Erscheint zunächst wöchentlich am Samstag. Bezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus. Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. 0 Schriftleitung: Edwin Hamburger in Staden(Oberh.) 11 1 2 8 Der evangelischen Sache drohen ernste Gefahren! In fast allen Ländern des Reiches zeigen die Erfah⸗ kungen der letzten Jahre, daß wir die Unterdrückten find. Ueberall zeigt sich der außerordentliche Einfluß, die rücksichtslose Herrschaft des Zentrums. Es ist schlech⸗ lerdings unmöglich, in einem Aufruf die diesbezüglichen „Fälle“ landauf, landab aufzuführen. In Bayern vollends räumt das Konkordat der katholischen Kirche im Staat eine Vormachtstellung ein, die diesen Vertrag zu einem Arsenal der Gegenreformation macht. Kennst du, lieber evangelischer Glaubensgenosse, die wichtigsten Bestimmungen dieses Konkordats? Sicherlich nicht. Darum höre und staune! 1. Das bayerische Konkordat bringt durch eine grund⸗ stürzende Umgestaltung des Schulwesens die Schule völlig unter die Herrschaft der römischen Kirche. 2. Es macht in seinem ersten Artikel den Staat zum Diener der römischen Kirche. 3. Es stellt eine gröbliche Verletzung der Gleichberechtigung der Konfessionen dar(die staatlichen Zuschüsse für die katho⸗ liche Kirche sind 3⸗ bis amal höher als es dem zahlen⸗ mäßigen Verhältnis der beiden Bekenntnisse entspricht) und gefährdet so auf das schwerste den konfessionellen Frieden. Das Konkordat räumt schon mit diesen wenigen Bestimmungen der römischen Kirche— die angeblich gleichmäßige Behandlung der evangelischen und katho⸗ lischen Kirche ist nur trügerischer Schein— im bayeri⸗ schen Staat durch nichts begründete Vorrechte ein. Nach Abschluß des Konkordats, das ein weiterer Schritt auf dem Siegeszug Roms über das evangelische Deutschland ist, ist es unsere heilige Pflicht, wachsam zu sein und zusammenzuhalten, damit das Land Luthers vor dem drohenden Reichskonkordat bewahrt bleibt. Das Verhältnis von Staat und Kirche ist nicht durch Konkordat und Staatsvertrag zu regeln, sondern durch Staatsgesetz. 5 Auch der Hirtenbrief, den die katholischen Bischöfe Deutschlands zu Beginn des Jahres 1925 erlassen haben, perdient ernsteste Beachtung. Ganz offen wird hier der Rückkehr der Evangelischen zur katholischen Kirche das 5 Wort geredet. Jedem Katholiken wird hier ans Herz 1 gelegt, für diese Zurückführung zu beten! Die Bemerkung des Zentrumsabgeordneten Wil⸗ dermann hat vollends allem Erlebten die Krone aufgesetzt. Dieser wagte am 30. April im preußischen Landtag in seinen Ausführungen anläßlich der Reichs⸗ präsidentenwahl folgenden geradezu unglaublichen Aus⸗ spruch:„Der Papst und die katholische Kirche haben wiederholt den Sozialismus wie den Protestantismus 155 Irrlehren bezeichnet. Von uns zweifelt kein Mensch aran.“ Nflngstsehnsucht. en en er t= ind gt — 2 2 2 882—— pee. ̃¾⅛ cbLt f ² ð?, pp., 2 1 Men feen Apostelgeschichte 2,4. Sie wurden alle voll des 1 70 10 heiligen Geistes, und fingen an, zu predigen mit bn anderen Zungen, nach dem der Geist ihnen gab aus⸗ 'offee zusprechen. Pfingsten, das Fest des heiligen Geistes, ist wiedergekommen. — Da denken wir an jene wunderbare Geschichte, die sich in Jerusa⸗ eem bei den Jüngern zugetragen hat. Sie waren erst so furcht⸗ fs am, verkrochen sich vor den Juden, schlossen sich ängstlich ein. da eines Tages traten sie öffentlich hervor, hielten begeisterte abi bel Predigten, sagten jedem, daß sie Jesusgläubige seien. Alles gage ll Bolt, das dabei war, staunte. Selbst Ausländer, die nicht die fell Sprache Palästinas sprachen, verstanden durch das Feuer der malle Rede, was diese Männer zu verkünden hatten. Das war eine 11 gewaltige Stunde heller Begeisterung. All. u. Was war denn nur geschehen? Der Tröster, den Jesus dusk le einen Jüngern verheißen hatte, war zu ihnen gekommen un⸗ b ichtbar, aber gewaltig. Da hielt es sie nicht mehr in den ver⸗ ö chlossenen Stuben. Sie waren innerlich ergriffen. Das Herz 1. 555 war ihnen übervoll. Sie mußten an die Oeffentlichkeit, mußten —— eden, mußten zeugen, mußten bekennnen. Da floß ein Strom K deiliger Rede von ihren Lippen. Da brauchte sich keiner zu be⸗ nt innen, was er sagen wollte. Die Worte flossen nur so, wie der 15 Peist sie ihnen gab. Das war das Werk jenes unsichtbaren hei— äs, igen Geistes. 1—.— Was hat dieser heilige Geist alles in der Welt schon hervorge— 7% bracht! Ueberall dort, wo gottgewollte Werke vollbracht werden, 0 dort ist dieser mächtige Geist tätig. Wir können ihn selbst nicht ehen. Aber an den heiligen Werken dürfen wir ihn erkennen. An den Menschen, die rechte Kinder Gottes sind, erkennen wir hn. Denn„welche der Geist Gottes treibt, das sind Gottes Kin— wo wir demütiges Beten finden, dort ist heiliger Geist. Wo wir 1 Evangelische Warte drvan der evangellschen Boltsgemeinschaft Abonnements⸗ u. Anzeigen⸗Annahmestelle, Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher 1362. Postscheckkonto 8437 Frankfurt⸗M. Sonnabend, den 22. Mul 1926. Warum ist das alles im evangelischen Deutschland möglich? Weil die Evangelischen keine politische Organi⸗ sation und darum keine freien, unabhängigen evangeli⸗ schen Persönlichkeiten in den Parlamenten haben, die für die evangelischen Interessen mit aller Entschieden⸗ heit eintreten. Es hat sich gezeigt und zeigt sich immer wieder, daß es keine Partei gibt, die mit vollem Ernst sich geschlossen für die Vertretung der evangelischen Weltanschauung im öffentlichen Leben einsetzt. Des⸗ halb tut uns Evangelischen eine politische Einigung bitter not. Entschließungen und Proteste, wie viele sind aller⸗ orts in den letzten Jahren gefaßt worden, sind völlig nutzlos und bringen uns keinen Schritt weiter. Auch die Not der Zeit erfordert die aktive Mit⸗ arbeit jedes Christen an der Gestaltung des kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Lebens in Staat und Gemeinde. Die Meinung, Politit habe mit Religion nichts zu tun, ist durchaus falsch. Diese irrige Meinung hat uns Evangelische zu der jetzt offenkundigen politi⸗ schen Machtlosigkeit geführt. Es ist hocherfreulich, daß in der großen Botschaft der Weltkonferenz für praktisches Christentum in Stock⸗ holm sich folgender Satz findet: „Die Konferenz hat die Pflicht anerkannt, das Evangelium auf allen Gebieten des menschlichen Lebens zu der entscheidenden Macht zu machen im industriellen, sozialen, politischen und internationalen Leben.