P ———— — Mitternacht, ein nationalgeeinigtes Volk geworden sind, Wirtschaftskreise eingebrochen, von dieser Stunde an bekehrt. eines seiner Jünger, wenn er schreibt, wesen. 9 Volke. angelische Organ der Evangtlischen Volksgemeinschaft Erscheint zunächst wöchentlich am Samstag. Bezugspreis: 50 Pfg. monatlich frei ins Haus. Für Rücksendung ungewünschter Manuskripte wird nicht garantiert, Schriftleitung: Edwin Hamburger in Staden(Oberh.) Abonnements⸗ u. Anzeigen⸗Annahmestelle, Druck und Verlag: Gießen, Südanlage 21. Fernsprecher 1362 und 1145. Postscheckkonto 8437 Frankfurt a. M. Anzeigenpreise: die 30mm breite Kleinzeile auswärts 24 Pfg., am Ort 12 Pfg., die 90 mm breite Kleinzeile im Text 96 Pfg., Platzvorschriften ohne Verbindlichkeit. Bei Wiederholungen Vergünstigung. 2. Jahrgang. Sonnabend, den 14. August 1926. Nummer 33. Die Versöhnung der Klassen. Ansprache von Arbeitersekretär August Springer, Stuttgart⸗Ludwigsburg, gehalten beim Volksabend des Weltbundes für Freundschaftsarbeit der Kirche am 4. Mai 1926. Ist es nicht ein schweres, schier unmöglich erschei⸗ nendes, Unterfangen, die Klassen gerade unseres Volkes miteinander versöhnen zu wollen? Wir wissen, wie schwer und leidvoll die deutsche Geschichte gewesen ist. Wie wir erst in allerletzter Stunde, fünf Minuten vor zu einer Stunde also, da bereits riesengroß die soziale Frage aufgestanden und eine Klasse geformt war, von der das Deutschland von ehedem nichts wußte. Der Klas— senwille ist stärker geworden als der Wille zum Volk. Es ist ein Gegensatz da zwischen der wirklich vorhandenen Wertung, die unausgesprochen, geheim aber ganz stark in den Herzen sitzt, und der Wertung, die in schönen Zei— tungsaufsätzen und schwungvollen Festreden sich immer wieder zu äußern pflegt. Es wird gesagt, daß nur die Arbeiterschaft einen Klassenkampf führe. Mag sein, daß sie die einzige Klasse darstellt, die, mit einem Klassen— kampf⸗Programm ausgerüstet, ihre Schicksalswege geht. Aber es ist nicht wahr, daß die anderen Klassen nicht auch kämpfen. Wenn sie gar nichts anderes tun, als ihre politische und gesellschaftliche Position unerbittlich zu verteidigen, wenn sie sich nicht dareinfügen können, daß es heute nun einmal nicht mehr ist wie früher, daß die Menschen eben da sind, schicksalhaft in eine Klasse hinein— gezwungen, dann führen sie auch einen Klassenkampf. Mir kommen die Worte Grillparzers aus der„Jüdin von Toledo“ in den Sinn:„Ihr lähmet uns und scheltet, wenn wir hinken.“ Die Versöhnung der Klassen wäre leichter zu er— reichen, wenn mehr Sicherheit und klare Grenzen der Klassen vorhanden wären. Aber wo ist heute die Klasse, der es ganz wohl ist, die nicht selber von Gegensätzen heimgesucht und zer— rissen ist, die eine ganz ungeknickte Gesinnung hat? Allen fehlen heute die metallenen Linien der Sicherheit und Zuversicht, alle sind sie erschüttert. Keine kann mehr mit spartanischer Selbstbeherrschung den Fuchs verber— gen, der ihr heimlich unter dem Mantel die Brust zer—⸗ beißt. Ein großes Sterben ist selbst in die führenden der Bauernstand ist schwer bedroht, die„Gebildeten“ sind weithin proletari⸗ siert, große Schichten des Mittelstandes sind zusammen— gebrochen. Und nun sucht man allenthalben die Schuld am Bedrohtsein der eigenen Klasse schlechthin bei den anderen. Da sie alle gefährdet sind, ihre Grenzen wo⸗ gend zerfließen, der Boden unsicher unter ihren Füßen zuckt, so kämpfen sie um ihr Sein in heißer Angst und mit einer Lebensgier, die freilich eher dazu angetan ist, ihre Lebensgrundlage zu zerstören, als sie zu erhalten. Ist denn nicht das schwere deutsche Schicksal im⸗ stande, die Klassen zusammenzuschweißen? 2 Was haben wir doch erlebt? Nahezu zwei Millionen deutscher To— ten aus allen Klassen sind in die Felder der halben Welt zerstreut. Es ist fürchterlich, daran zu denken, wie viel gestorben worden ist, für die anderen, auch für die an— deren Klassen, mit denen man noch nicht versöhnt war. Traurig genug, daß wir zu wenig auf die Sprache der Gräber und der Wunden hörten; im tiefsten Grunde sind sie alle schon gestorben für etwas, was größer war als die Klasse, für Leben und Sein ihres Volkes. Die deutschen Fluren sollten nicht zerstampft, unsere Häuser nicht verbrannt, unser Arbeitsleben nicht vernichtet, unser Geistesleben nicht erstickt werden. Und nun sind wir mehrmals in den letzten Jahren dicht am Rande des Bürgerkrieges gestanden, in Gefahr gewesen, daß der Deutsche sein Deutschland zum Land der Totenschädel und der Ruinen machte. Wenn so etwas geschähe— und wenn es nicht zu einer Versöhnung der Klassen kommt, wird es geschehen,— dann liegt auf allen eine unermeß⸗ liche Schuld, denn dann ist es, als wäre dem Millionen⸗ sterben der Sinn genommen. Man hat von einer Pro⸗ letarisierung unseres Volkes gesprochen. Es ist wahr, was früher die Arbeiterklasse geneigt war, als ihre Schicksalslinien anzusehen, das ist heute dem ganzen Polke ins Gesicht gegraben. Eine große Existenzunsicher⸗ heit bedroht uns, wir haben manches Mal das Gefühl, als sei unser Volk Verwaltungs- oder gar Ausbeutungs⸗ gegenstand der anderen. Was hätten wir nötiger, als daß uns der hinreißende Schwung jenes Solidaritäts⸗ gefühls belebte, das der Arbeiterbewegung in ihren An⸗ fangszeiten Unwiderstehlichteit verlieh. Doch wir wollen uns nichts vormachen: die nationale Not hat nicht wie sondern wie ein Keil, der sie auseinandertreibt. Aus allen Klassen bricht der Schrei nach Entlastung von dieser Not. Aber es ist doch so viel Menschennot da, die ge— meinsam ist und nach keiner Klasse, oder besser gesagt nach allen Klassen fragt. Krankheit, Alter, Tod, viel innerlicher Jammer, werfen sich auf alle. Könnte das nicht zusammenführen 2 Vielleicht da, wo ein gewisses Maß äußeren Geborgenseins vorhanden ist und Schick⸗ salsmacht mit klassenlosem Angesicht in die Stuben tritt. Wo aber dieses gewisse Maß des äußeren Geborgenseins nicht da ist, wo Existenzunsicherheit und Kargheit der Lebenshaltung herrschen, da werden Krankheit, Alter und Sterben in ihrer Wirkung so gesteigert, daß sie als Klassenlos auftreten und angesehen werden:„Mein Die rethte Frömmigkeit. Lulas 18,10. Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, zu beten, einer ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Wenn Menschen sich umwandeln, aus Weltkindern Gläubige werden, dann redet man von einer Bekehrung dieser Menschen. Leider wird mit diesem Worte oft ein grober Unfug getrieben. Das zeigt, daß viele Christen, auch solche, die fromm sein wollen, noch lange nicht nach dem Herzen unseres Heilands Christen sind. Der Pharisäer, von dem uns Jesus da erzählt, daß er in den Tempel gegangen sei, der war früher auch ein Weltkind gewesen. Da eines Tages wird er vielleicht durch Freunde geworben für die Pharisäerpartei. Nach einigem Kampf mit sich, entschließt er sich zum Eintritt. Nun war er ein„bekehrter“,„gläubiger“ Jude. So gibt es doch heute noch sektierisch angelegte Leute, die sich von der Kirche absondern und in einen engen Kreis von so⸗ genannten„Gläubigen“ eintreten und dann meinen, sie seien Wie der Pharisäer die Zugehörig— keit zu der Pharisäerpartei als ein Siegel seiner besonderen Frömmigkeit ansah, so tun es viele ihnen nach mit ihrer Zuge⸗ hörigkeit zu einem engen Kreise. Nun ist es doch auffallend, daß unser Herr Jesus sich gar nicht einem solchen engen Kreise angeschlossen hat! Wir gläubige evangelische Christen wollen ja immer auf unseren Heiland schauen und nur von ihm lernen. Da erkennen wir immer wieder, wie der Herr in seinem Volke drinnen stand, wie er zu reich und arm sich hielt, wie er viel in den Tempel ging, sich also nicht von seiner Kirche abschloß. Als er von Bethanien kam und am, Palmsonntag in Jerusalem einzog, da war sein erster Gang in den Tempel. Kein Wort hören wir von ihm, daß er und seine Jünger wollten frömmer sein, wie die anderen. Es ist ein Arteil Jesus sei ohne Sünde ge— Seine Jünger werden oft von ihrem Meister gescholten ein Reifen gewirkt, der die Klassen zusammenzwingt, Kind wäre 10 1 5 wenn 1 hätte rechtzeitig in eine Erholung schicken können. Meine Frau hätte die Schwindsucht nicht, wenn 100 eine andere Wohnung und mehr Geld gehabt hätten, so wie die Menschen der anderen Klasse es haben.