Evangelische arte 5 d der E lischen Volk f f 05 rgan 8 organ der Evangelischen Volksgemeinschaf W— ⁵˙* ũ wbb i———„—.— 8 5 Erscheint zunächst wöchentlich Samstag. 5 a 1 Anzei ise: die 3 ite Kleinzei ärts 24 Pfg., enen, 50 bis wendig i me hun ee e ie e ee ee Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. 15758 1 5 905 6555 e N Südanlage 21. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen bun Schriftleitung: Edwin Hamburger in Staden(Oberh.) Fernsprecher 1362 und 1145. Postscheckkonto 8437 Frankfurt a. M. Vergünstigung. unge: 5—————— 1% 2. Jahrgang Sonnabend, den 21.“ 2 f s 100 2.8. onnabend, den 21. August 1926. Nummer 34. 1 An unsere Mitglieder und Freunde! deu, 5 Auf unserer 1. Reichstagung in Gießen am 2. Juni v. Is. war beschlossen worden, daß die 2. Reichstagung im Herbst 1926 in Gelsenkirchen 1 U stattfinden solle. Mit Rücksicht darauf, daß voraussichtlich im Volksstaat Hessen im Herbst Landtagswahlen sind, daß wir im letzten Jahr nicht nur in u Hessen und Hessen⸗Nassau, sondern auch in fast allen Gegenden des Reiches viele neue Mitglieder und Anhänger gewonnen haben, berufen wir in Ab⸗ 10 änderung des obigen Beschlusses für ihn 0 0 2 0„ Sonntag, den 3. und Montag, den 4. Oktober 1920 die 2. Neithstagung nath Frankfurt a. M. 5 9 5 Auf dieser Tagung spricht auch Reichstagsabgeordneter Dr. Best über das Volksbegehren für eine gerechte Aufwertung. 100 Wir bitten heute schon unsere Mitglieder und Freunde, sich für diesen Tag bereit zu halten und nach Möglichkeit für diese 2. Reichstagung zu werben. 0 Der 3. Oktober muß ein gewaltiges Bekenntnis zu unserer guten Sache werden. Näheres später. be Mit evangelischem Gruß 15 Der engere Vorstand der Evangelischen Volksgemeinschaft: 891 Professor Niemann⸗Gelsenkirchen, Bürgermeister Völker⸗Lich, Pfarrer Weidner Ober⸗Lais. an en di 72 eine solche Gemeinschaft. Sie ß klassenlos sein, gestellte Aufgabe t, nämlich die, de d Klas 0 9 Versöhnung der Klassen. sie der Versebnung det Klassen dienen soll. In ihr ga dienen better dn für sie maglechen Wee Ul 8 2 müssen wir eine Bindung eingehen, die noch wichtiger J die eigene Klasse soll wohl auch ein Leiden tragen, wie 00(Schluß.) als die an die Klasse ist. Wir sind verloren, innerlich es in dieser Prägung keine andere Klasse kennt. Mir Halt und äußerlich, wenn die Bindung an die Klasse unsere will es scheinen, als liege im Dienen und Leiden der Wenn es nun aber so unsagbar traurig steht mit dem Verhältnis der Klassen zueinander: was sollen wir da tun? Für uns, die wir Christen sein wollen, gibt es zunächst gar nichts anderes, als zu fragen: wie meint es der Mächtige, der uns in dieser Zeiten Bruch und in die Klassennot hineingestellt hat? Wie er's meint, das 10 steht in seinem Wort, und wenn uns das gesagt wird, . in seiner ganzen Wucht, groß, heiß, tief, so daß jeder 5 spürt, wie es ihn angeht, dann wissen wir, was wir sol⸗ ill len. Wir müssen den Frieden suchen, müssen eins wer⸗ den mit den anderen. Weil wir zu Christus gehören, darum gehören wir zueinander. Aus der Gotteskind⸗ schaft ergibt sich der Wille zur Brüderlichkeit. Hier erst wird es uns deutlich, wie falsch es wäre, die Versöhnung aus Gründen der nationalen und wirtschaftlichen Zweck⸗ mäßigkeit zu wollen oder gar aus reinem Ruhebedürf⸗ nis heraus sie anzustreben. Die Erfahrungen der letz⸗ h ten Jahre haben es uns schmerzhaft eingebrannt, daß r it die Not des Vaterlandes und der Jammer einer zer⸗ Ab⸗ rütteten Wirtschaft nicht imstande sind zu einen und zu versöhnen. Und aus Ruhebedürfnis wird die Versöh⸗ nung nicht erwachsen, denn zu ihr bedarf es des heißen, wagenden Mutes. Weil Gott es will, hat die Versöh⸗ nung zu geschehen. Mit ihm müssen wir verbunden sein, wenn wir mit unseren Volksgenossen uns verbinden wollen. Mit ihm müssen wir versöhnt sein, wenn wir Versöhnung mit anderen suchen. So gilt es also, zuerst Denn dort wird man uns immer recht⸗ fertigen, entschuldigen verteidigen. Und damit ver⸗ breitet und vertieft sich die Kluft von Tag zu Tag. Bei der Bindung an die Kirche aber werden wir gemahnt, angefordert, angeklagt, in fortdauernde Unruhe versetzt. Diese Unruhe ist aber nötig, wenn wir zur höheren Ruhe der Gemeinschaft mit den anderen kommen wollen. So sollen wir uns also von der Klasse lösen? Zu⸗ nächst wird zweifellos der göttlich Erfaßte in eine Iso⸗ lierung innerhalb seiner Klasse gestoßen werden. Und das ist eine schmerzhafte Sache. Ohne Wunden kommt keiner davon, der erkannt hat, wie er in schwersten le h⸗ ten Dingen einsam steht und keine menschliche Gemein⸗ schaft ihm seine Verantwortung abnehmen kann. Aber erst durch diese Isolierung wird er reif zur Hingabe und zum Dienst. Aus dem Einsamen quillt das Ge— meinsame. Das darf nie Aufgabe der Kirche sein, den Klassenangehörigen seiner Klasse abspenstig zu machen, vielmehr wird sie ihn in dem Maße zum Dienst an seiner Klasse ausrüsten, als sie es mit ihrer göttlichen Berufung ernst nimmt. Ansere Kirche muß vom Klas⸗ senschicksal wissen, um es göttlich zu deuten, sie muß die Klassenversuchungen kennen, um mit ihnen ringen zu können. Sie wird uns nicht das Klassenbewußtsein nehmen, sondern— und man erschrecke nicht ob des eigenartigen Wortes— sie wird uns stärken und stei⸗ gern. Sie soll es verbinden mit dem Bestimmungs⸗ einzige bleibt. eine tiefste Gemeinschaft herzustellen, von der aus eine Feindschaft nicht mehr möglich ist. Ansere Kirche ist hen, a. 8 Die Pflicht zur Enthaltsamkeit. 1. Kor. 10,23. Ich habe es zwar alles Macht, aber es frommet nicht alles; ich habe es alles Macht, aber es bessert nicht alles. Ist Enthaltsamkeit wirklich eine Pflicht? Wovon sollen — wir uns wohl enthalten? Es gibt eine Pflicht, sich von allem . zu enthalten, was Sünde ist. Ist denn nun für jeden Menschen füt W alles die gleiche Sünde? Sünde nennen wir doch, was uns von „57 Gott entfremdet und uns den Frieden des Gewissens nimmt. irt Nun ist es durchaus nicht für jeden dasselbe, was ihm diesen hießen Frieden stört. Denn es gab schon in Korinth wie auch heute 1 unter uns starke Menschen, welche sich von den Lüsten der Welt nel! nicht anfechten lassen, und schwache Menschen, welche ferne von der Welt bleiben müssen, um nicht in der Welt unter zu gehen. el. Ein Fehler ist es demnach, Regeln ausstellen zu wollen, g welche für alle gleiche Gültigkeit haben. So machten es die — Juden mit ihrer Anzahl von Satzungen. So machten es die au Pharisäer, welche ihre Menschensatzungen für alle gelten lassen — wollten. Gewiß muß eine bestimmte Grundlage da sein, welche 1 für alle gültig ist. Im Alten Testament sind dies die 10 Gebote. Jesus nimmt eine noch vielumfassendere, wenn auch kürzer aus⸗ gedrückte Grundlage an in dem Doppelgebot der Liebe. Aber gegen Einzelsatzungen, welche für alle gelten sollen, nimmt Jesus 6 ganz entschieden Stellung. Gerade die Schwachen sind in der Gefahr, von den Anderen Enthaltsamkeit zu fordern in Dingen, welche für sie allein ge⸗ fährlich sind. Diese schwachen Menschen können sich gar keine starken Charaktere denken. Sie fordern, daß alle Menschen das meiden sollen, was für sie Sünde ist. Das ist aber gar nicht für jeden anderen Menschen auch Sünde. Ich muß da immer an ö jenen Mann denken, der mit seinem schwachen Magen manche bewußtsein, soll uns sagen, wie jede Klasse ihre göttlich so ist es mit anderem. Ich kenne einen Mann, wenn dieser in Gesellschaft ist und Alkohol trinkt, dann trinkt er immer vier⸗ mal so viel Glas Bier, wie ein anderer. Der Grund ist der, daß der Alkohol ihn reizt, immer mehr und mehr zu trinken. Bald ist er dann betrunken und weiß nicht mehr, was er tut. Diesem kann ich nur die völlige Enthaltsamkeit von jedem Alkohol raten. Denn er ist für ihn eine Versuchung zur Sünde. Aber damit ist doch nicht jeder so geartet, daß der Alkohol ihn zur Sünde führt. Der Eine beherrscht eben seine Genüsse, wäh⸗ rend ein Anderer ein Schwächling ist und durch die Genüsse be⸗ herrscht wird. Paulus sagt ja auch ausdrücklich:„Alles ist euer!