“ Ohne die obersten Grundsätze des Christen⸗ tums, der Gerechtigkeit und der Liebe, können wir die moralischen und sozialen Fragen, die Fragen des wirtschaftlichen Lebens, nicht lösen. Ohne die Grundsätze und Lebenskräfte des Evangeliums lösen wir die großen innen⸗ und außenpolitischen Aufgaben in unserem deutschen Vaterland nicht! Wie das Eintreten für unsere evangelischen Be⸗ lange und das Vertreten der obengenannten Anschau⸗ ungen im öffentlichen Leben, in Staat und Gemeinde, so fehlt auch bei den Parteien das soziale Verständnis für die Nöte der schaffenden Stände. Im Blick auf diese Nöte dürfen lebendige Christen nicht mehr länger un⸗ tätig zusehen, sie müssen sich für die berechtigten Forde⸗ rungen des schaffenden Volkes, vor allem auch für eine durchgreifende Wohnungsfürsorge, mit aller Kraft ein⸗ setzen. Im Streit um Dinge, die für den Augenblick ganz belanglos sind, vergessen selbst namhafte evange⸗ lische Persönlichkeiten ihre nächsten Pflichten gegen ihre Volksgenossen. Das muß anders werden. Wir müssen heraus aus unserer politischen Machtlosigkeit, um nicht noch weiter unterdrückt zu werden. Wir müssen evangelische Grund⸗ etwas unter Menschen von der Einigkeit im Geiste bemerken, dort ist heiliger Geist. Es gibt Zeiten, in welchen dieser heilige Geist von den Menschen ganz verdrängt wurde. Es waren Zeiten, in denen ein hochmütiger Menschengeist herrschte, oder Zeiten, in denen die Bestie im Menschen die Oberhand erhielt. Das waren aber immer finstere, dunkle Zeiten, in welchen sich die Menschen nicht freuen konnten. In solchen Zeiten sehnte man sich dann nach dem heiligen Geiste. Dann kamen wieder Zeiten, in denen der heilige Geist in mächtiger Begeisterung wirksam wurde unter den Menschen. Denken wir uns die Zeit, da Martin Luther lebte. Damals waren alle guten Geister aus der verweltlichten Kirche entschwunden. Dann trat Dr. Martin Luther auf, ein gewaltiger Prediger Gottes, erfüllt vom heiligen Geiste. Ohne ängstlich auf die öffentliche Meinung zu horchen, fegte er mit starker Hand die Kirche aus bis sie wieder heilig und geweiht war. Damals haben alle deutschen Lande aufgehorcht. Die Flugblätter mit den Reden Dr. Martin Luthers wurden in allen Städten verbreitet. Ueber⸗ allhin drang die helle Begeisterung für das teure Evangelium. das Volk atmete auf, als dieses Geisteswehen spürbar wurde. Das war eine selige Zeit für unser deutsches Volk. Da hat heiliger Geist die deutschen Lande durchbraust. O unser armes deutsches Volk! Wie sieht es heute bei dir aus? In der Zeit der politischen Wirren, haben viel daran ge— dacht, unserem Volke das Christentum, die Religion zu nehmen. der“. Dort, wo wir ewige Wahrheit, wo wir göttliche Weisheit, Man wollte es machen, wie in Rußland, oder Gott absetzen, wiee in Frankreich. In Frankreich aber hat man gerne wieder Gott Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg., am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen Vergünstigung. Nummer 21. Evangelische Volksgenossen! sätze in der Politik d. h. in Gemeinde-, Staats⸗ und Völkerleben zur Geltung zu bringen suchen zur Rettung des deutschen Volkes und der gesamten Menschheit. Das alles soll erreicht werden durch die Evange⸗ lische Volksgemeinschaft. Durch sie soll die Fackel des Evangeliums in das öffentliche Leben hineingeworfen werden. Im Vertrauen auf Gott und das gute Recht unserer Sache ist die Evangelische Volksgemeinschaft trotz mancherlei Bedenken gegründet worden. Wir brauchen eine große geschlossene Front der evangelischen Christen. Deswegen stehen wir auch mit den christlich⸗ sozialen Gesinnungsgemeinschaften in Arbeitsgemein⸗ schaft und werden bei wichtigen Angelegenheiten mit diesen Hand in Hand arbeiten. Wir glauben zuversichtlich, daß die Evangelische Volksgemeinschaft ein wirksamer Faktor im öffentlichen Leben wird, ein gut Teil zur Gesundung unseres Volkes beitragen wird, umso mehr, je stärker sie ist. Wir rufen darum unsere evangelischen Brüder und Schwestern auf, sich uns anzuschließen. Nachdem unsere erste Reichstagung den Grund für unsere Arbeit gelegt hat, nachdem der schöne Wahlerfolg in Oberhessen, der uns im Herbst v. J. ohne jede Agitation 5 Mandate brachte, und unsere erste Werbearbeit in Rheinhessen, Hessen⸗Nassau und vielen anderen Gegenden unseres deutschen Vaterlandes den Beweis erbracht haben, daß das evangelische Deutschland die Evangelische Volks⸗ gemeinschaft als selbständige Partei will, wollen wir uns nun zielbewußt von Person zu Person und in Dorf und Stadt für die Evangelische Volksgemeinschaft wer⸗ ben und wirken und unsere Freunde in Organisationen sammeln. Dabei brauchen wir die tatkräftige Mitarbeit jedes lebendigen evangelischen Christen. Ansere Werbearbeit wird außerordentlich gefördert werden durch die ab 1. November 1925 erscheinende Wochenzeitung „Evangelische Warte“. Ein von vielen Evangelischen lange gehegter Wunsch ist damit in Erfüllung gegangen. Die„Evan⸗ gelische Warte“ will nicht nur eine Zeitung für Kultur und Politik nach evangelischen Grundsätzen sein, sondern eine evangelische Zeitung in des Wortes bester Bedeu⸗ tung. Sie will deutsch-evangelische Art und Gesinnung zur Geltung bringen und alle volksverderblichen Mächte in jeder Gestalt bekämpfen. Sie will evangelischen Sinn und evangelisches Leben auf allen Gebieten des Lebens wecken, fördern und vertiefen helfen. Sie wird guten belehrenden und unterhaltenden Lesestoff bringen. Die äußere und innere Mission sowie die Gustav⸗Adolf⸗ Vereinsarbeit wird ausgiebig zu Worte kommen. Zu den brennenden Fragen des öffentlichen Lebens wird Stellung genommen werden. Heilige ertötet ist. Dazu erlaubt man sich, in unserem Volke Pläne zu verfolgen, die ernstzunehmen einem schwerfällt. Aber daß sie überhaupt auftauchen können, das ist ja schon ein schlimmes Zeichen fehlenden Geistes. Die Gemeinschaft prole⸗ tarischer Freidenker haben einen Gesetzentwurf ausgearbeitet, in welchem bestimmt werden soll, daß Kinder unter 10 Jahren keinen Religionsunterricht erhalten dürfen. Eltern und Lehrer, die dagegen verstoßen, sollen mit Geld oder mit Haft bestraft werden. Also, du Mutter, die du deinem kleinen Kinde von Jesus Christus erzählst, du, die du deinem Kindchen die kleinen herbeigeholt, als das Volk verrohte und sich niemand mehr vor ö einer Sünde fürchtete. Bibeln sogar in den Staatsdruckereien hergestellt, nachdem Tschitscherin bereits in den letzten Jahren die Einfuhr von Bibeln aus Deutschland erlaubt hatte. uns gekommen. Aber wie viele unserer deutschen Volksgenossen werden wie Tiere, verrohen vollständig, weil in ihnen alles In Rußland werden jetzt eine Menge 0 Soweit ist es ja nun nicht bei Fingerchen zusammenlegst und sprichst mit ihm das Abend- oder Morgengebetchen, du erteilst Religionsunterricht, du mußt dann in das Gefängnis. Wenn wir auch nicht fürchten müssen, daß je ein