Evangelische Warte Organ der Evangelischen Volksgemeinschaft Hauptschriftleiter: Edwin Hamburger in Staden(Oberhessen). Verantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger, für den Unterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz. Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. Erscheint Sonnabends.— Bezugspreis 50 Pfennig monatlich. Abonnements⸗ und Anzeigen⸗Annahmestelle Druck und Verlag Albin Klein, Gießen, Südanlage 21 Fernspr.: Nr. 1145 u. 1362 Postscheckk.: Nr. 44 332 Frkft./ M. Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg., am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen Vergünstigung. . Jahrgang. Sonnabend, den 9. Juli 1927. Nummer 28 Parität. Von Edwin Hamburger. Eine verbreitete Klage, die eben viel aus den Kreisen unserer evangelischen Bevölkerung verlautbart wird, ist die über fehlende Parität. Das Wort selbst stammt ja aus dem Sprachgebrauch des Zentrums. Im alten deutschen Reiche hat das Zentrum immer über die fehlende Parität geklagt. Zum ersten Male war es im Jahre 1896. Damals forderte man Parität in der Beamtenschaft und in den Lehrkörpern der höheren Schulen. Man versteht darunter die Art von Stellen— besetzung, bei der die Beamten dem konfessionellen Ver⸗ hältnis der Bevölkerungszahl, die Lehrer dem konfes⸗ sionellen Verhältnis der Schülerzahl entsprechen. Die- ses forderte das Zentrum in einer Zeit, da es glaubte, benachteiligt zu sein. Jeder, der sich an die Reden der Zentrumsabgeordneten von früher noch erinnert, hat erwartet, daß jetzt, wo das Zentrum in der Regierung sitzt, es zeigt, wie man die Parität genau einhält. 5 Einen Landtagsabgeordneten des hessischen Land— tags hörte ich einmal sagen, daß die Beamten des Ju— stizministeriums und des Ministeriums des Innern fast nur Zentrumsleute seiens Es fehlt mir die genaue Nachprüfung dieser Behauptung. Hessen ist 1 katholisch und 25 evangelisch. Wo bleibt denn nun die vom Zentrum früher so sehr gewünschte Parität? Wenn es früher so zeterte, so hat es jetzt Zeit gehabt, es besser zu machen. Sollte das obige Verhältnis in den bei⸗ den Ministerien stimmen, so begeht ja das Zentrum denselben Fehler, um den es einmal so gejammert hat. Es nützt seine erreichte Macht gründlich aus und ge— braucht sie zur Unterdrückung der evangelischen Bevöl— kerung. 1 Doch ich will nicht nur von Hessen reden. Aus der krheinischen Beamtenschaft sind ja ebenfalls schon viele Klagen über die Gewaltpolitik des Zentrums bei der Stellenbesetzung laut geworden. Dort haben sich die evangelischen Beamten in besonderen Organisationen zusammengeschlossen, um ihre Interessen zu vertreten. Auch dort hört man, wie die Verwaltungsstellen mehr und mehr mit Zentrumsleuten besetzt werden. Die evangelischen Beamten werden systematisch verdrängt. uch da fehlen leider die Zahlen. Anders steht es im Schulwesen. Dort gibt es eine Paritätsstatistik, die uns genauen Aufschluß bietet. Die nachfolgenden Ta— bellen sind dem„Evangelischen Rheinland“ entnom⸗ men und geben uns Einblick in die Parität an höheren Schulen der Rheinprovinz. In Spalte I sind die Namen der untersuchten An— stalten zu finden, in den Spalten II und III ist die Im⸗ parität zuungunsten der Evangelischen in den Jahren 18 1925 und 1926 gegenübergestellt. Das Minus bei den einzelnen Anstalten zeigt an, wieweit evangelische Stu— dienräte bezw. Studienräte und Assessoren zu wenig vorhanden sind. Besonders wichtig sind auch die Unter— suchungen über die Parität im Saargebiet. 1 II(4925)] III(4926) Stu⸗ Stu⸗ Stu- Stu⸗ dienrat Idienr. u.] di dienr. u. nr 197005 dienrat Assessor Anstalt Bemerkungen Aachen, Oberreal— schule 2. Düsseldorf Oberk. Gymnasium 3. Elberfeld, Ober⸗ realschule Süd Essen, Krupp⸗ Oberrealschule 5. Hamborn, Real⸗ gymnasium „Essen, Viktoriasch. Saarbrücken, Oberrealschule— Saarlouis, Gymn.— —3 72— 3,4 0—2⁰ 3,—28 400—4ůõ0 2-9 37 —4,ů8 —356 unterstehen der Saarregierung Diese Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Wir lernen aus ihnen die Ungerechtigkeit erkennen, die heute die evangelische Bevölkerung dulden muß. Hier liegen nicht übersehbare Gründe für alle Evangelischen, sich politisch fest zusammenzuschließen. Doch wenden wir uns noch den folgenden Tabellen zu, welche uns die Zahl der Schüler und die der Lehrer gegenüberstellen. Rheinland und Saargebiet sind da— bei berücksichtigt. Die Zusammensetzung der Schülerzahlen war fol— gen: Schüler und Schülerinnen ev. u. diss. 20087 1727 Madchen] Igeinland 7 5 Rheinland] 39338 Insgef Saar 2557 N Rheinland und Saar —4.2 1 357 —0.⁴ Bemer⸗ kungen 5 jüd. kath. sonst. 35883 1595 2862 90 8120 1067 692 69 44003 2662 3554 159 Rheinland Knaben Saar 41895 2821 Demgegenüber stehen folgende Zahlen in der Be— setzung der Lehrerstellen: g Feste Stellen Stellen insgesamt Ergebnis Ergebnis e Knaben(Rhld.) 3,4 89, 26,5] 38,3 145,1 Knaben(Saar) 5, 6 19 3,7 50 Mädchen(Rhld.)] 9,8] 321 22,3 40 3647 Mädchen(Saar)— 5,9 5,9 0, Knaben n. Mäd⸗ chen(Rhld.). 73,2 Knaben u. Mäd⸗ chen(Saar) 7. Knaben u. Mäd⸗ chen(Rhld.u. Saar) 78, 47557 1875 1 15 Sk ge er- 12² 0 1352 135,2 488 42,3 S 132 4, 56/6] 46,5 Sehen wir uns die Zahlen unter 1. und 3. an, so ergibt sich, daß wir Evangelischen an den Knabenanstal— ten 145,1 und an Mädchenanstalten 64,3 Stellen zu we⸗ nig haben. Im ganzen(siehe unter 5.) 209,4 Stellen! Nehmen wir die Zahlen des Saargebiets hinzu (unter 2. und 4.), so wächst diese Benachteiligung sogar auf 220,1. Stellen. Das„Evangelische Rheinland“ schreibt hinter die— ser Statistik folgende sehr richtigen Worte: „Daß das ganz untragbare Verhältnisse sind, brauchen wir nicht mehr zu betonen; das müßten aber unsere Abgeordneten, namentlich auch die in den städtischen Parlamenten, verstanden haben und energischen Sturm dagegen laufen. Wann werden sie es endlich tun?“ Wir wollen dem Blatt die Antwort darauf geben. Die evangelischen Abgeordneten wissen diese Tatsachen ganz genau. Aber sie gehören Parteien an, die mit dem Zentrum Kuhhandel treiben. Die Paritätsfragen interessieren diese Parteien nicht, sondern nur das Wohlergehen gewisser wirtschaftlicher Interessengrup⸗ pen. Solange die evangelische Bevölkerung von den evangelischen Abgeordneten dieser Parteien eine Besse— rung in der Paritätsungerechtigkeit erhoffen, können sie noch sehr lange warten. Wahrscheinlich werden sie es nie erleben. Darum muß sich unsere evangelische Bevölkerung mit ihrer Beamten- und Lehrerschaft end— lich daranmachen, sich politisches Recht zu erwerben. Ohne die parteimäßige Sammlung wird das nicht möglich sein. Ist oben gefragt:„Wann werden sie(die evangelischen Abgeordneten) es endlich tun?