sie nit d 2— eee, N SD mmů 5 fit Jill Bi⸗ sget ul 1 uf 9 1 1 0 Evangelische Warte drgan der Evangelischen Volksgemeinschaft Hauptschriftleiter: Edwin Hamburger in Staden(Oberhessen). Verantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger, für den Unterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz. Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. Fernsprecher 1362 und 1145. Postscheckkonto 8437 Frank Erscheint Samstags.— Bezugspreis 50 Pfennig monatlich. Abonnements⸗ und Anzeigen ⸗Annahmestelle, Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21. furt a. M. Sonnabend, den 5. Februnr 1927. Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg., am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen Vergünstigung. Nummer 6. Dr. Samuel Jäger 7 6 Von Bethel kommt die traurige Kunde, daß der geistige Führer der christlich-sozialen Be— wegung D. S. Jaeger, am 14. Januar, mittags gegen 12 Uhr, im Alter von 62 Jahren durch einen sanften Tod heimgerufen wurde. Wir trauern um diesen gründlichen, hochbegabten, sozialfühlenden Gottesgelehrten, welcher als Direktor der theologischen Schule, als Vertrauter weiter Kreise aus dem Volk und als Missions⸗ mann im Dienste des Reiches Gottes so viel geleistet hat. Als geistiger Führer der christlich-sozialen Gesinnungsgemeinschaften, mit welchen unsere Evangelische Volksgemeinschaft durch eine im März 1926 abgeschlossene Arbeitsgemeinschaft ver— bunden ist, hat er im Glauben an den Sieg der Sache Gottes auch im öffentlichen Leben für Gottes Ehre und Reich Großes gewirkt. Sein Gedächtnis bleibt unter uns im Segen. Die Krije im Jungdeutschen Orden. Von Christian Deutschmann. Wenn das Wort von der Frau— daß diejenige die beste sei, von der man am wenigsten spricht— auch von Organisationen gilt, dann schneidet der Jungdo (wie man den Jungdeutschen Orden kurz, wenn auch nicht schön, zu bezeichnen pflegt) gegenwärtig nicht eben günstig ab. Vor einigen Tagen kam aus einer mittel- deutschen Stadt die Meldung von einer großen Schlä— gerei, die dort bei einem Vortrag des Hochmeisters des Ordens, Mahraun, zwischen seinen Anhängern und Gegnern stattgefunden hat. Kurz davor erließ die bis⸗ lang dem Jungdo angehörende Ortsgruppe Elberfeld eine Kundgebung, welche die neuerdings von der Or⸗ densleitung betriebene, eine Annäherung an Frankreich erstrebende Außenpolitik des Ordens(um derentwillen Viktor v. Körber als sein Delegierter einen„Patrouil⸗ lenritt“ nach Paris unternommen hat) entschieden ab⸗ lehnte und zur Rückbesinnung auf die ursprünglichen Ordensziele mahnte. Aufsehenerregend war auch jene Hamburger Rede Mahrauns, in der er seiner Genug⸗ tuung darüber Ausdruck gab, vom Grafen v. d. Goltz, dem Vorsitzenden der vereinigten vaterländischen Ver⸗ bände, wegen seines Wohlwollens für die republikani⸗ sche Organisation des„Reichsbanners“ in den Bann getan zu sein und in der er Goltz zu dem absterbenden Alten rechnete, welches das aufstrebende Junge nicht mehr verstehe. Und endlich ist die Aufmerksamkeit wei⸗ tester Kreise auf den Jungdo gerichtet worden durch die Reichstagsverhandlungen, in denen der Wehrminister Geßler eine Denkschrift, die Mahraun ihm eingereicht hatte und derzufolge„reaktionäre“ Generale(besonders wurde General Watter genannt) deutsche Jugend wäh⸗ tend der Nuhrbesetzung durch aussichtslose Angriffs⸗ pläne in die französischen Maschinengewehre hätten hineintreiben wollen, kritisch beleuchtete und ziemlich deutlich als unberufene Einmischung in seinen Pflich⸗ tenkreis ablehnte. Herzensreinheil. Markus 7, 15. Es ist nichts außerhalb des Menschen, das ihn könnte gemein machen, so es in ihm geht; sondern was von ihm ausgeht, das ist's, was den Menschen gemein macht. Es wird in unserer Zeit so viel über die Gemeinheit von Menschen geklagt. Es befleißigen sich viele gar nicht mehr eines wohlanständigen Betragens ihren Mitmenschen gegenüber. Da muß auch einmal an dieser Stelle die Frage gestellt werden, was denn einen Menschen zu einem anständigen oder zu einem gemeinen Menschen macht. Natürlich muß man sich da zunächst klar darüber sein, was anständig ist. Wir als Christen legen unsere Sittlichkeit zu Grunde, welche uns die Nächstenliebe als heilige Pflicht gegen⸗ über unserem Mitmenschen in einem tätigen Leben zu verwirk⸗ lichen heißt. Alles, was den Nächsten schädigt, ihn erzürnt, ihn verbittert oder kränkt, ihn Unrechtes oder auch Unanständiges zu tun verleitet, ist lieblos, und deshalb ein Verstoß gegen die christliche Sittlichkeit. Die Frage ist nur die: Wie erhalte ich mich in stetem sittlichen Wandel? Die Juden meinten, man könne das durch das Halten von bestimmten Gesetzen. Manche Speisen waren immer verboten. Andere mieden sie zu bestimmten Zeiten, den Fasttagen. Wer mehr solcher Fasttage hielt, als die Vorschrift lautete, der tat noch etwas ganz besonderes für seine Reinheit. Aber Jesus wirft ja den frommen Pharisäern vor, daß sie in all ihrer Fröm⸗ migteit den Gräbern gleichen, welche äußerlich zwar schönes Aus⸗ ehen haben, aber innen sind sie„voller Totengebeine und allen Unflats.“ Die Speisen, welche wir essen, können uns doch sitt⸗ lich nicht beflecken. Die Enthaltsamleit von Speisen macht uns doch nicht zu guten Menschen. Wir stehen allen diesen Dingen zu fern, um uns ein unfehlbares Urteil darüber anzumaßen. Aber das eine ist uns ganz unbezweifelbar: die angeführten Tat⸗ sachen und noch manche andere dazu sind Symptome der schweren Krise, die der Jungdo zurzeit durchmacht. Und das ist die Frage, die uns beschäftigt: wird die Krise sich zum Leben oder zum Tode wenden Diese Frage würde uns weniger berühren, wenn uns der Jungdo mehr oder minder gleichgültig wäre. Aber es ist in und an dem Orden doch manches, um dessentwillen er unsern Herzen nahe steht. Als Ver⸗ treter der Evangelischen Volksgemeinschaft freuten wir uns, zu sehen, wie der Orden in seinem Bereich mit einer aus christlichem Geiste geborenen und in christ⸗ lichem Geist gepflegten Gemeinschaftsidee Ernst zu machen bestrebt war. Und es störte uns nicht weiter, daß dieses große reine Streben verbrämt war mit man⸗ cherlei symbolischen Formen, die vielleicht schwärme— rische(das Wort hier im guten Sinne gebraucht) Ju⸗ gend anzuziehen besonders geeignet sind. Auch die nicht sehr wohlgelungenen sprachschöpferischen Versuche des Ordenshochmeister(„volksnational“,„vertreuen“ u. a. m.) nahmen wir um deswillen als Nebensächlichkeiten mit in den Kauf und ließen es uns selbst gefallen, daß uns das Italien Mussolinis als Geburtsstätte der er⸗ habenen Lehre von dem„neuen Wert“(il nuove va⸗ lore) hingestellt