vangelische Organ der Evangelischen Volksgemeinschaft „Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern— er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.“ art Matthäus 20, 28. auptschriftleiter: Edwin Hamburger in Staden(Oberhessen). ferantwortlich für Politik und Wirtschaft: dhe eln a · a die ha al, ö 4 , bel em de. gen bunu er du 0 0 1 en Reichsbank. n Ersparnisse und die nachfolgenden sogen.„Aufwer⸗ ang“ widerfahren ist. Edwin Hamburger, i den Unterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz. ERüclendung 3 1 5 15— Jahrgang. g W as wir sind. Erscheint Sonnabends.— Bezugspreis 50 Pfennig 5 Abonnements⸗ und Anzeigen⸗Annahmestelle Druck und Verlag Albin Klein, Gießen, Südanlage 21 n Nr. 1145 und 1362 3 Sonnabend, den 4. Juni 1527. Die Evangelische Volksgemeinsthaft ijt die Sammlung aller bewußt evangelischer Frauen und Männer, welthe die Bedeutung und die Rechte unserer evangellsthen Bevölkerung auch in den Parlamenten des Reithes, der Lünder und der Lunnmunen gewahrt bwissen wollen. Dr. Hjalmar Schacht ist der Präsident der deut— Sein Name ist in den letzten Jahren el genannt. Mehr als einmal hat er Beleidigungs⸗ ozesse anstrengen müssen gegen solche, die— gewiß gutem Glauben— ihm die Hauptschuld beimaßen der Not und dem Unrecht, welches ungezählten utschen durch die Inflationsentwertung ihrer gan— In diesen Prozessen hat Dr. ghacht obgesiegt, aber seine Siege waren mehr forma— dächlig hat d laßt; blende eln. 5 ie him hen i Wolle 1 ein dn lle i ch Sia ben 1 b I als sachlicher Art. Denn in der Form. 5 seine it überschritten 115 mußten deshalb, achstaben des Gesetzes Genüge geschähe, verurteilt rden. In der Sache aber, um die es in diesen Pro— ssen ging, vertreten heute noch auch solche, die nicht den Geschädigten gehören, und die deshalb als un— Arteiisch und objektiv urteilend angesehen werden nen, die Meinung, daß eine höhere Aufwertung 5 die geschehene nicht bloß der Gerechtigkeit entspro— en, sondern auch durchaus in dem Bereich volkswirt— aftlicher Möglichkeiten gelegen hätte. Herr Dr. acht zwar bestreitet das, er wird aber zugeben müs— i daß sich unter den Vertretern der gegenteiligen Jeinung Leute befinden, die es an Sachkenntnis auf At Gebiete des Finanzwesens wohl mit ihm aufneh⸗ den können(von vielen sei hier nur Dr. Best genannt). zeilich wird das, soviel wir sehen, wenig helfen. Es It so viel Mühe gekostet, die Schliebensche Aufwer⸗ Angsgesetzgebung unter Dach und Fach zu bringen, N keine Partei mi Ernst daran denkt, diese kompli⸗ Atte Frage noch einmal aufzurollen. Wo sich die eine der andere Partei dennoch den Anschein gibt, als habe ande!“ 5 W das vor, werden wir ihr Gebahren nur auf das Komm heiliger Geist! 1. Korinther 12, 7. In einem jeglichen erzeigen sich die Gaben des Geistes zum ge— meinen Nutzen. Heute bitten wir um den heiligen Geist. Wie ist diese Ale in unserer Zeit so nötig. Denn die Zeit ist geistlos. Was denn bei uns anders als das Geld? Wo Geld ist, fehlt t der Geist. Wonach strebt man heute? Nach guten Pöst⸗ und Stellungen. Früher hat man wenigstens nach großem en sich bemüht. Aber heute spielt das nicht viel mit. Man kunt ja anders in die Höhe. b je. Es macht keiner ein Hehl daraus, daß er auf diesem eren Weg nach oben gelangt ist. Ich habe mich einmal ge— dert, wie ein Mann sich so hineingefunden hat, in die einem Husten gerade nicht als gerecht erscheinenden Verhältnisse bei Da hörte ich später, daß derselbe nicht anders reden dürfe,. Mer noch höher hinauf wolle. O geistlose Pöstchenjagd, wie du uns so charakterlos gemacht! Geistlos ist die moderne Erziehung unserer Jugend, d. h. sie Fron allen guten Geistern verlassen, wenn das wahr ist, was in diesen Tagen hörte, daß ein Pädagoge mit den Schülern * mittleren Klasse eines Gymnasiums Schmollis gemacht Diese gerade im Flegelalter stehenden Jungen und Mäd⸗ agen zu ihrem Lehrer„Du“. Da hört doch alles auf. Geistlos sind die Vergnügungen. Hinter den Vergnügungen In nämlich ganz kalt rechnende Geschäftsleute, die nicht an inügen, sondern an den Verdienst denken. Bei den Ver⸗ Hungen ist deshalb nicht weiter darangedacht, ob sie eine lung bieten, sondern daß es den Einzelnen recht viel Geld fl. Geistlos ist der Geschmack unserer Zeit. e Ihen Kreisblättchen, wie ein Konzert einem größeren 1 horte so erbärmlich schlecht besucht war. Wären fade Pos⸗ gißer dagewesen, wäre sicher jedes Haus vertreten gewesen. aa Kunst und wertvolle Musik steht schlecht im Kurse. Ich las in einem in auf daß dem 5— Die Vetternstraße ist belebter Geben Sie acht, Herr Dr. Schacht: setzen müssen. Und den neu entstandenen Aufwertungs— parteien wird schwerlich ein Erfolg beschieden sein, ein— mal, weil sie unter sich uneins sind, und sodann, weil ihnen wirklich große Gesichtspunkte und begeisternde Losungen fehlen. Das erhabene Wort„Gerechtigkeit“ verliert seinen Glanz, wenn hinter ihm nichts als der Wunsch seiner Bannerträger nach Wiedererstattung verlorenen Geldes steht.(Das gleiche gilt, in Klam— mern bemerkt, von der jungen„Wirtschaftspartei“, deren Erfolge nur ein Beweis dafür sind, wie tief noch viele von uns im Materialismus stecken und wie der Idee der Volksgemeinschaft sich der Egoismus bestimm⸗ ter Interessengruppen in den Weg stellt!) Unsere Evangelische Volksgemeinschaft wird für eine Revision der Aufwertungsgesetzgebung, sofern an einer solchen mitzuarbeiten ihr überhaupt Gelegenheit gegeben wird, nur in der Richtung zu haben sein, daß die Revisionsforderungen sich in den Grenzen des Mög— lichen halten, d. h. daß nicht durch die Ansprüche einer Minderheit das Gemeinwohl Schaden leidet. Sie wird einmal den Geschädigten gegenüber den Gedanken des Opfers betonen und von ihnen die Bereitwilligkeit des Verzichtes auch auf berechtigte Ansprüche um des Gan— zen willen fordern müssen, andererseits mit unerbitt⸗ lichem Ernste darauf dringen, daß diejenigen, die ge— wonnen haben, während andere verloren, mit ihrem Gewinn zu weitestgehender Wiedergutmachung des In— flationsunrechtes herangezogen werden.(Denn daß sie sich von selber dazu bereit finden, darauf besteht nach den bisherigen Erfahrungen leider nur wenig Hoffnung.) Wir freuen uns, in dieser Sache die evan— ʃgelische Kirche auf unserer Seite zu haben, die mit dem— selben Freimut, mit dem sie ein Ausnahmegesetz zu Gunsten der e bekämpfte, durch Dr. den Präsidenten des Deutschen Evangelischen Geistlos ist das 55 Wo nämli ch Geist ist, da ist Leben. milienleben. Zu einem schönen Familienleben gehört Fami⸗ liensinn, Familiensitte, Familiengemeinschaft. Wo sind diese heute noch vorhanden? Beim einen wird gearbeitet, bis man sich zu Bette legt, beim anderen geht der Vater in den Verein oder zum Stammtisch. Die Kinder beider verbringen den Wend ebenfalls im Verein, auf der Straße oder im Gasthaus. Nach Hause kommt man dann erst, wenn man zu Bette gehen will. Was ist die Frau heute in der Familie? Diejenige, die recht⸗ zeitig für Essen zu sorgen hat. Bei unseren altdeutschen Vor⸗ fahren galt sie mehr. Diese aber waren Heiden. Geistlos ist die Arbeit. Der Bauer hat früher seine Arbeit mit Gedanken an den Schöpfergott verbunden. Ihm war der Abend eine Stunde des Dankens. Heute denkt er nur daran, daß er recht viel verdienen will mit dem, was ihm Gott wach⸗ sen läßt. Der Handwerker hat früher mit seinen Gesellen tiefe Gedanken besprochen. fließt die Arbeit munter fort“, sagt Schiller. In den Fabriken steht Tage