en d ersbet! o) 1 geg mla dicht nau del. ern nde! 1 wie! — 2 8 8 0 — 3. Jahrgang. 0 N 9.. Evangelische Organ der Evangelischen Volksgemeinschaft „Des Menschen Sohn ist nicht gekommen, daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.“ Matthäus 20, 28. Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg., am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen Vergünstigung. Hauptschriftleiter: Edwin Hamburger in Staden(Oberhessen).] Erscheint Sonnabends.— Bezugspreis 50 Pfennig monatlich. Verantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger, Abonnements⸗ und Anzeigen⸗Annahmestelle für den Unterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz. Druck und Verlag Albin Klein, Gießen, Südanlage 21 Für Rücksendung ungewünschter Manustripte wird nicht garantiert. Jernsprecher Nr. 1145 und 1362 Gießen Abend, den 2 J Evangelische Volks ist der Olitische Zusammensck der Evangelischen Deutschlands zur Wahrung der evangelischen Interessen im deutschen Reichstag und in den Parlamenten der Länder und der Rommunen. Wartburg-Geist dem deutschen Volk, Isk unsere Losung! Evangelische jeden Standes! In den Reihen der Eu. ist Euer Platz: Tretet der EV. bei. Werbt überall für die Eu.! Lest u. fördert die„Evang. Warte“, das Organ der EV. Näheres durch die Reichsgeschäftsstelle der Evangelischen Volks gemeinschaft in Ober-Lais(Oberhessen) erpaßte Gelegenheiten. 5„ Aeberschrift machte kürzlich im] einige Bibelsprüche dazu gesagt hat oder nicht. Und doch gen Sie dafür, daß der Tod bei Ihren Patienten nicht e e 1 5 war es falsch vom Herrn Pfarrer, dem Ruf zum Kinde eintritt, ohne daß Sie vorher die Angehörigen verstän⸗ bie ipebesondere ain Schluß de Artikels nicht zu folgen, denn er hat eine gute Gelegenheit ver⸗digt haben, damit der Geistliche die Kommunion brin⸗ ee ne de e en paßt, den Eltern des sterbenden Kindes nahe zu treten[gen kann. Wir Aerzte richten uns auch genau dar⸗ derholt zum Ausdruck gebracht haben. Die Evan⸗ in einer Stunde, da ihre Herzen offenstanden. nach, denn wir wissen, daß wir rücksichtslos boykottiert gelische Volksgemeinschaft gibt ja der Kirche gute Seitdem arbeite ich nun 20 Jahre in einer Arbei- werden, wenn wir anders handeln. Noch nie aber hat Gelegenheit, wieder gut zu machen, was versäumt tergegend und habe viele evangelische und katholische mich ein evangelischer Pfarrer um etwas ähnliches ge— worden ist gegenüber der Arbeiterschaft vornehm— Geistliche kennengelernt, und oft habe ich die Erfahrung beten. lich. 5 machen müssen, daß die evangelischen Herren ein unge Ist es falsch, wenn ich zu den Geistlichen meiner i Als ganz junger Arzt habe ich einmal des nachts] heures Geschick haben, gute Gelegenheiten zu verpassen.] Konfession sage: Macht es den Katholiken nach? Sorgt einem kleinen Menschenkinde auf die Welt geholfen. Wenn ich zu einem Katholiken gerufen werde, der dafür, daß kein Krankheitsfall in Eurer Gemeinde vor Aber leider war es so krank und schwach, daß ich den ernstlich erkrankt ist, so kann ich sicher sein, der Geistliche kommt, von dem Ihr nichts wißt. Sorgt dafür, daß kein betrübten Eltern sagen mußte: Euer Kind wird noch war schon vor mir da, oder er wird gerade erwartet. Protestant stirbt, ohne daß Ihr die segnenden Hände vor Sonnenaufgang sterben, holt doch den Herrn Pfar⸗ Ja, oft erlebe ich es, daß ich erst geholt werde, wenn auf seinen Scheitel gelegt habt. Wie viele Kranken⸗ rer und laßt es taufen. der Tod schon eingetreten ist, und auf meine Frage, besuche macht der evangelische Geistliche am Tage? Ein Am nächsten Tage habe ich den Totenschein ge- weshalb man mich nicht früher rief, die Antwort er⸗ Arzt im Industriegebiet hält täglich 3—4 Stunden schrieben. Der Herr Pfarrer war aber des nachts nicht][halte: Wir wollten erst den Besuch des Pastors ab— Sprechstunde ab und macht dann seine 10 Besuche. So⸗ mitgegangen, und als ich ihn später einmal traf, sagte[warten. viel muß er schon arbeiten, um leben zu können. Der er zu mir:„Herr Doktor, warum ließen Sie mich zu Ich will nicht sagen, daß dies in allen Fällen gut] Geistliche hat seinen Unterricht, hat auch seine Vorbe⸗ dem Kinde rufen, meinten Sie, ich könnte ihm helfen?“ ist, das verbietet mir schon die Achtung vor meinem reitung für den Sonntag, hat seine Vereine des Abends. Nein, das hatte ich nicht geglaubt und glaube es auch eigenen Beruf, aber es ist ein deutliches Zeichen, wie] Ist es zuviel verlangt, wenn ich sage: Es soll kein Tag heute noch nicht. Der Herr Pfarrer konnte dem Kinde sehr es die katholische Kirche verstanden hat, sich unent⸗ vergehen, an dem er nicht 3—4 Besuche gemacht hat! nicht helfen, weder zum Leben auf dieser noch in jener[behrlich zu machen. Das haben die evangelischen Pfar— Wenn Ihr es anders macht, so sage ich Euch, Ihr ver⸗ Welt, denn Gott ist nicht so kleinlich, sein Benehmen rer nicht so gut verstanden. paßt viele gute Gelegenheiten, Gott zu dienen. der Menschenseele gegenüber darnach zu richten, ob der Wir Aerzte sind es gewohnt, von katholischen Geist⸗ Vorigen Sonntag hörte ich die Predigt eines be— Pfarrer Wasser auf des Kindes Scheitel geträufelt und lichen und Schwestern gebeten zu werden:„Bitte, sor-gabten jungen Geistlichen. Er sprach über das Thema: Verloren und wieder gefunden. Lucas 15, 7. Ich sage euch: Also wird ihn auf den rechten Weg bringen will, wird verspottet und ver⸗ ö arbeiten in ihrem Berufe, genau wie das auch bei anderen Be— ö lacht. amten der Fall ist. Der von Kirche und Christentum Ent⸗ Wie macht es nun der Hirte, der ein verirrtes Schäflein fremdete steht dagegen in der Gefahr, mit der menschlichen Ge— wieder zur Herde bringen will? Es bleibt ihm nichts anderes sellschaft in Widerspruch zu geraten. Sein rohes, heidnisches auch Freude im Himmel sein über einen Sün⸗ übrig, als das Tier auf die Schulter zu laden und es zur Herde Treiben will sich nicht jeder gefallen lassen. Wird er gar zum der, der Buße tut von neun und neunzig Ge- zurückzutragen. So sehen wir oft auch den Heiland Jesus Verbrecher, dann trifft ihn die Strafe des Strafgesetzbuches, rechten, die der Buße nicht bedürfen. Christus abgebildet. Er ist der gute Hirte, der dem einzelnen ö kurz, sein Leben wird freudlos und leidvoll. Wer ihn zurück⸗ 10 5 Verirrten nachgeht, um ihn wieder zurückzubringen. Es ist ja bringt auf christliche Bahnen, der will ihm wieder zu einem Wir leben eben in der Zeit der Körperpflege. Der Grund bequem, hochmütig von der glaubenslosen Masse zu reden. Da- glücklicheren Leben verhelfen. Jesus erzählt, wie ein Hirt sich dafür, daß gerade jetzt so viel Wert auf Sport und Turnen ge⸗ mit ist man eben schnell fertig. Jesus tut aber jeder verirrte freut, wenn er ein verirrtes Schaf wieder zur Herde zurückge⸗ legt wird, ist