solches Gesetz in einer deutschen gesetzgebenden Körperschaft angenommen wird, so ist es doch furchtbar traurig, daß es Menschen gibt, welche auch Deutsche sind und so etwas überhaupt ausdenken. Weil aber unser Volk so wenig heiligen Geist hat, deshalb kann es ihm nicht gutgehen, sondern es weist diese Zer⸗ rissenheit und innerliche Morschheit auf. Aber, lieber Leser, wir dürfen auch nicht blind sein gegen⸗ über einem neuen Geisteswehen in unserem Volke. In den großen Städten weht schon ein neuer, heiliger Geist. Dort ist auch die Jugend, über welche auf den Dörfern noch häufig ge— klagt wird, in weiten Kreisen von diesem Geist erfaßt. Und wenn wir das hören, dann erfaßt uns erst recht die Sehnsucht nach diesem Geiste. Damals ist ein Brausen durch die Jüngerschar ge— gangen. Ach, wenn doch auch ein solches gewaltiges Brausen durch unser armes deutsches Volk ginge, daß es mächtig erfaßt würde vom heiligen Geist! Ach, daß es doch Pfingsten werde in unserem lieben deutschen Volke! Komm, heiliger Geist, Herre Gott, Erfüll mit deiner Gnaden Gut Deiner Gläubigen Herzen, Mut und Sinn, Dein brünstig Lieb entzünd in Ihn'! Amen. Hr 1 22 e Sonnabend, den 22. Mai 1926. Es ist gewiß nicht nötig, die Notwendigkeit und Be⸗ deutung einer evangelischen Zeitung, woran in Deutsch⸗ land gewiß kein Ueberfluß herrscht, ausführlich dar⸗ zulegen in einer Zeit, in der im Lande Luthers die evangelischen Belange offenkundig mit Füßen getreten werden, in der Zeit der Vorherrschaft Roms, in einer Zeit gewaltiger Geisteskämpfe. Wir sind fest überzeugt, daß das Erscheinen unserer Zeitung aufs freudigste be⸗ grüßt wird. Wir rechnen bestimmt auch auf tatkräftige Unterstützung unseres Unternehmens und richten darum an dich, lieber evangelischer Glaubensgenosse, die fol⸗ genden ebenso herzlichen wie dringenden Bitten: 1. In den Familien, in Freundes⸗ und Bekannten⸗ kreisen, in den christlichen Vereinen für die Zeitung eifrigst zu werben. 2. Vor allem dafür besorgt zu sein, daß die neue Zei⸗ tung von allen Gasthöfen des Ortes bezogen wird. 3. In Zukunft bei allen Anzeigen unsere Zeitung zu derücksichtigen, auch Freunde und bekannte um Be⸗ rücksichtigung bei Aufgabe von Anzeigen(Stellen⸗ gesuche usw.) zu bitten. Die Bezugsgebühren der„Evangelischen Warte“ betragen monatlich nur 50 Pfennige durch die Post frei ins Haus. Probenummern in größerer Zahl können von dem Verlag in Gießen, Südanlage 21, be⸗ zogen werden. Und nun noch eins: Die Evangelische Volksgemein⸗ schaft wird und darf sich nicht dem Gott Mammon ver⸗ kaufen. Wir müssen allein aus eigener Kraft unsere Bewegung halten, um völlig unabhängig und ehrlich allen schaffenden Ständen des deutschen Volkes dienen zu können. Wenn wir das nicht fertig bringen, dann können wir alle Hoffnung fahren lassen, daß jemals in den heutigen Zuständen eine Aenderung eintritt. Evangelische Volksgenossen, wir vertrauen auf Euren evangelischen Opfersinn. Die Hoffnung derer, die da glauben, der Evangelischen Volksgemeinschaft bald ledig zu sein, weil sie sich nicht aus eigener Kraft halten könne, muß zu Schanden gemacht werden. Es muß folgendes geschehen: Der Mitgliedsbeitrag von mindestens 3,00 Mark muß umgehend bezahlt werden. Die„Evangelische Warte“, die nur für rein evan⸗ gelische Interessen eintritt, muß in jedem evangelischen Haus gelesen und unterstützt werden. Auch in unseren Reihen gibt es eine große Anzahl von Mitgliedern, die neben dem ordentlichen Beitrag von Zeit zu Zeit noch ein größeres Opfer bringen kön⸗ nen. Diese rufen wir hiermit noch einmal besonders zur tatkräftigen Anterstützung der Evangelischen Volks⸗ gemeinschaft auf. Alle Beiträge bitten wir einzusenden auf das Konto der Evangelischen Volksgemeinschaft Nr. 593 bei der Bezirkssparkasse in Nidda(Postscheckkonto Frankfurt/ M. 8907). Beitrittserklärungen erbitten wir an die Reichs⸗ Geschäftsstelle in Oberlais(Oberhessen). Die Gründung der Evangelischen Volksgemeinschaft wird eine evangelische Tat, wenn jeder evangelische Ehrist der neuen Bewegung beitritt, für sie wirbt, sie eifrigst fördert. Tua res agitur— um Deine Sache handelt es sich ja, lieber evangelischer Glaubensgenosse. Darum auf zur Tat! Tretet der Evangelischen Volksgemeinschaft bei! e 11 8 für die Evangelische Volksgemein⸗ aft! 0 Lest und fördert die„Evangelische Warte“. Mit evangelischem Gruß! Der engere Vorstand der Evangel. Volksgemeinschaft. Professor Niemann⸗ Gelsenkirchen, 1. Vorsitzender. Bürgermeister Völker⸗Lich, 2. Vorsitzender. Pfarrer Weidner⸗Oberlais, Geschäftsführer. Eine römische Falle! Por einiger Zeit brachten verschiedene Zeitungen — auch die„Evangelische Warte“— einen Artikel, in dem die Rede war von den Plänen des Papstes für die „Zusammenfassung“ sämtlicher christlicher Kirchen der Wer mich bokennel. Von Erwin Gros. 9. Fortfetzung. Hans Heeger aber schlug den Weg zum Obertor ein:„Was hatte das alles zu bedeuten?:— Er war samt seinem Meister und dessen Mutter bei Peter Kitz zum Mittagessen eingeladen. Dieser wollte dadurch seine Dankbarkeit bezeugen. Der Tisch war schon gedeckt, man hatte offenbar auf Hans schon gewartet. „Nun,“ fragte Peter Kitz,„hat's wiederum Zank und Stank in der Kirche gegeben?“ Ehe aber Hans Heeger antworten konnte, sagte Frau Kitz? an der alles so behäbig rundlich war wie an ihrem Manne hager und eckig:„Alleweil wird von der Sache nichts geschwätzt. Meint ihr, ich hätte den ganzen Mor⸗ gen am Herd gestanden und gesotten und gebraten, damit ihr jetzt mir und euch das Essen verderbt? Wenn ihr nachher rund— herum satt seid, dann seid ihr gemütlicher; hungrige Leute ärgern sich zu sehr.“ Peter Michel brummte etwas in seinen Bart. Die alte Mutter Vogelsberger aber sagte:„Deine Frau hat recht. Wenn du nicht so gallig wärst, wärst du auch nicht so dürr.