ung Fortschreiten der Ansicht, daß die deutsche Frau, vom Organ der Evangeli schen f Erscheint zunächst wöchentlich am Samstag. Bezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus. Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. Schriftleitung: Edwin Hamburger in Staden(Oberh.) Jahranna. * 2. ——— 1 Die Grundlage eines geordneten, kulturell hoch- stehenden und vorwärtsstrebenden Staatswesens ist stets die Familie, kann nur diese sein. Sobald es in den letzten Kriegsjahren, insbesondere in der Nachkriegszeit, in der Familie mit Zucht und Sitte bergab ging, ging es auch im Staat mit Zucht und 1 Sitte immer mehr bergab, mit Unmoral und Atheismus immer mehr bergauf. Die traurigsten Erscheinungen ttlicher Verwilderung und Verwahrlosung und des Abfalls von Gott findet man heute noch, wo doch in anderen deutschen Landesteilen das Bild sich, Gott sei Dank, etwas gewandelt hat, immer noch im roten Sach⸗ sen, und dessen rötestes Herz, der Plauensche Industrie— grund, marschiert da mit seiner Sozialistenherrschaft, die sich überall breit macht, an der Spitze. Verbände, denen anderswo im Reiche viele christlich denkende Kreise angehören, wie z. B. der Bund der Kinderreichen, stehen hier stark unter sozialistischem Einfluß, ebenso der Bund Deutsche Jugendherberge, der gerade infolge der Pflege der Jugendwanderungen von großem Einfluß auf unsere Jugend ist. Schrankenlos herrscht hier das Freiheiler- und Atheistentum, Jugendweihe usw. Das sind schwere Gefahren, die umso schwerwiegender wirken, als man im Reich, außerhalb Sachsens, sie gar nicht er— lennen und kennen kann, weil man der Meinung sein muß, daß solche Verbände politisch neutral sind. Hand in Hand mit der zunehmenden Lockerung des Familienlebens und der guten Sitten geht das Mädchen an, mehr als eine Art Beuteobjekt zu betrach— len ist. Um so schwerer und ernster ist die Bürde der Verantwortung, die jetzt auf die Schultern jeder deut— schen Frau gelegt ist, die es ernst mit ihrem Volk meint. Darüber hat vor einiger Zeit die Vorsitzende der Evan⸗ gelischen Frauenverbände Deutschlands, Frau Gertrud Becker⸗Diestel, Berlin, in Dresden an einem Vortrags- und Bekenntnisabend des Verbandes der Evangelischen Frauenvereine einen tief schürfenden Vortrag gehalten und die Gefahren beleuchtet, die heute Frauen und Mädchen bedrohen: In sklavischer Abhängigkeit unter⸗ Reinheit und Sitte der Von Th. Baa re, Freital i. Sa. werfen sich unsere Frauen und Mädchen den Gesetzen einer schamlosen Mode. Man muß hinzufügen, daß auch der Körper unter diesen zum guten Teil durchaus un⸗ hygienischen Modelaunen leidet. Die öffentliche Un⸗ sittlichkeit macht sich breit auf der Straße in Wort und Abonnements⸗ u. Anzeigen⸗Annahmestelle, Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher 1362 und 1145. Postscheckkonto 8437 Frankfurt a. M. Sonnabend, den l. i Bild, in Verkaufsständen und Buchhändlerläden, in widerlichen Anpreisungen, in gewissen sensationslüster⸗ nen Presseerzeugnissen(in Dresden wird jetzt energisch gegen diese Skandalblätter gekämpft), mit besonderer Eindringlichkeit auch von manchen anderen Bühnen (Revuen) und von der weißen Leinwand pflichtverges— sener Kinos herab. Gewisse Gefahren birgt weiter der bis zum Uebermaß gesteigerte Körperkult bei manchen sportlichen Uebungen in sich. Kennzeichnend für den Geist unserer Zeit sind ferner die lebhaften Bemühungen weiter Volkskreise um die Aufhebung des 8 218 BGB. Hieran beteiligt sich in hervorragendem Maße die So⸗ zialdemokratie und der Kommunismus, und man kann in Sachsen Umzüge mit fliegenden Fahnen beobachten, an denen Frauen und kleine Kinder teilnehmen, die die Aufhebung dieses Paragraphen marktschreierisch ver— langen. Eine grenzenlose Begriffsverwirrung über das, was erlaubt und verboten ist, hat sich namentlich bei unserer heranwachsenden Jugend eingenistet. Konnte doch unlängst eine Führerin der vein intellektuell gerich— teten Frauenbewegung das Wort prägen:„Die Ver⸗ pflichtung der Frau zur Mutterschaft kommt einem Ver⸗ dummungsprozeß gleich.“ Ueberhaupt spielt der Be⸗ griff Verdummung bei der Verhetzung durch die Sozial⸗ demokratie die größte Rolle. Die furchtbare Gefahr, in der unser ganzes Volks⸗ tum steht man blicke nur nach Frankreich und Ruß⸗ land hinüber— spiegelt sich in den vorstehend skizzierten Ausführungen von Frau Becker-Diestel wieder. Man darf wohl von den christlichen deutschen Frauen sagen, daß sie das Herz des deutschen Familien- und Volks⸗ lebens bilden. Ihnen erwächst in erster Linie die hohe sittliche Pflicht, für die Aufrechterhaltung des deutschen Familienlebens in seiner gangen Nein hoi d Klarheit und für die Erziehung der deutschen Jugend im deut⸗ schen und christlichen Geist zu sorgen, um ihr den rech⸗ ten sittlichen Rückhalt zu geben im Aufblick zum Kreuz dessen, der in Golgatha litt und starb. Die Schuld an der Entsittlichung unseres Volkes liegt nächst dem Ab⸗ fall von Gott vornehmlich am Schwinden des Familien⸗ gedankens und des Sinnes für die Reinhaltung des deutschen Hauses, an der Erleichterung der Eheschei⸗ dungen und an der zunehmenden Alkoholnot. Da muß die echt deutsche Frau liebende, aber auch starke Hände ausstrecken, um Seelenreinheit und deutsche Sitte im Lit und ie err N 8 N einschaf Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg., am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen Vergünstigung. Niunmer 31. Hause und vor allem bei ihren Kindern zu pflegen und zu wahren. Auch auf dem Gebiete der Sittlichkeit muß die evangelische Freiheit umgesetzt werden, wie Frau Becker⸗Diestel mit Recht meint, in eiserne Selbstzucht, in freiwilliges Verzichtleisten auf unbeschränktes Ge— nießen und in strenges Verantwortlichkeitsgefühl. E ˙¹·.A. A Dreizehn politische Geole. Ein Vorschlag des deutsch⸗volksparteilichen Campe. Der Vorsitzende der deutsch-volksparteilichen Frak⸗ tion im preußischen Landtage, Abg. von Campe, macht in der„Kölnischen Zeitung“ einen sehr beachtenswerten Vorschlag zur Entgiftung des politischen Lebens in Deutschland. Unter Hinweis auf sehr nachahmenswerte Beispiele in England und in den Vereinigten Staaten schlägt er vor, eine Reihe von Fragen aus der politischen Diskussion auszuschalten, d. h. als solche zu behandeln, die nicht mehr dem Meinungsstreit unterliegen. Er stellt folgende dreizehn Gebote auf: 1. Republik oder Monarchie. Wir haben eine Re⸗ publik. Ohne Umsturz ist eine Aenderung nicht möglich. . Neuer Umsturz brächte uns völlige Entkräftung. Der Realpolitiker rechnet mit gegebenen Verhältnissen. Staat und Volk können keinen Vaterlandsfreund ent⸗ behren. Für theoretische Erörterungen über die beste Staatsform ist die Zeit zu ernst. 2. Die Weimarer Verfassung. Die Verfassung ist die Grundlage unseres Staatslebens. Man mag sie schätzen oder nicht— man soll sie nicht verdächtigen, nicht gering von ihr denken. Das erhitzt von neuem Gemüter. Besser ihre Fehler verbergen, als sie erschüt⸗ tern. Das schließt sachliche Verständigung über diese oder jene Veränderung nicht aus. Offenes, ehrliches Bekenntnis zu ihr sollte Gemeingut aller Parteien sein. Und das Gegenstück dazu: 9. Achtung vor unserer großen Vergangenheit. Der ewige Vergleich des Einst u. Jetzt, der stets parteipolitisch gefärbt ist und nur verhetzt, muß aus dem politischen Streit ausscheiden. Blick und Arbeit des Politikers ge⸗ hören der Zukunft. Sie dürfen durch solchen Streit nicht geschwächt werden. 