lände unge lag et I 1 nac fe eben 10 dul 0 5 Evangelische Warte Organ der Evangelischen Volksgemeinschaft Hauptschriftleiter: Edwin Hamburger in Staden(Oberhessen).] Erscheint Samstags.— Bezugspreis 50 Pfennig monatlich. Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg., Verantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger, für den Unterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz. Für Rücksendung ungewünschter Manufkripte wird nicht garantiert. Abonnements⸗ und Anzeigen⸗Annahmestelle, Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher 1362 und 1145. Postscheckkonto 8437 Frankfurt a. M. Sonnabend, den 30. Otober 1920. am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen Vergünstigung. An unsere Mitglieder und Freunde in Hessen! Die Abstimmung über die Landtagsauflösung ist auf Sonntag, den 5. Dezember 1926 festgesetzt worden. Diese Abstimmung macht eine eingehende Beratung über die Durchführung unserer Wahl⸗ arbeit durch Flugblätter, Versammlungen und Presse unbedingt erforderlich. Wir laden darum alle Mit⸗ glieder und Freunde der Evangelischen Volksgemeinschaft in Hessen zu einer Sitzung auf Sonntag, den 7. Novem ber, mittags 1 Uhr nach Frankfurt a. M.(Krokodil, Kaiserstr. 77, nahe am Bahnhof) hiermit ein. Tagesordnung: 1. Wahl des engeren Vorstandes für Hessen. 2. Vortrag von Reichsgeschäftsführer Weidner: „Aus welchen Gründen stimmt die Evangelische Volks⸗ gemeinschaft in Hessen am 5. Dezember für die Landtagsauflösung?“ 3. Geschäftliches. Bei der Wichtigkeit der Sitzung erwarten wir, daß nicht nur alle Abgeordneten, alle Kreis- und Orts⸗ gruppenvorsitzenden, sondern alle Mitglieder und Freunde der Evangelischen Volksgemeinschaft in Hessen, soweit sie es nur irgendwie möglich machen können, zur Stelle find. Auch unsere Freunde in Hessen-Nassau sind herz⸗ lichst willkommen! Besondere persönliche Einladungen ergehen nicht. Sonntagsfahrkarte! Mit evangelischem Gruß! Reichsgesthäftsstelle der Evangelischen Volksgemeinfthafk: Weidner. Ober⸗Lais, den 28. Oktober 1926. Von dem Artikel„Die Ziele der Evangelischen Volksgemeinschaft“ in der letzten Nummer sind leider einige Manuskriptblätter verloren gegangen, sodaß der Inhalt zu sehr gekürzt und dadurch lückenhaft wurde. Der Vortrag erscheint darum in einer der nächsten Nummern ausführlich. a n 0 2 FCC ˙·A cc(0 bbb Die Homberger Synode von 1526. Die Redaktion. ieee ie Eine geschichtliche Betrachtung zum diesjährigen Reformationsfest. Von Studienrat F. Schönewolf. J. Der äußere Verlauf. Landgraf Philipp von Hessen war der erste, der auf Grund des Speyerer Reichstagsabschiedes(ogl.„Ev. Warte“, Nr. 28, 10. 7. 1926) eine Kirchenreform nach evangelischen Grundsätzen in Angriff nahm. Seine Rat⸗ geber waren Johann 19 0 5 der Kanzler, Adam Krafft aus Fulda, der Hofprediger, und vor allem der Süd⸗ franzose Franz Lambert von Avignon. Dieser, ehemals Franziskanermönch, durch Zwingli und Luther für die Sache der Reformation gewonnen, war kurz vorher von dem Landgrafen an den hessischen Hof berufen worden und s Reformationsfest. Nömer 1, 16. Ich schäme mich des Evan⸗ liums von Christo nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die da selig macht alle, die daran glauben. Reformationsfest ist es wieder. Wer nennt sich heute evan⸗ gelisch ohne freudig bewegt zu werden von dem, was wir alles mit dem Gedanken an dieses Fest verbinden? Zumal wir in Hessen haben in diesem Jahre besonders dankbar zu sein, weil bei uns vor 400 Jahren durch die Homberger Synode der evan⸗ gelische Glaube eingeführt wurde. Der schönste Dank aber ist der, würdige Erben zu sein des großen Gutes, das Gott unserem Volke in der Reformation geschenkt hat. Anstelle des Ge⸗ misches zwischen Christentum und Heidentum in der römischen Kirche gab Gott uns durch die Reformatoren Luther, Zwingli und Calvin wieder das reine, unverfälschte, biblische Evangelium. Wie einst diese Reformatoren dem großen Apostel das herrliche Bekenntnis nachsprachen, wollen wir es heute auch tun:„Ich schäme mich des Evangeliums von Christo nicht!“ Dieses Bekenntnis hat der Apostel Paulus geschrieben, als die griechische Philosophie unter den Gebildeten des großen römischen Weltreiches verehrt wurde. Die alte Götterwelt war nur noch eine Erinnerung an die Religion der Vorfahren. Das Leben richtete man ein nach den Lehren der Philosophie. Mit geistigem Hochmut sah man auf den Sammelplätzen der Philo⸗ sophie in Rom und Athen auf die vielen Religionen und Kulte der Zeit. Auch das Christentum wurde nicht anders beurteilt. Da schreibt Paulus an die Gemeinde der Reichshauptstadt:„Ich schäme mich des Evangeliums von Christo nicht!“ Er will nach Rom kommen und das Evangelium frei predigen. Ein andermal hat das Wort eine Rolle gespielt. Es war damals, als Dr. Martin Luther gegen die Herabsetzung des Evangeliums durch die Papstkirche auftreten mußte. Damals holte er wieder die Bibel hervor. Sie sollte allein Richtschnur pielte bei dem Reformwerk eine führende Rolle. Durch ein Schreiben vom 6. Oktober 1526 wurden die geistlichen und weltlichen Stände der Landgrafschaft, zu der damals nicht nur Kassel und Marburg, sondern auch Gießen und Darmstadt gehörten, auf Samstag, den 20. Oktober nach Homberg iederhessen) eingeladen, um„in den christlichen Sachen und Zwyspalten durch Gnade des Allmächtigen zu handeln.“ Am Sonntag, 21. Oktober, wurde in Gegenwart des Landgrafen Phi⸗ lipp und einer großen Volksmenge, die aus ganz Hessen herbeigeströmt war, in der Kirche zu Homberg die Sy⸗ node eröffnet. Der Kanzler Johann Feige begründete die Einberufung des Landeskirchentages durch den Hin⸗ sein in der Christenheit. Auf der Büßertreppe im Vatikan zu Rom fiel ihm das Wort des nächsten Verses ein, das ihm den Sinn alles römischen Bußwerkes nahm:„Der Gerechte wird seines Glaubens leben.“ Von da an war Luther bemüht, tiefer in das Evangelium einzudringen. Von nun an wollte er es für seine lieben Deutschen in die Muttersprache übersetzen. Dann schuf er die Anfänge unserer Volksschule, damit jedermann im Evangelium selbst lesen könne. So wurde das Evangelium für unser deutsches Volk eine Gotteskraft in schweren Zeiten. Wieder machen wir eben eine Notzeit unseres Vaterlandes durch. Wir denken noch daran, wie deutsche Männer aus Ver⸗ zweiflung über den Zusammenbruch des Vaterlandes sich das Leben nahmen. Fehlte ihnen die Gotteskraft, die uns nicht nur herrliche Erlebnisse erleben, sondern auch schwere Lasten tragen hilft? Wir sahen Verräter unseres Vaterlandes. Fehlte ihnen das Evangelium, das uns mahnt, treu zu sein bis in den Tod hinein? Wir erlebten die wucherische Ausbeutung unseres Volkes, wo doch das Evangelium die Nächstenliebe als höchste soziale Pflicht auf die Seele bindet! Wir mußten zusehen, wie das Heiligste mit Füßen getreten und verspottet wurde. Haben wir denn den Finger Gottes nicht deutlich genug verspürt, daß wir uns ernstlich an die Warnung des Evangeliums erinnerten: „Irret euch nicht, Gott läßt sich nicht spotten!