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Verantwortlich für Politik und Wirtschaft: Edwin Hamburger, für den Unterhaltungsteil: W. Greb in Weisenau bei Mainz. Für Rücksendung ungewünschter Manustripte wird nicht garantiert 5 4 2. Jahrgang. Dse Volksabstimmung über die Landtagsauflößfung in Hessen. Ein Gerichtstag über Opposition und Koalition. Mit 219 453 Neinstimmen gegenüber 202 657 Ja⸗ stimmen ist das Volksbegehren auf Auflösung des drit⸗ len hessischen Landtags am 5. Dezember abgelehnt worden. Noch nicht die Hälfte aller Stimmberechtigten ist zur Wahlurne gegangen. Die durchschnittliche Wahl⸗ beteiligung betrug etwa 45 Prozent. Hessen hat damit einen Rekord erzielt! Durch diese Wahl ist Oppo⸗ sition(Wirtschafts⸗ und Ordnungsblock und Kommuni⸗ sten) und Koalition(Regierungspaxteien) zugleich vom hessischen Volk in nicht mißzuverstehender Weise gerich⸗ tet worden. Das wird ganz klar aus folgender Ueber— sicht: 5 N 5 bl 75 Regie Oppost⸗ 3 Wahl⸗ rungs- tions⸗ Kreise berechtigt Nein part. am Ja part. am 7. 12. 24. 7. 12.24. Farmstadt 100057 n 18 590 29 519 36 124 Bensheim 44403 9618 186866 9310 11678 Dieburg 40 2688 9984 17227 9631 12 499 Erbach i. O. 30 135 6 530 10 594 8 013 10 075 Groß⸗Gerau 45 346 10097 19249 10588 11451 Heppenheim 32574 6711 14829 3748 6391 Offenbach a. M. 116 140 35 816 57556 24755 31 300 Prov. Starkenburg 408 80 106 843 180 737 95 558 119518 Gießen 64946 14643 21 622 18 498 24 759 Alsfeld 24209 2980 4861 7781 10571 Büdingen 27 462 3 432 6872 8243 10 984 Friedberg 56 669 16858 24 194 15 460 19 124 Lauterbach 19 156 1823 4190 6335 8803 Schotten 17832 1757 3272 6928 8680 Prop. OSberhessen 214 208 11 J 65 011 63 248 82 821 Mainz 104776 33 491 58 984 12 965 13377 Alzey 26745 6744 12 386 4820 6 000 Bingen 29 521 6393 15517 4079 4160 Oppenheim 31683 7379 14502 5 980 6850 Worms 63 630 17110 26 656 16007 18 613 Prov. Nheinhessen 250 355 71117 128 045 43 851 49 000 Hessen gesamt 875 516 219 453 373 793 202 657 251339 Die Opposition hat also seit der letzten Landtags⸗ wahl rund 50 000, die Koalition sogar rund 154 000 Stimmen verloren. Kein Wunder, daß auch der Sieger im allgemeinen recht kleinlaut ist. Wenn die„Darm⸗ städter Zeitung“, das amtliche Organ der Hessischen Landesregierung, nach der Abstimmung mit großen Lettern verkündet: Die Weimarer Koalition in Hessen steht fest, so glaubt sie das nach diesem Wahlergebnis doch wohl selbst nicht. Wer hat im Ernst geglaubt, daß der Wirtschafts⸗ drgan der Evangeli Erscheint Samstags.— e Pfennig monatlich. Abonnements⸗ und Anzeigen- Annahmestelle, Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher 1362 und 1145. Postscheckkonto 8437 Frankfurt a. M. Sonnabend, den 18. Dezember 1920. würde? Auch die, die bis zuletzt an einer Landtags- auflösung zweifelten, waren doch davon überzeugt, daß der Block nicht nur seine früheren Wähler behalten, sondern seine Anhängerschaft noch um ein Beträchtliches vermehren würde. Rechnet man die Stimmen der Kommunisten, die auch für die Auflösung stimmten, an den 202 000 Stimmen ab, so verbleiben für den Block (Landbund, Deutsche Volkspartei, Deutschnationale Volkspartei und National-Sozialisten) noch bestenfalls 160 000 Stimmen. Selbstverständlich sind hierin auch einige Tausend Stimmen der Evangelischen Volksge— meinschaft enthalten, die wir nach kurzer Aufklärungs⸗ arbeit aufgebracht haben. Der Block hat also noch nicht einmal die Unterschriften für das Volksbegehren aus eigener Kraft erreicht! Nicht nur die Stadt, auch das Land hat die Gefolgschaft verweigert! Es ist unver⸗ ständlich, wie der„Gießener Anzeiger“ von einem„glat⸗ ten Sieg“ in den ländlichen Kreisen Schotten, Lauter⸗ bach. Alsfeld und Büdingen berichten kann. Wenn man die Ja- und Neinstimmen gegenüberstellt, kann man sich das zum Trost allerdings vorreden. Aber hier ist doch maßgebend die letzte Wahl! Ziehen wir diese zum Vergleich heran, so ist schnell zu erkennen(siehe Tabelle), daß diese fast rein bäuerlichen Kreise nahezu 10 000 Stimmen für den Block weniger aufgebracht haben. In den ländlichen Kreisen in Starkenburg, in denen überwiegend Evangelische wohnen, ist es ähnlich. Rechts⸗ anwalt Dingeldey, Mitglied des Landtags, macht ja auch die bäuerliche Bevölkerung in Oberhessen wegen ihrer„Wahlfaulheit und Gleichgültigkeit“ für die ge— ringe Wahlbeteiligung verantwortlich. Das klingt anders, wie die Siegesmeldung des„Gießener Anzei— gers“! Die geringe Wahlbeteiligung der Bauern ist das hervorstechendste Moment bei der Abstimmung am 5. Dezember gewesen! Vor allem deswegen, weil man annahm, daß gerade die Landwirte restlos mit„Ja“ stimmen würden. Wohl hat, wie in der Stadt, so auch auf dem Land, die unschöne, gehässige Art des Wahl⸗ kampfes. die kein anständiger Mensch billigen konnte, ein gut Teil dazu beigetragen, daß viele nicht zur Wahl gingen. Auch die Wahlmüdigkeit hat zweifellos eine Rolle gespielt! Der eigentliche Grund für die schlechte Wahlbeteiligung liegt aber tiefer: Das Volk(auch das Bauerntum) ist der Parteien von heute überdrüssia! Es ist die Versprechungen satt. Es sieht jetzt täglich mehr ein, daß die heutigen Parteien in erster Linie Wirtschaftsparteien sind, die für den einfachen Mann im Volle gar nichts übrig haben, die die Steuergesetze vornehmlich im Sinn und Interesse der reichen Leute, der„Wirtschaft“, machen. Der Materialismus, dem die Steuerpolitik alles, die Kulturpolitik nichts bedeu⸗ tet, der niemals bedenkt:„Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von einem jeglichen Wort, das durch den Mund Gottes geht,“ hat seinen Lohn bekom⸗ men! Auch auf der anderen Seite! Auch die Arbeiter⸗ schaft in Hessen ist der Führung durch die Sozialdemo— kratie müde. Nach Angabe der Zentrumspresse sind Evangelische Warte schen Volksgemeinschaft Anzeigenpreise: die 30 mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg., am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Verbindlichkeit. Vergünstigung. Platzvorschriften ohne Bei Wiederholungen Nummer 51. dreiviertel der Zentrumswähler zu Hause geblieben, das sind etwa 70000 Stimmen. Rechnet man von den rund 50 000 Stimmen der Demokraten von 1924 nur 10—20 000 diesmal ab, so bleibt für die sozialdemokra— tische Partei noch ein Verlust von 6070 000 Stimmen! Das sagt genug! Wie da die sozialdemokratische Presse („Mainzer Volkszeitung“) nach der Wahl von einer „klatschenden Ohrfeige für die hessische Reaktion“ sprechen kann, und wie der„Volksfreund“ in Darmstadt schreiben kann:„Der Ordnungsblock ist durch das Ur⸗ teil des Volkes gerichtet!