stehenden christlichen Kirchen, Freikirchen und Gemeinschaften, eine christliche Schule, soziale Gerechtigteit in Volt und Staat, Näch⸗ ö stenliebe in Gesellschaft und Wirtschaft, Freiheit und Verantwortlichkeit dem Einzelnen, Frieden zwischen Klassen und Völkern, aber Freiheit für Volk und Vater⸗ land. Zum Vorsitzenden des Landesverbandsvorstan⸗ des wurde Direktor D. Spieker gewählt, zu seinem Stellvertreter Geheimrat Eismann und Kaufmann Carl Weinitschke. Bei Gemeinde-, Kreis-, Land- und Reichstagswahlen, sowie bei den Wahlen zu den son⸗ stigen Körperschaften des öffentlichen Rechts will der Christliche Volksdienst eigene Kandidaten aufstellen. Der Anschluß ihrer etwaigen Abgeordneten an eine der bestehenden Parteien wird abgelehnt. Die Abge— ordneten stimmen vielmehr im Sinne der Satzungs— grundsätze des Christlichen Volksdienstes nach freier Ueberzeugung. Ein das Gewissen knechtender Frak— tionszwang soll ausgeschlossen sein. Sehr bemerkens⸗ wert für die in Rechtskreisen bestehende Stimmung ist, daß auch der„Reichsbote“ vom 28. Januar 1927 die Ueberzeugung vertritt:„Daß keine der bestehenden Parteien den Ansprüchen einer vollchristlichen Politik evangelischen Stiles ganz genügt.“„Die deutschnatio⸗ nale Partei z. B., die zu unserer Freude immer mehr ehemalige Zentrumskatholiken in ihre Reihen auf⸗ nimmt, ist dadurch selbstverständlich gehindert, sich als evangelische Partei klarster Linie zu formen. Auch sind begreiflicherweise weder die Wähler noch die Ge— wählten der evangelischen Seite der deutschnationalen Volkspartei alle bewußt christlich.“ Zwar hat der „Reichsbote“ auch seine Bedenken. Sie gipfeln im wesentlichen darin, daß die Zahl der Abgeordneten des Christlichen Volksdienstes vermutlich immer klein bleiben wird, daß das Christentum kein politisches Pro⸗ gramm darbietet, daß es eine bis ins Einzelne ausge⸗ führte Programmpolitik des Christentums nicht gibt. Auch die neue Zersplitterung des Parteilebens sieht er mit Recht nicht als erfreulich an. Gleichwohl erscheint ihm, wie die Dinge bei uns gelaufen sind, die Grün⸗ dung vollauf legitimiert und weit entfernt, die neue Gründung zu bekämpfen, wird er ihre Entwicklung mit Sympathie verfolgen. Diese Stellungnahme ist ebenso beachtlich wie die Gründung des Christlichen Volks⸗ dienstes selber, dessen Entwicklung im evangelischen Lager sicher überall mit lebhaftestem Interesse verfolgt werden wird. Soweit die„D. E. K.“ Es ist erfreulich, daß in Berlin sich jetzt scheinbar eine größere Bewegung ganz im Sinne unserer Evangelischen Volksgemeinschaft ge⸗ bildet hat. Erfreulich ist auch, daß der„Reichsbote“ seit seiner Auseinandersetzung mit uns gelernt hat, daß eine solche Bewegung heute nötig ist. Unerfreulich ist, daß die Schriftleitung der„D. E. K.“ scheinbar noch nichts von dem Vorhandensein der Evangelischen Volks⸗ gemeinschaft im Deutschen Reiche weiß. %%CWVVnM::.... eaemmmmmmg n Dos N Im Familienkreis 0 2 l i n 7 5 e Ze PPP/ Für Söhne und Töchter. Bist du frei? Unsere Seele ist entroaunen wie ein Vagel dem Strick des Voglers, der Strick ist zerrissen und wir find frei. Pf. 124, 7. Früh morgens eines gewiffen Tages konnte man an der Zuchthausmauer in K., hoch oben auf dem Dach der Gefängnis⸗ ltrche, die dicht an der Mauer stand, ein Seil befestigt sehen, das aus zerschnittenen Strohsäcken verfertigt war und fast bis auf die freie Straße herunterreichte. An diesem Seil hatten lich in der letzten Nacht zwei Gefangene die fürchterliche Höhe heruntergewagt und waren entflohen. Ach. hinter Zuchthausmauern sitzen, mit dem Freiheitstrieb in der Brust, muß schrecklich sein. Ja, die Armen sind zu be⸗ dauern, ob ihrem bösen Wege und seinen traurigen Folgen. Doch es gibt eine Gefangenschaft auch ohne Kerkermauern und Eisengitter. Ich will dir ein Gefängnis zeigen, worin so manch armes Menschenkind, gleich einem Vöglein im Käfig, sich den Kopf an den eisernen Gitterstäben zerstößt, daß es einem wah J . 