“ Warum haben wir dies alles durchmachen müssen? Doch nur deswegen, weil große Schichten unseres Volkes sich des Evangeliums schämen. Treten wir heute wieder zusammen und bekennen einmütig: „Ich schäme mich des Evangeliums von Christo nicht!“ Was hilft aber das Bekennen allein? Bekennen muß zur Tat führen. Was mir lieb und teuer ist, dafür trete ich ein, dafür kämpfe ich. Heute muß wieder wie zur Zeit der Refor⸗ mation für das Evangelium gekämpft werden. Feinde aller Art treten heute gegen das Evangelium Jesu auf. Das zeigt uns ja nur, wie wertvoll es ist. Denn gleichgültige Dinge haben keine Feinde. Viel Feind, viel Ehr. Wenn das Evangelium überlebt ist, wie viele behaupten, dann kann man die Feind⸗ schaft nicht verstehen. Auch glaubte man, die Kirche liege in weis auf das Beispiel der alten Christenheit und den Beschluß des Reichstages zu Speyer. Hierauf ergriff der temperamentvolle Lambert von Avignon das Wort, las der Versammlung 158 von ihm verfaßte reformato⸗ rische Thesen vor, gewöhnlich„Paradoxa“ genannt, d. h. der herkömmlichen Lehre widerstreitende Sätze, und begründete sie aus der heiligen Schrift in einer mehrstündigen Rede. Am Nachmittag wurden die in lateinischer Sprache vorgetragenen Thesen Lamberts von dem Hofprediger Adam Krafft ins Deutsche über⸗ setzt und zur Diskussion gestellt: wer sie„verfänglich und dem Worte Gottes zuwider fände, sollte dies aus Gottes Wort erweisen.“ Als einziger Oppositionsred⸗ ner trat der Vorsteher des Franziskanerklosters in Mar⸗ burg, Nikolaus Ferber, auf und bat„mit niedergeschla⸗ genen Augen und gebogenem Haupte“ für den nächsten Tag um Gehör. Am Montag, 22. Oktober, morgens um 7 Uhr, wur⸗ den die Verhandlungen fortgesetzt. Nachdem Lambert seine Fhesen noch einmal vorgetragen hatte, erhielt Ni⸗ kolaus Ferber das Wort. Dieser, ein strenger Verfech⸗ ter der päpstlichen Richtung, vermied es, auf die Streit⸗ sätze Lamberts einzugehen und wandte sich direkt an den Landgrafen. Er bestritt ihm das Recht, eine Synode zu berufen, über Glaubensfragen verhandeln zu lassen und kirchliche Reformen vorzunehmen, da dies allein Sache des Papstes und der Bischöfe sei. Der Kanzler entgegnete ihm, die Obrigkeit habe nicht nur das Recht, sondern sogar die Pflicht,„Mißbräuche und Abgötterei“ abzustellen. Jedoch der eifrige Franziskaner ließ sich nicht überzeugen, sondern bestritt immer wieder die Kompetenz der Versammlung, kirchliche Fragen zu be⸗ handeln, und ging sogar so weit, die Person des Land⸗ grafen„mit spitzigen und ganz hitzigen Worten“ anzu⸗ greifen. Dieser wies die Vorwürfe des Gegners ruhig zurück und forderte ihn auf, zur Sache zu reden, d. h. auf die Lambertschen Thesen einzugehen. Ferber lehnte dies trotz nochmaliger Aufforderung Lamberts und des Kanzlers ab. Da rief Lambert, der durch persönliche Angriffe des Gegners ohnedies gereizt war man solle ihn des Landes verweisen. Infolge eines Mißverständ⸗ nisses(occidatur, statt expellatur) glaubte der erschreckte Mönch, man trachte ihm nach dem Leben, und suchte Schutz bei dem Fürsten. Dieser klärte den Irrtum auf und gewährte dem Gegner sicheres Geleit. Nikolaus Ferber gab später in Köln 326 Gegenthesen heraus, die Lambert nicht unerwidert ließ. Nachdem am dritten Verhandlungstag ein alter Pfarrer aus Waldau bei Cassel den vergeblichen Ver⸗ such gemacht hatte, die Marienverehrung zu rechtferti⸗ gen, verstummte die Opposition. Um nun zu einem positiven Ergebnis zu gelangen, wurde eine Kommission ernannt, die„aus dem Worte den letzten Zügen. Aber gerade jetzt sehen wir Zufammen⸗ schlüsse unserer evangelischen Kirchen in Deutschland und in der ganzen Welt. Wie sollte es auch anders sein? Hat doch schon Jesus von feinem Evangelium gesagt:„Himmel und Erde wer⸗ den vergehen, aber meine Worte werden nicht vergehen.“ Was will uns darum der Ansturm der Sekten? Welche Mengen amerikanischen Geldes werfen die sogenannten„ernsten Bibelforscher“ hinaus. Wie klein ist der Erfolg gegenüber der Anstrengung. Sie wollen„das Wort nicht lassen stahn!“ Sie wollen das Gotteswort zum Zeugen machen für einen von ihrem Stifter erdachten Weltplan. Wir kämpfen um das unverfälschte Evangelium. Willst Du in unsere Reihen treten und bekennen: „Ich schäme mich des Evangeliums von Christo Jesu nicht“? Was will die Bewegung der Freidenker in ihrer mannig⸗ fachen Schattierung? Sie rufen laut ihre Losung durch unser Valerland:„Heraus aus der Kirche!“ Sie sind die religiösen Nihilisten. Sie rauben dem armen Volke den Glauben und geben ihm keinen Ersatz dafür. Seelisch lassen sie die armen irregeleiteten Menschen umkommen. Willst Du Mitkämpfer sein gegen diesen Atheismus? Tritt ein in unsere Reihen und sprich: „Ich schäme mich des Evangeliums von Christo nicht!“ Dazu kommt der altböse Feind, der Ultramontanismus. Auf römischer Seite hat man uns ernstlich den Kampf angesagt. Man will Deutschland in die mittelalterliche Zeit zurückversetzen. Rom will regieren in unserem Vaterland. Ausgezeichnet geschulte Soldaten stehen in den Ordensleuten und Jesuiten zur Ver⸗ sügung. Wer nennt sich da noch evangelisch und schämt sich, für sein teueres Evangelium zu kämpfen?„Ich schäme mich des Evangeliums von Christo nicht!“ Dr. Martin Luter hat, wie alle Reformatoren, immer in der Minderheit gestanden, und sie alle haben doch gesiegt. Sie ver⸗ ließen sich allein auf den Führer Jesus Christus. So wollen auch wir uns nicht des Evangeliums schämen und unter der Führung unseres Heilandes uns furchtlos zu unserem Evange⸗ lium bekennen und dafür kämpfen! Amen Hr. 74 7 7 10 14 179 13 Sonnabend, den 30. Oktober 1926. Gottes feststellen sollte, was in allen hessischen Gemein⸗ den reformiert werden müsse.“ Das Resultat dieser Beratungen war die hauptsächlich von Lambert ver⸗ faßte„Homberger Kirchenordnung“. Nachdem noch verschiedene Beschlüsse betreffs einer im nächsten Jahre vorzunehmenden Kirchenvisitation, sowie die Gründung einer Universität in Marburg ge⸗ faßt worden waren, wurde die Versammlung am 23. Ok⸗ tober geschlossen.(Schluß folgt.) Von der Jwösten Neichskngung der Evangellschen Bolksgemeinschaft. Vortrag des Herrn Studienrat Proescher-Mainz. Nachdem wir ein Stimmungsbild, sowie je einen Vortrag des ersten und zweiten Tages gebracht haben, wollen wir heute einen Vortrag des dritten Tages ver⸗ öffentlichen. Herr Studienrat Proescher⸗ Mainz sprach über„Das kommende Reichsschulgesetz“. Wir stellen dabei gleich voraus, daß die Ausführungen des Vortragenden nicht etwa für das ganze Reichsgebiet Geltung haben sollen. In Norddeutschland wird man das warme Eintreten für die Simultanschule nicht ver⸗ stehen. Die Tagung war eben, wie Herr Studienrat Proescher wohl auch annahm, meistens von Freunden aus Hessen und Hessen-Nassau besucht. Für deren Schulverhältnisse war der Vortrag bestimmt. In seinen Ausführungen ging der Redner aus von den Paragraphen der Reichsverfassung, welche über die Schule handeln. Dabei ist den Eltern ein Einfluß auf die Schule zugesagt. Aus seinen reichen Erfahrungen und Erlebnissen wies der Vortragende nun nach, daß in den höheren Schulen kein Interesse der Eltern an der Schule bestehe. Ist dies bei höheren Schulen der Fall, so trifft dies noch