“, ist schlechterdings nicht zu verstehen. Nein, auch in den Reihen derer, die bislang sozialdemokratisch gewählt haben, herrscht durchaus be⸗ gründete Mißstimmung gegen die Sozialdemokratie. Daß diese Mißstimmung auch bis tief in die Arbeiter⸗ kreise(evangelischen!) geht, haben wir ja oft schon in unseren Versammlungen, erlebt, noch deutlicher hat es die Abstimmung gezeigt! Die Arbeiterschaft will von dem Klassenkampf nichts mehr wissen. Die Arbeiter sehen ein, daß sie sich in dem Hochhalten des Klassen⸗ kampfgedankens Bundesgenossen verscherzen, die das⸗ selbe wollen wie sie, ohne deren Hilfe ihr Aufstieg nicht möglich ist. Ein großer Teil der hessischen evangelischen Arbeiterschaft ist empört über die Behandlung der evan⸗ gelischen Belange in Hessen durch die derzeitige Regie⸗ rung, die bekanntlich völlig unter dem Einfluß des Zen⸗ trums steht. Viele evangelische Arbeiter machen den Kampf der Sozialdemokratie gegen die Religion nicht mehr mit. Sie sehen die Nichtigkeit der materialisti⸗ schen Weltanschauung ein. Aus all diesen Gründen hat auch ein großer Teil der Arbeiterschaft bei der Abstim⸗ mung Gewehr bei Fuß gestanden. Es ist nach der Ab⸗ stimmung, die doch nur eine Mehrheit von rund 17000 Stimmen für die Regierung brachte, eine sehr gewagte Behauptung, wenn der„Volksfreund“ schreibt:„Die Regierung hat das Recht, aus dem Ergebnis des Volks⸗ entscheids die Lehre zu ziehen, daß sie sich mit ihrer Führung der Staatsgeschäfte auf dem rechten Weg be⸗ findet.“ i Nach dem Volksentscheid vom 5. Dezember können wir mit gutem Recht sagen:„Die Mehrheit des hessischen Volkes will weder die Oppositions- noch die Koalitionsparteien! Der 5. Dezember war Gerichts⸗ tag über die Opposition und Koalition.“ Ein treffendes Urteil hat ein Wähler in einem oberhessischen Städtchen abgegeben. Er schrieb auf den Stimmzettel das Bibel⸗ wort Psalm 14, Vers 3. Nun ist es an uns, in der bis zur Neuwahl des Landtags im Herbst 1927 zur Verfügung stebenden Zeit dem hessischen Volt in Stadt und Land zu sagen, was die Evangelische Volksgemeinschaft ist und was sie will! Zum Schluß noch ein Wort über das Zentrum. Das Zentrum hat sich in den letzten Tagen vor der Wahl sehr energisch in Wahlversammlungen für„Nein“ ein⸗ gesetzt. Der Abgeordnete Prof. Lenhart⸗Mainz, der vor noch gar nicht langer Zeit in Friedberg meinte:„Das Landesamt für das Bildungswesen sei eine Gefahr für die Koalition“, hat am 2. Dezember in einer Versamm⸗ ——— block nicht auf die Stimmenzahl von 1924 kommen f Er kommt! Matthäus 3, 1. 2. Zu der Zeit kam Johannes, der Täufer, und predigte in der Müste des jüdischen Landes und sprach: Tut Buße, das Himmelreich ist nahe herbeigekommen. Die Wartezeit geht ihrem Ende zu. Das Fest ist herbei⸗ gekommen. Die Kinder erfaßt allmählich die Ungeduld. In 6 Tagen, dann ist Weihnachten. Ja, diese glücklichen und un⸗ schuldigen Kinder denken nur an die herrlichen Geschenke, an die Nüsse, an das gute Konfekt, an Kuchen und was alles für schöne Dinge mit diesem deutschen Weihnachtsfest verbunden sind. Doch ist der Gedanke an diese Herrlichkeiten nicht ganz ungetrübt. Die Mutter droht immer, wenn die Kinder nicht ganz folgen wollen, daß das Christkindchen statt der Erfüllung der Münsche eine Rute bringen könne. Darum ist artig sein eine Bedingung für die ungetrübte Weihnachtsfreude. Glaubst Du nun, mein lieber Leser, das sei nur bei den Kin⸗ dern so? Nein, das gilt auch für die Erwachsenen, gilt auch für Dich. Als Johannes auftrat und dem Heiland den Weg berei⸗ tete, da hat er nicht von der Glückseligkeit gesprochen. Vielmehr hat er die Menschen an ihre Sünde erinnert. Ich war einmal in Darmstadt dabei, als der König von Bayern einen Besuch bei dem Großherzog von Hessen im Residenzschloß machte. Ich stand auf dem Markte beim Haupteingang. Dort war schon lange vor⸗ her die Wache angetreten. Der Unteroffizier betrachtete genau seine Leute, ob die Uniform, das Lederzeug, der Helm, alles in guter Ordnung sei. Nach einer Zeit kam der kommandierende Offizier und prüfte nochmals jeden durch. Bei dem einen saß der Helm noch nicht vorschriftsmäßig, bei dem anderen der Leib⸗ riemen. Man sah allen die Erwartung an den Gesichtern ab. Jeder wußte: Heute kommt hoher Besuch, heute muß alles klap⸗ pen. Wer wollte in einem solchen Falle einen schlechten Eindruck hinterlassen? So ist es auch in der Zeit vor Jesu Kommen ge— wesen. Johannes, der Täufer, ruft den Leuten, welche in die Wüste zu ihm kamen, ein„bessert euch“ zu. Warum sollen sie sich bessern? Er kommt, er ist nahe. Er bringt das Himmel— reich mit. Wer in seinen Sünden verstockt ist, der fällt auf. Er ift wie einer, der bei einer Hochzeitsgesellschaft kein hochzeitliches Kleid an hat. Der kann nicht dabei geduldet werden. Man wirft ihn hinaus in die Finsternis. Wenn Jesus kommt, da spielt das äußere Kleid keine Rolle. Aber das Kleid der Seele muß rein und fleckenlos sein. Das Kleid des Körpers macht man rein durch Waschen, das Kleid der Seele reinigt man durch Bußetun. Daher der mahnende Ruf des Täufers:„Tut Buße!“ Bringe Dein Inneres in Ordnung! Versöhne Dich mit Deinen Verwandten, mit Deinem Nachbarn! Denke lieb und gut über Deine Nächsten! Lüge nicht mehr so! Verleumde nicht jeden! Denke nicht immer das Allerschlechteste von Deinem Mitmenschen! Entschuldige seinen Fehler! Rede nur Gutes bei anderen über ihn! Kehre alles zum Besten! Sonst fällst Du auf, wenn der Herr kommt. Allerdings können wir an unserer Seele die Flecken nicht so spurlos beseitigen, wie die Schmutzspritzer an einem Kleid. Wenn das Kleid gewaschen ist, dann vergessen wir ganz, daß es einmal Flecken hatte. Warst Du lieblos, unbarmherzig, geizig, unwahr⸗ haftig, gewalttätig, dann kannst Du das nicht so ohne weiteres ungeschehen machen. Du warst es gewesen. Du denkst manchmal mit innerer Unruhe daran. Es läßt Dich nicht ruhig schlafen. Du machst Dir selbst Vorwürfe: Wie konntest Du das nur damals tun? Wie sehr es Dir später leid getan, es ist nun einmal doch von dir gesündigt worden. Du kannst es nicht ungeschehen machen. Das ist das Grausame an den Seelenflecken. Sie lassen sich nicht so schnell abwaschen. Nur einer kann das: Jesus Christus. Die Apostel reden von ihm:„Den hat Gott durch seine rechte Hand erhöht zu einem Fürsten und Heiland, zu geben Israel Buße und Vergebung der Sünden.“ Zuerst also Buße, Sinnesänderung. Dann aber Vergebung der Sünden. Jesus kommt uns zu Hilfe. Was wir in ehrlichem Wollen nicht er⸗ reichen, das schenkt er uns. Ja was können wir denn für Schuld wieder gut machen? Sind wir nicht zu schwach und hilflos dazu? Wir brauchen den Herrn, benötigen seine Gnade, können ohne seine erbarmende Vergebung nie rein werden von unseren Sünden. Deshalb liegt auch in dem Weihnachtsfest so viel Trost für beladene Menschen. Sie dürfen in diesem Feste wieder ihres sündenvergebenden Heilandes gewiß werden. Erst dann kann man daran denken, einmal Bürger im Himmelreich zu werden, wo Jesus Christus der König ist. Jesus redet immer von dem Reiche Gottes. Er will in einer Menge von Vergleichen uns die Gesetze dieses Reiches deutlich machen. Martin Luther lehrt uns, daß dieses Reich ohne uns Menschen in die Welt kommt. Aber wir an unserem Teil müssen dafür sorgen, daß es auch zu uns kommt. Deshalb bitten wir:„Dein Reich komme.