1 1 „J.. a niet“ r de C ale nN icht „dn, 5 Evangelische Warte —— D 1 organ der e 0 gan der Evangelischen Volksgemeinschaft e 1 1— N 7*—— n%% Sauptschriftleiter: Edwin Hamburger in Staden(Oberhessen).] Erscheint Sonnabends.— Bezugspreis 50 Pfennig monatlich.] Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg., Verantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger, für den Anterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz. Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. 5 Fernspr.: Nr. 1145 u. 1362 Abonnements⸗ und Anzeigen⸗Annahmestelle Druck und Verlag Albin Klein, Gießen, Südanlage 21 Postscheckk.: Nr. 44 332 Frkft./ M. am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen Vergünstigung. 3. Jahrgang. Wir laden hiermit ein zur fahlu ies Vg r bath 'och ge 905 Dr. jur. Moegenburg⸗Frankfurt a. M. Sonnabend, den 3. September 1927. 22.— 24. Oklober Mit evangelischem Gruß! Pfarrer Mosel⸗Rohrberg. Nummer 36 An unjere Mikglieder und Freunde! 8. Reichskngung der Evang. Volksgemeinschaft in Mainz 5 Diese Tagung muß eine gewaltige Kundgebung und starkes Bekenntnis zu unserer Bewegung werden. Es ist darum Ehrenpflicht für alle unsere Mitglieder und Freunde, an der Tagung teilzunehmen. Freiquartiere stehen in Mainz und Vororten zur Verfügung. Näheres später. Für den engeren Vorstand der Evangelischen Volksgemeinschaft: Reichsgeschäftsführer Weidner⸗Ober⸗Lais. allertragischste an diesen Naturkatastrophen ist die Tat⸗ 1 In sehr vielen Gegenden sind wiederum Aeber⸗ U schwemmungsschäden von ungeheurem Ausmaße einge⸗ alt treten, die besonders der landwirtschaftlichen Bevölke— l rung unübersehbaren Schaden zugefügt haben. Das sache, daß sie sich in fast regelmäßigen Zeitabschnitten in denselben Gegenden abspielen und so die Erhaltung der Betriebe aus eigenen Mitteln vollkommen ausschließen. Staat und Reich geben zur AUnterstützung für die Ge— schädigten in den Ueberschwemmungsgebieten jährlich verschiedene Millionen Mark aus, die selbstverständlich auch nicht annähernd ausreichen, um den tatsächlich ent⸗ standenen Schaden zu decken. Durch den Steuerausfall dieser Gebiete gehen der Volkswirtschaft weitere, in die Millionen gehende Summen verloren. Diese Verluste an Volksvermögen und die Tatsache, daß die fast regel⸗ mäßig Geschädigten trotz aller Unterstützung, die ja zu— sammengenommen, immer nur einen Bruchteil des ent— standenen Schadens deckt, aus eigenen Mitteln ihre Existenz nicht erhalten können, wirft mit Recht die Frage auf:„Besteht nicht die Möglichkeit, die Hoch⸗ wassergefahr auf ein Minimum zu beschränken?“ Technisch scheint uns das durch den Bau von Tal⸗ sperren, Kanälen, Verlegung von Flußläufen, Verstär⸗ kung der Sommerdeiche und vor allem durch die Regu⸗ lierung und Ausbaggerung der großen Flußläufe, mög⸗ lich zu sein; wie ja überhaupt die Ueberschwemmungs⸗ schäden zu einem großen Teil nur durch Vernachläs⸗ sigung der Flußläufe in den letzten 10 Jahren möglich geworden sind. 5 Gewiß darf nicht verkannt werden, daß die In⸗ standhaltung der Deiche und die Regulierung der Fluß⸗ läufe, ebenso wie die Bauten von Kanälen und Tal⸗ sperren, aus finanziellen Gründen unterblieben sind. Der Krieg und die Nachkriegszeit, bis über die Infla⸗ Gegen die Unzufriedenheit. Kolosser 1,12 und 13. Danksaget dem Vater, der uns tüchtig gemacht hat zu dem Erbteil der Heiligen im Licht; welcher uns errettet hat von der Obrig⸗ keit der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich seines lieben Sohnes. Die Anzufriedenheit ist eine große Plage der Menschheit. Sie ist es, die vieler Leben unfroh macht. Wo die Zufrieden⸗ heit sehlt, da fühlt man sich unglücklich. Wie gut ist der dran, der immer zufrieden ist. Was macht wohl so viele unzufrieden? Manche stellen sich das Leben leichter vor, als es ist. Es sind die Bequemen, die nicht gerne Mühe und Arbeit auf sich nehmen. Nun stellt aber das Leben seine harten Anforderungen an jeden. Da werden die bequemen Menschen unzufrieden. Wenn ihnen doch alles in den Schoß gelegt würde! Andere sehen wohlhabendere Leute, die in ihren Autos vorüberfahren. Daß sie auch ihre Arbeit und Mühe haben, das sieht man ihnen ja nicht an. Nur die schein⸗ bar schöne Seite des Lebens tritt den Fernstehenden vor Augen Sogleich schlägt der Neid seine Wurzeln in dem Menschenherzen. Ach, wenn du doch auch den ganzen Tag nichts anderes zu schaf⸗ sen brauchtest, als mit dem Auto herumzufahren! Wieder andere ehen in schwerer körperlicher Arbeit. Sie sehen einen Geistes⸗ rbeiter spazieren gehen. Da ihnen dessen nervenanstrengende Arbeit unbekannt ist, ahnen sie gar nicht, wie nötig für ihn es sst, am Tage wenigstens einmal die frische Luft, den Sonnen⸗ schein auf seine Lunge und seinen Körper wirken zu lassen. Sie ehen nur, was derselbe da in den wenigen Minuten tut. Sie wissen nicht, wie glücklich sie selbst daran sind, den ganzen Tag in frischer Luft bei guter Gesundheit tätig zu sein. Wieder st man unzufrieden. Ach wenn du doch auch so spazierengehen lönntest! Genau so ist es, wenn man die Verschiedenheit der der Warte und anderen Flüssen entstanden ist, zwingt 0 Besitzverhältnisse anschaut. Wie mancher hat sich schon gewünscht, tionszeit hinaus, haben in dieser Hinsicht die Ausfüh⸗ rung notwendiger Pläne aus Mangel an Mitteln in vielen Fällen vereitelt. Trotzdem oder gerade deswegen muß verlangt wer⸗ den, im Rahmen des Möglichen jetzt energisch Maß nahmen zu ergreifen, die der Regelmäßigkeit dieser Hochwasserkatastrophen ein Ende bereiten; denn der volkswirtschaftliche Schaden, der jährlich in den Ueber⸗ schwemmungsgebieten der Spree, der Elbe, der Oder, seiner ungeheuren Höhe wegen zu schnell wirksamen Schutzmaßnahmen. Die Aufrechterhaltung der geschä— digten Betriebe in diesen Gegenden von einem Jahr zum andern, ist ist nur mit öffentlicher Unterstützung möglich. Ein Zustand also, der dem Staat regelmäßig Ausgaben verursacht, dem Geschädigten aber in jeder Beziehung als abänderungsbedürftig erscheint. Was nun die Kostenfrage für Neubauten anlangt, so muß berücksichtigt werden, daß Talsperren und Ka⸗ näle nicht nur als Hochwasserschutz, sondern zum Zweck der Kräfteausnutzung der Wasserläufe, zur Hebung der Binnenschiffahrt und vielleicht auch zur Regelung des Grundwasserstandes dienen können, und in so weit als werbendes Kapital anzusehen sind. Die vorhandenen Schwierigkeiten sind aber keineswegs einzig und allein finanzieller Natur, sondern sind zu einem wesentlichen Teil in der nicht einheitlichen Verwaltung der Wasser— straßen zu suchen. Bis vor einiger Zeit wurden die Wasserstraßen fast ausschließlich von den Ländern ver⸗ waltet, so daß nicht selten an einem zu