icht 0 bla fahr der 1 eh unst, ge⸗ en fungen 86 N 1 lung ziehen jungen, ele Beruf. rtellt it ober fel ndert Kati elf 9 i rk 6. abrlk Hauptschristleiter: Edwin Hambu Verantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger, für den Unterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz. Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. B25 . Evange drgan der Evangelischen Volksgemeinschaft rger in Staden[Oberhessen). 0 Erscheint Samstags. i Abonnements⸗ und Anzeigen⸗Annahmestelle, Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher 1362 und 1145. Postschecktonto 8437 Frankfurt a. M. Sonnabend, den 27. Nobember 1920. — Bezugspreis 50 Pfennig monatlich.] Anzeigenpreise: die 0mm breite Kleinzeile auswürts 24 Pfg. am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit Bei Wiederholungen Vergünstigung. * Nummer 48. Volksabstimmung über Auflösung des Landtages in Hessen! Stimmen die Mitglieder der Evangelischen Volksgemeinschaft am 5. Dezember 1926 in Hessen für oder gegen die Auflösung des Landtages.? Die Evangelische Volksgemeinschaft stimmt mit„Ja“ für die Auflösung! Warum? Nicht aus den Gründen, aus denen der Wirtschafts- und Ordnungsblock eine Auflösung wünscht, sondern aus Gründen der Kulturpolitik. Luthergeist. In stimmungsvollen Feiern, mit großen Reden, ist in den letzten Wochen unseres einzigartigen Helden Dr. Martin Luther gedacht worden. Seines größten Ge⸗ schenkes an das deutsch⸗protestantische Volk, des schön⸗ sten Kleinodes seiner hohen Gedankenwelt, der Geistes— und Gewissensfreiheit, hat man sich mit beredten Zun⸗ gen gefreut und gerühmt. Dies gab er uns! Was geben wir ihm? Nach allem Loben, Reden und Singen blicke jeder, vor allem aber der, den ein gütiges Geschick mit Gaben des Geistes, des Wollens, des Könnens aus⸗ gestattet hat, in sich selber und frage sich: habe ich mich wirklich an Luthers flammenden Empörermut und Geist so entzündet, daß ich mich einen Protestanten, einen nur im Gewissen als an meinen Gott gebundenen, darum aber wahrhaft freien Menschen nennen kann, daß ich mich würdig erweise seines Geschenkes, das er unter un⸗ endlichen Mühen, mit einem Tod und Teufel nicht scheuenden Heldenmute„seinen lieben Deutschen“ gegeben hat? Der frage sich: bin ich ein Schüler, ein Kind Luthers, das so wie er freudig bekennt: Meinen lieben Deutschen bin ich geboren, ihnen will ich dienen:. Der frage sich: trage ich auch nur einen Funken von dem Geist und dem Willen jenes anderen Verkündigers deutscher Freiheit in mir, der da gesteht:„Nur der verdient sich Freiheit und das Leben, der täglich sie erobern muß!“ prüfe sich und frage: haben jene Hunderttausende, Millionen meiner lieben Deutschen, die in namen⸗ loser Sehnsucht nach Freiheit und Erlösung aus fluchwürdigster Knechtschaft, wie sie zeitliche und ewige Mächte uns allen seit Jahrhunderten, seit mehr denn einem Jahrtausend aus innerem Muß beschert haben und weiter bescheren werden, einen verzweifelten Kampf— wenn auch mit untauch⸗ lichen Mitteln— um ihr Leben, um ihr Recht kämpfen, haben diese, selbst wenn sie keine Freunde 1 eee eee 1 82 Colt oder Kaljer. Lies Markus 12, 13-17. Die Gegner, zu feige offen gegen Jesus vorzugehen, ver⸗ suchen ihn mit einer hinterlistigen Frage zu fangen. In der Absicht, ihn sicher zu machen, zollen sie ihm zuerst eine An⸗ erkennung:„Meister, wir wissen, du bist aufrichtig und nimmst auf niemand Rücksicht; denn Menschengunst gilt nicht bei dir, sondern du lehrst in aller Wahrheit Gottes Weg!“— Diese auf⸗ rechte, aus tiefster Wahrhaftigkeit geborene Geradheit ist leider nicht das Kennzeichen aller derer, die sich Jesu Jünger nennen. Immer vorsichtig, nur jeden Anstoß vermeiden! so werden die, Der Kaisers? Nun, so gebt dem Kaiser, was ihm gehört, und Gott, der Kirche wären, nicht mehr Luthergeist in sich als ich selbst? Er entscheide sich, ob er mit Augustinus bekennen will oder nicht:„Befiehlt aber Gott etwas gegen Sitte und Brauch— und ist es auch noch nie geschehen— so muß es geschehen; war es unterlassen worden, so ist's wieder aufzunehmen; war es noch nicht ein⸗ geführt, so muß es neu eingeführt werden. Denn fordert unter irdischen Mächten die größere von der kleineren Gehorsam, so Gott von allen.“ Unser Gewissen aber ist unser Gott, und dieses ver— langt gebieterisch von uns die Schaffung einer evange⸗ lischen Volksgemeinschaft. Wer die Zeichen verstehen und sich wappnen will, für den gibt es kein Deuteln und Zagen. Als vor mehr denn 70 Jahren die Sendboten Roms, die Volk und Vaterland mehr jenseits als dies- seits der Alpen gesehen haben, sich ihren Kampfbund, das Zentrum, schufen, hätte sofort der protestantische Teil des deutschen Volkes seinen eigenen, von fürstlich und obrigkeitlicher Gnade und Duldung unabhängigen Kampfbund bilden müssen. Doch ist es müßig, hier Kritik mit wenn und aber an dem Gesetzmäßigen der Geschichte zu üben. Man hat früher die konservative (Deutschnationale) Partei als die Verteidigerin der evangelischen Freiheit angesehen. Sie ist's heute nicht mehr, wie hier schon mehrfach ausgeführt worden ist. Heraus darum, ihr Lauen, ihr Vielbedachten, ihr Beberbesorgten, heraus aus eurer Unentschiedenheit u. herein in die Evangelische Volksgemeinschaft! Hier ge⸗ hört ihr hin und sonst nirgends. Wisset und bedenket: was ist von Erasmus, dem hochgelehrten Humanisten aus Luthers Zeit, in der Gegenwart noch lebendig? Wie viele kennen ihn denn, der sein Leben lang ein Un⸗ entschiedener, ein Halber, ein Feigling geblieben ist, weil er zu den Vielbedachten, den Ueberbesorgten. den alles Erwägenden gehört hat. Und sein Zeitgenosse Dr. Martin Luther] Wer weiß nichts von ihm? Er hat an Wissen und Gelehrtheit an Exasmus nicht herangreicht, aber in einem stand er weit, weit über dem Gelehrten: in der Kraft des Gemütes, in der gewaltigen Leidenschaft seines sittlichen Willens. was Gott gehört!“ Einst wurde eine alte Inschrift gefunden, die folgende Sätze enthält:„Dieser Tag hat der ganzen Welt ein anderes Aus⸗ sehen gegeben; sie wäre dem Untergang verfallen, wenn nicht in dem nun Geborenen für alle Menschen ein gemeinsames Glück aufgestrahlt wäre. Die Vorsehung, die über allem Leben waltet, hat diesen Mann zum Heile der Menschen mit solchen Gaben erfüllt, daß sie ihn uns und den kommenden Geschlechtern als Heiland gesandt hat. die Welt die an ihn sich knüpfenden Freudenbotschaften herauf⸗ ginnen.