Organ der vangelische Hauptschriftleiter: Edwin Hamburger in Staden(Oberhessen). Ebangelischen Volksge arte meinschaft Erscheint Sonnabends.— Bezugspreis 50 Pfennig monatlich. Abonnements⸗ und Anzeigen⸗Annahmestelle Druck und Verlag Albin Klein, Gießen, Südanlage 21 Fernspr. Nr. 2525 u. 2526. Postscheckk. Nr. 44332 Frkft./ M. Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg., am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen Vergünstigung. d eec ene n 1 . Verantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger, 9 1 für den Unterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz. 1 Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. ls. 8 1— ba, 3. Jahrgang. Aren, 3 N eee Sonnabend, den 10. Sepfember 1027. Nummer 37 Wir laden hiermit ein zur Jür den engeren Vorstand der Evangelischen 15 4 ollsgem 22.— 24. Oklober Mit evangelischem Gruß! Pfarrer Mosel⸗Rohrberg. An unsere Mitglieder und Freunde! se T 1 0 0 5 8 5 4b 5 12 O.. 8 8 4 N ese Tagung muß eine gewaltige Kundgebung und starkes Bekenntnis zu unserer Bewegung werden. Es ist darum Ehrenpflicht für alle Freiquartiere stehen in Mainz und Vororten zur Verfügung. Näheres später. Volksgemeinschaft: Reichsgeschäftsführer Weidner⸗Ober⸗Lais. ing der stz des lichen“ Di selndet 5 5 lilnlen unsere Mitglieder und Freunde, an der Tagung teilzunehmen. or ge. 5 1 beliebte fermüd⸗ edith e e Pfarg Dr. jur. Mvegenburg⸗Frankfurt a. M. gezolll. gtup„ 1 8. Der Fesuitenor benutzen 5 Wb N e dude(Vergl. Nr. 25 der„Evang. Warte“ vom 18. Juni 1927.) 5 f Dadurch, daß der Jesuitenorden lange in Deutsch⸗ land verboten war, hat man in den Kreisen der deut⸗ Hofes“ schen Politiker ganz seine Eigenart und Wirksamkeit erlamet! vergessen. Heute meinen sehr viele führende Männer, ner üb der Jesuitenorden sei ein religiöser Orden wie andere. fall in] Man buchte es führenden protestantischen Bewegungen[bens ab hen!) als Unduldsamkeit, weil sie gegen die Zulassung des z endith) Ordens in Deutschland waren. Auch nichtkatholische n Eda Politiker meinten, man könne ruhig den Jesuitenorden je Grüß in Deutschland hereinlassen, da ja von seiten des Staa— tes es mit der Gleichberechtigung der einzelnen Religio— er nen ernstgenommen werden soll. Wäre tatsächlich der 971 Jesuitenorden nur eine religiöse Größe, dann würden del!) wir uns hier in unserer„Evangelischen Warte“ nicht Reihen mit ihm beschäftigen. Wir wollen keine Kirche, keine Religion, keinen Katholizismus bekämpfen. Womit wir uns beschäftigen, ist ja allein das politische Leben unseres Vaterlandes vom Standpunkt des treuen evan⸗ gelischen Volksgenossen. Wir beschäftigen uns deshalb nur aus politischen Bedenken mit dem Jesuitenorden, Auf ultramontaner Seite wird man natürlich die politische Gefährlichkeit des Ordens bestreiten. Nicht jeder Katholik ist aber ultramontan. Daß in den Rei⸗ hen der nichtultramontanen Glieder der römischen Kirche tatsächlich der Jesuitenorden ebenfalls als politische Ge— fahr angesehen wird, möge die noch unerfahrenen Teile unseres Volkes aus ihrer Harmlosigkeit befreien. Wir kramen einmal nach in alten Papieren. Dort finden wir allerlei, was uns die Beweisführung fördert. Da haben wir ein Gutachten über die Jesuiten, das ein⸗ mal der Staatsmann Metternich von dem katholischen Generalvikar von Wessenberg eingefordert hatte. Da— tin steht u. a. sehr Interessantem folgendes:„Die I 00 0 0 Acht und Sal. Kolosser 4,5 und 6. Wandelt weise gegen die, die draußen sind und kaufet die Zeit aus. Eure Rede sei allezeit lieblich und mit Salz gewürzet, daß ihr wisset, wie ihr einem jeglichen Antworten sollt. Diese Worte des Apostel Paulus sind auf den Glaubens ampf eingestellt. Er schreibt sie im Hinblick auf die,„die raußen sind“, Es wird uns sowohl berichtet, als auch kön⸗ en wir es uns sehr gut denken, daß die Andersgläubigen mit wachsamen Augen die Christen beobachteten. Wo irgend etwas Besseres auftritt, dann wird das scharf unter die Lupe genom— en, ob man nicht etwas Tadelhaftes erkennen kann. Man möchte doch gerne sagen:„Die Vertreter dieser Richtung sind uch nicht besser als wir“. So sind die Christen beobachtet wor⸗ en, in alter Zeit, so schauen die Ungläubigen heutiger Tage guf alle, die sich zur Kirche halten. Die verloren gehen, suchen erne andere, die sie auf ihrem Wege in die Tiefe begleiten sol⸗ len. Die Schlechtigkeit trachtet immer nach Gesellschaft. Wie oft wird von denen, die im 14. Psalm Tore“ genannt perden, irgend ein undeutliches Wort ausgenützt. Darum müs⸗ en sich unsere treuen Christen gerade im Beisein von Atheisten besonders vor oberflächlichen Ausdrücken hüten. Der Assstel mahnt ganz richtig, weise zu sein. Er sagt auch nicht nur: sprecht weise“, sondern„wandelt weise“. Das ganze Leben soll weise geführt werden. Ich denke immer daran und vergesse es nie, wie zur Zeit der Rationierung ein Kir⸗ henfeind mit mir sprach. Er nannte mir ein bestimmtes Haus ind fügte bei:„Sehen Sie, die gehen alle Sonntage zur Kirche ind verschieben ihre Eier und Butter doch!“ Wandelt weise, igt Paulus. Wer wirklich treuer Christ sein will, bei dem muß zlles zusammenstimmen. Er darf nicht zwischen Kirchgang, Vorten und Werlen Widersprüche ausweisen. Dazu hat jeder nur eine bestimmte Zeit, seinen Glauben —— SSTP N erweisen. Diese uns von Gott geschenkte Zeit muß ausge⸗ in der Politik. sachen, warum der Orden der Jesuiten, sowie er sich ausgebildet, mit der Wohlfahrt der christlichen Kirche sowohl, als der Staaten und mit der Eintracht zwischen beiden durchaus unvereinbar ist, sind so viele und schwerwiegende, dasz.—„Seine Grundsätze sind so beschaffen, daß sie unvermeidlich die christliche Glau— und Sittenlehre verderben und das Verhältnis zwischen Staat und Kirche zerrütten müssen.“—„Mit den jesuitisch-ultramontanen Lehren vom Kirchenrecht kann keine wahre obrigkeitliche Gewalt, keine Selbstän— digkeit der Staatsregierung bestehen. Denn dieser Or⸗ den trachtet, wie dies die Erfahrungen von Jahrhun⸗ derten beweisen, nach einem Universaldespotismus über alle Organe des kirchlichen und staatlichen Lebens, so daß dieser Orden die mächtigste und gefährlichste ge— heime Gesellschaft ist.“ So urteilte damals ein katho— lischer Geistlicher über den Jesuitenorden. Uns be— schäftigen nur seine Ansichten über die politischen Ziele des Ordens. Diese sind aber in Vorstehendem recht deutlich hervorgehoben. Nun könnte man sagen, das ist einmal eine Stimme. Auch unter den Geistlichen und Gliedern der römischen Kirche gibt es eben verschiedene Ansichten. Gerade der Gegensatz zwischen Geistlichen und Ordens— leuten ist durchaus nichts seltenes. Daß jedoch auch in politisch hochstehenden und führenden Laienkreisen die gleiche Ansicht vorherrschte, kann uns ein bayerischer König zeigen. Jeder weiß, wie streng das bayerische Königshaus zu der römischen Kirche hielt. Die Wittels⸗ bacher waren zu allen Zeiten treue Anhänger der Kirche. König Ludwig J. aber schreibt über den Jesui⸗ tenorden:„Seine politischen Umtriebe habe ich diesem Orden vorzuwerfen. Deutsche Gesinnung soll in die Jugend gelegt werden, aber dieser waren die Jesuiten kauft werden. Der Apostel will sagen, sie muß gründlich an⸗ gewendet und ausgenützt werden. Jesus drückt es einmal aus in dem Wort:„Ich muß wirken die Werke des, der mich gesandt hat, so lange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wir— ken kann.