U lum habe ar nig 0 8 ö nid e dtin den 1 a0 t n 1 oc! 0 den und zz mot denn, 1 one. lu Mul! n. 8 und du r% Bite is file N us, ate cl nie tühen“ 1 0 habe Athen blatt 1 in ce fte Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. Evange Organ der Evangelischen Volksgemeinschaft „Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.“ Matthäus 20, 28. Hauptschriftleiter: Edwin Hamburger in Staden(Oberhessen).] Erscheint Sonnabends.— Bezugspreis 50 Pfennig monatlich. e die 30mm breite Klenze fe auswärts 24 Pfg., am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Platzvorschriften ohne Verantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger, für den Unterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz. Abonnements⸗ und Anzeigen⸗Annahmestelle, Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher 1362 und 1145. Postscheckkonto 8437 Frankfurt a. M. 3. Jahrgang. Sonnabend, den 9. Avril 1927. Verbindlichkeit. Bei Vergünstigung. Wiederholungen An alle Ortsgruppen und Einzelmitglieder in Lessen und Hessen⸗Nassau! Die Landtagswahl in Hessen und die Stadtverordnetenwahlen in Frankfurt a. M. machen eine eingehende Beratung über die Durchführung unserer Werbearbeit unbedingt erforderlich. Wir laden darum unsere Mitglieder in Hessen und Hessen⸗Nassau zu einer Sitzung auf Dienstag, den 19. April, nachm. 2 Uhr nach Frankfurt a. M.(Krokodil, Kaiserstraße 77) hiermit ein. Tagesordnung: 1. Organisationsfragen(Pfarrer Veller). 2. Wahl des Vorstandes in den Reichswahlkreisen Hessen⸗Darmstadt und Hessen⸗Nassau. 3. Verschiedenes. Kreisvorsitzenden zur Stelle sind. Mit evangelischem Gruß! Wir erwarten, daß alle Ortsgruppen mindestens durch den Vorsitzenden vertreten sind. Als selbstverständlich nehmen wir an, daß alle Abgeordneten und Besondere persön liche Einladungen ergehen nicht. Reichsgeschäftsstelle der Evangelischen Volksgemeinschaft. Ober⸗Lais b. Nidda, den 7. April 1927. Weidner. Vom Wesen des Staates. Von Edwin Hamburger-⸗Staden. (Schluß.) Die Bewegungen eines Körpers kommen dadurch zustande, daß ein Reiz einwirkt auf eine die Bewegung ausführende Kraftquelle. Der Nerv veranlaßt den Muskel zur Bewegung. Wir haben also eine Reizüber⸗ tragung nötig, um eine Bewegung zustande zu bringen. Auch von der aus freien Einzelpersonen bestehenden Menschenkette eines Staatsorgans können nur richtige Bewegungen ausgeführt werden, wenn auf die einzel⸗ nen Glieder von den richtigen Merkmalen der Außen⸗ welt Reize ausgeübt werden. g. liche Einzelwesen in einer Umwelt, die einerseits ihre Reize auf es ausübt, die Merkwelt, in der es anderer⸗ Nun lebt jedes mensch⸗ seits die Bewegungen ausführt, die Wirkungswelt. Ver⸗ folgen wir eine Menschenkette auf Reiz und Wirkung, so stellt es sich heraus, daß die Wirkung des einen Glie⸗ des beim anderen Glied zum Reiz wird. Gleichzeitig ist festzustellen, daß die Merkwelt bei den einzelnen Gliedern verschieden reich ist. Beim Landmann ist si reich, da er das ganze Jahr hindurch auf die verschie⸗ densten Merkmale des Wetters und des Bodens achten muß. Bei dem Fabrikarbeiter ist sie ganz arm. Oft ist es nur ein einziges Merkmal, auf das er zu achten hat, und ein einziger Handgriff, der seine Wirkungswelt ausmacht. Wir brauchen ja heute nur an die modernste Auswirkung des Fabrikbetriebs, die Fließarbeit, zu denken, da erkennen wir diese Tatsache ohne weiteres Froher Anfang, traurig Ende. Matthäus 21, 11. Das Volk aber sprach: Das ist der Jesus, der Prophet von Naza⸗ reth aus Galiläa. Matthäus 27, 25. Da antwortete das ganze 3 Volk und sprach: Sein Blut komme über 1 uns und unsere Kinder! Am Palmsonntag erinnern wir uns daran, wie Jesus unter der Begeisterung der galiläischen Pilger vom Oelberg herab in der Stadt Jerusalem einzog. Wie stolz waren diese Pilger eus der Provinz im Norden. In Juda bildete man sich gar biel ein. Dort war die alte Hauptstadt der Juden. David bat dort eine große Macht entfaltet, Solomo hatte die königliche Bracht hinzugefügt. In Jerusalem war man auf geschichtlichem Boden. Dort war auch der religibse Mittelpunkt des Juden⸗ ums, dort war der Tempel. Ueberall, wo Juden wohnten, am man um die Zeit des Passahfestes zu dieser heiligen Stätte bepilgert. Dort wohnte nach alter jüdischer Vorstellung Gott Fahwe im Allerheiligsten des Tempelhauses. Nun brachten sie us der Provinz den neuen Propheten mit. Wie stolz waren ie darauf! Erstaunt haben die Bewohner Jerusalems auf diesen Zug eschaut. Was sagten diese? Haben sie wohl recht gehört? Einen neuen Propheten brachten sie mit? Bald gesellten sich nehr und mehr zu diesem Festzug. Von den Bäumen hieb nan Zweige ab und schmückte damit den Weg. Das Volk in Zerusalem war bald von dieser festlichen Begebenheit ergriffen. Alles schwärmte in Vegeisterung für diesen Propheten aus Nazareth. Bald stimmte man überall, wo der Zug hindurch⸗ king, ein in den Freudenruf:„Hosiana, dem Sohne Davids! SHelobt sei, der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosiana n der Höhe!“ 5 a Dieser Freudentag eröffnete eine traurige Woche. Wir Der Verfasser hätte dieses Beispiel sicher angeführt, wenn damals diese aus Amerika stammende Fabrika— tionsweise in Deutschland schon wie heute vorhanden gewesen wäre. Schauen wir nun unter Berücksichtigung der Um⸗ welten in der Menschenkette auf das ganze Organ, dann staunen wir vor einem lückenlosen Mechanismus, der aus lauter Umwelten besteht, die auf mannigfache Weise ineinander gefügt sind. Der Verfasser vergleicht die Merkweltseite jeder Umwelt mit der Fuge, die Wir⸗ kungsweltseite mit dem Zapfen. der in die nächste Fuge eingreift. Der ganze Mechanismus folgt bestimmten Regeln und ist zwangsläufig. Die Umwelten sind nun unter den einzelnen Glie— dern der Kette vertauschbar. Je weniger reich diese Umwelt ist, um so leichter ist diese Vertauschbarkeit. Z. B. unterbricht ein Arbeiterwechsel in einer Fabrik den Betrieb weiter nicht. Anders ist es bei Gliedern mit reicherer Umwelt, wie bei einem Ingenieur, einem Müller oder Bäcker. Ebenso ist es bei einem Landwirt, weil ohne eingehende Kenntnis der Natur sein Platz nicht von jedem Beliebigen ausgefüllt werden kann. Für alle reicheren Umwelten ist eine gründliche Vor⸗ bildung eine unumgängliche Vorbedingung. Die Ordnungsorgane greifen nicht in den Gang irgend einer Maschine ein. nennen diese Woche Leidenswoche. Denn in Jerusalem befan⸗ den sich sehr zahlreich solche, die durch diesen Einzug gar nicht begeistert waren. Diese waren an den Ecken gestanden, haben den Kopf geschüttelt. Dann aber sind sie zusammengetreten und haben einen Antrag an den Hohenrat formuliert. Diese höchste Körperschaft des Judentums sollte sich einmal mit diesem vom Volke so geehrten Propheten beschäftigen. War er nicht ein Demagoge? Hat er nicht das Volk verführt? War er nicht ein Umstürzler, der das Volk der Priesterschaft und der führen⸗ den Pharisäerpartei entfremden wollte? Ja, dieser Mann