“ Wer diese Sätze liest, denkt unwilltürlich an die Ge burt Christi. Aber sie gelten von dem Kaiser! Der Kaiser er⸗ Und Der Geburtstag des Gottes hat für geführt. Von seiner Geburt an muß eine neue Zeitrechnung be— dadurch, daß er seine ganze Kraft nur an dieses Eine setzte; der Befreiung seines Gewissens von Zwang und Knechtschaft konnte er nach dem Durchbruch zum Er⸗ löser und Führer von Millionen werden. Sein Staub ist verweht, aber sein Geist ist lebendig. Nur schlafen noch viele, viele, die vielleicht dann erst erwachen, wenn es zu spät ist. Lese ich in den Berichten über die Grün⸗ dungsversammlungen der Evangelischen Volksgemein⸗ schaft von der Gleichgültigkeit, Lauheit der von Amts⸗ wegen bestellten Führer, so übermannt mich der Zorn, daß ich entrüstet frage: wo bleibt denn der gefeierte Luthergeist? Man komme nicht mit der kranken Ent⸗ schuldigung, Politik dürfe nicht mit Religion vermischt werden. Was ist denn Politik? Gewiß, sie hat einen üblen Beigeschmack. Sie ist für alle Parteien(Inter⸗ essengruppen) nur einseitigste Machtpolitik, das Mittel zur Beherrschung der anderen, immer so bösartigen Klassen und Parteien. Es ist elendeste Knechtsgesin— nung, die hier sich wohlfühlt. Niemals könnte die Evan⸗ gelische Volksgemeinschaft einem solchen Machtstreben huldigen, ohne dadurch sich selbst, ihrem unverrückbaren, fundamentalsten Grundsatz der persönlichen und damit auch völkischen Freiheit untreu zu werden. Ihre Arbeit kann nur von diesem Pfeiler getragen sein und infolgedessen nur dieses ebenso unverrückbare Ziel besitzen: Schaffung einwandfreier Rechtszustände. Ist ein solches, von unbedingt sittlichem Willen gebore—⸗ nes Mühen und Sorgen um die Zukunft des deutschen Volkes in seiner Gesamtheit(und nicht nur des deut⸗ schen) in seinem Recht, um seine Freiheit von allen ge⸗ heimen und offenen Finanzmächten nicht wahrhaft religiöbs zu nennen? Sind Religion und Politik(in diesem Sinne) dann noch Gegensätze? Ist der immer kraftvoller vorgetragene Kampf der Reichsbank⸗Gläubiger⸗ und Sparer⸗Verbände gegen die private Reichsbank und deren Präsidenten— von dem Oberlandesgerichtspräsident Dr. Best in einem Brief an Kardinal Faulhaber sagte, er betrüge schamlos das deutsche Voll— ist dieser Kampf kein Kampf ums Recht, um Freiheit, um Leben, um Brot— ein sittlicher, ein religiöser? Wer behauptet nun noch, Religion und ist unvergänglich, weil es nicht von dieser Welt ist. Wem es um Gottes Reich zu tun ist, dem ist die Steuerfrage gleichgültig: dem Vergänglichen das Vergängliche, dem Unvergänglichen das Unvergängliche— dem Staat das Geld, dem unsterblichen Gott die unsterbliche Seele. Wir wissen, daß Gott über alle Erden⸗ herrschaften gebietet! Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist! Sollen sich lebendige Christen um die Politit überhaupt nicht kümmern? Die Lage ist heute anders als damals. Man spricht heute von der Demokratie, der Voltsherrschaft. Mann kann über deren Tatsächlichkeit gewiß sehr verschiedener Meinung sein. Aber jeder wahlberechtigte Staatsbürger hat durch seinen Stimmzettel Einfluß auf die Zusammensetzung der kleinen und der großen Parlamente und damit auf den Geist, in dem regiert —— —— denen feige, Nachteil fürchtende Vorsicht zuwider ist, zu„Mäßi⸗ gung“ und Zurückhaltung gemahnt. Wir haben vollstes Ver⸗ ständnis für den Standpunkt der anderen, billigen ihnen das weitestgehende Recht zu, ihn zu vertreten und durchzusetzen. Un— sern Standpunkt aber vethüllen wir, lassen ihn möglichst wenig hervortreten. Mag sein, daß es Leute gibt, die das für kluge Taktik halten! Und die Wirkung? Wir erscheinen als Leute, die ihrer Sache nicht recht sicher sind; man sucht uns zur Seite zu schieben, als ob wir Luft wären; man nimmt uns nicht mehr ernst! Offene Gradheit aber, rücksichtsloses, freimütiges Be⸗ kenntnis nötigt Achtung ab! Freilich liegt in der Anerkennung der Gegner Jesu bös⸗ artige Hinterlist. Sie wollen ihn mit Schmeichelei fangen. So sind schon viele ins Garn gegangen die Schlinge zog sich um so fester zu. Kriechende Schmeichler sind zehnmal gefährlicher als offen, mit noch so über Gewalt auftretende Feinde. Hütet euch vor den Schmeichlern! Die Falle war schlau gestellt:„Darf man dem Kaiser Steuer wird in Gemeinde, Land und Reich. Dürfen wir evangelische Christen einfach auf jeden Einfluß verzichten? Es ist Gewissens⸗ pflicht für jeden Christen, seine Stimme in die Wagschale zu werfen! Dürfen wir unsere Stimme irgendeiner Partei geben, der christlich-evangelische Grundsätze gleichgültig oder fremd sind, die sie gar bekämpft und mit Füßen tritt?! Nimmermehr! Wir müssen auch im politischen Leben unsere evangelische Stimme wirksam erheben ohne Rücksicht auf Gunst und Dro⸗ hung, und dürfen dessen gewiß sein, daß wir gerade dadurch dem Staate geben, was des Staates ist denn je mehr evangelisch⸗ christliche Grundsätze im politischen Leben Kraft gewinnen, um so mehr wird Friede und Gerechtigkeit in unserem Volke werden. Gebt dem Staate, was des Staates ist! Freilich müssen wir uns vor dem verhängnisvollen Irrtum hüten, als ob mit politischen Mitteln das Reich Gottes gebaut werden könnte. Gott baut sein Reich selber. Alle menschliche Anstrengung, auch politischer Art, kann es nicht schaffen. Das hieße, der Politik zuzuschreiben, was nur Gott kann, das hieße scheint als Gott er fordert für sich, was Gott gehört. Gebt nicht dem Kaiser, was Gottes ist! Hütet euch, den Kaiser oder irgendeine Staatsgewalt zu vergöttlichen! Ob das unser Volk nicht zu Zeiten getan hat? Ob nicht auch heute weite Volks⸗ die Heilung aller Nöte von einem Kaiser oder irgendeiner hen Gewalt erhoffen? Das ist widerchristlich! Die Gegner Jesu knüpfen an den Messias irdische, politische Hoffnung: daß er das Volk aus der Fremdherrschaft befreie und ihm die Weltherrschaft bringe. Und Jesus stand der Frage, ob sich die Juden dem Römerjoche beugen sollten oder nicht, so gleichgültig gegenüber. Einen solchen Messias lehnten sie ab. Der nahm ja nicht dem Kaiser, was des Kaisers war! Lehnen nicht auch heute in unserem Volke viele Jesus als Heiland ab, weil er nich tut, es aus politischer, sozialer, wirtschaftlicher Not zu befreien? Sie verstehen nichts von Jesus, der nicht irgendein Weltreich, sondern das Reich Gottes zu bauen gesandt und gelommen ist. 118 den römischen Kaiser davon⸗ zahlen oder nicht?“ Ein Ja ließ Jesus als Vaterlandsverräter Jesu at den Sieg über 1 0 und Volksfeind erscheinen. Ein Nein machte es leicht, ihn als getragen il er Gott gab, was Gottes war. Der Kaiser mußte[wiederum„dem Kalser“ geben, was Gottes ist! Revolutionär dem kaiserlichen Gericht auszuliefern. Jesus ist, weil er für sich beanspruchte, was Gottes war. Für einen lebendigen Christen ist es das Letzte und Höchste, „Zeigt] Jedes Weltreich ist vergänglich wie das römische, weil es] Gott zu geben, was Gottes ist. Laßt uns Klarheit darüber Kein Ja und kein Jein! Inschrift ist das? Des erbitten, was wir dem Staate geben dürfen und können! P. wie immer Herr der Lage. die Steuermünze! Wessen Bild und politischen Ursprungs ist. Gottes Reich, dessen König Jesus ist, 1 4 1 Sonnabend, den 27. November 1926. Politik(in diesem Sinne) dürften nicht miteinander verquickt werden? Trennen wir nicht künstlich, was in seinem tiefsten Wesen eine Einheit ist. Ueber die Massen erstaunen muß man, über die Zurückhaltung des Evangelischen Bundes gegenüber der im Werden begriffenen Evangelischen Volksgemein⸗ schaft. Herein mit euch in das Feuer der Evangelischen Volksgemeinschaft, daß ihr noch härter werdet als ihr seid, ihr Landgrafen des Evangelischen Bundes! Zer— martert euer Hirn, wie ihr eurem gequälten deutschen Volk das eine Kleinod, seine Geistes- u. Gewissensfreiheit, blank und rein erhalten und ihm noch ein zweites, fast noch größeres Geschenk vermachen könnt: Die Erlösung aus den Zangen der geheimen Finanz- und anderen Mächte, die dem Deutschen sein mit ihm geborenes Recht auf ein Stückchen Erde, Heimaterde, sein Recht ein eigenes Heim, ein Recht auf Arbeit, sein Recht auf vollen Lohn von jeher vorenthalten haben. Macht die Evangelische Volksgemeinschaft zu einem Kampfbund