“ Jede Minute ist teuer. Deshalb darf sie nicht miß⸗ braucht werden. Weil nun die Christen so scharf unter Beobachtung sich fühlen müssen, haben sie eine große Aufgabe. Jeder soll dazu beitragen, daß die Christenfeinde Achtung vor dem Christen— glauben bekommen. Die Urchristen haben dies ja erreicht. Es wird uns aus alter Zeit berichtet, wie selbst feindselig gesinnte Heiden ihnen nichts Böses konnten nachsagen. Besonders wun— derten sie sich, daß die Christen einander so lieb hatten. Im heutigen Missionsland sind oft die Missionare dadurch behin— dert, daß die Heiden auf das rohe, zügellose Treiben anderer Weisen im Lande hinweisen. Bei uns, wo viele ungläubige Menschen den Tauf⸗, Konfirmations- und Trauschein aufweisen können, ist es schwer zu sagen, wer eigentlich Christ ist. Be⸗ sonders werden natürlich diejenigen, die sich zur Kirche Christi halten, besonders als Vertreter wahren Christentums angesehen. Die vielen Namenchristen und Nichtchristen sehen auf deren Worte und auf deren Leben. Ihr seid scharf beobachtet. Deshalb soll eure Rede lieblich sein und mit Salz gewürzet. Ein treuer Christ soll keine Gemeinheiten sprechen. Wenn er mit Feinden des Glaubens redet, soll Salz in seiner Rede sein. Wir haben hier wohl an die Worte Jesu in der Bergrede zu denken. Damals hat er seine Hörer auch auf die Tatsache aufmerksam gemacht, daß sie eine große Aufgabe haben.„Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt. Also laßt euer Licht leuchten vor den Leuten, daß sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.“ In der Dunkelheit der Nacht fällt jedes Licht auf. Brennt es helle, so ist es uns willkommen, dann kann es uns den Weg erleuchten. Ist es ein trübes Licht, dann ist es gleich, ob es uns leuchtet, oder wir ganz in der Dunkelheit gehen. Wir sollen Leuchten sein, immer fremd; wo immer sie waren und sind, ihres Or⸗ dens Zweck verfolgen sie. Nur ihn, Nebensache das Vaterland.“ Auch diese Worte eines katholischen Kö⸗ nigs beweisen unsere Behauptung bestens. Der Jesui⸗ tenorden kennt nur seine Ziele. Seine politischen Um— triebe hemmen die deutsche Politik. Nach der Wiederherstellung des Jesuitenordens im Jahre 1814 hat man in Deutschland sein Treiben zu spüren bekommen. Höchst wertvoll ist es nun, was der katholische Pfarrer Pflanz in Moosheim(gest. 1844) in einer katholischen Zeitschrift für Erfahrungen nieder⸗ schreibt. Wir wollen auch dabei alles weglassen, Was nur für die römische Kirche von Bedeutung ist. Da lesen wir:„Wenn die Gründe, die die Aufhebung des Ordens im Jahre 1773 notwendig machten, vollwichtig waren, so sind es die Gründe, die die Wiederaufhebung verlangen, wohl noch mehr, indem der Orden durch seine bloße Existenz den Frieden stört, auf der einen Seite zu gesetzwidrigen Unternehmungen ermuntert, auf der anderen große Besorgnisse erregt, und jeder gründlichen Aussöhnung der Parteien, Ansichten und Bestrebungen in den Völkern auf ruhige und geordnete Weise hindernd und störend in den Weg tritt.“ Nach⸗ dem demnach die Jesuiten ungefähr 30 Jahre in Deutschland wieder ihr Wesen trieben, sahen sich römi— sche Geistliche veranlaßt, die Wiederaufhebung des Or⸗ dens zu verlangen. Gegenwärtig dürfte von kirchlicher Seite her der Jesuitenorden in Deutschland noch geschützt werden. Wie wird es wohl in kommen⸗ den Jahren werden? Die Arbeit des Ordens ist sehr schlau und heimlich. Sie dürfte in der Gegen— wart nicht anders sein als damals. Erst dann wird man ihn auch auf kirchlicher Seite nicht mehr haben wollen, wenn er unverhohlen nach der Macht greift. Von der Macht des Jesuitenordens in damali⸗ ger Zeit schreibt Pfarrer Pflanz:„... so war die feind⸗ seligste Berührung mit den Jesuiten gleichsam von die man gebrauchen kann. Die Feinde sollen gezwungen sein, zu sagen:„Allerdings bilden diese Christen eine Erhellung in des Daseins Dunkel“. Wie macht man uns auf Seiten der Freidenker die Innere Mission nach. Mit dieser konnten wir Leistungen aufweisen, womit christliche Nächstenliebe unter der leidenden Menschheit herrliche Taten hervorgebracht hat. Heute schaut man in sozialem und wirtschaftlichem Leben wieder nach dem Lichte des Evangeliums aus. Wir von der Evangelischen Volksgemeinschaft kennen unsere Aufgabe und unsere Verant- wortung auf diesen Gebieten wohl. Wir wissen, daß wir leuch⸗ ten müssen in das Dunkel der gegenwärtigen sozialen und wirt- schaftlichen Nöte. Wir wollen es tun, selbst dann, wenn noch so großer Unverstand uns manchmal im Wege ist. Dazu muß das Salz kommen. Die Worte sollen gewürzt sein. Das Gewürz der Speisen schmeckt scharf auf der Zunge. Auch Christen sollen im Gespräche mit den Glaubensgegnern Würze haben, das dem Gewissen scharf ist. Dann wird es schwach, dann weckt es im Menschen Glaube und Liebe. Manche wissen oft gar nicht, was sie Gegnern zu sagen haben! Ein junger Mann klagte mir, daß er einen Weg mit einem Kir⸗ chenfeind gegangen sei. Der habe so viel gewußt und so viel sagen können. Aber er hätte nichts gewußt. Nun sollte ich ihn in einer halben Stunde lehren, was er sagen solle. Das lernt man nicht in einer halben Stunde! Da muß man rechtzeitig für das nötige Salz gesorgt haben, daß man weiß, was man einem jeglichen antworten soll. Sonst gleicht man den törichten Jungfrauen, die leuchten wollen, aber das Oel vergessen haben. Sorgen wir demnach dafür, daß uns die Welt sehen und hö⸗ ren lann, so viel und so oft sie will. Richtig wandeln, weise handeln wollst du künftig mir verleih'n; gib die Triebe reiner Liebe voller in mein Herz hinein, welch ein Segen ist zugegen, wenn es heißt: du mein, ich dein! Amen. Hr. — — — selbst eingeleitet, mit den Jesuiten, die bereits überall erkannt und darum gehaßt, eine Macht waren, eine furchtbare, eine entsetzliche Macht, weil sie durch lange und verwegene Uebung von Ränken, Lastern und Ver⸗ brechen zur öffentlichen Schamlosigkeit gelangt war und im Besitz von unermeßlichen Reichtümern nichts mehr fürchtete.“ Ein wenig weiter schreibt er:„Und diese Jesuiten führen wieder in manchen Ländern das große Wort und muttern und meutern bereits überall in Staat und Kirche, eine furchtbare Vehme des Glaubens und der Politik, beseelt von einem Fanatismus der RNänke und der Spaltungen.