“, so kann die Antwort nur lauten:„Wenn alle bewußt evange— lischen Abgeordneten sich in der Evangelischen Volks⸗ gemeinschaft zusammengefunden haben. Die Deutschnationalen und das Konkordat. In Nr. 26 vom 29. Juni 1927 der„Deutsch-Evan⸗ gelischen Korrespondenz lesen wir das Folgende: Der„Sächsische Volksbote“, deutschnationales Nachrichtenblatt für Sachsen, brachte in Nr. 20 vom 15. Mai des Jahres einen kurzen Aufsatz:„Die Konkordats⸗ frage“, der offenbar beruhigend, um nicht zu sagen, ein⸗ schläfernd wirken und auf die Losung hinlenken sollte: Erst ein Reichsschulgesetz, dann erst die etwaige Erörte— rung über ein Konkordat! Es hieß da am Schluß: „Der Entwurf(zum Reichsschulgesetz) wird unmittel⸗ bar nach Pfingsten dem Reichstage zugeleitet werden zur verfassungsmäßigen Verabschiedung. Damit ent⸗ fällt für die katholische Kirche der wesentlichste Grund, ein Reichskonkordat zu wünschen(wie naiv!). Wir bit⸗ ten unsere Freunde, sich weder durch die Werbearbeit des Evangelischen Bundes, der an dieser Frage neuen Auftrieb sucht, noch durch die Ausstreuungen politischer Gegner beirren zu lassen.“ Nachdem gegen diese un— begründete und an den Haaren herbeigezogene Verdäch⸗ Die Leiden dieser Zeit. Nömer 8,18. Ich halte dafür, daß dieser Zeit Leiden der Herrlichkeit nicht wert sei, die an uns soll offenbart werden. Kennst Du die Leiden dieser Zeit? Wie mancher hat nichts vom Leid weder in der Kriegs- noch in der Inflationszeit be merkt. Dazu kam die schwere wirtschaftliche Not. Wie traurig ist es doch, wenn man in der Zeitung liest, daß ein Arbeits— loser sich erschossen hat. Er war gewohnt, sein Leben in Fleiß und Arbeit zuzubringen. Nun hat er Arbeit gesucht und fand leine. Dem Menschen bekommt bekanntlich nichts schlechter als ohne Beschäftigung und Arbeit zu sein. Ich habe Gelegenheit, inen kleinen Jungen zu beobachten. Er treibt oft die gefähr— lichsten und tollsten Dinge. Am artigsten ist er, wenn er mit einer kleinen Kraft irgend etwas helfen kann. Wie die Kin— der artig sind, wenn sie Beschäftigung haben, so ist auch der Er— wachsene unglücklich, wenn er arbeitslos ist. Wie sind diese Leute zu bedauern! Oder wer hat das Elend in den Kranken— häusern gesehen? Dazu die Blöden, Schwachsinnigen, Fall⸗ süchtigen, Geisteskranken. Welch ein Elend gibt es doch in un— erer armen Menschheit! Nehmen wir nun an, wir könnten von einer Höhe aus den ganzen Jammer der Welt übersehen. Diesen Anblick vermöchte keiner von uns zu ertragen. Wer dies oder jenes an Traurigem erlebt hat, der kann ja etwas mitsprechen, wenn vom Leide die Rede ist. Der Apostel Paulus hat manches Schwere und Harte erragen müssen. Dazu hat er das alles erduldet bei der Wirk- sumkeit für eine Gottessache. Wie schwer muß das für ihn ge— nesen sein! Doch wundern wir uns über seinen getrosten Mut. Er hatte eine Hoffnung, die ihn überwinden half. Hoffnung Hacht getrost. Ohne Hoffnung wird ein Leid erst zum Elend. 1 Darum wollen wir hoffen, wenn wir Schweres zu tragen haben. Aber worauf wollen wir denn hoffen? Wir hoffen, daß wieder bessere Zeiten kommen, in denen es weniger Leid gibt, die Menschen sich glücklicher fühlen. Aber davon redet man ja in allen Zeiten. Darauf vertröstet ein Geschlecht das andere. Die Sozialdemokraten haben ihren geduldigen An— hängern den Zukunftsstaat verheißen. Wenn sie erst in der Re⸗ gierung wären, dann sollte alles besser werden für die arme leidende Menschheit. Nun hatten sie die Regierung, nun hatten sie die Gelegenheit. Der Zukunftsstaat ist nur für die Führer gekommen. Die armen Wähler sind heute noch arm, arbeitslos, Proletarier wie ehedem. Wie stehen wir evangelische Christen zu dem Leid auf dieser Erde 2 Sicher wollen wir davon lindern, was wir können. Denken wir an die ausgedehnte Wohlfahrtstätigkeit unserer evangelischen Kirche. Was hat die Anstalt Bethel an vielen Fallsüchtigen schon getan, in 54 Anstalten der evangelischen Kirche ist schon vor dem Kriege für Verkrüppelte gesorgt worden, in 500 evangelischen Erziehungsanstalten werden Kinder vor der Verwahrlosung gerettet, in 53 Diakonissenhäusern werden die Schwestern für Krankenhäuser und Gemeinden ausgebildet, in 460 Herbergen zur Heimat wird den Brüdern von der Landstraße eine wohltuende Unterkunft geboten u. a. m. Das soll und muß auch weiterhin geschehen. Ja es gibt heute noch viele andere Gebiete, um die sich echte christliche Nächstenliebe zu kümmern hat. Wir haben für alle Mühseligen und Beladenen, für alle Unrechtleidenden und Unterdrückten zu sorgen. Wir wollen von dem Berge des Elends Körnlein um Körnlein abtragen. Und wenn uns jemand fragt: warum wir diese undankbare Mühe übernehmen, dann wollen wir ihm mit dem Apostel antworten: „Die Liebe Christi dringet uns also!: Doch in einem unterscheiden sich Christen und Materialisten streng von einander. Der nicht gekommene sozialistische Zu— kunftsstaat, die Versprechungen des kommunistischen Paradieses beziehen sich immer nur auf diese Welt. Mit menschlichen Mit⸗ teln wollen beide alles Elend auf Erden wenden. In dem in Hannover herausgegebenen„Volkswillen“ stand in der Nummer vom 1. Mai 1914 zu lesen:„Nichts wird euch mangeln, keine irdische Pracht gibt es, die Euer Auge nicht schaut. Fragt ihr aber, wer Euch solches bringen wird? Nun: Einzig und allein nur der sozialdemokratische Zukunftsstaat. Er ist die Erfüllung unserer kühnsten Träume! Was je Euere Herzen ersehnt, was Euer Mund erwartungsschauernd in stammelnde Worte geklei⸗ det! Dann habt Ihr das leibhaftige Evangelium des Menschen⸗ glücks auf Erden.“ Wir sehen, hier wird ein Glück verheißen, das auf Erden nicht möglich ist. Nur Kurzsichtige und Unkluge kann man mit solchen Verheißungen verdummen. Der Christ hat ja noch einen anderen Trost. Er weiß, daß hier auf Erden alles nur Stückwerk sein kann. wir im Jenseits. Dort gibt es auch jenen Ausgleich, den der Herr Jesus in seiner Erzählung vom reichen Manne und dem armen Lazarus uns so lebendig vor Augen führt.„Gedenke, Sohn, daß du dein Gutes in deinem Leben empfangen hast, Lazarus dage⸗ gen hat Böses empfangen. Nun aber wird er getröstet, und du wirst gepeinigt.“ Das ist auch die große gewisse Hoffnung des Apostels Paulus. Der Christ ist in allem Erdenleid durch diese Hoffnung ge⸗ trost. Schon hier fühlt er etwas von der Herrlichkeit, die in ihrer ganzen Fülle drüben soll an uns geoffenbart werden. Mögen die Materialisten darüber spotten, wir Christen wissen, was wir an dieser Hoffnung haben. Ernten werden wir mit Freuden, was wir weinend ausgesät; jenseits reift die Frucht der Leiden, und des Sieges Palme weht. Unser Gott auf seinem Thron, Er, er selbst ist unser Lohn; Die ihm lebten, die ihm starben, bringen jauchzend ihre Garben. Amen. Die Vollkommenheit erwarten, 1 ö N ö 1 9 3 1 ö 1 —.