1 Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. . Jahrgang. t, Lahr bach ein 100% apfaug gold t Hohgh ingen c U Ent von U 5 kein gemeh don weg bote cbteitn en, A. Evangelische Warte Organ der Evangelischen Volksgemeinschaft „Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.“ Matthäus Hauptschriftleiter: Edwin Hamburger in Staden(Oberhessen). Erscheint Sonnabends.— Bezugspreis 50 Pfennig monatlich. Verantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger, ö 140 60 en).. che. leis u erttau zu dun Nl, die fil ne. Vella S r S DD Sr re 22 S* —— ————— für den Anterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz. een 2 der Gerechtigkeit entgegensetzen. Die Frage der Nolwendigkeit Ueber die Frage nach der Notwendigkeit einer evangelischen Partei machte vor längerer Zeit Pastor Wine wollen. Die Evangelische Volksgemeinschaft will, auf dem Boden der evangelischen Weltanschauung stehend, aller ungerechten Gesetzgebung in allen deutschen Parlamenten den Grundsatz der Liebe und einer thrisklich⸗jozialen epangellschen Parlei. Bodenstein in Rheda i. W. im„Aufwärts“ u. a. fol⸗ gende beachtenswerte Ausführungen:„Die Wahlzeit bringt Gewissensnot für solche, die ernsthafte Christen sein wollen. Uns, die wir in überwiegend katholischem Gebiet wohnen, wird die Entscheidung für die Wahl immerhin etwas erleichtert. Dazu brauchen wir nur einen Blick zu tun in die äußerst geschickt-raffiniert— das muß man sagen— geleitete Zentrums-Lokalpresse, die leider auch bei vielen sogenannten Evangelischen weite Verbreitung genießt; sicher nicht zur Förderung charaktervollen evangelischen Wesens. Jene Presse kennt ganz auffälligerweise nur einen einzigen Feind; der aber ist ihr hassenswerter als die leibhaftige Pest. Nicht ist es etwa der Kommunismus, noch weniger die Sozial⸗ oder eine andere Demokratie. Die werden kaum je erwähnt, eher noch in Schutz genommen. Da— für aber kommt um so häufiger die deutsch-nationale Volkspartei dran. Mit einem geradezu fanatischen Eifer— der flüchtigste Blick auf die erste Seite bestätigt das— sind jene Blätter bestrebt, an der eben genann⸗ ten Partei schlechterdings keinen guten Faden zu las⸗ sen. Ueber die hauptsächlichen Beweggründe dazu wer⸗ den protestantischen Christen nicht im Anklaren sein. Das ultramontane Zentrum wittert in jener Partei vor allem nicht mit Unrecht die Kräfte, die seinen religiös⸗ politischen Zielen am meisten zuwiderlaufen und hin⸗ derlich sind. Damit ist für mein protestantisch-christ⸗ liches Bewußtsein die Frage auch für dieses Mal klar und deutlich entschieden, wen ich zu wählen habe, nach⸗ dem die christlich⸗soziale Gesinnungsgemeinschaft von einer eigenen Kandidatenaufstellung leider wiederum bei der Kürze der Zeit hat absehen müssen. Son st könnte ich mich um des Gewissens willen nur für sie entscheiden. Warum? Zunächst vermisse ich in der deutsch⸗nationalen Presse die deutliche, charaktervolle evangelische Sprache, die gegenüber dem eben erwähnten Gebahren der Zen⸗ trumspresse erforderlich ist. Keineswegs soll sie Glei— ches mit Gleichem vergelten und etwa jener Presse es im Geschimpfe nachtun. Doch kann man sich des Ein⸗ drucks nicht erwehren, daß selbst die heftigsten Angriffe Herrliche Dinge. Pfsalm 87,3. Herrliche Dinge werden in dir gepredigt, du Stadt Gottes Wie waren doch die Juden so begeistert von ihren Gottes⸗ diensten in der Stadt Zion. Glaube und Vaterlandsliebe ließ sie schwärmen für diese Stadt. Genau genommen heißt ja die Stadt Jerusalem. Zion war die Burg mit dem Nationalheilig— tum, dem Tempel. Herrliche, großartige Dinge wurden dort gepredigt. Man verkündete die Wunder Gottes. Man erzählte von der Errettung des Volkes aus der Aegyptischen Knecht⸗ schaft. Wie oft hatten sie Grund für die Befreiung aus Krie⸗ gesnot zu danken. In begeisterten Psalmgesängen priesen sie den über allen anderen Göttern erhabenen Jahwe. Wie be⸗ geistert waren diese Juden von der Herrlichkeit ihrer Gottes— dienste. Worin bestand eigentlich das Anziehende dieser Gottes verehrung? Wie wir hören, haben die Priester im Tempel zu Jerusalem noch nach heidnischer Art blutige Opfer darge— bracht. Das Blut der Tiere wurde über die in den äußeren Vorhöfen versammelten Gläubigen gesprengt. Dabei haben die Priester für die Menge Gebete gesprochen. Auch hat man über die vorhandenen Schriften des alten Testaments gepredigt. Die⸗ sen Gottesdienst liebten die Juden. Vielleicht wundern sich darüber viele heutige Zeitgenossen. Man ist in weiten Kreisen wieder mehr mystisch gestimmt. Da wünscht man eine düstere Kirche, brennende Kerzen, leises Flüstern von Gebeten, Wechsel gesänge zwischen Geistlichen und Gemeinde. Der Jude hatte von alle dem nichts. Er war begeistert, daß herrliche Dinge in seiner Stadt gepredigt wurden. Es gibt Stimmungsmenschen, welche eine von der sie kein Wort verstehen, wegen ihrer men. Für diese ist Religion eine geheimnisvo römische Messe, Stimmung rüh⸗ lle Stimmung; Abonnements⸗ und Anzeigen⸗Annahmestelle Druck und Verlag Albin Klein, Gießen, Südanlage 21 Fernsprecher Nr. 1145 und 1362 Gießen in 7. Mal 1027. — und Verdrehungen der Zentrumsblätter mit geflissent— lichem Stillschweigen übergangen werden. Die deutsch— nationale Presse aber ist doch ohne Zweifel ein Spiegel- bild des Charakters der deutsch-nationalen Partei über⸗ haupt! Sie kann sich eben nicht entschließen, auf die paar Zentrumsmitläufer in ihren Reihen Verzicht zu leisten. Lieber erweicht man den evangelisch-protestan⸗ tischen Standpunkt und drückt ein Auge zu auf Kosten des evangelischen Christenvolks. Man sieht, es ist und bleibt ein Unding, eine bewußt christliche Partei sein und doch zwei in ihrer Konfession grundverschiedenen Herren dienen zu wollen. Dann kommt folgerichtig ein christlicher Standpunkt heraus, der keiner ist; nicht Fisch und nicht Fleisch, und das„christlich“ im Firmenschilde solcher Partei läuft notwendig Gefahr, des charakter— vollen Inhalts zu entbehren. Doch entscheidender noch für die Frage des Bedürf⸗ nisses einer christlich-sozialen(evangelischen) Partei er⸗ scheint ein anderes. Merkwürdig— wie die Zentrums⸗ presse ihren Erzfeind in der deutsch-nationalen Partei erblickt, so die deutsch-nationale Presse und Partei den⸗ selben in der Sozialdemokratie. Vergleicht man einmal den Ton, den die Zeitungen der beiden letztgenannten Parteien gegeneinander anzuschlagen belieben, so muß man ehrlicherweise sagen: Sie bleiben sich gegenseitig nichts schuldig und der eine(Ton) ist genau so unwür⸗ dig wie der andere. Ueber den erfrischend starken na⸗ tionalen Ton in der Rechtspresse kann man sich nur herzlich freuen; je nationaler, desto besser! Wer hätte nicht endlich alles undeutsche Wesen bis zum Ekel satt?! (Also dann deutsch-völkisch?! Ja, das war unsere Hoffnung; war's so lange, bis die schaudervolle Lehre vom deutschen Gott und deutschen Christus aufkam.) Ich meine, eine Partei, die sich christlich nennt, wie die deutsch⸗nationale, sollte das auch in ihrem Presseton nicht vergessen. Man kann dennoch, ja gerade darum charaktervoll sein, kann national sein, ohne herzlos und erst gehässig