Evangelische Organ der Evangelischen Volksgemeinschaft Erscheint zunächst wöchentlich am Samstag. N Bezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus. Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. 0 Schriftleitung: Edwin Hamburger in Staden(Oberh.) SLonnabend, Abonnements⸗ u. Anzeigen⸗Annahmestelle, Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher 1362 und 1145. Postscheckkonto 8437 Frankfurt a. M. Volksgemeinschaft. 3. Oktober 1926 bei der Reichstagung D un Sie bleibt trotzdem die katholische Partei und denkt gar nicht daran, die konfessionellen Gegen— sätze zu überbrücken. Gegensätze überbrücken wollen überhaupt immer nur die Evangelischen, nie die Katho⸗ Die Jesuiten haben sich zum Ziel gesetzt, ganz Deutschlend katholisch zu machen. Der Ultramontane 1s 50 5 e 1. 9%— en 10 di 84 1 2 5 e ziele der Evangelischen Nod; 55* 55 Vortrag von Dr. jur. Moegenburg, gehalten am „ dn der Evangelischen Volksgemeinschaft in Frankfurt a. M. wan 1 Unser Volt ist in allen seinen Gebieten durchorga- eintreten. uu lisiert. Diese Durchorganisierung gibt nur noch den 010 tinzelnen 5 Gruppen ihr Recht. Der Einzelne ist ale infolge dieser Durchorganisation rechtlos geworden. ir U Gleichzeitig ist in allen Parteien der Geldsack maß- liken. nere gebend geworden, welcher allein regiert. So konnte es ei bommen, daß heute 90 Prozent des deutschen Volkes zu U Sklaven des Geldsacks geworden sind. Beim Reichstag usben in Berlin werden Kuhhändel gemacht unter den ein— rech zelnen Parteien. Man merkt nichts davon, daß dort ar das Volksinteresse vertreten wird. Nur das Partei⸗ tere“ istteresse wird von allen Pareitvertretern verfolgt. So en g hat man demnach nichts aus der Revolution gelernt! dadurch geht aber die Seele des Volkes zu Grunde. Das Volk, welches dies merkt, kann kein Vertrauen mehr uu den Parteien haben. Auch die Arbeiter haben heute Dai, lein uneingeschränktes Vertrauen mehr zu der Sozial⸗ 900 demokratie und sind mit den Führern dieser Partei recht * unzufrieden. Ua Nur die römischen Katholiken sind zufrieden mit den ihrer Zentrumspartei. Dagegen stehen die Evangeli— ou, then führerlos da, seit dem die evangelischen Fürsten ge⸗ khn, kürzt wurden. Die Deutschnationalen machen den An⸗ E bruch, für die Evangelischen gesorgt zu haben. Jedoch güur haben sie mit den Stimmen der Katholiken in ihrer e Sil Partei rechnen müssen. Nur eine große Idee kann die n An kranke Seele unseres Volkes retten. Deshalb haben wir A, die Idee des evangelischen Christentums in das öffent⸗ — sche Leben des deutschen Volkes hineingestellt. Das Bolk muß befreit werden von dem Mammonismus und dem Schiebertum. In der Evangelischen Volksgemein⸗ chaft soll es nicht das Geld, sondern der gesunde Ver— land des deutschen Volkes machen. Der schärfste Gegner, mit dem wir zu rechnen haben, ist der Ultramontanismus. Was verstehen wir da⸗ unter? Ultramontanismus ist ein System, das unter Verquickung von Religion und Politik ein politische⸗ Ziel mit religiösen Mitteln und ein religiöses Ziel mit politischen Mitteln erstrebt. Es ist ein System, das mit Religion nichts zu tun hat, aber politisch, kulturell und sozial schädlich ist. Der Katholik sieht alles nur in der Religion. Das Papsttum aber hat sich gewandelt aus einem religiösen in ein weltlich⸗christliches Papsttum. der Ultramontanismus beginnt in der Zeit Gre⸗ gors VII. Einstmals behauptete das Zentrum, es sei die Partei zur Wahrung der katholischen Interessen. heute sagt es jedoch, es sei eine bürgerliche Partei und habe mit der Kirche nichts zu tun. Jeder kann bei ihr Die Minderheit. Lukas 12,32. Fürchte dich nicht, du kleine Herde, denn es ist eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich 0 0 zu geben! 0 Als ich einmal mit ein paar Freunden eine Vereinsarbeit legann, wollte das Werk zunächst nicht gleich einen großen An⸗ fung finden. Die Frau eines Freundes, welche auch in einer bereinsversammlung mitgegangen war, drückte mir nachher ihren feiingen Glauben an die Sache aus, welche wir vertreten woll⸗ ben. Auf meine Frage, warum ihr denn unser Beginnen so benig gefiel, antwortete sie, daß ihr die Beteiligung der Ge⸗ heindeglieder zu gering sei. Nach ihrer Auffassung müßten alle Scharen kommen. Meine Ansicht war dagegen: Wir wollen lein und gründlich anfangen und groß aufhören. In den Jahren nach der Revolution suchte ich nach einer getätigung in solchen Vereinen, welche unserem elenden Volke wieder auf die Beine helfen wollten. Da komme ich zufällig i einem befreundeten Lehrer(ich grüße ihn, wenn er diese Zei⸗ En liest), der ganz begeistert war von einer solchen Bewegung. „Da mußt Du auch mitmachen“, so rief er mir zu. Diese Be⸗ negung ging nun darauf hinaus, in kurzer Zeit eine Unmenge Mitglieder zu bekommen. In ein paar Wochen waren in allen . drten der Umgebung Ortsgruppen gegründet. Da legte auf sigend eine Veranlassung der Gründer dieser Bewegung den Vor⸗ g nieder und der ganze Verein mit seinen Ortsgruppen war mie weggeblasen. Solche Erlebnisse geben einem zu denken in einer Zeit, in elcher so viel Nadchruck auf die Mehrheiten gelegt wird. Sind denn wirklich die Mehrheiten so ausschlaggebend? Jesus sendet 1 Apostel in die weite, weite Welt hinein. Wie wenig waren se gegen die Zahl dey Juden und die noch viel größere Anzahl er Heiden! Dennoch sendet sie der Herr. Vielleicht haben diese 10 glaubt etwas Gutes zu tun, wenn er etwas für den Papstkönig tut. Er glaubt etwas Gutes zu tun, wenn er einen Evangelischen auf dem Scheiterhaufen ver⸗ brennt. Wir stehen mitten in einer Gegenreformation. Da fragen wir uns:„Sollen wir ins finstere Mittel⸗ alter zurückkehren?“ Dr. Martin Luther hat schon den Ultramontanismus erkannt. In den letzten Jahren sind 800 neue Klöster in Deutschland gegründet worden. 80 000 Ordensleute arbeiten in Deutschland. Redner erinnerte an die Geschichte von Ecuador, die zeigt, wie man durch Erklärung des Katholizismus als Staats- religion und durch Anstellung nur katholischer Beamten ein Land unter die Herrschaft Roms bringt. In Deutschland kann dies ebenso kommen. Bei den Deutschnationalen sind von 100 Abgeord⸗ neten 10 katholisch. Diese 10 Abgeordneten an der Spitze der Deutschnationalen sind ultramontan. Da⸗ durch ist die deutschnationale Partei erledigt. Sie kann nicht den ultramontanen Wünschen Widerstand leisten. Auf der linken Seite sehen wir ähnliches. Die Windt⸗ horstbünde verherrlichen die Revolution und den Kom⸗ munismus. Auf diese Weise sucht man Einfluß in den linken Parteien zu gewinnen. Auch diese sollen mund⸗ tot gemacht werden. Wenn dann die Rechte und die Linke schweigt, dann kann man mit Leichtigkeit den Katholizismus zur Staatsreligion machen. Man kann den Protestanten niederknüppeln lassen. Dann werden die ultramontanen Ziele erfüllt werden. Glauben wir nicht daran, daß es da im katholischen Lager Wider⸗ stände gibt! Der Katholik kennt ja gar nicht den Unter⸗ schied zwischen Ultramontanismus und Kirche. Aus alledem geht hervor, welchen Gefahren wir Evangeli— schen entgegengehen. Wir von der Evangelischen Volksgemeinschaft haben noch rechtzeitig diese großen Gefahren erkannt. Daß wir da sind, das ist schon heilsam. Das läßt heute den Ultramontanismus schon vorsichtiger sein. Wir haben die Pflicht, dafür zu sorgen, daß die Staatsgewalt des Papstes aufhört. In deutschem Lande darf nur deutsche Staatsgewalt herrschen. Männer doch erstaunte Gesichter gemacht, als der Herr ihnen sagte:„Gehet hin in alle Welt und machet zu Jüngern alle Völker!“ Er sah ihre ängstlichen Gesichter und ermuntert sie: „Fürchte dich nicht, du kleine Herde, denn es ist eures Vaters Wohlgefallen, euch das Reich zu geben!