normalen Zei⸗ ten unbedeutenden Flußlaufe 4, 5 und mehr Staaten interessiert waren. Daß unter solchen Umständen eine gedeihliche Verwaltung der Wasserstraßen undenkbar ist, braucht nicht besonders betont zu werden. Aus diesem Grunde hat sich wohl das Reich gezwungen gesehen, den reich zu sein. Daß Reichtum auch eine schwere Sorgenlast mit sich schleppt, daran denken sie mit ihrem kurzen Verstande nicht. Unzufriedenheit macht ihr Leben so unfroh! Im„Liede von der Glocke“ schildert Friedrich von Schiller einen Brand. Alles hat der Betroffene verloren. Seine Ernte, sein Haus, alles ist ein Opfer des furchtbaren Elementes gewor— den. Nur ein süßer Trost ist ihm geblieben. Seine Familien⸗ angehörige sind alle gerettet. Froh greift er zum Wanderstabe. Mit seiner Frau und seinen Kindern sucht er sich eine neue Heim⸗ und Arbeitsstätte. Dieser Mann hat den Weg zur Zufriedenheit gefunden. Wir müssen ja alle manches, was uns an irdischem Gute wertvoll ist, aufgeben und entbehren. Blicken wir in sol⸗ chen Stunden der Entbehrung auf das, was wir noch haben, dann können wir noch genug Gott danken. Darin besteht dem—⸗ nach des Rezept zur Zufriedenheit. Wir wollen uns immer fragen, wofür wir Gott zu danken haben. Dann finden wir so viel, daß wir ganz zufrieden sind. Auch wenn wir alles verlieren sollten, dann haben wir noch unverlierbaren Besitz genug. Paulus fordert die Kolosser auf, Gott zu danken dafür, daß er sie tüchtig gemacht zum Erbteil der Heiligen im Licht. Uns hat Gott den Glauben gegeben. Wie viele Heiden müssen in Furcht vor allerlei heidnischen Dämonen und Geistern leben. Wir sind aufgewachsen in schristlichen Häu⸗ sern. Ans haben treue Mütter beten gelehrt zu einem Vater⸗ gott, der uns schützt, leitet und schließlich in sein Reich aufnimmt. Das kann uns keine Feuersnot, kein Krieg, kein Hungerelend wegnehmen. Wie sehr können wir dafür unserem Gott im Him⸗ mel danken! Es ist nicht unser Verdienst, es ist eine Gnadengabe unseres lieben Vaters im Himmel. Wie zufrieden dürfen wir sein, wenn wir dafür danken. Schon hier auf Erden können wir zum Reiche seines lieben Sohnes gehören. Mögen wir oft Grund haben, die Erde als ein Jammertal zu bezeichnen. Mögen wir Hunger, Elend, Ar⸗ 1 Schutz gegen Hochwasserschaden tut not! Staatsgerichtshof zur Klärung von Streitfragen anzu⸗ rufen, der in einer Sitzung vom 12. Dezember 1925 fol⸗ genden Beschluß gefaßt hat: „Das Reich ist berechtigt, aber nicht verpflichtet, die ihm durch Artikel 97 der Reichsverfassung über⸗ tragene Aufgabe der Reichswasserstraßenverwal⸗ tung durch selbst geschaffene Behörden durchzu— führen.“ Hoffentlich gelingt es dem Reich, in Durchführung dieses Beschlusses an Stelle von mehr als 50 den Län⸗ dern unterstehenden Mittelbehörden eine kleine Anzahl Reichsbehörden zu setzen und die Verwaltung der Was— serstraßen damit zu vereinfachen. Aber auch schon vor Durchführung der Vereinfachung des Verwaltungs⸗ apparates müssen besonders seitens Preußens, das von 9400 Kilometern wichtigen Strömen und Kanälen 77 Prozent verwaltet, entsprechende Vorarbeiten unter⸗ nommen werden. Die Finanzierung derartiger groß⸗ zügiger Unternehmungen ist natürlich, wie schon ge⸗ sagt, an sich schwierig. Sie ist aber unmöglich, solange die Frage der Zuständigkeit noch immer Gegenstand lebhafter Auseinandersetzungen zwischen den einzelnen Regierungen ist. Hinzu kommt die Tatsache, daß zux Zeit trotz des erfreulichen Rückganges des Arbeitslosenheeres, noch immer 674000 unterstützte Arbeitslose vorhanden sind, die zu einem nicht unwesentlichen Teil angesetzt werden könnten. Unter Berücksichtigung dieser, trotz der Besse⸗ rung des Arbeitsmarktes der letzten Zeit, immer noch überaus traurigen Arbeitsverhältnisse, erscheint uns die Frage der Beschaffung einer Arbeitsmöglichkeit für diese brachliegenden Arbeitskräfte mehr als berechtigt. Die Höhe der im letzten Jahr zur Unterstützung der Arbeitslosen verausgabten Gelder ist außerordentlich hoch. Einschließlich Steuerausfalles und anderer mut, Krankheit, Leid um Vater, Mutter, Mann oder Frau oder ein liebes Kind haben, das alles kann uns nicht unser Bürger⸗ recht im Reiche des Heilandes rauben. Wir tappen nicht in der Finsternis herum, wir wandeln im Lichte unseres Herrn. Das ist doch das allergrößte Geschenk, das Gott uns gegeben hat. Paulus fordert seine Kolosser zur Danksagung auf. Diese Auf⸗ forderung gilt auch uns. Wie sehr müssen auch wir unserem Gott danken! Nichts macht uns zufriedener als die Dankbarkeit! Wenn in einem Hause Unfrieden herrscht zwischen Mann und Frau, dann pflegen diese Ehegatten immer nur auf das zu sehen, was ihnen an einander mißfällt. Wie viel Gutes haben sie schon einander getan. Wie vieles hat jedes von ihnen, woran der an⸗ dere seine Freude haben könnte. Aber leider nörgeln die Men— schen viel lieber an einander herum, suchen immer das auf, wo⸗ mit sie mit dem anderen unzufrieden sein können. Wundern wir uns da noch, daß diese Leute ein unfrohes Leben haben? Wie glücklicher wären sie doch mit einander, wenn jeder sich öfter fragte:„Wofür muß ich meinem Mann oder meiner Frau danken?“ Wie würde ein solcher Dank anspornen zu neuen Liebestaten. Wie verderben sich die Menschen doch selbst ihr Leben! Am meisten haben wir aber immer unserem Herrn zu danken. Er gibt uns die größten Liebesgaben Durch das Geschenk der christlichen Erziehung im Geiste des Evangeliums hat er uns der Gewalt des Bösen entzogen und uns unter den Einfluß der him⸗ melischen Mächte gestellt. Danksaget dem Vater! Nicht wir haben dich erwählet, Du selbst hast uns're Zahl gezählet Nach deinem ew'gen Gnadenrat. Uns're Kraft ist schwach und nichtig, Und keiner ist zum Werke tüchtig, Der nicht von dir die Stärke hat. Amen. Hr. E 4 1 — — .