4. An die Person des Reichspräsidenten darf sich der politische Streit nicht heranwagen. Seine Stel⸗ lung über den Parteien muß allseits selbstverständlich anerkannt sein. 5. Sobald die Flaggenfrage geregelt ist, ist diese Regelung von allen Parteien loyal anzuerkennen. Der Der Christ und der Sport. (Predigt gehalten bei dem Festgottesdienst zur Eröffnung des Sportfestes zu Staden am 18. 7. 1926 von Pfarrer Hamburger.) 1. Kor. 3.16.17. Wisset ihr nicht, daß ihr Gottes Tempel seid, und der Geist Gottes in euch wohnet? So jemand den Tempel Gottes verderbet, den wird Gott verderben; denn der Tempel Gottes ist heilig; der seid ihr. In dieser Morgenstunde beginnen wir in unserem Orte zum kisten Male ein weltliches Fest mit einem Festgottesdienst. Ehe unser Sportverein sein jugendliches Spiel beginnen will, ist er geschlossen hierher in seine Heimatkirche gekommen, um vor dem frohen Jugendtreiben eine ernste Einkehr zu halten bei Gott dem Allmächtigen, bei dem Geber aller guten Gaben, bei dem Schöpfer auch eurer Jugend. Da denke ich zuerst an die Kanzel meines Heimatortes, von der in meiner Jugend, als der Sport in Deutschland noch etwas Neues war, vor ihm gewarnt wurde, als widerstrebe der Sport tinem christlichen Leben. Heute hat sich jedoch vieles hierin geändert. Schauen wir auf unsere Nachbarorte, so ist es in un⸗ erer Zeit üblich geworden, Sport- und Turnfeste mit einer Feier auf dem Friedhof zum Gedächtnis der im Weltkrieg Ge— 0 sallenen oder mit einem Festgottesdienste in der Kirche, oder duch mit beidem zu beginnen. Da soll nun heute der Apostel Paulus zu uns reden mit einem ernsten Mahnwort. Mit hei⸗ lern Ernst spricht er über den Menschen. Fragen wir uns, wie er Christ zum Sporte stehen soll, dann gibt uns Paulus eine doppelte Antwort: 1 1. Der Mensch ist Gottes Tempel, den niemand ungestraft ver— derben darf. 2. Der Mensch ist Gottes Tempel, in dem Gottes Geist wohnt. 115 Wie mancher an alte Vorstellungen gewohnte Christ wird sch heute wundern, wie man ein Sportfest in einer christlichen Lirche beginnen kann. Was hat der Sport mit Religion zu un? Scheint nicht der Sport gerade etwas unfromm zu sein esonders denen, welche die Frömmigkeit sich nur vorstellen kön⸗ den als etwas, das uns fernhält von jedem Zugeständnis an as Irdische? Haben wir aber nun nicht gerade dem gegenüber orhin am Altar unseren großen Apostel gehört, Bilder aus dem riechischen Sportleben gebrauchen? Paulus spricht vom Laufen 11 9 1 = Vom Fechten redet er. Das ist eine vielgepflegte griechische Sportart. Diese Bilder gebraucht der Apostel in einem Briefe an seine Gemeinde in Korinth. Dort in dieser bedeutenden Stadt Griechenlands wurde er verstanden. Denn Griechenland ist ja das Mutterland der Leibesübungen. Die griechische Jugend hat ihren Körper gestählt durch Wettlauf, Diskus- und Speerwerfen, mit Fechten und Ringkampf. Wenn dann die Besten aus dem ganzen Volke in Olympia zusammenkamen, um in friedlichem Wettbewerb die Kräfte und die Geschicklichkeit zu messen, so wäre das nicht denkbar gewesen, ohne daß die Jugend Griechen— lands sich vereinigt hätte bei der Opferfeier für den Zeus von Olympia. So haben die Heiden ihre Sportfeste begonnen mit ehrfürchtigem Gottesdienst. Wieviel mehr dürfen wir Christen solches tun! Im erxsten Artikel unseres Glaubensbekenntnisses hören und bekennen wir, daß uns Gott geschaffen hat. Die wertvollste irdische Gabe, die uns der Schöpfergott gab, ist unser Körper Wie heilig läßt der Apostel Paulus in unserem Text uns über unseren Körper denken. Er nennt ihn einen Tempel Gottes. Ein furchtbares Drohwort fügt er bei. Wer diesen Tempel Hottes verdirbt, den wird Gott verderben. Es ist ganz einerlei wodurch der Körper verdorben wird, sei es Unzucht und Laster⸗ leben, sei es Vernachlässigung oder sonst ein anderer Grund. Wie wahr dieses Drohwort ist, das lehrt uns ja die Geschichte. Als die Bewohner der reichen Handelsstadt Karthago an der Küste Nordafrikas so reich geworden waren, daß die Bürger nicht mehr s in den Krieg ziehen wollten, sondern Söldner für ihre Heere warben, die ihre Heimat schützen sollten, da waren es die römischen Bürger, die diese Stadt, in der nur dem Wohl- leben gehuldigt wurde, vollständig vernichteten. Als dann Rom selbst auf seiner höchsten Höhe stand, die Jugend nicht mehr wie früher den Körper stählte und abhärtete, sondern sich der Schwel— gerei und dem üppigen, ausschweifenden Wohlleben hingab, da aren es unsere germanischen Vorfahren, welche das Römerreich beseitigten. Auch unser Volk möchte man gerne verderben. halb hat man verboten, unsere Jugend gleichmäßig in den Kasernen in Kraft und Geschicklichkeit auszubilden. Wie jene gealterten Völker möchte man auch unser deutsches Volk gerne u Grunde gehen sehen. Da liegt es an unserer deutschen Jugend, den heiligen Tempel Gottes nicht verderben zu lassen, damit uns Gott nicht verdirbt. Des⸗ in den Schranken. Damit meint er den griechischen Wettlauf. g 2. Der Apostel Paulus will uns diese Pflicht ganz besonders dringlich machen durch den Hinweis:„Der Geist Gottes wohnt in euch!“ Dieser Körper ist das Haus eines Stückes der Gott⸗ heit. Er ist die Wohnung der unsterblichen Seele. Das Haus hat den Zweck, dem Bewohner dienstlich und nützlich zu sein. Das Haus ist demnach nicht die Hauptsache, sondern der Be— wohner. Der Körper ist nur ein Diener der unsterblichen Men⸗ schenseele. So muß auch die Pflege dieses Körpers allein im Hinblick auf die Seele beurteilt werden. Sport und Körper⸗ pflege darf niemals Selbstzweck sein, sondern muß eine Ab⸗ zweckung auf die unsterbliche Seele haben. Da warne ich unsere heute so zahlreich vertretene Jugend vor einer epidemisch auftre- tenden Krankheit. Es ist die Rekordsucht. Diese Rekordsucht ist unchristlich, weil sie den Menschen veranlaßt, den Sport um irdischen Ruhmes willen zu treiben. Das ist aber ein Mißbrauch des Sportes. Niemals darf der Mensch Sklave der irdischen Ruhmsucht werden und von falschem Ehrgeiz seinen Körper miß— handeln lassen. Auch durch den Sport, wenn er Wert haben soll, muß der innere Mensch wachsen. Haben wir es nun mit einem von den Auswüchsen und Fehlern gereinigten Sport zu tun, dann kann er erzieherisch und bildend auf den Charakter des Menschen wirken. Er kann helfen, die natürliche Feigheit des Einzelnen zu überwinden. Er kann das Gemeinschaftsgefühl gründen und stärken. Wie wertvoll kann er werden, wenn er dazu beiträgt, im Einzelmenschen die Notwendigkeit zu wecken, sich selbstlos für eine große Idee, einen über ihm stehenden Gedanken einzusetzen. Dazu soll er helfen, unsere Jugend wieder zur Treue zu erziehen sowohl gegenüber irdischen Gemeinschaften, wie Volk u. Vaterland, als auch gegen⸗ über der Geistesgemeinschaften, wie Christentum u. Kirche. Haltet treu und charakterfest an dem Erbe, unseres Dr. Martin Luther fest, der auch euch hinsichtlich des Sportes das Schriftwort zu— ruft:„Alles ist euer, ihr aber seid Christi!