aller Entrechteten und Geknechteten, zu einem Kampfbund für deutsches Bodenrecht und deutsches Geldrecht. Helft alle mit, eine Epoche heraufzuführen, die nichts mehr von einer sozialen Frage weiß, die keiner sozialen Fürsorge—(wann wird unseren prominenten Volksvertretern ob dieser erbärm— lichen Flicklappenarbeit, so nötig sie heute ist, die Schamröte ins Gesicht steigen)— mehr bedarf. Wahr— lich, Luthers unsterblicher Geist wirds euch und uns allen danken, und mit ihm jener andere unsterbliche Ulrich von Hutten, der seine gigantische Lebensarbeit unter diese drei schweren Worte gestellt hat: „Ich hab's gewagt“. Kulturpolitik des Zentrums und Schule. Der Bayerische Kultusminister Dr. Matt, unter dem das Konkordat abgeschlossen wurde, ist zurückge— treten. Es ist Matt's„Verdienst“, wie Dr. Kiefl ge— steht, die völlige Unterwerfung des Lehrers im gesam— ten Unterricht unter das Bekenntnis, die Teilnahme der Kirche an der Lehrerbildung usw. durchgesetzt zu haben. Sein Nachfolger ist Ministerialdirektor Goldenberger. Er gilt als der eigentliche Vater des Konkordats. Bayern kann sich über diese neue„Errungenschaft“ freuen. Die Zustände werden immer heiterer und die Rechtlosigkeit der Lehrpersonen immer größer. Das Zentrum geht unbeirrbar seinen Weg. Wir werden es in Hessen auch noch erleben. In Preußen hatte das Zentrum Einspruch gegen die Errichtung einer simultanen Pädagogischen Akade— mie erhoben. Die Sache ging soweit, daß die preußi— sche Staatsregierung sich an das Reichsinnenministerium wandte, dieses das Reichsgericht anrief, und dadurch eine Entscheidung durch den Staatsgerichtshof getrof— fen wurde. Das Zentrum behauptete, die Lehrerbildung sei bisher konfessionell gewesen und eine simultane Akademie sei etwas ganz Neues. Der Staatsgerichts— hof hat nun die simultane Akademie für verfassungs—⸗ mäßig erklärt. Damit sind also die formalen Hinder— nisse, die das Zentrum zu errichten für nötig fand, end⸗ gültig beseitigt. Man darf gespannt sein, welche neue Hindernisse es jetzt finden wird.(Unter simultaner Akademie versteht man eine Lehrerbildungsanstalt, an welcher junge Leute aller 10 ee Sie hat den Vorzug, daß niemand in einer einseitigen Weltanschauung großgezogen wird.) Sehr interessant ist gerade, was der Oberstudien⸗ direktor Voigt im Reichselternblatt sagt: „Wenn ich zusammenfassend sagen soll, welche Volksschulform ich für die richtigste halte, welche noch am ehesten imstande ist, die Gegensätze zu versöhnen, den Kulturfrieden zu fördern, so würde ich antworten: Die in religiösem deutschem Geist wurzelnde simultane Volksschule, in der der Religionsunterricht ordentliches Unterrichtsfach ist, für jede Konfession nach ihrer Art, W. Werner. „Evangelische Warte“ , richt getragen wird von dem Geiste Nie Dul⸗ dung und Achtung. So ist es meines Wissens in Hessen seit langem in aller Zufriedenheit gewesen. So sind seit altersher fast alle höheren preußischen Schulen or⸗ ganisiert gewesen. Was hier möglich gewesen ist, müßte auch in der Volksschule möglich sein.“(Preußen hat nämlich zum großen Teil konfesstonelle Schulen. Protestantismus und Pornographie? Luigi Lazzatti veröffentlichte kürzlich ein neues Werk:„Gott in der Freiheit“, das auf seiner ersten Seite folgende Widmung trägt:„H. S. T. Benito Mus⸗ solini, dem Premierminister des Königreichs Italien, in dem alle Belenntnisse in Frieden leben.“ Wie es je⸗ doch in Wahrheit mit dieser„Religionsfreiheit“ aus⸗ sieht, beleuchtet aufs neue ein Artikel„Kurz schneiden“, der unlängst in„Unita Catholica“(Florenz) erschienen ist. Es heißt darin:„Wir glauben, keine zu hohen An⸗ sprüche an eine Regierung zu stellen, die behauptet, die moralischen und religiösen Werke der Nation schützen zu wollen, wenn wir fordern, daß man der protestantischen Propaganda in Italien ein Ende bereitet. Der„inten⸗ sive“ Feldzug, den die Katholiken gegen das ihren Glau— ben gefährdende Eindringen der Methodisten und Lutheraner geführt haben, muß siegreich zum Abschluß kommen. Der Angriff der Ausländer auf die religiöse Ueberzeugung des Vaterlandes muß, koste es, was es wolle, mit allen Mitteln zum Stillstand gebracht wer— den. Gestern geduldet— vielleicht aus einem Geführt der Klugheit heraus. das wir mißbilligen— ist die ver⸗ hängnisvolle Aktion der neuen Barbaren() nicht nur bei der katholischen Presse auf Widerstand gestoßen, sondern auch bei Blättern ohne jedes Vorurteil— im Namen der hohen Traditionen der lateinischen Rasse. Heute muß die Staatsbehörde selbst handeln“. Wie sich diese Kampfansage mit dem gerühmten „Religionsfrieden“ verträgt? Das vorerwähnte Blatt fährt dann aber fast noch ärger fort: „Wir stimmen diesem neuen Kampfe zu, ebenso wie wir es nicht haben fehlen lassen an Lobreden auf die Maßnahme gegen Freimaurer, Pornographen, Glücks— spiele, Verführer der Kinder.“ Protestanten, Porno— graphen, wo ist zur Zeit der Gegenreformation ärger die evangelische Lehre gebetzt worden! Die Genfer Zeitschrift„Semaine Religieuse“, die von diesen und anderen„Beleidigungen und Verleum— dungen“ eingehend berichtet, dankt bei dieser Gelegen— heit allen protestantischen Missionswerken, die im Be⸗ wußtsein, Gott mehr gehorchen zu müssen als den Men⸗ schen, trotz aller Anfeindungen ihre treue Arbeit un— ermüdlich fortsetzen. Eine Kirthenaustrittsbewegung. Nach Mitteilung des Pressebüros des National Lutheran Council hat die Vereinigte Lutherische Kirche in Amerika innerhalb eines Jahres(Ostern 1925 bis Ostern 1926) eine Zunahme von annähernd 96000 neuen Gliedern zu verzeichnen.(Ein Aehnliches gilt von den anderen protestantischen Kirchen Amerikas, bei denen die Zahlen der Neugewonnenen in die Hunderttausende gehen.) Die Vereinigte Lutherische Kirche, die indes noch nicht alle lutherischen Kirchengruppen in Amerika umfaßt, zählt in den Vereinigten Staaten und in Ka⸗ nada 2643 Gemeinden. Auf jede Gemeinde kommen also durchschnittlich 37 neue Glieder. Bei über der Hälfte erfolgte die Aufnahme durch Konfirmation und Erwachsenentaufe. Die Gesamtzahl der konfirmierten Glieder beträgt jetzt 850 000, die der getauften Glieder 1330 000. Was jeder Evangellsche wissen muß. Die Zahl der katholischen Priester in der Welt. Nach der katholischen Zeitschrift„Das Neue Reich“ vom 16. Oktober 1926 gibt es auf der ganzen Welt 312 000 römisch⸗katholische Priester. Das Blatt nimmt an, daß auf der ganzen Erde 1700 Millionen Menschen wohnen. Von diesen Priestern entfallen 200 324 auf die Seelsorge in Europa. Es bleiben rund 110 000 Priester für die übrigen Erdteile. In Afrika kommt ein Priester auf 400 Katholiken und 82 000 sogenannte Heiden, in Ozeanien ein Priester auf 300 Katholiken und 110 000 Heiden, in Japan ein Priester auf 880 Katholiken und 220 000 Heiden, in China ein Priester auf 800 Katholiken und 180 000 Heiden, in Indien ein Priester auf 860 Katholiken und 100 000 Heiden. * Kleinlich. Die„Geistesfreiheit“, das Organ des Volksbundes für Geistesfreiheit, zu dem sich Freireligiöse und Frei⸗ denker zusammengeschlossen haben, regt sich in der Num⸗ mer vom Oktober 1926 darüber auf, daß in der sozial⸗ demokratischen„Bremer Volkszeitung“ Nr. 189 die An⸗ zeige stand: Gott, dem Allmächtigen, hat es gefallen.. meinen lieben, herzensguten Mann... von mir zu nehmen in sein himmlisches Reich, und macht dazu die unschöne Bemerkung:„Wenn dies Gott gefallen hat, so lann es ihm ebenso gefallen, einen Kutscher zwölf Stun⸗ den täglich umsonst arbeiten zu lassen, was Frau... ebenso demütig⸗fromm hinnehmen ialise Wie lange noch wird es solche„religiösen Sozialisten geben?