“ Hier an obiger Stelle schreibt er:„Ich habe es alles Macht.“ Also sollen die Schwachen nicht fordern, daß sich Starke wie die Schwachen gebährden. Für den Einen ist das Tanzen ein Reiz zur Sinnlichkeit. Dann gehört er zu den Schwachen und er soll enthaltsam sein. Für den Anderen ist der Tanz ein harmloses Vergnügen. Dann braucht er nicht enthaltsam zu sein. Die Pflicht der Enthaltsamkeit besteht demnach zunächst einmal nur für den Schwachen, der in der Gefahr steht, in Sünde zu fallen. Nun wird mir vielleicht ein guter Bekannter vorrücken, daß ich auch einmal eine Zeit lang völlig enthaltsam gelebt habe. Ganz richtig! Es gibt auch für die Starken eine Pflicht der Ent⸗ haltsamkeit. In einer meiner früheren Gemeinden war ein Trinker, der seine Familie in das tiefste Elend gebracht hatte. Die Frau stellte auf Anraten ihres Geistlichen beim Gericht An⸗ trag auf Entmündigung des Ehemannes, dem vom Gericht stattgegeben wurde. Zum Vormund glaubte das Gericht mich als den Seelsorger des Trunksüchtigen berufen zu müssen. Ich wußte, daß dies im vorliegenden Falle ein schweres Amt sein werde, doch nahm ich es schließlich an. Da war es mir nun 9 Speisen nicht vertragen konnte— Wenn er dann dabei war und zusah, wie man seelenruhig diese für ihn verbotener Speisen aß, donn begann er die schlimmsten Folgen zu prophezeihen. Genau Vorbild geholfen werden könne. des Alkohols, um dem Trunksüchtigen jederzeit sagen zu können: „Siehst Du wohl, man kann das auch lassen.“ Nach fünf Jahren Schicksals selbst erkennen. ganz klar, daß dem armen kranken Manne nur durch ein gutes So enthielt ich mich völlig Sinn jeder Klasse und als fließe der Sinn der einen Klasse mit dem Sinn der anderen im Innersten und Tiefsten zusammen. Das aber müssen wir uns merken, keine Klasse ge⸗ winnt von sich aus den Willen zur Versöhnung, keine kann von sich aus den tiefsten Sinn ihres Seins und Keine hat von sich aus die Kräfte zur Ueberwindung ihres Leidens und zum Tragen dessen, was unüberwindlich ist. Die Menschen, die Christen sein wollen, haben von diesem Sinn und dieser Kraft, so viel ihnen möglich ist, in ihre Klasse hineinzutragen, und es kann sein, daß manche da von einer Ahnung dessen umstrichen werden, was Marty⸗ rium heißt. Es ist ihre Mission, von der heiligen Wirk⸗ lichkeit Gottes mitten in der Klassenwirklichkeit etwas spüren zu lassen. So helfen sie dazu, ihre Klassen selbst zusammenzuschweißen, und deren Grenzen zu klären, zugleich sie aber auch in ein rechtes Verhältnis zu den anderen zu bringen. Wo Wirklichkeit Gottes lebendig ist, muß sie sich äußern in der sozialen Tat, in der Bereitschaft zum wirklichen Helfen. Das Evangelium schreibt uns keine Wirtschaftsform als die christliche vor. Die Gewissen der Ehristen sind nicht an eine Form gebunden, die welkt und altert wie ein Menschenleib. Die Christen werden da verschiedene Wege gehen. So viel aber ist ganz klar, immer hat der Christ für ein gewisses Maß äußeren Geborgensein zu kämpfen, auf daß die Seele war dem Mann und seiner Familie geholfen. Die Schulden waren bezahlt, und der Kranke war geheilt. Demnach hat auch der Starke dem Schwachen gegenüber die Pflicht der Enthalt⸗ samleit. Dann nämlich trifft dies zu, wenn Handlungen, die den Starken nicht zur Sünde verleiten, den Schwachen veran⸗ lassen, mitzutun und dann in Sünde zu fallen. So war es doch auch in Korinth gewesen. Es gab feste christliche Charaktere, welche die heidnischen Opfermahlzeiten im Kreise ihrer Freunde ruhig mitmachen konnten, ohne in Ver⸗ suchung zu kommen, dadurch wieder in ihr früheres Heidentum zurückzufallen. Andere wieder standen in dieser Gefahr. Ihr Christentum war nicht stark genug in ihnen. Für sie war die Teilnahme an einem Opferschmaus so viel wie ein Rückfall in das Heidentum. Ihnen gegenüber befahl die christliche Nächsten⸗ liebe den Starken die Enthaltsamkeit von diesen Mahlzeiten. Sie könnten sonst zu Verführer der Schwachen werden. 0 Nun verstehen wir das Wort des Apostels. Wir haben zwar Macht über alles, aber es frommt nicht einem jeden alles. Es kann ihm zur Sünde werden. Wir haben zwar Macht über alles, aber es bessert nicht alles. Manches macht unsere Mit⸗ menschen zu Sünder. Deswegen dürfen wir niemals einen Trinker zum Trinken verführen. Wir sind schuld daran, wenn ihm das Trinken zur Sünde wird. Wir wollen unsere Schwachen im Lande auch nicht veranlassen, sich mehr der Weltfreude hinzu⸗ geben. Sie sollen ja wegbleiben. Wir wollen auch nicht darüber spotten, daß sie fortbleiben. Sie sollen ihre Weltent⸗ sagung üben, wenn die Weltfreude ihnen ein Versucher ist. Ge⸗ wiß treffen wir unseren Herrn Jesus überall an, bei der Hoch⸗ zeit, beim Mahl im vornehmen Hause. Für Jesus war das alles keine Versuchung. Auch Paulus weiß sich so stark, daß er ruhig mit beiden Füßen in der Welt stehen kann. Befreiend wirkt sein Wort:„Alles ist euer!“ Aber er vergißt nicht das Ver⸗ pflichtende hinzu zu setzen:„Ihr aber seid Christi!“ Oder wir Was einem frommt und was denken an die obigen Worte: Or bessert, das allein darf ein Christ tun. Amen. Sonnabend, den 21. August 1926. „Evangelische Warte“ nicht von der ökonomischen Macht zertreten werde. Er darf nie für eine solche Gestaltung der äußeren Dinge eintreten, wo der Mensch mißbraucht wird als Mittel zum Zweck. And er darf sich nicht beruhigen angesichts der heutigen Anarchie, die das Wirtschaftsleben ver⸗ zerrt und den Menschen unberechenbaren Willkürlich⸗ keiten ausliefert. So viele haben nicht gewußt, daß sie einer Klasse angehören, bis sie sich auf einmal verachtet und mißbraucht fühlten. Und das gab ihnen jene kalte Energie, die im Kampf der Klassen noch gefährlicher ist als auflodernde Leidenschaft. Wer die Klassen versöh⸗ nen will, der muß jedes Wort und jeden Gedanken hüten, um den anderen nicht zu beleidigen, ihn in seiner Würde nicht zu kränken. Am Mittagstisch und in der Kinderstube sind die meisten Urteile über die Klasse der anderen entstanden. Und was da eingestempelt wurde in die werdende Seele, das ist auch durch wohlgemeinte Bücher und Reden später nicht mehr auszurotten. Wir dürfen keine Brücke abbrechen, die zu den anderen führt, keine Flächen verlassen, auf denen wir uns mit Ange⸗ hörigen einer anderen Klasse zusammenfinden können. Auch wer ohne jede Sentimentalität, nur mit reinem Tatsachensinn ausgerüstet, sich Mühe gibt, die anderen kennen zu lernen, ihre Leistungen