sein zu müssen. Auch ich muß vom christlichen Standpunkt aus die internationale und materialistische Harteidoktrin der Sozialdemokratie bekämpfen. Das„el der Bekämp⸗ fung— das Ideal der Volksgemeinschaft— wird un⸗ zweifelhaft am ehesten erreicht, wenn man ehrlich ver⸗ rn D Stimmungen aber vergehen, wie sie kommen. Wohl bedürfen wir im Gottesdienst einer der Feier entsprechenden Stimmung. Aber diese darf doch nicht die Hauptsache sein. Sie soll nur Dienerin sein für das Wichtigere. Religion im Sinne unseres Herrn Jesu ist Glaube und Vertrauen zum Vatergott. Zur Religion gehört ein Leben in opferwilliger Nachstenliebe. Re⸗ ligion ist Glauben und Leben nach dem unvergleichlichen Vor— bilde unseres Heilandes. Dieses Vorbild können wir uns in der Versammlung der Gemeinde nur durch die Predigt ge— meinsam vor die Augen stellen. Herrliche Dinge dürfen wir da ebenfalls hören. Ja, sie sind noch herrlicher, als man zu Jerusalem vernehmen konnte. Herrliche Dinge werden heute noch überall dort gepredigt, wo unser Gott verkündigt wird. Aber viele hören in unseren Gotteshäusern gar nicht mehr das Großartige und Wunderbare In einer Kirche predigte ich einmal vertretungsweise. Da sah ich in der gutbesetzten Kirche nach Verlesung des Textes ge— wohnheitsmäßig viele Männer die Köpfe zum Kirchenschlaf senken. Eine wunderschöne Schlummerstunde habe ich diesen Schläfern damals stören müssen. Diese scheinen keine herrlichen Dinge in ihrer Kirche erwartet zu haben. Gewohnheit wird ja, leider bei den Menschen alles. Auch das Sitzen im Gotteshause kann zur Gewohnheit werden. Wie waren die Juden so be unseres Gottes. Sie sind dem allen gegenüber so gleichgültig. ö 20, 28. Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg., am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen Vergünstigung. Nummer 10 sucht, statt den Gegner in Bausch und Bogen zu verdam— men, ihn zu verstehen und dem berechtigten Kern seiner irrigen Anschauungen in wahrhaft christlich-sozialem Verständnis gerecht zu werden. Ich glaube auf Grund meiner Erfahrungen behaupten zu können: Wenn die gewaltige Masse der sozialdemokratischen Arbeiter das unbedingte Vertrauen haben könnte, daß eine nicht so⸗ zialdemokratische Partei den Lebensnotwendigkeiten der Arbeiter das wahrhaftige soziale Verständnis ent⸗ gegenbringt, wie echter, christlicher Geist es erfordert, würde ein nicht geringer Teil von ihnen gern die längst als utopistisch erkannten Marxistischen Ideen— träume fahren lassen und keine Bedenken tragen, sich einer wirklich und wahrhaftig christlich-sozialen und auch nationalen Partei anzuschließen. Ich sprach dieser Tage einen gelernten Arbeiter, Vater mehrerer Kinder, der seit langen Wochen nur 4, hernach 5 Arbeitstage haben konnte und jede Woche jetzt 15 Mark Lohn mit nach Hause bringt. Auf die Dauer, meine ich, kann der Mann mit seiner Familie davon wahrhaftig nicht exi⸗ stieren. Ich kann es, obwohl ich Matth. 16, 26 genau kenne, wenigstens verstehen, wenn jener Arbeiter mir verbittert erklärte:„Das Hemd sitzt mir und meinen Kindern näher als der Rock. Ich muß bei der Wahl ohne Rücksicht auf andere ideale Dinge zuerst für meine und der Meinen leibliche Existenzmöglichkeit sorgen. Hunger tut weh.“ Wahrlich: Ist dauernde materielle Sorge und Not nicht ein schlechter Nährboden für höhere, göttliche Dinge?! Die Frage ist nun, ob solch vorher genanntes christ⸗ lich⸗soziales Verständnis, ob solche wahrhaftige soziale Gerechtigkeit durch die deutschnationale oder eine der anderen Parteien in genügendem Maße verbürgt ist. Ich weiß, man wird mir sogleich stolz und selbstbewußt entgegnen: Ja, und wird z. B. zum Erweise dessen wie— der auf die Namen der 6 oder 7(oder noch paar mehr, meinethalten!) alten christlich-sozialen Kämpen inner⸗ halb der deutsch-nationalen Partei hinweisen. Ich zweifle nicht im geringsten an dem ehrlichen sozialen Willen jener eben genannten, mir besonders sympati⸗ schen Männer und bringe ihnen größtes Vertrauen ent⸗ gegen. Aber... haben diese wenigen die Möglichkeit, sich in entscheidenden sozialen Fragen gegen die über— große Mehrheit durchzusetzen? Wer könnte darauf mit ehrlichem Ja antworten? Wenn ich dafür die Garantie hätte, würde ich jede Zersplitterung in unserer Zeit für unverantwortlichste Sünde und Schande erachten. Wäre die deutsch-nationale Partei, wie ihr Programm vorgibt, wirklich konsequent und hinreichend christlich— sozial, ich glaube nicht, daß der Gedanke zur Bildung von christlich-sozialen Gesinnungsgemeinschaften überhaupt hätte aufkommen können. Erst der Mangel und die bittere Not hat ihn wachgerufen. so geht es mit den herrlichen Dingen, welche an jedem Sonntag gepredigt werden. Man sieht das Großartige darin oft nicht mehr. Sind es aber nicht Wunder über Wunder, die wir uns da deutlich machen wollen? Denken wir nur daran, daß Gott, der große und gewaltige Gott, sich um jeden einzelnen Men— schen kümmert. Wer die Liebe Gottes zu seinen Geschöpfen ein— mal durchdenkt, der kann doch nicht gleichgültig bleiben! Der Herr Himmels und der Erde, ja des ganzen unvorstellbaren Weltalls, hat ein Auge für uns kleine, arme Wesen. Der heilige, reine Gott, dem alle Sünde ein Greuel ist, hat ein Er⸗ barmen mit uns Sündern. Seinen Sohn hat er zur ewigen Erlösung von uns Menschen an das Kreuz gegeben. Diese bleibt, obgleich die Mehrzahl der Menschen gar nichts darnach fragt. Aus Jesu Tod läßt er unser Leben hervorgehen. Diese führt seine Gemeinde durch das Kreuz zum Sieg. Er will aus unserem Stückwerk etwas Vollkommenes machen. Wenn wir das Kleid der Sterblichkeit abgelegt haben, will er uns das Kleid der Ewigkeit anziehen. Sind das nicht herrliche Dinge, die wir da in unseren Gotteshäusern hören dürfen? Die Ju⸗ den waren begeistert von ihren herrlichen Gottesdiensten im Tempel. Laßt auch uns wieder das Großartige finden, das in unseren evangelischen Kirchen gepredigt wird. Nicht das Ge⸗ heimnisvolle wollen wir suchen, sondern Gott wollen wir im⸗ mer besser erkennen. Nicht mystische Stimmungen machen geistert, daß in ihrem Tempel auf dem Zion herrliche Dinge gepredigt wurden. In alter Zeit haben unsere Bauersleute draußen auf dem Felde ein Auge gehabt für die Wunder des Allmächtigen in der Natur. Sie hatten die Schöpfermacht Gottes immer vor sich sahen die Naturgewalten, sahen das Wachsen und Ver gehen. Sie blickten hinein in die Pracht und Schönheit. Das alles ist heute zur Gewohnheit geworden Viele Augen sehen das alles nicht mehr. Wohl freut man sich über das erste Grün, die ersten Knospen. Aber bald ist man es gewohnt. Gerade Sie unsere Gottesdienste schön, sondern der immer neue Vorsatz, ein 0 1 Keine Kerzen können uns ersetzen das Wundern unseres großen Gottes. Gotteskind zu werden. Staunen vor den täglichen Rühmet, ihr Menschen, den hohen Namen Des, der so große Wunder tut; All dem hat, ö Und bringe Lob mit frohem Mut! 8, was L rufe Amen lobt und preist Geist! Ihr Kinder Gottes ö Vater und 1 Hallelujah! Sohn und heiliger Amen 0 0 8 —— —— —— ——— ae. . 2 eee— den 7. Mai 1927. Cdangelsche Leilsähe z.Konkordasprage. 