viel mehr bei der Volksschule zu. So sucht man nun dieses Heranziehen der Eltern, über die Schule der Kinder zu entscheiden, nicht zu erzieherischen, sondern zu politischen Zwecken auszunutzen. Man stellt demnach die Schule hinein in den Kampf, um politische Ziele zu erreichen. Auch durch die Schule will man zur Herrschaft gelangen. Nun soll man nicht schon in Kin⸗ der die Gegensätze pflanzen, die die Erwachsenen tren— nen. Man darf dann auch nicht schon die Kinder kon— fessionell trennen. Durch die Trennung der Bekennt⸗ nisse in der Schule wird das Zusammengehörigkeitsge⸗ fühl der Kinder zerrissen. Das Zentrum fordert die konfessionelle Schule. Der Redner spricht sich für die Simultanschule aus, weil diese den inneren Frieden förden hilft. Gegen eine Aenderung des deutschen Schulsystems tritt der Vortragende entschieden auf. Er ist dafür, daß da alles gelassen wird, wie es war. Die deutsche Schule stand immer in gutem Ansehen im Auslande. Andere Völker haben uns gerade wegen unserer Schulen be⸗ neidet. Aenderungen sind gar nicht dringend. Wenn das Zentrum die konfessionelle Schule erreicht haben wird, dann wird es sofort die geistliche Schulaufsicht fordern. Dann kommt das Konkordat nach bayerischem Muster. Der Redner meint, daß die katholische Kirche wohl imstande sei, ihre Ziele in Bezug auf die Schule zu erreichen. Dies zu verhindern, müsse die Evan⸗ gelische Volksgemeinschaft auf dem Posten sein. Wenn nun der Vortragende die Simultanschule fordert, so meint er die christliche Simultanschule. Sie muß als Ziel haben die Erziehung zu christlichen Per⸗ sönlichkeiten. Deshalb gehört auch ein guter Religions⸗ unterricht in die Volksschulen sowohl, wie auch in die höheren Schulen. Sucht die katholische Kirche ihren Anhängern das rechte Glaubensleben beizubringen, dann arbeiten wir mit ihr zusammen. Sobald sie sich aber weltpolitisch betätigt und dabei sich sogar der Schule bedienen will, dann hat sie uns zu ihren schärfsten Gegnern Daz sozinle Zeltalter. Von Paul Rüffer, Vorsitzender des Verbandes ev. Arbeiter- und Volksvereine Groß-Berlin. 6. Fortsetzung. Vom Standpunkte der evangelischen Arbeitervereinsbewe— gung aus gesehen ist die sittlich-religiöse Seite des sozialen Problems in unseren Tagen die allerwichtigste, denn erst was in der Seele des einzelnen und der Gesamtheit zur sittlichen Macht geworden ist, das erst drängt zur sozialen und nationalen Tat nach außen. In weiten Kreisen der marxistischen Arbeiter—⸗ welt hat sich eine geistige Wandlung vollzogen. Die Erkenntnis, daß der„historische Materialismus“ auf die Dauer die Arbeiter⸗ seele nicht befriedigen kann, und ferner die Ueberzeugung, daß der Mensch nicht von Brot allein, d. h. von dem gesteigerten Er— trage seiner Arbeit lebt, sondern daß zum innerlich befriedigten Leben in erster Linie geistige und seelische Werte gehören, ist heute in der Arbeiterwelt weit verbreitet. Es ist deshalb anzu- erkennen, daß die evangelische Kirche durch ihre soziale Botschaft und ihre sonstigen Beschlüsse ein warmes Vekenntnis zur sozialen Tat abgelegt hat. In der Betheler Botschaft des evangelischen Kirchenbundes vom 17. Juni 1924 heißt es u. a.:„solcher Man⸗ gel an christlichem Geist und Brudersinn ist es auch, der zu der Uitheilvollen Vergiftung des wirtschaftlichen Lebens und zu der en Verschärfung der sozialen Gegensätze geführt hat, welche unsere ganze Zukunft und Gesittung bedrohen... „Wahrhaft soziale Gesinnung stammt aus dem christlichen Glau— ben, mit dem die Ueberzeugung von den unvergleichlichen Werten der Menschenseele die Pflicht zur Brüderlichkeit und zum opfer⸗ willigen Dienen“, auferlegt. Im Juli 1925 erfolgte eine Kundgebung des deutsch-evange⸗ lischen Kirchenausschusses zur Wohnungsnot, in der besonders guf die gefährlichen seelischen Wirkungen aufmerksam gemacht „Evangelische Warte“ Der mit allgemeinem Beifall aufgenommene Vor⸗ trag hatte eine lebhafte Aussprache zur Folge, ein Zei⸗ chen, daß das Interesse für die Schule sehr lebendig in den Kreisen unserer Freunde ist. Herr Greb stimmte dem Vortrag zu und machte noch vom Standpunkt des Volksschullehrers ergänzende Ausführungen. Beson⸗ ders verbreitete er sich über das geplante Reichsschul⸗ gesetz. Reichsgeschäftsführer Weidner beleuchtete dann noch ausführlich die hessischen Schulverhältnisse. Schriftleiter Hamburger spricht dann noch über die Lehrerausbildung in Hessen, welche nicht die Erfüllung der Lehrerwünsche sein kann. Er spricht seine Verwun⸗ derung darüber aus, daß soviel Lehrer noch zur Wei⸗ marer Koalition, die in Hessen regiert, halten, die ihnen das Universitätsstudium nicht beschert habe. Die Volksschullehrer sind durch die pädagogischen Akademien immer noch in eine besondere Kategorie eingestuft und man will sie nicht bis zur Stufe eines Vollakademikers steigen lassen. Dann hätte man auch die Lehrersemi⸗ nare bestehen lassen können mit ihrem Einpauken von viel unverdautem Wissensstoff, wenn man nicht ganze Arbeit hat schaffen wollen. Die Lehrer seien keiner der gegenwärtig in Hessen regierenden Parteien Dank schuldig. Als letzter Redner ergreift Generalsekretär Haupt das Wort und lenkt die Aufmerksamkeit auf die in Hes⸗ sen eingeführten Lehrbücher. Er erwähnt besonders das in den Gymnasien eingeführte Lateinbuch, das sehr den Wünschen der doch bei uns in der Minderheit stehen⸗ den römischen Kirche entgegenkommt. Der Vorstand der Evangelischen Volksgemeinschaft. Auf der zweiten Reichstagung in Frankfurt a. M. wurde auch der Vorstand neu gewählt. Herr Professor Niemann⸗Gelsenkirchen hatte eine Wiederwahl abge⸗ lehnt. Auch mußte der Vorstand in Anbetracht der erweiterten Bewegung vergrößert werden. Man wählte schließlich den folgenden Vorstand: Erster Vorsitzender: Dr. jur. MWoegenburg⸗Frankfurt a. M., zweiter Vorsitzender: Hans Weddig Mosel-Rohrberg, Kreis Salzwedel, dritter Vorsitzender: W. Schädler⸗Neu⸗ münster; vierter Vorsitzender: Generalsekret. Rödder⸗ Königsberg; Reichsgeschäftsführer: Ernst Weidner. Zu Stellvertreter wurden folgende Herren gewählt: Bürgermstr. Völker⸗Lich, Superintendent Brandt⸗ Eime, Gerichtsassesor Gitzen-Glogau, Stadtverord⸗ neter Schreiner Kümper-⸗ Frankfurt a. M. Zum stellvertretenden Reichsgeschäftsführer wurde Kaufmann E. W. Müller ⸗ Frankfurt a. M. gewählt. Zum Ort der nächsten Reichstagung wurde Hildesheim vorge⸗ sehen. Slalistit über Kirchenaustritte und Abertritte nach dem kirchlichen Jahrbuch für die evangelischen Landeskirchen Deutschlands. Aus den Jahren 1921—1924 gibt die Statistik fol⸗ gende Zahlen: Austritte: 576 218 zum Atheismus, 308 zum Judentum, 35 067 zu Sekten und Freikirchen, 29 413 zum Katholizismus. Aebertritte: 82 948 vom Atheismus, 1344 vom Judentum, 5 522 von Sekten und Freikirchen, 42 065 vom Katholizismus. Danach hat die evangelische Kirche in diesen vier Jahren 509 127 Mitglieder verloren, und zwar, wie aus obigen Zahlen hervorgeht, fast ausschließlich an den 8 wurde. Von besonderer sozialer Bedeutung war es deshalb auch, daß die Generalsynode im Dezember 1925 den ersten Arbeiter⸗ vertreter in der Person des Arbeitersekretärs