— —— Sonnabend, den 9. Juli 1927. tigung des Evangelischen Bundes unzweideutig Stel⸗ lung genommen war, brachte der„Sächsische Volks⸗ bote“ in Nr. 24 folgende Erklärung:„Die Konkordats⸗ frage“. In Nr. 20 hatte sich unter der gleichen Ueber⸗ schrift die aus sonst zuverlässiger Quelle übernommene Bemerkung gefunden,„der Evangelische Bund suche an dieser Frage neuen Auftrieb“. In diesen Worten konnte unter Umständen ein Vorwurf gegen den Evan⸗ gelischen Bund gefunden werden. Der Schriftleitung hat es aber vollkommen ferngelegen, einen solchen Vor— wurf, zu dem kein Anlaß vorliegt, zu erheben“. Genau der gleiche Artikel ist, wörtlich gleichlau— tend, auch anderswo erschienen, so im„Täglichen Dienst für nationale Zeitungen“ Nr. 2, der in dauernder Ver⸗ bindung mit der deutschnationalen Parxteileitung her⸗ ausgegeben wird, und im amtlichen Blatt derselben Partei,„Unsere Partei“ Nr. 10. Der letztere Umstand hat der Reichsgeschäftsstelle des Evangelischen Bundes u. a. folgenden Brief aus einer rheinischen Großstadt eingetragen:„Der Vorstand unseres Zweigvereins hat sich eingehend mit dem in dem anliegenden Blatt rot angestrichenen Artikel befaßt. Die meisten unserer Vorstandsmitglieder sind Mitglieder der deutschnatio⸗ nalen Partei, einige sogar in führender Stellung. Wir fühlen uns durch die dem Evangelischen Bunde erteilte Ohrfeige tief verletzt und fragen daher an: Was ge⸗ denkt die Bundesleitung angesichts einer solchen fla— granten Herausforderung seitens der deutschnationalen Partei zu tun, bezw. rät uns der Bund zu tun?“— Der erste Teil der Frage kann zur Zeit noch nicht öffent⸗ lich beantwortet werden. Was den zweiten Teil an⸗ langt, so möchten wir raten, der Partei und ihren Füh⸗ rern recht deutlich in deren eigenstem Interesse zu Ge⸗ müte zu führen, daß Ohrfeigen für die wertvollsten und bewährtesten Parteimitglieder weder für den Vorstand einer Partei noch für die Wiederwahl ihrer Abgeord— neten fehr förderlich zu sein pflegen. Die Bundesfreunde wird es interessieren, daß durch rheinische Zeitungen schon Artikel laufen: Die gefähr⸗ dete Stellung der Deutschnationalen im Rheinland, daß nicht nur hervorragende Einzelpersönlichkeiten, sondern ganze Parteiorganisationen den Gedanken des Aus⸗ tritts erwägen, und daß im Rheinland, in Bayern, in Brandenburg, Schlesien und anderswo das Mißtrauen gegen die deutschnationale Volkspartei infolge der Konkordatsangelegenheit und der Parteihaltung dazu in den Parteikreisen selbst ein derartiges ist, daß die Partei möglicherweise ihr blaues Wunder erleben wird. Soll die bäuerliche Produktion vernichtet werden? Es ist gewiß kein Zufall, daß sich in den letzten Jahren die krisenhaften Erscheinungen gerade auf dem bäuerlichen Absatzmarkt in geradezu beängstigender Weise wiederholen und vermehren. Im Jahre 1922 war die Schweinezucht infolge hoher Futtermittelpreise und niedriger Schweinepreise vollkommen unrentabel. Bald darauf gingen die Rindviehpreise unter den Vor⸗ kriegsstand, und hielten sich, wenn man die Inflations⸗ zeit wegen der fehlenden Vergleichsmöglichkeit aus⸗ schaltet, bis in die jüngste Zeit unter den Preisen von 1913. Nach Abschluß der Handelsverträge, besonders mit Spanien, erfolgte der fast vollkommene Zusammen⸗ bruch des Deutschen Weinbaues, der in seinen Auswir⸗ kungen karastrophal war und die bis zur Siedehitze ge⸗ steigerte Erbitterung der Weinbauern zur Explosion brachte. Den Weinbauern folgten im Vorjahre die in— tensivsten bäuerlichen Betriebe: die Gärtner und Ge— müsebauern. Der wirtschaftliche Niedergang dieser Gruppe war ebenfalls in erster Linie auf handelspoli— tische Maßnahmen(vor allem auf den Handelsvertrag mit Italien) zurückzuführen und erfolgte ebensoschnell wie gründlich. Kleinbäuerliche Landwirte, die mit Ve— triebsgrößen von 12 Morgen und ähnlich eine oftmals starke Familie ernährten, gerieten nicht nur in un— überwindliche Zahlungsschwierigkeiten, sondern hatten „Evangelische Warte“ auch, infolge ihrer nicht abzusetzenden leicht verderb⸗ lichen Erzeugnisse, mit Ernährungssorgen sehr ernster Art zu kämpfen. 5 Durch diesen Vorgang wurden wiederum besonders die bäuerlichen Saatgutzüchter fühlbar in Mitleiden⸗ schaft gezogen, so daß die gesamte intensiv betriebene bäuerliche Landwirtschaft den schwersten Gefahren ent⸗ gegensah und mehr als volkswirtschaftlich nützlich zur extensiven Wirtschaftsweise übergehen mußte. Der Grad der wirtschaftlichen Schädigung dieser besten bäuerlichen Ackerwirtschaften wird durch das fast völlige Verschwinden der Kaufkraft angezeigt und von In⸗ dustrie, Handel und Gewerbe auch zahlenmäßig nachzuweisen sein. Der wirtschaftlichen Abwärtsbe— wegung, dieser gewiß zahlenmäßig nicht besonders her⸗ vortretenden Betriebe, ist nun aber seit Monaten in einem rasenden Tempo die Schweinezucht gefolgt. Nicht nur die rein viehzüchtenden Gebiete stehen vor dem Ruin, sondern auch solche Bauernwirtschaften, die nur im Nebenbetrieb Vieh-, besonders Schweinezucht betrie⸗ ben. Die vollkommene Unxentabilität der Schweine— zucht, die Unmöglichkeit einer Umstellung des Betriebes, führt der weitaus größten Mehrzahl aller bäuerlichen Betriebe, den Ausfall der letzten bis vor kurzem lohnen— den Einnahmequelle in der grausamsten Deutlichkeit vor Augen. Es ist keine Phrase, wenn in diesem Zu⸗ sammenhange von einer Gefährdung des Bauernstandes ernstester Art gesprochen und auf die unabsehbaxren Fol⸗ gen verwiesen wird. Die bäuerliche Landwirtschaft war trotz allem auf dem besten Wege, sich den wissenschaft⸗ lichen und technischen Errungenschaften anzupassen und auf einen scharfen Konkurrenzkampf vorzubereiten. Die Erziehungsarbeit der Behörden und Verbände begann Früchte zu zeitigen. Damit ist es, wahrscheinlich auf lange Zeit, vorbei. Ist schon an sich eine Erziehung ohne Unterstützung unmöglich, so trifft das in viel grö— ßerem Umfange bei dem völligen Fehlen auch nur in etwas gesicherter fester Einnahme zu. Es sind nicht etwa die niedrigen Preise, die in erster Linie katastro⸗ phale Wirkungen zur Folge haben, sondern die unge— heueren und unübersehbaren Schwankungen der Pro— duktionspreise, oft bis zu 50 Prozent des Wertes, rich⸗ ten das größte Unheil an. Ist schon ein Kaufmann un⸗ ter ähnlichen Verhältnissen nicht lebensfähig, so trifft das bei dem Landwirt, der nur einmal im Jahr ver⸗ kauft, in viel stärkerem Maße zu. Die bäuerliche Landwirtschaft hat deswegen aus Gründen der Selbsterhaltung das Recht, alle möglichen Maßnahmen zur Stabilisierung der Produktionspreise zu verlangen. Experimente handelspolitischer Art dür⸗ fen auf dem Rücken der Bauernschaft nicht unternom⸗ men werden. Die volkswirtschaftliche und bevölkerungs— politische Bedeutung des Bauernstandes darf nicht nur theoretisch anerkannt werden, sondern muß auch prak— tisch Berücksichtigung finden. Staat und Regierung müssen, und zwar schleunigst, entschiedene, die Situa— tion klärende Schritte bezüglich der politischen Handels— vertragsverhandlungen unternehmen, um damit den Angstverkäufen und dem damit verbundenen Massen⸗ auftrieb von Schweinen ein Ende zu bereiten. Die polnischen Vertragsverhandlungen dürfen nur unter dem Gesichtspunkte erfolgen, daß infolge der starken Hebung der deutschen Schweinezucht für die Fleischver— sorgung Deutschlands zu angemessenen Preisen gesorgt wird und eine polnische Schweineeinfuhr eine Vernich— tung der deutschen Viehzucht zur Folge haben würde. Der Reichsregierung ist die gefährliche Lage der bäuerlichen Landwirtschaft zur Genüge bekannt, so daß eigentlich jedes weitere Wort überflüssig ist. Auch den politischen Parteien sind diese Dinge nicht so fremd ge— blieben, daß etwa mit mangelndem Verständnis ge— rechnet werden müßte. Es handelt sich hier um den Schutz der deutschen Edelproduktion, für die, nach den Agrarprogrammen der Parteien zu schließen, eine breite parlamentarische Front vorhanden ist. Da als Fach— minister ein Landbündler wie Herr Schiele in der Re— gierung sitzt, dürften alle günstigen Voraussetzungen Ein stiller Musikant. 