wurde, wiewohl jeder von uns diese ö „neue“ Lehre, die nicht im Rang und Stand, sondern in der Gesinnung den Wert des Menschen begründet sieht, als schon sehr, sehr alt— nämlich schon von Je⸗ sus Christus verkündigt— erkannte. Dennoch, ob neu oder alt— der Jungdo hat sich redliche Mühe gegeben, in seinem Kreise aus der Lehre Praxis, aus dem Wort Tat werden zu lassen, und das soll ihm auch, wenn er damit— nicht anders als die christliche Kirche— nicht ganz und bis ins Tiefste durchgedrungen ist, hoch an⸗ Auch in der römischen Kirche treffen wir ja die Vorschrift bestimmter Fastengesetze. Am Freitag ißt man da kein Fleisch mit Ausnahme des Fischfleisches. In der Passionszeit sind immer gewisse Speisen verboten. Was uns Evangelischen nicht gefal⸗ len kann, ist die gesetzliche Vorschrift, die da herrscht. Mein Ne⸗ ligionslehrer hat uns Eymnasiaften immer das Fasten als frei⸗ willige Handlung empfohlen. Auch kenne ich einen Nervenarzt, der dies tut. Aber eines darf nicht fehlen, die Freiwilligkeit. Alsdann mag diese Ueberwindung der leiblichen Bedürfnisse eine feine Erziehung sein des Leibes durch den Willen. Der Mensch tut dann nicht, was sein irdisches Bedürfnis fordert, sondern zwingt sich zu tun, was sein Wille haben will. Es handelt sich also um eine Stärkung der eigenen Willenskraft. Hat der Wille durchgehalten, dann ist der Mensch froh und fühlt sich gestärkt in seiner Geisteskraft. Er lernt seinen Leib zu bändigen unter seinen Willen. Aber auch hierbei müssen wir uns ernstlich fragen, ob dies einen Menschen vor der Gemeinheit bewahrt. Wie ist es denn wenn der Wille gar nicht auf das Liebe und Gute gerichtet ist? Dann wird der Mensch eben umso energischer das Schlimme tun. Auch diese Willensübung führt uns noch lange nicht zum Ziele. Wir müssen es ganz aufgeben, durch äußerliche Mittel die Menschheit von der Gemeinheit zurückzuhalten.„Es ist nichts außerhalb des Menschen, das ihn könnte gemein machen, so es in ihn geht.“ Ja, wir Evangelische können es auch gar nicht begreifen, daß Menschen auf den Gedanken gekommen sind, durch die Be— obachtung von Speisegesetzen sich sittlich rein zu machen. Diese Speisegesetze können ja zur Gewohnheit werden, sodaß sie Men⸗ schen nicht mehr äußerlich zu einer Ueberwindung veranlassen, und noch viel weniger ihn innerlich anstrengen. Dann werden sie eben mit bestimmter Regelmäßigkeit abgemacht. Rein oder gerechnet werden und gedankt sein. Dem christlichen Beobachter tat es auch wohl, zu sehen, wie— im Gegen⸗ satz zu zahlreichen„vaterländischen“ Vereinen und Ver⸗ bänden— die Vexranstaltungen der Jungdo-Bruder⸗ schaften und Gefolgschaften die Ordensbrüder am Sonntag stets ins Gotteshaus(und nicht drum herum!) und in den Gottesdienst führten. Er spürte: hier war eine Jugend, die bewußt beides, christlich und deutsch, sein wollte, der das Wort„Bruder“ als Ausdruck eng⸗ ster Verbundenheit der Ordensangehörigen über alle trennenden Unterschiede des Besitzes, der Schulbildung, des Standes und der„Klasse“ hinweg galt und die ehrlich und treu rang um die ewigen Kränze der Wahr⸗ heit, der Reinheit, der Rechtbeschaffenheit, kurz: der Tugend im christdeutschen Sinn! Deshalb auch stan⸗ den so viele Geistliche beider Bekenntnisse in der Reihe des Ordens, deshalb auch hielten so viele, die ihm nicht formell angehörten, ihr Auge in Freundschaft und warmem Interesse auf den Jungdo und seine stille, wackere Arbeit gerichtet. Und deshalb ist es für diese alle um so größere Enttäuschung, den Orden heute„von der Parteien Gunst und Haß verwirrt“ mitten drin im Gewoge der öffentlichen Meinung und im Lärm der Straße zu fin⸗ den. Suchen wir nach einer Erklärung, wodurch es dahin gekommen ist, so scheint uns die Wurzel des Uebels in dem Heraustreten des Ordens aus seinem nächsten und wichtigsten, seinem eigentlichen Aufgaben⸗ kreis zu liegen. Dieser Aufgabenkreis— die Erzie⸗ hung des Ordensbruders zum Christ- und Deutschbe⸗ wußtsein, zum sittlichen Adel, zu den ritterlichen Tu⸗ genden der Mannhaftigkeit und Wehrhaftigkeit(soweit diese heute gepflegt werden kann), der Mannentreue und des freien Gehorsams, zur körperlichen und geisti⸗ gen Schulung, zu aufrichtiger Brudergesinnung und ihrer praktischen Betätigung u. a. m.— ist so groß und umfassend, daß ein Menschenalter nicht ausreichen würde, ihn auch nur einigermaßen auszuschöpfen. Und es gehört viel Fleiß und Geduld, viel Fähigkeit, Miß⸗ erfolge zu ertragen, viel Selbstlosigkeit, viel eigene Tiefe und Kraft zu solch schwerer Arbeit, die mit Hoff- nung auf Frucht nur in der Stille getan werden kann. Ob diese Arbeit den Führern des Jungdo zu schwer, ob den Ordensbrüdern diese Stille zu abwechflungs⸗ arm war, daß man lieber aus ihr heraus aufs Forum und in die Arena ging? Wir wissen es nicht. Aber wir wissen, daß die Jungdo-Veranstaltungen weithin nicht mehr das sind, was sie einstens waren. Es mag ja das Schicksal jeder auf Ideale gerichteten Bewegung sein, daß die erste Liebe erkaltet, daß das erste Feuer verglimmt, daß das Geistige zur Erdenschwere herab⸗ gezogen wird. Aber schmerzlich ist es doch, wie das „Treudeutsch allewege“ allmählich etwas Stereotypes angenommen hat, wie der Aufmarsch der Ordensbanner bei großen Tagungen aus Bekenntnis und Gelöbnis zur „Parade“ geworden ist, wie das Schlagwort(„Hugen⸗ bergpresse“ u. ä.) junge Menschen des eigenen Denkens und Urteils zu entwöhnen droht, wie die Abende der 82r Jungdo⸗Gruppen hie und da ganz im Sinne der Brauerei-Aktionäre verlaufen. unrein kann der Mensch nur werden durch die Aeußerungen des innersten Herzens. Weß aber das Herz voll ist, geht der Mund über. Aus den Worten kann man so viel herauslesen, ob Rein⸗ heit oder Gemeinheit in dem Menschen wohnt. Was im Herzen sitzt, das offenbart der Mund. Darum muß das Herz rein und sauber gehalten werden. Das ist die Lösung der ganzen Sache. Aber weil dies so schwer für viele ist, wollen fie die Heiligkeit mit äußeren Dingen erreichen. Da mag jemand den Sonntag streng von Arbeit frei halten, mag auch in den Gottesdienst gehen, was hilft ihm das, wenn er am Werktag kein reines Herz bewahrt und seine Arbeit nicht einen Gottesdienst sein läßt? Es ist leicht, bei Sammlungen für einen guten, frommen Zweck eine große Gabe zu geben, aber wichtiger ist, jeden Tag das Geld verwalten wie ein nur anvertrautes Gut als Haushalter Gottes. Wenn Jesus die Pharisäer Heuchler nannte, wollte er gewiß nicht sagen, daß sie es mit ihrer Buchstabenfrömmigkeit nicht ernst gemeint hätten. Jesus gibt ja selbst in seiner ge⸗ waltigen Rede Matthäus 23 Beispiele dafür, wie genau sie darin waren. Aber alles, was diese Pharisäer taten, diente trotz ihrer Genauigkeit nicht dazu, ihr Herz rein zu machen. Nur der äußere Mensch war bei ihnen fromm. Jesus kommt es je⸗ doch darauf an, daß der innere Mensch rein und fromm ist. Die Gedanken müssen edel und die Gesinnung muß heilig sein. Dann erst ist ein Mensch nach Jesu Wünschen. Fragen wir demnach noch einmal, wie ich mich frei von Ge⸗ meinheit erhalte, dann dürfen wir jetzt antworten: Dadurch, daß ich mein Herz rein halte von allem Unsauberen und Ge— meinen! Wer die Herzensxeinheit hat, der kann äußerlich gar nicht als Nohling auftreten. Es ist dies auch nicht ein Vorzug bestimmter Klassen, sondern gerade in schlichten Kreisen trifft man oft prachtvolle Menschen mit edlen, reinen Herzen. Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen gewissen Geist. Amen. Hr. —————ä — Sonnabend, den 5. Februar 1927. „Evangelische Warte“ Nr. 6. War es wirklich nötig, daß Mahraun eine Selbß⸗ verständlichkeit wie die, daß ihm ein anständiger Reichs⸗ bannermann lieber sei, als ein unanständiger Stahl⸗ helmer, mit solchem Pathos proklamirte? Und ande⸗ rerseits: war das wirklich ein Grund, ihn um deswillen in der Rechtspresse als Apostaten der eigenen Idee und als brandroten Republikaner hinzustellen? Und wei⸗ ter: war es wirklich fein und fair gehandelt, wenn Mahraun in Hamburg den Grafen Goltz als eine Art von verkalktem Meergreis, der der neuen Zeit mit blödem Auge gegenübersteht, abtun zu können glaubte? Wenn wir recht unterrichtet sind, ist Goltz der Führer der Baltikum⸗ und Finnland⸗Befreier gewesen; dann hat Mahraun ihm schwerlich Gleichwertiges entgegen⸗ ustellen. Aber wenn er auch„nur“ General und Sol⸗ dat, wie mancher andere neben ihm, gewesen ist, gab es nicht ritterlichere, reinere Waffen, sich mit ihm aus⸗ einanderzusetzen? Dabei sind wir weit davon entfernt, die hinter Goltz stehenden vaterländischen Verbände vorbehaltlos in Schutz zu nehmen. Auch hier ist gar manches Verkehrte geschehen, was den Graben zwischen ihnen und dem Jungdo unnötig verbreitert hat, und manche Gelegenheit zum Brückenschlagen ist versäumt worden. Auch nehmen wir es Mahraun an sich nicht übel, wenn er dem vorwiegend aus Angehörigen der politischen Linksparteien sich rekrutierenden Reichsban⸗ ner gegenüber seine Brudergesinnung zum Ausdruck bringt, nur wirkt solche Geste peinlich zu einer Zeit, da das Tischtuch zwischen ihm und den vorwiegend in den Rechtsparteien beheimateten vaterländischen Ver⸗ bänden zerschnitten ist, und gewiß nicht ohne seine Schuld. Hier wiederholt sich jene„unparteiische“ Par⸗ teinahme, jene Zwiespältigkeit, die eben jetzt wieder in det Politik als Reichsregierung ein„Kabinett der Mitte mit hinlänglich verbindlicher Unterstützung der Sozialdemokratie“ haben wollte. Um seiner oben er⸗ wähnten Denkschrift willen hat man Mahraun hie und da zum Denunzianten stempeln wollen. Wir finden solchen Anwurf perfide. Wir glauben, daß ihm der Antrieb zu seiner Warnung aus ehrlichem, gutmeinen⸗ dem Herzen kam. Das schließt nicht aus, daß im Unter⸗ bewußtsein auch ein bißchen menschliche Schwachheit mit⸗ gespielt hat: wie schön, in der Stunde der Gefahr„Ret⸗ ter des Vaterlandes“ zu sein! Und man mag über die Denkschrift selbst denken, wie man will, ihre Erörterung in der Oeffentlichkeit des Parlaments und der Presse 1110 dem Jungdo und seinem Hochmeistet arg geschadet. as gilt endlich mindestens ebenso oder noch mehr von dem Versuch Mahtauns und seiner Freunde, deutsche Außenpolitik(im Sinne der„Vossischen Zeitung“ nach Aussöhnung und Zusammengehen mit Frankreich hin) auf eigene Faust treiben zu wollen. Mag für den Jungdo dabei auch ein anerkennendes Wort Strese⸗ manns abgefallen sein, wir meinen, hier müßte es für den Orden heißen: Principiis oststa(widerstehe den An⸗ fängen!) Für außenpolitische Arbeit ist das Reichs⸗ ministerium des Auswärtigen da, und nur dieses ist für sie zuständig. Mögen andere sich„berufen“ fühlen, dabei mitzuhelfen— der Orden lasse um wichtigerer Aufgaben willen die Finger davon! Oder ob Mahraun sich wohl dabei fühlt, wenn ihn jetzt Leute und Blätter auf den Schild heben, im Blick, auf die wir zu ihm sagen möchten:„Es tut mir in der Seele weh', daß ich dich in dieser Gesellschaft seh!“!? Hier vor allem scheint uns die stärkste Ursache der Krise zu liegen, in der der Nia sich gegenwärtig befindet. Hier vor allem möge ahraun das Messer ansetzen, auch wenn ihm der Schnitt selber wehe tun mag. Sonst wird ein Aus⸗ einanderfallen des Ordens nicht mehr aufzuhalten sein. Es mag manches in den obigen Ausführungen här⸗ ter und schärfer klingen, als es sollte. Ans war es dennoch um nichts anderes zu tun, als darum den Jung⸗ deutschen Orden, den wir als Mitarbeiter an einer christlich⸗deutschen Volksgemeinschaft nicht verlieren möchten, auf die Spaltpilze aufmerksam zu machen, von denen ihm Vernichtung droht, wenn er sie nicht bei⸗ zeiten abtötet. Wie wir den Aufgabenkreis des Jungdo sehen, haben wir hinreichend deutlich gemacht. In Einzelheiten mag noch manches zu ergänzen sein, im wesentlichen aber glauben wit das, was der Orden ur⸗ sprünglich sein und treiben wollte, richtig gekennzeich⸗ Dornenweae. e Roman von Clara Meller. 10. Fortsetzung. „Später, Hert Hans, später, hüte is keen Dag dafür. Aber das sage ich Ihne, wenn Madame die Btauereien in den Höllengrund wünscht, zu unterst gehere de Klöster! Um kein Säufer zu sein, dazu gehött nut jett Selbstbeherrschung, aber vor so net Landplage ist kein ehrlicher Ehtistenmensch sicher.— Sehn Se, Herr Hans, ich hasse keinen Menschen ohne Grund, ich hatte eine hübsche Braut, enn Prachtmädel war es, so gut und fleißig, abet arm wat es. Na, ich kunn ja arbeiden für zehn, wir waren glücklich un wollten bald heitade. Ach Jotte doch,“ er strich sich aufseufzend über die Stirn, als übermanne ihn die Erinnerung. „Da ging se zur Beichte un im Beichtstuhl hat ehr der Hal⸗ lunke, er es vergangenes Jahr an der Zuckerkrankheit zu Irunde jegangen, allerlei schlechte Anerbietungen jemaht, ehr vorgelogen, sonst würde er se nicht trauen und se mößte dann soviel Jeld bezahle, daß mer noch warde mößten, ehre Sünden würden ehr nicht vergeben und er wollte das Verhältnis lösen! Wäre das leve, dumme Göhr nor gleich zu mir jekommen, dann wurde alles jut, ich hätte den Burschen heemjelücht't, aber so grämte se sich still und er stellte ehr immer mehr nach und eines Tages bekomme ich einen Breef: ich solle ehr vergäben. se habe gefündigt und finde sich auf Erden nicht mehr z'recht, ech sollte sie aus dem schwarzen Teich im Wald fischen und sie still eingraben. Es war auch