“ Das ist das Schwere: das Klassenschicksal verschärft das persönliche Schicksal und das persönliche wiederum steigert das Klassengeschick, denn nun ist man noch viel hilfloser, abhängiger, prole⸗ tarisierter geworden. Auch hier ist die Not kein Kitt, sondern ein zersetzendes Ferment. (Schluß folgt.) Evangelische Volksgemeinschaft und kirchliche Presse. Zu dem unter obiger Ueberschrift in Nr. 26 der„Warte“ er— schienenen Artikel sandte Herr Pfarrer Deiten beck der Reichsgeschäftsstelle folgende Berichtigung. Die„Evangelische Warte“ hat in einem Artikel„Evange— lische Volksgemeinschaft und Evangelische Presse“ in der Num— mer vom 26. Juni ds. Is. dem Unterzeichneten als dem Schrift— leiter des„Evangel. Kirchenboten“ den Vorwurf des Wort- bruchs gegenüber Herrn Pfarrer Ide-Höchst a. M. gemacht. Dazu bemerkte der Unterzeichnete, daß er in mehreren Unterredungen wiederholt Herrn Pfarrer Ide gegenüber betont hat, daß der Schlußsatz seines für den Evangelischen Kirchenboten bestimmten Artikels„Evangelische Volksgemeinschaft“ und der Nachsatz„wodurch die Kirche in weiten politisch links gerichteten Volkskreisen den Boden verloren hat“, von der Aufnahme aus⸗ geschlossen bleiben müsse; der Schlußsatz, weil er in keiner sach— lichen Beziehung zu dem ersten im Kirchenboten erschienenen Artikel stünde, der Nachsatz, weil er in dieser Form historisch unzutreffend sei und demagogisch wirke. Im übrigen versprach der Unterzeichnete keine Aenderung vorzunehmen, ohne Herrn Pfarrer Ide Mitteilung zu machen. Dieses Versprechen ist voll und ganz gehalten. Vom Wortbruch kann demnach keine Rede sein. Sossenheim. L. Deitenbeck, Pfarrer. Zu obiger„Berichtigung“ des Herrn Pfarrer Deitenbeck teilt uns unser Gewährsmann, Herr Pfarrer Ide-Höchst a. M., welcher den Artikel über die E. V. im„Kirchenboten“ geschrieben hat, folgendes mit: Vor Veröffentlichung meines Artikels im„Kirchenboten“ hatte ich eine Besprechung mit dem Schriftleiter, Herrn Pfarrer Deitenbeck, wobei dieser noch unschlüssig war, ob er den Artikel überhaupt aufnehmen werde; er versprach aber im Falle der Aufnahme keine Aenderungen ohne mein Wissen vorzunehmen. Seine jetzige Behauptung, daß die von uns beanstandeten Streichungen schon vorher bestimmt angesagt seien und nicht un— ter sein Versprechen fielen, muß ich nach wie vor als irrig be— zeichnen. Die Pharisäer jedoch taten dies. Wir wollen gar nicht an⸗ nehmen, daß alle Angehörigen dieser frommen Kreise sich nur aus selbstsüchtigen oder ruhmsüchtigen Gründen angeschlossen haben. Sicher waren sehr viele aufrichtige Leute dabei, welche es mit ihrer Frömigkeit recht ernst genommen haben. Jesus sagt auch nichts von dem Pharisäer im Tempel. daß er schlechte Beweggründe gehabt habe. Weil er es gerade so ernst nahm, war er froh, daß er es soweit gebracht hatte. Stolz sah er auf sein Leben, das frei war von groben Sünden. Hoch stellte er sich über die Weltmenschen, die diesen Weg noch nicht gefunden hatten.„Ich danke dir Gott, daß ich nicht so bin wie die an— deren Leute!“ Ein Blick wirft er auf den, der mit ihm zum Tempel gegangen ist. Es war ein Zöllner. Den Pharisäer überfällt ein leises Grauen. Wenn er wäre wie die großen Sün⸗ der, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner War es doch im ganzen Lande bekannt, daß es kein Zollpächter in einem römischen Zollhause gab, der nicht ein Spitzbub war. „Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie er!“ So reden heute auch in unseren evangelischen Landen viele über andere, die sie nicht für„fromm und gläubig“ halten. Der Zöllner war es für den Pharisäer auch nicht. Der Zöllner fastete nicht, er betete nicht zur bestimmten Stunde, er gab nicht den Zehnten dem Buchstaben genau von allem, war er hatte. Aber er erkannte, daß er ein Sünder sei. Diese Erkenntnis kann er nicht in geübten Gebetsworten in seiner Herzensnot vor Gott bringen, sondern nur in einem unbeholfenen Stammeln. Da stand er an der Türe des Vorhofs, die Hand auf seine Brust gelegt. Keinen Blick warf er auf andere, die noch im Vorhof waren. Seine Not, seine Sünde, seine Unvollkommenheit be— schäftigten ihn allein. Da stand der Sünder neben dem braven Ehrenmann, der Plebejer neben dem Aristokraten der Fröm— migkeit. Der eine sah, was ihm fehlte, der andere, was er leistete. So stellt Jesus zwei fromme Menschen vor unsere Augen und fragt uns:„Welchem wollt ihr gleichen?“ wegen ihres Kleinglaubens oder ihrer Sünden. Nein Jesus wollte mit seinem Jüngerkreis nicht sich abschließen von seinem Für uns gilt die Entscheidung, die der Herr selbst zuletzt gibt:„Der Zöllner ging hinab gerechtfertigt in sein Haus vor jenem. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöhet werden.“ Wer sich selbst erhöht, der kann sich nicht beherrschen, seine Mit⸗ menschen zu richten. Das aber ist ein von Jesus hart getadelter Fehler. Leider finden wir dieses Richten über andere heute bei manchen sogenannt„frommen Leuten“. Erst sollen diese das Richten lassen, dann erst kann ich an ihre Belehrung glauben. Ja was ist denn nun Bekehrung? Ich las gerade in dem Vierteljahresblatt„Im Dienste des Kinderfreundes“ Nr. 1—3(1925) im Briefkasten die Anfrage: „Dürfen Unbekehrte zum Helferdienst(des Kindergottesdienstes. D. Schriftl.) herangezogen werden?“ Sehr gut fand ich in der Antwort darauf die Frage der Bekehrung erklärt. Nicht darin be⸗ steht die Bekehrung, daß jemand sagt: Ich bin bekehrt.„Ich verstehe nach meiner biblischen Erkenntnis unter Bekehrung: Hinlehr zu Jesus“, so schreibt Samuel Spörri in Elberfeld. Wer bekehrt ist, der mag es selbst an der Ruhe seines Gewissens merken. Gott aber der Herzenskündiger wird allein Wahrheit und Ein— bildung unterscheiden können. Für uns gibt es nur ein Mittel, das uns der Herr selbst lehrte, um rechte Frömmigkeit zu erkennen: An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Fromme Worte, Zugehörigkeit zu einem frommen Kreis, geläufiges Beten können, das alles ist kein Zeichen der Frömigkeit. Wer fromm sein will, der muß erst seine Fehler und Unvollkommenheit fühlen, wie ein Paulus, der da spricht:„Wir sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhms, den wir an Gott haben sollen.“ Auch muß ein solcher Liebe haben zu seinen Mitmenschen, die er nicht wie der Phari— säer den Zöllner verurteilen darf. Er muß Jesus als seinem Heiland sich hingeben mit seinem Herzen, aber nicht nur mit seiner Zunge. Der Gottsucher ist Gott angenehmer als der, der sich für fertig hält. So wollen auch wir trachten nach rechter Frömmigkeit im Zöllnergeist:„Gott sei mir armen Sünder gnädig.“„Nicht daß ich es schon ergriffen hätte oder vollkommen sei. Ich jage ihm aber nach, ob ich es auch ergreifen möge, nachdem ich von Christo Jesu ergriffen bin.“ Amen. Hr. ** —̃ä— . 