“ Das waren drei Katholiken, die vor dem Jesuiten⸗ orden dringend gewarnt haben. Nur eine Partei gibt es in Deutschland, welche schon immer Schildhalterin des Jesuitenordens war, die Zentrumspartei. Haben früher noch katholische Männer, wie der Abgeordnete Völk⸗Lindau in der Reichstagssitzung vom 16. Mai 1872, den Mut gehabt, gegen die Umtriebe des Jesui⸗ tenordens und die ihn schützende Zentrumspartei auf⸗ zutreten, so sieht es doch heute damit recht traurig aus. Die Parteien sind heute alle mehr oder weniger ultra⸗ montan durchsetzt. Es ist ein traurig Ringen um die Gunst des Zentrums auf rechter wie linker Seite. Ab⸗ geordneter Völk-Lindau sagte damals:„Ihr rühmt die Sittlichkeit einzelner Jesuiten, ja sogar ihren Patrioris⸗ mus als Krankenpfleger im Kriege, wofür der eine oder andere auch das eiserne Kreuz erhalten habe. Aber solche Leute greifen wir ja gar nicht an, wir kämpfen nur gegen das allbekannte Institut und System des Jesuitenordens. Wenn Sie, meine Herren vom Zen⸗ trum, diesen Orden für identisch mit der katholischen Kirche erklären, so schlagen Sie sich selbst. Wer sich mit den Jesuiten identifiziert, muß auch mit ihnen getrof⸗ fen werden. Aber, meine Herren, es ist nicht an dem, daß man die katholische Kirche mit dem Jesuitenorden identifizieren lassen will. Man ist sehr wohlfeil mit der Behauptung: wir Katholiken werden den Streit aufnehmen, wir Katholiken werden uns verteidigen Wer gibt Ihnen das Recht, im Namen aller Katholiken zu sprechen? Ich, meine Herren, und meine zwei näch⸗ sten Wahlkollegen aus dem Kreise Schwaben und Neu- burg, wir sind durch die Stimmen von 30000 Katholi⸗ ken in dieses Haus gesandt, deren allergrößter Teil bei dem Kampfe gegen den deutschen Staat nicht auf Ihrer Seite, sondern auf der unsrigen stehen werden. Hätte man nicht unter Anführung des Jesuitenordens alle die neuen Dekrete, welche überall Unfrieden und Haß her⸗ vorgerufen, erlassen, hätte man die Sache gelassen, wie sie war, der Kampf wäre nicht gekommen. Ich kann sagen: wir sind angegriffen, wir werden den Kampf aufnehmen, wir werden auch siegen und dem deutschen Volke die Friedenspalme bringen. So gewiß das deut⸗ sche Volk die Welschen über den Rhein geschlagen hat, so gewiß wird es auch die Welschen über die Alpen zu schlagen verstehen!“ Die Welschen stehen heute wieder am Rhein und wollen nicht weichen. Die Welschen sind auch wieder über die Alpen gekommen und treiben ihr Wesen in Deutschland. Was sie in der Zeit von 1872 anrichteten, werden sie es heute unterlassen? Wenn unsere katholi⸗ schen Volksgenossen noch nicht die offenen Augen wie die vorstehend aufgeführten Glaubensgenossen haben, so ist es eben ihre Sache. Wir halten es für unsere Pflicht, vor allem unseren evangelischen Volksgenossen die Augen hell und offen zu machen. Wir dürfen uns nicht, wie seither, zersplittern in viele Interessengrup— pen und Parteien, in die der geeinte ultramontane Geist eindringen und nach dem römischen Grundsatze „teile und herrsche“ den Zielen des Jesuitenordens die⸗ nen kann. Wir brauchen eine Zusammenfassung aller evangelischen Interessengruppen und Wirtschaftszweige, die alle geeint sind durch das Wort„evangelisch“. Dann werden wir vielleicht das wieder erleben, was Ageord⸗ neter Völk⸗Lindau wünschte, daß die Welschen wieder üfer die Alpen geschlagen werden. Hr. unter dem Schatten des Konkordats. Die„Allgemeine Deutsche Lehrerzeitung Nr. 27, 1927, schreibt:„Seitdem im Konkordat der Bayerische Staat seine Hoheitsrechte auf dem wichtigsten und vor⸗ Viola Tritolor. Von Theodor Storm. Schluß. Am Nachmittage kam der Arzt; er neigte sich über die Schla⸗ deckte. Rudolf blickte gespannt in das Antlitz seines Freundes, dessen Züge den Ausdruck der Ueberraschung annahmen. „Schone mich nicht!“ sagte er.„Laß mich alles wissen!“ Aber der Doktor drückte ihm die Hand. nehmsten Gebiete, das ihm zur Verwaltung anvertraut ist, auf dem Gebiete des Geistes und der Kultur, der Kirche preis gab, geht die Entwicklung unaufhaltsam der Verkirchlichung des gesamten Staatswesens ent⸗ gegen.„Bayern eine geistige Provinz Roms“, das ist das schließliche Ergebnis der Schul- und Kulturpolitk der„Bayerischen Volkspartei“. Man muß auf diesen Gang der Dinge in Bayern immer wieder binweisen, so entrüstet sich auch jene Kreise gebärden, die dafür allein die Verantwortung tragen. Es ist wirklich kind⸗ liche Naivität, wenn der„Katholische Lehrerverein“ in Bayern behauptet, noch habe sich kein einziger Konkor⸗ datsfall ereignet. Wir wollen von den krassen Fällen, die bereits vorliegen, aus bestimmten Gründen heute schweigen. Wohl hat auch die Lehrerschaft noch nicht allenthalben den vollen Ernst der Lage erkannt, ob⸗ gleich sie sehen kann, wie da und dort einem Übereifrigen Kaplan der Kamm zu schwellen beginnt, so daß er dem erstaunten Lehrer, der immer noch der Meinung ist, die Schule sei eine Angelegenheit des Staates, in aller Offenheit klar zu machen versucht, daß dies eine irrige Auffassung sei; denn nach den Bestimmungen des Kon⸗ kordats„gehöre nun die Schule der Kirche und nicht mehr dem Staate.“ Wie unsicher sich auch die staatlichen Behörden so⸗ gar in solchen Fragen fühlen, die das Einflußgebiet der Kirche garnicht berühren oder doch nur sachte streifen, zeigt ein Fall in Würzburg. Bisher war es, wie auch anderwärts möglich. daß am dortigen Alten Gymna⸗ sium auch Mädchen Aufnahme finden konnten. Im Februar dieses Jahres schrieb nun das Institut der Englischen Fräulein aus, daß im Anschluß an das Mäd⸗ chenlyzeum humanistische Kurse errichtet würden. Als im März Ministerialdirektor Dr. Bauerschmidt der Referent für das höhere Schulwesen, dienstlich in Würz⸗ burg anwesend war, erklärte er, daß vom neuen Schul⸗ jahr ab Mädchen in das Alte Eymnasium nicht mehr aufgenommen werden dürften. Ein amtlicher Bescheid erfolgte freilich nicht. Nun ist aber das Institut der „Englischen Fräulein“ eine katholische Anstalt, in die nach dem Entscheid der vorgesetzten geistlichen Behörde Andersgläubige nicht aufgenommen werden können. So kam die Prüfung für die 1. Kurse heran, der sich eine Anzahl Mädchen unterzog, wobei der Leiter des Alten Gymnasiums die Aufnahme unter Vorbehalt zu⸗ sagte. Auf einen Bericht des Oberstudiendirektors hin kam endlich anfangs Mai, also nach Beginn des neuen Schuljahres, die amtliche Verfügung des Ministeriums, die Mädchen seien abzuweisen, da ja die paritätische Sophienschule vom neuen Schuljahr ab humanistische Kurse eingerichtet habe, wovon bis dahin allerdings niemand etwas erfahren hatte. Der Direktor der Sop⸗ hienschule aber erklärte, nur drei Mädchen aufnehmen zu können, da die 1. Klasse ohnedies 51 Schülerinnen zählte. Allein das Ministerium verfügte, daß die Mäd⸗ chen definitiv vom Alten Eymnasium abzuweisen seien, daß das Ministerium aber gerne bereit sei, wegen Ueberschreitung der Höchstschülerzahl in der ersten Klasse der Sophienschule Dispens zu erteilen. Das die Tat⸗ sache. Mit Recht erheben die Eltern der Kinder ent⸗ rüstet Einspruch gegen den offenkundigen Verfassungs⸗ bruch des Bayerischen Anterrichtsministeriums. Be⸗ stimmt doch die Reichsverfassung in Artikel 143, daß die öffentlichen Schulen Norm sind, und in Art. 147, daß Privatschulen als Ersatz für diese nur dann zugelassen werden, wenn die Gleichheit des Lehrziels und der Ein⸗ richtung garantiert ist, was bei den Reformgymnasial⸗ kursen der Sophienschule gegenüber dem humanistischen Gymnasium keineswegs der Fall ist, ganz zu schweigen von den gewichtigen Gründen gegen eine derartige Ueberfüllung einer Klasse. Fragt man nun nach dem Grund für dieses recht eigenartige Verhalten des Baye⸗ rischen Unterrichtsministeriums, so wird man nicht fehl⸗ gehen, wenn man ihn in dem Widerstreben gewisser kirchlicher Kreise gegen die gemeinsame Erziehung der Geschlechter sieht. Die Regierung fügt sich auch hier willig dem Gebot jener kirchlichen Stellen, selbst unter gröblicher Mißachtung des Elternwillens, den man doch gerade in jenen Kreisen so gerne in den Vordergrund stellt, allerdings nur dann, wenn man ihn für seine Zwecke ausnützen kann.