hundertmal fordert, dann hinaus aus dem Hause. der Arbeiter gar da und macht geistlos am denselben Handgriff. „Komm heiliger Geist“, so bitten wir heute. In all das Geistlose soll Geist kommen. Heiliger Geist möge uns erlösen von dem geistlosen Treiben des Alltags. Er ist es, der die Familie zusammenführt zu täglichen Feierstunden, der die Ar⸗ beit adelt, da er sie zum Bruderdienst werden läßt, der den Geschmack durch Edles edel werden läßt, der unsere Erholungs⸗ stunden zu wirklicher Labung unserer Seele und zur Ruhe für ten Ausgleich von Strenge und Milde geschehen läßt. Wo heiliger Geist ist, da ist heiliges Tun. den ist bei manchen Menschen Heuchelei. Jesus hat Wert ge⸗ legt auf die Tat der christlichen Bruderliebe. Denn das ist heiligen Geistes Art, sich mitzuteilen. Dann treibt er an zum Was in den meisten Häusern tot ist, das ist Fa— ö Dienste an unseren Brüdern und e Zeit sucht nach dem Anzeigenpreise: die 30mm breite Fe le auswärts 24 Pfg., am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen Vergünstigung. June 23 Kirchenausschusses, das Nin der erfolgten „Aufwertung“ dem Reiche gegenüber betont hat.(Ver⸗ mißt haben wir freilich bei dem Kampfe um die Für⸗ stenenteignung eine eindrucksvolle, allseitige Bereit⸗ schaft der Fürsten, auch ihrerseits um des Volkes wil⸗ len sich mit der Sicherstellung eines ihrem Stande an— gemessenen Existenzminimums zufrieden zu geben!) Doch, wenn wir über diese Zeilen schrieben:„Ge⸗ ben Sie acht, Herr Dr. Schacht!“, so wollten wir damit die Aufmerksamkeit unseres Reichsgeldmarschalls nicht nur auf die Tatsache lenken, daß seine These von der Unmöglichkeit einer höheren, als der zurzeit festgelegten Aufwertung niemals ein allgemein und unumstößlich anerkannter Glaubensartikel des deutschen Volkes wer⸗ den wird, sondern mehr noch auf die bedenklichen Wet⸗ terzeichen, die wir am wirtschaftspolitischen Himmel aufzucken sehen! Herr Dr. Schacht hat, ebenfalls mehr als einmal, die Stabilität unserer deutschen Währung proklamiert. Das war uns bei der begreiflichen Un⸗ sicherheit, in der wir die erste Zeit nach der Inflations⸗ trübsal durchlebten, jedesmal eine große Beruhigung. Aber heute hält diese Beruhigung nicht mehr an. Denn was nützt uns alle„Stabilität“ der Mark, wenn die⸗ selbe zusehends an Kaufkraft verliert? Haben diejeni⸗ gen wirklich unrecht, die da meinen, daß wir bereits wieder in einer— wenn auch noch verschleierten— In⸗ flation drinstehen? Die Festbesoldeten, die seit mehr als zwei Jahren auf dieselben Löhne und Gehälter angewiesen sind, die Rentenbezieher, die mit kärglicher Rente ihren Lebensbedarf bestreiten sollen, kurz alle, die auf ein festes Einkommen angewiesen sind und nicht die Möglichkeit haben, es den steigenden Preisen ent⸗ sprechend zu erhöhen— sie alle merken, wie ihr Geld mit jedem Monat weniger zureicht, weil seine Kauf⸗ kraft von Monat zu Monat geringer wird! Fing es so nicht auch einstens an? Angeblich hatte unsere Mark noch ihren vollen Wert, aber jeder Gang zum Geschäfts⸗ mann zeigte, daß ihre angebliche Stabilität nur in der Theorie und auf dem Papier stand. Und wer heute einmal sein Ausgabenbuch für das Jahr 1924 zur Hand nimmt und die damaligen Preise mit den heutigen ver— gleicht, der wird sich der Tatsache einer zunehmenden Teuerung— das heißt aber: einer zunehmenden Geld- entwertung— nicht verschließen können. Wenn ich die 200 Mark, die ich vor 2 Jahren auf der Sparkasse angelegt habe, heute abhebe und in Waren umsetze, so erhalte ich dafür erheblich weniger, als wenn ich mir gleich damals etwas dafür gekauft hätte. Die Preis— senkungsaktion, die eine frühere Reichsregierung durch⸗ führen wollte, hat nicht nur nichts erreicht, sondern sich in ihr Gegenteil verkehrt. Oder welcher Konsument kann feststellen, daß die Herabsetzung der Amsatzsteuer Was Jesus an an Geistesgaben hatte, das hat er im Dienste der ganzen Mensch⸗ heit hingegeben. Was ein Paulus an solchen Gaben besaß, damit hat er seinen Gemeinden zuerst, dann aber auch der nach⸗ kommenden Christenheit gedient. So meint er es auch, wenn er seiner Gemeinde in Korint schreibt:„In einem jeglichen er— zeigen sich die Gaben des Geistes zum gemeinsamen Nutzen.“ Aus den Gaben heraus muß ein Nutzen für die Allgemeinheit fließen. „Komm heiliger Geist“, so bitten wir heute Taten schaffenden heiligen Geist. Auch unsere Leben brauchen wir überall da, wo Christen sind. Brüder und Schwe⸗ gespeist, macht furchtlos auch den Machthabern gegenüber. „Wenn gute Reden sie begleiten, dann Heute will man mit Lehrjungen nur soviel zu tun haben, als der Lehrvertrag stern suchen auch deine Tat, lieber Leser. Hilf ihnen mit uns, daß die Not der Klagenden verringert wird, daß die Hungernden die Unterdrückten ihr Recht erhalten. Heiliger Geist Ein Dr. Martin Luther war des heiligen Geistes voll, als er sich nicht vor Rom und nicht vor dem Kaiser fürchtete. Er war des Bru⸗ dergeistes voll, als er dafür eintrat, daß den leibeigenen Bauern ihr Menschenrecht gegeben werden solle. Es ist be— jammernswert, wie heute sehr viele nur vor denen keine Furcht mehr haben, die ihnen nicht schaden können. Nehmen wir all unsere Gaben, unsern Verstand, unsere Erfahrung, un⸗ unseren Körper gestaltet, der auch die Jugenderziehung im rech- Frommes Re- sere Menschenkenntnis, unsere Tatkraft und stellen sie in den Dienst heiliger Bruder: und Nächstenliebe! a Dem Nächsten stets mit Liebestreu Du süßer Himmelstau. Gib dich In unsere Herzen kräftiglich Und schenk uns deine Liebe, Daß unser Sinn verbunden sei Dem nächsten stets mit Liebestreu Und sich darinnen übe. Kein Neid, kein Streit dich betrübe, umschweben Und 9185 1 unser Leben! Amen. — * —— n N N Sonnabend, den 4. Juni 1927. ihm zu billigeren Waren verholfen hat? And selbst, wenn wir ungelehrten Leute uns irren sollten: redet nicht der von Monat zu Monat langsam, aber sicher höher kletternde Index eine nicht mißzuverstehende Sprache? Zwar werden jetzt Erhöhungen der Löhne und Gehälter(wir hoffen, auch der Renten) angekün⸗ digt, aber einmal werden dieselben, weil hinter der Preissteigerung nachhinkend, nur eine scheinbare, keine wirkliche Einkommensaufbesserung darstellen, und dann wissen wir auch aus früheren trüben Erfahrungen zur Genüge, daß solche Lohnerhöhungen in der Regel neue Preiserhöhungen nach sich ziehen, also ein Schlag ins Wasser sind. Ein eklatantes Beispiel dafür liefert uns jetzt schon das Ruhrkohlensyndikat, das„zum Ausgleich“ der fünfprozentigen Lohnerhöhung, zu der es durch Schiedsspruch verpflichtet ist, und als Antwort auf das Arbeitszeitnotgesetz die Kohlenpreise nach einer Mel— dung des„Aufwärts“ um 7½ Prozent erhöhen will! Eine Verteuerung der Kohle aber würde nicht allein unsere an sich schon geringen Ausfuhrmöglichkeiten noch weiterhin einschränken, sondern darüber hinaus zu einer Verteuerung des gesamten innerdeutschen Lebens— bedarfs führen. Damit nicht genug, bedroht unsere Reichspost uns mit einer Tariferhöhung, und auch bei der Reichsbahn wird bereits eine Erhöhung der Gü⸗ tertarife„erwogen“(womit das Publikum auf die im Stillen wohl schon fest beschlossene Sache schonend vor— bereitet werden soll!). Wer trägt die Kosten? Be— stimmt nicht die„Wirtschaft“? sie wenigstens erst dann, wenn sie es am eigenen Leibe spürt, daß die höheren Preise ihre Absatzmöglichkeit beschränken. Bis dahin werden aus dem Felle des Verbrauchers die Riemen ge⸗ schnitten. Soll wirklich die alte Schraube wieder los⸗ gehen: Preiserhöhung, Lohnerhöhung, Preiserhöhung, Lohnerhöhung und so fort bis hin zu jenen schrecklichen Verhältnissen, die die Jahre 1919—23 uns gebracht haben? Gewiß würde jeder auf festes Einkommen An⸗ gewiesene lieber auf jede Lohnerhöhung verzichten, als mit ihr immer weiter hinter den steigenden Preisen zurückbleiben. Aber dann müßte er auch die Gewähr haben, daß er für sein Geld übers Jahr noch die glei⸗ chen Waren, wie heute, erhält. Diese Gewähr hat er zurzeit nicht, denn alle sogen. Stabilität unserer Wäh⸗ rung kann nicht über die bedenkliche Labilität unserer Preise— und zwar eine Labilität, die, alles in allem genommen, nicht zur Verbilligung, sondern zur Ver⸗ teuerung neigt!