1 N 0 7 1 4 0 Sonnabend, den 14. August 1926 N Meine Auffassung wird gestützt durch eine zweite Bespre— chung mit Herrn Pfarrer Deitenbeck nach Erscheinen meines ge—⸗ kürzten Artikels im„Kirchenboten“. Dabei habe ich ihm mein Erstaunen über die Streichungen ausgedrückt, und in längerer Aussprache führte er seine Gründe dafür aus. Bei dieser aus⸗ führlichen Aussprache kam ihm nicht einmal die Exinnerung daran, daß er die Streichung dieser Sätze mir vorher ange— kündigt habe. Erst nach dieser Besprechung zu Hause sei ihm die Erinnerung daran wiedergekehrt— wie er mir erst jetzt persönlich mitteilt— er unterließ es aber, mich sofort diese seine Auffassung wissen zu lassen. Erst nachdem die„Warte“ ihm öffentlich vorwirft, daß er die Vereinbarungen nicht inne⸗ gehalten habe, tritt er mit dieser seiner Behauptung hervor. Höchst a. M. E. Ide, Pfarrer. Nach diesem Bericht unseres Gewährsmannes überlassen wir unsern Lesern das Urteil, welche Auffassung die größere Wahr⸗ scheinlichkeit für sich hat, und ob wir zu dem im Artikel der „Warte“ vom 26. 6. erhobenen Vorwurf berechtigt waren. Kinderelend in Rußland. In einem Vortrag im russischen wissenschaftlichen Institut in Berlin berichtete Prof. S. Gogel über die Fürsorge für die verwahrloste Jugend in Rußland. Nach vorsichtigsten sowjetrussischen Schätzungen beträgt die Zahl der verwahrlosten Kinder in Rußland jetzt 2,9 Millionen. Prof. Gogel macht dafür in erster Linie den Vernichtungskampf gegen die Familie in Rußland durch die Ehegesetzgebung und die ganze Richtung der Gesellschaftsmoral verantwortlich. Frau Krupskaja, Lenins„revolutionäre Witwe“, richtet in der„Prawda“ scharfe Angriffe gegen das rus⸗ sische Volksbildungskommissariat. Sie erklärt, daß die Kinder in den Asylen zu Banditen erzogen werden. In den Straßen Moskaus irren 80 000 Bettler umher und werden von der Miliz wie tolle Hunde gejagt, aber auch auf die vagabundierenden Kinder, die die Straße füllen, wird Jagd gemacht.(Nach Mitteilungen der Presse wurden allein Anfang Januar 11690 Kinder im Alter von 10 bis 16 Jahren eingeliefert und unter militärische Bewachung gestellt.)„Diese Kinder“ sagt Lenins Wit⸗ we,„sind aber nicht das Problem früherer Mißstände, sondern ein Produkt der Gegenwart. Man fängt die Kinder ein und stopft sie in Asyle, die mit ihrer Uebel⸗ keit erregenden Atmosphäre die Kinderseele abtöten. Aus diesen„Engelfabriken“ brechen die Kinder genau so aus wie die Verbrecher aus den Kerkern. Dann wird wieder Jagd auf sie gemacht, wieder werden sie in Asyle gesperrt, und aus diesen Schreckensorten brechen schließ⸗ lich nicht nur die Kinder aus, sondern auch die Verwalter der Asyle, die nicht mehr imstande sind, dem Elend länger zuzuschauen. Und solcher vertierter, verwilderter Kin⸗ der gibt es Millionen.“ Dieses Urteil über kommunistische Kindererziehung ist besonders wertvoll, weil es von der Witwe des kom⸗ munistischen Führers stammt. Aeber die Ursache, durch die das Kinderelend in Rußland entsteht, weiß die „Prawda“ nichts zu sagen! Alle Eltern, die ihre Kinder lieb haben, mögen solche Berichte aufmerksam lesen. Sie gewinnen dann ein Bild davon, wie es auch bei uns werden kann, wenn der Kommunismus die Oberhand bekommt. Die Evan⸗ gelische Volksgemeinschaft nimmt die Gefahr, die von Moskau droht, durchaus ernst und warnt vor jeder Lockerung des Familiensinnes. Georg Liebster. Einer der tätigsten Bahnbereiter des sozialen Gedankens in der evangelischen Kirche ist am 7. Juli im 63. Lebensjahre gestorben, Pfarrer Georg Liebster in Thekla bei Leipzig. Als einer der ersten hat er in den neunziger Jahren den Gedanken der öffentlichen religiösen Diskussion aufgegriffen. Die Kirche dürfe nicht nur die religiöse Verkündigung in ihren Gottes⸗ diensten pflegen, mit der die Masse der Entfremdeten nicht erreicht wird, sondern müsse sich auf neutralem Boden in öffent⸗ licher Diskussion über die religiösen Fragen auseinandersetzen. Jahrelang hat Liebster mit einer Reihe von Freunden, solche Diskussionsarbeit gepflegt. Nicht irgendwelche politischen Ziele wollte er mit diesen Diskussionen verfolgen, er wollte lediglich in freier geistiger Auseinandersetzung die Kräfte messen und an Wor mich bekennet. Von Erwin Gros. 21. Fortsetzung. — Ein Monat war seit dem schmerzlichen Abschied der bei— da sehen wir an einem schönen Sonntagnachmittag Abraham Privat durch Holzhausens Straßen wandeln und in das Haus des Schultheißen eintreten. Nur beide Frauen waren zu Hause. Nach der Begrüßung sprach er:„Ich bin Abraham Privat aus Friedrichsdorf und komme als Freund von Hans Heeger, um ihm und euch, Jungfer Michelin, zu einander zu helfen.“ „Das ist vergebliche Mühe“, erwiderte die Mutter.„Glaubt ihr, daß euch bei meinem Mann gelingt, was ich bisher nicht fertig gebracht habe? „Oh,“ sagte Abraham Privat mit liebenswürdigem Lächeln, „mein Freund will ja nicht den Vater, sondern die Jungfer Tochter heiraten.“ Darauf die Mutter:„Kennt ihr nicht das Gebot, du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren?“ „Halt“, fiel Abroham ein,„bedeutet dies, daß ein Vater das Recht hat, aus üblen, eigensüchtigen Gründen die Liebe seines Kindes zu zertreten? Euch ist doch des Heilands Wort auch mehr als das Gesetz Mosis! Jesus aber sagte bei Matthäus. im neunzehnten„Darum wird ein Mensch Vater und Mut— ter verlassen und dem Weibe anhangen. Was Gott zuf gefüget hat, das soll der Mensch nicht scheiden!— Was von dem Manne gilt, das gilt erst recht von dem Weibe. Sie muß Vater und Mutter verlassen und dem Manne anhangen, mit dem Gott ihr Herz in Liebe zusammengefügt hat.“ Stelle dumpfer Gleichgültigkeit Leben wecken.— Die besten Wirkungen gingen von seiner lauteren und selbstlosen Persön⸗ lichkeit aus, von seinem frohen Opimismus und von seiner reli⸗ giösen Konzentration in einem starken echt lutherischen Flau⸗ ben, der in einem Leben voller Kämpfe erprobt war. Folgen des Konkordats. Der Artikel 4§ 2 des bayerischen Konkordats von 1925 hat Anwendung gefunden. Er lautet:„An den philosophischen Fakultäten der beiden Universitäten München und Würzburg soll wenigstens je ein Professor der Philosophie und der Ge⸗ schichte angestellt werden, gegen den hinsichtlich seines katholi— schen kirchlichen Standpunktes keine Erinnerung zu erheben ist.“ Nun ist an der philosophischen Fakultät in Würzburg die Geschichtsprofessur zu besetzen. Die darüber entstandenen Ver⸗ handlungen sind in Streitereien ausgeartet. die der„Bergisch⸗ märkischen Zeitung“ Gelegenheit zu einem längeren Artikel bie— ten. Dagegen wendet sich die„Frankfurter Zeitung“ 1926/5066 mit folgenden Ausführungen:„Die Würzburger Universität reichte wie üblich einen Vorschlag von drei Namen beim Kul⸗ tusministerium ein. Dieses strich den ersten Namen, da der Mann ohne jede wissenschaftliche Bedeutung sei, und akzeptierte den zweiten Kandidaten, den Universitätsprofessor Buchner, der zugleich Vorsitzender des Katholiken-Ausschusses der Deutsch⸗ nationalen Volkspartei ist. Aber gegen ihn erhob der Bischof von Würzburg Einspruch, da sein katholisch-kirchlicher Stand⸗ punkt nicht einwandfrei sei. Die„Bergisch-Märkische Zeitung“ nennt als den eigentlichen Vater des Einspruchs den Eichstätter Dompropst Wohlmuth, den Vorsitzenden der Landtagsfraktion der Bayerischen Volkspartei, der trotz aller Bemühungen des Ministerpräsidenten Held, den Konflikt aus der Welt zu schaf— fen, sich als stärker erwiesen habe als der Ministerpräsident und selbst der Nuntius Pacelli. Der um seine Einwirkung bei dem Würzburger Bischof angegangene Vatikan soll eine Einmischung in die Angelegenheit abgelehnt haben. Auf der Warte. In Frankreich erlebte Poincare weitere Er⸗ folge. Obgleich die