“ 22 ihm ruhen, als müsse aus der Tiefe des Schlafes ihre Seele erst zu ihm hinaufgelangen. „Du, Rudolf?“ sagte sie endlich. mal wieder aufgewacht!“ Er blickte sie an und konnte sich nicht ersättigen an ihrem „Und ich bin noch ein— fende und nahm ihre Hand, die ein warmer feuchter Hauch be. Anblick.„Ines,“ sagte er,— fast demütig klang seine Stimme — ich sitze hier, und stundenlang schon trage ich das Glück wie eine schwere Last auf meinem Haupte; hilf es mir tragen, Ines!“ „Rudolf—!“ Sie hatte sich mit einer kräftigen Bewegung aufgerichtet. — Gerettet!“— Das einzige Wort hatte er behalten. Er hörte auf einmal den Gesang des Vogels; das ganze Leben kam zurückgeflutet.„Gerettet!“— Und er hatte auch sie schon verloren gegeben in die große Nacht; er hate geglaubt, die hef⸗ tige Erschütterung des Morgens müsse sie verderben; doch: „Es ward ihr zum Heil, Es riß sie nach oben!“ In diese Worte des Dichters faßte er all sein Glück zusam⸗ men; wie Musik klangen sie fort und fort in seinen Ohren. — Immer noch schlief die Kranke; immer noch saß er wartend an ihrem Bette. Nur die Nachtlampe dämmerte jetzt in dem stillen Zimmer; draußen aus dem Garten kam statt des Vogelsangs nun das Rauschen des Nachtwindes; manchmal wie Harfenton wehte es auf und zog vorüber; die jungen Zweige pochten leise an die Fenster. „Ines!“ flüsterte er;„Ines!“ ihren Namen auszusprechen. Da schlug sie die Augen auf und ließ sie fest und lange auf Er konnte es nicht lassen, U 1 —„Du wirst leben, Ines!“ „Wer hat das gesagt?“ —„Dein Arzt, mein Freund; ich weiß, er hat sich nicht getäuscht.“ „Leben! O mein Gott! Leben!— Für mein Kind, für dich!“ — Es war, als käme ihr plötzlich eine Erinnerung; sie schlang die Hände um den Hals ihres Mannes und drückte sein Ohr an ihren Mund.„Und für deine— für eure, unsere Nesi!“ flüsterte sie. Dann ließ sie seinen Nacken los, und seine beiden Hände ergreifend, sprach sie zu ihm sanft und liebevoll.„Mir ist so leicht!“ sagte sie.„Ich weiß gar nicht mehr, warum alles sonst so schwer gewesen ist!“ Und ihm zunickend:„Du sollst nur sehen, Rudolf; nun kommt die gute Zeit! Aber“— und sie hob den Kopf und brachte ihre Augen ganz dicht an die seinen— „ich muß teilhaben an deiner Vergangenheit, dein ganzes Glück mußt du mir erzählen! Und, Rudolf, ihr süßes Bild soll in dem Zimmer hängen, das uns gemeinschaftlich gehört; sie muß dabei sein, wenn du mir erzählst!“ Er sah sie an wie ein Seliger. Dr. Schminke in weitesten Kreisen der evangelischen Be mnerbstler nebergeff eines kommunislischen Stadtrats. Am Mittwoch vergangener Woche hatte die Schwe⸗ 0 sternschaft des Neuköllner Krankenhauses in Bukow die Ehre, den Dezernenten für das Gesundheitswesen 0 Neuköllns, den kommunistischen Stadtrat Dr. Schminke ln! während der Mittagsmahlzeit bei sich zu Gaste zu haben. Die Schwestern standen an der gedeckten Tafel und warteten, daß die Frau Oberin des Hauses in ihrem Auftrage wie immer nach alt hergebrachter Tradition das Tischgebet sprechen sollte. Doch sie warteten ver⸗ gebens und waren auch nach dem sonst üblichen„Mahl- zeit“ unschlüssig, ob sie ihre Plätze einnehmen sollten. z Warum?— Dr. Schminke hatte kraft seines Amtes fin verboten, das Tischgebet an diesem Tage und für die Zukunft zu sprechen.— Eine außerordentliche große Ent- rüstung und Empörung unter den Schwestern ist die h Quittung auf dieses radikale Vorgehen des Herrn Stadtrates. Welche amtliche Befugnis gibt ihm das Recht, dieser rein privaten, von den Schwestern gewoll⸗ ten und wert geachteten christlichen Sitte den Garaus machen zu können? Welche Auffassung hat er über⸗ haupt von dem Gastrecht, daß er es wagt, die bei dem Gastgeber üblichen Formen nicht nur zu mißachten, son⸗ dern einfach über den Haufen zu werden?— Die Schwestern sandten ihre Vertretung am Freitag zu ihm mit dem Auftrage, auf gütlichem Wege eine Klärung und Einigung zu erzielen. Es wurde ihm vorgestellt, daß die bei weitem größte Zahl der Schwestern evan— gelisch sei, daß eine Abstimmung vorgenommen werden möchte und daß für diejenigen, die eventuell an dem Gebet Anstoß nehmen könnten, die Möglichkeit bestehe, den zweiten Mittagstisch zu besuchen, bei dem die Er⸗ öffnung durch Gebet fortfalle. Doch Dr. Schminke blieb bei seiner Auffassung, daß um einer einzigen Schwester (unter 2001) willen, die innerlich daran Anstoß neh⸗ men könnte, das Tischgebet zu unterbleiben habe, und will die Angelegenheit durch Schiedsspruch des Bezirks⸗ amtes entscheiden lassen. Wie verhält es sich aber, wenn 200 Schwestern das Tischgebet fordern und daran Anstoß nehmen, wenn es nicht gesprochen wird? Wo ist hier die Logik? Was würde wohl Dr. Schminke sagen, wenn wir Evangelischen die Forderung aufstellen wür⸗ den, daß um eines Evangelischen willen, der eine kom⸗ munistische Versammlung besucht, die Versammlung mit Gebet eröffnet werden sollte? Wenn Dr. Schminke es sonst zu seiner Lebensaufgabe gemacht hat, Christen⸗ tum, Judentum und alles, was Religion heißt, zu be⸗ kämpfen, so steht ihm bei der Verwirklichung dieser Auf⸗ gabe nichts im Wege. Nur soll er sein Amt nicht dazu mißbrauchen und nicht eine Gewissenstyrannei, eine Knechtung der Persönlichkeit, wie sie schlimmer nicht das Mittelalter gekannt haben kann, auszuüben versuchen, Seine Aufgabe als Dezernent für das Gesundheits⸗ wesen ist es, für die Gesundheit dez Leibes zu sorgen— und er möge bei seinem Leisten bleiben.— Wie das arme, nun auch noch mit diesen Dingen geplagte Be⸗ zirksamt die Sache entscheiden wird, ist beinahe voraus zusehen, doch es steht zu hoffen, daß der Amboß härter sein wird als der Hammer.“ ö Dieser uns von bestunterrichteter Seite zuge⸗ gangene Bericht zeigt, daß man in Neukölln scheinbar i nur dann dem Wunsche der Mehrheit entspricht, wenn es sich um eine sozialistisch⸗kommunistische Mehrheis handelt. Andernfalls hat natürlich die Mehrheit sich der Minderheit zu beugen, weil ja sonst das„Gewissen“ der Minderheit verletzt werden könnte. Herr Dr Schminke hat schlauerweise vorher einen Beschlu des Bezirksamts herbeiführen lassen, dahingehend, daß „religibse Gebräuche nicht mit dem Schwesterndiensissalttett verquickt werden sollen.