war eine Gefahr für das Bestehende. Es gehört zur schlauen Diplomatie, seine tiefen Gründe nicht zu verraten. Wenn man eine Kriegsgeschichte betrachtet, dann unterscheidet man die Ursache und den Vorwand zum Kriege. So lag auch den Beratungen dieser führenden Män⸗ ner Jerusalems eine tiefe Ursache und ein äußerlicher Vorwand zu Grunde. Der tiefe Grund lag darin, daß Jesus eine Reli⸗ gion lehrte, die keine Priester nötig machte, duß er eine Fröm— migkeit verbreitete, die an keine Werke gebunden war. Damit fürchteten die vorhandenen Autoritäten Nachteil für sich. Sie stellten sich dem Fortschritt tieferer Gotteserkenntnis entgegen. Von da aus suchte man nach einem Vorwand, um den gefähr⸗ lichen Mann aus dem Wege zu räumen. Es war besser, wenn ein Mensch stirbt, als daß das ganze Volk von diesem verdor⸗ ben würde. In diesem Worte lag eine Härte, die nur durch den guten Zweck zu entschuldigen war. So beschloß man den Tod dieses Propheten. Er mußte sterben. Was war seine Schuld? Er hatte sich zum Messias gemacht! Das war Gotteslästerung! Wirklich? War es das? Wartete nicht das ganze Volk einschließlich der Pharisäerpartei auf das Kommen des Messias? Also mußte doch eines Tages ein Mann erscheinen, der von sich sagte:„Ich bin der Messias.“ Jeder andere hätte kommen und dies sagen dürfen ohne eine Gotteslästerung zu begehen. Nur bei Jesus war es ein Ver⸗ brechen. Wollte man ihn aber in den Tod bringen, dann be— Ihre Aufgabe ist, die Glie— der der einzelnen Erzeugungsorgane und damit die Or⸗ gane selbst zu zwingen, sich dem Rhythmus des Staats⸗ ganzen anzupassen. Dieser Rhythmus ist an jedem Orten verschieden, zugleich aber paßt sich jeder Einzel⸗ rhythmus einem über das ganze Land sich erstreckenden Gesamtrhythmus an. Jeder für sich abgeschlossene Rhyth⸗ mus kann nur von einer Einzelperson beherrscht wer⸗ den. Es gibt nun zwei verschiedene Arten von Ord⸗ nungsumwelten. Die Umwelten, die die Ordnungs⸗ organe ausmachen, sind grundsätzlich von den Umwel⸗ ten der Erzeugungsorgane verschieden. Auf der ande⸗ ren Seite gibt es aber auch Ordnungsumwelten, in den Erzeugungsorganen. Wir unterscheiden die Privat⸗ beamte von den Staatsbeamten. Die Tätigkeit der Mitglieder der Ordnungsorgane ist eine Funktion, weil sie darin besteht, eine Staatsregel in die Tat umzu⸗ setzen, und keine Handlung, die einer Eigenregel der Person folgt. Im Unterschied zu Tieren und Pflanzen ist es beim Staate möglich, den Inhalt der Umweltzellen heraus- zunehmen. Die Insassen, welche die Umwelten bevöl⸗ kern, nennt man Volk, im Unterschied zum Staat. Es müssen nämlich die Menschenketten immer neu gebil⸗ det werden. Die nur eine begrenzte Zeit arbeitsfähigen Menschen müssen ständig ersetzt werden. Wie wird die— ser Menschenersatz geschaffen? Während die Zellen eines Lebewesens nie ihren Zellenverband verlassen können, die Ameisen und Bie— nen nur ihre Berufswelt kennen, so ist nur im Men⸗ schenstaate eine Gegenüberstellung von Staat und Volk möglich. Nur einen Bruchteil seines Lebens bringt der Mensch in seinen beruflichen Umwelten zu, die andere durften sie die Mitwirkung des römischen Statthalters. Dieser allein durfte ein Todesurteil fällen. Deshalb mußte man weiteren Vorwand suchen, der den Pilatus zum Fällen des Todesurteils veranlaßte. So machte man ihn zum Judenkönig, ihn den König der Wahrheit. Als nun Pilatus nichts Todeswürdiges bei ihm fand, suchte er den Angeklagten loszuwerden. Aber die Führer des Volkes wollten nicht um ihr Ziel kommen. Deshalb agitierten sie, warben sie um die Stimmung des Volkes, hetzten sie die Menge auf. Pilatus aber nahm Wasser und wusch seine Hände vor dem Volke:„Ich bin unschuldig an dem Blute dieses Gerech— ten; sehet ihr zu!“ Er, der die Verantwortung hatte, suchte sich ihrer zu entziehen. Da antwortete das ganze Volk und sprach: „Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!“ Das Volk übernahm die Verantwortung, von der sich der Verantwortliche drückte. Das Volk, das am Sonntage begeistert war von dem neuen Propheten. Das Volk, das Jesus mit Freuden begrüßt hatte. War so etwas überhaupt denkbar? Ja, das ist heute noch denkbar. Wenn das Volk regiert, dann herrschen in Wirk— lichkeit diejenigen, die den Willen des Volkes zu lenken ver⸗ stehen. Eine Masse kann nie regieren, auch kein Urteil fällen. Das kann nur ein Verantwortlicher. Dieser Verantwortliche war jedoch unfähig, die Verantwortung zu tragen. So wurde Jesus zum Tode verurteilt. Die Woche nahm einen frohen Anfang, aber ein sehr trau⸗ riges Ende. Was war wohl das Traurige? War es dies, daß 2 am Kreuze sterben mußte? Nein, das war es nicht. Je⸗ atte das ja seinen Jüngern schon gesagt, das müsse so sein. rige lag bei den Menschen, welche so elend versagt Das Bild des Pilatus stimmt traurig und trostlos. hrenden Kreise Jerusalems wirkt erbärmlich. Hosianna“, morgen„kreuzige ihn“ rief, zeigt uns da ild, uns heute noch bei jeder Volks⸗ masse so unsympathisch ist. Das ist das Traurige bei Jesy Tod. Amen. Hr. Die Angst der Die Volksmasse, die heute 1 1 1 5 1 1 ö 4 ö f Sonnabend, den 9. April 1927. „ Milteilung der Reichsgeschüftsstelle „Evangelische Warte“ Einzelbestellung unseres Organs, der„Evangelischen Warte“, ist in Zukunft nur noch durch die Post möglich. Die Bestellung bei der Post kann zu jeder Zeit erfolgen. Nur bei Bezug von 5 Exemplaren ab in einem Sammelpaket erfolgt die Zustellung durch den Verlag. Als selbstverständlich nehmen wir an, daß von jeder Ortsgruppe spätestens am 10. jeden Monats die Bezugsgebühren an den Verlag abgeführt sind. Weidner. Zeit verlebt er in seiner eigenen Umwelt. Jeder Mensch wird in seiner eignen, von anderen unterschiedlichen Umwelt hineingeboren. Diese Umwelt des Einzelmen— schen muß sich ergänzen mit der ihm als Glied eines Staatsorgans gegebenen Amwelt. Ein Architekt auf den Posten eines Gärtners gesetzt oder umgekehrt, wird eine heillose Verwirrung anrichten. Der Staat, welcher, wie schon gesagt, naturgegebe— nen Regeln folgt, stellt an das Volk bestimmte Forde— rungen. Nicht kann das Volk an den Staat solche For— derungen stellen. Die erste Forderung dieser Art be— zieht sich auf die zur Auffüllung der Menschenketten notwendige Anzahl von Menschen. Die zweite Forde— rung ist die Arbeitswilligkeit der Menschen, sich in die Staatsfunktionen einzugliedern. Die dritte Forderung lautet: Leibliche Gesundheit der Volksgenossen. Die vierte Forderung ist: Bereicherung der UAmwelten der Volksgenossen. Deshalb Unterstützung von Kunst und Wissenschaft. Die fünfte Forderung heißt: Friede unter den Bürgern eines Landes. Die sechste Forderung lautet: Spezielle Ausbildung des Einzelnen für seinen Posten im Staate. Die siebte Forderung. die letzte und ernsteste des Staates an das Volk, heißt: Bereit sein, den Staat im Falle eines Krieges bis aufs äußer— ste zu verteidigen. Das Organ des Menschenwechsels ist die Familie. „Ein eigenes Heim mit Hof und Garten, in dem sich die Kinder unter der Obhut der Eltern in körperlicher und geistiger Gesundheit entfalten können, ist das höchste, was der Staat den Menschen überhaupt zu bieten vermag.