Opposition in der Kammer gegen ihn und seine Finanzpläne stark gerüstet hatte, blieb sie doch in der Minderheit. Durch diese Erfolge der Re—⸗ gierung hat sich der Franken langsam verbessert. Aller— dings glauben die Sachverständigen nicht an eine Dauer dieser Aufwärtsbewegung. Sie sind der Ansicht, daß die Absicht Poincares, den Wert des Franken lang⸗ sam wieder zu erhöhen, unmöglich sei. Vielmehr stehe eine neue Inflation in Frankreich bevor. In Syrien ist Frankreich immer noch nicht Herr der Lage. Vielmehr dehnt sich der Aufstand immer weiter aus. Die nordarabischen Stämme haben sich der syrischen Bewegung angeschlossen. Besonders wert⸗ voll für die Aufständischen ist der Anschluß des Waha⸗ biten⸗Königs Ibu Saud, weil dieser über eine starke, be⸗ rittene und gut bewaffnete Truppe verfügt. Bei Da— maskus fanden schwere Kämpfe statt. In Elsaß⸗Lothringen setzt Frankreich seine Bemü⸗ hungen fort, die autonomistische Bewegung zu unter— drücken. In Colmar fand in diesem Zusammenhang eine Gerichtsverhandlung gegen den Führer der elsaß— lothringischen Beamtenschaft, Professor Rosse, statt, weil er den Aufruf des Heimatbundes unterzeichnet hatte. Bittere Wahrheiten wurden während dieser Verhandlung über die„Befreier Elsaß-Lothringens“ gesagt. Das Arteil ist bis heute noch nicht gesprochen. In Mexiko ist ein sehr erbitterter Kulturkampf ausgebrochen. Es ist der Freiheitskampf des mexikani— schen Staates von der römischen Hierarchie. Der Ver⸗ treter des apostolischen Stuhles wurde innerhalb 24 Stunden aus Mexiko ausgewiesen. Von der Geistlich— keit wird das römische Kirchenvolk aufgepeitscht, wo— durch es Zusammenstöße mit der Polizei und Blutver— gießen gab. Selbstverständlich wird auch durch Rom versucht, auswärtige Staaten gegen Mexiko mobil zu machen. Sehr beachtenswert ist da das Urteil eines Amerikaners. Der Bischof der methodistischen Episcopalkirche, George Miller, der nach New Vork aus der Stadt Me— xiko zurückgekehrt ist, äußerte sich hier über seine in — E Die beiden Frauen schauten einander betroffen an. Jetzt aber wandte sich Abraham an die Tochter allein:„O Junger Sybille, ich muß euch den schweren Vorwurf machen, ihr seid nicht treu! Seht,— euer Hans ist seinem Glauben treu geblieben, und ihr habt das von ihm erwartet, wenn es für ihn auch ein hartes Opfer bedeutet. Seid ihr aber eurer Liebe treu geblieben?— Habt ihr ihm nicht euer Herz gegeben, habt ihr ihm nicht mit Hand und Mund versprochen, daß ihr seine Lebens— gefährtin werden wollt? Euch ist das Opfer zu groß, ihr wollt das Opfer nicht bringen, über den Willen eines unverständigen Vaters ihm euer Versprechen zu halten. Nun sitzt er einsam in seinem großen Hause, und es ist Bitternis in seinem Herzen, daß eure Liebe nicht stark und treu genug ist, mit der frommen Ruth zu sprechen:„Wo du hingehst, da will auch ich hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott. Wo du stirbst, da sterbe ich auch; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Wo du stirbst, da sterbe ich auch; da will ich auch begraben werden. err tue mir dies und das, der Tod muß mich und dich scheiden.“— Sybille erhob sich; in hartem, innerem Kampfe stand sie da. Dann umfaßte sie die Mutter und rief aus:„Mutter, seid ihr mir böse, wenn ich euch verlasse und meinem Hans die Treue halte, wie er treu gewesen ist?“ Mutter Margarete streichelte die heißen Wangen ihres Kin— bille, meinen Segen und meine Fürbitte gehen mit dir id immer bei dir.“— Eben hatte man alle näheren Umstände besprochen und festgesetzt, als der Schultheiß eintrat. Bleich bis auf die Lippen, bescheiden und doch fest gab Der des: und f Mexiko gewonnenen Eindrücke über 5 t zwischen dem mexikanischen Staat und der katholischen Kirche. George Miller erklärte, seiner Ueberzeugung nach seien die von der mexikanischen Regierung getr. fenen Maßnahmen dadurch veranlaßt worden, daß f die katholische Geistlichkeit fortgesetzt politisch betätigt und den Gehorsam gegenüber den Gesetzen aufgesagt habe. Der ganze Streit sei von der Hierarchie veran⸗ laßt, die politisch herrschen wolle. Es handle sich um einen Entscheidungskampf zwischen dem Papst und dem Präsidenten von Mexiko, einen Kampf, von welchem sich die Vereinigten Staaten fernhalten sollten. zur inneren Politik. In den letzten Tagen gingen zwei Meldungen durch die deutsche Presse, die wir nicht unbeachtet lassen dürfen. Aus München kam Anfang August folgende Meldung: 1 In einer stark besuchten Versammlung in München ist die süddeutsche parlamentarische Arbeitsgemeinschaft der Deutsch⸗ nationalen Volkspartei, die die deutschnationalen Parlamen⸗ den Konflikt ö 60 ali sensch N Nu. 00, Hubert tarier von Bayern, Württemberg, Baden und Hessen umfaßt, gestern zu der Ueberzeugung gekommen, daß die unheilvolle Lage der Reichsfinanzen und der deutschen Wirtschaft sowie die dadurch begüfstigten offensichtlichen Bestrebungen, die Revolu- tion weiterzutragen, unbedingt die gemeinsame Abwehr aller staats⸗ und wirtschaftserhaltenden Kräfte verlangt, zumal über die Kreise der Kommunisten und Sozialisten hinaus Elemente der Linken, namentlich die international eingestellte Presse, der 9 Bolschewisierung Deutschlands Vorschub leisten. Die Arbeitsge⸗ 0 meinschaft begrüßt den mit der Ueberzeugung weitester natio- 0 naler Kreise sich deckenden Aufruf der Herren Freiherrn von Gayl und Dr. Jarres und verlangt, daß das für Staat und Volk lebensnotwendige Ziel einer geschlossenen starken Rechten weder an parteipolitischer Engherzigkeit noch an persönlichen Interessen scheitern dürfte. f Und aus Berlin wurde fast zu gleicher Zeit gemeldet: Der frühere Reichskanzler Dr. Wirth tritt mit einem zweiten Auf— ruf an die Republikaner Deutschlands hervor. Darin heißt es . ü kommenden Winter auf der Wacht stehen und sich zu politischer gemeinsamer und verantwortlicher Arbeit bereit finden. Sollte es nicht möglich sein, dauernd und zielsicher Männer und Frauen der alten Weimarer Koalitions-Partei zu gemeinsamer geistiger Arbeit in einer republikanischen Monatsschrift zusammenzu⸗ halten? Loebe, Haas und ich glauben daran.“ Diese Meldungen kündigen ja dem deutschen Volk wieder einmal die schönsten innenpolitischen Kämpfe an. Sie bedeuten doch nichts anderes als schärfste Auseinandersetzung zwischen rechts und links. Mit vollem Recht wendet sich darum der be⸗ sonnene, parteipolitisch nicht eingeschworene Teil der deutschen Presse mit Entschiedenheit gegen jeden Rechts⸗ oder Linksblock. Wir brauchen heute „Nun müssen die deutschen Republikaner, besonders im wehr denn jemals ein einiges Volk; das kaun we⸗ der durch Herrn Wirth noch durch die von den Herren von Gayl und Jarres geplante starke Rechte geschaffen werden. Dafür hat das deutsche Volk zu viel bittere Enttäuschungen von links und rechts erlebt. Das deutsche Volk, vornehmlich das evan⸗ gelische Volk, schaut sehnsüchtig aus nach neuen Männern und einer neuen Partei, nachdem es auch von den„prominentesten“ politischen Führern, die sich seiner hätten annehmen müssen, im Stich ge⸗ lassen worden ist. Das Gebot der Stunde, das lebensnotwendige Ziel, kann nur die Volksgemein⸗ schaft sein. Rechts⸗ oder Linksblock schaffen nie⸗ mals die Volksgemeinschaft. Das kann nur unsere Bewegung, die gegen Kastengeist und Klassen⸗ kampf, gegen Materialismus und Mammonismus err PPP Sybille dem Vater ihren Entschluß kund. Peter Michel wollte auffahren und losbrechen, da aber trat seine Frau vor ihn; „Kannst du etwas wider Hans Heeger sagen?