und Reichstags⸗ abgeordneten Hartwig in den Kirchensenat wählte. Weitere Entschließungen zur sozialen Arbeit der Kirche faßte die preu— ßische Generalsynode in ihrer Dezembertagung von 1925. Von großer Bedeutung ist auch die Botschaft der Weltkonferenz für praktisches Christentum vom 29. August 1925 in Stockholm, in der es u. g. heißt:„Wir richten diese Botschaft namens des Men⸗ schensohnes, des Zimmermanns von Nazareth auch an die Ar— beiterschaft der ganzen Welt. Wir erkennen dabei dankbar, daß viele jetzt schon in den schwierigsten Verhältnissen und in den verschiedensten Ländern nach den hier aufgestellten Grundsätzen handeln. Wir beklagen die Mißverständnisse und die Arsachen, die so viele der Kirche entfremdet haben und sind entschlossen, das Unsrige zu tun, um sie zu beseitigen. Wir begrüßen die Be— strebungen, die auf Herstellung einer gerechten und brüderlichen sozialen Ordnung gerichtet sind, an der ein jeder nach Gottes Pillen seine freie und volle Entwicklung finden kann, und setzen uns voll ein für die Erreichung dieses Zieles.“ Zu bedouern ist es dagegen, daß der Gedanke der Zentralar⸗ aft heute im Erlöschen ist, und daß sich im Arbeit⸗ r wieder unsoziale Strömungen zu zeigen begin- die auf einen Abbau der Sozialpolitik hindeuten. Es soll natürlich nicht geleugnet werden, daß die sozialen-politischen ten in Verbindung mit den Reparationsverpflichtungen und gußerordentlich hohen Steuern drückend empfunden werden. Im Jahre 1913 betrugen die Ausgaben für die Kranken-, Un⸗ fall⸗, Invaliditäts-, Angestellten- und Knappschaftsversicherung in Summa 1429,5— 1925 dagegen 2 358,1 Millionen. Man darf dabei aber nicht übersehen, daß trotz des verkleinerten Reichsgebietes die Zahl der Krankenversicherten von 16 916 000 im Jahre 1914 auf 19 086 000 und in der Angestelltenversicherung die Zahl der Versicherten von 1535 000 im Jahre 1914 auf 2 325 Nr. 44. am Atheismus. Die Herde der Austrittsbewegung der ö bah vergangenen Jahre sind natürlich die Industriezentren, 0 während das platte Land nahezu unbeteiligt ist. Daß 100 ö diese Austrittsbewegung nicht rein und ehrlich und ige religiös war, sondern von politischen und sozialen, ja 5 500 von rein parteipolitischen Motiven durchzogen gewesen* ich ist, ist allgemein bekannt. Die Zahlen der Statistik lle beweisen, daß die Revolution die Austrittsbewegung 15 zu einem lodernden Feuer angeblasen hat, das aber b bei Beruhigung der Gemüter immer kleiner wurde und a bald zu einem Aschenhäuflein zusammengebrannt sein 15. wird. Das beweist ein Vergleich der Verlustziffern in 1 5 den letzten Jahren. Der Verlust betrug im Jahre 1921 l noch 221 874 im Jahre 1923 nur noch 94 630, und nach 0 der letzten Statistik von 1924 nur noch 46 123. n Für die Evangelische Volksgemeinschaft ind von besonderem Interesse die Zahlen und Ausführungen, Aung die Professor Schneider in dem kirchlichen Jahrbuch von int 1926 macht über den Konfessionstausch mit dem 11 Katholizismus. Danach betrugen: a 1 b 60 1920 1921 1922 1923 1924 0 Uebertritt von Katholiken zur 1 0 evangelischen Kirche 11927 11402 10176 9547 10880 fl AUebertritte von der evangel. füt zur kath. Kirche 8570 8030 7185 7245 6953 1 Evangelischer Ueberschuß 3367 3432 2991 2302 3927 115 Angesichts dieses rechnerischen Ergebnisses wird die ble, ultramontane Presse es doch endlich müde werden, ihren n un Gläubigen weiter zu verkünden, die katholische Kirche al, de habe durch Uebertritte ungeheure Gewinne in Deutsch⸗ ele vo land aufzuweisen. Es darf auch nicht vergessen wer⸗ iht ve den, daß der katholische Volksteil nur die Hälfte des du w evangelischen ausmacht, aber dennoch mehr Konvertiten cher stellt, als der evangelische. Ein deutliches Bild von gleich dem viel größeren Verlust der katholischen Kirche gegen⸗ dan über der evangelischen Kirche ergibt sich bei der Be⸗ ig u rechnung der Uebertritte auf je 100 000 des betreffenden it Volksteils: anf 1920 1921 1922 1923 1924 fe i Von 100 000 Katholiken treten I offen zur evangelischen Kirche über: 57,02 59,28 52,67 49,41 56,31 10 10 Von 100 000 Evangelischen tre⸗ All n ten zur kathol. Kirche über: 22,47 21,07 18,85 19,01 18,24 lic Statistisch gesagt ist demnach die Neigung der de Katholiken, evangelisch zu werden, etwas mehr als drei⸗ lla mal so stark, als die Neigung der Evangelischen, kathos⸗ ur lisch zu werden. Deshalb wollen wir uns durch ultra- ed montane Prahlereien nicht einschüchtern lassen, aber aa wir wollen uns auch nicht schläfrig zeigen gegenüber Jese der neu aufgepeitschten Propaganda Roms in Deutsch⸗ iche land. Die evangelische Kirche ist noch lange nicht die! sturmreif, wie Nom behauptet. Aber es heißt für uns- dine Ihr Wächter auf den Zinnen, schlaft nicht! E. J. greif 1 8 Brief aus Gachsen. 35 (Schluß.) hte n Wie schon früher angedeutet, ist der 1. Oktober le ds. Is. ein Tag von größerer geschichtlicher Bedeutung für unsere sächsische Landeskirche gewesen. An diesem e Tage ist die neue Kirchenverfassung, die schon seit 1922 fertig beschlossen dalag, endlich in Kraft getreten. Die— ser Tag bringt jedoch nicht nur in verfassungsmäßiger Hinsicht etwas völlig Neues, sondern wie sich auch jetzt schon deutlich zeigt, führt er auch eine weitgehende um gestaltung in den höheren Verwaltungsstellen der Kirche herbei. Ein wichtiges neues kirchliches Amt ist geschaf fen: das des Kirchenrats. Fünf solcher neuen Kirchen- Ihn amtsräte sind einstweilen berufen worden, die sämtlich daf aus Juristen bestehen. Die betr. Persönlichkeiten sind de größtenteils aus dem juristischen Personal des Landes⸗ de lonsistoriums genommen worden. Dadurch, daß für diese den, Männer Ersatz geschaffen werden muß, werden auh due neue Persönlichkeiten in das Landeskonsistorium hinein⸗ Leu Tausend im Jahre 1924 gestiegen ist. Wenn von Arbeitgeber⸗ seite behauptet wird, daß auf den Kopf berechnet vor dem Kriege 68 Mark pro Jahr, 1925 aber 150 Mark an Soziallasten kommen, ed so steckt in dieser Summe nicht bloß die Soziallast der Versicher⸗ ung, sondern auch der Soziallohn, d. h. die Familienzulage, so⸗ 1 wie die hohen Summen für die Erwerbslosenfürsorge. Es kommt e noch hinzu, daß die Verwaltungskosten infolge des gesunkenen uf Geldwertes naturgemäß höher sind als vor dem Kriege. Das 1 alles erhöht die Ausgabe für soziale Zwecke ganz außerordentlich. ef Wenn wir also zugeben, daß unter den gegenwärtigen Ver⸗ ill hältnissen die äußerste Belastungsgrenze erreicht ist, dann muß ld de aber auf der anderen Seite betont werden, daß der Ausgleich auf den der Arbeitgeberseite in der Lohnpolitik gesucht wird. Die deut⸗ schen Löhne sind erheblich niedriger als die Löhne in England, 0 w besonders aber in Amerika. Dazu kommt, daß der innere Wert 1 des Geldes heute ein Drittel niedriger zu bewerten ist, als in 6 der Vorkriegszeit. Wenn also behauptet wird, die Nominal⸗ löhne hätten entweder die Höhe der Vorkriegszeit erreicht oder gar überschritten, so entspricht diese Behauptung— soweit der Realwert des Lohnes in Betracht kommt— nicht den Tatsachen. 