“ Der Familienberuf fordert die Hälfte aller Volksgenossen, nämlich die Frauen. Aus der Familie nimmt der Staat seinen Urspruna, und in der Familie gipfelt er. Denn alle Enderzeugnisse der Er⸗ zeugungsorgane häufen sich in den Wohnhäusern der Familien. Kleidung, Nahrung, Heizmaterial sind nichts als Früchte der Erzeugungsorgane. Die Familienumwelt ist zugleich die Berufsumwelt der Frau. Von der Umwelt der einzelnen Frau hängt die Umwelt der ganzen Familie ab.„Alle Frauen, die die Familienumwelt als zu eng ablehnen, beweisen da⸗ mit nur die Kümmerlichkeit und Jämmerlichkeit der eignen Umwelt.“ Bei dem Manne ist es insofern anders, als er neben seiner Familienumwelt noch eine spezielle Be⸗ rufsumwelt hat. Mit der Berufswelt dient er seinem Staate, mit der Familienwelt wurzelt er im Volke. Wir verlassen nun die Betriebslehre und wenden uns zum Schlusse der Pathologie, der Lehre von den Krankheiten des Staates zu. Professor von Uexküll bespricht zuerst die Presse als den„größten Feind“ der Gesellschaft. Besonders ist es die„Freiheit der Presse“, welche er als gefährlich für den Staat ansieht. Die erste Krankheit ist das Verwachsen der Staatsgewebe. Der Verfasser versteht darunter die Errichtung von Gegenorganisationen gegenüber den staatlichen Organisationen, welche die Erzeugungsorgane der Quere nach mit einander ver⸗ binden. Gemeint sind die zur politischen Kraftentfal— tung gegründeten Berufsverbände und Gewerkschaften. Die zweite Krankheit nennt der Verfasser: Die Auflösung der Staatsgewebe. Er meint damit die durch das Schwinden von Gewissenhaftigkeit und Pflichtgefühl hervorgerufene Loslösung des einzelnen Gliedes von Dornenwege. Roman von Clara Meller. 19. Fortsetzung. Der Bahntrubel erreichte seinen Höhepunkt, als sie an— langten, glücklicherweise waren keine Bekannten zu sehen, und Fernstehende konnten die Verhältnisse nicht beurteilen, alles ging nach Wunsch. Noch ein dankbarer Blick und Händedruck, ein„Behüt Dich Gott“ ihrerseits, und das Liebeswerk war vollbracht, sie konnte, im tiefsten Herzen zufrieden, den Heim— weg antreten. Sie wendete auch hastig um, o schnell heim, es erregte sie doch mehr, wie sie eingestand. Eine laute, herrische Stimme verhandelte mit dem Hausdiener des ersten Hotels vor dem Billetraum, wohl absichtlich laut, um bemerkt zu werden, und sein Blick war dabei unausgesetzt auf Urle gerichtet. Unwill⸗ kürlich folgte sie der Richtung, der Heimatsklang, so verschie⸗ den vom rheinischen Dialekt, zog sie an und— da stand sie auch schon wie angewurzelt, alles um sie her schien sich wie im Kreise zu drehen, von dort drüben funkelten sie die Augen Dr. Münsters feindlich an. Der frische Luftzug, die nächtliche Kühle, die durch den weiten Türbogen drang, gab ihr schnell die Fas— sung zurück. Er schien sie beobachtet zu haben, vielleicht er— weckte das schöne Wesen, der sonderbare Abschied von dem frem—⸗ den Manne zur Nachtzeit, seltsame Gedanken in ihm, wähnte er sie vielleicht auf Abwegen?— Es war das erste Menschenkind, das ihr hier aus der Hei— mat begegnete, welch ein Zufall. Sie wäre so gern im ersten Impuls auf ihn zugeeilt und hätte ihm in überströmender Freude die Hand geschüttelt und Heimatgedanken mit ihm aus⸗ getauscht, aber der kalt abweisende, vorwurfsvolle Blick hielt sie zurück, fie ging an ihm vorüber wie an einem Fremden. Der Hotelwagen überholte sie, absichtlich bog sie den Kopf seitwärts, es war besser, er ging in die Weite, ohne von ihrem der Menschenkette. Dann ordnet sich der Einzelne nicht mehr den Staatsnotwendigkeiten ein, sondern sucht mit dem Weltideal des Materialismus seinen eignen Vor— teil. Als dritte und gleichzeitig als gefährlichste Krank— heit des Staates wird die politische Blindheit genannt. Was er damit meint, erklärt er uns mit folgendem Satze:„Politische Blindheit ist das Unvermögen, den Staat zu sehen.“ Professor von Uexküll erinnert daran, wie durch Auflösung des Pflichtgefühls der einzelne Bürger zu seinem Staate in ein vertraglich festgelegtes Rechtsverhältnis gekommen ist. Der Staat ist zu einem gleichberechtigten Partner des einzelnen Bürgers herabgesunken. Das läßt eine politische Blindheit gegenüber den Naturbegebenheiten, auf die sich der Staat aufbaut, erkennen. Die Staatsfunktionen wer⸗ den dann durch beliebige Regeln ersetzt, der Staats⸗ rhythmus wird durch die Willkür solcher bestimmt, die „Ordnung mit Herrschaft verwechseln“. Als Krankheiten werden schließlich noch genannt: Die Herrschaft des Tauschmittelorgans und die para⸗ sitären Erkrankungen. Mit den Kapiteln über: Inter⸗ nationalismus und Menschlichkeit und Die Gesundheits⸗ pflege des Staates schließt das Werk ab. In der Hauptsache habe ich mich im Vorstehenden damit begnügt, die Gedanken des Verfassers wieder— zugeben. Meine Aufgabe sah ich vornehmlich darin, den Lesern einmal nahe zu bringen, wie man sich durch biologische Erfassung des Staates ein anschauliches und klares Bild vom Staate machen kann. Auch halte ich es für sehr empfehlenswert, wenn unsere Vereinsvor⸗ sitzenden den einzelnen Mitgliedern durch Zuhilfe— nahme von graphischen Darstellungen ein leichteres Verständnis vom Staate vermittelten. Was weiß denn der einfache Mann davon, daß es im Staatsleben Na⸗ turnotwendigkeiten gibt, denen er sich unterzuordnen hat. Wir sind heute ja tatsächlich meist völlig blind demgegenüber, was uns Aufgabe und Lebenszweck gibt. Die Staatsbiologie Professor Dr. h. c. J. von Uexkülls kann da in leichtverständlicher Weise viel Gutes wirken. Aus der Arbeit des Evangelisch. Bundes. Der Lehrgang des Evangelischen Bundes in Mainz vom 14.—16. März stand im Zeichen intensiver, prak⸗ tischer Arbeit für Kirche und Evangelium in der Oef⸗ fentlichkeit. Ein kleinerer Kreis von Vertrauensleuten und Interessierten aus dem ganzen Hessenland(30—40) berieten drei Tage lang in eingehender Aussprache und mit einer Fülle praktischer Ergebnisse die konfessionelle Lage sowohl im Reich wie in Hessen, insbesondere die Mischehenpflege und die Arbeit des Evangelischen Bun— des. Dr. Ohlemüller, Berlin, der wissenschaftliche Mitarbeiter an der Zentrale des Evangelischen Bundes, zeigte in seinem einleitenden Vortrag die gewaltige Verschärfung der konfessionellen Lage. Der Ultra— montanismus erstrebt nicht weniger als die Revision der Geschichte und des deutschen Staatsgedankens, eine Synthese zwischen Deutschtum und Römertum. Görres ist der Typus dieses Strebens. Die„Wiedervereini— gung im Glauben“ ist nur möglich durch Aufgehen der einen Kirche in die andere. Alle Bemühungen zur Sicherstellung des konfessionellen Friedens sind erfolg⸗ Unglück zu erfahren, sie wußte, wie erbarmungslos sich andere darüber freuen würden, nur eines schmerzte sie tief, daß