aufzusuchen, über den kann mit Offenbarungsgewalt die Erkenntnis kommen, wie viel Treue, wie viel Können in unserem Volke vor⸗ handen ist. Den packt aber auch der heiße Jammer an, daß so viel Wertvolles sich aneinander zerreibt. Ob solchem reinen Versöhnungswillen der äußere Erfolg und Sieg gehört, wir wissen's alle nicht. Wir können vielleicht nicht verhindern, daß etwas un⸗ versönlich Mächtiges über die Menschen hinweggeht und über ihren Köpfen zusammenprallt, aber wir können vielleicht doch verhindern, daß die Herzen zu⸗ sammenprallen und daß die äußeren Gegensätze die inne⸗ ren Beziehungen vergiften. And ob der äußere Erfolg unser sein wird oder nicht, was ficht's uns an? Wir wissen, was wir sollen, das ist genug. Alle Klassen schreiten in eine Zukunft hinein, die verhängt ist. Manchmal ist es uns wohl, als hörten wir Geräusche in der Nacht, als ob irgendwo in fernen östlichen Grenzen die apokalyptischen Reiter ihre Rosse satteln, aber noch einmal: was geht's uns an? Wir wollen hoffen und ringen, bis der Mensch zum Menschen kommt. Wir wol⸗ len nicht aufhören, uns zu sehnen und zu trachten nach dem klassenlosen Reich Gottes, auf daß uns die Versöh⸗ nung der Klassen zufalle. Kobu. Das Werk Fritz von der Heydt's:„Die Mischehe. Praktisches Handbuch für evangelische Misch⸗ ehenarbeit.“ Berlin 1926. Verlag des Evangelischen Bundes, erwähnt auf Seite 107 den Katholiken⸗Ehe⸗ bund, der in vielen katholischen Zeitungen und Zeit⸗ schriften Anzeigen erscheinen läßt, in denen katholische Damen und Herren aller Kreise und Berufe aufgefor⸗ dert werden, dem Kebu beizutreten, bezw. sich seiner zu bedienen. Der Katholiken-Ehebund bietet vornehme, unbedingt diskrete Möglichkeit zur Wahl eines passen⸗ den Ehegatten. Er ist gegründet worden aus dem guten Willen, Mischehen soweit wie möglich zu verhindern und ist damit eine Tat, der man die Anerkennung nicht ver⸗ sagen kann. Wir wissen ja von den ungezählten Bei⸗ spielen, welche Gefahr eine Mischehe für die Seele und das Seelenheil des einzelnen Beteiligten und der ganzen Mischehenfamilie ist, welche Not die Mischehen über⸗ haupt den Kirchen und dem Vaterlande bringen. Der Kebu als kirchliche Heiratsvermittlung erscheint als eine Geschmacksache. Indes so, wie er arbeitet, wie er den Charakter des Suchenden, die Persönlichkeit als solche bei der Vermittlung sich auswirken läßt, entspricht er durchaus seinem Zweck. Die„Allgemeine Rund— Von Erwin Gros. (Schluß.) In den folgenden Zeiten schlich er um seine Frau herum; er hätte gern etwas von der Hochzeitsfeier gehört, er hätte gern etwas vernommen, wie es der jungen Frau ging; die Mutter besuchte ja oft genug die Tochter, doch nach Sybille zu fragen, hätte der Schultheiß nicht über sich gewonnen, eher hätte er sich die Zunge abgebissen Frau Margarete aber dachte:„Von mir erfährst du nichts, schmore du in deinem Fett, bis du von selber mürbe wirst!“ Und Peter Michel schmorte. Neun Monde nach der Hoch— zeit ging Frau Margarete nach Homburg und kam erst nach vierzehn Tagen wieder. f „Gottes Segen zum Enkelsohn“, sagte Meister Vogelsberger zum Schultheißen und schüttelte ihm die Hand. Wortlos nickte Peter Michel, ging nach Hause und lief in der Stube auf und ab, wie ein Löwe im Käfig. Wie ein bettelndes Hündlein schaute der Schultheiß zu seiner Frau auf, die von der Taufe des kleinen Peter heimge⸗ kehrt war. Doch sie merkte nichts davon, und der alte Peter schmorte weiter. Oefters saß Peter Michel jetzt in einem Homburger Gast⸗ haus, das schräg der Hofschuhmacherei gegenüber lag und schaute verstohlen durchs Fenster. Wenn aber eine junge Frau mit einem strammen Jungen im Arm zum Hofgarten hinwan⸗ delte, dann wich er in die Tiefe der Stube, und seine Augen wurden groß und sein Herz wurde schwer. Fast drei Jahre waren vergangen,— da spielte der kleine Peter Heeger in der Dorotheenstraße; einen kleinen Wagen schleifte er hinter sich her, eine Peitsche hatte er in der dicken Faust. Da gesellte sich ein alter Mann zu ihm, der hatte ein hölzernes Pferd, und dieser alte Mann behauptete, er wäre der Großvater. „So,“ sagte der kleine Peter,„dann bist du der Großvater von Holzhausen,“—(natürlich sagte er„Opa“ und sprach nicht schau“ 1926⸗25 bringt einen Aufsatz über den Kebu aus folgenden Abschnitt: „Im Jahre 1920 kam ein junger Akademiker, ein früherer Schüler des bekannten Trierer Prälaten An⸗ heier, auf den glücklichen Gedanken, den„Katholiken⸗ Kebu) ins Leben zu rufen. Der Bund ist eine Ver⸗ einigung von ernsthaft die Ehe anstrebenden Katholi— ken, aber keine der verbreiteten gewerbsmäßigen Hei⸗ ratsvermittlungen. Das Anknüpfen der Beziehungen ist den Mitgliedern selbst überlassen; die Bundesleitung will es durch Einrichtungen des Bundes nur erleichtern. Dazu dient zuerst die Bundeszeitschrift. In der⸗ selben werden die Gesuche der Mitglieder veröffentlicht. Für diese Gesuche wird nur eine geringe Gebühr er⸗ hoben, um so schon durch die ausführliche Abfassung des Gesuches einigermaßen ein Bild der Persönlichkeit und ihrer Wünsche und Ideale zu geben. Dies Gesuch wird nur mit der Korrespondenznummer des Mitgliedes unterzeichnet, welche beim Eintritt von der Bundes— leitung zugeteilt wurde und nur der Leitung und dem Mitglied selbst bekannt ist. Fühlt nun ein Bundesmit⸗ glied sich von einem Gesuch eines anderen Mitgliedes angesprochen, so kann es mit diesem Mitglied durch die Bundesleitung in Briefwechsel treten oder sich sogar ein Bild des anderen durch die Bundesleitung besorgen lassen, ohne daß der andere das Geheimnis der Person kennt. Die Briefe werden beiderseits nur mit der Korrespondenznummer unterzeichnet und verschlossen von der Leitung an den andern Teil weitergesandt. Erst wenn beide nach längerem Briefwechsel den Ein— druck gewonnen haben, daß sie für einander geeignet sind, teilen sie sich gegenseitig ihre Anschrift mit und können dann natürlich der Vermittelung des Kebu entraten. Selbstverständlich wird auch keine Provision verlangt, wenn nun wirklich eine Ehe zustandekommt; wohl aber bittet die Bundesleitung um Mitteilung des Eheabschlusses.“ Kummerbrot. Das Elend der Heimindustrie ist dem Kundigen bekannt. Neuerdings hat nun der Deutsche Textilarbeiterverband durch die Ufa⸗Gesellschaft einen Film aufnehmen lassen:„Bei den Textilheimarbeitern“, der in Düsseldorf in der„Gesolei, gezeigt wird. Angeschminkt tritt die ganze rauhe Wirklichkeit der Arbeitsbedingungen dieser armen Menschen zutage, die noch an Webstühlen arbeiten, wie man sie vor 100 Jahren hatte Ar⸗ heitsraum, Eßraum, Schlafraum vielfach derselbe; Männer und Weiber, Großeltern, Eltern und Kinder, die von der Schule nicht schnell genug zur Arbeit nach Hause laufen können, arbei⸗ ten zusammen, um das tägliche kärgliche Brot zu erwerben. And keine Aussicht auf Hilfe: muß nicht selbst diese kärgliche Arbeitsmöglichkeit noch als Wohltat empfunden werden, wie es ursprünglich bei Einführung der Heimarbeit auch der Fall war, da der Boden ja zum Verhungern verdammen würde? Der Deutsche Landarbeiter-Verband hat eine bisher un⸗ widersprochene Lohnstatistik veröffentlicht, wonach der er⸗ wachsene männliche Landarbeiter in der Stunde 30 bis 35 Pfg. insgesamt verdient. Vom Konkordal. Kein Konkordat mit Sachsen. Die sächsische Regierung legte dem sächsischen Land— tag einen Gesetzentwurf vor, der das Verhältnis des Volksstaates Sachsen zu den Religionsgemeinschaften im Sinne der Weimarer Verfassung(Artikel 137 Ab⸗ satz 3, Satz 1) regeln soll. Der Entwurf zählt zunächst die in Betracht kommenden Religionsgesellschaften auf: Die evangelisch⸗lutherische Landeskirche und die im Bis⸗ tum Meißen zusammengefaßte römisch⸗katholische Kirche, so fließend, wie es hier steht.).