* ——. 5 2* K 9 Sonnabend, den 18. September 1920. Schriftleitung: Edwin Hamburger in Staden(Oberh.) 2. Jahrgang. 1 8 Ju ei men ela 1 Wir laden unsere Mitglieder und Freunde zu der angelische Warte drgan der Evangelischen Volksgemeinschaft die 3omm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg., Erscheint zunächst wöchentlich am Samstag. 5 Anzeigenpreise: 15 Abonnements⸗ u. Anzeigen⸗Ann e Bezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus. Druck d Verlag: G 158 gen⸗ l am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Für Rücksendung ungewünschter Manustripte wird nicht garantiert.] dern. 05 ag: 55 ben, Sudan 85 21. Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen Fernsprecher 1362 und 1145. Postscheckkonto 8437 Frankfurt a. M. ö Vergünstigung duummer 38. An unsere Mitglieder und Freunde! 2. Reihstagung der Evangel. Volksgemeinschaft vom 2. bis 4. Oktober 1920 in Frankfurt a. M. el hiermit herzlichst ein. Die Tagung findet statt im Gasthof„Zum Storchen“, Saalgasse 1, am Dom. Olla a elin Tagungsordnung: „Die Ziele der Evang. Volksgemeinschaft“ (Dr. jur. Moegenburg-Frankfurt a. M.). 3.„Vom politischen Zusammenschluß der Samstag, den 2. Oktober, nachm. 5 Uhr: Sitzung des Presseausschusses. Montag, den 4. Oktober, vormittags 9 Uhr: 1.„Der Breslauer Katholikentag“ (Generalsekretär Haupt-Gießen). n eie 08 Evangelischen“ 2.„Das kommende Reichsschulgesetz“ Die Bedeutung der Presse im öffentlichen Leben. 05 0. e e 5 5. 9 0(Pfarrer Veller-Mainz-Bretzenheim).(Studienrat Proescher-Mainz). (An dieser Sitzung kann jedes Mitglied der Evan— N itt Uhr: 3. Geschäftliches. gelischen Volksgemeinschaft teilnehmen.) achmittags 3 Uhr: Nachmittags 3 Uhr: Abends 8 Uhr: 1.„Die Evangelische Volksgemeinschaft und e e 1 5. 5 a 1 ie Arbeiterschaft“ usflug in den Taunus. HGeeselliges Beisammensein der bereits Anwesen— 15 eee, 5 Abends 8 Uhr: 6 den mit der Frankfurter Ortsgruppe. N n Weidner). 0 N Abschl 0 55 3 I 0 2.„Die Notwendigkeit der Evangelischen Ge— schluß der Tagung: 10 8 werkschaft“ Luther⸗Abend an N ag, den 3. Oktober, vormittags 1 Mürz(K. Linke-Barmen, Vorsitzender der Evan⸗ von Gustav Hildebrant-Kottbus. 5 1. Eröffnung der Tagung durch Schriftlesung gelischen Gewerkschaft). Nach A. Bartels' Luther-Drama, mit einem 10 und Ansprache 3. Aussprache. Wartburg⸗Zwischenstück„Die Heiligschrift deutsch“ det gz(Pfarrer Hamburger-Staden).* aus Wilh. Kotzde's„Wittenbergisch Nachtigall“) r Der Luther⸗Abend findet im Vereinshaus Nord- Ost, Wingertstraße 15— 19 statt. f 5——— a 5—— e Anträge für die Reichstagung erbitten wir mit kurzer Begründung bis spätestens 30. September an die Reichsgeschäftsstelle. Um Bekanntgabe der Tagung in der Presse wird gebeten. Hoffent⸗ pd lich können wir viele neue Freunde aus allen Teilen des Reiches in Frankfurt begrüßen. 4 Die 2. Reichstagung muß ein gewaltiges Bekenntnis zu unserer guten Sache werden! mak Anmeldungen bis spätestens 28. September erbeten an Pfarrer Ide⸗Höchst a. M., insbesondere von den Teilnehmern, die ein Freiquartier wünschen. Wir machen I besonders darauf aufmerksam, daß Sonntagsfahrkarten, die schon von Samstag mittags 12 Uhr ab gelten, zur Rückfahrt noch Montag früh benutzt werden können, e wenn die Fahrt vor 9 Uhr morgens angetreten wird. N Mit evangelischem Gruß ar Der engere Vorstand der Evangelischen Volksgemeinschaft: 1 0 Professor Niemann⸗ Gelsenkirchen, Bürgermeister Völker Lich, Pfarrer Weidner⸗Ober⸗Lais. ill 9 1 5 5 I᷑ worte. Darin begrüßt es der Herr, daß nicht die Prominenten] Jesus hier ausdrücklich vermeidet. Auch unsere Kirche ist zeit⸗ ang 9 Die Prominenten. die Träger sind, sondern die Unmündigen. Sonst tragen die be- weilig und wohl zum Teil auch heute noch den Prominenten, me. 2 1 ch ise dich deutenden Menschen die Bewegungen. Beim Christentum war] nachgelaufen. Da übersah auch sie alle, die Jesus aussuchte, die . Matthäus 1125. Jesus 1 d 5 9 5 7 lch es anders. Hier tragen gerade die Unbedeutenden eine weltge- er lehrte, und die seiner Rede ein williges Ohr öffneten. Hoch . Vater und Herr Himmels und der ere, nn; schichtlich hochbedeutende Sache. Die, die seither nichts zu sagen[über dem Volke schwebte die Kirche. Beide kamen dadurch aus— . 1 den Weisen und Klugen verborgen hast, und hast es den 5 Unmündigen offenbart. Wenn heute ein großes Fest vorbereitet, eine Sammlung veranstaltet oder ein Verein gegründet werden soll, dann fragen 8 2 1 2 0 die Leute nach den prominenten Persönlichkeiten, welche an der hatten, bekommen im Christentum eine hervorragende Bedeu— tung. Wer hätte sich von den Prominenten mit ihnen abge⸗ geben, sich an ihre Kähne gesetzt, wäre in ihre Hütte gekrochen und hätte sie erwärmt und gerufen zu einer großen Sache? Jesus hat es getan. Eine Fülle von ewiger Weisheit hat er in 10 Spitze der Sache stehen. Wenn Aufrufe an den Bahnhöfen auf-[den kleinen Dörfern ausgegossen, seine ewigen Perlen hat er in 0 gehängt werden, dann stehen darunter eine Unmenge von be⸗ rauhe Bauern-, Fischer⸗, Hirten- und Arbeiterhände rollen lassen. 9% kannten Männern und Frauen, lauter prominente Persönlich⸗] Eine Fülle von Weisheit schüttet der Herr in Geister, die man 15 N keiten. Ohne diese Prominenten glaubt man keine Bewegung seither für zu beschränkt gehalten und deshalb übersehen hatte. — welcher Art sie auch sei, in das Leben zu rufen und unterstützen[Die großen Lehrer in Juda hatten nur eine auserwählte Schar * zu dürfen. Man will den Toren und Unmündigen eine Sache der gebildeten Jugend um sich versammelt. Jesus, der größte dadurch erstrebenswert machen, daß man ihnen sagt:„Männer Lehrer, der je über die Erde ging, lehrte das geringe Volk und machte es zum Träger der tiefsten Weisheit. Darüber ist Jesus so glücklich, daß er ausrufen konnte: Vater, ich preise dich! Das so ohne Prominente gegründete Christentum hat nun fast zwei Jahrtausende standgehalten. Wie lange leben denn nun die Bewegungen, an deren Spitze Prominte stehen? Wie oft haben die Prominenten schon ihren Namen hergegeben für längstvergessene Dinge! Es waren Bewegungen, in den der Menschengeist und die Menschengröße in seiner Bedeutung er⸗ scheinen sollte. Dazu brauchte man diese Prominenten. Was Jesus diese Fischer und Bauern lehrte, war nichts von den Menschen. Es waren lauter Offenbarungen Gottes. Menschliches Wissen konnte diese alle nicht ergründen. Menschliche Gelehrsam— teit konnte auch diese Offenbarungen nicht, ohne Kritik sein lassen. Diese einfachen Leute öffneten sich ihnen ohne Nörgeln und gaben sich hin dem heiligen Willen Gottes. Leider hat auch unsere Kirche oft den Fehler gemacht, den von Geist und Wissen, Persönlichkeiten von Bedeutung, Sach⸗ tenner unterstützen das Unternehmen, also lannst auch Du dich ohne Besinnen anschließen.