7 1 1 ren Menschenfreund Schmerz und Wehmut, Mitleid und Trä⸗ nen wecken muß. Sieh' dort das bleiche junge Weib mit den hohlen Augen und der eingefallenen Wange. Sie trägt alle Anzeichen der Schwindfucht an sich und scheint eilend in ein frühes Grab finken zu sollen. Du hättest sie früher sehen sollen, da sie blühte wie eine Rose und fröhlich sang und sprang, einem Böglein gleich. Ja, das war ein schönes Leben, wo Mutter und Tochter in schöner Harmonie das Gotteshaus besuchten, wo am Nachmittag die Freundinnen vom Jungfrauenverein kamen zur Bibelbesprechung, wo die schönen Jesuslieder gefungen wurden. Warum ist das so ganz anders geworden, was hat das blühende, sprühende Leben so geknickt, so abgehärmt und drängt es so eilend dem Grabe zu? Ach, sie schmachtet im Gefängnis. Zwar sind's keine hohen Steinmauern, nicht düstere Kerkerzellen, im Staatsgefängnis, die sie umschließen, sondern Mauern von lüternem Fleisch. Der Mann, dem sie unterworfen ist, hat sie zur Sklavin seiner Unreinheit und Lustseuche herabgewürdigt. Die Lüfte und Triebe des Mannes sind die Nägel an dem Sarge des armen Weibes und die Ursache zu ihrem frühen Grabe. Armes Geschöpf, warum nahmst du diesen unflätigen Fleischesmenschen? Ach, hätte ich mit mehr Vorsicht gewählt, mit mehr Treue geprüft! Aber da er mit in die Kirche ging und sogar die Bibelstunde besuchte, im Gesangchor Mitglied war und selbst die Gebetstunde nicht versäumte, hielt ich ihn für einen Christen. l Ja, es gibt schreckliche Männer. Wenn der heilige Gott mit seinen Flammenaugen dereinst die Männer mustert, werden 0 viele gefunden werden, denen das Blut ihrer Gattinnen an den Händen klebt. g„Brich nicht den Stab, ehe du mich hörtest, Mutter. Er⸗ schwere mir nicht meine Erzählung.“ Er schwieg und sah zum nahen Wald hin, wo über den Baumwipfeln ein Bussard mit stolzer Ruhe kreiste. Könnte er so stolz und ruhig die Schwingen tegen und zurückkehren, dorthin, wo er Glück und Frieden ge⸗ funden nach der steten Irrfahrt seines Lebens. Unbeweglich hinter dem Bosquet saß Dammrat. Seine Augen funkelten wie die eines Naubtiers, zitternd, in höchster Erregung, vermochte er kaum mit dem Messer sein Vesperbrot zu zerschnelden! 1„Sie wird ihn in das Unglück stürzen, eher ruht sie nicht!“ murmelte er, während Frau Petronella fortfuhr:„Sprich, aber 6 kurz und bündig. Ich weiß, daß du mir eine Ketzerin in das Haus bringen willst. Als der anonyme Brief lam, mußte Ger⸗ hard Erkundigungen einziehen. Es ist etwas Geld da, wenn auch nicht unsern Verhältnissen entsprechend; sie stehen auch in sehr gutem Leumund; aber eine mit dem leichten Gläubchen geht nicht über meine Schwelle, das merke dir!“ 9 sich belde in die Augen, als wollten fie gegenseitig ihre Kräfte messen. Wie erschreckend ähnlich waren sie sich, ob auch diefelbe schwante Seele in dem kräftigen Männerkörper wohnte, wie in dem der Frau? Ob er sich auch niederzwingen ließ? N 1„Wenn du mittellos deine nötigen Studien, wie du dich aus⸗ zuenücen wagteft, nallenden lannst, die Tür steht offen“, er⸗ wmiderte sie kalt. 1„Ist das dein oder der Entschluß von Pater Markus?