l I0 ö 0 90 rr 05 1 Organ der Evangelischen Volksgemeinschaft r e—— Erscheint zunächst wöchentlich am Samstag. Bezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus. Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert. Schriftleitung: Edwin 1 in 0(Oberh.) 2. Jahrgang. Abonnements⸗ u. age Annahmestelle Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher 1362 und 1145. Postscheckkonto 8437 Frankfurt a. M. Sonnabend, den 16. dllober 1020. Fümmungsbild von der Reichstagung der Evangelischen Volksgemeinschaft. Zweite Reichstagung der Evangelischen Volksgemeinschaft! Welch eine Fülle von Eindrücken stürmt über den Teilnehmer daher, wenn er rückblickend die Tagung überschaut! Tief im Herzen hat er verspürt, welch treu evangelischer Geist über allem geschwebt hat, der Geist evangelischer Volksgemeinschaft. Am Knotenpunkt zwischen Nord und Süd hat man sich ge— troffen, in der früheren Reichsstadt Frankfurt, die an Glanz, Schönheit und Charakteristik noch nichts eingebüßt hat. Hier trat man zusammen, um in knapp drei Tagen eine Unsumme von Ar— beit zu bewältigen. Evangelischer Arbeitsgeist, Geist der für die Tat eintritt, hat es geschafft, getragen von der Begeisterung für die Sache. Die Freunde waren aus Nah und Fern herbei— geeilt, die markantesten Führer der Bewegung hatten sich zu Vor— trägen zur Verfügung gestellt. Ein Blick in den Tagungssaal genügte, um die Bezeichnungen„Volksgemeinschaft“ und„Reichs- tagung“ zu rechtfertigen. Da waren der Beamte, der Angestellte, der Arbeiter, der Bauer, der Handwerker vertreten. Hier saß der stille Norddeutsche, dort der bewegliche Rheinländer; die Brü— der des besetzten und unbesetzten Gebietes reichten sich die Hände. Das war evangelische Volksgemeinschaft! ** Der Schriftleiter, Pfarrer Hamburger-Staden, spricht am Sonnabend: Die Bedeutung der Presse im öffentlichen Leben. Logisch aufbauend schält er den markanten Schlußsatz heraus: „Evangelische, schafft und lest evangelische Zeitungen!“ Der Sonntag wird mit dem Liede„Ach bleib' mit deiner Gnade“ eingeleitet. Wer fühlte den Wunsch des Liedes nicht in seinem Herzen? Unter Glockengeläute lauschen wir dem Worte Gottes. Nach kurzer Pause und einigen Begrüßungen ergreift Dr. Moegenburg⸗Frankfurt das Wort: Die Ziele der Evangelischen Volksgemeinschaft. Ruhig beginnt er, wird be⸗ lebter, bringt Argument auf Argument, begeistert und reißt mit. Man merkt bei seiner Rede, dort steht der Jurist, der Steinchen auf Steinchen zum Bau herbeiträgt. Nach ihm spricht Reichsgeschäftsführer Weidner. Wie immer lebendig, geschäftig, unermüdlich. Seine Rede hart und stark, beweiskräftig.„Zwei Jahre evangelische Volksgemeinschaft“ ist sein Thema. Wer weiß es besser denn er, was zwei Jahre in die⸗ ser Arbeit bedeuten? Der Mittag bringt die sachliche und hochbedeutsame Rede des Vorsitzenden der Evangelischen Gewerkschaft, Herrn K. Linke aus Barmen. Dann steht wieder der Reichsgeschäftsführer am Red⸗ nerpult.„Die Volksgemeinschaft und die Arbeiterschaft!“ Die Aussprache beginnt. Blitze zucken durch den Saal, Geister ringen. Dann ist der Haupttag vorbei, reich an neuen Eindrücken. Am letzten Tag spricht Pfarrer Haupt⸗Gießen über den „Breslauer Katholikentag“. Wahrlich, der berufene Mann. Man kennt ihn als den rührigen Generalsekretär des Evang. Bundes. Temperamentvoll schöpft er aus dem reichen Schatz seiner Erfahrung. Nach ihm Studienrat Proescher-Mainz. fahren des kommenden Reichsschulgesetzes. Er erläutert die Ge⸗ Leicht über den Tisch gebeugt bringt er seine markante Rede und findet die rückhalt⸗ lose Zustimmung der Versammlung. Wachet auf! Epheser 5,14. Wache auf, der du schläfst, und stehe auf von den Toten, so wird dich Christus erleuchten. Als ich neulich am Sonntag in der Morgenstunde mit der elektrischen Straßenbahn zu unserer Reichstagung in Frankfurt a. M. fuhr, stieß mich ein Freund an und machte mich auf die Heilsarmee aufmerksam, welche in einer Seitenstraße mit ihrer Musik stand und die zusammenströmende Menge zum Heiland rief. Ein Gedanke ist es, der diese Leute, die ich am Mittag noch⸗ mals in einem anderen Stadtteil traf, beseelt: Sie wollen die Schlafenden aufwecken. Wache auf, der du schläfst! Als ich diese Leute sah, da ging es mir durch den Kopf, daß ich etwas ähnliches vorhatte. Auch wir wollen mit unserem Streben und Arbeiten schlafende Menschen aufwecken. Allerdings diese Heilsarmeeleute wollen solche wecken, die in ihrer Sünde und ihrer Gottlosigkeit eingeschlafen sind. Wir erwarten, daß die Leser dieser Zeilen in diesem Schlafe sich nicht befinden. Auch die, an denen die Leser arbeiten sollen, werden nicht solche sein, die Feinde des Christentums und des Evangeliums sind. Aber wieviele schlafen in ihrem Christentum. Das wurde mir klar bei unserer Reichstagung in Frankfurt a. M. Wach auf! Ich denke heute zurück an meine Kinderzeit. Als wir bei meinem Vater, der Lehrer war, den ersten Choral lernten, war es das schöne Morgenlied:„Wach auf, mein Herz, und singe, dem Schöpfer aller Dinge, dem Geber aller Güter, dem treuen Menschenhüter“. Wie sind wir damals aufgewacht und haben unsere Kehlen angestrengt und haben gesungen. Was war das ein schönes Aufwachen der leuchtenden Kinderaugen. Wie gerne haben wir das Lied gesungen. Die Zeiten sind vorüber. Die Kindheit ist vergangen. Wir stehen in der Arbeit an unserem Einmütig wird zuletzt der geschäftliche Teil erledigt. Der ruhige 2. Vorsitzende, Herr Bürgermeister Völker-Lich, schließt die Tagung mit dem Lutherliede. *** Die Tagung ist vorbei. Mit neuen Gedanken und Anregun— gen streben die Teilnehmer ihrer Heimat zu, den Geist der Tagung mit sich nehmend, den Geist der evang. Volksgemein— schaft. Der Mahnruf klingt in uns nach: Evangelische, wacht auf, wacht auf! Schließt euch enger zusammen, schließt euch politisch zusammen! Die Gefahren sind groß, die euch drohen. Anter— stützt die, welche sich in dem Kampfe für evangelisches Volkstum einsetzen! Unterstützt durch euren Eintritt die„Evangelische Volksgemeinschaft!“ W. Greb. Goltesherrjchaft im öffentlichen Leben. Von D. Jäger. (Schluß.) 8. Freiheit für Volk und Vaterland. Die Durchführung der Gottesherrschaft, die Gel— tendmachung von Wahrheit in Kirche und Schule, von Gerechtigkeit in Volk und Staat, von Liebe in Gesell— schaft und Wirtschaft, von Freiheit und Verantwortung des Einzelnen, von Frieden zwischen Klassen und Völ— kern ist nur möglich in einem Volk und Land, das selbst unabhängig und selbständig ist. Sonst wird diese Durch— führung stets von innen oder außen durch widerstrebende Gewalten gehindert oder wenigstens gehemmt. Bei uns handelt es sich im Inneren um die Unab⸗ hängigkeit von drei internationalen Mächten, von Rom, von Juda, von Moskau. Unsere ganze Geschichte ist ein fast ununterbrochener Kampf mit Rom gewesen. Das Hermannsdenkmal im Teutoburger Walde erhält das Gedenken wach an den Kampf unserer Urahnen um ihre Unabhängigkeit. Als in jahrhundertelangem Streit die von dem römischen Weltreiche drohende äußere Gefahr gebannt war, da drang seit Bonifatius die innere römische Gefahr ein. Das ganze Mittelalter ist durchtobt von dem Kampf zwischen Kaisertum und Papsttum auf politischem und kirchenpolitischem Gebiete. Durch Luther wurde die Schlacht auf das religiöse Gebiet verlegt und die Selb⸗ ständigkeit des christlichen deutschen Gewissens erkämpft, abhängig allein unmittelbar von Gott. Aber sofort nach seinem Tode setzten wieder die Anstrengungen ein, die im 30jährigen