1. Im Interesse des konfessionellen Friedens wehren wir uns gegen den Abschluß eines Konkordats von staatlichem und evangelischem Standpunkt aus. 2. Wir verzichten grundsätzlich auf jede Unter⸗ tützung kirchenfeindlicher oder religiös⸗gleichgültiger Kreise ebenso, wie internationaler polttischer Parteien. 3. Der Staat hat im konfessionell gespaltenen Deutschland die sittliche Pflicht, um der Volksgemein⸗ schaft willen, darüber zu wachen, daß der Unterricht in der Schule(auch in ihrem Religionsunterricht) nicht zu einer Verschärfung konfessioneller Leidenschaften führe. Darum ist die Schule eine Sache des Staates. 4. Der Staat hat in Württemberg und Sachsen gezeigt, daß es ihm ohne Schwierigkeiten möglich ist, über die Regelung kirchlicher Verhältnisse sich mit den Bischöfen der katholischen Kirche zu einigen ohne Kon⸗ kordat. 5. Der Vatikan wünscht Konkordate zu dem Zweck, die Bedeutung seiner römischen irdischen Macht⸗ stellung zu steigern und möglichst anschaulich zu machen. Dazu mitzuhelfen, haben evangelische Kirche und Volk keinen Anlaß. Auch hat der Staat keinen Grund, die zentralisti⸗ schen Bestrebungen des Vatikans zu bestärken gegenüber den Rechten der Bischöfe. 6. Wollte sich das Deutsche Reich oder der preußi⸗ sche Sonnabend Staat in Konkordatsverhandlungen einlassen, so soll vorher verlangt werden, daß der Vatikan auf dem Gebiet des Mischehenrechts die Zustände wiederherstelle, die durch die Bulle Provida 1905 durch Pius X. beson⸗ ders für das Gebiet des Deutschen Neiches als Recht ver⸗ kündet wurde: Selbst die nicht nach dem Tridentinum geschlossenen gemischten Ehen sollen gültig sein. Weil diese Auffassung jahrhundertelang mit dem katholischen Glauben vereinbar galt, verstößt niemand gegen den katholischen Glauben, wenn er diese Torderung erhebt. Sie liegt im Lebensinteresse des Staates, der den Frieden unter den Konfessionen nicht zu erschweren, sondern zu erleichtern hat. 7. Das bayerische Konkordat hat die Rechte des Staates derart preisgegeben, wie keines der seit 1918 mit anderen Staaten abgeschlossenen Konkordate. Sei⸗ nem Beispiel zu folgen, wäre für das Reich und Preu⸗ ßen ein Verhängnis. 8. Der dankenswerte Versuch der deutschnationa⸗ len bayerischen Koalitionspartei, die bedenklichen Fol⸗ gen dieses Konkordats durch gesetzuche Erklärungen außerhalb des Konkordats abzuschwächen, war nur von halbem Erfolg begleitet. 9. Konfessioneller Friede, nationale Würde und Achtung der Staatsmacht verlangen gleichermaßen die Ablehnung eines Konkordates. D. Traub, in München. Interessantes von den Wahlen in Oesterreith. Am 24. April fanden in Oesterreich die Wahlen zum Nationalrat statt. Die ersten Nachrichten melden, daß eine bürgerliche Mehrheit zustandegekommen sei. Besonders wichtig ist für uns, einmal einen Blick zu werfen auf die Arbeit der ultramontanen Kreise. Die christlich⸗soziale Partei sammelt in Oesterreich die Ver⸗ treter Roms. Wie wir in Nr. 39 unserer„Evangeli— schen Warte“ vom 25. September 1926 aus der Feder von Karl Gerlach berichteten, war in dem Universi⸗ tätsprofessor Dr. Johann Ude in Graz ein Gegner entstanden. Diesem populären Manne wurde jedoch die Tätigkeit gegen die Christlichsozialen vom bischöf⸗ lichen Kanzler der Diözöse Seckau verboten. Was nun vor der diesmaligen Wahl erfolgte, das verrät ein an die„Tägliche Rundschau“ gerichtetes Schreiben aus Wien, welches in Nr. 180/181 aubge⸗ druckt wurde. Da heißt es: Dornenwege. Roman von Clara Meller. 23. Fortsetzung. Dore aber eilte besorgt hin und her, für sie war heute ein freier Tag, keine Schülerin kam zum Unterricht, selbst die Evan⸗ gelischen trieb die Neugier, das Gepränge, die feierliche Ein⸗ holung des Kirchenfürsten, zu sehen; da hieß ihr nie rastender Fleiß sie ordnen im Haushalt und der zum Tod erschlafften Schwester alles sorglich und bequem herrichten. Trotzdem stand das Mittagsmahl fast unberührt; in trübem Nachsinnen blickte Urle zu dem Wandspruch empor: Im Sorgen und im Lieben soll'n fest zusammen stehn, die ein und aus selbander durch eine Pforte gehn! „Du hast ja des Kaisers Bild schmückt, er hat doch noch nicht Geburtstag,“ fragte sie. Dore schüttelte energisch den Kopf:„Das soll gewissermaßen Ja, Schwesterherz, wüßte nur unser Kaiser, welchen Platz er leider in den Herzen ihm, doppel⸗ züngig alles anders vorreden, fortgesetzt aber daran arbeiten, die kirchliche Macht seiner Herrschaft zu überstellen; er wird in ein ausgleichender Verehrungsbeweis sein. dieser gläubigen Katholiken einnimmt, wie sie dieser Hinsicht schlecht beraten, man täuscht ihn mit Luftspieg lungen. freien Aussprache. Ich war zur Frau Schmitz gegangen, um sie für heute und morgen, unsere Waschtage, zu bestellen, und fand noch zwei Frauen anwesend, die so eifrig erzählten, daß sie mein Pochen erst nach dreimaliger Wiederholung bemerkten.— Du hättest hören müssen, Urle, wie empört sie mir sagte, daß sie an so hohen Festtagen, wenn der Bischof käme, nicht waschen ginge. Ich entschuldigte meine Unkenntnis natürlich und sagte, dann Alle drei feiern sie den Tag wohl wie Kaisers Geburtstag? a lachten höhnisch auf: so sinnig mit Grün ge⸗ Den wahren Sachverhalt, was den Leuten in das Herz gepflanzt wird, findet man nur, bringt man das Volk selbst zur „Obwohl uns nur noch eine kurze Frist von der großen Wahlschlacht trennt— am Sonntag, 24. April, werden die Wähler Oesterreichs zur Wahlurne schrei⸗ ten— herrscht noch absolut kein Wahlfieber, ein deut⸗ liches Zeichen der Politik- und Parteimüdigkeit eines großen Teils der Bevölkerung. Was die politische Interesselosigkeit der breiten Wählermassen verstärkt, ist das Bewußtsein, daß gegen die Uebermacht der großen Parteimaschinen weder neue Persönlichteiten, noch neue Programme irgendwelche Ehancen haben. Trotzdem ist das Auftreten der soge⸗ nannten Wirtschaftspartei des Grazer Theologieprofes⸗ sors Dr. Ude in der Wahlarena in mehr als einer Be⸗ ziehung ein Ereignis, von dem Notiz zu nehmen ist. Professor Ude ist das„enfant terrible“ im katholischen Klerus Oesterreichs und war infolge seiner, gegen die christlich⸗sozialen Machthaber gerichteten Frondeur⸗ politik schon einmal von seinem kirchlichen Vorgesetzten, dem Fürstbischof von Gurk, mit einem Redeverbot belegt worden. Dieses Redeverbot war später wieder aufgehoben worden. Nun ist Ude offen als Banner⸗ träger einer neuen Partei, der sogenannten Wirtschafts⸗ partei, in den Wahlkampf eingetreten und hatte seine Kandidatur in allen Bundesländern gleichzeitig aufge⸗ stellt. Er hat den Eintritt in die Seipelsche Einheits⸗ front schroff zurückgewiesen und persönlich eine Wahl⸗ agitation entwickelt, die hinter der Aktivität seiner geistlichen Amtsgenossen Seipel kaum zurückbleibt. Dr. Üde, gewiß ein ehrlicher und aufrechter Mann, aber ein bißchen Fanatiker und schon seiner äußeren Erscheinung nach beinahe ein Savonarola⸗Typus, der alle Bedräng⸗ ten und Bedrückten, von den Kleinrentnern bis zu den Arbeitslosen, um seine Fahne zu scharen sucht, braucht aber, als katholischer Kleriker zur Aufstellung seiner Kandidatur die Erlaubnis der geistlichen Oberen, und da er in allen österreichischen Bundesländern als