Evangelische n erf), ler agg n ret eglichte I eibarbe aulie 140, straße 0 kigentümer ist selbst als Hirte dabei. Die Viehzucht war in da⸗ haliger Zeit in Palästina ein Wirtschaftszweig für sich, nicht bar. Es ist klar, daß ein Besitzer solch großer Herden nicht allein baren die Mietlinge. Organ der Evange Erscheint zunächst wöchentlich am Samstag. Bezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus. Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. Schriftleitung: Edwin Hamburger in Staden(Oberh.) 2. Jahrgang. Die Wirtschaftskrise geht mit unverminderter Hef— tigkeit weiter. Sie hätte eigentlich bereits nach der Stabilisierung der Mark ausbrechen müssen, ist aber immer wieder durch Geldvermehrung und Krediterwei— terungen vertagt worden. Unser Produktions- und Handelsapparat ist noch immer außerordentlich über— setzt. Ende 1909 hatten wir in Deutschland 5222 tätige Aktiengesellschaften und 16 508 tätige Gesell⸗ schaften mit beschränkter Haftung. Am Schluß des Jah⸗ tes 1924 dagegen wurden im stark verkleinerten Reichs⸗ gebiet 17074 Aktiengesellschaften und 79 257 Gesell⸗ schaften mit beschränkter Haftung(nach dem Statisti⸗ schen Jahrbuch) gezählt. Im Berliner Handelsregister waren 1913 insgesamt 31600 Handelsfirmen einge⸗ tragen, 1924 dagegen aber über 60 000. Es steht also fest, daß die meisten Wirtschaftszweige mit Betrieben weit übersetzt sind. Besonders hat die wirtschaftliche Scheinblüte der verhängnisvollen Zeit des Währungs⸗ verfalls außerordentlich viele verlockt, ihr Glück als selbständige Wirtschaftler und Kaufleute zu versuchen. Die Zeit der„Flucht in die Sachwerte“ hat dazu ge⸗ führt, daß in vielen Industriebetrieben die überschüssi⸗ gen flüssigen Mittel zu Erweiterungsbauten in enor⸗ mem Umfange verbraucht wurden. Daneben hat die Zahl der Kartelle außerordentlich stark zugenommen. Wir hatten im Jahre 1913 noch keine 600 Kartelle. Für das Jahr 1925 sind dagegen vom Reichswirtschafts⸗ ministerium ca. 2500 Industriekartelle, 400 Groß⸗ handelskartelle und 180 Einzelhandelskartelle festge⸗ stellt worden. Diese Kartelle, die manches Gute wir⸗ ken, üben aber vielfach auf der anderen Seite eine Bindung des Wirtschaftslebens aus, die man nicht mit Unrecht die private Zwangswirtschaft genannt hat. Diese Produkions⸗ und Handelskartelle setzen vielfach die Preise von oben herunter bis zum letzten Händler fest und kalkulieren diese Preise meistens auf den rück⸗ ständigsten Betrieben. Die Kartelle, die keine Preis⸗ bindungen vornehmen, regulieren aber in ihrer Mono⸗ polstellung die Lieferungs⸗ und Zahlungsbedingungen oft in einer Weise, die schikanös und mitunter unerträg⸗ lich erscheint. Die Kartelle tragen dazu bei, die Stabi⸗ lisierungs⸗ und Reinigungskrise zu verlangsamen. Daran helfen auch kräftig mit die Kartelle der Hand⸗ werke, die Innungen. Diese schreiben Richtpreise für Lieferungen und Arbeiten vor, die von den Bestellern Lieferungen und Arbeiten vor, die von den Bestellern, dor allen Dingen auch von der Landwirtschaft, oft als unerhört bezeichnet werden müssen. Aus allen diesen Tatsachen heraus kommt es denn auch, daß die Großhandelsindexziffer für Industriestoffe fast gar nicht Lage und zukunptsanssichten Abonnements⸗ u. Anzeigen⸗Annahmestelle, Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher 1362. Postscheckkonto 8437 Frankfurt⸗M. Sonnabend, den 17. April 1926. Von Fr. Baltrusch. nachgibt, während die Preise für die agrarischen Pro— dukte teilweise so gesunken sind, daß die Produktions- kosten nicht mehr gedeckt werden. Die aminöse„Preis⸗ schere“, von der man seit langem spricht, d. h. das Miß⸗ verhältnis der landwirtschaftlichen Erzeugerpreise zu den Preisen für Betriebsmittel, zeigt sich leider noch immer mit voller Deutlichkeit. Die Konkursziffern sind mittlerweile über die regulären Konkursziffern der Friedenszeit hinausgegangen. In den letzten 11 Jahren während und nach dem Kriege, hatten wir eine außer— ordentlich niedrige Zahl von Konkursen, nämlich im Durchschnitt im Monat nur 223 im ganzen Reichsgebiet. Dagegen hatten wir in der Friedenszeit im Hochkon⸗ junkturjahr 1913 immerhin durchschnittlich 815 Kon- kurse im Monat. Im verflossenen Jahre 1925 war die Ziffer erheblich gestiegen. Wir hatten in den ersten 11 Monaten durchschnittlich 866 Konkurse im Monat. Dazu kommt noch die nicht kleine Zahl der sogenannten Geschäftsaufsichten. Dem standen bezeichnenderweise trotz der Schwere der Zeit eine Anzahl Neugründungen gegenüber, und zwar im Oktober z. B. 1870 und im November des vergangenen Jahres 1519. Die Arbeits⸗ losigkeit, das ist das Schlimmste bei der jetzigen Krisen⸗ erscheinung, steigerte sich plötzlich und stark. Während wir im August des verflossenen Jahres im Reichsgebiet nur ca. 168 000 Arbeitslose hatten, stieg die Zahl der⸗ selben im Januar d. J. auf über 1½ Millionen, und die Zahl der Kurzarbeiter ist sicherlich keine kleinere. Allerdings, wir vergessen schnell. Auch in Friedens⸗ jahren mit bester Konjunktur hatten wir im Winter, wenn die Saisonbetriebe und die sogenannten Außen- berufe, ihre Arbeitskräfte abstießen, immerhin bis zu einer halben Million Arbeitslose, dabei standen in Friedenszeiten im deutschen Heer 831000 junge Leute, die den Arbeitsmarkt entlasteten. Heute haben wir keine 100 000 Soldaten. Hinzu kommt dann noch bei der Betrachtung dieser Dinge die gestiegene Zahl der Erwerbstätigen überhaupt. Die kolossale Kapitalver⸗ nichtung im Kriege und die ungeheure Vermögensver⸗ schiebung in der Inflationszeit haben veranlaßt, daß mindestens 2—3 Millionen Volksgenossen, die früher einmal etwas hatten, jetzt wieder den Arbeitsmarkt be⸗ völkern müssen. Wenn man die Arbeitslosenziffer ver— gleichbarer Industrieländer bei der Beurteilung heran- zieht, dann findet man, daß z. B. England lange Jahre nach dem Kriege 1½ Millionen und jetzt auch noch über 1 Million Arbeitslose zu unterstützen hat. Aber immer⸗ hin, das ist ein schlechter Trost, wir müssen allen Ernstes den Ursachen der Krise nachgehen. der deulschen Wirischaft. Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg., am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Wiederholungen Vergünstigung. Bei Die Ursachen der Krise sind in erster Linie die noch viel zu hohen Waxenpreise und Frachten und die dadurch zunehmende Absatzstockung, die Kreditnot und die Schwächung der inneren Kaufkraft infolge zu niedriger Löhne und Gehälter und Kaufunfähigkeit der danieder⸗ liegenden Landwirtschaft. Auch der noch viel zu geringe Welthandel Deutschlands ist eine Ursache mit. Immer⸗ hin, der graue Pessimismus braucht einen nicht gleich zu packen. Vielfach wird bereits vom„Absterben der deutschen Wirtschaft“ gesprochen. Davon kann aber ernstlich keine Rede sein. Gewiß bringt die Subventio⸗ nierung der englischen Kohle und damit ihre Verbil⸗ ligung der deutschen Kohle im eigenen Lande eine schwer Konkurrenz. Und das„Loch im Westen“ ist durch den inflationierten französischen Francs leider besonders gegen unsere Eisen- und Stahlindustrie wieder offen. And die Belegung der deutschen Waren seitens England und Amerika und auch durch andere Länder mit hohen Zöllen oder gar mit Einfuhrverboten ist auf die Dauer unerträglich. Es muß der Verhandlungskunst der deut⸗ schen Anterhändler gelingen, die Zoll- und Einfuhrver⸗ botsschranken des Auslandes niederzulegen. Die Außenhandelsziffern zeigen denn ouch schon, besonders in den letzten Monaten, eine erfreuliche Auf— wärtsbewegung. Unsere Handelsbilanz war zum exsten Male seit längerer Zeit im Dezember aktiv. Wenn man allerdings die Wertbilanz für das verflossene Jahr hinsichtlich der Ein- und Ausfuhr zieht, so überwiegt die Einfuhr um ca. 4,3 Milliarden. Und wenn man die reine Wareneinfuhr einsetzt, überwiegt auch diese mit fast 4 Millarden Mark die deutsche Ausfuhr gegenüber dem Jahre 1924. Die Außenhandelsentwickelung der letzten Monate bietet auch keinen Grund zu ernsteren Befürchtungen, denn wir haben für die Wirtschaft geborgten ausländischen Kapitalien ganz naturgemäß erhebliche Mengen an Rohstoffen eingeführt, die, wenn sie wieder verarbeitet sind, für die deutsche Volkswirt⸗ schaft sehr gewinnbringend sind. Natürlich ist auf der anderen Seite absolut kein Grund zu einem übertriebe⸗ nen Optimismus vorhanden. Der Schlüssel zun deut⸗ schen Außenhandelslage liegt bei den Vereinigten Staa⸗ ten von Nordamerika. Die Vereinigten Staaten führ⸗ ten z. B. nach Deutschland bis zum 30. Juni 1925 für rund 464 Millionen Dollar an Waren ein. Dagegen betrug die Einfuhr aus Deutschland in derselben Zeit nur rund 144 Millionen Dollar. Gelingt es nicht, mit diesem Lande zu ausgeglichenen Handelsbeziehungen zu kommen, so besteht in absehbarer Zeit kaum die Mög⸗ lichkeit der dauernden Aktivierung der deutschen Ge⸗ samtbilanz. c— 5 N 72 hirt und Mielling. Johannes 10,12. Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässet sein Leben für die Schafe. Der Miet⸗ ling aber, der nicht Hirte ist, des die Schafe nicht eigen sind, siehet den Wolf kommen, und verlässet die Schafe und fliehet; und der Wolf erhaschet und zerstreuet die Schafe. Wenn der Zweifel an der Geschichtlichkeit Jesu nicht heute überwunden wäre, dann müßten doch die Gleichnisse Jesu jedem, guch dem Nichttheologen, die Augen öffnen, daß da eine geschicht⸗ liche Persönlichkeit der Urheber ist. Denn diese Gleichnisse sind sp lebendig und ungesucht aus den Verhältnissen und dem Leben des damaligen Palästina genommen, daß man immer den Ein⸗ bruck beim Lesen hat, man ginge durch eine galiläische Landschaft. desus geht über eine ausgedehnte Weidefläche. Sie begegnen einer großen Herde Vieh. Dort weiden die Rinder, an anderer Stelle die Schafe. Wem mochten diese Herden gehören? Der pie bei uns ein Anhängsel der Landwirtschaft. Der Hirte lebte don seiner Herde. Das Weideland war frei. Ueberall, wo Platz bar, da zog der Hirte hin und blieb so lange, bis abgeweidet die Hut übernehmen konnte. Da brauchte er noch eine Anzahl Knechte, die für Geld ihm bei seinem Berufe halfen. Das Im Vorbeigehen beobachtet Jesu den Interschied zwischen dem Hirten und den Mietlingen. Der Hirte ge ganz bei der Sache, der Mietling steht dabei, als ging ihn illes nicht viel an. Wenn nun, was damals in Palästina häufig Untrat, ein Wolf käme und sich an die Herde schleichen würde? Lo fragt sich Jesus. Da würde der Mietling laufen, der Hirte iber würde seine Herde verteidigen, auch wenn die Gefahr noch groß wäre. N Davon nimmt nun Jesus einen Vergleich mit sich selbst. Er gleicht dem Hirten, dem die Schafe gehören. Er gibt sich ganz für seine Sache hin. Er opfert sich auf für seine Aufgabe. Er achtet nicht wie der Mietling, dem der Verdienst die Hauptsache ist, auf einen Lohn. Er gibt sogar das Leben für die ihm an⸗ vertrauten Menschen. Warum konnte wohl Jesus ein solch guter Hirte sein? Er fühlte sich keinem Menschen verantwortlich, son⸗ dern nur seinem Vater im Himmel. Dieser hatte ihm die Menschen gegeben, die an ihn glaubten. Für diese war er da, für diese hatte er zu wirken, für sie hatte er zu leiden und zu sterben. Und nun, lieber Leser, wollen wir einen Blick werfen in das heutige Leben hinein. Wie haben wir doch heute die Hirten so nötig, und wieviele Mietlinge sehen wir. Das fängt schon im Kleinen an. Schon das Dienstmädchen im Hause kann Hirte und und Mietling sein. Die eine hat von zu Hause von der klugen Mutter gesagt bekommen:„Tue so, als ob du alle deine Arbeiten für dich machen würdest, dann bist du später an Sorgfalt und Ordnung gewöhnt. Wie du es bei deiner Herrschaft lernst, so machst du es dann dein Leben lang.“ Dann sieht man es dem Mädchen sogleich an; sie will Hirte sein, kein Mietling. Aber ein anderes bekommt von zu Hause gesagt:„Iß tüchtig! Das ist die Hauptsache. Schaffe nur nicht zu viel!“ Das gibt dann die rechten Mietlinge, die ihr Leben nichts tauchen und zu denen man nicht gerne kommt, weil man fürchten muß, vor Schmutz umzukommen. Oder schau einmal in eine Handwerkerwerkstatt hinein. Da gibt es Lehrjungen, die nicht nur das Handwerk erlernen, son⸗ dern ihrem Meister jede Hilfe zuteilwerden lassen. Aber wieder andere Lehrjungen sagen frech, wenn der Meister ihnen außer⸗ halb der Werkstatt eine Arbeit geben will:„Das brauche ich nicht zu tun!“ Mietlinge! Wir schauen in Fabriken hinein. Da sind Arbeiter, die werden von dem Fabrikherrn gehalten, solange es nur geht. Auch selbst in Zeiten schlechter Konjunktur bleiben sie im Be⸗ triebe und werden nicht entlassen. Der Fabrikherr weiß genau, r daß er sich auf diese verlassen kann. Andere aber werden bei der nächsten Gelegenheit auf die Straße gesetzt. Warum wohl? Ob solche sich nicht einmal fragen sollten! Wenn du sie fragst, dann ist immer der Fabrikherr schuld. In Wirklichkeit aber sind sie selbst allein schuld daran. Sie sind Mietlinge. In den Bauernhäusern bestand ein alter Stolz darin, daß die Knechte und Mägde lange blieben. Obgleich in den alten Bauernhöfen eine gute Zucht und Ordnung gehalten wurde, so fügte man sich und hielt die Treue. Es ist mir immer, wie ein Lied aus alter Zeit, wenn ich die Auszeichnungen der Landwirt⸗ schaftskammern lese für 25, 30 oder 40 Jahre treue Dienste in einem Bauernhofe. Das waren noch gute Hirten, auf die man sich verlassen konnte. Heute gibt es Mietlinge die Menge, die kaum noch ein Jahr ganz einhalten bei ihrer Herrschaft. Aus dem Kleinen wollen wir aber jetzt auf das Große schauen. Wir wollen an unser Volk denken. Wo benötigen wir heute