drgan der Evangelischen Volksgemeinf — ccc . Erscheint zunächst wöchentlich am Samstag. Bezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus. Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. Schriftleitung: Edwin Hamburger in Staden(Oberh.) 2. Jahren. Eine volkstümliche Betrachtung von Pfarrer Haupt⸗Gießen. Was ist ein Hühnerei? Scheinbar eine merkwürdige Frage in dem Zusam— menhang. Wie man nur so fragen kann? Jeder weiß doch, was ein Hühnerei ist. Mit Verlaub! Die Frage ist gar nicht merkwürdig. Denn das Hühnerei ist eines der gewaltigsten Welträtsel, die es gibt. Der Laie weiß zwar, daß ein Hühnerei von einer kalkigen Schale um⸗ geben ist, daß es Eiweiß und Eidotter enthält, daß dieser Eidotter mit Hilfe eines Bandes freischwebend aufge— hängt ist, daß eine eigenartig gefärbte Stelle im be— fruchteten Hühnerei der Hahnentritt heißt. Der Natur⸗ wissenschaftler wird mir stundenlang Vortrag halten können über diese Riesenzelle, wie er sie nennt. Und doch können beide das Rätsel nicht lösen, sie geben nur Beschreibungen, der eine oberflächlich, der andere tief— gründiger, aber auch die tiefgründigsten Beschreibungen sind keine Erklärungen, d. h. keine Rätsellösungen. Obwohl die Naturwissenschaft gerade dem Hühnerei schon soviel Aufmerksamkeit geschenkt hat, kann sie uns die Frage nicht restlos beantworten: Was ist ein Hühnerei? Man betrachte nur einmal Abbildungen, die uns zeigen, was im befruchteten Hühnerei vor sich geht. Die Größe des Rätsels wird uns da gleich aufgehen. Ich habe hier 6 solcher Abbildungen vor mir, photographi⸗ sche Aufnahmen des Hühnerei aus verschiedenen Zeiten der Bebrütung. Die erste zeigt die Gegend des sog. Hahnentritts aus einem 8 Stunde bebrüten Ei. Man sieht eine ovale helle Stelle. In der Mitte derselben einen rundlichen, dunklen Flecken, von dem zwei dunkle Längsstreifen ausgehen: Die ersten Anlagen des ent⸗ stehenden Hühnchen. Alles in Wirklichkeit mikroskopisch klein. Die nächste Abbildung stammt von einem 24 Stunden bebrüten Ei. Man sieht gewundene Stränge und die ersten Anlagen der Wirbelsäule. Auf dem näch⸗ sten Bild ist der Kopf schon deutlich zu sehen. Eine dicke Blase ist er, rechts und links sieht man die Augen ent⸗ stehen. Auf einem Bilde vom sechsten Tage sieht man den Rumpf mit einer Nabelschnur und viel gleichmäßig aussehenden Gliedmaßen. Am ersten Tage siehts schon aus wie ein Hühnchen, jedoch der Kopf ist noch unver— hältnismäßig groß und die Federn fehlen. Am 14. Tag ist das Tierchen ziemlich fertig, nur der Anzug ist noch nicht ganz tadellos. Wenn man so etwas sieht, kann mans nicht gleich wieder beiseite legen. Man muß sich seine Gedanken darüber machen. Besonders ein Gedanke wird einem kommen: Wunderbar, wie geht das nur zu? Da sieht man eine Henne auf einem Kästchen mit Kalkwänden Abonnements⸗ u. Anzeigen⸗Annahmestelle, Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher 1362 und 1145. Postscheckkonto 8437 Frankfurt a. M. Sonnabend, den 17. Juli 1926. f Gott. sitzen. Und drin in dem Kästchen entsteht ein Tierchen. Wie kann aus etwas Weißem und etwas Gelbem ein Hühnchen werden mit Knochen, Federn, Augen, Glied— maßen, mit tausenden Organen? Da bin ich mitten drin in den Rätseln. Ich stehe ja vor einem Bauplatz, der viel, viel wunderbarer ist, als die Bauplätze, auf denen die Menschen arbeiten. Was ist schließlich ein Haus gegen den Organismus eines Hühnchens? Mit einem Haus kann man's ja wirklich vergleichen. Es sind auch Beisteine verwendet. Milliarden von kleinen Backsteinchen, die man Zellen nennt. Sie sind nur viel kunstvoller aneinander gefügt als die Backsteine beim Hause. Röhren werden auch gelegt, Pumpen aufgestellt und andere wunderbare Apparate— man denke nur an die beiden photographischen Kameras im Kopfe— elek— trische Leitungen werden gespannt. Aber wie? Wer sind die Maurer und die Zimmerleute, die Schlosser, Mechaniker, Elektriker, Chemiker, wo vor allem steckt der Bauleiter? Das sind die Fragen, auf die es keine wissenschaft⸗ lichen Antworten mehr gibt. Ein ehrfürchtiges Staunen kommt über uns, ein wundervolles Rätsel ist solch ein Hühnerei. Dasselbe Staunen entsteht, wenn wir des abends aufsehen zum bestirnten Himmel. Stern flimmert neben Stern. Und doch sind es keine goldenen Nägel ins blaue Gewölbe eingeschlagen, wie die Alten glaubten. Un⸗ geheure Materialmassen sind es, die sich bewegen nach einem wohl ausgedachten Plan. So genau sind diese Bahnen, daß man sie mathematisch berechnen kann. Ein Fahrplan, gegen den unsere Eisenbahnfahrpläne sich sehr kümmerlich ausnehmen. Doch gleich kommen auch hier die Fragen ohne Antworten. Wer bewegt diese kolossalen Massen, wer schreibt ihnen ihren Kurs vor? Man redet von Schwerkraft, vom Gesetz der Er— haltung der Kraft. Worte,— keine Erklärungen! kraft? Wie erhält sich die Kraft? Was ist überhaupt Kraft? Antwort: Wir wissen es nicht. Diese Kräfte sind ja selbst rätselhaft. Der Dichter hat Recht: Wo die Begriffe fehlen, stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein. Viele Menschen bleiben bei diesen Worten stehen. Sie sind ihnen das Letzte, bei dem sie sich beruhigen, und weil sie damit zufrieden sind, verriegeln ihnen diese Worte wie eine künstliche Wand den Ausblick in die Unendlich— keit. Der religiöse Mensch aber läßt sich mit Worten nicht abspeisen. Er sieht gewissermaßen mit einem inneren Blick hinter dieser künstlichen Wand von Wor— Was ist Schwer⸗ Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg., am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen Vergünstigung. Nummer 29. ten in ehrfürchtigem Staunen eine höhere Wirklichkeit: Die Welt Gottes. Er sieht sie nur schattenhaft, er kann sie nicht in feste Begriffe fassen. Der Ausdruck:„Gott“ ist keine mathematische Formel, aber auch kein Wort ohne Begriff. Die göttliche Wirklichkeit ist Wirklichkeit, die wir ahnend in der Natur ergreifen. Sie ist nur zu groß, zu menschenfern, um voll erfaßt zu werden. Wenn ich solchen Gedanken nachhänge, und es kommt mir dann einer und sagt: Es gibt keinen Gott!, dann kommt mir der Mensch vor wie ein kleiner Schul- bube, der Vorträge über Mathematik halten will, von der er nichts versteht. Ich möchte ausrufen: Mensch, du ahnst ja gar nicht, um was es sich eigentlich handelt. Ich glaube, du hast dir weder Gedanken gemacht über Gott, noch über die Natur. Du willst mit wenig Können so 0 eine Art geistiger Diktator sein. Es gibt keinen Gott, fertig, abgemacht, Schluß! Wir glauben dir nur nicht, 5 weil wir nicht können, denn wie kann man bei so viel Geist, Schönheit, Kunst um uns her bloß von sinnlosen Kräften reden und den Schöpfer leugnen? Du kommst mir vor, wie einer, der beim Bilde eines großen Malers bloß Leinwand sieht mit Farben darauf, aber nicht die Seele des Meistexs. An eine alte Geschichte muß ich denken. Eines Tages geht Herr X. mit einem Professor durch den Früh⸗ lingswald spazieren, da stellt Herr X. die Frage: Sagen Sie mal, Herr Professor, wie denken Sie eigentlich über die Schöpfung der Welt? Nun, ich denke sagt de fessor, daß ein Gott, ein wunderbarer Geist hinter dem 1 allen steht. Wie Schiller sagt: 10 „Und ein Gott ist, ein heiliger Wille lebt, N Wie auch der menschliche wanke, Hoch über der Zeit und dem Raume webt 5 Lebend! der höchste Gedanke, Und ob alles in ewigem Wechsel kreist, 17 Es beharret im Wechksel ein ruhiger Geist“. 