so, Herr Hans! Als ich sie im Arm habe, das Herz wollte mir fast breche vor Leid, kommt der Mariawalder net zu haben. Ein Abweichen von dieser ursprünglichen Linie in der letzten Zeit ist unverkennbar. Wie jedes Reich und Volk in Zeiten der Krisis und des Zerfalls nur durch die Kräfte wieder hochkommen kann, die es einst groß gemacht haben— und das sind immer gei⸗ stige, sittliche Kräfte gewesen— so gilt das auch vom Jungdeutschen Orden. Dann, aber nur dann hat er auch heute noch eine große Zukunft und Verheißung, wenn er sich nicht bekümmert um das, was außerhalb seines Kreises vor sich geht, jede Stellungnahme zu po⸗ litischen Fragen und Parteien peinlichst vermeidet, da⸗ für aber um so angelegentlicher, unermüdlicher, unver⸗ drossener der Erziehung seiner Mitglieder zu aufrech⸗ ten Ehrtsten, zu treudeutschen Charakteren, zu geläu⸗ terten, sittlichen Persönlichkeiten, zu Wegbereitern wahrer Volksgemeinschaft und Trägern lebendiger, tätiger Brudergesinnung widmet. Nicht nach außen, sondern nach innen, nicht in die Breite, sondern in die Tiefe muß er wirken wollen.„Hier sind die starken Wurzeln deiner Kraft!“ Hic Rhodus, hic salta! Evangelische Kirthe und Evangelische Volksgemeinschaft. Weite Kreise der evangelischen Bevölkerung— nicht nur unsere Mitglieder und Freunde— hat es s. Zt. recht sonderbar berührt, daß es die Schriftleitung der evangelisch-kirchlichen Presse Nassaus für möglich fand, unsere evangelische Partei abzulehnen und da⸗ durch unserer Bewegung ganz offiziell entgegenzutreten. Eine evangelische Partei, so sagte man, sei so lange ein Ding der Unmöglichkeit, als wir nicht ein„Kultur⸗ Parlament“ hätten. Man war anscheinend auch mit der Wahrung der evangelischen Belange nicht ganz so unzufrieden wie wir, da man sich vertrauensvoll und wieder ganz offiziell unter die Fittiche der bestehenden Parteien begab, nachdem sich von rechts nach links, von den Deutschnationalen bis zu den— Sozialdemokra⸗ ten auf Befragen alle zur Wahrung der evangelischen Interessen bereit erklärt hatten. Dabei waren die Antworten der Parteivorstä oe garnicht so einwandfreie und unzweideutige Zusagen, wie es die Sachlage eigentlich verlangt. So lautete z. B. die Antwort der Deutschen Volkspartei wörtlich: „Es ist uns bekannt, daß innerhalb des Kommu⸗ nallandtages eine etwas sehr einseitige Politik von Seiten des Zentrums getrieben wurde. Wir ver⸗ urteilen das und find bestrebt, möglichst zu einem Ausgleich auf Grund des Zahlenverhältnisses der beiden Konfessionen zu kommen.“ Von dem Empfänger selbst wurde dem Artikel⸗ schreiber diese Antwort als sehr ausweichend und als negativ zu bewerten bezeichnet. Die D. V. P. hat auch den Vorwurf eines Mitgliedes, sie habe es gewisser⸗ maßen abgelehnt, sich um die evangelischen Interessen zu kümmern, widerspruchslos hingenommen. Den Wert der Fragen und Antworten beweist das zur Ge⸗ nüge. Auf die Antworten kommt jetzt im„Kirchenboten für das Dekanat Cronberg“ die Kirchenbehörde zurück. Sie fordert, daß die offene Stelle des Landeshaupt⸗ mannes in Wiesbaden durch einen Evangelischen be— setzt wird. Als einer der aussichtsreichsten Kandidaten wurde in den Tageszeitungen nämlich vor langem schon ein Zentrumsmann genannt. Der Vorgänger war katholisch und, so schreibt der„Kirchenbote“,„man empfand in allen evangelischen Kreisen peinlich die rücksichtslose Art, mit der im vorausgegangenen Kom⸗ munallandtag die katholischen Interessen vertreten worden waren... daß dem Zentrum fortgesetzt Zu⸗ geständnisse gemacht wurden, bis es die wichtigsten Po⸗ sten in seiner Hand hatte.“ Wir fragen uns, wo waren denn damals die Ver⸗ treter der Parteien, die auf Anfrage hin selbstverständ⸗ lich gerne bestätigen, daß sie zur Wahrung der evan⸗ gelischen Interessen bereit sind? Etwa auf Urlaub, wähtend der Landeshauptmann Zugeständnisse machte? Oder haben nicht vielleicht diese Parteien selbft die Zugeständnisse gegeben?! fene!—— Herr Hans, ich bin hinter im hergesaust wie ein Toller und wenn nicht die Bittgänger von der Kapelle des heiligen Antonius kamen, hätte ich ihn erdrosselt! Ich wurde polizeilich überwacht, abet einmal kommt die Stunde, das sage ich Ihne, da nehme ich Rache und wenn ich in die ewige Ver⸗ dammnis fahre. Wenn im Testament meines Herrn nicht ge⸗ standen hätte: Mein treuer Dammrat ist auf lebenslänglich an⸗ gestellt,— er ekelte mich hier heraus, so höhne ich ihn, wo ich kann in seine Gaunervisage.—— Gehen Se fort von hier, Hert Hans, fort aus dem Rheinland, wo die Hand der Brüder nicht hinreicht, erst dann könne Se jlücklich werde.“ Mein eigenes Leid war im Augenblick zurückgedrängt, sin⸗ nend trat ich durch das enge Gartenpförtchen, das die Wein⸗ reben fast übersponnen hatten mit ihrem wirren Netz. Das rostige Schloß kreischte bei der ungewohnten Benutzung, den Erd⸗ boden schabend, knickte die Tür die rotköpfige Disteln, die da⸗ vor Schildwache standen, und dann ging ich über die Brücke, die über den steinigen, ausgetrockneten Bach führte, dem Feld⸗ weg nach, auf Rheindorf zu. Der alte Landrat hieß mich herzlich willkommen. Ob er mir beipflichtete, oder mein Betragen sein Mißfallen erregte, als ich ihm meine Lage schilderte, vermochte ich nicht zu ent⸗ rätseln, ein grimmiges Knurren war das einzige Zeichen, daß er meiner Erzählung mit Interesse folgte. Dann ließ er an⸗ spannen und wir fuhren zusammen nach Königsborn. Untet seinem Einfluß gab meine Mutter, wenn auch wider⸗ willig ihre Zusage. Es war ja ein harter Kampf, den er aus⸗ focht, und er muß wohl bittere Worte gesagt haben, denn krit dem durfte sein Name nicht genannt werden oder sie fuhr wie von einer Vipper gestochen auf. Seelenfischer vorbei, tritt heran und sagt: Auch eine Verwor⸗ Drei Monate darauf verließ ich mein Rheinland, ich stu⸗ Auf der Warle. Die Spannung zwischen China und England hält unverändert an. Immer mehr Kriegsschiffe der ver⸗ schiedensten Mächte sammeln sich in den chinesischen Ge⸗ wässern zum Schutze ihrer in China lebenden Unter⸗ tanen an. Kein Mensch kann voraussagen, wie sich die Lage entwickeln wird, zumal durch den Bürgerkrieg in China unübersehbare Verhältnisse herrschen.— In Frankreich zeigen sich durch die eingetretene Arbeits⸗ losigkeit, die von Tag zu Tag zunimmt, n schwierige Verhältnisse. Allerdings hat man dort jeg den Vorteil, aus den deutschen und englischen Zustän⸗ den die entsprechenden Schlüsse ziehen zu können.— In Paris tobt der Kampf der deutschen und französischen Bevollmächtigten wegen unserer Ostfestungen, vor allem wegen Königsberg. Das auftrumpfende Polen verlangt kurzerhand Schleifung aller Befestigungen, eine Forderung, die selbst Frankreich nicht zu stellen wagte. Unsere Unterhändler stehen vor schwierigen Perganpfaz woraus sich auch die lange Zeitdauer det erhandlungen erklärt.