fännhh ien nter 9 Evan erst! ene Stadt nner z Arbei in all dien lle bir 00 2. Jahrgang. erklären brauchen. Früher hatte jeder es in der Früher hörte jeder es von der Kanzel herab. dem Kinde vom Vater genau gesagt, was hat man sich noch geschämt, wenn man eit Sünde nachgewiesen werden konnte. D 1 durften die Prediger auf der Kanzel nicht mehr von. Sünde Erscheint zunächst wöchentl. Bezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus. Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. Schriftleitung: Edwin Hamburger in Staden(Oberh.) Die evangell In einem hessischen Landstädtchen hielt vor weni⸗ gen Jahren ein bekannter Führer der Dorfkirchen freunde einen Vortrag über die Bedeutung der Dorf kirche für den inneren Neubau des deutschen Volkes. Der Vortragende führte u. a. folgendes aus:„Nach— dem unser Volk infolge des Krieges auch innerlich zu— sammengebrochen ist, muß ihm zunächst innerlich wieder geholfen werden. Diese Hilfe muß die Kirche leisten. Die Kirche, die Religion muß die seelischen Kräfte zum inneren Wiederaufbau des deutschen Volkes schaffen. Auf dem Land zeigt sich der Niederschlag der Religion in der Sitte. Die Sitte hat eine große Macht über die Menschen. Da bekanntermaßen die Sitte nirgends ausgeprägter ist als auf dem Land, dem Dorf, bei dem Bauerntum, kann nur von hier aus eine Auferstehung unseres Volkes erfolgen, muß der Weg zur Gesundung über das Dorf, das Bauerntum gehen. Voraussetzung hierfür ist allerdings, daß die Religion, die Wurzel aller echten Sitte, hier wieder zu Ehren kommt.“— Aus diesen letzten Bemerkungen klang eine nicht mißzuver⸗ stehende Anklage gegen das Bauerntum der Nachkriegs— zeit durch. War diese Anklage berechtigt? Hatte die früher viel gepriesene bäuerliche Frömmigkeit wirklich notgelitten? Wenn wir ehrlich sein wollen, müsson wir diese Frage bejahen. Wir sahen einen materiali— stischen Sinn im Bauerntum, religiöse und sittliche Ver— hältnisse, die uns mit banger Sorge erfüllten, umso mehr als wir— auch die Kirche solchen betrübenden Erscheinungen gegenüber fast machtlos waren. Wie konnte das alles kommen? Man kann ruhig behaupten, daß die politischen Führer des Bauernstandes— rich— tiger gesagt des Reichslandbundes, das deutsche Bauern tum hatte bisher nur wenige Führer— schuld sind an dem materialistischen Sinn des deutschen Bauern. Mit allen möglichen Mitteln suchten diese Führer die Geld und Gewinnsucht der kleinen und mittleren Bauern in großen Bauernversammlungen zu wecken. Ihr Kampf gegen die Kirchensteuern war nicht minder heftig wie der Kampf gegen andere Steuern. Ein landbündleri⸗ scher Reichstagsabgeordneter brachte es sogar fertig, am hessischen Buß- und Bettag(Palmsonntag) eine öffent⸗ liche Wahlversammlung in einem größeren Landort zu halten. Da wundert man sich auch nicht mehr, wenn man hört, daß der Landbund am Totensonntag Ver- en einberufen hat. Die Landbundorgani— sation erzeugt einen Gruppenegoismus, der für das Volksganze schädlich werden mußte wie der durch die Gewerkschaften erzeugte Gruppenegoismus. Beginnt der deutsche Bauer dem ihm durch seine „Führer“ eingeimpften Materialismus den Rücken zu kehren? Wir dürfen, wir müssen diese Frage bejahen aus den Erfahrungen heraus, die wir seit Bestehen der —.———⁰»ãůmgmm ear Selbstbewußtiein. Johannes 8,46.„Welcher unter einer Sünde zeihen?“ N Wenn wir in das Völkerleben mit all seinem Argwohn, seinem Neid, seiner Selbstsucht, seinen Intrigen, seinen Kriegen und Blutvergießen hineinschauen, dann erkennen wir bald die Quelle für alle diese Greuel. Es ist die Sünde! Was hat diese Sünde schon für ein Herzeleid auf die Erde gebracht. Wieviel Menschen sind früh einen grausamen Tod gestorbem wegen der Sünde. Die Sünde ist das Unheimliche, das keinen Staat im großen Rahmen der Weltpolitik kann ruhig leben lassen. Die Sünde ist das Unheil im Völkerleben. Die Sünde ist der Leute Verderben. Wie es im Leben der Völker ist, so ist es aber auch im Leben EEE euch kann mich der einzelnen Menschen. Wir dürfen nur einmal den örtlichen Teil einer Zeitung lesen. Tag für Tag melden die Spalten von Morden, Einbrüchen, Beraubungen, Betrügereien, Unter⸗ schlagungen, Vergewaltigungen, Vergehen gegen keimendes Le— ben. Es ist eine ganz furchtbare Folge von Sünde und Schande, die uns täglich geboten wird. Die Sünde ist auch das Unheil im Leben des einzelnen Menschen. Wie zerstört die Mißgunst und der Neid das friedliche Leben unter den Menschen. Was richtet die Lüge und die Verleumdung in Stadt und Dorf alles für Unheil an. Wie schön wäre es doch im Leben, wenn die Sünde nicht so verbreitet wäre! Was ist denn Sünde? Früher hat man das sprechen. Die Leute wollten etwas anderes hören. Das war! E ͤ b Fernsprecher 1362. Postscheckkonto 8437 Frankfurt⸗-M. 7 6 Evange gemeinschaft mit dem Bauernstand gemacht haben und immer wieder machen. Wir haben Gott sei Dank im Bauernstand viele wackere, recht denkende Männer, die es mit großer Freude begrüßen, daß die Evangelische Volksgemeinschaft gegründet wor⸗ den ist, um die der evangelischen Sache drohenden Ge⸗ fahren abzuwehren, um auch im politischen Leben christ⸗ lichen Geist voll zur Geltung zu bringen. Ja, die Zahl der Bauern wächst täglich, die einsehen, daß nur durch eine innere religiöse und sittliche Erneuerung unseres Volkes ein Wiederaufstieg Deutschlands zu Glück und Größe möglich ist, daß auch im Bauernstand der Kampf gegen Materialismus, Ultramontanismus und Mam⸗ monismus, der Kampf gegen den Geist krasser Selbst sucht und Geldsucht aufgenommen werden muß. Der bewußt evangelische Bauer will seinem bedrohten evan⸗ gelischen Glauben die Treue halten und mithelfen, daß die obersten Grundsätze des Christentunis, der Gerech⸗ tigkeit und der Liebe, im wirtschaftlichen Leben zur Geltung kommen. Darum dürfen wir zuversichtlich hoffen, daß schon aus den erwähnten Gründen aus dem Bauernstand die Reihen der Evangelischen Volksge— meinschaft nicht unbedeutend verstärkt werden. Der deutsche evangelische Bauernstand wird aber auch aus wirtschaftlichen Gründen in Zukunft in der Ev. Volksgemeinschaft seine politische Vertretung sehen. Die Evang. Volksgemeinschaft ist die Partei des schaf zu dem schaffenden Volk der weiß jeder, der das Landvolk kennt.„Im weiß deines Angesichts sollst du dein Brot essen“, das gilt wahrlich vom Bauernstand. Für die Evangelische Volksgemeinschaft ist es eine ganz selbstverständliche abe und Pflicht, dem gerade in der Gegenwart um sein Dasein schwerringenden Bauern⸗ stand ihre Fürsorge zuzuwenden, dem Stand, der bis⸗ lang in der Tat noch keine rechte Vertretung in den Parlamenten gehabt hat. Denn für den überlegenden Bauern ist der Reichslandbund, jene Organisation, in der die Führung in den Händen der deutschen Groß⸗ agrarier, vornehmlich der Rittergutsbesitzer liegt, nie⸗ mals die wirtschaftspolitische Vertretung des deutschen Bauernstandes gewesen. Welcher Gegensatz auch: Hier Besitzungen bis zu 180 000 Morgen in der Hand eines Besitzers, auf der anderen Seite bäuerlicher Besitz von 2040 Morgen. Da ist es schon begreiflich, wenn kürz⸗ lich einer unserer Freunde aus Schlesien schrieb:„Ich wünsche dringend, daß die Evangelische Volksgemein⸗ schaft auch bei uns Fuß faßt. Ich habe bisher„deutsch national“ gewählt, habe aber dabei meine große Be Wen sollen unsere Stellenbesitzer(Klein⸗ n) und kleinere Gutsbesitzer wählen? Sie stehen in solchem großen Gegensatz zu den Großgrundbe⸗ — it vor dem großen Kriege. Wer noch es wagte, Sünde nennen, dem ging man einfach nicht mehr in die Kirche. jetzt An Au de nien. Erst als der Krieg über Nacht als ein unfaßbarer Schrecken kam, da sagten in meinem Dorfe wenigstens die alten Leute: „Das ist eine Strafe für die Sünde!