—„Bist du bös oder bist du gut?“ fragte die junge Majestät weiter, worauf der Großvater sich beeilte, seine Gutheit zu erklären und durch das Geschenk des Pferdes zu beweisen. Diese Gabe wurde huldvoll, nein, jauchzend entgegenge— nommen. Vereint spannten Großvater und Enkelsohn das wun⸗ dervolle Tier an den Wagen. „Du bist ein feiner Großvater, ich habe dich lieb“, sprach der liebe, kleine Schelm, worauf ihn der Großvater auf den Arm nahm und ihn leise fragte:„Wie heißt du denn?“— „Ei, ich heiße doch wie du, ich bin doch der Peter.“ Da begann der Schultheiß von Holzhausen zu flennen, worauf der Junge sagte:„Warum weinst du denn? Mutter weint auch, wenn sie von dir spricht!“ Da ließ der alte Mann Wagen und Pferd auf der Straße stehen und ging trotz des Widerspruches des kleinen Kerls zu dem Hause, an dem das Schild angebracht war:„Hans Heeger, Hofschuhmachermeister.“— Und es wurde Friede.— Darnach, als der alte Meister Schubert und seine Frau ihre Aushaltstube im ersten Stock mit der letzten Ruhe jedes Sterb⸗ lichen vertauscht hatten, zogen der Schultheiß von Holzhausen und seine Frau hinein. Da begann für Frau Margarete eine zweite Frühlingszeit. In den Enkelkindern liebte sie die Tochter Sybille wieder; und von ihrem Mann fiel all das listige, unwahre, berechnende Wesen ab; ein Kind ward er unter seinen Enkelkindern. Das Gold der Tiefe kam zum Vorschein, über das sich soviel Geröll der Welt gelegt hatte.— Hans und Sybille Heeger erlebten noch, daß die Ingel⸗ heimsche Herrlichkeit in Holzhausen zusammenbrach. Als die Linie Hanau Münzenberg ausstarb und ihr Erbe an Hessen— Kassel zurückfiel, machte der Landgraf Wilhelm der Achte seine „nieverjährten Rechte“ auf Holzhausen geltend. „Zwei Drittel“, ließ er erklären,„gehören mir vom Dorf zu Recht und ein Drittel gehört euch, Herr Freiherr, zu Un⸗ recht.“ O, welche Druckerschwärze und Tinte und Juristenlist wur⸗ Ehebund“(das ist der volle Name für die Abkürzung der Feder des Kaplans Niebecker. Ihm entnehmen wir lichen Rechts verleiht. 7 eine Reihe von Sekten, die israelitischen Religionsg meinden u. die Religionsgesellschaften, denen das Gesamt⸗ ministerium die Rechte der Körperschaften des öffent⸗ Nach den„Leipziger Neuesten Nachrichten! 1926/181 hat der Gesetzentwurf folgenden Inhalt:„Die zur Ausübung behördlicher Befugnisse berufenen Organe der Religionsgesellschaften und ihrer Anterverbände sind öffentliche Behörden, die Aemter öffentliche Aemter. Die Behörden der Religionsgesellschaften sind berechtigt, innerhalb ihrer Zuständigkeit ihre Verfügungen mit Nachdrutk durchzuführen, und zu diesem Zwecke auch Gel d⸗ strafen anzudrohen. Diese hat der Staat auf Ersuchen der Religionsgesellschaften zu vollstrecken 3 Außer den Steuerzuschlägen dürfen Religionsgesellschaf⸗ ten von ihren Mitgliedern für bestimmte Leistungen oder Einrichtungen Gebühren fordern, sofern nicht ge⸗ setzliche Bestimmungen entgegenstehen... Mit der Aus führung dieses Gesetzes wird das Volksbildungsministe⸗ rium beauftragt.“ Das bischöfliche Ordinariat Bautzen glaubte hierdurch eine Gelegenheit gefunden zu haben, Verhandlungen des Volksstaates Sachsen mit der Kurie über das Verhältnis von Staat und Kirche im Sinne eines Konkordates in die Wege leiten zu können, indem 0 es die Regierung ersuchte, das Gesetz nicht ohne Kennt* nis und Mitwirkung des Apostolischen Stuhles zu er lassen. Das hat die Regierung jedoch glatt abgelehnt, da es sich nicht um Vereinbarungen mit der römischen Kirche, sondern um die Ausführung der Vorschriften der Reichs- und sächsischen Verfassung handele. f Der Konkordatskonflikt in Bayern. 1 Die„Bayerische Volkspartei-Korrespondenz“ und die ihr nahestehenden deutschen katholischen Blätter ver suchen den Konflikt in Abrede zu stellen, indem sie der Tatsache ein anderes Gesicht aufsetzen. Am was es sich handelt. darüber gibt ein ruhiger, sachlicher Artikel in der„München-Augsburger Abendzeitung“ Aufschluß, dem wir folgendes entnehmen:„Die Berufungsange⸗ legenheit des Universitäts-Professors Buch mer auf die erledigte Weltanschauungs-Professorenstelle in Würz⸗ burg hat in der Presse Veranlassung zu Betrachtungen gegeben, bei denen besonders parteipolitische Begleit⸗ erscheinungen und Erwägungen eine Rolle spielen. Gegenüber dem eigentlichen Kern der Sache, um die es sich handelt, sind jedoch diese Nebenumstände von untergeordneter Bedeutung. Die Oeffentlichkeit hat je⸗ doch ein Interesse daran, daß der eigentliche Streit⸗ punkt nicht verschoben wird: Es handelt sich lediglich um die feststehende Tatsache, daß das Kultusministerium aus der Vorschlagsliste der Würzburger Fakultät den Aniversitäts⸗Professor Buchner vorgezogen hat; fest steht weiter, daß der Bischof von Würzburg aus welt⸗ anschaulichen Gründen gegen den Vorschlag Bedenken erhoben hat. Der Austrag dieses Gegensatzes und nichts anderes ist es, auf was es heute ankommt. 7 Auf der Warte. bei. 5 tele iche dolde Goten chen, 61 nit Ft Fbefahr bent gie mit J. en o J ga wh d Zhleibe an er. Da 0 bet belle 9 he Hürtne Aintäg Dulchzt schwerd päpftli Stec In Et 5 ii der i ul an Gi kelsorde De 1026 e dag am Jenfei Lichen Paare und l Dieser Zwischen dem deutschen Botschafter v. Hoesch und Mini⸗ sterialdirektor Posse einerseits und dem französischen Außen⸗ Natur For. minister Briand und Handelsminister Boka no w ski an⸗ dererseits sind im französischen Außenministerium zwei Verträge unterzeichnet worden. Der eine dieser Verträge ist ein auf die Dauer von sechs Monaten abgeschlossenes vorläufiges Handels⸗ abkommen, der andere eine Teilvereinbarung über den Waren⸗ austausch zwischen Deutschland und dem Saargebiet. Durch den ersten Vertrag wird der Warenverkehr zwischen Deutschland und Frankreich für eine bestimmte Anzahl bei der Ausfuhr beider Länder in Betracht kommenden Waren geregelt. den damals vertan! Der Landgraf aber besetzte einfach Holz⸗ hausen,— und er war der stärkere Mann! Zwar ging das Advokatengezerre noch von 1741 bis 1764, aber das Ergebnis war,— der Freiherr wurde mit Geld abgefunden, der Landgraf behielt das Dorf.— — Somit könnte ich jetzt meine Geschichte schließen, aber dann würde ich ein Kapitel unterschlagen, das Gott selbst nach hundert Jahren noch anfüge.——— Mit Mitteln weltlicher Gewalt und List war in Holzhausen die katholische Gemeinde errichtet worden. und Pfarrhaus wurden erbaut und bestellt, trotz des Wider⸗ scandes des Landgrafen von Hessen⸗Homburg.