das Fehlen der Militärdienstjahre. Ansere Ju- Mensch leid. Nicht verurteilen sollen wir diese meist verführ⸗ bracht hat, damit es wieder mitlaufen kann auf die grüne gend soll einen Ersatz dafür haben. Aber noch einen anderen ten Seelen, sondern sie verdienen unser tiefstes Mitleid. Mit Weide. Das ist ihm ein Gleichnis für die Freude im Himmel Grund dürfen wir nicht unerwähnt lassen. Wir haben in den diesen armen Menschen sollen wir fühlen. Es ist keine Mühe über einen Sünder, der sich zurück hat führen lassen zu einem Kriegs- und Inflationsjahren viele körperliche Entbehrungen zu groß, um sie zu suchen. Die rettende Liebe hat Jesus in die glaubensvollen, christlichen Leben. Dieses Freudebereiten ruft durchmachen müssen. Die Gegenwirkung äußert sich darin, daß Gesellschaft der Zöllner und Sünder geführt. Das hat diesen im Schenker die höchste Freude hervor. Weil wir uns freuen letzt zu viel Wert auf den Körper allein gelegt wird. Darunter Leuten wohlgetan. Deshalb nahten sie sich zu ihm. Sie haben über das Glück geretteter Menschen, deshalb arbeiten so treu muß die Seele leiden, welche von vielen heute bedenklich ver⸗ ihn aufgesucht, sobald sie von seiner Anwesenheit erfuhren. Je— und so eifrig viele Pfarrer und Volksmissionare an der Ret⸗ nachlässigt wird. Gerade Jesus hat uns ja erst gezeigt, daß die sus sah die Not ihrer Verirrungen: Die Zöllner und Sünder tung irregeführter Menschen. Die Arbeit ist sehr undankbar. einzelne Menschenseele einen ewigen Wert hat. Vernachlässi⸗ fühlten, daß Jesus ihnen helfen wollte. Die Pharisäer blickten Aber Jesus sagt ja, daß Freude im Himmel ist über einen Sün— gen wir das Seelenleben, dann rücken wir auch von dem Chris mit Hochmut auf diese glaubenslose Menge und mit selbstgefälli— der, der sich zurückfindet. Um dieser Himmelsfreude willen müs⸗ stentum ab. So erleben wir ein ständiges Hin- und Her- ger Zufriedenheit auf ihre Frömmigkeit. Jesus aber sprach im sen wir weiter suchen und finden. Nicht nur diejenigen, die schwanken zwischen Christentum und Heidentum. Angesicht der sündigen Volksmasse:„Mich jammert des Volkes.“ es von Amts wegen zu tun haben, nein alle, die Einfluß haben Wenn jemand vom Christentum abirrt, so ist es gerade, Von dieser rettenden Jesuliebe aus wollen wir die treue Ar⸗ auf verlorene Menschenseelen, haben die Pflicht, rettend auf wie wenn ein Schäflein sich von der Herde verirrt. Wer schon beit der inneren Mission, besonders der kirchlichen Volksmission diese einzuwirken. einmal die Schafe in der Herde beobachtet hat, der konnte beurteilen. Diese sucht in Stadt und Land alle, die dem Got⸗ Kehre wieder, kehre wieder, chen, daß immer eines dem anderen nachläuft. Nur in der tesglauben und der christlichen Kirche entfremdet sind. 5 ö Der du dich verloren hast! herde weiß das einzelne Tier sich zu bewegen. Ist eines die⸗ Eben lese ich aus der Feder eines Strafanstalts-Geistlichen, Sinke reuig bittend nieder ein Gefangener habe ihn angeschrieen:„Der Pfarrer ist der e e e e e ee grausamste Mensch in der Anstalt, er sollte uns lassen, wie wir Wie du bist e e e en sölgen. Ganz hilflos ist es getrennt von den anderen. So ist sind!“ Das wäre wohl das allereinfachste, die Sünder zu las⸗ And wirst 918970 Alder n auch der Mensch in seiner seelischen Verirrung. Er weiß nicht, sen, wie sie sind. Aber warum tun das die Geistlichen und die 8 55 e a 518 0 178 0 nas er tut. Der Anterschied von gut und böse ist ihm fremd Volksmissionare nicht? Haben diese wohl durch ihre rettende e e 11 9 e worden. Ein entchristlichter Mensch ist roh in seinem Be- Arbeit einen persönlichen Gewinn davon? Sehen wir uns das And sein heilig Wort 1 hagen gegen die Mitmenschen, oft auch gegen die eignen An⸗ doch ja genau an. Die Pfarrer werden ihrem Dienstalter nach Dir Vergebung, Heil und Segen; gehörigen. Dazu ist er störrisch wie ein verirrtes Schaf. Wer bezahlt. Sie bekommen den Gehalt, ob sie nun viel oder wenig Kehre wieder, zaudre nicht! Amen. Hr. er Schäflein von der Herde weg, dann weiß es gar nicht, wohin es gehen soll. Wird es angetrieben, dann weigert es sich zu e e 12 25 3 — e . 8 5 . 8 1 f N 5 e Sonnabend, den 2. Juli 1927. Paulus und der Sport. Gut, sagte ich mir, der Mann ist modern. Er wußte auch allerlei Gutes von körper⸗ licher Ertüchtigung zu sagen. Aber, aber: Der Sport macht der Kirche zu viel Konkurrenz:„Wo finden wir heute Nachmittag unsre Jugend? Im Jünglingsverein? In der Familie? Bei einem guten Buch? O nein! Draußen auf dem Sportplatz! Der Sport hat sich die Herzen der Jugend erobert, nur an ihn denkt sie.“ Ich bin nach der Kirche zum Herrn Vikar gegangen und habe ihm gratuliert:„Die evangelischen Geistlichen wissen so oft den Weg zur Jugend nicht zu finden. Sie wissen ihn! Kommen Sie heute Nachmittag mit uns zum Sportplatz, SC. Saar spielt gegen Borussia Neun⸗ kirchen. Sie sollen sehen, da finden Sie die besten Ihrer Jungens.“ Er ist nicht mitgegangen. Aber un⸗ ser Kaplan, der war da. Ja, das ist ein Sportsmann. Täglich, wenn ich auf meinen Krankenbesuchen am Turnplatz vorbeikomme, sehe ich ihn mit seinen Buben spielen. Die Protestanten bleiben oft stehen und lachen, denn es sieht zu drollig aus, wenn er in seiner Begeisterung hinter dem Ball hersaust, daß die langen Zipfel seines schwarzen Kittels fliegen. Aber seine Jungens gehen für ihn durchs Feuer. Die katholische Kirche hat es verstanden, den Zug unserer Jugend zum Sport in ihren Dienst zu stellen. Die„deutsche Jugend— kraft“ ist eine in christkatholischem Sinne geleitete Sportvereinigung, die wirklich ernsten Sport treibt und nicht nur so tut als ob. Sie hat es fertig bekommen, wenigstens bei uns im Saargebiet, fast alle katholischen Mitglieder aus den alten, guten Vereinen der Deut— schen Turnerschaft zu sich hinüberzuziehen. Die Bedeutung der Leibesübungen wird in den nächsten Jahren in unserem Volk noch zunehmen. Da⸗ rum müssen wir bemüht sein, dem Sport die Wege zu weisen, die uns gefallen. Das geht aber nicht, solange wir draußen stehen und mit Worten seine Schäden gei— ßeln. Sondern nur dadurch, daß wir mitmachen Damit meine ich aber nicht, daß wir ausgesprochen evangelische Sportvereine gründen, sondern daß wir in die bestehenden Organisationen eintreten und Einfluß zu gewinnen suchen. Ich kenne so viele Akademiker, die führende Rollen im Sport einnehmen. Die jungen Menschen sind ja so froh, wenn sich eine höhergestellte Persönlichkeit der Verwaltung ihrer Vereinigung an⸗ nimmt. Da liegt eine Aufgabe für unsere jüngeren Theologen. Wenn sie ihr aus dem Wege gehen, so ver⸗ passen sie eine gute Gelegenheit, sich ein wertvolles Ar— beitsfeld zu erringen. So wie die Gedanken unserer Jugend beim Sport, so sind die Gedanken unserer Männer bei der Politik. Wir haben