“ Der Herr Stadtmedizinalralsantel! steht nämlich auf dem Standpunkte, daß auch die Mit at tag tagsmahlzeit der Schwestern Dienst sei! ie Vo In seiner Sitzung vom 24. August hat nun der Ges ach meindekirchenrat der evangelischen Stadtkirchengemeisese Ind de Neukölln zu der Angelegenheit Stellung genomme ils de Ausgehend von der Tatsache, daß die Verfügung deze 0 m ha fen Me mal m 5. hurde. augen. U enf Jeaband bine N suf det holt! Jem das eil er ben U Bel an w ill we sas det läächtig ble sie alteil lehnt ihn ergisc lachen. sgenhe gen, uterpe Ang w egenüb sftalt Jobilise seg in Fedrüch feinen fohte, eanfl icht we iche Hlecklic erung lenthe e öh. und se „Ja, Ines; sie soll dabei sein!“ 2 „Und Nesi! Ich erzähl' ihr wieder von ihrer Mutter, was gensche ich von dir gehört habe;— was für ihr Alter paßt, Rudolf, nuß en vor das——“ A ged. Er konnte nur stumm noch nicken. legte „Wo ist Nesi?“ fragte sie dann;„ich will ihr noch einen Nög, Gutenachtkuß geben!“ enlose „Sie schläft, Ines,“ sagte er und strich sanft mit der Hang) aber über ihre Stirn.„Es ist ja Mitternacht!“ len 8 „Mitternacht! So mußt auch du nun schlafen! Ich abel daziersa — lache mich nicht aus, Rudolf— mich hungert; ich muß essen Rudo Urd bann, nachher, di. Wiege ver mein Vett; ganz nahe, Ru eine bi dolf! Dann schlaf' auch ich wieder; ich fühl's; gewiß, du kann enen ganz ruhig fortgehen.“ 1 burt Er blieb noch. esenen „Ich muß erst eine Freude haben!“ sagte er. Gestel „Eine Freude?“ Jen La „Ja, Ines, eine ganz neue; auf de —„O du!“ g unge — Und als ihm auch das geworden, trug er mit der Wüß C Nes terin die Wiege vor das Bett. ae; „Und nun gute Nacht! Mir ist, als sollte ich noch einmch e di in unseren Hochzeitstag hineinschlafen.“ e gan Sie aber wies glücklich lächelnd auf ihr Kind. — Und bald war alles still. Aber nicht der schwarze Tote baum streckte seine Zweige über das Dach des Hauses; aus fen nen goldnen Aehrenfeldern nickte sanft der rote Mohn de Schlummers. Noch eine reiche Ernte stand bevor. Und es war wieder Rosenzeit.— Auf dem des großen Gartens hielt ein lustiges Gefährt. ich will dich essen sehen!“ breiten Steig 80 1 Nero wa . Sonnab end, den 10. September 1927. ugenscheinlich avanciert; denn nicht vor einem Puppen-, son⸗ ein vor einem wirklichen Kinderwagen stand er angeschirrt und elt geduldig still, als Nesi an seinem mächtigen Kopfe jetzt e letzte Schnalle zuzog. Die alte Anne beugte sich zum Schirm ges Wägelchens und zupfte an den Kissen, in denen das noch amenlose Töchterchen des Hauses mit großen, offenen Augen % 9 ag; aber schon rief Nesi:„Hü, hott, alter Nero!“ und in würde⸗ it der A tollem Schritt setzte die kleine Karawane sich zu ihrer täglichen 30 ul spazierfahrt in Bewegung. 5 2 0 9 9 Nudolf und mit ihm Ines, die schöner als je an seinem 0 nüß une hing, hatten lächelnd zugeschaut; nun gingen sie ihren i fohe,(genen Weg; seitwärts schlugen sie sich durch die Büsche entlang 10 du bus Gartenmauer, und bald standen sie vor der noch immer ver⸗ ossenen Pforte. Das Gesträuch hing nicht wie sonst herab; n Gestelle war untergebaut, so daß man wie durch einen schat⸗ igen Laubengang hinangelangte. Einen Augenblick horchten i auf den vielstimmigen Gesang der Vögel, die drüben in der 0 Dann aber, 5 in dieser Protestkundgebung: 9„Der Gemeindekirchenrat versteht und teilt die durch diese Maßnahme in weiten Kreisen der Bevölke— ung entstandene Erregung. Er erblickt darin einen un⸗ berechtigten Eingriff in tiefinnerste und seelische Be— dürfnisse und Angelegenheiten rein privater Natur, eine erletzung ureigenster Rechte der christlichen Schestern— schaft, die an der frommen Sitte des Tischgebetes fest⸗ halten will, und erwartet von dem Bezirksamt Schutz 93 gen derartige Uebergriffe.“ 2 Man darf gespannt sein, was das Bezirksamt auf „diese ihm übersandte Entschließung antworten wird. „Sie ist mit dem gesamten Material von dem Kranken⸗ sllten, hausseelsorger dem Oberpräsidenten zugeschickt worden Amtes mit der Bitte um seine Entscheidung. Was die Schwe⸗ ür die ssternschaft betrifft, so mag Herr Dr. Schminke ruhig über e Et[das Tischgebet abstimmen lassen. Er wird dann sehen, ist die daß, abgesehen von einer oder zwei Schwestern, die Hern äbrigen alle das Tischgebet wünschen. das“ 3 Jewoll 0 u Auf der Warte. bei den Aller Augen richten sich in diesen Tagen wieder e, son einmal nach Genf, wo nach vorbereitenden Ratssitzungen Alam 5. Seotember die 10. Genfer Ratstagung eröffnet wurde. Die Staatsmänner sind wieder in Unterhand⸗ lungen getreten, übrigens eine charakteristische Tatsache in Genf, daß hinter den Kulissen meist wichtigere Sachen Poerhandelt werden als auf der öffentlichen Plattform. Eine Reihe Deutschland interessierender Punkte stehen auf der Tagesordnung.— Von der Ratstagung weg⸗ bestehe geholt wurde der belgische Außenminister Vandervelde, die El dem das Brüsseler Kabinett den Kopf zurechtsetzen will, lieblich weil er den Vorschlag gemacht hat, einen deutsch⸗belgi⸗ weft chen Antersuchungsausschuß über die Franktireurfrage 'oh nh in Belgien während des Weltkrieges usw. einzusetzen. abe und Man will die Wahrheit nicht ans Licht kommen lassen, Vesirtz will weiter das unschuldige Lämmlein markieren, über 0 a0 as der grimme deutsche Wolf hergefallen ist und es d darch mächtig zerzaust hat. Die Sache darf nun ausgehen, Wu lie sie will, Deutschland hat immer einen moralischen te sngen Vorteil, ob nun das Kabinett Belgiens den Vorschlag len wi ablehnt, sich dadurch in ein schiefes Licht setzend, oder ob 10 0 05 ihn billigt.— Anscheinend hat Frankreich Belgien lll energisch daran erinnert, o keine Dummheiten zu pn 0 achen. Dabei findet es selbst bei allen möglichen Ge⸗ cb 0 legenheiten die vornehme Geste, der aber keine Taten g 0 5 olgen, wie die Schlußrede Briands bei der Tagung der 1005 Interparlamentarischen Inion beweist.— Seine Stel⸗ 15 A ung wird, ganz ähnlich wie die Englands, Rußland icht daß gegenüber immer gespannter. Rußland veranstaltet als zei, ein uftaktschreckschuß zur Genfer Tagung eine kleine Probe⸗ nicht de nobilisation.— Erfreulich ist der neue deutsche Wahl⸗ ersuche seg im Memelland, den auch keine litauische Zensur und indheits Zedrückung verhindern konnte.— Litauen hatte einen logen leinen Grenzhandel mit Polen, das waffenstrotzend Vie 90 drohte, worauf Litauen umgehend nachgab.— Die agte B. dzeanflüge, die immer mehr zunehmen, haben bis jetzt e voraus zicht weniger als 25 Opfer gefordert, sodaß die ameri⸗ oß här anische Regierung ein Startverbot erwägt. Welch chreckliches Ende müssen doch die Flieger genommen ite zug haben, die tollkühn, nicht auf Berechnung, Wetterver⸗ scheinboß zältnisse usw. bauten, sondern auf ihr Glück.— Der cht, wel deutschen Regierung ist die Zurückziehung von 10 000 Mehrhen Mann Besatzungstruppen seitens der französischen Re⸗ stheit s gierung mitgeteilt worden.— Große Tagungen finden Hewisen allenthalben in Deutschland statt. Die größte dürfte Herr I die 66. Generalversammlung der Katholiken in Dort⸗ Bioschl nund sein, bei der das kommende Reichsschulgesetz aus⸗ hend, U ziebig in öffentlichen und nichtöffentlichen Sitzungen terndielh körtert wurde. Den Gegnern Wirth, Röder, Weiß⸗ dizinaln nantel will man energisch zu Leibe rücken.