“ Jugend hat etwas vor dem Alter voraus. Das ist die 8 erung. Wir wollen auch euch heute eure Begeisterung für euren Sport von Herzen gönnen. Nicht griesgrämig wollen wir Alten auf euch Jungen sehen. Werden wir lieber wieder jung mit den Jungen. Aber nie möge eure Begeisterung auf Ab⸗ wege kommen, sondern eingedenk der ernsten Apostelworte allein gerichtet sein auf das Reine, das Wahre und das Edle. Das Ve 0 helfe Gott. Amen. Sonnabend, den 31, Julk 1926.- „Evangelische Warte“ Nr. 31. ————————————— ͤ—ͤ—̃—.— Jeber sollte vor Streit ist bann endgültig begraben, ber Sinn für ber Flagge bann Achtung haben, bie nattongle Wilrbe zur Aflicht macht 6, Pie Frage ber Krlegsschuld. Ste ist durch bie Môissenschaft zu klären. Bio zum Abschluß schelbet gie aus beim polltischen Strelt aus. Auf alle Fälle ist ber treit auf vaterlänbischen Ton abzustellen 7, Demokratie und Parlamentartemus sind so lange lein Gegenstand bes polltischen Streite, als nicht ber Nachwels erbracht ist, daß auch heute schon der Aufhau unsereg Staates auf k anderer Grundlage als demokratisch parlamentartscher ohne neue Verwirrung burchführbar it. Per theoretische Strelt über ben Wert ober Un wert pon Pemokratle und Parlamentartemus schelbel 0, g. Pie Aufwertungefrage gilt als endgültig ge regelt, Härten und Unblilligketten werben als unah anberlich hingenommen. Per Streit barlber schweigt, er ist nur unpraktlsch, folglich unpolltlsch, 0, Passelbe galt von der Fürstenabsinbung nach Ah, schluß ber schwebenben Fragen, 10, Vie burch Genf und Locarno geschassenen Tat sachen ind anzuerkennen. Sie sind die Grundlage unse rer Außenpolltilk, I Per Gebanke, daß wir Perlorenes burch Krieg, wleberbetkommen könnten, ist heute unbiskutabel. Ex sollte auch in Untertönen micht auschwingen, 12, In den außenpolktischen Fragest hat bie öffent liche Erörterung sich ohne Fühlung imtt der verantwort lichen Leltung weiteste Zurückhaltung aufzuerlegen, 13. Jeder Tag kann neue Fragen so weilt klären ober in seine ganz andere polktische Lage hingestellt sehen, baß beren polltische Neutrallsterung gur Stagtenot wenbigkelt wird, Die E. hat schon wiederholt darauf hingewiesen, daß die Parteien im Streit um Dinge, die für den Augenblick ganz belanglos sind, die nächst liegenden Uflichten gegen das Voll ganz vergessen. Es wäre jebensalls recht erfreulich, wenn die Anregungen Cam! peg auf fruchtbaren Boden Lale. 2 Allf der Warte. Wie mir mitgetellt wird, hat die Lesergemeinde unserer„Evangellschen Warte“ die Wochenschau in den letzten Nummern vermißt. Wir haben einmal während ber Sommersferten versucht, ohne diese ausgukommen, Auf Wunsch unserer Leser setzen wir sle nun fort u unter elner neuen Ueberschrift, Von hoher Warte aus wol len wir beobachten, was alles in der Welt, in unserem deutschen Paterlanb und auch in unserem kleinen Hef senläunbchen vorgeht, Zuerst lenke ich dle Augen nach Westen. Port in Frankreich macht man schwere Zelten durch. Die In [batten m ist auch dort u eingetreten. Der Franke allt mur noch 8 Pfennige. Wenn der Leser dies Blatt in ble Hand bekommt, gilt ger wohl noch weniger. Nicht so ruhig wie bel uns erträgt man in Frankresch eine solche Gelbentwertung. Purch mehrere Demisstonen hatte sich Brand immer wieder an die Spitze einer neuen Reglerung stellen können. Jetzt ist er durch dle Frantenstültzungspläne selnes Finanzministers Cas! bau endgültig gestürzt. Ein neues Kabinett Her ot sollte nun die Frankenrettung versuchen; es it aber auch sofort in die Brüche gegangen. steigt der Brotpreis fortwährend. Was baraus wohl noch alles entwickeln! In Polen fleht ses nach der Neuordnung durch Pl, ub gerade nicht geordneter aus. In Warschau ind hundert Kommuntsten in ein Gefängnis einge brochen, um die Gefangenen zu befrelen. Der Poliges gelang ses nach heftigem Kampfe mtt Stöcken und Kuflp peln, die Kommunisten gu vertreiben. Die Offiziere der polnischen Armee lassen sede Art von Diogiplin vermif sen. Elin Kraftdroschkenführer wurde kurgerhand von einem Fltegerosfigter erschossen. Darauf wurde von den Kollegen eln Boylott über die Fliegerossigtere ver hängt. In Lodg haben gwel Offiztere einem Wagen führer der Straßsenbahn ein Ohr abgehauen. Die Ach (ung vor der Armee sei ein der Bevölkerung merklich ge wird In Deutschland sucht man einen Platz für da Ehrenmal für die Helden des Weltkriegs. Die einen wollen es bel Berka in Thüringen, die anderen auf ber Insel Lorch am Rhein haben. Darüber herrscht nun ein großer Streit. Sonst wüßte man ja nicht, daß man in Deutschland ist. In Germersheim in der Pfalz haben französtsche Solbaten ein Krtegerfest gestüört. Infolge dieser flegel haften Ausschretungen sind diplomatische Schritte in baris und bei ber Rheinlanbkommisston erfolgt, In Hannover wurde am 17. Juli das Urteil ver kündigt in der Pieziplinarangelegenhelt gegen die Stu blerenden anläßlich bes Falles Lessing durch den Rektor Ingwischen sich und Senat ber Technischen Hoöchschule Hannover. Es wuürben folgende Urtetle ausgesprochen „Einen Perweils vom Rektor und Senat erhielten bie Studierenden, deren Teilnahme an den Demon stratlonen durch Abnahme der Auswelskarten sestgestellt worben war. Auf Androhung des Ausschlusses von der Hochschule wurde erkannt gegen die Leiter der Be wegung. Gleichzeitig wurde mitgeteilt, daß an den Herrn Miulster ble Berufungen für die elf Relegierten vom Rektor und Senat inkt der Bitte um Strafmilbde rung weltergegeben worden find.“ 5 5 Deutschlands Kriegsbeschädigte. Von den 1½ Millionen Kriegsbeschädigten, die 1020 vorhanden waren, erhalten zurzeit noch 663 720 Mersorgungsgebührnisse. Nur solche Beschäbigte, die zu mindestens 25 Prozent in ihrer Erwerbsfähigkeit be hindert sind, erhalten eine Rente. Wer bis zu 50 Pro zent und mehr im Erwerb behindert ist, gilt als schwer (rlegsbeschäblgt. Cs waren in der Erwerbsfählglelt gemindert: um 30% 257 9890 38,97% 40% 112 436 16,9% 50% 123 513 18,6 60„ 63 809 9,6 00 48 162 735 80 24842 9,8„ 90 5 4786 97 über 90% 28 008 385 Blinde gibt es unter den Krlegsbeschädigten 2734. go an Lungentuberkulose Leldende erhalten Rente, was daher kommt, daß auch eine durch den Kriegsdienst herbesgeführte Leldensverschlimmerung einen Renten anspruch begründet. Von den 203 000 Schwerbeschädig ten ind trotz der Wirtschaftskrise nur etwa 18000 ohne Arbeit. Krlegswitwen zählte man im Oktober 1924 306 000. Die Zahl der Kriegswitwen hat sich durch Miederverhekratung selt Kriegsende um 200000 ver mindert. Insgesamt e gibt das Neich gurzest für die Ver sorgung und Fürsorge der Krlegsbeschädigten und Krlegshinterbllebenen, einschließlich der Offtziere des alten Heeres und der Angehörigen der neuen Wehrmacht und ihrer Hinterbliebenen, 1491 800 000 aus, d. h. etwa 30, Prozent der Gesamtausgaben. ** Die püpstliche Nebenregierung in Deutschland. Einen interessanten Blick guf die Betätigungsweise des päpstlichen Stuhles und seines Berliner Nunttus Pacellt, sowle auf die Geblete, für die sie sich zuständig glauben, gestattet die in Bautzen erscheinende katholssche Wochenschrift der Wenden„Katolski Possch“ vom 12. Junk 1926. Hter steht folgendes zu lesen: „Der Apostolische Nuntlus. Berlin W. 10, den 16. Mai 1926. An die Hochwürdigsten Herren Erzhischöse und Bischöse Deutschlands. Der slschechoslowakische Turnverein„Sokol“ bereftet für den nächsten Jultseinen Verbandstag und eine Ver bandefeker vor, die am 6, desselben Monats mit einer ostentativen Kundgebung zu Ehren des Härxrestarchen Hus abschließen soll. Zu dieser Feier sind auch die aus ländischen Turnvereine eingeladen worden, die so an einer für die Katholtten und den Heiligen Stuhl schwer beleldigenden Kundgebung teilnehmen würden. Ich bin funken. Auch seken bedenkliche Zersetzungserschelnungen vom Heiligen Vater beauftragt, den Hochwülrdigsten inerhalb des Heeres selbst sestgustellen. Herren Erzbischösen und Bischösen Deutschlands zur U r„ τ en Wer mch belennel. Von Erwin Gros. 10, Fortsetzung. Seht, so hat das Wort meines Vaters sich erfüllt:„Der wird euch geleften“, Gs ist nicht einmal eins von uns, Kant geworden unterwegs:“ „Wie aher seld ihr denn nach Frlebrschodorf gekommen?