hier im Saargebiet bis vor 15 Jahren konservativ oder nationalliberal gewählt. Nicht etwa, weil unsere Arbeiter sich so durchaus zufrieden mit ihrer Lage gefühlt hätten. O nein, sie fühlten sich recht oft bedrückt durch ihre Arbeitgeber, aber sie wagten es nicht, offen Widerstand zu leisten. Es erschien ihnen so aus⸗ sichtslos. Da waren es zuerst die katholischen Geist⸗ lichen, die sich des Arbeiters annahmen. Kaplan Das⸗ bach fing an, seinen Einfluß geltend zu machen, und in den katholischen Pfarrhäusern sammelten sich alle, die bedrückten Herzens waren, alle, die sich freimachen woll— ten vom System„der Bevormundung“. Der katholische Bergmann hat es seinen Geistlichen nicht vergessen, daß sie damals zu ihm gestanden haben. Ueber Krieg, Revolution und Versailler Vertrag hin⸗ aus hat er seiner Kirche die Treue bewahrt. Die ab⸗ solute Mehrheit im saarländischen Landtag hat das Zentrum. Der evangelische Geistliche aber war leine Aus— nahme soll es gegeben haben) der Freund der Bergver— waltung. Er hielt die großen Reden an Kaisers Ge⸗ burtstag und war beliebt bei jedermann, denn auch der Arbeiter kam zu ihm, wenn er etwas von der Gruben— verwaltung erreichen wollte, denn er wußte, das Wort des Pfarrers gilt viel beim Oberbergrat. Ich weiß nicht, ob es drüben in Deutschland ebenso war wie hier. In Mecklenburg und Pommern jeden- falls lagen die Verhältnisse ganz ähnlich. Auch dort hielt der evangelische Geistliche zum Arbeitgeber. Was sollte er auch anders machen, es war ja sein Patron, der FF . 5 Ein stiller Musikant. 2. Fortsetzung. Wir rauchten, wir plauderten, und das Gespräch ging hin und her.„Nein,“ sagte er,„die Dinger die man Konser vatorien nennt gab es derzeit wohl noch nicht in unserem Deutschland; ich war zu einem tüchtigen Klaviermeister in die Lehre getan und habe mich dort ein paar Jahre lang mit Theorie und Technik redlich abgearbeitet. Außer mir war noch einer da, der schon nach kurzer Zeit den Hofpianistentitel in der Tasche hatte; und doch, wenn ich bisweilen so saß und seinem Spiele zuhörte, hab' ich mir's nicht ausreden können, daß ich, Christian Valentin, das al besser machen würde wenn ja, wenn nur die Finger und die Gedanken bei mir so fix zusammengegangen wären. hen,“ setzte er hinzu, indem er mit dem Daumen und kleinen Finger ein paar weite Spannungen auf der Tischdecke machte, aran liegt es nicht; ind die hten Klavizimbelse noch viel Sie se schulgetre äger.“ Vielleicht“, warf ich ein,„sind Sie gegen sich selber zu gen nhaft gewesen; den gröberen Naturen kommt niemals etwas bischen Finger und Gedanken.“ Er schüttelte den Kopf. Es ist doch anders; und wenn auch ich kann das nicht regieren Bevor ich mich hier dauernd niederließ, habe ich längere Zeit in einer anderen Stadt als Musiklehrer gelebt; und da man keine Konzertvorträge von mir verlangte, so habe ich dort vielleicht das Meinige geleistet Auch war es mir trotz des damals überall nur mäßigen Ho norars schon in den ersten Jahren e S lungen, ein Sümmchen für die Zukunft hinzulegen; ob für ein einsames Junggesellenalter, oder ob—— CCC N „Evangelische Warte“ Nr. 27 Mann, der die Kirche finanzierte! Darum will ich auch unsern Pfarrern durchaus keinen persönlichen Vorwurf machen. Ich weiß, sie haben alle nach ihrer Ueber⸗ zeugung gehandelt, treu und bieder, so, wie es ihnen der gute, alte„Reichsbote“ vorschrieb. Dennoch müssen wir heute zugeben, daß unsere Kirche es nicht verstanden hat, das Streben nach Selbst⸗ bestimmung unseres Arbeiters auszunutzen, sondern die Massen kirchenseindlichen Kräften überlassen hat, weil sie nur versuchte, den Arbeiter in Parteien hinüberzu⸗ ziehen, die vom Arbeitgeber geschaffen waren und in erster Linie dessen Belange vertraten. Da wandte sich ein großer Teil der Arbeiter von der Kirche und schenkte seinen Reichtum an Glauben und Opferfreudigkeit sei⸗ ner Gewerkschaft. l Ich weiß, daß diese meine Schilderung nicht auf alle Gegenden Deutschlands paßt. Manch einer wird mir zurufen: In unserer Gemeinde ist es noch anders. Nun gut, aber das ändert nicht, daß ich im großen und ganzen recht habe. Vor allem aber wird die Entwick⸗ lung in den kommenden Jahren noch weiter in dieser Richtung gehen, wenn es nicht glückt, eine gewaltige Schwenkung zu machen. Diese halte ich aber nur für möglich, wenn der Ar⸗ beiter merkt, daß man ihm in der Kirche nicht mehr sein Recht abspricht, für seine Klasse zu kämpfen, wenn er merkt, daß die Kirche selber Kritik übt an unserer Kul⸗ tur, einer Kultur, die nur wenigen Bemittelten zu Diensten steht; wenn er merkt, daß unsere Kirche mit ihm neue Wege sucht, eine Kultur zu schaffen, die unse— ren Arbeitern, d. h. unserm Volk, offensteht. Wenn nicht alle Zeichen trügen, stehen wir vor einer Zeit, da die Menschheit sich abwenden wird vom Materialismus und wieder Achtung empfinden wird vor dem Ewigen. Gebe Gott, daß unsere evangelische Kirche berufen ist, die wieder nach Gott suchenden Men⸗ schen an sich zu ziehen und ihnen den Weg zu weisen, den Weg zum Kreuz. Mord an der Demokratie! Auch in Hessen wurde vom Landtag in seiner Sitzung am 23. Juni die Demokratie ermordet. Ein Abänderungsantrag der Abgg. Kaul(Soz.), Lenhart (Ztr.), Dr. von Helmolt(Bbd.), Scholz(D. Vp.), Rei⸗ ber(Dem.) und Kindt(Dutl.) zum Landtagswahlgesetz, wonach Wahlvorschläge noch nicht im Landtag vorhan⸗ dener Parteien von mindestens 7000 Wählern unter⸗ zeichnet und 5000 Rmk. beim Landtagswahlleiter hin⸗ terlegt sein müssen, wurde gegen die Stimmen der Kommunisten angenommen. Aus lauter Angst um ihre Mandate haben auch die demokratischen Parteien die Demokratie begraben helfen. Parteien, die zu solchen Mitteln greifen, fühlen den Boden unter sich wanken. Wähler! Zeigt ihnen bei der kommenden Land⸗ tagswahl, daß sie ganz recht haben! Wählt keine Par⸗ teien, die das Landtagswahlrecht verschlechtert haben! Tretet ein für das freie unbeschränkte Wahlrecht! Wählt alle die Evangelische Volksgemeinschaft! Demokratie? Die formale Demokratie, die die Staatsum⸗ wälzung gebracht hat, kann nicht das Ende vom Liede sein; das Ende muß vielmehr sein eine bes— sere Volks- und Wirtschaftsordnung. Stegerwald. Es scheint, als wenn sich ein Generalangriff auf die Freiheit der Verhältniswahl anbahne. Entbrannte vor dem Kriege ein scharfer politischer Kampf um die Freiheit der Wahl, schien es damals, als bedeute diese Freiheit eine der ersten Errungenschaften auf dem Wege der Demokratisierung, so muß man heute feststel⸗ len, daß im Rahmen der Demokratie diese Freiheit ab— zubröckeln beginnt und die Demokratie zur Erreichung bestimmter Ziele, die nicht auf der Linie liegen, zur verschleierten Diktatur greift. Wenn im Staate Hamburg aus Anlaß der kom⸗ menden Parlamentswahlen(Bürgerschaftswahlen) ein