“ Dahin ziele unsere ganze Sehnsucht, dahin gehe unser ganzes Streben. Er kommt! Das war der Sinn der Predigt des Johannes dort in der wüsten Gegend am Jordan. Er kommt! So wollen wir uns in dieser Adventszeit zurufen, ernst im Blicke auf unsere Fehler, froh im Blicke auf sein erlösendes Reich. Mit Ernst, o Menschenkinder, Das Herz in Euch bestellt! Bald wird das Heil der Sünder, Der wunderstarke Held, Den Gott aus Gnad allein Der Welt zum Licht und Leben Versprochen hat zu geben, Bei allen kehren ein. Amen. Hr. Sonnabend, den 18. Dezember 1926. lung der Zentrumspartei in Darmstadt gesagt:„Es gibt noch eine Treue, die Treue der Arbeitsgemein- schaft.“ Nach seinen eigenen Worten ist es ein ober— hessischer Bauer gewesen, der das Zentrum daran mahnte, daß es der Koalition die Treue halten müsse. In der gleichen Versammlung in Darmstadt erklärte der Vorsitzende, daß„ursprünglich“ das Zentrum unter eigener Zurückhaltung den Volksentscheid dem Zwei— kampf zwischen der Rechten und Linken habe überlassen wollen. Soll wirklich der Bauer aus Oberhessen das Verdienst an der Freue des Zentrums haben, wenig⸗ stens daran, daß die Nein-Parole ausgegeben wurde, die letzten Endes der Koalition die Mehrheit brachte? Das glaube, wer will! Wir sind überzeugt, daß die Nein-Parole wieder teuer erkauft worden ist. Vielleicht durch die Kreisschulratsstelle in Oppenheim!! Das Zentrum gibt doch nur, wenn es ein Gegengeschenk er— hält!. W. Auf der Warte. Aller Augen richten sich in diesen Tagen nach Genf, dieser herrlich gelegenen Stadt an dem See gleichen Namens. Dort werden die Geschicke Europas, die Ge⸗ schicke von Millionen und Abermillionen Menschen ent⸗ schieden. Hoffentlich sind sich alle Delegierten dieser großen Verantwortung bewußt. Für die Außenstehen— den bedeuten die herausgegebenen Berichte immer ein großes Rätselraten, da sie meist sehr unbestimmt gehal⸗ ten sind. Wenn wir auch in der letzten Nummer vor allzu großem Optimismus entschieden warnten, so müs— sen wir die Verhandlungen doch mit einer Hoffnung begleiten, mit der Hoffnung, daß im Völkerbund der Wille zur Gerechtigkeit da sein möge. Wie alle jungen Gebilde, so hat der Bund gewiß noch seine großen Ge— brechen und muß die Feuerprobe in Konfliktsfällen gro—⸗ ßer, gut bewaffneter Staaten erst bestehen. Wenn er das tut, kann er zu dem segensreichsten Instrument wer— den, das die Menschheit bis jetzt bildete. Hoffen wir, daß er dem Deutschen Reiche auch bei den jetzigen Ver— handlungen zum Segen gereiche. Die Genfer Diplo— maten der großen Staaten sind sich ja anscheinend viel einiger und viel eher bereit sich zu verständigen, als die von militärischem Geist durchdrungene Votschafterkon⸗ ferenz, der siegreiche Generäle unserer ehemaligen Geg— ner zu gern ihren Stempel aufdrücken wollen. Es tut ihnen anscheinend leid, daß die Atmosphäre von 1919 oder 1923 nicht mehr besteht. Letzten Endes wird aber doch die Vernunft siegen müssen, ob die Botschafter— konferenz dabei mittun will oder nicht. Auch sie ist in gewissem Sinn dem Völkerbund und damit den dor⸗ tigen Delegierten unterstellt. Stresemann und Briand dürften ihr Möglichstes tun, um die Aera der Verstän⸗ digung nicht zu gefährden.— Sehr geschickt spielt in die Tagung hinein die Verleihung des Friedensnobel⸗ preises seitens Schwedens an Stresemann und Briand als die Hauptfriedensträger der letzten Jahre. Diese Auszeichnung dürfte ihren Einfluß auf den Geist der Genfer agung ebenfalls nicht verfehlen.— Inter⸗ essant ist ja auch, daß zur gleichen Zeit Meldungen durch die Blätter laufen, die von Geheimklauseln des Ver⸗ sailler Vertrags handeln und bis jetzt nicht dementiert sind. Ein Grund mehr zu seiner Revision. Trotz Völkerbund tauchen aber immer wieder neue Konflikts⸗ stoffe auf. Der schon von jeher unruhige Balkan hat seine Sensation. Zwischen Albanien und Italien wurde ein Vertrag abgeschlossen, durch den sich Jugoslawien bedroht fühlt. Mussolini hat damit seine Politik wie⸗ der ein Stück vorwärts getrieben und seine stille Er⸗ oberung gemacht. Jugoslavien, das Italien zuliebe seine Verbindungen mit Frankreich gelockert hat, sieht sich von seinem Freunde bedroht. Der Außenminister stellt sein Amt zur Verfügung, und hilfesuchend streckt „Evangelische Warte“ man seine Arme nach neuen Freunden aus.— Paris und damit Frankreich, waren selbstredend bestürzt. Sie trauen schon lange nicht mehr ihrem„Freunde“ Musso⸗ lini. So unter der Hand haben sie aus nichtigen Grün⸗ den umgruppiert und starke Trupnenaufgebote an die italienische Grenze geworfen. Gewiß nicht zum Zeichen der Freundschaft! In Italien ist die Opposition tot. Sie kann nicht mehr wagen, aufzutreten. Die Hetze gegen ihre früheren und heutigen geheimen Führer wird fortgesetzt. Man scheut nicht vor Mord und Brand- stiftung zurück. Ja, man glaubt noch ein gutes Werk zu tun. Ist denn in diesem Land, das doch die Spitze des Katholikentums, den Papst, beherbergt, kein Funke christlichen Gefühls mehr vorhanden?— In Berlin, dem Reichstag und der Regierung kriselt es einmal wieder. Arme Regierung, die auf Eiern lauf muß, jeden Augenblick gewärtig, durch ein Mißtrauensvotum zu der Armee der pensionierten Minister gejagt zu wer⸗ den! Selbstredend müssen sich die Parteien und ihre Blätter auch möglichst naiv benehmen. Ein tuypisches Beispiel sind die Enthüllungen des„Vorwärts“ über deutsch⸗russische Waffenlieferungen gerade in dem Augenblick, in dem in Genf die so überaus wichtigen Verhandlungen beginnen! Wenn auch eine englische Zeitung den Anfang gemacht hat, so war es doch nicht nötig, die zurückliegende Angelegenheit so stark aufzu— bauschen. Auf die Botschafterkonferenz dürften der⸗ artige Unklugheiten ihre Wirkung nicht verfehlen. Da— zu kommt auch noch in demselben Augenblick der russi⸗ sche Außenminister Tschitscherin und nennt den Völker⸗ bund eine Mausefalle, in die Rußland nie ginge, und macht lebhafteste Propaganda gegen England. Die Rede, in Rußland gehalten, wäre nicht schlimm, es aber in Deutschland während Völkerbundsverhand⸗ lungen zu tun, diskreditiert uns.— In Hessen schwei⸗ gen sich die Koalitionsblätter über ihren„Sieg“ ziem⸗ lich aus. Dafür hat in der Zentrumspresse eine ganz gewaltige Agitation gegen die Volksgeweinschaft ein⸗ gesetzt. Allen voran marschiert das„Mainzer Jour— nal“, das sich in der Behandlung des einen Flugblattes garnicht genug tun kann und alle paar Tage seine Leser mit neuen Artikeln füttert. Wir trösten uns mit dem Spruche: Das wird von dem einen gelobt, wogegen der andere tobt. „Mainzer Journal“ und Evangelische Vollsgemeinsthaft. Das„Mainzer Journal“, das Zentrumsorgan, be⸗ schäftigt sich in der Nummer vom 7. Dezember spalten⸗ lang in verschiedenen Artikeln mit unserer Bewegung. Es stellt sich dabei furchtbar entrüstet, daß die Evange⸗ lische Volksgemeinschaft ein Flugblatt verbreitet hat, in dem das Zentrum einige Wahrheiten gesagt bekam. In erster Linie werden einmal die„einigen 100 Jesui⸗ ten“ in Schutz genommen, sowie die Orden, die angeb⸗ lich zu nichts weiter dienen als„das sittlich-religiöse Elend und die soziale Not“ in den eigenen Reihen zu bannen. Wunderbar sieht das gedruckt aus. Aber warum, liebes„Journal“, setzt man denn diese Orden in rein evangelische Gegenden und schickt rührige Send—⸗ boten in die umliegenden Dörfer? Wo sind denn da die„eigenen Reihen“?