— Er ist ein from mer Christ und treuer Bekenner, er ist ein tüchtiger Mann und angesehener Meister. Meinst du, der Landgraf macht einen jun gen Mann so mir nichts, dir nichts zum Hofschuhmachermeister? Willst du, daß dein einziges Kind seine Jugend vertrauert?— Alles, was du dawider sagen kannst, das ist so klein und er bärmlich, daß du dich eigentlich schämen mußt.“ Da schrie Peter Michel und wich dabei zur Tür zurück:„So mag sie gehen, aber sie kriegt aus dem Haus noch nicht soviel mit, wie hier unter meinen Nagel geht.“ „Ich aber sage dir, Peter,“ erwiderte die Frau,„was ich gesponnen und gebleicht habe, ihre Wäsche und ihr Bett und den Schrank und die Truhe,— was alles von mir herstammt, das wird morgen in vierzehn Tagen von ihrem Paten Vogelsberger und dem Nachbarn Peter Kitz aufgeladen. Willst du dir selbst die Nase abschneiden und das Gesicht verschimpfieren, indem du dann öffentlich Krach machst, und wir das Gespött des ganzen Fleckens werden?“ Der Schultheiß gab keine Antwort, sondern öffnete die Türe, und entwich. Diese Weise übte er auch, als Peter Kitz und Hans Vogels⸗ berger vierzehn Tage später vor das Schultheißenhaus fuhren den Brautwagen packten. Da war Peter Michel„zufällig“ über Feld gegangen.— 8 In der Hofkirche zu Homburg wurden Hans und Sybille am zweiten Sonntag darnach getraut. Nur die Mutter, der Pate, Peter Kitz und Abraham Privat waren aus der nächsten Freund⸗ Das 8 gulse N felst a belg U ler! Aach le, ili Kähren denn a it R sulche über lung! 1 0 hen ion, aner Hülle , qcht fi chteih wenn gung sicht der sprüch der s Land jollte her f solche wurd gern etteil d a gen ihle Wool ohe! der f ene lacht s u e sufge Le fes 0 000 lig he v — haft z sandt, uh An d me seben falt! heim. a Mita J Gael de 1 5 Sonnabend, den 14. August 1926. „Evangelische Warte“ N Nr. 33. 10 kämpft und für Gerechtigkeit und Bruderliebe mit n aller Entschiedenheit eintritt. Und weil die christ⸗ 1 liche Volksgemeinschaft heute durch Rom unmög⸗ lich gemacht wird, ist unser Ziel zunächst die so nötige„Evangelische Volksgemeinschaft“. Sobald sie da ist, kommt auch die christliche Volksgemein⸗ schaft! Vom Kampf um die Welkanfthaunng. Unduldsamkeit des Freidenkertums. N Gegenüber uns Christen, die rein engherzig und fanatisch sein sollen, wollen die Freidenker die besseren „Menschen sein und das reinere Menschentum darstellen. Dazu paßt wenig, was das„Evangelische Berlin“(1926 9 Nr. 30) aus Berlin-Lichtenberg berichtet. Im dortigen an! Hubertuskrankenhaus pflegte zu Beginn der Frühstücks⸗ ane pause eine ganz kurze Morgenandacht für die Schwe⸗ daß, stern abgehalten zu werden. Das Bezirksamt Lichten— dall berg untersuchte die Sache. Eine geheime Abstimmung ae unter den 60 Schwestern ergab, daß nur zwei gegen die bol, Andacht waren, während 58 z. T. sehr warm für sie ein als traten. Gleichwohl entschied das Bezirksamt, unter l i dem katholischen Bürgermeister, der im Freidenkerlager emen, führend ist, daß die Andachten zu der bisher üblichen se. Zeit nicht mehr stattfinden dürfen, um keine Schwester in eine peinliche Lage zu bringen. Alle Schwestern, die auf eine Andacht Wert legten, sollten 10 Minuten frü⸗ her aufstehen, um vor dem Frühstück die Andacht abzu— halten. Bei dieser Neuregelung kann jedoch die jeweilige Ablosungsgruppe nicht zur Andacht erscheinen, während die frühere Zeit allen paßte. Tatsächlich ist denn auch die Andacht fortan unterblieben.— Man darf mit Recht fragen, ob es nicht hart und unduldsam ist, solche Entscheidung zu treffen, die 58 Schwestern gegen⸗ über zwei Andersdenkenden ein Stück seelischer Stär— tung in ihrem schweren Beruf nimmt 1 Naliz eihem at un Reh liche N Wie man gegen die christliche Schule kämpft. Das Organ des Monistenbundes, die„Monisti— schen Monatshefte“ geben zur Belehrung der kon⸗ fessionsfreien Jugend eine Beilage heraus:„Der freie Kamerad“. In Nr. 5 vom 1. Mai 1926 befindet sich ein Artikel von Professor Hermann Mager„Weltliche Schu— len“, der den Kindern das Glück preisen will, daß es jetzt für sie weltliche Schulen gibt. In diesem Artikel schreibt der Professor von den christlichen Schulen:„Und wenn ein Lehrer einmal sich getraute, seine Ueberzeu⸗ gung auszusprechen, wenn er z. B. sagte: Die Welt ist nicht so entstanden, wie es im theologischen Buche, in der Bibel, steht, oder wenn er zeigte, welche Wider⸗ „ sprüche in der Bibel sich finden, z. B., daß der Kain, der Sohn des ersten Menschenpaares, in ein anderes geh, Land auswanderte und dort eine Frau nahm(woher hell. sollte die stammen?) und gleich eine Stadt gründete(wo⸗ her sollte er die Menschen dazu nehmen?), so wurde ein uu solcher Lehrer von den Theologen arg verfolgt oder er , wurde davongejagt und durfte den Kindern, denen er ehh. gern die Wahrheit gesagt hätte, keinen Unterricht mehr ge erteilen. Und auch die Kinder, die solche aufrichtige d, und aufgeklärte Lehrer besonders liebten und achteten, eh waren betrübt, wenn ihre Lehrer gehen mußten und an ihre Stelle andere traten, die nach dem Wunsche der ebn, Theologen ihnen veraltete Anschauungen aufzwangen ne, oder gar gleich mit dem Stocke drohten, wenn die Kin⸗ „der nicht alles geduldig hinnehmen wollten.“ Huh, wie , oentsetzlich! Man kann dem Herrn Professor nur raten, m.), recht viele christliche Schulen zu besuchen, damit er sieht, 17 was für ein Geist dort herrscht. Es muß doch traurig ich) um eine Sache stehen, wenn sie mit solchen Entstel⸗ „, lungen den Gegner bekämpft. 5 11 1 ewe Erziehung ohne Religion? . il Leere Kirchen, volle Zuchthäuser. Der bekannte Pädagoge nil Professor W. Rein⸗Jena stellt statistisch fest, daß 1912 auf dc boo evangelische Strafmündige 1094 Verurteilte, auf 100 000 teligionslose Strafmündige 3963 Verurteilte kommen, also bei⸗ lasa e stahe viermal soviel Verurteilte bei den Religionslosen als bei 1 2 1 2 2 den Evangelischen, und fährt fort:„Das sollte den Vertretern der weltlichen Schule zu denken geben.“ Religion und Selbstmord. sonen: Selbstmörder bei den Evangelischen 31 Selbstmörder bei den Katholiken 37 Selbstmörder bei den Juden 40 Selbstmörder bei den Religionslosen 605 Und da soll man die Kinder ohne Religion aufziehen? * Freidenker⸗Offensive. Die Tatsache, daß das Berliner Stadtparlament anstelle der zuerst abgelehnten Mittel für christliche Seelsorge in den städtischen Anstalten doch schließlich 9 000 Mark für diesen Zweck bewilligt hat(gefordert waren 18 000 Mark), benutzt die„Rote Fahne“ u. a. zu folgendem Angriff:„15 Millionen haben gegen die Fürsten ihre Stimme abgegeben und damit zugleich ge— gen die Kirche. Es gilt für die Freidenker, diese 15 Millionen zu sammeln unter ihren Parolen. Da ist es Zeit, daß die Freidenker sich rühren. Nicht umsonst haben wir ein internationales Freidenkertum im Geiste des Marxismus. Wir haben gelobt, den Einfluß der Kirche auf die Schule zu brechen Wenn die Freidenker nicht wollen, daß die Masse der sozialdemokratischen Koalitionspolitik ihre Fackel auslösche, müssen sie flam⸗ menden Protest erheben.“(Nach Epd. 1926, Nr. 28.)— Noch stärker tritt auf, die„Welt am Abend“, ein neues linkssozialistisches Berliner Blatt. Sie empfiehlt, daß die„Gemeinschaft der proletarischen Freidenker“ Na— deln herstellen lasse(Verkaufspreis zu Gunsten der Kir— chenaustrittsbewegung) mit der Inschrift:„Heraus aus der Kirche!“ Die Träger dieser Nadeln haben die Pflicht, allen ihren Kollegen und Genossen, die diese Nadeln noch nicht tragen, das Leben so schwer als möa⸗ lich zu machen, durch Spott und Witz oder auch ernst⸗ haft. Der Druck der Millionen(2) Freidenker in Deutschland muß, vernünftig organisiert, so mächtig wer⸗ den, daß sich kein Arbeiter ausschließen kann.