Kriege gipfelten und unser Volk an den Rand des Verderbens brachten. Bis zu seinem Untergange hieß das Reich das heilige römische Reich deutscher Nation, in seinem Kaiser und in seinen geist⸗ lichen Fürsten abhängig vom Pasttum. Das preußis che Königtum und das protestantische Kaisertum war in dieser langen Geschichte nur eine kurze Zeitspanne, und wieder steigt der Schatten des katholischen Siber: Volke Das Volk aber schläft Wir möchten 55 1110 Evan⸗ gelischen in die Ohren schreien: Wache auf! Es ist ein unheimliches Schlafen in unserem Volke. Es ist der Schlaf der Gleichgiltigkeit! Es kommt einem manchmal vor als ob die Herde samt ihren Hirten schlafen würde. Was war der Heiland für ein wacher Hirte. Wo sind die Hirten in un— serem evangelischen Volke? Die Wölfe gehen um Atheismus, Materialismus, Ultramontanismus. Wo sind die Hirten, die ihr Leben lassen für ihre Schafe? Sie haben allerlei Ausreden. Der eine will erst noch warten, der andere will auf den Ton noch hor⸗ chen, der dritte will noch zusehen. O über euch Mietlinge! Ist denn immer noch auf etwas zu warten, wenn die Gegenreformation in vollem Gange ist? Ist denn immer noch zu horchen, wenn das Heulen von 1300 Wölfen Loyolas uns in den Ohren gellt? Ist denn immer noch zuzusehen, wenn du 900 neue Klöster vor dir siehst. Wo sind die Hirten unseres evangelischen Volkes, die da keine Mietlinge sind, die da wachen und ihr Leben lassen für ihre Schafe? Wache auf, der du schläfst! Wenn die Hirten schlafen, warum sollen die Schafe nicht auch schlafen? Der Wolf aber schleicht herbei, sucht die Schafe Nicht die Hirten, sondern die Schafe haben den Nachteil. Nicht die Hirten unseres evangelischen Volkes, sondern unser evange— lisches Volk hat die Folgen von diesem unheimlichen Schlafe zu tragen. Es werden eben auf den Kanzeln unserer Kirchen wie— der mehr denn früher Erweckungspredigten gehalten. Man hat es dabei abgesehen auf solche, die zum Glauben erst gerufen wer⸗ den müssen. Eine Umfrage in England hat ergeben, daß mehr Leute zur Kirche kommen als Gläubige es sind. Damit haben diese Erweckungspredigten eine Berechtigung. Aber wollen wir die, die zur Herde gewonnen sind, nicht bewahren vor denen, die 5——— te Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg. am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen 8 oog 6 Ruümmer 42. CCC G VCC empor und droht die Fesselung Deutschlands durch ein neues Konkordat. Ein evangelischer Deutscher kann nicht anders, er muß die Selbständigkeit seines Volkes und Vaterlandes von Rom verfechten. Ein katholischer Deutscher ist hier oft in schwieriger Lage: als Deutscher stimmt er seinem evangelischen Volksgenossen bei, als Katholik fühlt er sich gebunden. Gottesherrschaft wol— len sie beide vielleicht ehrlich, aber Gottesherrschaft un— mittelbar durch die Kirche der Katholische. Hier gilt es wählen. Wir müssen durch einen neuen und schweren Geisteskampf hindurch. Aber neben dem römischen stärker der jüdische empor. Wohl gibt es seit des großen Karls Zeiten Juden in Deutschland, wohl haben sie wieder und immer wieder großen und größten Einfluß auf den Geldmarkt gewonnen, aber zum bestimmenden Einfluß nicht nur in der Geld-, sondern auch in der Geisteswelt haben sie sich erst im 19. und besonders im 20. Jahrhundert emporgeschwungen. Nicht nur den Zinsfuß, sondern auch das Jeitungswesen⸗ nicht nur die Wirtschaft, sondern auch die Wissenschaft und Kunst be⸗ herrscht in steigendem Maße Juda. Wenn christliche Völker sich entchristlichen, verfallen sie 1 dene Das scheint ein unerbittliches Gesetz der Geschichte z sein. Wie es gegen Rom keit Schahchehr gibt als 5 Evangelium, so Judas gegenüber keinen Retter als den Christus. Einfluß steigt immer Jüdischer Scharfsinn und deutsche Gründlichkeit, russische Leidensfähigkeit und asiatische Grausamkeit haben im Verein den Bolschewismus geschaffen. Er gipfelt im Proletkult, und er setzt sich durch in Christen⸗ verfolgungen. Nie hat das Antichristentum auf christ⸗ lichem Boden so unverhüllt sein Gesicht gezeigt wie in Moskau, denn der Mammonsgötze war fast immer ver⸗ schleiert wie das Bild von Sais. Der Kampf gegen dieses Widerchristentum kann durchgeführt werden nur im Zeichen des Kreuzes. Evangelisch, christlich, zum Martyrium bereit allein kann die Gottesherrschaft bei uns siegen, unserem Volk Selbständigkeit, unserem Va⸗ terland Unabhängigkeit schenken. Gegenüber dieser Herrschaft fremder Mächte, die immer mehr Macht gewinnen, je mehr wir selbst uns unseren Nationalsünden versklaven, erscheint die äußere Unterdrückung durch Nachbarvölker, wie wir sie immer wieder durch Frankreich, hin und wieder durch Schwe⸗ den, durch Polen, durch Russen und Türken erlitten haben, fast als die geringere Gefahr. Ein innerl. frei ge⸗ wordenes Volk schüttelt die äußeren Bande ab wie Sim⸗ son die Stricke der Philister. Ihm wurden nicht die feindlichen Gewalten gefährlich, wohl aber die Buhl⸗ künste des Feindes. Die deutsche Freiheit gegenüber Menschen ist nur gesichert durch die christliche Gebunden⸗ heit an Gott. Je souveräner in uns und unter uns und über uns unser Gott herrscht, um so freier sind wir Menschen. Aauaddandmadamonanmddomamamdanmdanmacdonenmaddddandaadadundddanm Werbt für oͤie„Evangelische Warte“! Aeedbdacnoadddadadadddaddaddadadadadadodadadaadadadadadaadadana. . ͤ ĩðVvwßßß rv... ˖ ihnen das evangelische Glaubensgut durch List oder Gewalt wie⸗ wieder nehmen wollen? Darum wachet auf! Es gilt ein mächtiges Aufrütteln in unserem ganzen evan⸗ gelischen Deutschland. Es gilt eine evangelische Mobilmachung in allen evangelischen Kreisen vom evangelischen Tagelöhner bis zum evangelischen Kommerzienrat. Ueberall muß aufgerüttelt und wachgeschüttelt werden. Eines Sonntagsmorgen wurde in meinem Wohnort das Feuersignal geblasen. Wie waren da Leute auf den Beinen, die nie Zeit haben, wenn es sich um eine evan⸗ gelische Sache handelt. Es brennt aber auch um unsere evange⸗ lische Sache! Das Feuersignal ist schon lange geblasen worden. Stehe auf von den Toten! Evangelisches Volk werde lebendig! Allerdings, wer andere wecken will, der muß erst selbst wach geworden sein. Darum wollen wir diesen Weckruf des Apostels Paulus auf uns beziehen, auf uns Leser der„Evangelischen Warte“. Wir wollen nicht diese Zeilen lesen und das Blatt hin⸗ legen mit den Worten:„Der Mann hat recht!“ Nein, damit hilsst du gar nichts. Wirken mußt du, werben mußt du! Frage dich beim Schluß jeder Woche:„Was habe ich für die evangelische Sache, was für die Erhaltung des teuren Erbes unseres Dr. Mar⸗ tin Luther getan?