“ „Siehst du, Peter,“ lachte Hans Vogelsberger,„die Weibs⸗ leute halten immer zusammen. Es ist gut, daß wir heute drei Mannskerle gegen die zwei Weibspersonen sind. Sonst wären wir ganz und gar verloren und müßten abscheulich kleine Bröt⸗ chen backen. In fröhlicher Stimmung verlief das Mahl. Sorgsam schnitt Mutter Vogelsberger ihrem Sohne, der nur die linke Hand ge⸗ brauchen konnte, das Fleisch vor, und der Rotbart sagte lachend: „Evangelische Warte“ Erde zu einer einheitlichen Weltkirche, oder offen gesagt: von den Plänen des Papstes für die bedingungslose Rückkehr der nichtkatholischen christlichen Kirchen, also auch der deutschen evangelischen Kirchen, in die Römisch⸗ Katholische. Etwas anderes kann ich mir wenigstens unter dieser„Zusammenfassung“ nicht vorstellen, denn eine Einigung, etwa auf einer mittleren Linie, ist ja doch im Hinblick auf die allgemein bekannte Unduldsam⸗ keit der alleinseligmachenden Kirche vollständig aus⸗ geschlossen. Wie auch in der s. Zt. im„Höchster Kreis⸗ blatt“ erschienenen Antwort auf diesen Artikel ganz richtig bemerkt wurde, genügt ja schon der Hinweis auf die Stockholmer Konferenz, an der teilzunehmen sich der Papst weigerte, trotzdem diese Konferenz noch nicht ein⸗ mal dogmatische Fragen berührte, um die Unmöglich⸗ keit einer solchen Einigung zu erkennen. Nun könnte man diesem Artikel, der geeignet ist, die öffentliche Meinung irrezuführen, stillschweigend„zu den Akten“ legen, wenn er nicht auch die Mitteilung enthielte, ein englischer protestantischer Bischof sei nach Rom gekom⸗ men, um diesem vom Papst geplanten Zusammenschluß der Kirchen die Wege zu ebnen, gewissermaßen im stillen Einvernehmen mit den in Frage kommenden Kirchen. Zunächst soll erreicht werden, daß auch die Protestanten das vom Papst neu eingeführte und auf den——— letzten Sonntag im Oktober eines jeden Jahres festge⸗ setzte Fest Christo Re als Kirchenfest anerkennen und mit⸗ feiern.„Wenn die protestantischen Kirchen sich tatsäch⸗ lich an der Feier des neuen Festes beteiligen sollten, so würde das einen großen Fortschritt(2) bedeuten und den Zusammenschluß der christlichen Kirchen näher⸗ rücken“, so heißt es wörtlich in dem Artikel. Ist das nicht eine Dreistigkeit sondergleichen, eine Forderung, die mit aller Entschiedenheit zu⸗ rückgewiesen werden muß? Ausgerechnet den Ge⸗ burtstag der evangelischen Kirche, den Tag, an dem unser Dr. Martin Luther sein großes Lebenswerk be⸗ gann, hat man für das neue Fest, an welchem auch wir uns beteiligen sollen, ausgesucht? An diesem, für uns so bedeutungsvollen Tage soll der Anfang mit der Ver⸗ nichtung des Protestantismus gemacht werden? Das wagt uns eine Kirche zu bieten, die es im letzten Grunde dem großen Reformator zu verdanken hat, daß sie heute überhaupt noch religiöse Lebensmächte in sich trägt, eine Kirche, die ohne Luther in dumpfem Aberglauben, in heidnischer Welt⸗ und Sinnenfreudigkeit versunken und untergegangen wäre! Offenbar hält man uns auf römischer Seite für so dumm, daß man uns eine derartige Falle stellen zu können glaubt oder man ist tatsächlich der Meinung, wir Evangelische des 20. Jahrhunderts wüßten den Wert der evangelischen Geistesfreiheit und des reinen Evan⸗ geliums nicht mehr zu schätzen. Mag die anglikanische Kirche, die schon seit langem mit Rom wieder lieb⸗ äugelt, in den Schoß der römischen Kirche zurückkehren, wenn sie Lust dazu hat und mögen auch gewisse prote⸗ stantische Kreise hier in Deutschland ebenfalls dazu be⸗ reit sein——— die überwiegende Mehrheit der deut⸗ schen Protestanten, davon bin ich überzeugt, wird unse⸗ rem Martin Luther, dem Begründer des deutschen Christentums, dem Apostel der Deutschen, die Treue halten. K. Holl. Wothenjthau. In Genf tagt zur Zeit der Prüfungsausschuß für die Jusammensetzung des Völkerbundrates. Während der Vertreter Frankreichs immer noch an die Vermeh⸗ rung der ständigen Ratssitze denkt, teilte der Vertreter Englands mit, daß er von seiner Regierung die strikte Weisung habe, gegen eine solche Vermehrung der Rats⸗ sitze mit Ausnahme der durch Deutschland zu stimmen. In Paris ist das Luftabkommen zwischen Deutsch⸗ land und Frankreich zustande gekommen und befreit unsere Luftschiffahrt recht wesentlich von den ihr in Ver⸗ sailles geschmiedeten Fesseln. In England hat der Generalrat des Gewerkschafts⸗ kongresses, um die Fortführung der Verhandlungen zwischen den Bergarbeitern und den Bergwerksbesitzern zu ermöglichen, den Generalausstand für den 12. Mai, so rasch wie möglich zur Arbeit zurückzukehren. Der Ausstand der Bergarbeiter geht unvermindert weiter. Aus Berlin kam die wenig erfreuliche Meldung, daß das Kabinett Luther gestürzt sei. Wegen der Flag⸗ el genverordnung der Regierung vom 5. Mai 1926, welche ie vorschreibt, daß die deutschen Gesandtschaften und Kon⸗ ii sulate neben der Regierungsflagge auch die Handels⸗ 1 flagge zu führen haben, wurde im Reichstag ein von den Demokraten gestellter Mißtrauensantrag mit 176 gegen 146 Stimmen bei 103 Enthaltungen angenom⸗ mitternacht abgesagt und die Arbeiter aufgefordert, men. Der Fehler, daß man dem republikanischen Deutschland zwei Farben gegeben hat, rächt sich nun hart. Unser Volk war dadurch von vornherein in zwei Lager zersplittert. Es wird wohltuend sein, wenn wir wieder die auch von Reichspräsident von Hindenburg gewünschte„Einheitsflagge“ haben. In Düsseldorf wurde am 8. Mai im Beisein des Reichskanzlers Dr. Luther die große Ausstellung für Gesundheitspflege, soziale Fürsorge und Leibesübungen eröffnet. Eine ganze Reihe von Haussuchungen wurden von dem Berliner Polizeipräsidium am 11. Mai bei Füh⸗ rern rechtsgerichteter Verbände vorgenommen. Es soll sich dabei um die Aufdeckung einer Bewegung handeln, welche die Diktatur in Deutschland einführen will. Die „Tägliche Rundschau“ erinnert dabei an den Ku⸗Klux⸗ Klan und die Ritter vom feurigen Kreuz und nimmt an, daß es sich auch diesmal um eine Ente handelt. Was jeder Evangelische wissen muß. Nun auch eine Jesuitenfakultät in Deutschland? Sehr alarmierende Nachrichten kommen aus dem Westen. Nach dem„Wiesbadener Tageblatt“ vom 3. Mai und der„Frankfurter Zeitung“ vom 5. Mai 1926 löst der Jesuitenorden seine theologische Lehranstalt in Valkenburg(Holland) am 1. Juni des Jahres* auf und verlegt sie nach Frankfurt am Main. Hier hat der Orden bezw. der bischöfliche Stuhl in Limburg das bekannte Anwesen des Bankiers von Grunelius 200 im Vorort Oberrad erworben, das gegenwärtig für die Zwecke des Ordens umgebaut wird. Der Jesuiten⸗ orden wird nicht nur seine Valkenburger theologische Hochschule hierher verlegen, sondern auch die Ausbil⸗ dung des Weltklerus der Diözese Limburg übernehmen, der bisher in Fulda ausgebildet wurde. Demgemäß haben die seither an das Fuldaer Priesterseminax über⸗ wiesenen Studierenden der Theologie aus der Diözese Limburg diesen Sommer ihr Studium in Valkenburg (Holland) bei den Jesuiten begonnen, um dann im Herbst an die neue Frankfurter Jesuiten-Hochschule über⸗ zusiedeln. Wie weiter zugegeben wird, sind Verhand⸗ lungen mit der preußischen Staatsregierung eingeleitet, um jenes Jesuitenkolleg nach dem Muster von Inns⸗ bruck als vollgültige katholisch-theologische Fakultät an die Frankfurter Universität anzugliedern. Unter diesen Umständen dürfte das bisher in Fulda bestehende katho⸗ lische Seminar wohl eingehen.