“ Die Frage ist nur die, ob die Sach⸗ ö tenner wirklich immer das Richtige und Fortschrittliche haben. Wieviel ist gerade bei der Wissenschaft in den einzelnen Schulen verknöchert. Ich möchte nur einmal an die Medizin erinnern. Wie häufig sind Behandlungsmethoden zuerst von Kurpfuschern rein gefühlsmäßig gehandhabt worden. Erfolge wurden etreicht. ö 1 0 ö N 1 ö 1 fl, eil aber die Wissenschaft hat darüber gelacht und gespottet, bis nach Erfindung gemacht wurde, wodurch 0 langen Jahren eine neue de, a 5 Heilkundigen wissenschaftlich man auch die Erfolge irgend eines erklären konnte. 5 5 0 Welche großen Bewegungen haben denn nun solche promi— nenten Persönlichkeiten? Das Christentum ist doch vor allen anderen eine gewaltige Bewegung in der Geschichte. Suchen wir einander und verstanden sich nicht mehr. Die Kirche wurde ver— schrieen als die„Klassenkirche“, das Volk wurde angesehen als „die rohe glaubenslose Masse“. Erkennen wir das heute ehrlich an. So ist es! Kehren wir wieder zurück zu Jesus und laufen wir keinen Prominenten mehr nach! Suchen wir wieder den „Armen das Evangelium“ zu verkünden. Einstmals hat Jesus damit viele Tränen getrocknet, viele Wunden geheilt, viel neue Hoffnung und Selbstbewußtsein geweckt. Deshalb ruft Jesus so freudig aus: Vater, ich preise dich! Wir wollen uns nicht verschließen, daß es allerdings heute schwer ist, gerade bei den einfachen Leuten das Verständnis für das Evangelium wieder zu wecken. Der jüdische Einfluß hat diese Kreise einem hoffnungslosen Materialismus ausgeliefert. Bei dem jungen Geschlecht müssen wir anfangen. Die Jugend nimmt heute durchaus nicht alles kritiklos vom alten Geschlechte an. Zeigen wir dieser Jugend den, der nicht zu den Prominenten, sondern zu den Unmündigen gegangen ist, und sie nahmen ihn auf in ihren Hütten. Die Prominenten haben ihn dafür an das Kreuz geschlagen. Fürchten wir das nicht! Die Prominenten sind eben zu herrschen gewöhnt. Wir aber sind da, um unserem Volke zu dienen mit den ewigen Wahrheiten Jesu Christi, mit dem Troste, der nicht im Irdischen vergeht. Damit darf natürlich in unser Christentum keine Feindschaft gegenüber der Wissenschaft und Bildung hineingetragen werden. Jesus hat auch mit dem gelehrten Nikodemus und anderen Schriftgelehrten verkehrt. Nicht die Bildung, sondern den Hoch⸗ mut der Prominenten mag Jesus nicht. Er will das Helfen, Dienen, Retten. Das sucht er in allem Volk. Amen Hr. — sasadaaaasaaaaapasdaaadddaadadaadsdaddadaaadsdadadaadadcacadadad LI aadodenend die Prominenten des Christentums, dann lesen wir obige Jesu⸗ dds oddadteaddeh readme Die, Kvang. Warte“ Aeg Jetz, ducn au ccc wd D ada aaa ec dee IAucuadadademdadadaaadadadadaaddddddadddadadadda ITT fadddddd o daadar dates len Bahnnöfen aut added dddndmmdmdaddandddnddddnddnodaddnddaddaddddcdccclddaaaadad sen gegründet. Sonnabend, den 18. September 1926. FIbei Jahre Evangelische Volksgemeinsthaft' Als nach dem Umsturz im Jahre 1918 sich in Deutschland aus den alten Parteien die neuen bildeten, da legten diese in ihrem Programm zu allen wirtschaft— lichen und kulturellen Fragen des Lebens ihre Stellung fest. Das Zentrum propagierte von Anfang an vor nehmlich seine christlich-römische Politik, die Sozial⸗ demokratie proklamierte die religiöse Freiheit eines jeden im Staate, machte auch aus ihrer kirchen- und religionsfeindlichen Einstellung kein Hehl, die Deutsche Volkspartei und die Deutschnationale Volkspartei for— derten Erziehung in nationalem Sinne und im christ— lichen Geist. So standen den religionsfeindlichen Par— teien auch solche gegenüber, die den Wert des Christen— tums erkannt und schätzen gelernt hatten. In den Schutz dieser letzteren Parteien stellten sich denn auch alle die, die das Evangelium als Richtschnur ihres Le— bens hochhielten. Doch bald mußten sie erkennen, daß man in diesen Parteien die evangelischen Belange in den Parlamenten nicht vertrat. So kam es, daß der Evangelische in Deutschland, dem Lande der Reforma— tion, immer mehr ins Hintertreffen geriet. Der Katho— lik hatte ja im Zentrum seinen Beschützer. Doch wo war die Partei, die sich wahrhaft und ernstlich des Pro— testantismus angenommen hätte? Da traten denn im Sommer 1924 in Hessen einige Männer, denen die evan— gelische Sache am Herzen lag, und die nicht mitzusehen wollten und konnten, wie sie immer mehr zurückge— drängt wurde, zu einer Besprechung in Gießen zusam— men, zwecks Gründung einer evang. Partei. Die an— deren Parteien hatten ja alle gezeigt, daß sie weder die evangelische Sache schützen konnten noch gewillt waren, wahrhaft christlichen, evangelischen Geist in den Fragen des öffentlichen Lebens zur Geltung kommen zu lassen. So wurde die„Evangelische Volksgemeinschaft“ in Hes— Eine schwere Aufgabe war es, die diese Männer damals sich stellten! Ihre Kraft wuchs mit der wachsenden Aufgabe. In der Stille hatte sich die Gründung der Evangelischen Volksgemeinschaft voll— zogen und still war auch die erste Arbeit, die dieses Gründungswerk fortzusetzen hatte. Nach einem Jahr war die Zahl der Freunde so groß, daß man im Juni 1925 die erste Reichstagung nach Gießen einberufen konnte. Wie sehr diese Zusammenkunft die Aufmerk— samkeit in Deutschland erregte, zeigt der nachfolgende Bericht, den die Berliner„Deutsche Zeitung“ damals brachte. „Die Tatsache, daß auch bei uns in Hessen der Katholizismus im Vordringen begriffen ist, daß das Zentrum als eine der herrschenden Parteien mit Er— folg bemüht ist, diese oder jene wichtige Beamtenstelle mit einem seiner Mitglieder Ju besetzen, daß die Gründung zweier Professuren für katholische Welt— anschauung, je einer an der technischen Hochschule in Darmstadt und an der Universität Gießen, in Aus— sich steht(die Gründung ist inzwischen erfolgt!), all das hat in evangelischen Kreisen lebhafte Beunrubi— gung hervorgerufen. Unstreitig ist es darauf zurück zuführen, daß bei der Wahl zum Reichspräsidenten, namentlich im Odenwald und in der Amgegend von Darmstadt, sozialdemokratische Arbeiter, so weit sie evangelisch waren, nicht der Parole der Führer ge— folgt sind, sondern für Hindenburg gestimmt haben. Aber damit nicht genug. Gewisse evangelisch-kirch— liche Kreise werfen den Rechtsparteien vor, daß sie in der Vertretung evangelischer Belange zu lässig seien, und haben sich deshalb vor einiger Zeit zur „Evangelischen Volksgemeinschaft zusammengeschlos— sen. Diese Bewegung hat auch in anderen Teilen des Reiches Freunde gefunden, und so traten denn am 2. Juni die Anhänger dieser Richtung aus allen Gegenden Deutschlands zu einer Tagung in Gießen zusammen. Wie stark die Zahl der Teilnehmer ge— wesen ist, darüber verlautet noch nichts Bestimmtes; es wird nur mitgeteilt, daß aus dem hessischen Pfar— rerstand sich bis jetzt 40 Geistliche der„Evangelischen Volksgemeinschaft“ angeschlossen haben. Auf dieser Reichstagung der Evangelischen 1 sprachen lch nun die meisten Red⸗ — Warte“ ner für die Gründung einer evangelischen Partei, d. h. einer Art evangelischen Zentrums aus. Eine Entschließung der Versammlung fordert denn auch die Schaffung„einer besonderen Partei auf Grund der evangelisch-christlichen Weltanschauung“. Ob der jüngst gegründeten Partei eine Zukunft beschieden ist, steht dahin. Jedenfalls werden die Rechtsparteien gut tun, wenn sie dieser Bewegung ernste Beachtung schenken.