“ ragte Wenn Haus Heeger „Oh, das kam also; Nach etlichen Tagen der Ruhe rief uns unser Beschiler in sein Stubterzümmer und fragte ung, welche Hantserung verständen„Unser Vater war Strumpf sabrttant“, antworteten wir,„und wenn weir die nötigen Geräte A und Werktgenge haben, daun getrauen wir uns schon, Strümpfe angufertigen.“ gute Pastox verhalf und zu allem, mög und nun ging's an Arhelt Jwef Ulseben wir so in Ofsenbach Cine sertiger Ver was Wan bie Jahre un kam meln Bruder Anton mit einem Sach „Strümpfekauf“ xles Etwas ent net ein kleines. Häuser h gag neu aus sahen, C war eben unser Friedrichsdorf, Wie derum läßt ner seinen Ruf ertönen. Eine Frau ruft ihn heran, tagt in deufscher Sprache nach dem Prese, Anton gibt ihn be Lage; Strümpfe auch in dlese Gegend er in allen Hörsern, aher ex hatte wenig Glück mutigt betrltt ner Hürschen, dessen ahnt Ha sagt die Frau auf einmal in französischer Sprache n hren Mane, der neben ihr stand;„Das ist nicht zu teuer Wir wol elche kaufen. Mein Bruder stand sprachlos aun aher gah ein Wort das andre. Rührend wurde er in der Wesmeinde aufgenommen und bewirtet. Mit kleerem Strumpfsack lehrte er nach Offenbach zurück und berichtete freudestrahlend, Da daß er Landeleute gefunden hahe beschlossen wir, nach Frlebrschodorf zu wandern und uns dort niedergulassen. Auch, der Pfarrer riet uns dagu. Der Landgraf Friedrich Jakob empfing uns persönlich und half uns mit großer Leutseligkeft, Und so sind wir selt u etlichen Jahren Strumpfwirker zu Fried richsdorf Aber nun müßt auch ihr mir eure Geschichte er zühlen, denn sie ist, wie sch annehme, auch nicht alltäglich, son dern ähnlich voll Sturm und Not ßwie die unsrige.“ In kurzen Zügen berichtete nun Hans Heeger, auch er die Heimat verloren habe, wie er hier in Holzhausen habe Wurzel fassen wollen, daß aber der Gewalthaber des Horses dies benutzen wollte, ihn von seinem Glauben abtrünnig, zu machen. In bewegter Weise schilderte er den Seelenkampf der letzten Fage und schloß mit den Worten:„Mag ich auch meine Braut verlleren, mag mir darüber auch das Herg fast mog ich meinen Stecken wieder weltersetzen wer weiß wohin, denn in der Heimat habe ich verkauft, will ich behalten, Gott und. le zerbrechen, duch ullssen meinen Besttz eins mein gutes Gewissen ihr mir gur Wahrheit und Klarheit verholfen habt.“ Abraham Prtvat nahm die dargebotene Hand und drückte sie CCCP/. K————— Darum nehmt tausendmal Dank, daß hernsch. Dann m fragte er Hans Heeger:„Also, ihr seid Schuh macher? Und Vermögen habt ihr auch?“ Hang nannte die Zahl der in Frankfurt niedergelegten Summe. Da wurde Abraham Privat ganz fröhlich and sagte: „Ich möchte euch gerne helsen und weiß auch schon ungefähr wie; aber das sage ich euch erst später Wißt ihr was“ Ich gehe letzt mit euch nach Holzhausen, und dort meßt ihr mir ein Paar Kenntnis zu bringen, daß dem Katholiken eine solche b icht erlaubt ist. 8 Mit dem Ausdrucke vorzüglicher Verehrung er gebenst Eugen Pacelli, 5 Erzbischof von Sardes und Apostolischer Nuntius.“ Bautzen, den 20. Mai 1926. Vorstehendes Schreiben ist am nächsten Sonntag in allen Kirchen und Kapellen zu verlesen. geg. Hartman, Domdekan. Bischöfliches Ordinariat. An die hochw. Pfarr- und Seelsorgeämter im Bistum Meißen.“ Aus Mofüff und Narsamen. 2112 Abgeordnete. Reichsfinanzminister Dr. Reinhold hat in seiner groß angelegten Rede im, Reichstage dem Ge banken Ausdruck gegeben, daß der Panzer, in dem wir schwimmen, zu schwer sei' und daß wir uns entlasten müßten, wenn wir nicht untergehen wollten. Nun gibt es 19 Parlamente des Reiches und der Länder, welche sich folgendermaßen verteilen 5 Deutsches Reich(Reichstag) 403, i(Land- tag 450, Bayern 129, Sachsen 96, Württemberg 80, Baden 86, Thüringen 72, Hessen 70, Mecklenburg Schwerin 64, Braunschweig 48, Oldenburg 40, An halt 36, Mecklenburg-Strelitz 35, Waldeck 17, Lippe— Hetmold 21, Schaumburg-Lippe 15, Hamburg(Bür⸗ gerschaft) 160, Bremen 120, Lübeck 80, zusammen 2112. Dazu kommen noch 326 Vertreter im vorläufigen Reichswirtschaftsrat. 1 Run darf jemand ein noch so großer Freund des Par— F lamentartsmus sein, er muß einsehen, wir sind in Deutschland zu reich mit Volksvertreter ngesegnet. Wir können auch mit der Hälfte zufrieden sein. Je weniger Köpfe, umso weniger Meinungsverschiedenheiten, je weniger Abgeordnete, umso weniger Tagegelder und Steuern. g Deutschnationale Anfrage im hessischen Landtag. Die Fraktion der deutschnationalen Volkspartei hat vor wenigen Tagen im Landtag wegen der Neu— besethung der landwirtschaftlichen Prosessur an der Uni versität Gießen eine Anfrage an die Regierung ein— gebracht, Als vor noch gar nicht langer Zeit an der Landes universität in Gießen und an der Hochschule in Darm stadt Profsessuren für scholastische Philosophie(das sind Professuren, durch die Philosophie im Sinn der katholi⸗ schen Kirche gelehrt werden soll) errichtet wurden, hal man von Anfragen der D. N. V. merkwürdigerweise snichts gehört, auch nichts davon, daß im Landtag diese Partei ihre Stimme gegen diese unglaubliche Neuein⸗ richtung erhoben hätte.(Es hat sich übrigens keine Partei gefunden, die gegen diese neueste Art des Zen⸗ trums, auf Hochschulen in vorwiegend evangelischen Gegenden durch katholische Weltanschauungsprofsessuren sich 0 zu verschafsen, energisch Front gemacht hätte). Wir wären der D. N. V. dankbar, wenn sie uns einmal mitteilen würde, warum sie da sich so still ver⸗ halten hat, wie sie ihr Verhalten zu rechtfertigen ge⸗ denkt! Denn gerade von ihr durfte man doch in erster Linie eine Stellungnahme erwarten. Zentrum ist Trumpf! Nachdem Herr Marx seit einiger Zeit wieder Reichskanzler ist und bislang dem Zentrum in der Reichsreglerung doch wahrlich genug Einfluß einge— räumt war, wurde nun auch der Herr Abgeordnete Dr— Bell zum Reichsjustizminister ernannt. Auch das wich lige Ministertum für die besetzten Gebiete hat er Über nommen. Bei der Uebernahme dieses Ministeriums hatten erklärt, er werde es als ein Sohn des Rheinlandes verwalten. Das kann allerlei bedeuten!— Das Zen trum braucht nur zu fordern, alle Forderungen werden erfüllt; es ist ja nicht eine Partei da, die den Macht— gelüsten des Zentrums auch nur versuchsweise entgegen litt. Sollte es leine Möglichkeit geben, daß das in Deutschland wieder einmal anders wird? Evangelische wacht auf! Sonntagsschuhe an! Wendet alle eure Kunst dran, nicht um meinetwillen, sondern um euretwillen. Kann ich sie bis Don. nerstag dieser Woche haben?“ Hans Heeger bejahte es.