— In Frank⸗ die Me urt tagte der Reichsverband der Deutschen Industrie. die Vorträge der Industriegrößen, sowie des Reichs⸗ der be virtschaftsministers zeigen einerseits die schwierige Lage 1 eme der Industrie auf einer Reihe von Gebieten, anderer⸗ 110% fits den Willen, industriell Deutschland wieder seine i alte Weltstellung erringen zu helfen.— In Bad Dürk⸗ 10 0 9 eim haben sich die Vertreter des Weinbaus zum Deut⸗ Nutter, 9 Nudel foch eit „ hen och ungestörten Einsamkeit ihr Wesen trieben. ab on Ines' kleinen kräftigen Händen bezwungen, drehte sich der nit det chlüffel und kreischend sprang der Riegel zurück. Drinnen hör⸗ en sie die Vögel aufrauschen, und dann war alles still. um goth a ane Handbreit stand die Pforte offen; aber sie war an der Annenseite von blühendem Geranke überstrickt; Ines wandte id, lle ihre Kräfte auf, es knisterte und knickte auch dahinter; aber 9105 ie Pforte blieb gefangen. a de.„u mußtl“ sagte sie endlich inden e Nohl böpft zu ihrem Mann emporblickte. f Die Männerhand erzwang den vollen Eingang; dann legte Audolf das zerrissene Gesträuch sorgsam nach beiden Seiten mück. sie lächelnd und er⸗ 900 belle 8, gelb N 0 e—— költerung große Erregung hervorgerrufen hat, heißt es! hen Weinbaukongreß zusammengefunden. In Mainz „Evangelische Warte“ Euangelische Volksgemeinschaft, Ortsgruppe Höchst a. M. Nr. 37. Montag, den 12. September, abends 8 Uhr, im großen Saal des evangelischen Vereinshauses Höchst am Main, Rossertstraße 22* Oeffentlicher Vortrag des Herrn Lehrers Greb aus Weisenau über den Reithsschulgesetz-Entwurf. Anschließend Aussprache. Eintritt 30 Pfg. Alle Evangelischen, besonders die Freunde der Evangelischen Volksgemeinschaft, sind herzlich einge— laden. fand das 75jährige Jubiläum des Römisch⸗Germanischen Zentralmuseums statt. Am 10. September wird eine große Ausstellung eröffnet mit den Leitworten„Haus, Herd, Garten“. Dazu unternimmt der deutsche Auto— mobilklub eine Huldigungsfahrt zum Rhein. Blumen⸗ korso, Festzug usw. eröffnen die Festtage. Lohn und Kaufkraft. 1 Die Bewegung zur Steigerung der Lohnsätze, die seit Ansang des Jahres im Gange ist, ist nunmehr im allgemeinen beendet, da die neuen Tarifsätze in fast allen Arbeitsgebieten festgesetzt sind. Mit einer weite— ren Aenderung ist bis zum Herbst, für viele Arbeiter⸗ kategorien bis 1928, nicht zu rechnen. Es ist darum von Interesse, zu prüfen, inwieweit die neue Lohnbewegung eine Verbesserung des Lebensstandes mit sich gebracht hat. Nach einer Aufstellung, die der„Vorwärts“(374) veröffentlicht, sind die Stundenlöhne der gelernten Ar— beiter vom Januar bis Juli im Durchschnitt um 6,1 Prozent gestiegen(die niedriaste Steigerung hat die Brauindustrie mit 4,1 Proz., die höchste die Holzindu⸗ strie mit 12,5 Proz.) Die Stundenlöhne der ungelern⸗ ten Arbeiter stiegen durchschnittlich um 9,0 Proz. Die entsprechenden Zahlen für Wochenlöhne sind 6,1, resp. 6,5 Proz.; das bedeutet für die gelernten Arbeiter durch— schnittlich einen Gewinn von 2,81, für die Ungelern— ten 2,24% pro Woche. Diese Lohnsteigerung wird zum Teil durch die gleichzeitige Steigerung der Lebens⸗ haltungskosten aufgehoben(vom Januar bis Juni stieg der Lebenshaltungsindex um 2,1 Proz.). Wenn man die jetzigen Löhne mit dem realen Lohnniveau von An— fang 1926 vergleicht, so ergibt sich eine Steigerung von etwa 2—3 Prozent. Es muß allerdings bemerkt wer⸗ den, daß die aufgeführten Zahlen nur die Entwicklung der tariflichen Lohnsätze, nicht die der tatsächlichen Ver⸗ dienste kennzeichnen, die sich einer statistischen Erfas— sung entziehen. Die Wellklirchenkonferenz für Glaube und Kirchenordnung in Laufanne vom 3. bis 21. Auguft 1927. Am 3. August wurde die Weltkirchenkonferenz durch einen feierlichen Gottesdienst in der Kathedrale von Lausanne eröffnet. Die Konferenz erstrebt eine Er⸗ gänzung des Werkes von Stockholm. Handelte es sich dort darum, die Christen aller Bekenntnisrichtungen zu einigen in den Fragen der praktischen Betätigung des Christenglaubens im öffentlichen und privaten Leben, so ist es die Aufgabe von Lausanne, eine Vereinfachung der mannigfachen Ausprägungen und Formen herbei— zuführen, die die christliche Glaubenslehre im Laufe der Jahrhunderte und im Bereiche der verschiedenen Volks⸗ zugehörigkeit gefunden hat. Verstehen und Achtung der verschiedenen Kirchengruppen für⸗ und voneinan⸗ der und nicht Eifersucht und Kampf um das Vorrecht, Besprechung und nicht Wortstreit, das ist das Ziel der Kirchentagung. Die Konferenz ist von insgesamt 437 Vertretern christlicher Kirchen aus allen Völkern und Weltgegen— den beschickt. Da sieht man im Zuge, der sich von der Vor ihnen schimmerte jetzt in hellem Sonnenlicht der Kies⸗ weg; aber leise, als sei es noch in jener Mondnacht, gingen sie zwischen den tiefgrünen Konifern auf ihm hin, vorbei an den Zentifonien, die mit Hunderten von Rosen aus dem wuchern⸗ den Kraut hervorleuchteten, und am Ende des Steiges unter das verfallene Rohrdach, vor welchem jetzt die Klematis den ganzen Gartenstuhl besponnen hatte. Drinnen hatte, wie im vorigen Sommer, die Schwalbe ihr Nest gebaut; furchtlos flog sie über ihnen aus und ein. Was sie zusammen sprachen?— Auch für Ines war jetzt heiliger Boden hier.— Mitunter schwiegen sie und hörten nur auf das Summen der Insekten, die draußen in den Düften spiel⸗ ten. Vor Jahren hatte Rudolf es schon ebenso gehört; immer war es so gewesen. Die Menschen starben; ob denn diese kleinen Musikanten ewig waren? „Rudolf, ich habe etwas entdeckt!“ begann jetzt Ines wie⸗ der.„Nimm einmal den ersten Buchstaben meines Namens und setz' ihn an das Ende! Wie heißt er dann?“ „Nesi!“ sagte er lächelnd.„Das trifft sich wunderbar“ „Siehst du!“ fuhr sie fort;„so hat die Nesi eigentlich meinen Namen. Ist's nicht billig, daß nun mein Kind den Namen ihrer Mutter erhält?— Marie!— Es klingt so gut und mild; du weißt, es ist nicht einerlei, mit welchem Namen die Kinder sich gerufen hören!“ Er schwieg einen Augenblick. „Laß uns mit diesen Dingen nicht spielen!“ sagte er dann und sah ihr innig in die Augen.„Nein, Ines; auch mit dem Antlitz meines lieben kleinen Kindes soll mir ihr Bild nicht übermalt werden. Nicht Marie, auch nicht Ines— wie es Der Vorstand der Evangelischen . Volksgemeinschaft, Ortsgruppe Höchst a. M. Kathedrale zur Universität, deren Aula als Sitzungs⸗ gebäude dient, begibt, die Abgesandten der orientali⸗ schen Kirchen in ihren prachtvollen altertümlichen Ge— wändern neben den schlichtgekleideten Vertretern eng— lischer Freikirchen, hohe kirchliche Würdenträger neben den Laien. 