die Situation sie in ein falsches Licht gestellt, daß er die Gedanken mit hinausnahm, unaufgeklärt. Sie ahnte ja nicht, daß er Ihretwegen kam, daß er längst von ihrem Unglück durch einen hiesigen Studienfreund erfah⸗ ren, er gehörte nicht zu den Wandervögeln, die nur das wonnige Rheinland durchstreifen, er wollte die wiedersehen, die durch seine ungestillte Sehnsucht einen Glorienschein in seinem Her— zen besaß, ihm noch höher, reiner erschien, weil er oft in den Sündenpfuhl geblickt und sich dann ja leicht der Irrglaube auf— drängt, die ganze Welt sei ein Sumpf, alles Reine, Hohe, Edle sei gestorben. Nun die ganze Aufregung mit Urles Schwager vorüber war, kam bei den drei Frauen der Rückschlag, sie ängstigten sich über die Maßen, daß bei ihnen Nachfrage nach dem Geflohenen kommen könnte, bei jedem Schellenruf der Türglocke schreckten sie zusammen. Auch jetzt stockte der Fuß Arles, als sie, Naemi auf dem Arm, einlaßbegehrend durch das matte Glas der Türscheibe sah. Sie drückte das Kind fester an sich und öffnete, da stand der „Kräuterpitter“ vor ihr, behangen mit heilsamen Wurzeln und Körben voll Kräutern und Blüten, die er zum Kauf anbot. „Bringen Sie das Kind fort,“ rief er rauh,„der starke Geruch schadet Kindern,“ und wies energisch nach der Tür. Frau Benningsen, von dem lauten Sprechen herbeigerufen, nahm das Kind von ihrem Arm, das ängstlich die Aermchen nach der Oma streckte. „Sie brauchen nervenstärkenden Tee,“ sagte der wunderliche Waldheilige und hielt ihr ein Päckchen Kräuter hin,„es kostet 10 Pfg,“ erklärte er mit einer Bestimmtheit, als sei der Kauf endgültig abgeschlossen. Urle dachte an ihre leere Sparbüchse, sie mußten sich jetzt einschränken, es war nicht ihre Absicht, dem Alten etwas abzu⸗ kaufen. „Wenn Sie meine Kundin werden,“ fuhr er unbeirrt fort, Auf der Warte. In China ist die Lage wieder sehr gespannt. Di Kantonesen legen in Schanghai in unmittelbarer Näl der europäischen Konzessionen Schützengräben an, ei bedenkliches Zeichen. Zahlreiche Fremde verlassen nu das Innere des Landes, da für das Leben der Auslä der keine Garantie gegeben werden kann. Die Kante nesen setzen ihren Vormarsch in der Richtung auf Pekin fort. Sie müssen in kürzester Zeit auf die Befehlsbel reiche anderer Generale stoßen, deren Stellung bis jetz unklar ist. Der Konflikt Jugoslawien⸗Italien hat im mer noch keine Lösung gefunden. Während Italien be hauptet, Jugoslawien würde an der albanischen Grenze rüsten, behauptet dieses Land, Italien unterstütze Al banien mit Waffen und Instruktionsoffizieren. Die Großmächte haben trotz aller diplomatischen Kniffe noch keinen Ausweg entdeckt.— Italien empfängt in diesen Tagen den Besuch des ungarischen Ministerpräsidenter Graf Bethlen, der die Donau- und Adriafrage aufrol len wird. Ungarn wünscht einen Zugang zum Meer, Man darf auf das Verhalten Italiens gespannt sein — In Marokko ist anscheinend ein Nachfolger Abdel Krims erstanden, der zunächst den Spaniern schwer zu schaffen macht. aufgerieben worden sein. Selbstredend dringen nur notdürftige Nachrichten durch, die auch noch durch die spanische Zensur gehen.— Mit Frankreich gelangte ein Handelsabkommen zum Abschluß, das unserem Win zerstand schweren Nachteil bringt.— Die Deutsche Volkspartei hielt ihre fünfte allgemeine Kulturtagung, Sie hat sich dabei entschieden gegen ein Konkordat aus. gesprochen. Erfreulicherweisel Prof. Wentz-Minden“ prägte das Schlagwort: Das beste Konkordat ist ke in Konkordat. Hoffentlich kommt diese Einsicht auch noch bei anderen schwankenden Parteien.— In Berlin hatte der Reichsverband der Rheinländer, die Rheinische Frauenliga und der Verein der Hessen zu einem rheini⸗ schen Nachmittag im Reichskanzlerpalais aufgerufen. Damit verknüpft war eine Abschiedsfeier für den aus dem Dienst scheidenden hessischen Gesandten, Freiherrn von Biegeleben. Der Mainzer Oberbürgermeister Dr. Külb wies in einer bedeutsamen Rede darauf hin, daß Deutschland ein moralisches Recht auf die Räu— mung der besetzten Gebiete habe. Er zeigte, wie Mainz und das besetzte Gebiet unter dem Druck der Besatzungs⸗ lasten leidet. Entfielen doch nach einer Statistik vom September 1926 auf 10 000 Einwohner im bayerischen besetzten Gebiet 169, im besetzten preußischen Gebiet 181, im besetzten hessischen Gebiet dagegen 420 Mann fremdländische Truppen.— Der Landtag war vor Ostern in Hessen nur zu einigen Sitzungen zusammen⸗ getreten.— Die Stadt Mainz, die größte Stadt Hes⸗ sens mit über 100 000 Einwohnern, hat mit einer Reihe von Nachbarorten Eingemeindungsverhandlungen an⸗ geknüpft. los gewesen, weil es sich um grundsätzliche Gegensätze handelt, die nicht überbrückbar sind. Auch der Stand— punkt„dogmatisch intollerant und bürgerlich tollerant“ ist niemals von Rom gebilligt worden und gibt auch keine verlässige Grundlage des konfessionellen Friedens. Größere spanische Abteilungen 1 0 Nicht Duldung, sondern Achtung ist hierzu die Vorbe⸗ dingung. Gegenüber der katholischen Propaganda gibt es nur ein Heilmittel, die evangelische Mission. In seinem Nachmittagsvortrag beleuchtete dann Dr Ohlemüller die inneren Schwierigkeiten des Katholi⸗ zismus. Dieser wird von seinen eigenen Anhängern vielfach nur als das Ordnungsprinzip, als Erzieher zum Staatsgehorsam und zur Allgemeinwohlanständigkeit gewertet. Gegen die reklamhafte Aufmachung des kirchlichen Lebens erfolgten starke Proteste, namentlich von Seiten der Jugendbewegung. Besonders fühlbar ist der Mangel einer Theologie von der Kirche. Es gibt keine authentische Erklärung, was Kirche ist. Weite dürfen Sie mich auch in meiner Klause besuchen, ich heile alle Wunden, alte Schäden und Krankheiten. Hier diese Veilchen— wurzel für das kleine Kükchen, kostet 20 Pfennig!“ „Wo wohnen Sie denn“, fragte Urle, die einsah, daß sie ihn nicht ohne Kauf los wurde. „Weit hinter dem Kloster Heiligenstein, die Hütte bei dem früheren Kohlenmeiler, das war aber lange vor meiner Zeit, junges Frauchen, die gehört mir, da lebe ich als Einsiedler zum Segen der Menschheit, denn ich allein kenne die Kräuter meiner Berge, meines Waldes.“ Er hörte jemand die Treppe herauf⸗ kommen und trat an das Geländer, ein Mann, der große Ker⸗ zen feilbot, stapfte mit wuchtigen Schritten herauf. „Wir brauchen keine Kerzen,“ rief Kräuterpitter hinuter. Der Mann sah hoch und stand still, doch als er den weiß—⸗ gelockten Alten sah, beschleunigte er nur seine Schritte. „Brauchen Sie Kerzen, reine Wachskerzen, tropfen nicht und brennen so lange, als wäre es das ewige Licht: „Nein, nein, danke,“ sagte Urle. „Wir brauchen keine Kerzen,“ rief Kräuterpitter hinunter. Gott selbst dazu gepflanzt,“ bekräftigte der Waldheilige und hielt ihm die Blütenrispe einer Königskerze hin. „Bist wohl auch ein Kalvinscher Blaukopp, ein hungriger Ketzer, he?“ rief er erbost. „Nee,“ lachte Kräuterpitter,„ik lebe vor mir und koche mich selbst, meine Kirche ist mein Wald, und wenn ich bete, brauche ich keinen, der mir das Puterlatainisch vorquaselt, ich spreche deutsch mit meinem Gott!