— Ein neuer Beweis, welche Fortschritte die Jesuitisierung des deutschen Kle⸗ rus und die Gegenreformation in Deutschland durch zielbewußte Arbeit machen! * Gefängnisstrafe für Religionsunterricht. Die„Deutsche Zeitung“ vom 7. Mai 1926 berichtet über einen Gesetzentwurf der Gemeinschaft proletarischer Freidenker nach der„Sächsischen Arbeiterzeitung“, der der sozialistischen und kommunistischen Fraktion im sächsischen Landtage unterbreitet ist. Er wirft ein ab⸗ sonderliches Licht auf die Kulturhöhe der proletarischen Freidenker. In dem fünften von sechs Paragraphen dieses Entwurfes heißt es:„Personen unter 10 Jahren darf Religionsunterricht nicht erteilt werden.“ Auch dürfen sie nicht vor der Zeit des Schulunterrichts(auch nicht in den Freizeiten) zum Gottesdienst oder ähnlichen kirchlichen Uebungen herangezogen werden. Zuwider⸗ handlungen werden an den Veranstaltern oder an den Eltern mit Geld oder Einschließung(Haft) betraft.. „Ich meine gerade, ich wäre wieder ein kleiner Bub, und mein 0 Vater selig täte mich gleich am Ohrläppchen ziehen, weil ich auf das neue Tischtuch da einen Flecken gemacht habe. Nichts für ungut, Mutter Kitz, aber ich bin heute ein wenig sehr linkisch.“ Nach dem Essen steckte sich Hans Heeger ein Pfeischen an. Er hatte zum Glück noch einen Ersatz im Felleisen gehabt. Peter Kitz hielt gerade eine Prise Schnupftabak zwischen den Fingern und sah kopfschüttelnd dem Gekringel des Rauchers zu. „Was habt ihr nur davon, Hans, wenn ihr einen Dampf macht, daß man meint, das Backhaus wird angeheizt!“ „Ei nun,“ erwiderte Hans lächelnd,„genau dasselbe was ihr davon habt, wenn ihr eure Nase mit dem schwarzen Ruß— zeug zum Schornstein macht.“ „Ach was,“ knurrte Peter Kitz,„das ist etwas ganz anders. „Jawohl,“ lachte seine Frau,„bei euch Mannsleuten ist das etwas ganz anders; wenn wir Weiber aber einmal ins Wirts⸗ haus gingen und rauchten und schnupften, was tätet ihr dann sagen?“ „Ich täte gar nichts sagen,“ erwiderte Hans Vogelsberger. „Ich täte mein Testament machen, denn dann ginge die Welt hurtig unter.“ „Wenn die Welt untergeht, braucht man kein Testament mehr zu machen,“ brummte Peter Kitz. Die Frauen trugen nun den Tisch ab und verließen die Stube. „Nun, Hans, ihr wart wohl nicht sonderlich erbaut von eurem Kirchenbesuch? Statt Gottesdienst Katzbalgerei, es ist eine Schande. So geht es nun Sonntag für Sonntag.“ Also Peter Kitz. Hans Heeger erzählte nun kurz, was er am Vormittag er⸗ mann Stubenrauch residiert. Dann hat er den Lehrer Ruppel 0 lebt und schloß mit den Worten:„Was bedeutet die Geschichte, ich kann mir's ganz und gar nicht erklären.“ Darauf Peter Kitz:„Ja, das ist eine lange Geschichte, ver⸗ zwickt und verwickelt wie ein Rattenkönig. Holzhausen hat schon vor dem großen Krieg dem Hause Hessen gehört. In den Wir⸗ ren jener grausigen Zeit aber ist auf einmal der Kanzler von Kurmainz erschienen, Reygersberg hat er geheißen, und hat er⸗ klärt, er wäre mit einem Teil Holzhausens von Seiner kaiser⸗ lichen Majestät belehnt worden. Mein Großvater hat mir mal erzählt, dahinter hätte eine rechte Spitzbuberei gesteckt. Der Reygersberg habe von einem andern Herrn von Adel, der auf Holzhausen ein Recht zu haben glaubte, ein Himmelgeldspiel ge⸗ kriegt, damit er beim Kaiser dies Recht verfechte. Was abet tat der fürnehme Kanzler— das Geld steckte er ein und ließ sich selbst den Lehnsbrief ausstellen. Natürlich gab das nun ein Advokatengezerr; ich weiß nicht, wie oft mein Großvater deswegen nach Frankfurt befohlen worden ist! Na, und wenn mal die Rechtsverdreher dazwischen sind!— Mein Vater hat immer zu mir gesagt:„Vor Advokaten und Bäckerbrot behüt uns lieber Herre Gott!“ stens alles beim Alten gelassen und unsere Konfession nicht an⸗ 0 getastet. Er wird sich wohl in dem erschwindelten Lehen nicht so recht wohlgefühlt haben. Darum hat's sein Sohn, der Stadt- schultheiß von Aschaffenburg war, an den Freiherrn Franz Adolf Dietrich von Ingelheim verkauft. mals in mein zweiundreißigstes Jahr. Was hat man seitdem nicht alles erlebt! Zuerst hat der Freiherr ein Himmelspiel Land angekauft, damit er mal Boden unter die Füße bekam; nachher kam das große Haus am Untertor dazu, darin jetzt der Amt⸗ — Aber der Reygersberg hat wenig⸗ Das war 1687, ich ging da⸗ 3— 2 — Sonnabend, den 22. Mai 1926. „Evangelische Warte“ F f Nr. 2 Sonntagsgeoͤanken. Sonntagsmorgen im Maien. Im Feierklange schallen die Glocken über Täler und Berge, über Dorf und Stadt. Auch sie haben ihren eigenen Ton zur Maienzeit. Sie läuten den Segen über die blühende Gotteswelt. dert. 25 da J 5. Die christlichen Gewerkschaften sind eine welt⸗ en Aus Politik und Parlament. anschaulich und organisatorisch geschlossene Gemeinschaft. dun Die Amerikaner über Hindenburgs Präsidentschaft. Nur in dieser Geschlossenheit können sie ihre standes⸗ 5 15 5 Das Newyorter Blatt„World“ vergleicht in einem und volkspolitischen Ziele erreichen. Alle Bestrebungen wih leitartitel mit der Ueborschrift Ein Jahr Hindenburg von außen, die diese Geschlossenheit gefährden und die ga. die Ergebnisse seit der Wahl Hindenburgs mit den vor- darauf hinausgehen, sich der organisatorischen Macht der christlich⸗nationalen Arbeiterschaft zu parteipoliti⸗ dels ährigen düsteren Prophezeihungen der Alliierten. Die von seutige Stabilität Deutschlands sei dem deutschen Volke, ber Staatsform und dem Charakter Hindenburgs zu⸗ uschreiben, dem warme Anerkennung gebühre für seine byale Pflichterfüllung. Das deutsche Voll besitze gleich⸗ alls praktischen Sinn was für seine politische Zukunft sielversprechend sei. Die Hauptlehre des ersten Jahres Hindenburg sei jedoch, daß der deutsche Liberalismus ind Pazifismus durch die vernünftigere Haltung der llliierten gestärkt worden sei. Zwar fühle Deutschland geschwerden wegen der Kriegsschuldfrage, wegen seiner stellung zwischen den gerüsteten Völkern, wegen seiger unge Ostgrenze und wegen des Kolonialproblems bei gerech⸗ gen er Behandlung jedoch und wenn ihm sein Platz in der bölkerfamilie eingeräumt sei, brauche man keine Furcht 11 ir den deutschen Republikanismus zu hegen. ** al Die Stellung der christlichen Gewerkschaftsbewegung ndely, Die 5 zum Staat. lux Auf dem Dortmunder Kongreß wurde folgende t aß, Entschließung einstimmig angenommen 1. Die christlichen Gewerkschaften stehen positiv zu — illem, was das deutsche Volk und damit die deutsche Arbeiterschaft im christlichen und nationalen Sinne boe⸗ I wärts und auswärts führt. Daraus ergibt sich die be⸗ d? ahende Stellung der christlichen Gewerkschaften zum Staat und zu seinen christlich⸗nationalen Grundlagen. s den betreu ihren Grundsätzen lehnen die christlichen Ge⸗ von verkschaften nach wie vor alle Bestrebungen ab, die auf 10% legalem Wege eine Aenderung der Staatsform herbei⸗ tal führen wollen. Höher als die Staatsform steht der Jahres 13 selbst in seiner Aufgabe für das Volk. ler. Staatsbewußtsein und Verantwortung des Volkes ig due in allen Schichten gegenüber dem Staat sind die besten linz Foraussetzungen ersprießlichen, staatlichen Lebens. Diese lig f Poraussetzungen sind nur zu gewinnen, wenn alle Volks⸗ suiten, schichten Einblick in die Staatsaufgaben und die Staats⸗ logic jührung sowie Einfluß auf den Staat haben. Die lüsbi. ghristlichen Gewerkschaften bekennen sich aus diesen Er⸗ ehne, bägungen zum im christlichen Geiste wirkenden natio⸗ igen falen Volksstaat. L üben 2. Jeder bestimmende oder mitbestimmende Einfluß Diön des Volkes auf den Staat hat politische Parteien zur enbum Folge. Auf Parteien lastet im parlamentarisch regier⸗ nei en Staat letzten Endes die politische Verantwortung. le üben Das gegenwärtige deutsche parlamentarische Re⸗ erhol, gierungssystem kann als vollkommen nicht angesehen selels werden. Verfassungsänderungen und Gesetze allein In teichen aber nicht aus, einen besseren Zustand zu be⸗ itt gründen. Wesentlich ist hierzu eine geistige und po⸗ diese sitische Umstellung des einzelnen Deutschen und des e kath' ganzen Volkes. Beweis 3. Sinn des parlamentarischen Regierungssystems en Kle. daß die Parteien oder Parteigruppierungen, die die d du Bezel darstellen, mit der Staatsführung betraut werden. Beestand, Ziele und Aufgaben der christlichen Ge⸗ werkschaften können nicht abhängig sein von wechselnden geil 10 barlamentarischen Koalitionen. Unter jeder Regierung, ich wie immer sie sich auch zusammensetzt, haben die christ⸗ torische sichen Gewerkschaften die ihnen eigenen Aufgaben zu age, de erfüllen und den einmal als notwendig erkannten Zie⸗ ion ih len zuzustreben. Pflicht der aus der christlich⸗nationalen ein ah Arbeiterbewegung hervorgegangenen Abgeordneten ist zarishe“ es, bei jedweder parlamentarischen Koalition die Rechte graph der Arbeiterschaft zu wahren und für die gleichberech⸗ Jahrg tigte Eingliederung der Arbeiterschaft in Staat, Gesell⸗ du scaft und Wirtschaft besorgt zu sein. [u 4. Mit der Mitgliedschaft in einer christlichen Ge⸗ clic werkschaft ist die Teilnahme an Bestrebungen, die gegen zuwide“ die Grundsätze der christlichen Gewerkschaftsbewegung c an de. perstoßen, unvereinbar. traft.——— — is der Wohnung vertrieben. Die große Stube auf dem Rat⸗ Cech baus wurde zum Kirchensaal hergerichtet, drin liest der Priester ton Obererlenbach jetzt die Messe. Denn die Römischen neh⸗ nen von Jahr zu Jahr zu. Will ein Lutherischer ins Ort hinein, schen Zwecken zu bedienen, werden abgelehnt. Parlamentarische Reformen. Reichstagspräsident Loebe der dem Aeltestenrat des Reichstages in seiner letzten Sitzung eln Programm zur Reform der Parlamentsberatungen unterbreitet hat, erklärte, daß die Beratungsweise des Reichstags allmählich eine Form angenommen habe, die dem An⸗ sehen des Reichstages auf die Dauer abträglich werden müßte. Bereits jetzt sei eingeführt, daß die Plenar⸗ verhandlungen des Reichstags um 2 Uhr beginnen und um 6 Uhr enden, also nur 4 Stunden dauern. Um für diese beschränkte Zeit eine nahezu lückenlose Anwesen⸗ heit aller Abgeordneten zu erreichen, sollen in jeder Fraktion drei Einpeitscher bestimmt werden, die auf die Anwesenheit der Abgeordneten zu achten hätten. In der sozialdemokratischen Fraktion sei diese Einrichtung bereits getroffen. Das Verbot der Verlesung von Reden soll schärfer als bisher gehandhabt werden. Die Reihen⸗ folge der Redner soll nicht mehr wie bisher nach der Größe der Fraktion bestimmt werden, sondern es soll eine kontradiktatorische Art für die Debatte eingeführt werden, so daß immer ein Redner für und ein Redner gegen den zur Diskussion stehenden Punkt spreche. Die Redezeit bei minderwichtigen Themen soll noch weiter als bisher eingeschränkt werden. Die einstündige Rede⸗ zeit soll nur für die große außenpolitische Aussprache und für grundsätzliche Fragen bestehen bleiben. Auch sollen die größeren und kleinen Parteien nicht dieselben Redezeiten erhalten. Endlich soll die Frage geprüft werden, ob nicht wie im englischen und im französischen Parlament Zwischenbemerkungen und Fragen der Ab⸗ geordneten während der Rede eines anderen eingeführt werden können.„Die Vertreter aller Parteien“, schloß Loebe, haben meine Anregungen günstig aufgenommen und zugesagt, sich mit ihren Fraktionen darüber zu be⸗ sprechen.“ 1 Friedensbewegung. Eine Eingabe des Bundes religiöser Sozialisten gab dem Thüringer Landeskirchentag Anlaß zu folgender, einstimmig beschlossener Kundgebung: Landeskirchentag weiß sich mit dem Bunde reli⸗ giöser Sozialisten einig in der Erkenntnis, daß er zu den selbstverständlichen Pflichten, die christliche Ge⸗ sinnung uns auferlegt, gehört, den Krieg überwinden, Frieden und Verstehen zwischen den Völkern begrün⸗ den zu helfen. Doch ist nicht zu verschweigen, daß geschlossene Friedensverträge und politische Friedensbestrebungen nicht immer Schritte auf dem Wege zu jenem Frieden der Wahrheit und Gerechtigkeit sind, nach dem heute die Sehnsucht weithin in der Welt aufsteigt und daß, solange auf Erden Kriege geführt werden, der Christ seinem Vaterland in der Not mit Gut und Blut bei⸗ zustehen hat. Der Friede, den das Evangelium den Men⸗ schen verkündigt und darreicht, weist die Herzen und Gedanken über eine Welt voll Sünde und Gedanken hinauf zu dem höchsten Gut der Gottesgemeinschaft in Christus, und ist darum die stärkste Macht, die aus allen Völkern Menschen n und be⸗ wegen kann, mit Gebet, ort und Arbeit für einen rechten Frieden auch in den irdischen Beziehungen der Menschen und der Völker untereinander zu wirken, wie es auch auf der Weltkonferenz in Stockholm ver⸗ sucht wurde. Dazu soll der christlichen Gemeinde jeder Sonntag einen immer neuen Antrieb geben, ohne daß es der Festsetzung eines besonderen Sonntags dafür zu be⸗ dürfen scheint. Eine weckt die andere zum gemeinsamen Glockenchoral am Früh⸗ lingssonntag. Nicht hart und dumpf ist ihr Schall, weich und lockend und jubilierend. Die gleiche Glocke, die gestern noch hin⸗ ter einem Trauerzuge einem Menschen auf seinem letzten Wege läutete, dumpf und schwer, sie jubelt heute am Maiensonntag⸗ morgen und kündet der Welt das Gegenteil von gestern— das Leben.