(Nach „Evangelist“ 1926, Nr. 29. Kleine Nachrichten. Der gefährliche Melanchthon. In Nürnberg fand unter großer Beteiligung aller Kreise die Vierhundertjahrfeier des im Jahre 1516 begründeten ersten deutschen evangelischen Gymnasiums statt. Zu Ehren ihres ersten Rektors sollte die Anstalt den Namen Melanchthon-Gym⸗ nasium“ erhalten. Wie die„Deutsche Lehrerzeitung“ Nr. 28 mitteilt, hat das bayerische Kultusministerium ein diesbezüg⸗ liches Gesuch der Stadt abgelehnt. Die fidele Wallfahrt. Die Schweizer katholischen Bischöfe haben eine ge— meinsame Kundgebung an ihre Gläubigen über Pilger⸗ züge und Wallfahrten erlassen. Bezüglich der Fahrt nach Lourdes heißt es:„Bei der letztgenannten Pilger⸗ fahrt soll aber vermieden werden, daß die Pilger die 5 von Monte Carlo besuchen.“ Das läßt tief licken! Religiöse Sozialisten. Die religiösen Sozialisten Deutschlands, denen es bisher vor allem in Baden und Thüringen gelungen ist, Boden zu fassen, veranstalten in diesen Augusttagen einen Kongreß. Spiel mit dem Terror. Zum Tode des russischen Volksbeauftragten Dzerszinski, des blutigsten Mannes der Weltgeschichte seit den Tagen der spani⸗ schen Inquisition, ist das Organ der Kommunistischen Partei Deutschlands, die„Rote Fahne“, mit Trauerrand erschienen. „Dzerszinski war auch uns deutschen Kommunisten das Symbol revolutionärer Pflichterfüllung, unbeugsamer Härte gegen alle Feinde der Revolution. Es lebe das Andenken des Führers der russischen Revolution. Es lebe die einheitliche Avantgarde des internationalen Proletariats.“ Das verbotene Deutschlandlied. Das französische Militärgericht verurteilte den Rektor Bertram aus Rüdesheim zu 500 Mark Geldstrafe oder zwei Monaten Gefängnis, weil er seine Schüler auf einem Ausflug zum„Deutschen Eck“ das Deutschlandlied hatte singen lassen. 2 1 2 1 chaft zugegen; desto mehr Neugierige hatte Homburg selbst ent⸗ 0 7 andt, die voll Genugtuung feststellten, daß die neue Frau Hof⸗ o. schuhmachermeisterin eine„bildhübsche Weibsperson“ sei. Am Hochzeitstage verschwand der Schultheiß aus Holzhausen ane und marschierte bis Friedberg. Dort setzte er sich in eine Schenke le eben der alten Stadtkirche und ersäufte den Aerger über sich mel, eelbst bei altem Rheinwein. Bei sinkender Nacht erst kam er unn beim. Fortsetzung folgt. 110% N Das Missionsschiff der Brüdergemeine. Anfang Juli ist zum letzten Male die„Harmony“, Nissionsschiff der Brüdergemeine, nach Labrador ausgefahren. Dias Schiff ist 50 Jahre alt. Es ist das kleinste Schiff, das tegelmäßig die Fahrt über den Atlantischen Ozean macht. Vor 1 ö 15 Jahren übernahm der Kapitän Jackson das Kommando über . 5„Harmony“ und hat seitdem Jahr für Jahr auf dem kleinen das 05 Schiff die gefährliche Reise in die nordischen Meere und an die e Küste von Labrador gemacht, um die Missions⸗ 1 tation der Herrnhuter Mission zu besuchen und die Missionare 0 nit allem Nötigen zu versehen. Oft waren die Reisenden und die Besatzung in großer Gefahr. Aber immer wieder konnte es auf diese Weise die riskante und mit den missionarischen Auf⸗ gaben oft schwer zu vereinbarende Arbeit abgenommen ist. Ein Mann des Gewissens. Der„Berliner Herold“ schreibt: Zu Leipzig amtet Herr Dr. Simons, der Präsident des Reichsgerichts. Einst Chef der Reichskanzlei und Minister des Auswärtigen, heute der oberste deutsche Richter. Sein Amt ist reich an Respekt und Ansehen, aber gar nicht sonderlich hoch an Einkommen. Ein mittlerer Fabrikdirektor bezieht weit mehr als der erste Richter im Reich, jeder Rechtsanwalt das Zehnfache. Und auch Privatvermögen hat Dr. Simons keins. Nun hatte sich Dr. Simons schon vor dem Kriege ein Häus— chen sorgsam erspart und mit einer Hypothek von 15000 Mark belastet. Da kam die Inflation, wo man in Deutschland solche Hypotheken aus der Westentasche zurückzahlte. Es kam die los werden kann, weil die alten Hypotheken nur mit 25 Prozent aufgewertet sind. Wos tat aber Dr. Simons? Er ging zu seinem Hypotehengläubiger und sagte:„Sie haben wir seiner⸗ zeit gutes Geld, ehrliche 15000 Mark geliehen, ich bin ihnen nter Gottes Schutz glücklich gegen Weihnachten nach London urückgebracht werden. Nach einem Vertrag, den die Leitung zer Brüdergemeinemission mit der Hudson⸗Bay⸗Company ge⸗ schlossen hat, geht das Schiff im September in den Besitz dieser Sesellschaft über. Den Handel mit den Eskimos, den bisher die Missionskaufleute an der Küste versahen, und die Versor⸗ gung der Missionare selbst übernimmt ebenfalls die Hudson⸗ Bay⸗Company. Die Brüdermission ist dankbar dafür, daß ihr also auch ehrliche 15000 Mark schuldig!“ seine Hypothekenschuld noch volle 15000 Mark betrage.“ So handelt der Reichsgerichtspräsident, wobei er als auf⸗ rechter, gerader Mann zugleich die ganzen„Auf“-wertungsgesetze in ihrer unehrlichen volksbetrügerischen Art bloßstellte. Er handelte so, wie ihm sein Gewissen, wie der gerade Sinn jedes anständigen Menschen gebietet. Nach den amtlichen Feststellun— gen des Statistischen Amtes in Berlin kamen auf 100 000 Per- r ————— Keine Parteipolitit im Kyffhäuserbund. Presseabteilung des Deutschen Reichskriegerbundes „Kyffhäuser“ veröffentlicht folgende Erklärung: Die „Linksblätter berichten, daß eine Reihe von Mitgliedern Kriegervereinen, die beim Volksentscheid mit„Ja“ stimm⸗ deswegen aus ihren Vereinen ausgeschlossen worden seien. Preußische Landes-Kriegerverband erklärt demgegenüber, daß kein Mitglied in der Ausübung seines verfassungsmäßigen Rechtes gehindert oder zur Verantwortung gezogen werden dürfe; mithin ist also ein Ausschluß aus dem genannten Grunde unstatthaft.“ von ten, Der Allerlei. Wohnungselend. Aus Berlin wird uns gemeldet: Der Zuzug auswärtiger Familien nach der Reichshauptstadt nimmt ständig zu, die Aus⸗ sicht, des Wohnungselends Herr zu werden, oder auch nur mit dem Wachsenden Bedarf durch Wohnungsneubeschaffung einiger⸗ maßen Schritt zu halten, ständig ab. Im Jahre 1924 wurden noch 8 000 neu zugezogene Familien ermittelt. Für das lau⸗ fende Jahr rechnet man, wie der städtische Wohnungsdirektor dieser Tage einem Berliner Blatte mitteilt, mit 25 000 neu zu⸗ ziehenden Familien, die fast alle Anspruch auf eine Wohnung erheben. Schon jetzt sind ungefähr eine Viertelmillion Men⸗ schen, also wenigstens 80 000 Familien, in Berlin ohne eigenes Heim. Dabei wird der Zuzug von den Wohnungsbehörden durch Verschärfung der Bedingungen für die Wohnungszu⸗ teilung nach Kräften erschwert. Niemand hat Aussicht auf eine Wohnung, der nicht wenigstens ein halbes Jahr Wohnaufent⸗ halt in der Riesenstadt absolviert hat. Das aber ist gleichbe⸗ deutend mit solanger Trennung von seiner Familie. Die Jah- resbilanz der Wohnungspolitik in 1925 schließt mit einem traurigen Mißerfolg: 8000 Neuwohnungen. Bei dieser Meldung möchte die Schriftleitung nur noch gerne wissen, ob der Massenzuzug ungewünschter Reichshaupt⸗ stadtbewohner aus dem Osten restlos wieder abgeschoben worden ist, oder ob diese immer noch deutschstämmigen Wohnungssuchern vorgezogen werden? Die Verstädterung. Von den 63 580 politischen Gemeinden, auf die sich die Wohnbevölkerung des Deutschen Reiches(das Saargebiet un⸗ gezählt) verteilt, sind nach den jetzt vorliegenden Volkszählungs⸗ ergebnissen nicht weniger als 60 132— 95 Prozent ländliche Gemeinden. Von der Zahl der Einwohner entfallen auf sie aber nur 22,2 Millionen oder rund ein Drittel(33,6 v. H.). Auf seiten der städtischen Bevölkerung wurden demgegenüber nur 3448 Gemeinden festgestellt, die aber von über 40 Millionen (2 64,4 v. H. der Gesamtzahl) Menschen bewohnt waren, Die