“ Damals kam auch Buß⸗ in unser Volk hinein. Aber es war ein Strohfeuer. Krieg zu lange dauerte, da sahen unsere Männer drau je unter denen, die ihnen Vorbilder sein sollten, schlechte Kerle waz en. Warum sollten sie, die Untergebenen, besser sein So mögen sich manche gefragt haben. Wir auch tüchtige Offiziere auch in den letzten Aber leider waren viele keine stimmung der wie ihre Führer? wollen froh sein, d draußen standen Jahren noch guten Vorbilder. Da kamen sie dann nach Hause. Unsere Sol daten waren Räuberbanden zum Teile sehr ähnlich. Sie hatten in Gefühl mehr für mein und dein. Wo waren sie geblieben, Soldaten? Sie hatten die Sünde zu Heimgekehrten auf unser geehr re so h Das übertrugen hten verle ee nur noch mit Schaudern zurück auf unser Voll in den erf hren nach dem Kriege. Wir fühlten deutlich, 1 if„Die Sünde ist der L en!“ äden an der Seele unseres Volkes ize Dörfer unwil werden cheilt Auch heute re e besond 1 te ö solch oberflächlichen damit h gar nicht mehr die Mühe, die Gebote zu befolgen. einen nimmt man Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg., Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., ten ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen Vergünstigung. Nummer 12. Auermstand. sitzern, daß sie deren Partei nicht wählen mögen.“ Die breite Masse des Landvolks steht im Gegensatz zu den Großgrundbesitzern, das gilt nicht nur für Schlesien, das gilt für Deutschland überhaupt. In Vergangenheit und Gegenwart waren und sind schwere Steuerkämpfe innerhalb der Landwirtschaft an der Tagesordnung. Daß der Bauer, der heute wirklich um sein Dasein ringt, ungleich größere Steuerlasten tragen muß, als der Groß⸗ grundbesitzer, klingt unglaublich, ist aber wahr. Als Beweis sei folgendes angeführt: Die Domäne Löhme, die vor den Toren Berlins liegt, zahlte für den ca. 3000 Morgen großen Besitz an Einkommensteuer für das Jahr 1924 genau 475 /, die Gemeinde Löhme mit 1700 Morgen Besitz zahlte im gleichen Jahre bei denselben Absatz- und Bodenverhält⸗ nissen 2400/ Einkommensteuer. Die Gemeinde See⸗ feld, die ebenfalls an die Domäne Löhme grenzt, zahlte für ihren ca. 3000 Morgen großen Besitz für das Jahr 1924 über 6000„ Einkommensteuer. In der Gemeinde Seefeld ist fast ausschließlich nur bäuerlicher, in der Hauptsache kleinbäuerlicher Besitz vorhanden, woraus zu ersehen ist, daß bereits 1924 eine weit stärkere Be⸗ lastung der bäuerlichen Landwirte in Bezug auf die Einkommensteuer zu verzeichnen war, wie das beim Großgrundbesitz der Fall war. Zur Erläuterung sei noch erwähnt, daß in der Ge⸗ meinde Seefeld der größte Teil der Landwirte auf Pachtland angewiesen ist und daß der Domänenpächter der Domäne Löhme als Afterverpächter verhältnismäßig sehr hohe Pachtpreise für die einzelnen Grundstücke er⸗ hält. Das ist lein vereinzelter Fall. Ein führender Eroßgrundbesitzer selbst hat festgestellt, daß die Groß⸗ grundbesitzer überwiegend keine Einkommensteuer— und damit auch keine Kirchensteuer!— bezahlen. Für den Kreis Insterburg ist amtlich festgestellt worden, daß dort 60 Prozent der Großgrundbesitzer keine Einkom⸗ mensteuer zahlen, daß 20 Prozent zahlen, und bei 20 Prozent noch die Untersuchungen schweben. Eine Be⸗ sitzung von 5000 Morgen bester Lage und bester Boden⸗ qualität zahlte keine Einkommensteuer! Was beweisen diese Feststellungen? Sie beweisen offenkundig, daß Rittergutsbesitzer mit Besitzungen von riesiger Größe und ganz zweifelsohne einer Lebenshaltung von hohem Aufwand von Einkommensteuer befreit sind, während armselig und kläglich lebende Bauern in Süd⸗, Mittel⸗ und Westdeutschland, deren Besitz an Größe oft nur ein Hundertstel, ja nur ein Zweihundertstel, von dem man⸗ ches östlichen Großgrundbesitzers ausmacht, zu Steuern veranlagt werden. Es ist doch eine Ausnahme, wenn ein Bauer keine Einkommensteuer bezahlt. Dabei ist in der Regel das beste Land in der Hand der Großgrund⸗ besitzer! PPP PPP ppPP—PpPPPPPPPPpPpPPP—0—P——P—G—0—G—G—G—ꝙ—ꝙ———————————— Gewiß ist es eine Wahrheit, wenn Paulus sagt:„Wir sind all⸗ zumal Sünder.“ Dabei dürfen wir jedoch nie unser von Gott ge⸗ sandtes Vorbild aus den Augen verlieren. Gott hat uns Jesus Christus gesandt als einen, der„versucht ist allenthalben gleich wie wir, doch ohne Sünde.“ Da haben wir den Menschen, der allein ohne Sünde war, der das große Selbstbewußtsein haben konnte:„Welcher unter euch kann mich einer Sünde zeihen?“ Niemand war da, der Jesus eine Sünde nachweisen konnte. Sie hatten ihm manche Falle gestellt. Aber Jesus stand fest auf dem Worte Gottes. Schon am Anfang seiner Wirksamkeit hatte er eine dreifache Prüfung zu bestehen. Jesus hat sie bestanden. Mit dem Gottesworte gewappnet ist er jeder Versuchung be— gegnet. Ja, da steht Jesus hoch über uns allen. Es ist fast nicht zu begreifen, daß dieser so hoch über uns Sünder stehende, uns seine Brüder nennnt. Was sind wir fündige Menschen gegenüber diesem Reinen? Für ihn war der Aille Gottes etwas selbstverständliches, uns hält es so schwer, sich in den Willen Gottes hineinzufinden! Zwar muß Jesus nach der Frömmigkeit der Pharisäer ein großer Sünder gewesen sein. Was diesen an lultischen Formen und Satzungen wichtig war, das galt bei ihm nichts. Er wußte, daß solche Formen und 0 gen nicht von Gott, sondern von Menschen gemacht wer⸗ den. o stand er also auch den Musterfrommen gegenüber allein auf dem Boden des reinen Gotteswillens. Unserem zusammengebrochenen Volke fehlt jedes Selbst be⸗ Das Selbstbewußtsein. das Jesus hatte, das können wir ja nicht haben. Aber darin, was die treue Nachfolge Jesu anbetrifft, müßten wir mehr von uns sagen können. Wir züssen wieder Jesus mehr als unser Vorbild nehmen. das Große, das dieser Sündenreine für uns ind hat er getragen! Er, der Reine, der so gen durfte:„Welcher unter euch kann mich einer „der hat Sünde der Menschheit auf sich ge⸗ ist für die sündige Menschheit am Kreuze ge⸗ Amen. Hr. Sa wußtsein. Daz Dazu Sünde Ur Jesus war mehr wie wir! nommen 1 0 N Sonnabend, den 20. März 1926. — rr In der heutigen Nummer beginnt der neue Roman Wer mich bekennet. Von Erwin Gros, einer der bekannten volkstümlichen Romane des Verfassers. Den Kern der Handlung bildet die Geschichte einer dörflichen Gegenreformation. Mit der Veröffentlichung dieses Romans wird unseren Lesern ein guter Unterhaltungsstoff geboten. „Evangelische Warte“ Auch bei der Grundvermögenssteuer liegen die Ver⸗ hältnisse ähnlich. Das beweist folgender Antrag der Deutschen Volkspartei im preußischen Landtag: „Der Landtag wolle beschließen, das Staats⸗ ministerium zu ersuchen, bis zum Inkrafttreten der Bewertung durch das Reichsbewerkungsgesetz durch eine Revision des jetzt geltenden Tarifs dafür Sorge zu tragen, daß der Kleingrundbesitz nicht stärker als der Großgrundbesitz durch die Grundvermögenssteuer belastet wird, und bei der im Gange befindlichen Be⸗ wertung nach dem Reichsbewertungsgesetz durch seine Organe im gleichen Sinne tätig zu sein.“ Im Volksstaat Hessen sind vor wenigen Wochen durch die Landeshypothekenbank rund 17½ Millionen Darlehen für die Landwirtschaft in 128 Einzelposten bewilligt und davon bereits 935 300 l ausgezahlt wor— den. Es entfallen: 51 Posten auf Darlehen bis 3000. 