— Sonnabend, den 3. September 1927. „Evangelische Warte“ wirtschaftlicher Schäden ist mit einer Gesamtsumme zu rechnen, die wirklich ausreichen würde, um ein großes Stück Arbeit zum Schutze gegen Ueberschwemmungen zu leisten. Dieses Programm ist daher unter allen Umständen der größten Bevorzugung durch die tüchtig⸗ sten Wirtschaftsführer wert. Die deutsche Landwirt⸗ schaft hat jedenfalls das Recht, eine tatkräftige Behand— lung des Hochwasserschutzes zu verlangen und die Pflicht, darauf bedacht zu sein, daß die Behandlung dieser An— gelegenheit zu praktischen Ergebnissen führt, und nicht etwa durch„wohlwollende Erwägungen“ der in Frage kommenden Behörden in den Akten ein unrühmliches Ende finden, womit nicht nur die deutsche Landwirt⸗ schaft, sondern die gesamte deutsche Wirtschaft in einer geradezu ungeheuerlichen Weise geschädigt würde. Nicht Notstandsarbeiten, die beinahe zum geflügelten Wort geworden sind und unter deren Firma alles mögliche und unmögliche unternommen wird, sondern der denk— bar größte Schutz gegen Naturgewalten ist das, was unbedingt verlangt werden muß. Nathwort zur Verfassungsfeier. Der Schriftleiter des in Korntal-Stuttgart er⸗ scheinenden Wochenblattes„Christl. Volksdienst“, W. Simpfendörfer, widmet der Verfas— sungsfeier ein beherzigenswertes Nachwort. Er schreibt: „Die Verfassungsfeiern liegen hinter uns, der Streit um diese Feiern wird weiter gehen. Wie lange noch? Wir sind der Meinung, daß man erst das wahr⸗ haft Gute der Weimarer Verfassung zur Auswirkung bringen sollte, dann würde sich die Lust zur Verfas— sungsfeier ganz von selbst einstellen. Man hat immer wieder den Eindruck, die Verfassung habe nur zwei Ar⸗ tikel, nämlich 1.:„Das Deutsche Reich ist eine Republik“ und Artikel 3: Die Reichsfarben sind Schwarz⸗Rot⸗ Gold“. Im Kampfe um diese Artikel werden im⸗ mer wieder die besten politischen Kräfte verpufft. Wir kennen aber noch viel wichtigere Artikel der Ver— fassung und weil wir wissen, daß sich auch unsere Freunde gerne für die Durchsetzung dieser Arbeit einsetzen wer— den, bringen wir als Nachtrag zur Verfassungsfeier im Wortlaut: Artikel 119: Die Ehe steht als Grundlage des Fami— lienlebens und der Erhaltung und Vermehrung der Nation unter dem besonderen Schutze der Ver⸗ fassung. Sie beruht auf der Gleichberechtigung der beiden Geschlechter. Die Reinerhaltung, Gesundung und soziale Förderung der Familie ist Aufgabe des Staates und der Gemeinden. Kinderreiche Familien haben Anspruch auf ausgleichende Fürsorge. Die Mutterschaft hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge des Staates. Artikel 120. Die Erziehung des Nachwuchses zur leib⸗ lichen, seelischen und gesellschaftlichen Tüchtigkeit ist oberste Pflicht und natürliches Recht der Eltern, über deren Betätigung die staatliche Gemeinschaft wacht. Artikel 151. Die Ordnung des Wirtschaftslebens muß den Grundsätzen der Gerechtigkeit mit dem Ziele der Gewährleistung eines menschenwürdigen Da⸗ seins für alle entsprechen. In diesen Grenzen ist die wirtschaftliche Freiheit des Einzelnen zu sichern. Artikel 152. Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich Dienst sein für das gemeine Beste. Artikel 155. Die Verteilung und Nutzung des Bodens wird von Staats wegen in einer Weise überwacht, die Mißbrauch verhütet und dem Ziel zustrebt, jedem Deutschen eine gesunde Wohnung und allen deutschen Familien, besonders den kinderreichen, eine ihren Bedürfnissen entsprechende Wohn- und Wirtschaftsheimstätte zu sichern. Artikel 163. Jeder Deutsche hat, unbeschadet seiner persönlichen Freiheit, die sittliche Pflicht, seine geistigen und körperlichen Kräfte so zu betätigen, wie es das Wohl der Gesamtheit erfordert. Jedem Deutschen soll die Möglichkeit gegeben werden, durch wirtschaftliche Arbeit seinen Unter⸗ halt zu erwerben. Soweit ihm angemessene Ar⸗ beitsgelegenheit nicht nachgewiesen werden kann, wird für seinen notwendigen Unterhalt gesorgt Das Nähere wird durch besondere Reichsgesetze bestimmt. Viola Tritolor. Von Theodor Storm. 4. Fortsetzung. Die Zeit ging weiter, aber die dunklen Gewalten waren noch nicht besiegt. Nur mit Widerstreben fügte Ides die noch aus Nesis Wiegenzeit vorhandenen Dinge der kleinen Ausxrüstung ein, und manche Träne fiel in die kleinen Mützen und Jäckchen, an welchen sie jetzt stumm und eifrig nähte. — Auch Nesi war es nicht entgangen, daß etwas Unge— wöhnliches sich vorbereite. Im Oberhause, nach dem großen Gar⸗ ten hinaus, stand plötzlich eine Stube fest verschlossen, in der sonst ihre Spielsachen aufbewahrt gewesen waren; sie hatte durchs Schlüsselloch hineingeguckt; eine Dämmerung, eine feier⸗ liche Stille schien darin zu walten. Und als sie ihre Puppen⸗ küche, die man auf den Korridor hinausgesetzt hatte, mit Hilfe der alten Anne auf den Hausboden trug, suchte sie dort ver⸗ gebens nach der Wiege mit dem grünen Taffetschirme, welche so lange sie denken konnte, hier unter dem schrägen Dachfenster gestanden hatte. Neugierig spähte sie in alle Winkel. „Was gehst du herum wie ein Kontrolleur?“ sagte die Alte. —„Ja. Anne, wo ist aber meine Wiege geblieben?“ Die Alte blickte sie mit schlauem Lächeln an.„Was meinst,“ sagte sie,„wenn dir der Storch noch so ein Brüderchen brächte?“ Nesi sah betroffen auf; aber sie fühlte sich durch diese An— Artikel 164. wirtschaft, Gewerbe und Handel ist Ueberlastung und Aufsaugung zu schützen. Artikel 165. Die Arbeiter und Angestellten dazu berufen, gleichberechtigt in Gemeinschaft mit den Unternehmern an der Regelung der Lohn- und Arbeitsbedingungen, sowie an der gesamten wirtschaftl. Entwicklung der produktiven Kräfte Die beiderseitigen Organisationen mitzuwirken. und ihre Vereinbarungen werden anerkannt. Wir geben den Rat, diese Verfassungsbestimmungen mit rücksichtsloser Energie durchzuführen, dann wird der Streit um die Verfassungsfeier hinfällig werden, weil das Volk dann aus innerstem Antrieb seine fassung ehren und feiern wird.“ Aus dem Frankfurter Stadtparlament. Bericht über die Verhandlungen der Stadtverordneten⸗ Versamlung der Stadt Frankfurt a. M. für das Jahr 1926. (Nach stenographischer Aufnahme.) Aus demselben ersehen wir, legenheiten unser Stadtverordneter Küm per Sinne unserer EV. Stellung genommen hat und welche Anträge gestellt worden sind. Anträge: Arbeitszeit der im städtischen Verkehrsdienst stehen— den Arbeiter, Angestellten und Beamten. Gewährung der Bezüge der Gruppe 7 an alle im Jahre 1920 zehn Jahre im städtischen Dienst stehenden Büro⸗ und Kassenbeamten. Zuweisung eines anderen Wirkungskreises an die Hortleiterin im Kinderhort Nr. 17. Lohnerhöhung für die Putzfrauen in den Kinder- horten. 8 Nebenverdienst von städtischen Arbeitnehmern, so⸗ wie Beschäftigung von Heilgehilfen bei der Allgemei⸗ nen Ortskrankenkasse. 5 Rödelheimer Friedhof. Gewährung freier Straßenbahn-Benutzung an die Feuerwehrleute im Dienstanzug. Umrangieren der elektrischen Straßenbahn Rödelheimer Bahnhof. Durchbruch der Winter⸗ und Rat⸗Hoffmannstraße. Mitwirkung der Betriebsvertretung der Arb zentrale für Erwerbsbeschränkte bei Arbeiterangelegen— heit.* Einsetzung eines Untersuchungs-Ausschusses für die Unterschlagungen im Falle„Dresde“ beim Jugend⸗ Amt, sowie Handhabung der Gewährung der Weih⸗ nachtsbeihilfe an Erwerbslose. Leiterin der weiblichen Abteilung des Arbeits—⸗ Amtes. 2 Schaffung eines Arbeitsnachweis⸗Gesetzes. Verhältnisse bei der Arbeitszentrale für Erwerbs⸗ beschränkte. 8 Gewährung einer Beihilfe an den Touristenver⸗ ein.