17 Daß ein Gott die Welt geschaffen scheint mir immer noch der vernünftigste Glaube zu sein. Ich glaube das 0 nicht, sagte Herr X., die Welt ist von selbst entstanden. Ein paar Tage später besucht Herr X. den Professor in 3 seinem Arbeitszimmer. Eine wundervolle Lampe auf 1 dem Tische des Professors fällt ihm auf. Sagen Sie ein? mal, wer hat denn diese Lampe gemacht? fragte er. Ach, die ist von selbst entstanden, antwortet der Professor. 1 Machen Sie doch keine Witze, entgegnete Herr X. solch 15 eine Lampe entsteht doch nicht von selbst, die muß doch einer gemacht haben. Selbstverständlich, meint der Ge⸗ Rithtet nitht! Lukas 6,37. Richtet nicht, so werdet ihr nicht ge— richtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht ver⸗ dammt. Vergebt, so wird euch vergeben. Wir treffen oft bei unserem Herrn Jesus den Dreiklang. So auch heute, wo er uns warnt vor dem Richten und Verdammen. Jesus hat an dieser Stelle die Pharisäer vor sich, welche sich selbst für gerecht und fromm hielten. Wer aber von sich so hoch denkt, der erachtet es nicht für nötig, an sich noch zu arbeiten, Schäden und Fehler gut zu machen. Richten sich aber die Augen weg vom eignen Ich, dann richten sie sich von selbst auf die Mitmenschen. Die Mitmenschen aber werden einer scharfen Kritik unterworfen. Da wird jedes Fehlerchen genau beobachtet. Wo vielleicht ein⸗ mal etwas falsch gemacht sein könnte, dann wird solange daran herumgedeutelt, bis wirklich eine Sünde festgestellt ist. Dann wird verdammt und verurteilt. Wie steigt doch der eigne Wert auf dem Hintergrunde fremder Unvollkommenheit? So findet es Jesus bei den selbstgerechten Pharisäern. So finden wir es in den Häusern, den Gemeinden und im ganzen Volke. Wenn im Hause einmal etwas nicht stimmt, dann schimpft der Mann über die Frau und die Frau stellt mit Sicherheit fest, daß es der Mann allein verschuldet hat. Die Folgen kennen wir alle. Der Unfriede kehrt ein und macht das Zusammenleben so ungemütlich. Wie schön ist es doch, im Schatten des Friedens zu leben. Der Dorf- und Stadtklatsch lebt ja nur von dem Herunter⸗ reißen des anderen. Sagt man doch, daß manche Frauen von Leuten gar nicht sprechen wollen, wenn sie nicht Grund haben, über sie herzufallen.„Von denen spricht man am Besten gar nicht.“ Nun wollen wir aber nicht selbst in den von Jesus so hart gerügten Fehler verfallen und zugeben, daß es auch viele männliche Weiber dieser Art gibt. Oder wir denken an allerlei Vorfälle in den kirchlichen oder bürgerlichen Gemeinden. Ist etwas in diesen Gemeinden nicht ganz in Ordnung, dann wird über den Pfarrer oder über den Bürgermeister mit oft recht unflätigen Worten hergefallen. dann gehörig gescholten wird. Wird von frommen Gemeinschaften auch noch so sehr betont, daß sie mit der Kirche zu gehen und zu arbeiten haben, so trifft man es doch häufig an, daß gerade von diesen Kreisen die Kirche nur als Gegenstand der Kritik angesehen wird. Ja ist es nicht etwas unerhörtes, wenn solche Kreise über einen Pfarrer richten und wollen Unterschiede machen zwischen„gläubigen“ und„un— gläubigen“ Pfarrern? Genau so unchristlich ist es, wenn von kirchlicher Seite es ebenso gemacht wird und die frommen Ge— meinschaften allgemein als„Heuchler“ abgetan werden. Wir sehen gerade hier, wie unvollkommen man auch in christlichen Krei⸗ sen ist. Der Vollständigkeit halber will ich jetzt noch an das Leben in unserem deutschen Volke denken. Zerklüftet sind wir in viele Parteien und Grüppchen. Jede Partei aber stellt sich als ganz unschuldig hin. Fehler machen nur die anderen, auf welche Daß dabei mit vielen Lügen gearbeitet wird, zeigt uns, in welch schlechten Händen die Füh— rung unseres Volkslebens sich befindet. „Richtet nicht, so werde ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht o werdet ihr nicht verdammt,“ mahnt unser Herr Jesus. Das gilt schon für unsere Erdenzeit. Wer so gerne über seine Mitmenschen herfällt, dem wird auch scharf auf die Finger und auf den Mund gesehen. Wehe ihm, wenn er einen beweisbaren Fehler sich zu schulden kommen läßt. Dann ist man auch unnach⸗ sichtig gegen ihn. Hat er andere verdammt, dann wird er auch ohne Schonung verurteilt. Das ist eine Tatsache, die Jesus be— obachtet hat, und die wir ja selbst im Leben unserer Umgebung genug sehen können.„Was ihr wollt, das euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch“, so drückt Jesus diese Erfahrungs⸗ tatsache an anderer Stelle aus. Wir wissen aber auch, daß Jesus nicht bei dem Irdischen stehen bleibt. Wenn er uns androht, daß auch wir gerichtet werden, so denkt er nicht an menschliche Richter, sondern an das Gericht, das wir einmal über uns ergehen lassen müssen nach dem Wort:„Es ist dem Menschen gesetzt, einmal zu sterben, dann aber das Gericht.“ Dort werden wir zur Rechenschaft gezogen über unser Richten und Verdammen. Liebe Leser, wir wollen vor diesem Gerichte unseres Gottes zittern. Heute denken alle Leider erleben wir ähnliches auch in religiösen Kreisen. —————— 5 2 nur an die Gnade unseres Gottes. Sind wir denn dieser Gnade wert? Wir wollen wieder zittern lernen vor Gottes Gericht. Dies aber veranlaßt uns zu fragen:„Was muß ich tun?“ Jesus sagt es uns. Nicht richten, sondern vergeben sollen wir! 1 Wie schwer fällt es manchem Menschen wieder zu vergeben. Wie 1 wenig denken viele daran, daß Gott dem Schalksknecht seine Gnade wieder entzogen hat, weil er nicht auch vergeben konnte. Wie sind so viele Menschen empfindlich gegen ihre Mitmenschen, vergessen aber ganz, daß sie auch schon andere beleidigt und schwer gekränkt haben. Wie wollen diese im Gericht vor ihrem Gott stehen? Auf diese paßt so recht das Wort Jesu:„Was 10 siehst du den Splitter in deines Bruders Auge, und des Balkens 4 1 1 5 in deinem Auge wirst du nicht gewahr?“ Vergeben werden wir erst, wenn wir gelernt haben, was uns noch alles fehlt, wenn wir von uns nicht hoch, sondern gering denken. Deshalb mahnt Jesus:„Du Heuchler, zieh zuvor den Balken aus deinem Auge und dann siehe zu, daß du den Splitter aus deines Bruders Auge ziehest!“ Die Selbstgerechtigkeit müssen g wir überwinden. Mehr unser Augenmerk auf uns richten.„Ein 1 jeder kehr vor seiner Tür, so steht es wohl im Stadtrevier“, sagt N Dr. M. Luther. Welch ein Friede würde dann unter uns herr⸗ schen. Wie leicht könnten wir alle dann helfen, unser herunter⸗ 1 gekommenes Volk wieder in die Höhe zu bringen! 1 Kommt, Brüder, laßt uns wandern; N Wir gehen Hand in Hand; Eins freuet sich am andern N In diesem Fremden Land. 0 Kommt, laßt uns kindlich sein, 21 Uns auf dem Weg nicht streiten; 1 Die Engel selbst begleiten 4 Als Brüder unsre Reihn. 4 Und sollt ein Schwacher fallen, 1 So greif der Stärkre zu; Man trag, man helfe allen, Man pflanze Fried und Ruh. Kommt, schließt euch fester an! Ein jeder sei der Kleinste, Doch wohl auch gern der Reinste Auf unsrer Pilgerbahn. Amen. 3 3 71 Sonnabend, den 17. Juli 1926. „Evangelische Warte“ Nr. 29. ————I—. TT lehrte, ich habe Sie auch nur auf einen großen Irrtum aufmerksam machen wollen. Wenn Sie bei einer solch kleinen Lampe nicht glauben, daß sie von selbst entstan⸗ den, wie können Sie nur von der Welt sagen: Sie ent⸗ stand von selbst. Da ging Herrn X. ein Licht auf. Er merkte, daß es doch eigentlich gar nicht so unvernünftig ist, an einen Gott zu glauben. Darum sind ja auch so viele große Naturforscher be⸗ geisterte Gottesbekenner gewesen. Ich nenne nur Na⸗ men wie Copernikus, Newton, Kepler, Pasteur, Virchow, Volta, Ampere, Liebig, Cuvier, Gauß, Faraday. Aber auch ein Mann wie Darwin, in dessen großer Entwick⸗ lungstheoxie viele den Antergang relegiösen Glaubens sehen, war kein Gottesleugner. „Eine andere Quelle der Ueberzeugung von der Existenz Gottes“, sagt Darwin,„die auf den Verstand, nicht auf das Gemüt zurückgeht, wirkt auf mich mit viel größerem Nachdruck. Sie ergibt sich aus der außer⸗ ordentlichen Schwierigkeit oder vielmehr Unmöglichkeit, das grenzenlose und wunderbare Aniversum als das Er⸗ gebnis des Zufalls anzusehen. Wenn ich darüber nach⸗ denke, so fühle ich mich getrieben, eine erste Ursache an— zunehmen, die einen im gewissen Sinne dem mensch⸗ lichen Verstande entsprechenden Intellekt besitze, und ich verdiene ein Theist(Gottgläubiger) genannt zu werden.