— hinwegtäuschen. Nicht das Interesse irgendeiner Schicht, sondern die ernste Sorge um das Wohl unseres ganzen Volkes(das ein zweitesmal nicht überstehen würde, was es 1919 bis 1923 durchgemacht!) läßt uns alle zuständigen In⸗ stanzen beschwören:„Princippis obsta!“„Widerstehe den Anfängen“— einer zweiten Inflation! Wir den⸗ ken von unserem Wissen um die Wirtschafts- und Geld⸗ fragen nicht so hoch, daß wir uns nicht von der Grund— losigkeit unserer Besorgnisse durch stichhaltige Gegen— argumente überzeugen ließen. Ja, uns würde ein Stein vom Herzen genommen, wenn das geschähe, und wenn man die oben von uns angeführten Tatsachen zu entkräften und uns die Garantie zu geben vermöchte, daß wenigstens für die Zukunft Einkommen und Preise im rechten, entsprechenden Verhältnis zueinander blei— ben werden. Aber solange man auf der anderen Seite das nicht tut oder vermag, so lange halten wir uns für berechtigt, ja, für verpflichtet, den Mann, der doch wahrlich daran interessiert sein muß, daß die Stabilität unserer Währung durch eine anhaltende Preissteige— rung illusorisch gemacht werde, auf die bedrohlichen Wetterzeichen, die über unserem Wirtschafts- und da— mit über unserm ganzen Volksleben aufflammen, auf— merksam zu machen mit unserem Ruf: Geben Sie acht, Herr Dr. Schacht! Christian Deutschmann. Die Evangelsche „Evangelische Warte“ Aoltsgemeinsthaf ruft Dich! Von Pfarrer Veller- Bretzenheim. Vor einigen Wochen stieß ich auf ein herrliches Wort des heute sehr bekannten Dichters Cäsar Flaischlen: „Du bist die Welt und du allein!“ „Und bist du Gottes, wird sie— Gottes sein!“ Das Wort hat mich tief gepackt. Der Dichter spricht eben aus der Tiefe der Gottesbegeisterung. Das zündet mehr als platte Alltagsweisheit. Ich stand mit⸗ ten im Gären und Ringen um die Wahrheit oder den Irrtum„evangelischer Politik“, d. h. um politische Be⸗ tätigung der evangelischen Volkskirche; denn eine evan⸗ gelische Gemeinschaft als solche kann der Politik sehr wohl entraten. Sie lebt ohne Politik und blüht trotz der Politik. Ja, Not und Verfolgung, Ungerechtigkeit und Unterdrückung festigen und vertiefen sie, erzeugen doppelte Gottesfreude und doppelte Bruderliebe. Ganz anders liegen die Dinge bei einer Volkskirche, die auf der Grenze der Welt und Gemeinschaft steht. Sie ist sehr stark weltverflochten und bedarf zum Aufstieg in höhere Welten sehr der Krücken und Stützen. Die sind seit 1918 alle gefallen. Sie steht auf eigenen Füßen, was auch seine großen Vorteile hat. Sie muß aktiv werden!„Sich regen bringt Segen!“ Ja, noch mehr als das, wie man aus der katholischen Kirche sieht. Sie hat sich längst zu politischer Betätigung bekannt und in ihrer Zentrumspartei eine kampfbereite Truppe für Religion und Kirche! Nicht als ob uns der Siegeszug der Zentrumspartei, den wir hier in Hessen so hand— greiflich beobachten können, vorbildlich oder erstrebens⸗ wert erschien. Solcher Siege muß man sich schämen und wird sich ihrer bald schämen. Wir erstreben ein Besseres, ein Höheres! Wir wollen nicht Macht und Einfluß um jeden Preis; wir wollen Dienst und fried— lichen Wettbewerb zum Besten von Volk und Vater— land. Sagen wir nicht müde und resigniert: Es ist zu spät! Wir packens nicht oder nicht mehr! Wir sind zu heillos zerrissen und jeder kocht selbstzufrieden und hochmütig sein Parteisüppchen. Sagen wir nicht; Der Gegner sind zu viel! Was nützt ein neues kleines Grüpplein von„sieben Aufrechten:? Kühn und glau— bensstark sagt der Dichter, der weltliche: „Du bist die Welt und du allein!“ Auf dich kommt's an, daß du dich ermannst.„Bist du Gottes, wird die Welt Gottes werden!“ Warum sich so wenige ermannen, hat einen einfachen Grund. Sie sind eben nicht Gottes, sondern reden nur davon und spekulieren darüber. Wären sie„erfüllt mit allerlei Gottesfülle“, die Not des Vaterlandes, die Not der Kirche, die Not der Brüder ließe sie nicht ruhen, bis sie fragten:„Was sollen wir denn tun?“ Darauf hat schon der Vorläufer des Herrn sehr eine eindeutige Ant— wort gegeben, aus der man heute noch viel lernen kann. Ich nehme an, daß alle evangelischen Christen sie noch wissen. Oder sollte ich mich irren? Es ist leider Tatsache, daß in unserem politisch— varlamentarischen Leben Recht und Gerechtigkeit eine sehr geringe Rolle spielen. Man ist entweder national oder international, monarchistisch oder republikanisch, kapitalistisch oder sozialistisch. Nur auf das Eine kommt es scheinbar keiner Partei an: Gottesherrschaft, d. h. Recht und Gerechtigkeit auch im öffentlichen Leben! Wir heischen keine Privilegien, wir wollen keine Vor— teile, wir machen die Jagd nach den Ministersesseln und Futterkrippen nicht mit. Uns wär's sehr recht, wenn es zu einem einheitlichen Deutschland käme und die 2,6 Milliarden für Kleinstaaterei gespart würden. Wir verzichten gerne auf Abgeordnete und Minister im Hessenlande. Der Schrei von Millionen nach Gerech— Dornenwege. Roman von Clara Meller. (Schluß.) „Dammrat, Sie lügen, rief Frau Wendtland.— „Eener lügt natürlich, dieses Mal aber ist es zufällig der da, ich habe ihn selbst mitgefunden, fragt man den Hegemeister und Kräuterpitter, die wissens. Da drinn,“ er zeigte auf den Brief,„haben die Brüder noch eene feine Bettelei geschrieben, denn Kapital wird aus allem geschlagen und wenn es vom Tod is, der Zweck heiligt die Mittel!“ Dann ging er hinaus und ließ die erstaunt Aufhorchenden stehen!“ Bruder Innozenz gewann schnell seine Fassung zurück. „Aus Gesundheitsrücksichten würde ich freilich Ihnen gegenüber vorläufig geschwiegen haben über das, was dem rauhen Men— schen unbeschönigt herausfuhr, den Brief schrieb er, weil er sich schon lange elend fühlte und Sie sein steter Gedanke voller Sorgen waren.“ „Es ist gut, Bruder, wir kennen uns schon lange und ver— stehen uns, wenn ich seine Bitte erfüllen kann, geschieht es!“ „Vielleicht könnte ich den Brief noch einmal mitnehmen, bis Sie sich wohler fühlen,“ sagte er besorgt und wollte den Brief an sich nehmen, aber der Gerichtsrat kam ihm zuvor „Ich will den Brief bis morgen verschließen,“ und ohne weiteres bemächtigte er sich seiner. Am anderen Tag war großer Familienrat, niemand konnte sich den Pflichten daheim länger entziehen. Urle schloß sich endgültig aus, sie könne die Aufregung jetzt nicht ertragen, statt dessen unternahm sie einen Spaziergang in den winterlichen Wald. Am Abend ging es heim zum Kind, sie sehnte sich so sehr dorthin. Im Rate der Familie ging es sehr stürmisch zu. Pater Marlus verlangte in dem Schreiben, welches jedenfalls von dem schlauen Bruder Innozenz abgefaßt war, die Mönche soll ten zur Taxe Vorkaufsrecht haben, wenn nach dem Tode der Frau Patronella das Kloster gut verkauft würde. Außerdem bat er, sie möchten auf das Seelenheil ihrer Schwiegertochter bedacht sein und sie für 900 1 einkaufen, damit regelmäßig Messen für sie gelesen würden.