“ Das Reformationsfest wollen wir nächsten Sonntag feiern. Wie ist doch eigentlich die Reformation gekommen? War es nicht der Mönch in Wittenberg, der mit seinen Hammerschlägen die ganze Reformation ins Rollen brachte? Ein paar Freunde standen ihm zur Seite. Wie wenig waren sie gegenüber den vielen Römischen! Ein paar Fürsten traten nach und nach auf seine Seite. Wie wenig waren sie gegenüber den römischen Fürstlichkeiten. Und doch ist aus diesem Wenigen die heute so weitverbreitete evangelische Kirche geworden. Was hat das mächtige Rom seine Last, gegen diesen Protestantismus anzu⸗ kämpfen. Nach der Revolution sprach man davon, in 10 Jahren ganz Deutschland wieder befreit zu haben von dieser„ketzerischen Pest“. Heute denkt kein Priester mehr daran. Aus kleinen An⸗ fängen ist da etwas Dauerhaftes geworden. Wie oft gibt uns die Geschichte Beispiele davon, daß kleine Völker mit wenig Soldaten sich erfolgreich haben erwehren kön⸗ nen der sie bekämpfenden mächtigen Feinden. Es hat sich ja als unwahr herausgestellt, daß die Zahl der Regimenter den Sieg entscheidet. Wie wehren sich die paar Drusen gegen die franzö⸗ sische Uebermacht. Demnach ist es falsch, wenn jemand bei einer Sache sagt: „Ihr habt unrecht, weil ihr nur so wenig seid!“ Ganz im Gegen— teil. Alle großen Bewegungen, die eine große Zukunft hatten, sind ja immer nur aus kleinen Anfängen hervorgegangen. Damit müssen sich die Mehrheiten, welche heute allein gelten wollen, nun einmal vertraut machen. Was ist es aber nun, das den Minderheiten die Kraft gibt, 1926. Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg., am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen 2 5 ummer 43. Reichs dagung ber Evangelischen Bollsgemeinschaft zu Frankfurt g. M. vom 2.—4. Oktober 1926. Vom 2.—4. Oktober ds. Is. fand in Frankfurt a. M. im Restaurant„Zum Storchen“ die zweite Reichstagung der Evangelischen Volksgemeinschaft statt. Die erste Sitzung wurde am 2. Oktober, nachmittags, durch Herrn Pfarrer Weidner⸗-⸗Ober⸗Lais eröffnet, der nach kur⸗ zer Begrüßungsansprache dem Schriftleiter der„Evan⸗ gelischen Warte“, Herrn Pfarrer Ham burger⸗ Staden, das Wort zu seinem Referat:„Die Bedeutung der Presse im öffentlichen Leben“ erteilte. Der Refe⸗ rent gab einen kurzen Ueberblick über die Entwicke⸗ lung der Presse im Laufe der letzten Jahrzehnte und wies anhand von statistischen Aufstellungen nach, in welch ungeheurem Maße die Presse an Ausdehnung ge⸗ wonnen habe. Danach verbreitete sich der Redner über die Presse des Zentrums, die eine besonders auffallende Zunahme zu verzeichnen habe. Er stellte fest, daß es z. B. in Hessen 8 Zentrumsblätter, aber nicht eine evangelische Tageszeitung gäbe; hieraus sei ersichtlich, daß unbedingt die Schaffung einer guten evangelischen Presse in allen Teilen Deutschlands notwendig sei. Im Anschluß an diesen Vortrag wurde ein 12glied⸗ riger Presseausschuß gebildet, der sich von nun an der weiteren Entwicklung der„Evangelischen Warte“ an⸗ nehmen wird und der auch seine Mitarbeit auf unser, seit kurzem in Schleswig⸗Holstein(Rendsburg) erschei⸗ nendes, zweites Kampforgan, das„Evangelische Echo“, erstrecken wird. Eine rege Aussprache über pressetechnische Fragen beschloß die Sitzung. Am 3. Oktober, vormittags 11 Uhr, fand die Haupt⸗ tagung statt. Herr Pfarrer Hamburger eröffnete dieselbe durch Schriftverlesung und Ansprache. Darnach ergriff Herr Bürgermeister Völker- Lich als Vorsitzen⸗ der des engeren Parteiausschusses das Wort, hieß alle Anwesenden herzlich willkommen und erteilte Herrn Dr. jur. Moegenburg⸗Frankfurt a. M. das Wort. Derselbe hielt einen mehr als 1stündigen Vortrag über:„Die Ziele der Evangelischen Volksgemeinschaft“. Der Redner wies darauf hin, daß im heutigen Deutsch⸗ land drei Hauptfeinde: Atheismus, Mammonismus und Ultramontanismus zu bekämpfen seien, und er gab zu jedem einzelnen dieser drei Punkte ausführliche Exläu⸗ terungen. Der Referent wies sodann anhand von zahl— reichen Beispielen nach, daß insbesondere von seiten des Ultramontanismus weder ein Versöhnungswille noch irgend welche Toleranz zu erwarten sei; das sei eben der Fluch dieses Systems von unentwirrbarer Verquickung von Religion und Politik, daß eine Versöhnungspolitik mit Rücksicht auf die große Gefahr der Selbstvernichtung überhaupt niemals in Frage kommen könne. Als folgender Redner ergriff an Stelle des am Er⸗ 300 Mann gegen die Uebermacht der Feinde kämpft, gibt er als Schlachtruf aus:„Hier Schwert des Herrn und Gideon!“ Napo— leon wollte 1812 mit seinen 600 000 Bajonetten die Gebete der Russen zuschanden machen. Er mußte es aber erleben, daß er ohne diese Bajonette wieder heimzog. Damit haben wir den Schlüssel zu dieser Furchtlosigkeit der Minderheiten. Sie sind mit Gott doch immer in der Mehrheit. Der Glaube an Gott macht wenige Menschen stark. Auch die Jünger Jesu waren durch den Glauben an den Vater im Himmel furchtlos und stark genug, um an das schwere Werk der Evangeliumspredigt zu gehen. Was Jesus ihnen verheißen hat, ist wirklich zugetroffen. Es war ihres Vaters Wohlgefallen, ihnen das Reich zu geben. Ohne diesen Glauben, daß Gott mit ihnen ist auf allen Missionswegen, wäre die Welt über sie hinweggeschritten. Sie hatten den Glau- ben und Gemeinde auf Gemeinde schloß sich an. Genau dasselbe beweist uns die Geschichte der Reformation. Wo hätte ein Dr. Martin Luther bestehen können, wenn er nicht einen so mächtigen Gottesglauben gehabt hätte. Der Glaube war für ihn alles, war seine Stütze, sein Halt, seine Hoffnung. Nicht vergebens hat ein Luther geglaubt und seinem Vater im Himmel vertraut. Luther allerdings legte die Hände nicht in den Schoß, wie das heute leider so viele tun, und wollte alles von Gott getan er⸗ halten. Nein,„an Gottes Segen ist alles gelegen“, so heißt es. Wenn die Menschen ihre Pflicht tun, dann will Gott seinen Segen dazu geben. Ein Luther war ein Kämpfer, der nicht rastete und ruhte. Da war Gott mit ihm. Gott liebt die kämp⸗ fenden Minderheiten, die einer Masse trotzen, er liebt die Tüch⸗ tigen, welche glauben, obgleich nichts zu schauen ist. Nur durch kämpfende Minderheiten kann die Gerechtigkeit auf Erden, die Hilfe einem Volke gebracht werden. Amen. Hr. —— —— Sonnabend, den 23. Oktober 1926. CõĩꝗðVUã. a scheinen verhindert gewesenen Pfarrers der Reichsgeschäftsführer Weidner-Ober⸗Lais das Wort und berichtete eingehend über die Entwicklung der Evangelischen Volksgemeinschaft vom Tage der Gründung(1924) ab. Während sich die neue Bewegung, so führte der Redner aus, noch im vorigen Jahr im all⸗ gemeinen nur auf Hessen erstreckt habe, habe sie gerade in den letzten Monaten eine derartig erfreuliche Aus⸗ dehnung gewonnen, daß bereits in vielen Teilen des Deutschen Reiches Ortsgruppen gegründet werden konn⸗ ten. Dieses erfreuliche Ergebnis berechtige zu der Hoff⸗ nung, daß alle Schwierigkeiten gleich welcher Art auch glücklich überwunden würden. Nach diesem Vortrag trat zunächst eine Mittags⸗ pause ein. Nach Wiedereröffnung der Sitzung(3 Uhr) ergriff Herr K. Linke⸗Barmen, Vorsitzender der evangelischen Gewerkschaft, das Wort und sprach über das Thema:„Die Notwendigkeit der evangelischen Ge⸗ werkschaft“. Der Redner rechtfertigte das Bestehen dieser Organisation auf Grund verschiedener Bibel⸗ stellen und gab einen Ueberblick über den Stand dieser Bewegung. Er verlieh ferner der Hoffnung Ausdruck, daß eine möglichst enge Zusammenarbeit mit der Evan⸗ gelischen Volksgemeinschaft weiter reiche Früchte tragen möge. Im Anschluß hieran sprach Herr Pfarrer Weid⸗ ner über:„Die Evangelische Volksgemeinschaft und die Arbeiterschaft“. Der Redner betonte, daß die Sozial⸗ demokratie heute nicht mehr als die Partei anzusehen sei, die die Interessen der Arbeiterschaft vertreten würde und könnte, da sich auch diese Partei restlos