“— Es hilft eben nichts, daß die Freidenker wer weiß wie oft, den Ausspruch Bebels wiederholen, Sozialismus und Christentum verhielten sich wie Feuer und Wasser, sie sehen es zu deutlich, daß auch in Arbeiterkreisen man noch fest an der christlichen Religion hängt. In der gleichen Nummer der„Geistesfreiheit“ wird in einem Bericht aus Mitteldeutschland geklagt über die Inter⸗ esselosigkeit weiter Volkskreise gegenüber der ideellen freigeistigen Bewegung.„Noch immer gehören weite Kreise der Arbeiterschaft der Kirche an. Diese Kreise gelte es für die freigeistige Bewegung zu gewinnen, nicht nur im Interesse der freigeistigen Bewegung, son⸗ dern auch der politischen Arbeiterparteien“, heißt es. Abgesehen von der Bemerkung, daß die freigeistige Be⸗ wegung zugleich eine politische ist und die Linksparteien verstärken soll, ist wichtig das Zugeständnis, daß man doch keinen rechten Erfolg hat. Es ist zu verstehen, wenn man aus Aerger darüber in der Polemik kleinlich wird und solche Traueranzeige einer armen Frau zum Gegenstand eines Angriffs macht. * Echt deutsch! Die Deutsch-nationale Reichstagsfraktion hat auf Grund von Zeitungsnotizen, die allerdings unwider⸗ sprochen geblieben sind, an die Regierung eine Anfrage gerichtet, ob es auf Wahrheit beruhe, daß die deutsche Botschaft in Washington am 11. November, dem Waf⸗ fenstillstandstage, geflaggt habe. Sollte man derartiges wirklich für möglich halten. Sind wir denn von allen guten Geistern verlassen? An einem Tag, der das Vorspiel zu dem schmachvollen Ver⸗ sailler Vertrag bildete, auch noch zu flaggen? Unerhört so etwas. Und solche Männer nennen sich die Nachkom— men der Demokraten von 48! Bei aller Niederlage, die wir erlitten haben, dürfen wir dennoch stolz sein und uns freuen der Taten, die unser Volk gegen einen mächtigen Ansturm von Feinden vollbracht hat. Wir brauchen noch lange nicht zu kriechen! ichel, werde wach! Mann kann auf die Antwort der Regierung gespannt sein. * Eine Kammergerichtsenscheidung. Auf einem evangelischen Kirchhof, d. h. einer Be⸗ gräbnisstätte, deren Inhaer die evangelische Kirchen⸗ gemeinde ist, hielt ein Mitglied einer neuapostolischen Gemeinde eine Grabrede, obwohl es wissen mußte, daß die Besitzerin des Friedhofs nur ein stilles Begräbnis gestattet hatte. Der Totengräber versuchte vergeblich, den Neuapostolischen am Reden zu hindern. Die Kir⸗ chengemeinde verklagte den Redner. Dieser machte gel⸗ aber ohne Teilnahmezwang, in der der übrige Unter- 0 eee 2 1 r— Dornenwege. Roman von Clara Meller. Dle Strahlen der Herbstsonne spielten über die Dachfirsten des Kreisstädtchen Staffelhausen, wärmten das verlassene Storchnest und kosten mit einem paar tanzenden Flaumfedern, hüpften zur Turmspitze, goldeten den stolzen Adler und spran— gen bis in die fernsten Winkel der niederen Häuser herab, als wollten sie noch einmal den glühenden Vollglanz des Sommers hervorzaubern. „Altweibersommer“, sagten die Bürger, nahmen die Hüte vom Kopfe und ließen die warme Luft um die Stirn wehen. Altweibersommer! das kleine Mädchen mit den großen, verträumten Märchenaugen, das wartend an dem niedrigen Schaufenster des Porzellanhändlers Pole stand und mit seinen langen blonden Zöpfen spielte, konnte den Namen nicht leiden, es sah auf zu den Telegraphendrähten, an denen sich die feinen Schleierfäden gefangen hielten. Wieviel schöner hatte es ihr die alte, häßliche Schapern aus dem St. Marienhospital er⸗ zählt, die früher bei den Großeltern waschen kam. Nun war sie zu alt geworden, 86 Jahre! Der Rücken war gekrümmt, und das pergamentartige, schmale Gesicht mit der übergroßen Nase erinnerte unwillkürlich an einen Maulwurf und flößte im Verein mit der tiefen, brummenden Stimme allen Kindern Furcht ein. Nur sie ging oft zu ihr und trug„mohle“ Birnen hin, die alle bei Seite schoben und welche die alte Schapern mit Vorliebe aß, zum Lohne erzählte sie ihr dann Geschichten, einzig schöne, die in keinem Märchenbuch standen.. Wenn der Herbst gekommen ist, dann läßt die Göttin des Fleißes ihr goldenes Spinnrad stehen und zieht auf sonnen— durchleuchteten Wolken durch das Land. Wo sie auf ihrer Bahn arbeitsames Ringen sieht, schon die braune Ackerkrume sich über den Stoppeln häuft, da streut sie goldene Fruchtkörner eee eee—.*—— 2—— in den Boden, steht aber das Feld verlassen wie ein ungesäuber⸗ tes Haus, da geht sie traurig vorüber und der Segen bleibt aus, darum hastet jeder Landmann, daß er wenigstens schon eine Manneslänge umgeworfen hat, zum Zeichen, daß er dabei ist! Das goldene Spinnrad aber ist nicht gewohnt still zu stehen, es schnurrt immer weiter und die spinnewebfeinen Fädchen fliegen der schönen segenspendenden Göttin nach und haften an allem, wo sie nur vorüberflog!— Heute war die Göttin sicher im Städtchen gewesen, der fleißigen Mama und der größeren fleißigen Schwester Arbeit zu segnen, sie,— nein so recht fleißig war sie nicht, auch vergaß sie immer noch das Wiederkommen, wenn sie ausgeschickt war, es gab so viel zu sehen, woran sich eine ganze Geschichte spann, dann stand sie und sann und sann. Da kommen sie ja, worauf sie gewartet hatte, die„Kurrende— schüler“, im halben Laufschritt quer über den Marktplatz. Die schwarzen runden Hütchen rutschten, wie immer, tief in die Stirn, denn sie mußten auf jeden Kopf passen, selbst wenn sich in einem Jahrgang besonders Großhäuptige befanden. Die weiten schwarzen Kragen, die ihnen ein seltsames Gepräge gaben, reichten bei den Kleinsten unter ihnen bis auf die Erde. Sie mußte unwillkürlich an Luther denken, der ebenfalls singend von Haus zu Haus zog. Diese heimelnde Sitte stammte auch aus jener Zeit und war von dem echt lutherischen Staffelhausen festgehalten. Weniger bemittelte, aber begabte Schüler der Volksschule, genossen Vor⸗ zug, für ihren Chorgesang Mittwochs und Sonnabends vor den Häusern der dafür zahlenden Bürger, freien Unterricht nebst Bücher in der Bürgerschule zu erhalten. Jetzt stellten sie sich in zwei Reihen gegenüber der kleinen Lauscherin auf, der Vorsänger nahm seinen Platz dicht am Hause ein, und:„Jesus meine Zuversicht“,— erscholl es aus den frischen, jugendlichen Kehlen. Sie lachte verstohlen in sich hinein, herzhaft, leise kicherte sie; wirklich, da kam, wie sie er⸗ . ee wartet hatte, die Frau des jüdischen Kaufmanns, welcher Par⸗ terre wohnte, schlug wütend das Fenster zu und zog das Rou⸗ leau vor, als könnte sie dadurch dem Schall wehren einzu— dringen. Dort oben aber an dem Mittelfenster der ersten Etage, stand Dr. Pardini, mit verschränkten Armen, sein pfiffigstes Lächeln um den Mund und hörte zu. Dr. Pardini komponierte und widmete seine Freizeit ganz der Musik. Ging er die Straße entlang, dann summte er irgend eine Melodie vor sich hin, auch ein:, in dem Kleinstadtleben verkümmertes Talent, das aber schließlich Genüge fand, von den Mitbürgern als Autorität und Wundermann behandelt zu werden. Das Lied war verklungen, die Schüler hoben grüßend ihre Hüte, schnell ging es weiter auf vorgeschriebener Bahn. Jetzt löste sich auch die kleine Gestalt von ihrem Wartposten und eilte nun im„Kiebitlauf“ heim. Heim!