* Ausbau der Bismarck-Allee nach Rödelheim. Grundstücks⸗Austausch mit meinde für Friedhofszwecke. der israelischen Stellenvermittlung für Angestellte. Der selbständige Mittelstand in Land⸗ in Gesetz⸗ gebung und Verwaltung zu fördern und gegen zu welchen Ange⸗ Auf der Warte. f zeigt plötzlich die letzte Woche überall starke Bewegun sind In China ist es, wie wir voraussahen, den Nordtruppe geglückt, die südchinesische Uneinigkeit auszunutzen un den Jangtse zu überschreiten, dadurch Nanking i Rücken bedrohend. Die Sacco⸗Vanzetti⸗Affäre beweg immer noch die Länder. führt. In Bosten kam es schon zu starken Kundgebun⸗ gen, in Newyork befürchtet man mehr. Leider hat der Tod der beiden durch Attentate, Kundgebungen usw. wieder eine ganze Reihe Opfer gefordert, so auch in Deutschland, wo in Hamburg ein unbeteiligter Polizei⸗ offizier sein Leben lassen mußte. Aus Frankreich reisen beunruhigte Amerikaner schleunigst ab. Fast in allen europäischen Ländern bedürfen die amerikanischen Bot⸗ schaften und Konsulate starken Schutzes.— In Aegyp⸗ ten starb einer der glühendsten Verteidiger der Eigen— rechte Aegyptens, Zaglul Pascha. Ver⸗ schung seines Landes anerkennen wollte, der die Eng⸗ länder als Räuber hinstellte. Er hatte sehr darunter im zu leiden, wurde deportiert, begnadigt, riß sofort immer wieder alle Gewalt an sich, wurde Ministerpräsident, Englands war, dem aber selbst die Engländer ihre Be— die Minderheitenkonferenz, die auch jetzt wieder kaum ersprießliche Arbeit geleistet hat, ja sogar mit einem Mißklang endete. Die fremden Minderheiten in Deutschland traten aus einer nichtigen Ursache aus dem Kongreß aus.— Eine Pressekonferenz zeitigte bessere Erfolge, die aber nicht von größerer internationaler Bedeutung sind. In Paris trat die interparlamen⸗ tarische Friedensunion zusammen mit Vertretern aus nahezu allen europäischen Ländern. Die Parlamen⸗ tarier wollen sich untereinander verständigen. Aber mit welchem Erfolge? Die Gegensätze zwischen den ab⸗ gerüsteten, den Friedensvertrag von Versailles befol⸗ genden Deutschen und kriegslüsternen, Frankreich bis zu den Frauen und Kindern mobilisierenden, franzosi⸗ schen Kriegs- und Sanktionshetzern treten immer wie⸗ der hervor. Die Siegerstaaten pfeifen auf die ver⸗ daß nun Lord Cecil, einer der bekanntesten Minister Englands, das Kabinett verließ. Er traut dem Völker⸗ bund nichts mehr zu. Der englische Ministerpräsident Baldwin suchte durch einen Brief den schlechten Ein⸗ druck zu verwischen, was ihm aber nicht gelang. Im Gegenteil steht die Mehrzahl der Presse anscheinend auf Cecils Seite. Anfang an England im Völkerbund England vertrat, bei der kommenden Ratstagung keine offizielle Rolle spielen. Nach seiner Aussage will er außerhalb des Kabinetts dem Abrüstungsgedanken besser dienen kön nen.— So langsam scheint nun wegen der Besatzung verminderung im Rheinland zwischen England und de am eits⸗ muß man an dieser Zahl schärfste Kritik üben. chen des Stresemannschen Silberstreifens. gleich wieder in Genf bei der kommenden Ratstagung gegen uns ausspielt!— Wieder haben zwei Flieger von Amerika aus den Ozean überquert. Sie fahren den Stolz von Detroit“ und wollen die Welt umfliegen. In gutem Flug starteten sie über London, München nach Konstantinopel.— Ein tollkühnes Stückchen hat sich der in Frankreich festsitzende Levine erlaubt, der mit dem Flugzeug seinem Mitflieger Drouhine kurzerhand durchging und ohne einen Fliegerschein zu besitzen noch die Fähigkeiten besaß, nach London fuhr, da er seinem Ge⸗ Nach Wochen ruhigen Dahingleitens der Politik die Länder. Die Asche der beiden Ver⸗ brannten wird in feierlichem Zuge nach Italien über 5 5 Er war einer der Patrioten, der nie das Recht Englands zur Beherr⸗ mußte demissionieren, wurde Präsident der Volksver⸗ 5 tretung nach einem überwältigenden Wahlsieg und hat nun sein Leben beschlossen als einer, der stets der Feind“ wunderung nicht versagen können.— In Genf tagte sprochene Abrüstung.— Dies war auch der Hauptgrund, So wird dieses Mal der Lord, der von halsstarrigen Frankreich ein Uebereinkommen erzielt worden zu sein. Man spricht von 10 000. Mit 701 Eusam as uns da geboten wird, ist wieder einmal nur ein Ränd⸗ tt Lal Und wer Fachol weiß, ob man dieses geringe Entgegenkommen nicht 00 1 . uuf 1 1 0 ce, Isa parte 55 hän N Fastol senfli rilgef nie“ 0 unden amal uibat Et itten hte gewno fucht! le Ge ftige anzgr. Aidteil genhe uten de B ihnets rn. beten, dende ertrac ut 6 t fo gung ut die uch kor mische An Fungel fille E 0 Te Käte. Kirche, che, etthode Enheitf alten ersam lersch 9 auß git den u Tag sbenst, d Uhend! bei scied eister. senzt. 1 lein?— würd's dich freuen, Neschen?“ Nesi stand vor der Alten, die sich auf einen Reisekoffer nie⸗ dergelassen hatte; ein Lächeln verklärte ihr ernstes Gesichtchen, dann aber schien sie nachzusinnen. „Nun, Neschen,“ forschte wieder die Alte. freuen, Neschen?“ „Ja, Anne,“ sagte sie endlich,„ich möchte wohl eine kleine „Würd's dich Schwester haben, und Vater würde sich gewiß auch freuen; aber..“ „Nun, Neschen! was hast du noch zu abern?“ Jubiläumsgabe an die Aniversiät Marburg. Kompagnon nicht mehr traute und sich mit n den 2 7 Haaren lag. Amerika hat eine neue Sensation!— 3 Zum Nachdenken: Hessen, in Groß-Gerau, hatte der hessische Staatspräse 5 Der Voretat 1927 schloß im Ordinarium einschl.] dent einen leichten Autounfall, der ohne nennenswerten der Betriebe in Einnahme und Ausgabe mit je Schaden verlief.* 167 310 800 Reichsmark ab. 1. N TFEEPFPFPFÄͤ˖ͤͥ EXE ˙ A 8 e ee. 2 K 1 rede in ihrer elffährigen Würde gekränkt.„Der Storch?“ sagte„Aber,“ wiederholte Nesi und hielt dann wieder einen Au⸗— sie verächtlich. genblick wie grübelnd inne;—„das Kind würde ja dann doch* 5 „Nun freilich, Nesi.“ keine Mutter haben!“ en hal —„Du mußt nicht so was zu mir sprechen, Anne. Das glau⸗„Was?“ rief die Alte ganz erschrocken und strebte mühsam. 0 ben die kleinen Kinder; aber ich weiß wohl, daß es dummes von ihrem Koffer auf;„das Kind keine Mutter? Du bist mit in ige Zeug ist“ zu gelehrt, Nesi; komm, laß uns hinabgehen!— Hörst du? Da ir sc „So? 1 es besser weißt, Mamsell Naseweis, woher schlägt's zwei! Nun mach, daß du in die Schule kommt!“ imme kommen denn die Kinderchen, wenn nicht der Storch sie bringt, g Uli 1 5„ vi der es doch schon die Tausende von Jahren her besorgt hat?“ die i ee eee Ban me .„Sie kommen vom lieben Gott,“ sagte Nesi pathetisch.„Sie„Wenn ichs nicht überlebte,“ dachte Ines,„ob er auch ds 1 0* 8 5 meiner dann gedenken würde?“ 5 her 120 „Bewahr' uns, in Gnaden!“ rief die Alte.„Was doch die 3 5 5 f n. Guckindiewelte heuzutage klug sind! Aber du hast recht, Nesi;. Mit scheuen Augen ging sie an der Tür des Zimmers vor⸗ an wenn du's gewiß weißt, daß der liebe Gott den Storch vom über, welches e fie And ihr künftiges Geschir— in se Amte gesetzt hat— ich glaub's selber, er wird es schon allein tete leise trat sie auf, als sei drinnen etwas, was sie zu wecken den; besorgen können.