gute Hirten? Wie wäre es, wenn wir da zuerst einmal an unsere Parlamentarier dächten? Ist nicht für viele, ja vielleicht für die Meisten, die Vertretung ihrer Volksgenossen ein Miet⸗ lingsgeschäft? Suchen nicht sogar viele nach dieser Stellung, um Gelegenheit zu haben, sich wirtschaftlichen Einfluß und Vorteil zu verschaffen? Denken wir an die hohen Tagegelder! Ueberall soll heute gespart werden. Warum fängt man nicht endlich bei dem guten Vorbild derer an, die ja über Sparen und Abbau zu entscheiden haben? Mietlinge! Wie wohl wäre uns, wenn wir gute Hirten hätten! Wohl dürfen wir auch etwas an unsere Regierungen denken. Das Wohl und Wehe des ganzen Volkes ist ihnen anvertraut. Nicht nur für die Besitzenden, sondern auch für die Nichtbesitzen— den muß da gesorgt werden. Gute Hirten bedürfen wir. Wir werden sie bekommen, wenn man nicht mehr den Materialismus Alleinherrscher sein läßt, sondern das an Jesus geschärfte Ge⸗ wissen. Wir werden sie bekommen, wenn man sich nicht mehr den Geldquellen, sondern seinem Herrgott gegenüber verant⸗ wortlich weiß! Amen. Hr. * 9 — — — — Sonnabend, den 17. April 1926. „Evangelische Warte“ Die Bekämpfung der jetzigen Krise muß in der Hauptsache durch 4 starke Mittel erfolgen. Die Ratio⸗ nalisierung der Betriebe, die erfreulicherweise bereits im Gange ist, muß durch eine gesunde Reichsbank und Kreditbankpolitik unterstützt werden. Dabei darf das Bestreben zur Behebung der Kreditnot nicht dazu füh⸗ ren, die Kapitalien der Reichsbank und der sonstigen Kreditbanken— besonders auch der öffentlichen In⸗ stitute in wirtschaftlich falsche Kanäle zu leiten. Wir müssen ferner, solange die Neubildung von eigenem Ka— pital nicht ausreicht, in vorsichtiger Weise Austands⸗ kredite weiter hereinnehmen. Nach der Berechnung ves Reichsbankpräsidenten ist erfreulicherweise der gesamte Umfang der Guthaben bei allen Banken, Sparkassen usw. von 10 Milliarden Reichsmark im Dezember 1924 auf c. 14 Milliarden Reichsmark im Oktober 1925 ge⸗ stiegen. Ein weiteres Mittel ist die Preissenkung für Industrieartikel, für Reparaturen und für Leistungen der Handwerksmeister. Auch die Senkung der Fracht⸗ und Transportkosten muß weiter im Auge behalten werden. Die Reichsregierung schien die eingeleiteten Preisabbaumaßnahmen zunächst ernstlich durchführen zu wollen. Sie hatte zu diesem Zweck sogar einen„Ge⸗ setzentwurf zur Förderung des Preisabbaues“ einge⸗ bracht. Die sogenannte Geschäftsaufsicht, mit der viel Unfug getrieben wurde und die eine Kriegsmaßnahme war, soll fallen und an ihre Stelle ein schnell wirkendes Vergleichsverfahren oder der Konkurs treten. Das Ge⸗ setz wendet sich auch gegen die Ringbildung und gegen Schwindelangebote bei Vergebung von Lieferungen oder Leistungen. Unter die bestehende Kartellverordnung soll auch das Kohlen- und Kalisyndikat in Zukunft fal⸗ len, und zwar dann, wenn diese Zwangssyndikate durch ihre Lieferungs- oder Preismaßnahmen das allgemeine Wohl verletzen. Ebenso wird auch dem Leistungswucher der Innungen zu Leibe gerückt. Gegen diese vernünf⸗ tigen, im Interesse der Gesamtwirtschaft liegenden Be⸗ stimmungen laufen die Nutznieser übersetzter Preise kräftig Sturm. Sie wollen keine freie Konkurrenz und auch keinen Preisabbau. Sie haben es schon so weit ge— trieben, daß sogar der Reichsbankpräsident auf einer Tagung des Reichsverbandes der Deutschen Industrie öffentlich gegen die unheilvolle Kartell- und Preis⸗ konventionspolitik Stellung nehmen mußte. (Schluß folgt.) „Neulrale“ Geschichtsbücher. Es könnte nichts schaden, wenn die Kreise, die es angeht, ein wenig ihr Augenmerk auf die Lehrbücher der Geschichte richten wollten, die mit dem Anspruch neutral zu sein, in der Gegenwart erscheinen. Sie sind z. T von eigentümlicher Beschaffenheit. Ein Musterbeispiel die⸗ ser Gattung ist das bei Moritz Diesterweg erscheinende Geschichtslehrbuch für höhere Schulen, herausgegeben von Albert Maier. Der Verlag betreibt für das Werk mit Prospekten, Prüfungsexemplaren, sogar durch reisende Agenten, eine ungewöhnlich starke Reklame. Das Buch verfolgt unter der Marke der Neutralität ganz unver⸗ kennbar einseitig katholische Tendenzen. Sechs Bearbei⸗ ter schreiben es. Von den 6 Herren sind nach Ausweis des Kunze⸗Kalenders, fünft katholisch, nämlich— auch die Wohnsitze der Herren sind hier nicht gleichgültig— die Herren! Dr. Hack und Dr. Maier in Köln, Dr. Kallen in Neuß, Dr. Brühl in Düsseldorf und Dr. Schirmeyer in Osnabrück. Als evangelisch ist im Kunze-Kalender bezeichnet Dr. Maurer in Frankfurt a. M., dem Sitz des Ver⸗ lages. Hack bearbeitet Mittelstufe Bd. 1(Altertum), Ober⸗ stufe Bd. J bis zu Ende der römischen Republik. Schir meyer bearbeitet Mittelstufe Bd. II(Mittel⸗ alter). Brühl bearbeitet Mittelstufe Bd. III(Neuzeit). Kallen bearbeitet Oberstufe Bd. Römische Kaiser⸗ geschichte bis Konstantin. Kallen bearbeitet zusammen mit Maurer Oberstufe Bd. I] Deutsche Geschichte bis 1648. Maier bearbeitet Oberstufe Bd. III Europäische Ge⸗ schichte 16481815. Mau rer bearbeitet Mittelstufe Bd. IV(19. Jahr⸗ hundert) und Oberstufe Bd. IV(19. Jahrh.) Im Handel zu haben sind bis jetzt nur Bd. J und Bd. IV für die Oberstufe. Sie lassen die katho⸗ lische Tendenz bereits so deutlich erkennen, daß man gespannt sein darf, auf die Behandlung des Mittel⸗ alters. Den einzelnen Abschnitten sind Literaturver⸗ zeichnisse vorangeschickt, in denen— scheinbar„paritä⸗ tisch“— protestantische und katholische Geschichtswerke in buntem Durcheinander zur Lektüre empfohlen wer⸗ den. Und das für Schüler! Unter dem Strich werden hier und da„historische“ Romane zur Lektüre empfoh—⸗ len, mit Vorliebe, für den Nichtkenner ganz unauffällig, katholische, so z. B. in Bd. IV S. g oder Bd. I S. 178. In Bd. 1(Oberstufe) widmet Kallen der Geschichte der christlichen Kirche bis zu Konstantin einen eigenen Hauptabschnitt von 10 Seiten des großen Buchformates. Und das ist im höchsten Grade bedenklich. Nicht als ob an sich solche Absätze nicht aufs wärmste zu begrüßen wären. Indessen stehen erfahrungsgemäß— und man kann da gerade mit wissenschaftlich tüchtigen Herren recht drastische Erfahrungen machen— die reinen Historiker allem, was Kirchengeschichte heißt, fremd und mit einer ganz unglaublichen Hilflosigkeit gegenüber. Infolge⸗ dessen werden geschickt eingeschmuggelte katholisierende Tendenzen harmlos, entweder in ihrer Absicht garnicht erkannt oder nicht weiter tragisch genommen. Die Kundi⸗ gen wissen hier Bescheid. Die oben genannten, im Berufs⸗ leben stehende Herren Bearbeiter wissen um diese Ver⸗ hältnisse natürlich auch, und diese Lage wird in wohl— durchdachter Weise ausgenutzt. Nun aber die konkreten Beweise für die katholisie⸗ renden Tendenzen! Kallen schreibt in Bd.