“ Lege jede Woche vor deinem Gewissen Rechnung ab, ob du wirklich wach bist, oder ob du auch noch schläfst? Nur wer wacht und aufsteht, den wird Christus er⸗ leuchten. Auf, auf, mein Geist, ermüde nicht, Dich durch die Macht der Finsternis zu reißen! Was sorgest du, daß dirs an Kraft gebricht? Bedenke, was für Kraft uns Gott verheißen. Wie gut wird sich's noch nach der Arbeit ruhn! Wie wohl wird's tun! Amen. Hr. 1 1 Sonnabend, den 16. Oktober 1926. „Evangelische Warte“ die Bedeutung der Preijt im öffentlichen Leben. Bericht über den von Schriftleiter Hamburger am 2. Oktober anläßlich der 2. Reichstagung der Evangeli⸗ schen Volksgemeinschaft zu Frankfurt a. M. im„Storchen“ gehaltenen Vortrag. Welche Macht die Presse haben kann, schilderte ein⸗ leitend der Vortragende an der feindlichen Presse im Weltkrieg. Nicht die feindlichen Waffen, sondern die von einer Stelle in England geschickt geleitete Weltpresse habe Deutschland um den Sieg gebracht. Hier sehe man, was die Presse bei der Bildung der öffentlichen Mei— nung für eine gewaltige Bedeutung habe. Die Auf— gabe der Presse sei einmal Nachrichten über die Tages⸗ ereignisse zu bringen, ein ander Mal bestimmte Gedan⸗ ken vor den Lesern darzulegen, zu begründen und An— hänger für diese Gedanken zu werben. Die erste Auf⸗ gabe hat unter den Zeitungen einen unschönen Wett— bewerb verursacht. Jede Zeitung will die Ereignisse zuerst bringen. So kann es vorkommen, daß voreilige Zeitungsmänner über eine Tagung eher berichten, als diese überhaupt begonnen hat. Als Beispiel führte er eine Berliner Pressestelle an, welche über die Berner Kirchenverhandlungen vier Stunden eher berichtete unter Anführung von Reden, die nie gehalten wurden, als die Verhandlungen in Bern überhaupt begonnen haben.. Die zweite Aufgabe der Presse hat man heute im gesamten öffentlichen Leben erkannt. Wir können uns heute das öffentliche Leben eines Kulturvolkes gar nicht mehr vorstellen ohne das Zeitungswesen. Sobald ein Verein entsteht, sucht er sobald als möglich, sich ein Ver— einsorgan zuzulegen. Dies gilt von den Berufs- und Standesvereinen, wie auch von Geselligkeits- und Ver⸗ gnügungsvereinen. Dazu kommt das Wirtschaftsleben, das heute nicht ohne seine Organe zu denken ist. Die Bauernschaft, die Industrie, der Mittelstandt, die Ar— beiterschaft haben sämtlich ihre Wirtschaftspresse. Besondere Bedeutung hat aber das Pressewesen in der Politik erfahren. Frühzeitig hat die Sozialdemo— kratie den Wert der Zeitung erkannt. In volkstüm⸗ licher Weise hat sie durch leicht faßliche Schlagworte ihre Gedanken in ihre Anhängerschaft hineingerufen. Durch stets neue, dem Empfinden der breiten Masse zusagende Schlagworte weiß sie ihre zweifelnden Anhänger aufs neue wieder zu fesseln. Aber auch auf Seiten der ande— ren Parteien ist die große Bedeutung der Presse ge— wertet worden. Es gibt keine Partei in Deutschland ohne ihre Parteipresse. Von den Parteien interessiert uns am meisten das Zentrum. Die Zentrumspresse ist entstanden aus der katholischen Presse. Die Presseart hat ihre Entstehung hauptsächlich erst im 19. Jahrhun⸗ dert. Zu erwähnen ist die 1848 begründete Rheinische, später Deutsche Volkshalle. Nachdem diese 1855 von der Polizei unterdrückt wurde, entstand in Frankfurt a. M. das katholische Zentralorgan Deutschland, das politisch zu Oesterreich hielt. Als die Pressefreiheit mit dem Jahre 1848 erreicht war, sehen wir eine starke Zu⸗ nahme der katholischen Presse. So 1 1849 das Mainzer Journal, 1869 die Kölnische Volkszeitung. Letz⸗ teres Blatt ist aus den 1860 begründeten Kölnischen Blättern hervorgegangen, welche bereits 1866 über 6500 Abonnenten zählte. Allmählich wurden diese religiöbsen Zeitungen zu politischen Zentrumsblättern. Mit Gründung der Zentrumspartei trat diese Schwen⸗ kung ein. 1871 entstand als Kampfblatt, welchen Cha⸗ rakter es bis heute behalten hat, die Germania. Sie ist das Hauptorgan der Zentrumspartei bis auf den heutigen Tag geblieben. Im Jahre 1876 betrug die Zahl der Zentrumsblätter 172. Im Jahre 1880 zählte man 600 000 Abonnenten der Zentrumsblätter. Von da an ist der Aufschwung der ultramontanen Presse in ständigem Wachsen begriffen. Um dies deutlich zu machen, verglich der Redner die Zahlen von 1890, 1900 und 1909 mit einander. 1890 gab es 94 täglich, 48 drei⸗ mal, 55 zweimal und 75 einmal wöchentlich erscheinende, zusammen 272 Zentrumsblätter. 1900 gab es 171 täg⸗ lich. 7 viermal, 94 dreimal, 59 zweimal, 88 einmal wöchentlich erscheinende, zusammen 419 Zentrumsblätter. 1909 gab es 278 täglich, 14 viermal, 134 dreimal, 83 zweimal, 64 einmal wöchentlich erscheinende, zusammen 573 Zentrumsblätter. Wie steht es daneben mit der evangelischen Presse? In ihren Anfängen stand die deutsche Presse den evan— gelischen Einflüssen nicht fremd gegenüber. Denken wir nur daran, daß A. H. Francke die Hallesche Zeitung 1708 gründete und leitete. 1814 leitet der große Theo— loge Schleiermacher den Preußischen Korresnon⸗ denten. Jedoch hatte damals die Presse nicht die Be— deutung und Verbreitung wie heute. Die Zeitungen Deutschlands wurden mit ihrer Verbreitung gegenüber der evangelischen Weltanschauung gleichgültig. Viel Schuld daran ist der jüdische Einfluß, der in vielen Re⸗ daktionsstuben ausschlaggebend ist. Aber auch dort, wo grundsätzlich kein Jude als Redakteur eingestellt wird, herrscht oft eine bodenlose Gleichgültigkeit. Der Redner wies darauf hin, wie über evangelischen Tagun— gen schon in früheren Zeiten von den Zeitungen so ober— flächlich berichtet worden ist. In Hessen steht den 8 Zen— trumsblättern nur die wöchentlich einmal erscheinende „Evangelische Warte“ gegenüber. Wie steht es im Reiche mit evangelischen Zeitungen? Wir haben den Tag, die Tägliche Nundschau, den Reichsboten. Der Letztere ist nicht ein evangelisches, sondern ein deutschnationales Blatt. Die Tägliche Rundschau ist keine evangelische, sondern die Zeitung Stresemanns. Dazu ist der Auf⸗ wärts zu nennen. Mit ihm haben wir den Anfang, eine gute evangelische Zeitung zu besitzen, die unab— hängig von allen Wirtschaftsgruppen ist. Ein guter Anfang war auch die Frankfurter Warte. Es ist schade, daß sie in der Kriegszeit der Notlage erliegen mußte. Wie wenig ist dies nun alles gegenüber der Arbeit im römischen Lager. Wollen wir auf treuer Wacht stehen, daß das Werk unseres Dr. Martin Luther in Deutsch— land nicht erdrückt wird durch Rom und die deutsche Gleichgültigkeit, dann müssen wir fordern: Evangelische schafft evangelische Zeitungen; Evangelische lest nur evangelische Zeitungen! Dem mit allgemeinem Beifall aufgenommenen Vortrag folgte eine Aussprache, welche sich hauptsächlich auf Wünsche über das Organ der Evangelischen Volks— gemeinschaft,„Evangelische Warte“, bezog. Ferner konnte von Seiten des Vorstandes mitgeteilt werden, daß ein neuer Vertrag über ein neues Organ für Nord— deutschland abgeschlossen worden ist. Das neue Blatt heißt: Evangelisches Echo. Es erscheint in Rendsburg im Verlage Heinrich Möller Söhne und wird geleitet von W. Schädler in Neumünster, Kloster⸗ straße 52. Wir von der„Evangelischen Warte“ rufen dem Schwesterorgan ein herzliches„Glück auf“ zu. um eine neue Volksbildung. Im nördlichen Zipfel des Kreises Wetzlar liegt auf steiler Bergeshöh' und schaut weit hinaus ins Land: Burg Hohensolms. Westerwald, Taunus, Vogelsberg und die Lahnberge schauen zu ihr herüber. Die Ruinen Gleiberg und Vetzberg und die Stadt Gießen grüßen zu ihr herauf. Hier hat seit zwei Jahren die„Ehrist⸗ deutsche Jugend“, deren Führer Professor D. Dr. Cor-⸗ dier⸗Gießen ist, ihr Bundesheim. Zu froher Gemein- schaft und ernster Zwiesprache findet sich hier Jugend aus allen Gauen Deutschlands für Tage und Wochen zusammen, Jugend, die etwas will: eine neue Lebens⸗ gestaltung im Geiste evangelischen Christenglaubens und echten Deutschtums. In diesem Heim hat die Christdeutsche Jugend auch eine Volkshochschule einge⸗ richtet, die von dem Ortspfarrer F. W. Petri geleitet Nr. 42. wird. Im Winter und Frühjahr hält sie ihre Kurse, alljährlich einen für junge Männer und einen für junge Mädchen von je 3 Monaten Dauer. Vom Land und von der Stadt kommen dann die jungen Leute auf die Burg hinauf, sie wohnen ganz dort, die Heimküche sorgt für die Verpflegung, im Heim leben sie als Kameraden untereinander und mit Lehrern und den Helfern des Heimes wie in einer großen Familie zusammen, die sich auch zur Morgen- und Abendandacht zusammenfindet. Mit Unterricht, Arbeitsstunden und der notwendigen Bewegung in der freien Luft ist der Tag ausgefüllt. Was will die Christdeutsche Heimvolkshochschule? Eine Volksbildung, auf dem Boden eines evange⸗ lischen Christenglaubens und eines wahren, echten Deutschtums.