Verschiebung des Bevölkerungs-Schwergewichts vom Lande nach der Stadt hat auch auf Grund der neuesten Zählung weitere Fortschritte gemacht. Die beiden Bevölkerungsgruppen verhalten sich heute genau umgekehrt zueinander wie 1871. Die Verschiebung ist durch die auf Grund des Vertrages von Ver⸗ sailles erfolgten Gebietsabtretungen noch besonders verschärft. Erfreulicherweise ist neuerdings der Sinn für die Bedeu⸗ tung der ländlichen Siedlung im Wachsen begriffen. Keine Arbeitslosigkeit. Ein Feld, auf dem es keine Arbeitslosigkeit gibt. „Das dringende Verlangen der evangelischen Gemein⸗ den im Inland und Ausland nach Mitarbeit der Dia⸗ konisse an der Lösung der Gemeindeaufgaben zum Er⸗ weise des Gemeindelebens besteht unvermindert fort. Es ist bitter und demütigend für ein Mutterhaus, wenn es noch nicht einmal den zehnten Teil der einlaufenden Gesuche um Schwestern erfüllen kann. Aber es muß die selbstverständliche Wahrheit immer aufs neue wieder von den Dächern gepredigt werden: die Not der Mut⸗ terhäuser ist die Not der Gemeinden, weil die Not der Gemeinden die Not der Mutterhäuser ist. Zu den Ge⸗ meinden, die mit der Bitte um Schwestern an die Mut⸗ terhäuser herantreten, könnten diese sagen, was Calvin den Gemeinden sagen ließ, die von ihm Prediger be⸗ gehrten:„Gebt uns gutes Holz, und wir werden euch gute Pfeile wiedergeben.“(Jahresbericht des Kaisers⸗ werther Diakonissenmutterhauses 1925/1926.) Die Ge⸗ samtschwesternzahl hat zwar gegen das Vorjahr wieder um 11 zugenommen; aber die Zahl der Arbeitsfelder ist um 12 gewachsen, die Zahl der für die Arbeit zur Geheimrat König über das Werk Zeppelins. Herr Geh. Hofrat Prof. Dr. Walter König⸗Gießen, der 2. Vorsitzende des Vereins für Luftfahrt e. V., machte uns fol⸗ gende Erklärungen über den Zeppelin⸗Luftschiffbau und die Zeppelin⸗Eckener⸗Spende: „Ich bin immer ein aufrichtiger, begeisterter Bewunderer Zeppelins gewesen. Sein Gedanke des starren Luftschiffs und dessen erfolgreiche Durchführung erscheint mir als eine der größten Taten, die deutschem Geiste entsprungen sind, als eine Stabilisierung, wo man solche Schulden heute noch sehr leicht Und ließ ausdrücklich ins Grundbuch eintragen, daß auch jetzt„nach der Aufwerlung der größten Erfindungen, die ein Deutscher der Welt geschenkt hat. Ich bin überzeugt, daß das Luftschiff im Luftverkehr seine Bedeutung für Reisen über sehr lange Strecken neben dem Flugzeug stets behalten wird, sobald es nur erst einmal richtig in den Verkehr eingestellt ist. Für wissenschaftliche Aufgaben aber, besonders für die Erforschung unbekannter Länder, halte ich das Luftschiff für sehr viel geeigneter als das Flugzeug. Darum hat meiner Ansicht nach die ganze Welt ein Interesse daran, das Lebenswerk Zeppelins nicht verfallen zu lassen. Aber nur wir Deutsche haben in den Werken von Friedrichshafen und in den Männern, die sie leiten, die auf hrung beruhende Möglichkeit, den Gedanken Zep⸗ ühren und weiter auszubauen. Wahren wir das s des Grafen, indem wir alles daran setzen, den ffbau in Friedrichshafen zu erhalten. Möchte in der Reichssammelwoche jeder Deutsche sich dieser flichtung be⸗ wußt sein und sein Scherflein, und wenn es noch so klein ist, dazu beitragen.“ in den übrigen deutschen Ländern, z. B. in dem uns benachbarten Sonnabend, den 14. August 1926. „Evangelische Warte“ Verfügung stehenden Schwestern um 25 zurückgegangen. Und das mitten in einer Zeit großer und schwerer Ar⸗ beitslosigkeit, die auch auf den weiblichen Erwerbstäti— gen lastet. Spielhöllen. Dezember 1919 besteht das neue Glückspielge— setz. Bei seinem Zustandekommen gab es in Berlin 12 Spiel⸗ ubs, heute sind es 125. Die Presse veröffentlicht Schilderun— gen der brutalen Betrugsmanöver, die sich in ihnen abspielen. Die meisten dieser Klubs„tagen“ ununterbrochen von nach— mittags 5 bis morgens 6 Uhr, um dann in einem anderen Raume die Arbeit fortzusetzen. Die größte Dreistigkeit erlaubt sich ein Klub an der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtnistirche, der die Spieler 6 Uhr früh, bei Wiedereinsetzen des Schankbe— triebes, zum Morgenfrühstück und Spiel auf seinem Dachgarten einladet. Die Besitzer sind bis auf drei oder vier meistens Leute, die Schiffbruch erlitten haben, zum Teil„schwere Jun— gens“, vier sind nachsweislich mit Zuchthaus vorbestraft. Und das alles vor den Augen der Ueberwachungsbehörden! Das Berliner Polizeipräsidium, das ständig auf diese Auswüchse aufmerksam gemacht wird, erklärt sich außer stande, einzugrei— fen, da es ohne Ausführungsbestimmungen keinerlei Hand— habe besitze.— Es wird vom Reichstag verlangt werden müssen, daß er entweder das Glücksspielgesetz ändert oder aufhebt. * Zuschußbedarf des Reiches im 1. Vierteljahr 1926. Nach der vom Reichsfinanzministerium herausgegebenen Uebersicht über die Reichseinnahmen- und ⸗Ausgaben im ersten Vierteljahr des Finanzjahres 1926(April bis Ende Juni) be⸗ liefen sich, in Millionen Reichsmark ausgedrückt, im ordentlichen Haushalt die Einnahmen auf 1524, die Ausgaben auf 1601. Mit⸗ hin war ein kassenmäßiger Zuschuß von 77 erforderlich. Dagegen ergibt sich infolge der in den Haushalt jetzt eingestellten Ueber⸗ schüsse aus den Jahren 1925 und 1924 ein etatmäßiger Ueber⸗ schuß von 14,8. Im außerordentlichen Haushalt beliefen sich die Einnahmen auf 0,6, die Ausgaben auf 116,5. Alls Hessen. Finanznöte der hessischen Landeskirche. Darmstadt. Der hessische Landeskirchentag hat bei seiner letzten Tagung folgende öffentliche Kundgebung erlassen:„Die evangelische Landeskirche in Hessen befindet sich in einer äußerst schwierigen Finanzlage. Die Kirchensteuern haben eine kaum noch tragbare Höhe erreicht. Aus eigener Kraft kann sich die Kirche nicht mehr helfen. Wir erheben vor der Oeffentlichkeit erneut Beschwerde darüber, daß der hessische Staat seinen ge⸗ schichtlich und rechtlich unbestrittenen Verpflichtungen gegen die evangelische Kirche nicht genügend nachgekommen ist. Dies ist * Seit dem 22. Baden, trotz ihrer gewiß auch nicht günstigen Finanzlage ge— schehen. Kein Staat, der den Anspruch erhebt, ein Kulturstaat zu sein, darf die Dienste vergessen, die die christlichen Kirchen, und nicht zuletzt die evangelische, auf dem sittlich-religiösen, geistig⸗kulturellen und sozial⸗charitativem Gebiete dem Volks⸗ ganzen und damit dem Staate von jeher geleistet haben, heute noch leisten und in Zukunft leisten müssen.“ Darmstadt. Die zweite Hälfte der Darmstädter Opernsaison 1925 26 nahm mit Pfitzners„Palestrina“ einen großzügigen Anfang. In der Osterzeit erschien Wagners„Parsifal“ in einer gegen das Vorjahr sehr vervollkommneten Inszenierung. Moderne Uraufführungen brachte man mit Francescos Mali⸗ pieros drei Goldonischen Komödien„Das Kaffeehaus“,„Herr Todero Brontolone“ und„Die zänkischen Weiber von Chioggio“ heraus, die mit dem lärmenden Ballett„Das venezianische Klo⸗ ster“ von Alfredo Casella zusammengekoppelt waren. Erfolg⸗ reiche Neueinstudierungen erlebten„Der Wildschütz“, Donizettis „Don Pasquale“. Pergoleses serva padrona“, Abu Hassan“ von Weber und„Die Nürnberger Puppe“ von Adam.