dem Mam⸗ monismus verschrieben habe. Die breiten Massen seien in einer Verelendung wie nie zuvor und niemand sei da, der sich ihrer annähme. Die schamlose Ausnutzung der Arbeitskraft durch das Kapital belegte der Redner mit einer Reihe von Beispielen. Es sei, so referierte der Redner weiter, die vornehmste Aufgabe der Evan gelischen Volksgemeinschaft, sich der verelendeten evange— lischen Arbeiterschaft anzunehmen und sie aus ihrer trostlosen wirtschaftlichen Lage zu befreien. Diese Rede beschloß die Haupttagung. Das Ergebnis derselben war ein sehr erfreuliches, da nicht allein sämtliche Vorträge großen Beifall fanden, sondern sich auch noch eine statt— liche Zahl neuer Mitglieder meldete. Am Montag, den 4. Oktober, vormittags 9 Uhr, fanden noch zwei sehr interessante Vorträge statt. Herr Generalsekretär Haupt-Gießen berichtete über den Breslauer Katholikentag und Herr Studienrat Proe⸗ scher-Mainz über:„Das kommende Reichsschulgesetz“. Auch diese beiden Vorträge fanden ungeteilten Beifall. Im Anschluß an diese Vorträge kamen eine Reihe geschäftlicher Angelegenheiten zur Erledigung. Hierun⸗ ter fiel insbesondere die Wahl des engeren Parteivor⸗ standes. Es wurden gewählt: Dr. jur. Moegen⸗ burg ⸗ Frankfurt a. M., Pastor Mosel⸗Rohrberg (Altmarkt), Schriftleiter Schädler-Neumünster (Schleswig⸗Holstein), Verbandssekretär Rödder⸗ Königsberg, Reichsgeschäftsführer Weidner⸗Ober⸗ Lais. Stellvertreter: Bürgermeister Völker-⸗Lich, Superintendent Brandt-Eime(Hannover), Cerichts⸗ assessor Gitzen-Glogau, Stadtverordneter Kümper⸗ Frankfurt a. M., Kaufmann Müller-⸗Frankfurt a. M. Zum Schluß hielt der Vorsitzende, Herr Bürger⸗ meister Völker⸗Lich, eine kurze Ansprache und gab in erhebenden Worten seiner Freude über den schönen und harmonischen Verlauf der gesamten Tagung Aus- druck. Er dankte insbesondere allen Rednern und Mit⸗ wirkenden für ihre schönen Vorträge und Mühewal⸗ tungen. Die Anwesenden sangen danach in großer Begeiste— rung das alte evangelische Kampflied:„Ein feste Burg ist unser Gott!“. g Damit fand die allenthalben wohlgelungene Reichs- tagung ihren Abschluß. Das soziale Zeitalter. Von Paul Rüffer, Vorsitzender des Verbandes ev. Arbeiter- und Volksvereine Groß⸗Berlin. 9 Die Weltkriegsperiode— 1914 bis 1918— mündete in die revolutionäre Bewegung in Rußland und Deutschland aus. In Rußland siegte das bolschewistische Prinzip und in unserem Vaterlande gelangte zunächst die sozialistische Republik unter dem Zeichen der Arbeiter- und Soldatenräte zur Herrschaft. Durch die Nationalversammlung, die am 19. Januar 1919 ge⸗ wählt wurde, wurde Deutschland eine parlamentarische Republik. Die Regierung der Volksbeauftragten hat auf dem Wege der Verordnung die Demobilmachung, die Arbeitszeit, die Er— werbslosenfürsorge, die Landarbeiterordnung, die Sonntagsruhe in dem Apothekergewerbe, das Schlichtungswesen geregelt. In der Weimarer Verfassung vom 11. August 1919 wurden die sozial-politischen Rechte der Arbeiterschaft festgelegt. In rascher Folge erschienen nun in den Jahren zwischen 1919 und 1926 das Betriebsrätegesetz, das Reichssiedlungsgesetz, das Sozialisierungs⸗ gesetz, das Arbeitsnachweisgesetz, das Hausarbeitsgesetz(Lex Behm), das Heimstätten- und das Reichsmietengesetz. Einen besonders bedeutungsvollen gesetzgeberischen Abschnitt brachte in sozialpolitischer Hinsicht das Jahr 1925. Nach langen und schwierigen Verhandlungen kam das Aufwertungsgesetz zu⸗ stande und ebenso die Neuordnung der Invaliden- und Unfall⸗ versicherung. Vom 31. Juli 1925 datiert auch die Abänderung über die Kinderarbeit in den gewerblichen Betrieben. Für das Jahr 1926 ist noch die Verabschiedung des Reichsknappschaftsge⸗ setzes zu erwarten. Es ist also eine fruchtbare Periode in sozialpolitischer Be⸗ ziehung gewesen, wie wir sie seit der Staatsumwälzung erlebt Veller⸗Mainz „Evangelische Warte“ r err Berölkerung Deutschlands mit folgender Kundgebung: Evangelische Volksgenossen! Der evangelischen Sache drohen ernste Gefahren! Immer mehr werden die evangelischen Belange im Reiche und in den Ländern mit Füßen getreten, immer mehr die Grundsätze des Evangeliums unbeachtet ge— lassen! Deshalb tut uns Evangelischen ein politischer Zusammenschluß bitter not. Keine der bisher bestehen— den Parteien setzt sich kraftvoll und zielbewußt für un⸗ sere Sache ein. Darum ist die Evangelische Volksge— meinschaft gegründet worden! Sie will eine große ge— schlossene Front aller Evangelischen Deutschlands schaf— fen. Sie will dem Evangelium auf allen Gebieten die entscheidende Macht erringen. Evangelische aller Stände: Nur in den Reihen der Evangelischen Volks⸗ gemeinschaft ist Euer Platz! Drum auf zur Tat! Brief aus Gathjen. Unser Freistaat Sachsen steht gegenwärtig im Zei⸗ chen der Wahlen. Drei wichtige Wahlen stehen uns be— vor: Die Landtagswahl am 31. Oktober, die Gemeinde— ratswahl und die Wahl zur Landessynode. Mit be— sonderer Spannung sieht man den Wahlen zum Land— tag entgegen. Man sollte denken, daß bei uns im roten Freistaat nunmehr jeder endlich eingesehen hat, wieviel es auf die Landtagswahl ankommt. Wir hatten seit der Revolution vor 8 Jahren fast ununterbrochen das zweifelhafte Vergnügen, eine rote Mehrheit im Land— tag und darum auch eine sozialdemokratische Regierung zu besitzen, und die„Segnungen“ einer solchen Regie— rung liegen bei uns im Lande so offen zu Tage, wie aum in einem anderen im deutschen Vaterlande. Er— innert sei nur an die radikalen Verordnungen auf dem Gebiete der Schule und das Kirchenaustrittsgesetz. Die verschiedenen Parteien sind bereits mit ihren Kandida⸗ tenlisten auf den Plan getreten. Die Sozialdemokraten sind ja bekanntlich im sächsischen Landtag gespalten in einen kleineren radikalen und einen größeren gemäßig— ten Flügel. Dazu kommen noch die Kommunisten. Wel⸗ cher Geist in dem radikalen Flügel der Sozialdemokra— ten herrscht, zeigt allein schon die Tatsache, daß man es dort fertig gebracht hat, einen Mann wie Arzt an her— vorragende Stelle in der Liste aufzustellen, einen Mann, von dem man weithin auch im sozialistischen Lager weiß, daß er keine moralischen Skrupel mehr kennt. Er hat sich ja auch derartig bloßgestellt, daß er nicht nur von seinem Posten als Oberschulrat in Dresden beseitigt werden mußte, sondern daß auch der größere Teil der sozialdemokratischen Partei es für gut fand, von ihm abzurücken. Ferner steht auf der Liste dieser Männer des radikalen Flügels der Name des Oberstaatsanwalts Asmus in Freiberg, der sich einem Mann wie Arzt wür⸗ dig an die Seite reiht. Wenn auch seinerzeit der gegen ihn angestrengte Prozeß mit Freispruch endete, so weiß doch in Sachsen jedermann, welch eine verhängnisvolle Rolle dieser Mann namentlich unter der Zeigner-Regie⸗ rung gespielt hat. Er war ja bekanntlich der ärgste Spion dieser Regierung, und ihm verdankt mancher tüchtige Jurist und Beamter seine Strafversetzung oder sein Abgebautwerden oder die Uebergehung im Amt und zwar aus rein politischen Gründen, nur weil er der kom⸗ munistischen Regierung unbequem war. Andererseits darf gesagt werden, daß von bürgerlicher Seite diesmal besonders lebhafte Anstrengungen gemacht werden, eine bürgerliche Mehrheit im Landtage zustande zu bringen. Leider sind die bereits soweit gediehenen Bemühungen, ein Zusammengehen der bürgerlichen Parteien herbei⸗ zuführen, doch schließlich gescheitert, allein sie haben wenigstens den Erfolg gezeitigt, daß sich die bürgerlichen Parteien gegenseitig ein friedliches Nebeneinander⸗ haben; indessen die Fülle der gesetzgeberischen Arbeit macht noch nicht den Inhalt des sozialen Zeitalters aus. Es kommt auf den sozialen Geist an, und der ist leider nicht in wünschenswerter Weise vorhanden. Der Zeitabschnitt zwischen 1918 