“ fragte er scharf. In seinem gutmütigen Gesicht glomm es auf, fest sahen O, ihr Töchter, seid nüchtern, handelt doch in den hoch⸗ wichtigsten Fragen eures Lebens mit göttlicher Weisheit, rennt doch nicht blindlings ins schimmernde Elend wie die Mücke auf jeden Honigtopf lossteuert. Es gibt viele Männer, die scheinen auswendig fromm, sittsam und treu, aber inwendig sind sie ge⸗ mein, roh, gottlos, voll unreiner Lüste, aussätzig bis ins Mark hinein, stinkende Leichname trotz der Rose im Knopfloch und den feinen Glacehandschuhen. Billig sollten solche Wichte einen Zettel an ihre Stirn geheftet bekommen mit der Aufschrift: „Hier herrschen die schwarzen Blattern.“ An ihrer Wohnung müßte mit Flammenschrift geschrieben sein:„Eingang zum Löwengraben, zur tiefsten Hölle.“ „Ach, ich will ihn schon bekehren,“ sagte jenes Mädchen, als man es warnte vor einem gefährlichen Bewerber. Der Mann hat das Mädchen belehrt; da seine Worte nicht halfen, da belehrte er es mit der Faust, heraus aus der Gemeinschaft der Frommen, fort von Bibel und Umgang mit Gottes Volke. Ja, das sind dann gar elende Gefängnisse, und manche Ge— fangene sucht sich einen Weg ins Freie zu bahnen. Schau her, da liegt sie vor uns im Sarge, die arme Mutter, die mit ihren zwei Kindlein ins Wasser sprang, in jedem Arm eins dieser Aermsten. Ach, armes Menschenkind, dies ist der Weg zur Frei⸗ heit nicht. Du mußt in andere Arme springen, als in die Arme des Todes, mußt dich einer andern Hand anvertrauen, als einer todbringenden Mörderhand. Hört, Jesus ruft:„Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken.“ Freiheit, selige, wahre Freiheit, die ich meine, ist kein Schattenbild, sondern volle ganze Wirklichkeit. Jesus er⸗ rettet auf's völligste, alle, die zu ihm kommen. Sollte es auch dein Los sein, lieber Leser, ob Mann, ob Weib, Jüngling oder Jung⸗ frau, vom Fleischeswesen umgeben zu sein, ob du in eigener Brust oder in den Krallen eines Lüstlings schmachten mußt, höre es, Jesus kann Gräber öffnen, Ketten zersprengen, kann lüsen und erlösen. O, Seele, schwinge dich empor, hin zu Jesu. Wie der Magnet das Eisen, so zieht Jesus die Seelen an, die frei werden wollen, die ihren Blick im Glauben auf ihn, das ge— schlachtete Lämmlein, richten. Josef entriß sich der Verfüherrin in Potiphars Hause(1. Mose 39, 12), als sie ihn beim Kleid erwischte, indem er sein Kleid in ihren unreinen Händen ließ; entblößt eilte er davon. Das war himmlische Energie; lieber äußerlich bloß aus dem Hause der Sünde fliehen, als in die Sünde zu willigen und innerlich entblößt zu werden von dem Brautschmuck der Keuschheit. Beißt sich doch ein Fuchs lieber das Bein ab, mit dem er in die Falle gerannt, als daß er sich fangen läßt und zugrunde geht, und sollte der für die Herrlich⸗ keit bestimmte Mensch nicht alles einsetzen und drangeben, um seine Seele, das einzig wertvolle, aus den Krallen des Würgers herauszubekommen? O, lernet davonlaufen, ihr Jünglinge und „Du vergißt wohl, daß ich das Erbteil meines Vaters besitze“, gab er ebenso zurück. „Du hast dich verrechnet; der Nießbrauch war mein. Was du in den Klöstern usw. gekostet, ging vom Kapital. Dir ist doch be⸗ kannt, daß das Hauptvermögen von mir herstammt!“ „So ungerecht kannst du nicht sein mit deinem frommen Ge⸗ müt. Du gabst doch Rudi 70 000 Mark zum Eintritt in die Fabrit, jedem halfst du, bin ich dein Stiefkind?