“ „Na, wie ist es mit einer Kerze, ich habe diese Sorte bis 12 Mark?“ „Ich bin evangelisch, habe also keinen Bedarf darin“, wehrte Urle. Schimpfend ging der grobe Wicht ab, deutlich vernehmbar waren nur immer die Worte: Kalvinscher Blaukopp und Ketzer⸗ bande, wohl das Schlechteste, was er nach seiner Meinung einem Menschen nachsagen konnte. (Fortsetzung folgt.) onde leg gebe deut und let chen; sind! die und Quel bens. lich g Ausf liche fit! sesse gen leits lehte um einig das sinnu fahr, fiigt 1 — 1 Sonnabend, den 9. April 1927. rr A Add ð dd. DDD „Evangelische Warte“ Nr. 15. Kreise verlangen„den Einbau der Laien in den Bau der Kirche“. Hellpach hat recht, wenn er die Stellung des Katholiken zum Staat dahin kennzeichnet:„Der Katholik ist Bürger, aber er kann nicht Bürge sein.“ Er ist nicht zu selbständiger Verantwortung erzogen. Der Kampf zwischen katholischer Seele und deutschem Ge— wissen hat nie aufgehört; die seelische Spannung im Katholizismus ist ungeheuer groß, die Aeußerlichkeit seines Wesens wird weithin als religiös ungenügend empfunden. Der Katholizismus macht eine schwere Krise durch. Wir haben ihm gegenüber die Verpflich— tung, die Herrlichkeit des Evangeliums klar herauszu— stellen. Die eingehende Aussprache am Vormittag und Nachmittag behandelt die Tätigkeit des Evangelischen Bundes nach allen Richtungen des öffentlichen Lebens hin. Es wurde gesprochen über die Vertretung evan— gelischer Belange in Politik, Presse, Schulfrage, Hoch— schule, sozialer Frage, Wirtschaftsleben. Noch mehr in die praktische Einzelarbeit führte der Vortrag des Pfar⸗ rer Berk, Roßdorf, am Dienstag, den 15. März. Es wurde viel Gutes und Praktisches gesprochen über den Auf⸗ und Ausbau der Bundesarbeit in Zweigvereinen, Dekanats- und Provinzialgruppen. Gefordert wurden eine Bundeszentrale in Darmstadt, ein Instruktions⸗ buch für die Bundesarbeiter und Zweigvereine. Ein— gehend wurde auch verhandelt über das Verhältnis zur Landeskirchenregierung, das in früheren Jahrzehnten ein vorzügliches gewesen ist. Das Ergebnis der Aus— sprache war eine Reihe von Anträgen an Landeskirchen— tag und Landeskirchenregierung. Eine Reihe jüngerer Pfarrer erklärten sich bereit, durch Vorträge in Zweig⸗ vereinen die Arbeit des Bundes zu unterstützen. Be— sonders wertvoll war die Einführung in die Mischehen⸗ pflege, die Pfarrer von der Heydt, Koblenz, der Heraus⸗ ch nh geber des Handbuches„Die Mischehe“ und der beste ensätz Stand, erant' t aut 'edenz Vorbe ganon lission U Dl. atholl ingen er zun diglei 9 dez entlit uhlbah 55 gib Weill fle all leilchen deutsche Kenner dieses Gebietes, Dienstag nachmittag und Mittwoch gab. Auch für Hessen, so führte der Red— ner aus, zeigt sich ein ständiges Ansteigen der Misch— ehenziffer. Ein Viertel aller Ehen unseres Landes sind heute bereits Mischehen. Daraus allein ergibt sich die Bedeutung dieser Frage für den kirchlichen Bestand und die religiöse Volkserziehung. Die Mischehe ist die Quelle der religiösen Gleichgültigkeit und des Unglau— bens. Ein Fünftel aller Mischehen werden nicht kirch— lich getraut, während bei rein evangelischen Ehen der Ausfall nur 6 Prozent beträgt. Die Zahl der evange— lischen Kindertaufen verschlechtert sich ständig, sie ist seit 1910 um 5 Prozent zurückgegangen und steht in Hessen nur noch auf 92 Prozent. Ob sich hier die Fol⸗ gen der verschärften katholischen Mischehenpraxis be⸗ reits zeigen, werden die folgenden Jahre noch deutlicher lehren. Es handelt sich bei der Mischehenpflege nicht um Seelenfang, auch nicht darum, die Statistik um einige Prozent zu verbessern, sondern darum, ob sich das evangelische Familienideal der Gebets- und Ge⸗ sinnungsgemeinschaft aufrecht erhalten läßt. Die Ge⸗ fahr, daß in der Mischehe sehr viele religiös verflachen, ist größer als wie die, daß sie sich zu dem anderen Glau- ben hinüberziehen lassen. Die katholische Praxis einer eidesstattlichen Verpflichtung ist in jedem Falle ver⸗ werflich. Das neue kanonische Mischehenrecht läßt sich in keiner Weise rechtfertigen. Es handelt sich dabei nicht, wie behauptet wird, um einen erlaubten Akt der Kirchenzucht, sondern darum, daß auch der evange⸗ lische Teil unter das Urteil der römischen Kirche ge— stellt wird, indem ihm gesagt wird, deine Ehe kann nur gültig sein, wenn sie der katholische Priester einsegnet. Vor allem aber auch widersprechen die Bestimmungen über die Kindererziehung dem deutschen Staatsrecht von 1921. Aus alledem ergibt sich, daß eine geordnete Mischehenpflege seelsorgerlicher Art ein unbedingtes Erfordernis ist. In jeder Pfarrei über 3000 Seelen muß ein Gemeindeamt eingerichtet werden. Dekanats⸗ und Landesmischehenpfleger müssen für die ständige Ueberwachung sorgen. Auf Aniversitäten und Predi⸗ gerseminaren ebenso wie in Diakonissenhäusern sollte Ist ein Leben nuch dem Lode denkbar? Eine volkstümliche Betrachtung von F. Haupt⸗Gießen. 3. Fortsetzung. Wenn wir nun die Welt der Träume uns einmal ansehn, sind wir erstaunt, welche Leistungen unser Seelenleben im Schlaf vollbringt. Schon der gewöhnliche Schlaf ist doch oft eine ganz gewaltige geistige Leistung. Welche Phantasie ent⸗ wickeln wir da! Man hat ein Buch gelesen bom Kongo, es wird uns im Wachen schwer gelingen, uns diese lebendige Vor⸗ stellung vom Kongo zu machen, wie sie uns der Traum gibt. Im Traum sieht man alles ganz deutlich vor sich: Man hört die Wasser des Kongo rauschen, man sieht die Palmen an den Ufern stehen, man sieht die herrliche tropische Vegetation usw. And das ist möglich trotz der Uebermüdung des Gehirns! Es gibt aber nicht bloß gewöhnliche Träume, es gibt auch soge⸗ nannte Klarträume und Wahrträume. Im Leben gar manches Genies spielen die Klarträume eine wichtige Rolle. Oft sind ihnen im Klartraum die größten Ideen gekommen. Händel 3. B. hat das große Hallelujah im Traum gedichtet. Der Gei⸗ genkünstler Tartini erzählt, wie ihm einst eine neue Melodie im Traum gekommen. Er dachte den ganzen Tag darüber nach, brachte aber nichts zustande. Im Traum erscheint ihm der Teufel, er ergreift die Violine und spielt ihm die Melodie vor. Er hat beim Aufwachen nur nötig, die im Schlafe gefundene Melodie niederzuschreiben. Merkwürdig, daß wir oft im Schlaf Dinge vollbringen, zu denen wir im Wachen garnicht fähig sind. Im sogen. Wahrtraum sind wir doch oft mit Menschen verbun⸗ den, die meilenweit von uns entfernt sind. Ich träumte selbst einmal einen solchen Wahrtraum. Es war am 14. Januar 1915 n Posen. Im Traum höre ich meinen Bruder nach mir rufen. Ich will ihm zu Hilfe eilen, da sehe ich, daß ihn die Franzosen zerrissen haben. Der Traum hatte mich so erregt, daß ich auf⸗ für die nötige Einführung in die Probleme gesorgt wer— den. Die Anregungen wurden zusammengefaßt in fol— genden Beschlüssen: Wir regen an, der Hauptvereinsvorstand wolle an die