50 verschiedene Länder und insgesamt mehr als 90 Kirchengruppen sind beteiligt. Viele von den Führern und Teilnehmern, die auf der Stockholmer Konferenz durch besondere Verdienste und Leistungen hervortraten, trifft man auch in Lausanne wieder an. Die deutsche Delegation zählt insgesamt etwa 60 Mit⸗ glieder. Der deutsche evangelische Kirchenausschuß ist auf der Konferenz nicht offiziell vertreten, weil seine Verfassung ihm verbietet, Fragen der Lehre und Kir⸗ chenordnung von sich aus zu regeln. Auch die Kirchen von Schweden und Holland sind nicht amtlich vertreten, 9015 daß indessen die Arbeit dadurch beeinträchtigt wird. Das große Gebiet der zu erörternden Gegenstände gliedert sich in 7 Hauptfragen: 1. Der Ruf nach Ein⸗ heit; 2. Das Evangelium als Botschaft der Kirche an die Welt; 3. Das Wesen der Kirche; 4. Das gemeinsame Glaubensbekenntnis der Kirche; 5. Das Amt der Kirche; 6. Die Sakramente; 7. Die Einheit des Christentums und seine Beziehungen zu den bestehenden Kirchen. Nach dem Eröffnungsgottesdienst, gehalten von Bischof Brent von Newyork, dem Anreger und Präsi⸗ denten der Konferenz, dem Führer der amerikanischen Episkopalkirche und nach den offiziellen Begrüßungen wurden die einzelnen Themata in Angriff genommen, die in besonderen Kommissionssitzungen vorbereitet sind. Von einem Programmpunkt zum andern steigern sich die Schwierigkeiten, denn die Verschiedenheit der Kir⸗ chengruppen und Nationalitäten tritt immer stärker hervor. Besonders heftig ist das Ringen um die Frage des gemeinsamen Glaubensbekenntnisses. Es bestehen da zwei Möglichkeiten: Entweder die vorhandenen Glaubensbekenntnisse bleiben als Grundlage bestehen, oder es wird eine neue, den heutigen Forderungen und Ausdrucksformen entsprechende Bekenntnisformel ge⸗ funden. Beide Möglichkeiten finden ihre Verteidiger und Gegner. Eine Verluftrechnung. Das Institut für Konjunkturforschung stellt fort⸗ laufend fest, welche Verluste an Arbeitsstunden durch Arbeitskämpfe und durch Arbeitslosigkeit der deutschen Wirtschaft entstehen. Nach diesen Zusammenstellungen gingen an Arbeits stunden verloren(in Millionen Arbeitsstunden): durch Arbeftslosigkeit durch Arbeits⸗ und Kurzarbeit kämpfe 1925 1633 136 1926 5 778 10 1927(1. Vierteljahr) 1297 2 Wenn man den durchschnittlichen Tagelohn mit 5,50 l berechnet, so ergeben sich folgende Verlust an Arbeitseinkommen: Millionen Mark Arbeitseinkommen (1. Quaru, 1925 1926 1927 durch Arbeitslosigkeit 1122 39 65 891 durch Arbeitskämpfe 93,5 6,91 12 deine Mutter wünschte— darf das Kind mir heißen! Auch Ines ist für mich nur einmal und niemals wieder auf der Welt.“— Und nach einer Weile fügte er hinzu:„Wirst du nun sagen, daß du einen eigensinnigen Mann hast?“ „Nein, Rudolf; nur, daß du Nesis rechter Vater bist!“ „Und du, Ines?“ „Hab nur Geduld;— ich werde schon dein rechtes Weib!— Aber—“ „Ist doch noch ein Aber da?“ „Kein böses, Rudolf!— Aber— wenn einst die Zeit da⸗ hin ist— denn einmal kommt ja doch das Ende— wenn wir alle dort sind, woran du keinen Glauben hast, aber vielleicht doch eine Hoffnung,— wohin sie uns vorangegangen ist; dann“ — und sie hob sich zu ihm empor und schlang beide Hände um seinen Nacken.—„schüttle mich nicht ab, Rudolf! Versuch' es nicht; ich lasse doch nicht von dir!“ Er schloß sie fest in seine Arme und sagte:„Laß uns das Nächste tun; das ist das Beste, was ein Mensch sich selbst und anderen lehren kann.“ „Und das wäre?“ fragte sie. „Leben, Ines; so schön und lange, wie wir es vermögen!“ Da hörten sie Kinderstimmen von der Pforte her; kleine zum Herzen dringende Laute, die noch keine Worte waren, ein ein helles„Hü!“ und„Hott“ von Nesis kräftiger Stimme. Und unter dem Vorspann des getreuen Nero, behütet von der alten Dienerin, hielt die fröhliche Zukunft des Hauses ihren Einzug in den Garten der Vergangenheit. — Ende.— — r— — rr 3 1 ö 5 4 3 1 0 — 22——— — S 5 San Sonnabend, den 10. September 18 Diese Zahlen beweisen, welche schwere Belastung die Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit einerseits, die in letzter Zeit erfreulicherweise sehr zurückgegangenen Ar⸗ beitskämpfe andererseits, für die gesamte Volkswirt⸗ schaft sowohl für den Unternehmer, als auch besonders für den Arbeiter bedeuten. Verschiedenes. Die Landflucht. Die schon früher beobachtete Landflucht ist auch durch den Krieg nicht rückläufig geworden. Vielfach ist die Abwanderung aus den ländlichen Gebieten so stark, daß hier und da bereits ein empfindlicher Mangel an Arbeitskräften besteht. Nach Angaben der preußi⸗ schen statistischen Landesamtes über die Binnenwan⸗ derung wiesen alle Provinzen Preußens ohne Aus⸗ nahme einen Wanderverlust der ländlichen Bevölke⸗ rung auf, Ostpreußen 226 000, Niederschlesien 149 000. Pommern 137 000, Sachsen 136 000 und Hannover 107 000. Hingegen zeigen die Großstadtgebiete erheb⸗ liche Wanderungsgewinne. An der Spitze steht Groß⸗ Berlin mit 648 000(nahezu die Hälfte des Wander⸗ gewinnes!) Die Rheinprovinz folgt mit 276000, West⸗ falen mit 132 000. Die Presse erörtert die Frage nach dem Anteil der sozialen Verhältnisse der Landarbeiter⸗ schaft an dieser Erscheinung. Nach den„Dresdener Nachrichten“(Nr. 341) „Evangelische Warte“ sollen im sächsischen Kata⸗ strophengebiet die landwirtschaftlichen Arbeiter in großen Mengen ihre Arbeitsstellen verlassen haben, um sich von Bauunternehmern für die Wiederaufbau⸗ arbeiten engagieren zu lassen. 200 Jahre Brüdergemeine. Am 13. August waren 200 Jahre seit der Gründung der Brüdergemeine verflossen. Der Ursprung dieser, innerhalb der evangelischen Kirche selbständigen Reli⸗ gionsgemeinschaft liegt in der„Unität der bößmischen Brüder“ und beim Grafen Zinsendorf. Die Reste dieser böhmischen Brüder hatten sich im Jahre 1722 auf der Besitzung des Grafen in der Oberlausitz niedergelassen. Herrnhut war der Name dieser Siedlung, ein Name, der nachher auf die Siedler selbst überging. Im Mai 1727 schlossen sie sich zu einer Gemeine auf Grund brü⸗ derlicher Rebe und gegenseitiger Unterordnung. Am 13. August desselben Jahres wurde ihnen, beim Abend⸗ mahl, das Bewußtsein der Zusammengehörigkeit als Gemeine ganz besonders lebendig. Und so begehen sie diesen Tag als den Gründungstag der Brüdergemeine. Sie stehen heute in enger Verbindung mit der evange⸗ lischen Kirche. Friedrich Wilhelm J. siedelte im Herbst 1732 die ersten aus ihrer Heimat vertriebenen Böhmen in Ber⸗ lin an. 1737 erhielten sie ihre eigene Kirche in Berlin (Mauerstraße). Der größere Teil von ihnen aber wurde vor den Toren Berlins, in Rixdorf(heute Neukölln) angesiedelt. So entstand 1737 das Dorf Böhmisch⸗ Rixdorf(im Gegensatz zu Deutsch-Rixdorf). Noch heute ist ein Rest dieses alten Böhmisch⸗Rixdorf inmitten des modernen Neuköllns erhalten, eine friedliche, stille Oase im Hasten und Jagen der Großstadt. Dem Dank der Böhmen für ihre Aufnahme durch Friedrich Wilhelm. gibt ein schlichtes Bronze-Denkmal des Königs inner⸗ halb des„böhmischen Dorfes“ Ausdruck, das sie im Jahre 1912 errichten ließen. Aus unserer Bewegung. Ortsgruppe Mainz der Evangelischen Volksgemeinschaft. Unsere nächste Monatsversammlung findet am Freitag, den 16. September 1927, abends 8 Uhr, im großen Saale des Evan⸗ gelischen Vereinshauses, Schießgartenstraße, statt. An diesem Abend wird unser Reichsgeschäftsführer, Herr Pfarrer Weidner, anwesend sein und sprechen über:„Die politische Lage in Hes⸗ sen vor den Wahlen“. Wir bitten daher um vollzähliges Erscheinen. herzlich willkommen. Gäste sind Schotten, 6. September. Pfarrer Weidner sprach am letzten Sonntag Ulrichstein, Köddingen und Helpershain, Ausführlichere Berichte folgen. 