185 Es muß aber ferner betont werden, daß die Soziallasten durch c Tausende von Kanälen wieder in die Volkswirtschaft zurück⸗ lh strömen und sie befruchten. Die segensvolle Auswirkung der 8 Sozialpolitik für die Arbeiterschaft und die Volkswirtschaft be⸗ steht darin, daß die Lebensdauer der Arbeiterschaft sich ver⸗ längert, daß die Arbeitskraft gesund erhalten bleibt und daß die Leistungsfähigkeit sich steigert. Das alles ist in der Vorkriegs⸗ zeit statistisch nachgewiesen worden und das trifft auch für die Nachkriegszeit in vollem Umfange zu. Man sollte deshalb im Arbeitgeberlager nicht die Forderung nach Abbau der Sozial⸗ politik erheben, sondern sich mit der Arbeitnehmerschoft vereini⸗ gen in der Forderung: Revision des Vertrages von Versailles und Aenderung der Reparationskosten auf Grund des Dawes⸗ planes.(Fortsetzung folgt.) 00 Kirchenverfassung. hatte, wird nun verfassungsmäßig 00 der übrigen sächsischen Landeskirche gleichgemacht. Da⸗ durch ist die Aufstellung von vier neuen Superinten⸗ 10 denturen für Bautzen, Kamenz, Löbau und Zittau de) götig. Auch dies bringt mancherlei Veränderungen it] mit sich. Landesbischof Dr. Ihmels, welcher endlich sein ung geues Amt, von welchem er bisher nur den Zitel hatte, ber antreten konnte, hat zum 1. Oktober einen bedeutsamen und Hirtenbrief an die Gemeinden erlassen, der am ersten ei. Sonntag nach dem Inkrafttreten der Verfassung, also 0 am 3. Oktober, in allen Gemeinden bekannt gegeben A worden ist. Aus dieser Kundgebung des Mannes, der nah gun an der Spitze unserer Landeskirche steht, sei im Fol⸗ genden das Wichtigste herausgegriffen:„Der 1. Oktober von hat uns die Erfüllung langen Wartens gebracht; die vor gen, mehr als vier Jahren beschlossene neue kirchliche Ver⸗ bo, fassung ist in Kraft getreten. Damit durchleben wir dem. ein kirchengeschichtliches Ereignis allererster Bedeutung. Die jahrhundertelange enge Verbindung der Kirche mit a dem Staat hat sich gelöst. Die Kirche ist in Zukunft auf ich selbst gestellt. Was ziemt uns heute? Zuerst ehr⸗ fürchtiger Dank gegen Gott, für allen Segen, den er bis⸗ her für seine Kirche gehabt hat. Dank auch den verschie⸗ eh denen Schirmherren der Kirche, durch die Gott seine 0 Kirche gesegnet hat. Dank auch allen, die in der bis⸗ de herigen Kirchenform am Aufbau der Kirche gearbeitet dten haben. Dann aber auch ehrfürchtiger Dank, daß er uns iu den Anbruch eines Neuen erleben läßt. Unzweifelhaft c, war, daß die letzten Gedanken unseres Herrn nicht auf a eine vom Staat abhängige Kirche zielte, wie sein Reich 95 nicht von dieser Welt ist, so soll auch seine Kirche nicht ig durch weltliche Macht leben. Niemand kann sich darüber a äuschen, daß das Schutzamt des Staates für die Kirche un zugleich doch Gefahr und Hemmung bedeuten konnte. a In dankbarem Vertrauen begrüßen wir daher die Füh⸗ 10 kung unseres Gottes. In dankbarem Vertrauen sage ich. Viele sehen freilich nicht ohne ernste Sorge in die 10 Zukunft. Wir verstehen das. Aber nicht wir haben 9 hier irgend etwas gemacht. Der Herr hat das Neue ge⸗ 91 schaffen. Wollen wir dann ihm nicht zutrauen, daß er auch weiter führt? Seien wir ganz gewiß. Der Herr 11 will mit der neuen Wendung auf Großes hinaus, wenn a gielleicht auch in ganz anderem Sinne, als wir es meinen. d And er wird dies Große hinausführen, wenn er nur dee, Werkzeuge findet. Das sei denn unsere einzige Sorge, ate daß wir uns ihm zu Werkzeugen geben. Denn das ist lün, allerdings wahr: Soll die Kirche ohne den Dienst des ahn Staates auskommen, dann hängt noch in ganz anderer bel Weise als bisher alles davon ab, daß jedes Glied der ul. Kirche sich auf seine Pflicht gegen die Kirche besinnt. nich Wie die Kirche der Reformation die Kirche des allge⸗ — 9 meinen Priestertums ist, so muß sie auch die Kirche all⸗ gemeiner Dienstpflicht sein.“ 0 So stehen wir denn mit unserer Kirche gegenwärtig in einer geschichtlich bedeutsamen Stunde. Wie die Dinge bei uns in Sachsen liegen, wird sich die Kirche ihre neue Stellung nicht ohne Kampf erringen können. b Anser herzlicher Wunsch aber und unsere Bitte zu Gott 10 muß sein, daß unsere Kirche diesen Kampf alle Zeit nur ien mit den Waffen des Geistes führe! 192 Pfr. Kircher, Coswig, Bez. Dresden. die a in 1% Aus Nolitik und Parlament. 10 Die Partei deutscher Katholiken. ch Dem„Darmstädter Tageblatt“(Nr. 284, 1926) ent⸗ uh nehmen wir einen Bericht über einen am 3. Oktober in ul Frankfurt a. Ma stattgehabten Parteitag der„Partei 1 deutscher Katholiken“. Wie darin ausgeführt wird, nd ist diese Partei bereits im Jahre 1922 gegründet wor⸗ . Partei, sondern eine bewußt katholische Partei sein. inen. Sie will ihre Politik„im Einklang mit der katholischen „ 2 mee. 7 2 , zum 31. Oktober 1517. ul Abend ist's vor Allerheil'gen, Vesperglocken läuten ein, mn Durch Studenten, Bauern, Junker zieht ein Mönch mit Fackel⸗ fh schein. % Mönchlein, Mönchlein!— Doch er breitet betend seine Rolle aus bum Fünfund neunzig Thesen schlägt er an das alte Gotteshaus. iel Mächtig dröhnt es, prächtig tönt es durch der Nachbarstädte Ruh, 1 Scheuen Blickes schlägt Herr Tetzel seinen Ablaßkasten zu. ls mächtig wogt's bis an die Alpen, schwillt bis an den Tiberstrom, n And des Vatikanes Feste zittert samt dem Petersdom. in In den Katakomben rührt sich aller Heiligen Gebein, ahn An den Himmel klopft die Botschaft, und die Engel jubeln drein. e bah Also werden Städte, Länder, Zeiten, Himmel neu bewegt, all Wenn ein Mann die Thesen Gottes an die Tür der Kirche schlägt. 1 0 R. Kögel. al% 5 on 1„ 0 40 Zum 31. Oktober 1926. ue So oft der 31. Oktober wieder kommt, hallen unsere evan⸗ ahl, gelischen Kirchen wieder vom Dank gegen Gott, der einen Martin 0 mul Luther uns schenkte. Das Bild des Reformators tritt vor un⸗ t sere Seele, und im Geiste folgen wir dem glaubensstarken Mann onnabend, den 30. Oktober 1926. „Evangelische Warte“ n kommen. Die Oberlausitz, welche bisher ihre eigene den. Sie will nicht, wie das Zentrum, eine bürgerliche Weltanschauung betreiben“. Bis jetzt scheint diese Par⸗ tei noch nie irgendwie hervorgetreten zu sein. * Vier Milliarden Lohnausfall! Die Zahl der Arbeitnehmer betrug in Deutschland einer Untersuchung im„Wirtschaftsdienst“ i. J. 5 22,3 Millionen, ihr Lohn- und Gehaltseinkommen etwa 40 Milliarden. Rechnet man 2½ Millionen Ar⸗ beitslose und 1,7 Millionen Kurzarbeiter und setzt letz⸗ tere einem Ausfall von einer halben Million voll Be⸗ schäftigter gleich, so ergibt dies einen Ausfall von 12,3 Prozent tätigen Arbeitskräften. Der Lohnausfall, etwas unter dieser Berechnung mit 11 Prozent angesetzt, erreicht demnach eine Jahressumme von 4,4 Milliarden Goldmark. Diese Zahl veranschaulicht den ungeheuren Verlust an Volkseinkommen, der durch die Erwerbs⸗ losigkeit verursacht wird, birgt eine Summe von Ver⸗ elendung und Sorgen, zeigt aber auch, welch dringende 1 Und nationale Aufgabe die Beschaffung von Ar⸗ heit ist. Was jeder Evangeliiche wissen muß. Römisch⸗katholische Propagandakunst. In der Unterhaltungsbeilage der„Wittenberger Zeitung“— die Nummer ist leider nicht angegeben, der Text selber liegt aber vor— fand sich unlängst eine No⸗ velle von zwei Spalten Länge:„Der