(Oberstufe) § 87, S. 179:„Das Bischofsamt, welches die Apostel zu ihren Lebzeiten innehatten.“ Gleich danach,„Die Aelte— sten bald als Presbyter, bald als Episkopen bezeichnet“, seien„Stellvertreter der Apostel' gewesen. Dann wird im schärfsten Gegensatz zur geschichtlichen Wahrheit, be— hauptet,„ein aristokratischer Charakter“ sei„schon der Erster Schulgang. Heut hab' ich mein Mädel zur Schule gebracht. Gar schlimme Gedanken hab' ich gedacht: Mein Herzenskleinchen, mein Sonnenscheinchen, Nun tust du auf denen flinken Beinchen Aus uns'rer überängstlichen Mitte In die schlimme Welt deine ersten Schritte, Und bist für immer hingegeben Dem bösen Feinde— ich meine das Leben. Lernst früh aufsteh'n und tausend Pflichten Unnütz als nötig Ding verrichten. Wir haben dir jede Lüge verwehrt; Nun siehst du, wie sie die Welt durchfährt. Wir zogen dich auf zur Wahrheit und Reinheit. Wer aber siegt? Wahr' dich! Die Gemeinheit. So ziehen dir ins Herzelein And endlich wirst du, mein liebes Kind, Wie sie— wie wir— wie alle sind... Wer mith bokennel. Von Erwin Gros. 4. Fortsetzung. Als Hans Heeger das Hoftor der Schultheißwohnung öffnete, fuhr ihm ein großer Hund entgegen mit bissigem Knurren und Bellen. Mit Mühe erwehrte sich der Geselle des Wütenden. Plötzlich erschien in der Haustür ein junges Mädchen; ein scharfer Befehl, durch den ausgereckten Arm verstärkt, und der Hund ließ von dem Fremdling ab und verschwand in seiner Hütte. Das Mädchen griff nun in die Tasche, holt ein kleines Geld— stück hervor und reichte es dem Handwerksgesellen hin. Der aber schüttelte den Kopf:„Ich will nur den Schultheiß sprechen.“ Da wurde das Mädchen verlegen, eine jähe Röte zog über ihr Gesicht. „Nehmt es mir nicht übel“, sagte sie leise. „Wegen einer Guttat braucht man sich nicht entschuldigen“, erwiderte Hans. Mit großem Wohlgefallen sah er auf das Mädchen; ihre hohe Gestalt gab der seinen nicht viel nach; wie eine Krone schlangen sich zwei dicke blonde Zöpfe um ihr Haupt, darunter ein lieb⸗ liches Gesicht, lauter Milch und Blut. Unwillkürlich stellte er sie neben Mariuschka. Stattlicher und stolzer stand das Mädchen da; was aber an der Mariuschka fremdartig war, das war bei diesem Mädchen anheimelnd. „Mit so einem feinen Dirnlein möchte ich wohl mein Leben lang aus einem Becher trinken“, sagte Hans Heger zu sich selbst. „Wie heißt ihr eigentlich, das wüßte ich gern?“ fragte er nun. Das Mädchen schaute ihn zuerst befremdet an, was kümmert einen unbekannten Mann, den sie heute zum ersten Male sah und nie wieder vor die Augen bekommen würde, ihr Name. Doch Hans schaute so treuherzig drein, daß sie ihn nicht schroff zurückweisen wollte:„Ich heiße Sybille. Aber kommt, der Vater ist drin in der Stube.“ Sie ging voraus in den Hausflur, wies auf eine Türe und verschwand selbst in der Küche. Indem Hans die drei Stufen emporstieg, die zur Wohnstube führten, dachte er:„Sybille, ein vornehmer Name; aber adlig sieht sie auch aus. Auf sein Anklopfen erscholl von drinnen ein barsches „Herein!“ Drei Männer saßen am Tisch, die Kappen auf dem Kopfe. Sie nickten kaum, als Hans Heeger seinen Gruß entbot. „Was wollt ihr?“ fragte der Schultheiß, der hinter dem Tisch saß. „Ich habe euch eine wichtige Nachricht zu überbringen.“ „Dann setzt euch derweilen mal dort auf den Stuhl, so wird's nicht pressieren“, erwiderte Peter Michel„Also, wie gesagt“,— fuhr er zu den beiden Bauern in seiner anscheinend unterbrochenen Rede fort,„der hochgeborene Freiherr Franz Adolf Dietrich von Ingelheim kommt Samstag in drei Wochen hierher. Da gilt's, das Dorf zu schmücken und am Obertor eine Ehrenpforte zu bauen; auch das Rathaus, weil da das Hochamt gehalten wird, und die Krone, wo der Freiherr wohnen wird, müssen von oben bis unten mit Kränzen behangen sein.“ Der eine der beiden Bauern nickte, der andere seufzte. „Ja, Feuerbach“, sagte der Schultheiß zu diesem,„da dürfen die Kosten keine Rolle spielen; durch den Herrn von Ingelheim bist du und der Hans Michel Kunz Gerichtsschöffen geworden, da könnt ihr auch einmal etwas leisten.“ „Es ist ja nicht um die Kosten, die trägt ja der Gemeinde— säckel, aber wie soll man mit der Arbeit auf dem Felde fertig werden, wenn man Kränze machen und Ehrenpforten bauen soll“, erwiderte Gerhard Feuerbach. „Gerhard“, sagte der Schultheiß,„das habe ich von dir nicht erwartet. Wenn du schon ein schiefes Maul ziehst, was werden da erst die Lutherischen machen; die werden so schon von Tag zu Tag aufsässiger und widerspenstiger; habe ich nicht recht, Hann— michel?“ Hans Michel Kunz nickte:„Laßt gut sein, Peter, der Gerhard und ich werden schon unsere Schuldigkeit tun, denn warum? Eine Hand wäscht die andere; tut man dem Herrn von Ingelheim einen Gefallen, so tut er unsereinem gelegentlich wieder einen Gefallen.“ Gerhard Feuerbach schien überredet; er und Hans Michel Kunz erhoben sich, auch der Schultheiß kam hinterm Tisch hervor, und als sie Hans Heeger so nahe beieinander stehen sah, sprach er bei sich selbst:„Drei so listge Fuchsgesichter wird man lange suchen können, bis man sie findet. Keinem von denen gäbe ich einen roten Heller auf Handschlag, noch nicht auf einen Hand⸗ Urkirche wesentlich“ gewesen. Daß„im Anfang eine begeisterte Bruderliebe alle Gegensätze überbrückt“ habe, wird nicht nur durch AG. 5, 110, bes. aber 6, 1, sondern auch durch 1. Kor. Jac. Apoc. widerlegt. Auch die Dar⸗ stellung„des“ Christentums als einer verklärten„Jen⸗“ seitsreligion“ ist ganz verfehlt: das Urchristentum hat recht stark das Diesseits im Auge: Dein Reich komme, betete man; die Wiederkehr Christi zur Erde wurde er⸗ wartet. Wie es dann im Laufe der Zeit zur Jenseits⸗ religion geworden ist, ist jedem Kenner der Kirchenge⸗ schichte geläufig. Aber eben, daß es in dieser Beziehung und auch sonst eine tief greifende Wandlung erfahren hat, kann der Katholik Kallen, selbst wenn ihm über⸗ haupt diese Dinge fachmännisch näher getreten wären, doch nicht zugeben, infolge seiner kirchlichen Gebunden⸗ heit. g Echt katholisch ist ferner, was Kallen S. 137 über Konstantin und die Kirche schreibt:„die eiserne Festig⸗ keit der kirchlichen Organisation“ sei für Konstantin „Zeugnis und Triumpf“ gewesen und habe ihn„zum Glauben an den Gott des Christentums“ gezwungen! Daß eben diese Organisation damals völlig auseinan⸗ derklaffte, wird verschwiegen. Durch Konstantin werden der Kirche„vom Staate Fesseln angelegt“. Das Kon⸗ zil von 325 wird als„das verfassungsmäßige Organ der Kirche“ bezeichnet— gänzlich unhistorisch, da die In⸗ stitution erst im Laufe der Zeit vom Staate zu einem solchen gemacht worden ist. Seite 138 wird behauptet, Rom habe„den aner- kannten Vorrang seines Bischofs vor allen Geistlichen des Reiches“ behauptet, wo doch in Wirklichkeit sowohl 325 als auch 381 Rom hinter Konstantinopel rangiert und noch später Alexandrien einmal ganz dicht daran ist, Rom den Vorrang abzulaufen, römische Ansprüche jeden⸗ falls sehr ernstlich ablehnt. Und von alledem wird im Vorwort behauptet, der Verfasser biete nur, was„wissenschaftlich“ gesicherte Tatsache sei! Wobei merkwürdigerweise der Ausdruc „wissenschaftlich“ in Gänsefüßchen gesetzt ist. Und in Band IV, den ein Evangelischer(J) geschrie⸗ ben hat, bekommt Bismarck den Tritt für den Kultur⸗ lampf:„Bismarcks Politik ist unmoralisch und vor allen Dingen wurzelfaul“. Nicht Ideen zu dienen, sondern sich ihrer im Staatsinteresse zu bemächtigen, war Bis— marcks Grundsatz.