— Vielerlei Zeitschriften, billige Bücher, die leichtverständlich viel Wissenswertes bieten, Film und Radio sorgen für„Volksbildung“. Die Volkshoch⸗ schule ist aber der Ansicht, daß das keine rechte Volks— bildung ist. Nicht der Mensch ist gebildet, der allerlei weiß. Wahrhafte Bildung hat die Persönlichkeit, bie selbständig denkt, ein klares sicheres Urteil hat, und die ihr Leben und Handeln richtet nach dem, was ein tiefes Gemüt und ein fester Glaube ihr sagen. Solche Men⸗ schen brauchen wir heute mehr denn je. Krank liegt unser Volk am Boden. Ein innerer Feind nagt an seinem Mark: Undeutschheit, Unsittlichkeit und Un⸗ glaube, bittere soziale Not und schleichende Krankheiten fressen ihm am Lebensnerv. Wissen ist notwendig, aber was nützt alles Wissen, wenn nicht Menschen da sind, die mit heißem Herzen und kraftvollem Wollen sich ein— setzen für den Kampf gegen diesen Feind, für ein Neu⸗ werden unseres Volkes? Schule, Kirche, Jugendvereine wollen solche Persönlichkeiten erziehen. Ist darum die Volkshochschule noch nötig oder überflüssig? Ihre Stärke liegt in ihrer besonderen Einrichtung. Es sind die jungen Menschen von 18—25 Jahren, die hierhin kommen, denen gerade alle Fragen, die sittlichen, reli— giösen, die sozialen und politischen ganz besonders auf der Seele brennen, denn bald werden sie zum Mann, zur Frau werden und dann müssen sie doch Klarheit über all dies haben. Sie verlassen einmal ihre Umgebung, ihren Beruf und gehen für ein Viertel oder ein halbes Jahr in die Stille. Zusammen mit gleichstrebenden Kameraden oder Kameradinnen leben sie dort. Und die Lehrer sind ja nicht Leute, die von oben herab ihre Wissenschaft bieten, sondern sie werden hier im Zusam⸗ menleben auch Freund und Kamerad. So können feste Grundmauern für die Persönlichkeit gebaut werden. Und wenn der junge Kamerad dann die Schule verläßt und ins Leben tritt, dann weiß er die Richtung ganz lar, die er zu gehen hat und kann weiterbauen auf den sicheren Grundmauern. Alle Schüler der bisherigen Kurse waren dankbar für eine solche Zeit des inneren Wachsens und Werdens. Was bietet nun der Lehrplan? Deutsche Geschichte(19. Jahrhundert), Deutsche Sprache und Dichtung, Heimatkunde(vor allem Kunst, Sitte, Geschichte der Heimat), Wirtschaftsgeographie und politische Geographie der Erde, Volkswirtschafts⸗ lehre(die Wirtschaftsfragen des 19. Jahrhunderts), Staatsbürgerkunde, Lebenskunde(Fragen der Sittlich⸗ keit und der Religion, Neues Testament), Gesellschafts⸗ kunde(Aufgaben in Familie, Gemeinde, Kirche und Staat), Weltanschauungslehre, Gesundheitslehre, Tur⸗ nen und Gesang. Den Mädchen wird dazu eine gute Ausbildung in Hauswirtschaft und Handarbeit gegeben, die anderen Fächer aber werden in diesen Kursen be⸗ schränkt. Die Mädchen werden auch mit den wichtigsten Aufgaben der häuslichen Erziehung bekannt gemacht und erhalten eine Ausbildung in Säuglings- und Krankenpflege. In den zwei Schulwintern seit Bestehen der Schule sind drei Mädchenkurse und ein Lehrgang für junge Männer abgehalten worden. Das soziale Zeitalter. Von Paul Rüffer, Vorsitzender des Verbandes ev. Arbeiter- und Volksvereine Groß⸗Berlin. 4. Fortsetzung. 8. Man kann jene Zeitspanne als eine Uebergangsperiode be— zeichnen. Die industrielle Entwicklung nahm ein immer schnel— leres Tempo an, denn nach Ansicht des neuen Reichskanzlers Caprivi mußten wir Waren ausführen, wenn wir die deutschen Menschen im Inlande behalten wollten. Die Gewerbezählung von 1882 ergab bereits in Bergbau, Industrie und Baugewerbe Millionen hauptberuflich tätige Lohnarbeiter, die Gesamtzahl aller Arbeiter betrug 10,7 Millionen. Nach der Reichsstatistik bezifferte sich die Zahl der aus den östlichen Provinzen Ausge— wanderten durchschnittlich zwischen 1882 und 1895 im Jahre auf 109 000 Personen, Bei der Gewerbezählung von 1907 wurden 8,6 Millionen Lohnarbeiter ermittelt, die Gesamtlohnarbeiter— schaft mit ihren Angehörigen zählte damals aber bereits 18,7 Millionen oder 30 v. H. der damaligen Bevölkerung des ganzen Reiches. Nach der politischen Seite stand diese Zeitperiode im Zeichen des sozialen Fortschritts und des sozialpolitischen Rückschritts. Die fortschrittliche Seite der Entwicklung wird gekennzeichnet durch die Namen Berlepsch, Posadowsky, Bethmann und Delbrück, der sozialpolitische Rückschritt aber vorzugsweise durch den Namen des Industriekönigs Stumm, der mit seinem mächtigen Einfluß noch einmal zeitweilig mit Erfolg versuchte, die sozialpolitische Entwicklung zurückzuschrauben. In diese Zeit der sozialpolitischen Reaktion fällt der vergebliche Versuch, die Umsturz- und Zucht⸗ hausvorlage im Reichstage zur Annahme zu bringen. Trotz dieser reaktionären Versuche ist doch die sozialpolitische Gesetzgebung in jener Zeit in folgender Weise gefördert worden. 1890 wurde das Gewerbegerichtgesetz vom Reichstage verab— schiedet, 1891 trat die Novelle der Reichsgewerbeordnung in Kraft, in der die bisherigen Arbeiterschutzbestimmungen, bezüg- lich der Sonntagsruhe, sowie der Beschäftigung der jugendlichen Arbeiter und Arbeiterinnen erheblich erweitert wurden. Der sogenannte hygienische, normale Arbeitstag wurde festgelegt, d. h. der Bundesrat konnte mit Verordnungen eingreifen, wenn Gefahren für die Gesundheit der Arbeiter in den Betrieben vor⸗ handen waren. Auf Grund der Bundesratverordnung vom 4. März 1896 wurde die 12stündige Arbeitszeit für das Bäckerei⸗ gewerbe eingeführt. Der Frauenschutz wurde in den Gesetzen von 1891 und 1908 verbessert, der 10stündige Arbeitstag oder die 58stündige Arbeits- woche für die Arbeiterinnen festgelegt, die Nachtarbeit verboten und der Wöchnerinnenschutz eingeführt. Verboten wurde die Kinderarbeit unter 13 Jahren in Betrieben, in den in der Regel mindestens 10 Arbeiter beschäftigt waren. Kindere unter 13 Jahren, wenn sie nicht mehr zum Besuche der Volksschule ver— pflichtet waren, durften nur täglich sechs Stunden arbeiten. Das Kinderschutzgesetz von 1903 untersagte überhaupt die Arbeit fremder Kinder in Fabrikbetrieben. Für die 14 bis 16jährigen galt der 10stündige Arbeitstag. Der Fortbildungs- schulzwang und die 14tägige Kündigungsfrist wurden eingeführt. Das erste Heimarbeitsgesetz, das die Lohnbücher, Preislisten und Fachausschüsse vorsah, wurde 1911 erlassen. Die sozialen Ver⸗ sicherungsgesetze wurden weiter ausgebaut, für die Kranken⸗ versicherungen sind die Gesetze von 1892, 1900 und 1903, die die Erweiterung des Kreises der Versicherung und die Verlängerung der AUnterstützungspflicht von 13 auf 26 Wochen brachten, maß⸗ gebend. Im Jahre 1899 wurde der Invalidenversicherung eine 5. Lohnklasse angefügt. Im Jahre 1900 wurde durch fünf Gesetze die Organisation der Unfallversicherung erweitert und ihre Leistungen erhöht. Das letzte große Versicherungswerk der Vorkriegszeit war die Reichsversicherungsordnung von 19. Juni 1911 und das Angestelltenversicherungsgesetz vom 20. Dezember desselben Jahres. Der Ausbruch des Weltkrieges verhinderte nicht nur naturgemäß jede weitere gesetzgeberische Tätigkeit auf dem Gebiete der Sozialpolitik, sondern notgedrungen mußten auch während der Dauer des Krieges die Arbeiterschutzbestim⸗ mungen außer Kurs gesetzt werden. Die staatliche Sozialpolitik wurde in jener Zeit gefördert durch die christlich-sozialen Bestrebungen in beiden konfessio⸗ nellen Lagern. 