29 5 5 von 30005000 2 N 9„ 500010 000 1 5 5„ 10 000-20 000 A 33 95 5„ 20 000-30 000 5 über 30 000 l. 5„„„ Unter diesen 5 zuletzt Genannten befindet sich ein Darlehnsempfänger, der allein 600 000 erhalten hat. Als Grund werden die Bedingungen der Rentenbank angegeben. Der in der Rentenbank durch den Reichs⸗ landbund vertretene Großgrundbesitz hat es also ver⸗ standen, sich den Hauptanteil an den Krediten zu sichern. Wieviele Bauern sind dadurch benachteiligt worden! Spricht die obige Tabelle nicht Bunde? So sehen wir in der Landwirtschaft nicht nur eine kaum zu glaubende ungerechte Steuerverteilung, wir sehen auch eine geradezu skandalöse, ungerechte Kreditverteilung. Da ist es begreiflich, wenn nun allgemein nicht mehr ver⸗ einzelt eine starke Mißstimmung sich im Bauernstand gegen die im Reichslandbund allmächtigen Großgrund⸗ besitzer und damit gegen den Reichslanoound selbst überall, wo diese Ungeheuerlichkeiten bekannt werden. bemerkbar macht. Die Empörung ist in Bauernkreisen auch deswegen so stark, weil der Landbund sich immer als der Hüter der Bauerninteressen ausgegeben hat, was zur Folge hatte, daß die breite Masse des Landvolks bei den Wahlen fast geschlossen die Listen des Landbundes wählte.„Durch Schaden wird man klug“, das erlebr jetzt der deutsche Bauernstand. Wie der deutsche Ar⸗ beiter einsieht, daß er in dem von der Sozialdemokratie geforderten Klassenkampfgedanken sein Heil nicht findet, daß er in dem Hochhalten dieses Gedankens sich Bundesgenossen verscherzt, die er braucht, unbedingt braucht zum Aufstieg, so kommt auch der deutsche Bauer immer mehr zu der richtigen Erkenntnis, daß seine bis⸗ herige politische Einstellung falsch ist. Als Gefolgs⸗ truppe des Reichslandbundes, der seine politische Ver⸗ tretung in der deutsch-nationalen Partei hat, die der Großgrundbesitz und das Alkoholkapital führt, verscherzt sich auch der deutsche Bauer Bundesgenossen, die er für sein Emporkommen nötig hat: Den Mittelstand, den Beamtenstand, den Arbeiterstand; gar nicht zu reden davon, daß im Reichslandbund seine bäuerlichen Inter⸗ essen wie oben dargelegt gar nicht gewahrt werden. Die genannten Bundesgenossen findet er nur in der Evan⸗ gelischen Volksgemeinschaft, der Partei des schaffenden Volkes. Und die vielen tüchtigen Bauern und dem Bauernstand sehr nahestehenden bekannten Persönlich⸗ keiten in der Evangelischen Volksgemeinschaft bürgen dem Bauer dafür, daß er sich selbst unterstützt, wenn er diese neue Bewegung unterstützt! Der Kampf der schaf⸗ fenden Stände gegeneinander— mit großem Geschick immer wieder von den lapitalistischen Parteien, zu denen natürlich auch die Sozialdemokratie zählt, bei Wahlen in Szene gesetzt— hat das schaffende Volt in die Armut und den Steuerdruck von heute gestürzt: Den Bauernstand nicht minder als die anderen werk— tätigen Stände. Darum schließt sich auch der deutsche Bauer der Evangelischen Volksgemeinschaft an, weil er hier seine wahren Freunde hat, die seine wirtschaftlichen Nöte kennen. Er schließt sich aber auch deswegen der Evange— lischen Volksgemeinschaft an, weil er hier ehrliches Streben für Christentum, Vaterland und Gemeinwohl findet, was allein eine innere religiöse und sittliche Er⸗ neuerung unseres Volkes verbürgt. Die Vodeutung der Kirche in Amerika. Der„Darmstädter Zeitung“ entnehmen wir den folgenden interessanten Bericht: Professor Dr. Frick von der hessischen Landesuniver⸗ sität Gießen konnte letzten Winter während eines vier⸗ monatlichen Aufenthalts in Amerika die kirchlichen Ver⸗ hältnisse der Vereinigten Staaten studieren. Die evan⸗ gelisch soziale Arbeitsgemeinschaft Darmstadt gab ihm jetzt Gelegenheit, vor einem größeren Kreise der Oeffent⸗ lichkeit seine Kenntnisse und Erfahrungen über die Be⸗ deutung der Kirche im öffentlichen Leben Amerikas vor⸗ zutragen. Dr. Frick begann mit einer Darstellung Amerikas als eines auf die Spitze getriebenen Europas, eines gleichsam jüngeren Bruders des alten Erdteils. Dort sind die Gegensätze, die uns bewegen, zu ganz außerge— Wer mich belennet. Von Erwin Gros. Die Taunusberge reckten sich im Scheine der Maiensonne auf; wie eine hohe, grüne Wand schlossen sie die Ebene abef Ein grau⸗ weißer Duft lag über ihren Wäldern gleich einem feinen Schleier, der ihre Schönheit mehr offenbart als verhüllt. Der Winter hatte mit Zähigkeit seine Herrschaft verteidigt; immer neu hatte er von der Höhe her die Nordwinde gesandt; die kamen mit den kalten Schneegeschwadern und überdeckten das flache Land. Doch der Frühling fürchtete sich nicht; mit keckem Mut und sieghaftem Ungestüm drang er vor; einen Schneewall nach dem andern überstieg er, bis zuletzt auf der höchsten Höhe die grünen Fahnen von allen Wipfeln wehten, und der grimme Winter zum Pol, entwich. In bunter Farbenpracht lag die fruchtbare Mainebene, hier das satte Grün der Winterfrucht, dort die gelben Rapsfelder; die Wege, festlich umsäumt von blühenden Obstbäumen. Wie ein tiefer Orgelton zog die warme, weiche Luft das Summen unzähliger Bienen, die sich von Feld und Rain, von Baum und Strauch die erste, süße Ausbeute holten. Auf diesen feierlichen Grundton baute sich die Symphonie des Frühlings auf, in der jeder seßhafte oder heimgekehrte Sän— ger im Federkleid seine besondere Weise ertönen ließ. Und über all der grünenden, blühenden, singenden Herr— lichteit spannte der Himmel sein weites, blaues Zelt, und die Sonne lachte hernieder. Hie und da ein weißes, lichtglänzendes Wölklein! Sitzen nicht pausbackige Engel darauf, haben die Beine übereinander geschlagen und spielen auf Schalmeien? Doch all dieser Pracht achtete der Wanderer nicht, der auf der Landstraße von Rodheim nach Holzhausen wanderte. Ich sage Landstraße— ein Feldweg war's; wer wußte damals etwas von gebauten Straßen? Der Frost war der beste Wegbauer. Doch all der Löcher mit den noch nicht völlig ausgetrockneten Pfützen achtete Hans Heeger nicht, er hatte schon schlimmere Strecken hinter sich. 5 Müde und verdrossen trottete er dahin. Einen Monat war er schon unterwegs; vergebens hatte er sich allenthalben nach Arbeit umgetan. Und obwohl sein Gesellenbrief, den ihm die ehrsame Schuhmacherzunft von Zweibrücken ausgestellt hatte, hohes Lob verkündete, war er von keinem Meister angenom— men worden. Denn es war eine arme Zeit; viele Jahre dauerte schon der Krieg, den man in der Geschichte den spanischen Erb⸗ folgekrieg nannte. Die unersättliche Ländergier des„Sonnen- königs“ Ludwigs des Vierzehnten hatte ihn entfesselt; in Deutschland, Italien und den Niederlanden tobten die Schlachten. Natürlich hatte auch England seine Hand im Spiele, der leid⸗ tragende Teil war das schwache, ungeeinte Deutschland, das erst zwei Menschenalter zuvor ausgeblutet und ausgeraubt aus dem Dreißigjährigen Krieg hervorgekommen war. Handel und Wandel stockten; am besten war noch der Bauer dran; er erzeugte in der eigenen Wirtschaft alles, was er brauchte. Auf die große Reichsstadt Frankfurt a. M. hatte Hans Heeger seine besondere Hoffnung gesetzt; vergeblich— die In⸗ nung hatte ihm Zehrgeld gegeben und ihn mit guten Wünschen entlassen. Nach Friedberg wollte er nun seine Schritte lenken, dem Hauptort der fruchtbaren Wetterau; da hatte ihm unterwegs ein Zunftgenosse erzählt, daß in Homburg vor Höhe Arbeit sei; darum war er vom Wege abgebogen und hatte sich westwärts gewandt. Vielleicht, daß es ihm noch gelang, vor Abend das ersehnte Städtchen zu erreichen. In ihm war es wie geheime Gewißheit, daß der Ort glückbringend sein müsse, trug er doch denselben Namen wie das kleine Städtchen in der Pfalz, von dem sein Heimatdorf nur eine knappe Stunde entfernt war. Plötzlich blieb er stehen und horchte; klang dort nicht in der Ferne Musik von Geigen und fröhlicher Gesang? Unwillkür⸗ lich beschleunigte Hans Heeger seine Schritte. Unfern der Weg— biegung war eine Art Wüstung, dort standen viele Planwagen; kleine, zottige Pferde weideten zerstreut im Gelände, eine Un⸗ zahl nackter und halbnackter Kinder sprangen umher. „Aha, Zigeuner!