und 1926 stand unter dem Zeichen der Putsche und der wilden Streiks. Die Putsch⸗ und Streikgefahr nahm zeitweilig einen derartigen Cha— rakter an, daß nicht nur das deutsche Wirtschaftsleben, sondern auch das Staatsleben in die schwierigste Lage geriet. Ein zweites Doppelzeichen in den Jahren zwischen 1918 und 1926 ist die Finanzkatastrophe von 1923 und die Wirtschafts⸗ katastrophe von 192526. Ein drittes eigentümliches Kennzeichen ist der Geist der Raffgier, der sich auch in den sozialistischen Kreisen stark bemerk— bar macht. Die revolutionäre Bewegung endigte— nach sozia⸗ listischer Anschauung— in einer allgemeinen Lohnbewegung, und führende sozialistische Kreise,— das haben die Verhandlungen des Barmatausschusses im preußischen Landtag im Jahre 1925 be⸗ wiesen,— haben sich von diesem Geiste nicht nur nicht freigehal⸗ ten, sondern sich in ihm außerordentlich stark betätigt. Ein viertes Kennzeichen dieser Periode waren die Bestrebun⸗ gen im Sinne des Erfurter Programms, die Sozialisierung der Wirtschaft und damit die Abschaffung des Privateigentums her⸗ beizuführen. Eine ganze Anzahl von Vollsozialisierungsvorschlä⸗ gen beschäftigte eine Zeitlang die Oeffentlichkeit. Aber es zeigte sich, daß die vom Reichspräsidenten einberufene Sozialisierungs⸗ kommission nicht in der Lage war, die utopistischen Vollsoziali⸗ sierungsbestrebungen zu verwirklichen. Fast man das Ergebnis der Zeitspanne zwischen 1914 und 1926 zusammen, so werden wir sagen müssen: es war eine Zeit der Kriegs-, Revolutions-, Inflations- u. Wirtschaftsnot. Vieles, was wert gewesen wäre, erhalten zu bleiben, hat der Kriegs⸗ und Revolutionssturm hinweggerissen, und das berechtigte Neue wäre auch ohne diese furchtbaren Sturmperioden auf dem Wege Die 2. Reichstagung wendet sich an die evangelische arbeiten unter gegenseitigem Verständnis und Rücksicht⸗ nahme zugesagt haben. Daß der Ausfall der Landtagswahlen von aller⸗ größter Bedeutung auch für unsere Kirche ist, darüber haben uns die letztvergangenen Jahre gehörig belehrt, und die führenden Kreise unserer Kirche sind sich auch Seite aus betrachtet, eine fast noch größere Bedeutung Landeskirche am 1. Oktober staatsfrei geworden ist, muß das Verhältnis zwischen Staat und Kirche in unserem Lande neu gestaltet werden. Darüber liegt bereitz eine Gesetzesvorlage für den neuen Landtag vor, die dieser zu beschließen hat. Ferner steht die endgültige finanzielle Auseinandersetzung zwischen Kirche und Staat noch immer bevor, und auch die Regelung dieser schwierigen Frage, an welche der frühere Landtag immer nicht zu rühren wagte, liegt dem nuen Landtag ob, Ferner läßt sich heute schon übersehen, daß die kommende Reichsschulgesetzgebung den Ländern ein stärkeres Maß von Selbständigkeit in der Ausgestaltung der Schul⸗ frage einräumen wird. Auch nach Seiten der Landes Schulgesetzgebung wird der neue Landtag deshalb be— deutsam und vielleicht auf Jahrhunderte hinaus grund; legende Beschlüsse zu fassen haben. Auch den kommenden Gemeinderatswahlen sieht man von kirchlicher Seite diesmal mit größerem Inter⸗ esse entgegen, als früher. Haben uns doch auch die letz ten Jahre darin bedeutsame Lehren gegeben. In den zahlreichen Gemeinden, wo eine sozialistische Mehrheit im Gemeinderate zustande gekommen war, merkte man gar bald die ausgesprochen kirchenfeindliche Tendenz dieser Körperschaften, denen es auch nicht selten gelang, der Kirche empfindlichen Schaden beizufügen. So er weist sich namentlich die Einführung der sogenannten kommunalen Totenbestattung in der schroffen Form, wie sie vielfach durchgeführt worden ist, als ein nicht unerheblicher Eingriff in die kirchliche Begräbnissitte, Daß auch den Wahlen zur Landessynode gerade diesmal besondere Bedeutung zukommt, erhellt schon die Tatsache, daß die seit 1. Oktober staatsfrei gewordene Landeskirche vor die Aufgabe gestellt ist, sich ihr Bett neu zu graben und genötigt ist, sich neue Kanäle ins Volksleben hinein zu bauen. Auch die Herausbildung eines neuen Verhältnisses zwischen Kirche und Staat wird die Synode vor große Aufgaben stellen, zu deren Lösung es großer Weisheit bedarf. Anser sächsischer Staat wird nur dann zu billigen und gerechten Maß⸗ mahmen gegenüber der Kirche gelangen, wenn er vor dieser Respekt hat, und er wird nur dann vor der Kirche Respekt haben, wenn diese vertreten wird durch Männer von Charakter, von großem Wissen und klarer Umsicht, aber auch von Männern von Glauben und kernhaftem Christentum. Solche zu finden und an vorderster Stelle im kirchlichen Leben zu setzen, wird unsere große Aufgabe für die nächste Zeit sein. Gott stehe uns darin bei und bewahre uns davor, daß nur die Ehrgeizigen auf Grund ihres Vordrängens in die vorderste Reihe kommen! Die Landessynode wird nach dem neuen Wahlrecht in noch stärkerem Maße als früher die Laienschaft in ihrer Mitte haben. Durch ihr zahlenmäßiges Uebergewicht in der neuen Synode werden die Nichttheologen ausschlag⸗ gebend sein. Wie sehr kommt es da darauf an, auch die richtigen Männer mit christlicher Erfahrung und sach— lichen Kenntnissen auf kirchlichem Gebiete herauszu⸗ stellen!(Schluß folgt.) Eigenheime. Immer lauter und lauter drängt der Schrei nach Eigenheimen aus der großen Masse unseres Volkes und immer notwendiger ist es, daß sich nicht nur die Ohren derer, die zu helfen berufen sind, auftun, sondern auch Kopf, Herz und Hand angespannt werden, praktisch die der allmählichen Entwicklung ins Leben getreten. Ein furcht⸗ barer Preis ist für die Errungenschaften der Revolution gezahlt worden. Ob dieser Preis auf die Dauer wenigstens im Einklang steht mit dem, was an Neuem geschaffen ist, das muß die Zeit lehren. 10. Wir hoffen zuversichtlich, daß wir einer friedlich sozialen Periode entgegengehen, die unter dem Zeichen der Volksgemein⸗ schaft steht. Was wir allerdings bis jetzt erlebt haben, das war nicht Volksgemeinschaft, sondern Volkszerklüftung im schlimmsten Sinne des Wortes. Es ist so, als wenn das alte Prophetenwort für unsere Zeit geschrieben wäre: Wir sind zerspalten, wir sind uneinig, wir sind zerrissen. Die soziale Frage hat im neuen, Deutschland einen viel umfassenderen Umfang angenommen, als sie ist die Frage der sittlichen Erneuerung unseres Volkes und seiner nationalen Freiheit. Internationale Afrika⸗Konferenz in Le Zonte. (Nach Berichten von Missionar Enderlin, Sudan-Pionier⸗M.) Auf Veranlassung des Internationalen Missionsrates trat in Le Zoute in Belgien am 14. September ein Kreis von 175 Missionaren und Missionarinnen, sowie Missionsleitern zusam⸗ men, die als Delegierte ihrer Missionsgesellschaften in Nord⸗ Amerika, Großbritannien, Deutschland, Schweden, der Schweiz, Frankreich, Belgien, Dänemark, Finnland, Holland und Nor⸗ wegen die wichtigsten schwebenden Fragen über die Arbeit in Afrika besprechen wollten. Den 20 Gesellschaften aus Nord⸗ Amerika und den 19 aus England standen 7 aus Deutschland ge⸗ genüber; außer diesen Deligierten nahmen 45 Vertreter von darüber bewußt, daß dem neuen Landtag, von kirchlicher zukommt, als dem alten. Da die evangelisch⸗lutherische l das in der Vergangenheit der Fall war. Sie ist heute die Frage des gerechten Ausgleichs zwischen den verschiedenen Ständen und 0 Aal G f. iche A and l In vet felge der Lohseh hee Aenaf 0. Ba Hügel Sale spe gell i Felden niht e he e 1 Ji. cher J. shließt gagelle wünsc eine g wild e Mulsp flo folie e ce om Jul! Au bet ieweil ider szäter Grupp dan 1 Spurt Jalt, 9 ir de de E 01 L glich Mert . Sit A ib olan, lud. af Satz Aaloni, ati Al alem lugt, lichen Ishes Regler, dem 2 And re c umi ders f. 95 Aeund wah hte ligen und gangbaren Weg zeigt heute die Deutsche Evan⸗ gelische Heimstättengesellschaft. Sie geht aus vom Zentral⸗Ausschluß für Innere Mission der Deutschen bvangelischen Kirche, dem sich noch andere gleichgerich— tete Organisationen angeschlossen haben. Das wirt⸗ schaftliche Fundament dieser Heimstättengesellschaft ist aufs beste geprüft, eng angelehnt an die Hilfskasse ge— n meinnütziger Wohlfahrtseinrichtungen Deutschlands 6. m. b. H., welche eine bankmäßige sichere Anlage der eingezahlten Sparbeträge gewährleistet. Also um Sparbeträge derer, die bauen wollen, handelt es sich. Zunächst ist festzustellen, daß im Zeichen der Zwangsmiete und der Wohnungsämter der Staat wesentlich an die Finanzierung der Neubautätigkeit be⸗ leiligt ist. So stehen dem Einzelnen staatliche Bau⸗ gelder(Hauszinssteuer-Hypotheken, Arbeitgeberzuschüsse, Wohnungsfürsorgeverbände usw. beim Bau eines Eigenheims zur Verfügung. Das, was fehlt, sind die sogenannten Restbaugelder, die flüssigen Mitteln für die Bauenden. Diese muß der Bauende selbst auf⸗ bringen, und damit er es kann, sparen; ein zweckmäßiges Sparen und möglichstes baldiges Bauenkönnen will die Bausparkasse der Deutschen Evangelischen Heimstätten— gesellschaft vermitteln. 