“ Schon der Herbst 1925 zeigte, daß viele Evangelische auf die Evangelische Volksgemeinschaft gewartet hatten. Bei den Kommunalwahlen in Hessen stellte die Evan— gelische Volksgemeinschaft in der Provinz Oberhessen zum ersten Male eigene Listen auf. Fast ohne jede Werbearbeit erzielte sie damals den schönen Erfolg, daß 5 Kandidaten gewählt wurden. Nachweislich haben auch viele Arbeiter, die bisher zur Sozialdemokratischen Partei gehört hatten, die Liste der Evangelischen Volks— gemeinschaft gewählt, ein Beweis, daß die neue Be⸗ wegung auch auf Zuzug von den Linksparteien rechnen kann. Das ist ja auch durchaus verständlich. Es war gerade in einer der letzten Versammlungen interessant zu hören, wie ein Arbeiter erzählte, daß so mancher Evangelische des Arbeiterstandes nur unter den größten Bedenken und dem ärgsten Widerwillen zu den Linksparteien gegangen sei, da ihm sein Gewissen Vorwürfe machte: Du darfst nicht als Evangelischer einer Partei angehören, die die heiligsten Dinge in den Schmutz zieht. Es ist für die Evangelische Volksgemein— schaft selbstverständlich, daß sie von den Grundsätzen des Evangeliums aus auch gerade der sozialen Frage ihre besondere Beachtung schenkt und ihr eine wahrhaft christliche, von dem Geist der Nächstenliebe bedingte Regelung zuteil werden läßt. Der Kreis der Freunde der Evangelischen Volksgemeinschaft wird ständig größer. Seit Dezember 1925 gehört ihr an die christliche Volkspartei unter der Führung von Heinrich Mosel— Hetzdorf. Im März 1926 erfolgte in Kassel der Ab— schluß der Arbeitsgemeinschaft der m christlich-sozialen Ge— sinnungsgemeinschaften unter dem Vorsitz von D. Jäger— Bethel und der Evangelischen Volksgemeinschaft, die als wichtigste Vereinbarung die enthält: Bei Wahlen ist möglichst ein Zusammengehen zu erstreben. In den letzten Wochen hat die Evangelische Volksgemeinschaft in fast allen Gegenden unseres Vaterlandes viele neue Freunde gefunden. Es besteht die begründete Hoff— nung, daß in kurzer Zeit in allen Reichstagswahl— kreisen Obmänner bestellt sind. Die zweite Reichs— tagung, die vom 2.—4. Oktober in Frankfurt a. M. stattfindet, wird ein gewaltiges Bekenntnis zu unserer Sache werden.— Wenn wir zurückschauen auf die zwei Jahre des Bestehens der Evangelischen Volksgemeinschaft, auf die Arbeit, die in diesen beiden Jahren geleistet wor— den ist, und auf die Erfolge, die uns diese Arbeit gebracht hat, dann dürfen wir voll Vertrauen in die Zukunft blicken und hoffen, daß unsere Evangelische Volksge— meinschaft weiterhin wachsen wird, daß es ihr gelingen wird, unsere evangelische Sache in Deutschland zu schützen, daß die Evangelische Volksgemeinschaft ein wirksamer Faktor im öffentlichen Leben wird, ein gut Teil zur Gesundung unseres Volkes beitragen wird, umso mehr je stärker sie ist.— Aus den gemachten Er— fahrungen heraus dürfen wir sagen: Das evangelische Volk Deutschlands will die Evangelische Volksgemein⸗ schaft, es wartet auf die Evangelische Volksgemeinschaft. Wir sind uns selbstverständlich darüber klar, daß unser Ziel ein großes ist, daß wir einen schweren Kampf gegen alle Parteien führen müssen. Wir sind zu diesem Kampf gezwungen. Deshalb gilt uns das Lutherwort:„Darum laßt euch sagen, hütet euch vor Krieg. Es sei denn, daß ihr wehren und schützen müßt und euer aufgelegtes Amt euch zwingt zu kriegen. Alsdann so laßts gehen und haut drein, seid dann Männer und beweist euern Harnisch.“ Wir bitten um örtliche Nachrichten für die Warte. Diese Berichte sind direkt an den Verlag der„Ev. Warte“(Gießen, Südanlage 21) bis spätestens Donnerstag Morgen einzusenden. . Gollesherrschaft im össenslchen Leben Von Dr. Jaeger 1. Die Souveränität Gottes. Alles ist zusammengebrochen und alle Parteien stehen vor einem Trümmerhaufen. Nur die Christen nicht! Denn Gott ist nicht zusammengebrochen. Er steht wie der Fels im Meer. Zu ihm müssen wir unsere Zuflucht nehmen, eine andere gibt es nicht. Ihm danken wir alles, was wir sind. Er ist unser Schöpfer. Ihm danken wir Christen, was wir wieder sind. Er ist unser Neuschöpfer. Von ihm sind wir schlechthin abhängig. Von ihm wollen wir abhängig sein. Gerade dann sind wir frei von uns, frei von den Menschen, frei von der Welt. und Frauen lechzt unser Volk, schreit unser öffentliches Leben. Nur solche Männer und Frauen können wir brauchen. Zahl gibt Gott, so groß, wie er will. Wir glauben an seine Souveränität, wir trauen seiner Souveränität, wir fügen uns seiner Souveränität. Die Entscheidung fällt im Herzenskämmerlein. „Nicht wie ich will, sondern wie du.“ Das ist der Sieg, der erstritten werden muß, ehe irgendwie die Arbeit und der Kampf draußen aufgenommen werden kann. Der Beter von Gethsemane ist der Herr über Hohe priester und e Da rug ihr Mitchristen und Mitchristinnen, die ihr helfen möch 15 91 der christlichen und sozialen Rettung unseres Volkes, prüft euch in diesem Punkte, und habt ihr euer Gethsemane hinter euch, dann scheut auch nicht den Hohn der Hohen und die Wut der Massen. Ihr kommt nicht mehr im eigenen, ihr kommt in Gottes Namen und in seiner Sache. Ihr müßt aber auch be⸗ reit sein, euer Kreuz auf euch zu nehmen. Der Weg von Gethsemane geht nach Golgatha. Judas, dessen Hand den Beutel umklammert, verrät, Petrus, der mit dem Schwert dreinschlägt, verleugnet, unter dem Kreuz hal⸗ ten nur aus Johannes und Maria. Sie allein dürfen hören das Wort: Es ist vollbracht, und erleben, daß es nur zwei Tage dauert von Karfreitag bis Ostern; denn sie glauben an den Gott, der Herr ist über Leben und Nach solchen Männern ö Nicht viele wollen wir sein, aber Ganze. Die f Tod, der seinen eigenen Sohn ans Kreuz schlägt, aber auch neben sich auf den Thron setzt. uns not, nur durch solche Leute wird Gott uns retten. Was ist das Wesen der Sünde, die unser Volk in die Tiefe des Abgrundes hinuntergestürzt hat, der Sünde in allen Parteien und allen Ständen? Die Ich⸗ sucht, die habsüchtige Ichsucht, wie ein großer Theologe sie genannt hat. Das bedarf heute weder einer Erklä— rung, noch eines Beweises. Darum ist der erste Schritt zur Wiedergeburt, daß der Götze Ich zertrümmert werde, damit Gott herrsche!. Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen! Man muß überhaupt nicht gehorchen, man muß tun, was einen gelüstet, man muß seine Persönlichkeit durchsetzen, seine Partei auf Biegen und Brechen.“ So umbrüllt uns ein tausendstimmiger Chor täglich von rechts und links. Demgegenüber haben wir Christen den Mut zu bekennen: Man muß gehorchen! Wir müs⸗ sen gehorchen und wir wollen gehorchen, dem der allein ein Recht hat und der allein die Weisheit hat zu be⸗ fehlen, unserem Gott und Herrn. Ihm gehorchen wir mit Lust: denn— wir vertrauen ihm und wir ver⸗ trauen ihm ganz allein. Wir glauben es und wir wis—⸗ sen es aus tausendfältiger Erfahrung, daß er unser Bestes will und daß er allein die Macht hat und uns die Kraft gibt, das durchzusetzen. will, daß wir seine Ebenbilder werden, daß ähnlich seien, ebenso gerecht, ebenso liebevoll, ebenso heilig und darum ebenso selig. Wo sehen wir für uns Menschen anschau⸗ lich dieses Ziel, den Vater? Im Sohn! wir uns neu gestalten lassen in das Bild seines Sohnes. Er will ein zweites, daß wir leben aus ihm, in ihm, mit ihm, für ihn. Er will uns Gottes Gemeinschaft schenken, indem er uns seinen Geist gibt. Dieser Geist ist aber nicht ein Werkzeug, das wir brauchen könnten, nicht eine Kraft über die wir verfügen, nicht unser, Knecht, dem wir befehlen, es ist der Herr, dem wir ge—⸗ horchen. Und dieser Dienst macht nicht Alaris, son⸗ ihm Das soziale ellalter. Von Paul Rüffer. Vorsitzender des Verbandes Ev. Arbeiter- von Groß-Berlin. In der geschichtlichen Entwicklung der Kulturmenschheit scheiden sich die verschiedenen Zeitalter mit ihren mannigfachen Aufgaben voneinander. Die besonders hervorragenden Zeit— perioden erscheinen entweder an einzelne schöpferische Persönlich— keiten oder an bestimmte Ideen, die der Zeit oder den Verhält— nissen ihr Gepräge geben, geknüpft zu sein. Wenn wir den Ein fluß einer geschichtsbildenden Persönlichkeit kennzeichnen wollen, vann sprechen wir z. B. in der Literatur vom Zeitalter Goethes, in der Geschichte vom Zeitalter Friedrichs des Großen, Napoleons oder Bismarcks. Wenn wir aber dagegen die schöpferischen Ideen und Kräfte in einer Epoche meinen, dann sprechen wir vom Zeitalter der Reformation, der großen Revolution, vom Zeit— alter des Merkantilismus, der Liberalismus, oder vom Zeitalter des Industrialismus, Kapitalismus oder Rationalismus. Wenn wir unser Zeitalter unter dem wirtschaftlichen Ge— sichtspunkte mit einem Kennwort versehen wollen, dann be— zeichnen wir es als das soziale Zeitalter, im Gegensatz zum liberalen der Vergangenheit. Mit dieser Unterscheidung wollen wir zum Ausdruck bringen, daß das bestimmende Kennzeichen des liberalen Zeitalters das der wirtschaftlichen Freiheit war— Im Bilde gesprochen: Das liberale Zeitalter hat die Organisa— tionsformen, die eine große Vergangenheit geschaffen hat, zer⸗ 8 und Volksvereine brochen und die Nele Persönlichkeit aus 5 Gebundenheit gelöst und das Prinzip der Freiheit auf allen Ge⸗ bieten zum absoluten Herrscher erhoben. Das soziale Zeitalter hingegen sucht die Einzelwesen zu neuen Gestaltungen und Organisationsformen zusammenzufügen, zum Heile der Gesamt— heit und zum Segen des einzelnen. Das soziale Zeitalter ist das des Kollektivismus im Gegensatz zu dem des Individualismus, Im liberalen Zeitalter sagte der Unternehmer: Der Betrieb bin ich. Ich bin der Herr im Hause. Ich allein habe zu bestimmen. Im sozialen Zeitalter aber sagt der Unternehmer: sind wir alle. Ich stelle mein Kapital und die Idee, ihr Arbeiter eure Körper- und Geisteskräfte dem Unternehmen zur Verfügung Wir beide vereint, stellen eine Betriebsgemeinschaft auf der Grundlage der Gleichberechtigung dar. Indem wir gemeinsam für das Werk arbeiten, schaffen wir zum Segen der Allgemein- heit. Gewiß, daß ist eine ideale Auffassung, und wir sind noch himmelweit von der praktischen Verwirklichung dieser Auffassung im wirtschaftlichen Leben entfernt, aber den sittlichen Gehalt der sozialen Zeitepoche drückt diese Formulierung richtig aus, denn sozial bedeutet soviel wie Teilhaberschaft aller schaffenden Stände auf der Grundlage der Gleichberechtigung an den Gaben der Kultur, am Ertrage der Wirtschaft und der Mitarbeit an der politischen Gewalt in unserem Vaterlande. In diesem Sinne aufgefaßt, kann sich die praktische Auswirkung des sozialen Geistes unter jeder Staatsform vollziehen. Dieser Geist bindet sich an keine Parteiform, sondern er kann sowohl in den nationalen als auch in den sozialistischen Parteien sich auswirken. Der besondere Charakter des sozialen Zeitalters ist aber mit 7 Der Betrieb em Arbeiterstande verknüpft. Nachdem ü 755 der Ent⸗ vicklung der Industrie die freie Lohnarbeiterschaft in die Er— scheinung trat, beginnt allmählich für den Staat, für die Ge⸗ sellschaft und die Kirche die Frage brennend zu werden: wie schützen wir die Arbeiterschaft vor Ausbeutung, wie schützen wir sie in ihrer Gesundheit und in ihrer Sittlichkeit? Wie schaffen wir die zweckmäßigsten Einrichtungen für den Krankheits-, In⸗ validitäts- und Altersfall? Es entstehen weiter die Fragen nach dem Arbeitsrecht, nach den Wohnverhältnissen der Arbeitermasse usw. In ihrer Gesamtheit bilden diese Einzelfragen den In⸗ halt der sozialen Frage, und unser Zeitalter ist berufen, diese Fragen zu lösen. Von da ab, willen, diesen Fragen sein wo der Staat, um seiner selbst Interesse zuwendet, sprechen wir von der staatlichen Sozialpolitit, und wir verstehen darunter die vom sozialen Geiste geleitete Fürsorgepolitik für die Arbeiterschaft unter dem Gesichtspunkte der Gleichberechtigung. 2 Das soziale Zeitalter reicht mit seinen Wurzeln bis in die Zeit des Absolutismus des preußischen Staates zurück. Zur bes⸗ seren Orientierung unterscheiden wir in der Vergangenheit eine Vorperiode, eine Hauptperiode, eine Versicherungsperiode, eine revolutionäre Uebergangsperiode und die nachrevolutionäte Periode. 1 Die Vorperiode reicht vom Hubertusberger Frieden 1763 bis zum Tilsiter Frieden von 1807. Friedrich der Große versuchte in seinem durch die Kriegsnöte verarmten Volke mit Hilfe des Merkantilsystems, künstlich eine Industrie zu schaffen. Seine B Was will ex? Er Solche Leute tun * 0 sibeh, bal. bh gude n 5 f ai n i a ö bib 0 u n agen gion behan über aler Igel mla Jal Vi 1 1 1 9 1 0 wie ein Kind dem Vater, ebenso wahr, Gott will, daß ub ali läge el W N05 A damit Innen ung die A verde und den austa wün fur ssti Eo 9 d dun fand it e tand führ Aale icht sentg c 1 bung tis fler en all d Aft hun 12 l n Sonnabend, den 18. September 1926 dern macht frei. Gott will sein Königreich als die J N Herrschaft des Vaters über die Kinder, aber als die sreie Gemeinschaft der Kinder untereinander. Darum bekennen wir Christen uns entschlossen auch zu dem zweiten Satz:„Man muß Gott mehr ge— i horchen als den Menschen.