— Freudig wollte sie darauf eingehen, ihre Kinder, nein, die kamen erst in zweiter Linie. Der Gedanke, daß nach ihrem Tode die frommen Mönche das stattliche Besitztum wieder ihr Eigentum nennen sollten, erfüllte sie mit freudigem Stolz, dann mußte sie ja Genüge getan haben, wenn ihr dies große Liebeswerk gelang. Sie stieß auf harten, unbeugsamen Widerstand von allen Seiten. Uubefriedigt, ohne ein Resultat erzielt zu haben, reisten alle außer Ludmilla am Abend ab.—— Urle sah vom Wagenfenster das düstere Klostergut im Abenddunkel verschwinden. Lieber trocken Brot essen, aber Frieden, vollen Frieden haben. Fort, nur fort, unter der gei— ßelnden Knute der Ortodoxen, bei denen die lebendige, tiefe Menschenliebe sich nur wie eine verkrüppelte Blüte entfaltet. Sie baute keine Luftschlösser für ihre Zukunft, sie wußte nur zu wohl, was für schwere Kämpfe ihr in jeder Hinsicht be— vorstanden. Ihr Hans ohne eine befriedigende Tätigkeit, die sein Leben ausfüllte, von der Mutter systematisch hinein— gezwängt in ein untätiges Leben, die ihn erhielt, um nach ihrem Tode beweisen zu können, es blieb nichts, wovon die Verhaßte mit leben könnte und er vergaß, daß es seine ernsteste Pflicht war, Frau und Kind zu erhalten. Schwere Arbeit war ih Los lebenslang, aber Mutter und Dore würden mit ihr sorgen und sich mit ihr grämen. 8 Die Liebe überbrückt und trägt alles, wenn nur später ein Sieg ihr Leben krönte! Es will Weihnacht werden!—— Die Rheinländer waren es nicht gewohnt, den frostgezähm— ten, eisgepanzerten Winter lange zu Gast zu haben, wo die braunschwarze Erdkrume wie ein lebenerstickter Stein, im Banne des Frostriesen ruht und nur die Krähen ihre klagenden Win⸗ terballaden mit dem Sturm um die Wette dem dichten Ge— wölk erzählen.— tigkeit und Sauberkeit im politischen Leben hat uns wachgerufen. Grundsätzlich wären wir gegen eine po litische Betätigung der evangelischen Kirche. Aber No bricht Eisen. Not bricht den Sabbat und erlaubt Schau 0 brote zu essen. Schreckliche Notwendigkeit zwingt un 70 dazu, in den Staub der politischen Arena hinabzusteigen ga um den Geringsten unserer Brüder zu helfen. 1 60 Ueberall lesen wir's in Resolutionen großer Kon ferenzen, in allerlei Neugründungen halbpoliruche Natur, daß die Grundsätze des Evangeliums auf alles Gebieten menschlichen Lebens, auch im politischen um internationalen, zur Geltung gebracht werden müssen Aber macht dann jemand Ernst damit, so wird beargwohnt und bekrittelt. Oder meinen unsere Fü rer und Prominenten, daß man mit Resolutionen u Artikeln die politischen Schäden heilen könne? Dafil hat der Berufspolitiker nur ein Lächeln übrig. Det gleichen kann ihm nicht gefährlich werden. Aber al wir vor zwei Jahren in Hessen anfingen, eine Evange lische Volksgemeinschaft als politische Partei aufzutu wie hat's da gleich rumort bei denen, die„das Ansehe und die Macht haben“. Ja, nun wird's Ernst! Geb nit Gott, daß es endlich Ernst werde! Ja, wir Evangeli 1 schen wollen auch in Politik unsere Pflicht tun. Wi 05 wissen, daß es auch ernste Evangelische in den andere sel Parteien gibt. Aber sie sind ohne Einfluß und werde get stets überstimmt. So bleibt nichts anderes übrig, al 1 der evangelischen Christenheit aller Richtungen, Kit 15 chen, Sekten, Gemeinschaften, zuzurufen: Schließt eut Ian zusammen, um das politische Leben nach den Grund in sätzen evangelischen Christentums zu gestalten. Unsen al Einigkeit wird unsere Stütze sein. Vor allem bitte 100 wir auch die Gemeinschaften: Gebt uns eure beste Laue Männer und Frauen als Abgeordnete und werbt i 0 euren Kreisen für die gute, heilige Sache! Wenn ih 5 50 versagt, so habt ihr hinterher kein Recht zur Kriti 115 Es wird durch manche Nöte, Opfer und Krisen, durt 10 allerlei politische Kinderkrankheiten gehen! Das 5. nichts, das ist unvermeidlich. Bei den Wahlen zu 110 Hessischen Landtag im Herbst wollen wir uns in di d erste größere Schlacht wagen. Nur wenn alle evanges ze lisch Gesinnten ihre Pflicht tun, kann sie zu einem Sie ul werden Gott zu Ehren und zum Besten unserer Kit 1 und unseres Volkes. 5 ie Auf der Warte. q ae Der chinesische Krieg ist anscheinend in ein neue Stadium getreten. Die üdarmee, die eine Spaltu in zwei Flügeln erleben mußte, scheint die Konflit stoffe aus dem Wege geräumt zu haben und operien wieder einig gegen die Nordtruppen, sodaß selbst Peking mel, die eben nicht anders heißen konnte, erst die Fremde zeig ihr, daß sie es dem rechten, schlichten Sinn der Großvite II die Hauptstadt, bedroht erscheint. Die Südtrupps rücken ganz energisch vor.— Ueberraschenderweis 0 greift Japan ein und entsendet Truppen, vor läufe shen zum Schutze seiner Untertanen. Bei weiteren Erso gen der Südtruppen dürfte es aber nicht dabei bleiben an da Japan die Verbreitung bolschewistischer Ideen dure n die Südarmee fürchtet und ein Uebergreifen auf sei die eigenes Inselreich vermeiden möchte. So türmen fit gell im fernen Osten immer neue Konfliktsstoffe.— Gegers geit den Bolschewismus haben Amerika, Frankreich uni aun England harte Worte gefunden. England ging aß ich schärfsten vor und hat die diplomatischen Beziehungen ich mit Rußland abgebrochen und den Handelsvertrag gef ge kündigt. Zu anderen Zeiten war dies Krieg. Heu ahn ist man vorsichtiger geworden, da die moralische Ver nur antwortung für eine Entfesselung neuen Mordens ie us den letzten Jahren immer größer wird. Ob der Abe vid bruch der Beziehungen zu Rußland von England aug zu gerechtfertigt war, müssen wir dahin gestellt sein lassens un Rußland bestreitet jedenfalls alle englischen Behauß, neil tungen.— Mussolini hat, nachdem er einige Wochen eee———— r Die meisten ächzten und stöhnten über den gestrengen en Herrn, der schon so lange regierte und es wollte doch Weihe v. nacht werden!—— gerd Es gab hier nicht so Haus bei Haus das heimliche Flüsten und Wispern mit glückverklärten Augen wie im Heimatstädtch n 6 wo die Weihnacht in Hütte und Haus einzog und es war, al fe einte eine Liebe alle, alle Menschen, hier galt noch bei viele u Strenggläubigen, der Kerzenbaum,— als Ketzerbaum, erst 1 10 einzelt rissen sie sich los von dem alten Vorurteil und zogen 1 190 traute Sitte in ihren Kreis. I d Die klingenden, singenden Heimatsbräuche dagegen! Urte 3 Gedanken kehrten heute immer wieder dahin zurück, sie ha 7 die herzergreifende Christfeier als etwas selbstverständlicke. hingenommen, sie pflanzte sich in ihr junges Herz wie eine Fil 1 5 dankte, die das Beste vom Guten, wie ein gern befolgtes Gee einführten. I acht Da war am heiligen Abend ein ergreifender Gottesdie und wenn die Kirchtüren sich aufgetan, läuteten die Glock 1 das hehere Zeichen zum Anzünden der Christbaumkerzen, wah iz rend viele auf dem Marktplatz stehen blieben und lauschteh h wenn die Chorknaben von der Turmgallerie Stille Nacht, heile] dun Nacht, sangen. Und die Sterne blitzten am hochgespannt en abenddunklen Himmel und der Schnee leuchtete wie der Heina gen Königshermelin. 1 Da war nichts Beengendes, nichts Gedrücktgekünsteltes, eit dern ein freies Ausatmen der Seele, zum Hohen, Weiten, 10 wir suchen mit allen Fasern unseres Herzens, das Ideale, un flit wir in seiner Unendlichkeit doch nicht verstehen.