— Nun aber— wenn's denn so auf einmal da e 5 3 ef wär', das Brüderchen— oder wolltest du lieber ein Schwester⸗ Und endlich war dem Hause ein Kind, ein zweites Töch⸗ ind terchen geboren. Von außen pochten die lichtgrünen Zweige den g an die Fenster; aber drinnen in dem Zimmer lag die junge Mutter bleich und entstellt; das warme Sonnenbraun der Wan⸗ gen war verschwunden; aber in ihren Augen brannte ein Feuet, Et 00 das den Leib verzehrte. Rudolf saß an dem Bett und hielt ihre del her schmale Hand in der seinen. Fön Jetzt wandte sie mühsam den Kopf nach der Wiege, die un: hreten ter der Hut der alten Anne an der andern Seite des Zimmers Glase stand.„Rudolf,“ sagte sie matt;„ich habe noch eine Bitte!“ la t Die Laufanner Weltkonferenz. Balz, Vortrag von Herrn Pastor Mosel-⸗Rohrberg.) Am Sonntag, den 21. August ds. Is. sprach in Frankfurt a. M. in einer Versammlung der Evangeli— schen Volksgemeinschaft Herr Pastor Mosel über die Lausanner Tagung. Der Reichsgeschäftsführer, Herr Pfarrer Weidner, und der 1. Vorsitzende, Herr Dr. Moegenburg, begrüßten ihn aufs herzlichste als treuen Anhänger und Wegbereiter unserer Sache in Nord— deutschland. d Im Anfange seines Vortrages dankte zunächst Herr Pastor Mosel für die Worte und erwähnte, daß es ihn ih herzlich freue, unter den Freunden einen Abend ver— bringen zu können. Er habe vor Jahren in vorderster Linie einer ähnlichen Bewegung in der Uckermarck ge— standen, doch hätten die Verhältnisse in seiner Heimat damals keine Fortschritte zugelassen. Vom hessischen Aufbau verspreche er sich die deutsche Bewegung. ge Er wies darauf hin, daß es schwer für ihn sei, jetzt er de in diesem Augenblicke, wo er gerade von der Lausan— er Tagung als deutscher Teilnehmer komme und noch eng zicht die richtige Distanz habe, über das Verlaufene zu berichten. Trotzdem wolle er versuchen, einen kurzen Ueberblick zu geben. Zunächst müsse man betonen, daß ie Lausanner Tagung keine Fortsetzung von Stockholm ei, sondern, daß sie gesondert gehe und schon älter sei. die„Konferenz für Glauben und Verfassung der Kirche Christi“ trat erstmalig in Genf im Jahre 1920 zusam⸗ en. Zahlreiche Klagen, besonders der Missionare, hatten dazu geführt, eine Einigung der Kirchen herbei— zuführen, weshalb sich unter dem Bischof von West— NRewyork ein Ausschuß gebildet habe, dessen Arbeits- srucht die jetzige Lausanner Tagung gewesen sei. Schon die Genfer Konferenz war nur möglich durch die tat— räftige finanzielle Unterstützung amerikanischer Fi— sanzgrößen. 150 Christen aus allen Nationen und Erdteilen hatten sich 1920 versammelt, welche die Ge— egenheit des Einigungswillens nach dem Kriege be— lutzen wollten, der Zerrissenheit ein Ende zu machen. Die Basis des christlichen Glaubens scheint ja am ge— eignetsten dazu den völkerbindenden Gedanken zu för— ern. Die deutschen Kirchen waren damals nicht ver— teten, da sie sich auf den Standpunkt stellten, die ein⸗ adenden Kirchen hätten einmal gegen den Versailler Vertrag protestieren müssen. So kam es, daß inoffiziell fur 6 deutsche Vertreter teilnahmen. Damals wurde der Fortsetzungsausschuß gewählt, der die Lausanner N agung vorbereitete. Alle Kirchen waren vertreten, zur die römisch⸗katholische nicht, weder 1920 noch 1927; och konnte man unter den Galeriegästen eine Anzahl misch⸗katholischer Geistlicher beobachten. Am 31. Juli, 1. und 2. August fanden Ausschuß⸗ zungen statt. Am 2. August mittags erfolgte die offi⸗ elle Eröffnung der Konferenz, zu der sich dieses Mal 0 Teilnehmer eingefunden hatten, dazu zahlreiche isident sver ind ha Fei hre By f tagh, r kaun einen ten i us den bessen, ionalgg lamen, g. J. end aul dertta e Noll hbäste. Am stärksten vertreten war die anglikanische iche, dann kamen die Vertreter der protestantischen alb de 15 die dritte Hauptgruppe nahmen die Griechisch⸗ ien l orthodoxen ein. Amerika, bei dem der Wunsch nach kinheit am stärksten infolge Zerrissenheit in zahlreiche Fekten ist, hatte bedeutende Delegierte entsandt. Das bersammlungslokal war die Aniversität der Stadt Jausanne, gleichzeitig des Kantons Waadt. Ein Haupt⸗ unterschied, der äußerlich auffiel, war die Schlichtheit n Ränder Lausanner Konferenz gegenüber dem Prunk der ad we ktockholmer Tagung. Während sich Stockholm mehr n nichl nit äußeren Dingen befaßte, beschäftigte sich Lausanne Stagußh 1 den inneren, dogmatischen Fragen. Als Höhepunkt Fliege er Tagung bezeichnete der Vortragende den Gottes⸗ galt senst, der die Einleitung zur Konferenz bildete. Er⸗ ebend seien die gemeinsamen Lieder und Gebete gewe— in, bei denen man gemerkt habe, wie trotz Sprachen⸗ ierschiedenheit alle eins waren in ihrem Herrn und Neister. Die Themen der Konferenz waren genau um— grenzt: 5 1. Das Evangelium als die Botschaft Gottes an die ze Welt. 2. Das Glaubensbekenntnis. 3. Vom Amt der Kirche. 4. Die Sakramente. 5. Die Vielheit der Kirche gegenübergestellt der Einheit. In der ersten Hälfte der Konferenz sprachen immer atzung⸗ ind deß erziel it Reh Mig — Noch eine, Ines? Ich werde noch viel von dir zu bolten haben.“ 0 1 Sie sah ihn traurig an; nur eine Sekunde lang; dann flog hh ür Auge hastig wieder nach der Wiege.„Du weißt,“ sagte sie, t immer schwerer atmend,„es gibt kein Bild von mir! Du woll⸗ let immer, es solle nur von einem guten Meister gemalt werden —— wir können nicht mehr warten auf die Meisterhand.— könntest einen Photographen kommen lassen, Rudolf; es ist en wenig umständlich; aber— mein Kind, es wird mich nicht ö sahr kennen lernen; es muß doch wissen, wie die Mutter aus⸗ ehen.“ f „Warte noch ein wenig!“ sagte er und suchte einen mutigen Tin in seine Stimme zu legen.„Es würde dich jetzt zu sehr knegen; warte, bis deine Wangen wieder voller werden!“ Sie strich mit beiden Händen über ihr schwarzes Haar, da⸗ eng und glänzend auf dem Deckbett lag, indem sie einen fast 1 ben Blick im Zimmer umherwarf. 55 8 inen Spiegel!“ sagte sie, indem sie sich völlig in den Kis⸗ en aufrichtete.„Bringt mir einen Spiegel!“ Er wollte wehren; aber schon hatte die Alte einen Hand⸗ pegel herbeigeholt und auf das Bett gelegt. Die Kranke er⸗ 15 ihn hastig; aber als sie hineinblickte, malte sich ein heftiges Eshrecken in ihren Zügen; sie nahm ein Tuch und wischte an den Glase; doch es wurde nicht anders; nur immer fremder kürtte das kranke Leidensantlitz ihr entgegen. „Wer ist das?“ schrie sie plötzlich.„Das bin nicht ich!— Wichtige Mitteilungen der Neichsgeschäftsstelle. ge Milteilungen der Neichsgeschäftsstelle. 