Hochstapler“. Das Ganze ist von vorn bis hinten nichts als eine Reklame für den Kleinen Herder, das katholische Konversations⸗ lexikon aus dem bekannten katholischen Verlag von Her⸗ der in Freiburg i. Br., das immer und immer wieder dem Leser ins Gedächtnis gehämmert wird. Dieses Muster römisch⸗katholischer Propagandakunst bekommt einen besonders pikanten Beigeschmack, wenn man weiß, daß die Unterhaltungsbeilage der„Wittenberger Zei⸗ lung“ wie ein Teil der Zeitung selbst vom Scherl⸗Verlag in Berlin bezogen wird. W Die Jesuiten am Zobten. Wie die„Märkische Volkszeitung“, Nr. 274, mit⸗ teilt, hat soeben in Zobten am Zobtenberge, dem be⸗ kannten schlesischen Wahrzeichen, die Einweihung des von den Jesuiten in schöner Lage erbauten St. Ignatius⸗ Exerzitienhauses stattgefunden. Die Einweihung voll⸗ Namen des Breslauer Kardinals der General⸗ zog im vikar. Damit ist in Schlesien die Gegenreformation wieder um einen Schritt vorwärts gekommen. helge Im Familienkreis L bbdnddndddddddddadddaddndddddddcdadddddcl Zur Einführung! Unsere neue Ecke„Im Familienkreis“ erscheint in dieser Nummer zum ersten Male. Sie wünscht jedem Familienmitglied, vom ältesten bis zum jüngsten, etwas zu geben. Allgemein wertvolle Fragen sollen darin von unserem christlichen, evangelischen Standpunkt be⸗ sprochen werden. Eltern, Kinder bis zum jungen Volk haben ihren besonderen Platz und ihre Berücksichtigung gefunden. Es wird da manches zum Nachdenken geben, vieles im trauten Familienkreis weiter behandelt wer⸗ den müssen. Vielleicht liefert der eine oder andere Leser uns selbst einen Beitrag. So möge denn der Ab⸗ schnitt„Im Familienkreis“ zur Vertiefung unseres evangelischen Gemütes dienen. W. Greb. T edpbdanandaddnandddddnddddddoddondadddddcdddddcccldddg e Vofinnliches und Boschaulithes 0 Ha ddddddbbtidedddadanbndddaddddddnddeocddndaddddddddd Die Stimme Gottes. „Es war Anno 1831“, so erzählt der jetzt entschlafene Pfar⸗ der Ludwig von Davos,„ich lebte noch unverehelicht auf meiner 882 * Add 0 aaa Auf der Warte. Das bedeutendste Ereignis der letzten Zeit war das 0 internationale Wirtschaftsmanifest, durch wel⸗ ches die bedeutendsten Finanz- und Wirtschaftsgrößen einen Weg zeigen wollen, der zur Gesundung der gesam⸗ sen Welt führt. Schon erklären die Franzosen, die auch mehrere Unterschriften stellten, daß diese Unterschriften gar nicht für dieses Manifest von ihnen gegeben seien. Der Amerikaner Morgan, die Finanzgröße, tritt eben⸗ falls einen Rückzug an. Eines haben die Wirtschafts⸗ führer anscheinend bei ihrer Kundgebung übersehen, daß es nämlich neben der internationalen Einstellung des Kapitals auch nationale Interessen gibt.— Das zeigt recht deutlich auch die große Britische Reichskonfe⸗ venz, zu der alle Gliedstaaten und Kolonien Englands ihre Minister entsenden. Wenn sich auch einzelne Ko⸗ lonien weitgehendste Selbständigkeit wünschen, wollen sie doch alle mit dem Mutterlande verbunden sein, da sie dessen starke Flotte brauchen.— In Hesterreich ist das Kabinett Seipel ans Ruder gekommen. Wer ist Seipel, der geschickte Ministerpräsident? Ein durch eine Reihe von Tageszeitungen gegangener Artikel sagt:„Seipel ist in erster Linie immer noch Kleriker (Geistlicher) und wird sich allezeit in den Dienst seines Landes stellen, um damit der größeren Organisation, der(katholischen) Kirche, zu Diensten zu sein.“ Die Evangelischen des österreichischen Burgenlandes wissen davon zu erzählen. Von unserem evangelischen Stand⸗ punkt aus müssen wir unsere volle Aufmerksamkeit dorthin wenden.— Im Deutschen Reich schwirren wie⸗ der Gerüchte über Konkordatsverhandlungen zwischen Kurie(päpstliche Regierung) in Rom und einerseits dem Reich, andererseits Preußen. In der Stille will man anscheinend etwas zusammenbrauen, um das evan⸗ gelische Deutschland dann zu überraschen, wenn ein Widerstand zu spät ist.— Im Elsaß scheint sich in der Sprachenfrage eine Wendung zu Gunsten unserer deut⸗ schen Sprache vorzubereiten. Ob Poincaré wirk⸗ lich den ernsten Willen hat, den deutschen Ansprüchen Rechnung zu tragen? Vielleicht war es gerade eine seiner günstigen Stimmungen, hervorgerufen durch die Feier des Jahrestages von Locarno! Hoffen wir, daß sich auch hier die Erkenntnis Bahn bricht.— In Hessen gab der Finanzminister einen Ueberblick über die Fi⸗ nanzlage, die ein erschütterndes Bild der Notlage unse⸗ res Staates zeitigt. Nur mit Hilfe des Reiches ist eine Sanierung(Gesundmachung, Besserung) möglich.— Nach langwierigen Verhandlungen hat der Landtag einmütig beschlossen, dem Antrag auf Abstimmung über die Auflösung des Landtages stattzugeben. Das Wort einmütig“ hat einen sonderbaren Klang, wenn man betrachtet, wie bei den Verhandlungen die Gegensätze aufeinanderstießen.— Auf der Homberger Synode führte vor 400 Jahren der Landgraf Philipp der Groß⸗ mütige in Hessen die Reformation ein. Der 20. Okto⸗ ber wurde dementsprechend in dem Städtchen Homberg gefeiert. Am 31. Oktober findet aus demselben Grunde in allen hessischen Schulen eine Schulfeier statt. Pfarre zu F. Eines abends will ich mich gerade zu Bett legen und fange an, mich auszukleiden, da überfällt mich plötzlich eine unerklärliche Unruhe, als dürfte ich das nicht tun. Was ist denn das? denke ich, du hast doch keinen Pflichtgang vergessen? In der Gemeinde ist ja eben niemand krank, zu dem ich sollte, und alles andere hab ich ordentlich abgemacht. Und damit beruhige ich mich und will nun fortfahren, mich zu entkleiden. Rock und Weste ziehe ich aus, da ergreift mich eine unbeschreibliche Angst, und wie ich fortfahren will, mich auszuziehen, steigert sie sich dermaßen, daß ich heftiges Herzklopfen bekomme, so daß ich mich niedersetzen muß. Aber das ist doch ganz sonderbar, denke ich. Was soll das nur sein? Herr, ist es vielleicht ein Wink von Dir, daß Du meinen Dienst heute noch brauchst, so bin ich bereit, ihm zu folgen. Und damit ziehe ich Weste und Rock wieder an, und so wie ich das tue, weicht die Angst und Be⸗ auf seinen Wegen. und wir freuen uns an dem Bilde des Familienvaters, sein. Ja auch als Deutsche sind wir stolz deutschen Mann dazu ausersehen hat, der gelium wieder zu erschließen, die frohe Botschaft von dem voller Gnade und Wahrheit. Doch wehe der evangelischen Christenheit, wenn sie sich heute nur sonnen wollte in solchem Stolz und solcher Freude! Luthers Werk ist nicht ein Vermächtnis, dessen Zinsen wir genießen dürfen, sondern es ist eine beständige Aufgabe für uns. Hier gilt das Wort:„erwirb es, um es zu besitzen!