— ja die feste Absicht hegte sie, der Mutter gehorsam, bald zum Kaffee da zu sein aber — klangen nicht die wohlbekannten Töne des Leierkasten von Schalinsky herüber? Dem mußte sie zuhören. Schalinsky war ein Original des Städtchens, er ging stets in Uniform und gab sich für einen Veteranen aus, trotzdem er noch keinen Pulverdampf gerochen hatte, wie die Stadtväter behaupteten. Man duldete ihn und gab ihm gutwilligst einige Pfennige, wenn er sich tief verneigte und sagte:„Guten Tag, Madanchhe, ich möchte se nämlich meine Zinsen holen, das Kapi⸗ tal laß ich stehen!“ Heute war er wieder bei Stimme, er drehte seinen dünnwimmernden Kasten und sang dazu: Wenn hier ein Pott mit Bohnen steiht und da ein Pott mit Brih', denn lat ick Brih und Bohnen stahn——— Hell auf lachte die um ihn stehende Kinderschar, da wurde er sehr ärgerlich und ver⸗ sicherte, das habe er selbst gedichtet und nächstens müsse er es bei der Veteranenparade singen. 5 (Fortsetzung folgt.) 0 lb I 50 Ar 6 — — = . innen 9 o ißt ez ge B. arten h man stehe leinlit u zun gat au wide. Inftag deulsch n N halten 12 n Ver nethön achloß erlag 5 fen eine. „ I werd gieruß ei zn er ithe bodllebs vo d delt 5 Sonnabend, den 27. November 1926. — „Evangelische Warte“ tend, daß die Kirchengemeinde den aus ihr Ausgetrete-( nen die Aufnahme auf ihren Kirchhof und damit auch die Vornahme der in der betreffenden religiösen Ge⸗ meinschaft üblichen Förmlichkeiten gestattet habe. Dem⸗ gegenüber betonte das Kammergericht, daß die recht⸗ lich fixierten„aufgenommenen Kirchengesellschaften“ das Begräbnis nicht versagen. Zu diesen gehöre die Neuapostolische„Gemeinde“ aber nicht. Sie sei nur eine vom Staat„geduldete Gesellschaft.“ Deshalb stehe es auch in dem Belieben der evangelischen Gemeinden, ihren Mitgliedern die Beerdigung zu gewähren oder nicht. Dasselbe gilt von„religiösen Vereinen“. Es bleibe diesen„genehmigten und geduldeten“ Gesell— schaften und Vereinen nur übrig, sich eigene Friedhöfe zu errichten. Unverwehrt sei ihnen, im Trauerhause oder an anderer Stelle eine Gedenkrede zu halten. Der Angeklagte wurde wegen Hausfriedensbruch bestraft. Aus Politik und Parlament. Im deutschen Reichstag fand eine interessante Kulturdebatte statt, die sich zu einem Duell zwischen Zentrum und Deutschnationalen zuspitzte. Der Abg. Dr. Schreiber(Zentrum) bezeichnete wieder einmal den Reichsschulentwurf als eine ganz unbrauchbare Verhandlungsgrundlage. Er wandte sich sehr scharf gegen die Deutschnationalen und behauptete, die Deutschnationalen hätten jeden Anspruch auf kultur- politische Autorität verloren. Die Betonung der Kul⸗ turpolitik der deutschnationalen Fraktion sei anschei⸗ nend nichts weiter als ein Druckmittel, um eine Koali— tion zu erreichen. Ihm trat von der deutschnationalen Fraktion der Abgeordnete Dr. Spahn entgegen, der ein sehr guter Katholik ist. Ein Satz aus seiner Rede ist für uns ganz besonders wichtig. Spahn sagte: das Zentrum, das anscheinend die konfessionelle Parität bei der Stellenbesetzung herstellen will, läßt diese Parität durchaus vermissen, wenn es sich um Katholiken handelt, die nicht dem Zentrum angehören. Bei den Deutschnationalen erfolgte nach diesem Satz lebhafte Zustimmung, und es erschollen Rufe: Das hat gesessen! — Dieser Satz dürfte auch für Hessen seine Gültigkeit haben. Aus Hojsen. Auf dem deutschen Bauerntag, der in Mainz statt⸗ fand, sprach u. a. der Chefredakteur Dr. Wilh. Esser über„Bauerntum, Volkstum und Christentum“. Jo N JJJJ/J/%/%/%/%/%% ᷣͤͤ ss o Für Vüler und Mülter. „Hüte deine Zunge wohl“. Eine Erziehungsfrage. Bedenken wir Erwachsenen, Eltern und Lehrer und wer sonst noch auf das Werden der Kleinen einen Einfluß hat, recht, was für ein wunderbar feines Instrument uns mit einer Kindesseele anvertraut ist und wie die Eindrücke, die das Kind empfängt, der Same sind, aus dem der Inhalt des Menschen⸗ lebens erwächst? Was für eine Verwüstung haben unbedachte Worte schon oft in einem Kindergemüt angerichtet! Es ist wie mit der kostbaren Geige, die von ungeschickter Hand eingespielt, nie mehr den vollen und reinen Ton gibt, wie mit der Licht⸗ bildplatte, auf der der kleinste falsche oder zur Unzeit darauf gefallene Strahl häßliche Flecken hervorruft, die die ganze Platte verderben. Ich will dazu ein Bild aus dem Leben zeichnen. Es ist in einem Krankenzimmer. Im Bett liegt ein Mägde⸗ lein von acht Jahren. Es hat soeben eine schwere Krankheit Er führte in seinem Vortrage aus, daß das deutsche Bauerntum auf die Dauer nur auf christlichem Fundament bestehen könne. Der Bauer müßte Träger der christlichen Gedankenwelt sein. Er sei schon von Na⸗ tur aus religiös veranlagt, da er in seinem Beruf seine Abhängigkeit von den Urkräften der Natur stets von neuem erkenne. Ganz besonders die heranwachsende Jugend ist dem Bauer Heiligtum. Er ist bereit für den Zusammenschluß mit allen christlichen Elementen im Staatsleben. Der Rede folgte äußerst starker Beifall. Wir kön⸗ nen von der Evangelischen Volksgemeinschaft aus diese Ausführung nur unterstreichen. Hoffentlich sehen im⸗ mer mehr hessische Bauern ein, daß sie zu uns in die Evangelische Volksgemeinschaft gehören. Alls unferer Bewegung. Mainz. Die Ortsgruppe Groß-Mainz kommt am Freitag, den 3. Dezember, im Evangelischen Vereins- haus, Schießgartenstraße, zusammen. Ein Vortrag über Hessens Finanz- und Kulturpolitik soll unseren Mit⸗ gliedern und Freunden die hessischen Verhältnisse vor Augen führen und so dazu beitragen, daß am 5. De— zember für die Landtagsauflösung abgestimmt wird. * Gensingen, 23. Nov. Die im vorigen Monat hier neugegründete Ortsgruppe der Evangelischen Volks⸗ gemeinschaft zählt heute bereits 125 eingeschriebene Mitglieder. In einer Versammlung am letzten Mon⸗ tag, die von Pfarrer Trautmann geleitet wurde, würde der Vorstand gewählt. Vorsitzender wurde Herr Lehrer Schmahl. Weiter gehören dem Vorstand an Herr Gemeindeeinnehmer Becker als Schriftführer, Herr Kirchenvorsteher Hauck als Rechner und die Herren Ludwig Ebert und P. Jung als Beisitzer. Auch in Rheinhessen geht es also voran mit unserer Sache. Auf der Warte. Im weltpolitischen Leben dürfte eine der wichtig⸗ sten Begebenheiten in der letzten Zeit die Besprechung gewesen sein, die zwischen der Türkei und Nußland stattfand. Im Osten Europas werden neue Koalitionen geschlossen, deren Tragweite sich im Augenblick noch garnicht übersehen läßt. Die Türkei hat das Bestre⸗ ben, sich eine Großmacht zu sichern, auf die sie sich im Im Familienkreis überstanden, und wenn es auch der Genesung entgegengeht, so muß das Kind doch noch sehr geschont werden. Neben ihm sitzt die Pflegerin und liest ihm aus einem Sonntagsblatt vor, das eigentlich für Erwachsene bestimmt ist. Das lebhafte Kind lauscht mit fieberhafter Spannung.„Nun noch eine Geschichte! Und nun noch eine“, bittet es immer wieder, wenn die Pflegerin eine Pause macht. „Jetzt sind sie alle“, sagte diese. „Nein, da am Schluß unten auf der Seite war noch eine, die hast du noch nicht gelesen.“ „Die ist nicht für dich! Die ist nur für große Leute.