“ 2 Alexander v. Humboldt sagte einmal:„Die Natur wie die Menschengeschichte ist ein harmonisches, von einem Geiste getragenes, von göttlichen Kräften und zweckvollen Gesetzen bestimmtes Universum.“ Auch Goethe hat von diesen Dingen nicht geredet wie die unfehlbaren modernen Gottesleugner, die hoch⸗ mütig auf die Gläubigen herabsehen. Er hat ja auch eifrig mit frommen Menschen verkehrt. Man denke nur an Herder, der Pfarrer war, oder an Lavater. Er wußte den Gottesglauben zu schätzen, wie der Ausspruch zeigt: „Mag die geistige Natur nur immer fortschreiten, mögen die Naturwissenschaften in immer breiterer Ausdehnung und in die Tiefe wachsen und der menschliche Geist sich erweitern wie er will, über die Hoheit und sittliche Kul⸗ tur des Christentums, wie es in dem Evangelium schim⸗ mert und leuchtet, wird er nicht hinauskommen.“ Selbst Prof. Häckel, der von vielen zitierte Kron⸗ zeuge des Unglaubens, sagte am Schlusse seines Lebens: „Die hohe praktische Bedeutung des Christentums, sein wirklicher Wert für höhere Ethik und veredelte Lebens—⸗ führung steht historisch außer Zweifel.“ Und doch gibt es Gottesleugner. Begreiflich! Viele sind es aus reiner Oberflächlichkeit. Sie haben niemals über die Fragen selbst nachgedacht. Sie reden nach, was andere ihnen sagen, die ebensowenig nachdachten wie sie selber, oder die ein Interesse daran haben, die Religion zu bekämpfen. Viele, die in dem Punkte eine feste Ueberzeugung zu haben glauben, merken nur nicht, daß ihre feste Ueberzeugung weiter nichts ist als eine von Freunden oder Agitatoren geschickt diktierte Ueber⸗ zeugung. An der Oberflächlichkeit ist oft Vielgeschäf⸗ tigkeit mitschuldig. Leider könnte man manchen auf den Grabstein schreiben: Er schaffte dies, er schaffte das, Die arme Seele er vergaß. Begreiflich ist, daß offenbare Schlechtigkeit viele zu Gottesleugnern macht. Ohne Herrgott läßt sich's besser schieben, wuchern, stehlen. Also fort mit dem unbe⸗ quemen Gott. Alles Schieberpack klatscht begeistert in die Hände, wenn es heißt:„Es gibt keinen Gott“. Denn dann hat das Gewissen Ruhe. Man kann halt nicht Gott dienen und dem Mammon. Daß es eine Art from⸗ mer Schieber gibt, will ich gewiß nicht leugnen; deren Frömmigkeit ist aber weiter nichts, als elende Heuchelei. Man stellt sich fromm um des Ansehens oder des Bei⸗ spiels willen und:„damit dem Volk die Religion er⸗ halten wird“. Das Schlechteste an solch einem Mens don ist wirklich seine Frömmigkeit. In gebildeten Kreisen ist wissenschaftlicher Koch⸗ mut oft die Ursache der Gottesleugnung. Dabet muß man allerdings betonen, daß die Gottesleugner in diesen Kreisen viel weniger zahlreich sind, als das Volk ge⸗ wöhnlich annimmt. Sie fallen hier nur mehr auf, zu—⸗ mal sie sich oft als Agitatoren betätigen. Aus Hochnau: wollen diese Menschen nicht glauben, was Jahrtausende geglaubt haben. Unter allen Umständen wollen sie weit über der Vergangenheit stehen, unter allen Umstö'der vorgeschrittener und vor allen Dingen modern sein. Einerlei ob mit Recht oder Unrecht. Daß wissenschaft⸗ licher Hochmut eine verbreitete Krankheit ist, weiß jeder, der diese Kreise kennt. Mit Recht sagt Paulus:„Wis⸗ sen blähet auf“. Er meint damit allerdings nicht wah⸗ res, tiefes Wissen, denn das macht sehr bescheiden und zurückhaltend. Er meint die auch heute weit verbreitete Halbwisserei. Wie viele blähen sich nicht in Hochmut, die nicht einmal in ihrem Fache etwas wissen, sondern nur ein sogen. Examen-Wissen mit sich herumschleppen. Noch schlimmer sind die, deren ganzes Wissen aus ein paar Broschüren niedrigster Sorte stammt. Sie halten gewaltige Reden über Religion und Bibel, ohne je eine Ahnung von wahrer Religiösität gehabt, ohne je die Bibel gelesen zu haben. Daher kommt es, daß man so oft Bibelworte verkehrt nennen hört. Schon wieder⸗ holt habe ich gehört und gelesen, daß in der Bibel stehe: „Selig sind die geistig Armen“, d. h. die Dummen. In Wirklichkeit heißt es:„Selig sind die geistlich Ar⸗ men“, d. h. die sozial Gedrückten, Leidenden. Persön⸗ lichkeiten wie Jesus oder Paulus wußten gewiß wahre Bildung zu schätzen. Tiefes, wahres Wissen führt zu Gott, nur die Halbwisserei führt von ihm weg. Sie ist, wie ich schon zeigte, mit ein paar Worten zufrieden. Auch Eigenbrödelei ist oft die Ursache des sogen. Unglaubens, der ja auch nur ein Glaube ist, denn die Richtigkeit des Unglaubens läßt sich wahrhaftig nicht wissenschaftlich beweisen. Nur das dumme Volk geht in die Kirche, sagen diese Hagestolze, die immer ihr Extra⸗ würstchen haben müssen, ich bin darüber hinaus. Als ich vor 11 Jahren aus Südösterreich nach Deutschland zurückkehrte, hatte ich den Eindruck, daß man bei uns in vielen Kreisen sehr aemütlos geworden ist. Dort unten an der deutschen Südmark hatte der nationale Kampf den Idealismus erhalten, hier bei uns hatt die Jagd nach Geld und Wohlleben Tausende zu reinen Nützlich— keitsmenschen, oberflächlichen Geldautomaten gemacht. Sie kannten nur eine Frage:„Wie, wo, wann, wieviel verdiene ich Geld, Geld, nichts als Geld!“ Solche Auto⸗ maten können gewiß Gott nicht finden. Die Bibel sagt mit Recht:„Der natürliche Mensch vernimmt nichts vom Geiste Gottes. Es ist ihm eine Torheit und kann's nicht erkennen, denn es muß geistlich gerichtet sein.“ Der Ge— mütlose fühlt nichts von Gottes Welt, ebensowenig er etwas vernimmt vom Geiste der Musik. Bei ihm heißt es:„Religion ist Unsinn.“ Er lügt nicht, er sagt nur, was er fühlt. Viele stehen zwar dem Gottesglauben sehr nahe, aber sie können desselben doch nicht froh werden, weil ihnen stets allerhand Zweifel zu schaffen machen. Wie kann es einen Gott geben, wenn die Ansichten über Gott und Religion so verschieden sind, sagen sie sich. Da gibt es Christen, Juden, Mohammedaner, Buddhisten. Jeder glaubt etwas anderes. Was ist dazu zu sagen. Nun, man soll die Unterschiede zwischen den Religionen nicht übertreiben. Schließlich ist es doch derselbe Herrgott, den sie alle anbeten, dasselbe Gefühl, das sie zur An⸗ betung treibt. Ich hatte einmal einen mohammedani⸗ schen Priester bei mir zu Gast, und wir haben uns lange und eingehend über die religiösen Fragen unterhalten, ohne Leidenschaft, im besten Einvernehmen. Wir schie⸗ den voneinander in der Gewißheit, daß wir derselben großen Idee dienen. Verschiedenartigkeit der Völker, Verschiedenartigkeit der Kulturen bedingt mit die reli⸗ giöse Verschiedenartigkeit. Es ist ganz natürlich, daß der Türke oder Inder Gott anders anbetet als der Deutsche. Es ist auch begreiflich, daß ein Volk niederer Kultur keine erhabene Gottesvorstellung hat. Nur Fa⸗ natismus und Unvernunft hat die bösen Glaubens- kämpfe hervorgerufen, die die Geschichte kennt. Wah⸗ res Christentum kann nicht intolerant sein, hat doch Christus am schärfsten die Intoleranz bekämpft. Ihm waren die Pharisäer gerade deshalb zuwider, weil sie mit solchem Hochmut auf Andersgläubige