“ „Alle fügten sich meinem Willen, du nicht!— Ich verweigere dir sogar das Geld zur Rückreise, ich lasse deine Sachen von dort schicen. Meine Hand öffnet sich erst wieder für dich, wenn Paula Neuenburg deine Braut ist!— Die gebenedeite Mutter Gottes helfe dir zur Einsicht!“ Hastig, wie in gesunden Tagen, erhob sie sich, schöpfte tief Atem, suchte gottergeben das Himmels— blau und ging zum Hause zurück. Kaum war sie verschwunden, da stand der alte Gärtner wie aus der Erde gewachsen in dem Eingang der Laube. Wie in eines Wahnsinnigen Antlitz flackerten die Augen umd die stroh⸗ gelben Haare hingen in Strähnen über seine Stirn, als wäre er verzweifelt mit den Händen hindurchgefahren. „Herr Hans!“ rief er,„bringen Sie Ihre Braut nicht hier herein, das wäre eine Marter für sie und Pater Markus würde die zu Tode hetzen, wie meinen armen Herrn! Ich will Ihnen Geld zur Reise borgen. Fahren Sie fort, weit fort; kein Mensch lebt ewig!“ Schritte hallten vom Kiesweg herüber. Dammrat ver⸗ schwand lautlos, wie er auftguchte. Johannes Wendtland saß Jungfrauen, hinweg vom glattzüngigen Verführer, hinweg von den unheimlich funkelnden Augen der Verführerin, hinweg von dem schäumenden Becher, der so verlockend euch anschaut.— Hätte manche Armee sich rechtzeitig aus ihrer ungünstigen Stel⸗ lung zurückgezogen, wäre sie nicht aufgerieben worden. Lernet „Nein“ sagen zu dem freundlichen Verführer, ein kaltes, festes „Nein“, und wendet dem Betrüger den Rücken. Das ist wahre Weisheit, und höher zu schätzen, als alle sonstige Erdenkunst. Du weißt was der Dieb liegen läßt? Glühend Eisen faßt er nicht an. O, laßt euch von der reinen, himmlischen Gottesliebe so entflammen, daß ein heiliger brennender Eifer für Gott und sein Reich eure Seele durchdringt, dann werden die Fleisches⸗ menschen sich hüten, euch anzutasten. Ein Mädchen saß im Eisenbahnwagen. Ein Weltvogel, dem die Fleischeslust aus den Augen sah, setzte sich neben dasselbe und suchte ein unsittlich Gespräch mit ihm anzufangen. Doch das Mädchen war Braut. Schnell zog sie ihren Handschuh aus und hielt die Hand mit dem Verlobungsring dem Lüstling hin. Wie von einer Natter gestochen, wandte sich der Verführer weg. „Ja, du kommst zu spät, du eitle Welt, mit deiner Werberei; das Jawort ist schon fort, mein Jesus hat es schon“, so sollen wir der Welt entgegentreten, und wie der Löwe das Feuer fürchtet, so der gierige Fleischesmensch ein geheiligt Gotteskind. Kennst du diese Gnade, teurer Leser, Sieg zu haben über Augenlust und Fleischeswesen? Bist du entronnen oder noch eingekerkert, bift du frei oder noch schmählich gebunden, kennst du aus seliger Er⸗ fahrung Jesus deinen Befreier oder bist du noch ein Sklave deiner und anderer Leidenschaften? Wer von unsern Lesern stimmt mit David ein in Pf. 124, 7?(Gemeinschaftsbote.) Was gibst du dem Herrn? In meiner Jugend, so erzählte einmal eine treue Jüngerin des Herrn, wohnte ich mit meinen Eltern auf dem Lande. Eines Tages erhielten wir den Besuch eines Kolporteurs. Meine Mutter, die ihn kannte und schätzte, besprach fich gerne mit ihm. Sie unterhielten sich lange über religiöse Fragen. Da es ein heißer Tag war, bot ich dem Mann ein Glas Milch an, was er auch dankend annahm. Ich stand vor ihm und wartete, bis er das Glas geleert hatte, um es wieder fortzubringen. Er aber behielt es mit einem kleinen Rest Milch in der Hand und sprach ernsten Tones:„Würden Sie es als eine Ehre betrachten, wenn ich Ihnen nun den Rest anbieten würde?