1 0 9 N 2. i SS e S. SSS S e α,,ũç]̊ cee.. e e e= Was bringt mich vorwärts. Liebe Luise!— schrieb Lavater an seine Tochter:— Was nicht aus dem Innersten des Herzens kommt, nicht lebendiger, geistiger, edler macht, das ist nicht für uns. Werde immer fro her deines Glaubens, deiner Hoffnung, deiner Liebe, froher dei⸗ nes Gottes und deiner Ansterblichkeit durch stilles, frohes Auf⸗ sehen auf den, der da war, ist und sein wird! Vor vergeblichen, zwecklosen Gesprächen hüte dich! Beantworte dir die Farge: was beunruhigt mich? und was beruhigt mich? Was ver⸗ dunkelt und was erheitert mein Gemüt? Was kann in mir mei⸗ nem himmlischen Freund gefallen oder nicht gefallen? Laß kei⸗ nen Tag ohne gute Taten hingehen und zeichne ausgezeichnete Tage durch irgend etwas aus, das dir das Andenken an dieselben lieblich machen kann! Hasse an dem Freund das Böse und ver⸗ teidige die Unschuld gegen die Verleumder! Suche die Ge⸗ meinschaft mit Weiseren, mit Wohldenkenden und Edelsten! Freue dich immer mehr, eine Mitgenossin dessen zu sein, der da tot war und Er lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit! * Arbeit oder Vergnügen— was ist vergnüglicher? „Glauben Sie mir, das Leben und die Arbeit hier im Fa⸗ briksaal ist tausendmal kurzweiliger als der öde Betrieb auf den Fünf⸗Uhr⸗Tees und den Tanzabenden.“ Diesen Bescheid gab eine einfache Arbeiterin Neuyorker Zeitungsspähern zur Antwort, als diese sie aufsuchten. Die Arbeiterin ist((aut einer Meldung des„Tags“) die 18jährige Ellinor Dorrance, die bru⸗ derlose einzige Tochter eines Konservenfabrikanten, den man Suppenkönig heißt. Sie meldete sich als einfache Arbeiterin in der Fabrik ihres Vaters an, ohne dies ihren Eltern zu sagen, und erklärte dann, nachdem sie durch die besagten Zeitungsspäher endlich entdeckt war, das vorhin Gesagte, und fügte hinzu:: FEC(C q cCcccCcCcococcocßcece Börsenberatung sachlich, gewissenhast, durch langjährig B erfahrenen Verliner Börsenfachmann bei mäßiger Gewinnbeteiligung. Jos. Cassel, Börsenremisier Berlin⸗Neukölln,[Emserstraße 62. FRANKEURTA NM 2 eee WEINE * ebon 1849 0 5 8 zur Wahrnehmung unserer Interessen in Gießen und Umgebung gegen Vergütung gesucht. Pensionierte bezw. abge baute Beamte bevorzugt. Beamten-Kredit-Ges. m. b. h. Filiale Frankfurt am Main. Kaiserstraße 72. T. ͤ ͤ—-t—: PPPPPPPPPPPPPPTPTPTPTPTPTTTTTTTTT—T—T—T—T—T SSS SSS SSS SSC C e C e i αιαιαα Im Familien 2 habe keine Brüder, die meines Vaters Werk fortsetzen könnten; also muß ich einspringen. Ich will mich gründlich in den Betrieb einleben, damit mir später niemand etwas vormachen kann.“— Dieser Bericht sieht nach etwas Besonderem aus; aber ist nicht in der Tat ein arbeitsloses Leben voll Vergnügen die Hölle? Christenleben daheim. Sir Rowland Hill, ein frommer und berühmter Prediger, hat gesagt:„Ich gebe keinen Pfennig für die Frömmigkeit eines Mannes, wenn es nicht sein Hund oder seine Katze bei ihm besser haben von dem Tage an, wo er bekehrt hat.“— Das ist ge⸗ wiß ein treffendes Wort; was aber doch noch weit wichtiger ist, das ist dies, daß die Menschen in der Umgebung eines Menschen nach dessen Bekehrung— es besser haben als zuvor. Aber hier hapert es oft. Wer sich getroffen fühlt, der bessere sich! Es wird ihm selbst und den Seinen wohl tun! — a eee Leue Bücher. Die Mischehenfrage. Ein Lehrgang in Verbindung mit Dr. Hermann Müller, Theodor Hermann, Fritz von der Heydt her—⸗ ausgegeben vom Württembergischen Hauptverein des Evange⸗ lischen Bundes durch dessen Vorsitzenden und Freund unserer E. V. Dr. Hermann Mosapp, Oberschulrat. 68 S. brosch. 1.— l. Quell⸗Verlag der Evang. Gesellschaft, Stuttgart. Diese Vor⸗ träge wurden bei einem Mischehenlehrgang im Mai ds. Is. ge⸗ halten und auf Wunsch des Evang. Bundes herausgegeben um sie auch weiteren Kreisen zugänglich zu machen. Bei der Bedeu⸗ tung, welche der Mischehenfrage in gegenwärtiger Zeit zukommt, ist die allgemeine Verbreitung der Vorträge nur zu wünschen. Der christliche Erzähler. Ein literarisches Unterhaltungs- blatt für die christliche Familie. Unter Mitwirkung namhafter 2 verschiedene ständig am Lager Albin Klein, Gießen vorm. WMW. Keller, gegr. 1783 Südanlage 21 Mehr als 1200 Formulare für Behörden, andere Amtsstellen, für Vereine und Körperschaften, sowie auch für alle Geschäftsleute Schriftsteller und Schriftstellerinnen herausgegeben von Fr. A. Böhme, Fr. Pferdmenges und G. und W. Schlipköter. Mit Kunstbeilage. 14tägig. Preis jeder Nummer 30 Pfg. Zuzüg⸗ lich Porto.— In Nr. 32 unserer„Evang. Warte“ wiesen wit unsere Leser auf das evangelische Unterhaltungsblatt„Der christ⸗ liche Erzähler“ hin, dessen erste Nummer damals erschienen war, Inzwischen sind die beiden nächsten Nummern erschienen. Was Nr. 1 versprach, das halten Nr. 2 und 3. Es gibt ja heute eine Unmenge von Unterhaltungsblättern. Sie bieten sich uns alle an. Wir wollen jedoch Wert legen auf evangelische Literatur Haben wir eine Zeitschrift, die uns die Gewähr bietet, nut evangelische Schriftsteller zu bringen, dann wissen wir, daß uns eine gute, unserem Denken entsprechende Geisteskost geboten wird, und wir haben die Pflicht, ein solches unternehmen zu unterstützen. Darum empfehlen wir, einen Versuch durch Be— stellung der ersten bis jetzt erschienenen Hefte zu machen. Aus dem Versuch wird sicher eine dauernde Freundschaft werden. Hr. Gegenreformation einst und heute(Heft 1) im deutschen Volks- und Staatsleben. Von Dr. Gerhard Ohlemüller, 36.45. Tausend. 90 Seiten. 1... Heft 3: Aeußere Ge⸗ schäftigleit und innerer Fortschriftt im heutigen Katholizismus, Von G. O. Sleidan. 7.—12. Tausend. 48 Seiten. 050. Deutschland und der Vatikan. Von einem Deutschen. 91 Seiten, Aus einer Serie von Büchlein, die der Säemann-Verlag, Berlin W. 10, herausgibt, liegen die obigen drei vor mir. Man weiß nicht, welchem man den Vorzug geben soll. Diese Büchlein gehören in jede evangelische Bibliothek. Ganz besonders aber muß sich der politisch interessierte Evangelische damit beschäfti⸗ gen. In scharfsinnigen Betrachtungen gelangen die Verfasser an die Quellen, haben mit enormem Fleiß zahlreiches Mate⸗ rial gesammelt. Bezeichnend für den Wert der Büchlein ist, daß, aus der weiteren Serienfolge mehrere Hefte vergriffen sind. Wir empfehlen warm die Anschaffung der oben angeführten Hefte. G. Evangellsche unterstützt uns evang Buchhandlung durch Bestellung v. Büchern u. Zeitschriften. Jeste Bestellungen von 3. Mk. an werden pot frei ausgeführt, Wart burgbuchholg. Mainz, Hy polheken zu äußerst günstigen Bedingungen z. verge, ben. Auf Wunsch eutl. sofort. Gewährung v. Zwischen⸗ Krediten. F. W. Weber, Frankfurt am Matz Neckarstraße 9. 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