herabsahen. Gerade um seiner Toleranz willen steht mir das Chri⸗ stentum so hoch, es ist mir die höchste Gottesoffenbarung. Viel zu wenig bekannt ist auch, daß evangelische Kreise vor Jahren religiöse Weltkongresse einberufen haben, auf denen Christen, Buddhisten, Mohammedaner, Kon⸗ suzianer friedlich beieinander saßen. Ich kann sehr gut der Ueberzeugung sein, daß das Christentum die höchste Religion ist, weil Jesus, der Gottessohn, Gott am besten verstand. Deswegen brauche ich noch lange nicht auf den Nichtchristen herabzusehen. Ich habe nur das Bedürfnis, ihn auf die Höhe des Christentums zu heben, auf die Höhe der Religion der Toleranz, der Religion der Liebe. Vielen Zweiflern macht auch das Reden von Gottes Eigenschaften viel Kopfzerbrechen. Sie sind aber selbst daran schuld, denn sie mißverstehen die christliche Lehre. Sie nehmen die Bilder, die das Christentum gebraucht, für die Wirklichkeit. Man muß sich doch sagen, daß dieses Reden von Gottes Eigenschaften ein Reden in Bildern ist. Wenn wir sagen, Gott ist unser Vater, so stellen wir uns Gott wahrhaftig nicht vor wie einen alten Mann in grauem Bart, der auf goldenem Stuhl auf den Wolken sitzt. Nur das Väterliche in seinem Wesen soll damit dargestellt werden. So ist es auch mit der Rede von dem persönlichen Gott. Nur weil die Per⸗ sönlichkeit das Höchste ist, was uns auf Erden begegnet, nennen wir Gott eine Persönlichkeit. Er kann mehr sein als das, aber es steht uns leider kein höherer Begriff zur Verfügung. Der Begriff„Kraft“ steht jedenfalls nicht höher. Wenn ein Haus gebaut wird, ist doch die Persönlichkeit des Baumeisters, der alles erdenkt und leitet, höher als die chemischen und physikalischen Kräfte, die beim Hausbau tätig sind. Wir sind uns wohl be⸗ wußt, daß alles Gott-Beschreiben-Wollen dem Lallen eines Kindes gleicht. Er ist zu groß, zu unfaßbar, als daß ihn Menschenverstand begreifen könnte.„Meine Gedanken sind nich: eure Gedanken“, spricht der Herr. Das Leid der Wels bringt viele in schwere Zweifel. 1 T, 1——————— Wer mith bekennet. Von Erwin Gros. Hans Heeger war am ganzen Körper in Schweiß gebadet; die Zunge klebte ihm am Gaumen. Er tastete in der Dunkel⸗ heit nach dem Gefäß mit Wasser, das er allabendlich auf seine Kammer mitnahm, und trank es in langen Zügen leer. Dann legte er sich wieder in die Kissen, doch der Schlaf floh ibn, denn die Gedanken ließen ihm keine Ruhe. Wie eine wilde Meute ein Wild umstellt, daß es nicht ausbrechen kann, so umringten ihn die Gedanken und zerrten ihn hin und her. Erst gegen Morgen fand er noch eine kurze Stunde der Ruhe und des Vergessens. Mutter Vogelsberger war bei der Morgensuppe gar nicht mit ihm zufrieden; auch der Meister meinte:„Wenn man mal soviel Blut verloren hat, muß man nachher doppelt essen. Wenn ihr aber so auf dem Teller herumstochert, wie die letzten Tage, dann kann der Wind euch bald durch die Backen blasen.“ „Es geht wieder vorüber, man hat jetzt so allerhand in sich zu verwürgen!“ Da begann der gute Meister Vogelsberger, unterstützt von seiner Mutter, auf den Schultheißen loszudreschen; es war nur gut, daß der Bescholtene nicht anwesend war, er hätte sich sicher vor sich selber geschämt und wäre in ein Mauseloch gekrochen. Lächelnd hörte Hans den zwei Femrichtern zu.— schmerzlich lächelnd:„Ach, ihr seid ja auf einer falschen Fährte. Nicht der Schultheiß, ich selbst bereite mir die bittere Pein.“ Gegen zehn Uhr schlich er wie einer, der auf bösen Pfaden wandelt, zum Rathaus. Einen scheuen Blick warf er nach der gegenüberliegenden lutherischen Kirche; dann stieg er eilig die Stufen hinan. Im Hintergrund des kleinen Betsaales, dem Ein gang gegenüber, war ein Hochaltar aufgebaut, der in seinem bunten Prunk mit dem kahlen, nüchternen Raum in seltsamem Gegensatze stand. Hans Heeger setzte sich unmittelbar neben den Eingang. Es waren ungefähr zwanzig erwachsene Personen anwesend und gegen zehn Kinder. Der katholische Schulmeister, der bereits im Meßnergewand steckte, wollte Hans nötigen, auf den vorderen Bänken Platz zu nehmen, dieser aber weigerte sich entschieden. Jetzt erschien der Priester, eine ehrwürdige Erscheinung, hin— ter ihm der Freiherr von Ingelheim, der Amtmann und seine Frau, zuletzt der Schultheiß Peter Michel. Alle nickten Hans Heeger zu. Der Freiherr nahm auf einem bereitgestellten Sessel Platz, die andern drei auf der vordersten Bank. Der Gottesdienst begann, der Weihrauch zog durch den Raum, in feierlichem Zuge wallten die Gesänge des Priesters und der Gemeinde daher. 5 Hans Heeger lauschte. Das Gemessene und Würdevolle der ganzen Handlung schlug ihn in Bann. Dann aber mühte er sich, in das Verständnis einzudringen. Doch eine fremde Sprache war es, die da gesprochen wurde,— klangvolle Worte, aber sinnlos erschienen sie ihm und sagten ihm nichts. Was sollte das alles bedeuten? Verwirrt und bedrückt saß er da. „Hierher gehöre ich nicht!“ sprach es in ihm. Und als der Priester die Monstranz emporhob, das Glöcklein des Ministranten ertönte, und alle tief zur Erde sich neigten, da klinkte Hans Heeger ganz leise die Tür auf und verschwand. Als er auf der Straße stand, atmete er tief auf. Er rief einen kleinen Jungen herbei und gab ihm den Auftrag:„Gehe zu Meister Vogelsberger und sage, ich, der Hans Heeger, käme nicht zum Mittagessen. Ich ginge ein bißchen über Feld und käme gegen Abend heim!“ Der Junge lief spornstreichs davon. Hans aber ging lang— sam hinter ihm drein, ließ das Dorf hinter sich und schlug den Weg nach Rodheim ein, den er einst gekommen war. Er wollte mit sich selbst allein sein. Nach dem Gottesdienst begleiteten der Amtmann und der Schultheiß den Freiherrn von Ingelheim in das Amtshaus. Die Frau Stubenrauch aber begab sich in das Haus des Schultheißen. Sie wollte mit Sybille verhandeln und Schwierigkeiten, die etwa von deren Seite erstehen könnten, hinwegräumen. Denn Peter Michel selbst hatte am Morgen die Frau Amtmännin um diesen Dienst gebeten! Er traute den eignen, staatsmännischen Fähig⸗ keiten in dieser Sache nicht viel zu; sie würden ihn im Stich lassen und sich verflüchtigen, wenn seine Frau mit den Augen, tiefer Wahrhaftigkeit voll, ihn anschaute. Die Frau Amtmännin hielt ihre Sendung nicht eben für schwer. Sie war der festen Zuversicht, daß Sybille die Nachricht, die sie ihr zu bringen hatte, mit Jauchzen aufnehmen werde. Ve— denklicher erschien ihr, daß Hans Heeger nicht bis zum Ende des Gottesdienstes geblieben war. Sollte ex doch von der gewiesenen Bahn abspringen wollen? Doch auch darüber beruhigte sie sich; in dem Jugendalter, darin Hans und Sybille standen, ist der Zug des Herzens und der Sturm des Blutes, der Mann und Weib zueinander reißt, stärker als alle Hindernisse und Be— denken. Darauf vertraute die kluge Frau Stubenrauch. Sybille und ihre Mutter waren höchst erstaunt über den „fremden Besuch“. Was konnte die Frau wollen? „Mein Mann ist nicht zu Hause,“ sagte Frau Margarete nach den Worten der Begrüßung. „Ich will nicht zum Schultheißen, ich will zu euch, vorab zu eurer Tochter,“ antwortete Frau Stubenrauch. Man setzte sich, Sybille voller Neugier, voller Zurückhaltung. Denn sie ahnte, ja, sie wußte, diese Frau kann meinem Kinde nichts Willkommenes u. Freudiges bringen. Frau Stubenrauch begann nun ihre Rede; weit von hinten herum holte sie aus. Sie pries die Schönheit und Tugend Sybil⸗ lens, daß das Mädchen ganz rot wurde. Dann lobte sie Hans Heeger, daß Sybille noch röter wurde. Sie sprach von der allge— meinen Teilnahme des Dorfes an dem Bund der jungen Leute Auch sie und der Amtmann hätten von Anfang an, als sie von dem Widerstand des Schultheißen gehört hätten, überlegt, wie man ihnen helfen könne. Darauf hätten sie den Schultheißen kommen lassen; der wäre zuerst zäh gewesen wie Sohlenleder, dann aber habe er nachgegeben und willige in die Heirat, frei⸗ lich unter der Bedingung, daß der Eidam katholisch werde. Eine tiefe Stille folgte diesen Worten. „Ja, freut sie sich denn nicht, Jungfer Sybille?