1 sih Ine le le 5 chrhg e n 10 Sie arbeitet mit geschlossener Gruppe. Die Sparer a, werden zu einzelnen Gruppen zusammengefaßt, welche 0 nicht erweitert werden können. Alle Gelder, die eine Jom solche Gruppe aufbringt, kommen mit den entsprechen⸗ e den Zinsgewinnen nur dieser Gruppe zugut. Praktisch 1 besehen, ist der Weg folgender: , Jeder, der zu einem Eigenheim kommen will, gen, schließt mit der Deutschen Evangelischen Heimstätten⸗ han gesellschaft einen Bausparvertrag in der von ihm ge⸗ a wünschten Höhe ab. Etwa 80 bis 100 Bausparer bilden i eine Gruppe, die geschlossen in sich bleibt. Durch das Los le wird entschieden, wer zuerst bauen kann. Der einzelne lb, Bausparer zahlt nach Abschluß des Vertrages jährlich Sin 5 Prozent in monatlichen, vierteljährlichen oder halb⸗ den jährlichen Raten ein. Für diese Einzahlung vergütet hie. die Gesellschaft nach dem 1. Jahre 3 Prozent Zinsen. m. Bekommt er sein Darlehen, was schon nach einem halben e Jahr möglich ist, so hat er dieses mit? Prozent jährlich Kit zu verzinsen, von denen 5 Prozent als Verzinsung der län, jeweiligen Schuld, der Rest als Tilgung gelten. Aus lit jeder Gruppe erhalten anfangs jährlich 6—8 Prozent, hole später 10—12 Prozent ihr Darlehen. Der letzte einer Se Gruppe erhält sein Darlehen nach 15½ Jahren, d. h. zu fü dem Zeitpunkt, wo durch seine eigene Spartätigkeit seine ein, Sparsumme erreicht ist. Wer früher sein Darlehen er⸗ Cu, hält, hat eine größere Schuld zu verzinsen und zu tilgen; für den, der später sein Darlehen erhält, erniedrigt sich inn diese Schuld. Es darf hier hervorgehoben werden, in wel⸗ M. cher Beziehung sich die Bausparkasse der Deutschen Evan⸗ n gelischen Heimstättengesellschaft von anderen ähnlichen cl. Unternehmungen unterscheidet. uch. Sie arbeitet mit geschlossener Gruppe; das bedeutet id sit Ausschaltung des Klante-Systems, genaue Aebersicht raue“ über die Verpflichtungen und Versprechungen der Gesellschaft. 1 Alle Eingänge und Einnahmen kommen restlos nach Maßgabe des Finanzierungsplanes der einzelnen Gruppen den Bausparern zugute. Zur Deckung der Verwaltungsunkosten der Gesellschaft wird ein ge⸗ ringerer Beitrag zugleich mit den Einzahlungen er⸗ hoben. 3. Die eingezahlten Gelder werden bankmäßig ver⸗ waltet. 4. Die Bausparer können jederzeit in ihre Gruppen⸗ * 2 727TTTCTTTTTTTTTT aufstellungen Einsicht nehmen und vierteljährlich den Bausparvertrag ohne Schaden kündigen. 5. Die Bausparkasse der Deutschen Evangelischen Heim—⸗ stättengesellschaft, Berlin N. 24, Oranienburgstraße 13/14, ist nicht von der Zahl der Mitglieder ab— hängig, oder von der Menge der jeweils neu hin— zutretenden Bausparer, wie das bei anderen Unter⸗ nehmungen der Fall ist. Hierdurch ist die absolute Gewähr dafür gegeben, daß die Gesellschaft imstande ist, ihre Versprechungen zu halten, ganz abgesehen davon, daß schon die Namen der Gesellschafter der Deutschen Evangelischen Heimstättengesellschaft für einen dementsprechenden inneren Aufbau des Unter— nehmens bürgen. Die Geschäftsstelle des Hessischen Landesvereins für Innere Mission, Darmstadt, Bismarckstraße 58, hat eine Auskunftsstelle der Deutschen Evangelischen Heim⸗ stättengesellschaft errichtet und bittet alle interessierten Personen und Organisationen, sich hier mit Rat dienen zu lassen. N. V. Aus Politik und Parlament. Zur ultramontanen Zerbröckelung des Staatsgedankens. Man schreibt uns aus einer kleinen Stadt in der Nähe von Halle:„Der hiesige katholische Kaplan X. hatte einen Polen kirchlich getraut, ohne daß zuvor die standesamtliche Eheschließung stattgefunden hatte. Der Pole verzog, wurde arbeitslos und verlangte nun die Arbeitslosenunterstützung für Verheiratete. Da er eine Heiratsurkunde nicht beibringen konnte, wurde nachgeforscht, und der oben geschilderte Tatbestand stellte sich heraus. Der hiesige Bürgermeister als Polizeiver⸗ treter hat darauf den Kaplan vorgeladen und ihn da— rauf aufmerksam gemacht, daß er sich strafbar gemacht hätte. Der Kaplan erwiderte, das wüßte er, er würde alle Folgen tragen Für ihn wären aber nur die Gesetze seiner Kirche maßgebend, nicht die Staatsgesetze! So weit sind wir nun in Deutschland!“ Vom Kampf um die Wellanjthauung. Römische Unduldsamkeit. Ein typisches Beispiel römisch⸗katholischer Anduld⸗ samkeit bringt das„Evangelische Gemeindeblatt für die deutschen evangelischen Gemeinden in der Tschechoslowa⸗ kei“, Nr. 9. Darnach fand am 5. September in Böh⸗ misch⸗Leipa eine Tagung der Heimatsöhne statt, bei der am Festabend der dazu aufgeforderte evangelische Pfar⸗ rer Dr. Rieger-Haida die Festrede, die Ansprache am Kriegerdenkmal ein anderer Herr aus Teschen hielt. Darob erboste sich hinter den Kulissen das katholische Dekanalamt, wie es aus folgendem schönen Briefe her⸗ vorgeht:„Dem gefertigten Dekanalamte gelangte am gestrigen Tage(31. August) auf privatem Wege zur Kenntnis, daß der geehrte Ausschuß in Böhm. Leiva den Beschluß gefaßt habe, am Sonntag, dem 5. September, bei seiner Festfeier beim Kriegerdenkmale auf dem Platze vor der Kreuzkirche den Haidaer evangelischen Pfarrer Dr. Rieger die Fest⸗ und Gedenkrede des Tages halten zu lassen.— Von diesem Beschlusse aber ist das Dekanalamt vom geehrten Ausschusse in keiner Weise verständigt worden, obwohl dieses an der Sache äußerst interessiert ist. Das Dekanalamt ist bisher der Veranstaltung des obigen Tages in jeder Weise ent⸗ gegengekommen und hat wiederholt seinen Wunsch um Wohlgelingen der Feier geäußert. Ebenso war es be⸗ reit, an einem passenden Orte den Festgottesdienst hal⸗ ten zu lassen. Durch obigen Beschluß des Festausschusses ist aber die Abhaltung der heiligen Messe als Gedächt⸗ nisgottesdienst ganz verunmöglicht worden. Kein katho⸗ lischer Geistlicher wird sich herbeilassen, einen solchen zu halten, wenn ein nichtkothalischer Geistlicher auserkoren ist, im Anschlusse daran die Gedenkrede zu halten. Prin⸗ eee . 5B 0— Kolonialregierungen, Kolonialinstituten, Universitäten, Colleges usw. an den Verhandlungen teil, unter ihnen Gouverneure und Staatssekretäre, Mitglieder des Völkerbundes, Direktoren von Kolonial- und Forschungsinstituten und andere Sachverständige in afrikanischen Fragen. Alle waren sich einig darüber, daß der heutige Afrikaner von eeinem Rassen⸗ und Nationalgefühl beseelt sei, das seinesgleichen sucht. Wissensdrang und Bildungsstreben sind bei ihm in einem solchen Maße erwacht, daß er nicht schnell genug sich abendlän⸗ bisches Wissen aneignen kann. Und die ganzen Verhandlungen zeigten, daß den Teilnehmern völlig klar war, daß es heute gelte, dem Afrikaner auf dem Boden zu begegnen, auf dem er stehe, lebe und rede. Darum komme es auf eine genaue Kenntnis der Pfsychologie des Afrikaners an. Dieser wurzelt noch tief im Animismus, und er hört infolgedessen leicht auf die Kunde vom allmächtigen Gott“, ihm müsse aber der Gott der Liebe beson⸗ bers nahegebracht werden. Die afrikanische Frau werde durch Freundschafts⸗ und Liebesbeweise durch reines Familienleben durch gute Literatur, durch Erziehungsanstalten usw. vom Christent em angezogen— Eine große Schwierigkeit bedemet, wie auch don Einzeborenen-Lertretern betont wurde das Loben und Handeln des„christlichen“ Ausländers, wodurch der Afri⸗ a laner der Religion, die der Missionar bringt, skeptisch gegen⸗ überstehe.