“ „Ich kann sie aber ganz gewiß verstehen! Bitte, bitte, lies sie“, bettelt die Kleine. Und die Pflegerin ist schwach und läßt sich erbitten und liest die grausige Geschichte von einem furchtbaren Strafgericht an einem gottlosen Burschen, der in frevelhafter Lästerung Gottes Urteil herausgefordert hat. Das Kind äußert nichts zu dem Gehörten, und so ahnt die Pflegerin nicht, was für eine Wirkung ihr unzeitiges Nachgeben Falle westeuropäischer Großmachtseinbrüche stützen kann; sie greift dabei auf das isoliert liegende Ruß⸗ land zurück, gleichzeitig gewissermaßen zwei Fliegen mit einer Klappe schlagend. Sie sichert sich sowohl in Europa als auch in Asien eine starke Machtstellung.— In Frankreich fängt man an, die Garibaldi⸗Affaire so allmählich im Sande verlaufen zu lassen. Anschei⸗ nend sind* ganz im Stillen die Kabinette von Rom und Paris einig geworden und haben die Presse dem⸗ entsyrechend bearbeitet. Vielleicht hat man auch in Frankreich etwas Angst vor dem allmächtigen Musso⸗ lini die hunderzwanzig sozialistischen Abgeordneten lini die hundertzwanzig sozialistische Abgeordnete kurzerhand aus dem Parlament verbannt hat, geht er jetzt noch weiter und hat alle Abgeordneten, deren er hat habhaft werden können, verhaften und ins Gefäng⸗ nis werfen lassen. Wenn man bedenkt, welche Volks⸗ masse hinter den hundertzwanzig Abgeordneten steht, so versteht man vielleicht, welche Pulvermenge in der Bevölkerung Italiens aufgespeichert wird. Wehe, wenn der Funke in dieses Pulver schlägt!— Der Heeresausschuß der französischen Kammer schickt eine Kommission in das Rheinland, um an Ort und Stelle die verschiedenen militärischen und politischen auf die Besetzung bezüglichen Fragen prüfen zu lassen. Wir tun gut daran, nichts besonderes von ihr zu erwarten; schon der Plan der Verringerung der Rheinlandordo⸗ nanzen hat sämtliche deutsche Stellen stutzig gemacht. Der Geist von Locarno ist im besetzten Gebiet noch nicht fühlbar geworden. Wieder liest man von Verur⸗ teilungen von Schülern, die während einer Freistunde in der Nähe ihrer Anstalt das Deutschlandlied gesun⸗ gen haben. Natürlich war das Lied nach französischer Ansicht provozierend, da in der Nähe eine französische Gendarmeriekaserne stand.— Eine erfreuliche Mel⸗ dung kommt aus Polnisch⸗Oberschlesien. Hier haben die Deutschen bei den Wahlen einen ganz bedeutenden Sieg errungen. Ueber 50 Prozent der abgegebenen Stimmen fielen auf die deutschen Listen. Konnte über⸗ zeugender nachgewiesen werden, wem eigentlich diese⸗ Gebiet gehören müßte? Selbstredend sucht man auf polnischer Seite die Niederlage auf alle möglichen Gründe zurückzuführen. Was wird der Völkerbund hierzu sagen?— Im Reichstag fand eine interessante Kulturdebatte statt, über die wir an anderer Stelle berichten.— Nicht unerwähnt bleiben möge der in Mainz abgehaltene deutsche Bauerntag, auf dem D Esser über„Bauerntum, Volkstum und Christentum“ sprach. SS S ee ee S ee ee ee ee, U ie .—VVVꝓVꝓZꝓꝓꝓꝓ—————————ß gehabt hat. Kinder sind ja oft sehr verschlossen und haben eine große Scheu, in ihr inneres Leben blicken zu lassen. Aber der Eindruck, den das kleine Mädchen damals auf dem Krankenbett empfing, hat es seine ganze Kindheit hindurch nicht verlassen. Wie ein dunkler Schatten ist eine merkwürdige Angst, die sich besonders vor dem Einschlafen oft zur furchtbaren Qual steigerte, mit ihm durch das Leben gegangen und ist erst gewichen, als das zur Jungfrau erwachsene Mädchen Den als seinen Retter kennenlernte, der gekommen ist, die Werke des Teufels zu zerstören und die zu erlösen,„die durch Furcht des Todes im ganzen Leben Knechte sein mußten“. So ist durch Gottes Gnade auch alles gut geworden. Doch wieviel harmlose Jugendfreude ist dem Kinde durch die Unvernunft der Pflegerin getrübt worden, und wieviel körperliche Nervosität hat durch den Stoß, den das Nervensystem des kranken Kindes damals emp⸗ fangen hat, ihren Ursprung. Dies Beispiel könnte leider sehr leicht vermehrt werden. Ich habe es selbst noch kürzlich gesehen, wie das Gedichtchen von Oskar Pletsch vom„Butzemann“, der die offenen Augen aus⸗ e . . Zeil und Gegenwartsjragen. N Vom Mensurverbot. Zu dem in Nr. 45 veröffentlichten Artikel über das Mensurverbot erhalten wir von an⸗ derer Seite eine Zuschrift, die nicht auf dem Boden der in dem Artikel vertretenen Ansicht steht, und da der Abschnitt„Im Familienkreis“ auch ganz besonders dem Meinungsaustausch dienen soll, geben wir hiermit einer anderen Seite das Wort. Die Schriftleitung. Die Ansicht des Artikelschreibers über die Mensuren in der Nummer 45 unserer„Evangelischen Warte“ reizt unwillkürlich zur Erwiderung. Man kann sich dabei nicht des Eindruckes er⸗ wehren, als ob beim Abschaffen der Bestimmungsmensuren etwas von dem althergebrachten Nimbus des Studententums verloren ginge, und damit der angesehene akademische Stand eine Einbuße erleide. Letzteres mag in der Tat bei einem Teil unseres Volkes auch der Fall sein, das seit Jahrhunderten daran gewöhnt wurde, die Ware an ihrer Marke zu erkennen, durch die Kirche nicht minder wie durch andere staatliche Einrichtungen, allen voran gerade die katholische Kirche, von der man behaup⸗ tet, und wohl auch mit Recht, daß sie die Masse durch ihre Aeußerlichkeiten und Aufmachungen jeglicher Art an sich ziehe und festhalte. Welchen Eindruck ruft doch ein Akademiker mit Narben im Gesicht hervor, wenn er durch die Straßen schreitet, in einer Versammlung sich befindet oder sonstwie die Augen der Menge achtungsgebietend auf sich gerichtet sieht? Allent⸗ halben weiß man ja sofort, wen man vor sich hat, und stellt sein ganzes Verhalten und Benehmen darnach ein. Wahrlich ein Vorzug, der nicht zu verachten ist. Es tut dem Menschen wohl, wenn man ihm von vornherein respektvoll begegnet. Das Warenzeichen ist ein gutes Hilfsmittel. Das ist die eine nicht zu verachtende Seite der akademischen Signatur. Es gibt aber Deere Vordergrund gerückt Verden. So sagte man, die Mensuren trü⸗ gen viel zur körperlichen Ertüchtigung bei, oder sie gäben dem Menschen ein gewisses Maß von Selbstbewußtsein und damit ein sicheres Auftreten, oder sie würden den persönlichen Mut för⸗ dern. Ohne Zweifel mag in alledem etwas Wahres daran sein. Doch was die körperliche Seite des Schlägerfechtens anlangt, o ist sie ganz und gar eine viel zu einseitige, als daß man soviel Aufhebens davon machen sollte. Es gibt Uebungen, die den Körper gleichmäßig und gut durchbilden, und die daher als das beste Gegengewicht gegen die geistige Tätigkeit zu betrachten sind, und zwar solche, die uns durch das deutsche Turnen mit all seiner sportlichen Betätigung gegeben sind. Hier übt sich das Subjekt am Objekt. Das wirkt veredelnd. Jede andere Kampfesart, wenn sie unter Menschen solange ausgetragen wird, bis der Gegner durch eine starke Verletzung und großen Blutverlust kampfunfähig geworden ist, muß verrohend wirken. Und nun noch die Erziehung zum Mut. Auch hier scheint mir die Einbildung größer zu sein als der Erfolg. Mit welch sugge⸗ stiven Mitteln wird doch bei den Mensuren gearbeitet. Wie sucht man den Ehrgeiz des Kämpfenden zu kitzeln, damit er als eine Leuchte in der Verbindung dastehe und nicht, für ihn be⸗ schämend, seinen Freunden auf einige Zeit den Rücken kehren muß? Haben denn etwa die Akademiker, die dem Mensur⸗ prinzip nicht huldigen, im