“ 1890 sank dieser Mann, der zwei Jahrzehnte nicht nur Deutschland beherrschte, sondern Europa seinen Willen aufgezwungen hatte, widerstands⸗ los in die Nacht zurück“; und am Schluß(1898) wird er als„Gründer des Deutschen Reiches“ in Gänsefüßchen!) bezeichnet. So also sollen nach der Absicht des Verfas— sers Primaner Bismarck sehen! Hier geschieht etwas, was nicht widerspruchslos hin⸗ genommen werden darf. Diese Zeiten sind nicht harmlos, Vertrauensseligkeit ist freilich bequem aber mitunter ein Verbrechen. Man ist daran, dem deutschen Volle das Bild der Geschichte und seine eigene Vergangenheit zu fäl schen! Wothensthau. Im amerikanischen Repräsentantenhause hat der re⸗ publikanische Abgeordnete Ogden Mills eine Gesetzes⸗ vorlage eingebracht über die Freigabe deutschen Eigen⸗ tums in Amerika. Die Aufgabe, die das Gesetz sich stellt, ist eine dreifache. 1. will es für die Befriedigung der Ansprüche amerikanischer Staatsangehöriger aus dem Kriege sorgen, für die bisher das in den Vereinigten Staaten beschlagnahmte deutsche Privateigentum als Pfand diente; 2. will es dieses Pfand zurückgeben und N S schein, da müßten Zeugen herbei, und vor denen müßte es fest gemacht werden.“ Jetzt sprach der Schultheiß:„Geht derweilen voraus in die „Krone“ und sagt dem Johann Kilian Kitz, ich käme auch gleich, Wir haben mit ihm noch etwas zu beschwätzen.“ Die Gerichtsschöffen Gerhard Feuerbach und Hans Michel Kunz gingen. Der Schultheiß begab sich ins Nebengelaß, das vom Wohnzimmer durch eine halbhohe Bretterwand abgetrennt war; dort stand in der einen Ecke sein Ehebett, am Fenster aber ein Tisch mit spärlichem Schreibwerk; denn der Bauersmann schrieb vor zweihundert Jahren noch seltener und ungerner als heute, auch als Schultheiß. Mit viel weniger Tinte wurde da⸗ mals die Welt und das Dorf regiert, und es ging auch, wahr⸗ scheinlich besser als heute, wo die Gesetzesmaschine im Akkord arbeitet, und uns unter der Flut neuer Gesetze und Verord⸗ e nungen die Luft ausgeht. Als Peter Michel wieder zum Vorschein kam, trug er in der Rechten ein Bambusrohr mit silbernem Knauf; das war das 5 Zeichen seiner hohen Schultheißenwürde, das durfte nicht fehlen, wenn er als Amtsperson durch sein Reich Holzhausen schritt. „Also, was wollt ihr, wie heißt ihr, fragte er kurz; er ge⸗ dachte im Vorübergehen die Sache abzuwickeln. Hans Heeger nannte seinen Namen und seine Heimat, und erzählte dann schlicht und eindringlich, wie er in die Gesellschaft 1 der Zigeuner geraten, und was er da erlauscht habe. Der Schultheiß war höchst zwiespältig in seinem Sinn. In diesem Augenblick sagte er sich, das ist natürlich ein ganz durch- sichtiges Lügengewebe eines abgebrühten Kunden, der auf ein Dann aber schien ihm die gehöriges Botenbrot hinaus will. Rede des fremden Gesellen so den Stempel der Wahrheit zu tragen, daß er wieder irre ward. Da er aber mehr auf krummen, als auf geraden Wegen zu wandeln gewohnt war und, wenn's einen Vorteil galt, bereit war, sich selber anzulügen, so wurde er zuletzt darin fest,— es ist natürlich alles Schwindel. Und er gedachte den Herrn Lügen⸗ mund schlau zu fangen. „Glaubt ihr,“ fragte er,„daß die Zigeuner mutig sind, oder haltet ihr sie für feig? Glaubt ihr, daß vierzig oder fünfzig Zigeuner ein Dorf anpacken werden, in dem mehr als zehn Dutzend kräftiger Mannsleute wohnen?“ (JFortsetzung folgt.) g 4 1 Alflen liche sowoh angier an i jeden tet, de eicher, susdru⸗ geschrie Kult ot alle sonder ar Biz er zw sonden stand; wird! schens Velst los hie harm mitn 1 Vol genhe it der! Gesetz 1 Eig. ic el gung d ius daß reinigt tum al eben U — gte es aus in!“ nuch gl is Miß laß, abgetten enstet dle auetsnß gerne. wurde a uch ih im Alle ud Veoh 9 r 5 wol 00 0 4 nns bedeutet. Dienerin des Mannes, aber keine Kameradin und Lebensge⸗ Sonnabend, den 17. April 1926. sich an seiner Stelle mit den Rechten begnügen. die den Vereinigten Staaten an den Leistungen Deutsch— lands aus dem Dawesplan zustehen; 3. sieht es eine Entschädigung für die deutschen Schiffe und Funkstatio⸗ nen vor, die von den Vereinigten Staaten im Kriege beschlagnahmt worden sind, sowie für diejenigen deut⸗ schen Patente, die die Vereinigten Staaten genommen und benutzt haben, ohne sie an Privatpersonen oder Ge— sellschaften zu veräußern. Unterstaatssekretär Win- ston vom Schatzamt erklärte, die Maßnahme habe die Billigung des Schatz⸗, des Staats- und des Justizdepar⸗ tements. Er rechtfertigte die Gesetzesvorlage als Mittel zur Heilung der Kriegswunden, ohne die Bezahlung der Ansprüche auf 80 Jahre auszudehnen. Die tschechoslowakische Regierung hat nunmehr ihre Bereitschaft erklärt, in Verhandlungen über einen Han⸗ delsvertrag mit Deutschland einzutreten. Man erwar⸗ tet bereits für die erste Hälfte des Mai den Austausch der gegenseitigen„Wunschlisten“. In Frankreich macht die Stabilisierung des Fran⸗ ken große Sorgen. Der neue Steuergesetzentwurf des Finanzministers Péret soll dieselbe herbeiführen. Von der Annahme dieser Steuergesetze hing das Weiterbe— stehen des Kabinetts Briand ab.