0 Wie bereits bekannt ist, findet die 3. Reichstagung vom 22. bis 24. Oktober in Mainz statt. Wir er⸗ bitten Anmeldungen an Herrn C. Wolf in Mainz, Nichard Wagnerstraße 3, insbesondere von den Teilneh⸗ mern, die ein Freiquartier wünschen. Anträge für die Reichstagung sind auf Grund des 8 9 unserer Satzungen spätestens einen Monat vor der Tagung(mit kurzer Begründung) bei uns einzureichen. nisation und jedes Einzelmitglied der EW. berechtigt. Zur Stellung von Anträgen ist jede Orga⸗ 5 Sowohl die Mainzer Reichstagung als auch unsere Werbearbeit für die hessische Landtagswahl kosten viel Geld. Es ist darum unbedingt nötig, daß die noch rückständigen Beiträge für 1927 sofort— spätestens am 20. September— auf unser Konto Nr. 593 bei der Bezirkssparkasse Nidda(Postscheckkonto 8907 Frank⸗ furt a. M.) überwiesen werden. Diese Mahnung gilt ganz besonders den Ortsgruppen, die für 1927 noch leine Beiträge eingesandt haben. Unsere Arbeit ist doch nur möglich, wenn uns unsere Mitglieder nach Kräf⸗ en ten unterstützen. über jedes Thema zwei Redner je eine halbe Stunde, vier Redner konnten ihre Ansicht dazu eine Viertel— stunde lang darlegen. Hierbei bekamen alle Konfessio— nen schon Gelegenheit, sich zu äußern. Nach der ersten Hälfte wurde die Konferenz in drei Gruppen zu je ca— 150 Teilnehmern geteilt, diese bildeten wieder fünf Untersektionen, um nach und nach ihre Beschlüsse der Konferenz vorzutragen. Worin besteht nun das Er— gebnis der Konferenz? Es wurden eine Reihe von Entschließungen angenommen, in denen zunächst das Gemeinsame festgelegt wurde, dann das bis jetzt Unter⸗ scheidende. Man kann das Ergebnis als gut bezeichnen, wenn auch noch manche Schwierigkeiten aus dem Wege zu räumen sind, die beinahe unüberwindlich scheinen. Es wurde wiederum ein Fortsetzungsausschuß gewählt. Auf die dogmatischen Fragen konnte der Redner leider nicht weiter eingehen, da sie größerer Vorbereitung und eingehenderer Kenntnisse bedurft hätten. Obwohl die deutsche Kirche immer noch nicht vertreten war als offi— zieller Teilnehmer, waren doch 40 Deutsche auf beson— dere Einladung dem Rufe gefolgt und hatten an der Konferenz teilgenommen. Der Redner dankte nach einstündigem Vortrage dann noch einmal für die Aufmerksamkeit seiner Zu— hörer. Reicher Beifall belohnte ihn. Der Vors., Herr Dr. Moegenburg, erwiderte den Dank, indem er beson— ders darauf hinwies, mit welcher Hingabe Herr Pastor Mosel zu uns gesprochen habe, nachdem er 10 Stunden Bahnfahrt hinter sich hatte und unmittelbar vom Zuge zur Versammlung kam. Er hoffte auf weitere ersprieß— liche Zusammenarbeit mit Herrn Pastor Mosel, was dieser auch gern zusagte. Der Abend schloß mit einem regen Gedankenaus— tausch. Wir möchten nicht verfehlen, auch an dieser Stelle dem Referenten noch einmal unseren herzlichsten Dank auszusprechen und die Hoffnung daran zu knüp⸗ fen, daß es uns bald wieder einmal vergönnt sein möchte, den tüchtigen Redner zu hören. Die wohlorganisierte oder die totorganisierte Gemeinde! Mit diesem Schlußwort wollen wir die Aus— sprache über dieses Thema abschließen. D. Schriftltg. In dem Artikel gegen die wohlorganisierte Ge— meinde(Warte Nr. 32) hat Herr Graf eine Reihe von Sachen so vollkommen übersehen, daß der Schreiber der wohlorganisierten Gemeinde(Warte Nr. 30) doch noch einmal darauf zurückkommen muß. Herr Graf spricht sofort von„zum Tode organisieren“. Sehr richtig, das kann man! Er wehrt sich mit allen Kräften gegen Or— ganisation. Schreibt aber gleich im nächsten Satze: das verdient nicht überall Nachahmung. Also nicht überall, aber doch an manchen Orten. Ist das nicht von vorn⸗ herein ein Widerspruch, Herr Graf? Sie meinen wei— ter, Herr Graf, daß sich in 50 Jahren alles totgeleiert habe, da darf ich Ihnen verraten, daß in einigen Jahren diverse 50jährige Jubiläen zu feiern wären, ohne daß man den„geistigen Tod“ entdecken könnte. Sie nehmen Ihre Gemeinde und wünschen sich, daß gar keine Organisation, kein Verein da wäre. Das glaube ich Ihnen. Sie haben aber auch nur eine„organisierte“ Gemeinde, ich spreche von der„wohl“organisierten Ge— meinde. In dem Wörtchen„wohl“ liegt der tiefste O, mein Gott! Kein Bild, kein Schatten für mein Kind!“ Sie ließ den Spiegel fallen und schlug die mageren Hände vors Gesicht. Da drang ein Weinen an ihr Ohr. Es war nicht ihr Kind, das ahnungslos in seiner Wiege lag und schlief; Nesi hatte sich unbemerkt hereingeschlichen; sie stand mitten im Zimmer und sah mit düsteren Augen auf die Stiefmutter, während sie schluch— zend in ihre Lippe biß. Ines hatte sie bemerkt.„Du weinst, Nesi?“ fragte sie. Aber das Kind antwortete nicht. „Warum weinst du, Nesi?“ wiederholte sie heftig. Die Züge des Kindes wurden noch finsterer.„Um meine Mutter!“ brach es fast trotzig aus dem kleinen Munde. Die Kranke stutzte einen Augenblick; dann aber streckte sie die Arme aus dem Bett, und als das Kind, wie unwillkürlich, sich genähert hatte, riß sie es heftig an ihre Brust.„O Nesi, vergiß deine Mutter nicht!“ Da schlangen zwei kleine Arme sich um ihren Hals, und nur ihr verständlich, hauchte es:„Meine liebe, süße Mama!“ —„Bin ich deine liebe Mama, Nesi?“ Nesi antwortete nicht; sie nickte nur heftig in die Kissen. „Dann, Nesi,“ und in traulich seligem Flüstern sprach es die Kranke,„vergiß auch mich nicht! O, ich will nicht gern vergessen werden!“ — NRubdolf hatte regungslos diesen Vorgängen zugesehen, die er nicht zu stören wagte; halb in tödlicher Angst, halb in Weidner. Sinn, was Sie anscheinend übersehen haben. Daß in der„schlecht“organisierten Gemeinde der Gottesdienst schlecht besucht ist, darf nicht Wunder nehmen, in der ⸗wohlorganisierten“ Gemeinde ist dies nicht der Fall. In der„wohl“ organisierten Gemeinde sind die Orga— nisationsmitglieder die„christliche Familie“. Aber recht naiv, Herr Graf, ist doch der Satz: macht die Chri— sten zu Christen..., dann braucht ihr keinen christlichen Verein, kein Gemeindeblatt. Wo machen Sie denn das in einer Gemeinde, in der niemand zur Kirche geht, in der nicht die geringste Organisation besteht, vielleicht gegen die evangelische Gemeinde scharfe Zertrümme— rungsangriffe erfolgen? Sehr richtig, macht Christen zu Christen, wenn sie aber nicht zur Kirche kommen. da laß sie laufen! Ist das evangelisch gedacht? Bitte nur einen Blick auf die Schwesterkirche! Nebenbei, wenn wir ja alle Menschen als die richtigen Christen hätten, da brauchten wir auch nicht die„Organisation“ Kirche, brauchten keinen Gustap-Adolf-Verein usw. Wenn, wenn, ja wenn! Es ist möglich, daß Sie nie in einer Gemeinde gewesen sind, die wohlorganisiert war, um beobachten zu können, daß man durch Organisation Menschen für das Evangelium