Senatsantrag vorgelegt wird, der eine starke Veschrän⸗ kung der Wahlfreiheit vorsieht, so hat das nicht allein örtlich Bedeutung. Gelingt das Experiment, so wer⸗ den die Reichstagswahlen des nächsten Jahres und kommende Landtagswahlen unter gleichem Gesichts⸗ punkte stattfinden. Das Parlament soll ein Spiegelbild des Volks⸗ willens sein. Die deutschen Parlamente sind tatsächlich ein getreues Spiegelbild, wenn auch ein weniger schönes, der politischen Zerrissenheit unseres Volkes. Dieses un⸗ schöne Bild ärgert naturgemäß die, welche im Parla⸗ mentarismus höchste Erfüllung sahen. Menschlich be⸗ greiflich. Wer ist nicht so eitel, daß er nicht aus dem Spiegel ein Bild zurückgeworfen sehen möchte, das ihm schmeichelt! Wenn nun das Bild politischer Zerrissen⸗ heit, das die Parlamente zurückwerfen, verzerrt und unschön ist, so liegt das in der Natur der Sache begrün⸗ det. Denn der an sich unpolitische Deutsche, begabt mit dem Erbübel aller Deutschen, will sich durchaus nicht einfügen in den Rahmen, den„weise Demokratie“ ihn gesteckt hat. Nach 1918 fast zwangsweise in das poli⸗ tische Leben hineingestoßen, findet sich der Wähler kaum heute zurecht. Splitterungen, Spaltungen, Bil⸗ dung von Gruppen und Grüppchen sind das Spiegelbild einer zwar harten, aber verständlichen Kritik am deut⸗ schen Parlamentarismus, der sich selbst seine Achtung und Würde untergraben hat. Die Demokratie wünscht nun das Bild zu verschönern, und zwar zwangsweise, also auf undemokratischem Wege, indem sie die Wir⸗ kung von Splitterparteien erschwert. Nach außen hin versucht man diese Erschwerung, die das Gesicht einer verschleierten Vergewaltigung nicht verbergen kann, mit dem Willen zur Gesundung zu entschuldigen. Ge⸗ wiß, die Tatsache des Bestehens von Splitterparteien erschwert dutzendmal die glatte parlamentarische Ar⸗ beit und die notwendig werdende Bildung von Regie⸗ rungen. Diese an sich bedauerlichen Erscheinungen durch undemokratischen Zwang, der einer Vergewaltigung gleichkommt, heilen zu wollen, heißt nichts anderes. als eine schwärende und eiternde Verwundung mit Heft⸗ pflaster zu verkleben, anstatt zu einer bitter notwendi⸗ gen ernsten Operation zu greifen, zu der man die Kraft nicht aufbringt, obwohl man andererseits am deutschen Volkskörper experimentale Pferdekuren genug versucht hat. Man will eine Abänderung des Wahlgesetzes ein— bringen, und zwar noch während der Legislaturperiode der gegenwärtigen Bürgerschaftsvertretungen, weil ihre Zusammensetzung die Annahme des Senatsantrages zu garantieren scheint. Diese Abänderung sieht vor, daß für die sog.„großen Parteien“, die bisher mindestens 10 Abgeordnete im Parlament haben, die bisherige Uebung betr. Einreichung der Wahlvorschläge bestehen bleibt, während für solche Gruppen, die unter 10 Man⸗ daten haben, die Vorschrift eingeführt wird, daß die Unterzeichnung von mindestens 3000 Wahlberechtigten erforderlich ist. Gegen eine solche Forderung an sich wäre nichts einzuwenden, wenn sie allen Parteien zur Pflicht gemacht würde. Bleibt sie beschränkt auf kleine Parteien, so bedeutet sie nicht nur einen undemokrati⸗ schen Verstoß gegen die garantierte Rechtsgleichheit, son⸗ dern eine Vergewaltigung der freien Meinung, ledig⸗ lich gemildert durch das von Zufälligkeiten abhängige Mittel der parlamentarischen Abstimmung über einen solchen Antrag. Daß für jeden Wahlvorschlag 3000 1 Kaution hinterlegt werden müssen und diese Kaution von allen Parteien verlangt wird, sieht äußerlich nach Rechts⸗ gleichheit aus, in Wirklichkeit wird damit nur zum Grundsatz erhoben, daß die kapitalkräftigen Parteien, die eine derartige Summe ohne weiteres aufzubringen vermögen, günstiger gestellt werden. Die Kaution ver⸗ fällt, wenn auf den betr. Vorschlag kein Mandat er⸗ zielt wird. Ist das eine Bestrafung für die Vermessen⸗ heit, bestimmte Gruppen von Wählern im Parlament vertreten zu sehen, oder sollen mit diesen verfallenen Kautionen die Unkosten verringert werden, die eine Wahl verursacht? Oder werden die so verfallenen Mittel für das Festessen der Sieger verwendet?— Wie unterscheiden sich dann noch Wahlen und Lotterie⸗ spiel?— In beiden Fällen wird ein Einsatz bezahlt, zieht man eine Niete, ist der Einsatz verloren und der Staat ist der glückliche Gewinner. er e. 1 Er nahm sein Glas und leerte es auf einen Zug.„So,“ sagte er,„nun habe ich mir Mut getrunken! Ihnen erzähl' ich es gern; ja, mir ist, als könnt' ich Ihnen noch einmal meinen Mozart sp ielen!“ Er hatte meine beiden Hände ergriffen; seine blassen Wan— gen waren leicht gerötet.„Ich wohnte damals bei einem Buchbindermeister,“ begann er wieder,„der nebenbei ein kleines Antiquariat betrieb; oh, manches liebe Büchlein ist damals in meine Bibliothek gewandert! Wer mich aber auslachte, wenn ich mit solch einem Scharteklein wie mit einem kostbaren Raube nach meinem Zimmer hinaufstolperte, das war die eigene Toch— ter meines Antiquars; sie trug den schönen Namen Anna; aber sie hielt nicht viel von Büchern. Desto lieber sang sie; Volks- lieder und Opernarien— Gott weiß, woher ihre jungen Ohren das alles aufgefangen hatten! Und eine Stimme war das! Signora Katerina, die im selben Hause ein Mansardenstübchen inne hatte, war in stetiger Entrüstung, daß dieser ‚Kindskopf“ sich nicht von ihr wollte in die Schule nehmen lassen. ‚Mon— sieur Valentin!' rief sie einmal aus, als die Anna nach einer stand, sehen S Sie hat das Glück im Hause, aber sie stößt es mit ihren kleinen Füßen von sich, und dann— ja, ja, Kindchen; un⸗ versehens kommt das Alter! Wie ich hier vor Ihnen stehe, ich hätte Fürsten und Exzellenzen heiraten können!“ langen Ermahnung lachend vor ihr Sie dieses Mädchen! „Und ich, sagte der Kindskopf, kann noch einen Prinzen heiraten; und ich tu's gewiß, wenn er erst in seiner goldenen Kutsche vorgefahren kommt! Aber, Signora, können Sie mir das nachmachen?“ Und nun sang sie mit der unglaublichsten Zungenfertigkeit eines jener aus sinnlosen Silben zusammen⸗ gefügten Reimgesetze; vor- und rückwärts, hinauf und hinunter. Sehen Sie, Signora, das sind Naturgaben!“ „Die alte Kunstsängerin würdigte sie auf solchen Ueber— mut meist keiner Antwort; auch jetzt wickelte sie sich schweigend in ihren roten Schal, den sie selbst im Hause nie von ihren Schultern ließ, und stieg mit würdevoll erhobener Nase nach ihrem Mansardenstübchen hinauf. „Als sie fort war, legte Aennchen die Hände auf den Rücken, und so vor mir stehend wie ein Vogel auf dem Zweige, hub sie aufs neue an zu singen: Schwäbische, bayrische Dirndel, juchhe!' Gleich einer Leuchfkugel stieg das Juchhe in die Luft! Dann sah sie mich mit ihren braunen Augen an und fragte treuherzig: Das ist aber doch schön! Nicht wahr, Herr Va⸗ lentin?