Landeskirchenregierung herantreten mit dem An— trag, planmäßige Mischehenpflege durch Pfarrer und Helfer nach dem Muster der Arbeit im Rheinland an— zuordnen und einzurichten, und zwar: a) in den Ge⸗ meinden 1. durch Einrichtung und Fortführung einer ge— nauen Statistik in Kartotheken, 2. durch eine geordnete und ununterbrochene Mischehenpflege; b) in den Deka— naten und in der Landeskirche durch Bestellung von Dekanatsmischehenpflegern und Landesmischehenpfle— gern, die mit amtlicher Autorisation versehen, die Sta— tistik auf das genaueste prüfen. Angeregt wird weiter: Die Mischehenpflege zum Thema von Provpizialkonferenzen zu machen und zum Redner Pfarrer von der Heydt, Koblenz, vorzuschla— gen. Die beiden großen öffentlichen Versammlungen, die am 14. und 15. März, abends für die evangelischen Gemeinden von Mainz stattfanden, waren wertvolle Kundgebungen des evangelischen Willens. Es sprachen in dem beidemal bis auf den letzten Platz gefüllten Saal des Evangelischen Vereinshauses Pfarrer D. Waitz, Darmstadt, über„Die gegenwärtige Kultur- krisis und die Kräfte zu ihrer Ueberwindung“, und Prof. D. Hans Schmidt, Gießen, über„Luthers Ein feste Burg-Psalm'“. Alles in allem dürfen wir dem Evangelischen Bund dankbar sein, daß er von neuem tatkräftige, vraktische Anregungen von weitgehendster 1 für unser ganzes kirchliche Leben gegeben at. Die Deulschnationalen und das Konkordat. In einer Vertrauensmännerversammlung der Deutschnationalen Volkspartei sprach am Sonntag, den 20. März 1927 in der Burgwirtschaft zu Lauterbach Herr Studienrat Dr. Lenz aus Gießen. Er schilderte zunächst in sehr klarer Ausführung die Unterschiede in den Zielen der einzelnen Parteien, wobei er namentlich vom Zentrum nachwies, daß es ihm zur Durchführung seiner Politik gleichgültig sei, ob eine Anlehnung nach links oder rechts zum Ziel führe. Es sei leider zu befürchten, daß seine jetzige An⸗ lehnung nach rechts nur so lange anhalten würde, bis es das Schulgesetz und das Konkordat durchgebracht habe, dann würde es mit einer dankenden Verbeugung nach rechts sagen: der Mohr hat seine Schuldigkeit ge— tan, der Mohr kann gehen. Das ist ja eine sehr ehrliche Sprache. Hier wird ganz offen zugegeben, daß die Deutschnationalen bereit sind, dem Konkordat zuzustimmen. Einen anderen Sinn kann doch diese Meldung nicht haben. Wir sind sehr dankbar für diese Offenherzigkeit. Man beachte auch die folgende Meldung: Die Konkordatsfrage. Wie aus parlamentarischen Kreisen verlautet, steht eine Fühlungnahme zwischen dem Reichsminister des Innern von Keudell und dem preußischen Kultus⸗ minister Dr. Becker bevor, dessen Zweck es sein soll, daß Preußen und das Reich bei der Aufnahme von Konkor⸗ datsverhandlungen sich auf einer gemeinsamen Grund⸗ lage verständigen. Zuerst werde das Reich die Ver⸗ handlungen mit dem Vatikan aufnehmen, während unmittelbar darauf die preußische Regierung sich den Verhandlungen anschließen werde. In Preußen sol—⸗ len demnächst interfraktionelle Besprechungen der Re— gierungsparteien über die Konkordatsfrage stattfinden, zumal die Sozialdemokratie durchaus bereit ist, ein Konkordat zu unterstützen, das den Bedingungen der Reichsverfassung entspricht. Also auch die Sozialdemokratie ist durchaus bereit, ein Konkordat zu unterstützen. Der Nachsatz,„das den wachte und fest überzeugt war, mein Brunder ist gefallen. Am ö folgenden Mittag kam auch das Telegramm, das seinen Tod meldete. Der später eintreffende Kompagniebericht schilderte seinen Tod ähnlich meinem Erlebnis im Traum. Solche Träume sind schon von Tausenden geträumt worden. Ich halte selten einen Vortrag über solche Dinge, ohne daß nicht über ähnliche Erlebnisse berichtet wird. Bekannt ist ja der Traum jener Seemannsfrau in England, die im Traum ihren Sohn rufen hört: Mutter, ich ertrinke! Sie weckt ihren Mann und sagt ihm, daß der Sohn umgekommen sei, sie habe es soeben ge⸗ träumt. Tatsächlich war in derselben Nacht das Schiff unter⸗ gegangen, auf dem sich der Sohn befand. Solche Träume ent⸗ stehen ohne äußere Veranlassung. Mein Bruder befand sich an einer ruhigen Stelle der Westfront, ich war weder durch einen Brief noch durch irgend einen anderen Hinweis auf seinen bevorstehenden Tod aufmerksam gemacht worden. Aber merkwürdig, daß die Menschenseele im Traum solche Ent— fernungen überbrücken kann! Krankhafte Schlafzustände haben die Somnambulen. Aber gerade diese sind zu ganz außerordentlichen geistigen Leistungen befähigt. Bekannt ist der Fall von jener Magd, die im som⸗ nambulen Zustand hebräisch sprach. Sie hatte nie hebräisch ge— lernt, woher die Kenntnisse? Es wurde festgestellt, daß sie einst Magd bei einem Pfarrer war, der öfters des Morgens hebräische Pfalmen laut las. Im somnambulen Zustand konnte sie das damals Gehörte wiedergeben. Also ein ganz unglaub⸗ liches Gedächtnis im somnambulen Zustand. Berechtigen nicht alle diese Dinge zu der Behauptung, daß hier eine gewisse Trennung des Seelischen vom Körperlichen vorliegt. Zeigen sie nicht, daß das Seelische auch ohne den Körper existieren kann? Wäre Seele Körper, dann müßten doch auch die gesündesten und kräftigsten Körper die größten geistigen Leistungen vollbringen. Das ist doch durchaus nicht der Fall. Die größten Geister haben durchaus nicht die ge⸗ sündesten Körper gehabt! Bedingungen der Reichsverfassung entspricht“, ist barer Unsinn. Es gibt kein Konkordat, das den Bedingungen der Reichsverfassung entspricht. Das Konkordat schließt die Herrschaft des Papsttums über den Staat in sich. Will das die Reichsverfassung? Da auch die demokratische Landtagsfraktion des preußischen Landtags kürzlich(bei der Darlegung ihres Standpunktes zur Konkordatsfrage) durch den Abgeord— neten Pfarrer Graue u. a. erklären ließ:„Wenn bei Konkordatsverhandlungen erhebliche Vorteile für den Staat zum Vorschein kommen sollten und gleichzeitig unsere katholischen Mitbürger damit zufrieden sind, dann bleibt die Frage des Konkordats für uns disku⸗ tabel und offen“, so dürfte damit erwiesen sein, was wir schon immer behauptet haben: Auch die Linkspar⸗ teien sind völlig unzuverlässig in der Konkordatsfrage. Die Arbeitslosigkeit 1926. Im Jahre 1926 waren bei den Arbeitsnachweisen als arbeitssuchende Personen gemeldet(jeweils am Schluß des Monats) in Millionen: Januar 2,495 Mill. Juli 2251 Mill. Februar 2,549 August 247 März 2,520 September 2,000„ April 2,373 Oktober 1919,„ Mai 2,347 November 2,007„ Juni 2,337 Dezember 2,400„ Danach hätte also der mittlere Stand der Arbeits⸗ losigkeit im vergangenen Jahre ungefähr 2,28 Millio⸗ nen betragen. Wenn man, der Aussage führender Wirt⸗ schaftler folgend, eine Zahl von 250—300 000 Arbeits⸗ losen als Normalstand ansehen kann, so ergibt sich, daß wir infolge der Veränderung der Wirtschaftsstruktur ein Arbeitslosenheer haben, das um zwei Millionen zu groß ist. Dr. Heichen knüpft in einem Aufsatz der Presse an diese Tatsache folgende