“ sagte die Frau Amtmännin. Sybille schaute mit großen, verstörten Augen auf die Fra⸗ 8 gerin. „Ob ich mich freue?“ erwiderte das Mädchen mit bebenden Stimme.„Mein Hans wird doch nicht katholisch!“ Da lächelte die Frau Amtmännin außerordentlich liebens⸗ würdig:„Dann weiß sie eben nicht, Jungfer Sybille, wie lieb sie dem jungen Mann ist. Gerade vorhin ist er in unserer heili⸗ gen Messe gewesen. Seht, so ist der Weg geebnet, und man kann euch Glück wünschen.“ Da schüttelte Sybille den Kopf, schwere Tränen liefen über ihre Wangen:„Nun ist alles vorbei, nun ist alles vorbei,“ schluchzte sie, legte den Kopf auf den Tisch und begann bitterlich zu weinen. Der Frau Stubenrauch war es in diesem Augenblick nicht recht gemütlich zumute. Einmal erkannte sie, daß ihre Sendung gescheitert sei, zum andern war in ihr doch so viel mütterliches dern daß dieser hoffnungslose Schmerz hart wider ihr Herz stieß. 3 Frau Margarete Michel mühte sich unterdessen um ihre Tochter; endlich gelang es ihr, Sybille zu beruhigen. Das Mädchen erhob sich, ging mit gefaßtem Anstand auf die Frau Amtmännin zu und reichte ihr die Hand:„Ich danke der Frau Amtmännin herzlich für die Bemühung, aber auf diese Weise kommen wir nicht zusammen, der Hans und ich.“ „Aber warum denn nicht?“ Da sagte Sybille voll Nachdruck:„Wie kann ich den Hans zum Manne nehmen, wenn ich ihm nicht trauen kann! Wie ka Frau Margarete f 1 ums lasser Uugl. christ wisse ate 5 sah i. Engel en. Leide Biose das I Lige in — lau 5 icht ficht bonn leit, liche sond Natu freien Weg Ptredi el u Cdang Jüßen gung Mut une Hetele It Das w Shbile Es wa Huld r. do uh al Shut tungen. N daußef I Dans Das ln offen 1 sih ja. ihn nic Pitter 1 du halt Ire enden! und dei hahe hit, he quälte 1 Ife reh, 0 Herten eine U 0 N ö ö el es bit de. b, seß 1 en n ff sen der let, ein if l die te, 22 —— 2— 2 * Weg zu gehen. belt lich heil. lang Warum sind der Tränen unterm Mond soviel? fragen sie, wenn es einen guten Gott im Himmel gibt. Es sind gewiß mit die Besten, die so fragen. Sie sehen im Leid aber zu sehr das Zerstörende, Vernichtende. Das ist es gar nicht. Goethe sagte einmal: „Wer nie sein Brot in Tränen aß, Wer nie die kummervollen Nächte Auf seinem Bette weinend saß, Der kennt euch nicht, ihr himmlischen Mächte.“ Eine Himmelsmacht, also eine Macht des Guten, nennt er das Leid. So ist es auch. Wäre die Welt ohne Schmerz, ohne Leid, ohne Not, Kampf, Mißerfolg, so wären die Menschen traurige Egoisten, wohllebige Drohnen. Arbeit, Kultur, Wissenschaft, Charakter ent⸗ stehen nur im Kampf mit den Widerständen des Le— bens. Die tapfer kämpfen, mutig leiden, sind auch die Tüchtigsten. Ich weiß nicht, wie der Schriftsteller heißt, der einmal folgendes gesagt hat:„Viele Menschen sind mir in meinem Leben begegnet, viele waren oberfläch— lich und leichtsinnig, viele aber ernst und innig. Wenn ich nachforschte, waren die Ernsten immer die, die es schwer gehabt hatten im Leben.“ Gewiß, das Leid macht nicht jeden Meschen besser, schwache Charaktere macht es verbissen und hart. Es ist mit dem Leid wie mit dem Sturm in der Natur. Die schwachen Bäum— chen bricht er um, die starken aber macht er stärker. Wer im Leid nicht finsteres Verhängnis sieht, sondern eine Schickung, die ihn bessern will, wird auch den Segen des Leides verspüren.. „Kommt dir ein Schmerz, so halte still Und frage, was er von dir will. Die ewige Liebe schickt dir keinen Bloß darum, daß du mögest weinen.“ Selig sind, die da Leid tragen, sagte Christus, der ja selbst am meisten gelitten hat. Als das Unglück in Oppau war, wurde ich gefragt:„Was können nun die armen, unschuldigen Kinder dafür, die bei dem Elend ums Leben gekommen sind, wie kann Gott so etwas zu— lassen?“ Die Frage ist verständlich im Munde eines Ungläubigen, für den es keine Ewigkeit gibt. Vom christlichen Standpunkte aus ist sie unverständlich. Wir wissen ja, daß diese Kinder es bei dem himmlischen Vater viel besser haben, als hier auf Erden. Der Christ sah in Oppau nicht nur Trümmer und Leichen, er sah Engelchen aus rauchenden Trümmern gen Himmel flie— gen. Aehnlich wie mit der Frage nach dem Sinn des Leides ist es mit der Frage: Warum läßt Gott das Böse auf der Welt zu?“ Das Böse ist ebenso nötig, wie das Leid. Ohne das Böse gäbe es kein Gutes. Ohne Lüge keine Wahrhaftigkeit, ohne Unglauben keinen Glauben, ohne Lieblosigkeit keine Liebe. Wenn wir nicht anders könnten, als die Wahrheit sagen, nicht anders könnten, als Liebe üben, nicht anders lönnten, als an Gott glauben, dann wäre Wahrhaftig⸗ leit, Liebe, Glaube keine Tugend, sondern naturgesetz⸗ liche Notwendigkeit. Wir wären weder böse noch gut, sondern so, wie wir eben sein müssen, Puppen, die das Naturgesetz an Drähten zieht. Gott schuf uns aber zu freien Menschen, denen er die Wahl läßt, den oder den Puppen, Maschinen hätte Jesus keine Predigt halten dürfen über den schmalen Weg zum Him⸗ mel und den breiten Weg zur Verdammnis. (Schluß folgt.) ich ihm aber vertrauen, wenn er die Treue gegen Gott und sein Evangelium gebrochen und seinen lutherischen Glauben mit Füßen getreten hat wider sein Gewissen und seine Ueberzeu— gung!“ Mutter Margarete schossen die Tränen in die Augen; die Worte ihrer Tochter enthüllten ungewollt das ganze Elend und Herzeleid ihrer eignen Ehe. Frau Stuben rauch aber stand stumm und erschüttert da. Das war ihr das Härteste, daß sie wider diese schlichte Rede Sybillens auch nicht das kleinste Wörtlein zu finden wußte. Es war ihr, als ob sie eine Niederlage erlitten habe und das Feld räumen müsse. Doch sie verbarg dies außerordentlich gewandt hinter einer rasch aufgebauten Wand nichtssagender Höflichkeiten. In deren Schutz verließ sie das Haus und das Herzeleid, das sie hineinge⸗ tragen. „Mutter“, sagte Sybille, als die Frau Stuben rauch schon draußen auf der Straße dahinstolzierte,„Mutter, glaubst du, daß Hans so, so“— sie wollte„schlecht“ sagen—„etwas tun wird. Er ist doch so gut und so Das kann doch gar nicht möglich sein! f offen und so ehrlich, wie das Wasser tief ist. Dann kann man sich ja auf keinen Menschen mehr verlassen, wenn man sich auf iͤn nicht verlassen kann. Ich gehe gegen Abend einmal zu dem Pätter Vogelsberger und frage den Hans selbst. Gelt, Mutter, du hast nichts dawider?“ 7 Frau Margarete schüttelte den Kopf:„Kind, wie soll das enden! Wenn ich dir nur helfen könnte, daß du zu deinem Glück und deiner Ruhe kämst!“—— — Unterdessen marschierte Hans Heeger durch die Dörfer Rodheim, Niederroßbach und Oberroßbach auf Köppern zu. Das heißt,— er marschierte nicht, er rannte dahin, von der inneren Unruhe vorwärts getrieben. Daß er die Messe besucht hatte, dos quälte ihn. Dann wieder fiel ihm ein Wort ein, das der Großvater des Pfalzverwüsters gesprochen hatte, Heinrich der Vierte von Frank⸗ jeich, als er, das frühere Haupt der Hugenotten, seinen refor⸗ nierten Glauben aufgab:„Die Krone von Frankreich ist wohl eine Messe wert.“ „Ist nicht Sybille auch eine Messe wert?