— Mit dem 31. 1. verließ nun die längst überflüssig gewordene Kontrollkommission den deutschen Boden, wodurch wir einen Schritt det Freiheit näher gekommen sind.— Alle diese Fragen traten aber in den letzten Tagen vor der Frage zurück Wie wird sich die neue deutsche Regierung gestalten? Wie ein Donnerschlag wirken mußten für uns in Hessen die Richtlinien, die im Punkt„Kulturpolitik“ aufge⸗ stellt wurden. Das Zentrum hat bei der neuen Regie⸗ rung eine Vormachtstellung erreicht, wenn es 1 1 zahlenmäßig weniger Minister ins Kabinett entsendet, als die Deutschnationalen. Das bringt für uns die düstersten Befürchtungen. Allmählich sehen das au eine ganze Reihe von Parteiblättern ein, die sonst fi nicht so rückhaltlos auf unseren evangel. Boden stellen. Das nächste Ziel, das von der neuen Regierung wohl in kulturpolitischer Beziehung angestrebt wird, wird die Herausgabe des Reichsschulgesetzes sein, das unsere be⸗ währte Simultanschule in Hessen zerschlägt, damit neue Steuerlasten bringend. Die nächste Aufgabe für das „schwarze“ Kabinett dürfte der Abschluß eines Konkor⸗ dats mit Rom bilden. Erheben wir, wo wir nur kön⸗ nen, unsere warnende Stimme! Bis zum Augenblick, wo diese Zeilen geschrieben werden, stehen die Minister der Deutschnationalen noch nicht fest. Gerade diesen Männern müssen wir wegen ihrer konfessionellen Ein⸗ stellung unsere ganze Aufmerksamkeit widmen. Unsere ganze Kraft aber sei aus den angeführten Gründen der schleunigsten Zusammenfassung aller Evangelischer in der„Evangelischen Volksgemeinschaft“ geweiht. Die D. V. P. sagt,„wir verurteilen das“,„wir sind bestrebt, möglichst zu einem Ausgleich zu kommen.“ Diese Einschränkungen öffnen uns die Augen! Man muß mit dem Zentrum regieren und steht bei seinen schätzenswerten Bestrebungen manchmal, vielleicht auch oft, vielleicht sogar immer vor der Unmöglichkeit, un⸗ sere evangelischen Interessen gebührend zu berücksich⸗ tigen. Außerdem hat man katholische Wähler und geordnete; die muß man genügend, unsere Sache kann man deshalb nur möglichst berücksichtigen. Die Geschichte mit den katholischen Wählern und Abgeordneten paßt bekanntlich auch genau auf die Deutschnationalen. Die Demokraten und Sozialdemo⸗ kraten aber möchten noch lieber als die D. V. P. mit dem Zentrum Koalitionen bilden. Das kostet immer „Zugeständnisse“, es entstehen dann die berüchtigten po⸗ litischen Kuhhändel— zum Schaden des Zentrums wohl kaum.— Doch das nur nebenbei.— Wit hören also, daß die nassauisch⸗evangelische Presse die Parteien an ihre Vet⸗ sprechungen erinnert. Besonders bemerkenswert und für uns interessant ist der Schluß des Mementos. Wit lassen ihn wörtlich folgen: „Hoffen wir, daß die politischen Parteien bei der Wahl des neuen Landeshauptmanns sich auf die vor⸗ jährige Verpflichtung dem evang. Volksdienst gegen⸗ über besinnen, damit nicht eines Tages die Kirche gezwungen wird, um der Vertretung evangelischer dierte in München, holte mir dort das Braumeisterdiplom und dann führte mich mein guter Stern nach Staffenhaufen, das für mich einen Edelstein, meine blonde Hexe, barg!“— Er strich lächelnd über ihr Haar und schlang den Zopf um seine Hand:„Ich verdiente Strafe für meine lange Anterhal⸗ tung, aber wenn der Strom, der das Herz erleichtert, erst den Damm durchbrach, dann gibt es kein Aufhalten, ich schicke mich darum gleich selbst in die Verbannung und gehe heim!“ „Wenn morgen das Wetter angenehm, hole ich Sie alle drei zum Spaziergang nach dem Nonnenspring, gelt Frau Benning⸗ sen?“ fragte er beim Abschied; sie verabredeten noch die genaue Stunde, dann verhallten feine elastischen Schritte. Wie eine warnende Fata Morgana tauchte das Bild des fremden Lebens in die Brust der drei Frauen. Zu spät! Arle liebte den schönen Rheinländer mit der ganzen Glut ihres heißen Natutells, da gab es für sie kein Erwägen und ihr Schicksal kettete sich weiter, Glied an Glied!—— Eine Tagesrunde, nein, eine Stunde schon, wie schüttelt sie oft einen festgefügten Plan in eine formlose Masse zusammen und aufgeschreckt, werden wir in neue Bahnen gedrängt. Plötz⸗ lich, unvorhergesehen, griff auch das Schicksal in Johannes Wendtlands Leben, mitten in seinem sonnigen Liebestraum. Verlangende Blicke waren dem schönen Rheinländer ge⸗ folgt und als alle Künste an ihm abglitten, da wurde Frau Petronella durch einen gehässigen Brief von der fündhaften Liebe ihres Jüngsten zu einer Ketzerin unterrichtet. Da hieß es eingreifen auf frischer Tat. Auch in der Fa⸗ milie Frau Benningsens rief die heimliche Verlobung Em⸗ pörung und Streit hervor, einer nach dem andern suchte sich unberechtigt hineinzumischen und führte den Bruch herbei, trotz gellf ag 7 Sonnabend, den 5. Februar 1927. „Gvangelische Warte“ Belange willen aus ihrer politischen Neutralitiät herauszutreten, um der weithin hertschenden Unzu⸗ friedenheit mit dem bisherigen System nachzugeben und selbst für die tatkräftige Vertretung ihrer Be⸗ agg zu sorgen.“ ir freuen uns ehrlich darüber, daß heute die Möglichkeit und indirekt auch bis zu einem gewissen Grad auch die Notwendigkeit einer evangelischen Par⸗ tei von kirchenbehördlicher Seite in Nassau zugegeben wird. Um eine leere Drohung kann es sich nach dem Charakter des Blattes jedenfalls nicht handeln. Hof⸗ 5 findet sich der letzte Rest der guten Einsicht recht ld, da nach unserer Auffassung der Zeitpunkt für die Schaffung einer evangelischen Partei nicht erst noch kommen muß, sondern schon lange gegeben ist. Die Frage der Besetzung öffentlicher Aemter ist auch nur einet von den vielen Gründen, die uns auf den Plan tiefen. Denkt die Nassaulsche Landeskirche auch an das onkordat? Denkt sie an die öffentlich geduldeten, 1 sogar unterstützten gegenreformatorischen Bestre⸗ bungen, an die öffentlichen Schmähungen und Bekei⸗ digungen? Denkt sie daran, daß die sozialen Fragen in den Parlamenten nicht im christlichen, evangelischen Sinne behandelt werden, daß der herrschende Materia⸗ lismus der Fruchtbarmachung unserer im Christentum wurzelnden sittlichen Kräfte entgegensteht? Wenn die Kirche das alles bedenkt, dann muß sie guf unserer Seite sein. Geht sie trotzdem andere Wege, dann dürfen wir wohl erwarten, daß sie nicht unsere Wege als falsch bezeichnet. Wir haben es auf beiden Seiten mit Menschen zu tun, mit evangelischen Men⸗ schen, für die es einen Anspruch auf Unfehlbarkeit nicht gibt. Gewiß würden wir uns über die Mitarbeit der Kirche freuen, aber