— Eine weitere Schwierigkeit ist, zu entscheiden, was nan als zu duldende Volksbräuche beibehalten dürfe. Nicht 1 nit Unrecht hat Simon erklärt, daß der Animismus den Islam überwunden habe, diese Gefahr könne vermieden werden, wenn nan die christlichen eingeborenen Aeltesten entscheiden lasse, velche Bräuche heidnisch und welche volksmäßig seien.— In der Erziehung müssen die Missionen und die Regierungen Hand in Hand gehen, da eine der beiden allein diese Frage nicht lösen önne, doch sei vor allem nicht zu vergessen, daß der Afrikaner sondern man müsse ihm das Recht lassen, seine eigenen Anlagen zu entwickeln.— Inbezug auf die Rassenfrage: Schwarz⸗Weiß, müsse es heißen: Bei aller Verschiedenheit Identität! Die deutschen Vertreter auf der bedeutsamen Konferenz wa⸗ ren: Miss. Dir. D. Schlunk(Nordd. Miss. Ges. und Direktor des Deutsch. Evang. Missionsbundes), Bischof D. Hennig(Brüderge⸗ meinde), Miss. Dir. D. Knak und Miss. Superint. Medepohl (Berliner Mission), Missionar P Meisenholl und Missionar P. Weber(Rhein. Mission), Missionar D. Johannsen und Miss. Insp. Trittelvitz(Bethel Mission), Miss. P. Jehle(Basler Mission), Miss. J. Enderlin(Sudan⸗Pionier⸗Mission). Außer⸗ dem die Berliner Professoren D. Richter und Dr. Westermann, der neu gewählte Direktor des neu errichteten Internationalen Instituts für aseikanische Sprachen und Volkskunde. Wie gewinnen wir mehr Schwestern für den Dienst der Barmherzigkeit? Ueber dieses Thema sprach am 30. September in der Herbst⸗ versammlung des Landesverbandes evangelisch-kirchlicher Frauenvereine, der jetzt 160 Ortsvereine umfaßt, Schwester Karoline von den Bodelschwingschen Anstalten. Zuerst wurden die schädlichen Folgen des Schwesternmangels dargelegt; für die Schwestern selbst: Ueberbürdung und vorzeitige Verbrauchtheit; auch Schwestern brauchen Zeit zum Essen und zum Schlafen, be⸗ sonders nach einer Reihe von Nachtwachen; für das Mutterhaus: Aufgabe von wichtigen und liebgewordenen Stationen; für die Gemeinden: Unmöglichkeit, für notwendige Arbeit und für wich⸗ tige Posten Schwestern zu bekommen. DerüUrsachen des Schwe⸗ sternmangels sind viele. Namentlich die Mutterhausdiakonie leidet unter Abneigung und Vorurteilen. Ein Gelübde auf Le⸗ benszeit gibt es nicht, der Austritt steht jederzeit frei. Doch ein„gemütvoller Mensch“ sei. Der Afrikaner dürfe nicht angli⸗ iert werden, betonte Macgregor von der Schottischen Freikirche, kann man von einem Menschen, der diesen Beruf zu seinem eee n. zipielle Gründe lassen dieses nicht zu. Zudem muß der katholische Priester im gegebenen Falle Rücksicht nehmen auf die überwältigend große Zahl der katholischen Fest⸗ teilnehmer, denen man zumutet, vor einer katholischen Kirche einen evangelischen Pastor als Festredner an⸗ hören zu müssen. Ferner erlaubt sich das Dekanalamt auf folgenden Umstand aufmerksam zu machen, den der geehrte Ausschuß übersehen zu haben scheint. Die An⸗ lagen, woselbst das Kriegerdenkmal steht, sind gänzlich Eigentum der Kirche zum hl. Kreuz. Als seinerzeit das Komitee zur Errichtung des Kriegerdenkmales um Er⸗ laubnis zur Aufstellung desselben ansuchte, so hat die römisch⸗katholische Kirchenverwaltung in bereitwillig⸗ ster Weise jene zugestanden. Sie hat aber in keiner Weise die Erlaubnis gegeben, daß auf ihrem Grund und Boden bei einer eventuellen Gedenkfeier, welcher Art immer, von einem nichtkatholischen Geistlichen die Fesirede gehalten werden könne. Das Dekanalamt legt deshalb gegen die beabsichtigte Gedenkrede eines nicht⸗ katholischen Geistlichen an obiger Stelle seine Verwah⸗ rung ein. Gleichzeitig spricht es sein Bedauern über obigen Zwischenfall aus, lehnt aber jede Verantwor⸗ tung hierfür vollständig ab.“— Wie würde es den Evangelischen gehen, wenn solche katholische Engherzig⸗ keit alleinherrschend wäre?! Bei den Seelenfängern in Thüringen. Unter dieser Ueberschrift berichtet die D. E. K. aus Jhüringen folgendes Vorkommnis, das als ein Zeit⸗ und Kulturdokument recht bemerkenswert ist. Ort der Handlung: Eine größere Stadt Thüringens. Perso⸗ nen: Ein evangelisches Ehepaar in schwieriger Wirt⸗ schaftslage— die Frau aus bester Familie— mit zwei hochbegabten Knaben im Alter von 7 und 8 Jahren. Milieu: Neben der wirtschaftlichen Not sehr unerfreu⸗ liche Familienverhältnisse. Die Handlung: Von katho⸗ lischer Seite tritt man an die Frau heran und bearbei⸗ tet sie, ihre Kinder katholisch werden zu lassen und in eine katholische Erziehungsanstalt zu geben. Der Erfolg ist ein Brief an den Gatten:„Ich möchte dich doch bit⸗ ten, mir umgehend eine Bescheinigung zu schicken, daß du einverstanden bist, wenn unsere Kinder katholisch werden. Die Kinder haben dann alle Möglichkeiten für eine gute Unterkunft und da die katholische Kirche über glänzende Internate verfügt, stehen den Jungen alle Bildungswege, die wir beide ihnen nicht bieten können, frei. Ich habe mir diesen Schritt schwer über⸗ legt und denke, daß du deinen Kindern den Weg zum kommen nicht verweigern wirst. Auch bitte ich dich, so⸗ fort an das argentinische Konsulat zu schreiben. Die nehmen Leute und ganze Familien drüben an und das Konsulat schickt alle nötigen Formulare nur. Ich er⸗ warte deine Antwort für die Jungen als Geschenk zum 5. Sonntag.“ Der Vater lehnt das Ansinnen ab. Narauf wird er von römischer Seite— Konvertitin— bearbeitet, doch die Einwilligung zu geben, da seine Frau unter den momentanen Umständen Schwierigkeiten kaum machen werde. Zugleich wird eine Zusammenkunft vorge⸗ schlagen, wo man die väterliche Einwilligung gleich mit— nehmen könne. Die Zusammenkunft hat vor Zeugen stattgefunden. Die Verhandlungen aber haben sich— die katholische Mittelsperson hatte die nötigen Schrift⸗ stücke offenbar fertig in der Tasche— zerschlagen, die Kinder sind in einer evangelischen Erziehungsanstalt untergebracht worden. Das Ganze aber, und das ist der springende Punkt, ist heute im Herzen des evange⸗ lischen Deutschlands möglich, wo neben 1 400 000 Pro⸗ testanten nur 40 000 Katholiken gezählt werden. Der Bonifatiusverein— ein Verein zur Katholisierung Andersgläubiger. In evangelischen Kreisen besteht vielfach die falsche Ansicht, der Bonifatiusverein sei ein katholisches Gegenstück zum evange⸗ 2 D r Lebensberuf gemacht hat, naturgemüß erwarten, daß er sich ihm auch auf die Dauer des Lebens widmet, abgesehen von triftigen Gründen zum Austritt. Für selbständige Naturen ist der Schwe⸗ sterndienst eine Erziehung zur Selbstüberwindung und Anter⸗ ordnung. Nur wer nicht dienen gelernt hat, kann dann auch recht herrschen. Für weiche Naturen ist der Schwesternberuf eine Erziehung zur selbständigen Persönlichkeit. Allzu Selbständige und allzu Unselbständige mögen sich fern halten. Daß hier soge⸗ nannte Gebildete mit solchen aus niederen Sichten zusammen⸗ leben und zusammenarbeiten, sollte man in unserem gespaltenen Tolk als eine soziale Tat ersten Ranges anerkennen und fördern. Daß die Bezahlung zu gering sei? Aber die Diakonisse arbeitet überhaupt nicht um Lohn. Ihr Lohn ist, daß sie darf. Und wie gut ist sie versorgt in Krankheit und im