“ Kein Kaiser und König, 0 lein Präsident und Volksbeauftragter, lein unfehlbarer 0 Papst und leine irrtumslose Wissenschaft, leine Masse ee 1 und keine Mehrheit kann uns darin irre machen: Wir ! müssen Gott mehr gehorchen als den Menschen. Jesus 9 hat ohne Murren dem Kaiser den Zins gezahlt und 70 Paulus hat ohne Widerstreben sich der heidnischen Ob f rigteit gefügt, aber wenn es sich um die Souveränität 0 Gottes handelte, dann hat der Herr sich kreuzigen lassen 5 und sein Apostel den Kopf auf den Block gelegt. Sind 15 wir ihre Jünger? s (Fortsetzung folgt.) Von der Evangelisch⸗sozialen Schule in Spandau. Die Lehrerschaft ist ein sozialer Faktor im Volks leben, dessen Bedeutung nicht leicht überschätzt werden kann. Um so bedauerlicher ist es, daß meist ein erheb licher Mangel in der Allgemeinbildung unserer Lehter 0 bbel gerade in bezug auf soziale Dinge vorhanden ist. Ueber aun.“ Geschichte, Recht, Gliederung der Arbeiterbewegung hohe. und über Vorgänge auf wirtschaftlichem und sozial politischem Gebiet herrschen Intexesselosigkeit und Un⸗ e ihr kenntnis in einem erschreckenden Maße. Welche Folgen kung das im Lehrberuf zeitigt, sowohl in der Volksschule wie hab! auch in den höheren Schulen, liegt auf der Hand; des nich halb ist es begrüßenswert und bedarf größter Beach— Ihn tung in den Kreisen unserer Lehrerschaft, daß auch in ales diesem Jahre wieder ein Sozialkursus für Lehrer und be⸗ Lehrerinnen, und zwar vom 4.—9. Oktober stattfindet, boah der einige Grundprobleme sozialen Lebens und der So— halb gialpolitik behandelt. den Ausgehend von den allgemeinen kulturellen Grund⸗ hal. lagen unserer Zeit, welche in einem Vortrag über„Re⸗ teh ligion und Kultur“ von Professor Brunstäd⸗Rostock 1 behandelt. werden, wird Prof. A l[thaus⸗ Erlangen den über die Frage„Evangelisches Christentum und Natio⸗ und falerziehung“ sprechen, woran sich die Erörterung der abn. einzelnen Gebiete anschließt. Es seien nur einige The⸗ ü mata herausgegriffen:„Christliche Forderungen für die tte. Gestaltung der Schule“,„Aufgaben zur Hebung der l in deutschen musikalischen Kultur“; ein grundsätzlicher und 110 hraktischer Vortrag über„Sozialpolitik“ ferner Vor⸗ 0 träge über Arbeitsrecht und über die Hauptprobleme ala der Wirtschaftsverfassung, sowie über die Rechtsstellung li des Arbeiters in der Wirtschaft; ferner in Verbindung 0 damit die Vorträge über die Gegenwartsaufgaben der 1105 Inneren Mission der evangelischen Kirche mit Ausdeh⸗ J fung auf das Gebiet der öffentlichen Mission, worunter die Wohnungsfrage und die Alkoholfrage mitbehandelt hh werden. Die Tagung ist so außerordentlich reichhaltig l und doch der größere innere Zusammenhang zwischen cha den einzelnen Fragen darin gewahrt, daß dieser Ver⸗ „ anstaltung nur in jeder Weise ein reiches Interesse ge— 1 wünscht werden kann. 1 0 ae ite Interessenten wollen sich an die Geschäftsstelle des l Kursus: Evangelisch-soziale Schule, Spandau, Johan⸗ ile, gisstift, wenden. 9 Evangelische Jungmännerschule auf dem Hainstein be Auf dem Hainstein unweit Eisenach, von der u Wartburg nur durch ein stilles Waldtal getrennt, haben ul die deutschen evangelischen Landeskirchen mit Hilfe der due Wartburgstiftung und evangelischer Männer Deutsch⸗ J 6 lands und Schwedens ein Jugendheim errichtet. Es ihn. ist Schule und Herberge zugleich. Unterrichtsgegen⸗ wah, stände sind: Die Botschaft des Neuen Testaments; Ein⸗ ruf führung in die Grundfragen der Weltanschauung, der dc Volkswirtschaft und des Rechts; Einblick in die Ge⸗ l. da, schichte und Literatur unseres Volkes; Nachhilfe in Ele⸗ hne nentarkenntnissen; ärztliche Vorträge mit besonderer ih. Berücksichtigung der sexualethischen Fragen; Leibes⸗ Ischoll bungen; Musik. Außerdem werden Fahrten in die Gel(hüringischen Lande, auch zu den historischen Stätten, ante, unternommen. Durch Privatstudium und durch die zu ln biesem Zwecke bereitstehende Bücherei mit Lesezimmer i ge⸗ oll das Gehörte vertieft werden. Der Waldpark, ein „ o Luft⸗ und Brausebad und Turngeräte dienen der kör— r———%———— r Ci ö mühungen, die Manufaktur zu fördern, sind bekannt. Im Jahre e E786 schätzte man bereits die Zahl der Fabrikarbeiter auf ie über 120 000. seiner Regierung machten sich die ersten f 1 Schon während be⸗ siterarischen Sturmvögel des kommenden sozialen Zeitalters nerkbar. Bereits im Jahre 1774 hatte Heinse in seinem„Lai⸗ ion“ gegen das Privateigentum geschrieben, und im Jahre 1787 batte derselbe Verfasser in seinem„Ardinghello“ eine Abhand— ung über Güter- und Weibergemeinschaft veröffentlicht. In seinen„Reisen vor der Sintflut“ geißelte Klinger die Geldhert schaft, und Gottlieb Johann Fichte entwarf in seinem„geschlof enen Handelsstaat“ von 1800 den Grundriß eines sozialen Zu— gunftsgebäudes. Z3u gleicher Zeit wurden die intellektuellen Kreise des preu— lüchen Volles von der französischen Aufklärung in Bann geschla— ben, und die harte, stolze friderizianische Stgatsgesinnung wurde don dem aufkommenden weltbürgerlichen Geiste verdrängt. Un er den französischen Schlägen brach schließlich das heilige Kömische Reich Deutscher Nation und die Schöpfung Friedrichs es Großen zusammen; aber aus diesem Zusammenbruch erwuchs seues Leben, und ein neuer Abschnitt im preußischen und deut⸗ chen Volte nahm von da ab seinen Anfang. Am Eingangstore dieser neuen Zeitperiode, die wir von 1810 is 1870 bemessen, steht die Stein-Hardenbergsche Gesetzgebung, ie„mit Aufrechterhaltung von Moral und Religion die Ziele — r „Evangelische Warte“ perlichen Erfrischung. Jeder Schüler muß täglich 5 Stunden in Haus, Küche, Garten oder Werkstatt für das Ganze arbeiten. Auch die Führer beteiligen sich soweit es ihre Zeit erlaubt an den Arbeiten. Ent⸗ sprechend dem Ziele dieser Jugendhochschule werden nur Schüler von 18 bis 25 Jahren aufgenommen mit Volksschul-Vorbildung. Darnach steht sie also jedem ehrlich strebenden evangelischen Jungmann aller Stände offen. Für Wohnung, Heizung, Licht, Verpflegung und Unterricht sind im Monat nur 60,.—„ zu zahlen. Für den, der diese Summe nicht aufbringen kann, tritt der Kirchenkreis oder die Kirchengemeinde ein. Niemand soll aus Geldmangel sich gehindert fühlen zu kommen. Der Lehrgang beginnt Mitte Oktober. Bewerbungen ind möglichst frühzeitig einzureichen: Aufnahmegesuch, selbstverfaßter Lebenslauf, ärztliches Gesundheitszeug his, Lichtbild, womöglich auch das Zeugnis eines Ju gendführers. Die Kleidung soll möglichst einfach sein, am besten die der Jugendbewegung. Arbeitsanzug und festes Schuhwerk muß jeder mitbringen. Ebenso muß jeder Schüler für seine Wäsche usw. selbst sorgen. Die halbe Hin- und Rückfahrt wird von der Jungmänner schule bezahlt. Es ist nur zu wünschen, daß diese Ein richtung ausgenutzt wird zum Heile des einzelnen, der Kirche und des Volkes! 