zurückgewinnen kann, nicht äußerlich, nein innerlich! Was Sie über das Sonntagsblatt sagen, stimmt. Nur meine ich es noch ein wenig anders. Es sollte in Deutschland ein großes Sonntagsblatt geben und daneben in jeder größeren Gemeinde ein Gemeindeblatt. Eine Diskussion über ein Gemeindeblatt ist eine Sache für sich. Als Pfarrer sind Sie wohl über das Leben Ihrer Gemeinde unter— richtet, aber Ihre Gemeindeglieder? Als evangelischer Christ bin ich nämlich nicht die abgeschlossene Einheit, die Sie so als Ideal preisen, ich habe im Gegenteil ein sehr starkes Interesse an meinen Mitchristen, beson— ders an denen in meiner Gemeinde! Ich will auch etwas vom evangelischen Leben meiner Gemeinde wis— sen, weil mich das stark macht in meinem evangelischen Bewußtsein. Von mir aus kann ich es nicht übersehen Da kann mir mein Gemeindeblatt unendlich viel sein, wenn es der Pfarrer oder sonst eine berufene Persön— lichkeit richtig und„wohl“ leitet. Dann müssen Sie aber auch manches in meinem Artikel noch zwischen den Zeilen lesen. Wissen Sie vielleicht, daß es unendlich viele Gemeinden gibt, die sich beschweren, daß in ihrer Gemeinde kein evangelisches Zusammenleben und kein Zusammenschluß infolge des Widerstrebens des Pfar— rers möglich ist? Wissen Sie, daß dies nicht immer allein die Gründe sind, welche Sie gegen die Organi— sation anführen? Wissen Sie, daß es ganz andere sind, die man nicht gern nennt? Und noch eins, Herr Graf! Sie sind nach ihren Worten gegen jegliche Organisation, also auch gegen den Kirchenchor, der doch zu den ange— führten Organisationen gehört! Selbst wenn wir alle die in Ihrem Sinne gewünschen Idealchristen geworden wären, sollen wir deswegen unseren Schütz, unseren Bach usw. in die Ecke werfen und uns nur an den Ge⸗ meindegesang klammern? Ihr Gegenartikel ist sehr nett, aber er schwebt in höheren Regionen und übersieht vollkommen unsere tatsächlich vorhandene Christenheit. Zum Schlusse nichts für ungut, Herr Graf, in Ihrem Artikel steckt manches Wahre, aber ich vermisse den unermüdlichen Luthergeist, der andere, bessere Wege zeigt. Kritik ist leicht,„Bessermachen“, selbst nur Wege „zeigen unendlich schwer. Jedenfalls können Sie mit Ihren Worten den Glauben an die„wohl“organisierte Gemeinde nicht erschüttern. Ich könnte Ihnen ja noch aber die Angst behielt die Oberhand. Ines war sie sprach nicht mehr; sie schlief stillem Jubel; in ihre Kissen zurückgesunken; — plötzlich. Nesi, die sich leise von dem Bett entfernt hatte, kniete vor der Wiege ihres Schwesterchens; voll Bewunderung betrachtete sie das winzige Händchen, das sich aus den Kissen aufreckte, und wenn das rote Gesichtlein sich verzog und der kleine unbeholfene Menschenlaut hervorbrach, dann leuchteten ihre Augen vor Ent⸗ zücken. Rudolf, der still herangetreten war, legte liebkosend die Hand auf ihren Kopf; sie wandte sich um und küßte die andere Hand des Vaters; dann schaute sie wieder auf ihr Schwesterchen.— Die Stunden rückten weiter. Draußen leuchtete der Mittags- schein, und die Vorhänge an den Fenstern wurden fester zuge— zogen. Längst schon saß er wieder an dem Bette der geliebten Frau, in dumpfer Erwartung; Gedanken und Bilder kamen und gingen; er schaute sie nicht an, er ließ sie kommen und gehen. Schon einmal früher war es so wie jetzt gewesen; ein unheim⸗ liches Gefühl befiel ihn; ihm war als lebe er zum zweitenmal. Er sah wieder den schwarzen Totenbaum aufsteigen und mit den düsteren Zweigen sein ganzes Haus bedecken. Angstvoll sah er nach der Kranken; aber sie schlummerte sanft; in ruhigen Atem— zügen hob sich ihre Brust. Unter dem Fenster, in den blühenden Syringen sang ein kleiner Vogel immerzu; er hörte ihn nicht; er war bemüht, die trügerischen Hoffnungen fortzuscheuchen, die ihn jetzt umspinnen wollten. (Fortsetzung folgt.) — 2 Sonnabend, den 3. September 1927. einiges aus dieser Gemeinde erzählen, was Sie bedenk— lich machen würde und Sie der„wohl“ organisierten Gemeinde näher bringen könnte, aber wir wollen es doch jeder Gemeinde überlassen, für das Wohl und Wehe ihrer Mitchristen etwas zu tun oder zu lassen. Die veröffentlichten Zeilen waren nur ein aus der Praxis herausgegriffener Fall. Also bitte nicht„Organisation“, sondern„Wohl“organisation“! G. Mijchehenelend. Uns geht aus Bayern folgender Brief zu, der aufs deutlichste zeigt, welche Leiden aus einer Mischehe ent— stehen können. Er lautet: „In der Jugend nimmt man vieles allzu leicht; denn es fehlt an der nötigen Erfahrung. Die Schule des Lebens lehrt uns jedoch vieles, was wir zu spät be⸗ greifen. Ich hätte nie geglaubt, bei meinen sonst so strengen evangelischen Grundsätzen eine Mischehe zu schließen. Doch es kam anders. Mein Mann ließ nicht ab, bis ich mein Jawort gab. Die Existenzfrage schien eine gute zu sein. Bei der Verlobung wurde evange— lische Trauung und Kindererziehung vereinbart und durch notariellen Vertrag beurkundet. Ich dachte damit allen lästigen Streitigkeiten in dieser Hinsicht ent⸗ gangen zu sein. Es kam jedoch anders. Schon im ersten Jahre gab es Anrempelungen, hinter alle möglichen Gründe versteckt. Allmählich merkte ich, wo die Sache hinauslief. Und als gar das erste Kind zu erwarten war, gab man sich gar keine Mühe mehr, die Ursache der schlechten Laune zu verbergen. Mit Hangen und Bangen sah ich dem kommenden Ereignis entgegen. Als das Kind geboren war, kam das allerschwerste. Ich wurde mit Grobheiten, Drohungen usw. gezwungen, einen anderen Vertrag einzugehen. Man machte nicht viel Umstände, ließ den Notar ans Bett kommen und diktierte mir, zu unterschreiben. Alles Jammern und Klagen half nichts. Was konnte ich hilfloses Geschöpf anders machen. Von da an tat sich eine tiefe Kluft zwischen uns auf, die nie mehr überbrückt werden konnte. Die Achtung war verloren. Das Sprichwort „Ein Mann, ein Wort“ hat hier gänzlich versagt. Ich sollte hinfort in einer mir ganz fremden Religion Kin— der erziehen, und zwar gegen meine Ueberzeugung. Mein Mann, ein ebenso strenger Katholik, konnte sich nicht in diese Verhältnisse fügen. Mit Stirnrunzeln sah er mir nach, wenn ich zur Kirche ging, und kam ich nach Hause, so war er schlechtester Laune. Da er noch kränklich war, und schwer zu behandeln, war mir ein schweres Los beschieden. Ex wurde frühzeitig pen⸗ sioniert und so stellten sich noch obendrein Nahrungs⸗ sorgen ein. Ich mußte immer gute Miene zum bösen Spiel machen und oft meine ganze Willenskraft zusam⸗ mennehmen. Die Verhältnisse wären ja sonst immer unhaltbarer geworden. Solange wir in einer evange— lischen Stadt wohnten, ging es noch an. Aber als wir in eine ganz katholische Gegend kamen, wurden die Ver⸗ hältnisse geradezu unerträglich für mich. Stundenweit, Evangelische unterstützt uns. evang. Buchhandlung durch Bestellung v. Büchern u. Zeitschriften. Feste Bestellungen von 3.