— W Stets baten sie in den letzten Jahren, die Mutter komm erst durch die Straßen. Sie hörten so gern den Jubel aus Ni Häusern schallen und sahen die Lichter sich wie der kleinen WI f Sternenhimmel an den Fenstervorhängen zeichnen.— 1 Die Armenbescherungen,— wie sah sie voll Befriedigrü! in die glückverklärten Gesichter der beschenkten Kinder.— 1 d 0 . du bed „Evangelische Warte“ ab uf seinen jugoslawischen Lorbeeren ausgeruht hat, 0 eine neue Brandrede gehalten, bei der auch Deutsch— % land seinen Teil wegbekam. Auf dem Stahlhelmtag in Ihe Berlin sollen sich im Zuge Tafeln befunden haben mit u Inschriften, die den Bestand des italienischen Reiches ahh, gefährden. Es sieht beinahe so aus, als habe der ita⸗ N lienische Diktator etwas von den Franzosen gelernt.— e Eigentlich müßte ihm aber die Völkerbundsligentagung Mac auf die Nerven fallen, die in der Minderheitenkom— aal mission durch neutrale Beobachter die Leiden der Süd⸗ den tiroler Deutschen vor das breite Forum der zivilisier⸗ muh ten Völker gebracht hat. Die italienischen Vertreter i hatten einen schweren Stand und konnten gegen das de äußerst belastende Material nicht ankommen. Man nene hat die Behandlung der Südtiroler Frage für die neue da Tagung im Oktober wieder auf die Tagesordnung ge— „% jetzt.— Während Reichskanzler Dr. Marx auf der Völ⸗ bene kerbundsligentagung, die erstmalig in Berlin stattfand, Eon eine bedeutende Rede hielt, in welcher er die Fort— ufa setzung unserer friedfertigen außerpolitischen Linie an⸗ Auch kündigte, sprach in Stuttgart in ähnlichem Sinne der tt. 0 Reichsaußenminister bei der 10jährigen Grüdungsfeier n Reichsaußenminister bei der 10jährigen Gründungsfeier u. I verhandlungen in Hessen brachten bei dem Kapitel ande Schulen einen heftigen Vorstoß des Zentrums gegen well die Simultanschule, der durch die heftige Rede des orig Zentrumsabgeordneten Hainstadt schärfste Gegenreden en, 4 hervorbrachte. Was schon lange vermutet wurde, ist tte eingetroffen: dem Landtag ist ein Wahlvorschlag zu⸗ bn gegangen, daß in Zukunft nur diejenigen neuen Par— A teien zu einer Wahl zugelassen werden sollen, die einen u bit Wahlvorschlag mit 7000 Unterschriften bringen und e U 5000 Mark hinterlegen. Wo bleibt die Demokratie? wech Was hätte die Sozialdemokratie dazu z. B. im Jahre em 1870 gesagt? Was würde sie heute noch sagen, wäre t Kü es damals so gewesen! Die Evangelische Volksgemein— en, Nl schaft wird das, sollte der Antrag, was sehr wahrschein— Das lich ist, durchgehen, nicht entmutigen, im Gegenteil, wer— len al den die 7000 Unterschriften uns einen Sitz im Landtag g i von vornherein garantieren.— Die Stadt Mainz, die en in diesem Jahre mit Sonderzügen reich bedacht wird. zem S die Besuche aus allen Gegenden Deutschlands und aus er zahlreichen anderen Ländern erhält, empfängt in diesen 0 Tagen den Besuch der bedeutendsten Vertreter der Ost⸗ und Nordmark, die genau so auf Vorposten steht wie unser Rheinhessen. Das Band unlöslicher Verbunden⸗ heit und der Schicksalsgemeinschaft wird dabei noch einen festeren Knoten bekommen. in naß Spilh h August Hermann Francke 110 und die katholische Kirche. dt Am 8. Juni ist Agust Hermann Francke ndern, 200 Jahre tot. Von seinen Beziehungen zur katholi— vorln, schen Kirche sei im Folgenden die Rede. u Ei In die erste Berührung mit dieser Macht, der er i eh dann auch dort unterliegen mußte, kam er als Pfarrer een an der Augustinerkirche zu Erfurt in der Zeit von all Ostern 1690 bis Michaelis 1691. Wie auf die Evan⸗ e gelischen übte er auch auf die Katholiken durch seine — 6% geistesmächtigen und herzbewegenden Predigten einen eh wunderbaren Einfluß aus. Da verbanden sich luthe⸗ gig rische Pastoren mit den Beamten des Mainzer Erz⸗ iehun 1 bischofs, unter dessen Herrschaft damals die Stadt stand, et gegen ihn und am 24. September 1691 erschien jene g. b. schmachvolle Verfügung:„Weil auch bemerkt wird, daß iche durch die bisherigen Predigten und seine Gegenwart orden das Volk nur aufrührerisch und ungehorsam gemacht 0 de! wird, wird ihm hiermit bedeutet, daß er bei Vermei⸗ N dung unausbleiblichen Schimpfs binnen zwei Tagen sich von hier hinweg und anderswohin begeben soll.“ So verließ denn August Hermann Francke am 27. Septem⸗ . Urle stand auf und legte die Arbeit schmerzte sehr, sie wollte nur einmal in den Schnee blicken, es war ja echter Weihnachtsschnee, der wie das Heimchen am Herde, zirpte und knirschte, er sang ihr eine Weinachtsgeschichte, die wollte sie für Dore aufschreiben, ihr Christgeschenk.! Es wurde ihr oft so schwer, zu arbeiten, sie hatte gehofft, ö sie werde das für Rudi gegebene Geld zurückerhalten, dann durfte sie sich schonen jetzt. Aber ihre Schwiegermutter zuckte nur die Achsel auf Gerhards Mahnung:„Wer den Hafer ver⸗ geudet, mag ihn bezahlen.“— Rudi aber glaubte die Schuld beglichen. Durch Zufall erfuhr sie alles, wie mancher Nacht „ schwere Arbeit gehörte dazu, den Sparpfennig zusammen zu ese bringen, nun mußte sie weiter in angestrengtem Fleiß, sie fände 5 mußte sich mit eiserner Strenge der Pflicht unterordnen. Nachher kam Dore, sie hätte für langsame Schülerinnen sehr viel Arbeit zu beendigen, zusammen ging es besser vonstatten, noch eine Nacht, dann gab es Ruhetage,— dann war Weih⸗ nachten!——— Naemi, das süße, Kleinchen, was würde sie sagen?— Mutter tat so geheimnisvoll,— in das weihnachtliche Festzimmer ging sie als Hausfrau ganz allein, ach, sie freuten sich gewiß.— Sie hatte nach altdeutscher Sitte einen großen Tannenkranz mit Lichtern als Kronenleuchter hergestellt, das ganze Zimmer war eine Tannendekoration. Inmitten der Ge⸗ schenke jedoch prangte ein Mistelzweig, germanischer Brauch, er sollte dem Hause Glück bringen und dazu Christrosen, die bleichen Schneekinder, die sie so liebte. Es war auch wirklich keine Enttäuschung gekommen, ein glücklicher heiliger Abend war es gewesen, für Dore voll freu⸗ diger Ueberraschungen, von den Schülerinnen, Naemi hatte ihr Püppchen in den Arm genommen und war jubelnd um den Baum gestürmt und Mutter schenkte Arlen als zartesten Liebes⸗ beweis Papier zum Schreiben, damit sie ihr Schicksal stolz tragen lerne im geistigen Gestalten.— ee ———— seite, der Rücken 88 * gebühren an den Verlag abgeführt sind. ber Erfurt, das Lied im Herzen und auf den Lippen: „Gottlob, ein Schritt zur Ewigkeit ist abermals vol— lendet!“ Aber Gott schenkte ihm in seinem späteren Leben die Gnade, für die evangelische Wahrheit doch noch einmal ein siegreiches Bekenntnis abzulegen. Wie sein väterlicher Freund Spener war sich auch Francke seines scharfen Gegensatzes gegen die römische Kirche bewußt. So verfaßte er eigens eine„Gratulation an Herrn Georg Albrecht Grafen von Mansfeld, zu dessen Be⸗ kehrung von der römischen zur evangelischen Kirche.