“ sagte Hans Heeger erfreut. Von Jugendzeiten an waren die fahrenden Leute für ihn von einem eigentümlichen Zauber umgeben. Das Geheimnis unbekannter Fernen umschwebte sie. Und gar die Zigeuner, von denen niemand wußte, woher sie stammten, ob sie Heiden oder Christen waren, die der Zukunft kundig und allerhand Gebrechen bei Menschen und Vieh zu heilen imstande sein sollten! Hans Heeger machte Halt und schaute aus nächster Nähe dem Treiben der Horde zu. Zwei Kessel kochten; armblößig trugen Weiber Holz herbei, und zwei alte Vetteln rührten mit großen Löffeln die dampfende Masse. Männer und Weiber hockten auf dem Rasen; fleißig kreiste der Becher. Auf einem er— höhten Sitz saß ein junges Paar in phantastischem Schmuck. Offenbar feierte man seine Hochzeit. Braut und Bräutigam traten zum Tanz an. Die Violinen und Guitarren erklangen; jetzt war es eine getragene Weise, wöhnlichen Kontrasten angewachsen. Aber bestimmte letzte Frage hat Europa mit Amerika gemeinsam, wenn auch die Lösungen dieser Fragen in den beiden Kon⸗ tinenten noch vielfach sehr verschieden sind. Die Kirchen bilden in den„United States“ schon immer selbständige Körperschaften. Alle sind unabhängig vom Staat, und in den Staatsschulen gibt es keinen religiösen Anter⸗ richt. Den erteilen die Sonntagsschulen und die konfes⸗ sionellen Privatschulen. Das gilt für die römisch⸗ katholische Kirche ebenso wie für die Lutheraner und für die Hunderte von religiösen Sekten. Auch die Stel⸗ lung des Amerikaners selbst zur religiösen Konfession ist nicht von jener innigen, gemütstiefen Beständigkeit wie bei uns. Der Amerikaner tritt in seine Kirche ein wie in einen Verein. Manche Fragen bei uns werden dort nicht verstanden, z. B. die Kirchenaustritts⸗ bewegung, den 55 Prozent der Bevölkerung leben außerhalb der Kirche und nur 45 Prozent sind in einem kirchlichen Verband. Durch Kirchen entsteht dann gerade Kirchenaustrittsbewegung, eine Die Vorzüge des d bezeichnete Dr. Frick als eine phantastische Wandlungs⸗ fähigkeit der Kirchen in ihren Methoden und Zielen, weil sie ja unabhängig von irgendeiner Kontrolle sind. Die Gemeinden wandern dauernd und schließen sich nach Nationen zusammen. Dadurch ist die kirchen⸗geographi⸗ sche Karte Amerikas immer in Veränderung. Dr. Frick fand neuerbaute Kirchen, die schon wieder auf dem Ver⸗ kaufsbudget standen, weil die Gemeinden abwander⸗ ten. Die Werbetätigkeit der Kirchen benutzt die modern⸗ das Gegenteil einer Eintrittsbewegung. sten Großstadtmethoden, z. B. riesige Lichtreklamen über ö den Broadways. Der Christliche Verein Junger Män⸗ ner entfaltet ein besonderes Raffinement mit Methoden, die alle menschlichen Lebensbedürfnisse umfassen. Das wirklich religibse Leben des protestantischen Amerika ist unbekümmert um die vielen religiösen Sekten. Als ein anderer Vorzug dieses religiösen Lebens erschien Dr. Frick eine gesteigerte Leistungsfähigkeit. Auf eine Durchschnittsgemeinde von 250 Mitgliedern kommt im allgemeinen ein Geistlicher. Frick rechnet aus, daß dem⸗ entsprechend ein Staat wie Hessen etwa 5000 Geistleͤhe haben müsse. Er weiß von einer 2000 Mitglieder star⸗ ken Gemeinde in Amerika zu erzählen, die außer 4 aka⸗ demisch gebildeten Theologen eine Unzayl von vezahl⸗ ten und freiwilligen Kräften beschäftigt. Ihr Sa, system enthält sogar eine Schule in tschechischer Sprache, von der Kinderschule bis hinauf zur Volkshochschule, alles mit Rücksicht auf eine geringe Anzahl Tschechen, die der Gemeinde angehören. Ein Drittes, was die ame⸗ rikanischen Kirchen auszeichnet, nannte Frick eine un⸗ geheure Aktivität, einen starken Offensivgeist, den schon die Kircheneintrittsbewegung beweist. Diese Vorzüge werden in Europa oft angeführt, wenn man die Tren⸗ nung von Staat und Kirche verteidigen will. Aber in Amerika geht jetzt ein merkwürdiger Wandel vor sich, Präs. Coolidge weist offiziell auf die Bedeutung und Ar⸗ beit der Kirche hin. Führende Geistliche wurden schon wie⸗ derholt vom Staat zu politischen Aufgaben berufen, und jeder ordinierte Geistliche hat auf den amerikanischen Eisenbahnen bis zu 50 Prozent Fahrtermäßigung. Das hängt damit zusammen, daß die amerikanische Kirche für den Staat ein wichtiges Instrument geworden ist, die Einwanderer zu amerikanisieren. Sie pflegt jenen Standard, der eine besondere amerikanische Art und Weise zu leben und zu denken ist. Zu dieser hohen inner süß und schmachtend, lauter Sehnen und Werben, dann brauste es daher wie der Strom wilder Leidenschaft. Das junge Paar tanzte dazu die Geschichte seiner Liebe, das war ein Suchen und Fliehen, ein Sichverstecken und Finden, und zuletzt ein engver⸗ schlungenes, fesselloses Sichdrehen und Springen. Ganz hingegeben schaute und hörte Hans Heeger zu. Jetzt trat ein älterer Zigeuner an ihn heran; er schien das Haupt der Bande zu sein; er trug eine goldene Kette um den Hals, die Knöpfe seiner Weste und Jacke waren blanke Silber⸗ gulden. Er stand schon nicht mehr ganz fest auf den Beinen, doch die Zunge hatte er noch in Gewalt. Sein Gehaben war ein Gemisch von Häuptlingswürde und verschmitzter Zigeuner⸗ bettelei. Eine lange Rede ließ er auf Hans Heeger los. das große Glück, der Hochzeit dieses schönen Paares auf seiner Wanderschaft begegnet zu sein. Das bedeute für ihn, daß er auch bald diesen herrlichen Tag erleben werde. Und diese gute Vorbereitung werde noch erhöht und befestigt, wenn er den jungen Leuten, die noch keinen eigenen Wagen, auch noch keinen Hausrat hätten, eine Spende geben würde. Hans Heeger hörte zuerst mit großem Ernst zu, dann aber erwiderte er lachend:„Ei, das ist ja zu lustig, daß ihr von mir, einem wandernden Handwerksgesellen, der selber von Gaben lebt, ein Hochzeitsgeschenk erwartet. Aber nun,— ich will mit meine Zukunft nicht verderben“— er griff in die Tasche und zog einen mageren Geldbeutel hervor,—„da habt ihr einen halben Gulden.“ Der Zigeunerhäuptling dankte mit einem tiefen Kratzfuß und vielen Worten höchster Glücksverheißung. „Laßt gut sein,“ fiel ihm der Schuhmachergeselle ein,„singt mir lieber zum Dank ein schönes Lied.“ Der Zigeuner nickte Gewähr und trat in die Runde der Feiernden zurück. Hans Heeger aber nahm sein schweres Fell⸗ eisen von der Schulter, legte es an den Stamm eines Holzapfel⸗ baumes und setzte sich darauf, mit dem Rücken an den Stamm sich lehnend. Es schien ihm doch vonnöten, also sein Eigentum zu sichern, wußte er doch, daß die Langfingrigkeit der Zigeuner unübertroffen war. Dann holte er aus einer Brusttasche seine holländische Tonpfeife hervor, dazu den ledernen Tabaksbeutel und stopfte sie sich. Mit Feuerstein und Stahl ward dann der Zünder entzündet und auf den Tabak in der Pfeife gelegt. Fröhlich zogen nun die blauen Kringelwölkchen in die Luft. (JFortsetzung folgt.) die rege Agitation der Der habe amerikanischen Systems 1 —' 12. ite en Lon. chen dige und iter⸗ % isch And dtel⸗ sion gkeit ein rden itts⸗ eben nem der einer ung, 1 gs. elen, sind. ach aphi⸗ Ftit Ver- ider dern⸗ über Män⸗ oden, Daz serilg Al⸗ N Dr. eine nt in, dem teh stat. 