“„Nein, gewiß nicht,“ rief ich lebhaft aus,„Sie wollen sich wohl über mich lustig machen?“ Da erwiderte der Mann feierlich:„Wie verhalten Sie sich denn Ihrem Gott gegenüber? Solange Sie noch jung, gesund und stark sind, leben Sie allein nur zu Ihrem eigenen Ver⸗ gnügen, wenn Sie aber warten, bis das Alter kommt und Ihre in sich zusammengesunken, es zuckte in seinem bleichen Antlitz wie verhaltene, schwere Mannestränen. Vor dem Hause hörte er die laute Stimme seiner Schwägerin, die Rosen für den Hausaltar pflückte. Sie verstand es besser, der Mutter nach dem Munde zu reden. Seine Urle würde das nie können— zum Lügen gehört Talent! Er wußte, jetzt saß seine Mutter in ihrem Zimmer und betete. Ob keine Stimme in ihrem Herzen sie der Härte zieh? Nein, eigene Gedanken würden nie einen Schluß aus ihren Hand⸗ lungen ziehen. Pater Markus dachte für sie, seine willenlose Maschine war Frau Petronella.! Er legte die Hand auf seine Brusttasche; da drinnen kni⸗ sterte Urles Brief ein poesiedurchwebtes Liebesstammeln voller Sehnsucht. Er sah ihr sonniges Gefsicht im Geiste und schloß die Augen. Wie sollte er lämpfen im Leben ohne Stütze, wo man ihm die nötige Vorbereitung dazu absichtlich versagte? Durfte er Urle so an sich ketten? Nicht einmal einen Jugendfreund nannte er sein. Die zusammengewürfelten Zöglinge der Klöster hatten kein dauerndes Gedenken bei ihm hinterlassen. Allein war er, ganz allein; denn auch den Landrat sargten sie vor drei Wochen ein. Die Abendkühle legte sich um seine schmerzende Stirn. Vom Bache stiegen zarte Nebeldünste auf und lagerten sich über die feuchte, blumige Wiese. Eine Kröte schlich lautlos an seinem Fuß vorüber; er schüttelte sich vor dem ekelhaften Tler, sprang auf und suchte sofort sein Zimmer auf. Fortsetzung folgt. 0 0 4 Sonnabend, den 5. Februar 1927. Kräfte abnehmen, dann kommen Sie vielleicht und bieten Gott den kleinen Rest Ihres Lebens an. Kann der Herr es als eine Ehre ansehen, wenn man zu ihm kommt, nachdem der beste Teil Ihres Lebens mit eitlen Vergnügungen vergeudet ist, und ihn dann bittet, daß er das, was die Sünde noch übrig gelassen hat, annehmen möge?“ Damit gab er mir das leere Glas zurück und zog seines Weges. Ich stand erschüttert da, aber in demselben Augenblick auch schon faßte ich den feften Entschluß, mich dem Herrn schon jetzt in meiner Jugend zu weihen. Seit jener Stunde hat mich des Herrn Hand geleitet und mich vor manchen Versuchungen und Gefahren der Sünde bewahrt. Den Kolporteur habe ich nie wiedergesehen; aber ich bin ihm bis zum heutigen Tage von Herzen dankbar. Vor allem aber danke ich meinem Herrn und Meister, der mir durch dieses Mittel Vergebung anbot. Für unser liebes junges Volk. Ein Blick durch das Astloch. Es gibt ein hübsches deutsches Märchen. Darin wird er⸗ zählt von einem reichen Manne. Als er starb, wurde er am Himmelstor gefragt:„Wie willst du es gern in der Ewigkeit haben?