— In der Frühe des Ostersonntags beendeten die französische Kammer und der Senat ihre Beratungen über die Steuergesetzont— würfe Pérets. Die Kammer hat das Gesetz mit 365 gegen 145, der Senat mit 220 gegen 16 Stimmen angenom⸗ men. In Rumänien wurde vom König der General Avarescu mit der Bildung der neuen Regierung betraut. Das neue Kabinett besteht aus Ministerpräsi— dent Avarescu, Minister des Innern Goga, Minister des Aeußeren Mitileneu, Finanzminister Lepadatu, Kriegs- minister General Mircescu, Minister für Handel und Gewerbe Coanda, Verkehrsminister General Valeanu, Minister für öffentliche Arbeiten Petrovici, Justiz⸗ minister Cudalbu, Unterrichtsminister Negulescu, Kul⸗ tusminister Goldis, Ackerbauminister Garoflid, Arbeits⸗ minister Trancu⸗Jassy, Minister für Volksgesundheit Lupas, Minister für Bessarabien Nitzas, Minister für die Bukowina Dori Popovici. Minister für Siebenbürgen Groza. Averescu erklärte Pressevertretern, das Kabinett werde die Außenpolitik der früheren Regierung fort— setzen. Im diplomatischen Korps würden keine Verände— rungen vorgenommen werden. Außerordentliche Be— deutung messe er einer Verbesserung der italienisch— rumänischen Beziehungen bei und werde darauf sein Hauptaugenmerk richten. Die Freundschaft Averescus init Mussolini sei die beste Grundlage dafür. In Griechenland sind die Präsidentschaftswahlen gewesen, die einen überwältigenden Sieg des Generals Pangalos ergeben. Die Oppositionsparteien haben ihren Anhängern Wahlenthaltung empfohlen. Trotz⸗ dem war die Wahlbeteiligung um vieles stärker als bei den letzten Gemeindewahlen. Die Sowjetregierung hat jetzt auf die Note des Generalsekretärs des Völkerbundes eine Antwort erteilt, in der sie sich weigert, an der Abrüstungskonferenz teilzunehmen. In der Antwortnote teilt Tschitscherin dem Generalsekretär des Völkerbundes mit, daß die Sowjetregierung die Weigerung, die Abrüstungskon⸗ ferenz nach einem anderen Ort zu verlegen, als eine eng⸗ lische Intrige auffasse, wodurch die Abrüstungskonferenz sabotiert werde. Die Sowjetregierung gedenke nicht, die Entwaffnung der Roten Armee und Flotte vorzu— nemen. „Evangelische Warte“ Nr. 16. Ein gleichlautendes Memorantum ist an die Bot⸗ schafter Englands, Frankreichs, Italiens und Japans gerichtet worden. Aus China wird gemeldet: Nur 16 Meilen von We⸗ king entfernt sind schwere Kämpfe zwischen den verbün⸗ deten Streitkräften Tschangsolins, Wupeifus und Lit⸗ schinglins und denen Fengyuhsiangs im Gange. Die Stadt ist noch immer von Truppenteilen Fengyuhsiangs besetzt. Das Geschützfeuer, das in der ganzen Stadt gehört wird, beunruhigt die Bevölkerung, die vom Lande in die Stadt hineinströmt. Aus Marokko wird einerseits durch die französische Presse von Friedensvorbereitungen geschrieben, anderer⸗ seits wird von neuen Angriffen Abd el Krims und von seiner ungelähmten Angriffskraft berichtet. Im Saargebiet ist der Franzose Rault durch den Kanadier Stephens in der Präsidentschaft der Re— gierungskommission abgelöst worden. Eine seiner ersten Amtshandlungen war die Wiederfreigabe der von Rault am 20. März auf vier Wochen verbotenen„Saar- Zeitung“ in Saarlouis. Die Eisenbahnergewerkschaften haben beschlossen, in dem Prozeß gegen die Reichsbahn auf Anerkennung des Schiedsspruches des Reichsarbeitsministers das Kam⸗ mergericht anzurufen, das sich mit diesem grundsätzlich sehr wichtigen Fall demnächst zu beschäftigen haben wird. In der zweiten Instanz werden über die Frage, ob die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft der Schlichtungs— ordnung und damit deutschen Behörden untersteht oder nicht, sehr bekannte Wissenschaftler zu Worte kommen, deren Gutachten jetzt eingefordert werden sollen. Der Prozeß hat bisher bereits einen Kostenaufwand von über 50 000„ erfordert, und da zweifelsohne beide Parteien auch noch das Reichsgericht um eine endgültige Entscheidung angehen werden, ist zu erwarten, daß die— ser Streitfall mehrere 100 000, verschlingen wird. Am Ostersonntag Morgen ist August Thyssen, fast 85jährig, gestorben. Im vergangenen Monat hatte sich Thyssen noch einer schweren Augenoperation unterziehen müssen, deren physischen Anforderungen er nicht mehr Auf zur Tat! Glückhaftes Schiff! Vor einem Jahre Verließest du das deutsche Land; Du trugst den Ruhm von deutscher Arbeit In alle Welt, von Strand zu Strand. Es schlugen höher unsere Herzen, Die atemvolle Brust gespannt, Mit tausend Wünschen, tausend Schmerzen, Dir, unser Zukunft Unterpfand. Und heute tritt die harte Frage Erneut an ein verarmtes Volk: Soll so die deutsche Luftfahrt enden, Verloren sein, was wir gewollt? Nein, niemals werden wir verzagen, In Not und Unglück nun erst recht! Wir wollen jedes Opfer tragen Ein unerschütterlich Geschlecht. Du leuchtend Bild im Flug der Sonne Zeigst uns den neuen Weg empor! Aus Unglück, Schicksalsschlag, Vernichtung Stiegst sieghaft du verjüngt hervor. So sei's auch heut! Mit eurer Gabe Schafft neu, was die Vergangenheit geraubt, Beweist mit euerm Opferwillen, Daß ihr an Deutschlands Zukunft glaubt. un und der Fapan⸗Misfion. Von Missionsdirektor D. Dr. Witte. 6. Fortsetzung. 3. Sie sind fromm, aber ihr Leben bleibt arm an Liebe. Das gilt sowohl von der Familie, als auch vom öffentlichen Volks⸗ leben. A. Die Familie. Natürlich gibt es auch in Japan Liebe der Mütter und Väter zu ihren Kindern und auch zwischen anderen Verwandten. Aber es gibt gewisse entscheidende Punkte, an denen sieht man, wie dort die Liebe nicht die so tief wie bei uns herrschende Macht ist. Nun wollen wir hier keine besonders sraurigen Einzelfälle aufführen, denn solche Einzelfälle, wenn buch vielleicht nicht so zahlreich wie in Japan, gibt es auch bei uns. Viel schlimmer sind die Dinge, die das ganze Leben in Japan in dieser Hinsicht kennzeichnen, und die bei uns, gottlob, durch das Christentum anders geworden sind. 1. Das Familienleben kann sich nicht gedeihlich entwickeln, po man die Frau so sehr niedrig einschätzt und entrechtet, wie das in Japan noch heute der Fall ist. Alice Schalek, eine öster⸗ eichische Schriftstellerin, die zweimal in Japan war, sagt in ihrem Buch„Japan, das Land des Nebeneinander“(Breslau 1925, Verlag von Ferdinand Hirt) mit Recht:„In dieser Rodernen Großmacht, die im Rat der Völker gehört werden will, it in Wahrheit die Frau auch heute noch nichts anders als eine Ert Sklavin. Schon das kleine Mädchen muß hinter dem Brü⸗ berchen, das im Hause alles bedeutet, zurückstehen, auf das Spiel⸗ eug verzichten, sich tyrannisieren lassen und es darf die bei jenem bewunderten Unarten nicht nachmachen. Wird es nicht früh⸗ seitig an„Geschaschulen“ verkauft, so bekommt es, ohne gefragt u werden, den vom Vater ausgewählten Gatten“.(S. 143.) 0 ei solcher Unterdrückung können die tiefsten Gemütswerte der Frau, die für die Familie und auch für die Veredlung der Männerwelt so wichtig sind, nicht zur Entfaltung kommen, und sie Frau kann für die Volksseele das nicht leisten, was sie bei So ist die Frau in Japan eine musterhafte ihrtin. Alice Schalek schreibt:„In den wenigen Monaten, die ich hier weile, „Glauben Sie nicht, daß wir glücklich sind. Wir sind von Kind⸗ heit an darauf gedrillt, glücklich auszusehen, in Wirklichkeit sind wir alle, alle sterbensunglücklich.“ 2. Die Einrichtung des Dirnenwesens und der Geschahge— schäfte, die in der feineren Form der Tänzerinnen und Sänger⸗ innen in Wahrheit nichts anderes sind als die anderen Dirnen, wirkt deshalb so verheerend, weil diese Dinge öffentlich aner⸗ kannt sind, und weil dieser unsittliche Verkehr auch für die ver— heirateten Männer nicht als tadelnswert gilt. So fehlt dort vollständig das öffentliche Gewissen. Daher sind denn auch die wirklichen Zustände des sexuellen Lebens viel, viel schlimmer als bei uns, selbst wenn man alles Traurige, was in dieser Hin⸗ sicht auch das christliche Europa aufweist, ohne Vertuschung an— erkennt. 