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Seit⸗ ben hat, hat er das Vertrauen des amerikanischen Vol— jenen Satz: richten muß, sondern auf Gemeinschaften, auf Betriebe, Neues aus dem japanisthen Leben aufhaltsamen Prozeß der Umgestaltung aller seiner Lebensver⸗ Wissenschaft. zen nichtchristlichen Welt, auch die der alten Kulturvölker Ost⸗ 4 nicht nur höheres Licht ein, sondern birgt auch tiefere Schatten ien Tiefen erschütterndes und auch die guten Grundlagen des oke d dann! eise Luft, 9 gele Sonnabend, den 20. März 1926. „Evangelische Warte“ Nr. 12. litischen Aufgabe kommt die außenpolitische der Mis⸗ allein 45 Millionen Dollar für Missionszwecke. Aber diese Aktivität verhindert nicht die Gefahr, die daraus entsteht, daß die Religion in Amerika hemmungslos wuchert und nicht wie bei uns eine geformte, erzogene Religion ist. Ein verhängnisvoller Bruch zwischen Kul⸗ zur und Religion bedroht Amerika. Nur so wird ein Dayton begreiflich. Neue Ansätze zu großen Reformen sind begonnen. Man ist schon in vielen Staaten so weit, einen öffentlichen, staatlichen Religionsunterricht einzuführen. Wer nicht Kirchen heute noch ein besonderes Gepräge gibt, das ist dem Hindenburg den Vertrag von Locarno unterschrie⸗ les. Dieser Vertrag war in Newyork in 50 Prozent der Kirchen der Gegenstand der letzten Weihnachtspredigt. D. Frick gab mit diesen Mitteilungen noch eine Fülle ebenso interessanter Details als geistvoller Be⸗ srachtungen. Im Anschluß an die Tatsache, daß in Amerika die Kirche jetzt auf dem Wege zu einer an⸗ erkannten staatsbürgerlichen Bedeutung ist, nannte er Religion ist Privatsache, eine oberfläch⸗ liche Phrase und bekannte, daß auch bei uns die Kirche nicht mehr in erster Linie ihre Arbeit auf den Einzelnen Stadtverwaltungen, wirtschaftliche Verbände und Fa⸗ hriken. Das Problem sei nicht, Religion ist Staatssache oder Privatsache, sondern Religion ist ein Drittes, ist eine eminent öffentliche Angelegenheit, und die Kirche 17 90 eine kämpfende, öffentlich anerkannte Volkskirche werden. Passionszeit. Wenn es auf Ostern geht, sind besonders ernste Tage im Kirchenjahr. Es ist die Passionszeit. Was der Mann von Nazareth hat leiden müssen, das soll dem Christenvolke in diesen Tagen und Wochen besonders deutlich zum Bewußtsein kommen. Wie der große und selbstlose Helfer zum Dorngekrönten wurde, wie ihn Undank und Unverstand verfolgte, wie er dennoch uner⸗ müdlich seinen Heilandsweg gegangen ist und wie er auf Gol⸗ gatha als ein Sterbender doch der erhabene Sieger blieb, das hat auch heute noch für jeden ernsten Menschen etwas Ehr⸗ würdiges und Ergreifendes. Für die christliche Kirche aber be⸗ deutet es den unvergänglichen und heiligsten Mittelpunkt des Glaubens.„Darum laßt uns versuchen“, so heißt es in der tief⸗ ernsten Ansprache, die jüngst ein Landesbischof an alle Gemein⸗ den der Landeskirche ergehen ließ,„die Menschen aus ihren Interessen und Fragen heraus zum Kreuz zu rufen und um das Kreuz zu sammeln. Das Kreuz ist neutestamentlich verstanden, die Stätte, da man zusammenkommt.“ Man wird ein solches Wort um so dankbarer begrüßen, als es in eine besonders schwere geit hineinleuchtet, eine Zeit, wo neben vielen äußeren Nöten auch eine große Weltanschauungsnot zu schaffen macht. Christ⸗ licher Passionsglaube will das Leid nicht einfach beiseite schieben, aber er nimmt ihm die schicksalhafte Trostlosigkeit, er stellt es vielmehr eben in das sieghafte Licht des Kreuzes, und so kann hier sogar von einem Leidsegen die Rede sein. Die Leidenszeit des deutschen Volkes und damit im Zusammenhange die vielen Plagen und Kümmernisse ungezählter Einzelner,— alles ist dennoch nicht bloß zum Verzweifeln, wenn über allem Wirrsal klärend und erlösend jenes Golgatha⸗Kreuz sich erhebt, das dem innersten Menschen Halt und Frieden geben möchte. und der Japan⸗Mission. Von Missionsdirektor D. Dr. Witte 2. Fortsetzung. 3. Die Umwandlung des japanischen Lebens. Seit dem Jahre 1868 ist das japanische Leben in einen un⸗ hältnisse hineingezogen worden. Alles, aber auch alles, wird völlig anders, als es vorher war. Zuerst wurden die äußeren Lebensgebiete davon betroffen. Es kamen Eisenbahnen, Dampf⸗ schiffe, Fabriten, elektrisches Licht. Dann kamen Schulen, Hoch⸗ schulen, ein Parlament, Zeitungen, Bücher, Theater, Kinos und brachten unsere Gedanken, Lebensanschauungen und unsere Gewiß stellt die Zivilisation und Kultur der westlichen christlichen Völker eine höhere Lebensstufe dar als die der gan⸗ asiens. Aber einmal schließt unsere Zivilisation und Kultur und bringt größere Schwierigkeiten und erbitterte Kämpfe aller Art mit sich. Und sodann kommt diese westliche Zivilisation und Kultur über die asiatischen Völker als etwas Fremdes, als etwas, was ganz anders ist, als ihre bisherige Lebensform. Nun gibt es dort ein tragisches, die Volksseele bis in die tief⸗ alten Wesens allmählich zerstörendes Ringen zwischen dem Al⸗ len und dem Neuen. Dieser ungeheure, sehr schwere Konflikt im Leben Japans wird bei uns längst nicht ernst genug er⸗ lannt und mitempfunden. Einige Beispiele mögen diese neue Not, die in das japanische innere Leben hineinkommt, verdeut⸗ lichen. 1. Der japanische Staat hat eine religiöse Grundlageg is ist der Glaube an das göttliche Wesen und die göttliche Ab⸗ tammung des japanischen Kaiserhauses, das sich in direkter Ab⸗ solge herleitet von der obersten Gottheit, der Sonnengöttin Umaterasu⸗o⸗mi⸗kami. Ein riesiger Tempel ist zur Anbetung bes im Jahre 1912 verstorbenen Kaisers Mutsuhito in Tokyo erbaut worden. Große Scharen von Menschen beten dort täg⸗ lich den göttlichen, nun verewigten Kaiser an. Jetzt aber kom⸗ men in diese Welt ganz unvermittelt die Gedanken der west⸗ lichen Demokratie, des Sozialismus und Bolschewismus hinein. Das ergibt schwere Kämpfe, zumal auch ganz neue Wirtschafts⸗ MWothensthau. Der Tag in Genf hat begonnen. Man versucht, die Entscheidung über die Ratssitze hinauszuziehen und hofft, daß die Vertreter Deutschlands mit der Zeit nach⸗ geben, denn die Deutschen haben ja doch immer nachge— geben. Allerdings hat die Intrige gegen Deutschland einen schweren Schlag erhalten durch den Sturz des Kabinetts Briands. Briand weilte nur kurz in Genf während der Eröffnung der Tagung. Dann reiste er wieder nach Paris, wo er zur Zeit bemüht ist, ein neues Kabinett zu bilden. Inzwischen hat der französische Standpunkt in der Ratsfrage sehr gelitten. Aus Lon⸗ don wird sogar gemeldet, daß Sir Austen Chamberlain seinen Standpunkt gewechselt habe und bemühe sich jetzt um den ausschließlichen Eintritt von Deutschland. Schweden will auf keinen Fall eine Vergrößerung des Rates dulden. Auch Belgien ist gegen den Eintritt Polens, Spaniens und Brasiliens. Dieses Ränkespiel hin und her hat dem Völkerbund in Amerika noch keine Achtung verschafft. Die gesamte Newyorker Presse äußert sich über Genf äußerst pessimistisch und stellt folgende zwei Gesichts⸗ punkte in den Vordergrund: 1. Man müsse Deutschlands Vorderungen verstehen, daß im Einklang mit den Locarnoverträgen mit, Deutschland zusammen keine andere Nation in den Völkerbundsrat aufgenommen werden dürfe; 2. Die Vorgänge in Genf bewiesen, daß der Völker⸗ bund zum Spielball nationaler Intrigen herabge⸗ würdigt werde. Selbst ein Blatt wie der„Newyork Herald“ erklärt, das Genfer Problem erscheine hoffnungslos. Der VPöl⸗ kerbund brauche anscheinend einen Diktator. Der Ver⸗ treter der„Newyork Times“ schreibt, die ganzen Genfer Verhandlungen seien durch die Furcht der Völker vor⸗ Locarno zeitweise nicht mehr sichtbar sei. Die deutsche Haltung sei vom technischen und diplomatischen Stand⸗ punkt aus durchaus richtig. ö Bis jetzt sind unsere deutschen Abgesandten noch fest auf ihrem Standpunkt geblieben. Es wäre doch für uns trostlos, wenn unser Reichskanzler und der Reichs⸗ außenminister den schon bald gewohnten Umfall auch diesmal machen würden. Dann würden wir wohl aller Welt ein Gespött bleiben. Leider gibt es wirklich in Deutschland ein Blatt, das diesen Umfall wünscht. Wenn ich die Zeitung nenne, wird es jeder unserer Leser begreifen. Von der„Vossischen Zeitung“ ist vor einigen Tagen der Versuch gemacht worden, Deutschland ins Unrecht zu setzen, indem behauptet wurde, bei Frank⸗ reich und England habe schon längst den Plan einer Umformung des Völkerbundrates dem jetzt von ihnen beabsichtigten Sinne bestanden, davon seien wir seit langem