3. Fortsetzung. „Sie hatten gut reden: ein harmloses Kind, das im Be— wundern seine Freude fand, die alte musikalische Seele, die mir studieren half, dann noch Aennchens Wachtelhund, der kleine schwarzgefleckte Polly, der, wie ich jetzt bemerkte, mäuschenstill auf der Türschwelle gesessen hatte— das war ein Publikum, wie ich es brauchen konnte.— Aber später, vor all den frem— den Menschen—1 „Freilich, eine Beruhigung hatte ich: der berühmte Orgel— spieler, den man zur Prüfung der neuen Kirchenorgel herbe— rufen hatte, sollte erst am Tage nach dem Konzert eintreffen; ja, ich will es nur gestehen, ich selber hatte eine kleine List ge— braucht, um die Dinge so zu schieben. „Etwas beklommener als sonst betrat ich am andern Abend unsern Konzertsaal; er war so gedrängt voll, daß selbst einzelne Damen nicht zum Sitzen gelangen konnten. Aber die Gesänge, mit denen wir nun den Anfang machten, gingen be— scheidenen Ansprüchen nach vortrefflich; denn war auch unser Tenor geschwächt, so besaßen wir immerhin noch Kräfte, um die mancher große Verein uns hätte beneiden können; schon der Nachtwächter und unser dicker Schulrektor waren ein paar Fülle— bässe, die in allen Ritzen quollen, welche die dünneren Stim men offengelassen hatten. Es wurde lebhaft applaudiert; das singende und das hörende Städtchen waren im besten Einver ständnis. „So rückte denn das Programm allmählich bis zur Phan tasie-Sonate vor. Der Beifall nach Ludwig Bergers schönem Liede ‚Als der Sandwirt von Passeyer' verhallte eben, als ich mich ans Klavier setzte; und eine erwartungsvolle Stille war eingetreten. Mit ein paar tiefen Atemzügen schlug ich die Noten auf; dann warf ich darüberhin einen flüchtigen Blick in den Saal; aber die vielen Gesichter, die mich alle anstarr— ten, übten eine Art von Schrecken auf mich aus. Da zum Glück entdeckte ich auch Aennchens braune Augen, die groß und freu— dig zu mir hinblickten; und im selben Augenblicke hatte das vielköpfige Ungeheuer sich in ein mir hold geneigtes Wesen umgewandelt. Mutig schlug ich ein paar Akkordfolgen an, um den Beginn meines Spieles anzukündigen; und dann: O heili⸗ ger Meister, ich will sie ihnen schon ans Herz legen, deine gol— denen Töne! Alle, alle sollen durch dich selig werden!! So flog es durch mich hin; und ich begann meinen Mozart, das Adagio zuerst.—— Ich glaube wirklich, ich habe damals gut gespielt; denn mich erfüllte nichts als die Schönheit des Wer— kes und der begeisterte Drang, die Freude des Verständnisses auch anderen mitzuteilen; meine alte Meisterin hätte mich ge— lobt, so denke ich noch jetzt; aber sie besuchte niemals eine öf— fentliche Aufführung. Schon war ich auf der letzten Seite des Andantino, als hie und da ein Flüstern aus dem Saale mir zwischen meine Töne drang. Ich erschrak: sie hörten nicht! Das lag an mir; am Mozart konnte es nicht liegen!—— Mit einem Gefühl von Unbehagen begann ich das Allegro der Sonate; um so mehr, da ich eine Stelle im zweiten Teile besonders hatte üben müssen. Aber ich beruhigte mich; es gab ja Menschen, denen nur Trompetenmusik verständlich war; was gingen sie mich an! Nur eins störte mich; der dicke Schulrektor war während mei— nes Spieles mir immer näher auf den Leib gerückt. Er konnte allerlei böse Absichten hegen: er wollte vielleicht die Lichter putzen, wobei die große messingene Lichtschere auf die Tasten fallen konnte, oder gar mir die Notenblätter umwen— Nr. 28. für eine erfolgreiche Arbeit zugunsten des Bauern⸗ standes gegeben sein.. Die in ihrer Existenz außerordentlich gefährdete bäuerliche Landwirtschaft wird die Entwicklung der Dinge mit sehr kritischen Augen verfolgen; sie wird zu jeder Mitarbeit bereit sein; sie wird aber auch ihr Miß⸗ fallen bei etwaiger Interesselosigkeit der maßgebenden und beteiligten Organe in unzweideutiger Weise zum Ausdruck bringen. Auf der Warte. Der Außenminister Stresemann weilte in Oslo, um dort einen durch die Verleihung des Friedensnobel⸗ preises an ihn bedingten Vortrag zu halten. In treff⸗ lichster Weise hat er den Friedenswillen des deutschen Volkes in seinen Worten dokumentiert. An die rüsten⸗ den Völker richtete er eine Warnung.— Der Roya⸗ listenführer Daudet, der aus dem Pariser Gefängnis durch einen Trick entfliehen konnte, ist nun nach mehr als 10 Tagen immer noch nicht durch die Polizei ge— funden worden. Er schreibt in seine Zeitung weiter Leitartikel und macht sich dabei über die hilflose Pari⸗ ser Polizei lustig.— Das Handelsprovisorium zwischen Deutschland und Frankreich lief am 1. Juli ab, ohne daß es den Unterhändlern gelungen wäre, eine Ver— längerung zu erzielen, sodaß z. Z. ein vertragsloser Zu⸗ stand herrscht. Für unsere Wirtschaft ein bedenklicher Zustand, da die Nachbarstaaten auf Warenaustausch an⸗ gewiesen sind.— Der amerikanische Flieger Byrd, der mit einem Drei-Motoxenflugzeug und drei Begleitern über den Ozean flog, ist in der Nähe der französischen Küste ins Meer gestürzt, nachdem er wahrscheinlich vor⸗ her schon einige Stunden über Frankreich gekreuzt hatte und ganz in der Nähe von Paris gewesen sein soll. Die Besatzung ist gerettet, doch dürfte das Meer dem Flug⸗ zeug böse mitgespielt haben.— Nachdem nun die Auf⸗ forderung an die beteiligten Mächte ergangen ist, Ver⸗ treter zur Kontrolle der Schleifungen der deutschen Ost⸗ festungen zu entsenden, stellt es sich heraus, daß nur Frankreich(Poincaré!) und Belgien daran Interesse haben. Wir sehen wieder einmal, wo die Triebfedern der Schwierigkeiten, die Deutschland bereitet werden, sitzen.— Der deutsche Reichstag schaffte schwere Arbeit: er verlängerte das Mieterschutzgesetz, lehnte die Ver⸗ längerung des Fürstenabfindungsgesetzes ab, genau wie es der Reichsrat mit der geplanten Zollerhöhung tat. Die Regierung kommt daher aus einer Zwickmühle in die andere.— Derweilen prügelt man sich kreuzver⸗ gnügt im preußischen Landtag, um die Würde des „Hohen Hauses“ und den geistigen Hochstand der Volks⸗ vertreter zu beweisen.— Die Landtagswahlen in Meck⸗ lenburg⸗Strelitz weisen einen Ruck nach links auf.— In Koblenz wurde eine Rheinausstellung eröffnet.