Weltkrieg weniger Mut an den Tag gelegt? Haben nicht auch sie tapfer gestritten und als Helden mutig dem Tode ins Angesicht geschaut? Haben nicht alle studentischen Vereine, welche Namen sie auch tragen mögen, ob sie schlagend oder nicht schlagend sind, eine große Anzahl von Mitglieder zu beklagen, die ihr Leben auf dem Altar des Vater⸗ landes opferten? Eine Tat, wohl würdig, daß man sie achtet. Wie hat man aber vor dem Kriege die Glieder solcher Vereine, die nicht den Degen schwangen, mit Verachtung gestraft, so von oben herab behandelt, als seien sie Menschen zweiten Ranges. die heutigen Verhältnisse ein Urteil zu erlauben. Ich hoffe aber und nehme es bestimmt an, daß hierin manches sich ge⸗ ändert hat. Daß man gegen das Duell, wie Säbel und Pistole, unter allen Umständen sein und ein staatliches Verbot auf alle Fälle erstreben muß, sollte eigentlich jedem Vernünftigen ein⸗ leuchten. Denn wie nichtig sind doch meistens die Beleidigun⸗ gen, die zu einem Zweikampf führen zumal, und zwar in den meisten Fällen, mit einem Ausgange, der dem Beleidigten gar keine Genugtuung gibt. Zudem erwartet man von gebildeten Menschen, daß sie sich beherrschen und in allen Stücken ein nach⸗ ahmenswertes Vorbild sind. Ich habe hier als Christ gesprochen und meine Ansicht nur mit wenigen Worten kundgetan. Trotz⸗ dem bin auch ich, wie der Artikelschreiber in Nr. 45, gegen ein vom Staate erlassenes Mensurverbot, weil ich sehr wohl weiß, daß dadurch eine in Fleisch und Blut übergegangene Tradition einerseits nicht beseitigt wird und andererseits erst recht zum Festhalten reizt. Denn verbotene Früchte schmecken bekanntlich am besten. Nein, der Kampf muß von der Studentenschaft selbst ausgehen. Sie wird und muß einsehen lernen, und zwar durch eine vernünftige körperliche und gut religiös⸗christliche Er⸗ ziehung, die die höhere Schule neben dem Elternhaus zu ver⸗ mitteln hat, daß der wahre Wert des Menschen nicht auf äuße⸗ ren Dingen beruht, sondern auf einem Herzen, das auf Christus schaut und ihm allein vertraut. Solche Studenten brauchen wir. Dann regelt sich alles andere von selbst. Pr.⸗M. ** * Glaube ist eine lebendige, verwegene Zuversicht auf Gottes Gnade, so gewiß, daß er tausendmal darüber stürbe. Und solche Zuversicht und Erkenntnis göttlicher Gnade macht fröhlich, trotzig und lustig gegen Gott und alle Kreaturen, welches der heilige Geist tut im Glauben. Martin Luther. * 4 deren noch mehrere, wie sie früher und heute wohl ebenso in den Ich habe schon zu lange die Universität verlassen, um mir über Sonnabend, den 27. November 1926. „Evangelische Warte“ kratzt, ein paar kleine nervöse Stadtkinder vor dem Einschlafen in helle Angst versetzte. Wir glauben es ja gar nicht, was für Wirkungen die eine oder andere unvorsichtig hingeworfene Aeußerung oft in der Kindesseele hinterläßt. Die meisten unter uns werden sich wohl an das eine oder andere Wort aus ihrer Kindheit erinnern, das durch das ganze Leben nachgeklungen ist, und wenn es ein Wort war, das von unten stammte, dann ist seine Wirkung auf das Kind auch eine nach unten ziehende gewesen. Wie sollen wir uns darum vor allen leichtsinnigen und lieblosen oder gar unwahren und unreinen Worten, auch einem unfreundlichen Urteil über andere Menschen, Eltern und Lehrer und andere, die dem Kinde Autorität sind, hüten und darum ringen, daß das Kind aus unserem Munde nur hört,„was wahr— haftig ist, was ehrbar, was gerecht, was keusch, was lieblich, was wohllautet“. Es ist etwas furchtbar Ernstes um die Wirkung, die wir durch unsere Worte aufeinander und vor allem auf die Kinder ausüben. Unser Herr hätte sonst nicht das Wort Matth. 12, 36 von der Rechenschaft, die wir für jedes unnütze Wort ab— legen müssen, gesprochen und es durch die todernste Warnung verschärft, den Kleinen, die an Ihn glauben, ein Aergernis zu geben. Darum ist im Verkehr mit Kindern kaum eine Bitte so nötig wie die Davids im 41. Psalm:„Herr, behüte meinen Mund und bewahre meine Lippen“. Und es ist große Gnade unseres Herrn nötig, uns davor zu bewahren, daß wir durch unsere Worte kein Aergernis in einem Kinderherzen anrichten. Was sollen wir unsere Töchter lehren? Gebt ihnen eine ordentliche Schulbildung. Lehret sie ein ordentliches Essen kochen. Lehret sie waschen, bügeln, Strümpfe stopfen, Knöpfe an⸗ nähen, ihre eigenen Kleider machen und ein ordentliches Hemd. Lehret sie, daß eine gute Küche viel an der Apotheke spart. Lehret sie, daß nur derjenige spart, der weniger ausgibt als er einnimmt, daß alle, die mehr ausgeben, verarmen müssen. * Die schwere Vorlage. Ich besuchte eines Tages wieder einmal unser Schulhaus. Bei den größeren Kindern wurde eben Schreibstunde gehalten, und ich ging langsam den Bänken entlang und freute mich an der schönen, noch altmodisch-künstlerischen Schrift, die unser Schulmeister seinen Zöglingen beizubringen wußte. Plötzlich blieb mein Blick an einem Knaben hängen: er hatte eine wundervolle, vom Lehrer selbst geschriebene Vorlage vor sich; er rührte aber keinen Finger, sondern saß zurückgelehnt auf seinem Bänklein da und blickte mürrisch bald auf die Vorlage, bald auf sein leeres Heft. „Warum schreibst du eigentlich nicht, mein Lieber?“ ich.„Diese Vorlage gefällt mir nicht; sie ist mir viel zu schwer,“ war die Antwort,„ich hätte gerne jene andre gehabt,“ er wies auf seinen Nachbar hin,„die ist leichter und erst noch hübscher!“ „Aber mein Kind,“ sagte ich,„der Herr Lehrer hat dir nun einmal diese Vorlage da gegeben; er weiß wahrscheinlich wohl, warum; fang also hübsch an, sie nachzuschreiben, gelt?“ Das Kinn des Bürschleins begann sich jetzt seltsam zu ver— längern, seine Augen wurden feucht, und plötzlich brach er in lautes Weinen aus und legte den Kopf auf den Tisch. Ich ging kopfschüttelnd weiter und schaute mir die Arbeiten der übrigen Schüler an; dann näherte ich mich wieder meinem ganz unglücklich dasitzenden kleinen Freund; ich tröstete ihn und sprach ihm Mut zu, doch einmal mit dem Abschreiben zu be— ginnen; es verlange ja niemand, daß seine Arbeit auch nur ent⸗ fernt so schön ausfalle als des Lehrers Vorlage, er solle nur einmal ernstlich beginnen, die ihm gestellte Aufgabe in Angriff zu nehmen. Das Bürschlein kämpfte offenbar einen schweren Kampf; es überlegte erst noch ein bißchen, dann stellte es die Vorlage auf⸗ recht vor das Heft hin, ergriff die Feder mit noch ein wenig zappeliger Hand und begann endlich, die ihm so schwierig er⸗ scheinenden Buchstaben langsam in sein Heft zu malen.