Berechnung, die in ihren Einzelheiten gewiß anfechtbar ist, aber immer— hin einen Eindruck gibt, in wie starkem Maße die gegenwärtige Massenarbeitslosigkeit die Volkswirt⸗ schaft belastet. Legt man 300 Arbeitstage im Jahre zugrunde, so haben die Arbeitslosen 600 Millionen Arbeitstage nicht geleistet, was einem Erzeugnisausfall im Werte von etwa 2,4 Milliarden Mark gleichkommt. Wenn man im Anschluß an die Denkschriften des Reichsverbandes der deutschen Industrie und des Allg. D. Gewerkschaftsbundes ein jährliches Volkseinkom⸗ men von rund 50 Millarden annimmt, so ergibt sich eine Vorbelastung des Volkseinkommens von 5 Prozent pro Jahr, gewiß ein sehr beträchtlicher Ausfall. In diesem Zusammenhang weist Dr. Heichen auch mit Recht darauf hin, daß die Wirkungen der vielexörterten Rationalisierug der Industrie vom Standpunkt des volkswirtschaftlichen Gesamtnutzens aus betrachtet, keineswegs eindeutig erscheinen. „Was die Wirtschaft und was die Produktion auf dem Unkostenkonto durch erfolgreiche Rationali— sierung gewonnen hat, das ist durchaus kein Gewinn, der ihr hundertprozentig zugute kommt, sondern die— ser Gewinn geht zum Teil wenigstens wieder auf dem Steuerkonto verloren. Denn die Kosten für die Unterhaltung eines ungeheuer großen Arbeitslosen— heeres, das zum Teil ein Produkt eben dieser Ratio— nalisierung ist, müssen vom Fiskus, d. h. vom Steuer⸗ zahler, aufgebracht werden.“ Allerdings läßt sich die finanzielle Gesamtbelastung nicht genau erfassen. Charakter. Wie weit es Herrn Minister Becker, bei dem rö— misch-katholische Belange so gut aufgehoben sind, ge— lungen ist, sich die Liebe der evangelischen Bevölkerung zu erwerben, zeigt fast tragikomisch ein Bericht der „Deutschen Zeitung“ vom 19. März 1927 aus Essen. Danach sollte Herr Dr. Becker auf Pestalozzifeiern in Wenn ich mir aber denken kann, daß das Seelische ohne den Körper existenzfähig ist, dann verstehe ich auch den uralten Satz: Tod ist Trennung von Leib und Seele. Bei Betrachtung des Traumlebens hat man oft den Eindruck, daß die Seele erst recht ihre Schwingen erhebt, wenn sie sich vom Körper freige— macht hat. Warum soll sie nicht nach der völligen Trennung im Tode zu neuem höheren Leben befähigt sein? Wo aber geht sie hin? Wo aber ist der Ort, den der Herr bereitet hat denen, die ihn lieben? Ich erinnere an das, was ich am Anfang gesagt habe. Alle unsere Vorstellungen vom Raum sind Scheinvorstellungen. Es ist also eigentlich müßig, über den Ort, da das Jenseits ist, etwas auszusagen. Könnte man sich nicht aber ganz gut denken, daß es ist in einem anderen Sonnensystem? Es gibt ja Raum genug in dieser unendlichen Welt. Es gibt ja nicht eine Sonne, sondern Hunderte, nicht eine Erde, sondern Tausende Jedenfalls kann jener Soldat beruhigt sein, der seinen Pfarrer fragte: Wo sollen denn die vielen Toten alle hin, wenn die alle wieder lebendig werden wollen? Raum ist genug in die⸗ ser unendlichen Welt. An der Raumfrage scheitert die Ewig⸗ keitsfrage gewiß nicht. Ueber die Art der neuen Existenz der Seele nach dem Tode gibt 1. Kor. 15 sehr gut Auskunft. Dort heißt es: Möchte aber jemand sagen: Wie werden die Toten auf⸗ erstehen, und mit welcherlei Leib werden sie kommen? Du Narr: Was du säest wird nicht lebendig, es sterbe denn. Und, was du säest ist ja nicht der Leib, der werden soll, sondern ein bloßes Korn, etwa Weizen oder der anderen eines. Gott aber gibt ihm einen Leib, wie er will, und einem jeglichen von dem Samen einen eigenen Leib. Nicht ist alles Fleisch einerlei Fleisch, sondern ein anderes Fleisch ist der Menschen, ein anderes der Fische, ein anderes der Vögel. Und es sind himmlische Kör⸗ per und irdische Körper; aber eine andere Herrlichkeit haben die himmlischen und eine andere die irdischen.(Vers 35—40.) (Schluß folgt.) ...——— 2 5 ——ů— ——— wp— ——— — —— ————— H(—V — 22 gelische B 1 wenige össener Presse lesen: oll am kommenden Sonn ier die Festrede halten. e des Burggymnasiums, wo schristtich gegebenen Versprechens o dem derzeitigen Kultusminister statt eines evan⸗“ gelischen wiederum ein katholischer Direktor ernannt worden ist, noch keine Genugtuung gegeben hat, haben alle evangelischen Persönlichkeiten, die zu einem aus Anlaß des Ministerbesuches geplanten Festessen geladen waren, diese Einladung abgelehnt. Ebenso wird sich die evangelische Bevölkerung an der Pestalozzifeier nicht beteiligen.“ Angesichts so großer Liebe der Glau bensgenossen hatte der Doktor der Theologie, Dr. Becker, das Glück, rechtzeitig zu erkranken. Damit sah die evan gelische Bevölkerung das Hindernis als behoben an und deteiligte sich an den Pestalozzifeiern. Wir aber freuen uns, daß unsere westfälischen Glaubensgenossen solche Charakterfestigkeit gezeigt haben. Verschiedenes. Vor 100 Jahren und heute. Nach Feststellungen des Reichsernährungsministers wohnten vor etwa 100 Jahren noch rund 90 Prozent aller Deutschen in eigenen Häusern und nur 10 Pro zent in fremden zur Miete. Heute ist das Verhältnis genau umgekehrt. eines Ein vernüftiges Verbot. Um dem schädlichen Ueberhandnehmen des Rau chens Jugendlicher wirksam zu begegnen, hat das Thü⸗ agelische Watte ere gische Kreisamt in Meiningen im Wege einer Po erordnung für alle in Frage kommenden Perso⸗ liche Rauchen, auch in Gaststätten jeder Strase bis zu 150 oder entsprechender Haftstrafe verboten. zwar soll die Strafe nicht nur die Jugendlichen selbst, sondern auch Eltern, Aufsichts personen und Gaststätteninhaber treffen, wenn sie das Rauchen von gendlichen dulden. Die Verordnung wird in allen Gaststätten ausgehängt. Als Jugendliche gelten unverheiratete Personen unter 16 Jahren. Wie man hört, beabsichtigt wan, in ganz Thüringen diesem Beispiel zu folgen. nen das öfse Art, bei einer Die„Volkstümlichkeit“ der weltlichen Schule. Auch Berlin-Schöneberg sollte, um einem dringen den Bedürfnis abzuhelfen, am 1. April des Jahres eine weltliche Schule erhalten. Trotz eifrigster Werbearbeit ist es aber nicht gelungen, eine ganze weltliche Schule zustande zu bekommen, sondern nur eine halbe. Die Meldungen sind so wenig zahlreich, daß nur die Klas sen 8 bis 5, also die ersten vier Schuljahre eingerichtet werden können. Notgedrungen werden diese vier Klas sen einer Bekenntnisschule angegliedert und der Lei tung des Rektors dieser Schule unterstellt werden. An Lehrkräften haben sich bisher ein Lehrer und eine Lehrerin gemeldet. Aus unserer Bewegung. Darmstadt, 1. April. Die Ortsgruppe Darmstadt der Evan gelischen Volksgemeinschaft hatte die Evangelischen zu einer Versammlung im Feierabendsaal am letzten Mittwoch einge laden. Trotz des schlechten Wetters fand sich eine stattliche An zahl evangelischer Männer und Frauen ein. Herr Dipl.