— Und golden steigt die Sonne empor, und es ist, als würde sie reiner und heller strahlen als sonst am Morgen des Alltags. Lerchen steigen jubilierend zum strahlenden Firmament, in den Gärten schmettert die Singdrossel ihr Liedchen vom Lenz und im Walde singt ein Massenchor. Das große Wunder ist geschehen. Die Welt steht wieder in L., und Wlüten. Niemand kann an diesem heiligen Werdegang vorübergehen, ohne ein tiefes Gefühl der Ergriffenheit vor diesem Schöpfer⸗ willen. Die Erde ist jetzt Braut und der blaue Himmel ihr Bräutigam. Wie mit den Augen der Liebe blickt er auf die ge⸗ schmückte Erdenbraut. Maiensonntag— Hochzeitstag der Erde. Nun sollst du wie⸗ der einmal glücklich sein, du wunderschöne Welt! Und alles wandert hinaus, nur Frau Sorge bleibt dahein in ihrer schwarzen Kammer. Sie traut sich nicht mit ihrem Gram und Jammer aus ihrer Hütte. Im hellen Sonnenschein würde sie erblinden, der Sang der Vögel würde sie taub machen. Frau Sorge, kannst ja ruhig sein, Die Zeit wird schon noch kommen, Da du dein Reich führst ganz allein, Es wird Dir nicht genommen! Nur jetzt zu dieser Frühlingszeit Voll Sonnenschein und Blüten, Voll Menschenglück und Seligkeit Dein Kämmerlein magst hüten! Waldfried. Allerlei. Die neue Ausbildung der Volksschullehrer. Soeben wurde— am 1. Mai— im Beisein des preußischen Unterrichtsministers Dr. Becker in EL bing die erste evangelische pädagogische Akademie in Ostpreußen, die zugleich die erste in Preußen ist, eröffnet. Bekanntlich findet nach Auflösung der Lehrerseminare die Ausbildung der Volksschullehrer künftig auf solchen Akademien staktt. Man erwartet von ihnen die Ueber⸗ brückung der Kluft zwischen der höheren Schulbildung und der Volksschulbildung. Am 16. Mai wird eine zweite pädagogische Akademie als katholische in Bonn eingeweiht werden. 8 Die Rückkehr der Bibel nach Rußland. Lange hat die Bibel im Rußland der Sowjets zu den verbotenen Büchern gehört, was bei der bekannten Einstellung der dortigen Machthaber ja kein Wunder ist. Freilich gab schon vor zwei Jahren der Volkskommissar für das Auswärtige, Tschitscherin, die Erlaubnis, Bibeln dürfen gegen Verzollung eingeführt werden. Infolge der bei der Verzollung gemachten Schwierig⸗ keiten war diese Einfuhr aber nicht der Rede wert. Jetzt hat man es erreicht, daß Bibeln in Rußland selbst ge⸗ druckt werden dürfen. Die Vorarbeiten für den Druck der neuen russischen Bibeln sind geleistet. Die russische Regierungsdruckerei„Komintern“ hat selbst die Her⸗ stellung der Stereotyp⸗Platten übernommen. Allen religiösen Organen, die Bibeln herzustellen wünschen, sollen die Platten zur Verfügung stehen. Die erste Druck⸗ erlaubnis ist dem„Bund evangelischer Christen“ be⸗ willigt worden. Für denselben werden 25 000 Stück hergestellt. Die Gemeinden der russisch⸗orthodoxen Kirche sollen ebenfalls Druckerlaubnis erhalten. Der Bibeltext ist der der Bibelausgabe von 1907, die der ehemalige„Heilige Synod“ anerkannte. Gedruckt wird Kirche mit dem Seulberger Lehrer zu singen?— Zuerst wird der Lehrer von Seulberg nicht mehr in die Kirche gelassen, dann wird sich schon ein Vorwand finden, auch dem ehrwürdigen Herrn Heß, unserm lutherischen Prädikanten von Seulberg, das Gotteshaus zu verbieten. Und dann,— dann sind wir eine Herde ohne Hirten.“ „Mir tut nur unser lutherischer Schulmeister Ruppel leid. Hessen⸗Homburg bedroht ihn mit Strafen und der Ingelheim bedroht ihn mit Strafen; der eine verbietet, was der andere be⸗ fiehlt. Der arme Kerl fällt immer mehr vom Fleisch vor lauter Angst und Aufregung. Neulich hat er zu mir gesagt,„ach, lieber Meister Vogelsberger, wenn's doch nur keinen Sonntag mehr gäbe!“ Peter Kitz seufzte:„Darum hat das arme deutsche Volk dreißig Jahre lang geblutet und gelitten, daß Friede und Frei⸗ heit käme in Religionssachen. Merkt ihr in Holzhausen etwas davon? In vierzehn Tagen beehrt der Ingelheim wieder ein⸗ mal unser Oertchen mit seinem hohen Besuch, und wenn er, wie letztesmal, seine Jagdhunde mitbringt, dann muß die Gemeinde auch für die in den Säckel greifen und es noch für eine hohe Ehre taxieren. Bin doch sehr neugierig, was Holzhausen dann für Neuigkeiten erfährt. Es mag aber kommen, wie es will,— ich bleibe bei dem Evangelium und dem Augsburger Bekenntnis, und wenn es Haus und Hof kostet. Lieber arm mit dem Herrn Christus, als reich mit dem Herrn in Rom! Sollen wir uns durch die Leute in den welschen Dörfern drüben beschämen lassen? Da sei Gott vor!“ Eine steile Falte erschien zwischen den Augenbrauen des Sprechers; sein Gesicht war ein Spiegel seiner inneren Ent⸗ schlossenheit. (Fortsetzung folgt.) * Die zugedeckte Stimme. Von Wilhelm Müller⸗Gordon. Ein Knabe las in einem Märchenbuche. Doch da es heute nicht mehr ausreichend nur eins zu tun, so hatte er sich außerdem einen Kopfhörer umgelegt und hörte Nadiomusik. Wovon er mehr genoß, ob Märchen oder Musik, wer will es sagen; doch plötzlich schien ihm etwas zu mißfallen. Im Ohr erklang es ihm: „Wir unterbrechen jetzt unser Konzert und übermitteln Ihnen einen kurzen Tendenzbericht der Berliner Vorbörse.“ Das interessierte den Knaben weniger als nicht, und er legte den Hörer hin. In der Erwartung, daß das Konzert wieder bald aufgenom⸗ men werden würde, mochte er nicht erst ins Nebenzimmer gehen, um den Apparat abzustellen. Aber der Börsenbericht erklang so laut aus dem Hörer, daß es ihn arg störte. So ergriff er denn ein Kissen und deckte den Hörer zu. Die Stimme erstarb.— Doch nein.— Gerade als er sie nicht mehr vernahm, kam dem Siebzehnjährigen der Gedanke: Ist diese Stimme jetzt nicht mehr, nur weil ich sie nicht höre?— Nachdenklich fand ihn seine ins Zimmer tretende Mutter. Seine Hand hob das Kissen.„Sieh, Mutter,“ sagte er,„eine zu⸗ gedeckte Stimme“. Die feine Frau wurde bleich; aus tiefen Augen blickte sie ihn an und sagte ernst:„Das Furchtbarste, was es gibt.“ „Ist es so, Mutter?“ „Alles Mißverstehen zwischen Menschen und Völkern kommt daher und alles Leid der eigenen, unbegriffenen Seele.“ Dann schwiegen beide, denn es bedurfte nicht vieler Worte zwischen ihnen. Im Zimmer aber gewann Gestalt Monument: die zugedeckte Stimme. und wuchs zu einem jichte, ve 10 der muß ein barbarisches Einzugsgeld bezahlen, einem Römi⸗ den Ul schen aber wird es erlassen. Alle Mischehen müssen die Kinder let bn hutholisch werden lassen; ja sogar die armen Waisenkinder, i hot venn auch Vater und Mutter dem Evangelium zugetan waren, 1 alte nüssen in die katholische Schule gehen; denn die ist uns beschert 1 i md vorden, wenn's der Gemeinde auch das doppelte Geld kostet. 1% Fatürlich gab's dann auch Wetterfahnen, die sich nach dem Winde 10 a0 krehten. Ihr habt ja drei davon gesehen, Hans— den Peter 15 121 9 Michel, den Gerhard Feuerbach und den Hans Michel Kunz. 0 000 Dafür zum Lohn hat man den Peter Michel, obwohl er noch 119 0 licht recht trocken hinter den Ohren war, zum Schultheiß gemacht, . 