“ „Wir befanden uns auf meiner Stube, wohin Aennchen mir immer mein Abendbrot heraufbrachte. Ich hatte mich ans Klavier gesetzt.„Singen Sie weiter, Aennchen!' sagte ich; und so, während ich eine einfache Begleitung spielte, sang sie das Lied zu Ende, und dann ein zweites, ein drittes, und ich weiß nicht, wie viele ihrer hübschen und törichten Lieder noch. Ich weiß nur, mir war unsäglich wohl dabei.— Nein, wie ist's nur menschenmöglich,“ rief das liebe Kind;„kennen Sie denn alle meine Lieder? Aber wissen Sie was, Herr Valentin? Das hat durchs ganze Haus geschallt! Die Signora Katerina sitzt gewiß droben ganz in ihren Schal verwickelt!“ —„Seit jenem Tage gab es in Aennchens Kopfe keine musikalische Unmöglichkeit mehr für mich; ja allmählich be⸗ strickte auch mich selbst die einfältige Bewunderung und machte ganz zuversichtlich; einmal, da sie eben von mir gegangen ar, setzte ich mich sogar hin und berechnete eifrig meine Ver⸗ W Amal einschl Tal ge Jesem hen di mal listen. Jusnah Aokrall füllte woralis che? Einn dt Nasle We debung ruf fe Ciglan Ar Tie Jusnah uit die rechsels vidlunt lei dem zur unt Fechtlo' nacht ine Es Lewegu dus par andere! runitä Klämpf Alge, 2 kiten rerden. Ku Jarlam Igalitä Me Angt vt ichen unge Totwen! cuch hie Aung ar ten W zweifel Arch He imme Vo unt zu zartend Jahlft ir Reg derer zaltigt fe alle Ale ellten feel 1 ebärde 5 deut ellen emal he gef — Veil 1 seinen die iind 5 it, a duben Jabank um el zu erler, f dentlich enen lig nen. Sonnabend, den 2. Juli 1927. Das Hauptstück des neuen Entwurses ist aber das, aß die kleinen Parteien den Nachweis der Wahlberech⸗ tigung von 3000 Unterschreibern bringen müssen, wäh⸗ tend die„großen Parteien“ nur 30 nachgeprüfte Unter⸗ chriften vorzuweisen haben. Man stelle sich vor, daß 1 3000 Unterzeichner eines Wahlvorschlages zu einer der Behörde genehmen Zeit— die nicht immer dem Staats— 1 b bürger genehm zu sein pflegt, der seine Arbeitszeiten im N ie ö herschaffen! Eine derartige Vorschrift ist ein kaum mehr 0 ampf um das tägliche Brot etwas anders einzuteilen hat, als die amtlichen Bureaustunden es zulassen— sich einzufinden haben, um sich eine Beglaubigung zu verhülltes Ausnahmegesetz, das sich in der Hauptsache inmal gegen die Wähler von Mittelstandsparteien leinschl. Sparer und Gläubiger) richtet, das andere Mal gegen die unbequeme völkische Opposition. Auf diesem Wege wird aus einer verschleierten demokrati⸗ schen Diktatur eine offensichtliche, und es ist bitter nötig, ie lüften. einmal den Schleier über diese Art der Demokratie zu üften. Daß sie sich durch Einbringung eines solchen Ausnahmegesetzes selbst demaskiert, daß sie, gegen de— nokratische Grundsätze verstoßend, den von Parteiekel erfüllten Wählern Gewalt antut und ihnen damit die moralische Berechtigung zum schärfsten Kampf gegen olche Scheindemokratie gibt, scheint ihr nicht in den der Tradition, empfindet derartige Gesetze Sinn zu kommen. Oder hält sie es an der Zeit, die aske fallen zu lassen? Weist man in diesem Zusammenhange auf die ebung anderer Länder, insbesondere England hin, so muß festgestellt werden, daß ein solcher Vergleich hinkt. England, das Land des Parlamentarismus, das Land nicht als gie KAusnahmegesetze. Drüben ist alles abgeschlossen; man hat drei Parteien, die sich im Regieren gegenseitig ab— „ae wicklung, noch der Klärung bedürftig. wechseln. Hier bei uns ist alles im Fluß, in der Ent⸗ Es handelt sich hei dem Entwurf zur Abänderung des Wahlgesetzes nicht nur um Wahlformalitäten, sondern praktisch um die Rechtlosmachung vieler Tausend Wähler, die künftig N icht mehr in den Parlamenten vertreten sein werden. Es handelt sich darum, im Entstehen begriffene 10 Bewegungen einfach mundtot zu machen, ihre Führer des parlamentarischen Schutzes zu berauben, während andere parlamentarische Führer, geschützt durch die Im⸗ munität nicht nur den Staat und seine Einrichtungen bekämpfen können, sondern unter ihrem Schutze mit Lüge, Verdrehungen, persönlicher Verunglimpfung ar⸗ beiten dürfen, ohne daß sie zur Rechenschaft gezogen werden. g Kurzum, es entscheidet der Sitz oder Nichtsitz im n zu lein ral, , soß ledig Parlament gewissermaßen über die Legalität oder Il— siegalität einer Bewegung. Man möchte gern einen solchen Entwurf als be— dingt von dem Willen zur Gesundung des parxlamenta⸗ ischen Lebens ansehen. Zugegeben, wie es schon ein— gangs geschehen ist, daß eine solche Gesundung bitter A ber ist, scheint es doch, daß der Parteiegoismus auch hier seine Hand im Spiele hat. Denn die Gesun— zung auf rein äußerlichem Wege wenn sie auf sol⸗ hem Wege überhaupt möglich wäre würde ohne zweifel besser durch Heraufsetzung des Wahlalters und urch Heraufsetzung der für eine Kandidatur notwendige timmenzahl zu erreichen sein. Vor solchen Maßnahmen schreckt unsere Regierungs⸗ lunst zurück und sie streicht ihre Flagge vor der zu er⸗ wartenden wilden Massenagitation. Mit einem die Wahlfreiheit einschränkenden Gesetz, das den Stempel der Rechtsungleichheit an der Stirne trägt, trifft man ondererseits nur eine Minderheit, die praktisch verge⸗ waltigt wird. Es fehlt die unbedingte Gerechtigkeit, nie allein die Grundpfeiler eines Staates bildet. Klar ist jedenfalls das eine, daß trotz des unter⸗ tellten Willens zur Gesundung des Parlamentarismus ieser nicht auf formalem Wege, noch durch äußerliche hebärden gesundet, sondern, wenn überhaupt die Psyche les deutschen Volkes auf den Parlamentarismus einzu⸗ zellen ist, durch Erziehung auf lange Sicht hinaus.“ jemals aber wird die Erziehung durch Ausnahmege— tze gefördert, im Gegenteil, man zieht illegale Be— nögensumstände. Was soll ich's Ihnen lang erzählen! Das Nädchen, der Kindskopf, spukte mir plötzlich durch alle meine bedanken. Aber— da kamen die Liedertafeln in die Mode!“ „Die Liedertafel?“ fragte ich verwundert, benutzte aber gleich die Pause, um das Glas meines Freundes wiederum zus dem belebenden Quell zu füllen, den ich vor uns über dem lauen Flämmchen glühend erhielt. Leider, die Liedertafeln!“ wiederholte er, indem er heftig en seiner Pfeife sog und große Dampfringe vor sich hinstieß Sie sind mir niemals recht gewesen, der ewige Männergesang! Es ist, als ob ich jahraus jahrein nur immer in den unteren dae spielen wollte! Auch war gar bald der Geruch der gierbank von ihnen unzertrennlich.