1890 rief Stoecker den evangelisch-sozialen Kon⸗ greß und 1895 die kirchlich-soziale Konferenz ins Leben. Der Gesamtverband evangelischer Arbeitervereine, der Jahrzehnte lang von D. Ludwig Weber erfolgreich geleitet wurde, trat ins Leben, und auf katholischer Seite wurde die Arbeitervereinsbe⸗ wegung durch den„Volksverein für das katholische Deutschland“ gefördert. Neben diesen Bestrebungen nahmen die Bodenreform⸗ bewegungen und die„Gesellschaft für soziale Reform“ das sozial⸗ politische Interesse weiter Volkskreise in Anspruch. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß alle diese Bestrebungen an ihrem Teil doch die Sozialpolitik des Staates beeinflußt haben. Auf gewerlschaftlichem Gebiet entwickelten die sozialistischen Klassenkampfgewerkschaften eine außerordentlich lebhafte Tätig⸗ leiit. Seit der Jahrhundertwende aber traten die christlichen Ge⸗ werkschaften stärker in die Erscheinung und versuchten die Mono⸗ polstellung der sozialistischen Gewerksaftsrichtung zu brechen. 1903 trat der christlich-nationale Arbeiterkongreß zu Frankfurt a. M. zusammen. Von da ab besitzen wir in Deutschland eine christlich-nationale Arbeiterbewegung. Die Struktur des Zeit⸗ alters nimmt einen immer stärkerem sozialen Charakter an. Es war schließlich für alle klar, die Augen hatten zu sehen: Die liberale Wirtschaftsauffassung war im Verschwinden begriffen, jeder mußte sich sagen, wir wachsen immer mehr in die Formen der sozialen Epoche hinein. Es fragt sich nur, ob dieses natür⸗ liche Wachstum nicht gestört werden würde durch Ausbrüche des revolutionären Geistes. Fortsetzung folgt. ——— —— les e i de Kacke holde Ats0 ande et weilld u d. geen 6 unge pulde Habt diche t w hett. n 8 Agefü kedürf derbe de ve bdigli Reiteif duch d. her f gehen herbe he N n. Aug dh fl 1 hellt Sc desi die elkeic 11 lille ulsc dag Agebs iki ere Ini Nen sachol don 72 itte! U 95 itte N in den sgeno 5— n ö Sonnabend, den 16. Oktober 1926. 0 Die Winterlehrgänge 1926/27 liegen wie folgt: und 1. Lehrgang für junge Männer: 1. November 1926 bis 5 0 bis 1. Februar 1927; f N 2. Lehrgang für junge Mädchen: 15. Februar 1927 bis Un 15. Mai 1927. des Teilnehmen können unbescholtene junge Leute über ech 18 Jahre, einerlei welcher Schulbildung und welchen lde, Beruf sie haben. Die Kosten betragen 60 1 monatlich. igen Von Landwirten kann ein Teil der Kosten durch Lebens— „mittel beglichen werden. Jugendliche Erwerbslose wer— den darauf hingewiesen, daß die Behörden wünschen, nge. daß sie die Zeit ihrer Erwerbslosigkeit zu ihrer Fort— en bildung benützen. Es besteht daher begründete Aussicht, her daß ihnen bei Besuch des Lehrgangs die Unterstützung Jin 1 gezahlt wird, mit der sie die Kosten des Lehrgangs be— hoh. streiten können. Sie wollen sich dieserhalb sofort an die alk Schule wenden.. erde Alle Anfragen und Anmeldungen sind zu richten an Herrn Pfarrer Petri⸗Hohensolms(Kreis Wetzlar). al Dort erbitte man auch den genau ausgeführten Lehr⸗ d di] plan. 10 F Nep. 110 be Sonntagsruhe in Gefahr! t aß Der im Reichsarbeitsministerium fertiggestellte Entwurf Un. eines Arbeitsschutzgesetzes will zwar erfreulicherweise der höhe— eiten“ ten Verwaltungsbehörde das ihr zurzeit zustehende Recht ab— aber sprechen, neben den sechs Ausnahmesonntagen, die die Ortspolizei⸗ 0 behörde zulassen kann, allgemein noch vier weitere Sonntage für den Verkauf freizugeben und setzt die Höchstbeschäftigungsdauer an den Ausnahmesonntagen von 8 auf 6 Stunden herab. Aber diesen Verbesserungen im Sinne einer ausgedehnteren Sonntags- tuhe steht als um so größere Verschlechterung gegenüber, daß J die höhere Verwaltungsbehörde das Recht erhalten soll, in Wall— sahrtsorten und ähnlichen Orten mit zeitweilig besonderem Fremdenverkehr weitere Ausnahmesonntage ohne Festsetzung einer Höchstzahl zuzulassen; außerdem soll in Gemeinden mit 5%% weitläufiger Siedlungsweise eine regelmäßige Verkaufszeit bis Nang. ju zwei Stunden auch für Verkaufsstellen, die nicht Bedürfnis⸗ t über gewerben dienen, zugelassen werden können. bung Gegen diese folgenschweren Verschlechterungen der Bestim— galbte mungen über Sonntagsruhe setzen sich die Organisationen der 115 Handelsangestellten in zwei sehr lesenswerten Schriften von M. U Hörbrand„Die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe“ und W. b ihn. Bösche„Die Sonntagsruhe in Gefahr“ zur Wehr und fordern sam eine wirkliche, nicht durch zahllose Ausnahmemöglichkeiten durch— n fest! 9 löcherte Sonntagsruhe. In reicher Fülle werden Aeußerungen erden, bon Behörden, Geschäftsinhabern und Gewerbeaufsichtsbeamten erlay“ angeführt, aus denen hervorgeht, daß ein wirkliches Sonntags— ga bedürfnis nicht besteht, außer in sehr wenigen Bedürfnisge— f den werben und etwa an einem Sonntag vor Weihnachten, und daß eiige die volle Durchführung der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe mere lediglich Sache der Gewöhnung des Publikums an richtige Zeiteinteilung und soziale Rücksichtnahme ist. Von Gewicht sind auch die angeführten Kundgebungen evangelischer und katholi— scher kirchlicher Behörden und Verbände, die sich aufs bestimmteste eulsh gegen jede Verschlechterung der Sonntagsruhe im Handelsge— Kuß werbe aussprechen und einen möglichsten Ausbau der Sonntags⸗ fahl ruhe als soziale und religiößse Pflicht bezeichnen. chat ö In der Tat hat das zermürbte deutsche Volk von den Werten dert der Volksgesundheit, des Familienlebens und der seelischen Er— ilch pbebung, für deren Pflege die Sonntagsruhe grundlegend ist, cho nicht mehr viel zu verspielen. Wer die Sonntagsruhe für sich n elbst fordert, muß sie auch den andern gönnen. „ e eee 9100 Abertritte. sen 14 Von einem starken Rückgang der Kirchenaustrittsbewegung tigte 1 berichtet das soeben erschienene kirchliche Jahrbuch von Prof. D. ent, Schneider. Danach sind die Austritte aus den evangelischen Lan— „„% deskirchen zum Freidenkertum oder ohne nachfolgenden Anschluß, die mit 305 584 i. J. 1920 ihren Höhepunkt in der Nachkriegszeit E erreicht hatten, von 111 866 i. J. 1923 noch weiter auf 68 347 10 jun J. 1924 herabgesunken. Andererseits ist die Zahl der Wiederein⸗ 5 tritte von 17 236 i. J. 1923 auf 22 218 gewachsen, wobei Mittel⸗ — deutschland, ein früherer Mittelpunkt der Kirchenaustrittsbe— wegung, im Vordergrund steht. Die örtliche Verteilung dieser Ergebnisse ist sehr verschieden. Die Austritte zu den Sekten und Freikirchen haben sich von 6994 i. J. 1923 auf 13 193 vermehrt. Andererseits haben auch die Uebertritte von den Sekten und Freikirchen zu den evangelischen Landeskirchen etwas zugenom— men(1538 gegen 1269 i. J. 1923). Die Zahl der Austritte zur klatholischen Kirche in Deutschland ist nach katholischen Angaben von 7245 i. J. 1923 auf 6953 zurückgegangen, während die Ueber⸗ offess 90 leite von Katholiken zur evangelischen Kirche um über tausend, 1 170 suen 9547 i. J. 1923 auf 10 773, angewachsen sind. Diese Ueber⸗ 9 4 kritte zur evangelischen Kirche haben namentlich in Sachsen sowie ach 15 den süddeutschen Ländern Bayern, Württemberg und Baden 1 e. i 55 chu 1 , Vom Kampf um die Weltanschauung. h Eine andere Religion. 1 1 In evangelischen Kirchen vernimmt man oft das Wort von u der latholischen Schwesterkirche, ein Wort, das auf die Kirche der 19 Reformation angewandt, man in römischen Kirchen niemals i hört. Die Anschauung ist weit verbreitet in der evangelischen . 