(Siehe Ilbenstadt!). Maßlos wird sich darüber entrüstet, daß die Volks⸗ gemeinschaft dem Ultramontanismus eine Reihe von Vorwürfen macht und die evangelischen Belange ener⸗ gisch vertritt. Das Zentrum will anscheinend bis jetzt kein Wässerchen getrübt haben. Die Volksgemeinschaft beschwört den Kulturkampf herauf!! Aber, ihr Herren vom„Journal“, nicht wir, son⸗ dern ihr habt ja mit dem bayerischen Konkordat den Kulturkampf eröffnet. Ihr waret ja viel früher auf dem Plan wie wir. Gerade deswegen haben wir uns Dornenwege. Roman von Clara Meller. 4. Fortsetzung. Endlich war wieder Ruhe im Hause, das unwirtliche Chaos nur erzählte von den heiteren Stunden und die Mägde gingen mit überwachten Gesichtern ihrer Arbeit nach. Nur auf Frau Petronella Wendtlands Gesicht war das frische Karmin um keine Nüance bleicher, sie schloß das Fenster ihres Schlafzimmers und öffnete aufatmend das enge Mieder der Taille. Da scholl von Rheindorf das Geläute zur Frühmesse. Sie horchte auf, Bruder Innozenz war hier, sie mußte zur Kirche, es koste was es wolle. Er würde ja Bruder Markus alles, alles erzählen, bis in die jüngsten Details, was ihre Person betraf. Schnell legte sie ihr Kostüm zum Kirchgang an, nahm Gebetbuch und Rosenkranz und wollte die Treppen hinabeilen, doch vor dem Schlafzimmer ihres jüngsten Knaben verlangsamte sie die Schritte, trat an das Himmelbett und strich kosend über das niedliche Köpfchen. „Frau Weierstraß, waschen Sie Gesichtchen und Arme des Kleinen mit Weißwein ab nach dem Bade, es soll eine pracht⸗ volle Haut erzeugen, ich komme nach dem Kirchgang direkt zurück.“— Aergerlich gab Xaver Wendtland der Haustür einen Fuß⸗ tritt, daß sie zuflog und pfiff durch die Zähne, ein Zeichen, daß er unangenehmen Gedanken nachhing und er den inneren Grimm noch nicht ausgewettert hatte. „Wo ist Madame,“ herrschte er das Zimmermädchen an, das vergeblich versuchte, dem Herrn in dieser Stimmung zu ent⸗ rinnen. „Hier bin ich,“ rief sie selbst, noch echauffiert vom schnellen Gehen und trat in das Eßzimmer. Traut, froh der Antwort enthoben zu sein, lief zur Küche. „Für wen ist hier mehr gedeckt, hat einer von den drei eng⸗ lischen Eleven Besuch, oder der lange Däne?“ „Bruder Innozenz wird bei uns speisen, Mann, ich meine auf eine Person mehr oder weniger kommt es nicht an. Wir können jet ushalde!“ Wie fernes Wettergrollen bebte es in seiner Stimme:„Bru— der Innozenz? So?— Dann esse ich noch lieber mit den Knech⸗ ten am Tisch und sehe zu, wie sie linkisch ihre fünfzackige Gabel der unbeweglichen vorziehen, ehe der Anblick des falschen Mond— scheingesichtes mir den Bissen im Halse würgt!“ „aver, bist Du toll, den frommen Mann so zu schänden!“ „Frommen Mann, ja, ja, gottvoll, der in seiner Frömmig⸗ keit Zwietracht und Unglück in alle Familien säet, warum wird denn bei solchem Gelichter alles vertuscht, was?— Ich bin ein gläubiger Christ und gebe mir redliche Mühe meine Christen⸗ pflicht zu erfüllen, dazu gehört aber nicht, daß man jeden Galgen⸗ strick durchfüttert. Hole der Kuckuck diese Tagediebe!“ Trotzig warf sie den Kopf zurück:„Und Bruder Innozenz bleibt!“ Da brach maßloser Zorn aus seinen Augen, er schlug mit der Faust auf den Tisch, daß Gläser und Teller klirrten:„Hier nicht, da iß mit ihm wo du willst, mein Tischtuch besudelt er nicht!“ Zum ersten Mal fehlte Frau Wendtland ohne triftigen Grund an der Mittagstafel. Die beiden Töchter, Brigitta und Bettina fragten wiederholt, warum sie fehle, aber statt Antwort war der Vater überaus lustig geworden, Gerhard und Rudi lachten mit den Eleven um die Wette und man saß eine halbe gegen die Uebergriffe von katholischer Seite zu wehren, Ihr Berichterstatter vom„Journal“, geht doch einmal in die Vororte eures Verlagsortes und fragt schon ein⸗ mal in eurer nächsten Umgebung, wie es da aussieht. Ich glaube, es ist besser, wenn man da nicht deutlicher wird, sonst könnte man gerade dem„Journal“ allerhand erzählen. And wenn das„Journal“ behauptet, seine helle Freude daran zu haben, wenn die Evangelischen den Geist des Evangeliums in ihren Reihen wecken wol⸗ len, so klingt das sehr stark nach Hohn. Denn es greift an, was der Evangelische Bund in seinen Blättern zu⸗ sammenstellt und nennt alles Verleumdung, schreibt aber selbst alle paar Tage Artikel in seine Zeitung, die die schärfsten Angriffe gegen die evangelische Kirche ent⸗ halten.(Siehe Sätze Kettlers usw.) Anscheinend liest z. B. der Herr Berichterstatter aus Oberhessen, der den ersten Artikel schreibt, diese Sachen garnicht! Der Grundsatz des katholischen„Neudeutschland“; Erst bist du katholisch— wird ganz besonders in Schutz genommen. Das wäre die christliche Lehre: Erst gehörst du deinem Gott und damit der Religion, die dich mit Gott verbindet. Dies ist echt jesuitisch gedacht! Auf gut deutsch heißt das: Erst bist du römisch⸗katholisch, hast die Lehren deiner Religion und die vom Papst erlasse⸗ nen Verordnungen, selbst wenn sie sich gegen dein Volk richten zu befolgen, dann fängst du erst an, Staatsbür⸗ ger zu sein. Vielleicht bietet sich einmal in der nächsten Zeit Raum und Gelegenheit, um jesuitische Lehren und Betriebsamkeit ganz gehörig darzulegen. Der Wildermannsche Ausspruch, der den Protestan⸗ tismus im preußischen Landtag als Irrlehre hinstellte, wird wieder in gedrehtem Unschuldssinne behandelt. Das„Journal“ schreibt im Anschluß daran:„Auch wenn wir die protestantische Kirche als die wahre von Chri⸗ stus gestiftete nicht anerkennen, so verdammen wir nicht ihre Anhänger sondern hoffen und wünschen, daß alle im Glauben Getrennten ihr ewiges Ziel erreichen.