— Gleichwohl konnte ich 15 umhin, die mir angetragene Direktion der neuen Lieder⸗ afel zu übernehmen. Es war eine bunte Gesellschaft: Hand⸗ berker, Kaufleute, Beamte; sogar ein Nachtwächter, der ein identlicher Mann und ein außerordentlicher Bassist war, wurde fgenommen. Und das mit Recht; denn die Kunst scheint mir eilig, daß die Erdenunterschiede in ihr keine Geltung haben nnen. „Ich muß sagen, daß die Uebungen derzeit mit Ernst und Elfer vor sich gingen; während die eine Stimme geübt wurde, landen die anderen nicht zu schwatzen, sondern hatten hübsch us Buch vor der Nase und buchstabierten in Gedanken ihre imme mit. Solcherweise hatten wir denn auch schon zwei Aserer Winterkonzerte glücklich hinter uns; da, einige Tage zr dem dritten, erkrankte der Haupttenorsänger— ein weißer abe mit dem hohen b— ohne den mehrere mühsam eingeübte gummern ganz unmöglich wurden. „Ich ging umher und sann, wie die Lücken auszufüllen „Evangelische Warte“ wegungen groß, die früher oder später mit dem Recht der Unterdrückten in ungeahnter Stoßkraft alle For— meln durchbrechen. Das sollten sich die Befürworter solcher Ausnahmegesetze aus der Erfahrung heraus sagen. F. V. A.(Dem„Aufwärts“ entnommen.) Auf der Warte. In China leben die Kampfhandlungen wieder langsam auf. Man war zunächst auf beiden chinesischen Seiten etwas zurückhaltender geworden, als man die japanischen Truppenlandungen, besonders in Tsingtau, erfuhr. Es dürfte bei den ferneren Kämpfen sich schwer— lich ein Zusammenstoß mit den japanischen Streitkräf— ten vermeiden lassen, die unser früheres Schutzgebiet stark befestigen.— In Ungarn macht sich eine lebhafte Mißstimmung gegen den Völkerbund breit, da dieser zu einer Regelung der zwischen Rumänien und Ungarn hängenden Streitfragen noch nicht gekommen ist. Un⸗ garn sieht in dieser Verschleppung eine Benachteiligung seinerseits. Verständlich daher, wenn in dem ungari— schen Parlament harte Ausdrücke gegen den Völkerbund fielen, ja selbst mit dem Austritt gedroht wurde.— Der Balkankonflikt Albanien⸗Jugoslawien scheint nun durch einen energischen Schritt der Großmächte in den interessierten Hauptstädten beigelegt zu werden. Beide Länder werden in ihren Forderungen unter dem Groß— machtdruck nachzugeben haben.— Im deutschen Reichs⸗ tag gab der Reichsaußenminister Stresemann eine vor— zügliche Erwiderung auf die Luneviller Hetzrede Poin⸗ cares. In ihrer ganzen Art maßvoll, aber doch alles sagend, hatte sie wohl ihren Höhepunkt in der Frage: Frankreich, wohin gehst du? Frankreich steht am Scheidewege; entweder folgt es dem friedfertigen Briand oder dem kriegslustigen Poincaré. Daß die Poincaré- und Stresemannrede nicht ohne Einfluß ge— blieben sind, erhellt schon der neue Beschluß der sozia⸗ listischen Partei Frankreichs auf ihrem Parteitag, in der neuen Heeresvorlage dem Regierungsentwurf in wichtigen Punkten scharfen Widerstand entgegenzusetzen. Das Ausland hat sich fast überall nach dem Bekannt— werden der beiden Reden auf Seite Stresemanns ge— stellt. Ob allerdings ein sonstiger fühlbarer Gewinn dabei herausspringen wird, bleibt zweifelhaft. Poincaré „hält es angesichts der politischen Lage nicht für an— gängig“, auf die Rede Stresemanns zu antworten. Ein schlauer Fuchs zieht sich überall aus der Schlinge!— Paris erlebt zur gleichen Zeit sein Sensatiönchen. Durch einen kühnen Handstreich wurde der Royalistenführer Daudet aus dem Gefängnis entlassen. Anhänger von ihm besetzten alle Telephonleitungen zum Justizmini— sterium, der Gefängnisdirektor bekommt den energischen Befehl zur sofortigen Freilassung, angeblich aus dem Ministerium, er tut's und— Daudet ist verschwunden! Nun heißt es: Haut ihn! Wer ist der Schuldige? Wo sind die Missetäter! Das Organ Daudets hat einen Teil des Schlachtplans enthüllt, aber die Helfer verrät es nicht. Nach den letzten unbestätigten Meldungen soll Daudet in der Schweiz aufgetaucht sein. Wie dem auch sei, das Blatt Daudets findet rasenden Absatz! Und wenn's nur ein Geschäftstrick war!— Im deutschen Reichstag wurde weiter der italienisch⸗deutsche Vertrag genehmigt, der uns hoffentlich Rechte in die Hand gibt für unsere Stammesgenossen in Tirol mehr eintreten zu können.— Der hessische Landtag hatte sich mit einer Anzahl die Wahl betreffenden Anträgen zu befassen Der Antrag auf Schaffung von Einzelwahlkreisen wurde abgelehnt. Die Herabsetzung der Abgeordnetenziffer ebenso mit Stimmengleichheit. Sonderbarerweise stimmte selbst die Sozialdemokratie dagegen.— Die Wahlperiode wurde auf 4 Jahre erhöht.— Amerilani⸗ sche Journalisten bereisten in der letzen Woche den Rhein und statteten in Mainz und Darmstadt dem Hes— senland einen Besuch ab. Verschiedenes. Zahlen, die uns erschrecken. In Nr. 23 vom 5. 6. 27 finden wir in dem Wochen⸗ blatt„Der Hausarzt“ einen Hinweis darauf, wie der Wert der Reichsgoldmark seit der sogenannten„Stabi— lisierung“ der Währung von Jahr zu Jahr gefallen ist. Dort heißt es:„Wenn wir des Vergleiches halber die Mark am 1. Januar 1924 100 Festwert-Pfennige setzen, dann betrug ihr Wert: am 1. Januar 1925 nur noch 87,7 Pfg., am 1. Januar 1926 nur noch 76,6 Pfg., am 1. Juli 1926 nur noch 75,5 Pfg., und seitdem geht es immer bergab.“ In Nr. 23 unserer „Evangelischen Warte haben wir in einem Mahnruf an den Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht auf das Sinken der Kaufkraft unserer Reichsmark schon einmal hinge— wiesen. Jedenfalls geben die obigen Zahlen zu ernsten Befürchtungen berechtigten Anlaß. Die Zentrumsfiliale. Da die Evangelische Volksgemeinschaft es ablehnte, in Verbindung mit dem Zentrum einen evangelischen Zweig zu bilden, drohte man, ohne sie ein evangelisches Zentrum zu gründen. Es hat sich jetzt ein Reichsbund deutscher Föderalisten aufgetan, der seinen harmlos und schön klingenden Aufruf an„die deutschen Brüder in allen Gauen Deutschlands“ versendet. Wes Geistes Kind die Neugründung ist, ersieht der Kundige sofort daraus, daß sie mit dem Reichs- und Heimatbund deut⸗ scher Katholiken(Köln, Sachsenring 26) zu der„Ar⸗ beitsgemeinschaft deutscher Föderalisten“ zusammenge— schlossen ist. Auch der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft spricht Bände. Er besteht aus den Herren: Alpers, M. d. R., Rauch-München, M. d. R. und Universitäts⸗ professor Dr. Schmittmann-Köln. Das gemeinsame Organ soll die„Deutsche föderalistische Korrespondenz“, Verlag G. Jakob⸗Hannover G. m. b. H. sein. Unter den Unterzeichnern des Aufrufes findent sich— der Kundige weiß Bescheid— die Namen: Universitäts— professor Dr. von Martin-München, Adam Rö⸗ der Karlsruhe, M. d. R., usw. Aber auch evange— lische Pfarrer, Lizentiaten, Kirchenräte, Schuldirekto— ren, Geh. Konsistorialräte, Missionsdirektoren werden als Unterzeichner aufgeführt, von denen es einem weh tut, sie in der Gesellschaft zu sehen, und bei denen man sich fragen muß, wissen sie wirklich, wozu sie ihren Na— men hergaben. Sitz des Reichsbundes deutscher Föde— ralisten scheint Hamburg und das Haupt Herr Alpers, M. d. R., ebendort, zu sein. Der Spaltpilz im Zentrum. Die„Märkische Volkszeitung“ vom 7. Juni 1927 schreibt:„In der sonst ganz katholischen westfälischen Stadt Rheine, dem Zentrum der Textilindustrie des Münsterlandes, hat man es jetzt erleben müssen, daß bei den Gemeindewahlen sieben verschiedene Zentrums— listen aufgestellt wurden und im Kampf miteinander lagen. Das Ergebnis sind folgende Stimmenzahlen: Kaufleute und Handwerker-Zentrumsliste 474, Allge— meine Zentrumsliste 282, Angestellten-Zentrumsliste 206, Arbeiter-Zentrumsliste rechts der Ems 1375, Be⸗ amten-Zentrumsliste 362, Frauen-Zentrumsliste 389. Wie ein Hohn mutet inmitten der Standeslisten die „Allgemeine-Zentrumsliste“ an, für die, mit Ausnahme einer Standesliste, die wenigsten Stimmen abgegeben wurden.