Spitzenkandidat seiner neuen Partei auftreten wollte, hätte er die Erlaubnis aller österreichischen Bischöfe vom Wiener Kardinal-Erzbischof abwärts benötigt. Aber: Si duo faciunt idem, non est idem. Wenn zwei dasselbe tun, ist es noch lange nicht dasselbe. Und während Dr. Seipel die Pfifflsche Erlaubnis selbstver⸗ ständlich auf dem silbernen Präsentierteller ins Haus gebracht erhalten hat, hat sich Professor Ude überzeugen müssen, daß für ihne keine Aussicht vorhanden ist, die Einwilligung des österreichischen Episkopats zu erhal⸗ ten. So ist Professor Ude, gehorsam dem kanonischen Recht, von seiner Kandidatur zurückgetreten. Als Spitzenkandidat der Ude-Partei kandidiert jetzt ein Professor Dr. Liszt, ein Neffe des verstorbenen gro⸗ ßen deutschen Strafrechtslehrers“. Diese Nachricht lehrt immer wieder, wie durch Nom gegen alle, die seiner Politik zu widersprechen wagen, mit Gewalt und Unterdrückung vorgegangen wird. Was die Altramontanen nie lernen werden, auch gar nicht lernen wollen, ist Duldsamkeit und Ach⸗ tung anderer Meinungen. Bei ihnen gibt es keine Freiheit der Ansichten, da gibt es nur Gehorsam und Unterordnung. Nehmen wir uns daraus die notwen⸗ digen Lehren für Deutschland Verschiedenes. Die Sünde der Gesellschaft. Der Bund religiöser Sozialisten in Thüringen veröffentlicht folgenden Aufruf:„Morgens um 412 Uhr verlassen ungezählte Kaliarbeiter der Rhön ihre Heimstätte, abends 9, 9½, 9½ Uhr kommen sie nach Hause. Eine reine Arbeitszeit von 10 Stunden(d. h. 12 Stunden im Betrieb) und eine gänzlich unzuläng⸗ liche Verbindung von Wohn- und Arbeitsstätte bewir⸗ len das. Wochenlang sehen Kinder den Vater nicht, der morgens weggeht, wenn sie noch schlafen, abends wiederkehrt, schlafen. Krankheitsfälle N Kaisers Geburtstag? was geht uns der Kaiser an? Unser Oberster ist der Papst, die Erzbischöfe und Bischöfe, der in Berlin geht uns nichts an.— Frieher unser Lehrer hat uns schon Kaisers Geburtstag nicht freigegeben un keenen Blam gemacht, wir hatten keene Schulfeier um den, er sagte, wir haben genug mit uns zu tun, um evangelische Leute brauchen wir uns nicht kümmern.—— Da bin ich still hergegangen und habe das Bild meines Kai— sers geschmückt, doppelte Liebe für den Verschmähten zog in mein Herz.“ Leise, wie von zaghafter Hand, hörten sie die Schelle klin— gen. Urle ging hinaus, eine Nonne stand lächelnd vor der Tür und trat beim Oeffnen direkt herein:„Ich möchte die Liebes- gaben für die armen Kranken sammeln!“ „Ich bin evangelisch, wir müssen für unsere armen Kranken sorgen, ich gebe nichts.“ „Wenn Sie auch evangelisch sind, das tut nichts, ich hole von vielen Evangelischen pünktlich meine Liebesgaben.“ „Ich gebe nichts,“ wiederholte Urle. „Warum nicht?“ Wir sollen ja das Geld nicht lieben und brauchen Sie nicht zu hassen, also ist es egal, woher es kommt“ lam es leichtfertig von ihren Lippen. geben wollen, vielleicht haben Sie etwas Eier liegen?“ „Erst sagen Sie mir Schwester, im Namen Ihrer gebenedeiten Mutter Gottes, geben Sie auch den Evangelischen von ihrem 9 gesammelten Ueberfluß? „Ja, wenn sie übergetreten sind!“ „Also ich gebe meinen Glaubensgenossen! zählt, daß einem alten Sterbenden die Hostie wurde, um seine Seele zu retten!“ „Warum nicht, unser Glaube ist der allein selig machende,“ und ohne Gruß ging sie hinaus. duftlose, flammende Blüten hingen die Blätter der graziösen Nanken des wilden Weins über das Gemäuer und die Pap- lauschte vorsichtig um die Grotte:„Onkel Münster, sieht Du Wenn Sie kei 5 9 50 5 „Wenn Sie kein Geld hielt sie ihre Weintraube. er doch jeden Tag von neuem, Urle würde einmal, ein einziges Mir wurde er⸗ aufgezwungen Schließen der Korridortür hörte Urle, wie der Lauf— bursche, der auf einem Handwagen die empfangenen Gaben fuhr Auf der Warte. Amerika wird im Augenblick beherrscht vom Ent⸗ setzen über die furchtbare Hochwasserkatastrophe des Mississippi. Zahllose Dämme wurden gesprengt, sodaß sich das Wasser über breite Gebiete verteilen konnte, u g andere Gegenden und besonders die nahe am Flusse ge⸗ legenen Städte zu retten. Ergreifende Szenen spielten sich bei der Räumung der Gebiete ab. Sein Heim, müh⸗ sam aufgebaut, kampflos dem Untergang durch di Fluten preisgeben zu müssen, ist für die Farmer ein schwerer Schlag. Ganze Distrikte mit Städten und Ortschaften stehen unter Wasser. Die Schätzung der Obdachlosen schwankt zwischen 300 000 und 500 000, Der Staatssekretär Hoover wurde zum Diktator d Ueberschwemmungsgebietes mit außerordentlichen Voll machten ernannt. Im Augenblick ist das Elend noch gar nicht abzuschätzen.— Im französischen Teil dez Riffgebietes beginnen sich nun auch Unruhen bemerkbat zu machen, veranlaßt durch die Erfolge der Riffbewoh⸗ ner gegen die Spanier. Frankreich hat zur Vorsorge de die Vorposten verstärkt.— Italien führt Jugoslawien 5 gegenüber weiter seine hochtrabende Sprache. England, 5 1 das zunächst sich als neutraler Vermittler einmischte, 10 hat sich als Sekundant Italiens entpuppt. Anscheinend ect bestehen zwischen den beiden Staaten geheime Verträge, I u über die niemand etwas weiß.— Der Völkerbund haf alen die absurde Absicht, sich eine Luftflotte zu schaffen Je Mit anderen Worten: der Völkerbund rüstet. Wal u i auch nicht, könnte man sagen, sie rüsten ja alle. Da⸗ ge für ist aber gewiß der Völkerbund nicht da. Hat er an eine Luftflotte, so kann er auch noch ein Heer verlangen dhe So wird allmählich der Gedanke des Völkerbundes mi a seinen Zielen vollkommen auf den Kopf gestellt.— Tehnlic W Nun soll in der Schweiz die Weltwirtschaftskonferen 1 zusammentreten. Hierzu wird selbst einmal das seither lied abseits stehende Rußland erscheinen. Schon diese Teil⸗ N nahme hat vor Beginn der Verhandlungen eine Sen⸗ sation hervorgerufen. Man darf auf die Arbeit der Konferenz gespannt sein.— Zwischen Stresemann und 10 Briand fand anläßlich des 25jährigen parlamentari⸗ 11 schen Jubiläums Briands ein Telegrammwechsel statt, n wegen dessen Inhalt der französische Außenminister sahte scharfe Angriffe in der französischen Presse erleben ni mußte. Man ist in Frankreich absolut nicht auf Völ⸗ kerversöhnung eingestellt.— Belgien will ähnlich wie Frankreich an seiner Ostgrenze einen schweren Festungs 70 gürtel anlegen. Dabei hat das Land nun auch ein 4 kleine Differenz mit Holland. Noch etwas verschnupft wegen der Ablehnung des Scheldevertrages in der zweiten Holländischen Kammer, haben sich belgische Reserveoffiziere dazu hinreißen lassen, in dem schmalen holländischen Zipfel von Holländisch-Limburg, der sich zwischen Deutschland und Belgien einschiebt, Flugzettel anzukleben mit der Aufforderung, das Gebiet möge sich von Holland trennen und Belgien anschließen. Sogar einflugblattabwerfendes Flugzeug wurde in den Dienst dieses Separatismuses gestellt.— Im Saargebiet ziehen langsam französische Truppen ab.— Aehnlich wie ißt Nordamerika, nur in viel geringerem Umfange, kann man im Elbe⸗Havelgebiet von einer Hochwasserkata⸗ strophe sprechen. Die Regierung hat die notwendigen Hilfsmaßnahmen sofort eingeleitet.