— Gerne hätte er mehr gewußt, doch lachend wehrte Abraham, Pikvat ab. So gingen sie nun zusammen ins nahe Dorf, Melster Vogelsberger war sehr erstaunt über den„welschen“ Kunden, den Hans ihm zuführte, und meinte, wenn das so wel tergehe, so könne Haus die Arbeit bald nicht mehr schaffen. Dar, nach gab Haus dem jungen Privat das Geleit bis zum Unter tor. Dort efragte ihn Abraham:„Wie lange wollt ihr noch hier bleiben?“ „Noch vierzehn Tage; heute Abend kündige ich dem Meister Vogelsberger. Wenn mir es auch leid tut, von ihm zu sches— den, denn sie hielten mich wie einen Sohn im Haus! Dann wandere ich nach Homburg und will zusehen, ob ich dort an komme. Denn weit von hier möchte ich nicht fort.“ „Das paßt ja außerordentlich gut,“ erwiderte Abraham, Privat sehr lebhaft „Wieso paßt dies gut?“ fragte Hans. „Das sage ich euch in acht Tagen,“ war die Antwort, und dabel lächelte der funge Privat, verschmitzt wie ein Verschwörer. Dann schleden sie. Unterdessen war Sybille auf dem Wege zu ihrem Paten. Sie traf diesen nicht daheim. Er war nach dem Fortgang der beiden Freunde in die„Krone“ gegangen. Das konnte er tun, well seine Mutter gerade von einem kleinen Sonntagsschwatz mit der Nachbarin heimgekommen war. Die erste Frage Sybillens an die alte Frau war,„wo sst denn der Hans?“ 0 0 nicht wel icht bells icht Aut Fest N ein ein Lell Lell voll ine voss dek See ble geht Lebe hält gau belle Olli Das del die! Hein He Alte Nel fl ein del de! wa Oef aud aue der Oi ab. da di. Gese Uhr kü. un Kuh den Das nicht geht gute blog Ang, ihr! 0 6 dere dont Leh, ohne fag ir ö el. i ih 9 I hard iin fol 1 he I Nich All, e * ie ssun U e % n eil Sonnabend, den 31. Juli 1926. Sonntagsgeoͤanken. Für manchen ist das Leben furchtbar schwer. Er kann es nicht meistern, läßt sein Schifflein von den Wogen hin und her werfen und seine Hand ist oftmals zu schwach, um das Steuer richtig zu lenken. Auch das Leben erfordert Künstler. Man spricht von Le benskunst. Was ist sie? Nicht alle, die malen, sind Künstler, nicht alle, die leben, sind Lebenskünstler. Für viele ist das Leben nur ein Traum, eine Reihe von Tagen, ein Hin und Her, nichts Festes, nichts Ganzes, nur immer Halbes. Und was soll es sein? Ein Festes, ein Ganzes, ein Hohes trotz aller Stürme, ein Weg hinauf zur Sonne, ein Durchkämpfen durch das Dunkle, ein Emporringen aus dem Niederen zum Hohen, eine Vorbe reitung, eine Probe für das Ewige. Lebenskunde wird von keinem Katheder aus gelehrt. So vieles haben die Menschen von heute zu lernen, schon als Kinder in den Schulen bis hinauf ins Alter. Wie notwendig wäre doch für sie gerade die Lehre vom Leben, damit sie erzogen würden gleich dem Steuermann, der sein Schiff nicht nur durch ruhige, sondern auch durch wilde See zu lenken hat, der vorsichtig die Klippen umsteuern muß, die seinem Schiff Gefahren bringen könnten. Auf Handwerk und Kunst, auf Technik und Wissenschaft wird geprüft, wenn der junge Mann die Schule verläßt; aber auf das Leben als solches hat man doch zu wenig Vorbereitung. Wir hätten in unserem Volke weniger Schiffbruch, weniger Unter gang, wenn man jeden Menschen zum Steuermann seines Le bensschiffleins erziehen würde; wir hätten mehr Freude und Glück, mehr Geschlossenheit und Menschentum. Die Schule für Lebenskunst muß im Hause der Eltern sein. Das Glück dort wirst seine Strahlen hinaus auf die Wege der Kinder. Vater und Mutter müssen die Lehrmeister sein, die den Kindern die Kunst des Lebens lehren sollen. Glück im Heim ist gelebte Lebenskunst. Wer seinen Kindern diesen Schatz mit auf den Weg gibt, dem wird das Licht aus deren Leben einmal in sein stilles Altersheim fallen und sein müdes Herz froh machen. Waldfried. Kleine Nachrichten. Neuer Staatssekretär der Reichskanzlei. Der Reichspräsident hat den Staatssekretär in der Reichskanzlei, Dr. Kempner, auf seinen Antrag unter Gewährung des gesetzlichen Wartegeldes in den einstweiligen Ruhestand versetzt und an seiner Stelle den Ministerialdirektor in der Reichskanzlei, Dr. Pünm— der, zum Staatssekretär in der Reichskanzlei ernannt. Mit dem Rücktritt des Staatssekretärs Kempner war nach den Andeutungen, die in letzter Zeit in die Oeffentlichkeit gedrungen sind, zu rechnen. Es war auch zu erwarten, daß der Nachfolger Kempners nicht aus Parlamentskreisen genommen wurde, sondern aus der Beamtenschaft der Reichskanzlei. Der neu ernannte Staatssekretär Dr. Pünder ist katholischer Konfession, aber kein ausgesprochener Parteimann. Man rechnet damit, daß Staatssekretär Kempner Verwendung im diplomatischen Außendienst findet. * Bloß leine Annäherungen der Konfessionen. Nach der„Märkischen Volkszeitung“ vom 9. Juli 1926 veröffentlichen die katholischen Organisationen der Diözese Mainz eine dringende Warnung an die katholi⸗ schen Bauern im Rheingau, um sie von dem Eintritt in die sogenannte„Freie Bauernschaft“ zurückzuhalten, „wegen ihrer Einstellung“ für eine„lonfessionelle Gleichmacherei“. Zugleich wird angekündigt, daß für die Diözese eine Vereinigung katholischer Bauern, die auf der latholischen Grundlage fußt, ins Leben gerufen wird. * Die Niederlassungen des Jesuitenordens in Deutschland. Nach dem„Deutschen Volksblatt“ vom 9. Juni 1926 verfügt der Jesuitenorden gegenwärtig in Deutschland über folgende Niederlassungen: Aachen, Bonn, Berlin, Breslau, Charlottenburg, Dortmund, Düsseldorf, Duls⸗ burg, Essen, Frankfurt, Godesberg, Hamburg, Koblenz, Köln, Münster, Oppeln, Trier, Zoptau, Aschaffenburg, Hocheneichen, Karlsruhe, München, Nürnberg, Ravens— burg, Nottmannshöhe und Stuttgart. „Evangelische Warte“ Ein neues Exerzitienhaus. Wie die„Märkische Volkszeitung“ vom 6. Juli 1926 mitteilt, entsteht zurzeit ein neues Diözesanexer— zitienhaus bei dem ebenfalls neuen Kloster der Fran ziskaner in Ohrbeck bei Osnabrück. In dem Hause wer den 70 Einzelzimmer, ein Vortragssaal und eine Ka pelle eingerichtet. Das Exerzitienhaus soll im Septem ber mit einem Kursus für Geistliche eingeweiht werden. 4 Verwahrlosung der Jugend. Zahlen der Kriminalität der Jugendlichen zeigen, wie das„Berliner Wohlfahrtsblatt“ mitteilt auch im Gerichtsjahr 1925 einen Rückgang gegen das Vorjahr. 1924 betrug die Gesamtzahl 5278, 1925 nur 2902. Die Anzahl der Straftaten gegen das Eigentum ist wieder zurückgegangen, während die Taten gegen die Personen(Körperverletzung, Unsittlichkeit) ge stiegen sind. Die eee Alls Hesson. Wie helsen wir unseren Mädchen? So einfach bisweilen eine Frage klingt, sie zu be antworten, dazu gehört viel. Und wie oft werden die einfachsten Fragen nicht gestellt, weil ihre Antwort eine Aufgabe ist, die mit ihrer Wucht den Frager zu er drücken droht. Nur der Mutige stellt sie deshalb. Und nur er horcht gewissenhaft in das brandende Leben hinaus. Da sind in den Städten die heranwachsenden jungen Mädchen in den Fabriken, in den Nähstuben, in den Schreibstuben und großen Kaufhäusern. Der Kampf usn das tägliche Brot zerreibt ihre Nerven. Die Zeit ist traurig und häßlich ist der Kampf. Was dann, wenn diesen jungen Menschen die Familie keinen Halt gibt? Was dann, wenn diese Halberwachsenen noch ungefestigte Charaktere, von den Kreisen, die sie stützen sollten, nie dergezogen werden? Man braucht nicht an das Schlimmste zu denken: aber ist es nicht schlimm genug, wenn diese Mädchen, die einst deutsche Mütter sein sol len, im Sumpf der Oberflächlichkeit versfnken? In