unterrichtet gewesen, und unser Widerspruch gegen diesen Plan im gegenwärtigen Augenblick könne nur dazu dienen, uns erneut die Feindschaft England und Frankreichs zuzuziehen. In seiner Hamburger Rede hat der Kanzler Gelegenheit genommen, dieses Gerede, das von manchen Seiten nicht mit Unrecht als ein Dolch⸗ stoß bezeichnet worden ist, als jeder tatsächlichen Be⸗ gründung entbehrend zu kennzeichnen. Es ist jeden⸗ falls traurig, daß es in Deutschland immer welche geben muß, die sich sogar„bürgerlich“ nennen und immer den deutschen Interessen in den Rücken fallen. Bei diesen gehen immer die Wünsche Frankreichs und Englands denen Deutschlands vor. großes Proletariat entstanden ist, das der alten Volkszucht und Volkssitte stark entfremdet worden ist. 5 2. Der Glaube an die Gottheit der Sonne ist der Mittel- punkt der polytheistischen Volksreligion, des Schintoismus, die in der Natur das Wirkungsgebiet einer unzählbaren Götterschar sieht. Die Sonne, der Mond, die Berge, Quellen und Bäume, berühmte Menschen und Tiere, ja jede Menschenseele, alles sind „kami“, sind Götter. An bestimmten Tagen beten die Schmiede die Geister ihrer Hämmer an, die Fischer ihre Netze. Es gibt Sühnetempel für zerbrochenes Spielzeug. Die Mädchen werden angehalten, ihre zerbrochenen Nähnadeln um Entschuldigung zu bitten. Selbst den Seelen der auf Regierungsbefehl von Zeit zu Zeit vergifteten Ratten bringt man Opfer dar. Jetzt kommt unsere Philosophie und Naturwissenschaft. Jedes Kind in Ja⸗ pan lernt in den Staatsschulen die Natur verstehen als einen Organismus mechanischer, unbelebter Kräfte, die Sonne als eine tote, glühende Masse, die im Weltall kreist. Noch stehen diese beiden Anschauungsweisen im ganzen oft unmittelbar neben⸗ einander. Auf die Dauer aber gibt es da nur ein Entweder⸗ Oder. 3. Noch fügt sich im großen das Volk der alten Familien⸗ ordnung, die z. B. bei der Eheschließung auf Anordnung der Alten die jungen Paare willenlos zueinander bringt, ohne daß sie sich vor dem Hochzeitstage gekannt, gesehen und gesprochen haben. Aber schon lehnen sich viele junge Männer und auch junge Mädchen dagegen auf und verlangen das Recht eigener Entschließung in allen wichtigen Fragen ihres Lebens. Auch sind die Frauen erwacht und fordern Achtung ihrer Freiheit, Gleichwertigkeit mit dem Mann und Rechtsschutz in der Ehe und im bürgerlichen Leben. Im Jahre 1917 gab es bereits 47 265 Lehrerinnen, 700 weibliche Aerzte und viele Tausende anderer, selbständig⸗berufstätiger Frauen, die sich nicht mehr hinein⸗ zwingen lassen in die Abgeschlossenheit der Häuser. . Die westliche Bildung entwickelt das Lebensgefühl der Menschen jetzt genau so wie bei uns und verlegt den Schwer⸗ punkt von den Ordnungen in die einzelne Persönlichkeit. Das heutige Wirtschaftsleben reißt die alten Familienverbände aus⸗ einander, durch die ganz neuen Berufe, durch den modernen Ver⸗ kehr und durch die Entwicklung der Großstädte. So bleiben die jungen Paare nicht mehr wie früher im Hause der Eltern und Großeltern, ist die junge Frau nicht mehr Dienerin der Schwie⸗ germutter in deren Haushalt, sondern auch die Familie indi⸗ vidualisiert sich zu der engeren, kleineren Gemeinschaft der El⸗ tern mit ihren Kindern, die, herangewachsen, wieder eigene einander derartig beeinträchtigt, daß die Sonne von Wie man jedoch selbst in England denkt, verrät die englische Presse, welche nicht hinter Chamberlain steht, in dem sie die Ansicht vertritt, daß Deutschland nicht nachgeben könne und dürfe. Ein Umfallen der deutschen Vertreter in diesem Augenblick würde dem deutschen An⸗ sehen in der Welt unberechenbaren Schaden zufügen. Der Hauptleidtragende aber würde der Völkerbund selbst sein. Bleibe Deutschland fest, so könne ihm nie⸗ mand etwas anhaben. Zwar macht sich in der englischen Presse augenblicklich eine gewisse Unsicherheit bemerkbar, aber gute Beurteiler der Lage glauben, daß die englische Oeffentlichkeit sehr enttäuscht sein würde, wenn sie von Deutschland im Stich gelassen würde. Seit Wochen hat man hier den Standpunkt vertreten, daß Deutschland Gründe gegen eine Erweiterung des Völkerbundsrats unwiderleglich seien. Man würde es nicht verstehen, wenn die deutschen Vertreter durch politische Zugeständ⸗ nisse zum Nachgeben gebracht werden würden. Daß die Festigkeit auf eine schwere Probe gestellt wiro, fühlt man in London deutlich. Dr. Luther, Stresemann und mit ihnen der schwedische Außenminister Anden werden nach Londoner Auffassung unter schwersten politischen Druck gesetzt. Hoffentlich halten sie diesem schwersten politischen Druck mit deutscher Standhaftigkeit aus. Währenddessen ist es auch in Marokko wieder leben⸗ dig geworden. Die Rifkabylen haben wieder die von Spaniern besetzte Stadt Tetuan beschossen und dort empfindliche Verluste verursacht. Bei dem Versuch der Spanier, die Geschütze der Kabylen durch einen Angriff zu vertreiben, wurde die spanische Fremdenlegion unter schweren Verlusten zurückgeschlagen. Der Kommandant der Fremdenlegion ist seinen schweren Verwundungen erlegen. In Syrien ist es zwischen den Franzosen und den Drusen nicht zum Frieden gekommen. Auch dort haben bereits neue Feindseligkeiten begonnen. Nehmen wir noch den fortdauernden Bürgerkrieg in China dazu, so sieht es recht wenig friedlich in der Welt aus. Dort hat der christliche General Feng von der Regierung in Peking den Oberbefehl über alle gegen Wupeifu und Tschangtsolin kämpfenden Truppen er⸗ halten. Bei der Innenpolitik spielt die Auseinandersetzung mit den nicht regierenden Fürstenhäusern immer noch die Hauptrolle. Der Wochenschauer hofft, daß niemand von den Lesern der„Evangelischen Warte“ sich in die Listen zum kommunistischen Volksentscheid hat eintragen lassen. Denn die Fürstenberaubung kann kein Christ unterstützen. Gerade wir von der E. V. müssen fragen: „Wer kommt nach den Fürsten dran?“ Die Antwort gibt uns die„Rote Fahne“. Die Meldung über die Reichsgerichtsentscheidung zugunsten der sächsischen Landeskirche, wonach bekannt⸗ lich der sächsische Staat verpflichtet ist, Zuschüsse zur Be⸗ soldung der Geistlichen aushilfsweise und nur insoweit zu gewähren, als die Besoldung aus den Mitteln bezw. dem Steuerertrag innerhalb der einzelnen Kirchenge⸗ meinde nicht bestritten werden kann, gibt der„Roten Fahne“ zu einem wüsten Geschimpfe über den organi⸗ sierten„Raubzug der Pfaffen“ Anlaß. Das Blatt er⸗ klärt:„Die neue Reichsgerichtsentscheidung zeigt, daß nach Zurückweisung des Fürstenraubes auch das Pfaffen⸗ gesindel in die Schranken gewiesen werden muß.“ Inzwischen hat man sich im Reichstagsausschuß über eine Auseinandersetzung mit den Fürsten grund⸗ Auch wir klagen ja heute darüber, daß die freigewordenen Einzelnen ihre Freiheit oft in Zügellosigkeit mißbrauchen und die Pflicht nicht üben, sich als freie Persönlichkeiten freiwillig in die unerläßlichen Ordnungen in Familie, Gesellschaft und Staat einzufügen. Kein Wunder, daß in Japan die neue Frei⸗ heit nun oft in einen kraß egoistischen und uferlosen Indivi⸗ dualismus überschlägt. Jedes Jahr gibt es in Japan etwa 5000 Schülerstreiks. Heute wollen gar nicht mehr alle gern für den Kaiser sterben, sondern suchen sich oft der Dienstpflicht zu entziehen. Die Alten können sich nicht mehr mit 50 Jahren als Haustyrannen, als Inkyo, von der Arbeit zurückziehen, sondern müssen sich sehr quälen und sind jetzt oft ganz hilflos, da eine staatliche Sozialversorgung noch fehlt.(Fortsetzung folgt.) Viroler Trutzlied. Sandwirt steh' auf, ruf' uns zu Hauf'! Retten das Land!! Austreib'n die Schand'!! Glocken tuet's schlag'n, Botschaft austrag'n; In d' Höh', in d' Weit'! Bald ist es Zeit! Weiber, nit schrei'n. Schaut, es mueß sein! 