— In Hessen feierte die Stadt Alzey in Anwesenheit des hessischen Staatspräsidenten, vieler Behörden und einer großen Zahl von Teilnehmern das Fest ihres 650jähri⸗ gen Stadtjubiläums. Von der Heimvolkshochschule. Die Heimvolkshochschule Hohensolms, Kr. Wetzlar, beginnt Anfang Oktober 1927 wieder mit einem Kur⸗ sus für junge Menschen, welcher bis Weihnachten läuft, Gesamtthema: Zeit- und Lebensfragen der Gegenwart. Die Heimvolkshochschule ruft junge Menschen, die wachen Blicks im Leben stehen, für einige Monate aus der Arbeit an einen Ort der Stille, da sie fern von der Hast des Alltags Zeit und die Möglichkeit haben sollen, zu eigener Besinnung auf die letzten tragenden Kräfte, die dem so sinnlos anmutenden Leben der Gegenwart neuen Sinn zu geben vermöchten. Sie will helfen zur Klärung der eigenen Lebensrichtung und stärken zu neuem Kampf auf dem Platz in dem alles fordernden Wirtschaftsleben der Gegenwart. Nachdem für den Menschen unserer Tage alles zusammengebrochen ist, den, was ich durchaus von keinem anderen leiden konnte! Ich eilte mich, die zweite Blattseite herunterzuspielen, damit nut seine dicke Hand mir nicht zu früh in meine Noten griffe. Das half: der Rektor blieb wie gebannt auf seinem Platze stehen; schon hatte ich umgeschlagen und spielte ganz mutig auf die heikle Stelle los;— da hörte ich unten die Tür des Saales knarren und ich konnte nicht umhin, zu sehen, wie überall sich die Köpfe nach rückwärts wandten. Wieder wurde geflüstert, und mehr noch als zuvor:— ich wußte nicht weshalb, aber det Atem stand mir still. Da hörte ich neben mir ganz deutlich eine Stimme sagen: Aber ich dachte, er käme erst morgen; wis hübsch, daß er heut' schon da ist!!— Er war also dennoch anz gekommen!— Es war ein betäubender Schlag, der mich ge— troffen hatte.— Was konnte ich dem Manne, dem großen Künstler, mit meinem Spiel noch bringen!— Wo dort unten im Saale mochte er jetzt stehen oder sitzen?— Aus all den Hunderten von Gesichtern starrten mich seine Augen an; und nun— ich fühlte es— neigte er das Ohr, um jeden meiner Töne aufzufangen. Eine wahre Jagd von Angstgedanken raste durch meinen Kopf; noch ein paar Takte versuchten es meine plötzlich wie gelähmten Finger; dann überfiel mich eine rak— lose Gleichgültigkeit, zugleich eine seltsame Entrüstung in längst vergangene Zustände. Mir war auf einmal, als stehe das Klavier auf seinem alten Platz im elterlichen Wohnzimmer; auch mein Vater stand plötzlich neben mir; und statt in die Tasten griff ich nach seiner Schattenhand. „Was weiter geschah, weiß ich kaum. Als ich mich wieder auf mich selbst besann, saß ich auf einem Stuhl in dem hintet dem Podium des Saales befindlichen Zimmer, in dem wit unsere Ueberkleider abzulegen pflegten. Ich sei krank gewor⸗ den— so war mir, als hätte ich drinnen noch gesagt. ß de ange Peltal Jolkell del Ku steie! le ber Die abe ni Alem d ter e uch le eich d übt hie gelden Auwobe Agesle unde amm ie ihn Jugend Höpft! aten Rillen, ll sich zit gen shule steizei im In Imber Jie in ten wo und we Asfülle srienwe J Aleibli de sons ben u Afinnu Gem cher! Agtiffe wmutige Ubens. Bis chen! 929. was etwas galt, sollen in gemeinschaftlicher Arbeit Wege gesucht werden, die zu neuer Sinnerfülltheit des bersönlichen Lebens und zu wirklicher Erneuerung auch des Lebens in Staat und Gesellschaft zu führen ver— möchten. Darum muß ohne Voreingenommenheit alles ernstgenommen und geprüft werden, was den Anspruch erhebt, hier einen Dienst leisten zu können. Die Heim⸗ volkshochschule Hohensolms, die in enger Verbindung mit dem„Christdeutschen Bund“ steht, glaubt jedoch, daß dem Fragen unserer Zeit letztlich nur von dem Evangelium her Antwort werden kann. Es sollen folgende Stoffgebiete behandelt werden: Weltanschauungs⸗ und Lebenskunde: Das religiöse Su⸗ 0 chen und Ringen unserer Tage. ] Wirtschafts⸗ und Gesellschaftskunde: Die Gesellschafts⸗ 1 formen(Familie, Gemeinde, Volk, Staat, Stände, N Klassen), ihre Geschichte und ihre Neugestaltung in der Gegenwart.— Die Grundlagen der heutigen 1 Wirtschaft und des heutigen Staates.— Neue 5 Wege im sozialen, wirtschaftlichen und kirchlichen ö Leben. Volkskunde: Anseres Volkes Geistesleben im Spiegel deutscher Dichtung.— Wanderungen durch die Kunstgeschichte.— Bilder aus der Kulturgeschichte. Freie Arbeitsgemeinschaften: Fragen der Jugendbe— wegung, der Jugendführung und des neuen Le— bensstils. Die Heimvolkshochschule sieht jedoch ihre Hauptauf⸗ gabe nicht im Anterrichtlichen; sie möchte vielmehr vor allem auf das Heimleben, auf das Gemeinschaftsleben unter einem geschlossenen Heimgeist, den größten Nach⸗ druck legen. Die Tatsache, daß Burg Hohensolms zu— gleich die Jugendburg des Christdeutschen Bundes ist, gibt hierfür günstigste Bedingungen. Ernst und Freude werden nicht auseinanderklaffen, sondern miteinander herwoben sein. Kurze Morgenfeiern sollen über jedem Tageslauf wegweisend stehen und auch die letzte Abend— tunde wird zu gemeinschaftlichem Ausklang des Tages zusammenführen. Aus dem reichen Volksliederquell vie ihn Walther Hensel und Fritz Jöde der deutschen Jugend neu fließen gemacht haben, wird fröhlich ge— chöpft werden können. Auch der Volkstanz wird einen guten Platz im Heimleben haben. Jeder, der mit dem Willen, sich in die Gemeinschaft einzuordnen, kommt, oll sich wohlfühlen können. Anfragen können jeder⸗ eit gerichtet werden an die Heimvolkshoch— schule Hohensolms(Kr. Wetzlar). Verschiedenes. Freizeiten auf Burg Hohensolm̃s, Kr. Wetzlar, im Bundesheim des Christdeutschen Bundes. In den Sommermonaten bis einschließlich Sep⸗ Are i finden in Hohensolms Burgferienwochen statt. 9 diese im Sinne der Volkshochschularbeit geleiteten Wo⸗ i 155 wollen Jüngeren und auch Aelteren( männlich und weiblich), die ihre Ferien möglichst fruchtbringend zusfüllen möchten, einen Dienst leisten. Die Burg⸗ serienwochen bieten daher nicht nur beste Gelegenheit u leiblicher Erholung, sie möchten vielmehr Menschen, ie sonst in dem alle Kräfte anspannenden Berufs⸗ geben unserer Tage stehen, die Möglichkeit geben zu esinnung und zu innerer Klärung durch Aussprache in Gemeinschaft mit der Burggemeinde. Das Erleben olcher Verbundenheit im Suchen und Fragen und im ergriffenwerden von der gleichen Kraft soll stärken und mutigen für die neuen Aufgaben des alltäglichen ebens. Bisher sind für diesen Sommer folgende Ferien— chen vorgesehen: 3.—29. Juli: Die Dichtkunst unserer Tage als geisti⸗ ger und religiöser Zeitspiegel. Führer: Dr. Ernst August Müller, Hanau. 9 1. Juli—3. August: Studentenfreizeit. Gesamtthema:; Die reformatorische Botschaft in unserer Zeit, 1. Der Inhalt der reformatorischen Botschaft(Pfr. „Evangelische Warte“ Georg Merz), 2. Reformation renascens(Prof Paul Joachimsen, München). Predigt am 1. 8.“ Lic. Schafft, Kassel. Leitung der Stu⸗ dententagung: Pfr. Banzenfaß- München. 21.