“ Die römische Kirche wußte damals einen evangelischen Fürsten und Adeligen nach dem andern zu sich herüber⸗ zuziehen, sodaß die Evangelischen wegen dieser Fort⸗ schritte mit großer Besorgnis erfüllt wurden, Auch als Francke im September 1719 bei König Friedrich Wilhelm J. in Berlin sich befand, handelte das Gespräch besonders über den Katholizismus auf Veranlassung der Religionsveränderung einiger protestantischer Für⸗ sten. Außerordentliches Aufsehen hatte damals„die Religionsveränderung“ des Herzogs Ulrich Wilhelm von Sachsen⸗Zeitz gemacht, umsomehr, als derselbe durch August Hermann Franckes Einwirkung dann aus den jesuitischen Banden befreit und wieder evangelisch wurde. Der 1664 geborene Herzog Moritz Wilhelm von Sachsen⸗Zeitz war durch wahlloses Lesen verschiedener religibsen Schriften an seinem lutherischen Bekenntnis irre geworden. Wohl hatte ein Besuch in Rom ihn nur mit Abscheu gegen den Papst und seiner Kardinäle er⸗ füllt und den Uebertritt eines Bruders zur katholischen Kirche konnte er nicht scharf genug verurteilen. Den⸗ noch ging er im Dezember 1715 denselben Weg. Die Gründe hierfür sind nicht sowohl in politischen Rück⸗ sichten als in seiner Unbeständigkeit, seiner Geldnot, seinem lockeren Leben und in der daraus entspringenden Angst um sein Seelenheil zu suchen. Die römische Kirche glaubte ihre Stunde gekommen und hatte als ihr Werk⸗ zeug den katholisch gewordenen Hofrat von Röder und den Jesuiten Schmeltzer, der sich für einen Legationsrat ausgab, gesandt. Eigentlich war dieser Jesuit äußerst unwissend, wie er denn weder griechisch noch lateintsch konnte. Aus guten Gründen ließ er sich auch nie auf Schreibßeweise ein, aber er war groß im Trinken, wo⸗ bei er dem Herzog gute Gesellschaft leisten und ihn ge— nugsam bearbeiten konnte. Schließlich umgarnte er den Herzog denn doch, daß dieser ganz im Geheimen in einer Klosterkirche an der böhmischen Grenze das katho⸗ lische Glaubensbekenntnis ablegte. Gern hätte der⸗ selbe diesen Schritt noch recht lange geheim gehalten, aber dies war durchaus nicht nach dem Sinn seiner je⸗ suitischen Treiber. So erklärte er denn zunächst seiner Gattin, daß er schon seit einiger Zeit katholisch wäre. Diese, Maria Amalia, war eine Tochter des Großen Kurfürsten und reformiert. Als der lutherische Herzog sie heiraten wollte, bedurfte es erst eines Gutachtens des berühmten Rechtslehrers Christian Thomasius, daß riß und Hans zu fühlen glaubte, daß auf tiefstem Herzensgrund doch noch die alte Liebe für ihn schlummerte.— Da wurde leise, ganz leise geklopft, kichernde Stimmen tönten durch das Korridor-Fenster. Dore ging öffnen und siehe, wohl dreißig kleine Knaben und Mädchen standen und baten schüchtern:„Dürfen wir mal den Christbaum sehen?“— Und sie sangen Weihnachtslieder und der Kerzenglanz spiegelte sich in den andächtigen Augen der Kleinen.—— Als sie beschenkt mit Aepfeln und Pfeffernüssen heim⸗ gingen, sah Urle beglückt hinter her:„Ein Heimatgruß“, mur⸗ melte sie.——— Ein besonders freuderfüllter Knabe hob seine unschuldigen Kinderaugen zur größeren Schwester:„Siehst Du wohl, die sind nicht schlecht, der Pastor kennt sie gewiß nicht!“——— Und sie stürmten vorwärts in hellem Jubel und niemand bemerkte die scheue Frau, die ihr schlafendes Kind auf dem Arme, sich langsam aus dem Schatten löste:„Hier muß Mit⸗ leid wohnen,“ flüsterte sie und schlich müde die Treppe hinauf. Arle erbebte, so sah das Leid, die Sorge aus, wenn sie die Stiegen erklimmt!— Das dunkle Tuch hing lose von dem Scheitel und hüllte das Kind mit ein, leise schlürfend schleppte das bauschige Gewand hinter ihr her, als wäre der Körper zu schwach die Last zu agen Bettelnd murmelte sie etwas vor sich hin, doch Urle ver⸗ stand in der Erregung den Wortlaut der Bitte nicht, es war ihr so unheimlich zu Mute; schnell zündete sie die große Korri⸗ dorlampe wieder, an, so daß plötzlich helles Licht über die bei⸗ den ungleichen Gestalten hinflutete. Ehe sie sich wieder herumwenden konnte, stieß die Fremde einen leisen, herzzerreißenden Schrei aus, taumelte gegen die Wand und weinte bitterlich.— Urle stand einen Moment fassungslos, Dore kam heraus. um nach ihr zu sehen:„Was geht hier vor?“ fragte sie erstaunt. Da löste sich die Gestalt von der Wand:„Meine Schicksals⸗ Es war der erste glückliche Abend wieder, wo Arle so ganz N die alte Lebensheitere war, deren Frohlaune alle mit sich fort schwester,“ schluchzte sie und alles Leid lag in dem brechenden W 2 . 2 2 S — — S . S 2 —— — S 8 S 2 . 2 — S D — —— 2 — S 2 — — 2 Einzelbestellung unseres Organs, der„Evangelischen Warte“, ist in Zukunft nur noch durch die post möglich. die Bestellung bei der post kann zu jeder Seit erfolgen. Nur bei Bezug von 5 Exemplaren ab in einem Sammel⸗ paket erfolgt die Zustellung durch den Verlag der„Evangelischen Warte“, Gießen, Südanlage 21. Als selbstverständlich nehmen wir an, daß von jeder Ortspruppe spätestens am 10. jeden Monats die Bezugs⸗ diese Ehe zuläss Weidner. ig wäre, worauf die lutherische Fakultät in Wittenberg Thomasius anklagte. Die Nachricht vom Abfall ihres Gemahls vom evangelischen Bekenntnis traf sie ins Herz und sie erklärte ihm ohne weiteres: „So werden sich Eure Liebden nicht wundern, wenn die zarte Liebe gegen einem Gemahl, der die erkannte Wahrheit verleugnet, um ein Großes vermindert wer⸗ den wird.“ Aber sie klagte nicht bloß, sondern sie han⸗ delte auch und rief vor allem August Hermann Francke zu Hilfe. Nachdem dieser mit ihr eine bewegte Aus⸗ sprache gehabt hatte, meldete er sich beim Herzog an, der schon sehr ernüchtert war und ihn mit Freuden empfing. Als der Herzog bekannte in der katholischen Kirche den ersehnten Frieden nicht gefunden zu haben, ant⸗ wortete Francke:„Durchlaucht, das ist auch gar kein Wunder! Wer Ruhe für seine Seele haben will, der muß sie allein bei Christus und seinem heiligen Worte suchen.“ Bei Tafel warf der Herzog, der zwischen Francke und dem Jesuiten Schmeltzer saß, die Frage auf:„Ja, meine Herrn, welche Religion ist denn nun eigentlich die beste?“ Francke erwiderte sofort:„Euer Durchlaucht werden das ohne Zweifel selbst am besten wissen. Das aber kann ich mit voller Freudigkeit sagen: Die römisch⸗katholische ist es nicht“ Die von dem Jesuiten darauf gegen Luther angebrachten Schmähungen widerlegte Francke Stück für Stück und fügte hinzu:„Die Herren Jesuiten sind mir die rech⸗ ten Blindenleiter, wollen andern den rechten Weg zeigen und wandeln selbst nicht darauf. Ja, sie führen die Leute beim Narrenseil herum.“ Darauf hatte er mit dem Herzog ein dreistündiges seelsorgerliches Ge⸗ spräch, bei dem er ihn zum frommen Wandel und Ge⸗ bet ermahnte und auf die heilige Schrift hinwies. Der Herzog gelobte tief ergriffen, ein neuer Mensch zu wer⸗ den. Von Halle aus setzte Francke sein Werk durch Briefe fort und am 16. Oktober 1718 trat dann der Herzog„zur Religion seiner Väter“ zurück. Der Jesuit wurde abgelohnt und mußte mit seinem Helfershelfer das Land verlassen. Mit der Herzogin freuten sich die getreuen Untertanen, während die Jesuiten das Ge⸗ rücht aufbrachten, der Herzog wäre geisteskrank gewor⸗ den und in seinem Wahnsinn in die verfluchte Ketzerei gefallen. Leider erlag der Herzog schon wenige Wochen später, am 15. November 1718, den schwarzen Blattern und starb mit dem Bekenntnis zum Glauben seiner großen Vorfahren. Des Herzogs Rückkehr zur evangelischen Kirche hat Francke viel Freunde in den Kreisen derer gewonnen, die ihm sonst nicht freundlich gesinnt gewesen waren. In einer damals erschienenen Schrift heißt es:„Nun mögen sich die Jesuiten mit ihrer Erfindungen und Arten, die Menschen zu bekehren, so groß machen als sie wollen. Hier haben wir das Exempel einer Bekehrung, welche nicht durch zeitliche Absicht, sondern durch die Kraft Gottes erweckt ist.“ Dr. Carl Fey. Ton ihrer imme:„Borries hat gelogen,— ich habe das Glück nicht gefunden und ich muß das Leid klaglos tragen,— oder— er schießt mich tot!“ „Raya,“ halb unbewußt kam der Name von Doris Lippen: „Worin besteht Ihr Unglück?