's Landl braucht Ruah.. Mannder, greift's zua! Maderl, falt d' Händ': um ein guets End' Schick nauf die Bitt'! Bub, du kummst mit! Herrgott da ob'n, dich woll'n wir lob'n, Herr, steh' uns bei, Herr, mach' uns frei! Weisheit des blinden Knaben. Was immer mir das Schicksal noch beschert, Eh' sie mir einst mein Ruheplätzchen graben, Daß Grauen fürder nicht mein Herz verzehrt, Dank' ich dem Ausspruch eines blinden Knaben. Er schaut mich an mit seinem toten Blick Und ich sah heißes Lehen drin entbrennen, Da er mir kundtat seines Hoffens Glück: „Ich werde sicher morgen sehen können!“ Er weiß ja nicht, was morgen ist, was heut', Ihm ist in Dunkel alle Zeit verborgen, So daß er sich sein ganzes Leben freut Auf ein von Sonnenglanz bestrahltes Morgen. Du blinder Knabe, oh, wie dank' ich dir! Es möge nichts die Zuversicht dir nehmen! Ich aber, ich, naht je Verzweiflung mir, Distler. ormen sich in der modernen Industrie gebildet haben und ein Wege gehen. Will mich als Echo deines Ausspruchs schämen. H. Salus. Sonnabend, den 20. März 1926. sätzlich geeinigt, und zwar werden folgende Punkte ge— nannt: Auch dabei würde es nicht bleiben. Anderes Privat— eigentum würde folgen. Zusammensetzung des Sondergerichts, rückwirkende Kraft des Gesetzes und einzelne Fragen betreffend die Teilungsmasse. In der neulich von mir gemeldeten Klage der Ge⸗ werkschaften gegen die Reichsbahn fand am 5. März vor der 8. Zivilkammer des Landgerichts 1 in Berlin die Verhandlung statt. Die Gewerkschaften waren vertreten durch Rechtsanwalt Roth, die Deutsche Reichsbahn-Ge⸗ sellschaft durch Rechtsanwalt Bathmann. Nach längerer Verhandlung wurde das Arteil gefällt, das die Klage der Gewerkschaften kostenfällig abweist. Die Begrün⸗ dung des Urteils steht noch aus. Daß unser deutsches Wirtschaftsleben sich immer noch nicht gebessert hat, ist eine traurige Erkenntnis. Da gibt es zunächst zwei wichtige Wege, welche etwas Hilfe bringen können. Sparen ist der eine, und bei deutschen Firmen Aufträge erteilen ist der andere Weg. An Sparen scheinen aber nicht alle Volksvertreter im Reichstag zu denken. Um die vom Reichskanzler gewünschte engere Füh— lung zwischen Reichsregierung und Regierungsparteien aufrechtzuerhalten, soll wieder ein interfraktioneller Ausschuß gebildet werden. Die demokratischen Partei führer Koch und Erkelenz aber haben jenen Wunsch des Kanzlers als eine günstige Gelegenheit zur Schaffung eines neuen Reichsministerpöstchens betrachtet. Nach ihrer Ansicht würde nämlich, so berichtet die„Voss. Ztg.“, jener Wunsch des Kanzlers„am besten“ dadurch erreicht werden, wenn ein Minister ohne Portefeuille ernannt würde, der unausgesetzt mit dem Reichstag Fühlung nehmen, den Aeltestenrat besuchen und sich über alle ein— schlägigen Dinge mit den Regierungsparteien in Ver— bindung setzen würde. Bei einer Ausgabe von jährlich 529 Millionen Mark für Reichsbeamte und bei einer jährlichen Pen⸗ sionslast von 1,5 Milliarden Mark liegt sicherlich kein Gedanke näher, als der echt demokratische, ein neues Pöstchen in Gestalt eines Ministers ohne Portefeuille zu schaffen. Hier baut man ab, dort baut man gut bezahlte Pöstchen für Parteigenossen an. Den zweiten Weg hat die Reichsbahngesellschaft versäumt. Darüber liest man in einer Berliner Korre⸗ spondenz u. a.: „Wie bereits gemeldet, hat die Reichsbahn dem Ausland erhebliche Aufträge gegeben, hauptsächlich in Eisenbahnschwellen aus Hartholz. Die deutsche Holz— industrie, die bisher in der Lage war, der Reichsbahn jährlich den weitaus größten Teil ihres Bedarfes liefern zu können, ist durch diese Einkaufspolitik in eine äußerst schwierige Lage geraten. Das Eisenbahnzentralamt hat sämtlichen deutschen Firmen die bestellten Schwellenlieferungen stark gekürzt, da aus Ersparnisgründen der Einkauf eingeschränkt werden müsse. Für das laufende Jahr hat die Reichs⸗ bahn einen Bedarf von rund 1700 000 Schwellen, und davon hat die deutsche Industrie 1 200 000 Stück zur Lieferung erhalten. 15 so überraschender ist die Tat⸗ sache, daß die Reichsbahn jetzt rund 500 000 Schwellen im Ausland bestellt hat, davon 400 000 Stück in der Tschechoslowakei. Die restlichen 100 000 verteilen sich auf andere Länder, darunter Albanien usw. Der Wert dieser Auslandsaufträge beläuft sich auf rund 3 Mill. Mark. Die Holzindustrie hat sich nunmehr an den zu— ständigen Ausschuß des Reichstages gewandt. Eine kleine Anfrage ist bereits nach dieser Richtung gestellt. Das Eisenbahnzentralamt hat nun bei diesen Ge— schäften keine sehr glückliche Hand bewiesen, denn die Verluste, die die Reichsbahn aus derartigen Bestel— lungen zu tragen hat, erreichen fast die Höhe von 500 000 Mark. Man hatte u. a. auch in Albanien Eisenbahnschwellen in Auftrag gegeben und hatte dem Vertreter einer dort angeblich bestens bekannten Firma auf die Lieferung einen Vorschuß von 150 000 Mark ausgezahlt, leider mit dem Erfolg, daß die Holzschwellen nicht geliefert wurden. Die Reichsbahn kann nun auf dem Klagewege, unter Zuhilfenahme des Auswärtigen Amtes, versuchen, das verlorene Geld wiederzubekom— men. Recht unglücklich war auch ein Vertragsabschluß mit einer Wiener Firma, der man einen Vorschuß von annähernd 200000 Mark auszahlte, ohne Sicherheiten für die Durchführung der Lieferung zu erhalten. Die Wiener Firma ging nämlich einige Wochen nach Emp— fang dieses Betrages in Konkurs. Diese beiden Fälle stehen leider nicht vereinzelt da, so daß die Verluste etwa die oben angegebene Summe erreichen. Wenn das Eisenbahnzentralamt bisher behauptete, daß die im Ausland gekauften Holzschwellen wesentlich preiswerter seien als inländische Ware, so kann man diesen Behauptungen nicht zustimmen. Die Reichsbahn kauft z. B. in der Tschechoslowakei Schwellen, die nach Ohlau in Schlesien geliefert wurden. Diese Schwellen wurden für das Rheinland benötigt und von der Reichs— ellnässen. Ich bin befreit vom 1. Tage an, wo ich von lhrer Methode Ge— brauch machte, bin ich das Uebel los. So schr. Landw. O Brambacser im Hof. Alt, u Geschl. angeb. Anck. kostenl. 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Co. in Clermont⸗Ferrand, Herr Andre Michelin, hat in seiner Eigenschaft als Vizepräsident des französischen Komitees für Luftschiffahrt in der Zeitschrift„Chimie et Industrie“ Vol. 13, Nr. 2, 1925, einen stark ver⸗ hetzenden Artikel veröffentlicht, der die Vorbereitung von Repressalien gegenüber Deutschland propagiert. „Sollte Deutschland einmal nicht mehr so wollen, wie Frankreich will“, so schreibt dieser freundliche Herr,„so müßten die alliierten Flugzeugverbände— nach einheit— lichem Plan und zur gleichen Zeit— Köln, Essen, Ham⸗ burch, München und Berlin mit Bomben bewerfen. Die Alliierten müßten sich durch eine schriftliche Abmachung verpflichten, zu diesem(1) Zweck eine bestimmte Anzahl von Bombenflugzeugen jederzeit startbereit zu halten. Das Komitee wird mit allen Mitteln für den vorstehen— den Plan werben und sich dafür einsetzen, daß er von den in Frage kommenden Staaten angenommen wird.“ Hierzu bemerkt der Deutsche Automobil⸗Händler⸗ Verband ganz richtig: Herr Michelin bemüht sich zur Zeit sehr stark um den Absatz seiner Michelin-Automobil⸗ reifen in Deutschland. Sollte er glauben, daß er mit diesem Artikel den Boden dafür bestens vorbereitet hat? Fast scheint es so. Denn Herr Michelin hat die Räume der Ludwig Ganz A.-G. in Mainz bezogen und wird von hier aus seine Gummireifen dem deutschen Michel verkaufen. Unsere eigene Industrie darf ja immer mehr verkümmern, unsere Arbeitslosen täglich mehr werden. Der Franzose macht das Geschäft— mit deutschem Geld.