— Das Wort Gottes aber wirkte hundert Jahre später die nemesis divina, die göttliche Vergeltung. In den dreißiger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts lebte in Holzhausen ein junger katholischer Kaplan, Josef Helferich. Er hielt biblische Predigten, er legte die Briefe des Apostels Paulus aus, und es entstand eine weite Bewegung der Geister, der auch die Protestanten der Gegend sich nicht ent⸗ ziehen konnten. Da wurde im März 1835 der junge Stürmer nach Mainz zu seinem Erzbischof befohlen. And man prüfte ihn dort auf Herz und Nieren! And er, der glaubte, untadelig zu sein, wurde des Ver⸗ brechens überführt, keine Mariäpredigten gehalten, ja sogar die lutherische Bibel gebraucht zu haben. Man setzte ihn ab.— Siehe, da erklärte sich eine große Anzahl seiner dankbaren Anhänger für ihn, und am 24. Mai 1835 traten 48 Glieder der katholischen Gemeinde Holzhausens mit ihrem Pfarrer zum evangelischen Glauben über.— Acht evangelische, zwei katholische Geistliche nahmen damals f an der Feier teil, die von fünftausend Christen der Gegend be⸗ sucht war. „Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in Finsternis, sondern das Licht des Lebens haben.“ Darüber wurde damals die Festpredigt gehalten.— Und deren Kirche nem f schichte des Papsttums die Sonnabend, den 21. August 1926. In dem Teilvertrag über die Saar sind eine Anzahl der in vor einem Jahr abgeschlossenen, aber nicht in Kraft ge⸗ fretenen Saarabkommen geregelten Fragen des Warenverkehrs zwischen Deutschland und dem Saargebiet, die teilweise in einem besonderen Zusammenhang mit der für die entsprechenden Warengruppen im Handelsabkommen stehen, übernommen worden. Große Befriedigung hat in Winzerkreisen der Abschluß dieses deutsch⸗französischen Handelsprovisoriums ausgelöst, da in dem neuen autonomen Zolltarif der Satz von 800 M. für das Fuder Wein durchgesetzt worden ist, was einem Zoll von 95 Pfennig pro Liter entspricht. Nach Ansicht des Winzerverbandes für Mosel, Saar und Ruwer ist durch den Abschluß des Abkommens mit Frankreich als dem bedeutendsten Weinlande der Welt die Gefahr beseitigt, daß in Zukunft mit anderen Ländern Weinbau schädigende Zollverträge abgeschlossen werden, dies mit Spanien und Italien geschah. An den Präsidenten Coolidge hat Clemenceau einen offenen Brief gerichtet in der Absicht, Milderungen für die Zahlung der Kriegsschulden zu erlangen. Es wird jedoch durch die Zeitung aus Amerika gemeldet, daß Clemenceaus Schreiben dort kaum einen günstigen Eindruck gemacht habe. Man erinnere sich in Amerika noch zu lebhaft der Rolle, die Clemenceau beim Abschluß eines„strengen Friedens“ gespielt den wie habe, als daß seine Beweisgründe dort viel Sympathie erzeugen konnten. Außerdem weise man auf die Beträge hin, die Frank— reich seit Kriegsende für die Finanzierung der Militärausgaben einer militärischen Vasallen und für seine Feldzüge in Syrien und Marokko ausgegeben habe. Clemenceaus Einspruch werde daher in Amerika mit zynischem Lächeln aufgenommen werden 1 Kleine Nachrichten. Streik. Das„Berliner Tageblatt“ Nr. 330 vom 20. 7. 1926 meldet aus Rom:„In der päpstlichen Residenz herrscht heute große Bestürzung, da zum ersten Male in der Ge— im Vatikan beschäftigten Gärtner ihre Arbeit niedergelegt haben und in einen ufd eintägigen Streik eingetreten sind, um höhere Löhne ng N geb dg Vileh peguß 1 f Masch 1 fl „ gal Ri. tba der d 1. gab 0 0 f vn „ durchzusetzen. Sie wollen durch den Streik ihre Be— schwerden zu Ohren des Papstes Pius XI. bringen. Die % päpstliche Hofverwaltung hat, nachdem sie sich von dem Schrecken über diesen einzigartigen Streik erholt hatte, den Streikenden eine Untersuchung der Angelegenheit bersprochen.“— Die Bestürzung, die der Gärtnerstreik in der päpstlichen Hoftverwaltung hervorgerufen hat, ist erklärlich: denn es handelt sich hierbei um ein Heer von Gärtnern, die für die ausgedehnten Luxusgärten erforderlich sind. K Grober Unfug und Polizei. Der„Märkischen Volkszeitung“ Nr. 207 vom 29. 7. 1926 entnehmen wir:„Durch die Straßen von Leipzig jog am letzten Sonntag ein Demonstrationszug der Kir— chenfeinde. Auf einem Wagen stellte man einen Geist— lichen im vollen Ornat bei der Trauung eines alten Paares dar, wobei er in verächtlicher Weise nach rechts und links die Gebärden des Segenspendens nachmachte. N— e Dieser unglaubliche Unfug auf offener Straße rief 1 gaturgemäß den Protest jedes anständig Gesinnten her— dor. Die Polizei stellte sich blind.“ * Reichsbannerleute stören den Gottesdienst. Der„Deutschen Zeitung“ vom 17. 7. 1926 wird aus Unklam berichtet:„Bei einem Reichsbannerfest am Sonntag, den 4. Juli, zogen mehrere Musikkapellen mit lautem Paukenschlag und Blasmusik mehrmals, so— wohl während des Vormittags-Gottesdienstes, wie auch während des Nachmittags-Gottesdienstes an der Kirche getroffenen Regelung ..——————— „Evangelische Warte“ Es bedurfte zweimaliger Beschwerde und mehrerer Zei— tungsangriffe, um die Polizeiverwaltung zu der Ant— wort zu veranlassen, daß das Reichsbanner bestraft worden sei. Jetzt stellt sich heraus, daß die Strafe auf ganze 5„(1) bemessen war.“— Es müßte dem Zen- trum eigentlich höchst peinlich sein im Hinblick auf seine Reichsbannerfreundschaft, wenn jemand an es heran— treten würde mit der Aufforderung: Sage mir, mit wem du umgehst, so will ich dir sagen, wer du bist. Vom Rauchen. In Europa werden jährlich verraucht: 32,4 Mil- liarden Zigarren im Werte von 3,24 Milliarden Mark; 81 Milliarden Zigaretten im Werte von 5,67 Milliar— den Mark; 2,6 Milliarden Päckchen Tabak im Werte von 1,04 Milliarden Mark. 1 Die sozialistische Jugendinternationale. Die Mitgliedschaft der sozialistischen Jugendinter⸗ nationale wird um 1925⸗26 auf ½ Million zu schätzen sein. Dem Bericht der„Soz. Jugendinternationale“ in Amsterdam zu Pfingsten dieses Jahres ist zu entneh— men, daß ebenso, wie bei Gewerkschaften und sozialistt— schen Parteien, sich auch in der sozialistischen Jugendbe— wegung ein merklicher Rückgang an Mitgliedern voll⸗ zogen hat. So ist die Zahl nach den neuesten Feststel— lungen in Deutschland von 95000 auf 70000 zurück⸗ gegangen. Die Gesamtstärke der sozialistischen Jugend hat international eine Einbuße von 250 000 auf 200 000 erlitten. * Aus Böhmen. deutschen evangelischen Gemeinden in der Tschechei mußten sich schon mehrmals dagegen wehren, daß Bezirksbehörden ihnen ihr Recht auf die deutsche Amts- und Kirchensprache verkürzen wollten. Es ist ihnen auch bisher jederzeit gelungen, solche Angriffe abzuweisen. Jetzt ist ein derartiger Vorstoß zum ersten— male von einer Landesbehörde ausgegangen, die dem deutschen evangelischen Pfarramt in Reichenberg(Böh— men) den Auftrag erteilte, Nachträge in die Kirchen— bücher in tschechischer Sprache aufzunehmen. Selbst—⸗ verständlich sind die evangelischen Gemeinden fest ent— schlossen, ihr Recht auf die deutsche Kirchensprache, das in den staatlich genehmigten„Grundbestimmungen“ der deutschen evangelischen Kirche verbrieft ist, gegen jeden Eingriff nachdrücklichst zu behaupten. Allerlei. Das Kirchengesetz in Mexiko. Das nunmehr in Kraft getretene, leidenschaftlich umkämpfte Kirchengesetz enthält folgende wesentliche Punkte: 1. Die Zahl der dem Priesterstand angehörende Einwanderer wird herabgesetzt. 2. Die religiösen Orden und Schulen werden für ungesetzlich erklärt. 3. Nur Mexikaner haben das Recht zur Ausübung des Priesterberufs. 4. Alle kirchlichen Handlungen Kirche sind verboten. 