— Jetzt kam auch der Lehrer herbei; er hatte mit feinem pädagogischen Taktgefühl abgewartet, bis der Kleine mit sich im Reinen war. Nun aber setzte er sich heimlich neben ihn auf die Bank, legte seine Hand mit sanftem Druck auf die Hand des Knaben, half seinen noch ungefügigen Fingerlein die Buchstaben ziehen und sprach ihm mit freundlicher, fast mütterlicher Stimme Mut zu. — Und siehe, jetzt gings. fragte 8 Ostene Bauart, leichtesten Anschlag, eräus Se Vage geränschlosen Wage n. rücklauf, zwangsweise Gross- - buchstabensperre- NMessehimemfebrikk Keppel Ak- Ges. Cherrmifz-Heppel 9— . Zuständige NN Vertretung Ernst 5 Geben + Landesversammlung des Evangelischen Bundes in Jarmstadt am 7. und 8. November 1926. Seit 39 Jahren besteht der Hessische Hauptverein des Evan⸗ gelischen Bundes. Nie ist seine Volkstümlichkeit größer ge—⸗ wesen wie heute. Das ist der Gesamteindruck der in Darmstadt tagenden Landesversammlung. Vom Land her ziehen mit Po⸗ saunen die im Sonderzug angekommenen Scharen in die Stadt. Die Volksversammlungen am Sonntagnachmittag in der Stadt⸗ kirche und der Stadtkapelle sind übervoll. Ists Anzeichen der erwachenden Erkenntnis, wie nötig uns neues evangelisches Leben ist und wie groß die Gefahren für den Protestantismus? Aber auch der Evangelische Bund steckt seine Ziele weiter. Ne⸗ ben den üblichen Versammlungen fand eine besondere Stu⸗ dentenversammlung in der Otto-Berndt-Halle der Technischen Hochschule statt und gleichzeitig eine besondere Arbeiterver⸗ sammlung. Der Evangelische Bund soll keine Sache einzelner Stände und Kreise sein, sondern die starke Zusammenfassung evangelischen Lebens in allen Schichten. In beiden Versamm⸗ lungen finden die besonderen Nöte unserer Zeit, die Führernot und die soziale Not ihre evangelische Beleuchtung. Ein starker Widerhall ist aus Studentenschaft und Arbeiterschaft zu spüren. Für die Arbeiterschaft sprach Arbeitersekretär Laufer. Der Vortrag wird nach dem Wunsch der Versammlung gedruckt wer⸗ den. Die Versammlung erließ folgende Kundgebung an die evangelische Arbeiterschaft Hessens: „Die anläßlich der Landesversammlung des Evangelischen Bundes in Darmstadt aus 15 hessischen Orten in stattlicher Zahl zusammengetretene evangelische Arbeiterversammlung er⸗ klärt:„Wir bekennen uns mit Freuden zu den Segnungen, die die Reformation unserem Volke gebracht hat. Insbesondere gedenken wir dankbar der sozialen Gedanken, die aus dem ur⸗ christlichen und reformatorischen Geist geflossen sind und der Werke, die gerade die hessische Reformation zur Linderung der wirtschaftlichen und sozialen Nöte ihrer Zeit geschaffen hat. Wir rufen die evangelische Arbeiterschaft auf, treu zum Evangelium Jesu Christi zu stehen, ohne das eine wirkliche Lösung der sozia⸗ len Frage nicht gefunden werden kann.“ Zu den Studenten redete der Bannerpfarrer Haun-Bonn über:„Wir wollen Hüter sein!“. Festgottesdienste leiteten allenthalben in der Stadt und ihrer Umgebung den Festsonntag ein. In der Stadtkirche pre⸗ digte Pfarrer Haun-Bonn über 2. Korinther 12, 9„Laß dir an meiner Gnade genügen.“ Die Weihestunde wurde durch die wundervolle Bach'sche Reformationskantate„Gott der Herr ist Sonne und Schild“ wesentlich erhöht. In den Volksversammlungen am Sonntagnachmittag er⸗ klang noch einmal die Erinnerung an die 400jährige Reforma⸗ tionsfeier in Hessen.„Die hessische Reformation, eine Tat des Glaubens. der Liebe und der Hoffnung“ behandelten nach— einander Pfarrer D. Waitz, der verdienstvolle hessische Bundes⸗ vorsitzende, Prälat D. Dr. Diehl und der Direktor des Evan— gelischen Bundes, Studiendirektor Fahrenhorst aus Berlin. Die Reformation war eine Glaubensbewegung, so führte der erste Redner aus, nach ihrer Ursache, keine anderen Beweg— gründe gaben ihr Kraft als die religiösen, aber auch ihrer Wir⸗ kung nach ist sie eine Tat des Glaubens.„Die Reformation ist kein vergangenes Ereignis, sondern ein gegenwärtiges; sie ist noch nicht zu Ende, sondern sie steht erst am Anfang ihrer Aus⸗ wirkung“. Aber auch die Liebe als Triebkraft großartigen sozialen Wirkens hat die Reformation in einzigartiger Weise belebt. Das zeigte uns aus tiefer Sachkenntnis Prälat D. Dr. Diehl. Die Versuchung, die reichen Pfründen und Güter, die durch die Reformation frei wurden, im Interesse seines Hau⸗ ses zu verwenden, wies Philipp der Großmütige standhaft ab, weil die tiefe Kraft aus dem springender Liebe ihn beseelte. So hat er die reichen Mittel verwandt für ein großzügiges kirchliches Armen- und Er⸗ ziehungswesen, wie es sekbst unsere soziale Zeit nicht mehr be⸗ sitzt. Warmherzige Töne freudigen evangelischen Hoffens schlug der Bundesdirektor an. Das Christentum ist auf Hoffnung ge⸗ sät. Vergangene Nöte haben es stets glaubensvoll zu über⸗ winden gewußt. Trotz aller schweren Schatten über Deutsch⸗ land, trotz aller Mängel unserer Jugend, sind dennoch unend⸗ lich viel hoffnungsvolle Ansätze evangelischer Kraft in unserer Gegenwart zu spüren. Ich will lieber mich zu Tode hoffen, als im Unglauben zu Grunde gehen!“ Die Volksversammlung nahm einmütig gebung an: Der Hessische Hauptverein des Evangelischen Bundes gibt von seiner 39. Landesversammlung in Darmstadt an die Evangelischen des Landes kund: Wir gedenken dankbar all der reichen Segnungen, die die vor 400 Jahren im Hessenland aus einer starken evange⸗ lischen Bewegung erwachsene Reformation auf allen Ge— bieten des Lebens dem Lande gebracht hat. Wir bekennen uns in den geistigen Kämpfen der G zen⸗ wart freudigst zu dem Evangelium, der Kraftquelle für die Gesundung unseres Volkstums. Wir geloben auch unsererseits in der entschiedenen Ab⸗ wehr jeder Art von Gegenreformation, uns dafür einzu⸗ setzen, daß die Reformation ihre Sendung an unserem Volk weiter erfülle und der evangelische Wille auf aulen Gebieten des öffentlichen Lebens zur Geltung komme. Wir rufen alle Evangelischen des Landes auf, uns en diesem Dienst an unserem Volk einmütig und tatkräfeig zu unterstützen.“ Am Denkmal Philipps des Großmütigen legte der Vorsitzende des Hessischen Hauptvereins als Zeichen ehrfurchtsvollen Dankes den Kranz in den hessischen Farben nieder. Anläßlich der Landeshauptversammlung und des Refor⸗ mationsjubiläums fand die Aufführung des Grafschen Luther⸗ festspiels statt, die 5. Aufführung am Sonntag Abend, wiederum vor ausverkauftem Haus, für die auswärtigen Teilnehmer der Landesversammlung bestimmt, und gestaltete sich zu einem ein⸗ zigartigen tiefen Erlebnis. Die seelischen Kämpfe und die innere Entwicklung, die in dem jungen Luther sich abspielten und dann zur Reformation führten, traten mit plastischer Kraft heraus und hinterließen in Sinn und Gemüt der Zuschauer einen tiefen Eindruck. Gleichzeitig begrüßten städtische und kirchliche Behörden sowie die freien evangelischen Organisatio⸗ nen den Evangelischen Bund. Aus dem Jahresbericht, mit dem die geschäftliche Sitzung am Montag Morgen begann, ist hervorzuheben, daß der Bund in Hessen im letzten Jahr um über 600 Mitglieder gewachsen, heute 219 Vereine mit über 21000 Mitgliedern zählt und den Höchst⸗ stand vor dem Krieg bedeutend überschritten hat. Ihren Höhepunkt erreichte die Tagung durch den Vortrag des Herrn Geh. Hofrat D. Dr. Berger in der öffentlichen Mit⸗ gliederversammlung in der Otto-Berndt-Halle. Die Zuhörer⸗ schaft wurde von dem Redner in der ihm eigenen durch und durch wissenschaftlichen Art in das Problem„Reformation und Kultur“ hineingeführt. Seine Ausführungen gipfelten darin, zu zeigen, daß die richtig verstandene Rechtfertigungslehre eine Tat war, durch die Luther bis heute unübertroffen dasteht. Nach diesem Höhepunkt fand die Tagung in geselligem Bei⸗ sammensein ihren harmonischen Ausklang. evangelischen Glauben ent folgende Kund⸗ P/ c Mehr als 1200 verschiedene Formulare für Behörden, andere Amtsstellen, für Vereine und Körperschaften, Sowie auch für die Geschäfte ständig am Cager Albin Klein, vormals Wilh. Keller, gegr. 1783 iessen Südanlage 21 I Ef er bite ih n 1 I fue bl Seil Ned hint den, n her lem Nie dad be 8 die 5 beet Lol lie, d 10 A5