— So kalkuliert Herr Michelin, der Deutschenhetzer, darum hütet euch vor ihm! Aus unjerer Bewegung. In den letzten Wochen fanden in Oberhessen eine ganze Anzahl recht gut besuchter Versammlungen statt. Reichsgeschäftsführer Weidner sprach in Herchenhain, Wingershausen, Michelnau, Lich, Frischborn, Ilbes⸗ hausen und Gedern. An allen diesen Orten erklärten sich am Schluß der Versammlung unsere Vertrauens- leute und andere sogleich zur Gründung einer Orts— gruppe bereit. In Gedern traten sofort über 20 Evan⸗ gelische aus allen Berufsständen der Ortsgruppe bei. Es ist kein Zweifel mehr: Unsere Bewegung marschiert! Das evangelische Volk will die Evangelische Volks⸗ gemeinschaft! Ueber die Versammlung in Frischborn berichtete der„Lauterbacher Anzeiger“: Frischborn, 4. März. Gestern abend 8 Uhr hatte die Evangelische Volksgemeinschaft zu einer Versamm⸗ lung in der Wirtschaft Himmler eingeladen. Eine große 7 0 evangelischer Einwohner leisteten der Einladung Folge und füllten das Lokal bis zum letzten Platz. Nach einleitenden Vorträgen des Kreisvorsitzenden der Evan⸗ Volksgemeinschaft, Lehrer Scharz, Rudlos, sowie des Kreistagsmitglied Stock von Blitzenrod, ergriff der Geschäftsführer der Deutsch-evangelischen Volksgemein— schaft, Pfarrer Weidner, das Wort zu seinen Aus⸗ führungen über„Zweck und Ziele der Evangelischen Volksgemeinschaft.“ In sachlicher, klarer Weise legte er in seiner 2stündigen Rede die Gründe dar, die dazu führten, eine evangelische Volksgemeinschaft ins Leben zu rufen, die unter diesem oder ähnlich klingenden Na— men in ganz Deutschland in stetem Wachsen begriffen ist. Lautlos- mit gespannter Aufmerksamkeit, lauschten alle Zuhörer den Ausführungen, die ihnen auch bisher unbekannte Vorgänge im parlamentarischen und wirt— schaftlichen Leben unseres Volkes zur Kenntnis brach— ten. Reicher Beifall lohnte den Redner am Schlusse seiner Ausführungen, die gegen 1 Uhr beendet wurden. Gar manche Frage des öffentlichen Lebens, die die Ge— müter des Volkes zur Zeit bewegte, fand dann in leb— hafter Aussprache im Sinne der Evangelischen Volks- gemeinschaft ihre Beantwortung. Als aber der Zeiger der Uhr über 2 gerückt war, hielt man es doch an der Zeit, für diesesmal Schluß zu machen, da jeder doch gern vor Beginn des neuen Tagewerkes einige Augen voll Schlaf nehmen wollte. Wie der Hauptredner des Abends sich hier eingeführt hat, kann man am besten daraus erkennen, daß beim Abschiednehmen aus der Versammlung heraus laut der Wunsch ertönte: Herr Pfarrer, kommen Sie doch recht bald einmal wieder zu uns. Die Provinzialausschußwahl in Gießen. Wie uns aus Rheinhessen mitgeteilt wird, herrscht dort eine irrtümliche Auffassung über die Art, in der der Abgeordnete der V imqqe NN. 6 DiE 5g Zi Err AbtER- cOHPAGNIE A.. ORE SOF. 0 1 2 Evangelischen Volksgemeinschaft 16(Christ) mittl. Alters, verhelrat. N —— J Nr. 12. in den Provinzialausschuß gekommen sei. Es wird dor gemeinschaft und den Demokraten gesprochen. Wir wi sen, wie wir uns vor einem Bündnis mit den Demo⸗ kraten zu hüten haben, zumal von links und rechts unserem Reichsgeschäftsführer Weidner seine frühere Zugehörigkeit zur demokratischen Partei vorgeworfen wird. Vielmehr war die Sache so, daß Herr Bürger⸗ meister Völker, welcher sowohl von der Deutschen Volks partei als auch von e f jedes Parteibündnis ablehnte. Die Demokraten woll⸗ ten ursprünglich mit den Sozialdemokraten zusammen⸗ gehen, die Deutsche Volkspartei ist mit dem Zentrum zusammengegangen. Leider mußte uns ein Bündnis unmöglich machen. f 0 drei 9 vergeblichen Verhandlungen eine rein persönliche Liste zwischen Herrn Langsdorf und Herrn Völker zustande, welche ausdrücklich frei von jeder Parteiabmachung war. Die gemeinsame Liste trug das Kennwort: Ar beitsgemeinschaft und hatte zwei Namen, den des Herrn Langsdorf und den des Herrn Völker. Es wurde fer⸗ ner zwischen beiden Herren das Abkommen getroffen, daß stets Herr Bürgermeister Völker den Sitzungen dez Provinzialausschusses an Stelle des Herrn Langsdorf beiwohnen wird, sobald Fragen verhandelt werden, welche als besondere Ziele unserer Evangelischen Volks, gemeinschaft zu gelten haben. Damit hat Herr Völkel es ermöglicht, daß unsere Bestrebungen eine Vertretung im Provinzialausschuß haben. Wir stellen demnach fest, daß es kein Bündnis zwischen der Evangelischen Volks gemeinschaft und den Demokraten gibt. Wer anders behauptet, verbreitet eine Lüge. Aus Politik und Marlament. Der neue Reichsschulgesetzentwurf. Im Haushaltsausschuß des Reichstages kündigte der Reichsinnenminister Dr. Külz an, daß ein neuer Entwurf des Reichsschulgesetzes geplant ist. Der Mini⸗ ster wird die Vorbereitung der Vorlage— ein nach dem Scheitern so vieler Entwürfe schwieriges Unter, fangen— lt. Mitteilungen der Presse persönlich über nehmen. * Hoffnungsschimmer? Als Wirkung der Regierungsaktion zur„Wieder ankurbelung der Wirtschaft“(500-Millionen-Kredit) glaubt ein Berliner Blatt die Verminderung der Ar⸗ beitslosenziffern um 300—400 000 Personen in Aussich stellen zu können. Einstweilen ist die Kurve der Ar— beitslosigkeit noch immer im Steigen, wenn auch das Tempo in letzter Woche sich etwas verlangsamt hat. ——* Allerlei. Das Evangelische Konsistorium der Mark Brandenburg gegen die römisch⸗katholische Bettelei. In seinen„Amtlichen Mitteilungen“ vom 16. Fe⸗ bruar 1926 erläßt das Evangelische Konsistorium der Mark Brandenburg folgende Bekanntmachung unter dem Titel:„Katholische Sammeltätigkeit“: Es ist ung bekannt geworden, daß das in dem ehemaligen Gasthof „Zum Roland“ in Schöneiche bei Klein⸗Schönebes (Niederbarnim) unter dem Namen Johannes Hoferstift bestehende Pflege- und Erholungsheim für verwaiste Kinder Unterstützungsgesuche auch an evangelische Per sonen versendet. Wir machen darauf aufmerksam, daß das Haus von Franziskanern geleitet wird und katholi— sches Waisenhaus ist gez. D. Haendler.“ Es ist erfreulich, daß jetzt einmal eine hohe evan— gelische Kirchenbehörde in Sachen des hemmungslos betriebenen römisch-katholischen Bettels bei Anders gläubigen das Wort ergriffen hat. ä Arbeitslosenhilfe der evangelischen Jugend. Die Not der jugendlichen Arbeitslosen ist bekannt⸗ lich nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine seelisch-moralische. Der Reichsverband der evang. Jung männerbünde Deutschlands hat deshalb schon wiederholt besondere Führerkurse für arbeitslose junge Männer veranstaltet, die die Aufgabe haben, sie zur tätigen Mitarbeit innerhalb des evangelischen Jugendwerkes zu schulen und ihrer Charakterbildung und inneren Ver⸗ tiefung zu dienen. Ein neuer Lehrgang dieser Art ist soeben in dem Erholungsheim des Reichsverbandes in“ Dassel i. Solling unter außerordentlich starker Be— teiligung eröffnet worden. Um die Schwierigkeiten zu beheben, die örtliche Verwaltungsstellen den jugend⸗ lichen Teilnehmern solcher Kurse zuweilen machen, hat der Reichsverband mit Unterstützung des Reichsaus⸗ schusses der Jugendverbände die in Frage kommenden Regierungsstellen um eine Verfügung gebeten, die jugendliche Arbeitslose während der Teilnahme an der⸗ artigen Lehrgängen von der Meldepflicht bei den Ar— beitsnachweisen befreit, ohnen ihnen die Vorteile der Arbeitslosenunterstützung zu entziehen.. Belirks-Reisender Luperle mil alda billigst ALBIN KLEIN, Giessen — ——— Id Elder lens“ 9 Pfund= Mark 6.— sof. v. führender Schuheremefabrik gegen Gehalt, Provision und feste Spesen gesucht. Es wollen sich nur Herren melden, die bei Kolonial⸗ waren-Händlern best. eingef. sind. Eil⸗Offerten unter 6 1039 an die Expedition dieses Blattes erbeten. „ Dampfkäsefabrlk, Rendsburg. von einem Bündnis zwischen der Evangelischen Volls⸗ den Demokraten umworben wurde, Schließlich kam nach onliche Air 1 ö 6 . 4 1 franko 4