5. Die religiösen Bekanntmachungen dürfen keine politischen Fragen behandeln. 6. Das Gesetz, das der Regierung die Enteignung des Kircheneigentums gestattet, wird verschärft. 7. Die Priester müssen eine behördliche Erlaubnis zur Ausübung ihres Berufes besitzen. Die außerhalb der Der Kulturkampf in Mexiko. sches Kircheneigentum ebenso angewendet werden, wie auf katholisches. Es sei keine Beschlagnahme beabsichtigt, wohl aber sei beabsichtigt, sich das Recht der Verstaat⸗ lichung vorzubehalten. Die protestantischen Kirchen Mexikos werden auf 100 bis 150 geschätzt. Die Kultus— dekrete werden simultan angewendet. Präsident Calles erklärte, der wirtschaftliche Boykott sei nicht ernst zu nehmen. Weltbund deutscher Kolonisten. Der„Weltbund deutscher Kolonisten“ versendet die Mitteilung seiner Gründung. Als seinen Zweck bezeich— net er den Zusammenschluß aller deutschen Kolonisten im Ausland zur Vertretung ihrer ideellen und materiel— len Interessen. Zur Förderung des Kolonialverständ— nisses in breiten Volksschichten will der Weltbund Film— und Lichtbildervorträge namhafter Fachleute veran— stalten. Vorsitzender ist Hans Schomburgk. * Der Essener Bekehrungsskandal. Alle Tagesereignisse auf politischem, wirtschaftlichem und anderem Gebiet konnten den Bekehrungsskandal in Essen nicht in Vergessenheit bringen Es handelt sich da um den 16jährigen Sohn des evangelischen Herrn Kampf, der im Frühjahr 1925 im Essener Stadtgarten auf einer Bank den ultramontanen Landgerichtsdirektor Bruckner kennen lernte, welcher den Jun— gen in ein Religionsgespräch verwickelte, das Anlaß zu regem mündlichen und schriftlichen Gedankenaustausch wurde. Landgerichtsdirektor warf sich zum„geistigen Papa“ auf, trat dabei in unerquickliche Konkurrenz zum leiblichen Vater, Bruckner korrespondierte mit dem 16jährigen Kampf trotz des Verbotes der Eltern. Deckadressen ermöglichten den weiteren Verkehr, der schließlich den Unmündigen so verwirrte, daß er den Entschluß faßte, Priester zu werden und in den Jesuiten— orden einzutreten. Der Superior des Essener Jesuitenklosters Seidler S. J. nahm sich seiner an und erteilte ihm Konvertiten— unterricht. kam so weit, daß man ihn auf mehrere Tage den Eltern entzog und dem Vater, als er den Sohn nach tage— langem Suchen auf dem Klosterhofe der Jesuiten entdeckte, er⸗ öffnete, er habe über sein Kind kein Verfügungsrecht mehr, das sei den Jesuiten übertragen. Als Beweis las der Jesuit einen Brief des Landgerichtsdirektors Bruckner vor, auf seine Ver⸗ anlassung hätte der Amtsgerichtsrat für Vormundschaftssachen in Mühlheim-Ruhr den Beschluß erlassen, daß dem Vater das Verfügungsrecht zunächst auf drei Tage entzogen wäre. Als der Vater nun mit dem zuständigen evangelischen Geistlichen der Sache nachging, erließ der Amtsgerichtsrat den nachstehen— den Beschluß:„Es wird die vorläufige anderweitige Unter— bringung des minderjährigen Heinz Kampf im Waldsanatorium in Essen angeordnet. Ueber Besuch, Lesestoff, und Briefwechsel entscheidet der leitende Arzt.“— Damals nahmen die Zweig— vereine des Evangelischen Bundes in Essen einstimmig eine Entschließung an, in der mit Recht gesagt wurde:„Die Tatsache, daß ein an exponierter Stelle stehender Jurist sich in solcher Weise mit den in Frage stehenden Dingen verquickt, hat die allergrößte Befremdung und Erregung hervorgerufen. Unsere Justiz lebt vom Vertrauen aller ohne Unterschied der Konses⸗ sion. Wehe uns, wenn das zerstört wird! Wir haben die Zu⸗ versicht, daß da alles getan wird, was möglich ist, um es unbe— dingt und ungetrübt zu erhalten.“— Was ist getan worden? Erst auf parlamentarische Anregung hin hat das Justizmini⸗ sterium Bericht eingefordert. Gegen Landgerichtsdirektor Bruck— ner wurde das Disziplinarverfahren eingeleitet mit dem Er— gebnis: Strafversetzung und 50 Mark Geldstrase.— Das aber schreckt die Jesuiten nicht ab, den Jungen Kampf, der evangelisch geblieben ist, weiterhin mit Bekehrungsversuchen zu verfolgen und zu belästigen. Der jetzt Siebzehnjährige ist seelisch total zerrüttet und mußte Aufnahme in einem Sanatorium suchen, Damit hat diese Angelegenheit einen fragwürdigen Abschluß Der damit Ernst gemacht würde, daß wir Ihm gleich werden woll— en an Gottinnigkeit und Gehorsam, in Liebe und Geduld, in ger Weitherzigkeit, die uns den„ungläubigen“ Samariter 1 im Gleichnis als Vorbild aufstellte und in dem heldischen Glau— 1 ben, der in der trägen Masse eine„große Ernte“ sah.— Mir fällt immer die schwere Verantwortung aufs Herz, benn ich im Geist Jesum sehe im Kreise der Engel und Seligen, unglänzt von der Strahlenfülle der Ewigkeit, und er will mich auch bekennen, will meinen Namen nennen— und die Bedin— gung lautet:„Wer mich bekennet!“ ** * Einen tiefen Eindruck on den reformierten Gottesdiensten der Schweiz hat eine ge— ildete deutsche Dame bekommen, die, nach einem arbeitsvollen Leben in der Heimat, durch die Geldentwertung verarmt, in benf eine Art zweite Heimat gefunden hat. Sie schreibt an ane deutsche Freundin:..„Obwohl hier eine deutsch— uütherische Kirche ist, bin ich doch Mitglied der franz-reformier— en Gemeinde meines Stadtteils, weil die erstere weit entfernt von meiner Wohnung und die letztere(Kirche) ganz nahe. Die Gottesdienstordnung ist nahezu dieselbe(wie daheim) und ele deutsche Lieder singen wir hier in französischer Ueber— ezung. Aber ein Brauch besteht hier, welchen die lutherische Jirche nicht aufweist. Nämlich: Nach dem Eingangslied liest ar Kirchenältester entweder die 10 Gebote vor oder einen Ab— ünitt aus der Bergpredigt oder Ermahnungen des Apsostels Fiulus an irgendeine Gemeinde, aber immer zum Schluß:„Die N sisammenfassung des Gesetzes ist: Du sollst lieben Gott, deinen 5 Arn, von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Ge⸗ te... das ist das erste und größte Gebot; das andere ist nn gleich: Du sollst lieben deinen Nächsten, wie dich selbst. diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Prophe— bi.“ And im vorher verlesenen Abschnitt bekommt man häufig hören:„Sammelt euch nicht Schätze auf Erden, welche die Jotten und der Rost fressen und denen die Diebe nachgraben 9 Motten noch Rost fressen und da die Diebe nicht nachgraben noch stehlen. Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.“ Jedesmal, wenn ich diesen Abschnitt höre, muß ich denken, wie töricht man doch war, indem man sich abmühte, irdische Güter zu sammeln anstatt dem Herrn zu vertrauen, der einem doch gibt, was man braucht, und wie recht einem geschieht, wenn man nur auf„Nahrung und Kleidung“ gesetzt ist, da man das Gebot doch ganz und gar übersehen hat. Dieses allsonntägliche Verlesen dessen, was man tun oder lassen soll, gefällt mir außerordentlich gut, weil es einen dadurch immer wieder ins Gedächtnis zurückgerufen wird. Ich erinnere mich dagegen nicht, daß ich nur einmal in unserer Landeskirche die 10 Gebote im Gottesdienst zu hören bekommen hätte.