3. Damit hängt der bereits erwähnte traurige Zustand des Verkaufs der Mädchen an Fabriken, Geschaschulen und Bordelle zusammen. Das ist der klarste Beweis für den Mangel an Liebe in den Familien. Oft werden die Mädchen, auch ohne Not, aus bloßer Geldgier verkauft. Ein Vergleich: Es gibt in Japan im ganzen 395 Schulen für höhere Mädchenbildung mit 109 857 Schülerinnen und zugleich 535 anerkannte Bordelle mit 173 837 öffentlichen Mädchen! J. Den Zustand des Familienlebens kennzeichnet, ganz gewiß nicht zu düster malend, Missionar D. H. W. Meyers(im Japan⸗ Evangelist, 1920, S. 263 f.) mit den Worten:„Ich glaube, auch heute noch wird der Durchschnittssohn auf Befehl seines Vaters seine Frau entlassen und die Durchschnittstochter wird ihre Ehre verkaufen. Tatsache ist, daß viele Tausende von Häuslichkeiten durch die Laune der Schwiegermutter zerstört werden, und daß Zehntausende von Bewohnerinnen der liederlichen Viertel sich dort aufhalten, weil sie von den Eltern in die Sklaverei verkauft worden sind. Leider kann ich keine genaue Ehescheidungsstatistit geben, aber es steht ungefähr so, daß auf fünf Eheschließungen etwa zwei Ehescheidungen kommen“.„Die wirkliche Zahl der Ehescheidungen ist viel größer als sie in den Statistiken ange⸗ geben wird, wegen des Vorherrschens der Versuchsheiraten, die nicht gebucht werden.“ es sich gefallen lassen, irgend einmal entfernt zu werden. Ich erinnere mich, daß die kinderlose Frau eines christlichen Pre— digers von dem Schicksal des Fortgeschicktwerdens(durch die ommt Frau auf Frau zu mir und beteuert: „Eine kinderlose oder kranke Frau muß gewachsen war. August Thyssen war Gründer des be⸗ 1 0 Thyssen-Konzerns und Mitglied der Zentrums⸗ partei. Was jeder Evangelijche wijsen muß. Ein Katholik vermacht sein Vermögen einer evangeli⸗ schen Gemeinde. Der zu Ende Februar in Wien verstorbene Hof⸗ rat i. R. Mauritius Wasserburger vermachte letztwillig sein Vermögen der evangelischen Gemeinde Wien zur Errichtung eines Heims für Hochschüler evangelischen Bekenntnisses, soweit sie nicht dem Studium der Theo⸗ logie obliegen(für evangelische Theologen besteht in Wien bereits ein, derzeit allerdings notleidendes, Theo⸗ logenheim). Hofrat Wasserburger, Sproß einer alten Wiener Bürgerfamilie, gab seinem Vermächtnis fol⸗ gende Begründung:„Obwohl selbst mich zum römisch⸗ katholischen Glauben bekennend, muß ich in Erkennt⸗ nis, daß das evangelische Bekenntnis dem deutschen Wesen näher verwandt ist als das römisch⸗katholische, jenem auch deshalb meine volle Förderung über das Grab hinaus angedeihen lassen, weil es schon entspre⸗ chend seiner Gliederung den Deutschen in der Diaspora einen ungleich größeren Halt bietet und damit auch eine wirksamere Bürgschaft für deren Bestand gewährt.“ Mit der Durchführung wurden fünf Herren betraut, an ihrer Spitze die Universitätsprofessoren Dr. Wilke und Dr. Völker, beide von der Wiener evangelisch— theologischen Kakultät. Die Wiener evangelische Ge— meinde verwaltet schon eine andere Studienstiftung, die sie dem Vermächtnis eines Katholiken verdankt. Auch die evangelische Gemeinde Salzburg besitzt eine Stiftung aus dem Nachlaß einer katholischen Grä⸗ find Recoagni-Firmian, die damit„das Unrecht sühnen wollte, das einer ihres Geschlechts, der Erzbischof Graf Firmian, den Protestanten, zugefügt.“ Die Religion in der Ehe. Die Ehe wird nicht mehr in ihrer religiösen Be⸗ deutung verstanden, weil die Wertung der Religion selbst so tief gesunken ist. Sie ist nicht, was sie sein sollte: die alles beherrschende Lebensmacht und darum tiefstes Lebensbedürfnis. Die allgemeine religiöse Gleichgültigkeit drückt die Höhenlage der Ehe herab. Es gibt nur wenige Brautleute, die sich religiös nähren und in der Ehe Glaubenseinheit suchen. Die meisten Ehe⸗ schließenden erwarten von der Ehe gar nicht solche tiefe Gemeinschaft, weil schon in ihrem persönlichen Leben die Religion gar keine Rolle spielt. Sie kennen dieses Ideal nicht, weil sie es auch bei den Eltern nicht sehen. Dabei mag die Familie eine gewisse Kirchlichkeit bei⸗ behalten; Trauung, Taufe und Konfirmation mögen noch selbstverständliche Sitten sein, aber die Familie ist nicht mehr Hausgemeinde. Wenn Kinder solcher Fami⸗ lien in die Ehe treten, mag Gleichheit der Konfession er⸗ wünscht sein, aber sie wird nicht für notwendig gehalten. Es kommt bisweilen vor, daß, wenn zwei Kinder einer Familie gleichzeitig heiraten, das eine in der evange⸗ lischen, das andere gleichzeitig in der katholischen Kirche getraut wird. Das ist nur möglich, wenn bei äußerlich aufrecht erhaltener Kirchlichkeit eine vollständige Ver⸗ flachung des religiösen Lebens eingetreten ist. Diese Verflachung ist so allgemein, daß die Anormität der Mischehe weithin gar nicht mehr empfunden wird.(Aus: von der Heydt, Die Mischehe. Praktisches Handbuch für evangelische Mischehenarbeit. Berlin 1926. Verlag des Evangelischen Bundes E. V.) Familie) nur gerettt wurde durch den starken Einspruch von zwei Amtsbrüdern des Gatten.“ B. Das öffentliche Volksleben. 1. Eine Kultur wie die japanische, in der das einzelne Menschenleben so wenig gilt, konnte natürlich keinen Sinn haben für die Hochschätzung auch des ärmsten Menschen und des jammervollsten Kindes, wie das bei uns der Fall ist. Auch wir ringen ja immer noch um die Durchführung unserer aus dem Christentum erwachsenen, im vorchristlichen Europa auch unbekannten, sozialen Ideen. Es gibt heute noch in Japan Zustände an brutaler, an Sklaverei erinnernder Ausnutzung auch männlicher Arbeiter, die bei uns heute völlig unmöglich sind. Im Hokkaido, im Norden Japans, gibt es Arbeiterlager, die in Ausbeutung und unmenschlicher Behandlung dieser Sklaven das Furchtbarste zeigen. Aber sehen wir einmal von diesen Einzelfällen wieder ab, so fehlt eben Japan die Grundvoraussetzung für die soziale Liebe und Hilfs⸗ tätigkeit, auch den Religionen fehlt sie. Die junge christliche Be⸗ wegung leistet heute darin viel mehr als die großen, alten Reli⸗ gionen. Nach einer amtlichen Statistik vom Jahre 1920 hatte der gesamte Schintoismus an Liebeswerken: 2 Kindergärten mit 73 Kindern, 1 Volksschule mit 117 Kindern, 2 Mittelschulen mit 1093 Schülern, 1 Waisenhaus mit 53 Kindern, 1 Gefangenenheim, 1 Säuglingsheim, 43 Sonntagsschulen mit 137 Lehrern und 4577 Schülern. Der Buddhismus gab im gleichen Jahre 1920 den Bestand seiner Liebeswerke mit folgenden Zahlen an: 24 Heime für Verwahrloste, 11 Altersheime, 16 Krankenhäuser, 70 Kinderheime, 21 Reformschulen, 12 Volksschulen, 7 Schulen für Taubstumme, 2 Schulen für Blinde, 18 Säuglingsheime, 9 Arbeitsvermittlungsbüros, 8 Arbeiterlogierhäuser, 462 Vereine für entlassene Gefangene, 1 Aussätzigenheim, 6 Waisenhäuser, 43 andere Vereine.