“ fragte er sich, und das Bild des Mädchens voll Schönheit und Liebreiz stand vor Ihn. Aber ich kann doch dies kömische Wesen nicht mitmachen, es wird mir innerlich immer fremd bleiben,“ sprach eine andere Stimme in ihm, und dann frug sie weiter:„Wirst du vor dir pelbst noch Respekt haben können, wenn deine Religionsübung icht ehrlich ist?“ lische zeitung und Bibel. In dem„Christlichen Volksfreund“ aus Zürich, einem ganz kleinen, aber weit über das gewöhnliche Maß hinaus gehaltvollen Wochenblatt, lesen wir(10. 26) folgendes: Wer macht uns liebreicher? die Zeitung, die widerhallt vom sozialen Kampfgeschrei und in der von links und rechts geschürt wird, oder die Bibel, das Organ Gottes, das einzige, das wahrhaft über den Par⸗ teien steht und das die Sanftmütigen und Friedferti⸗ gen beständig seligpreist? Wer macht uns wahrhaf— tiger? die Zeitung, die ängstlich darauf bedacht ist, ihren Abonnenten nur das vorzusetzen, was sie gerne lesen, was ihnen recht gibt und mit ihren vorgefaßten Mei⸗ nungen übereinstimmt, oder die Bibel, die kein Ansehen der Person kennt und auch an ihren Helden und Lieb— lingen alles rücksichtslos aufdeckt? Wer macht uns selbständiger und freier? die Zeitung, die in dem Tanze um goldene, silberne und blecherne Kälber vorantanzt und sich vor jedem Tagesgötzen in den Staub wirft, oder die Bibel, die uns in allem auf Gott hinweist als auf den, dessen Urteil, Lob und Tadel allein in Betracht kommt? Wer macht uns gewissenhafter? die Zeitung, die wir schon manchmal gern zerrissen hätten, wenn sie uns wieder um kostbare, der Pflicht geweihte Viertel⸗ stunden betrogen hatte, oder die Bibel, die in allen Tö— nen das Lob der Treue singt und die uns erkennen lehrt, der wahre Zweck der Arbeit bestehe nicht darin, Erfolg zu haben, sondern Frucht zu bringen? Doch genug der Fragen, wo die Sache selber außer aller Frage steht! Diese Wirkungen zeigen es jedem, der sehen will, deutlich, was Bibel und Zeitung wert sind. Und mit diesem Ergebnis stimmt auch das Schick— sal der beiden. Die Zeitung zerstäubt, die Bibel bleibt. Die Zeitung— es ist wahr— bringt immer das Neueste; aber eben, weil es stets das Neueste sein muß, darum ist es schon morgen nicht mehr neu. Es gibt in der Tat nichts, was so schnell veraltet wie ein Zeitungsblatt; dieselbe Nummer, nach der soeben alle Hände gierig griffen, die legt man am anderen Tage schon enttäuscht bei Seite. Wer nun seine geistige Nahrung einzig oder doch zum größten Teile aus der Zeitung bezieht, der wird selber in dieses vergängliche Wesen hineingezogen. Die Zeitung erhält ihn auf dem Laufenden, wie man sagt,— aber eben auf dem„Laufenden“, auf dem, was keinen Bestand hat, was unter den Händen zerrinnt, was in beständigem Fluß und Wechsel begriffen ist. Wenn von irgend etwas, so gilt von der Zeitung das ernste Prophetenwort:„Alles Fleisch ist wie Gras und alle Herrlichkeit der Menschen wie des Grases Blume; das Gras verdorret und die Blume verwelket, aber des Herrn Wort bleibet in Ewigkeit!“ Ja, wer sich an die Bibel hält, den erhält sie auf dem Bleibenden! Was sie Altes und Uraltes bringt, das ist doch ewig neu und greift uns heute geborenen Menschen so ans Herz, daß uns zu Mute ist, es sei für uns geschrieben und wir erst hätten seinen wahren Sinn erfaßt und seine ganze. Kraft verspürt! 5 Mit diesem Lob der Bibel werden nun die meisten ohne weiteres einverstanden sein. Natürlich. wer wird auch nicht die Bibel loben! Aber damit ist es nicht getan, sondern es kommt alles darauf an, daß wir leben, wie wir loben, und aus dem Bisherigen die praktischen Folgerungen ziehen. Was dazu gehört und „Aber ich will und kann Sybille nicht aufgeben! Es ist rein zum Verzweifeln!“ So war er in der Schwebe, kam nicht zur Ruhe, wurde immmer wieder hin- und hergeworfen. Als er das Dorf Köppern erreicht hatte, merkte er, wie hungrig er war. Er kehrte in ein Gasthaus ein und nahm einen bescheidenen Imbiß zu sich. Dann ging er wieder heim— wärts. Es war ein heißer Augusttag, die Sonne stand hoch am Himmel. Der Wind schlief irgendwo im Walde. Nach einer Weile verließ Hans die Landstraße und ging über die Stoppelfelder zwischen den aufgestellten Harbenhaufen aus die„Burg“ zu. Dort legte er sich in das Gras „Ich gehe nicht eher nach Hause, als dis ich einen festen Entschluß gefaßt habe!“ Eine Weile folgten seine Blicke noch dem Flug der Schwal— ben, die hoch über ihm dahinschossen. Dann horchte er auf den Summton der unzähligen Mücken, die droben in der Sonne spielten. Auf müden Füßen gingen seine Gedanken. Die Augen fielen ihm zu, er schlief fest ein. Als er wieder erwachte, stand die Sonne nicht mehr über seinen Häuptern, sondern war schon eine beträchtliche Strecke nach Westen gewandert. Hans sprang auf die Füße und schaute hinunter zu den Taunusbergen, deren dunkelgrüne Pracht im Sonnenglanz da— lag. Wiederum sprach er zu sich:„Ich gehe nicht eher bis ich weiß, was ich zu tun habe.“ Als er sich umwandte, sah er unfern von sich einen Mann stehen, der unablässig nach Südwesten starrte, indem er mit der rechten Hand seine Augen beschattete. Er war mittlerer Größe, dabei fein gebaut, das Gesicht bartlos. Er trug einen langen braunen Rock, einen dreifach aufgeschlagenen Hut, kurze Bein- kleider, feine Strümpfe. Die ganze Kleidung des Mannes machte einen gewählten Eindruck. Ein Bauer aus der Nachbarschaft war der Mann sicher nicht. Die Aufmerksamkeit Hans Heegers wurde gefesselt; er begann, das Alter des Mannes abzuschätzen, er mochte ihm selbst an Jahren gleich sein. Jetzt drehte sich der Fremde um und sagte mit liebens⸗ würdigem Lächeln:„Nun, mein Herr, habt ihr ausgeschlafen?“ Bei dem eigentümlichen Tonfall der Worte ging es wie ein Nuck durch Hans Heeger:„Ei, das ist ja ein Franzose.“ In heißer Erregung stand alles vor ihm, was er durch diese Nation gelitten,— die Schwester und die Heimat verloren! Es war gar nichts von Freundlichkeit in seinem als er die Frage des Fremden durch Nicken bejahte. „Wie kommt dieser Franzose in diese Gegend?— Gesicht, Ah, er . worauf dabei zu achten ist, darüber mögen noch einige kurze Ratschläge und Winke folgen, die will's Gott auf einen guten Boden fallen. Es dürfte sich empfehlen, unsere Zeitungen zu prü⸗ fen, ob sie dem reinen und versöhnlichen Geist der Bibel nicht zuwiderlaufen. Denn das versteht sich am Rand: Schmutz⸗ und Hetzblätter, die sind im Reiche Gottes ver⸗ pönt. Wider solche kennt das Evangelium nur ein Ver⸗ fahren: reiß sie in Fetzen und wirf sie— lieber nicht von dir, es könnte sie sonst ein anderer auflesen— son⸗ dern gerade ins Feuer! Das wäre ein rechtes, Gott wohlgefälliges Abelsopfer, dessen Rauch in gerader Säule gen Himmel steigt. Wer zur Erkenntnis gekommen ist, daß er auf sein Blättchen versessen ist und daß es ihm den Geschmack an der Bibel verdorben hat, der entschließe sich zu einer regelrechten Hungerkur! Nur ruhig einmal die Zeitung für einige Wochen nicht angerührt Wer's durchführt, wird sehen, daß das weder seiner Verdauung, noch seinem Geschäfte zum Schaden gereicht, dem inwendigen Menschen dagegen bekommt solch ein freiwilliges Fasten ausgezeichnet. Für alle, die neben der Bibel auch die Zeitung lesen, soll das die Regel sein, daß wir wirklich die Zei⸗ tung neben der Bibel lesen und nicht die Bibel neben der Zeitung. Die Bibel das erste, die Zeitung— nicht einmal das zweite, sondern da hat noch jedes gediegene Buch den Vorzug und die Zeitung versparen wir auf die Zeit, für die es am wenigsten schad ist.