“ Gut gesprochen, aber warum wird denn da in den Misch⸗ ehen so furchtbar gearbeitet? Warum setzt man Ster⸗ benden die Pistole auf die Brust und verlangt von ihnen Umtaufe der Kinder, andernfalls man selbst den treue⸗ sten Katholiken, die ihre sämtlichen Pflichten erfüllt haben, mit der Verweigerung des christlichen Begräb⸗ nisses droht? Es liegt der Evangelischen Volksgemeinschaft wahr⸗ lich nicht im Sinn, aggressiv vorzugehen, sondern sie ist nur bemüht, die Evangelischen zusammenzufassen und sich gegen die Uebergriffe der katholischen Kirche in Ge⸗ meinde, Parlament und wo es sonst möglich ist, zu wehren. Daß wir in Hessen die Simultanschule vertreten, ist dem„Journal“ ein mächtiger Balken im Auge. Ja⸗ wohl, ihr Herren, erinnert ihr euch noch der Heidel⸗ berger Tagung, auf der ihr Tausende evangelischer Leh⸗ rer in den Kot gezogen und beleidigt habt? Wo ihr ihnen Uebergriffe in unzähligen Fällen vorwarft, die ihr bis jetzt noch nachzuweisen habt? Wo sind denn die Beweise? Soll diese Sache, wie so viele andere, auch im Interesse der Koalition wieder einschlafen? Wir werden von der Volksgemeinschaft aus in dieser Frage nicht ruhen, denn die Lehrer in unseren Reihen sind mitangegriffen. Ehrenwerte Männer nehmen wir stets in Schutz. Warum wehrt sich denn das„gerechte“ „Journal“ nicht dagegen oder ist es im Besitze der„un⸗ zähligen“ Anschuldigungen? Wir zweifeln sehr stark daran, sonst hätte es schon längst Gebrauch davon ge⸗ macht! Wenn man uns in einem weiteren Artikel Volksverhetzung vorwirft, so soll das„Journal“ seine Führer sich einmal an die eigene Nase greifen lassen. Wir haben noch nie behauptet und werden es nie tun, daß der Katholik ein„Volksgenosse zweiter Güte“ ist, aber wir warnen auch davor, uns als solchen in den mehr, daß ihr Mann fröhlich sein konnte, wo sie mit innerem Zorn hier oben saß. „Pater Markus betet ja nicht umsonst jeden Tag um Ihr Seelenheil,— doch das sind ja Dinge, die eigentlich der Mund nicht aussprechen will,“ fuhr Pater Innozenz seufzend fort, seine demütige Stellung nicht einen Augenblick verändernd. Interessiert horchte sie auf, es schmeichelte ihrer Eitelkeit, daß er noch immer ihrer gedachte. Schon als Schüler hatte er die Augen zu der reichen, tollen Nella erhoben, aber sie sagte ihm kurzer Hand, die Mutter hätte ihr verboten, sich mit ihm aufzuhalten, er sei ja nur eines Kleinbauern Sohn!— Später dann,——— er wollte umsatteln, ein anderes Studium ergreifen, um ihretwillen! Aber sie setzte sich über alle sentimentalen Anwandlungen hinweg. Einer tiefen, heißen, alle Hindernisse überbrückenden Liebe, war diese Frauenseele nicht fähig. Bruder Innozenz dehnte seinen Besuch lange aus, trotzdem er wußte, daß er ein lang anhaltendes Gewitter heraufbeschwot, aber Stunde länger beim Diner, was sonst nur Sonn- und Festtags gestattet wurde. Die Tür von Frau Petronellas Zimmer stand weit offen und ließ den Duft der Blumen aus dem langen Gang, der mit seinen eng aneinander gereihten Fenstern, trefflich in ein Gewächshaus umgewandelt war, hereinströmen. An dem zierlich gedeckten Tisch saß Bruder Innozenz und seine Gastgeberin drückte den Kopf in die weichen Polster des hochlehnigen Armstuhls. „Gelobt sei Jesus Christ in Ewigkeit Amen! Hat er nicht auch der Menschheit unversöhnlichen Haß, ihren Spott und Hohn getragen? Hält er mich wert zu leiden, wie er litt, so neige ich willig mein Haupt, denn alle Ungläubigen sind mit Blindheit ge⸗ schlagen und sehen nicht die guten Früchte, die unsere Saat bringet!“ Vom Speisezimmer schallte das herzliche Lachen der jung⸗ frohen Gemüter herauf. Es erbitterte Frau Petronella immer 0 er mußte den Sinn dieser Frau in die rechte Form kneten, das Eisen schmieden so lange es glühte, einen Schritt vorwärts rücken in dem Reich der verhaßten Kinder der Welt.— Als er sich dann endlich verabschiedet hatte, voll Segensworte für die, so unter dem Dach dieses Hauses weilten, schritt er lächelnd durch den Torbogen und sah triumphierend zu den Schutzheiligen empor, die noch ebenso unbeweglich, vielleicht nur etwas verwitterter in den Mauernischen standen,— die Ernte war gut gewesen, er nahm die Hälfte des Gewinnes von Frau Petronella Wendtland mit heim.(Fortsetzung folgt.) Pfarrer Erwin Gros 7. Nach längerem schweren Leiden ist am 2. Dezember in Gensenheim Pfarrer Erwin Gros im Alter von 61 Jahren ge⸗ storben. Durch seine volkstümlichen Erzählungen, von denen „Der Bauernpfarrer“,„Der Lehrer von Hartenhausen“ und„Das leuchtende Haus“ wohl die bekanntesten und besten sind, hat sich der Verstorbene einen Namen gemacht. Den Lesern der Warte ist er bekannt geworden durch die schöne Erzählung„Wer mich bekennet“. Wir sind ja nur da, um uns 9 haf flasse N Voll sbür⸗ ächten und testan⸗ sellte indelt, wenn. Chri⸗ r nicht“ ß alle“ ichen.“ Misch⸗ Ster⸗ ihnen treue⸗ erfüllt egräb⸗ wahr⸗ sie ist N und in Ge⸗ st, zu neren im It Mund tt seine eressiert immer zu del and, die ü sei 0 c wollte il Abet hinweg. be, wat dem el 95 abel en, das 5 rüden h dann 9 untel ach den empoß ittettet cen. el cblland a1) Augen auf und das Pulver trocken gehalten!“ a gern nur unsere Belange wahren. glist so viel Geschrei macht, wo es ihr paßt. „ 66 berwiegend katholischen Kreisen behandeln zu wollen. Versucht doch das Zentrum selbst, seine Machtgelüste in den überwiegend evangelischen Kreisen durchzusetzen, was die Wünsche nach Besetzung von Kreisschulratsstel⸗ len doch zu eklatant beweisen. Allem Anschein nach dreht es sich beim Präsentieren geeigneter Persönlich— keiten dann sogar noch nicht einmal darum, daß der Be⸗ lreffende katholisch ist, sondern er muß auch guter Zen⸗ Kumsmann sein! Vielleicht wollen das die Herren vom Journal! nicht verstehen! ö Selbst der Abgeordnete des Zentrums, Nu ß— Worms, muß in einem weiteren Artikel gegen den Hetzaufruf“ der Volksgemeinschaft agitieren. Er chließt seine Polemik mit dem Satze:„Katholiken, die Bitte, 5 Nuß, wo ist denn Ihr Pulver? Schießen Sie doch os, sie tun's ja auch bei anderer Gelegenheit! Wir wollten mit dem Zentrum keinen Streit, son⸗ Das fällt aber an⸗ cheinend der Zentrumspartei schwer auf die Nerven, Jaß nun auch in Zukunft der politische Evangelische auf⸗ (titt. Seither konnte man über die Köpfe der Evange⸗ lischen hinweg schachern, und jetzt kommt der Brems— lot: Evangelische Volksgemeinschaft! Daß das unange⸗ sehm ist, läßt sich leicht begreifen. Wie nötig aber es t, das beweisen die Bitten der zahlreichen Orte um tündungen von Ortsgruppen! Also, ihr Herren vom Journal“, etwas ruhig Blut und erst einmal in den eigenen Reihen umgeschaut. Feindliches Stellen von vornherein zu uns ist gefährlich, denn in manchen kul— aurellen Fragen dreht es sich doch darum, Hand in Hand zu arbeiten. Wir aber lassen uns nicht irre machen an unserer so nötigen Eangelischen Volksgemeinschaft! Prolestantisch gleich neuheidnisch. Nach katholischer Behauptung. In der„Höchster Volkszeitung“(Filiale der Rhein⸗Mainischen Volkszeitung“) Nr. 261 vom 24. No⸗ dember 1926 findet sich in einem, mit„Kirchensteuer“ überschriebenen Artikel folgender Satz:„Diaspora ind jene weiten protestantischen, heute fum großen Teil neuheidnischen Ge⸗ hiete... Also, protestantisch ist für den Verfasser des Artikels gleichbedeutend mit neuheidnisch. Das ist line ungeheuerliche Verschrobenheit eines katholischen hehirns, für die ein Protestant nur ein mitleidiges lächeln hat. Daß aber eine führende katholische Zei— ung diesen Blödsinn abdruckt, richtet einmal sie selbst, d zum andern ist es ein bedauerliches Zeichen dafür, aß die katholische Oeffentlichkeit wenig Neigung hat, en konfessionellen Frieden zu wahren, um den sie Der Kreis⸗ ütchentag Cronberg, welcher am 1. 12. 