—28. August: Weltanschaungsfragen evangelischer Jugendbewegung. Führer: Johannes Gründ⸗ ler, Gretel Bachemann, Paul Kammer, Heinrich Schüßler. Auch außerhalb dieser Wochen sind Feriengäste jeder zeit willkommen. Der Tagespreis beträgt für Gäste 3,75„. Es sei jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen, daß Gelegenheit auch zur Selbstbeköstigung besteht, da in der neben der Burg gelegenen Jugendherberge gute Kochgelegenheit vorhanden ist. Anmeldungen sind zu richten an die Burgkanzlei Hohensolms. Kreis Wetzlar. 1 Was sagt ein hervorragender Führer des Evan⸗ gelischen Bundes zur Evang. Volksgemeinschaft? Herr Oberschulrat Dr. Mosa pp, einer der be⸗ deutendsten Führer des Evangelischen Bundes, Vor⸗ sitzender des Württembergischen Hauptvereins, Heraus⸗ geber zahlreicher Bücher, der in der„Evangelischen Warte“ Nr. 22 eine Entgegnung auf einen Angriff des „Mainzer Journals“ brachte, schreibt zu unserer Be— wegung: „Zu Ihrer politischen Gründung wünsche ich Ihnen von Herzen Glück; möchten wir im Schwaben⸗ lande auch so weit kommen! (Herrn Dr. Mosapp herzlichen Dank für diese Auf⸗ munterung. Möchten sich alle Mitglieder des Evangelischen Bundes recht bald zu derselben Ansicht durchringen! Die Schriftleitung.) * Die Weltarbeitslosigkeit. Die Gesamtziffer der Erwerbslosen der Welt dürfte schätzungsweise in den Industriestaaten in der Gegen— wart etwa n 9 bis 11 Millionen betragen. Im Durch⸗ schnitt entfallen auf Grund der zurzeit erreichbaren Unterlagen an„sichtbaren Erwerbslosen“ etwa auf Deutschland 1 640 000 England leinschl. Nordirland) 1375 000 Rußland 1050 000 Polen 201 000 Vereinigte Staaten von Amerika 180 000 Oesterceich 108 000 Italien 89 000 Tschechoslowakei 67 000 Dänemark 60 000 Ungarn 21 000 Schweden 20 000 Niederlande 18 000 Belgien 10 000 Schweiz(Stellungsuchende schnittlscch im Monat Frankreich(amtlich etwa 27 000) schätzungsweise Lettland Estland 1000 Finnland 1000 Die wirkliche Arbeitslosigkeit ist weit größer als die sichtbare. Hinter den sichtbaren Erwerbslosen steht die ungeheure Zahl derjenigen, welche die unsichtbare Arbeitslosigkeit trifft, die sich darstellt als Kurzarbeit, gestreckte Arbeit, verschämte Erwerbslosigkeit usw. E. D. durch. 15 000 80 000 1400 Gegen den Theaterschund. Im Nationaltheater der Stadt Mannheim hatte eine Reihe von Aufführungen das sittliche und religiöse Gefühl weiter Volkskreise verletzt. Die evangelische Bezirkssynode hat dagegen in einer energischen Erklä— rung Stellung genommen, in der es heißt: Die Synode, die sich zusammensetzt aus Männern und Frauen aller Stände „erblickt in einer Reihe von Aufführungen des Na⸗ tionaltheaters, in denen religiöse und sittliche An— schauungen verhöhnt und untergraben werden, einen starken Schuldanteil an dem erschütternden Nieder⸗ gang ernster Lebensauffassung weiter Volkskreise, besonders bei der Jugend. Sie legt deshalb schärfsten Protest ein gegen die Aufführung solcher Stücke, die der ethischen Erziehungsaufgabe des Theaters ins Gesicht schlagen.“ 1 E. D. Mecklenburg— Lübeck. Nunmehr ist in unserem Wahlbezirk ebenfalls das Banner der Evangelischen Volksgemeinschaft entrollt. Freunde und Gön⸗ ner unserer Bewegung sind hier zahlreich vorhanden. Im In— teresse unseres evangelischen Volkes steht auch hier der politische Zusammenschluß vor der Tür, unter der Losung: Wartburg⸗ geist dem Deutschen Volk. Die Evangelische Volksgemeinschaft ist der politische Zusam—⸗ menschluß der Evangelischen Deutschlands zur Wahrung der evan— gelischen Interessen im deutschen Reichstag und in den Parxla⸗ menten der Länder und Kommunen. Mitglieder, Freunde und Gönner, lest unsere Presse: Die „Evangelische Warte“, Organ der Evangelischen Volksgemein⸗ schaft. Druck und Verlag Albin Klein, Gießen a. d. Lahn, Süd⸗ anlage 21. Sorgt für Stärkung unserer Bewegung in Mecklenburg—Lü⸗ beck. Anmeldungen nimmt entgegen: Landesobmann Karl Schlabach, Rostock i. Mecklbg., Schnickmannstraße 23, l. Aus unserer Bewegung. Angersbach. Auch hier fand vor einiger Zeit eine Versamm⸗ lung der Evangelischen Volksgemeinschaft statt. Der Kreisvor⸗ sitzende, Schwarz-Rudlos, warf bei seinen Begrüßungsworten die Frage auf, ob es überhaupt vor zwei Jahren nötig gewesen sei, eine neue Partei zu gründen, ob es nötig sei, daß wir Evan⸗ gelische uns besonders zusammenschließen. Der Hauptredner, Herr Pfarrer Weidner, zeigte an Hand der Ergebnisse bei den letzten Kreistagswahlen, sowie der wachsenden Erfolge der E. V., daß ein großer Teil des Volkes diese neue Partei wolle. Aufgabe der Leiter sei es nun, evangelischen Geist ins Leben zu tragen. Es böte sich hierzu wahrlich genug Gelegenheit. Man denke nur einmal an die Steuerfragen, Aufwertung, Standesgegensätze und nicht zuletzt Kulturfragen(Konkordat). Der wachsende Einfluß gerade des Zentrums mahne alle Evangelische zur Sammlung. Die Ausführungen des Redners wurden mit lebhafter Zustim⸗ mung aufgenommen und der Entschluß gefaßt, Herrn Pfarrer Weidner demnächst nochmals zu hören und alsdann eine Ortsgruppe der E. V. zu gründen. Wie in Rixfeld und Stock⸗ hausen wurde auch hier bereits ein Vertrauensmann gewonnen. — Herr Wahl zeigte dann noch als Vertreter seiner Partei, daß die Ausführungen des Redners seinen vollen Beifall fänden, daß er insbesondere noch hervorhebe, daß die E. V. eher als eine andere Partei berufen sei, versöhnend zu wirken und die Inter⸗ essen der evangelischen Bauern, Arbeiter, Handwerker und Be— amten zu vertreten. Erst gegen 24 Uhr wurde die Versammlung geschlossen. Weisenau, 1. Juli 1927. Die hiesige Ortsgruppe der Evang. Volksgemeinschaft hielt am Donnerstag, den 30. Juni, abends 9 Uhr, im Evang. Schwesternhaus eine gut besuchte Versammlung ab. Nach Begrüßungsworten des 1. Vorsitzenden, Herrn Lehrer Greb, gab derselbe einen kurzen Ueberblick über die Lage in der engeren Heimat und wies auf einige in letzter Zeit wieder vor⸗ gekommene Fälle hin, die unsere Aufmerksamkeit erregen müssen. Nach ihm ergriff Herr Pfarrer Weidner, Reichsgeschäftsführer, das Wort und schilderte die vom Landtage genehmigten Abän— derungen zum Wahlgesetz in Hessen. Weiterhin gab er eine Uebersicht über den Stand unserer Bewegung. Trotz aller mög⸗ lichen Hindernisse können wir mit Vertrauen in die Zukunft blik⸗ ken. Mit einer Aufforderung zur Werbung weiterer Mitglieder und Abonnenten beendete er seinen mit Beifall auffgenommenen Vortrag. Nach einer kurzen Aussprache schloß der Vorsitzende mit Dankesworten die Versammlung. — Sämtliche Einsendungen für die Nummern 29 und 30 der„Evangelischen Warte“ sind zu richten an Herrn Lehrer Greb, Weisenau, Viktoriastraße 9, der in Vertretung die Gesamtschriftleitung übernommen hat. „Ein Licht mit langer Schnuppe brannte auf dem Tische; * matt erleuchteten Wände des Zimmers, die vielen dunklen leider, die überall umherlagen; es sah recht öde aus.