Alter. Der Hauptgrund des Schwesternmangels aber liegt im Zeitgeist, dem Dienst und Opfer fremd geworden ist, auch im Widerstand der Eltern, die das Streben der Tochter nicht verstehen. Denn in der neuesten Jugend regt sich wieder der Trieb zu Dienst und Opfer. Aber gerade in den Diakonissendienst mögen nur solche treten, die des göttlichen Rufs gewiß sind. In der Diskussion bezeichnete Pfr. Hickel den Stand der Diakonin als das Manometer für die Leistungsfähigkeit und Lebendigkeit der Kirche. Der Hauptgrund des Schwesternmangels sei die Abneigung gegen Diszilin und Zucht. Als freiere Form empfahl er die Einrichtung der„Luther⸗ Röschen“. In sechsmonatlichem Kursus erhalten junge Mädchen unentgeltlich im hiesigen Diakonissenhaus theoretische und prak⸗ tische Ausbildung zu ihrer eigenen weiteren freien Verfügung Sie helfen da vorübergehend in ihrer eigenen Familie, in der Gemeindepflege oder auf anderen Gebieten des Mutterhauses. Direktor Dreves von der Inneren Mission betonte, daß zuerst der Boden bereitet werden muß dadurch, daß der Geist des Dienens und Opferns in unsere Gemeinde hineingebracht wird, besonders auch durch die Frauenvereine. * —— 000 ⁵ õã ddp dc ——— 8——,——(—— —— „ B — —— Sonnabend, den 23. Oktober 1926. lischen Gustav Adolfverein. Tatsächlich ist der Bonifatiusverein aber ein Propagandaverein, ein Verein, zur Katholisierung Andersgläubiger, der nicht nur wie der Gustav Adolfverein be— drängte Glaubensbrüder in der Zerstreuung unterstützt, sondern auch Eroberungen im protestantischen Gebiete machen soll. Dieser Propaganda- und Angriffscharakter des Bonifatiusvereins wird immer abgestritten. Er kam aber sehr deutlich zur Darstellung auf dem diesjährigen Katholikentage in Breslau, wo der Erz— priester Lichtenberg aus Charlottenburg über den Bonifatius— verein eine Festrede hielt. Ausgehend von„der Sehnsucht, die in vielen frommen Andersgläubigen nach der lieben Mutter Gottes und dem heiligen Altarsakrament lebe“, führte er nach der „Germania“ vom 23. August 1926 aus:„Aufgabe des Bonifatius⸗ vereins ist es, so lange dieses Sehnsuchtsgefühl nicht durch die Wiedervereinigung der Getrennten in Erfüllung gegangen ist, in alle Großstädte neben die herrlichen Gotteshäuser mindestens kleine katholische Kirchen zu setzen, mit dem kostbarsten Kleinod, dem heiligsten Altarsakrament. Der Bonifatiusverein hat nicht nur Pflichten gegen abseits wohnende Katholiken, obwohl es seine erste Aufgabe ist, den Diasporakatholiken zu helfen, sondern auch Pflichten gegenüber jeder Menschenseele, die sich nach dem katholischen Heimatgefühl sehnt. Hier zu helfen, ist nicht nur Aufgabe des Winfriedvereins. Beide Vereine, der Bonifatius⸗ verein und der Winfriedverein, sind beinahe so eng miteinander verbunden, wie die Namen, denn Winfried und Bonifatius sind ja derselbe. Beide Vereine wollen verlorenes Gebiet wieder gewinnen, für unseren König Christus. Der Bonifatiusverein soll zunächst wirken in der Diaspora, zu der natürlich auch die größte„katholische Stadt“ Berlin gehört. Denn gerade hier ist die Not noch überaus groß. Gibt es doch, z. B. hier noch einen Stadtteil, in dem 8000 Katholiken nur den Sonntagsgottes— dienst in einer Schulaula haben. Bischof Korum von Trier hatte durchaus recht, als er sagte: ich wünschte ihnen 100 Priester für Berlin geben zu können, denn Berlin ist ein Heidenland, das missioniert werden muß wie wirkliches Heidenland.“— Das ist deutlich. Der Winfriedbund ist ein ausgesprochener Propaganda⸗ verein, ist also der Bonifatiusverein mit ihm so eng verbunden und verwandt, so ist auch er ein Propagandaverein, was sich aus den ausgesprochenen„Eroberungsabsichten“ ohnehin ergibt. * Die Parität im paritätischen Preußen. Im Frühjahr wurde im Reiche eine großzügige Reklame für die Instandsetzung der Marienkirche in Hannover, die Wind— horst seiner Zeit gebaut hat und wo er auch begraben liegt, be— trieben. Wie üblich fehlte in der Reklame jeder Hinweis da— rauf, daß es sich um eine rein katholische Sache handele. Auf eine Anfrage, ob nicht für die Veranstaltung derartiger rein kon— fessioneller Lotterien bestimmte Weisungen für den Vertrieb und die Reklame bestünden, antwortete das Ministerium für Volks⸗ wohlfahrt, bei der Ausspielung dieser Wertlotterie handele es sich nicht um eine konfessionelle Angelegenheit, sondern um die Erhaltung eines Baudenkmals. Die Vorbedingungen für den Erlaß besonderer Weisungen seien also nicht gegeben. Die Gemeinde Werdohl erbat darauf für ihre evangelische Kirche, erbaut 1866-68,— also älter als die Windhorstkirche—, ein Meisterwerk der Gotik und eine der schönsten im Sauerlande, zwecks Umbaus des Turmes eine staatliche Beihilfe. Vom Lan⸗ deshauptmann in Münster wurde sie abgewiesen mit dem Be— merken, daß nur Kirchen mit Altertumswert berücksichtigt werden. * Das„katholische“ Düsseldorf. Das Presseamt der Stadt Düsseldorf hat eine Broschüre veröffentlicht mit dem Titel:„Düsseldorf und die Große Aus⸗ stellung 1926“. In 100 000 Exemplaren ist sie in Deutschland und im Ausland verbreitet. Durch den hinter der letzten Seite eingehefteten Plan„Düsseldorf Stadtmitte“ wird der Eindruck erweckt, als ob Düsseldorf eine römisch-katholische Stadt sei. Un⸗ ter den Abbildungen von Sehenswürdigkeiten bezw. Verkehrs⸗ Anhaltspunkten befinden sich nämlich drei katholische Kirchen, St. Rochus⸗, St. Lambertus- und Maxkirche mit der Mariensäule, während keine evangelische Kirche abgebildet oder auch nur ge— nannt ist. Dabei ist der geographische Mittelpunkt Düsseldorfs der Königsplatz mit der höchsten und größten Düsseldorfer Kirche, der evangelischen Johanneskirche, einem Bauwerk Kaiser Wilhelms J. Außerdem hätte der fragliche Plan einen Vermerk tragen müssen, der den Fremden auf die berühmte evangelische Friedenskirche mit den Wandgemälden Eduard von Gebhardts aufmerksam macht. Im Text der genannten Schrift wird die Friedenskirche nur in einem Nebensatz erwähnt. Die älteste evangelische Kirche Düsseldorfs, die Neanderkirche, welche nicht an der Straße liegen durfte und deshalb hinter den Häusern der dere Leser der Warte! Verlangt die„Kvängenlsche Ware“ in den Gasthäusern insbeson- in der Sommerfrische. Sorgt für Bestellung, Wo sje nicht zu haben ist. „Evangelische Warte“ rn——— 2 Bolkerstraße steht— ein Wahrzeichen der Gegenreformation— hätte ebensogut wie die in ihrer Nachbarschaft liegende katholische Andreaskirche genannt werden müssen.— Die Fehler wirken um so peinlicher, als die Schrift amtlichen Charakter trägt und 28 Prozent der Düsseldorfer Bevölkerung nur mit fünf ganzen Zei— len in einer Schrift von 68 Seiten plus Stadtplan abgetan wird. Alls Hossen. Zur 400⸗Jahrfeier der Einführung der Reformation in Hessen. Am 31. Oktober ds. Is. wird in ganz Hessen die Vierhundert— jahrfeier der Einführung der Reformation begangen. Damit auch von seiten der Schulen auf diese Wohltat für Hessen ge— nügend hingewiesen werden kann, hat der Herr Staatspräsident Landesamt für das Bildungswesen, folgende Verfügung an die Kreis- und Stadtschulämter und die Direktionen der höheren Lehranstalten erlassen: Auf Anregung des Landeskirchenamtes gestatte ich, daß am 30. Oktober ds. Is., dem Tag vor dem Reformationsfest, in allen Schulen für die evangelischen Schüler und Lehrer eine Schulfeier stattfindet, die der 400jährigen Wiederkehr des Jahres gewidmet ist, in dem in Hessen die Reformation einge— führt wurde. Nach der Schulfeier fällt für die evangelischen Schüler und Lehrer der Untericht aus. Wie weit hiernach die Schulen an diesem Tag ganz zu schließen sind, bleibt Ihrer Anordnung nach den gegebenen Verhältnissen überlassen. Allerlei. Ein neuer Weltkirchenkongreß in Lausanne. Auf Betreiben der amerikanischen Geistlichkeit soll im Som- mer 1927 in Lausanne eine christliche Weltkirchenkonferenz statt⸗ finden, an der sämtliche christliche Kirchen und Gemeinschaften vertreten sein werden, mit Ausnahme der katholischen. * „Auch Brüssel ist eine Messe wert“. Der belgische Kronprinz Leopold hat sich soeben mit der schwedischen Prinzessin Astrid verlobt. Die Schwedin, die aus dem Hause Bernadotte stammt, der seinerzeit, als er König von Schweden wurde, zum Protestantismus übertrat, gedenkt nach berühmten Mustern die Anwartschaft auf die belgische Krone mit dem Uebertritt zum Katholizismus zu bezahlen. Die„Tägliche Rundschau“ Nr. 441 hat Recht, wenn sie die Konversion mit der Bemerkung begleitet:„So wechselt man in diesen Kreisen den Glauben, je nach den Erfordernissen der Politik. Eine Förderung der Glaubenstreue wird dadurch, daß man sie den Untertanen überläßt, jedenfalls nicht bewirkt.