“— Wie eine Sturzwelle kamen die Worte nun von ihren Lip⸗ pen, als beruhigte sie es, daß sie sich endlich einmal aussprechen durfte, wohin die feinen Ohren ihres Mannes nicht reichten: „Bango hat Raya lieb mit der ganzen Glut, die unser Volk be⸗ seelt, und wenn er in den Abendstunden seine Fiedel spielt und ich höre ihm zu, dann wirft er sie oft beiseite, packt mich unge⸗ stüm, küßt mich, daß mir der Atem zu vergehen droht und möchte mir die Lippen wund beißen vor rasender Liebe!— Aber wenn er getrunken hat,“ sie schauderte in sich zusam⸗ men,„dann,— o, dann ist er ein Teufel,— ein Vampir, dann schlägt er, mißhandelt mich, daß schon das Blut floß und ich vermag kaum meinen Jungen zu schützen vor seiner Brutalität! Da bin ich eines Nachts in rasendem Schmerz mit dem Kinde fortgelaufen aber niemand wollte das Zigeunerweib schützen, alle sahen in mir wohl eine Geächtete. Mit gezücktem Messer hat er mich heimgeholt, er will nicht leben ohne mich und hat gedroht, wenn ich wieder fortliefe, wollte er den Jun⸗ gen vor meinen Augen zu Tode martern und mich niederschießen. Ein Zigeuner aber lebt seiner Rache.“—— Der Kleine reckte die Händchen hoch, sie befreite den dunk⸗ Lockenkopf vollends, er sah erstaunt um sich.——— „Es ist ja Weihnacht,“ sagte Urle mit bittendem Blick zu Dore, die behende entbehrliche Sachen, Kuchen und Aepfel herbeiholte, und das junge Weib vergaß momentan alle Bit⸗ ternisse vor der unerwarteten Freude.—— Sie bedankte sich in überschwenglicher Weise, packte ihr Bündel zusammen und ging die Treppe hinab.— Dann schloß Urle die Tür, sie gingen hinein,— Hans stand am Fenster und starrte der entschwindenden Gestalt nach, — im Eßzimmer aber summte die Teemaschine ein heimliches, zum Herzen dringendes Lied:— Es war ja Weihnacht!——— — Ende.— len —— 110 00 1 Sonnabend, den 4. Juni 1927. „Evangelische Warte“ Nr. 23. Verschiedenes. Die Lösung der Konkordatsfrage. Es ist erreicht! Die Lösung der peinlichen Konkor— datsfrage ist restlos geglück. Einem preußischen Ab— geordneten ist es gelungen, den Stein der Weisen zu entdecken, der von allen Konkordatsschmerzen befreit. Im preußischen Landtage, zur Konkordatsfrage sich äußernd, erklärte er nach der„Täglichen Rundschau“ vom 20. Mai 1927:„Man solle, um den Kampf zu ent— giften, statt Konkordat sagen„Vereinbarung zwischen Staat und Kirche“, weil es sich doch um ein völkerrecht— liches Abkommen handele“.— Wunderbar! Völlig verblüfft steht man vor der einfach genialen Größe die— ses Auswegs. In der Tat, aus diesem Punkte lassen sich nicht nur Konkodatsnöte heilen. Man sage einfach statt Diebstahl: Eigentumswechsel, statt Plagiat: Ge— dankenübertragung, statt Urkundenfälschung: Schreib— fehler, statt Mord: Atemhemmung, man nenne hinfort Fahnenflucht: Selbstbeurlaubung, Feigheit vor dem Feind: heilige Pflicht der Selbsterhaltung, infame Lüge: freie Spiel der Phantasie— und die Atmo— sphäre ist entgiftet, alle diese häßlichen Dinge, das Konkordat mit eingeschlossen, sind wie weggeblasen; Ben Akiba aber krümmt sich— ein getretener Wurm— restlos erledigt unter den Sohlen staatsmännischer Klugheit von heute. Römisch⸗katholischer Druck in der Prima. Im Maiheft 1927 der„Schule“ kommt ein Fall Sprache, der eindringlich klar macht, daß tatsäch— lich wieder einmal ein Zeitalter der Gegenreformation angebrochen ist. Es heißt da:„Eine neuerliche Er— fahrung, die mich stark bewegte, möchte ich nicht ver— schweigen. Ich sprach einen evangelischen Primaner aus einer mehr katholischen Gegend. Er hatte bis vor kurzem ein katholisches Gymnasium besucht und erzählte mir, daß er trotz der großen Schwierigkeit des Umler— nens, und obgleich er nach Anlage und Neigung mehr humanistisch gerichtet sei, zu einem simultanen Real— gymnasium habe übergehen müssen.„Ja, warum denn?“ fragte ich ihn.„Ich konnte keinen Freund mehr dort haben, seit ein neuer Religionslehrer gekom— men war und gesagt hatte, katholische Schüler gingen am besten nur mit katholischen Schülern um. Seitdem wurden wir zwei Evangelischen in der Klasse von allen anderen gemieden, und wir waren allein. Das hielt ich nicht aus. Jetzt sind wir evangelische, katholische, jüdische Schüler zusammen und sind gut Freund mit einander ohne Ansehen des Bekenntnisses, wenn wir uns auch manchmal ein wenig hänseln.“ Da fragt man sich denn doch: ja, sind die Evange— lischen nicht auch Menschen?“ zur Von den religiösen Sozialisten. Der religiöse Sozialismus, anfangs unscheinbar und nicht ernst genommen, hat sich doch im Laufe weni— ger Jahre zu einem recht beachtenswerten Faktor im kirchlichen Leben Deutschlands entwickelt. Er hat auch innerhalb der sozialistischen Partei an Einfluß gewon— nen, obwohl er von den Freidenkern heftig bekämpft wurde und noch immer bekämpft wird. Bestand er bislang aus vielen Gruppen und Kreisen, so ist auf dem Kongreß im August 1926 in Meersburg eine Zusam⸗ menfassung geschaffen worden in dem„Bund der reli⸗ giösen Sozialisten Deutschlands“. Sein Organ ist das „Sonntagsblatt des arbeitenden Volkes“. Er zählt gegenwärtig 11 Landesverbände: Anhalt, Baden, Bay⸗ ern, Hessen, Preußen, Pfalz, Sachsen, Thüringen, Rhein— land, Westfalen, Württemberg. In verschiedenen Län— dern ist er in die Kirchenwahlen eingetreten und hat in kurzem Anlauf beträchtliche Erfolge erzielt. In Ba— den hat er 28 000 Stimmen auf sich vereinigt, in Thü— ringen 20 000, in Anhalt fast 10 000. Demnächst wird auch die Pfalz in Angriff genommen werden. Die Er— folge sind mehrfach durch das Eintreten der sozialdemo— kratischen Partei für die religiösen Sozialisten hervor— gerufen. Auf dem letzten Lehrgang, den die„Evan— gelisch⸗soziale Schule“ im Johannisstift in Spandau für Pastoren veranstaltete, hat sie auch die religiösen Sozialisten zum Wort kommen lassen, und zwar den Pfarrer Dr. Fuchs aus Eisenach und den Pfarrer ——— w———— Eckart aus Meersburg, jetzt nach Mannheim berufen, der auch die Geschäftsstelle des Bundes der religiösen Sozialisten leitet.— Man mag sich zum religiösen So— zialismus stellen wie man will, man darf nicht mehr gleichgültig an ihm vorübergehen. Das Jugendschutzgesetz. Im Reichstag gelangte das Gesetz über den Schutz der Jugend bei Lustbarkeiten in allen drei Lesungen im wesentlichen entsprechend den Beschlüssen des Ausschus— ses zur Annahme. Das Gesetz gibt die Möglichkeit, für bestimmte öffentliche oder nichtöffentliche Lustbar— keiten, Schaustellungen und Darbietungen durch be— sondere Anordnung den Besuch oder die Beschäftigung von Minderjährigen unter 18 Jahren zu verbieten oder einzuschränken oder von besonderen Auflagen ab— hängig zu machen, wenn eine Schädigung ihrer sitt— lichen, geistigen oder gesundheitlichen Entwicklung zu befürchten ist. Ausdrücklich wird festgelegt, daß wegen einer politischen, sozialen, religiösen, ethischen oder Weltanschauunstendenz als solcher Maßnahmen im Sinne des Gesetzes nicht getroffen werden dürfen. Die für den Erlaß der Anordnung zuständige Behörde, so— wie das Verfahren wird durch die oberste Landesbe— hörde bestimmt; dem Jugendamt, in dessen Bezirk die Veranstaltung stattfindet, steht eine Mitwirkung bei dem Verfahren zu. Aus unserer Bewegung. Erste Bauernversammlung der Evangelischen Volksgemeinschaft in Kurhessen. Schwabendorf, Kreis Kirchhain, 24. Mai. Dank der von unserem Freund Weber-Höchst a. M. in seiner Heimat Schwabendorf geleisteten Vorarbeit konnte am letzten Sonntag im Saale des Gasthauses„Zur schönen Aussicht“ die erste Ver— sammlung der Evangelischen Volksgemeinschaft gehalten wer— den. Nach der Begrüßung der zahlreich erschienenen Bauern und Bäuerinnen durch Herrn