wir fordern sie nicht. Was wir für unsere Laien⸗Bewegung fordern, ist die kirchliche Neutralität, die man den bestehenden Parteien gegen⸗ uber pflegt und betont. E Aus unserer Bewegung. Vom Redekursus in Gensingen. Unserem Berichte in voriger Nummer der„Evan⸗ gelischen Warte“ haben wir noch folgendes nachzu⸗ tragen: Die große öffentliche Versammlung am Abend Mitteilung der Reichsgeschäftsstelle An alle Ortsgruppen und Einzelmitglieder! Das Jahr 1927 hat für die Evangelische Volksgemeinschaft einen verheißungsvollen Anfang genom⸗ men. Mitte Januar hielten wir im Kreise Büdingen in Oberhessen 12, meist recht gute Versammlungen ab, die uns in Stadt und Land viele neue Mitglieder und Freunde brachten. Der zweite Nednerkursus in Gensingen in Rheinhessen war ein Erlebnis für alle Teilnehmer. Einer unserer süddeutschen Freunde schreibt: „Die Tage in Gensingen vom 22. bis 24. Januar 1927 mit ihren einzigartigen Eindrücken haben uns klar gezeigt, daß die Evangelische Volksgemeinschaft die kommende große Evangelische Partei Deutschlands wird, die berufen ist, das deutsche Volk aus seiner inneren und äußeren Not zu retten“. Jetzt gilt's, die Werbearbeit für unsere gute Sache allerorts aufzunehmen! Es ist darum unbedingt nötig, daß mindestens der erste Vierteljahresbeitrag in den Ortsgruppen so⸗ gleich erhoben und spätestens bis zum 15. Februar eingesandt wird. Geld! Zur Werbearbeit gehört Auch die Einzelmitglieder wollen bis zum 15. Februar den Jahresbeitrag überweisen! Alle Zahlungen erbitten wir auf unser Konto⸗Nummer 593 bei der Bezirkssparkasse Nidda(Postscheckkonto 8907 Frankfurt a. M.). Wir bemerken noch, daß durch die Frankfurter Reichstagung der Jahresmindestbeitrag auf drei Mark festgesetzt worden ist. Mit evangelischem Gruß! Reichsgeschäftsstelle der Evangelischen Volksgemeinschaft Weidner. C ²³ðꝛ yd df fc des 23. Januar im Saale der Gastwirtschaft Gabriel May war von über 600 Leuten besetzt, die teilweise von über eine Stunde Wegs her gekommen waren. Am darauffolgenden Montag wurde alsdann einstim⸗ mig folgende Kundgebung angenommen: „Die anläßlich des zweiten Rednerkurses der Evangelischen Volksgemeinschaft in Gensingen über⸗ aus zahlreich versammelten evangelischen Volksge⸗ nossen sind nach Vorträgen von Reichsgeschäftsführer Weidner, Stadtverordneten Kümper⸗Frankfurt am Main, Lehrer Greb-Weisenau, Schriftleiter Ham- burger⸗-Staden, Julius Zirkelbach-Nürnberg, Karl Linke⸗Barmen und der Pfarrer Veller-Mainz⸗Bret⸗ zenheim und Gerlach-Bad⸗Münster überzeugt, daß die Evangelische Volksgemeinschaft, die heute schon von namhaften Deutschen als die kommende große evangelische Partei Deutschlands angesehen wird, für das um sein Dasein schwet ringende, schaffende Volk mit aller Kraft eintreten wird. Die Versamm⸗ lung weiß der neuen Bewegung Dank, daß sie das Evangelium auf allen Gebieten des menschlichen Lebens— auch in der Politik— zu der entscheiden⸗ den Macht machen will. Sie ruft darum allen Evangelischen in Stadt und Land zu:„Schließt Euch der Evangelischen Volksgemeinschaft an, die allein als die treue Hüterin der evangelischen Belange im öffentlichen Leben gelten kann.“ VVT FEE re rr e N Im Familienkreis ie Pr rdßrdßdeßeßeßere.— Tod oder Leben! Von Pfarrer a. D. Graf. Ganz Europa und Amerika ist an allen Ecken und Enden voll von Mördern und Selbstmördern. Darum ist Europa⸗ Amerika, die weiße Rasse, dem Untergang ausgesetzt. Die Völ⸗ tet und Menschen sind ihre eigenen größten Feinde und Ver⸗ derber an Leib und Seele. Det Krieg ist nur einer der ver⸗ schiedenen Massenmörder. Die gedankenlosen Friedensschwärmer EPazifisten“). Völkerbundsschwärmer vergessen zahlreiche an⸗ dere, viel größere Massenmördet neben Krieg und Revolution. Ich nenne eine Anzahl: 1. Nikotin oder Rauchgifte, Kokain, Morphium, die herkömmlichen Selbstmorde, in Europa jährlich sechzig Tausend! 2. Alkohol, NRauschgifte.(Die Amerikaner be⸗ kämpfen in guter Meinung den Alkohol verkehrt durch Verbot.) Der Mensch soll in freiem Gehorsam und in Liebe zu Gott, zu den Menschen und zu sich selber tausendfach das Böse, Schlechte verwerfen, das Gute wählen, denken, reden, tun, nicht in knech⸗ lischem Zwang und aus Verbot. Durch Vorbild und Lehre, Unterricht in Haus(Familie)⸗ Schule, Kirche, in Wort, Schrift, Bild, durch gute Verordnungen muß der Mensch, zumal der Ehrist, zum freien Gehorsam in tausend Pflichten, Aufgaben, Regeln des Lebens und der Gesundheit an Leib und Seele er— zogen, geübt, gestärkt werden. Warum verbieten die törichten Amerikaner nicht die Automobile, welche innerhalb drei Jahren 200 000 Menschen und Millionen Tiere getötet haben? 3. Als dritten Massenmörder, hundertmal, tausendmal größer als der Mörder Alkohol, nenne ich Unkeuschheit, Unzucht, Unkeuschheits⸗ krankheiten, Unkeuschheitsmorde, Unkeuschheitsselbstmorde. Der heilige, gerechte Gott ruft dem tief gefallenen Europa-Amerika zu:„Viele Millionen Kinder habt ihr in den letzten Jahrzehnten gemordet, Millionen Kinder mordet ihr jährlich, obgleich die Erde vierzig mal so viel Menschen ernähren könnte, als sie hat und trotz meines Gebotes: Seid fruchtbar und mehret euch! Nun nehme ich euch durch Krieg, Revolution, Krankheiten Mil⸗ lionen Leute! Hierher gehört auch der teuflische Mädchen⸗ handel, durch welchen jährlich mehrere hundert tausend gesunde Mädchen zur Unzucht verkauft und gemordet werden. 4. Wie⸗ der ein Massenmörder ist das Wohnungsgift, Wohnungsnot, Wohnungstod, auch größer als der Mörder Alkohol. Sorget für gesunde Schlafräume, Schlafhäuser, Schlafhallen. Millionen große Wohn- und Schlafräume stehen in der Nacht leer. Da könnten viele tausendmal tausend Leute bei Verwandten, Freun⸗ den, Nachbarn, Bekannten nachts Unterkunft finden, wenn Re⸗ ligion, Liebe, wahrer, edler„Sozialismus“ herrschen würden. 5. Tuberkulose, Schwindsucht, wieder ein viel größerer Massen⸗ mörder als Alkohol, und allermeist die Folgen der vier vorher genannten Massenmörder. 6. Das Geld, der Dollar. Das Geld bringt unbeschreibliches Unheil, Sünden, Schanden, Laster, Lug und Trug, Diebstahl, Raub, Mord, Krieg. Der Weltkrieg ist vom Gelde gemacht worden, von den Großfinanzmännern, Groß⸗ banken in Newyork, London, Paris, Berlin, Wien usw. Warum verbieten die törichten Amerikaner nicht das Geld, den Dollar, die Großbanken, Börsen 7. Schwarzer Tod, schlechte Presse, schlechte Bücher, Schriften, Blätter, Bilder. Und dieser Riesen⸗ dem Johannes versicherte, daß er den freieren Anschauungen huldige und Urles Bestimmungen maßgebend seien.