— Bremerhaven feierte das 100jährige Bestehen, wobei Stresemang eine bedeutsame Rede hielt. Der anwesende amerika⸗ nische Botschafter unterstrich durch seine Rede die er⸗ neuten freundschaftlichen Beziehungen zwischen Amerilg und Deutschland.— Die Post will zu einer 50prozen⸗ tigen Erhöhung 1 Ein fils ge falbbel Anne, I de kagt ei Dach ungerte Fahtet i den Es nh it, un, t doc fh En g de füt in n ihrer Gebühren schreiten, was lebhafte Beunruhigung hervorgerufen hat. 0 wartete, sagte:„Sehn Se, ich hab' Rund sie an der p 1 gleich gewußt, hier jiebts nischt, hier wohnen Kalvinesge Blau⸗ Ul köppe.“—— e f Fahne 15 00 ih 1 Wie wohltuend übte der Herbst in diesem Jahre seine“ Macht, die Temperatur war weich und lind, die Farbenpracht jedoch schien den üppigen Sommer überbieten zu wollen, wie peln streuten ihre Blätter wie blendende Goldtäfelchen über die sonndurchwärmte Erde. Es war ein Herbst, wo der Dichter das Märchen und Poesie lustwandeln sieht, ein Herbst, der dem Menschen Augen, Herz und Seele öffnet. Jubelnd lief Naemi mit den Blättern um die Wette, die der warme Südwind in losem Spiel über Weg und Steg trieb Großmutter und Dore hatten Mühe, nachzukommen. Wie ge⸗ sponnenes Gold wehten ihre langen Haare, die Vorübergehen⸗ den blieben stehen und sahen dem elfenhaften Geschöpfchen nach das einer wandelnden Blume gleich, alle entzückte. Oben an der großen Kastanien-Allee blieb sie stehen und Emi,“ rief sie, dann stürmte sie voran, Dr. Münster fing sit auf, und sie schlang beide Aermchen um seinen Hals, dann er Täglich traf Frau Benningsen, Dore und Naemi hier mi den Bekannten aus der Heimat zusammen, es waren ihnen liebe von Dr. Münster stets mit Angeduld erwartete Stunden, hoffte Mal nur mitkommen, aber stets dieselbe Enttäuschung, den, gleichen Gruß nur und dann trippelte das kleine Wesen, ih: Kind an seiner Hand dahin. Durch geschickte Redewendungen und Fragen kannte er längst ihr Schicksal, wußte, daß er ih ganzes Glück an der Hand führte. ö Nun war sein langer Erholungsurlaub bald zu Ende und es war gut so, daß ihn bald wieder das fordernde Leben auf 1 nahm, Pflichten ihm ein männlichfestes Ziel steckten. 3 * 1 0 eee 5 0 Anmeldungen zur Invalidität mehren sich beäng⸗ gend. Am Neuregelung der Arbeitszeit kämpfen die eiter der Rhön und des Werragebietes in diesem lagenblick. Wir rufen unserer Kirche, allen kirchlichen 55 christlichen Menschen zu: Prüft unparteiisch die lige der Arbeiter in der Rhön, und fragt euch, was Ir tun könnte, tun müßt, einer Bevölkerung, die treu unserer Kirche steht, die Möglichkeit der Kinder⸗ ziehung, des Familienlebens, der Gesundheit und Le⸗ inskraft erhalten. Wir fragen Landtag und Be⸗ 1 gens, Reichstag und Reich und Reichs⸗ beitsminister, ob sie länger zusehen wollen, daß eine um Reich so weitgehend geförderte Industrie, wie die i⸗J dustrie es ist, vernichtenden Raubbau an Leben, Sittlichkeit und Familienleben einer kern⸗ kerung treibt, und daß Verkehrs⸗ rhältnisse, für die der thürin ische Staat mitverant⸗ Jortlich ist, dies Werk verstärken. Wir rufen nur zu un⸗ arteiischer Prüfung auf! Wer die vollziehen wird, ird erkennen, daß es hier höchste Zeit zum Eingreifen Ind zur Hilfe ist.“ 2 i Seht den Kollektanten auf die Finger. Der erfolgreiche Versuch, den Gegnern der eigenen liche, die man sonst befehdet, möglichst Geld abzuneh⸗ gen, wird nicht nur von römisch⸗katholischen Kreisen ud Orden gemacht. i Das Beispiel findet Nachahmung. nverfroren betteln wilde Kollektanten für angeblich ute Zwecke an den Türen. Man versteht unter diesem amen Sammler, die ohne polizeilichen Ausweis kom⸗ en, was immer verboten ist, und bei denen man nicht cher ist, wohin die Gelder eigentlich fließen. Beson⸗ eis gern wird für„die Mission“ gesammelt. Sieht gan näher zu, so handelt es sich gewöhnlich um irgend gelche Sekten, die auf diesem Wege zu Mitteln zu kom⸗ en suchen. Man sei diesen Leuten gegenüber, die ge⸗ zöhnlich sehr sicher auftreten, grundsätzlich mißtrauisch ad lasse sich stets einen polizeilichen Ausweis zeigen, amit man weiß, wen man vor sich hat, und nicht un⸗ zissend irgend einen schädlichen Unfug mit groß zieht. es nf eee Aus unferer Bewegung. Ich habe den Menschen gesehn in seiner tiefsten Gestalt, Ich kenne die Welt bis auf den Grundgehalt. Ich weiß, daß Liebe, Liebe ihr tiefster Sinn, lind daß ich da, um immer mehr zu lieben, bin. es sees sees ce eee eee eee e eee eee Bezugsgebühren an den Verlag abgeführt sind. eee eee — 929 K N Werbebezirte im Volksslaat bez Für die im Herbst stattfindende Landtagswahl ist Hessen durch die Frankfurter Versammlung vom 19. April in folgende zehn Werbebezirke eingeteilt worden: 1. Werbebezirk: Kreis Alsfeld und Lauterbach(Ge⸗ schäftsstelle Rudlos bei Lauterbach); 1 1 2. 15 Kreis Gießen(Geschäftsstelle Lich bei Gießen); 3 5 Kreis Friedberg(Geschäftsstelle Staden, Wetterau); 4. 5 Kreis Büdingen und Schotten(Ge- schäftsstelle Ober⸗Lais bei Schotten); 5 15 Kreis Alzey und Bingen(Geschäfts⸗ stelle Gensingen bei Bingen); 6. 5 Kreis Mainz und Oppenheim(Ge⸗ schäfsstelle Bretzenheim bei Mainz) 7. 7 Kreis Worms und Heppenheim(Ge⸗ schäftsstelle Worms, Roonstraße 8); 8. 5 Kreis Bensheim und Groß-Gerau(Ge⸗ schäftsstelle Weisenau, Viktoriastr. 9); 9. 95 Kreis Darmstadt, Dieburg und Erbach (Geschäftsstelle Darmstadt, Dreibrun⸗ nenstraße 13); 10. 3 Kreis Offenbach(Geschäftsstelle Frank⸗ furt a. M., Bergerstraße 16). * Der Vorstand des Reithswahlkreises gessen Darmftadt: In der Sitzung vom 19. April in Frankfurt a. M. wurden auf Grund des§ 4 unserer Satzungen in den Vorstand des Wahlkreisverbandes Hessen-Darmstadt gewählt: 1. Pfarrer Veller⸗Bretzenheim(Vorsitzender), 2. Bürgermeister Völker- Lich, 3. Emilie Eichelmann geb Jung, Münzenberg, 1 sch breite die Arme aus, wie er getan, elch ch möchte die ganze Welt wie er umfahn. 10 5 Christian Morgenstern. stung 1 de 1. Zeltglossen. 6 Ein Volksfreund schreibt:„Anser Volk— sei es rechts oder links gerichtet— gleicht in den Jahren seit dem Kriege einem halbverhunderten, halberschlagenen und völlig ausgeraubten Nanne, der zu Tode erschöpft am Wegesrande liegt.“ Ich frage: Ist dies wahr? Verhält es sich wirklich so? Die Schamröte steigt einem ins Gesicht, wenn man sich umschaut im heutigen deutschland und gewahren muß, wie dieser arme„halbver⸗ hungerte, halberschlagene und völlig ausgeraubte Mann“, un⸗ geachtet der schweren Notzeit, von einem Vergnügungstaumel in den andern stürzt. Es ist nicht so, wie dieser Volksfreund sagt, aber es war und ist, wie ein anderer Volksfreund— Paul Steinmüller in sserloh hend zerhan esemo⸗ amen die! 10 1 beinen„Feuerrufen in Deutschlands Nacht“— es beklagt:„Sagt play hir doch, ihr weisen Volkshüter, warum duldetet ihr die scham⸗ Lebt lose Entblößung der Wunden? Warum duldetet ihr die Preis⸗ gabe des seelischen Aussatzes? Denn so war es: Riesengroß und in schrecklichem Ernst stand das Schicksal über uns, und die Nr DNN e Arle wurde täg ich blasser, eine kra khafte hatte sich ihrer bemächtigt, sie saß Tag für Tag, von jedem Frühmorgen bis in die sinkende Nacht und arbeitete unaufhör⸗ lich. 1 Von Hans kam dann und wann ein Brief, seine Mutter ließ ihn bis jetzt nicht fort, erst im letzten meldete er seine Rück⸗ lehr in ca. 2—3 Tagen an. Er hatte nicht nach einer weiteren von seiner Mutter, die ihm mit vollen tinem üppigen Leben auf Königsborn zur Verfügung stellte daß er, der an ihrer Seite so fleißig und enthaltsam sein konnte ort so oft die Nacht in unmäßigem hrämte sie sich sehr, seine Mutter behielt die raß der Gram. Sie zog die enn sie sich doch entschließen könnte, Herbsttag zu genießen, vielleicht, daß d og. Der Faden, der sich in steter G schlanken Finger legte, hatte ihr die Haut zerschnitten. ein Zlutstropfen rann langsam an der weißen Hand herunter. „Ich hätte mein Herzblut für Kurmelte sie,„aber jetzt gehört meine ste sollen es nicht in ein Kloster schlepp se der unschuldigen Seele vorreden würden, ine Verlorene, ihr leichtes Gläubchen zog sie in den Staub, si ollen mein Kind nicht unter die Glaubensknute zwingen, ih risches, freies Seelchen knechten, nein, niemals, daraum mu ch leben, das soll der Inhalt meiner Zukunft sein.