— So ite ich einst als Knabe gesessen, nur nicht so ganz vernichtet; uch fühlte ich, daß jetzt meine Augen trocken waren, und nie⸗ rand pochte an, der mich zu meinem Vater schicken wollte. Ich rar ja jetzt ein Mann—— Mein armer, lieber Junge!—— 15 lange war er tot, der diese Worte einst gesprochen hatte! „Da drang aus dem Saale drüben ein wirres Stimm⸗ töse zu mir her.— Ich weiß nicht, hatte ich es vorhin nur ncht gehört, oder war es eben erst hervorgerbrochen; aber wie sihes Entsetzen fiel es mich an; es jagte mich aus dem Zim⸗ ner, aus dem Hause. Barhaupt, ohne Mantel rannte ich auf e Straße hinaus und weiter, ohne umzusehen, durch das Tor s Freie. Der Stadt zunächst standen alte Lindenalleen; dann im die breite, wüste Landstraße. Ich wanderte immer weiter, hne Zweck, ohne Gedanken; nur die Angst vor der Welt, vor din Menschen fieberte mir im Gehirn. „Weit hinter der Stadt führte die Straße über eine An⸗ lihe, die nach der einen Seite jählings in die Tiefe schoß. Aten ging ein reißendes Wasser; es rauschte fortwährend ne⸗ ben mir dahin. Ich weiß noch wohl, im Osten stand die schmale Nondsichel; sie leuchtete nicht, aber sie zeichnete sich scharf auf dim dunklen Nachthimmel ab; es war fast finster auf der Ethe.— Als ich den höchsten Punkt erreicht hatte, bemerkte ich ehen großen Feldstein, der dort oberhalb des Wassers unter ehem Baume lag; ich wußte nicht weshalb, aber ich setzte mich dnauf. Es war noch früh im März; die Zweige über mir ugten noch nackt und schlugen im Nachtwind aneinander; dann und wann fielen Tropfen in mein Haar und rieselten kühl über lein Gesicht. Aber hinter mir in der Tiefe rauschte das Was⸗ r eintönig, zum Schlaf verlockend wie ein egenlied. 14 „Ich hatte den Kopf gegen den feuchten Stamm gelehnt und lauschte der verführerischen Melodie der Wellen. Ja, dachte ich, schlafen! Wer nur schlafen dürfte!“— Und wie die Stimmen tauchte es auf und rief zu mir empor:„Ach unten, da unten die kühle Ruh'!' Immer bestrickender in Schuberts süßen, schwermütigen Tönen drang es mir ans Herz.— Da hörte ich Schritte aus der Ferne, und plötzlich, wie wach ge— worden, sprang ich auf. Ich war ja nicht jener lyrische Mül—⸗ lergesell des Schubertschen Gesanges, ich war eines tüchtigen, praktischen Mannes Sohn; an so etwas durfte ich auch jetzt nicht denken! „Und immer näher von der Gegend der Stadt her kamen die Schritte auf mich zu; daneben erkannte ich noch andere trip pelnde wie von einem kleinen Hunde. Ich zweifelte nicht mehr, sie war es, ihr kleiner Wachtelhund begleitete sie; es gab noch eine Menschenseele, die mich nicht vergessen hatte! Das Herz schlug mir in den Hals hinauf; ich weiß nicht, war's vor Freude oder war's die Angst, daß ich mich dennoch täuschen könne. Aber da kam schon aus dem Dunkel wie ein Lichtstrahl ihre liebe Stimme: Herr Valentin! Sind Sie es denn, Herr Valentin?“ „Und beschämt erwiderte ich:„Ja, Aennchen, ich bin es freilich!— Wie kommen Sie hierher?“ „Sie stand schon vor mir und legte die Hand auf meinen Arm.„Ich— ich habe in der Stadt gefragt; man hat Sie aus dem Tore gehen sehen.“ „Aber das ist kein Weg für Sie; so allein auf der wüsten Straße!“ „Ich hatte solche Angst; Sie waren krank geworden. Mein Gott, warum sind Sie nicht nach Haus gegangen?“ „Nein, Aennchen, sagte ich,„ich bin nicht krank geworden; das war eine von den Lügen, welche die Not oder die Scham uns auf die Lippen treibt. Ich hatte nur etwas übernommen, wozu mir Gott die Fähigkeit verfagt hat.“ „Da schlangen sich zwei junge Arme um meinen Hals, und Aennchens übermütiges Köpfchen lag schluchzend an meiner Brust.— Und wie Sie aussehen!' flüsterte sie. Sie haben keinen Hut auf dem Kopfe, keinen Mantel!“ —„Ja, Aennchen— ich habe das wohl vergessen, da ich fortging.“ „Und die kleinen Hände umschlossen mich noch fester.— Es war so still im weiten dunklen Felde; der kleine Hund hatte sich zu unseren Füßen gelagert. Wenn eines Menschen Auge uns jetzt erblickt hätte, er würde geglaubt haben, es sei ein Bund fürs Leben hier geschlossen worden. Und es war doch nur ein Abschied.“— Der stille Mann blickte bei diesen Worten in sein Glas, das er vorhin ergriffen hatte, als könnten aus dessen Grunde die Träume seiner Jugend auferstehen.— Durch das Fenster, dessen einer Flügel offen stand, tönte aus der Luft herab der Schrei eines vorüberziehenden Vogels.— Er blickte auf.„Hörten Sie das?“ sagte er.„Ein solcher Schrei von Wandervögeln trieb uns auch in jener Nacht nach Hause. Wir gingen dann den ganzen Weg noch Hand in Hand. ——„Am anderen Morgen stieg auch die alte Signora Katerina aus ihrem Mansardenkäfig zu mir herab. Sie war völlig außer sich. Und vor diesen Kleinstädtern!' rief sie. Sie wissen nur nicht aufzutreten, Monsieur Valentin! Sehen Sie, so— trat ich zu meinen Zeiten vor die Lampen!“ Und sofort stand sie, mit ihrem Schal drapiert, in einer heroischen Atti— tüde vor mir da.„Ich möchte den sehen, der mir die Kehle hätte zuschnüren wollen! Selbst vor dem großen Meister hab' ich nur ein weniges gezittert.“ Fortsetzung folgt. Sonnabend, den 9. Juli 1927. „Evangelische Warte“ Nr. 28. 5 mmm f N Im amilienkreis N 00 ĩ 0 CC TTT zehn Winke für Mülter von Schulkindern. Freue dich für dein Kind und mit deinem Kind, daß es eine Schule besuchen darf. Weißt du, wie sauer es sich Vater Luther hat werden lassen, seinen Martin in eine gute Schule zu bringen? Die Schule tut vieles für dein Kind, was du nicht tun könntest.„, nur darf es dort lernen, auch zu Ge⸗ horsam, Pünktlichkeit, Pflichttreue, Fleiß, Kameradschaftlichkeit hilft dir die Schule dein Kind erziehen. Darum durlde nicht, daz über Schule und Lehrer vor deinem Kind in unguter Weise gesprochen wird! Wenn du meinst, Grund zu haben zu Klage und Sorge, so sprich vertrauensvoll mit dem Lehrer deines Kindes. Er kann es nicht kennen wie du, und er wird gern von dir hören über seine Gesundheit, Eigenart und über seine etwaigen häuslichen Schwierigkeiten. Aber höre auch du willig, was er dir zu sagen hat. Sei nicht blind in deiner Liebe, sondern dankbar, wenn du dein Kind auch einmal durch andere Augen sehen darsst. Schwä⸗ chen und Fehler suche nicht zu vertuschen, sondern zu überwinden! Halte dein Schulkind zur Reinlichkeit an. Abends gründlich waschen, weil morgens die Zeit oft knapp ist! Zähne putzen nicht vergessen! Reinlichkeit des Leibes ist eine Hilfe zur Rein⸗ heit des Herzens. Kleide dein Kind einfach, aber sauber. Eine geflickte Hose ist keine Schande, aber Löcher und Flecken müssen nicht sein. Sorge, daß dein Schulkind genügend Schlaf hat! Acht Uhr ist die richtige Bettgehzeit. Und laß es dir nicht nehmen, auch noch mit dem Schulkind zu beten. Such ihm neue Sprüche und Liederverse, wenn es aus seinen Kindergebetlein„heraus wächst“. Wecke aber auch dein Kind morgens so zeitig, daß es ohne Hetze fertig wird und daß es noch zu einem kurzen Morgengebet vor dem Schulweg reicht. Hab ein waches Auge auf die Schulkameradschaft deines Kindes, du mußt wissen, mit wem es geht. Drum laß es seine Freunde und Freundinnen zu dir bringen. Pflege den guten Verkehr, das ist besser als den schlechten verbieten! Und weißt du, welche Macht der„Klassengeist“ in einer Schule ist? Weißt du, weiß dein Kind, daß man nicht immer tun darf, was„alle“ tun? Daß es oft eine Ehre und eine Pflicht ist, zu den„wenigen“ zu gehören. Hilf deinem Kind zum Selbstständigwerden durch deine Freudigkeit dazu und dein Vorbild! Wenn du spürst, daß dein Kind Heimlichkeiten hat, so setz dich abends an sein Bett und sprich ein offenes, ernstes, liebe⸗ volles Wort mit ihm. Weißt du noch, was in deiner Schule manchmal Häßliches getuschelt wurde? Hilf deinem Kind zu dem Erleben:„Selig sind, die reines Herzens sind, denn sie werden Gott schauen!