——— Aus der regenfeuchten Erde stieg balsamischer Hauch, es roll⸗ ten noch die letzten Tropfen auf den Blattflächen entlang und hingen vom Lichtstrahl durchleuchtet wie Perlengehänge an den Endzipfelchen.„Die Erde atmet“, sagt der Mensch, um das Wohlbehagen auszudrücken, das sein eigener Körper in dieser ätherischen Luft empfindet. Hans hatte die Hände unter dem Kopf verschränkt und lehnte halb sitzend gegen einen großen Holzstoß vor der Mäl⸗ zerei. Eine unerklärliche Unruhe trieb ihn aus jedem Raum, er überlegte, ob er nicht gut tue, alle Etikettenrücksichten über den Haufen zu werfen und seiner Arle selbst zu dieser unge⸗ wohnten Morgenstunde einen Besuch abzustatten. Da kam die Morgenpost und brachte ihm einen Brief von Königsborn. Sein Bruder Gerhard schrieb, die Mutter sei schwer erkrankt, er müsse schlimmster Nachricht gewärtig, sein, der Arzt stände dem Leiden unschlüssig gegenüber. Schnell kleidete er sich an, er wollte Urle benachrichtigen, aber schon auf dem Wege dorthin folgte die Depesche: Sofort kommen! Die Mutter in Lebensgefahr, es drängte allen Groll zu⸗ rück, die Kindesliebe überflutete alles was trennend zwischen ihnen gestanden. Er wendete direkt um, in fliegender Hast packte er seine Sachen, sandte Urle nur ein kurzes Billet und reiste sofort ab. Schnell deckte der Wald das schwindende Städtchen, dann jagte der Zug an endlosen Aeckern, friedlichen Dörfern, zahllofen Windmühlen vorüber, die sich in gleichförmigem Takt drehten und klapperten, bis die Heide das fruchtbare Gelände abschloß, 1 wo einzelne Cedern ihr kärgliches Dasein zwischen immergrünen, starkduftenden Wachholdersträuchen fristeten. Ein leeres Gefühl der Einsamkeit beschlich ihn, als läge so freudenarm, wie die nebelumflorte Heide seine Zukunft vor ihm, aber wenn es auch durch Tränen und Trauer ging, es mußte ja sein junges Glück hindurch leuchten, bis er es geborgen hatte. Unendlich lang kam ihm heute die Reise vor, Flügel hätte er haben mögen, um der leidenden Mutter die bangen Warte⸗ stunden abzukürzen. Als kurzer Aufenthalt ihm die Zeit ließ, depeschierte er mit welchem Zuge er eintreffen werde, dann konnte der Wagen an der Bahn sein, der wohl ohnedem schon auf die in Frage kommenden Züge warten würde. „Wie steht es Daheim“, diese bangen Worte richtete er noch vor dem üblichen Gruß an den Kutscher. „Jo Herr“, er kraute sich verlegen hinter dem Ohr,„jestern jings jo jett besser, awer sied de Rheidorfer Paster da war, es et sehr schlimm!“ „Den mag der Deuwel frikassieren“, schimpfte Hans,„fahrt schnell zu, das Gepäck kann später vom Milchkutscher besorgt werden“. Daheim fand er schon alle Geschwister versammelt, die ver⸗ heiratete Schwester und der erst kurz verheiratete zweite Bruder Nudi mit seiner Frau Ludmilla, welcher in Cöln als Fabrik⸗ besitzer(er war als Kapitalist einfach Teilhaber geworden) ein großes Haus führte. Johannes verlangte zuerst zur Mutter,— ein trauriges Wiedersehen fürwahr! Erschüttert kniete er nieder und küßte ihr beide Hände, bis jetzt kannte er die große Frau ja nur als Urbild der Kraft. Der Arzt kam und ging,— sie verlangte die Sterbesacra⸗ mörder bringt 8. den geistlichen Tod, Unglauben, Gottlosigkeit. alletlei Untugenden, Sünden, Schanden, Lafter. Das ist der größte Mörder, weil er den Leib und die Seele mordet und der Urheber, die Quelle, Ursache aller genannten Massenmördet ist. Unglaube, Gottlosigkeit, Verachtung Gottes, Verachtung der Gottesdienste, Sonntage, Gebete, frommer Lieder, das alles ist die Quelle, Ursache aller Uebel, Motde und Selbstmorde der Leute und Völker, die Utsache des Völkerhasses, des Parteihaders, des Religionshasses. Die Katholiken und Evangelischen bilden trotz der Trennung doch die eine Christenheit, das Eine Christenvolk, die Eine Christengemeinde mit 600 Millionen Be⸗ kennern in vielen Tausend Einzelgemeinden, die sogenannte Eine„Kirche“, das Gottesreich auf Erden. Unser Christengott kennt keine„seligmachende“ oder gar„alleinseligmachende Kirche“, weil dieser Name oder Ausdruck die größte Torheit, Un⸗ wahrheit ist. Keine Kirche, keine Konfessionskirche, kein Chri⸗ stenvolk(weder das katholische, noch das evangelische) macht selig. Nur Gott macht selig, nur Christus, nur Gottes Wort, nur Gottes Geist, nur der fromme Glaube, das fromme Leben macht sellg, in der Zeit und in der Ewigkeit. Das lehrt klar die Bibel an zahlreichen Stellen, welche über selig und Selig⸗ keit reden. Im Himmel aber fragt Gott nicht: warst du katho⸗ lisch, warst du evangelisch? Gott fragt nur: warst du gläubig, fromm? Hast du mich verehrt, mir gedient durch Gottesdienft, Gotteswort, Gebet und frommes Lied? Liebe und Friede soll herrschen zwischen dem katholischen und evangelischen Christen⸗ volk(„Kirche“); die Christen der Konfessionskirchen sollen ein⸗ ander geben ein gutes Vorbild christlicher Frömmigkeit, ein mente und wieder war alles in fieberhafter Aufregung, zum ersten Mal blickte Johannes dem Tod, dem grausamen Herrscher der Menschheit in das blutlose Antlitz. Allein verlangte sie ihren jüngsten Sohn zu sprechen und die Frau auf ihrem Totenbette schrie auf:„Nimm die Last von meiner Seele,— wie ein Fluch lastet es auf mir,— Du sollst, Du mußt Deinen Beruf aufgeben, ich kann sonft nicht seelig werden, denn Du gehst auf sündigem Weg! Du lockt, Du verbreitest die Sünde!“ „Mutter!“ es war der Schreckensruf einer gequälten Man⸗ nesseele,„willst Du mich wieder in eine ungewisse Zukunft stoßen!“ „Vorwürfe in meiner Todesstunde?— nicht Dein Glück, wohnt?“ „Ich kann nicht Mutter!“ Urles Gesicht, die lachenden Augen tauchten vor seinem geistigen Auge auf, warum muß ein Mensch den andern hemmen glücklich zu sein? Flehend bebte es von seinen Lippen:„Mutter, laß mich weiter auf meinem Weg!“ „Wenn Du Deiner Mutter Fluch tragen willst und mich mit in die ewige Verdammnis reißen, dann geh!“— Matt falteten sich ihre Hände, flüsternd bewegten sich ihre blassen Lip⸗ pen, mit geschlossenen Augen lag sie da. „Mutter!“ schrie er geängstigt auf. „Das ist mein Sohn, dem ich das größte Seelenheil erkaufen wollte!“ murmelte sie verständlicher.