-Inge nieur Ludwig eröffnete die Versammlung um 8 Ahr. Dann Kr. 40 C(c— ergriss Herr Pfarrer Ide-FSöoͤchst das Wort zu seinem Vor⸗ trage Evangelischen Volksgemeinschaft im Kon 0 ichskonkordat“. Seine Ausführungen kennzeichneten die Gefahren, die uns durch die drohende Knebe⸗ lung der Geistes- und Gewissensfreiheit von Rom aus drohen, sodaß die Versammlung ihm öfters lebhaft Beifall spendete. Anschließend forderte Herr Pfarrer Velber alle noch unent⸗ schlossen Beiseitestehenden auf, in unsere Reihen in die Kampf⸗ front für die gute Sache einzutreten; nur die Tat, die sich im engsten Zusammenschluß der Evangelischen zeige, könne uns weiter bringen. Es meldeten sich darauf im Verlauf der letzten ganze Anzahl neuer Mitglieder. Zu einer Aus⸗ sprache nach dem Vortrage meldete sich niemand zum Wort, so⸗ daß um 11 Uhr die Versammlung geschlossen werden konnte, die einen erfolgreichen und harmonischen Verlauf genommen hatte. Tage eine * Darmstadt, 4. April. Die Ortsgruppe Darmstadt macht jetzt schon auf eine größere, voraussichtlich Anfang Mai stattfindende Versammlung aufmerksam. Berichtigung. Unserem Gewährsmann P. ist in Nr. 10 der„Evan⸗ gelischen Warte“ ein Irrtum infolge unrichtiger Blät— termeldungen unterlaufen. Nicht für 30 Milliarden Zigaretten wurden im Jahre 1925 verraucht, sondern 30 Milliarden Stück. Wenn man zu dieser Summe noch die Zigarren und den verrauchten Tabak rechnet kommt trotzdem eine ganz erkleckliche Summe heraus. Damit identifiziert sich die Schriftleitung, um auf mehrere Zu— schriften zu antworten, nicht mit den absoluten Nikotin⸗ gegnern, da von ihr ab und zu auch gern eine gute Zi— garre geraucht wird. Die Schriftleitung. WWW)))))))))))))))))))U.õõõõũũ N 0 0 n = Im Familienkreis N Fr bee eee, 8 8 Zur Konfirmation. Ijt die Kosirmation etwas wert? Die Eltern, welche ihre detanwachsenden Sohne und Tochter zum Konfirmanden⸗Anter richt geschickt haben, haben diese Frage bejaht. Sie haben sich's Har gesagt oder fühlen es wenigstens: die Kinder haben nicht bloß einen Leib, der gepflegt werden muß; nicht bloß einen Ver stand, der entwickelt und geüdt werden muß; sie haben auch einen Charakter, eine Seele! Und daß der Charakter an einem Menschen das Wichtigste ist, weiß jeder ebenso genau wie dies: der bestgepflegte Leib kann ruiniert werden, wenn der Charak ter nicht gestählt ist gegen gemeine Triebe und Versuchungen; der klügste und geübteste Verstand nützt dem Menschen nichts, ja ist sogar noch zum Schaden, wenn der Charakter in der Ja, ihr lieden Eltern, ihr habt daran recht getan, uns Pfarrern eure Söhne und Töchter zu üdergeben. Wie sollte ein Charakter sich gesund entwickeln ohne ion! Moͤchten nur unsere Konfirmanden das in le aufnehmen und auswert was wir ihnen mit viel und Ernst gegeden daben. wäre für sie selbst am schrecklichsten und schlimmsten, wenn dieser wichtigste Anterricht von idnen nicht fürs sgenützt würde. Unser Unterricht will ja aber viel mehr als bloß den Cha rakter bilden! Was ist doch ein Konfirmand? Einer, der im Selbstsucht stecken geblieben ist. Ja. Reli idre Lie lieber Neben sestgemacht wird! Ja, ihr lieden Konfirmanden, in e Menschentum Wurzel geschlagen haben im e unsichtbare Wel und Wich vergäng noch mehr Bestand und insere so schoͤne und doch Welt. Behaltet es auch. ba Dat o Wirkl. 8 sichtbare so jämmerlich wenn euch Vater und Mutter nicht mehr den Tisch decken und auch ihr schofsen müßt ums Brot:„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein“ und wer nur fürs Brot lebt, verdient nicht den Namen Mensch. Ja, ihr lieben Konfirmanden, in euch soll der Glaube Wurzel geschlagen haben, daß Gott mit Euch Großes vorhat für diese unsichtbare Welt. Eure Brust soll sich bei die sem Gedanken weiten und euer Sinn hoch werden. ist ein schoͤn Ding, wenn man hier auf Erden etwas Tüchtiges lernen und werden kann. Gott will euch aber Großes werden lassen für die Ewigkeit. Wenn du schon Fleiß tust, um wirklich Mei in deinem Fach zu werden, so nimm es noch viel gewissen ster dafter wahr, wie du wachsen sollst zu deiner ewigen Bestimmung. Ja, ihr lieben Konfirmanden, der Glaube an den lebendigen Gott der Bibel soll in euch Wurzel geschlagen haben! An den Wundergott, dessen Güte und Weisheit keiner mit dem Ver stande fassen kann! An den Gott, der keinen Menschen als Nummer ansieht, sondern jeden in seiner Liebe segnen möchte für Zeit und Ewigkeit! Ja von diesem wunderherrlichen Cbristenglauben soll eine Pflanze schon in eurem Herzen auf gewachsen sein, daß ihr nicht verständnislos die schöͤnen Bibel sprüche h der Fr rt und sagt, sondern euer d schon mitzittert in hei ihr auch diesen Spruch glaubt, darüber an t und ihn tut:„Gib mir mein Sohn, dein Herz, und laß deinen Augen meine Wege wohlgefallen!“ Ja, so ist unser Christengott, so ist euer Gott: Er dittet jeden Konfirmanden, desonde gnung in herzlicher Sorge um seine d sein Wohlergehen: schenk mir dein Herz und geh' ch meinen Weg, damit ich dich segnen kann dein ude; daß m Tage der Sele zuver 1 Wer andern hilft, hilft sich selbst. Der Kirchenvater Antonius hatte einen Bruder, der häufig von großer Traurigkeit und schweren Gedanken und Anfech⸗ tungen geplagt wurde. Eines Tages kam er wieder und klagte Antonius die schwere Last die sein Herz bedrückte. Dieser er⸗ widerte ihm:„Du mußt Krankenpfleger werden und anderen Trost und Hilfe bringen, dann wirds besser mit dir werden.“ Der Geängstigte hielt dies erst für einen Scherz, doch er gehorchte dem Wort und erfuhr bald, daß er ihm wohl geraten hatte. An der fremden Not wurde sei eigen Herz wieder warm und weit, und durch den Dienst an anderen kam er aus sich selbst heraus. Er lernte lieben und für andere und sich selbst beten. er alte, getroste Glaube, wie er ihn früher hatte, zog wieder in sein Herz, und er wurde noch vielen zum Segen. 0 Sie kommen wieder. In dem in Rußland amtlich veröffentlichten Verzeichnis der Festtage, an denen die Arbeit verboten ist, sind neben den kom⸗ munistischen(Todestag Lenins, Tag der Pariser Kommune. Gedenktag bolschewistischen Revolution u. a.) auch eine stlicher Feiertage festgelegt: 2. Weihnachtsfeiertag, rfeiertag, Himmelfahrt, Pfingsten. Mariä Verkündigung Nachdem man früher, wie die Religion selbst, so auch die kirchlichen Feiertage mit allen Mitteln bekämpft hat, liegt in dieser Wiederzulassung das unfreiwillige Eingeständnis, daß man sich über die Widerstandskraft des christlichen Volksbe⸗ wußtseins ganz erheblich getäuscht hat. der Photographische Anstalt JW WILHELMV BECKER GIESSEN Anfertigung Smtl. Aufnahmen für Vereine. Familie. Industrie in u. ausser dem Hause in bester A Sowie Zur bevorstehenden Konfirmation lassung halte ich mich Herren Lehrern bestens empf de —. N Uebersichtl. Ge N chäftsbuchführung durch Anwendung des AniversalKeichska nn — 2 5 — 31 ez een 0 Verlag Albin Alein in Gießen. CHR NEUHRHRDT Comngelische Weinbergbesitzer& Weinhandlung Buchhandlung durch NIEDER-OLM l 8 Zücher (cheinhessen) Bestellung v. Büchern empfiehlt seine selbstgebaut Wsweeken. Seuschr phehlt Se d Selbstgeds— Seldstgekelt Nad, . 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