“ Ja, Gott schauen in den Wundern der Natur, auch im Wunder der Menschwerdung. Bitte Gott um das rechte Wort zur rechten Stunde, um den guten Heiligen Geist in deinem Herzen und dem deines Kindes! für Vereine und vormals Wilh. Keller, gegr. 1783 12 72220 hd df — 5 1 s s ö f 7 Mehr als 1200 verschiedene Formulare für Behörden, andere Amtsstellen, sowie auch für die Geschäfte ständig am Lager Ilbin Klein, giessen re. Sei nicht mutlos und ungeduldig, wenn dein Kind schwer lernt! Dann braucht es doch deine Liebe, dein Verstehen am meisten. Hilf ihm, daß es treu sein lernt auch mit seinem klei—⸗ nen Pfund. Frag einen erfahrenen Lehrer und Erzieher um Rat. Gedichte und Sprüche z. B. lernt man leichter, wenn man sie abends vor dem Einschlafen mehrmals laut sagt. Lautes, un⸗ geduldiges Schelten oder gar Schlagen hilft nichts. Das leichtsinnge und faule Schulkind braucht eine feste Hand, eine stramme Leitung.„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr!“ gilt auch für Gewöhnung an Pflichttreue und Selbstüberwindung. Wenn du dein leichtsinniges, faules Kind lieb hast, sei streng mit ihm. Aber sei auch streng mit dir selbst! Beispiel wirkt mehr als Worte! Sei nicht stolz auf dein begabtes Kind!„Welchem viel ge— geben ist, von dem wird man viel fordern!“ Laß Hochmut, Wis⸗ sensdünkel, Selbstüberhebung nicht groß werden. Reichtum ver⸗ pflichtet, auch geistiger. Dein Kind wisse mit dir, was einmal ein alter, treuer Lehrer fein in folgendem Vers ausgesprochen hat: „Was unser höchstes Gut, wird nicht durch Fleiß errungen, Durch Gaben nicht erstrebt, noch durch Verdienst erzwungen, Sei's Freundschaft, sei's die Lieb', sei's ewig himmlisch Leben,— Nur als Geschenk und Gab', aus Gnaden wird's gegeben!“ ASch. Der Aemterjüger. Die deutschen Kongregationalisten in Amerika, die hinsicht— lich ihrer independentistischen Gemeindeverfassung unsern evange— lischen Gemeinden nahe stehen, geben neuerdings ein politisches Wochenblatt heraus, in großzügiger, echt amerikanischer Auf— machung. Das ist keine üble Idee, denn auf diese Weise soll der ungute Einfluß der Tagespresse auf Denken und Urteilen der kongregationalistischen Gemeindemitglieder unterbunden werden, und eine Wochenzeitung ist geradezu eine Wohltat für den ab— gehetzten. nervösen Menschen von heute. Wenn wir eine solche Zeitung in Deutschland häften, die von unpattellischer Warte aus wöchentlich einmal das Welt registtierte und glossjerte, so wollten wir gern auf alle anderen Zeitungen verzichten. Die erste Nummer dieses Blattes, betitelt„Die weite Welt“, mit einer Familienbeilage„Feierabend“, bringt in konzentrischer Form die Ereignisse der vergangenen Woche, immer noch früh genug, um darüber den Kopf schütteln zu können, und doch schon so weit abgekühlt, um sich nicht mehr darüber aufregen zu müssen. Die Familienbeilage ist ein echt amerikanisches Warenlager des Gemüts und des Wissens, Albert Knapp, Schopenhauer, The— odor Storm und Lessing, Gottfried Keller und Gustav Freytag, alle sind durcheinander geschüttetlt. Eine halbe Seite Rätsel ist ausreichend, die Nußknacker der Farmer für eine Woche zu be— schäftigen. Dazwischen sind in homöopathischer Dosis auch politi— sche Verständigkeiten verzapft, und ein Stück davon, betitelt: „Der Aemterjäger“, mag hier Platz finden, weil hierin der gute Körperschaften, Südanlage 21 e CHRLNEUHNHRDT Weinbergbesitzer& Weinhandlung NIEDER- OLM (Rheinhessen) empliehlt seine selbstgebaut. u. selbstgekelt. 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Ich war auch dabei, als Sie Kalamazoo eine Stumprede hielten“. „Ah, ja, nun— wie geht's, Mr. Smith?“ „Well, Smith heiße ich nicht, mein Name ist Ebenezer Dob— beljuh Quibbs.“ „Well, Mr. Quibbs, was kann ich für Sie tun?“ „Nun, alter Junge, ich höre, Sie wollen eine Aenderung in Ihrem Kabinett vornehmen; können Sie mir nicht eine Minister⸗ stelle geben?“ „Tut mir leid, Mr. Quibbs, aber ich habe nicht die Absicht, mein Kabinet zu wechseln.“ „So? Well, ist keine Oberrichter-Stelle vakant?“ „Auch nicht.“ „Nun denn, so geben Sie mir irgend einen Gesandschafts⸗ posten; mir ist es ganz egal, welchen— Paris, London, ich bin nicht so partikulär“. „Mr. Quibbs, Sie kommen zu spät, alles besetzt.“ „Aber gute Kollektor-Stellen haben Sie noch vorrätig?“ „Auch nicht; die Nachfrage war sehr groß.“ „So, so! Auch das nicht, das ist mir gar nicht lieb, Mr Präsident; aber Sie wissen doch, daß ich in unserem County viel für Sie getan habe. Well, wenn es nicht anders sein kann, nehme ich auch mit einer Postmeister-Stelle vorlieb; was haben Sie noch frei? Chikago? Springfield? Quincy? Ich bin ein bescheidener Mann, große Ansprüche mache ich nicht.“ „Das ist sehr hübsch von Ihnen, Mr. Quibbs, aber trotzdem habe ich auch keine Postmeister-Stelle für Sie.“ „Was auch keine Postmeister⸗Stelle? Das ist aber doch sehr sonderbar, Mr. Präsident; ich bin doch extra hierher gereist. Sie wissen doch, was ich für Sie getan habe. Was können Sie denn überhaupt für mich tun?“ „Well, Mr. Quibbs, ich habe in meinem Schranke noch eine alte Hose hängen, die können Sie haben.“ Mr. Quibbs sieht sich den Präsidenten genau an und sagt dann:„Nun, ich denke, daß sie mir passen wird; geben Sie sie her!“ Mr. Quibbs bekam die Hose, und wenn unser jetziger Prä— sident Coolidge klug ist, sollte er sich auch einige alte Hosen und Röcke anschaffen.“ Worms a. Rh. Am 14. ds. Mts. findet in Worms, in den„Zwölf Aposteln“, eine große öffentliche Ver⸗ sammlung statt, wozu alle Evangelischen herzlich ein— geladen sind. Kompressotlose PDieselrrioforen 5 951 8 MO TORENFABRIMN DEUrZ A · c. zweigniederlg. FRANKFURT /n Jaunusstr. ib Reise ohne Vargeld mit dem Reisekreditbrief der Bezirkssparkasse Gießen „Kvandelsche Wärle“ feat duch füt Bahnhölen dul Ei amthe n bel influß Leite Narri chaft! ste soten kils fe vendit indern Fragen ens 1 10 elle loch m. eren! agten, die Ef vähren eigt, d ls de fiel tie egner agegef lacht la e Ma aßen Laß die m vort Enüge — Wen die Wel ungert Aälendst hein v ethüller U bedr Son unkel i Flbän Auschaft barg Lboren Aßeren kit, Mü e duße wichen