—„Maria, gebenedeite Mutter Gottes, laß mich sterben, auch wenn ich ruhelos dahin⸗ fahren muß“, immer matter wurde ihre Stimme, sie bebte ver— sagend, flüsternd. Warum sahest Du hinter Klostermauern, wo der Friede I ͤ—ͤĩ»» ä— Sonnabend, den 5. Februar 1927. schönes Vorbild im Glauben, Liebe, Gebet. Die letzten drei Worte enthalten das ganze Christentum. Nach diesen für den Frieden unter den Christen verschiedener Bekenntnisse nötigen Bemerkungen kehre ich zu den neben dem Krieg in 8 Punkten genannten Massenmördern von Euxopa⸗ Amerika zurück und sage: die kurzen Andeutungen über die Riesenmörder von Europa-Amerika zeigen jedem ordentlichen Christen deutlich, wie die sogenannten Christenvölker, wie die Leute gegenwärtig ihre eigenen größten Feinde, Verderber find. Die Leute kennen den großen, allmächtigen, liebreichen, gnädigen, heiligen, gerechten Gott nicht; die Leute haben keine wahre Gottesliebe, keine rechte Menschenliebe; die Leute haben aber vor allem keine wahre, heilige Selbstliebe; die wahre, heilige Selbstliebe kennen sie nicht, sonst wären sie nicht ihre eigenen Feinde, Verderber, Mörder in Torheit, Unverstand, Lieblofigteit, Bosheit, Sünde, Untugend, Schande, Laster. An Stelle der wahren, heiligen Selbstliebe kennen und üben die Leute um so mehr die falsche Selbstliebe, die Selbstsucht, den Eigennutzen. Wahre Selbstliebe trachtet nach Gesundheit des Leibes und nach Gesundheit der Seele, das heißt nach Religion, Gottesverehrung, nach Glaube, Frömmigkeit, nach dem Reich Hottes, nach dem Himmelreich(nicht nach der„Kirche“, der Gläubige, der Fromme, der„Gerechte“ gehört ja zur„Kirche“, zur Gottesgemeinde, Christengemeinde, zum Gottesvolk, Chri— stenvolk, zum„heiligen Volk“). Die falsche Selbstliebe, die Selbstsucht treibt tausend, abertausend Dinge, welche Leib und Seele, Leute und Völker verderben, vernichten, töten, die falsche Selbstliebe, die Selbstsucht treibt Mord und Selbstmord in viel⸗ „Evangelische Warte“ Nr. 6. facher Form, Art und Weise, wie Europa-Amertika zeigen mit vielen Millionen Mördern und Selbstmördern, welche sich und Europa-Amerika, die große, weiße Rasse, in Tod, Verderben, Untergang stürzen. Welche Personen nun sollen gut, richtig, planmäßig, mit tausend Mitteln, Wegen in Familien, Gemein⸗ den, Schulen, Kirchen gegen die genannten Massenmörder, Massenverderber von Europa-Amerika, und für die sittlich religiöse Erneuerung der Christenvölker kämpfen? Antwort: Alle Fürsten, Staatshäupter Minister, alle Abgeord⸗ neten, alle Arten Pfarrer(zu ihnen gehört auch der Papst), alle Arten Lehrer(„Professoren“), alle Beamten, Bürgermeister, Aerzte, Offiziere,„Gebildete“, alle Guten, alle mündlichen und schriftlichen Wort- und Stimmführer. Darum heißt an sie alle der Ruf: stehet auf zum richtigen, planvollen, heiligen Riesen— kampf gegen die genannten Massenmörder, Massenverderber der Völker von Europa-Amerika! Christen, stehet auf zum Kampf um die sittlich religiöse Erneuerung der Völker von Europa⸗Amerika! Dann kommt in die Christenvölker wahres, glückliches, frommes Leben, tausendfaches Heil u. Wohl des Lei— bes und der Seele, dann wird sehr selten sein der Massenmörder Krieg(der von den reichsten Geldteufeln, Hetzern und elenden Zeitungslügnern gemacht wird), dann kommt statt Haß und Streit, Liebe und Friede unter die Christen, in die„Kirche“, in die Christenheit, in das Christenvolk. Die verketzernden Hetzer muß man verachten, verjagen, weil sie nur Gesellen des Teufels sind. Weiter kommt dann mächtigste Ausbreitung des Christenglaubens bei den Nichtchristen. Nicht vielmillionen— facher Mord und Selbstmord, nicht Selbstvernichtung, Untergang der Völker, der Menschen, sondern Leben soll herrschen, gutes, schönes, edles, frommes Leben, und das ist zugleich echt natio⸗ nal, sozial, wahrhaft völkisch, allvölkisch, l(interngtie⸗ nal“), ohne falschen Lügnervölkerbund, ohne Geldherrschaft, ohne Geldknechtung, ohne Zinsknechtschaft, ohne lügenhafte Zei⸗ tungsknechtung, in christl. Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Evangel. Christenvolk der Welt, gehe du voran im Kampf um die sittlich religibse Erneuerung des ganzen Christenvolkes(der „Kirche“) auf Erden, im Kampf gegen den Untergang, Tod von Europa⸗Amerika, im Kampf für das Wohl, Heil, Leben von Europa⸗Amerika, ja der ganzen Menschheit! Aus Nah und Fern. Darmstadt. Aus der soeben veröffentlichen Statistit der evangelischen Landeskirche Hessens dürften folgende Zahlen von besonderem Interesse sein: Die Zahl der an den drei Zähltagen (J. Ostertag, 12. Sonntag nach Trin., 3. Advent) ermittelten Kirchenbesucher beträgt im ganzen 106788 Erwachsene und 11502 Kinder. Den höchsten Kirchenbesuch weist Oberhessen auf; für, die fünf größten hessischen Städte ergeben sich folgende Zah⸗ len: Offenbach 4,9 Prozent, Gießen 8,3 Prozent, Darmstadt 8,9 Prozent, Mainz 13,6 Prozent und Worms 14,4 Prozent. Am Abendmahl nahmen 400 676 Personen oder 67,8 Prozent teil. Von 6245 Ehen, in denen beide Teile evangelisch waren, wurden 5875 oder 94,1 Prozent kirchlich getraut. Evangelisch getauft wurden 17 367 Kinder, konfirmiert 16968 Kinder, von 10 027, verstorbenen Evangelischen wurden fast alle kirchlich beerdigt IExüngelsche, berücksichtigt auch exangelsche Besch Bäckereien: Jost, August, Rossertstraße 34. Römer, Emil, Feldbergstraße 21. Seibel, Heinrich, Jahnstraße 4. Sehring, Heinrich, Hauptstraße 90. Keim, Friedrich, Königsteinerstraße 3d. Buchbinderei und Schreibwaren: Volk, Fritz, Rathenaustraße 34. Installation: Schucht, Jahnstraße 12a. Eisenwaren, Oefen, Herde: Brendel Nachf., Clemens, Hauptstraße 22. Hüte, Mützen, Schirme: Studer, Adolf, Königsteinerstraße 20. glas: Kreß, Adolf, Emmerich-⸗Josefstraße 44. Pfeiffer, Jakob, Ecke Lucius⸗ und Staufenstraße. Elektrische Bedarfsartikel, Lampen, Schmitt, Friedrich, Ingenieur, Dalbergstraße 5. Glaserei, Bildereinrahmung, Spiegel- In Höchst a. M. empfehlen sich: Fluß- und Seelische, gebrat. Fische: Pianos, Flügel, Guitarren, Lauten, Violinen: Kern, Wilhelm, Emmerich⸗Josefstraße 17. Rurz- u. Manufakturwaren, Konfektion: Beck, Ch., Spezial-Wäschehaus, Königsteiner— straße 22. Peters, August, Konfektionshaus, Brüningstr. 7. Rolonialwaren, Konfitüren, Feinkost: Erlenbach, Heinrich, Humboldstr. 3. Häßler, Wilh., Lebensmittelhaus, Brüningstr. 7. Großbach, Wilhelm, Rossertstraße 9. Kölb, Wilhelm, Schleusenstr. 2, Ecke Wehrstr. Rürschnerei: Lotz, Arno, Brüningstr. 5. Maler, Lackierer, Weißbinder, Farben, Lacke, Pinsel: Hußfeld, Farbenhaus, Jahnstraße 16. Metzgereien: Pfeiffer, Heinrich, Brüningstraße 16. Wetzel, Josef, Hauptstraße 102. Schlosserei: Nähmaschinen und Fahrräder: Sprechapparate und Schallplatten: Polsterer und Tapezierer: Schneidereien: Tabak, Zigarren, Zigaretten: leude! Emmel, Hermann, Höchster Fischhaus, Brüning⸗ straße 15. Kreusel, August, Hospitalstraße 9. Neu, Friedrich, Königsteinerstraße 61a. Pump, J., Elektrola-Verkaufsstelle, König⸗ steinerstraße 65a. Sonntag, Hermann, Liebknechtstraße 5. Troll, Karl, Kantstraße 2. Noll, Heinrich, Schleifmühlenweg 1. Herrmann, Anton, Emmerich-⸗Josefstraße Schneider, Wilhelm, Rathenaustraße 36. vorm. Wil. 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