“ In Rom wird man über diesen neuen„Sieg“ voller Genugtuung sein, der Protestantismus beurteilt solche„Erfolge“ sehr anders. * Evangelische Buchkritik. Trotz der schwierigen Geschäftslage überstürzen sich auch in diesem Herbst die Angebote buchhändlerischer Neuerscheinungen; der übermäßige Reklameaufwand und das Waschzettel-Unwesen erhöhen noch die Verwirrung und tragen dazu bei, die rechte Auswahl und Beurteilung zu erschweren. Das Bewußtsein von der Notwendigkeit eines von verlegerischen Rücksichten befreiten, das ganze Schrifttumsgebiet umfassenden evangelischen Buch- führers, hat die Evangelische Buchkammer bereits im letzten Jahr veranlaßt, dem katholischen, in 130 000 Exemplaren verbreiteten Borromäus-Ratgeber ein evangelisches Gegenstück im Eckart⸗Rat⸗ geber gegenüberzustellen. Der Erfolg, den dieses Unternehmen in allen literarisch interessierten evangelischen Kreisen gefunden hat, hat die Herausgeber bewogen, auch das Schrifttum dieses Jahres in einem neuen Band des Eckart-Ratgebers zu behan— deln. Ueber 700 Neuerscheinungen— von den theologischen Ge— bieten an bis hin zu Büchern der Körperpflege— werden von 32 Referenten in ebensoviel Abteilungen besprochen, und zwar nicht— wie etwa im katholischen oder dem Ratgeber des Dürer⸗ bundes— mit einem kurzen, stichwortartigen Urteil, sondern in gründlicher Auseinandersetzung und in grundsätzlichen, die Lage in den einzelnen Gebieten umreißenden Aufsätzen. * Tagung des Bibelkreises von Schülern. Breklum, 11. Oktober. In der vergangenen Woche beher— bergten unser Missionshaus und Martineum rund 100 Schüler Aagaaagaaagaganaagaagaagaadaanga audgadggaeegahelee Aachen gadagagadggnggagagggdaggndagacaggdggda g galggsnsdgsggdggga Werbt für oͤie„Evangelische Warte“! Aaneenenannnnnacnsegunaneagnneendtaagghgedlcddüen ta ehsagelcdaggnlddalthanedanghan Aachagagaggagdagggoggchgggsdaggalgggldgggsg daga acogaogadaagadaggsagdgg Zur Hochzeit, allen Festen und Gelegenheiten fertigt Reden, Gedichte, Prologe, Tafellieder usw. schnellstens an Heim⸗Verlag, Radolfzell a. Bodensee. a Albin Klein, Gießen. FP aus Schleswig⸗Holstein und Groß⸗Hamburg, die sämtlich dem so⸗ genannten B-K., d. h. dem Bibelkreise, angehören, welcher schon in den meistan höheren Schulen unsrer Provinz Fuß gefaßt hat, Etwa zehn Herren waren als Leiter mit erschienen, unter denen uns Pfarrer Dr. Kertz⸗Remscheid, Propst Langlo⸗Eckernförde, Studienrat JZacharige-Eckernförde und Sekretär Serchinger vom Christlichen Verein junger Männer, Hamburg, genannt wurden. Ueber den B.-K. ist kurz zu sagen, daß er vor vierzig Jahren von Elberfelder Gymnasiasten gegründet wurde und sich heute über ganz Deutschland verbreitet hat. So befinden sich in Groß-Ham⸗ burg allein zehn Abteilungen, während die Zahl der Gruppen im Nordmarkgau schon zwanzig beträgt. Die Mitglieder kommen regelmäßig zusammen, um in der Bibel als dem uns gegebenen Wort Gottes zu forschen; daneben treiben sie aber auch Spiel und Sport, um dadurch zu zeigen, daß man als„B.-K. ler“ ein frischer, fröhlicher deutscher Jüngling sein kann. Für die Brek⸗ lumer Tagung waren die nachstehenden Themen gestellt, welche in verschiedenen Räumen in Gestalt von Besprechungen behandelt wurden: 1.„B.⸗K. und Freundschaft.“ 2.„Können wir Aelteren mit Erfolg für den B-K werben?“ 3.„Die Primanerfrage im B.⸗K.“.— Es war jedem Mitglied freigestellt, sich das ihm am meistenzusagende Thema auszusuchen, doch wurde bei den ge⸗ meinsamen Zusammenkünften das Resultat der einzelnen Bespre⸗ chungen durch die Vertreter bekanntgegeben. Aus den sonstigen Darbietungen der Woche heben wir das Referat Missionsinspek⸗ tor Pastor Pohls über die Bedeutung der Heidenmission hervor, ferner noch Propst Langlos Vortrag über das Thema:„Du und deine Bibel“, sodann noch die Referate von Studienrat Zacharige über„Der höhere Schüler und die Mädchen“, von Sekretär Ser⸗ chinger:„Der B.-K.-ler und die nationale Frage“, und von Pfarrer Dr. Kertz über„Lebensstil im B.-K,, einschließlich Be— handlung der Alkohol- und Nikotinfrage“. An die Referate schloß sich stets eine frische, lebendige Aussprache. Wie uns gegenüber Breklumer Tagung in hohem Maße befriedigt und erhoffen da⸗ raus eine schöne Frucht für den B.-K. der Nordmark. Zu er⸗ wähnen ist schließlich noch, daß die Teilnehmer am Donnerstag⸗ nachmittag einen Ausflug an die Nordsee unternahmen und bei dieser Gelegenheit auch einen Abstecher in das während der letz⸗ ten beiden Jahre dem Meere abgerungene Neuland, den„Sönke Nissen-Koog“, machten, dessen Werden und Wachsen sie auf der Wanderung mit nicht geringem Interesse verfolgten. ** Ausstellung von völkerkundlichen Gegenständen aus den Arbeitsgebieten der Baseler Mission. Vom 20. bis 27. Oktober findet in Gießen in den Räumen des früheren Hotel Großherzog(Ecke Westanlage⸗ Bahnhofstraße) eine Ausstellung statt, deren Bedeutung über das gewöhnliche Maß solcher Wanderausstellungen weit hinausgeht. Es werden Gegenstände aus den Kulturländern Asiens, China und Indien, z. B. die naturgetreue Nachbildung einer chinesischen Ahnenhalle und solche aus dem dunkelsten Afrika wie Henkermesser und-mütze, Sklavenfessel und-peitsche, sowie Schädel von der berüchtigten Schädelstätte in Asante und Mas⸗ ken von den unheimlichen Losangogeheimbünden aus unserem Kamerun vorgeführt werden. Dazu noch vieles andere, sodaß man einen rechten Einblick in die kultu⸗ rellen Verhältnisse jener Völker und Länder bekommt, die, auf welcher Stufe sie auch stehen mögen, für einen jeden, der Verständnis hat für das Werden und Wachsen der Kultur, von großem Interesse sind. Leider haben wir selber keine Kolonien mehr, was vom volkswirt⸗ schaftlichen Standpunkt aus sehr zu bedauern ist. Haben wir deshalb noch Recht und Pflicht mit jenen Völkern in Verbindung zu treten, ihnen unsere Kultur und Re⸗ ligion anzubieten?— Ja! Gerade das stürmische Ver⸗ langen der Eingeborenen nach der Rückkehr der deut⸗ schen Missionen zeigt das. Wir Deutschen haben ihnen etwas zu geben. Und wir können es gerade durch die Mission, die jetzt wieder auf alle ihre Arbeitsfelder zurückgerufen wird. Wir dürfen darin eine göttliche Fügung erblicken, daß uns Deutschen dadurch Gelegen— heit gegeben ist, der Welt zu zeigen, daß wir nicht ein Volk von lauter Hunnen und Barbaren sind, sondern hohe ideale Güter zu vermitteln haben. So kann ge⸗ rade durch die Mission unser Volk wieder zu Achtung und Ansehen gebracht werden in der Welt. Der Besuch jener Ausstellung, die uns auch mit der Art und Ar⸗ beitsweise der deutschen Mission vertraut macht, kann nur wärmstens empfohlen werden. Blumenhaus Diet Seltersweg 38 Gloßen Fernsprecher 13 Größtes Spezialgeschäft Oberhessens Se Vermittlung von Blumenspenden nach allen Orten Deutschlands. Prompte u. reelle Bedienung. 18 Jahre alt, sucht Stellung..... 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