“ Man sieht: Es gibt fromme Seelen, die im Gottesdienst mehr suchen als Stimmung und Schönheit, denen es eine Wohl— tat ist, wenn ihr im Lebenskampf ermüdeter Wille durch die alten und doch nie veraltenden Mahnrufe aus der Heiligen Schrift zu neuem Ringen aufgemuntert wird. Heutzutage ver— sucht man dem evangelischen Gottesdienst aufzuhelfen durch reichere Liturgie, Wechselgesang, Musik und überhaupt durch edle Kunst. Das soll nicht getadelt werden. Aber der obige Brief zeigt, daß es auch noch andere, sogar einfachere Mittel und Wege gibt, um im Gotteshaus die hungernde Seele zu speisen. Darum: das eine tun und das andere nicht lassen! * 2 Auswandererlos. Wir erhalten folgenden Brief aus Brasilien:„X., den... „Wir, eine große Anzahl von Familien, befinden uns hier auf einer Kaffeeplantage in sehr schwerer Lage. Einmal sind wir die Arbeit nicht gewohnt, und dann können wir auch das Klima nicht vertragen.— Wir erhalten einen sehr geringen Lohn, und die Lebensmittel sind sehr teuer. Wir wenden uns darum an Sie mit der Bitte um Rat und Auskunft, ob wir keine bessere Stelle mit einem gesunderen Klima erhalten können. Wir wol— len gern arbeiten, aber wir möchten auch in eine solche Gegend, wo das Klima erträglich ist und wir auch die gewohnten Lebens— vorbei, um den Gottesdienst zu stören und zu verhöh— Wie aus Mexiko gemeldet wird, hat die Regierung gefunden. Hinter ihr stand die Tätigkeit des Jesuitenordens sien, ohne von der Polizei daran gehindert zu werden. bekanntgegeben, daß die Kultusdekrete auf protestanti-[bezw. dessen Essener Vertreter. Es wäre deshalb angebracht 5* e——— 0-—————— 55—— „Wer mir nachfolgt, wer mich bekennet,“— ach, wenn und stehlen. Sammelt euch aber Schätze im Himmel, die weder mittel erhalten können. Kartoffeln kosten hier 7080 Milkeis der Zentner, und das können wir nicht bezahlen. Wir sind noch nicht lange hier und haben schon eine Reihe von Toten; die an— deren sind fast alle krank, und wenn wir nicht bald von hier wegkommen, gehen wir alle zugrunde. Wir bitten Sie nochmals um Ihren Rat und Hilfe und sen— den Ihnen schon unseren besten Dank im voraus. Mit herzlichem Deutschen Gruß und im Namen der ganzen Gruppe... Ihy Wieder einer der Briefe, wie wir sie oft erhalten und ge⸗ lesen haben. Das alte Lied! Man verläßt die Heimat in der Annahme, daß es nirgends schlechter sein könne als in Deutsch— land; man wandert aus in gänzlich unbekannte Länder, ohne sich in irgend einer Weise über deren Verhältnisse zu orientieren und ist dann nachher erstaunt und überrascht, wenn dort alles so ganz anders ist, als man es sich gedacht hatte. Dann beginnt das Klagen und Jammern und Schimpfen auf das Land, das man sich selber in völligster Unkenntnis seiner Verhältnisse ge— wählt hatte.— Sicherlich hat Brasilien noch unendlich viel Raum und Möglichkeiten für große Scharen von Einwanderern, aber, das ist die Frage, ob sich alle, die dorthin auswandern wollen, für dies Land eignen, ob sie die dortigen Verhältnisse meistern, die ungeahnten Schwierigkeiten überwinden und sich, was auch kommen mag, durchsetzen werden. Also erst genaueste Kenntnis der Verhältnisse des Ziellandes, und dann mit allem Ernst die Frage immer wieder prüfen, ob die Kräfte und Mittel reichen, diesen Kampf aufzunehmen, um ihn auch zu bestehen.— Und wo erhält man die gewünschte Aufklärung und Auskunft über das Land, nach dem die Auswanderung gehen soll? Der Evangelische Hauptverein für deutsche Ansiedler und Aus⸗ wanderer in Witzenhausen a. d. Werra ist auf Grund seiner fast 30 jährigen Tätigkeit in der Lage, in allen die Auswanderung betreffenden Fragen Rat und Auskunft zu erteilen. Jede Aus— kunft erfolgt kostenlos. Man wende sich vertrauensvoll an ihn. Seine Monatszeitschrift„Der deutsche Auswanderer“ unter— richtet über alle Fragen der Auswanderung und Siedlung. Probenummern kostenlos. ** Sonntagsgedanken. Wenn Arbeit ruht, wenn kein Hammer klingt, wenn Sonntagsglocken läuten, wenn der Friede über die Erde zieht dann sind auch die Stunden der Einkehr für uns Menschen. Haben wir an schweren Arbeitstagen vorwärts geschaut, so lassen wir gerne in Stunden der Ruhe unsere Blicke rückwärts schwei⸗ fen und aus alten Zeiten liebe Menschen, gute Taten, schöne Tage an uns vorüberziehen. Das Märchenwort„Es war ein⸗ mal“ steigt dann auf aus fernen Zeiten. Heute mehr wie je weckt dies traute Wort ein banges Klagen, weil die herbe Gegenwart alle Freude und alles Glück, wie es einst gefühlt wurde, unseren Herzen entrückte. Nur Er⸗ innerung blieb zurück und sie ist es, die uns heute so gern zurückführt in die gute alte Zeit. Da sehen wir Freude, Friede und Glück in weiter Ferne schreiten, wir fühlen den Zauber⸗ strahl, der einst diese Tage erhellte. Damals freilich ging es uns wie allen, die im Glücke schwelgen. Erst wenn man etwas verloren hat, lernt man es bewerten. Heute spannte sich ein trüber, grauer Schleier über das einst so glückliche Land. Vergangen ist aller Glanz, dahin alle Kraft, verklungen ist der Lieder Kranz von Freiheit, Ruhm und Waffenehre. Es war einmal!——— Geblieben ist die Erinnerung. Doch wer sie fühlen kann so recht in seinem Herzen, dem gibt sie seiner Seele Kraft und Schwung und weckt den Geist, den alten. Und wenn auch jetzt noch Sorge, Not und Leid mit uns des Weges schreiten, so löst die Erinnerung doch die Hoffnung aus, daß einmal auch bessere Tage wieder kommen werden. Erinnerung ist und war stets der helle Stern in dunklen Leidensnächten. Erinnerung an große Zeiten läßt uns viel überwinden. Und wenn ein fester Wille uns aus aller Not und Qual geführt hat und in unser Heimattal das alte deutsche Glück wieder zurückgekehrt ist, dann werden wir einst auch von diesen Zeiten der Trübsal sagen können: Es war einmal. Wed. gewesen, bei den Jesuiten nach dem Rechten zu sehen und ihre Praxis zu überwachen. Der Preis, den der paritätische Staat für ihre Arbeit gezahlt hat, ist zu hoch: der konfessionelle Friede ist in grober Weise gestört, ein Staatsbeamter ist zum Miß⸗ brauch seiner Amtsgewalt veranlaßt, das Seelenleben eines hoffnungsvollen, heranreifenden Staatsbürgers ist zerrüttet worden.— Jedenfalls bietet dieser Fall einen durchaus wert⸗ vollen Beitrag zur Kennzeichnung der praltischen Arbeit des Jesuitenordens in Deutschland. Was die Statistik jagt. Nach einer soeben erschienenen Veröffentlichung des Statisti— schen Reichsamtes ergibt sich für die 45 größten deutschen Städte 16. Bremen 17. Magdeburg 294 966 292 296 257 248 279 629 18. Königsberg/ Pr. 279 880 245 994 19. Duisburg 271790 229 483 20. Stettin 253 727 237 402 21. Mannheim 247 486 206 049 22. Kiel 213 587 226 560 23. Gelsenkirchen 207 153 191378 24. Halle a. S. 193 722 180 843 25. Barmen 187 239 187 342 26. Altona 172 628 27. Kassel 153 196 28. Elberfeld 170 195 29. Augsburg 147 530 30. Bochum 156 762 136 931 31. Aachen 155 222 156 824 32. Braunschweig 146 654 143 522 33. Karlsruhe 145 694 134411 34. Erfurt 134 973 123 548 35. Krefeld 130 425 129 406 36. Mühlheim Ruhr 127 195 113 627 37. Hamborn 126 043 104 341 38. Lübeck 120 788 109 824 39. München-Gladbach 115 066 110 784 40. Plauen i. V. 111398 121272 41. Mainz 108 522 118 107 42. Münster i. W. 105 889 90 254 43. Oberhausen 105 121 94667 44. Wiesbaden 102 557 109 002 45. Ludwigshafen 101 869 63 301 Insgesamt wohnten in den 45 Großstädten am 16. Juni 1925 16 619 402 Menschen, während am 1. Dezember 1910 nach dem Gebietsstand am 16. Juni 1925 in den Großstädten an orts⸗ anwesender Bevölkerung 15 196093 Personen