“ Jedes religiöse Gut muß von jeder einzelnen Seele neu erworben werden; so auch das, welches die Reformation offenbarte. Im Grunde muß jeder evangelische Christ die gleichen inne zen Wege gehen wie Luther. Nur wer, wie er, mit seiner Sünde ringt, findet den Weg zur Gnade Gottes und erkennt die Unmöglichkeit, gerecht zu werden durch eigene Werke. Nur wer selbst die Knechtschaft und Abhängigkeit seiner eigenen Seele von äußeren Gewalten und Einflüssen schmerzlich fühlt, kann Luthers Kampf gegen päpstliche Bevormundung mitempfinden und nach seinem Vor⸗ bilo ein Kämpfer der Freiheit sein. Am Reformationsfest wol⸗ len wir ernster denn je uns solcher Selbstbesinnung zuwenden. Freilich dürfen wir auch den Blick auf das Ganze nicht ver⸗ lieren und nicht übersehen, daß wir Aufgaben in Luthers Sinn für die Gesamtheit zu erfüllen haben. Luthers Werk ist noch wicht vollendet; ja oft will es uns scheinen, als wäre in unserer Zeit eher ein Rückschritt als ein Fortschritt zu verzeichnen. Anter ers Hammerschlägen in Wittenberg wankte einst der Thron Papstes; heute steht er fester denn je, und Fürsten und Lut Die Hammerschläge von Wittenberg hören wir dröhnen, sehen ihn kühn vor Kaiser und Fürsten in Worms, schauen ihn in seinem Wartburgstübchen über die Bibel gebeugt, ö im Kreise von Weib und Kindern mit der Laute die Lieder be⸗ gleitend. Auch fühlen wir wieder etwas von den Geistesgaben, die er uns hinterlassen, von der Freiheit des Geistes, Freiheit des Glaubens, Freiheit von Papst⸗ und Priesterherrschaft. Stolz und froh sind wir in dem Bewußtsein, evangelische Christen zu darauf, daß Gott einen Welt das wahre Evan⸗ Vater Machthaber, selbst evangelische, beugen sich vor ihm und buhlen seine Gunst. Vor 400 Jahren auf dem Reichstag in Speyer rd der Grund gelegt zur Freiheit der weltlichen Macht, des ee, gegenüber der Papstkirche, indem jeder Reichsstand in nder Religion es halten solle, wie er es vor Gott zu ver⸗ rten sich getraue. Heute aber im Zeitalter der Konkordate ie deutschen Staaten im Begriff, nicht nur ihre Freiheit in religiösen, sondern auch in staatlichen Dingen(Schule) wiede⸗ rum an d glaubensstarke, kühne Streiter, die für ihren Glauben in den Tob gingen; heute herrscht in weiten evangelischen Kreisen eine Kampfesscheu selbst da, wo es gilt gegen unerhörte Beschimpf⸗ st zu verkaufen. Einst erweckte die Reformation waltigungen abzuwehren. Wie eingeschläfert lebt ein großer Teil des evangelischen deutschen Volkes in dieser Zeit der Gegen⸗ reformation. Luther, laß deine Hammerschläge wieder dröhnen, daß das evangelische Volk erwache! Luthers Werk darf nicht rückwärts gehen und nicht stille stehen; die Reformation muß noch vorwärts schreiten. Auch an unserer evangelischen Kirche und am evangelischen Volk, ja an aller Welt muß der Luther⸗ geist immer neu gestaltend am Werke sein. Wenn Luther heute unter uns wandelte, so würde er reiche Arbeit haben; mit dem Schwerte seines Geistes würde er manche tote Form im kirch⸗ lichen und öffentlichen Leben zerschlagen und den Geist der Wahrheit und der Liebe zum Siege führen. Wo sind die Män⸗ ner und Frauen, die in seiner Gefolgschaft streiten wollen? Luther erwache, führ' du unsere Sache! E. J Reformationsjubelfeier in Hessen. 400⸗Jahrfeier der Homberger Synode. Das alle Hessenstädtchen Homberg a. d. Efze erlebte weihe⸗ volle Tage aus Anlaß der 400-Jahrfeier der Homberger Synode. An der historischen Stätte, wo einst Philipp der Großmütige dem Lutherglauben in Hessen die gesetzliche Sanktion verlieh, hatten sich hunderte von Vertretern aus den Teilen Deutschlands, die ehemals zu Hessen gehörten, eingefunden, um diese Tage festlich begehen. Auch sämtliche Fakultäten der Marburger Univer⸗ und die theologische Fakultät der Aniversität Gießen, sowie die Spitzen der kirchlichen und weltlichen Behörden waren er⸗ schienen. Die Feierlichkeiten wurden eröffnet mit einem geist⸗ lichen Konzert in der alten Marieakirche am Mittwochabend. Donnerstag zu Beginn der historischen Stunde der ersten mmlung der Homburger Sonode wurde das Fest mit der hessischen Reformationsglocke feierlich eingeläutet.— In der nächsten Nummer der„Evangelischen Warte“ werden wir über den Verlauf des Festes einen Bericht aus der Feder eines Fest⸗ Am Ve ungen des evangelischen Glaubens frontzumachen und Verge⸗ teilnehmers bringen. 1 1 Sonnabend, den 30. Oktober 1926. klemmung von mir, und ich habe das eigende Gefühl, w wie wenn einer den richtigen Weg gefunden hat. Nun hole ich mir noch Hut und Stock, um hinauszugehen, doch ganz ohne zu ahnen wohin.„Wenn Du mich brauchen willst, Herr, so leite Du selbst meine 5 betete ich, denn ich weiß absolut nicht, wohin ich sie richten soll. Meine Schwester hört mich so spät abends, es war nach 11 Uhr, herumgehen und fragt, was ich denn noch wolle.„Ich muß noch einmal hinaus“, sagte ich.„Wohin denn?“„Ja, das weiß ich noch nicht; aber ich bin gewiß, ich muß noch ein⸗ mal hinaus.“—„Ach was“, sagte meine Schwefrer,„bleibe doch ruhig zu Hause, zu dieser späten Stunde schläft ja alles“ im Dorf, und wenn du selbst nicht weißt, wohin du gehen sollst, hat es ja gar keinen Sinn und Verstand, jetzt hinauszugehen, an⸗ statt ins Bett.“„Doch, doch, halte mich nicht länger auf“, rufe ich ihr noch zu,„ich muß gehen“, und damit trete ich aus der Tür meines Studierzimmers ins Freie. Sowie ich draußen war, hatte ich das Gefühl, auf rechtem Weg zu sein, doch wußte ich nun nicht, welche Richtung einzuschlagen sei. Ich betete zu Gott, er möge meine Schritte lenken, und indem ich so betete, schritt ich ohne nachzudenken weiter. Nachdem ich eine Strecke so gegangen bin, erblicke ich durch einen Torweg hindurch einen schwachen Lichtschimmer, der aus einer Wohnung kam, die im Hofe lag. Kaum habe ich dies Lichtlein erblickt, so durchdringt mich die feste Ueberzeugung: Das ists— und ohne weiter zu schwanken und zu zögern, gehe ich auf dasselbe zu. Ich wußte, daß dort eine arme Witwe wohne, doch was sie von mir brauchen könne, war mir völlig unklar; nur fiel es mir auf, daß sie noch zu dieser späten Stunde Licht hatte. Sowie ich die Tür erreicht habe, klopfe ich an, da tönt mir von innen mit durchdringender Stimme der Ruf entgegen:„Wer klopft? Gott oder Teufel?“— „Weder Gott noch der Teufel!“ antwortete ich und stoße dabei die Tür auf,—„aber als Diener Gottes stehe ich hier.“ And was sehe ich da? Die Frau war auf einen Stuhl gestiegen, an einem festen Haken in der niederen Decke des Zimmers war ein Strick befestigt, und sie war eben im Begriff, den Kopf durch die Schlinge zu stecken, um sich zu erhängen. „Was wollt Ihr da oben tun?“ rufe ich ihr in strengem Tone zu;„auf der Stelle steigt Ihr vom Stuhl herab und nehmt den Strick dort ab.“—„Herr Pfarrer, laßt mich in Ruh; ich bin eine verlorene Person; es hilft alles nichts, ich bin verdammt und verloren.“—„Ja, das seid Ihr, verdammt und verloren in euren Sünden; aber als Diener und Bote Gottes des Aller— höchsten stehe ich hie, der mich zu Euch geschickt hat jetzt eben. damit Eure Seele nicht ewig verloren gehe, für die Er am Kreuz Sein Blut vergossen hat. Jetzt gehorcht Ihr mir auf der Stelle und steigt da vom Stuhl herunter.“ Sie folgte mechanisch mei⸗ nen Worten. And nun redete ich zu ihr und machte ihr zu— nächst die Hölle heiß, u. nachdem sie die ganze Last ihres Gewis⸗ sens vor mir ausgeschüttet, kniete ich nieder und betete laut um Erbarmung für diese Seele, die Gott so sichtbar dem Verderben entreißen wollte. Lange habe ich noch mit ihr geredet, und 3 Warte“ konnte e ich sicher sein, da elbstmord⸗ versuch nicht wiederholen werde; aber ihre Seele hatte noch leinen Frieden gesunden in dem Bewußtsein, von Gott aus Gnaden um Christi willen angenommen zu sein. Als ich sie jedoch am folgenden Tag aufsuchte, da sagte sie zu mir, jetzt wisse und glaube sie, daß Gott sie angenommen und daß all ihre Sünden vergeben seien und rein gewaschen im Blute Jesu Christi ihres Heilandes— und ihre arme Seele hatte Frieden gefunden. Ja, teuer geachtet ist eine jede Seele vor dem Herrn. Er setzt alles daran, sie nicht zu verlieren, hat er doch so großes Lösegeld für sie bezahlt.