Weber-Höchst nahm Pfarrer Weidner das Wort, um in klaren Ausführungen, denen alle Anwesenden spannend lauschten, die kulturellen und wirtschaft— lichen Gründe darzulegen, die den politischen Zusammenschluß aller bewußt evangelischen Volksgenossen in Stadt und Land in der Evangelischen Volksgemeinschaft zum Gebot der Stunde machen. Insbesondere beschäftigte sich der Redner mit bäuer— lichen Fragen: Die wirtschaftliche Not des deutschen Bauern— standes ist noch lange nicht behoben. Neben dem steuerlichen Druck treten so niedrige Preise für die Erzeugnisse des kleinen und mittleren Bauernstandes, daß der Bauer mit Besorgnis der Zukunft entgegensehen muß. Der Bauer hat eingesehen, daß der Reichslandbund seine wirtschaftlichen Belange nicht vertritt, darum verläßt er vielfach jetzt diese Organisation und sucht Anschluß bei der neugegründeten„Deutschen Bauernschaft“ Die große Mehrzahl der Bauern wird sich aber— wenig— stens soweit sie evangelisch ist der Evangelischen Volksge— meinschaft anschließen, einmal, um der in deutschen Landen sehr gefährdeten evangelischen Sache wieder zum Sieg zu verhel— fen, und zum anderen deswegen, weil der Bauer immer mehr zu der richtigen Erkenntnis kommt, daß nur ein Zusammenschluß des gesamten schaffenden Volkes in der Evangelischen Volts— gemeinschaft ihn aus seinen wirtschaftlichen Nöten retten kann. Daß Pfarrer Weidner auch hier den Bauern aus dem Herzen gesprochen hatte, bewies der starke Beifall, den seine überzeu— genden Ausführungen fanden. Sogleich erklärten sich folgende Herren bereit, in ihren Gemeinden Ortsgruppen der Evange— lischen Volksgemeinschaft zu gründen: 1. Landwirt Konrad Aillaud-Schwabendorf, Kr. Kirchhain, 2. Landwirt Johan— nes Balser-Bracht, Kr. Marburg, 3. Landwirt H. Claar⸗ Albshaufen, Kr. Kirchhain, 4. Landwirt Heinrich Schild- Schwarzenborn, Kr. Marburg. Mit dieser erfolgreichen Ver— sammlung haben wir nun auch Boden gewonnen im Norden von Hessen-Nassau. Frankfurt a. M. Die hiesige Ortsgruppe der Evangelischen Volksgemeinschaft hielt am 18. Mai ihre Monatsversammlung ab. Dieselbe war auffallend gut besucht, so daß der kleine Saal im„Storchen“ vollständig besetzt war. Der Vorsitzende, Herr Dr. Moegenburg, gab einen Ueberblick über die letzten politi— schen Ereignisse und verbreitete sich danach über die Weiterent— wicklung der Evangelischen Volksgemeinschaft. Herr Stadtver— ordneter Kümper berichtete über die wichtigsten Vorkommnisse in dem Stadtparlament. Die Vorträge wurden mit großem Beifall aufgenommen. Zahlreiche Gäste meldeten sich als Mit— glieder.— die nächste Versammlung findet am 15. Juni wieder im„Storchen“ statt. am 19. Juni 1927. EAlazug Zur Wardhurg Eppstein Höchst am Main Eisenach Näheres im redaktionellen Teil dieser Nummer. ü 0 Werbt Abonnenten für die Ev. Warte! 25. Mai. Am letzten Sonntag wurde hier nach einer Versammlung im Gasthaus„Zum offenen Helm“ durch meinschaft gegründet. Ausführlicher Bericht folgt. Frankfurt a. M.⸗West. Am 22. Mai ds. Is. hielt in den Räumlichkeiten der Markusgemeinde Herr Pfarrer Fresenius einen Vortrag über„Politik und Kirche“. Der Kernpunkt der Rede, die von hohem Idealismus getragen war, und einen star⸗ ken Eindruck auf die andächtig lauschende Gemeinde machte. war der, daß die Kirche sich wohl über Politik bekümmern müsse, aber keine Parteipolitik betreiben dürfe. Daran anschließend ergriff Herr Dr. Moegenburg das Wort und wies in längerer Rede darauf hin, daß die evangelische Sache in großer Gefahr schwebe und daß bedauerlicher Weise keine der bestehenden Par⸗ teien sich um die evangelischen Belange bekümmere. Deshalb sei der politische Zusammenschluß aller Evangelischen notwendig. Sodann verbreitete sich unser Redner über die Ziele der Evan— gelischen Volksgemeinschaft. Die Anwesenden nahmen auch die— sen Vortrag mit großem Beifall auf. Wie nachträglich bekannt geworden ist, hat der Vorrtag des Herrn Dr. Moegenburg einen derart nachhaltigen Eindruck gemacht, daß weitere Vorträge von der Evangelischen Volksgemeinschaft gewünscht werden. Deshalb soll demnächst in Frankfurt-West(Bockenheim( wieder mal eine öffentliche Versammlung stattfinden. Horchheim b. Worms. Am 19. v. Mts., abends 49 Uhr, fand im Klingerschen Saale dahier auf Einladung des Herrn Pfarrer Horst die 1. Versammlung der Evangelischen Volks⸗ gemeinschaft statt. Durch Vermittlung der Ortsgruppe Worms war für diesen Abend Herr Pfarrer Veller von Bretzenheim gewonnen, der über Zweck und Ziel und insbesondere über die Notwendigkeit unserer evangelischen Partei sprach. Seine kla— ren Ausführungen fanden überall großen Beifall, was auch die anschließende rege Aussprache bewies. Verschiedene Anfragen, die von den Anwesenden gestellt wurden, wurden durch Herrn Pfarrer Veller, sowie auch durch Herrn Pfarrer Horst und Herrn Götz von Worms beantwortet. Letzterer forderte zum Schlusse nocheinmal die Anwesenden auf, ihr Interesse dadurch zu bekunden, daß sie ihren Beitritt zur Evangelischen Volks— gemeinschaft erklären, was auch durch etwa 25 Personen ge— schah und besteht nunmehr auch in Horchheim eine Ortsgruppe, die hoffentlich regen Anteil an unserer Sache nimmt und wei— ter wirkt, damit unsere Partei zu dem wird, was sie eigentlich in unserem evangelischen deutschen Vaterlande sein müßte. Diese Versammlung war erfreulicherweise sehr gut besucht, etwa 100 Personen mögen sich davon überzeugt haben, wie unbedingt nötig eine evangelische Partei ist. Mainz⸗Kostheim. Am 14. und 15. Mai fand dahier das Posaunenfest des Evangelisch-Rheinhessischen Posaunenbundes statt, an dem sich 14 Chöre mit ca. 250 Bläsern beteiligte. Der Begrüßungsabend am 14. verlief in anregender Weise. Zum Vortrag gelangten Massen- und Einzelchöre, erstere vom Bun— desdirigenten, Herrn Lipke-Mainz vortrefflich geleitet. Im Hinblick darauf, daß die Bläser keine Berufsmusiker sind, muß gesagt werden, daß Treffliches geleistet wurde. In der Frühe des Sonntags von 6½ Uhr ab spielten die einzelnen Chöre unsere prächtigen evangelischen Choräle an verschiedenen Plät⸗ zen unseres Stadtteiles. Im Festgottesdienst, welcher durch drei Massenchöre verschönert wurde, hielt Herr Oberkirchenrat Zentgraf-Mainz eine äußerst eindrucksvolle Predigt. An den Gottesdienst schloß sich eine„Totengedenkfeier“ auf dem Friedhof an, an der sämtliche Bläser in Massenchören mitwirk— ten. Gedächtnisansprache hielt der Ortsgeistliche, Herr Pfarrer Nahrgang. Um 2 Uhr nachmittags bewegte sich durch die auch von katholischer Seite festlich geschmückten Stra— zen ein Festzug, an dem die Gemeindevertretung, die evange— lische Jugend und sämtliche Bläser teilnahmen. In bekränzten Autos fuhren der Bundesvorstand, sowie die anwesenden Geist⸗ lichen mit dem Superintendenten der Provinz. Die um 4 Uhr in der„Harmonie“ stattfindende Nachfeier brachte insbesondere Vorträge der einzelnen Chöre, sowie eine eindrucksvolle An⸗ sprache des Herrn Oberkirchenrats Zentgraf. Die ganze Feier verlief in befriedigender Weise und wurde von Herrn Bundespräsidenten Helbig in gewohnter Weise geleitet. Wir hoffen, daß die Posaunenchöre zur Stärkung und Einigung unserer evangelischen Gemeinde gedient haben. Uebersichtl. Vereinsbuchführung durch Anwendung des Aniversal⸗Reichskassebuch Zu beg ieh een v o m Verlag Albin AMlein in Gießen. — 5 unterstützt uns. evang. Buchhandlung durch Bestellung v. Büchern u. Zeitschriften. 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