— Mk. an werden post⸗ frei ausgeführt. Wart burgbuchhoͤlg. Hypolheken zu äußerst günstigen edingungen z. verge⸗ H 10 ERANKEURTAN ben. Auf Wunsch evtl. 5 2 Js e v. n Zwischen⸗Krediten. F. W. Weber, 3 Frankfurt am Main . ee ekog 1849 Neckarstraße 9. Telef. 0 Hansa 1778. „Evangelische Warte“ nicht einmal im eigenen Hause einen Glaubensgenossen. Die Kirche war unter den größten Mühen und An⸗ strengungen zu erreichen. Ich selbst leidend und meist nur auf Hausandachten angewiesen. Man dachte natürlich im Stillen, nun sei die Zeit günstig, Be⸗ kehrungsversuche zu machen. Aber dieses Mal gab es kein Nachgeben mehr. Als man das allmählich zu be⸗ greifen schien, ging das Drangsalieren und Schikanie⸗ ren erst recht los. Man hoffte, nochmals mit Gewalt dieses Ziel zu erreichen. Der allerdringendste Unter⸗ halt wird mir vorenthalten, und wenn nicht das Gesetz einen Riegel vorschieben würde, stände mir ein hartes Alter bevor. Mißhandlungen fehlten nicht. Das Maß meiner Leiden ist nun voll und mein Weg in Zukunft vielleicht noch einsamer als bisher, jedoch wohl fried⸗ licher. Die Ehescheidung ist eingeleitet. Die Leidtra⸗ genden sind immer die Kinder. Sie wissen nicht, wo sie sich hinhalten sollen. Sie gehen mit dem Vater zur Kirche, der stets betont, daß er es besser mit ihnen meine, als die Mutter. Eine solche Frau steht ein— sam und verlassen abseits, fremd, trotz Familie mit tiefem Weh im Herzen. Nicht viel besser als eine Stief⸗ mutter. Eine gemeinsame Erziehung der Kinder gibt es hier nicht. Man gibt ihnen noch recht, wenn sie be⸗ sonders flegelhaft sich benehmen. Die Frau bekommt Vorwürfe wegen mangelhafter Erziehung. Der Mann denkt jedoch gar nicht daran, in diesem Falle selbst der schuldige Teil zu sein. Laxe Menschen gehen vielleicht leichter über oben Gesagtes hinweg, aber streng Den— kende nie. Prüfe sich deshalb der Mensch, denn„Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.“ Verschiedenes. Die Deutschnationalen und das Konkordat. Die Deutsch-Evangelische Korrespondenz schreibt in Nr. 34 vom 24. August 1927: Wie wir von sehr zuverlässiger Seite hören, wurde in der Sitzung eines Landesverbandes der Deutschnatio⸗ nalen Volkspartei unlängst zur Konkordatsfrage eine Entschließung gefaßt, in der die Parteileitung dringend gebeten wird, fortlaufend die Wählerkreise über die Konkordatsfrage aufzuklären und zu diesem Zwecke be⸗ sondere Redner auszubilden, die einheitliche und authen⸗ tische Mitteilungen machen können. Im ganzen Lande sei hinsichtlich des Konkordatsbeschlusses ebensoviel Un⸗ kenntnis wie Aufregung verbreitet. So sehr die in die— ser Aufregung hervortretende Lebensenergie der evan⸗ gelischen Kreise zu begrüßen sei, so gefährlich sei ihre Ausnutzung gegen die Partei. Das sei um so leichter, je unzulänglicher die bisherigen Parteierklärungen ge⸗ funden würden, und je unsicherer die deutschnationalen Redner aufträten, die sich teilweise sogar widersprächen. Es seien in der Sache folgende Gesichtspunkte zu beach⸗ ten:„Das Wort Konkordat ist bei der Masse der Be⸗ völkerung in so üblem Ruf, daß es bei etwaigem Ver⸗ tragsabschluß unbedingt vermieden werden sollte. Eben⸗ VV rd dd d Esch ORIGINRL- Kirchen-Heizung Geringe Anschalfungskosten u. Brennstoffverbrauch. Einlache Bedienung, stärkste Bauart u. unbegrenzte Haltbarkeit. Seit 50 Jahren bewährt. Voranschl. kostenl. EscH& Co.,, MHNNHEIMO Filialen in Frankfurt a. M. und Hamburg. NN so ist dringend zu wünschen, daß ein etwaiger Vertrag nicht mit dem Papste, sondern mit den deutschen Bi⸗ schöfen abgeschlossen wird. Außerordentlich schwer trag⸗ bar für die Partei würde ferner die Annahme eines Vertrages mit der Klausel ne varietur sein. Untrag⸗ bar wäre ein Verzicht auf Kündbarkeit. Ein Vertrag, der zwischen der jetzigen preußischen Koalition, also auch der Sozialdemokratie, und der römischen Kurie geschlos— sen werden sollte, wird die Zustimmung der Deutsch⸗ nationalen nicht finden dürfen.“ * Die„innere Mission“ des Sozialismus. Planmäßig baut der Sozialismus seine streng an den Parteizielen und der materialistisch- sozialistischen Weltanschauung orientierte Wohlfahrtsarbeit aus. Noch im Frühjahr 1925 zählte man z. B. in Ham⸗ burg 16 sozialistische amtlich tätige Fürsorgerinnen; Ende 1925 waren es bereits 40, heute sind es 65 und man kann(laut„Arbeiterwohlfahrt“ 1927, 16) von „einem festgefügten, gut funktionierenden Gruppen⸗ leben sprechen.“ Regelmäßig wiederkehrende Zusam⸗ menkünfte und Arbeitsgemeinschaften sorgen für Fort⸗ bildung und Zusammenhalt. Aus unserer Bewegung. Mainz. Die sehr gut besuchte Monatsversammlung der Ortsgruppe Mainz am 12. August stand unter dem Vorsitz des Herrn Pfarrer Veller. Zunächst begrüßte er mit herzlichen Worten die Damen und Herren, um dann in sehr fesselnder Weise die Anwesenden auf politischem, religiösem und lokalem Gebiete zu unterhalten. Die Rede, welche oft mit Humor ge⸗ würzt war, zündete und entflammte die Herzen. Der beliebte Redner forderte dringend alle Freunde der E. V. auf, unermüd⸗ lich die Werbung in Bekannten- und Freundeskreisen energisch zu betreiben. Jubelnder Beifall wurde dem Herrn Pfarrer Veller für die anregenden, vorzüglichen Ausführungen gezollt. Ueber mehrere Eintritte neuer Mitglieder konnte die Ortsgruppe quittieren. Die Bewegung marschiert lebhaft, hoffentlich werden wir in Bälde den großen Saal des ev. Vereinshauses benutzen müssen und können. Aus diesem Grunde rufe ich allen Freunden der E. V. zu: Bei der Werbung„alle Mann an Bord“, wir werden dann nicht umsonst gerufen haben. Butzbach, 31. August. Im Saale des„Hessischen Hofes“ sprachen am letzten Sonntag Abend vor einer sehr aufmerksamen Zuhörerschaft Bürgermeister Völker und Pfarrer Weidner über unsere Bewegung. Beide Redner ernteten starken Beifall für ihre vortrefflichen Ausführungen. In der Aussprache gab Herr Essinger⸗Butzbach seiner Freude darüber Ausdruck, daß endlich eine Partei geschaffen sei, die schon lange von sehr vielen Evan 0 gelischen als das Gebot der Stunde erkannt werde. Die Grün dung einer Ortsgruppe der E. V. erfolgt auch hier. Nürnberg, 1. September. Die hiesige Ortsgruppe der E. V. veranstaltet hier die nächste Versammlung am Freitag, den 9. bir 1 September. Es sprechen Pfarrer Veller⸗Mainz und Reichsge⸗ mit il schäftsführer Weidner. Felig wit u unsere elisch ur at f politis feder Reise ohne Bargeld mit dem en de Reisekreditbrief 19 bir 0 Bezirkssparkasse Gießen 1 tin ste 22 — 72 9 2 2 vorm. Wilh. Keller I * . 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