1926 seine lügung in Höchst a. M. abhielt, hat in folgender Reso⸗ tion Einspruch gegen die Beschimpfung erhoben: Der Kreiskirchentag nimmt Kenntnis von dem ctikel„Kirchensteuer“ in der„Höchster Volkszeitung“ om 24. 11. 1926, in welchem die protestantischen Ge⸗ iete als heute zum großen Teil„neuheidnische Gebiete“ zeichnet werden. Er bedauert diesen ungeheuerlichen borstoß gegen den kofessionellen Frieden und protestiert das Entschiedenste gegen solche Beschimpfung unserer angelischen Glaubensgenossen. Mie stehts mit dem Konkordat? Großes Schweigen im Blätterwalde der Zentrums—⸗ esse, lautlose Stille in der Regierung! Und doch wird dem Konkordat gearbeitet, im Reiche und auch in Iteußen. Die Minister wissen„amtlich“ von nichts. as mag sein. Neuerdings wendet man bei solchen tischen Dingen nämlich eine andere Methode an als üher. Die maßgebenden Stellen suchen sich Anter⸗ aändler, und diese„handeln“ nun in Wirklichkeit gerade als ob es um ein Grundstück oder um ein paar gute serde ginge. Und das Handelsobjekt beim Konkordat t und bleibt die Schule. Wird man darüber einig, ann ist das Konkordat gemacht, dann gibt man sich den sandschlag. Dann ist der Verkauf fertig. Wir kennen e Sache von Bayern her. Soll's wirklich im Reich id Preußen ebenso gehen? Gemach! Noch sind wir icht so weit. Auf die evangelische Kirche kommt es an. eind die Leute, die an deren Spitze stehen, einfältig setug, sich nach dem Vorgange in Bayern von Rom ein⸗ zickeln zu lassen, dann bringt vielleicht die Regierung BB N Fpangelische das Konkordat zustande. Ob es aber der Deutsche Reichstag oder der Preußische Landtag annehmen, das ist eine andere Frage. Wir haben Beispiele davon, daß Staaten sich den Teufel was um Vertragsabschlüsse ihrer Regierungen kümmerten. Sie haben den Kirchen⸗ vertrag abgelehnt und ihre Regierung einfach aufs Trockene gesetzt. Man darf hoffen, daß es im Reich und in Preußen ebenso kommt, falls die Schule dabei ver— handelt werden soll. Denn darauf kommt es der katho— lischen Kirche an. Martin Spahn hat es frei heraus gesagt, daß Nom darauf bestehen muß, die Schule in das Konkordat einzubeziehen, also mit anderen Wor⸗ ten, daß ein Konkordat ohne Bestimmungen über die Schule für die Katholiken keinen Werte habe. Dem— gegenüber sollte die evangelische Kirche keinen Zweifel darüber bestehen lassen, daß für sie ein Konkordat mit Schulbestimmungen irgendwelcher Art nicht in Frage kommen kann. Was die evangelische Kirche mit der Schule abzumachen hat, das muß auf dem Wege der Gesetzgebung geschehen, denn die Gesetzgebung allein kann jeden Augenblick nach den Bedürfnissen des Staa⸗ tes und der Schule geändert werden, während das Kon— kordat unabänderlich ist bis zu der Zeit, wo es gekün⸗ digt wird. Eine einseitige Kündigung hält aber Rom für moralisch verwerflich; es sieht die Kündigung nur dann für gerechtfertigt an, wenn beide Teile diese wün⸗ schen. Für die evangelische Kirche sollte es also eigent⸗ lich in dieser Frage kein Schwanken geben. Trotzdem gehen fort und fort sogenannte Versuchsballons durch die Presse, aus denen entnommen werden kann, daß einflußreiche evangelische Kreise bereit sind, ganz nach katholischem Muster die evangelischen Lehrer unter die Willkür des Kirchenregiments zu bringen. Das„Evan⸗ gelische Deutschland“ behauptet zwar, daß an amtlichen evangelischen Stellen wie bei politischen Rechtskreisen, die davon wissen müßten, nichts bekannt sei, es wird aber gleich hinterher gesagt, es sei natürlich nicht aus⸗ geschlossen, daß Arbeiten unverbindlicher Art im Gange sein mögen. Die dem Zentrum feindlich gegenüberstehende „Katholische Wochenzeitung für das gesamte deutsche Volkstum“ weiß mehr. Sie berichtet, daß die Verhand— lungen, die dem Abschluß eines Konkordats mit Deutsch— land dienen, weiter voranschreiten. Die Basis für die Verhandlungen soll bereits geschaffen sein, doch harren noch eine Reihe kleinerer und teilweise sehr komplizier— ter und schwieriger Fragen der Lösung. Man sei in vatikanischen Kreisen der Ansicht, daß die Konkordats⸗ frage vor Frühling oder Sommer nächsten Jahres kaum werde erledigt werden können.— Zu den„kleinen“, aber„teilweise sehr komplizierten und schwierigen Fra⸗ gen“ gehören natürlich die Schulfragen. Wir begreifen vollkommen, wenn diese dem Vatikan einiges Kopfzer⸗ brechen machen. Nichts liegt aber darum näher, als die Schulfrage bei dem Konkordat vollständig aus dem Spiele zu lassen, so schwer es auch der Kurie fallen mag. Die evangelische Bevölkerung aber sei rechtzeitig ge— warnt.— Wir haben diesen beachtenswerten Ausführungen des„Schulboten für Hessen“ vorerst nichts hinzuzufügen. Für die Simultanschule in Hessen. Die Konferenz evangelischer Religionslehrer des Dekanats Darmstadt, die unter dem Vorsitze des Herrn Dekan Weißgerber am 25. Oktober ds. Is. in Darm⸗ stadt stattfand, faßte nach einem Vortrag des Herrn Helmreich, der warme Worte für die Simultanschule wegen ihres volksversöhnenden Charakters und ihrer Segenswirkungen für die Volkseinheit fand, und einem Vortrag des Herrn Pfarrers Berck, der besonders die Gefahren einer angestrebten Konfessionsschule hervor⸗ hob, folgende Entschließung:„Die Religionslehrerkon— ferenz des evangelischen Dekanats Darmstadt vom 25. Oktober 1926 tritt mit Entschiedenheit für die Sicherung und Erhaltung der durch ein halbes Jahr- hundert bewährten hessischen Simultanschule auf christ— licher Grundlage mit konfessionellem Religionsunter— richt ein, als der Schule der deutschen Volksgemeinschaft, die ihre Gewähr allein hat in den religiösen und sitt— lichen Kräften des Christentums. Die Konferenz for— dert von allen maßgebenden Stellen in Hessen und im Reich, daß sie sich jedem Versuch einer Beseitigung dieser hessischen christlichen Simultanschule mit allen Mitteln widersetzen. Die Konferenz erwartet von den evange— lischen Lehrern und Geistlichen eine vertrauensvolle Zusammenarbeit für diese Simultanschule und für unsere christliche deutsche Volksgemeinschaft.“ Im Familienkreis Nr. 51 Was jeder Evangelijche wijsen mup. Abermaliger Versuch einer Wiedertrauung in einer Erlanger Klinik. Nachdem erst kürzlich— mit Erfolg— die römische Kirche in einer Erlanger Klinik an einem Sterbebette eine Wiedertrauung, die sich als eine äußere Form- sache bezeichnete, in Szene gesetzt hatte, was beträchtlich Staub aufwirbelte, geht uns erneut von dort folgendes Schreiben zu:„Wir sehen uns leider gezwungen, auf Grund amtlich belegter protokollarischer Aussagen fol- gendes zu veroffentlichen: Am 12. November hat Herr Stadtkaplan Ditt⸗ rich, der zu einem totkranken Katholiken, Kr.... aus Kraftshof, auf die Veranlassung der evangelischen Ehe— frau in die chirurgische Klinik gerufen war, nach länge— rer Unterredung mit dem Kranken von der evangeli— schen Ehefrau verlangt, sie solle sich noch einmal mit ihrem Mann nach katholischem Ritus trauen lassen; denn durch die seinerzeitige evangelische Trauung sei der Mann von der katholischen Kirche ausgeschlossen. Falls sie die Wiedertrauung verweigern würde, könne der Kranke nicht absolviert und im Sterbefalle nicht kirchlich beerdigt werden. Im weiteren Verlauf des Ge— sprächs wurde der evangelische Teil darauf hingewiesen, daß er eine große Sünde täte, wenn er nicht in die Wiedertrauung willige. Die Ehefrau, deren Glaubens⸗ treue wir gerne rühmend hervorheben, blieb standhaft; unter ihren Gebeten ist noch am gleichen Tage ihr Mann entschlafen und dann in Kraftshof nach evange— lischem Ritus beerdigt worden. Wir stellen fest: 1. Es liegt ein abermaliger Versuch einer Wiedertrau— ung vor. 2. Die darinliegende Kränkung der evangelischen Kirche durch Mißachtung ihrer Trauung wird bewußt fort— gesetzt. 