2175 Eine„Berichterstattung“. Ueber die Berner Kirchenverhandlungen hat der Genfer Korrespondent einer der ältesten und bekannte sten Berliner Zeitungen seinem Blatte in einer Weise „Bericht“ getan, die man nur als öffentlichen Skandal bezeichnen kann. Er ist, wie es scheint, vom Hauptfeld seiner gegenwärtigen Tätigkeit, Genf, für eine Stunde nach Bern herübergefahren und hat dort auf irgend welchen Hintertreppen„Informationen“ gesammelt, die ihn nun in den Stand setzen, nicht nur über die zurück— liegenden(geschlossenen), sondern auch schon über künf tige Sitzungen im Perfeltivum alles für die Oeffentlich keit Wissenswerte mit Angabe von Rednernamen, Rednerinhalten und Abstimmungszahlen bekannt zu geben.(Es ist ja auch nur eine Kirchenkonferenz, mit der man es so genau nicht zu nehmen braucht.) So werden z. B. dem österreichischen Kirchenpräsidenten Dr. Capesius Aeußerungen in den Mund gelegt, die dieser über den Anteil des österreichischen Kaiserhauses am Kriegsausbruch getan haben soll— dabei hat Dr. C. überhaupt in den Verhandlungen das Wort nie ergrif⸗ sen und auch im Privatgespräch kleine irgendwie dies⸗ bezügliche Ueußerung getan. Ein Aehnliches gilt von angeblichen Ausführungen des deutschen Präsidenten Dr. Kaplex, der— immer nach demselben„Berichterstat— ter“— den Weltbund für Freundschaftsarbeit der Kir— chen„bekämpft“ und ihm— den christlichen Charakter abgesprochen haben soll. Reden, die Reichsgerichtsprä— sident Dr. Simons, Dr. Titius,„Konsistorialrat“ Schoell, Prof. Monnier-Paris(mit genauen Detail angaben) zugeschrieben werden, sind nie gehalten wor— den, und die Sitzung, aus der sie stammen sollen, hat— vier Stunden nach Erscheinen der Zeitungsnummer, in der von ihnen berichtet wird, überhaupt erst begon⸗ nen. Dieses geradezu unverantwortliche Verhalten einer deutschen Korrespondenzstelle hat auch die Konfe— renzleitung zu einem Einschreiten veranlaßt und damit dem Ansehen der deutschen Presse im Ausland schweren Abbruch getan. Auf der Warte. Die Völlerbundsversammlung hat nach Annahme der vom Büro vorgeschlagenen Tagesordnung für ihre Vormittagssitzung am 8. September um 11,45 Uhr, den ersten Punkt ihrer Tagesordnung genehmigt und ein— stimmig die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund mit allen 48 auf dieser Tagung vertretenen Stimmen beschlossen. ö Als sodann der zweite Punkt der Tagesordnung, die Wahl Deutschlands zum ständigen Ratsmitglied und die Erhöhung der Ratssitze von 6 auf 9, zur Abstim— mung gelangte, verlangte der norwegische Vertreter Nansen zunächst einige Aufklärungen; Cham— berlain wechselte einige Worte mit ihm, die Nansen zu befriedigen schienen. Auch der zweite Punkt der der Revolution sich aneignete und demolratische Grundsätze in einer monarchischen Regierung zu verwirklichen suchte.“ Sie brachte den Städten die Selbstverwaltung, dem Lande aber die Freiheit, Die zweite Station auf dieser Entwicklungslinie haben wir in der Gründung des Zollvereins vom Jahre 1834 zu erblicken, der 16 deutsche Staaten mit 23 Millionen Einwohnern umfaßte Von da ab war es möglich, in den deutschen Staaten eine groß— zügige Verkehrspolitil durch den, Bau von Eisenbahnen, Chausseen und Kanälen durchzuführen. Die dritte Etappe auf diesem Wege haben wir in der poli— lischen Revolution von 1848 zu sehen. Sie hat die Ueberreste der wirtschaftlichen Gebundenheit beseitigt und den Weg frei gelegt für den politischen Neubau des deutschen Volkes, der sich im italter vollzog Neben dieser Entwicklungslinie läuft eine andere, welche die geistige Vorgussetzung für das Industriezeitalter schuf. Es war die Lehre des wirtschaftlichen Liberalismus, die von England herüber lam und ihren Siegeszug in der Kulturwelt antrat Die Hauptstütze dieser Lehre waren die freie Konkurrenz, der sreie Arbeitsvertrag und die Freiheit des Gewerbes. Sie wurde als eine neue wirtschaftliche Heilslehre begeistert begrüßt und von der jungen Beamtenwelt vertreten. Einigungs Auf dieser Grundlage vollzog sich der Industrialisierungs— 1 J U In wenigen Jahrzehnten war das deutschen Landes verändert. Seit 1825 zeigten die prozeß in unsetem Volle Antlitz des seits für etwas halten, Nauchfahnen der Dampfsschiffe auf den deutschen Flüssen und Nr. 38. r e een Tagesordnung wurde mit allen 48 vertretenen Stim men angenommen. Die Versammlung nahm das Er gebnis mit starkem Beifall auf. Alsdann beschloß die Versammlung die Zuertei lung eines ständigen Natssitzes an Deutschland und die Vermehrung der nichtständigen Ratssitze von sechs auf neun. Diese Beschlüsse wurden ebenfalls einstimmig gefaßt. In China hat es einen Kampf zwischen englischer Marine und chinesischen Streitkräften gegeben. Truppen des General Yangsen hatten auf dem Yangtse zwei englische Schiffe beschlagnahmt. Als drei englische Kanonenboote den Versuch machten, diese Schiffe zu befreien, wurden sie unter großen Verlusten zurückge schlagen. Aus Spanien hört man in letzter Zeit von Un— ruhen. Es handelt sich um eine Bewegung in den Artillerieregimentern. Wie aus Madrid berichtet wird, entstand diese Bewegung aus Mißverständnissen heraus und sei vollständig erledigt. Es gebe keine Artillerieregiment mehr, das sich nicht der Regierung unterworfen habe. 1800 Offiziere sind ihrer Posten enthoben. Die Urheber der Bewegung sollen bestraft werden, während die übrigen Offiziere amnestiert wer— den sollen. Nom Kampf um die Westanschauung. Konsessionelle Scharfmacherei. Ganz hat man es sich auch auf dem diesjährigen Katholikentage in Breslau nicht versagen können, gegen die Andersgläubigen, also letztlich den Protestantismus, scharf zu machen. So führte der Präsident des Katho— likentages, Landeshauptmann Dr. Horion, nach einer Schilderung der im ganzen recht erfreulichen Lage des Katholizismus in Deutschland, die er zugeben mußte, aus:„Aber es wäre völlig verfehlt, wenn wir diese äußeren Erfolge, die durch die Tatkraft katholischer Männer im öffentlichen Leben errungen worden sind, zum Anlaß nehmen wollten, eine allgemeine Befrie— digung über die Lage des deutschen Katholizismus zum Ausdruck zu bringen, oder gar allgemein von einer Rückkehr aus dem Exil der Vorkriegszeit zu sprechen. Soweit sind wir noch lange nicht! Einmal ist das, was wir im öffentlichen Leben errungen haben, noch lange nicht gefestigt und für die Zukunft gesichert, denn gar zu viele im Deutschen Reich sehnen sich zurück nach den früheren Zeiten der Unterdrückung der katholischen Religion und ihrer Anhänger, und leider haben wir diesen Gegnern nicht mehr eine so einige und einheit⸗ liche Phalanx der Katholiken entgegenzustellen, als dies früher der Fall war.