gezählt wurden. Im ganzen hat die Wohnbevölkerung von 1925 gegenüber der ortsanwesenden Bevölkerung von 1910 um 9,37 v. H. zugenom⸗ men. In der Reihenfolge der Großstädte sind Berlin und Ham— burg unbestritten an erster und zweiter Stelle geblieben. Köln ist gegenüber 1910 von der sechsten an die dritte, München von der fünften an die vierte und Essen von der neunten an die achte Stelle gerückt. Leipzig hat seinen Platz an dritter Stelle abgeben müssen und sank an die fünfte Stelle. Dresden sank von der vierten auf die sechste und Frankfurt a. M. von der achten auf die neunte Stelle. Hannover, das 1910 noch an zehnter Stelle stand, hat jetzt seinen Platz an Düsseldorf abgeben müssen. Die stärkste Zunahme der Wohnbevölkerung 1925 gegenüber der ortsanwesenden Bevölkerung 1910 hat Dortmund mit 23,67 v. H., Aachen mit 1,02 v. H. und Barmen mit 0,05 v. H. Zunahme von 22,29 v. H., Hamborn mit 20,8 v. H., Düsseldorf mit 20,17 v. H. und Mannheim mit 20,11 v. H. Die stärkste Abnahme hat in diesem Zusammenhang Plauen mit 8,14 v. H. zu verzeichnen. Es folgen dann Mainz mit 8,09 mit einem Ausschuß in absehbarer Zeit nicht mehr zu rech„ ist. Es geht das zum Teil auch aus der merkwürdigen Zu⸗ sammensetzung des Ausschusses hervor, der sich sehr auffallender Weise aus zwei Vertretern der Sozialdemolratischen Part je einem Vertreter des Zentrums, der Demokraten und des Hes⸗ sischen Landbundes zusammengesetzt. Ein Vertreter der Deutsch⸗ nationalen Volkspartei fehlt, während für die Sozialdemokraten zwei Vertreter benannt wurden. Die Vertreter der Rechtspar⸗⸗ teien haben daher in der heutigen Sitzung des Abstimmungs⸗ ausschusses folgende Erklrung gegen die Zusammensetzung des Ausschusses abgegeben: „Im Auftrage des Hessischen Landbundes, der Deutschen Volkspartei und der Deutschnationalen Volkspartei erheben wir 9 Einspruch gegen die Zusammensetzung des Abstimmungsausschusses äche für Prüfung des e auf Auflösung des Hessischen 55 Landtages. Nach Art. 28, Abs. 2 der Landeswahlordnung soll— der Landeswahlleiter vor Berufung der Beisitzer die Parteile⸗ tungen hören. Dieser Vorschrift hat der Landesabstimmungs. g. 00 leiter nicht entsprochen, denn die Deutschnationale Volkspartei— ist weder gefragt noch berücksichtigt worden. Die Argumentation des Landesabstimmungsleiters, die unter dem Namen Hessischen Wirtschafts- und Ordnungsblock zum Zwecke des Volksbegehrens und der Volksabstimmung auf Auflösung des Hessischen Land⸗ tages zusammengeschlossenen drei Parteien seien eine einzige Partei, ist falsch. Keine der drei Parteien hat ihre Selbständig suf keit aufgegeben, was daraus ersichtlich ist, daß unter allen Ver.. öffentlichungen des Wirtschafts- und Ordnungsblocks die drei def beteiligten Parteien gesondert unterzeichnet haben. Angesichts ide dieser Tatsache erweckt die Berufung zweier sozialdemokratischer . * Beisitzer in den Ausschuß den Eindruck der Parteilichkeit.“ 00 Der Abstimmungsleiter, Ministerialrat Bornemann, er. klärt hierzu, daß er bei seiner Auffassung bleibe, daß in diesem dir Falle die drei Rechtsparteien eine Einheit bilden, und diese 1 Einheit habe er bei der Bildung des Ausschusses berücksichtigt er Außerdem stehe ihm die Berufung des Ausschusses zu und es sen“ keine Instanz da, die ihm diese Berufung streitig machen könne(]). »Neue Postautolinie. Die Postverwaltung hat vor einigen Tagen zwei neue Postautolinien in Wetzlar eröffnet, und zwar Wetzlar Rodheim a. d. Bieber und Gladenbach Rodheim a. d. Bieber. Durch Eröffnung dieser Linien werden wertvolle Teile des südlichen Kreises Biedenkopf erschlossen. Da die Linien so⸗ wohl in Rodheim als auch in Gladenbach Anschluß erhalten, ist eine direkte Verbindung Wetzlar Biedenkopf hergestellt, 8 Für den dienstlichen Verkehr mit der Kreisstadt bedeutet diefe. Linie eine erhebliche Abkürzung, weil die Bewohner bisher den Aae Umweg über Gießen Marburg Biedenkopf mit der Eisenbahn Uhle nehmen mußten. Auch für den Touristenverkehr werden land-“ chu schaftlich schöne Gegenden, die bisher schwer erreichbar waren, gen! zugänglich gemacht. 1 Ta * Aufhebung einer Falschmünzerwerkstätte. 10 f folgendes Bild: 16. 6. 1925 1. 12. 1910 2 8 9 5 2 Bingen. Seit einiger Zeit, ungefähr seit der Gewerbeschau, theinu 1. Berlin 4013 588 3 734 258 2 1 0.— 5 5 1 U— 85 8 wurde in Bingen die Wahrnehmung gemacht, daß falsche Ein⸗ ehr m 5 2770 5 Die männerreichsten Städte sind nach dieser Veröffentlichung 3 8 5 5 5 10 2. Hamburg 1079 092 953 103. 5 7 55 9 5 f 5 marckstücke fortgesetzt und in großer Anzahl in den Verkehr ge. ssiett, 5 85 5 die Städte im Ruhrrevier, und zwar kommen auf 1000 männ⸗ 1— 5 8 3. Köln 698 064 600 291 1 5 915 e 5 bracht wurden, ohne der Täter habhaft zu werden. Dieser en zu 5 2 8 liche in Hamborn nur 8,92 v. H. weibliche, in Duisburg 9,63 v. 38 8 5 8 5 10— 4. München 680 704 607 592 7 5 75 Tage wurden zwei Frauenspersonen ermittelt, die falsche Eine Stelle 5 888 59 H., Oberhausen 9,64 v. H., Gelsenkirchen 9,65 v. H., Bochum 9,77 12 5 8 1 5. Leipzig 679 322 644 644 v. H. und Mühlheim 999 v. 9 markstücke in hiesigen Ladengeschäften verausgabten. Beide ines 6. Dresden 618 684 608 841 N 8—.. Personen wurden festgenommen. Bei der Vernehmung gab eine en 7. Breslau 554 801 514 979 den Herstellungsort Geisenheim und den ebenfalls dort wohnen⸗ Land 8. Essen 468 696 410 214 Alus Hossen. den Hersteller an. Es wurde sofort eie Durchsuchung der Woh ac U 9. Frankfurt a. M. 461 849 414576 55 nung des Herstellers in Geisenheim vorgenommen. Eine voll ber e. 10. Düsseldorf 431096 358 728 Das hessische Volksbegehren. ständige Münzenwerkstätte sowie fertiges und halbfertiges Gelb an if 11. Hannover 422 435 381678 Darmstadt, 13. August. Die Prüfung der Unterschriften-] wurde vorgefunden. Die ganze Werkstätte wurde beschlag fie 12. Nürnberg 392 494 342 142 sammlung für das Volksbegehren auf Auflösung des Hessischen] nahmt. Die Hersteller der falschen Einmarkstücke, Vater und lr 13. Stuttgart 341461 298 462 Landtages droht sich wie aus den ersten beiden Sitzungstagen[Sohn, ein ehemaliger Techniker, wurden ebenfalls in Haft ge. lan 14. Chemnitz 331 641 301 295 des Abstimmungsausschusses hervorgeht, so sehr in Einzelheiten[nommen. Wieviel Geld hergestellt und in Umlauf geseßt 155 eg 15. Dortmund 320 256 258 962 zu verlieren, daß wurde, ist noch nicht bekannt. cht f ——— ine lter eee PP. .—*. N 8 X. 2 N E 2 1. 2 N 2* 2 8 2* 2 Pale 3 O 9 0 gun 8 5 0 50 ig, d 5 Amtliche Formulare 2 2. 22 . 2 vorm. Wilh. Keller 2 — 5 4 e NN NN N N NN für Blirgermeistereien, Standesämter, Ortsgerichte, Pfarrämter, Schulen ett. sind jederzeit vorrätig in der Jormluar-Großhandlung Albin Ulein, Gießen Südanlage 21.-Sernspr. 1502 Ueber die technische Ausführung der in meiner Druckerei gedruckten und besonders gut eingebundenen Tauf-, Nonfirmations-, Trau⸗ und Sterbe⸗Register sind ungewollt mir mehrere Dankschreiben von Pfarrämtern zugegangen. Die Herren Pfarrer bitte ich, meine Formularhandlung, die mehr als 1000 verschiedene Formulare für alle Behörden, Vereine, Anstalten etc. umfaßt, auch den Herren Nirchenrechnern und anderen Organisationsmännern zu empfehlen. ee . 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