(Die Angaben über die Zahl der Schüler und Insassen dieser Anstalten fehlen.) Außerdem gibt die amt⸗ liche Statistik an: 1901 Sonntagsschulen mit 4283 Lehrern und 290 574 Kindern. Man kann die alten Religionen und ihre Anhänger nicht so scharf scheiden wie bei uns. Denn die Japaner sind vielfach Schintoisten und Buddhisten zugleich. Aber man rechnet zum Schintoismus als besondere Anhängerschaft rund 16 Millionen mit 70537 Priestern. Zum Buddhismus rechnet man 45 Mil⸗ lionen mit 123 000 Priestern. (Fortsetzung folgt.) 1 0 —— Sonnabend, den 17. April 1926. „Evangelische Warte“ Nr. 16. Sonntagsgeoͤanken. Die Herolde der Blumen schmücken wieder die Gärten und Wiesen und eine nach der anderen steht auf, geweckt vom Sonnentag. Ueber die Berge ist der Winter gezogen; der ein— ziehende Frühling hat mit aller Jugendkraft den griesgrämigen Alten verdrängt. Ein Maler hat einmal ein Bild gezeichnet, auf dem der Frühling als holder, geflügelter, blütenbekränzter Knabe, die Geige in der Hand, durch die winterentfesselte Na— tur schreitet. Ein Quell klingt ihm zu Füßen, singende Vögel umfliegen ihn, ein seliger Mensch jubelt empor aus der Tiefe eines Tales, und über ihm am blauen Himmel ziehen die wei⸗ ßen Wolken mit Segeln der Sehnsucht, und von dem Klang des Frühlings quillt ein feiner, seliger Ton in alle Täler und Klüfte, zu allen Bergen und Höhen, in alle Wälder und Gärten. So grüßt uns der Frühling mit Blumen und mit Gesang. Komm, geh' heute am Frühlingssonntag mit hinaus, wo neues Leben beginnt! Schau die Wunder der göttlichen Kraft! Es schmückt sich die Au, auf Strauch und Baum schlagen Knösp⸗ lein herzhaft die Augen auf, die Reben beginnen zu ranken ans goldene Licht und der erwachende Wald schüttelt die alten Blät⸗ ter ab, beginnt den Saal festlich zu schmücken, weil die Sänger schon zum Frühjahrskonzert gekommen sind. And unter die Hecken streut der junge Lenz die ersten Veilchen und küßt dann behutsam und zart die Quelle, die heimlich schon plaudert von lenzesfrischer, sonniger Frühlingsfahrt. Dann lernt er den Vög⸗ lein sein bestes und innigstes Lied. Glocken läuten zum Frühlingssonntag, und selbst aus ein⸗ samen Herzen entflieht die frostige Winternacht. Segnend hat sich des Allvaters Hand erhoben. Ueberall wirkt sein göttliches Walten und überall fühlt man den segnenden Geist. Waldfried. aa. 2 — 8 2 S 22 vorm. Wilh. Meller J 2 8 Aus der Arbeit der evang. Arbeitervereine. Dem„Evang. Volksboten“ entnehmen wir folgen⸗ den Bericht: „Arbeiterschaft und Wirtschaft“,„Arbeiterschaft und Christentum“— so lautet das Thema, über welches in neun großen Kundgebungen, veranstaltet vom Ver⸗ band Evangelischer Arbeitervereine Groß-Berlin, ge⸗ sprochen wurde. Bekannte Führer der evangelischen Arbeiterbewegung und Pfarrer sprachen in diesen Ver⸗ sammlungen. Die Redner führten ungefähr folgendes aus: Die große Wirtschaftskrise, verbunden mit der star⸗ ken Arbeitslosigkeit, in erster Linie hervorgerufen durch den Vertrag von Versailles, fordert aufs dringendste, daß der Klassen⸗ und Kastengeist in unserem Volk über⸗ wunden wird und wahrer Volksgemeinschaft Platz macht. Besonders muß gefordert werden, daß im Wirt⸗ schaftsleben der Gegenwart der Arbeiter als gleich⸗ berechtigte Persönlichkeit anerkannt wird. Der christ⸗ liche und soziale Geist muß in die Arbeiterschaft hinein⸗ dringen. Die wahre christliche Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit muß das Heilmittel für die Gegenwart und Zukunft werden. Wenn die deutsche Arbeiterschaft im Atheismus versinkt, verliert sie ihre Seele, und seelenlos kann kein Volk für seine Erneuerung kämpfen. Sämtliche Kundgebungen waren gut besucht, zum Teil überfüllt. In einzelnen Versammlungen hatte man versucht, dadurch diesen Kundgebungen Abbruch zu tun, daß man in einem Saal, der unmittelbar dabei lag, gegnerische Versammlungen einberief. Auf jeden Fall VN. N 17 2 2 N sind jederzeit vorrätig in der und Sterbe-Register sind ungewollt haben diese Arbeiterkundgebungen durchschlagend ge⸗ wirkt und einen Erfolg für die evangelische Arbeiter⸗ bewegung in Groß-Berlin gebracht. schließung fand Annahme: Verband Evangelischer Arbeitervereine von Groß-Berlin fordert mit aller Entschiedenheit, daß im Wirtschaftsprozeß der Gegenwart der Persön⸗ lichkeit des Arbeiters in jeder Beziehung volle Ge— rechtigkeit zuteil wird, insbesondere, daß seine ver⸗ fassungsmäßigen Rechte innerhalb des Betriebes und außerhalb desselben in jeder Beziehung gewahrt wer⸗ Ferner fordert der Verband, daß die evange⸗ lische Arbeitervereinsbewegung als Standesbewegung volle soziale und gesellschaftliche Anerkennung erhält. Der Verband Evangelischer Arbeitervereine arbeitet daran, daß die vom Marxismus geschaffene Kluft zwischen der Arbeiterschaft und dem Christentum überwunden wird und daß die Arbeiterschaft im Geiste der christlichen Freiheit, Gerechtigkeit und Brüderlichkeit in der Verwirklichung der Volksge⸗ meinschaft als gleichberechtigter Teilhaber mitwirkt.“ Die Masse beginnt die Hilflosigkeit ihrer„Massen⸗ seele“ zu erkennen, und damit ist der entscheidende Wendepunkt im Geiste des deutschen Arbeiters gegeben: seine Abkehr von der„Religion“ des Marxismus. „Der den. Jede Larve stimmt mich traurig. Larven trägt heut jeder Wicht. Zeig' ein offenes Gemüte! Heil dem Geist und heil der Güte In dem ehrlichen Gesicht. I.. LLL Sämtliche Formulare für Blürgermeistereien, Standesämter, Ortsgerichte, Pfarrämter, Schulen elt. 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Dombrowski, Berlin O. 17 · Von Erwin Gros, dem Verfasser der in diesem Blatte erscheinenden Erzählung: „Wer mich bekennet“, sind erschienen: Der Bauernpfarrer. Eine Erzählung. 400 Seiten. 10—13. Auflage. In Ganz⸗ leinen gebunden Mk. 6.— Das leuchtende Haus. 540 Seiten. In Ganzleinen Mk. 6.— in Halbleder Mk. 8.— Es geht eine dunkle Wolke herein. Eine Erzählung. In Halbleinen geb. Mk. 3,50. In Halb⸗ leder Mk. 5,50. Elsbeth von Helkhoven. Eine Erzählung. In Halbleinen gebunden Mk. 3,50. Schwelendes Feuer. Eine Erzählung. In Halbleinen gebunden Mk. 3,50. Der Lehrer von Hartenhausen. Eine Erzählung. In Halbleinen gebunden Mk. 3,50. Die letzte Nonne von Walsdorf. Erzählung. Gebunden Mk. 2.—. Trotzige Herzen. Eine Erzählung. In Halbleinen gebunden Mk. 2,80. Frau Sehnsucht. Märchen für Sinnierstunden der Seele. Mit Einschaltbildern von Julius Metzke. In Halbleinen gebunden Mk. 3,50. Linsemanns Knecht. Erzählungen. Gebunden Mk. 1,20. Wer mich bekennet. Erzählung. Gebunden Mk. 3.—. 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