5 Welt, Katholizismus und Protestantismus seien nicht nur ge⸗ ihn 1 schichtlich auf demselben Aste gewachsen, sondern sie seien tatsäch⸗ 0 5 lich nah mit einander verwandt, hätten vieles Gemeinsame und 1 10 es sei erstaunlich, wie weit die Uebereinstimmung gehe. In Wirk⸗ if 0 lichkeit ist dies Urteil falsch. Zwischen beiden Kirchen ist„eine 10 13 Kluft befestigt“, so breit, daß man von ihnen ruhig als von ganz 15 05 berschiedenen Religionen sprechen kann. Wie ganz anders röm. 5 5 Art als evangelische ist, zeigt schlagend z. B. eine Notiz, die die . Rhein⸗ und Wied⸗Zeitung“ vom 9. September mit innigem behlshe Behagen ihren Lesern bringt unter der Ueberschrift:„Die Weihe d, von 900 Automobilen. In Quebeck(Kanada) segnete der Pfarrer 6 5 don St. Louis am 30. Mai feierlich 900 Automobile. In seiner uh Rede führte er aus, daß das Auto zwar treffliche Dienste im Ver⸗ „Evangelische Warte“ (In den Vereinigten Staaten erreichte die Zahl der tötlichen Autounglücksfälle im letzten Jahre 25 0001!) Deshalb sei es voll- kommen begründet, daß die Gläubigen beim Gebrauch des Autos mit einer besonderen Weihe den Schutz der Vorsehung anriefen. Die Kirche segne alle wichtigen Gebrauchsgegenstände des mensch— lichen Lebens, wobei freilich der Segen nicht dem leblosen Stoffe, wohl aber jenen gelte, die diesen Gegenstand gebrauchten.“ Zwi— schen dieser„Religion“ und evangelischer Art gibt es leine Brücken und Stege. * Priesterliche Unduldsamkeit. Einen ganz krassen Fall römisch-katholischer Unduldsamkeit meldet die in Bielitz„Neue Evangelische Kirchenzeitung“ vom 15. September 1926, aus Polen. Hier war in Seroczyn der evangelische Gutsbesitzer Werner gestorben. Er hatte der dor— tigen römisch-katholischen Pfarrgemeinde eine schöne Kirche ge— baut, der römisch-katholische Ortspfarrer war in seinem Hause aus- und eingegangen und zur katholischen Gemeinde stand er im besten Verhältnis. Für alles dieses lehnte es derselbe katholische Pfarrer ab, am Sarge des Toten ein Gebet zu spre— chen, er verbot sogar, daß die Glocken der von dem Verstorbenen gestifteten Kirche zu dessen Begräbnis geläutet wurden, ja noch mehr, er verweigerte sogar die vorübergehende Ueberlassung des Kreuzes, das den Begräbnissen vorangetragen wird. Das ging seinen ob soviel priesterlicher Intoleranz aufs höchste erbitterten Pfarrkindern aber doch zu weit, sie entwendeten heimlich das Kreuz und trugen es dem toten Patron ihrer Kirche voran.— Und so etwas zetert dann bei jeder Gelegenheit über: Störung des konfessionellen Friedens. * Amtliche Förderung der Jugendweihe zur Verdrängung der Konfirmation. In Hamburg hat soeben die Oberschulbehörde, an deren Spitze ein Sozialdemokrat steht, den Schulleitern die Anweisung gegeben, in den Schulräumen Werbeplakate der Arbeitergemein— schaft Jugendweihe anzubringen. Daneben sollen Ankündigun— gen über die christlichen Konfirmationen aufgehängt werden. Der Zweck der schulamtlichen Verordnung ist also offensichtlich, zwi— schen Jugendweihe und Konfirmation einen Wettbewerb zu ver— anstalten. Dieser Versuch, mit weltanschaulichen Kämpfen Kin— derköpfe zu verwirren und die Kirche zu öffentlichem Konkurrenz— kampf ausgerechnet mit diesen Kreisen zwingen zu wollen, ver— anstaltet von einer Erziehungsbehörde, ist nicht nur unwürdig, sondern grenzt hart an groben Unfug. Die kirchlichen Vorstellun— gen, von jeder Ankündigung in den Schulräumen abzusehen, sind vergeblich geblieben. Infolgedessen hat die letzte Hamburgische Kirchensynodalversammlung die Zurückziehung der kirchlichen Ankündigung und bei weiterer Gestattung der Jugendweihe— plakate Beschwerde beim Senat beschlossen. * „Buntscheckiger“ Weltprotestantismus? Katholischerseits scheint man schon jetzt das Ergebnis der Weltkonferenz„für Glauben und Kirchenverfassung“(faith and order) die im Sommer 1927 in Lausanne tagen wird,„mit Sicherheit voraussagen“ zu können. Die„Germania“(18. 9. 1926) druckt mit sichtlicher Genugtuung einen Artikel aus der Feder des Jesuiten M. Reichmann ab, den dieser im Septemberheft der „Stimmen der Zeit“ veröffentlicht.„Auch wenn die Tagung in Lausanne, die auf einen Monat angenommen ist, ein Jahr und länger dauern sollte, und wenn auch auf diese erste Konferenz viele ähnliche folgen sollten, wird die Einigkeit am Ende ebenso groß sein wie am Anfang.“ Man brauche kein Prophet zu sein, um das vorauszusehen. Das praktische Christentum des Welt⸗ protestantismus sei doch auch nach Stockholm so„buntscheckig“ geblieben wie bisher. Man werde schon zufrieden sein müssen, „wenn der ernstgemeinte christliche Gebetsgeist, der viele Kund— gebungen der Konferenz und ihres Sekretariats auch jetzt durch— weht, üblere Folgen und neue Verbitterungen und Spaltungen hintanhält.“ In den einzelnen Fragen, die die Konferenz be— schäftigen werden,„lauere“ schon jetzt der„Wurm der Zersetzung“. Die Aussicht auf eine Einigung der Frage nach der Auffassung des Abendmahls sei„verzweifelt“. Die Einsetzung des„Siebener— ausschusses“ sei das„Geständnis vollständiger Ratlosigkeit“.„In unseren Tagen des zügellosen Subjektivismus und der Verwahr— losung der Gewissen würde eine etwaige Einigung der Führer, auch wenn sie möglich wäre, an der Masse der Namenchristen er— folglos abgleiten.“„Die nächstjährige Versammlung in Lau— sanne wird nicht als Herzenssache der großen protestantischen Welt, sondern höchstens als Professoren- und Theologenkongreß größeren Stils bewertet, mit Neugierde betrachtet oder auch— abgelehnt.“— Die Ausführungen gipfeln in der zuversichtlichen Gewißheit:„Der Weg endigt in der Sackgasse.“— So wünscht es Rom Aus Politik und Parlament. Vom Reichsschulgesetz. Nachdem über die Vorarbeiten an dem vom Reichsinnen— ministerium vorbereiteten Reichsschulgesetzentwurf allerlei Mit— teilung an die Oeffentlichkeit gedrungen sind, hat neben anderen schulpolitischen Gruppen auch die Führerschaft des Reichseltern— bundes bei einer jüngst nach Berlin einberufenen Tagung Stel— lung genommen. Mit Bestimmtheit wiederholt sie die im Namen von Elternrecht und Gewissensfreiheit auch früher schon ausge— sprochenen Forderungen: 1. Der Belenntnisschule muß Gleichberechtigung und gleiche staatliche Förderung wie den anderen in der Reichsverfassung an— gesehenen Schularten gewährt werden. 2. Die Schulen, die bei Erlaß der Reichsverfassung bestanden, sollen ohne besondere Anmelde- und Antragsverfahren erhalten bleiben. Für andere als diese Schulen soll die Möglichkeit der sofortigen Eröffnung eines Antragsverfahrens gegeben werden. 