3. Die Betonung, daß die evangelische Ehefrau eine große Sünde tue, wenn sie die Wiedertrauung ab— lehne, stellt einen schweren Eingriff in die hier allein zuständige evangelische Seelsorge dar. Alles weitere überlassen wir der Beurteilung unse— rer Glaubensgenossen. Erlangen, November 1926. Sang Dekanat. Baum.“ Aus unserer Bewegung. Alzey, 14. Dezember. In den Kreisvorstand des Kreises Alzey wurden gewählt: Lehrer Bernhard, Frei-Laubersheim, Landwirt und Bürgermeister Schlamp, Neu-Bamberg, Eisen⸗ bahnassistent Bäder, Wendelsheim, Schuhmachermeister Bauder, Wöllstein und Sekretär Fourier, Sprendlingen. Darmstadt, 10. Dezember. Auch in der Hauptstadt wird die E. V. immer mehr bekannt. Anläßlich der Volksabstimmung wurden durch unsere Mitglieder und Freunde 10000 Flugblätter in der Stadt verteilt. Ein Mann— wahrscheinlich ein Mitglied der E. V.— verteilte, als Nikolaus verkleidet, unsere Flugblätter auf der Rheinstraße. Nicht unerwähnt darf bleiben, diß unsere Verteiler der Flugblätter auch wiederholt angepöpelt worden sind, sogar von einem katholischen Pfarrer am Luisenplatz mit den Worten:„Verblast Euch nur, Ihr Evangelischen!“ Unser Mann war aber nicht auf den Mund gefallen, er rief dem Pfarrherrn zu:„Und Ihr verblast Euch samt Eurem Pabst!“ Der andere Zwischenfall spielte sich vor der Stadtkirche ab, wo ein Reichs— bannermann sich drohend gegen unsere Leute wandte. Höchst er— freuliche Vorkommnisse! Es ist Tagesgespräch, was es mit der Evangelischen Volksgemeinschaft ist. Ende Januar soll eine Ver— sammlung größeren Formats stattfinden. Sprendlingen. Am 24. November fand hier eine öffentliche Versammlung der E. V. statt. Reichsgeschäftsführer Weidner hielt einen Vortrag über das Wesen der neuen evangelischen Partei, so daß auch hier sich eine Ortsgruppe bildete. Zum Ver— trauensmann wurde Eisenbahn-Assistent Fousier bestimmt. Wöllstein. Herr Reichsgeschäftsführer Weidner sprach am 23. November 1926 in einer gut besuchten Versammlung über: „Brauchen wir im kommenden Landtag eine ev. Partei?“ Bei der anschließenden Diskussion suchte der Bauernbundführer Land— tagsabgeordneter Dr. Moebus(Siefersheim) zu den Ausfüh— rungen des Redners Stellung zu nehmen. Da er aber keine sach— lichen Gründe vorbringen konnte, sondern nur im bekannten Geiste des W. O.-Blocks die Politik seiner Partei zu rechtfertigen suchte, und dabei für die Konfessionsschule, trotz Lehrer-Abbau, eintrat, konnte zur Gründung zweier Ortsgruppen geschritten werden. Vertrauensmann der Ortsgruppe Wöllstein ist Herr Bauder und der Ortsgruppe Neu-Bamberg Herr Bürgermeister Schlamp. r ̃.. ̃ Ä...-.... A esse eee εεαεναοεαμεααααεεεσαοαναεεαεαεεναειαετιεεαετιαιιιοο p οο Besinnliches und Besthaulithes. Das deutsche Weihnachtslied. Von W. Günther. Deutsche Weihnachtslieder! Auf Engelschwingen kommen sie uns ins Kinderland und schwingen nach in unserer Seele, so⸗ ige unsere irdische Pilgerfahrt dauert. Und doch kann uns das 5 lot weiter in Verwunderung setzen; denn es ist nur natürlich, 1 das Wunder der Menschwerdung Christi, dies größte Geheim⸗ 1„ der christlichen Lehre, immer wieder zu neuen Lobpreisungen 1 I Gesängen begeistert hat und weiter begeistern wird. 5 Gibt 1 doch sogar in den deutsch⸗österreichischen Alpenländern Kärnten i Tirol in vielen Pfarrgemeinden einen Vorsänger, der die ifgabe hat, den übernommenen Schatz der Weihnachtslieder uch neue zu bereichern. In den Weihnachtsliedern ertönt der sundton der weihnachtlichen Stimmung, sie finden daher in em Herzen freudigen Widerhall, sind sie uns allen doch seit unserer 7 in Fleisch und Blut übergegangen.— Wer aber, der 0 . solch einen trauten, immer⸗grünen Sang anstimmt, weiß, woher die Weise kommt? Das deutsche Weihnachtslied hat eine bedeutsame, inter— essante Geschichte von ehrwürdigem Alter. Es wurzelt, wie die meister unserer Kirchenlieder, in dem reichen Schatze prächtiger Hymnen und religiöser Dichtungen der lateinischen Kirche, von denen eine Anzahl schon vorhanden war, als die Christianisierung Deutschlands begann. Anfangs wurde bei den geistlichen Gesän— gen das Urbild in wortgetreuen, meist ungefügen Uebersetzungen wiedergegeben. Das waren die sogenannten Interlinearver— sionen, bei denen zwischen die lateinischen Verse der deutsche Uebersetzungstext eingeschoben war. Seit dem 10. Jahrhundert taucht dann eine Dichtungsform auf, die in regelrechter Abwechse⸗ lung lateinische und deutsche Verse enthält. Hauptsächlich Stoffe fröhlichen Inhalts wurden so behandelt. Aus dieser Zeit und Manier stammt das klangfrische„In dulci jubilo, nun singet und seit froh.“ Auch die so genannten Quempaslieder reichen bis in jene Zeit zurück. Sie enthalten 1 denburgs gleichfalls abwechselnd lateinische und deutsche Verse, welche beim Gottesdienst in Form des Wechselgesanges vorgetragen wurden. Den Namen haben diese Gesänge von dem Liede„Quem pastores laudavere, den die Hirten lobten sere“, dessen weite Verbreitung im 14. Jahrhundert nachgewiesen ist. Selbst noch heute verwendet man in manchen Gemeinden Pommerns, Bran⸗ und Schlesiens„Quempaslieder“ als Wechsellieder beim Gottesdienst des Weihnachtsfestes. Von dem eben erwähn— ten„Quem pastores“ abgesehen, drangen die Quempaslieder nur allmählich ins Volt ein. Wir nähern uns aber nun einer Zeit, die man ohne Bedenken als die eigentliche Wiege des geistlichen deutschen Liedes bezeichnen kann und die jetzt entstehenden freien Uebersetzungen der Hymnen sind als unmittelbare Vorläufer un— serer Weihnachtslieder in deutscher Sprache zu betrachten. Als freie Uebersetzung des lateinischen Hymnus„Puer natus in Beth— lehem“, hat das aus dem 15. Jahrhundert stammende Lied:„Zu Bethlehem geboren, ist uns ein Kindlein“, zu gelten. Auch der Gesang„Der Tag ist groß und freudenreich“ läßt sich auf den Sonnabend, den 18. Dezember 1926. Hymnus„Dies est laetitige“ zurückführen. Welches Ansehen die Hymnen genossen, und welche göttliche Kraft man ihrem Inhalt und Gebrauch beilegte, beweist eine auf uns überkommene, in München aufbewahrte Handschrift der Lieder eines Benediktiner⸗ Mönches aus Salzburg, welcher von einem Hymnus rühmt:„wer den mit andacht pei der nacht spricht, den mag der tievel nit an⸗ geweigen(anfechten), noch kein swaerer traum zugewassen.