“ Diese„Sehnsucht nach der Unterdrückung der katholischen Religion und ihrer An— hänger“, die sich bei„garzuvielen“ finden soll, ist eine ganz böse Unterstellung. Der Präsident des Katholilen— tages hätte gut getan, das Wort des Kardinals Fischer, das er in seiner Schlußansprache anführt:„Wer die Kluft in unserem Volke noch erweitern will, ist ein Verräter am Vaterlande“ in seiner Eröffnungsrede selber zu beherzigen. Der wahre Geist. Auf der diesjährigen Katholikenversammlung hat man ge— flissentlich allzu scharfe Ausfälle gegen die Ketzer vermieden, Man benügte sich mit gelegentlichen Stichen. Der Geist aber, der das ultramontane Herz zu tiefst beseelt, brach sich doch Bahn. So rief in der Hauptversammlung des Bonifatiusvereins der bischöfliche Administrator von Tütz, Kaller, bisher Pfarrer in Berlin, dreimal in die Versammlung hinein;„Einmal muß uns doch das ganze Deutschland gehören.“ Bezeichnenderweise fehlt diese Offenherzigkeit im offiziellen Festblatt des Katholikentages und in den Berichten der ultramontanen Presse. * Vom inneren Niedergang des Katholizismus. In katholischen Kreisen liebt man es, sich an dem Gedanken zu berauschen, man sei dem Protestantismus, der angeblich im Sterben liege, weit überlegen. Durch immer erneute Wieder— holung hat man urteilslose und ängstliche Protestanten weithin bazu gebracht, daß sie diese katholische Selbstüberschätzung ihrer— was der Wirklichkeit entspreche. In Wahrheit ist die innere Lage des Katholizismus in Deutschland und die äußere Lage der katholischen Kirche in außerdeutschen —.. 6 p c p ppc ccc Binnenseen, daß das Zeitalter des Dampfes angebrochen war, und als im Jahre 1834 zwischen Nürnberg und Fürth die erste sechs Kilometer lange deutsche Eisenbahn gebaut war, eroberten die„eisernen Karten“ in wenigen Jahrzehnten die deutsche Welt, Schon um die Jahrhundertwende besaß das Deutsche Reich mit seinen 56000 Kilometer Eisenbahn-Schienensträngen das ausgedehnteste Schienennetz der europäischen Staaten. Hand in Hand mit dieser Entwicklung vollzog sich in stärtstem Ausmaße die Bevölkerungsverschiebung vom Osten nach dem Westen, vom Lande in die Stadt. Es ist statistisch festge⸗ stellt worden, daß innerhalb eines Zeitraums von sechs Jahr— zehnten über zwei Millionen Seelen aus den östlichen Provinzen nach Berlin, Sachsen, Rheinland und Westfalen abgewandert find. Es vollzog sich in immer stärkerem Maße der Uebergang bes deutschen Volkes vom Agrarvolk zum Industrievolk. Nach Schmoller betrug im Jahre 1816 der Anteil der Forst- und Land⸗ wirtschaft an der Gesamtbevölkerung 78 v. H., aber im Jahre 1867 nur noch 46 v. H. Die vormals kleinen Landstädte entwickelten sich zu volkreichen Industriestädten. In Preußen betrug die Zunahme der stäbtischen Bevölkerung nach vorliegenden Quellen von 1816-1851 81 v. H. In den werdenden Industriestädten bezirlen veränderte sich infolge der steigenden Bodenpreise die Wohnungsweise. An Stelle der Kleinhäuser trat die Miets⸗ laserne mit ihren garten- und lichtlosen Höfen und den schwäch⸗ lichen, blutarmen Kindern. Die Bodenspekulation und der Bodenwucher begannen sich zum Unheil des deutschen Volles zu entwickeln. und Fortsetzung folgt. Sonnabend, den 18. September 1926. des diesjährigen Breslauer Katholikentages, Dr. Horion, Worte, als er sagte:„Wichtiger aber als diese doch mehr äußerlichen Dinge ist die Fragen, wie es mit dem katholischen Geiste in Deutschland und bei den deutschen Katholiken steht. Es sind ge⸗ wiß zuständigere Stellen, die diese Frage entscheidend zu beant⸗ worten haben. Aber keinem Beobachter kann entgehen, daß als trauriges Kriegserbe(natürlich!) Unglaube und Unmoral, das Abwenden von der Kirche und ihrer Autorität, daß religiöse Interesselosigkeit und Kritiksucht auch unter uns Katholiken einen erschreckend großen Umfang angenommen haben. Darüber dürfen uns nicht hinwegtäuschen eine verhältnismäßig kleine Zahl religiös stark Interessierter, oder die gelegentliche Anerkennung und Bewunderung der katholischen Religion und der katholischen Kirche durch Andersgläubige oder auch die wenigen, die den Weg zurück zu uns finden. Darüber darf uns auch nicht hinweg⸗ täuschen die Abkehr der weltlichen Philosophie von dem Subjek⸗ tivismus zu einer der katholischen Lehre näherstehenden Würdi⸗ gung des Objekts, auch nicht das Interesse weiter Kreise für die ästhetische Schönheit der Kirche in Liturgie, in Musik, in bilden⸗ der Kunst. Alles das wird aufgewogen durch einen vielfach be⸗ obachteten Massenabfall der auch bei uns die bange Frage ent⸗ stehen läßt, ob wir nicht auch einmal, wie in der katholischen Kirche mancher romanischen Länder, ein Heer von Offizieren ohne Soldaten werden.“ .— Allerlei. Gottesdienst für Sonntagslose. In Breslau wurde an einem Dienstag(6. Juli 1926) zum ersten Male ein Gottesdienst für Sonntagslose gehalten. Manche Berufe, gewisse Geschäftsleute und Angestellte sind am Sonntag zur Kirchenzeit nicht arbeitsfrei, ihnen soll auf diese Weise die Möglichteit der Teilnahme an einer gottesdienstlichen Feier ge— schaffen werden. * Von der Bibel. Ueber zehn Millionen Bibeln wurden in einem der letzten Jahre allein von der Britischen und Ausländischen Bibelgesell— schaft verbreitet. Wollte man die Bibeln und Bibelteile, die auf Veranlassung der genannten Bibelgesellschaften in die Welt hin⸗ ausgegangen sind, aufeinanderlegen, so würde das eine Säule von mehr als 50 Kilometern ergeben, wenn durchschnittlich jedes Buch eine Dicke von 5 Zentimetern besitzt.— Bekanntlich gibt es gegenwärtig Bibelübersetzungen in 835 verschiedenen Sprachen. Man kann heute die Bibel in sieben Zehnteln aller gesprochenen Sprachen käuflich erwerben. Diese sieben Zehntel aller Sprachen reden 1330 Millionen Menschen, während die Gesamtbevölkerung der Welt auf etwa 1900 Millionen Menschen geschätzt wird. * Diakonissen im öffentlichen Leben. Der Kaiserwerther Verband der deutschen Diakonissinnen⸗ Mutterhäuser veranstaltete zusammen mit der Kaiserwerther Generalkonferenz eine große öffentliche Kundgebung. Zu der außerordentlich stark besuchten Festversammlung, die in den Räumen der Kaiserwerther Anstalt stattfand, waren u. a. er⸗ schienen: der Vizepräsident des Evangelischen Oberkirchenrates Landen keineswegs sehr glänzend. Dem lieh sogar der Präsident „Evangelische Warte“ und des Deutsch-Evangelischen Kirchenausschusses, D. Dr. Dus le, Ministerialdirektor Dr. Luther als Vertreter des Reichsarbeits⸗ ministeriums, der Landeshauptmann der Rheinprovinz Dr. Horion, der Vorsitzende der Rheinischen Provinzialsynode Dr. Wolff, Landesbischof Dr. Mahrarens⸗Hannover und mehrere Vertreter der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege. In den Begrüßungsreden kam übereinstimmend die große Bedeutung zum Ausdruck, die der Dienst der Diakonissen gegen⸗ wärtig im öffentlichen und sozialen Leben hat. Aus der An⸗ sprache des Direktors des Kaiserwerther Verbandes ging hervor, daß die Kaiserswerther Generalkonferenz in den letzten Jahren eine überraschend große Entwicklung durchgemacht hat. Es gibt heute 66 deutsche und 40 außerdeutsche Mutterhäuser und ins⸗ gesamt 29 000 Schwestern, die auf etwa 10 000 Arbeitsfeldern tätig sind. An den Reichspräsidenten von Hindenburg wurde ein Begrüßungstelegramm abgeschickt, in dem dem Reichspräsidenten der Dank für sein bisheriges tatkräftiges Verständnis zum Aus⸗ gebracht und die Bitte angeschlossen wird, auch weiterhin der Sache der evangelischen Diakonie ein warmes Herz zu bewahren. * Unzeitgemäß. Die„Frkf. Ztg.