— Wo's nötig ist, da wollen wir auch in dem Stück das richtige Verhältnis wieder herstellen, daß wir fortan die Bibel so andächtig lesen wie bisher die Zeitung und die Zei— tung so oberflächlich wie bisher vielleicht die Bibel. Ein vierter Ratschlag lautet: Auch die religiösen Blätter sind kein Ersatz für die Bibel! Diese ist die Quelle, jene bieten Brunnenwasser. Wer über den Erbauungsblättern die Bibel vernachlässigt, dessen in⸗ wendiger Mensch stirbt zwar nicht ab, aber er kann sich nicht recht entfalten, er wird engbrüstig, kurzsichtig schwerfällig. Der letzte Ratschlag wendet sich an alle; er steht Jakobus Kap. 1 und heißt:„Seid aber Täter des Wor⸗ tes und nicht Hörer(oder Leser) allein, womit ihr euch selbst betrüget und den andern die Bibel verleidet!“ Wie Luther sagt, ist die Bibel nicht nur ein Lesebuch. sondern ein Lebebuch; Lesen und Leben müssen bei— einander sein wie das Licht und der Schatten, wie der Baum und die Frucht. Nur in dem Maße, als wir nach der Bibel leben, wird uns das Lesen in der Bibel aus einer Last zu einer Lust. Dies unser Rat. Nun fragt es sich: sind alle wil⸗ lens, ihn zu befolgen? Oder denken vielleicht etliche der Leser: was da steht, ist alles recht und gut, aber darum machen wir doch, was wir wollen und im Punkte des Zeitungslesens bleibt es für uns beim Alten! Wer so denkt, dem haben wir weiter nichts zu sagen, er tut es auf seine eigene Rechnung und Gefahr. Nur eine Frage möge er sich noch vorlegen lassen! Wenn es mit dir zum Sterben geht und die ersten Strahlen der Ewig⸗ keit auf dein Leben fallen, wirst du dann die Zeitung und die Bibel auch noch so ansehen und einschätzen? Wird es dich dann freuen, daß du zeitlebens die Zeitung zu deines Fußes Leuchte gemacht hast; wenn du dann noch einmal anfangen könntest, würdest du wirklich noch einmal dieselbe Rangordnung und Reihenfolge treffen, stammt wohl aus einem der welschen Dörfer. Dann hat er auch die Heimat verloren wie ich.“ Und durch den Gedanken, einen Leidensgefährten vor sich zu haben, milder gestimmt, sagte er:„Ihr schaut wohl nach dem alten Vaterlande aus?“ Der Franzose erwiderte schwermütig:„Man vergißt so schwer die Stätte, wo man als Kind zu den Füßen von Vater und Mutter gespielt hat.“ „Mein Heimatdorf liegt auch drüben im Westen, der Krieg mich in die Fremde getrieben,“ sagte Hans Heeger. „In die Fremde?— Es ist doch euer Vaterland, und ihr seid unter euren Landsleuten hier, wir aber sind Fremdlinge in diesem Land, es ist uns ein Asyl, eine Zuflucht. Unsern Kindern, vielleicht erst unsern Enkelkindern, wird es einmal eine Heimat werden. Wisset, daß meine Landsleute zuerst in armseligen Hütten wohnten und nicht Häuser bauen wollten, weil sie immer noch auf Heimkehr hofften.“ „Ihr seid wohl mit euren Eltern nach Friedrichsdorf ge— kommen? fragte Hans Hesger. „Ach nein,“ erwid eee der junge Franzose, und fuhr sich mit der Hand über die Augen„meine Mutter liegt in Frankreich begraben, mein Vater aber, ob er dort noch lebt oder verscharrt worden ist,— das weiß ich nicht.“ „Ihr scheint ein schweres Leben hinter euch zu haben; wenn es euch nicht allzu sehr angreift, so bitte ich euch, mir etwas da⸗ von mitzuteilen; es ist nicht Neugier, sondern herzliche Teil— nahme, die mir diesen Wunsch eingibt.“ „Wollen wir uns nicht ein wenig setzen“, sprach der Fran⸗ zose,„es erzählt sich dann besser, und es hört sich besser zu, auch ist meine Geschichte nicht kurz.“ Sie nahmen an einem Hang Platz, von wo aus die ganze Gegend zu überschauen war. Sonntagsstille und Abendfriede war über der weiten Flur und der waldigen Höhe, über den nahen und fernen Dörfern. „Ihr wiß wohl, daß man die Hugenotten in Frankreich,— das waren die, die sich von der Papstkirche getrennt, und dem Evangelium zugeschworen hatten, lange Jahre grausam ver⸗ folgt hat. Dann aber kam ein König auf den Thron, Heinrich der Vierte. Der war selbst Hugenotte gewesen, dann aber katholisch geworden, um die Krone von Frankreich zu bekom⸗ men. Er hätte es nicht tun sollen, es wäre besser für ihn und uns gewesen.“ Hans Heeger richtete sich unwillkürlich straffer auf, als er den Namen des Königs hörte, mit dem er sich vor etlichen Stun⸗ den hatte trösten wollen. „Seltsame Fügung!“ sprach er zu sich selbst. hat (Forts. folgt.) * Sonnabend, den 17. Juli 1926. zuerst die Zeitung. für sie die beste Zeit und die größte Andacht und für die Bibel nur ein paar verlorene, müßige Augenblicke, die man sonst mit nichts Besserem ausfüllen kann? O, habe acht auf dich selbst und irre dich nicht! Das Gotteswort, mit dem wir jetzt noch nach unserem Belieben verfahren können, das wird einst unser aller Richter sein! Während die Zeitung dem⸗ jenigen, der ganz in ihr aufgeht, ein Geruch des Todes zum Tode wird, so die Bibel ein Geruch des Lebens zum Leben. Sie spendet Himmelslicht und atmet Himmels⸗ luft; sie ist der Wegweiser zum Himmel hin und wird allen, die ihrem Weisen folgen, zur Eintrittskarte in den Himmel hinein. Darum bitten und geloben wir mit Paul Gerhardt: Dein Wort sei meine Speise, Bis ich gen Himmel reise! (Sonntagsgruß für die Ev. Gemeinde Fechenheim.) Der alte Pfennig. Da liegt er vor mir auf dem Schreibtisch, mitten in den Strahlen der guten Mutter Sonne, die ihn freund— lich bescheint. Mein lieber alter Pfennig, wie gemüt⸗ lich und behäbig schaust du immer noch aus, obwohl mehr als 50 Jahre über dich dahin gegangen sind. Et⸗ was abgetragen und verschliessen zwar ist dein braunes Mäntelein, aber kraftvoll leuchtet die große Eins aus deinem runden Vollmondsgesicht heraus, mit dem du mir gar freundlich zulächelst. Wir sind alte Freunde ge— worden. Achtlos gingen die Menschen an dir vorüber, ließen dich im Erdenstaube liegen, traten dir gar wohl voll Verachtung auf deinen armen Kopf, der in länger als ein halbes Jahrhundert soviel erlebt hat. Ich hob dich auf und brachte dich, in der Westentasche wohlig geborgen, in meine stille Arbeitsklause. Was kannst du mir nicht alles erzählen, was hast du alles erlebt, seit du frisch kupferrot-glänzend einst aus der Münze der Hauptstadt eines großen, starken, einigen Reiches kamst, das hoch dastand im Rate der Völker. Das war schon im Jahre des Heils 1875. Zum Zeichen dessen trägst du noch stolz des alten Reiches Adler auf deinem müden Rücken. Damals arbeiteten und sparten die Menschen, und du standest in ihrer Achtung. Heute ist das alles vorbei. Wer denkt denn noch groß an einen Wer kümmert sich Pfennig, einen armseligen Pfennig! ein darum, wenn kleiner, der Rentenmark aus dem Chaos neu zusammengefügt arbeitete und sparte, aber auch etwas vor sich brachte. versehentlich in den Straßenschmutz rollt. Es ist ja nur 1 Pfennig!„Wat koof ick mir davor“! sagt der stolze Spreeathener. Und doch ruht das ganze stolze Gebäude unserer Währung, die wir durch das Wunder haben, auf dir, du kleiner Pfennig. Eins der größten Völker der Erde, eine gar stolze Nation, das Reich des heute allmächtigen Dollars, trägt im Wappen den Spruch:„e pluribus unum!“(Aus vielem wird ein Großes.) Das sollte sich jeder sagen, der einen Pfennig findet.