“ Vorhänge zu, die Sonne tat ihren Augen weh nur einen ann Ruhe in ihr Her Laute Stimmen drangen von draußen mach, sie horchte erschreckt, deutlich unterschied sie Männerstimme, kam Hans? „Arle, Urle, wo steckst Du,“ auch ein rief Dore und ihr frisches, vo Menschenscheu g ussprache verlangt, ob Gerhard ihm den wahren Sachverhalt ee Urle mußte es nicht, aber daß er sich umgarnen ließ Händen die Mittel zu Trunk verbrachte, darüber Macht und in ihr leichmäßigkeit um ihre Dich gelassen und Du?“ Zukunft dem Kinde allein, en zur Erziehung, wo deine Mutter ist in ihre stilles Ge— 4. Dipl. ing. Ludwig ⸗Darmstadt, 5. Landwirt Beisiegel-⸗Gensingen, 2 Im Familienkreis SSS e C e e S e...——— Menschheit begann sich im Tanz zu drehen. Gerichte gingen über uns dahin, deren gewaltige Stimmen aus dem Uranfang alles Daseins zu uns redeten, und die es hören sollten, wirbel⸗ ten wie rasende Derwische.... Selbst die Grauköpfe und Ver⸗ blühenden gebärdeten sich wie die Kälber, die nach dem Winter auf die Weide kommen. Und wenn sie sich die Narrenkappe überstreiften, tanzten sie nach der widerlichen Art primitiver Völker. Wahrlich, ihr Kinder Deutschlands, die ihr euch wie rasende Erben zeigtet, ihr seid nicht zu Sprechern unseres An— glücks berufen!“— Für die ersten vier Monate dieses Jahres waren allein für Berlin 500 Maskenbälle angesagt. Man hätte alle mit einer Notsteuer belasten sollen, die in dieser schweren Zeit noch im⸗ stande sind, öffentlichen Vergnügen und Lustbarkeiten nachzu⸗ gehen, die der Not im Lande spotten, wenn man schon den ent⸗ würdigenden Vergnügungstaumel, wie es in anderen Ländern längst geschehen, nicht gänzlich untersagen will, oder zu unter⸗ sagen nicht die Macht hat. Schmähliche Ohnmacht! * Mitteilung der Reichsgeschüftsstelle⸗ .....——. See SS See SS Se 8 N 85 . dans aas asap AGE eee eee eee eee, Einzelbestellung unseres Organs, der„Evangelischen Warte“, ist in Zukunft nur noch durch die Post möglich. Die Bestellung bei der Post kann zu jeder Zeit erfolgen. Nur bei Bezug von 5 Exemplaren ab in einem Sammelpaket erfolgt die Zustellung durch den Verlag. Als selbstverständlich nehmen wir an, daß von jeder Ortsgruppe spätestens am 10. jeden Monats die Weidner. CCC AAA eee Landwirt Thomas Stock⸗Blitzenrod, Studienrat Pröscher-Mainz, Georg Koose-⸗Auerbach, 9. Kaufmann Götz⸗Worms, 10. Apotheker Veesenmeyer⸗ Gedern, 11. Forstmeister Blumenau Dornberg, 12. Lehrer Greb-⸗Weisenau. Die Hauptgeschäftsstelle für Hessen-Darmstadt ist ee 0 in Ober⸗Lais(Oberhessen). Wir richten an alle Freunde in Stadt und Land die herzliche und dringende Bitte, an die Geschäftsstel⸗ len der Werbebezirke oder an uns die Namen von Be⸗ kannten in den Werbebezirken mitzuteilen, die an der Evangelischen Volksgemeinschaft Interesse haben. Das ist unbedingt nötig, um die Liste der Vertrauensmän⸗ ner in den einzelnen Werbebezirken zu vervollständigen. Heute schon geben wir bekannt, daß die nächste Sitzung des Vorstandes in Hessen und der Leiter der Geschäftsstellen der 10 Werbebezirke in Hessen am Sonntag, den 29. Mai, nachmittags 2 Uhr, in Frank⸗ surt a. M. stattfindet(im Kronenhof, Scharnhorststraße, in nächster Nähe des Bahnhofes). Alle Freunde der Evangelischen Volksgemeinschaft sind zu dieser Sitzung freundlichst eingeladen. Reichsgeschäftsstelle der Epangelischen Volksgemeinschaft Weidner. Zwischen uns Menschen. Zwischen uns Menschen ist das Wasser fast immer so tief, daß wir nicht zueinander kommen können; aber zuweilen strahlt über dem dunkeln Meer ein vorher nie gesehener Stern auf, der uns das andere Ufer zeigt und uns den Wilen und die Kraft gibt hinüber und zusammen zu kommen. Richard Dehmel. im Gegenteil, heiteren Gemüts und ein Freund wahren Froh⸗ sinns, aber der heutige Vergnügungstaumel ist Verzerrung, die mit wirklichem erquickendem Frohsinn nichts gemein hat.“ * „Wir sind arm wie die Kirchenmäuse“— damit suchen viel⸗ fach heute Vertreter der größten vaterländischen Organisation ihre Ungeistigkeit, ihre mangelnde Anterstützung und Teilnahme an geistigen Bestrebungen zu entschuldigen. Dazu bemerkt tref⸗ fend Johann Ohneland in seinem Aufsatz„Der Völkische und die Geisteskultur“(Hammer, Nr. 590):„Ohne tiefes, freies Ver⸗ hältnis zur Kunst, Wissenschaft und anderen Kulturfragen kann kein neuer Volksgeist, keine neue Sittlichkeit geboren werden. Unsere Armut darf kein Hindernis bei der Pflege kultureller Güter sein. Man schaffe erst einmal Alkohol und Tabak ab, und führe die Ausgaben dafür der Geistespflege zu. Dann wollen wir weiter sehen.“ Ich will nun nicht einmal so weit gehen, wie es hier ge⸗ fordert wird, bis zur völligen Abschaffung von Alkohol und Der dies schreibt, ist durchaus kein Feind edler Geselligkeit, eee. 5„Dein Schwager, der Herbstluft gerötetes Gesicht blickte herein Herr Wendtland ist da!“ Urle stand wie gebannt vor Schreck, Gerhard kam zu ihr, was war geschehen? Aber schon im nächsten Augenblick stand er vor ihr und streckte ihr lieb die Hand hin:„Urle, ich soll grüßen von Mutter, sie schickt mich, um Hans eine wichtige Nach⸗ richt zu bringen.“ „Hans?“, sie sah ihn verständnislos an,„Hans war nicht hier!“ Gerhard stutzte, blitzschnell stand das Leben der letzten Zeit Bruder walte in ihm auf:„Gestern früh ist er abgereist!“ Er ist nicht hier gewesen.“ Die Aufwartung, die Naemis Stühlchen nach dem Eßzimmer tragen wollte, blieb stehen:„Verzeihen Sie, Frau Wendtland, aber der Herr ist auf dem Rennfest mit Leutnant Weber.“ 5 ein Stich f 2 1 e 905 Diel ee wonnigen Ein Stich fuhr Arle durch's Herz, er war hier und hielt e nicht der Mühe wert, sie zuerst zu begrüßen:„Dann wird er schon kommen,“ niemand hörte an dem ruhigen Tonfall, was n 5 25 dem mormorblassen Gesicht. „Ach, an dem festlichen, mit Herbstlaub geschmückten Teetisch Trotz seiner 0 schweife nieder, den Dore so meisterhaft hergerichtet hatte. Bemühungen, dem Gespräch eine heitere Wendung zu geben, ch alle zuweilen angstvoll nach Urle, in deren Augen sahen do e die Qual ruhte. N Die Hängelampe brannte bereits und noch immer war Hans 5 nicht zu sehen. „Wenn ich nicht wüßte, daß mich der Zorn übermannen würde, und ich ihn in das Gesicht schlagen würde, wie es sein e Betragen verdient, ich würde ihn heimholen,“ brauste Gerhard plötzlich auf,„zu Hause habe ich schweigen müssen, Mutter ver⸗ langte es, doch alles hat seine Grenzen!