“ Da wünschte er sich ein herrliches Schloß, alle Tage etwas Schönes zu essen und zu trinken und sonst noch mancherlei, woran er auf Erden seine Freude gehabt hatte. Er bekam alles, was er fich wünschte. Zuerst dachte er nun, er sei im Himmel. Aber als ihn Petrus nach 1000 Jahren besuchte, da war ihm sein Schloß mit all dem, was er sich gewünscht hatte, längst leid und langweilig geworden, und er erfuhr, daß er gar nicht in dem Himmel, sondern in der Hölle sei. Weil er nun so bitterlich anfing zu weinen, führte ihn Petrus auf den Boden seines . Warte“ Schlosses Da war im Dach in einem Brett ein Aftloch. Wenn der reiche Mann sich auf die Zehenspitzen stellte, dann konnte er hindurchschauen. Er tat es und sah in den Himmel hinein. Das war so schön, daß er sich von dem Anblick gar nicht trennen konnte. Diese Geschichte ist nur ein Märchen. Es gibt in der ganzen Welt und sicherlich nicht in der Hölle ein Astloch, durch das man in den Himmel hineinschauen kann. Aber wir brauchen uns auch gar nicht auf die Zehenspitzen zu stellen. Wir können es be⸗ quemer haben. Wer in den Himmel hineinschauen will, der braucht sich nur an seinen Tisch zu setzen und die Bibel aufzu⸗ schlagen. Da gibt es z. B. einen Spruch, der ist wirklich wie ein Astloch, durch das man in den Himmel schaut. Der Spruch heißt:„Jesus Christus ist zur Rechten Gottes und vertritt uns.“ (Röm. 8, 34.) Als der Apostel Paulus dieses Wort schrieb, da stellte er sich den Himmel vor wie einen großen, hellen Königssaal. In der Mitte steht ein goldener Thron. Auf dem Thron sitzt der heilige Gott. Aber zu seiner Rechten ist noch ein Platz auf dem Thron frei. Auf diesem Platz sitzt Jesus, der Heiland der Welt. Das kann man nicht mit den Augen des Leibes sehen, das kann auch niemand malen. Und doch hat es ein Maler versucht. Das kleine Bild stellt den Thron Gottes dar, auf dem Jesus zur Rechten seines Vaters sitzt. In Gottes Hand ruht die Erdkugel. Jesus aber hebt seine durchgrabenen Hände hoch. Was hat das zu bedeuten? 1 Zu Dr. Martin Luther soll einmal ein junger Mann ge— kommen sein. Der hat ihn gefragt:„Was tut Gott eigentlich den ganzen Tag, seitdem er die Welt geschaffen hat?“ Da soll ihm Luther eine scherzhafte Antwort gegeben haben. Er sprach: „Gott sitzt im Birkenwäldchen und schneidet Ruten für Leute, die so naseweise Fragen 1“ Ist es vielleicht 5 naseweise Nr. 6. zu fragen: Was tut Jesus im Himmel den ganzen Tag? Ja,. nicht nur den ganzen Tag, auch die ganze Nacht, denn er schläft und schlummert ja nicht! Der Apostel Paulus gibt die rechte Antwort. Er sagt:„Jesus ift zur Rechten Gottes und vertritt uns.“ Er vertritt uns, d. h., er betet für uns. So wie Jesus schon auf Erden gebetet hat, seine Jünger möchten doch treu bei seinem Namen bleiben und sich untereinander lieb haben, und sie möchten vor allem Bösen behütet werden und geheiligt durch die Wahrheit, gerade so betet Jesus auch heute noch Tag und Nacht für uns Das Beten ist die Arbeit, die der Heiland jetzt im Himmel tut. denken: Auch meinen Himmel! Ei, wie dürfen wir uns freuen darüber! Jedes Kind darf Namen nennt Jesus bei seinem Vater im Wer daran denkt, der wird sich schämen, etwas Böses zu tun, denn dann fällt von dem Himmelslicht ein heller Strahl ins Herz hinein und treibt alle häßlichen Gedanken hinweg. Wenn jemand aber traurig ist über seine Sünde, dann darf er sich trösten mit einem andern Spruch. Den schreibt Johannes Er heißt: „Ob jemand sündiget, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Chriftus, der gerecht ist.“ Das Heilandsleben. Kart. 2, 11. Auflage. Büchertisch. Eine Dichtung von Marg. Weinhandl. , geb. 3.— A1. Ferdinand Acker Ver⸗ lag, Wolfach in Baden. In schlichtester Form behandelt die Dichterin das Leben Jesu. Einfache Worte treten uns aus der Dichtung entgegen, die aber gerade deshalb tief zu Herzen gehen, was schon aus den zum Abdruck in der heutigen Nummer gebrachten Proben hervorgeht. 