„Wet den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert“, sagt ein altes, gutes Wort, und es ist be⸗ zeichnend, daß es gerade ein deutsches Sprichwort ist. Einst galt diese Losung in deutschen Landen, als man Heute, da wir bettelarm geworden, da so mancher keinen Pfennig mehr sein eigen nennt, der einst einen Reich⸗ tum an Talern besaß, heute will man vom lieben, alten Pfennig nichts mehr wissen, tritt ihn voller Verach⸗ tung beiseite, wenn er auf der Straße liegt. Ehre den Pfennig, deutsches Volk, lerne. wieder Achtung haben auch vor dem Geringsten, dann wirst du wieder hoch⸗ kommen und einst groß dastehen, wie es vor langer Zeit einmal war! B. 5* Dritter evangelischer Frauentag Deutschlands. In der Hauptstadt Hessens, dem kunstsinnigen Darmstadt, tagte vom 29. Mai bis 1. Juni die Vereinigung evangelischer Frauenverbände Deutschlands. In den 23 Verbänden mit ihren 2 Millionen Mitgliedern sind sowohl die beruflich tätigen Frauen als auch die Hausfrauen und Mütter vertreten. Deutsch⸗ evangelisches Frauentum in all seinen verschiedenen Ausprägun⸗ gen findet hier seine starke Zusammenfassung zu einheitlichem Willen. Von 11 ausßerdeutschen Staaten waren Vertreterinnen des Auslandsdeutschtums anwesend.„Es gilt nicht, unser Recht geltend zu machen, sondern unsere Verantwortung zu fühlen.“ Dieser Leitgedanke klang durch alle Ausführungen und Ver— sammlungen. Diese Frauen, die hier tatkräftig geleitet, klug geredet und ernst beraten, wissen, was sie wollen: Eine neue Auffassung von Frauentum, die die Frau in ihrem Eigenwesen und ihrer Sonderaufgabe wertet und dieser auch in der Gesetz— gebung Ausdruck gibt. Nicht eine Gleichstellung mit dem Mann in Oeffentlichkeit und Arbeit gilt es, sondern die Erkenntnis daß Frauentum die notwendige andere Hälfte aller Kultur schaf— fen muß. Daß diese gefehlt, ist unsere große öffentliche Not, daß sie geschaffen wird, unsere ganz große Veranwortung. So klang es durch die tiefen Vorträge der beiden Vorsitzenden, Oberin von Tiling-Berlin und Reichstagsabgeordnete Müller⸗ Otfried⸗Hannover. Aber auch durch die große Zahl der glänzen⸗ den Rednerinnen aus allen Gauen Deutschlands und aus den Aussprachen. Ein neues Arbeitsprogramm wurde aufgestellt, und zur Wohnungsnot, Alkoholfrage, Schutz gegen Schmutz und Schund, Prostitution. Erziehungsfrage und Schule, Jugendbe⸗ wegung u. a. klare Richtlinien, nicht zuletzt für die Gesetzgebung gefunden. Keine frommen Gesten, aber tiefer sittlicher Ernst und religiöse Weihe waren überall spürbar.— Evangelisches Frauentum ist im öffentlichen Leben eine Stimme geworden, die nicht mehr überhört werden kann.— Eine gemeinsame Fahrt nach der Lutherstadt Worms gab der Tagung ihren weihe— vollen Ausklang. 8 Aus unserer Bewegung. Höchst a. M.⸗Sindlingen. Daß auch in unserem Vorort von Höchst sich der Gedanke, eine Ortsgruppe der Eva elischen Volksgemeinschaft zu gründen, recht wohl zur Tat umzusetzen vermochte, zeigte die am 19. Juni hier tagende Gründungsver⸗ sammlung. Nicht von außen kam die Anregung, sondern aus der Mitte vieler Gemeindeglieder der evangelischen Gemeinde Sindlingen. Dieser Anregung folgend wurde Herr Pfarrer Weidner gebeten, uns in der Versammlung mit Zweck und Ziel der Eevangelischen Volksgemeinschaft bekannt zu machen, Daß dabei für etliche vielleicht nicht ganz überzeugte Christen auch die Notwendigkeit eines engeren, zielbewußten Zusammen⸗ schlusses überzeugend dargetan wurde, ergab der Meinungsaus⸗ tausch nach dem Vortrage des Redners. Gar mancher erfuhr da erst einmal, in welcher Weise sich auch in den rein evangeli⸗ schen Gegenden der Jesuitenorden und andere katholische Organisationen einnisten, nur zu dem Zwecke der katholischen Propaganda. Es ist tief bedauerlich, daß keine Zeitung die Evangelischen darüber aufklärt, in welcher Weise die evange— lischen Belange, die Rechte der Mehrheit des Volkes beiseite geschoben und ignoriert werden. Wir danken Herrn Pfarrer Weidner, daß er zu uns gekommen. Wir sind der felsenfesten Ueberzeugung, daß wir in der Evangelischen Volksgemeinschaft, auf dem rechten Wege sind. Fast dreißig Mitglieder zählt unsere Ortsgruppe, und sie wird wachsen, dessen sind wir sicher. Möchten sich allerorts unsere Glaubensgenossen darauf besinnen, daß sie evangelisch sind, und daß es in unserer Zeit kämpfen heißt gegen den gefährlichen Feind— den Ultramontonismus. solch brauner Geselle 8 2 2 8 Feind Art A Tal den Bchrhdten alt — nahme zu empfehlen: 1. Der Reichsverband Christlich⸗sozialer Gesinnun gsgemeinschaften und die Evangelische Volksgemein⸗ schaft schließen eine Arbeitsgemeinschaft. 2. Die Selbständigkeit jeder Gruppe wird gewahrt; bei Wahlen ist möglichstes Zusammengehen zu ver⸗ suchen. 3. Die Gruppen können Artikel ihrer Organe ohne Quellenangabe abdrucken. Es unterliegt keinem Zweifel, daß diese Verein barungen von den Landesverbänden einmütig gebil⸗ ligt werden. bichluß der Arbeilsgemeinsth der Ehristl. jozialen Gejinnungsgemeinschaft und der Evang. Volksgemeinschaft. In Kassel fanden vor einiger Zeit im Kasseler Vereinshaus Verhandlungen zwischen Vertretern der Christlich⸗sozialen Gesinnungsgemeinschaften(Vorsitzen der D. Jäger⸗Bethel) und der Evangelischen Volks⸗ gemeinschaft(vertreten durch Reichsgeschäftsführer Weidner) betreffs einer Arbeitsgemeinschaft statt. Nach einer eingehenden Aussprache wurde beschlossen, nachstehende Punkte den Landesverbänden zur An⸗ afl Wir bitten um örtliche Nachrichten für die Warte. Diese Berichte sind direkt an den Verlag der„Ev. Warte“(Gießen, Südanlage 21) bis spätestens Donnerstag Morgen einzusenden. Hamburger. U aller Art liefert die Verlagsdruckerei e N 1 Albin Rlein, Giesen 5 2 8 Nalzen a dq a Nähr mehl Rranfe 1 ö Per Anzeigen sät, wird Bestellungen ernten! Ihr lieben Musler, emsige Frauen ich will eu etwas anvertrauen: Wohlseil und dennodi delikat Ist Oeter Pudding in def Jas Der Zuberellung Art und Kurze.— iss. mii fried d zierlidi anzurichit 5 Unter den zahlreichen Ane kennungen aus Hausfrauenkreisen befinden sich 25 oft reizende Verse. Der vorstehende ist eine Probe davon. Achten Sie bitte beim Einkauf auf meine Originalpackungen mit der Schutz- marke„Oefker's Hellkonf.— Verlangen Sie in den eiaschl. Geschäftes 1 die neuen farbig illustr. Rezeptbücher, Ausgabe F für 15 Pfennig, wenn nicht zu haben, gegen Ein- 4— Llcdang ven Ilätken den: Dr. A. Oetker, Bielefel —. Bienenhonig digene Ernte, kein Auslandshonig Bremen!) 9 Pfd.⸗Dose fr. 15.— Mark(Nachnahmeß. Felt-Näse Holst. Tilsiter, speckig und schnittig. 9 Psd. Garantiert reiner Broden 5,50 Mk. 9 Psd. 9 Pld. 20% dänischer Edamerkäse 7,95 Mk. Bismarck, Rollmops, od. Bratheringe à Post- dose 4,10 Mk. Nur la Ware liefere ab hier. Nachn. freibleib. Chr. Mehrens Pfarrer Jäger, Glauberg, Oberhessen. Dellkaless Bauern-Handkäse erstklass. hell peckige Naturware, kein übliches Nortorf Gols Massenprodukt empfiehlt in 36er Packung zu f neu, eigenes Mk. 3.50 franto Nachnahme. Pianos abrteat Mmolk. H. Keßler, Wahlen, Hess, Odw. an W. ü uxum 5 Jeppelin⸗Eckener⸗Spende s Weil sonst bas Erbe zeppelins dem deutschen Volke für immer verloren geht. Willst ou das verhüten, dann zahle beinen Beitrag dem Drtsausschuß. Wo ein folcher nicht vorhan en ist, bei den öffentlichen Rassen, Banken ober auf Postscheck⸗Ronto Stuttgart 5845 Keichssammelwoche vom 11. bis 18. Juli „Und garum sollen meine Worte mein Testament bedeuten, mit bem ich dem deulschen Volke vermache, was ich bis dahin schaffen burfte, auf baß es sich bie Segnungen herausholen möge, ole ihm darin noch schlummern.“ Graf Zeppelin Unt gewol städte paat viel Men mitte das ei hertli einme ubef Nacht Brill t ei weni unn d sollte denn 1 tut fi it nu Teiln 5. viele meist nen dem wenn schen säher die! Rede höre kenn vorh. in di was chena wenn gewes nüchs leit d felt, wille Sonn fen al des A dem bei der fi shaffe gehen — f N Es Jen W. enes e sieser aschein reicht Edesste Sinne fetebt ahren; lenigen ie 0 ehen! Au dne ledig bedach de Sabba Bett y