“ Als erstes Weihnachtslied mit Originaltext— es liegt also keine Uebersetzung, Um- oder Nachdichtung vor— bezeichnet Weinhold in seinen„Weihnachtsspielen und ⸗liedern“ das Lied Spervogels:„Er ist gewaltic und stark“, dessen Entstehung mit⸗ hin ins 12. Jahrhundert verlegt werden muß. Interessant ist die Weihnachtsweise einer Handschrift des Frauenklosters zu Pfullin⸗ gen, deren Anfang lautet: Den liebsten herren, den ich han, der ist mir lieb gebunden. Offenbar handelt es sich hier um eine Umdichtung des bekannten Zechliedes:„Den liebsten buolen, den ich han.“ Von einzigartiger Symbolik, dem 15. Jahrhundert angehörend, ist das wundervolle, auch heute noch zu den schönsten Weisen zählende:„Es ist ein Ros' entsprungen, aus einer Wurzel zart“. In seiner jetzigen Form hat es der 1621 in Wolfenbüttel gestorbene Musikgelehrte Michel Prätorius aufgeschrieben, den man früher lange Zeit irrtümlicherweise für den Dichter gehalten hatte. Die nun folgende Zeit der Reformation brachte, wie man wohl annehmen könnte, keine charakteristische Aenderung der Weihnachtsliederdichtung, da sich Luther meistens auf die Be⸗ arbeitung älterer Lieder beschränkte, von denen er manche sogar unverändert übernahm. Unter diesen befindet sich das noch jetzt gebräuchliche:„Gelobet seist du Jesu Christ.“ Aber um eine wert⸗ volle Gabe hat er doch den Schatz unserer Weihnachtsdichtung be⸗ vreichert: Mit seinem berühmten„Vom Himmel hoch da komm ich her“, hat er uns durch die Paarung des naiv frommen Textes mit der wuchtigen Melodie einen weihevollen Festchoral von tiefinnerlicher Wirkung hinterlassen. Nächst Luther wäre des bekannten Kirchenlieddichters Kaul Gerhardt zu gedenken, der uns den schönen Adventsgesang„Wie soll ich dich empfangen“, be⸗ scherte. Die nun folgende Zeit der Verherrlichung französischer „Evangelische Warte“ Sprache und Kultur brachte naturgemäß auch eine Vernach⸗ lässigung der deutschen Weihnachtslieddichtung mit sich. Erst im 18. und 19. Jahrhundert plätscherte das Bächlein weihnachtlicher Weisen wieder munter. Das uns von Anschütz geschaffene natur⸗ frohe„O Tannenbaum, o Tannenbaum, wie grün sind deine Blätter“, hören wir auch jetzt noch gern aus frohem Kinder⸗ munde. Es wird selbst grün und unverwelklich bleiben, wie der strahlende Lichterbaum, den es besingt. Demselben Komponisten verdanken wir auch die Melodie zu Wilhelm Heys schlichtem Liedchen:„Alle Jahre wieder, kommt das Christuskind“. Den rechten Herzenston, aus dem kindlich gläubiger Jubel strahlt, trafen die Schöpfer der Weise„Ihr Kinderlein kommet“. Das ist auch leicht erklärlich; denn der bekannte Dichter und Jugend⸗ schriftsteller Christoph von Schmid war ein auserlesener Kenner der Kindesseele. Auch Abraham Schulz traf mit der dazu er⸗ sonnenen Melodie den rechten kindlichen Ton. Als schönste Perle im Kranz unserer Weihnachtsdichtung wird das schlichte„Stille Nacht, heilige Nacht“ immer seinen Platz behaupten. Im Jahre 1818 vom Vikar Joseph Mohr zu Oberndorf im Salzburgischen Franz Gruber, vertont, erklang es von beiden Freunden gesun⸗ gen, damals in der Christmesse und hinterließ bei der Gemeinde einen tiefen Eindruck. Nachdem lange Zeit hindurch weder Dich⸗ ter noch Komponist des Liedes bekannt waren, und es unter der Sezeichnung„Volkslied“ Aufnahme in vielen Liederbü hern ge⸗ funden hatte, wurden endlich durch die Nachforschungen der lang Taschengeld). Königlichen Hofkapelle zu Berlin die Schöpfer mit Bestimmtheit festgestellt. Auch fremde Nationen haben Melodien zu deutschen Weihnachtstexten gegeben. So ist die Melodie zu Joh. Daniel Falks Lied:„O du fröhliche, o du selige...“ einem siziliani⸗ schen Fischerlied entlehnt und die Weise:„Die Englein und die Hirten“ hat ihren Ursprung in Böhnen. Fürwahr, es ist ein reicher Liederkranz, der uns den schlich⸗ ten Bericht der Bibel über das Wunder der Menschwerdung Christi poetisch und deutsch gestaltet. Eine wunderbare Kraft und reine Gläubigkeit, die auch den sonst Gleichgültigen packt, * —— — . V... d .. 2 vorm. Wilh. Keller N e e e für sind jederzeit vorrätig in der und Sterbe⸗Register sind ungewollt Leser der Warte! Verlangt die„Evangelische Warle“ in den Gasthäusern u. Bahnhofsbuchbandlungen etc. Sor qt für Bestellung, Wo sie nicht zu haben ist. Müssen Sie etwas drucken lassen sei es für Familie, Beru, Stand, Amt, Geschäit oder Organisation dann wenden Sie sich bitte an die + 2 + 2 + Sie zur See e uns evang. ant t ö Buchhandlung durch kreis, sowie Reise lohnende Stellung Bestellung v Buchern Palevertreler deb vorm. Wilhelm Keller, gegr. 1783 Fernsprecher 1362. Südanlage 21. Setzmaschinen-, Stereotypie- und Rotationsbetrieb, eigene Buchbinderei. Spezialität: Druck, Verlag und Einführung von Verbandszeitschristen. Dee Uber 1000 verschiedene Formulare für Behörden. Geschäfte, Verbände — And Vereine ständig am Lage. eee Dee W eee eee. Sämtliche Formulare Pfarrämter, Vürgermeistereien, Standesämter, Ortsgerichte, Schulen elt. 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Dazu empfehlen die„Blätter für christliche Diakonie“ aus dem Elisabethstift zu Darmstadt: In die Marthaschule, wenn sie konfirmiert ist und in einer einfachen Haushaltungsschule lernen soll, was eine Hausfrau zur Führung eines Haushalts braucht(einjährige und halbjährige Kurse, 45 Mk. pro Monat, Aufnahmebedingungen durch das 0 Marthahaus, Stiftsstraße 14). In das Töchterheim der Elisabethenschule, wenn sie diese Schule(Lyzeum) besuchen soll(800 Mk. pro Jahr ausschließlich Schulgeld). In die Kurse für freie Helferinnen(Lutherröschen), wenn sie Lust und Liebe zur Liebestätigkeit bekommen soll und be⸗ reit ist, an ihrem Orte nach Kräften an der Liebesarbeit sich zu meindepflege, unentgeltlich, Alter nicht unter 18 Jahren). In die Diakonieschule, wenn sie in einjährigem Kurse in Krankenpflege und Hauswirtschaft ausgebildet werden soll(vier Monate lang 60 Mk. Pflegegeld, vier Monate frei, vier Monate In das Kinderschulseminar, wenn sie für die Arbeit an Kin⸗ dern in Kinderschule oder Familien zugerüstet werden soll(ein, eventuell eineinhalbjähriger Kursus 75 Mk. im Monat einschl, Schulgeld). In das Diakonissenhaus als Schwester, wenn sie ihrem Hei land an Kranken, Kindern, Verwahrlosten dienen will und ihrez Herrn Ruf vernommen hat. Die Schwester wird nach Bewährung Kind des Hauses, das für alle ihre Bedürfnisse sorgt, damit si⸗ frei ist, anderen ihre Sorge tragen zu helfen. Werbt für die„Evangelische Warte“ e 5 —— gegründet 1785 Loni Bienen- Schleu- 0 der- gart. rein, beste Qual., 10 Pfd. Dose 10,50 M., Klee- u Lindenblüte 12 Mark. halbe 6 M. und 7 M. tranko. Nachn. 50 Pig. mehr. W. Krieger, Honigversand, Rietberg 50, n Westf. Wir suchen rkaal. Huss jed. Art wecks Unter⸗ brei zung an Kauf-In⸗ teressenten. Nur An⸗ gebote v. 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