1 wünschen. Wir können dem Büchlein nur eine weite Ver⸗ 3 Ile er aber sparen Zeit u. Verlust durch die LI Lelchsslen A-Hassebücher zu haben in der Aua Laln, EI 1 714 i N b 0 A mupedobummmmdammanreer 10 FRE NM fadacuaauaaunmndune 0 NI i 621 eee eee 9 10 a ie 3 ö 5 5 eee Wo kae on Fürsorgeverein für Krüppel, dem angehören, jahrlich ca verkrüppesten Kindern mit erhebli Kenntnis Auskünfte, Rat der Heif- und Beratungsstellen festgestelst, die un dieser Gesegenhest e furchtbaren Bazillus zu finden. Zu eines solchen Kruppesheimms und 2ur E Landes-Unwersität um das erwahnte unserem Hessensande werden von dem Hessische: ste Kapazitàten der Medizin und VerW]-ͤ a. als Vorstandsmitglieder 400 Heilbehandlungsfasle von gen Kosten durch- geführt. In allen Landesteilen hat dieser Kruppe vereis öffentliche Fach- und Beratungsstellen, in denen un- entgeltsich und ohne Unterschied von Partei und Be- nd Hilfe in Krüppeffässer erteilt wird. Hauptsachsich gist es, aus den Erfahrunge heuerlichen und fast unglaubsichen Schäden, die die Spinase Kinderlähmung verutsucht, zu heilen und be De restlose Bek mpfung dieses diesem Zwecke Wird ein Krüppelheim zur Aufnahme der Verkrüp- pesten dringend benòtigt. Der Kruppe lverein, dessen Sitz in Darmstadt ist, beabsichtigt dieses Krüppel- heim nach dem Wunsche der Landes-Onlversität dieser in Gießen anzugliedern und zu gleicher Zeit ein Forschungsinsttut Mit Klinik zu errichten, damit auch für einen gut ausgebildeten Arztenachwuchs gesorgt ist. Denn die fechteeltige Erkenntnis der Krüppelschaden ist halbe Heilbèhendlung. Da die hessische Staatsregierung leider die Mittef zum Bau Einrichtungen, 5 orschung 384g LLL stitut mit Klinik nicht zur Verfugung hat, hat der Her Jessische Minister des Innern dem hessischen Fut Sorge- Verein für Krüppel die Genehmigung zu eine, Waren-Wohlfahrtslotterie erteilt, damst sich diess Verein an die gesamte hessische BevGIέLrUngZWe CHs Förderung dieses soziafen Vorhabens wenden kan Inter den Gewinnen ist ais Hauptgewinn ein Haus vorgesehen, dann wWerden ganze Wohnungs- Klavier, Nahmaschinen, Räder und Sehr vieles andere für jeden Brauchbare ausgelost Oje Lose kosten— We es die bekannten Plakate besagen- nuf. Mark, sodaß jeder sein Scherflen für die der hessischen Aalgemeint eit zugute Kom- menden Sache beitragen Kann und dabef noch die degründete Aussicht hat Pfsfchterfüllung auch noch ein eigenes Haus oder sonst wWes Schönes zu gewinnen, Deshalb darf Kein Hessischer Bürger ohne Los sein. Der Losvertrieb geschieht ehrenamtlich, die Losverkaufsstellen sing dorch Plakate kenntsich gemacht Wo keine öftegt. ichen Verkaufsstellen sind, wende man sich bitte an die Herren Schulleiter oder direkt an die Beamten- bank Darmstadt e. G. m. b. H., Rheinstraße 0 nahme oder bei die gewünschtep Lose austelst. für diese billige soziale die dann entweder gegen Nach- oreinsendung des Betrages fran (2⁰ A. i Lase laben Bedeutender Verficherungs⸗Konzern sucht für die Bear⸗ beitung des hiesig. Platzes u.des Bezirks einen hervorragenden Lebensversicherungs-Fachmann der auch in der Sachversicherung bewandert ist, als Leschuͤftsstellenleiter mit Direktionsvertrag. Verlangen Sie den hochwertigen Nuhr-Brechkoks Heizkräftigster, sparsamster Evanglische unterstützt uns evang. Buchhandlung durch Bestellung v. Büchern u. Zeitschriften. Feste Bestellungen von 2.— Brennstoff fee für 5 f Wariburgbuchholg. Lenlralheizungen! mainz, Emmeranuraße 9. Erhältl. in allen gröss. 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