3. Die Bestimmung darüber, was ein geordneter Schul⸗ betrieb ist, soll durch Reichsgesetz getroffen werden. Dabei soll auch die Schule mit geringer Gliederung als ein geordneter Schulbetrieb anerkannt werden. J. Bei der inhaltlichen Bestimmung der Bekenntnisschule kehrswesen leiste, aber auch oft genug Unglücksfälle herbeiführte. soll zum Ausdruck kommen, daß in ihr entsprechend der Forderung der Erziehungswissenschaft, das gesamte Schulleben vom Geist der betreffenden Welt- und Lebensanschauung durchdrungen ist. 5. Der Religionsunterricht soll gesichert werden, wobei eine Mitwirkung der Religionsgemeinschaft nach Art. 149 der Reichs⸗ verfassung durch geeignete Organe vorzusehen ist. ——ñ— ¶— vr r r 2 7 Kleine Nathrithten. Ein Ausreiseverbot. Landesbischof der evangelischen Kirche Rußlands, Bischof Malmgren in Petersburg, ist von der Moskauer Regie— rung die Erlaubnis zur Ausreise nach Deutschland zur Teil— nahme an der diesjährigen Tagung des Gustav-Adolf-Vereins ohne Angabe von Gründen verweigert worden. * Helfe, was helfen mag. In Frankreich wird jetzt, einem Bericht der„Schöneren Zu— kunft“ Nr. 50 zufolge, von römisch-katholischer Seite der Katechis— musunterricht durch den Film in Angriff genommen. Zehn Films wurden bereits in einer Länge von je 450 Fuß fertigge— stellt. Jeder Film wird mit den textlichen Erläuterungen unge— fähr 40 Minuten in Anspruch nehmen. Die zehn Filme behan— deln die sieben Sakramente und die Messe, alle Messefunktionen sind durch Priester der Diözese Paris dargestellt. Eine weitere Filmreihe, die die Geschichte der Riten von den ältesten Zeiten, bis zur Gegenwart nach katholischer Auffassung behandeln wird, ist in Vorbereitung. Dem Deutschenhaß. Bei dem internationalen Kampf für Frauenhaarschmuck, der in Brüssel stattfand, errang der Friseur Steinbock aus Hannover den ersten Preis. Der zweite und dritte Preis fiel an Frankreich und England. hrend nach der Bekanntgabe der Sieger die Klänge der französischen und englischen Nationalhymne ertönten, wurde die deutsche Nationalhymne nicht gespielt.— Die deutschen Friseure und der siegreiche Herr Steinbock werden diesen Schlag hoffentlich mit Fassung tragen! * Politische Versammlungen und Umzüge im besetzten Gebiet. In den Garnisonstädten des besetzten Gebietes müssen nach den neuesten Verfügungen politische Versammlungen und Umzüge in Zukunft 48 Stunden vor dem Zeitpunkt, an dem sie stattfinden sollen, bei dem betreffenden Platzkommandanten angemeldet wer⸗ den. Die Anmeldung muß den Gegenstand der Versammlung und eine Liste der Einberufer enthalten. Wenn der Platzkom— mandant der Ansicht ist, daß die geplante Versammlung oder der Umzug die Sicherheit der Besatzungstruppen oder die öffentliche Ordnung gefährden kann, hat er sofort die Rheinland kommission hiervon zu verständigen, die dann entscheidet, ob die Versamm— lung oder der Umzug stattfinden kann oder zu verbieten ist. Allerlel Mißerfolg der katholischen Caritasarbeit in Sachsen. Wie tätig der römische Katholizismus in Sachsen unter Führung seines dortigen Bischofs Dr. Schrei ber ist, tritt dem aufmerksamen Beobachter immer wieder neu vor Augen. Die gezeitigten Erfolge aber halten mit den gemachten Anstrengungen nicht immer gleichen Schritt. Wenn man das Wort; an ihren Früch⸗ ten sollt ihr sie erkennen, als Maßstab anlegt, dann hat man zuweilen doch den Eindruck, daß es mit dem inne⸗ ren Werte des röm. Katholizismus in Sachsen nicht allzu weit her ist. So blieben die Erfolge der diesjährigen großen Caritas-Opferwoche, die der Caritasverband ausgeschrieben hatte, weit hinter allen Erwartungen zurück. Es konnten insgesamt nur 1623,84/ verein⸗ nahmt werden, dazu an Naturalien 9 Zentner Kar⸗ toffeln, 3 Zentner Weizen, 21½ Zentner Mehl, 6 Zent⸗ ner Roggen und ½ Zentner Kakao. Nur in ganz ge⸗ ringem Umfange wurden Kleidungsstücke, Wäsche und Schuhe abgeliefert. Diese praktische Betätigung römisch-katholischer Glaubensfreudigkeit ist in der Tat nicht überwältigend, und man lernt es allmählich ver⸗ stehen, wenn auch nicht billigen, daß von römisch-katho⸗ lischer Seite so gern verstohlen bei Evangelischen— unter Ausnutzung ihrer Harmlosigkeit— für katholische Zwecke gebettelt wird. Die deutschen Spareinlagen. Trotz der Arbeitslosigkeit nehmen die Spareinlagen bei den deutschen Sparkassen allmonatlich zu, und zwar wachsen sie in den letzten Monat durchschnittlich um 100 Millionen Mark im Reich. Die Gesamtsumme der Spargelder hat heute bereits 2% Milliarden Mark überschritten. Allerdings betrug beispiels— weise im Januar der Ueberschuß der Einlagen noch 166 Millionen im Monat, er fiel dann im Februar auf 138 Millionen, im März auf 107 Millionen, um von da an konstant zu bleiben. * Auswanderung nach Mexiko. Immer noch ist die Zahl derer, die auf„Gut Glück“ nach Mexiko auswandern, recht bedeutend.— Nach soeben beim Evangelischen Hauptverein für deutsche Ansiedler und Auswan⸗ derer in Witzenhausen a. d. Werra eingegangenem Bericht kön— nen diese, falls sie nicht über genügende Barmittel verfügen, in Mexiko auf keinerlei Hilfe der Deutschen Kolonie rechnen. Die in letzter Zeit von dieser in großem Umfange geleistete Unter— stützung der Eingewanderten hat ihre Kasse geleert.— Täglich kommen Verzweifelte, Hilfe erbittend, in deren Büro, müssen aber abgewiesen werden. Auch die vorhandenen deutschen Ge— schäfte wollen infolge der gemachten Erfahrungen keine Unter— stützungen mehr gewähren. Die bisher betriebene und bedeutende Stellenvermittlung ist aus gewissen Gründen eingeschränkt wor— den. Fortan werden nur noch bekannte oder bestens empfohlene Personen berücksichtigt. In obigem Bericht heißt es„Sie können Sonnabend, den 16. Oktober 1926. „Evangelische Warte“ Sonntagsgedanken. In einem goldenen Buche steht geschrieben:„Wer leben will und gute Tage sehen, der schweige seine Zunge, daß sie nichts Böses rede, und seine Lippen, daß sie nicht trügen. Er suche den Frieden und jage ihm nach.“ Wie wäre es um uns Menschen bestellt, wenn uns jeden Tag, jede Stunde dies Mahnwort leiten würde, wenn über den Ratsstuben der Völker in leuchtenden Lettern die goldenen Worte stünden, wenn auf den Pilgerwegen, die die Menschen wandern, diese Stimme gleich einem Wecker an ihre Ohren klängen! Wir schauen so viel auf kostbare Gewänder, auf Zierart und Gold; wer reich ist, will sich reich schmücken und die andern ma— chen es nach. Wenn nur für den Herzens-Zierrat der Menschen auch solcher Eifer wäre, für das geistige Gewand, das keiner Mode unterworfen ist, das den Aermsten wie den Reichsten gleich schön schmückt, das nicht veraltet, das keine Motten verzehren, sondern erst am Ende des Pilgerzuges seine volle Schönheit ent— faltet. Gleichgesinnt, mitleidig, brüderlich, barmherzig, demütig, das ist der Faltenwurf des Gewandes Liebe. Das Hineinleben in deines Bruders Leid und Freude, das ist des Rätsels Lösung, das erstmals der Prediger von Nazareth den Menschen verkündete. An sich selbst fühlt es der selbstsüchtige Mensch, wenn sein Bruder ihn erquickt, der für sein Leid, für das von ihm selbst kaum verstandene Zittern seiner Seele das rechte Wort mitleidiger Liebe gefunden. Ihr Menschen schreit nach Frieden der Welt, und zeiget eurem Nächsten schon Haß, vergeltet Böses mit Bösem, Scheltwort mit Scheltwort. Reformiert nicht gleich die ganze Erde, sondern beginnet dort, wo aller Völker— gemeinschaft Arsprung liegt! Den Frieden zuerst ins eigene Herz, dann in dein Haus, in deines Nachbarn Stube und dann hinausgetragen in diese friedlose Welt, in diese Millionen Her— zen, die bald der Besitz, bald die Sinnlichkeit, bald die Rache, bald der Groll zu keiner Ruhe kommen läßt. Wer den Frieden ruft, ruft die Liebe, und sie nur allein ver⸗ mag wieder mit Gotteskraft das Weltall neu zu weihen. Waldfried. jedem Siedler, der nach Mexiko gehen will und Warnungen kein Gehör schenkt, kategorisch erklären, daß er, wenn er ins Elend kommt, auf keinerlei Hilfe seitens der Deutschen Kolonien zu 1 0 hat.— Er wird und muß seinem Schicksal überlassen blei⸗ en.“ Das von dem„Verbande Deutscher Reichsangehöriger in Mexiko“ geplante Siedlungsunternehmen ist vorläufig zurück⸗ gestellt worden, weil die Mexikanische Regierung den Bau groß⸗ zügiger Besiedlungsobjekte in verschiedenen Landesteilen be— gonnen hat und, sobald eine genügend große Anzahl von Be⸗ wässerungsanlagen nebst Vermessungsarbeiten fertig sind, die Kolonisation dieser Länder vornehmen will.