“— Dazu bemerkt das Blatt an sich richtig: „Diese Art von Berufsegoismus bedeutet Kampf Aller gegen Alle, er ist geistloser dumpfer Materialismus allerschlimmster Art.“ Daß aber der Nährboden die— ses„geistlosen dumpfen Materialismus allerschlimm— ster Art“ gerade das Zentrum ist, wird man sich merken dürfen. 2 Wann soll das römische Konkordat kommen? Auf einem Parteitag des sächsischen Zentrums in Dresden am 11. Juni 1927 teilte— laut„Bayerischem Kurier“ Nr. 169— Generalsekretär Dr. Bockel-Berlin in einem Referat über die politische Lage mit:„daß man mit dem Abschluß eines Konkordats in Preußen vielleicht noch in diesem Jahre rechnen könne.“ seien; aber Aennchen hatte längst für mich beschlossen: Lassen Sie Ihr Klavier in den Saal tragen und spielen Sie selber etwas! Was wollen Sie Ihre schöne Musik immer nur an mich dummes Ding und da droben an unsere alte Kunstfigur verschwenden!' „Ich drohte ihr zwar mit dem Finger; aber es wurde den— noch so, wie sie es wollte. „Zu meinem Vortrage hatte ich mir die Mozartsche Phan— tasie-Sonate gewählt, die damals noch nicht so von allen Musik— schülern abgeleiert war. Morgens vor und abends nach meinen Unterrichtsstunden saß ich eifrig übend am Klavier; und wenn ich so allein mich in das Werk vertiefte, war mir mitunter, als nickte mir der große Meister zu, und ich hörte ordentlich seine Stimme: Schon recht, schon recht, lieber Valentin! So hab' ich mir's gedacht, ganz gerade so!!—— Einmal, da ich eben das Adagio geschlossen hatte, stand plötzlich die Signore Kate— rina in der offenen Stubentür und lachte gläsern mit ihrer zerbrochenen Sopranstimme, was mir damals höchst abscheulich klang; aber sie behauptete, noch immer lachend, ich habe selber und gar laut und andachtsvoll jene ermutigenden Worte aus—⸗ gerufen. Dann wieder klopfte sie mir die Wangen mit ihrer vollberingten mageren Hand.„Nun, nun, caro amico, sagte sie, der große Meister selbst ist nicht mehr da; aber seine Schülerin ist zugegen gewesen, und die ruft: Bravo bravimissimo! Aber jetzt auch Da capo! Wir werden einiges zu bemerken haben!“ „Und jetzt, während ich das Adagio wiederholte, stand sie, leise Winke und Worte gebend, hinter meinem Stuhl; Sie glau— ben nicht, was für Musik in dieser alten Seele steckte!—— Und dennoch hatten fast alle Mühe, das Lachen zu verbeißen, wenn einmal in anderer Gegenwart die Wut des Gesanges sie mar r befiel. Nur mich wandelte nie dergleichen an; mich erfüllte diese Wirkung, die sie mit all ihrer Kunst nur noch allein her— vorzubringen vermochte ich kann nicht sagen, mit Erbarmen denn dessen bedurfte sie nicht als vielmehr mit einem unerklärlichen Gefühl des Schreckens; fast als sei ich selber, der dadurch preisgegeben wurde. Sie freilich ahnte nichts von alledem; stolz wie eine Königin, mit ihrer roten Kaschmirschale sich drapierend, stellte sie sich in die Mitte des Zimmers und schmetterte ihre großen Arien herunter. Ja, ich muß gestehen, wenn wir beide allein waren, so hörte auch ich, in meinem Trieb zu lernen, mehr ihre Seele als ihre Kehle singen; denn was sie ausdrücken wollte und was ich bald genug herauszu— hören verstand, schien mir fast immer das Rechte. „Und so saß ich auch jetzt am Vorabend des Konzertes als ihr gehorsamer und aufmerkender Schüler am Klavier; es störte mich selbst nicht, als ich draußen kleine bekannte Tritte die Treppe heraufkommen hörte; ja, ich sah nur kaum die strenge Handbewegung der Signora, mit der das leise eintretende Aennchen an die Tür verwiesen wurde. Aber wie hergezogen war sie allmählich nähergekommen, und bald, beide Arme in ihr Schürzchen gewickelt, lehnte sie neben mir auf dem Klavier, und ich fühlte, wie sie mich mit ihren großen braunen Augen unverwandt betrachtete. Ich spielte voll Begeisterung weiter. Als ich zu Ende war, stieß Aennchen einen tiefen Seufzer aus. Das war schön!' sagte sie.„Mein Gott, Herr Valentin, was lönnen Sie doch spielen!' Die Signora legte wie segnend die beringte Hand auf meinen Kopf. ‚Mein Lieber, Sie wer den einen schönen Sukzeß erringen!' Und im selben Augen— blick fühlte ich auch eine Pfefferminzpastille zwischen meinen Zähnen. Fortsetzung folgt. Vorstandssicung in Frankfurt. Am 26. Juni fand im Hospiz„Kronenhof“ in Frankfurt a. M.* sehr gut besuchte Sitzung des Vorstandes und der Leiter der Geschäftsstellen der 10 hessischen Werbebezirke statt. Der Vorsitzende Dr. jur. Moegenburg eröffnete und begrüßte die Versamm⸗ lung. Alsdann erstattete Pfarrer Veller⸗Bretzen⸗ heim Bericht über den Stand der Werbearbeit in Hes⸗ sen. Daran schloß sich eine lebhafte Aussprache an, über die weitere Gestaltung der Propaganda. An zweiter Stelle berichtete Reichsgeschäftsführer Weidner über die politische Lage in Hessen. Er ging aus von der Tagung des deutsch⸗evangelischen Kirchentages in Königsberg. Ganz unbegreiflich, sei es, daß man in Anbetracht„der politischen Lage“ von einer Entschlie— zung über das Konkordat abgesehen habe. Die Ver⸗ sammelten sahen darin übereinstimmend ein klägliches Versagen des Kirchenbundestages aus Furcht vor dem Zentrum. Diese Führung der deutsch-evangelischen Kirchen macht durch solches Versagen keinen vertrauen— erweckenden Eindruck. Der Redner sprach dann über die politischen Zustände in Hessen. Dort interessiert hauptsächlich das aus blasser Furcht von den Abgeord— neten aller Parteien außer den Kommunisten verschlech⸗ terte Wahlgesetz. Um Splitterparteien zu verhindern, hätte die Forderung von 7000 Unterschriften genügt. Unmoralisch aber wirkt die weitere Forderung einer Kaution von 5000 Mark. Damit wird verlangt, daß eine neue Partei Anschluß an irgend ein Kapital hat. Daß so etwas die sozialdemokratische Partei hat gut—⸗ heißen können, wirft ein eigenartiges Licht auf ihren Kampf gegen das Kapital. Nicht uninteressant ist auch der demokratische Antrag, die Zahl der Abgeordneten von 70 auf 50 herabzusetzen. Redner betont, daß dieser Antrag rein dem Agitationsbedürfnis der Demokraten entsprungen sei. Die demokratische Partei war vorher sicher, daß ihr Antrag abgelehnt wurde. In sehr offe- ner Weise hat ja der Abg. Kaul(Soz.) erklärt, daß dieser Antrag„Schaumschlägerei“ sei. Würde er an— genommen, bekämen weder die Demokraten noch die Deutschnationalen noch einen Sitz im Landtag. Auch der Bauernbund hat den Antrag abgelehnt, der doch immer im Landtag für das Sparen eingetreten ist. Im Bauernbund hat es wieder einen Riß gegeben. Dr. Dehlinger ist bei ihm ausgetreten. Die Personal— politik des Zentrums hat sich wieder gezeigt, als für den erkrankten Minister des Inneren Brentano ein Stellvertreter ernannt werden mußte. Der Beamte, der die nächste Anwartschaft hatte, wurde übergangen. Dafür wurde Herr Kirnberger— als guter Zentrums— mann natürlich— vorgezogen. Auf einmal zetern auch die Sozialdemokraten und die Demokraten— vergl. „Hess. demokratische Wochenschrift“ Nr. 24— über die Personalpolitik des Zentrums, ihres Koalitionsgenos— sen. Was wird also? Die hessische Politik ist verwor⸗ rener wie je. Auch auf diese Ausfführungen folgte eine ausführliche Ansprache. In den künftigen monatlichen Vorstandssitzungen sollen jedesmal bestimmte politische Tagesfragen besprochen werden. Als nächste Zusam⸗ menkunft wurde der 24. Juli vom Vorsitzenden bekannt gegeben. Evangelische Warte Aus unserer Bewegung. Rixfeld. Am 12. Juni fand hier eine Versammlung der Evangelischen Volksgemeinschaft statt. Nach einleitenden Wor⸗ ten des Kreisvorsitzenden der Evangelischen Volksgemeinschaft, Herrn Schwarz-Rudlos, sprach der Reichsgeschäftsführer Pfarrer Weidner⸗Ober⸗Lais, über die Frage:„Warum brauchen wir eine Evangelische Volksgemeinschaft?“ Der Red—⸗ ner zeigte, gestützt auf gutes Beweismaterial, daß namentlich aus kulturellen und wirtschaftlichen Gründen der Zusammen— schluß aller Evangelischen dringendes Gebot sei, da die evan⸗ gelischen Velange von den zur Zeit bestehenden Parteien nicht in rechter Weise, ja oft überhaupt nicht vertreten werden. Die Evangelische Volksgemeinschaft soll eine wirkliche Volksgemein— schaft sein, in der sich Arbeiter, Bauern und Beamte die Hände reichen, um geschlossen gegen den Geist zu kämpfen, der unser Volk noch mehr zersplittert. Es heiße nicht: Hie Arbeiter, hie Bauer, hie Beamter, sondern: Hier Gemeinschaft der schaffenden Stände, die bereit ist, im Sinne des Evangeliums gegen den Atheismus und Materialismus zu wirken.— In der Aussprache wurde noch besonders der Gedanke der Volksgemeinschaft unter— strichen und ein Herr aus Lauterbach wies darauf hin, daß er trotz kleiner Bedenken fest glaubte, daß die Evangelische Volks— gemeinschaft Zukunft habe, daß sie berufen sei, alle Evangeli— schen— ohne Standesunterschied— zu sammeln. Stockhausen. Am 12. Juni versammelten sich in der Gast— wirtschaft Becker eine Anzahl hiesiger Bauern, Arbeiter und Handwerker, um von dem Kreistagsmitglied Bürgermeister Stock-Blitzenrod und dem Reichsgeschäftsführer der Evan— gelischen Volksgemeinschaft in das Wesen und die Ziese dieser Partei eingeführt zu werden. In einem, von viel Fleiß und eingehendem Studium zeugenden Vortrage, zeigte Herr Stock den gewaltigen Einfluß, den das Zentrum und die römische Kirche auf unser gesamtes politisches Leben ausübte, ausübt und ausüben will. Sodann führte Herr Pfarrer Weidner aus, daß es aus diesen Gründen notwendig sei, nicht mehr läs— sig zuzuschauen, sondern daß sich alle Evangelischen zusammen— finden müssen. Auch die wirtschaftlichen Nöte müssen uns zu— sammenführen. Denn auf der einen Seite geraten immer wei— tere Volkskreise in Not und Armut, während man auf der an— deren Seite die Nöte des Volkes nicht erkennt, nicht erkennen will. Gerade die Botschaft der Stockholmer Kirchenkonferenz gibt ihm als Pfarrer den Mut, evangelischen Geist ins politische Leben zu tragen, nicht nur Seel-, sondern auch Leibsorger zu sein. Die Evangelische Volksgemeinschaft, die nun schon zwei Jahre besteht, hat bis heute nicht nur in Hessen, sondern schon in ganz Deutschland begeisterte Anhänger. In Rheinhessen ar— beiten schon eine ganze Anzahl Ortsgruppen, Vertreter der Evangelischen Volksgemeinschaft sind in den Kreistagen und eine eigene Zeitung(„Evangelische Warte“) trägt allwöchent— lich die Gedanken der Evangelischen Volksgemeinschaft in wei— tere Kreise. Voll Zuversicht blickt der Redner darum den kom⸗ menden Wahlen entgegen, da er sest davon überzeugt ist, daß gerade auch die Landbevölkerung in der Evangelischen Volks- gemeinschaft die Gemeinschaft erblicken muß, die ihre Interes— sen am wirksamsten vertritt.— Daß diese Annahme richtig ist, zeigte auch der lebhafte Beifall, den die Ausführungen des Redners fanden. An der lebhaften Aussprache beteiligten sich mehrere Landwirte, Arbeiter und Handwerker. Es wurde be— sonders hervorgehoben, daß auch die Evangelische Volksgemein— schaft vor allem für das„Deutsche“ in Politik und Leben ein— treten solle. In seinem Schlußworte dankte Herr Pfarrer Weid⸗ ner noch für die rege Beteiligung an der Aussprache und zeigte, daß die Bezeichnung„evangelisch“ schon ein festes Programm verrät und daß auch das Wort„deutsch“ hier einbegriffen ist. Ortsgruppe Sindlingen der Evangelischen Volksgemeinschaft. Am Sonnabend, den 18. Juni, fand hier eine Versamm⸗ lung der Ortsgruppe Sindlingen der Evangelischen Volksge— meinschaft statt, die den Besuchern noch lange Zeit in Erinne⸗ rung bleiben wird. Herr Dr. jur. Moegen burg legte in treffenden Worten dar, wie notwendig gerade in unseren Tagen — in der Zeit der Gefahr für die Kirche und evangelisches Le— ben— der Zusammenschluß der Evangelischen in einer politi⸗ schen Partei ist. Er gab den Versammelten in längerer Aus— führung einen Ueberblick über die politische und kulturelle Lage Deutschlands auch in Bezug auf das Konkordat und wies auf die Stellung der Evangelischen Volksgemeinschaft hin, deren ablehnende Haltung er eingehend begründete. Darauf folgte eine sehr angeregte Debatte. Herr Pfarramtskandidat Bode der eigentümlicherweise in der Gründung einer evangelischen Partei— die sich doch zur Aufgabe gemacht hat, Kirche und evangelische Belange zu vertreten und zu schützen— eine Ge— fahr für die Kirche sah, wurde von Herrn Dr. Moegenburg in glänzender Gegenbeweisführung abgeführt. In schon vorgerück— ter Stunde wurde die Versammlung geschlossen. Der lang an— haltende Beifall, den Herr Dr. Moegenburg erntete, bezeugte den Dank der Versammlung, die das Resultat hatte, daß sich die Mitgliederzahl wieder um einige neue Bekenner zur Evan— gelischen Volksgemeinschaft vermehrte. Zur allgemeinen Beachtung! Herrn Albin Klein zu Gießen. „Unter all den vielen mir vorliegenden Steuer⸗ kassebüchern ist das Ihrige das beste“. Senden Sie mir ein solches. Schneidermeister Heinr. Irrle in Herborn Jeder Geschäftsmann sollte diese Beurteilung beachten und eine entsprechende Bestellung mir zugehen lassen. 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