“ S aanadadadadedaanadndadaddandaddaadaddadedandadaadcadadada 2 . 5 Für Väter und Mütter LA. Aaanndandonddaddandoadaadaddaandaadaadadoada Eine Bundesgenossin. Neulich hörte ich von einer deutschen Familie, die die schlimmsten Notzeiten unter Bolschewikenherrschaft in Irrkutsk im fernen Sibirien durchgemacht hat und wo es die Eltern doch zuwege gebracht haben, trotz Hunger und Sorge und häufiger Lebensgefahr ihren Kindern eine sonnige Jugend zu schaffen, an die sie gewiß im späteren Leben noch gerne zurückdenken werden. Wenn man an all die Entbehrungen denkt, die sie durch⸗ gemacht haben, an die Zeiten, wo der Vater im Gefängnis ge⸗ sessen und nichts zu essen im Hause war, auch kein Holz, um sich während des eisigen sibirischen Winters zu erwärmen, dann scheint es ein Wunder, daß es ihnen doch gelungen ist, aufrechten Mutes zu bleiben. Es wäre wohl auch nicht gegangen, wenn die Eltern nicht eine starke Bundesgenossin gehabt hätten, die ihnen über das Schwerste hinweghalf. Das war die Liebe, die sie alle miteinander verband. Ihr hatten sie die Herrschaft in ihrem Hause eingeräumt. Sie sollte jeden Augenblick das Verhältnis des einen zum andern regeln. Um ihr freie Bahn zu schaffen, waren sie sehr zweckmäßig vor— gegangen. Sieben waren sie mit Vater und Mutter, und die sieben Tage der Woche hatten sie untereinander verteilt. Die ersten fünf Arbeitstage von Montag an gehörten den Kindern. Ein jedes hatte seinen Tag. Da suchten denn die andern alle ihm etwas recht Liebes zu tun, beim Spielen auf seine Wünsche Rücksicht zu nehmen; ihm den und jenen kleinen Gefallen zu tun; wenn es anging, ihm die besten Bissen bei Tisch zuzu— schieben. So gab es nie Streit und Zank, sondern eitel fröhlich Dienen und Händereichen. Am Sonnabend war der Tag der Mutter. Da ging das Dienen erst recht an. Da wurde es in den wenigen Stuben, die die Bolschewiken der Familie von ihrer schönen großen Woh⸗ nung gelassen hatten, lebendig. Ein jedes legte mit Hand an— Ein jedes sah der Mutter die Wünsche von den Augen ab. Die unbeliebtesten Arbeiten wurden fix und freudig getan. Es hieß ja, dem Mütterchen N im Und kam dann der Sonntag, der Tag des Vaters, dann sah es freundlich und festtäglich in der engen Wohnung aus, so daß der ö Vater, der die Woche über für ein verschwindend geringes Ge⸗ halt Chinesisch hatte lehren müssen und noch dazu viele Privat⸗ stunden geben, um die Seinen irgendwie am Leben zu erhalten, sich unter seinen lieben Kindern recht ausruhen konnte und neue Kraft zu neuer Arbeit sammeln. Auch wir durchleben schwere Zeiten, wenn auch längst nicht so schwere, wie die Menschen in Rußland. Wäre es da nicht an⸗ gebracht, wenn auch wir uns recht fest mit der Liebe verbünden wollten und uns von ihr helle Augen und einen erfinderischen Geist schenken lassen, um gerade in den Kreis unserer Familie, in den Gott uns gestellt, recht viel Freude und Sonne zu brin⸗ gen? Wir sehen an diesem Beispiel, mit wie kleinen Mitteln die Liebe Großes wirken kann. Anna Katterfeld im„Sehrohr“, ach ggaggagthaghchadggggaggggggagcggggcgggggagaggggggggggggg agen . Für Söhne und Söchter F adh oaszwadtawdzddedd doe Was ich täte. Bei Gelegenheit eines kleinen Festes in einem christlichen Hause wurde einer alten Dame scherzhaft die Frage vorgelegt: „Was würden Sie tun, wenn Sie noch einmal jung wären?“ Mit großem Ernst erwiderte diese:„Das will ich Ihnen sagen: Ich würde niemals meinen Posten verlassen, ohne gewiß darüber zu sein, daß Gott mich gehen hieße. Das hat mir in meinem Leben die meisten Schmerzen bereitet, daß ich blind da⸗ rauf los stürmte.“ Die älteren unter den Gästen stimmten nun dafür, daß jeder diese Frage beantworten solle; das junge Volk möge zuhören, Die Aussprüche lauteten: „Wenn ich noch einmal jung wäre, würde ich mein Leid mehr Gott klagen als den Menschen, und ich würde jedem, der mir wehe getan oder mich beleidigt hat, rückhaltlos vergeben.“ „And ich würde mich bemühen, weniger zu reden und mehr zu schweigen. Das„letzte Wort“ würde ich nie mehr haben wol⸗ len; erstens, weil dies eine häßliche Gewohnheit, und zweitens, weil es meist nicht Gottes Wille ist.“ „Ich würde meinen Vater und meine Mutter auf den Hän⸗ den tragen und nichts Lieberes lernen, als ihnen zu dienen.“ „Ich würde alles lernen, was mir zu lernen möglich wäre, und meine Kenntnisse in den Dienst Gottes stellen.“ „Ich würde dankbar und froh den Augenblick genießen und keine Pläne für die Zukunft machen, sondern alles Gott über⸗ lassen.“ „Ich würde fleißiger in Gottes Wort lesen, denn es ist das einzige, was uns im Leben festen Halt gewährt.“ „Und ich würde sofort zu meinem Heiland kommen; denn erst, seit ich Ihn kenne, bin ich wahrhaft glücklich geworden.“ Aud Ad Wichtige Mitteilung der Reichsgeschüftsstelle! Nach einer neuen mit dem Verlag getroffenen Vereinbarung sind ab 1. November die monatlichen Bezugsgebühren für die„Evangelische Warte“ im vollen Betrag, d. h. also 50 Pfennig pro Abonnent, an den Wir bitten, dafür Sorge zu tragen, daß die Bezugsgebühren spätestens am 5. jeden Mo⸗ Verlag abzuliefern. nats abgeführt sind. Die den größeren Ortsgruppen beim Austragen der„Evangelischen Warte“ entstehenden Kosten können an den an uns einzusendenden Mitgliedsbeiträgen in Abzug gebracht werden. Reichsgeschäftsstelle der Ev angelischen Volksgemeinschaft. Weidner. Ober⸗Lais, den 25. Oktober 1926. . ccc . I Mehr als 1200 verschiedene Fort für Behörden, andere Amtsstellen, für Vereine und Körperschaften, Sowie auch für die Geschäfte standig am Lager s 4 1 1 4 4 4 4 4 7 4 4 4 4 1 19 1 7 4 1 4 4 1 4 4 4 1 4 1 4 4 4 4 1 1 7 4 4 1 1 4 2 2 Anzeigen, in mein. Zeitschriften veröffentlicht, werden 10 00 Orten Albin Klein, Gießen. Am 31. Oktober d. d. werden die Spar- kassen aller Lander erneut zum Sparen mahnen. Kein Land hat es nötiger, sparsam zu sein, als Deutschland. Nur durch Arbeitsamkeit und Sparsam- keit können wir im inland die Kxise überwinden und im Ausland unsere frühere Weltgeltung wiedererlangen. DARUM: SPARE AN WelTS PARTE b— vangelssche Blumenhaus Dietz unterstützt uns. evang. Seltersweg 38 Gseßen Fernsprecher 13 Buchhandlung durch Bestellung v. Büchern Größtes Spezialgeschäft Oberhessens Se eitschriften. Feste Seeliger von 2.— Mk. an werden post⸗ Vermittlung von Blumenspenden nach allen Orten Deutschlands. Prompte u. reelle Bedienung. frei ausgeführt. Wartburgbuchholg. Emmeranstraße 9. Trina Hdersedäss Venlangen Sie Mainz, 9 Pfd.= M. 6. franko Dampfkäse fabrik 1 Rendsburg Heizkräftigster, sparsamster Brennstoff Aenur nehunben! Erhältl. in allen gröss. Kohlenhandlungen in mehr als verbreitet. e ee e — Tu lee, 558 U veht, leder anla en; ange