“ N vor seinem inneren Auge und ein heftiger Zorn gegen seinen sie litt, nur unsagbar traurig blickten die großen Augen aus wie gemütlich,“ rief Gerhard und ließ sich ohne um- Tabak, ich rauche gern und verschmähe auch den Alkohol nicht, Ein mißglücktes Lächeln zog über Arles Gesicht, sie wußte, weshalb ihm auf Königsborn bei diesem unwürdigen Treiben Vorschub geleistet wurde! Ich habe schnell einen kleinen Weg für morgen zu besorgen, eine Bestellung abzugeben, ich schicke hinaus und lasse ihm sagen, daß Du da bist, gelt?“ „Tue es, Herzchen,“ fiel Dore lebhaft ein,„Herr Wendt⸗ landt nimmt in der kurzen Zeit mit unserer Gesellschaft vorlieb, die Luft wird Dir gut tun.“ Leutnant Weber war ein gefährlicher Freund für ihren leicht lenkbaren Mann, ach, sie schauderte, wenn sie nicht ein⸗ griff und ihn heimholte, wie würde das Ende sein? Man raunte, daß dieser Leutnant a. D. der Ruin manches, bis dahin ehrenwerten Mannes war. Hinausschicken, nein, sie schämte sich, an wieviel Türen sollte sie erst anklopfen, bis sie einen Boten fand um diese Zeit, sie war auch so fremd geblieben in der Stadt. Hastigen Schrittes, wie ein aufgescheuchtes, gehetztes Wild, ging sie die Straße hinunter, niedriger, kleiner wurden die Wohnstätten, die geregelte Front hörte auf und nur vereinzelt in Gärten standen alte, zuweilen ganz verwetterte Häuser. Sie stand still, ein banger, schwerer Seufzer entrang sich ihrer Brust, daß der Weg so dornenvoll wäre, nein, das glaubte sie beim Lampenschein nicht, als ihr Herz nur immer den einen Gedanken umwob, rette ihn, rette ihn aus diesem Taumel um des Kindes willen, mit Dir geht er heim.—— Ein Gang nach Kanossa! Aber nicht die Scham allein, daß sie wie eine arme Tagelöhnersfrau ausging, den Pflichtverges⸗ senen heimzuholen, hetzte sie sterbensmüde auch die Furcht, daß ihr Rohheit auf dem abenddunklen Wege begegnen könnte, warnte sie und ließ sie zögernd erwägen, denn sie mußte links am Weidenhang vorüber, rechts dehnte sich der fast endlose Friedhof aus, erst dann war sie am Rennplatz. (Fortsetzung folgt.) ä—— Sonnabend, den 7. Mai 1927. „Evangelische Warte“ e kann also in diesem Falle nicht als Feind oder Enthaltsamkeits⸗ fanatiker verdächtigt werden, der das Kind mit dem Bade aus— schüttet und überhaupt nicht mitzureden hätte— aber ich sage, was gerade in dieser Hinsicht— Bier und Tabak— in man⸗ chen vaterländischen Verbänden geleistet wird, überschreitet wirklich oft das Maß des Anständigen. Ich habe manche Ver⸗ sammlung und Veranstaltung mitgemacht, daß einem vor Qualm die Augen übergingen. Ich sage: alles mit Maß und alles an seinem Platze! Man schaffe wenigstens das Zuviel von Tabak und Alkohol ab, dann springt schon ein ganz Er—⸗ hebliches zur Geistespflege heraus! Gustav Hildebrant. Nur einen Tropfen Oel. Die Nähmaschine geht nicht mehr so leicht und spielend wie im Anfang. Woran mag es liegen? Nur eine Kleinigkeit Oel und die Räder eilen wieder in geräuschloser Eile dahin. Ein Tropfen Oel mag Wunder wirken, aber er tut es nicht allein im Rädergetriebe der Maschine. Oel ist das Geheimnis auch des glücklichen Familienlebens, des Zusammenlebens im Alltag. Oel der Liebe sänftigt die Geister, Oel der Freund— lichkeit beflügelt die Schritte, Oel der Vergebung heilt die Seelenwunden, Oel der milden Beurteilung stärkt das Ver— trauen, Oel guter, milder Worte läßt die Reibungen des Ver— kehrs verschwinden. Glückselig das Haus, in dem jedes ein solches Oelfläschchen hat und den notwendigen Tropfen zu rech— ter Zeit zugießt. Ein Wort der Anerkennung ist für die Seele der müden Hausmütter ein Balsam, ein Wort des Dankes aus der Kinder Mund läßt die Eltern alle Sorge und Mühe vergessen, und ein Wort der Güte hilft den Kindern über den Berg hinüber. Dieses alles wird bewirkt durch das Wunderöl der echten Liebe. In manchem Hause fehlt der Wunderbalsam gegen Brand-, Schnitt und andere Wunden nicht, aber der Seelenbalsam, das Oel der Liebe, mangelt, und darum knirschen die Räder und pfeift der Umgang. Wenn unsere Oelgefäße leer geworden sind, so dürfen wir sie durch die Kraft des Hei— ligen Geistes wieder füllen lassen. Manchmal merken wir das selber gar nicht so. Da ist es gut, wenn man sich gegenseitig sagt: Dein Oelfläschchen ist leer geworden. und wenn man dann in der Stille seinen Heiland um neues Oel gebeten hat, darf man es wieder anwenden und den rettenden Tropfen zu— gießen. Es darf nicht zu viel und nicht zu wenig sein, aber im rechten Maße angewandt, wirkt es köstliche Wunder im gan— zen Hause. 2 Und du selbst? Von dem weisen Scheik Omar ben Nahib wird etwas er— zählt, worin ein jeder eine Lehre für sich finden kann. Eines Tages kam sein Neffe Hassan zu ihm und klagte:„Meine Fa⸗ milienverhältnisse sind sehr wenig zufriedenstellend. Die Jun⸗ gen wollen nicht gehorchen, und alles geht, wie es unter sol— chen Umständen möglich ist.“—„Das habe ich schon lange ge— sehen,“ antwortete der Alte ernsthaft.—„Aber nun soll es anders werden.“—„Ja, das ist auch die höchste Zeit! Aber was willst du machen, damit das geschieht?“—„Gerade des⸗ halb komme ich zu dir, um dir es mitzuteilen. Meinen Erst⸗ geborenen will ich zu deinem Sohn in die große Stadt am Strand senden, damit er dort Gehorsam lernen kann. Die bei⸗ den Jüngeren sollen meine eigene harte Hand zu fühlen be⸗ kommen, wie sie es brauchen. And was meine Mädchen an— betrifft, so hoffe ich, daß du, erfahrener Scheik, ihnen ein Ver⸗ ständnis für das beibringen wirst was ihre Pflicht ist...“ Lange blickte der weise Onkel mit seinen klaren, klugen Augen auf Hassan und sagte zu ihm mit liebevollem, aber ernstem Ausdruck in seiner Stimme:„And du selbst, Hassan?“— Der Neffe beugte sein Haupt und ging still fort; aber in seiner Familie wurde es schnell andern, ohne daß er es nötig gehabt hätte, alle die strengen Maßregeln gegen die anderen zu er— greifen. Ist die Geschichte Hassans nicht ein Beispiel für viele, viele Familien?... Manchmal klagen Eltern darüber, daß ihre Kinder so ungehorsam und ungezogen sind.— Sind die Kinder allein daran schuld? Oder sitzt der Schaden tiefer? Klagst du vielleicht über deine Familienzustände, dann frage dich zuerst, wie es mit dir selbst steht. Bedenke: Christus ist für uns alle gestorben, damit wir, die wir leben, hinfort nicht uns selbst leben, sondern dem, der für uns gestorben und auferstanden ist. Das muß uns einmal so durchs Herz gehen, daß wir es nicht mehr los werden können. Ueberhaupt ist das die große Hauptsache: Stimmt es in irgend einer Sache nicht, dann suche die Schuld nicht bei andern, was man so gern tut, prüfe zuerst dich selbst, ob du nicht die größte Schuld hat. Herlinge. Einmal kommt ein kleines Mädchen vom Kindergottesdienst nach Hause.„Nun, liebe Hanna, was hast du heute gehört?“ fragte der Vater.„Eine Geschichte von zwei Männern. Der eine war ein Zöllner.“—„Gut, und wer war der andere?“— Das Kind besann sich und erklärte dann:„Das war ein Fri⸗ seur!