seichtem Vergnügen ersticken? Niemals hat es Deutsch land nötiger gehabt, daß ihm aus der Jungmädchen welt Mütter heranwachsen mit sittlichem Ernst und wirt schaftlicher Tüchtigkeit. Darum ist zu rüsten. Die christlichen Jugendvereine wollen an ihrem Teil mit helfen, der Jugend auch nach Schulentlassung innere Förderung und Ausgestaltung des Wissens zu geben. Der evangelische Verband für die weibliche Jugend in Deutschland hat seit nun 33 Jahren an der Samm lung und Förderung der weiblichen Jugend gearbeitet. Er hat mehr als 6000 Vereine gesammelt; die Zahl der unter seinem Einfluß stehenden Mädchen beträgt mehr als eine Viertel Million. Der Verband arbeitet durch aus gemeindemäßig. Er möchte nichts lieber, als den jungen Mädchen für die Gemeinden zu erziehen. In dem Verbande hat sich eine Summe von Erfahrungen gesammelt. Es sind freiwillige und berufliche Kräfte für die weibliche Jugendpflege gewonnen, ausgerüstet und geschult worden. Es wird die Gemeinschaft der Ar— beit gepflegt und durch die Gemeinschaft wird die Ju— gendarbeit im einzelnen weiterverbreitet, belebt und vertieft. Vor allem die Gemeinschaft während der Er— holung fördert die Jugendarbeit. Freizeit nennt man diese wenigen Tage Ruhe und Erholung vom eigenen Ich, die den Zweck haben, die Mädchen in ihren Feier— stunden und Ferientagen nicht dem geistlosen Sichver— gnügen um jeden Preis anheimfallen zu lassen, sondern ihnen, neben dem Bestreben, sie mit geistigem und wirt— schaftlichem Rüstzeug zu versehen und ihren Körper zu stählen, in ihren seelischen Nöten zu helsen. Dies ge schieht hauptsächlich in den Erholungsheimen. Die hes sischen Mädchen durften ein solches Heim dieses Jahr in Zwingenberg a. d. B. beziehen. Der Verband der evangelischen weiblichen Jugend in Hessen besteht nun 10 Jahre. Er umfaßt jetzt 147 Vereine mit rund 5000 Mitgliedern. So arbeitet der Verband, dessen Losung ist„Dienet einander“, daran mit, daß ein neues, christliches, deutsches Volk erstehe. Da die Mutter Vogelsberger nichts von der Rückkehr ihres Gesellen wußte, antwortete sie:„Er ist heute früh gegen zehn Uhr weggegangen, nachher hat er sich entschuldigen lassen, er käme nicht zum Essen, aber gen Abend wollte er wieder da sein.“ Nach diesem Bescheid ging die alte Frau in ihre Kammer, um ihre Werktagsgewandung anzuziehen; denn es galt, die Kühe zu füttern und zu melken. Sybille aber begab sich in die Wohnstube und setzte sich an den Tisch. Den Kopf in die Hände gestützt, grübelte sie weiter Das erschien ihr als ein böses Zeichen, daß Hans nach der Messe nicht heimgekommen war.„Er schämte sich vor den Leuten, drum geht er ihnen aus dem Wege.“ Wiederum hielt sie das für ein gutes Zeichen,„es ist doch noch Scheu in ihm.“ Jetzt ging die Türe auf, und Hans kam herein. plötzliches Erscheinen verwirrte Sybille, und als er mit ernstem Angesicht auf sie zuschritt und ihr die Hand gab, da sprang es ihr unvermittelt über die Lippen:„Ach, Hans, warum willst du so etwas Schreckliches tun?“ Hans war, in der Meinung, sie wisse, daß er Holzhausen verlassen wolle, erwiderte:„Ja, Sybille, was bleibt mir denn sonst übrig?“ Sybille natürlich konnte bei dieser Antwort nur an den Uebertritt denken und rief heftig aus:„Und das willst du tun ohne vorher mit mir zu sprechen?“ „Ach, mein Schatz, das hättest du noch früh genug erfahren,“ saͤgte Hans schwermütig. Und du meinst, ich würde dich nehmen, wenn du katholisch wirst?“ Noch schärfer als vorher klang diese Frage. Sein e Da ging es wie Sonnenschein über das Antlitz des jungen Mannes, denn er erkannte nicht nur, daß sie aneinander vor übergeredet und jedes etwas anderes gemeint hatten, sondern dies vielmehr war seine Freude, daß für Sybille es selbstver ständlich war, er dürfe um ihretwillen nicht übertreten, und daß sie den Gedanken gar nicht dachte, es sei vielleicht ein Mangel an Liebe, wenn er fest in seinem Glauben bleibe Er trat also auf Sybille zu, legte den Arm um die sich Sträubende und sagte:„Also, du redest vom Katholischwerden, ich aber rede vom Fortgehen aus Holzhausen! Denn ich bleibe meinem Glauben treu, dann kann ich aber nicht in Holzhausen bleiben.“ Da schlang Sybille die Arme um seinen Hals und küßte ihn unter heißen Tränen:„Gott sei Dank, daß du treu bleibst, ach Fott, und nun gehst du mir fort!“ ach einer Weile aber fragte sie;„Ja, aber Hans, warum bist du denn in die Messe gegangen?“ Und nun begannen sie einander zu erzählen, und Hans schloß lit den Worten:„Bist du mir böse, daß es mir nicht leicht ge worden ist, dich aufzugeben? Denn nun wird dein Vater erst recht wider mich sein und unsrer Vereinigung in den Weg treten.“ Fortsetzung folgt. Sommerabend in der Stadt. Spät kommt die Dämmerung des Abends in der Sommer höhe der Jahreszeit. Später fast, als die rgsamkeit der Be treuer der öffentlichen Beleuchtung, als geschäftliche Werbebe— triebsamkeit, die tausend künstliche Lichtquellen aufleuchten ß dpd ð·˙, ¾—cʃg: Nr. 31) CCC ͤ ⁰¹-m].] ¾.. ß d. p. Kloster Arnsburg. Am vergangenen Sonntag fand hier unter Leitung seines Vorsitzenden, Pfarrer Beyrich-Münzenberg. ein Jugendtressen des Kreisverbandes Oberhessen der evangeli— schen weiblichen Jugend statt, zu dem auf Einladung auch junge Mädchen solcher Gemeinden gekommen waren, in denen noch kein Jugendverein besteht. Landessugendpfarrer Lic. v. d. Au hielt den Gottesdienst und sprach in dem darauffolgenden Vortrag über die Frage:„Warum schließen wir uns zu Vereinen zu sammen?“ Der Nachmittag wurde mit Besichtigung der Kloster ruine, einer Aussprache über den Vortrag und mit Gesang und fröhlichem Spiel ausgefüllt. Der beste Beweis für das Gelingen des Tages war, daß man beschloß, im nächsten Jahre an gleicher Stelle wieder zusammenzukommen. Büdingen. Das Fest des 325jährigen Bestehens des Wolf gang-Ernst⸗Gymnasiums zu Büdingen wird am 31. Juli und 1. August ds. Is, gefeiert. Aus diesem Anlaß läd der Verein ehemal. Schüler und Lehrer des genannten Gymnasiums alle alten Büdinger Pennäler u. ihre einstigen Lehrer nach Büdin gen ein. Die diesjährige Jubelfeier erhält dadurch ein beson Gepräge, daß mit ihr die Einweihung eines Ehrenmales für die gefallenen Büdinger Gymnasiasten verbunden ist. Für die beiden Festtage ist folgende Festfolge vorgesehen: Samstag, 31. Juli, Abholung der Festgäste an den Nachmittagszügen und Empfang im„Stern“. Einweihung der Gedenktafel im Gymna sium um 4% Uhr. Abends 8 Uhr Kommers im Rathaussaal. Sonntag, 1. August, 9 Uhr Festgottesdienst. Daran anschlie— ßend Festzug vom Schloßplatz aus durch die Stadt. 