— Einige Jahre dürften bis dahin noch vergehen. Als Kolonisten kommen sowohl einheimische Bauern als auch Europäer in Betracht.— Alle, die an Auswanderung nach Mexiko denken, seien wiederum drin⸗ gend vor Ankauf von Ländereien von sogenannten„Siedlungs⸗ wanderung gewarnt.— Der Evangelische Hauptverein für deutsche Ansiedler und Auswanderer in Witzenhausen an der Werra— Leiter: Direktor Pastor Tönjes— ist nach wie vor gern bereit, jede gewünschte und sachgemäße Auskunft zu erteilen, Seine monatlich erscheinende ee„Der Deutsche Auswan— derer“(Bezugspreis für das Jahr 5.— R.-Mk.) unterrichtet ein⸗ gehend über alle Fragen der Auswanderung und Siedlung. In der Septembernummer erschien ein eingehender Artikel über obiges Siedlungsunternehmen der Mexikanischen Regierung. Probenummern stehen kostenlos zur Verfügung. Alls Hessen. Vom hessischen Reformationsjubiläum. In den Tagen, an denen vor 400 Jahren die Synode zu Homberg stattfand, durch die Hessen evangelisch wurde, vom 20. bis 22. Oktober begeht dort die evangelische Landeskirche in Hessen-Kassel das Gedächtnis ihrer Reformation. In eindrucks⸗ voller Feier will sie sich dabei als Volkskirche im eigentlichen Sinne darstellen. Schon die Auswahl der etwa 200 Ehrengäste bezeugte diesen Sinn der Veranstaltung. Sie gestattet eine Heerschau von seltener Vollständigkeit. Von den höchsten kirch⸗ lichen und staatlichen Behörden bis zu dörflichen Vertretern aus den versteckten Tälern des hessischen Berglandes sammelt sich das evangelische Kirchenvolk an der historischen Stätte. Es fehlen nicht die Landesuniversitäten Marburg und Gießen, an— dere Vertreter der Wissenschaft, der Kunst und des Bildungs— wesens. Aber auch wirtschaftliche Verbände wie Raiffeisen sind zur Stelle. Mit einem Kirchenkonzert unter Leitung des Seminarober— lehrers Gg. Heinrichs wird am 20. Oktober abends der Auftakt gegeben. Es bietet mit gut besetztem Orchester die Bach'sche Reformationskantate„Gott der Herr ist Sonn' und Schild“, so⸗ wie an Hand von Beispielen aus vier Jahrhunderten einen Gang durch die Geschichte der Evangelischen Kirchenmusik unter beson⸗ derer Berücksichtigung der hessischen Tonkünstler. Am Donners⸗ tag, den 21., läuten morgens zur Stunde der ersten Versamm⸗ lung der historischen Synode die neuen Glocken das Fest ein, darunter die Hessische Reformationsglocke, eine Stiftung der gan— zen Landes. Die vereinigten Hessischen Posaunenchöre grüßen unter Leitung Lehrer Sieberts aus Hephata den festlichen Mor— gen. Der feierliche Zug der Gäste wird zur hochragenden Refor— mationskirche geleitet, wo um 10 Uhr der Festgottesdienst be— ginnt. An ihn schließt sich auf dem dazu außerordentlich geeig⸗ neten Marktplatz der Festakt an mit Grußworten der Ehrengäste, Gesang und feierlicher Handlung. Nachmittags um 4 Uhr hält in der Kirche Prof. D. Dr. Hermelink den Festvortrag über die Homberger Synode von 1526 und Prälat D. Dr. Diehl-Darm⸗ stadt spricht von ihrer Bedeutung für die Gegenwart. Am Abend um 8 Uhr wird das von Pfarrer Stolzenbach gedichtete Fest— spiel„Dem Evangelium Bahn“ aufgeführt. Und am nächsten Morgen ist um 10 Uhr ein festlicher Jugendgottesdienst, woran sich ein Konzert der Vereinigten Hessischen Posaunenchöre an⸗ die Einrichtung zahlreicher Bahn⸗ sichtigung bet mancherlei Wert eben Sehen würdigte Hof bergs, die einen Eindruck von den verborgenen Schätzen Heimat geben mögen. Die idyllische Abgelegenheit der Krel und Autoverbindungen, dig den Gästen, sofern sie nicht am Orte selbst zu übernachten wi schen, eine bequeme Heimfahrt an jedem Abend ermöglichen wer den. Freilich ist eine möglichst frühzeitige Anmeldung dure Postkarte an den Festausschuß Homberg(Bez. Kassel) nötig, da mit schon vor Eintreffen alles geregelt sein kann. So versprich! die Veranstaltung, ohne den Charakter der landläufigen Stad feste nachzuahmen, eine imposante Kundgebung der Hessischen Evangelischen Kirche und ihrer Glieder im besten volkstümliche füge Sinne zu werden. My 60 * cm Darmstadt. Die 200. Wiederkehr des Geburtstages Dani 4. Chodowieckis feiert das Kupferstichkabinett des Landesmuseush 9 0 durch eine Ausstellung seiner Radierungen, die vom 10. Olle ber bis zum 14. November ds. Is. dauert. Schotten. Auf Anordnung des Staatspräsidenten werde in unserem Kreis folgende Sparmaßnahmen durchgeführt. d Fortbildungsschulen von Michelbach, Götzen und Betzenrod we den mit der hiesigen Fortbildungsschule vereinigt. Ebenso wer den 14 weitere Fortbildungsschulen so zusammengelegt, daß na l sieben vorhanden sind. Die Stundenvergütung wird beträchtsi 1 herabgesetzt, auch der Handarbeitsunterricht muß billiger 9 sistett. ten werden. Die Vergütung für nebenamtliche Leitung der Jon izeln bildungsschule wird um 25 Prozent gekürzt, auch sind weitere F gl ge sparnismaßnahmen in Aussicht genommen. Hleichz Holzhausen v. d. 5. Seit einigen Wochen sind hier Une ehen suchungen mehrerer Typhuserkrankungen, meinde zu verzeichnen sind, im Gange. nicht, den Ursprung der Erkrankungen festzustellen. lautet, befinden sich einige Personen, bei denen Typhus verdach besteht, im Krankenhaus zu Bad Homburg, ein anderer Erkran ter fand Aufnahme im Hospital zu Friedberg. In ärztliche] elle 5 0 die in unserer 6 Anmel Bisher gelang es indesse Ale Wie vel 1 Ber 18 1 Kreisen glaubt man jm Augenblick nicht an eine weitere Ale uktef breitung der Krankheit. Die Feier der diesjährigen Kish at t weihe ist bereits abgesagt worden. Jadur Jas Neue Bücher. 15 Die Deutsche Buchgemeinschaft in Berlin SW. 61, Teltow ein N elt 1 straße 29, verfolgt als eines ihrer vornehmsten Ziele, das gu enokt und billige Buch in weitesten Kreisen des deutschen Volkes Muft; tragen. Für den geringen Mitgliedsbeitrag von Mk. 3,90 p N. Vierteljahr erhält das Mitglied nicht nur einen prächtigen Hafß 11 lederband nach eigener Wahl, sondern außerdem kostenfrei illustrierte Zeitschrift„Die Lesestunde“ zweimal im Monat. An H fi der Auswahlreihe der Deutschen Buch-Gemeinschaft ist hervom fing heben das Werk von A. F. Brachvogel„Oberst von Steubeg nuch, Historischer Roman. Neu herausgegeben von E. Th. Kauer, Je be en Roman des friedericanischen Obersten Steuben, seine Schichsah sertei am Hofe der Zarin Katharina, in Sanssouci und in Amerssa ank le gesellschaften“ sowie vor jeder planlosen und unbesonnenen Aus- schließt. Dieser zweite Tag bietet außerdem Führung und Be-] Ein kulturhistorisches Gemälde jener Zeit. Noe e Id liche 6 6 Sal 1 en E. 0 ö. 99 A ind D. 8 A 1 595 r N 2 t der 2 E. n. n dur N eee e e e eee e N. A ee 0 ben 8 Sa 1 e . ämtliehe Formulare 5 8 N 5 Pfarrämter, Vürgermeistereien, Standesämter, Ortsgerithte, Schulen eit. 8 sind jederzeit vorrätig in der e 2 2 ben Formular ⸗Großhandlung Albin Mlein, Gießen Südanlage 21.-Fernpr. 1502. 80 vorm. Wilh. keller gegründet 1785 4 Ueber die technische Ausführung der in meiner Druckerei gedruckten und besonders gut eingebundenen Tauf- Vonfirmations-, Trau⸗ 5 4 und Sterbe Register sind ungewollt 5 mir mehrere Dankschreiben von Pfarrämtern zugegangen. 0 19 Die Herren Pfarrer bitte ich, meine Formularhandlung, die mehr als 1000 verschiedene Formulare für alle Behörden, Vereine, K 8 Anstalten etc. umfaßt, auch den Herren Kirchenrechnern und anderen Grganisationsmännern zu empfehlen. 9 R NN e UU Leser der Warte! Verlangt die„Evangelsche Warle“ in den Gasthäusern insbeson- dere in der Sommerfrische. Sorgt für Bestellung, Wo sie nicht Z u HA HEN