“ Die Geschichte vom Pharisäer und Zöllner war durchge— nommen worden. Das Wort Pharisäer war dem kleinen Mäd— chen unbekannt, es hatte sich daraus einen Friseur zurecht ge— macht!— Ein anderes Kind wurde gefragt:„Was sagte der Herr Jesu zu den Taubstummen?“ Es erwiderte:„He, Vater!“ Das Fremdwort„Hephata“ hatte das Kind nicht begriffen. Da erzählt ein Kind von Jairi Töchterlein und meint: „Der Herr Jesus hat den ganzen Eisenbahnzug entlang laufen müssen.“ Wie war das Kind auf diesen Gedanken gekommen? Es hatte gehört:„Mein Kind liegt in den letzten Zügen“, da— bei hatte es sich einen Eisenbahnzug mit vielen Wagen vorge— stellt.— Noch andere Beispiele könnte ich anführen, wo Worte der Schrift falsch und irrig verstanden wurden. Seien wir auf der Hut, daß wir es nicht auch so machen! Immer fragen, wenn uns etwas nicht klar und deutlich wird. In unserem Abschnitt ist auch ein Wort vorhanden, das die allermeisten nicht kennen werden, es ist das Wort„Herlinge“. Daß mir dabei nur keiner an Heringe denkt, die gewiß schon manchem gemundet haben. Nein, Herlinge sind schlechte, un— genießbare Früchte. Es gibt gute, dicke, fleischige Kirschen und es gibt auch faule Kirschen. Es gibt saftige Birnen und es gibt Holzbirnen. So gibt es auch edle Weintrauben und Her⸗ linge von wilden, entarteten Reben. Wem gleichen wir?— Es gibt ungenießbare Kinder, die jedem Menschen auf die Nerven fallen, die besonders für die Eltern eine Plage sind, und es gibt Kinder, die so freundlich und lieb sind, daß man sich nicht satt an ihnen sehen kann. Es gibt Kinder, die wirk— lich gottesfürchtig sind und Gott von Herzen liebhaben, und es gibt Kinder, die heucheln! Zu welchen gehören wir?— Gott tut alles, was er tun kann, damit wir guten Früch⸗ len gleichen. Er schenkt uns Leben, er veredelt uns, indem er uns einpflanzt in Christus; er gibt uns Gärtner, die für uns sorgen: Eltern, Lehrer, liebe Menschen. Er sendet uns Freud und Leid, Regen und Sonnenschein: aber nun kann er auch erwarten, daß wir Frucht bringen! Wenn wir keine Frucht bringen, verwirft er uns, speit er uns aus seinem Munde. Wir gehen dann verloren; Gott bewahre uns davor! Diese Predigt möchte uns das Wort„Herlinge“ halten. Adolf Schmidt. * Das Jahrhundert der Kirche. Wer die Zeichen der Zeit aufmerksam beobachtet und tiefer in die Seele unseres Volkes hineinschaut, der wird die erfreuliche Feststellung machen kön⸗ nen, daß trotz der noch in weiten Kreisen herrschenden kirchlichen Gleichgültigkeit oder Kirchenfeindschaft der Wille zur Kirche und die Liebe zur Kirche im Wachsen begriffen sind. Die k tische Lage, in der sich die Kirche noch vor wenigen Jahren z fand, ist im wesentlichen überwunden. Es regt sich heute wi der gerade bei den Besten unseres Volkes die Sehnsucht g wahrer innerer Führerschaft und nach einer Autorität, die nich durch Menschlich⸗Allzumenschliches erschüttert werden kan Man ist überdrüssig geworden jenes Subjektivismus', der de menschlichen Intellekt und seine bis ins Gigantische gestiegeng Leistungen auf den Thron erhob; man verlangt heute wiede nach den objektiven Mächten, die, unberührt vom Wandel de Zeit, in der Kirche uns entgegentreten. Diese Welt des Gan Anderen, welche die Kirche in ihrer Verkündigung anbei 1 und die nichts zu tun hat mit den Bedingungen, Beschränkung 7 und Gebundenheiten unseres menschlichen Daseins, wird geiah fete auch von der Jugend mit brennender Seele gesucht. Das die seelisch-weltanschauliche Lage, welche die Kirche in del Augenblick vorfindet, wo sie durch die Trennung vom Stag Wahrheit innerlich frei geworden ist. Damit ist die Kirche u serer Tage vor gewaltige Wirkungsmöglichkeiten gestellt. S 5 hat vor dem modernen Staat ihre mahnende und warnen 5 Stimme zu erheben. Sie muß im Weltanschauungskampf dz Geister, der in kommenden Jahren heftiger denn je entbrenne wird, Führer werden. Sie muß der Jugend zu dem neuen bensinhalt helfen, nach dem sie sucht und um den sie ring Unbeeinflußt vom Staat und ohne Verquickung mit den Sekte Ein gewinnt die Kirche so die Größe ihrer Stellung zurück, Trägessetel. rin des öffentlichen Gewissens zu sein. Je reiner und je selbisselen! loser sie sich dieser Aufgabe unterzieht, um so mehr Menschessil es wird sie um ihre Fahnen sammeln. Durch den inneren Leidenelselden weg der letzten Jahre sind die Menschen von heute reif gewulfsesten den für das Jahrhundert der Kirche. Sie harren der Stun sächf da die Kirche als Macht der Versöhnung die Brücke zwischt I den verschiedenen Volksschichten und Völkern schlägt und ena Lebens- und Arbeitsgemeinschaft schmiedet, die für das deusschsester Volk eine neue Zukunft, für die Beziehungen der Natiopasseudem untereinander eine Zeitwende bedeutet. 0 Neue Bülther. „Sundar Singh in seiner wahren Gestalt“. Von Bräunlich(Verlag Ungelenk, Dresden 24, Preis 3,50). De in ganz Deutschland bekannte Generalsekretär des evangelisch Bundes, lic. Bräunlich, hat unter obiger Ueberschrift eine g⸗ naue Untersuchung über Sundar Singh kürzlich veröffentlich Was Bräunlich dazu in besonderem Maße befähigt, sind sein Erfahrungen bei Antersuchung des Taxilschwindels. Er hu Recht, wenn er uns in seinem Buche nachweist, wie vorsichti man bei Beurteilung derartiger„Heiliger“ sein muß. Seh Endurteil ist: Sundar Singh ist erledigt und muß erledig bleiben. F. 9. g Tandtac Fadtag 1 2 en den ale d it lo t zu en * Jakob Lauth, Pfarrer: Herrn Eberhards Fahndung. G. schichtliches Schauspiel in drei Aufzügen, 52 Seiten, Berl 1927. Verlag des Evangelischen Bundes. 1. f. Eber han der Graf von Erbach, durchglüht von Eifer für die römische lung, Kirche, zieht aus mit seinen Mannen, auf Luther, den Kesen el 80 zu fahnden, wird aber selbst ein Gefangener des deutschen Goh, Mahi! tesmannes. Wie Lauth diese psychologische Entwicklung mi Klasen ihren inneren Feinheiten dargestellt hat,— das ist meisterhaff f en Die Mittel, einfach, schlicht und doch zu Herzen gehend, üben zeugend. Daher wird das Schauspiel von den Brettern gu seine Wirkung nicht verfehlen. Zur Aufführung auf Verein bühnen sollten, obwohl die Schwierigkeiten nicht allzu groß sind nur ausgesuchte gute Laienspieler herangezogen werden. D 00 f Dichtung verdient die beste Interpretierung. Wir können sie allen Vereinen, die auf wertvolle Bühnenliteratur Gewich 0 legen, warm empfehlen, nicht zuletzt auch der Berufsbühne, bifdig eh, di eie kit gt 0 vorm. Wilh. Meller sind jederzeit vorrätig in der und Sterbe-Register sind ungewollt Sämtliche Formulare für Pfarrämter, Bürgermeistereien, Standesämter, Ortsgerichte, Schulen elt. Formular⸗Großhandlung Albin Ulein, Gießen Südanlage 21.- Fernspr. 1502 Ueber die technische Ausführung der in meiner Druckerei gedruckten und besonders gut eingebundenen Tauf-, Nonfirmations-, Trau mir mehrere Dankschreiben von Pfarrämtern zugegangen. Die Herren Pfarrer bitte ich, meine Formularhandlung, die mehr als 1000 verschiedene Formulare für alle Behörden, Vereine, Anstalten etc. umfaßt, auch den Herren Virchenrechnern und anderen Organisationsmännern zu empfehlen. 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