2 Uhr Fest— essen im„Stern“, nachmittags Zusammenkunft mit Damen auf dem Schützenfestplatz am„Hammer“, Da Büdingen wohl bei allen alten Gymnasiasten in bester Erinnerung steht, ist mit sehr reger Beteiligung bei der Jubelseier zu rechnen. pA Allerlei. Staatsanwalt und Prügelkaplan. Zu Anfang dieses Jahres erregte in Osnabrück ein Vorfall peinlichstes Aussehen. In sonderbarer Auf fassung seiner Seelsorgepflichten hatte daselbst ein Kap lan Vincke ein 26jähriges Mädchen in seiner Privat- wohnung mit dem Gummiknüppel derartig verdroschen, daß es wundenbedeckt sich ins Krankenhaus begeben mußte, wo es schwer daniederlag. Das Verhalten von Bischof und Staatsanwalt, die mit dem faustgewaltigen Priester gar linde verführen, öffentliche Anklage wurde nicht erhoben, der Mißhandelten keine Gelegenheit ge geben als Nebenklägerin aufzutreten, wurde nirgends verstanden. Die Angelegenheit sollte noch Weiterungen haben. Seitdem ist es ganz still geworden. Auf eine Anfrage in Osnabrück wird soeben mitgeteilt: Herr Vincke ist aus Osnabrück verschwunden. Wohin er ver⸗ schickt worden ist, darüber gehen nur unbestimmte Ge— rüchte. Der Staatsanwalt hat keine öffentliche An— klage gegen ihn erhoben. Auf Grund eines besonderen Paragraphen des Strafgesetzbuches, der es zulassen soll, ist er so heißt es auf Antrag des Staatsanwaltes vom zuständigen Richter im stillen Verfahren zu 300. Strafe verurteilt worden, dazu hat er freiwillig die Zahlung aller ärztlichen Unkosten übernommen. Man schüttelt natürlich zu dem unerhört glimpflichen Ver— fahren die Köpfe, aber— man ist ja gegen eine solche Vorzugsbehandlung machtlos!— Gibt es wirklich heute in der Rechtspflege eine Vorzugsbehandlung? Gibt es zweierlei Recht, ein mildes für Priester, die in sonder— barer Gefühlsperfassung auf ihrer Bude ein Mädchen zuschanden hauen, und ein strenges für gewöhnliche Sterbliche, die man im gleichen Falle unweigerlich ins Gefängnis steckt? *. Liebe zur Kirche. Die 5½½ Tausend Seelen umfassende evangelisch⸗ lutherische Kirchengemeinde Ellefeld im Vogtland bat für den Neubau einer Kirche, der gegenwärtig fast vol— lendet ist, allein von Juni 1925 bis Juni 1926 an frei⸗ willigen Spenden 36729 aufgebracht. Einnahmen aus Kirchensteuern und Gebühren fallen nicht darunter, es sind lediglich Spenden: 18939/ Garantiezeich— nungen, die von Helferinnen wöchentlich eingesammelt wurden; 10 000 f für Glocken; 1450 flfür die Kqn 05 2700/ Orgelspenden; 2590/ Kollekten und 10% Spenden; 750„ für drei Altarbekleidungen und 300. — lassen, die dem Dunkel in der Stadt wehren. Der Straßenver— kehr duldet es nicht, daß dem Auge Erholung von der Hellig⸗ leit des Tages gegönnt wird. Doch aber verlangsamt der sin⸗ lende Sommerabend den Geschwindschritt des städtischen Lebens. Es ist wie ein besinnliches Aufatmen, wenn die ersten Lichter aufleuchten und eher noch, als die Nacht es tut, an den vol⸗ lendeten Umschwung Tages mahnen. In wohlige Wärme, in erfrischende Lauheit mildert sich die Hitze des Tages im abendlichen Lufthauch. Der Pflichten entspannt, wird das Gemüt empfindsam und aufnahmefähig für die entlastende Abendstimmung. Ueberall, wo die Straßen, die Plätze mit dicht blätterigem Baumschmuck geziert sind, mildert das dunkle Grün den grellen Glanz des künstlichen Lichtes und ver⸗ seine wehtuende Aufdringlichkeit in schattenreichen, freundlichen Schimmer, durch den die ganze Stadt wie in den Zauber Wunderlandes gebettet erscheint, Genußreich wandelt sichs in dieser dämmernden Abendwelt. Zu geruhsamem Verweilen lädt sie ein mit den grünumhegten Bänken der An— eines des Laubes wandelt eines lagen. Perwehte Klänge singen durch die Abendstille. Sie tönen herüber aus den Konzertcafes, vor denen die Jugend sich ergötzt, Sie machen den Feierabend der Stadt den Gästen in ihren weit geöffneten Hallen, in ihren in Dämmerung gebetteten Gärten u einer bedachtsam-genießerischen Feierstunde. Kaum je sonst gönnt die Getriebes bunten Lebens einen wohltuenderen Genuß als den eines lichtdurchschimmerten Sommerabendbummels unter dem straßensäumenden Laubdach. wie sie stadtferne Natur nicht hat, Stimmungen, die freilich nur von einer Stadt⸗ menschen-Seele ganz erfaßt und gewürdigt werden können. Stadt inmitten des ihres Da walten Stimmungen, die unberührte, . 7 Sonnabend, den 31. Juli 1926. 0 für ein großes eisernes Kreuz. Dabei ist zu berücksich— tigen, daß die Gemeinde ausschließlich von der Stickerei— industrie lebt, die ja bekannterweise gegenwärtig schwer darniederliegt. Das Ergebnis der Volkszählung 1925. Das Statistische Reichsamt gibt soeben das Ergebnis der Volkszählung vom 16. Juni v. J. für die 45 größten deutschen Städte bekannt. Die Reihenfolge ist bei den zwölf größten fol gende: Berlin, Hamburg, Köln, München, Leipzig, Dresden, Breslau, Essen, Frankfurt a. M., Düsseldorf, Hannover und Nürnberg. Die Gehälter der Kontrollkommission. Wie eine Korrespondenz berichtet, sind die Gehälter der Interalliierten Kontrolllommission neu sestgesetzt worden. Da⸗ nach beträgt das monatliche Gehalt eines Generals rund 2780 Mark, eines Obersten 2000 Mark, eines Oberstleutnants oder Majors 1680 Mark, eines Hauptmanns 1380 Mark, eines Leut⸗ nants 1000 Mark, eines Unteroffiziers 460 Mark und eines Ge— freiten oder gemeinen Soldaten 360 Mark. Zusammenfassung der französischen Kriegsgerichte im besetzten Gebiet? Eine Berliner Korrespondenz meldet aus Mainz:„In der allernächsten Zeit schon werden sämtliche im besetzten Gebiet noch bestehenden französischen Kriegsgerichte aufgelöst und zu einem Hauptmilitärgericht zusammengezogen werden, dessen Sitz Mainz oder Trier sein wird.“ * Die Beiträge der Gewerkschaftsmitglieder. Im Jahre 1913 belief sich das Vermögen der Verbände, die jetzt im(freigewerkschaftlichen) Allgemeinen Deutschen Ge— werkschaftsbund zusammengeschlossen sind, auf 88 Millionen Mark, das der Christlichen Gewerkschaften betrug über 97 Mil⸗ lionen Mark. Mit Ablauf des Jahres 1924 hatte der erstge— nannte Bund schon wieder einen Vermögensbestand von etwa 27 Millionen Mark erreicht, von dem sich allein 22 Millionen Mark in den Hauptkassen befanden. Recht interessant ist in diesem Zusammenhange folgende Statistik, die von der Leitung des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes auf Grund der Angaben von 26 Verbänden (insgesamt sind 41 Verbände dem Bund angeschlossen) aufge— stellt ist: 1924 Jahresbeitrag Mitglieder in Prozent bis 10,40 335 505 10,8 10,41„ 15,60 282 718 9,1 15,61 90 20,80 307 109 9,9 20,81 7 26,.— 628 479 20,2 26,01 57 31,20 370 229 11,9 31.21 50 36,40 693 632 22,3 36,41 93 41,60 154 372 5,0 über 41,60 334 569 10,8 Man sieht aus dieser Tabelle, daß das Schwergewicht der Beitragsleistung bei den Beitragsstufen von 20,81 M. bis 36,40 M. liegt. Sie umfassen 54,4 Prozent aller Mitglieder, für die Angaben gemacht wurden. In den beiden höchsten Stu⸗ fen überragen die Anteilziffern im Jahre 1924 die des Jahres 1918 um ein ganz erhebliches, wo nur 1,8 bezw. 5 Prozent vor⸗ handen sind. Allgemein ist über die Höhe der Beiträge zu sagen, daß sie etwa 2 bis 2% Prozent des Einkommens betragen. An Streik⸗ „Evangelische Warte“ beiträgen wurden aus manchen Bezirken bis zu 5 Mark monat⸗ lich gemeldet. Zu diesen laufenden Beiträgen kommen die Cin trittsgelder noch hinzu, die durchschnittlich einen Wochenbeitrag Ausmachen. * Kommunistische Nohheit. Die„Tägliche Rundschau“(Nr. 282 vom 21. Juni, Beilage) bringt eine Zuschrift, wonach am Tage des Volksentscheids in Neukölln vor dem Wahllokal Knesebeck- Ecke Hermannstraße ein Lastkraftwagen stand. Kommunistischer Mummenschanz: Stahl— helmmann, Kaiser, Hofmarschall, Friedensleutnant, Frauen— zimmer. In der Mitte ein Pfarrer in Talar und Barett, das Adreßbuch, auf dem ein weißes Kreuz aufgeklebt ist, unter dem Arm. Unter dem Grinsen der Masse sprach er:„Vater unser, der du bist ein Geldsack, wie heilig ist dein Name. Dein Reich komme— am besten als Kaiserreich. Und führe uns nicht in den Kommunismus, sondern erlöse uns von den Uebeln, von Hindenburg, Geßler und Hugenberg. Amen.