115 10 ind die zwei anderen zu Gerichtsschöffen. Ich mußte über die 0 ee klinge springen, weil ich zu widerspenstig war. Und neuerding⸗ 1 üürfen Brautleute nicht mehr zum lutherischen Pfarrer Heß, und 7 ein, sie werden gezwungen, nach Obererlenbach zu gehen und 2 om römischen Priester sich kopulieren zu lassen.“ bol 1„Jawohl,“ fiel Meister Vogelsberger ein,„ich bin mal be⸗ 1g sierig, wie es dem Sohn des Kronwirts gehen wird. Das Hom⸗ nich% urger Konsistorium hat ihn mit hundert Reichstalern gebüßt; dhe b sie der Herr Stubenrauch bezahlt, der ihn doch kommandiert der e bat?“ Fal 15 Wie es gehen wird? Der Landgraf ist klein, der Kaiser b ann, i groß Der Kalser ist römisch und der Ingelheim ist römisch. laß 10 Dazu ist der Ingelheim Präsident vom Reichskammergericht in iel 1 Wetzlar, wie soll man da gegen die hohe Exzellenz Recht krie⸗ m 710 zen? Da verklagt man den Teufel beim Beelzebub. Wenn er 1 ich nicht so sicher fühlte, so würde er jetzt nicht unsern lutherischen Sottesdienst antasten. Wer verbietet denn den Leuten, in der Sonnabend, den 22. Mai 1926. aber nach dem neuen Alphabet. Großen Einfluß auf die neuen Maßnahmen, deren Erfolg, was in Rußland stets angebracht ist, man wird abwarten müssen, hat der bekannte Methodistenbischof D. Dr. Nuelsen gehabt, der auch die Bildung einer russischen Bibelgesellschaft angeregt hat. Standesbildung. Es liegt in den Verhältnissen und in der daraus sich ergebenden Erziehung des Arbeiters, daß er vont anderen Kreisen und Ständen sich zurückgesetzt, verachtet, ausgebeutet und betrogen glaubt. Er kann nicht in eine engere Fühlung kommen, sondern sieht sich vereinsamt und unterlegen und hält es für undenkbar, daß gebil dete, geistig und gesellschaftlich hochstehende Personen ihn wirklich achten und verstehen. Die Arbeit wird als Last und Plage empfunden. Nur der Arbeiter, der seiner Arbeit als Beruf, als eine Berufung von Gott ansieht, auf das in ihn gesetzte Vertrauen stolz ist und ganz in seiner Arbeit aufgeht, wird sich als Glied des Ganzen fühlen. Er wird emp— finden, daß die Kluft zwischen ihm und den anderen Ständen nicht unüberbrückbar ist. Mit diesem Bewußt sein wird auch die Freude am Leben und der vorwärts— strebende Trieb in ihm nicht fehlen. Nicht ein Paulus, Luther oder Bismarck kann ein jeder sein, aber er soll danach streben, das, was geistig hochstehende Persönlich— keiten herausgearbeitet haben, auch für sich nutzbar zu machen. Nicht der Zwiespalt mit sich selbst, die Frage, warum bin ich„ich“ und nicht der, dem es in jeder Beziehung bundes haben beschlossen, das 8 8 8 An unsere Mitglied „Evangelische Warte“ besser geht, ermöglicht dem Arbeiter ein Vorwärtskom⸗ men. Das Bewußtsein aber, daß er als Glied einer Kette, als Keimzelle eines Ganzen geschaffen ist und die Pflicht hat, der ihm gestellten Aufgabe an seinem Wir kungsort gerecht zu werden, wird ihn befriedigen. Dieses Pflichtbewußtsein auch in kleinen Dingen wird sich jedoch nur bei den Arbeitern ausprägen, die den tiefinneren Wert des Lebens erfassen. Denen wird es auch klar sein, daß die Fülle der vorhandenen Arbeitsbildungsmöglich— keiten, sei es auf dem Gebiet der Praxis oder des Wis— sens, auch und gerade für sie geschaffen sind. Bedauerns wert ist, daß die in den letzten Jahren geschaffenen Volkshochschulen von allen anderen, nur nicht von Ar beitern oder nur von einem kleinen Prozentsatz solcher besucht werden. Der falsche Gedanke, ich bin Arbeiter und kann mich nicht mit dem und dem vergleichen— kann auch geistig das nicht erreichen, was andere kön— nen— hält sie davon ab, den leisesten Versuch zur Selbst entwicklung anzustellen. Auch in anderen Ständen muß jeder seine Fähigkeiten entwickeln. Beim Arbeiter be— darf es allerdings eines besonders großen Maßes von Geduld, Anstrengung und Ausdauer, wenn er, ermüdet von des Tages Last im Betriebe, in der kurzen Freizeit noch geistige Schaffenskraft aufbringen soll. In unserer Zeit mit ihrer Ueberzahl neuer Bücher und Jeitungen ist es jedem selbst überlassen, was er mit wirklichem Nutzen lesen will. Hier die rechte Wahl zu treffen, vermag nur derjenige, der innerlich gefestigt ist und weiß, wie er an sich zu arbeiten hat, um vorwärts zu kommen. Dankbar wird jeder evangelische Arbeiter den Män nern sein, die in Wichern- und Stöckerschem Geiste eine evangelische Standesbewegung, die Arbeitervereins— bewegung, geschaffen haben, durch die es möglich ist, auf dem Gebiete der Arbeiterbildung das zu bieten, was dem Einzelnen und somit dem Ganzen förderlich und dienlich ist.(Ev. Volksbote.) Tue Deine Pflicht! Gib zur Zeppelin⸗Eckener⸗Spende! Luftfahrt wird frei! Und fallen wird die Fessel, Die unsern Luftschiffbau gefangen hielt, Die uns den Weg zum Weltverkehr verwehrte Und auf Vernichtung unserer Luftfahrt hingezielt. Luftfahrt wird frei! Tu' Deine Pflicht! Und opf're Deine Gabe Dem Werk des unvergessenen Zeppelin, Der Vorbild Dir in eisenfestem Willen, Wenn noch so oft sein Schiff verloren schien. Tu' Deine Pflicht! Stolz fährt Dein Schiff! In harter Zeit geschaffen Durch Deine Gabe, mühsam Dir erspart; Es weist der Welt den Weg zu neuem Aufstieg Durch stete, sich're, unbeirrte Fahrt. Stolz fährt Dein Schiff! 8000060008009 9888888888889 οοοοοοοοοοοοοοοο er und Freunde in Hessen! Die Parteivorsitzenden und die Landtagsfraktionen der Deutschnationalen Volkspartei, der Deutschen Volkspartei und des Hessischen Land⸗ D . 2 bolksbegehren auf Landtagsauflösung in Hessen einzutragen. Näheres später! a s durchzuführen. So bedauerlich es ist, daß dadurch dem hessischen Volk neue schwere politis darf doch auch die Evangelische Volksgemeinschaft diesen Kämpfen nicht untätig zusehen. Ohne daß wir uns die Gründe der obigen Parteien für alles Notwendige zur Auflösung des Landtags tun, weil wir der Meinung sind, daß das Volksbegehren zu eigen machen, werden wir unsererseits Kämpfen dazu berufen ist, durch die Beseitigung der derzeitigen gerade die Evangelische Volksgemeinschaft in den bevorstehenden politischen Regierung, die wenig sozialen Sinn gezeigt hat, die völlig unter der Herrschaft des Zentrums steht, großen Dienst zu tun. Wir richten darum schon heute an unsere Namen in die offen liegenden Listen Die Evangelische Volksgemeinschaft in Hessen. SSG SSS SSS SSS SSS SSG SSS SSS SSS SSS Zur Hochzeit, allen Festen und Gelegenheiten fertigt Reden, Gedichte, Prologe, Tafeklieder usw. schnellstens an Heim⸗Verlag, Radolfzell a. Bodensee. Existenz. Zum Besuch der Wirte und Privatkundschaft des nördlichen Ober⸗ 4 N mit täglich benötigten Gebrauchsartiteln wird Herr als elsevertreter sofort gesucht. Der Verkauf erfolgt nach einer Musterkollektion. 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