„Fidelio“, „Zauberflöte“ und„Oberon“. Die letzte Neueinstudierung war Verdis„La Traviata“. Hervorragende Gäste waren Richard Mayr und Anne Noselle von Wien, Karl Jörn. Der große Er⸗ folg ist in erster Linie dem neuen Generalmusikdirektor Josef Rosenstock zu verdanken. Alsfeld August. Eine weitere Autopostlinie im Vogels⸗ berg ist von Alsfeld nach Ulrichstein geplant. Die beteiligten Ge⸗ meinden haben eine Garantiesumme von etwa 32 000 Mark zu leisten; auf Alsfeld entfallen etwa 15 000 Mark. Der Stadtvor⸗ stand stimmte der neuen Linie zu und bewilligte die Garantie⸗ summe. Das Auto wird in Alsfeld untergestellt, täglich sind zwei Fahrten vorgesehen. Büdingen, August. Unter außerordentlich starker Beteili— gung der Bürgerschaft und insbesondere der ehemaligen Schüler wurde hier das 325jährige Bestehen des Wolfgang⸗Ernst⸗Gymna⸗ siums begangen. Die Anstalt wurde im Jahre 1601 durch den Grafen Wolfgang Ernst von Birstein gestiftet, dessen Namen sie gelegentlich des 300jährigen Jubiläums erhielt. 1882 war sie Staatsanstalt geworden. Gelegentlich des Jubiläums wurde für die im Weltkrieg Gefallenen eine Tafel enthüllt, die die Namen von zwei Lehrern und 95 Schülern enthält. Die hessischen Geschichtsvereine zur Fürstenhetze. Gelnhausen. Der Landesverein für hessische Geschichte und Landeskunde, hat in Gelnhausen seine Jahrestagung abgehal⸗ ten. Bei der Erstattung des Jahresberichts wurde u. a. er⸗ wähnt:„Die in der letzten Zeit anläßlich der Verhandlungen über die Abfindung der Fürstenhäuser nicht selten gehässigen An— griffe der Linkspresse auf die hessischen Landgrafen fanden beim Vorstand wie bei den übrigen Mitgliedern des Vereins lebhafteste Beachtung. In einem ganz besonders krassen Falle hat der Vorstand auch einen Schritt zur Richtigstellung unternommen, nämlich als die„Welt am Montag“ einen von Brunner längst als Fälschung erwiesenen Brief Landgraf Friedrichs II. neuer⸗ dings mit entsprechendem Kommentar abgedruckt, in dem der Landgraf angeblich sein„Mißfallen“ darüber ausdrückt, daß von einem nach Amerika transportierten hessischen Truppenteil so wenige seiner Landeskinder gefallen seien, weil infolgedessen weniger englische Werbungsgelder in seine Tasche flössen. Der Vorstand schickte der Redaktion unter Hinweis auf den Brunner⸗ schen Aufsatz eine Berichtigung zu, die denn auch von der„Welt am Montag“ abgedruckt worden ist, aber an so versteckter Stelle, daß gewiß niemand sie gelesen hat. Daraus ergab sich, daß es gegenüber einer übelwollenden Presse ziemlich zwecklos sei, den Kampf gegen die Verleumdung namentlich Friedrichs II., wegen seines sogenannten„Soldatenhandels“ aufzunehmen, und man hat daher von ähnlichen Schritten in der Folgezeit age a8 10. ohnedies nicht mehr an jene Verleumdungen, und Leute, die sich aus parteipolitischen Gründen nicht belehren lassen wollen, wird man ohnedies nicht zu einer gerechten Beurteilung jener einzig aus den Anschauungen ihrer Zeit heraus zu würdigenden Einsichtige und wahrheitsliebende Geschichtsforscher Vorgänge bekehren können.“ Homberg(Bez. Kassel). unter Landgraf Philipp dem Großmütigen in Homberg a. d. Efze die sogen.„Homberger Synode“ statt. Die 400jährige Wie⸗ derkehr dieses Ereignisses soll im Herbst dieses Jahres von der gesamten Evangelischen Landeskirche in Hessen feierlich begangen Die Feier wird an den historischen Tagen hier statt⸗ Die„Homberger Synode“ bedeutet den Eintritt Hessens werden. finden. in die Reihe der Gebiete, die sich der evangelischen Erneuerung im 16. Jahrhundert öffneten. Im Rahmen der Veranstaltungen zum Hessischen Reformationsjubiläum erscheint u. a. ein Fest⸗ spiel, das die anziehende Gestalt Philipps zum Mittelpunkt hat. Bücherbesprechung. Zwei Schriften, E. V. aufs wärmste empfohlen werden: 1.„Evangelisch oder katholisch?“ von H. Seeliger. scher Lutherverlag Witten a. Ruhr. Preis 1 Mark. 2.„Warum evangelisch und nicht katholisch?“ von Lic. M. Stäglich. Verlag des Evangelischen Bundes, Berlin Wü 35. Preis 0,90 Mark. Wir von der E. V. kämpfen gegen die Machtansprüche der ee römischen Kirche, weil wir wissen, daß das letzte Ziel ihrer Beseitigung des Protestantismus, Die Kraft und den Mut für unsern Kampf müssen wir immer wieder aus der Er⸗ äußeren Machtentfaltung, Vernichtung der evangelischen Religion ist. kenntnis schöpfen, was für uns auf dem Spiele steht, wenn Rom die Macht gewinnt, die es haben will; wir müssen wissen, welch herrliches Gut wir mit unserm Glauben verlieren, wenn Deutschland katholisiert wird. Dieses, und daß unser Glaube! es wert ist, für ihn zu kämpfen, zeigen uns deutlich die beiden oben genannten Schriften. Es sind keine Hetzschriften, sondern in aller Sachlicheit zeigen sie die Herrlichkeit und Ueberlegen⸗ heit des evangelischen Christentums gegenüber katholischer Lehre und katholischer Kirchenpraxis. Die Sprache ist in beiden Schrif⸗ ten schlicht und volkstümlich, sodaß auch der einfache Mann sie versteht. Zu Besprechungen in Mitgliederversammlungen der E. V. eignen sich beide Heftchen sehr gut. Ide, Höchst a. M. Paul Gerhardt, Schauspiel in 5 Aufzügen und 1 Schluß⸗ szene, von Emma Lehn. Verlag des Evang. Gemeindeblattes zu Offenbach a. M., Gothestraße 10. Preis Mk. 1,.—. Dieses Schauspiel, zum 250. Todestag Paul Gerhardts erschienen, wird Vielen, die zumal in diesem Jahre ihren Gemeinden die Gestalt des großen Liederdichters der evangelischen Kirche lebendig vor⸗ führen wollen, gute Dienste tun. Das Aufführungsrecht ist durch den Verlag einzuholen.— Aus der Feder derselben Schrift⸗ stellerin sind unter anderem erschienen die Bühnenspiele:„Die Calvinisten“,„Dramatische Bilder aus der Zeit Deutscher Not und Erhebung“,„Das Deutsche Volkslied in Wort und Bild und Lied“,„Das Kirchenjahr“, Die Lehrdichtung„Gegenkönige“ ., d. m. An unsere Mitglieder und Freunde! Auf unserer 1. Reichstagung in Gießen am 2. Juni v. Is. war beschlossen worden, daß die 2. Reichstagung im Herbst 1926 in Gelsenkirchon stattfinden solle. Mit Rücksicht darauf, daß voraussichtlich im Volksstaat Hessen im Herbst Landtagswahlen sind, daß wir im letzten Jahr nicht nur in Hessen und Hessen⸗Nassau, sondern auch in fast allen Gegenden des Reiches viele neue Mitglieder und Anhänger gewonnen haben, berufen wir in Ab⸗ änderung des obigen Beschlusses für Sonntag, den 3. und Montag, den 4. Oktober 1926 die 2. Reichstagung nach Frankfurt a. M. Auf dieser Tagung spricht auch Reichstagsabgeordneter Dr. Best über das Volksbegehren für eine gerechte Aufwertung. Wir bitten heute schon unsere Mitglieder und Freunde, sich für diesen Tag bereit zu halten und nach Möglichkeit für diese 2. Reichstagung zu werben. Der 3. Oktober muß ein gewaltiges Bekenntnis zu unserer guten Sache werden. Näheres später. Mit evangelischem Gruß Der engere Vorstand der Evangelischen Volksgemeinschaft: Professor Niemann⸗Gelsenkirchen, Bürgermeister Völker⸗Lich, Pfarrer Weidner⸗Ober⸗Lais. 1 10 ü Blumenhaus Dietz 5 Wir bitten um örtliche Nachrichten für die Seltersweg 3s Gießen Fernsprecher 13 8 8 a 1 95 Evangelische Warte. Diese Berichte sind direkt Größtes Spezialgeschästoberhessens[as Schuh Ver, C leg F en den Verlag der„Ev. Warte“(Sie fen S 2 8 3 5 Südanlage 21) bis spätestens Donners⸗ . I Prompte u. reelle Bedienung. 3 65 H a m bur ger. 8 T 19 b f n b M 1 f n b 1 1 Drucksachen aller Art% Albin Klein, ideen, 23 ü—— in jeder Preislage, zum Teil ellnüssen Leser der Warte! eigene Crescensen Ich bin befreit vom 1. Tage an, wo ich von Ihrer Methode Ge- brauch machte, bin ich das Uebel los. So schr. Landw. O Brambacher im Hot. Alt. u. Geschl. angeb. Ausk. kostenl. Istu Winkler München M 256—257 Nympbenburgerstr. 168 C. Striba 1. Gegründet 1883 i 0 5. b 5 in e 5 N i 2 2 Flonheim bei Bingen am Rhein. A 7 dere Sorgt für Verlangt die„Evangellsche Warleꝰ in den Gasthäusern insbeson- in der Sommerfrische. Bestellung, Wo sje nleht zu haben ist Am 21. und 22. Oktober 1526 fand die den Mitgliedern und Freunden den 1 wir! qu en alles Fott Nun Jie unte nicht det! vbelc Jude woll füt Nu gedr gege gan, Ent fh far mei Jede len uf dos