“ berichtet von der Anordnung eines Berliner Lyzeumsdirektors, Schillers„Lied von der Glocke“ in seiner Schule nicht mehr durchzunehmen. Das Gedicht sei nicht mehr zeitgemäß. Wenn das deutsche Leben sich ändere, könne man wieder darauf zurückgreifen. Schade, meint das genannte Blatt dazu, daß die jungen Berlinerinnen unseres Nationaldichters idealistisches Bild des Lebens nicht mehr kennenlernen sollen. Aber so unrecht habe der Direktor eben nich Seit Schiller sang, habe sich einiges geändert: Nicht mehr sam⸗ melt die züchtige Hausfrau die schimmernde Wolle, den schneeigen Lein, sondern sie kauft Seidenstrümpfe und rennt in Ausverkäufe, um hauchleichte Garnituren zu erstehen; der Vater zählt die Häupter seiner Lieben nur am Sonntagabend, wenn die Kinder ihre Sonntagsfahrkarte abgefahren haben oder aus dem Stadion kommen. Und was den Jüngling betrifft, so kauft er Blumen im Geschäft, falls für Florens Kinder überhaupt Neigung besteht und die Ueberreichung eines Faltbootes nicht lieber gesehen wird. Am weitesten kommt er, wenn er über ein Motorrad ver⸗ fügt mit Soziussitz. Später wird man heiraten, möbliert woh⸗ nen, oder in eine Pension ziehen, vielleicht auch in eine Wohnung, falls das Wohnungsamt einwilligt. Dann kommt nach langen Jahren ein Kind, vorausgesetzt, daß Skisport, Autotouren, Alpen⸗ besteigungen, Zimmergymnastik u. dergl. für das Kind Zeit übriglassen. * Die zionistische Bewegung. Trotz der„schweren Krise“ der zionistischen Bewegung in Palästina, von der der Londoner Delegierte Felix Rosenblueth auf dem Erfurter Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland berichtete, beabsichtigt die zionistische Exekutive, in den nächsten zehn Jahren jährlich 30 000 Einwanderer nach Palästina zu bringen und sie dort wirtschaftlich zu verwurzeln. Auch im deutschen Zionismus stellte man eine Krisis fest; jedoch könne von einem Altern der Bewegung nicht die Rede sein. In Palästina müsse die Entscheidungsschlacht des Zionismus ge⸗ schlagen werden; dabei gelte es aber, die Zionisten außerhalb Nr. 38. Palästinas jahrzehntelang in einer Spannung zu erhalten, die nötig sei, um das Ziel des Zionismus zu erreichen. Das Tempo müsse dabei soweit als möglich beschleunigt werden. Eine der wichtigsten Aufgaben sei es, höchstqualifizierte zionistische Führer in Palästina ansässig zu machen. Dazu sei auch ein zionistisches Schulwesen nötig. Aus unjerer Bewegung. Bingen, 10. September. Am letzten Mittwoch Abend hielt die E. V. im Bahnhofssaal die erste öffentliche Versammlung ab. Nach Eröffnung der Versammlung durch Studienrat Pröscher⸗ Mainz sprach Pfarrer Weidner über das Thema„Warum brau⸗ chen wir im Landtag eine evangelische Partei!“ Seine inter⸗ essanten Ausführungen fanden den lebhaften Beifall der Zu⸗ hörer. In der sich anschließenden Aussprache ergriff der Ver⸗ sammlungsleiter und Pfarrer Palmer⸗Bingen das Wort. Die Gründung einer Ortsgruppe steht bevor. Ihre Leitung über⸗ nimmt Justizinspektor Clemens und Bahnbeamter Enenkel.— Am Nachmittag fand im„Deutschen Haus“ die erste Kreistagung statt. In der Versammlung wurde von Landwirten der Wunsch geäußert, es möge in Bälde eine Versammlung in Gensingen ein⸗ berufen werden. Worms, 10. September. Gestern fand die erste öffentliche Versammlung der E. V. in den„12 Aposteln“ statt. Wenn auch die Versammlung nicht in dem Maße besucht war, wie es der Ernst der Sache erfordert, so war es immerhin ein gutes Zeichen, daß Bürger, besonders aus dem Arbeiter- und Mittelstand ge⸗ kommen waren, um zu hören, was diese neue Partei will. Mit Spannung und größter Aufmerksamkeit lauschten die Erschienenen den klaren Ausführungen des Hauptreferenten Herrn Pfarrer Weidner, der Zweck und Ziele der Partei darlegte. Die darauf⸗ folgende Aussprache, an der sehr viele der Anwesenden teil⸗ nahmen, erstreckte sich bis nach Mitternacht; allgemein wurde der Ueberzeugung Ausdruck gegeben, daß diese neue Partei un⸗ bedingt notwendig sei, wenn nicht unsere evangelischen Rechte, die schon jahrelang mit Füßen getreten werden, auch in Zukunft vollkommen unbeachtet bleiben sollen. Selbst ein Diskussions⸗ redner, der früher einer Linkspartei angehört hat, gab seiner Freude über die Gründung der Partei Ausdruck. Ein Redner aus dem Handwerkerstande, der auch über die Ziele der Partei sehr froh ist, gab in längeren Ausführungen bekannt, wie auch gerade in den evangelischen Gemeinden in Worms der Zu⸗ sammenhalt fehle und deshalb unbedingt auf politischem Gebiet ein Zusammenschluß gefunden werden müsse, um die evangelischen Belange auch in den Parlamenten zu vertreten. Daß keiner der Herren Pfarrer von hier anwesend war, wurde allgemein sehr be⸗ dauert. Sehr erfreulich dagegen war, daß auch Glaubensgenossen aus der nahen Pfalz, auch ein Pfarrer, gekommen war, um sich mit dem bekannt zu machen, was eigentlich die E. V. will. Am Schlusse äußerte der Pfälzer Redner, daß Pfarrer Weidner auch in die Pfalz bald kommen möge, um den dortigen Glau⸗ bensgenossen Zweck und Ziel der Partei zu schildern. Fast alle Erschienenen erklärten ihren Eintritt in die Partei. Die Leitung der Ortsgruppe liegt in den Händen des Kaufmann Jakob Gög, Worms, Roonstraße 8.— Nachmittags tagte im Bahnhofsholel die erste Kreisversammlung; sie war auch von Geistlichen des Kreises Worms gut besucht. Wichtige Mitteilung der Reichsgeschüftsstelle! An die Vorsitzenden der Ortsgruppen! Die Frankfurter Reichstagung bringt viele Ausgaben. Es ist darum unbedingt nötig, daß die noch rückständigen Beiträge für 1926 vor dem 1. Oktober eingezogen und auf unser Konto Nr. 593 bei der Bezirkssparkasse Nidda(Postscheckkonto 8907 Frankfurt am Main) überwiesen werden. Wir nehmen als selbstverständlich an, daß jede Ortsgruppe mindestens durch den Vorsitzenden auf der Reichstagung vertreten ist. Mit evangelischem Gruß! Weidner. 2 . GUTIERHEINUNEINE direkt vom Weingut bezogen sind heute billiger als alle ähnlichen Getränke. lebend, anregend, erheiternd, sind darum angenehme Hausgenossen. Zu beziehen in Fässer u. Flaschen in jeder Menge vom Weingutsbesitzer P. Chr. 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