“— Und das vor⸗ mittags, zur Gottesdienstzeit, eine Minute von der Melanch⸗ thonkirche entfernt.— Man redet gern von Edelkommunismus und meint, daß unter den Kommunisten viel ideal gesinnte Menschen zu finden seien. Merkwürdig, daß nach außen davon nichts in die Oeffentlichkeit tritt. Eine Partei, die ein wenig auf sich hält, dürfte solche Rohheit nicht dulden, sondern müßte mit eisernem Besen dazwischen fegen. Jeder anständige Mensch weiß nun, was er von diesen Leuten zu halten hat. * Eine Sitte, die sich wieder ausbreiten sollte. In den evangelisch-lutherischen Gemeinden der oberbaye— rischen Diaspora wird es allmählich wieder Sitte, die Kinder im Hauptgottesdienst, vor versammelter Gemeinde zu taufen, wie es sich eigentlich auch gehört. Die meist unter„Ausschluß der Oeffentlichkeit“ vollzogene Taufe, ist eine Uebung, die man be— dauern muß, eben weil sie so tief eingewurzelt ist. Die Taufe ist nicht nur eine Familienangelegenheit, sondern in erster Linie eine Sache, die die ganze Kirchengemeinde angeht, in deren Ge— meinschaft ja das Kind durch die Taufe aufgenommen wird. Was in der oberbayerischen Diaspora möglich ist, sollte auch an⸗ derwärts nicht ausgeschlossen sein. Auch ein Grund zur Fürstenenteignung. Daß auch konfessionelle Instinkte bei dem Vollsentscheid mobil gemacht wurden, zeigt ein Anschlag, der sich u. a. an den Bäumen vor der katholischen Kirche in Herrischried, dem Haupt⸗ ort des Hotzenwaldes im südl. Schwarzwald, fand. Man konnte da lesen: „Katholiken! Es ist euere sittliche und moralische Pflicht am Sonntag für die Enteignung der ketzerischen Fürsten zu stimmen!“ Tatsächlich haben in dem stockkatholischen Ort auch viele für die Enteignung gestimmt— entgegen der Parole ihrer Bischöfe. Der katholische Ortspfarrer muß offenbar mit dem Inholt des Wahlplakats einverstanden gewesen sein— prangte es doch noch am Dienstag nach der Wahl an seinem Platze. * Reformierter Weltbund. Vom 14. bis 17. September findet in Genf eine Vertreter— versammlung der reformierten Kirchen des Kontinents zusam— men mit dem Komitee der östlichen Sektion des reformierten Weltbundes statt, um über die Gründung einer reformierten kontinentalen Sektion des Gesamtbundes zu beraten, Es handelt sich dabei, wie die„Christl. Stimmen“ mitteilen, namentlich auch um den Schutz reformierter Minoritäten, die ohne Gesamt⸗ aus 37 Nationen der Erde angemeldet sind. Eine Welttonserenz der Jugend. In der ersten Augustwoche tagt in Helsingsfors eine Welt⸗ konferenz echristlicher Jugendbünde, zu der 1500 Jugenddeligierte Die deutsche Abord⸗ nung, ist mit 300 Mitgliedern die größte. Die Verhandlungen werden unter dem Gesamtthema:„christliche Jugend in einer sich wandelnden Welt“ eine Auseinandersetzung der Jugend mit den sozialen und nationalen Gegenwartsfragen bringen. * Eine jüdische Lehrerakademie. Der preußische Landesverband der Synagogengemeinden hat auf seiner letzten Versammlung in Berlin eine jüdische Lehrer⸗ akademie gefordert. Wenn das preußische Unterrichtsministerium von sich aus diese Akademie nicht einrichten wolle, so solle die Einrichtung dem preußischen Landesverband der Synagogen⸗ gemeinden überlassen werden. Die Kosten aber soll der Staat tragen. „* Sport und Aberglaube. Schon lange haben nicht nur Flieger, sondern auch Kraftwagenfahrer den Ruf, daß sie besonders aber— gläubisch sind. So gibt es in Paris lt.„Berliner Börsen⸗ Courier“ keinen Kraftwagen mehr, bei dem nicht hinten am Fenster eine englische oder eine Negerpuppe bau⸗ melt. Aber den Höhepunkt haben doch zwei französische Ingenieure erreicht, die den heiligen Sankt Christoph für die Kraftwagenführer mit Beschlag belegt haben. Sie wollen ihm nun eine Kapelle bauen, in der sich die mit täglich individuellerem Gepräge ausgestatteten Wagen segnen lassen könnten. Ihr Modell ist in Paris ausgestellt: Eine 27 Meter hohe kubistische Säule, die von einer Kapelle flankiert wird. Ueber dem Altar ein großes Monument des heiligen Christophorus, das in Aluminium von einem der größten Bildhauer in Paris bestellt werden soll. Schließlich ein Chor, der aber statt von Orgelpfeifen von blinkenden Radioappa⸗ raten umrahmt sein soll. Neben der Kapelle die Woh⸗ nungen der Geistlichen; denn man kann seinen Wagen von einem Abbé, einem amerikanischen Pastor oder einem Rabbiner einsegnen lassen.— Wirklich,„kann“ man das? * *Schonet die Felder. Wenn der rote Mohn und die freund—⸗ lich blaue Kornblume blühen, dann leiden die Getreidefelder unter der Anziehungskraft dieser bunten„Untermieter“. Beson⸗ ders für Kinder sind die lockenden Farbenkinder unwiderstehlich, aber auch die Erwachsenen lassen oft auch die eigentlich selbst— verständliche Pflicht der Schonung der Getreidefelder außer Acht. Verantwortungsbewußtsein in dieser Hinsicht sollten auch vor allem die Führer von Schul- und Vereinsausflügen haben, Diese bieten gerade die beste Gelegenheit, die Kinder auf die unermeßlichen Werte aufmerksam zu machen, die in den werden⸗ den, wachsenden Saaten liegen und die die besten Helfer für uns Deutsche sind, aus unseren wirtschaftlichen Nöten wieder herauszukommen. So barsch der Landwirt den Verfehlungen im einzelnen begegnen mag, so dankbar wird er verständnisvoller Schonung seiner Aecker und Wiesen gegenüberstehen. Vorsicht bei der Tolllirsche. Die Tollkirsche ist jetzt reif, Das äußerst giftige Alkaloid dieser hübschen und verlockenden Beerenfrucht, das berühmte Atropin, bewirkt, wenn man es ißt, Krämpfe und Lähmung des Nervensystems. Auch Todesfälle sind häufig. Man sei deshalb vorsichtig beim Beerensuchen und warne vor allem die Kinder vor dieser lebensgefährlichen hilfe verloren gehen. Tollkirsche. Die schwarzglänzenden Beeren haben Kirschengröße. lle für Vereine und In A vormass Wilh. keller, gegr. 1783 r als 1200 verschiedene Formulare für Behörden, andere Amtsstellen, Sowie auch für die Geschäfte ständig am Cager Körperschaften, Ssen Südanlage 21 2 Nl 8 Garantiert reiner g fen haben demnächst Bienenhonig digene Erne kein eluslandshonig(Bremen zy] Preis einschl.Auf-und Abladen pro 100 ker, an 9 Pfd.⸗Dose sr. 15.— Mark(Nachnahme. 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Wit tun damit einen Blick in das innere Ringen des werdenden Reformators, der die wichtigsten Stücke evangelischer Heilser⸗ kenntnis schon vor dem Anschlag der Thesen, der im 0 1517 erfolgte, in dieser Erklärung niedergelegt hat. ie letzten Fahre haben in allen evangelischen Kreisen ein erneutes Auf⸗ horchen auf die Botschaft Luthers gebracht. Aus dem Inhalt: Luthers innere Entwicklung bis 1515.— Die Majestät Gottes.— Die Freude der Erwählten.— Gelehrte oder Ge⸗ heiligte.— Das neue Volk.— Zeichen der Erwählung.— Ge⸗ recht aus Gott.— Kennzeichen wahrer Geistlichkeit.— Todes⸗ bereit.— Durch Liebe erlöst.— Selig die Brennenden.— Philosophie oder Evangelium.— Preis 0,75 Mt. portofrei.— Zu beziehen: Geschäftsstelle des Gnadauer Verbandes Bethel bei Bielefeld. Postscheckkonto: Deutscher Verband für Gemein⸗ schaftspflege und Evangelisation Bethel bei Bielefeld. Postscheck⸗ konto Hannover 49370.— Jede Buchhandl i Be⸗ stellungen entgegen. 5 en e Drucksachen aller Art billigst A. 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